Ich hab da eine Idee...

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    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 17.06.2007, 09:22

    Ich hab da eine Idee...
    Hi nice girls & guys,

    ich hab da eine Idee.

    Da für fast alle der Urlaub bevorsteht, die meisten aber wohl nicht in die allerfernsten Länder reisen können, werde ich für Euch aus

    "Feuersteins Ersatzbuch, Reisen nach Hawaii, Ostafrika, Schottland und Grönland"

    abtippen, dass es nur so kracht, und Ihr werdet entweder schmunzeln, lachen oder Euch wie das Smily auf dem Boden wälzen.

    Da ich schon wieder auf Achse bin, weil heute Morgen in der Pfalz in einem Weingut, natürlich Open Air, gejazzt wird, zu Beginn erstmal das:

    Herbert Feuerstein, geboren 1937 im Bahnhofsgebäude von Zell am See (Österreich), in der Dienstwohnung seines Vaters, Fahrdienstleiter der eingleisigen Schmalspurbahn zu den Krimmler Wasserfällen.
    Genauso verlief sein Leben: eingleisig, schmalspurig und mit Getöse nach unten.
    Er studierte Klavier, Cembalo und Komposition am Mozarteum, bis er 1959 wegen Beleidigung des Hochschulpräsidenten in einer Linzer Tageszeitung rausgeworfen wurde - Feuersteins erfolgreicher Einstieg in den Journalismus. Daneben reges Interesse an der Medizin und Ausbildung zum staatlich geprüften Hypochonder.

    Von 1960 bis 1969 war er als Journalist in New York und hatte seine erste Begegnung mit der Satire: als Pressereferent im Österreichischen Generalkonsulat.

    Seither lebt er in Deutschland als MAD-Chefredakteur, Fernseh-Entertainer ("Psst....", "Schmidteinander", "Feuersteins Nacht"), Schauspieler, TV-Reporter und Ratefuchs in "Was bin ich?", der ältesten Rateshow in der Welt. Neuerdings auch als Buchautor ("Feuersteins Reisen", Feuersteins Ersatzbuch").

    Zitat "Die Welt":
    Feursteins Reisen sind Extremsport.
    Man legt die Beine hoch. Und schwitz. Vor Lachen.

    Heute Nachmittag legt Ihr die Beine hoch und ich los.
    CU
    girl



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 17.06.2007, 16:40

    zu: Ich hab da eine Idee...
    In Grönland liegt viel Schnee
    von Herbert Feuerstein

    Grönland ist eine Platzverschwendung: die größte Insel der Welt, 2.600 Kilometer lang, 1.000 Kilometer breit, siebenmal die Fläche von Deutschland, aber nur 55.000 Einwohner und 0 Asylanten.
    Grönland ist eine Riesengefahr für Holland: Würde das Inseleis schmelzen, stiege der Meeresspiegel um 6,5 Meter, und weg sind die Tomatenfabriken und Coffeeshops
    Grönland ist ein Traum von Nichts, in vielen unglaublichen Variationen. Es gibts nichts Vergleichbares, und einmal im Leben sollte man dort gewesen sein.

    A-ANKOMST
    ist das erste Wort, das man in Grönland liest.
    Es steht auf dem Eingang zum Flughafen Kangerlussuaq, ist dänisch und heißt Ankunft. Daraus folgerte ich messerscharf, das Abflug ABHAUST heißt, er heißt aber ABGANGE.
    Dänisch ist unlogisch.

    B-BIRKEN
    sind auf Grönland nur wenige Zentimeter hoch. Oft glaubte ich, ich stünde im Moos, aber ich stand im Wald. Die Botaniker sagen Krüppelgewächse dazu, aber so ein abfälliges Wort würde ich niemals hinschreiben. Für mich sind das Behindertengewächse.

    C-CHAOS
    ist der Anfang jeder Hundeschlittenfahrt. Anders als in Alaska, wo die Hunde ordentlich und paarweise ins Geschirr kommen, ziehen in Grönland bis zu fünfzehn Tiere fächerförmig an Einzelschnüren. Wäre ich Pythagoras gewesen, hätte ich an dem Wunder, dass sich der Schlitten trotzdem vorwärts bewegt, obwohl die meisten Hunde seitwärts ziehen, das Kräfteparallelogramm entdeckt.

    Zur Berechnung wäre ich allerdings niemals gekommen, da diese Ziehtechnik ständig zu den wirresten Verknotungen führt, die sich aber auf übernatürliche Weise immer von allein entflechten, auch wenn der eine oder andere Hund kilometerweit und wild jaulend mitgeschleift wird, bizarr in den Seilen gefesselt wie die Mädchen in einem japanischen SM-Porno. Und anders als die temperamentvollen, ein bisschen dummen, aber im Grunde liebenswürdigen Alaska-Huskies sind die Polarhunde Grönlands einfach nur Hunde. Sie wollen fressen, raufen und sich vermehren, und zwar möglichst gleichzeitig und während der Fahrt.

    Zusätzlich vor allem beim Warmlaufen, kacken sie, mit einem interessanten Ergebnis:
    Die Kacke gefriert in der trockenen Polarluft sofort und fetzt wie Gewehrkugeln über den Schlitten. Will man nicht getroffen werden, empfiehlt es sich, nicht auf die Landschaft zu schauen, sondern auf fünfzehn Hundeärsche, obwohl die Landschaft eindeutig schöner ist.

    Der Schlitten hat Platz für zwei, der Hundeführer vorn, der Passagier (oder die tote Robbe) hinten, und die wichtigste Verkehrsregel: Hundeschlitten haben gegenüber anderen Fahrzeugen immer Vorfahrt. Am härtesten ist es bergauf, da muss man zur Schonung der Hunde runter vom Schlitten und hinterherhecheln, sich aber gut daran festhalten - wer loslässt, ist verloren, die Meute würde man nie wieder einholen.

    Los heißt dama, links heißt ju-ju-ju und rechts didli-didli-didli oder so ähnlich.
    Halten ist das schwierigste. Egal, was man brüllt, die Hunde hören sowieso nicht zu, und der Bremsweg kann schon mal einen Kilometer oder mehr betragen. Wenn aber wirklich mal alles durcheinander gerät, hat der Schlittenführer eine Peitsche aus Robbenhaut, mit der er auch im wildesten Knäuel immer genau jenen Hund trifft, den er meint.
    Mich hat er zweimal getroffen.

    E-EISBERGE
    sind keine Eisberge, sondern Schneeberge, hartgepresst über Jahrmillionen. Denn das Innere Grönlands ist eine Mulde, ständig fällt Schnee, der wegen der Kälte nicht tauen kann, und da liegt er nun aufgetürmt, bis zu 3.000 Meter dick.

    Das wiegt ein bißchen, wie jeder weiß, der mal eine Dachlawine aufs Dach gekriegt hat, und sorgt durch den enormen Druck dafür, dass die Eismassen - die ja, physikalisch gesehen, immer noch flüssig sind - am Inselrand, wo die Berge Lücken haben, ins Meer hinausgedrückt werden.

    Jawohl, das sind die EISBERGE, oft über 1000 Meter hoch und mehrere Kilometer lang, majestätisch, bizarr und unberechenbar: Da der größte Teil ihrer Masse unsichtbar unter Wasser liegt, weiß man nie, wieviel schon da unten geschmolzen ist - und plätzlich kippen sie um, mit Flutwelle und Riesengetöse, und wehe dem Boot, das den Respektabstand nicht einhält.

    Aus kleinen, im Packeis eingeschlossenen Eisbergen hackt man übrigens das Trinkwasser heraus, wunderbares, Millionen Jahre altes Wasser, das beim Auftauen sanft zischt, weil darin Millionen Jahre alte Luftbläschen eingekerkert waren. Tja, wenn Luftbläschen erzählen könnten! Aber wahrscheinlich hätten sie gar nichts zu sagen, schließlich waren sie Millionen Jahre im Eis eingeschlossen....was haben sie da schon Großes erlebt?

    F-FRÄULEIN SMILLAS GESPÜR FÜR SCHNEE
    habe ich beim Hinflug angefangen und beim Rückflug beendet, die ideale Reiselektüre für Grönland, wenn man beim Umblättern über den Buchrand schaut und blaugrüne Eisberge sieht, und Duzend verschiedene Weißtöne von Schnee, und das Meerwasser, dessen Kälte man nicht nur spürt, sondern sieht - da wird sogar der überkonstruierte Schluss des Krimis erträglich.

    Natürlich haben die Grönländer inzwischen ein Gespür für Fräulein Smilla entwickelt (Gespür heißt auf Dänisch übrigens fornemmelse: Smilla-Touren werden angeboten, Schiffe heißen Smilla, aber den ohnehin nicht so guten Film haben sie bisher nur im Fernsehen gesehen.
    Es gibt kein Kino in Grönland.

    ff in Kürze
    Gehe eben den Oberbürgermeister von Mannheim wählen.
    Hoffentlich gewinnt "meiner" :wink:

    CU soon
    girl



    Re: Ich hab da eine Idee...

    hydra70 - 17.06.2007, 17:18


    Ich Glaube ein Buch das sich Lohnt zu Kauffen, mag den Feuerstein eh. Als er noch bei MAD war konnt man es noch Lesen. Seit er nich mehr is kannst´s vergessen.



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 17.06.2007, 17:27


    Hydra, bist ein Schatz, dann schreib ich weiter.
    Bin mir nie sicher, ob das, was ich da poste, überhaupt interessiert.
    Und wenn ich nur für DICH allein weiterabtippe, es macht mir einfach Freude...:wink:
    greez
    girl



    Re: Ich hab da eine Idee...

    hydra70 - 18.06.2007, 00:35


    Mir macht es Freude mach nur weiter, denn Spar ich Geld weil ich das Buch dann nicht Kauffen brauch :grin:



    Re: Ich hab da eine Idee...

    DigitalMessy - 18.06.2007, 01:10


    Du Schlingel!!! Aber unser armes girl machen lassen....ts ts ts :grin:



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 18.06.2007, 01:28


    hydra70 hat folgendes geschrieben:Mir macht es Freude mach nur weiter, denn Spar ich Geld weil ich das Buch dann nicht Kauffen brauch :grin:

    Ich tippe nicht alles ab...hehehehe...ich hole Parts heraus. Ums Kaufen kommst Du nicht herum, Hydra, wenn Du den Feuerstein komplett willst. :wink:



    Re: Ich hab da eine Idee...

    hydra70 - 18.06.2007, 13:36


    Girl hat folgendes geschrieben:hydra70 hat folgendes geschrieben:Mir macht es Freude mach nur weiter, denn Spar ich Geld weil ich das Buch dann nicht Kauffen brauch :grin:

    Ich tippe nicht alles ab...hehehehe...ich hole Parts heraus. Ums Kaufen kommst Du nicht herum, Hydra, wenn Du den Feuerstein komplett willst. :wink:
    Auch gut den Werde ich schön anfangen zu Sparen das ich mir es Leisten kann :lol:



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 18.06.2007, 14:20

    zu: In Grönland liegt viel Schnee...
    ff
    Herbert Feuersteins Erklärungen dazu.

    Hi nice girls & guys,
    lay back and enjoy:

    G-GOURMETS (hi Merrell)
    mit freuchten Träumen von Fisch-Sinfonien sollten lieber nach Marseille.
    Die einheimische Esskultur ist karg wie das Land: Ungewürzte Transuppe mit allem drin, was man angelt oder schießt, je fetter desdo besser, null Gemüse; die Vitamine holte man sich früher nicht aus dem Supermarkt, sondern aus roher Robbenleber, frisch am Jagdort rausgesäbelt. Im Hotel gehts natürlich raffinierter zu, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich: Heilbutt, Lachs und Dorsch (fast immer köstlich), Rentier (vorzüglich), Moschusochse (schmeckt überhaupt nicht nach Moschus), Robbe, (schmeckt nach Moschus) und Wal (knorplig-zäh). Vom letzteren gibts übrigens die Spezialität des Landes: Mattak, kleine Würfel aus roher Walhaut mit massig Speck dran. Wenn man Mattak lang genug kaut, entwickelt sich angeblich ein nussartiger Geschmack.
    Ich habe Mattak bis zum Kieferbruch gekaut, aber alles, was sich entwickelte, war Widerwille.

    H-HUNDEÄQUATOR
    ist ein anderer Name für den Polarkreis (66°30'), denn nördlich davon sind in Grönland ausschließlich Polarhunde zugelassen, zwecks Rassenreinheit; Einfuhr oder auch nur das Mitbringen anderer Hunde ist streng verboten, Fotos Ihres Köters dürfen Sie aber mitführen.

    I-INUIT
    nennt man politisch korrekt die Grönlander. "Eskimos" ist ein rassistisches Schimpfwort und heißt "Rohfischfresser". Grönland selbst heißt Kalaallit Nunaat, "das Land der Menschen, die sich der Natur unterwerfen", allerdings nicht unbedingt wie Greenpeace das versteht (siehe M wie MÜLL und Q wie QUOTEN),

    J-JEDER
    kann sich in Grönland niederlassen, sofern er den Kampf mit der Bürokratie besteht, den Horrorpreis auch für das einfachste Holzhaus zahlt und zufrieden ist, dass man das Grundstück nur pachten, aber nicht kaufen kann. Elke Meissner aus Sylt und Dieter Zillmann aus Berlin haben das schon vor zwanzig Jahren gemacht. Im idyllischen Rodebay (30 Häuser, 52 Menschen, 0 Autos) haben sie ein kleines Gästehaus samt Schiff ("Smilla", was sonst), urgemütlich, vorausgesetzt, man scheut weder Plumsklo noch 12-Bett-Schlafsaal unterm Dach (mit Schnarch-Drohung kriegen Mehrbetthasser wie ich das Sofa im Wohnzimmer). Elke hat die Haarfarbe von Polarhunden und den Instinkt einer Eisbärin, sie weiß absolut alles über Grönland; Dieter tendiert zum Grübeln und Tüfteln und hat mir eine selbst verfasste, handgezeichnete, elfseitige Anleitung zum Bau eines Hundeschlittens geschenkt, für den Fall, dass der nächste deutsche Winter mal richtig streng wird.
    Ich warte noch drauf.

    K-KRIMINALFORSORGEN
    stand auf dem winzigen Gebäude, das ich vom Hotelfenster aus sah, links neben der Bucht von Ilulissat, wo ständig die frisch gekalbten Eisberge vorbeitriften. Kriminalforsorgen kann nur "Verbrechungsverhütung" heißen, stimmts?
    Stimmt natürlich nicht, denn Dänisch ist unlogisch.
    Es heißt "Gefängnis", ist aber keins, jedenfalls kein richtiges. Grönländer kann man nicht einsperren, sonst werden sie wahnsinnig - so stehts auch in "Fräulein Smilla" - also gibt man ihnen Antabus (siehe S wie SUFF) und lässt sie tagsüber frei, auch Mörder. Nur schlafen müssen sie im Knast. Es gibt übrigens erstaunlich viel Mord und Gewalt, und trotzdem ist Grönland eines der sichersten Reiseländer der Welt, denn die Inuit sind im Herzen friedlich und töten nur Freunde und Verwandte.

    L-LAMPENLÖSCHSPIEL
    heißt der Partnertausch bei den alten (aber damals noch jungen) Inuit, davon hatte ich schon im Alaska-Kapitel von Feuersteins Reisen erzählt: Waren Fremde zu Gast, gab es erst Spottgesänge, um Streitigkeiten zu schlichten, dann Trommeltänze, um die Stimmung anzuheizen. Danach wurden die Lampen gelöscht, und der Fremdling wurde zum Bettgenossen. Ethnologen sagen, das diente der genetischen Re-generation, um in den winzigen, isolierten Dorfgemeinschaften die Inzucht zu verringern, ich aber sage, es diente auch ein bißchen dem Spaß, denn es gab ja weder Buch noch Fernsehen, und man kann schließlich nicht die ganze Nacht nur über Robbenjagd reden.
    Und ich sage noch was:
    Der Grund, warum die Lampen gelöscht wurden, war nicht die Verdunklung, sondern genau das Gegenteil. Da die Tranlichter nämlich ganz fürchterlich rußten, pustete man sie aus, damit der Rauch verschwand und man endlich erkennen konnte, wen oder was man da genetisch auffrischte...
    (siehe auch Z wie ZAPPENDUSTER)

    M-MÜLL
    bleibt liegen, soweit ihn die Hunde nicht fressen. Abwässer fließen ins Meer (durch beheizte Rohre, damit die *sch......*e unterwegs nicht festfriert). Das Meer ist so kalt, dass es trotzdem sauber aussieht, keine Algen, keine Bakterien, keine Zersetzung. Auch Leichen kommen hier nie mehr an die Oberfläche. (Für Ertrunkene, die nicht geborgen werden konnten, gibt es auf den Friedhöfen eine eigene Sektion - was ich irgendwie unlogisch finde, denn woher soll man wissen, dass sie ertrunken sind, wenn sie gar nicht geborgen wurden? Vielleicht hat sie der Eisbär gefressen. Aber was soll ich mich einmischen.)

    N-NASENREIBEN
    statt küssen ist ein europäisches Märchen, über das sich die Grönländer totlachen. Man küsst hier sich genau wie bei uns, aus Platzgründen aber wahrscheinlich seltener. Denn da in Grönland ein Einwohner auf 40 Qudratkilometer kommt, braucht er - statistisch gesehen - 80 Quadratkilometer, um einen Kusspartner zu finden. Und 120 Quadratkilometer, wenn einer zuschauen will. Kein Wunder also, dass ich während der ganzen Woche keine einziges Mal küssende Grönländer sah.

    O- OLE DORPH
    ist der Bürgermeister von Ilulissat. Er gewann damals gerade die Wahl mit einem Zuwachs von 600 Stimmen - ein Erdrutsch bei nur 4000 Wählern. Er steht hier einer Hightech-Gemeinde vor, Computer satt (hi DM! wär Ilulissat nix für Dich? :wink: ), modernste Telefonanlagen: Dänemark ist großzügig. Bis 1953 war Grönland dänische Kolonie, erst seit 1979 ist die Selbstverwaltung in Kraft, nur Justiz und Außenpolitik werden noch von den Dänen bestimmt. Vielleicht ist es das schlechte Gewissen, das sie so großzügig macht - wer ist heute noch gern Ex-Kolonialmacht?
    Für die Inuit ist das Ergebnis widersprüchlich: Wer Schule, Job und modernes Leben annimmt, hat es leicht. Der Rest ist arbeitslos und säuft....und das sind nicht wenige. Introvertiertheit ist der Nationalcharakter der Grönländer und geht bis zur Sturheit: Grönland ist das bisher einzige Land, das aus der EG wieder ausgetreten ist (1985).
    Ich fragte Ole Dorph, warum an seiner Tür nur "Borgmester" steht und nicht auch die grönländische Amtsbezeichnung wie auf den anderen.
    Weil er das nicht mag, sagte er.
    Auf Grönländisch heißt Bürgermeister nämlich "Leithund". Und das ist undemokratisch.

    P-PUULUKLIP TARTUNAA TAMARMIUTILLUGU SIATAQ
    heißt Schweinebraten, auch das haben Sie sich natürlich aus dem Alaska-Bericht gemerkt.
    Während Dänisch unlogisch, aber erkennbar ist, ist Grönländisch der nackte Horror: Eine polysynthetische Sprache, sagen die Forscher, das klingt nach Wortchemie und ist es auch: Ganze Sätze werden in einem einzigen Wort ausgedrückt, wahrscheinlich auch ganze Romane. Trotzdem haben wir auch im Deutschen ein grönländisches Lehnwort, zum Glück nur ein kurzes: Kajak (qajaq, das q wird geklickt)

    Q-QUOTEN
    sind hier nicht fürs Fernsehen wichtig, sondern für den Walfang: 19 Finnwale beträgt die jährliche Fangquote für Grönland, das macht - bei 60 Tonnen pro Tier - 20 Kilo Wal für jeden. Weil das nicht sehr viel ist, gibt es einen Trick, eine Art Walbetrug (girl: kichergrinskeuch):
    Im Winter, wenn das Eis wächst, sind Wale manchmal in Wasserlöchern eingeschlosssen, die von Tag zu Tag kleiner werden. Jetzt braucht man nur zu warten, bis die Löcher endgültig zugefroren und die Tiere tot sind, denn tote Wale sind quotenfrei.
    So läuft das schon seit Jahrhunderten, und deshalb in ich in diesem Punkt glasklar auf der Seite der Grönländer.

    R-RENTNERKLIPPE
    nennt man den Felsspalt über dem Eisfjord von Ilulissat, von dem aus früher die Alten in den Tod sprangen, wenn sie das Gefühl hatten, den Jungen zur Luast zu fallen.
    So weit mein Beitrag zur Rentenreform.

    S-SUFF
    ist Grönlands größtes Problem.
    Die Inuit kann man in zwei Gruppen teilen: Solche, die saufen und solche, die nicht saufen. Ein Zwischending scheint es nicht zu geben. Und saufen heißt reinschütten, was immer da ist, weit über die Abwinkgrenze hinaus. "Sag Nein zum Alkohol", hieß die Aktionswoche, die ich miterlebte, mit Vorträgen, Tanz und einer Menschenkette, die recht praktisch war, weil diejenigen, die lieber Ja zum Alkohol sagten, sich dann festhalten konnten, um nicht umzukippen.
    Ein populäres, wenn auch drastischen Hilfsmittel ist Antabus, ein Disulfiram-Präparat, das man als Brause verabreicht; wer anschließend säuft, muss stundenlang kotzen.
    Muss ich übrigens auch, ohne Antabus. Und zwar schon nach dem dritten Bier.

    T-TEUER
    ist alles außer Fisch und Eiswürfel, kein Wunder, muss ja alles aus Dänemark angeschwemmt werden, und auch das geht nur in der eisfreien Zeit von Mai bis Oktober. Deshalb kostet das Bier 5€ und das einfache Doppelzimmer um die 120€, denn das Bettzeug kommt ja auch aus Dänemark. Das gleiche kostet auch der grandiose Hubschrauberflug über den Eisfjord oder ein Tagesausflug mit dem Hundeschlitten, aber soviel zahlt man schließlich auch fürs Taxi zum Münchner Flughafen und zurück, und ich schwöre Ihnen:
    Die Fahrten sind zwar gleich wild, aber die Hunde in Grönland sind netter.

    U-UNGEMÜTLICH
    sind Temperaturen bis minus 20 Grad erstaunlicherweise kaum, dafür sorgt die geringe Luftfeuchtigkeit von höchstens 15 Prozent (bei uns im Durchschnitt 60 Prozent).
    Und so zieht man sich im Frühjahr an: Thermik-Unterwäsche, darüber je 2 T-Shirts, zwei Pullis und zwei Hosen sowie Schal und Handschuh. Dazu rutschfeste Schuhe (Achtung: keine Streupflicht auf den Gehsteigen, da es gar keine Gehsteige gibt) und mindestens drei paar Socken übereinander, denn die Füße sind am empfindlichsten - Polarforscher erkennen sich in der Sauna bekanntlich an den amputierten Zehen.
    Mehrschichtige Kleidung braucht man vor allem auf Schlitten oder Schiff, doch verleihen die Touristenbüros für solche Ausflüge Robbenfell-Klamotten samt Stiefel. Darin sieht man zwar aus wie Yetis Oma, kann sich aber erstaunlich gut bewegen. Und falls Sie sich immer schon gefragt haben, was die alten Inut drunter trugen: hautenge Fell-Shorts, was sie zum Erfinder der Hot-Pants macht (habe ich leider nur im Museum an einer Puppe gesehen, sieht aber allein an dieser schon tierisch geil aus.).

    V-VON ORT ZU ORT
    kommt man per Flugzeug oder Hubschrauber , weshalb jede Siedlung von mehr als 700 Einwohnern gesetzlichen Anspruch auf einen Flughafen hat. Es gibt zwar viele Autos, aber außerhalb der Ortschaft enden alle Straßen rasch im Nichts.
    Eingangstor Grönlands ist der riesige, aber nur wenig benutzte ehemalige US-Stützpunkt Kangerlussuaq, ein Barackenparadies zum Umsteigen - oder Überleben, falls Flüge überbucht oder gestrichen sind: mit Hotel (Pay-TV mit genug Pornos für die zweimonatige Polarnacht), Supermarkt (wo man ANNA kriegt, das 560-Gramm-Notpaket für die Eiswanderung, mit Trillerpfeife, Kompass und Signalraketen), Disco (die größte Grönlands), Kirche (das Schild an der Tür sagt, welcher Gott gerade dran ist) und einem Golfplatz (18 Löcher, aber kein Gras). Rundum keine Ortschaft, nicht mal ein einziges Häuschen. Nur Steppe mit Rentieren und Moschusochsen (siehe W wie WILLY)

    W-WILLY
    der Moschusochse, musste sterben, weil er die Flugzeuge so liebte.
    Seine natürliche Heimat war Nordgrönland, aber als nach ein paar besonders strengen Wintern die Tiere dort massenhaft verhungerten, wurde er mit einer kleinen Herde nach Westgrönland geflogen und dort ausgewildert.
    Die Herde fand das prima und vermehrte sich von 27 auf heute über 3500 Tiere, aber Willy schlich sich immer wieder zum Flugplatz Kangerlussuaq zurück, wo er angekommen war, und stellte sich auf die Landebahn.
    Da er damit die Weltsicherheit gefährdete - Kangerlussuaq war damals US-Basis - ,brachte man ihn per Hubschraiber ein paar Kilometer in die Berge, doch am nächsten Tag war er wieder da.
    Daraufhin flog man ihn 200 Kilometer ins Nichts, und diesmal dauerte es ein paar Wochen. Dann stand Willy wieder auf der Landebahn und wartete auf Bomber und Jagdflugzeuge.
    Da erschoss man ihn. Im Flughafen-Museum können Sie immer noch sein Bild sehen.

    X-XMAS
    ist Anlass für Dauerzank. Gesichert ist, dass der Weihnachtsmann übers Jahr in Grönland lebt, aber wo genau, darüber wird heftig gestritten.
    Ummannaq gilt als Favorit, weil in dieser Sache schon mal das dänische Fernsehen vor Ort war. Der riesige Originalschlitten von Santa Claus steht allerdings unübersehbar am Flughafen von Ilulissat. Das beweist gar nichts, sagen die Leute von Thule. WEihnachtsmänner leben grundsätzlich in der Hauptstraße , heißt es in Nuuk. Aber was solls. Hauptsache, er bringt uns braven Kindern Geschenke. Egal vorher.

    Y
    -gibts nicht im Grönländischen. Auch keine Ameisen, obwoh die sonst überall vorkommen - im Permafrost-Boden ahben sie ebenso viel Chancen wie bei uns in der Tiefkühltruhe. Iglus gibts auch keine, die kommen nur in Alaska vor, sagen die Grönländer. (In Alaska, wo es nie Iglus gegeben hat, sagte man mir: Iglus gibts nur in Grönland.)

    Z-ZAPPENDUSTER
    wird es eigentlich nie.
    Schon Anfang Mai verschwindet die Sonne schon nördlich des Polarkreises nur noch für wenige Stunden, dazwischen herrscht eine blauviolette Dämmerung. Man kann Untergang und Aufgang der Sonne vom gleichen Fenster aus beobachten, und vom 15. Mai bis Ende Juli scheint sie in der Diskobucht 24 Stunden lang. Im Dezember und Januar, wenn sie ganz verschwunden ist, leuchten Sterne und Polarlichter um die Wette.
    Überhaupt dieses wahnsinnige Licht.
    Gut, dass wir schon bei Z sind, sonst werde ich noch ganz weich und romantisch....

    ***



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 18.06.2007, 14:50


    @all
    CU the day after tomorrow!

    Morgen kommt mein Töchterle,
    eins dieser unbegreiflichen Geschöpfe,
    die die Technik mit der Muttermilch eingesogen zu haben scheinen, ohne dass die Mutter selbst davon weiß,

    so wie Ihr

    die selbstbewusst im Leben stehen,

    so wie Ihr

    die das Wort "kompliziert" nicht kennen,

    so wie Ihr

    die ohne Scheu sagen, was sie meinen,

    so wie Ihr

    keine Hintergedanken kennen

    und immer einen Ausweg wissen.

    So wie Ihr.

    Ein junger Mensch, bei der ich mich jedesmal als Mutter wundere, "wieso ist sie nicht so wie ich, technisch steinzeitlich angehaucht, voller Hemmungen, verklemmt, verdruxt und ewig grübelnd, was "andere" denken könnten"... Mein Herz ist voller Liebe zu diesem Goldstück, und jetzt wisst Ihr, warum -

    ich mich bei Euch hier so wohlfühle.
    Yoursevergirl
    PS: Ok..ok..ein bißchen übertrieben, aber die Grundtendenz "passt scho" :grin:



    Re: Ich hab da eine Idee...

    DigitalMessy - 18.06.2007, 17:16


    Girl!!!!

    Für dich wäre OCR-Software etwas! Schlage das Wort mal nach... :wink:
    Meine Güte, was ist der Text lang. Wenn Eure KOnzertberichte auc h so lang werden, habe ich viel zu lesen.



    Re: Ich hab da eine Idee...

    Girl - 18.06.2007, 17:35


    DigitalMessy hat folgendes geschrieben:Girl!!!!

    Für dich wäre OCR-Software etwas! Schlage das Wort mal nach... :wink:
    Nicht schlecht, Herr Specht! Da muss ich mich natürlich hineingraben...
    Mal sehen, ob ichs schaffe, also kapiere.( Wenn, dann OmniPage Pro.)
    Wenn nicht, kann ich Dich ja...... :roll: fragen? So!. Jetzt haste den Salat :wink:

    DigitalMessy hat folgendes geschrieben:
    Meine Güte, was ist der Text lang. Wenn Eure KOnzertberichte auc h so lang werden, habe ich viel zu lesen.

    Keine Sorge, DM, da kommt jetzt nichts mehr.

    Die anderen Länder von Feuerstein lass ich außen vor, bis Du und Jürgen zurück seid. Grönland kann mal "wirken". Ist wirklich viel Text.
    Und die Konzertberichte.... weißt Du, vor der Hand schreiben Lukelover und ich, aber der eigentliche ghostwriter ist Tom: kurz, knapp, prägnant, fertig.
    CU
    girl



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