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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Wolfgang Overath Forum: Bärenstarke Geißböcke Odenwald Forenbeschreibung: 1 FC Köln Fanclub Odenwald aus dem Unterforum: Rund um den 1.FC Köln und das Geissbockheim Antworten: 6 Forum gestartet am: Samstag 24.02.2007 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: FC Helden Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 8 Monaten, 28 Tagen, 13 Stunden, 23 Minuten
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Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:36FC Helden
Walter Müller -
"Kopfballungeheuer" der 50er
Sportbegeistert war Walter Müller schon von Kindesbeinen an. Als Jugendlicher ein guter Handballer im Stadtteilverein Kassel-Harleshausen, war er später als Fußballer noch erfolgreicher.
Auf der Position des Mittelstürmers gehörte Müller zum Stamm der Kasseler Stadtmannschaft. Entscheidend für die weitere Laufbahn des Offensivspielers war sein Wechsel zum damaligen Nordoberligisten Göttingen 05 im Jahre 1949. Bei den Niedersachsen wurde er, mittlerweile zum Rechtsaußen „umgeschult“, Leistungsträger und kam repräsentativ in der Auswahlmannschaft des norddeutschen Fußballverbandes zum Einsatz.
Der Wunsch, Turn- und Sportlehrer zu werden, führte Müller im Sommer 1952 an die Kölner Sporthochschule. FC-Präsident Franz Kremer und sein findiger „Scout“ Jupp Schmitz zögerten nicht lange, und so wurde der angehende Student im Sommer 1952 Vertragsspieler des aufstrebenden 1. FC Köln. Bei seiner Pflichtspielpremiere am 24. August 1952, einem 2:1-Erfolg über den STV Horst-Emscher, war Müller auch gleich als Torschütze erfolgreich. Bis zum Saisonende sollten noch 16 weitere Treffer folgen, was für die Kölner Platz 2 in der Oberliga West, und somit die Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft bedeutete. 1953/1954 hatte der sympathische Hesse mit großem Verletzungspech zu kämpfen. Obwohl in nur sieben Oberligabegegnungen eingesetzt, gelang ihm dennoch ausgerechnet am letzten Spieltag ein historisches Tor: Mit dem 2:1 in der 88. Minute beim Auswärtsspiel in Sodingen sicherte Müller dem 1. FC Köln seine erste Westdeutsche Meisterschaft. Der Rechtsaußen war auch dabei, als der FC am 15. April 1954 im Ludwigshafener Südweststadion erstmals ein DFB-Pokalendspiel bestritt. Die unglückliche 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart konnte er aber auch nicht verhindern.
Mehrmals hatte sich Walter Müller in das berühmte Notizbuch von Bundestrainer Sepp Herberger gespielt, zu einem Einsatz in der A-Nationalmannschaft kam es aber nie. Dessen ungeachtet war der torgefährliche und kopfballstarke Akteur ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen FC-Mannschaft der 1950er Jahre. Sein ehemaliger Mitspieler Jupp Röhrig erinnert sich noch heute gerne an die Zeiten zurück, als er aus dem Mittelfeld heraus den vorne lauernden Müller mit präzisen Maßflanken „fütterte“, die dieser dank seiner Vollstreckerqualitäten meist verwertete. Im Sommer 1955 absolvierte das „Kopfballungeheuer“ sein Diplom als Turn- und Sportlehrer mit der Note „sehr gut“ und wurde als Bester seines Semesters mit der August-Bier-Plakette ausgezeichnet. Diese Plakette sowie ein FC-Trikot aus Müllers aktiver Zeit sind dank der Angehörigen des beliebten Spielers seit gut drei Jahren im FC-Museum zu besichtigen.
Am Ende der Spielzeit 1957/1958 verließ Walter Müller nach 168 Pflichtspielen und 72 Toren den 1. FC Köln, um in seine Heimatstadt Kassel zurückzukehren und sich dem Traditionsverein Hessen Kassel anzuschließen. Die seinerzeit in der 2. Liga Süd spielenden Löwen erlebten durch die Rückkehr des ehemaligen FC-Stars einen regelrechten Boom und sichtlich steigende Zuschauerzahlen. Nach Beendigung seiner Fußballerlaufbahn war Walter Müller als Sportlehrer und Trainer der Kasseler tätig. Er starb am 16. September 1995 im Alter von 66 Jahren.
Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:37
Stefan Langen -
Abwehrchef und Wirt
Bereits seit 1946 jagte Stefan Langen bei der Spielvereinigung Sülz 07 dem runden Leder hinterher. Schnell hatte sich der robuste Verteidiger in die erste Mannschaft der "Rothosen" gespielt. An die Fusion mit Nachbarverein KBC erinnert sich Langen noch heute: "Das war gar nicht so einfach, vor allem bei uns Sülzern. Wir standen sportlich wesentlich besser da als der KBC. Manch einer der älteren Spieler fürchtete um seinen Stammplatz oder ein lieb gewonnenes 'Pöstchen'". Doch letztlich setzten sich die Befürworter durch, und so entschieden sich die beiden ungleichen Clubs am 13. Februar 1948 zur "Vernunftehe".
Auch im neuen Großverein 1. FC Köln behauptete Langen seinen Stammplatz. Der von seinen Teamkollegen nur "Steff" gerufene war dabei, als der FC am 15. Februar 1948 in der Müngersdorfer Radrennbahn gegen Nippes 12 sein erstes Spiel überhaupt bestritt (Endstand 8:2 für den FC). Neben Eduard Szilinsky und dem ersten FC-Kapitän Willi Weyer ist Langen letzter noch lebender Zeitzeuge dieser legendären Elf, der unter anderem auch Meistertrainer Hennes Weisweiler angehörte.
Wegen seiner zuverlässigen und fairen Spielweise wurde "Steff" von Anhängern, Mitspielern und Gegnern gleichermaßen geschätzt. In seiner letzten Spielzeit 1954/1955 sorgte eine langwierige Verletzung dafür, dass Langen nur noch wenige Einsätze hatte und am Saisonende die Fußballstiefel endgültig an den Nagel hängte. Bis dahin war er als Dirigent des Abwehrverbundes der Geißböcke nicht wegzudenken. Größte sportliche Erfolge waren der Oberligaaufstieg 1949 mit dem anschließenden, unvergessenen Triumphmarsch durch Sülz-Klettenberg sowie die Westdeutsche Meisterschaft und das DFB-Pokalendspiel gegen den VfB Stuttgart 1954. Mit leuchtenden Augen spricht Langen von seiner Zeit beim 1. FC Köln. Viele Fotos, die er akkurat in Alben aufbewahrt, zeugen von einer bewegten und interessanten Zeit im FCTrikot.
Vor allem erinnert er sich an die beschwerlichen Nachkriegsjahre und die damals sehr beliebten "Kalorienspiele" auf dem Land. "Die Freundschaftsspiele in der Provinz waren immer etwas ganz Besonderes. Da konnte man sich so richtig satt essen. Beim TuS Derschlag gab es beispielsweise am Pfingstsamstag 1948 einen wunderbaren Erbseneintopf. Bereits vor dem Spiel hatten wir unter den staunenden Blicken der Einheimischen etliche Teller zu uns genommen und somit während der Partie mit den Folgen des Verzehrs der Hülsenfrüchte zu kämpfen. Trotz des 'Handicaps' gelang uns aber ein recht souveräner 7:1-Sieg."
Auf der Luxemburger Straße in Efferen führte Langen zusammen mit seiner Ehefrau in den 1950er Jahren die Gaststätte und Weinstube "Zum Geißbock". Viele FC-Spieler hatten in dieser Zeit auf der "Straße des 1. FC Köln", wie die Luxemburger Straße auch genannt wurde, Geschäfte. Spielführer Hans Graf verkaufte Autozubehör, Jupp Röhrig Zigarren und Eintrittskarten, Gerhard Ihns besaß einen Fahrradhandel und bei Paul Mebus konnte man Herrenmode erstehen. Während der gut 7 Jahre als FC-Vertragsspieler brachte es Langen auf 192 Pflichtspiele, in denen er vier Tore erzielte.
Seit einigen Jahren sind die Langens in Neuss zu Hause, wo es sie wegen ihrer Kinder hingezogen hat. Auch der Freund und ehemalige Mitspieler Willi Weyer wohnt ganz in der Nähe, man besucht sich regelmäßig. Das aktuelle Geschehen bei den Geißböcken verfolgt er im Fernsehen und der Presse – "Steff" Langen wird "seinem" FC immer die Treue halten.
Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:38
Fritz Pott aus Köln-Zollstock
Was haben Hans Schäfer, Dirk Lottner und Fritz Pott gemeinsam? Sie alle erlernten das Fußballspielen im Kölner Süden bei Rot-Weiß Zollstock. Fritz Pott war hier seit seinem 7. Lebensjahr aktiv, als Erwachsener stieg er mit den Zollstockern in die Bezirksklasse auf. 1958 wagte Pott dann den Wechsel zum großen 1. FC Köln. Nach den damaligen Bestimmungen musste Pott erst eine einjährige Sperre "absitzen", bevor er in der Vertragsspielermannschaft des FC spielberechtigt war. Die ersten Tage waren nicht einfach: "Das war schon komisch, als ich in die Kabine kam und dort neben Größen wie Hans Schäfer, Jupp Röhrig oder Hansi Sturm Platz nahm. Da musste man sich erst einmal durchsetzen, schließlich kam ich ja von einem kleinen Amateurverein." Während der Sperrzeit kam der junge Abwehrspieler in der so genannten "Vertragsreserve", die ihre Begegnungen in der Regel immer vor der 1. Mannschaft austrug, zum Einsatz.
Bereits ab der Spielzeit 1960/1961 spielte Pott regelmäßig in der "Ersten". In der Folgesaison 1961/1962 bestritt der Defensivallrounder alle Meisterschaftsspiele bis zum Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Nürnberg im Berliner Olympiastadion. Fritz Pott setzte nach einem unwiderstehlichen Sololauf über den ganzen Platz den Schlusspunkt zum 4:0-Triumph und die Kölner wurden erstmals Deutscher Meister. FC-Trainer "Tschik" Cajkovski erkannte die Vielseitigkeit des Zollstockers, der im Laufe seiner Karriere auf sämtlichen Abwehrpositionen zum Einsatz kam. Pott war ein für damalige Verhältnisse moderner Verteidiger, der sich konstruktiv am Aufbauspiel beteiligte und auch mal mit nach vorne ging. Seine erstklassigen Leistungen im Verein blieben auch Bundestrainer Sepp Herberger nicht verborgen und so feierte Pott am 24. Oktober 1962 in Stuttgart gegen Frankreich sein Länderspieldebüt.
Häufige Leistenverletzungen zu ungünstigsten Zeitpunkten sorgten dafür, dass Fritz Pott während seiner langen Laufbahn "nur" drei Länderspiele bestritt. Bei seinem letzten Einsatz für Deutschland am 29. April 1964 in Ludwigshafen gegen die CSSR standen mit Leo Wilden, Wolfgang Weber, Karl-Heinz Thielen und Wolfgang Overath noch vier weitere Akteure des 1. FC Köln in der Startelf. Im Verein lief es besser für Pott. In der ersten Bundesliga-Spielzeit 1963/1964 gehörte er zum Stamm und gewann seinen zweiten Deutschen Meistertitel. An das "Liverpool Drama" 1965 erinnert sich Pott noch bis ins Detail: "Das war schon merkwürdig, dass ausgerechnet der Schiri vor dem Münzwurf selbst bestimmte, welche Farbe für Liverpool stand und welche für uns; bitter, denn mit der Truppe hätten wir gute Chancen gehabt den Europapokal zu gewinnen. Überhaupt war die Kameradschaft damals schon etwas besonderes, nach jedem Spiel versammelte sich die komplette Mannschaft im Geißbockheim zum Essen."
Auf "den guten Pott", so der gleichnamige Werbeslogan eines Spirituosenproduzenten, war immer Verlass. Verständlich, dass die Firma "Pott Rum" mit dem waschechten Kölner gerne einen gut dotierten Werbevertrag gemacht hätte. Doch Franz Kremer legte sein Veto ein und durchkreuzte damit die "hochprozentigen" Werbeabsichten seines Spielers. Übel genommen hat Fritz Pott dem "Boss" sein Einschreiten nicht. "Franz Kremer war und ist unerreicht, ein Glücksfall für den FC." Der DFB-Pokalsieg 1968 war Potts letzter großer Erfolg bei den Geißböcken, 1969 beendete er seine aktive Karriere.
Dem Fußball blieb er als Trainer noch einige Jahre erhalten, war beim SC Brühl, der SpVgg Frechen und Viktoria Köln tätig. Seit einigen Jahren hat er ein eher distanziertes Verhältnis zum Fußball, zumal ihm als viel beschäftigtem Inhaber einer Glas- und Gebäudereinigung häufig die Zeit fehlt. Sehenswerte Erinnerungsstücke zieren die Wände seines Büros in Hürth-Efferen, bei deren Betrachtung man sich in goldene FC-Zeiten zurückversetzt fühlt. Zeiten, mit denen der Name Fritz Pott untrennbar verbunden ist.
Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:40
Berthold Nordmann -
Spiel des Lebens gegen S04
Der 1. FC Köln war für den ehrgeizigen, athletischen Akteur genau die richtige Adresse: "Obwohl die Fusion zwischen KBC und Sülz 07 erst zwei Jahre zurücklag, war der 1. FC Köln bereits einer der bekanntesten und besten Vereine Deutschlands. Ich war stolz und glücklich für diesen Club auflaufen zu dürfen". Zu Beginn der Spielzeit 1950/1951 unterschrieb Nordmann den Vertrag bei den Geißböcken. In seiner ersten Oberligasaison avancierte er auf Anhieb zur Stammkraft, bestritt 29 von 30 Meisterschaftsbegegnungen. Mit neun Treffern rangierte er in der teaminternen Torjägerliste hinter Willi Bars, Franz Alexius und Hans Schäfer auf Platz 4. Es folgte eine einjährige, freiwillige Pause, in der sich der passionierte Sportler, der in seiner Jugend auch ein guter Leichtathlet war, ganz seinem Studium widmete.
Als frischgebackener Diplom-Volkswirt stieg er zur Saison 1952/1953 wieder in den Vertragsspielerkader des 1. FC Köln ein und half mit, den FC erstmals in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu bringen. Auf dem Spielfeld war Nordmann immer in Bewegung, sein großes Repertoire an Tricks und Finten verwirrte manche Abwehrreihe. Gestandene Nationalverteidiger, wie beispielsweise der Hamburger Jupp Posipal im DFB-Pokal Halbfinale 1953/1954, bissen sich an dem zweikampfstarken Offensivspieler die Zähne aus. Nordmann zog oft mehrere Gegenspieler auf sich und verschaffte so seinen Sturmkollegen wertvollen Raum. Doch auch als Vollstrecker war der Norddeutsche gefürchtet. 65 Tore in 157 Pflichtspielen im rot-weißen Trikot sind Beweis für die hohe Trefferquote des drahtigen Angreifers. So hatte Nordmann am steilen Aufstieg des FC in den 1950er-Jahren, auf dem viele der späteren Erfolge basierten, einen nicht unerheblichen Anteil.
Im Sommer 1958 beendete er beim 1. FC Köln seine Fußballerkarriere und begann eine erfolgreiche Laufbahn bei der Kaufhof AG. Heute lebt Nordmann zusammen mit seiner Ehefrau in München. An eine für ihn besonders denkwürdige Partie denkt der mittlerweile 80- Jährige noch oft zurück. "Als in der Saison 1950/1951 der FC Schalke 04 zum Spitzenspiel nach Müngersdorf kam, fand ich mich überraschenderweise nicht in der ersten Elf. Meine Eltern und meine zukünftige Frau waren erstmals aus Essen/Oldenburg angereist und im Stadion. Keine Frage, ich wollte unbedingt spielen. So ging ich zu Trainer Weisweiler und sagte ihm klipp und klar, dass er mich nie wieder sehen würde, wenn ich nicht zum Einsatz käme. Wenige Minuten später kam Hennes zu mir und sagte nur knapp: 'Du spielst.' Ich machte das Spiel meines Lebens und erzielte beim 2:0-Erfolg meines FC vor mehr als 60.000 Zuschauern beide Tore." Ein Ergebnis, das Dr. Berthold Nordmann seinen Geißböcken, deren Werdegang er immer noch mit großem Interesse verfolgt, auch beim West-Pokalschlager 2006 wünscht.
Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:41
Fritz Ewert - Meisterlicher Rückhalt
Als Fritz Ewert zu Beginn der Saison 1957/1958 ans Geißbockheim wechselte, stand er unter besonders kritischer Beobachtung der Fans – Ewert kam aus Düsseldorf, genau gesagt von TuRU Düsseldorf. Erst 20 Jahre alt, galt der Juniorennationalspieler als großes Talent. Gleich sein erstes Pflichtspiel in Diensten der Kölner führte "den Langen" in seine alte Heimatstadt. Der FC musste zum Oberligaauftaktsspiel im Düsseldorfer Rheinstadion gegen die heimische Fortuna antreten und siegte in einer begeisternden Partie mit 4:2. Die Premiere war also gelungen, doch der Weg zum Stammtorwart war noch weit. Im Laufe der Spielzeit nahm Trainer Weisweiler einen Wechsel im Tor vor und schenkte nun Routinier Günter Klemm sein Vertrauen. Ewert musste sich bis zum Saisonende mit dem Platz auf der Bank beziehungsweise im Reserveteam abfinden.
Doch schon 1958/1959 kämpfte sich der 1,88 Meter große Keeper zurück und ab dann war er über Jahre der Stammtorwart des 1. FC Köln. Da der FC seinerzeit zum Besten gehörte, was der deutsche Fußball zu bieten hatte, gelang der "Plaat", wie Ewert wegen seiner lichten Haarpracht von Fans und Teamkollegen liebevoll genannt wurde, auch der Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Sein Debüt feierte er ausgerechnet im heimischen Müngersdorf, als die Auswahl der Niederlande am 21. Oktober 1959 mit 7:0 förmlich deklassiert wurde. Insgesamt viermal wurde der stets ruhig und besonnen wirkende Torhüter zwischen 1959 und 1964 in die DFB-Elf berufen. Ab den 1960er Jahren erlebte Ewert besonders viele sportliche Highlights im Geißbockdress. Sei es die unglücklich verlorene Sonnenschlacht 1960 gegen den HSV, als der FC erstmals im deutschen Endspiel stand, oder der erste Titel nach dem 1962er Finale gegen den "Club" aus Nürnberg. Auch als im Stuttgarter Neckarstadion am 29. Juni 1963 die "Salatschüssel" letztmals nach einem Finalspiel vergeben wurde und die favorisierten Kölner gegen den Borussia Dortmund mit 1:3 den Kürzeren zogen, stand Ewert zwischen den Pfosten. Die nur 11 Monate später gewonnene erste Bundesligameisterschaft entschädigte für die Enttäuschung des Vorjahres.
Fritz Ewert war aber nicht nur an zahlreichen Triumphen, sondern auch an einer der höchsten Niederlagen der Vereinsgeschichte des 1. FC Köln beteiligt. Bei der Premiere des FC im Europapokal der Landesmeister am 5. September 1962 im schottischen Dundee verletzte Ewert sich bereits in der 4. Minute schwer. Beim Sprung nach dem Ball wurde er vom Ellenbogen des gegnerischen Mittelstürmers Cousin so unglücklich im Gesicht getroffen, dass er nur noch völlig benommen und mit gespaltener Oberlippe weiterspielen konnte. Auswechselungen waren damals noch nicht gestattet und so lag der FC zur Halbzeit hoffnungslos mit 0:5 zurück. Dann hatten die Verantwortlichen endlich ein Einsehen und noch in der Pause wurde Ewert zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, wo eine starke Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde. "Ich weiß gar nicht mehr, was nach meiner Verletzung noch geschah", gab Ewert später der "Kölnischen Rundschau" zu Protokoll. In der zweiten Hälfte hütete Abwehrspieler Toni Regh das FC-Tor, das Spiel endete 1:8. Die Blamage von Dundee war Auslöser für den bis heute bekannten Ausspruch des damaligen FC-Trainers "Tschik" Cajkovski, der auf dem Rückflug sagte: "Am besten Flugzeug stürzt ab...".
Nach 231 Pflichtspielen verließ Fritz Ewert 1966 den 1. FC Köln in Richtung Holland zum AZ Alkmaar. Nach seiner Karriere verlegte Ewert seinen Wohnsitz ins beschauliche Swisttal-Heimerzheim, 40 Kilometer von Köln entfernt. Hier lebte der Meistertorwart bis zu seinem Tod am 16. März 1990.
Re: FC Helden
Wolfgang Overath - 30.06.2007, 12:42
Matthias Hemmersbach -
auf ihn war immer Verlass
Das vor den Toren Kölns gelegene Hürth-Efferen war die Heimat von Matthias Hemmersbach. Beim örtlichen Fußballverein BC Efferen kam er erstmals mit dem Fußballsport in Berührung. Nur einen Steinwurf vom Geißbockheim entfernt entwickelte sich "Matthes" zum vielseitigen Angreifer, der nicht nur in der Kölner Stadtmannschaft sondern auch in der Mittelrheinauswahl zum Einsatz kam. Als erfolgreichster Torschütze seines in der Landesliga spielenden Vereins wurde auch der große Nachbar 1. FC Köln auf ihn aufmerksam.
Schon länger hatte das Talent davon geträumt, für den FC aktiv zu sein. Entsprechend schnell wurde man sich im Sommer 1961 über einen Wechsel einig. Der Sprung von der Landes- in die Oberliga gelang erstaunlich gut, zumal Coach "Tschik" Cajkovski den hoffnungsvollen Nachwuchsakteur förderte und ihm trotz der nicht geringen Erwartungshaltung von Vorstand und Fans sein Vertrauen schenkte. Auch auf internationalem Niveau musste sich der zunächst als offensiver "Verbinder" eingesetzte Hemmersbach bewähren. Bei der Europacup-Premiere des 1. FC Köln kam es im September/Oktober 1961 zur Begegnung mit dem Starensemble von Inter Mailand. Bei den Lombarden standen Größen wie der Engländer Gerry Hitchens (vormals Aston Villa) oder der Spanier Suarez (vormals FC Barcelona) unter Vertrag. Nach einem 4:2-Erfolg der Geißböcke im Hinspiel endete die zweite Partie im "San Siro" mit 2:0 zu Gunsten der Mailänder. Nach unzähligen Provokationen von Stürmerstar Suarez wurde "Matthes" nach einem regelkonformen Zweikampf zu Unrecht des Feldes verwiesen. Der Umgang mit den bereits damals mit allen Wassern gewaschenen Inter-Profis war für ihn noch ungewohnt.
Beim Kölner Publikum kam der immer bescheiden und bodenständig auftretende Hemmersbach auf Anhieb gut an. Und auch sportlich lief es "rund". Schon in seinem ersten Jahr wurde er deutscher Fußballmeister 1962, war im Endspiel mit 20 Jahren jüngster Akteur im Team des Meisters. Unter Trainer Georg Knöpfle wurde der gelernte Stürmer endgültig zum Verteidiger "umgeschult". Auch auf dieser Position bewährte er sich, gehörte zum Stamm, als man 1964 erneut die „Schale“ nach Köln holte. Mit dem DFB-Pokalsieg 1968 kam ein weiterer Titel hinzu, an dem Matthias Hemmersbach maßgeblichen Anteil hatte. Zuverlässigkeit, Kampfgeist und Fairness prägten seine Laufbahn und so wussten Trainer und Mitspieler immer, was sie an ihrem "Matthes" hatten. Auch schlechtere Zeiten galt es zu überstehen, hierzu gehörte der in letzter Minute erreichte Klassenerhalt 1969 ebenso wie die unglücklich verlorenen Pokalendspiele 1970 und 1971. Beim legendären 1973er Finale gegen Mönchengladbach wurde er nicht eingesetzt.
Von den vielen Ereignissen und Begegnungen mit dem FC hatte ihn immer die Israelreise im Mai 1970, bei der die Kölner unter anderem gegen Maccabi Nathanya und eine Stadtauswahl von Tel Aviv Freundschaftsspiele bestritten, am nachhaltigsten beeindruckt. Nach 12 Jahren und 389 Pflichtspielen für die Geißböcke wechselte er über den Rhein zu Bayer Leverkusen. Nach seinem Engagement bei den Farbenstädtern spielte der gelernte Maler wieder für "seinen" BC Efferen. Hier war immer der Wohnort und Lebensmittelpunkt von Matthias Hemmersbach, bis er am 15. Juni 1997 verstarb. Vor allem den älteren FC-Freunden wird er bis heute in sehr guter Erinnerung sein.
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