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Re: Eh´ die Fäuste fliegen
Anonymous - 11.04.2005, 17:35Eh´ die Fäuste fliegen
Eh' die Fäuste fliegen
Wie man verhindern kann, daß aus Fans Hooligans werden
Barbara Bürer
Der will nicht reden, der sortiert Fußballerbildchen für sein WM-Heft, hat ein kleines Blatt Papier neben sich bereitgelegt, schreibt darauf ein paar Zahlen; unwirsch kommt es, die Zigarette im Mund: "Was verstehen Sie schon von Hooligans!" - "Und Sie?" frage ich zurück. Da schaut er nun verwundert hoch. "Eine Menge!" Steht einfach auf, setzt sich woanders hin, und einer sagt jetzt: "Hooligans sind Abschaum!" Der andere schüttelt nur den Kopf, ein Journalist schreibt etwas in seinen Block, das Telephon klingelt, eine Frau ruft: "Hendrik, wieder ein Interview!" Und der, der nicht reden will, trinkt ein Bier, Hendrik schwatzt ins Telephon, und in einem kleinen Bildschirm rennen gerade die Österreicher den Italienern hinterher.
Dienstag nachmittag im Fan-Laden des FC St. Pauli. Hamburg, es regnet, und eigentlich ist "Tii-Wii schauen" angesagt. Ein paar gucken auch, andere blättern in der Zeitung, sehen sich Photos an: kein ruhmreicher Tag für die Deutschen. Glatzen und Verwüstung. Zwei Männer im Laden reden miteinander - dasselbe, immer wieder, sehen fern, nicht mehr so unbeschwert: Das Bild des Gendarmen, erschlagen fast, leblos auf dem Gehsteig im Blut liegend, hat sich eingebrannt. Fabian, 23, schildert, wie sein Entsetzen der "plötzlichen Wut" gewichen sei, "Wut über diese Typen, die fähig sind, so etwas zu tun". Philip, 16, sagt: "Wenn Hooligans sich untereinander prügeln, ist mir das egal. Wenn aber Unbeteiligte ihre Opfer werden, dann ist das nur noch ganz große Scheiße."
Hendrik Lüttmer, 31, trägt ein brasilianisches Fußballtrikot, "Edmondo" steht auf dem Rücken, nicht "Ronaldo", warum auch? "Edmondo", ein Stürmer, genannt "das Tier". Lüttmer hat sich am Sonntag das Spiel Deutschland gegen Jugoslawien angeschaut, kaum aus sportlichem Interesse, eher mit der Sorge: Es wird etwas passieren, hinterher. "Wir wußten aus Gesprächen mit ,unseren' Hooligans: Bei diesem Spiel gibt es Ausschreitungen. Wir wußten es seit der Auslosung." Sie hätten immer wieder gewarnt. Dieter Bänisch nickt. Deutschland gegen Holland möchten sie nicht erleben, "ehrlich". Bänisch, 45, Diplom-Sozialpädagoge, ist Geschäftsführer des Hamburger Vereins Jugend und Sport; dies ist das Dach über dem St.-Pauli-Fan-Laden und dem Fan-Projekt des Hamburger Sportvereins.
Gegründet aus der Not, 1983, nach einem Spiel des HSV gegen Werder Bremen, als die Steine flogen und ein Bremen-Fan tödlich verletzt wurde. "Etwas tun" war die Devise damals, einen Verein gründen, außerhalb der beiden Klubs, "dagegen ankämpfen", um so mehr, als später noch ein junger Türke von Hamburger Skins zu Tode geprügelt wurde. "Einige der Skins gehörten auch zu den Hooligans", sagt Bänisch; so wurden, zuerst, zwei Projekte zusammengelegt. "Wir wollten die Hools und Skins verknüpfen." Sie wollten sie, wie in den "Zielen" festgelegt, in das sportliche und gesellschaftliche Leben integrieren, mit ihnen über Gewalt reden, über Ausländerfeindlichkeit, wollten "Feindbilder abbauen" und Vorurteile. Nach einer Zwischenbilanz hat man das Projekt wieder zweigeteilt.
Hier die Skins, dort die Fans, in der Südkurve die Hooligans. Abgrenzungen in einem Stadion. Fraktionen. Wobei sich der Kampf gewaltbereiter Jugendlicher längst nach außen verlagert hat, fern der Polizei. Dieter Bänisch erzählt, wie die Hamburger Ultras die Fans von BSC Berlin zur Schlägerei eingeladen haben: "Die riefen dort an, sagten: ,Wir fahren nach Dresden, haben in Nauen eine dreiviertel Stunde Aufenthalt. Habt ihr nicht Lust auf eine Prügelei? Wir sind dreißig Mann!'" So geht das. In Nauen schlugen sie sich die Nasen ein und die Köpfe blutig.
Das nennen sie Fun and Action; klassische Hooligans wollen sich prügeln, sehen sich, so Bänisch, "nicht als Beiwerk des Fußballs". Die dritte Halbzeit, ihr Spiel nach dem Spiel, kennt auch Regeln: keine Waffen einsetzen, keinen treten, der am Boden liegt, keinen in diesen Fight reinziehen, der nichts damit zu tun haben will. Ein Ehrenkodex, den heute nicht mehr alle kennen, am wenigsten die, die durch alle sozialen Maschen gefallen sind, arbeitslos irgendwann, randständig, womöglich im Strafverfolgungsapparat. "Denen ist alles egal", sagt Bänisch, die seien empfänglich für alles, "die rechte politische Szene findet hier guten Boden", rechte Parolen, rechte Arme, die nicht mehr nur als Provokation in die Luft fliegen, Reichskriegsflaggen werden ungeniert geschwenkt; sie haben Frust und Wut und schlagen einfach zu - "die bringen eine ganz andere Kategorie von Werten mit".
Das Augenmerk gilt den ganz jungen Fans
Die Hamburger Fan-Beobachter richten ihr Augenmerk vermehrt nun auf die Sechzehnjährigen und auf noch Jüngere. "Wir müssen uns mit denen befassen, die erst am und nicht auf dem Trittbrett stehen", sagt Bänisch, die ambivalent sind in ihren Gefühlen, fasziniert von den Hooligans, aber auch abgestoßen vom Alkoholkonsum, "weil sie betrunkene Väter ätzend finden". Gemeinsam fahren sie deshalb im Bus zum Spiel, kicken vorher noch eine Runde mit den gegnerischen Fans, dann das Match, danach "ran" gucken, die Fahrt zurück - Alkohol ist verboten. Die Busse sind ausgebucht.
Was im französischen Lens geschehen ist, darf auf die Jugendlichen nicht überschwappen. Philip, 16, sagt: "Auch wenn ich mit Haut und Haar St.-Pauli-Fan bin, glaube ich nicht, daß ich den andern mit Fäusten niedermachen muß." Sagt es und klebt in sein WM-Buch einen Fußballer ein. Neunzehn Köpfe fehlen noch. Italien gewinnt gegen Österreich 2 : 1.
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