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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Anonymous - Messina - Rumpelnöff - Trockenfisch Forum: klaraputzich Forenbeschreibung: Hilfe zur Selbsthilfe in Putz- und Ordnungsfragen aus dem Unterforum: Mitgliedervorstellungen Antworten: 6 Forum gestartet am: Donnerstag 26.10.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Vorstellung Letzte Antwort: vor 11 Jahren, 8 Monaten, 14 Tagen, 10 Stunden, 52 Minuten Getaggt durch: Poker
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Re: Vorstellung
Anonymous - 14.07.2011, 11:16Vorstellung
Hallo Ihr Lieben,
ich bin neu hier und will kurz schildern wie ich zum Messie geworden bin. Ich war nie ordentlich und schon als Jugendliche sehr depressiv und von krankhaften Lähmungen befallen. Es sich mir nur mit Ach und Krach gelungen in eine geordnete Beruftätigkeit zu kommen, die ich aber angemessen erfolgreich bis heute aufrecht erhalten konnte. Bis etwa ins Jahr 2002 habe ich es auch immer wieder geschafft, meine Wohnung mit Hauruck-Aktionen so halbwegs funktionstüchtig zu erhalten. Allerdings ist die Anzahl der Gegenstände und Tätigkeiten, die ich kontrollieren konnte, stetig geschrumpft. Mit meinem Umzug nach Berlin im Jahr 1996 habe ich große Teile meines Hausrats aufgegeben. Innerhalb Berlins bin ich dann noch mal in meine jetzige Wohnung umgezogen. Dabei habe ich solche Gegenstände wie eine Sitzgarnitur und einen Couchtisch zurückgelassen. Der Großteil meiner Küchenutensilien befindet sich in Kartons gepackt, ordentlich mit Inhaltsliste versehen und in einer Exceltabelle geführt im Keller. Ich habe nur noch die Sachen in der Küche, die ich für meinen täglichen Bedarf brauche. Das habe ich so gemacht, da ich einfach die Anzahl der Gegenstände reduzieren musste, die ich zu kontrollieren hatte. Mit den gelesenen Büchern bin ich genau so verfahren. Da ich panische Angst habe, meine Möbel nicht selbst zu verrücken zu können, besitze ich weder Schränke noch sonstige Aufbewahrungseinheiten. Einzig ein Pappschrank und eine Papptruhe von Ikea und so eine Rollteil aus Stoff mit Fächern und 5 Regale dienen mir als Aufbewahrungsmittel. Ich besitze genau 2 gleiche Hosen, ca. 15 gleiche T-Shirts, 2 Paar gleiche Schuhe und einen Haufen gleiche Socken (Single Socks). Das habe ich so eingerichtet, weil ich merkte, dass mir mein Leben (die vermüllte Wohnung ist da nur ein Symbol dafür) mehr und mehr entglitt. Ich habe meine Wahlmöglichkeiten eingeschränkt, weil ich so versucht habe die Kontrolle aufrecht zu erhalten. Das Auto habe ich auch aufgegeben. Für einen Messie bin ich also ein ziemlicher Minimalist. Dennoch sieht meine Wohnung aus wie ein Trümmerfeld (oder sah sie noch aus bis vor kurzem). Infolge einer Depression (psychiatrisch diagnostiziert, therapiert und medikamentös behandelt) ist mir nämlich die Kontrolle zeitweilig vollkommen abhanden gekommen. Überall Flaschen, leere Verpackungen, ungespültes Geschirr, auf denen sich neues Leben in den verschiedensten Zivilisationsstufen angesiedelt hat. Spinnen, Spinnweben, das Bettzeug ewig nicht gewechselt, Kleiderberge, Tote Fliegen, Buchstapel (ungelesen), Staub, Dreck, ihr kennt das ja. Dazu kommen noch massive Gewichtsprobleme (also jetzt bei mir, nicht in der Wohnung - ). Am 3. Juli 2011 (ich zähle noch heute die Tage), hat mich nunmehr ein Ereignis, auf dass ich nicht näher eingehen will, einen derartigen emotionalen Schock versetzt, der mich weit über meine Grenzen hinausgeschleudert hat. So wie manche Menschen in extremen Stresssituationen ihren Körper verlassen und von oben auf sich herabsehen können, habe ich mein Leben verlassen und es mit den Augen eines Außenstehenden gesehen. Ich sage euch: Desaster area. Ich lebe allein, habe keine Familie und keine Freunde ich Berlin, alles nur, weil ich niemanden in meine Wohnung und damit in mein Leben lassen kann. Als ich einmal 3 Wochen lang krank war und mein entzündetes Bein hochlegen musste, habe ich zehn Kilo abgenommen, weil ich auf ärztliche Anweisung nur zwischen Klo und Bett pendeln durfte. Ich hatte schlichtweg nichts zu essen und keinen einzigen Menschen, der nach mir sehen konnte. Pizza ging auch nicht, weil wegen Tür öffnen und so. Wenn ich ins Krankenhaus käme, gäbe es niemanden, der mich besucht. Niemand kann mir mal bei einer handwerklichen Verrichtung helfen, und so weiter la di da. Wenn ich nicht berufstätig wäre, wäre ich vollständig vereinsamt. Unter dem Druck des immensen Schmerzes, den ich wegen des besagten Schocks empfand, musste ich einfach tätig werden. Ich habe mich also den anonymen Messies angeschlossen. Und was soll ich sagen: nach drei Abenden bin ich bereits auf dem Weg der Besserung. Bisher ist sämtlicher Müll (na ja, hier und da liegt noch ein Fitzelchen) entsorgt, alle Plastikflaschen, die ich eh nie wegbringe, in der Wertstofftonne. Das Bett ist soweit frei, das ich keine Verrenkungen mehr machen muss, um ein Plätzchen zum Schlafen zu finden, alles Geschirr ist gespült, alle Wäsche gewaschen (noch nicht abgenommen, schäm) und die Küche ist zu einem Achtel geputzt. Auch meine Gemütslage hat sich gebessert. Auch im Büro komme ich wieder besser voran, ich führe ein Kassenbuch und eine Art Tagebuch, in das ich alles was ich tue, eintrage, alles geschriebenen Texte und alle wichtigen Daten. So kann nichts mehr verloren gehen und mein Leben verrinnt nicht mehr einfach so zwischen meinen Händen. Ich habe eine Einladung auf ein Sommerfest und eine Grillparty. Jetzt habe ich mich hier angemeldet und somit wenigstens digital wieder Verbindung mit der Welt außerhalb meines Büros aufgenommen. Demnächst habe ich eine probatorische Sitzung bei einem Therapeuten und insgesamt wieder ein wenig mehr Hoffnung. Mir geht es nicht so sehr um die Putztechnik, ich werde eh nie die Wunderhausfrau im Laura Ashley Outfit. Früher habe ich es geschafft allein mit Ajax und Putzschwamm mein Bad picobello zu putzen. Heute verfüge ich über eine Batterie an Hilfsmittelchen, die ihrerseits wieder fast schon ein verstaubtes Müllproblem darstellen, und nichts passiert. Daher werde ich auch keine to do Listen einstellen oder mir Zielvorgaben formulieren. Mein Weg ist, zunächst einmal wieder soziale Kontakte aufzunehmen, in der Hoffnung, dass das meine Seele ein wenig „freiräumt“ und sich danach eine sukzessive Entmüllung der Wohnung automatisch ergibt. Hoff. Ob das klappt? Schaun mer mal.
lg
Trödel
Re: Vorstellung
Anonymous - 14.07.2011, 11:31
hallo und herzlich willkommen, liebe trödel!
ich finde es klasse, wie du dein problem angehst...du hast dich und dein leben ja schon recht genau analysiert und erkennst,was dir am meisten fehlt.
ob jemand nun zuviele oder zuwenige sachen hat, ist ja gar nicht so entscheidend,wir alle haben probleme mit dem richtigen maß. und die ursachenj sind letztlich auch ähnlich.
ich drücke dir die daumen,daß es weiter aufwärts geht, einen super anfang hast du ja schon gemacht! hier hast du kontakte und auch immer wieder hilfe oder anregungen,wenn du nicht weiterkommst.
auf welche weise du es nutzt,mußt du für dich entscheiden, todo-listen etc. sind ja kein zwang,manchen helfen sie eben, anderen nicht.
offene ohren findest du hier aber immer!
glg
tine
Re: Vorstellung
Messina - 14.07.2011, 12:41
Auch von mir Herzlich Willkommen, liebe Trödel! :herz:
Zitat: ... einen derartigen emotionalen Schock versetzt, der mich weit über meine Grenzen hinausgeschleudert hat.
Dazu fällt mir das Bild des Turmes aus dem Tarot ein.
Manchmal muss man einfach aus sich rausgeschleudert werden, aus den alten festgefahrenen Stukturen.
Ich bin beeindruckt, denn du hast den Schock genutzt und schon viel erreicht :beifall: :beifall: :beifall: :beifall: :beifall:
Zitat: Ich habe mich also den anonymen Messies angeschlossen. Und was soll ich sagen: nach drei Abenden bin ich bereits auf dem Weg der Besserung.
Bisher ist sämtlicher Müll (na ja, hier und da liegt noch ein Fitzelchen) entsorgt, alle Plastikflaschen, die ich eh nie wegbringe, in der Wertstofftonne.
Das Bett ist soweit frei, das ich keine Verrenkungen mehr machen muss, um ein Plätzchen zum Schlafen zu finden, alles Geschirr ist gespült, alle Wäsche gewaschen...
Das hast du sehr gut gemacht, und nun hast du dich hier auch angemeldet, um dich auszutauschen.
:cheer: :cheer: :cheer:
Ich wünsch dir viel Freude mit uns :freu: und spendier mal ein Kraft- :gift: und ein paar Blümchen zur Freude :blume:
Wär toll, wenn du ein Tagespensum aufmachst und schreibst, was du so geschafft oder nicht geschafft hast,
damit wir dich bepuscheln :cheer: oder trösten :knuddel: können
Re: Vorstellung
Anonymous - 14.07.2011, 16:01Die anonymen Messies
Hallo,
erstmal Danke für die nette Begrüßung. Für alle Berliner Messies stelle ich mal hier das Link zu den anonymen Messies rein. Sie haben mir wirklich geholfen.
http://www.anonyme-messies-berlin.de/
lg
Trödel
Re: Vorstellung
Rumpelnöff - 14.07.2011, 16:49
auch von mir ein :herz: - lich Willkommen :wave:
super, dass Du Dir schon Hilfe geholt hast,
auszutauschen gibt es sicher genug
...und ein 'Laura Ashley-Putzteufelchen' werden wir wohl alle nicht werden :mrgreen:
Re: Vorstellung
Trockenfisch - 15.07.2011, 00:08
Auch von mir herzlich willkommen, liebe Trödel :blume:
Du wirst ungewöhnlicherweise schon bei der Vorstellung bepuschelt, weil du bereits soviel erreicht hast!
:cheer: :cheer: :cheer:
Vielleicht ist das Führen eines Tagespensums doch keine schlechte Idee für dich, auch wenn es dir nicht um Zielvorgaben oder to-do Listen geht.
Jede/r hat so seine eigene Art das Tagespensum zu führen - für mich ist es auch oft ein Mittel zur Selbstreflexion (hoffe, das schreibt man so!), wenn mir danach ist...oder mich "laut" zu ärgern...woraufhin es mir immer schon besser geht..aber so hat jede/r seine eigene Art und es ist richtig von dir, Klara so zu nutzen, wie es für dich am besten ist!
Lieben Gruß
Fischi (Trockenfisch)
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