Das Vater Unser aus dem Aramäischen

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    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    David - 20.10.2014, 19:45

    Das Vater Unser aus dem Aramäischen
    von Dr. Neil Douglas-Klotz: http://www.bunkahle.com/Aktuelles/Religion/Aramaeisches_Vaterunser.html



    Vater unser im Himmel.


    Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern.


    Hilf uns einen heiligen Atemzug zu atmen, bei dem wir nur Dich fühlen - und Dein Klang in uns erklinge und uns reinige.


    Lass Deinen Rat unser Leben regieren und unsere Absicht klären für die gemeinsame Schöpfung.


    Möge der brennende Wunsch Deines Herzens Himmel und Erde vereinen durch unsere Harmonie.


    Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen: das Notwendige für den Ruf des wachsenden Lebens.


    Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, wie wir loslassen, was uns bindet an die Schuld anderer.


    Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen, sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.


    Aus Dir kommt der allwirksame Wille, die lebendige Kraft zu handeln, das Lied, das alles verschönert und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.


    Wahrhaftige Lebenskraft diesen Aussagen! Mögen sie der Boden sein, aus dem alle meine Handlungen erwachsen. Besiegelt im Vertrauen und Glauben. Amen.



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    tara - 23.10.2014, 11:45


    hallo david :)

    du hast möglicherweise den selben gedanken in dir getragen wie ich :)



    Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, wie wir loslassen, was uns bindet an die Schuld anderer.


    Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen, sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.

    und die katholiken beten ...

    "und führe uns nicht in versuchung , sondern erlöse uns von dem bösen "

    ich ärgere mich jedesmal , wenn ich höre das der allgütige , liebende , verzeihende gott uns vielleicht , boshafter weise , IN VERSUCHUNG führen wird :?


    es heißt nämlich "und führe uns IN der versuchung " , damit wir eben nicht straucheln und uns nicht in der sünde verfangen .


    bei wiki gefunden :cool:

    Die bisher gängige Übersetzung _führe uns nicht in Versuchung _ wird von einigen Exegeten heute mit lass uns nicht in Versuchung geraten übersetzt. Die jüdische Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide argumentiert, Gott sei kein Versucher; sie formuliert den Satz um: Und führe uns in der Versuchung ... Die ökumenische Gute Nachricht Bibel arbeitet in ihrem Text den wissenschaftlichen Kommentar mit ein und schreibt: Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Vaterunser

    liebe grüße
    tara



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    David - 23.10.2014, 19:59


    Frieden.

    Es ist sehr interessant, wenn Menschen auf religiöser Ebene im Einklang sind :D .

    Das Interessante an der Aramäischen Übersetzung ist wohl, dass die Sprache viel Raum für Interpretationen lässt. Die Juden haben beispielsweise die Verse des Alten Testaments weiter ausgeschmückt, damit der Zusammenhang und die Interpretation der Verse deutlicher wird, was Midrasch genannt wird. Da kenne ich mich aber nicht so gut aus, vielleicht kann das jemand noch näher beschreiben.

    Aber um auf die Sprache zurückzukehren: Es gibt Menschen, Fundamentalisten, die sogar auf der Bedeutung einzelner Wörter herumreiten. Wenn die Sprache so viel Raum zur Interpretation bietet, dann erscheint das falsch.

    viele Grüße
    David



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    MaSofia - 24.10.2014, 00:22


    Hallo David, du hast ein interessanten Dialog geöffnet.

    Vor langer Zeit habe ich hier schon mal geschrieben.
    Die Themen gingen um die andere Lesemöglichkeit hebräischer Texte.

    Du meintest: "Das Interessante an der Aramäischen Übersetzung (Vaterunser) ist wohl, dass die Sprache viel Raum für Interpretationen lässt".

    Wie gut, dass du mit deinem Link die ganze Liste von überprüfbaren Informationen bringts, auch ein Bild vom aramäischen Text des Vaterunsers. Die Schrift hat Einiges an Ähnlichkeit mit Hebräisch und auch der Text hat viele ähnliche Wörter.

    Wenn im deutschen Text steht:
    "Führe uns nicht in Versuchung und erlöse uns von dem Übel..."
    heißt der aramäische Text
    "Wela tachlân l'nesjuna - ela patzân min bischa." schreibt richtig der Autor. Es gibt keinen Grund für die malerischen Auslegungen. Die Worte stehen in Aramäisch nicht da.

    Das Alte Testament ist in Hebräisch. Dort werden die Regeln erklärt, mit denen ein Text auszulegen sei. Auch im Talmud (hebräisch) kommen sieben Auslegungsregeln vor, die Rabbi Hillel (110 v.Chr - 9 n.Chr.) zugeschrieben werden.

    Diese Regeln sind im Wortschatz begründbar.
    Wenn in Hebräisch steht [min ha ra] von dem Übel,
    so hat das [ra] רע zwei Wortbegriffe.
    Einmal gibt es das Wort mit Ableitung von רעע, dann ist das Übel, böse, zerbrochen. Dazu gibt es das Wort mit Ableitung von רעה, pflegen und Freundschaft.

    Ein Ausleger muss also beide Richtungen überlegen.
    Was passiert als positive Variante, wenn einer ohne stur zu sein - auch etwas versucht. Das andere ist die böse VER-Suchung, von der nur Üble käme. Davor bewahren, bei Gutem aber - mitmachen, hieße dann der gesamte, begründbare Text.

    Mit dem aramäischen Text gehen diese Wortspiele vermutlich nicht, weshalb der Autor irgendwas schön klingendes, frei erfundenes bringt, irgendwie durch Flüsterpost.

    Zitat: David: Wenn die Sprache so viel Raum zur Interpretation bietet, dann erscheint das falsch.
    Womit du Recht hast.

    Wir haben zwar die Evangelien in Griechisch (Amtssprache Roms damals). Werden die Worte jedoch im Stil des AT in hebräischer Sprache genommen, so erschließen sie wieder die vollständigen Inhalte - durch die frühere Kunst der Dichtung.

    P.S. Dein Avatar-Bild gefällt.



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    David - 24.10.2014, 17:58


    Danke MaSofia für die Erläuterungen :D .

    Tja, wenn ich jetzt drei Wünsche frei hätte, dann würde ich mir wünschen, Hebräisch, Griechisch und Arabisch lesen zu können. Macht aber nichts, zum Glück gibt es ja Menschen, die mir die Bedeutungen von manchen Texten näher bringen können.

    Für mich als Hobbymusiker sind auch die Psalmen recht interessant. Ich habe irgendwo gelesen, dass der Text in Hebräisch eine Rhythmik hat, weniger einen Reim auf die Endsilben. Möglicherweise war der Prophet David ein Rapper?

    viele Grüße
    David



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    tara - 24.10.2014, 20:01


    hallo masophia :)

    vielleicht ist das zuviel verlangt , aber wie könnte man das "und führe uns nicht in versuchung " noch übersetzen , ohe das aus gott der versucher wird ?

    liebe grüße
    tara



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    MaSofia - 24.10.2014, 22:59


    Die Bibeltexte haben mehrere Ebenen, sind Gesetze, Regeln, Erfahrungen, berichten von Altem und Zukünftigen.

    Als Gemeinschaftsregel verstanden die Katharer (bei Kreuzzügen ausgerottet) das Vaterunser. Das durfte nur "beten" wer der Gemeinschaft sein Vermögen gab.

    Eine der Ebenen sagt von den alten Vorstellungen Abba, Vater und gemeint ist in dem Fall der Schöpfer. Jedoch ist aba auch das Wollen.
    Im Falles des Wollens gehen die Gemeinschaftsregeln:
    Auch mitmachen!
    Nicht die anderen zu Unsinn führen.

    Im Falle des Vertrauens an Gott, lautet die Regel mit der Bitte um Erlösung, dass Freundschaft sei.



    Re: Das Vater Unser aus dem Aramäischen

    tara - 29.10.2014, 15:13


    vielen dank liebe ma sophia , für deine ausführungen :)

    übersetzen von alten toten sprachen ist wohl nicht so einfach und es können sich da sehr leicht ungewollt (oder gewollt) , wer weiß (?) schwerwiegende fehler einschleichen .

    liebe grüße
    tara



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