Reflektionen

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    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 18:09

    Reflektionen
    Ich weiß gar nicht, wie ich diesen thread nennen soll.

    Naja, jedenfalls wurde ich gefragt, ob ich als "Probantin" für ein Psychologie-Seminar fungieren würde. Die Studentin ist im 6. Semesters ihres Psychologiestudiums und nehmen 3 Sitzungen auf Video mit Freiwilligen auf, um verschiedene Aspekte zu durchleuchten.

    Heute war also der 1. Termin, der Kennenlern-Termin. Nix war's mit der coolen Fassade, weil die Fragen doch tatsächlich geschickt angelegt waren.

    Also nach der Kennenlern-Runde fühlte ich mich auch total sicher und angenehm aufgehoben, die Kamera oben an der Decke vergisst man dabei auch recht schnell.

    Kennenlernfragen waren zum Lebenslauf, Interessen (ich habe von euch erzählt :zahn:), eher viele/eher wenige Freunde ganz locker plätschernd.

    Dann die Forderung sein Leben auf einer Skala von 1 bis 10 (sehr gut) zu bewerten, wie man es gerade findet. Meinen Messstrich habe ich hier bei 7 angesetzt, als nächste sollte ich dann beschreiben .... (ich mache mal kurz eine Pause, weil ich dies so interessant finde) und gehe mal kurz probieren, ob man hier spoilern kann.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 18:14


    Spoilern geht nicht,
    also danach sollte man beschreiben (ich habe 7 genommen) was dazu führen könnte, dass man sein Leben mit einer 10 bewertet. Bei mir würde eine Skalierung verbessern, wenn ich z.B. in einem großen Bauernhaus irgendwo in der Natur zu Hause arbeiten könnte und am liebsten würde ich einen Krimi schreiben. Anschließend sollte man anschauen, was eintreten müßte dass man sein Leben z.B. bei mir auf 5 bewertet.

    Die nächste Runde stand an:
    So tun als ob man eine Autobiographie schreiben würde und sein Leben in Kapitel einteilen und diesen Überschriften geben.
    Danach einige kurze Sätze dazu erzählen.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 18:19


    Keine Ahnung warum, aber diese Übung war sehr effektiv. Übrigens stand in der Bewertung die Studentin und ihre Fragetechnik, dies wird dann innerhalb des Seminars unter die Lupe genommen und besprochen und Teile dazu gezeigt. Selbstverstänlich konnte ich Passagen "verbieten" und wurde zu nichts gezwungen, aber ich dachte mir, ich öffne mich, denn bestimmt kann ich daraus was lernen. Und diese Frage war heftig.

    Anscheinend bewirkt diese Gegenüberstellung eine enorme Klarheit - jedenfalls ohne ins Detail zu gehen, mir geht es zwar gut, aber die berufliche Zeit in München ist nicht mehr mit Spaß und Freiheit verbunden, sondern sie erscheint mir als schwer und anstrengend und dieses Gefühl hatte ich sonst nie. Sehr, sehr interessant für mich.

    Einige Zeit später kam die Frage nach dem schlimmsten und dem schönsten Erlebnis mit der Auflage es so zu beschreiben, dass man einen Film danach drehen konnte.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 18:22


    Bemerkenswert war dann immer das Bohren, wie ein anderer diese Szene empfunden hätte, das zwingt dich dann so in die Kameraposition. Spannend.



    Re: Reflektionen

    Snowcrash - 16.06.2005, 18:49


    clubmed hat folgendes geschrieben: Bei mir würde eine Skalierung verbessern, wenn ich z.B. in einem großen Bauernhaus irgendwo in der Natur zu Hause arbeiten könnte und am liebsten würde ich einen Krimi schreiben.

    :eek: :eek: Genau das würde ich auch gerne machen. :knuddel:

    Hört sich im übrigen sehr interessant an. Wie viele Probanden nehmen denn an dieser Studie teil?



    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 19:15


    Seminar, nicht Studie
    Ich weiß es nicht genau - ich denke so 10-15. Auf einem anderen Vortrag hat Frau Asgodom mal gefragt, was uns hindert, unsere Träume zu verwirklichen.
    Jedenfall kann ich ja auch ohne Bauernhof ein Buch schreiben, leider befürchte ich, dass jede Frau gerne einen Krimi schreiben würde. Anyhow können wir ja irgendwann mal anonym vielleicht einen Krimi-1.Kapitel posten ins Leben rufen und jede darf ihren Senf dazu geben, dann sieht man vielleicht, wer Talent hat und wer nicht :zahn:

    So, wo war ich stehen geblieben. Das schönste Erlebnis, und die Person, die dabei, ob die es auch so empfunden hat.

    Abschließend die Gender-Frage:
    "was wäre anders, wenn du als Junge geboren wärst"
    ob sich da so viel verändert hätte? Wahrscheinlich alles, aber in dem Moment hatte ich nur das Empfinden, dass ich wahrscheinlich nicht so empfindlich wäre.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 16.06.2005, 22:56


    Ganz am Anfang war die Frage, wo sind deine Stärken - diese kann ich inzwischen ausführlich und überzeugt wiedergeben. Die nächsten Sitzungen werden die Familie "organigrammieren" und unter die Lupe nehmen und dann gibt es noch irgendwelche Figuren auf dem Schachbrett.



    Re: Reflektionen

    tao - 17.06.2005, 01:06


    clubmed hat folgendes geschrieben: Bemerkenswert war dann immer das Bohren, wie ein anderer diese Szene empfunden hätte, das zwingt dich dann so in die Kameraposition. Spannend.

    Ich glaub, die Kameraposition ist eine der Schlüsselfunktionen, die Familienaufstellungen sogar bildlich bedienen.



    Re: Reflektionen

    Meritra - 17.06.2005, 12:30


    clubmed hat folgendes geschrieben: Bemerkenswert war dann immer das Bohren, wie ein anderer diese Szene empfunden hätte, das zwingt dich dann so in die Kameraposition. Spannend.

    Das mag ich überhaupt nicht. Ich weiß nicht, wie ein anderer etwas empfinden würde, da ich niemand anderes bin. Das fällt mir deshalb immer sehr schwer. Da finde ich es besser, wenn jemand sagt: "Stellen Sie sich jetzt vor, diese Situation wäre jemand anderem passiert und er bittet Sie um Rat. Was würden Sie dann denken?" Das kann ich mir irgendwie besser vorstellen.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 17.06.2005, 14:22


    Verständlich, nachvollziehbar

    der Gedanke dahinter ist wohl (ich bin keine Psychologin), dass man aus seinen Emotionen rausgeht, die ja manchmal blockieren.

    Es war interessant zu unterscheiden, ob die, die dabei waren es als Zuschauer genauso schlimm empfunden hätten und was ein objektiver Betrachter gesehen hätte. Trotzdem war die "schlimmste Situation" für mich schlimm. Punkt.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 02.07.2005, 04:35


    Die 2. Sitzung nannte sich Genogramm und es wurde der ganze Stammbaum beziehungstechnisch aufgemalt,

    Die Beziehungen wurden durch Striche verbunden, wie eng sie war, ob konfliktbeladen oder nicht und jede Person wurde spontan mit 4 Adjektiven beschrieben. Die Personen wurden mit Namen, Geschlecht und Alter symbolhaft dargestellt.

    Was mir sofort ins Auge stieß war, dass das 1. Adjektiv sowohl bei mir als auch bei meiner Mutter identisch war: dominant - außerdem gab es noch eine interessante Erkenntnis.

    Aber alles in Allem war mir das Meiste vertraut, da ich mich durch das Familienstellen schon ausgebig mit dem Thema beschäftigt habe.

    Heute Samstag kommt der 3. und letzte Teil.



    Re: Reflektionen

    clubmed - 29.07.2005, 01:03


    Der 3. Teil war relativ "harmlos" - man musste seine Familie aufstellen auf einem Schachbrett mit 3 Varianten

    -die Blickrichtung
    -die Höhe der Figuren (bedeutet Macht / Einfluss)

    und dann nochmal stellen, wie es in 5 Jahren ausschaut



    Re: Reflektionen

    clubmed - 29.07.2005, 01:06


    Na und heute kam das schriftliche Feedback

    Wichtig ist, dass Du weißt, dass das Folgende meine subjektiven Eindrücke sind. Du kannst annehmen, was ich sage, kannst es aber auch ablehnen. Es sind lediglich die Eindrücke, die ich im Laufe der Gespräche bekommen habe.
    Insgesamt war mein Eindruck, dass Du sehr genau weißt, was Du willst, dass Du sehr lebhaft bist als Person, dass Du hier im Gespräch sehr interessiert warst, auch an den Dingen, die wir hier durchgenommen haben, dass Du schon vorher sehr reflektiert warst und Dich schon viel mit ähnlichen Dingen beschäftigt hattest. Du warst auch sehr bereit Dich zu öffnen, was ich besonders im ersten Gespräch so empfunden hatte. Du bist ja eigentlich hergekommen und meintest, Du wolltest Dich ja gar nicht so sehr öffnen und dann hast Du’s doch getan. Ich hatte auch den Eindruck, dass Du sehr offen für meine Vorschläge warst, die ich gemacht habe oder für Fragen, die ich gestellt habe, aber auch in der Lage warst, Dich dann abzugrenzen, wenn es Dir nicht gepasst hat.
    Ich hatte hier aber auch den Eindruck, dass Du da dann gerne das Ruder in die Hand genommen hast. Das sag ich deswegen, weil Du z.B. mitschreibst, was andere nicht machen. Zum Mitschreiben meinte unser Dozent, dass es die Rollen anders verteilen könnte. Ich meinte dazu, dass es mich nicht störe, Du könntest das gerne machen, weil Du ja auch was draus lernen willst. Er meinte jedoch, dass Du durch das Mitschreiben mehr die Kontrolle in die Hand bekommen könntest.
    Du hattest auch mehrfach erwähnt, dass Du ähnliche Dinge wie diese Gespräche schon mal gemacht hattest, dass Du auch schon mal Aufstellungen mitgemacht hattest, was ich dann auch manchmal ein bisschen als „das Ruder in die Hand nehmen“ empfunden habe.
    Dann bekam ich den Eindruck, dass Du sehr viel über Dich selber nachdenkst und dass Deine eigene Entwicklung und Dein eigener Werdegang für Dich ein sehr wichtiges Thema sind ohne unbedingt andere Personen miteinzubeziehen. Das sag ich deswegen, weil Du im ersten Gespräch, als es um wichtige Themen in Deinem Leben ging, Deine derzeitige Gesundheit genannt hast, Deinen Beruf, stabilen Verdienst, Dein Nervenkostüm, das momentan sehr schwach sei und Deine Bildung, die Du in Angriff nehmen wolltest. Das waren alles Dinge, die Du an Dir verändert willst und die Dich selber angehen. Du hast auch schon sehr viele Selbsterfahrungskurse gemacht. Ich denke, dass das auch mein eben Gesagtes bestätigt, nämlich, dass Du gerne darüber nachdenkst, wie Du sein möchtest oder wie Du mit Dir selbst klarkommen kannst. Ich würde es auch so bezeichnen, dass Du auf der Suche nach Dir selbst bist.
    Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass Du Dich als Brischitt vorgestellt hast. Ich bin leider nicht genau darauf eingegangen, was dieser Name für Dich bedeutet und was es für Dich heißt, dass Du Dich mit einem Spitznamen vorstellst. Ich dachte, dass es vielleicht für Dich eine Art „Künstlername“ sein könnte, wobei ich über dieses Wort noch nicht ganz glücklich bin, und dass es dadurch auch eine Art der Darstellung ist.
    Was mir in der letzten Stunde noch auffiel und ich sehr interessant fand, war, dass Du meintest, Du würdest gerne mit Deinem Problem leben.
    Ich hatte insgesamt den Eindruck, dass Du eine Art Einzelkämpferin bist. Du nimmst auch gerne andere Personen mit rein, bist aber im Prinzip für Dich. Dieser Eindruck kam auch durch das Alleineleben, *einenSatzraussgenommen*. Auch dies erschien mir als ein Zeichen der Einzelkämpferin.
    Das war jetzt so insgesamt mein Eindruck, den ich nach den drei Stunden bekommen habe.
    ---

    damit kann ich sehr gut leben, bzw. sie hatte es mir schon mündlich beim Abschluss gegeben



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