Borreliose-Impfung und was dagegen spricht

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    Re: Borreliose-Impfung und was dagegen spricht

    Cimba - 20.06.2007, 21:22

    Borreliose-Impfung und was dagegen spricht
    Borreliose

    Eine vorbeugende Schutzimpfung gegen die Lyme-Borreliose ist derzeit nicht für den Menschen, jedoch für den Hund erhältlich. Leider ist diese Schutzimpfung noch mit einigen Problemen behaftet:
    Von Prof. Dr. Roland Friedrich,
    Direktor der Mikrobiologischen und Virologischen
    Abteilung an der Medizinischen Universität Giessen
    1. In Deutschland und den Nachbarländern existieren (anders als in den USA) mehrere nah verwandte Erreger, von denen bisher mindestens drei beim Menschen sowie bei erkrankten Hunden nachgewiesen wurden und die für das Entstehen der Lyme-Borreliose verantwortlich gemacht werden (Borrelia burgdorferi s.s., B. garinii und B. afzelii). In Europa werden B. afzelii und B. garinii für ca. 80 bis 90 Prozent aller Infektionen beim Menschen verantwortlich gemacht. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das bei Hunden prinzipiell anders ist. Der bei uns erhältliche Impfstoff "Merilym" (sprich: Merileim) ist gegen Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet, die seltenere der drei genannten Arten.

    Die Herstellerfirma gibt zwar an, dass eine Kreuzreaktion auch gegen die beiden anderen wichtigen Arten gegeben ist; ob aber auch ein Schutz vor der Erkrankung durch die anderen Borrelien bewirkt wird, ist zweifelhaft. (Eine Kreuzreaktion im Reagenzglas sagt leider nicht viel über die Wirkung im Körper aus.) Der Nachweis, dass von dem geimpften Tier protektive (schützende) Antikörper gebildet werden, steht leider noch aus. Für die Zulassung von Impfstoffen in der Humanmedizin ist dieser Nachweis zwingend erforderlich, da man nur dann vor einer Infektion geschützt ist, wenn vom Immunsystem diese neutralisierenden Antikörper gebildet werden. Beim Zulassungsantrag neuer Impfstoffe für die Veterinärmedizin ist dieser Nachweis in der EU erstaunlicher Weise nicht erforderlich - ein in der Humanmedizin völlig undenkbarer Zustand, der auch von der in Deutschland dafür zuständigen Behörde bedauert wird.

    2. Die gegen Borreliose hoch empfindlichen Beagles können im Laborexperiment durch den Impfstoff gegen eine Infektion durch Borrelia burgdorferi s. s. geschützt werden. Ob aber auch Hunde anderer Rassen, die ausnahmsweise keine natürliche Resistenz gegen die Krankheit haben, durch den Impfstoff geschützt werden können, und ob die Impfung auch gegen die häufigeren Borrelien-Arten schützt, ist meines Wissens bisher nicht nachgewiesen. Eine Feldstudie über die Wirksamkeit des Impfstoffs in Mitteleuropa ist bisher m. W. nicht veröffentlicht worden.

    3. Es besteht der Verdacht, dass Hunde, die mit Borrelien infiziert, aber nicht erkrankt sind, nach einer Impfung erkranken können. Hierfür wird eine sog. molekulare Mimikry verantwortlich gemacht, die dazu führt, dass sich die gebildeten Antikörper gegen körpereigene Strukturen richten. Um diese Gefahr zu reduzieren, sollte keinesfalls in der Zeckensaison geimpft werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die zu impfenden Tiere früher keine Borreliose durchgemacht haben!
    4. Wie oben dargelegt, ist ein Großteil aller bei uns vorkommenden Zecken Träger von Borrelien, wobei der genaue Prozentsatz von Ort zu Ort und Jahreszeit zu Jahreszeit variiert. Hunde, die viel im Freien sind und häufig Zeckenkontakt haben, sind daher meist mit Borrelien infiziert worden und haben Antikörper gebildet - in aller Regel ohne zu erkranken. Viele angebliche Borreliosen bei Hunden, über die berichtet wird, sind in Wirklichkeit andere Erkrankungen, die oft nicht erkannt und daher auch falsch behandelt werden. Genauere Daten zur Erkrankungsrate sind nur beim Menschen bekannt. Eine Untersuchung in Heidelberg ergab, dass 3,5 Prozent aller von Zecken gebissenen Personen von Borrelien infiziert wurden.In den meisten Fällen kam es jedoch zu keinen weiteren Krankheitssymptomen außer der Wanderröte (und selbst die wird in weniger als der Hälfte aller Fälle beobachtet): das körpereigene Immunsystem ist in der Lage, die Bakterien abzutöten. Daher wird davon ausgegangen, dass lediglich ca. 0,3 bis 1,5 Prozent der Zeckenbisse beim Menschen zu einer Erkrankung führen. Da in zeckenverseuchten Gebieten (wie beispielsweise in Mittelhessen) 90 Prozent der daraufhin untersuchten Hunde Borrelien-Antikörper tragen (wovon die wenigsten erkranken), ist davon auszugehen, dass die Zahl der Borreliose-resistenten Hunde weit größer ist als die der resistenten Menschen.

    5. Leider sind die meisten serologischen Tests auf Borreliose (Tests auf Antikörper im Blut) schlecht und bringen einen hohen Anteil sowohl falsch positiver wie falsch negativer Ergebnisse! Nur wenige Labors beherrschen den Nachweis verlässlich (das gilt in der Humanmedizin ganz genauso)! Zu den besonders sicheren Methoden gehört der Nachweis der Borrelien in Kultur oder die PCR, eine moderne Methode zum spezifischen Nachweis von Erbmaterial (DNA). Untersuchungen an der Universität Zürich belegen, dass die allgemein verwendeten Methoden zum Nachweis von Borrelieninfektionen erschreckend unsicher sind. Das gilt selbst für die moderne PCR, die aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit so geringe Borrelien-Zahlen nachweisen kann, dass jede Hunde-Haut, die gelegentlichen Zeckenbesuch aufzuweisen hat, positive Ergebnisse bringen kann, wenn die Blutentnahme nicht mit entsprechender Vorsicht vorgenommen wird. (Siehe dazu den Bericht von Dr. Reiner, Zürich, auf der Homepage der Gesellschaft zur Förderung kynologischer Forschung.) Eine ausgezeichnete Darstellung der Borreliose und der Schwierigkeiten beim Borrelien-Nachweis in der Veterinärmedizin finden Sie auch im Fachartikel von Dr. Peter Kopp.

    Wie auch viele andere Fachleute stehe ich aus den genannten Gründen einer Borrelien-Schutzimpfung für Hunde derzeit skeptisch gegenüber. Leider sind die Probleme bei der Borrelien-Schutzimpfung auch in der Humanmedizin so groß, daß der bis Anfang 2002 in den USA erhältliche Impfstoff zur Vorbeugung beim Menschen nicht mehr erhältlich ist. Ich hoffe aber sehr, dass es gelingen wird, auf lange Frist einen wirkungsvollen Impfstoff zur Anwendung bei Mensch und Tier zu entwickeln.
    Das Beste, was man gegen die Hunde-Borreliose tun kann, ist wohl die Vorbeugung: Den Hund äußerlich mit einem der gegen Zecken wirksamen Mittel behandeln (ExSpot, Frontline u. a.) und nach jedem Spaziergang gut nach den Tierchen absuchen.

    http://www.westieforum.de/ftopic76-20.html



    Re: Borreliose-Impfung und was dagegen spricht

    glennyboy - 20.06.2007, 21:36


    Und was ist DEINE Meinung dazu, Uwe?



    Re: Borreliose-Impfung und was dagegen spricht

    Cimba - 20.06.2007, 21:44


    Ich kanns schlecht einschätzen.
    Von den Gefahren hatte ich schon gehört.
    Jedenfalls lasse ich meine nicht impfen.
    Ob das gut oder schlecht ist: Ich weiß es nicht.
    Habe jedenfalls schon von GSS gehört, die erkrankt sind.

    LG
    Uwe



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