Geschichte der Atombombe

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    Re: Geschichte der Atombombe

    Commander_June - 20.04.2005, 01:40

    Geschichte der Atombombe
    Um die Jahrhundertwende werden mit der Entdeckung der Radioaktivität (M.Curie) und der Aufstellung der Relativitätstheorie (A.Einstein) die grundlegenden Voraussetzungen für die Entwicklung von Nuklearwaffen geschaffen. Basierend auf diesen Kenntnissen gelingt O.Hahn 1938 erstmals die Spaltung eines Atomkerns. Der kurz darauf folgende Beginn des Krieges und die Angst der amerikanischen Politiker und Wissenschaftler vor einer nazi- deutschen Überlegenheit bezüglich der Nutzbarmachung der Kernspaltung für die Entwicklung einer Bombe, haben eine enorme Intensivierung der Förderung in diesem Forschungsbereich zur Folge. Ab 1943 werden so unter Leitung R. Oppenheimers die ersten Atombomben gebaut, im Juli 1945 kann die Erste auf einem Versuchsgelände in New Mexico gezündet werden.

    Bei Nuklearwaffen wird eine Unterscheidung zwischen nuklearen und thermonuklearen Sprengkörpern getroffen; erstere beinhalten Kernmaterial zur Kernspaltung, letztere Kernmaterial zur Kernfusion, dies sind die sog. Wasserstoffbomben, über die die USA ab 1952 verfügen. Bei beiden Arten beruht die Wirkung auf der bei Kernspaltung wie -fusion explosionsartig freigesetzten Energie. Die zerstörerischen Folgen bei der Detonation eines Atomsprengkörpers beruhen auf der thermischen sowie der radioaktiven Strahlung und der Druckwelle. Der prozentuale Anteil der thermischen bzw. der radioaktiven Strahlung ist hierbei variabel. Thermische Strahlung äußert sich in Form von Hitzestrahlung und verursacht Hautverbrennungen bei Mensch und Tier. Radioaktive Strahlung wird in Anfangs- und Rückstandsstrahlung unterschieden, Rückstandsstrahlung ist auch nach einer Minute noch wirksam. Während die durch neutroneninduzierte Strahlung verursachte Radioaktivität im konkret betroffenen Gebiet innerhalb von einer Woche rasch abnimmt und ihre Lebensgefährlichkeit verliert, bewirkt der radioaktive Niederschlag langanhaltende Verstrahlungen und kann sich als lokaler, kontinentaler oder weltweiter Fallout auswirken. Radioaktive Stahlung kann zu Keimungsunfähigkeit bei Samen, Mißbildungen bei Mensch und Tier sowie zu Sarkomen und Krebserkrankung führen. Die von der freigesetzten erhitzten Luft ausgehende Druckwelle hat u.a. die Zerstörung von Häusern zur Folge. Dem Überdruck folgt eine Unterdrucksphäre, also ein Sog zum Detonationspunkt hin.

    Nach dem Abwurf der ersten, und bis jetzt letzten beiden Atombomben im August 1945 über Hiroshima und Nagasaki (die Amerikaner erzwingen so die bedingungslose Kapitulation Japans im amerikanisch- japanischen Konflikt), und der Bekanntwerdung ihrer verheerenden Folgen (132000 Tote und über 97000 Verletzte), dringt die neue Dimension des wissenschaftlichen Fortschritts in das kollektive Bewußtsein der Menschen. So stellt die Entwicklung der Atombombe neben der Erfahrung einer Versklavung des Menschen durch die Technik die zweite tragische Konsequenz aus wissenschaftlicher Arbeit dar. Auf Vernunft gegründetes Denken führt demnach nicht unbedingt zur Lösung aller Probleme der Menschen; im Gegenteil ist die Menschheit nun mit der Tatsache konfrontiert, die Mittel zu ihrer eigenen Massenvernichtung geschaffen zu haben. Sehr bald reicht das vorhandene Potential sogar aus die Erde mehrfach zu verwüsten und ihre Bewohner um das Vielfache ihrer Zahl auszulöschen (atomarer Overkill). Auch das Verständnis von Krieg erhält so eine völlig neue Komponente. Gewaltanwendung im Atomzeitalter dient nicht mehr allen dem Erhalt menschlichen Lebens; durch den Einsatz von Atombomben in Japan wird die vorsätzliche physische Auslöschung von Angehörigen eines feindlichen Staates als Mittel in einer militärischen Auseinandersetzung für legitim erklärt.

    Dieser erste und bisher einzige militärische Einsatz von Atombomben ist eine deutliche Demonstration der absoluten militärischen Überlegenheit der USA; bis 1948 ist sie die einzige Atommacht der Erde. Sie lebt in dem Bewußtsein unangreifbar zu sein. Interessengegensätze im ersten Jahrzehnt nach Ende des Krieges und die Angst vor der Gefährdung ihrer Existenz veranlaßt die SU ein eigenes Kernwaffenpotential zu entwickeln; 1949 zünden sie ihre erste Atombombe, 1955 ihre erste Wasserstoffbombe. Mit dem Beginn dieser Entwicklung, die ein atomares Wettrüsten zwischen den sich herauskristallisierenden Blöcken einleitet, wächst in den USA die Erkenntnis ihrer eigenen Verwundbarkeit. Sie besitzt nicht mehr das alleinige Atomwaffenpotential der Erde, sondern nur noch das zahlenmäßig Überlegene Mit der Entwicklung der Interkontinentalrakete und dem Höhepunkt des Kalten Krieges in Form der Kuba- Krise 1962 wird das internationale Klima nunmehr vom „Gleichgewicht des Schreckens" bestimmt. Die gegnerischen Lager fühlen sich gezwungen die Fähigkeit zu entwickeln, nach einem Nuklearangriff dem jeweiligen Angreifer einen vernichtenden Schlag beizubringen. Auf der Basis des „nuklearen Patts" und der gegenseitigen Abschreckung- eine Bewußtseinsänderung in Richtung der möglichen Verluste im Rahmen eines Atomkrieges und weg von starrer ideologische Haltung findet statt - wird die Politik des status quo (Anerkennung der jeweiligen Machtbereiche) und der „nukleare Dialog" zwischen den beiden Blöcken eingeleitet. Schon vorher hatten auf Initiative der UNO verschiedene Abrüstungsgespräche, allerdings ohne konkrete Ergebnisse, stattgefunden. Der Abrüstungsgedanke der Weltorganisation greift den des Völkerbundes auf und beruht somit auf der von Wilson in seinen 14 Punkten aufgestellten Forderung die nationale Rüstung auf das für die Sicherheit des Staates notwendige Mindestmaß zu reduzieren. Auf Grundlage einer von ihr aufgestellten Resolution tagt ab 1962 die Genfer Abrüstungskonferenz. Aus ihr gehen der 1967 der Weltraum- und Meeresbodenvertrag, 1968 der Kernwaffensperrvertrag und 1972 das B- Waffen- Abkommen hervor. Neben den Bemühungen der UNO gehen verschiedene Abkommen auf die Eigeninitiative der beiden Lager zurück. 1963 wird zwischen den USA, Großbritannien und der UdSSR ein Teststopabkommen vereinbart. In dem Bestreben zu einer effektiveren Begrenzung bzw. Verminderung der atomaren Rüstung zu gelangen, resultieren zweiseitige Verhandlungen zwischen den USA und der SU 1972 und -79 in den SALT I und -II -Abkommen. Das SALT I- Abkommen - Ergebnis: qualitative Überlegenheit der USA und quantitativer Vorsprung der UdSSR = Gleichgewicht - fällt in die Zeit der internationalen Entspannung. Das strategische Gleichgewicht, der politische status quo bewirken mehr Realitätsbezogenheit und das Bestreben menschliche Erleichterungen in der Situation des Kalten Krieges zu schaffen. 1973 gehen die USA und die SU ein Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ein. Parallel zu den KSZE- Verhandlungen, die 1975 ihren Abschluß finden und im Grunde zum Ziel haben, auf allen erdenklichen Gebieten wie wirtschaftlichen, humanitären und das Menschenrecht betreffende Fragen, gegenseitige Abhängigkeiten zu schaffen, läuft die MBFR- Konferenz zwischen Ost und West bezüglich militärischer Fragen. Es kann keine Annäherung erreicht werden. Das SALT II- Abkommen wird von den USA nicht mehr ratifiziert.

    Hemmende Faktoren bezüglich der auf globalen Frieden zielenden Abrüstungsbemühungen sind historisch oder aktuell begründeten Erfahrungen vieler Staaten bezüglich der Bedrohung der eigenen Existenz oder Souveränität, ideologisch bedingtes Mißtrauen unter den Blöcken sowie die der Rüstung innewohnende Eigendynamik.

    Die sich festfahrende Entwicklung bezüglich der Abrüstungsgespräche Ende der 70er Jahre ist Ausdruck der erneut anbrechenden „Eiszeit" zwischen den Blöcken zu Anfang der 80er Jahre. Um einer Steigerung des militärischen Waffenpotentials der SU, v.a. hinsichtlich der Mittelstreckenraketen, zu begegnen, kommt es 1979 zum NATO- Doppelbeschluß. Nach gescheiterten sowjetisch - amerikanischen Gesprächen über den beiderseitigen Bestand an Mittelstreckenraketen, kommt es aus Angst vor einem atomaren Präventivschlag der UdSSR in Westeuropa zur Stationierung von Pershing II -Raketen. Die parallel dazu verlaufenden START - Verhandlungen über die beiderseitige Verminderung der Interkontinentalraketen werden ebenfalls erfolglos abgebrochen.

    Unter dem Einfluß Gorbatschows und auf der anderen Seite Reagans werden Mitte der 80er Jahre die Bemühungen zu einer Annäherung in Abrüstungsfragen wieder aufgenommen, so in Form der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa und den amerikanisch -sowjetischen Verhandlungen in Genf über Nuklear - und Weltraumwaffen.

    Für das kurz darauf folgende Ende des Kalten Krieges sind sicher verschiedenste Entwicklungen verantwortlich. Von großer Bedeutung ist jedoch auf alle Fälle die Erkenntnis der Absurdität des atomaren Rüstungswettlaufes auf beiden Teilen der Erde und den vornehmlich durch diesen hervorgerufenen finanziellen Zusammenbruch des Sowjetimperiums.

    Das Phänomen Atombombe ist nicht allein Verantwortlich für Zustand der internationalen Beziehungen auf politischer Ebene, es ist ebenso Ursache für eine breite öffentliche Diskussion zwischen Parteien, Verbänden, Publizisten, Wissenschaftlern und in der Friedensbewegung engagierten Bürgern. Als ein besonderer Zweig der Wissenschaft entwickelt sich hieraus die Friedensforschung.

    Die Welt heute kann man aufteilen in Nuklearmächte, also solche, die mit Sicherheit Kernwaffen besitzen; in Schwellenmächte, die zwar keine Kernwaffen produzieren, denen aber die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben wären; und solche, die aus historischen oder aus dem Grad ihres Entwicklungsstandes resultierenden Gründen keine besitzen. Zu Ersteren zählen England (seit 1952), Frankreich (seit 1960), China (seit 1964), Indien (seit 1974), und seit kürzerem auch Pakistan.. Schwellenmächte stellen dar Argentinien, Brasilien, Iran, Israel, Nord -Korea, und die Rep.Südafrika. Letztere sind z.B. Deutschland und Länder der Dritten Welt.

    Mit dem Ende des Kalten Krieges, also auch der Spaltung der Erde in zwei Machtblöcke, und somit einem Verschwinden des „Gleichgewicht des Schreckens", ist die Problematik im Zusammenhang mit der Atombombe im Bewußtsein der Menschen weitgehend in den Hintergrund gerückt. Das Problem einer Gefährdung der gesamten Menschheit und des Planeten ist jedoch weiterhin existent. Das entsprechende Atompotential ist weiterhin vorhanden, zudem ist die Kontrolle desselben, sei es aus Gründen politischer Instabilität oder auch einfach nur aus der Unmöglichkeit alle Länder einem Diktat zur Regelung des Kernwaffenpotentials zu unterwefen, nicht gegeben. Der momentanen Situation wohnt eine enorme Unberechenbarkeit inne, die in regionalen Konflikten wie z.B. dem Indien -Pakistans deutlich wird.


    [ Gefunden auf http://www.lsg.musin.de/Geschichte/KK/geschichte_der_atombombe.htm ]



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