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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: der SL Forum: Hârnmaster by Ralf aus dem Unterforum: Spielberichte Antworten: 1 Forum gestartet am: Sonntag 27.02.2005 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: EPILOG Letzte Antwort: vor 17 Jahren, 3 Monaten, 25 Tagen, 17 Stunden, 10 Minuten
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Re: EPILOG
der SL - 03.12.2005, 15:44EPILOG
Erschöpft, verwundet, müde und Blut bespritzt steht ihr in der mehreckigen Kammer. Dieser Raum, fast leer, bis auf einen einfach wirkenden hölzernen Thron und dem nun einzig aufrecht stehenden Bewohner wirkt unnatürlich und nicht wirklich. Nicht wie ein Gefängnis, nicht wie ein Kerker und doch trist und niederdrückend.
Der Kampf scheint vorüber, die Gegner besiegt, ihr habt die Oberhand gewonnen, ihr habt die Feinde nieder gerungen, der Tag gehört euch.
So scheint es.
Es ist still geworden im Gang und im Raum danach. Wo eben noch auf Leben und Tod gekämpft wurde, wo Magie, die des Feuers und der Kälte sich gegenseitig bekämpft hat, herrscht nun die Ruhe nach dem Sturm. Die Wachen, Söhne der Söhne der Söhne Agriks, die Vii, liegen tot oder sterbend auf dem Boden. Und ihr steht schwer atmend, glücklich überlebt zu haben, im Gang und im Raum dahinter. Die Stille wirkt nach all dem Lärmen und Kämpfen schmerzend. Sie ist nicht wie es sein sollte. Sie ist zu extrem, zu deutlich, klar und übernatürlich.
Und ihr steht vor einem kleinen, alt und gebrechlich wirkenden Dhirikri, der euch nicht einmal wahrzunehmen scheint. Nun fällt es euch auf, er hat sich weder während des Kampfes noch danach bewegt oder eine Regung gezeigt. Er steht apathisch neben dem hölzernen Sitz. Und wirkt verloren und schwach. Zahlreiche Runzeln und Warzen überziehen seinen Körper, der selbst für einen Dhirikri kümmerlich und ungewöhnlich unterentwickelt wirkt. Die Dhirikri sind kleiner als die meisten Menschen, die ihr kennt, und oft schwächlicher. Dieser hier ist zusätzlich hässlich und abstoßend und wirkt wie das Zerrbild seiner Art, einer Art, die in euren Augen eher eine Beleidigung der Augen ist. Er ist kleiner als die, die ihr von seiner Art an der Oberfläche, wohl sechzig oder mehr Fuß über euch, gesehen und auch bekämpft habt. Er ist nackt. Er hat einen krummen Rücken, seine Füße und Hände, oder besser Klauen wirken unterentwickelt und gichtig, all seine Gelenke wirken übergroß oder seine Gliedmaßen sind zu klein, so als würde er unter einer Krankheit der Knochen leiden. Seine Hautfarbe ist eher grau oder freudlos gräulich, nicht rot, sondern mehr wie Asche.
Und nun fällt es euch auf. Ihm fehlt eines seiner Hörner. Sein linkes endet kurz über dem Ansatz, als sei es ausgerissen oder abgerissen worden. Und, aber das war aufgrund der Abwesenheit einer Lichtquelle und der völligen Regungslosigkeit dieser Gestalt zuvor nicht zu erkennen, es fehlen ihm beiden Augen. Nur dunkle, schattige Öffnungen sind dort, wo sonst die Sehorgane sind. Unheimlich wirken diese zerfransten und zerfaserten schattigen Höhlen. Er ist blind. So viel steht fest.
Dann, fast so als ob er doch etwas wahrgenommen hat, wendet die Gestalt vor euch sein Gesicht in eure Richtung. Er scheint euch anzustarren, wenn er es könnte, zumindest richtet er sich in eure Richtung aus. Seine leeren Augenhöhlen, ohne Wundflüssigkeit und auch ohne Narben, nur zerfranstes Gewebe, wirken unwirklich und unnatürlich. Einfach ein Nichts. Etwas fehlt eben, aber dann ist es doch so, dass sein Gesicht nicht entstellt wirkt. Ein beängstigender Anblick und einer, der doch dazu gehört. Der nicht anders von euch erwartet worden ist. So ist der Gedanke eines jeden von euch.
Dame Seryel gewinnt als erste ihre Stimme wieder, und fragt: „Seid ihr Ikaras?“
Euer Gegenüber reagiert nicht. Sie fragt wieder. Wieder keine Reaktion. Dann bricht auch Ebran das Schweigen und gestikuliert wild und stammelt Laute in der Sprache seiner Kirche. Eine Bewegung bei eurem Gegenüber ist der Lohn. Dann fragt er in einer Zunge, die ihr noch nicht gehört habt, oder doch, so oder ähnlich klang es, wenn die Dhirikri an der Oberfläche miteinander sprachen, wenn sie sich mit- und untereinander verständigten.
Euer Gegenüber scheint gebannt zu warten, so wie ihr, und dann öffnet er den Mund und versucht zu reden. Doch ihm fehlt etwas Wichtiges dafür. Ihm fehlt die Zunge. Jene lange Zunge, die am Ende gespalten ist und wie ein weiteres Gliedmaß wirkt. Jene Zunge, die doppelte Verheißung oder Fluch für Tyra war. Jene Zunge, die ihr mehrfach gesehen habt, als sich diese Zungen sich gegen euch wandten. Keine Zunge seht ihr und kein Laut erreicht euch
Keine Zunge, keine Augen und ein Horn fehlt. Seryel spricht es aus: „Dies muss er sein, alles andere macht keinen Sinn. Zeigt ihm die Kisten. Bringt sie ihm. Lasst sie ihn öffnen. Schnell, bevor die anderen kommen. Er muss es sein, sonst ist alles umsonst gewesen. Er, oder wir haben alles verloren.“
Ihr hört in der Tat, wie Geräusche aus den Gängen zu euch dringen. Wie viele große, schwere Gestalten durch die Gänge, die ihr eben hinter euch gelassen habt, stapfen oder rennen. Und rufen. In einer Sprache, die ihr nicht verstehen könnt oder die ihr nicht kennt. Mehr von den Vii? Dafür klingen die Schritte zu schwer. Die, gegen die ihr gekämpft habt, waren so groß wie die kleinsten unter euch. Nicht mehr. Und haben keinen solchen Lärm gemacht, wie die Wesen, die ihr nun vernehmt. Diese sind viel lauter, klingen viel schwerer. Und aufgeregter.
Seryel ruft wieder: „Gebt ihm die Kisten bevor die anderen hier sind. Das überstehen wir nicht. Und wir haben keinen Ausweg oder einen anderen Gang, der uns an die Oberfläche führt. Also eilt euch. Du Magnus, fang an. Egal welche Kiste du hast.“
Wie an Seilen gezogen schreitet Magnus auf den kleinen verhutzelten Dämonen zu. Und zeigt ihm dann die silberne Kiste. Doch nichts geschieht. Der Dämon bewegt sich nicht einmal. Dann deutet Seryel auf den nächsten von euch, der eine Kiste bei sich führt und ruft „Nun du, schnell, es ist unsere letzte Möglichkeit.“
Ihr hört, wie die Schritte im Gang lauter werden. Jamila tritt vor und hält die silberne Kiste hoch. Eine Regung, ein leichte Bewegung. Er öffnet den Mund, es sieht aus wie ein stummer Schrei. Er verharrt regungslos. Jamila tastet sich Schritt um Schritt vor. Und dann geschieht etwas. Während vom Gang die Geräusche beängstigend nahe klingen, beginnt ein Geräusch von der Kiste auszugehen. Seryel schreit: „Das ist es, das ist es. Ikaras, nimm es. Jamila, eil dich.“
Und wirklich, je näher Jamila kommt, desto klarer wird das Geräusch. Es hört sich an, als ob eine Stimme unter vielen Stimmen sich Gehör zu verschaffen versucht. Und dann springt der Deckel der Kiste auf, der gleichen Kiste, die zuvor ein festes, fugenloses Stück war. Ihr könnt nicht erkennen, was sich in der geöffneten Kiste befindet, die Sicht ist behindert. Doch als Jamila direkt vor dem Dämon steht, einen Schritt oder näher, greift sie in die Kiste und holt etwas hervor. Ein Stück graues und totes Fleisch, es erinnert für einen Augenblick an ein Stück Leder, alt und rissig.
Dann führt Jamila ihre Hand direkt an und dann in den Mund des Dämons. Und es geschieht etwas. Etwas Erstaunliches und Erschreckendes gleichermaßen. Während eure Gegner näher und näher kommen, verändert sich euer Gegenüber. Ein wenig Farbe kehrt in seine Haut zurück. Seine Runzeln und Warzen wirken weniger widerlich und sein Rücken streckt sich. Doch vor allem, er gibt Laute von sich. Zuerst nur ein Krächzen, ein unverständliches Gestammel, einem Brabbeln eines Neugeborenen ähnlich. Doch sehr schnell ändert sich das, es werden Silben daraus und schließlich Worte und Sätze. Erst in einer unbekannten Sprache, weiterhin nicht zu verstehen, dann jedoch wechselt er die Sprache. Er spricht Worte wirr in vielen Sprachen, mal ist ein Wort dabei, welches ihr versteht. Oder ein Satzfetzen, den ihr erkennt. Doch vieles versteht ihr nicht, obwohl es eine Sprache, oder besser viele Sprachen sind. Und dann, nach und nach wird er flüssiger, seine Stimme trägt weiter und wird deutlicher, durchdringt erst den Raum und trägt dann noch weiter. Die Zunge, eben noch graues Leder, verfault und nutzlos, ist nun wieder, so wie ihr es in der großen Stadt über euch kennen gelernt habt, ein lebendiger und wichtiger Teil dieses Wesens vor euch. Welches, daran gibt es nun keinen Zweifel mehr, nur Ikaras sein kann.
Und dann hört ihr wie seine Stimme eindeutig zu euch spricht.
„Ich kann euch riechen und ich kann euch hören. Und ich kann auch hören, wie sich meine Peiniger nähern. Sie sind zahlreich. Helft mir und ihr helft euch. Ich spüre, dass ihr etwas bei euch tragt, was mir gehört. Was mir gestohlen wurde. Von einem Feind, der sich auch nähert. Er ist mächtig, sehr mächtig. Doch nicht unbesiegbar. Helft mir und ich werde euch helfen.“
Seryel schreit: „Die nächste Kiste, beide zugleich, aber schnell, bevor diese Feuerschalenanbeter uns erreicht haben.“
Cale bewegt sich auf Ikaras zu, er nimmt die silberne Kiste hervor, die ihm anvertraut wurde und zeigt sie dem Dämon, doch er reagiert nicht. Erst als Cale ganz nahe ist, wendet sich Ikaras ihm zu. Und blickt blicklos auf oder in Richtung Cale. Oder auf das, was er bei sich führt. Und wirklich, es geschieht etwas mit der Kiste, sie beginnt zu leuchten, heller und heller und bald müsst ihr eure Augen schließen oder euch abwenden, sonst würde euch das Licht erblinden lassen. Doch einen Augenblick später ist das Licht verschwunden. Und lässt Dunkelheit zurück. Es ist dunkler geworden, dunkler als zuvor. Eure Fackeln und die Fackeln auf dem Gang wirken nicht mal mehr wie Kerzen, nicht mal wie Glühwürmer zu Yaelmor. Doch dafür leuchtet etwas vor euch in der Dunkelheit. Als sich eure Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, seht ihr, wie die Gestalt von Ikaras sich weiter verändert hat. Er ist gewachsen. Nein, der Raum, in dem er steht, ist geschrumpft. Oder was ist geschehen?
Die rötlich-graue Haut ist rot geworden, sie hat keine Runzeln oder Warzen mehr, sie ist so rot wie Eisenstein oder wie getrocknetes Blut, wie das Blut der Dämonen, das euch alle bedeckt. Seine Gestalt wirkt nun gerade, fast so groß wie Jamila oder Tyra. Für einen seiner Art fast riesig. Kräftig, gesund, stark und mächtig.
Und wieder spricht Ikaras: „Nun kann ich euch sehen. Dank an meine Retter für diese Gabe.“
Und wirklich, es sind Augen an Ikaras, in seinem Gesicht, in den noch eben leeren Augenhöhlen. Sie sind nicht gelb. Sie sind nicht rot. Sie sind nicht orange. Sie sind schwarz. Tief schwarz. Völlig bodenlose Schächte. Beängstigend. Ein Gegner mit solchen Augen, ist ein Gegner, den selbst ihr fürchten würdet. Fürchten müsst. Fürchten werdet. Soviel ist gewiss.
Ihr alle könnt hören, wie die Rufe der Gegner nun ganz nah sind. Und wie zahlreich diese sind. Und wie es scheinbar immer mehr werden. Nicht länger nur Söhne der Söhne der Söhne. Es klingt, als würden die Söhne Agriks selber näher rücken. Eine beängstigende Vorstellung. Einer von ihnen wäre mehr, als ihr euch wünschen würdet. Es klingt nach sehr vielen von ihnen.
Wieder spricht Seryel in die kurze Stille zwischen den Geräuschen. „Magnus, du hast den dritten Kasten, den mit dem Horn. Zunge und Augen hat er nun. Gib ihm nun sein Horn, gib ihm diesen dritten Kasten. Dann ist es vollbracht. Dann ist Ikaras wieder vollständig. Dann wird er uns …“ Sie macht eine Pause.
Nun fällt es euch auf. Keiner von euch hat sich bewegt, seit dem Ende des Kampfes. Keiner, außer denen, die Seryel darum ersucht hat oder genauer, denen sie einen Befehl gab, wie Jamila, die ihre Kiste, die erste Kiste zu Ikaras getragen hat. Und auch Cale hat nur auf ihre Anrede hin sich in Bewegung gesetzt. Und nun schreitet Magnus wie befohlen voran. Er trägt, fast hastig wirkend, seine Kiste zu Ikaras. Dieser wirkt nun selbst für die weniger Aufmerksamen unter euch gierig. Er zittert aufgeregt. Er schaukelt seinen Oberkörper hin und her. Seine Flügel, die euch zuvor nicht aufgefallen sind, nicht vorhanden schienen, falten sich immer wieder auf und zu.
Und Magnus tut wie ihm befohlen wurde. Er holt die Kiste hervor. Ebran, der in den Gang zurückgekehrt ist, um auf eure Gegner zu achten, schreit von dort auf. Doch keiner von euch hat dafür ein Auge oder wendet sich um. Magnus nähert sich Ikaras, dieser ist aufgeregter und aufgeregter geworden. Und dann, als Magnus ganz nahe an Ikaras herantritt, er sich fast nicht mehr bewegen kann, so wie Ikaras nicht mehr still halten kann, nutzt er einen einzigen Hornstoß und bricht die Kiste auf. Er greift in die Kiste und verharrt in der Bewegung. Dann tut Magnus, was von ihm erwartet wird, er greift in die Kiste und holt das fehlende Horn hervor. Und setzt es Ikaras an den Kopf. Einen Augenblick später ist es Teil seines Schädels. Und einen Atemzug später ist Ikaras das, was er wirklich ist. Ein großer, starker, mächtiger und gewaltiger Dhirikri. Ein Wesen von Macht, ein Wesen von Magie, ein Wesen von dieser oder besser von einer anderen Welt. Kein Wesen von eurer Welt. Kein Wesen von einer euch bekannten Welt. Ein Dämon, stark und mächtig. Stark genug, alle anderen Dämonen nieder zu ringen. Mächtig genug selbst die Mächtigsten zu fordern. Und gegen diese zu bestehen. Oder mehr noch, sie niederzuwerfen.
Mit einem Schrei, der euch aus eurer Benommenheit, aus eurer Lethargie und aus eurer Bewegungslosigkeit reißt, werdet ihr euch der Situation bewusst. Vor euch steht ein mächtiger Dämon, ein Wesen von Yashain, ein Wesen aus der Anderwelt. Und hinter euch, nun habt ihr Gelegenheit oder den Wunsch euch dem zu stellen, sind viele Dämonen. Große geflügelte Dämonen kommen den Gang hinunter, wohl sieben Fuß groß, bewaffnet mit Peitsche und Streitkolben, gekleidet in Feuer. Es sind viele. Sehr viele. Und sie sind schnell und kommen auf euch zu und über euch. Sie rennen. Wie im Rausch. Und nun fällt euch auch auf, Ebran liegt bereits am Boden. Wie niedergestreckt, blutend aus einer Wunde. Und die Horde der Dämonen trampelt über ihn weg. Tritt ihn, stampft ihn in den Boden. Sein geschundener und zerschmetterter Leib ist nicht mehr als Laub auf dem Boden.
Schnell, schneller als ihr es verstehen könnt, schneller als es der schwache Dhirikri, den ihr vorgefunden habt, es je gekonnt hätte, schneller als ihr alle es je sein werdet, springt Ikaras vor. Und schleudert, noch im Lauf, Worte von Magie gegen die Gegner. Und etwas geschieht. Etwas, was dazu führt, dass Seryel ihre Hände auf die Ohren presst und doch aus Augen, Nase und Ohren blutet. Etwas, was die rasenden Dämonen Agriks langsamer werden und inne halten lässt, etwas, was euch das Leben rettet, zumindest für den Augenblick. Etwas, was ihr schon mal bei Magnus oder Tyra gesehen oder erlebt habt, etwas, was die meisten von euch nicht verstehen können und es doch wie selbstverständlich aufnehmen oder so entgegennehmen, als ob sie es verstehen könnten oder wollten.
Ikaras stoppt diese Gegner, die mächtigen Söhne des Gottes des Feuers und des Krieges nicht nur, er bringt sie erst zum stehen. Seine Magie lässt die Gegner nicht nur innehalten, die ersten von ihnen, die weiter vorne stehenden werden umgeworfen, die dahinter stehenden werden ebenfalls von den Beinen gerissen, aber nicht genug damit, sie beginnen zu bluten. Blut tritt aus allen Körperöffnungen aus und zuckend schlagen sie um sich, gefangen im Zauber des kleineren Dämons. Das Blut verdampft dort, wo es auf das Feuer der Dämonen trifft und Rauch steigt von diesen auf. Die hinteren nutzen die Gelegenheit und wenden sich um und ergreifen die Flucht. Doch die ersten Reihen der Dämonen haben diese Möglichkeit nicht. Sie werden vernichtet, mit Schaum vor dem Mund, blutigem Schaum, verenden sie Blut überströmt und zuckend, qualmend und rauchend vergehen ihre Körper bis nicht mehr viel von ihnen zu erkennen ist.
Zufrieden mit dem Schaden, den er angerichtet hat bleibt Ikaras stehen und wendet sich zu euch um. Sein Gesicht glüht förmlich, seine Augen sind glänzende schwarze Spiegel, sein Mund scheint vor Freude zu lachen oder zumindest wirkt es so, in soweit ihr das von einem Dämonen sagen könnt. Und sein Oberkörper zuckt, aber nicht wie von Schmerzen, sondern wie befreit auflachend. Und in der Tat, befreit ist er nun. Frei von den Fesseln, frei von dem Bann.
Was wird er mit seiner Freiheit anfangen? So steht er scheinbar sinnend vor euch. Dann, mit einem Ruck, springt er vor und schlägt seine Klauen bewehrte Pranke in das Gesicht von Seryel. Schreiend vor Schmerz und stark blutend taumelt sie zurück. Und wäre fast gestürzt. Sie kann sich gerade noch fangen.
Dann faucht Ikaras sie an: „Für euch ist hier kein Platz mehr. Ich erinnere mich an euch. Ich habe euch gesehen. In meinen Träumen. Ihr habt Fehler begangen. Zu viele. Viel zu viele. Ihr habt viel zu lange gebraucht. Und dann noch diese, diese MENSCHEN! Sie sind schwach, sie haben zu lange gebraucht, sie sind nicht perfekt, so wie wir es sind. Ihr umgebt euch ständig mit diesen, ihr scheint sie zu mögen. Aber ich mag sie nicht. Ich kann sie nicht ausstehen. Nur diese Feueranbeter sind schlimmer. Und der Herr Gouverneur. Aber der kommt auch noch dran. Erst mal diese Feuerschalenslutscher. Ihr“ und er wendet sich an euch und an keinen bestimmten „nehmt sie mit. Und verschwindet. Mein Dank ist euch gewiss. Ihr dürft leben. Und nun haut ab. Sonst passiert euch vielleicht noch ein Unglück.“ Er geht zu Ebran und stößt ihn an. Ein Stöhnen ist zu hören.
„Und den auch. Ich will euch nicht hier haben.“
Und damit wendet er sich um schreit in den Gang: „Mach dich bereit zum Sterben, mein Sohn, dein Herr und Vater ist wieder da und hat Durst. Blutdurst. Durst nach seinem eigenen Blut. Aber meines ist mir wohl zu kostbar, also wirst du mir deines geben. Kommt herbei meine Kinder, kommt zu mir, heute tanzen wir den Tanz des Todes damit morgen die Toten tanzen können!“ Noch immer seid ihr benommen und noch habt ihr euch nicht bewegt, erst langsam sickert das Verständnis über das Geschehene zu euch durch.
„Wenn ihr nicht wollt, dass euch diese Fürze aus Agriks glühendem Arsch erwischen, dann solltet ihr hier verschwinden. Und in der Stadt, in meiner Stadt, solltet ihr nicht zu lange bleiben. Das wird euch nicht gefallen. Heute Nacht werden einige Rechnungen beglichen, die Messer dazu sind schon lange gewetzt. Eilt euch, denn die nächsten Tage werden blutig sein. Und ihr werdet nicht zu den Gewinnern gehören, wenn ihr hier bleibt. Geht nach Hause und tut dies schnell. Ihr seid nur Menschen. Kinder, Kinder ich komme!“
Mit diesem Aufschrei springt er an euch vorbei und in den Gang. Weiter schreiend, nach seinen Kindern rufend, rennt er davon.
Ihr steht noch einen Augenblick wie betäubt da. Und hört, in die Stille hinein, wie zahllose Schreie sich zu einem großen Geschrei vereinen. Mit diesem löst sich endgültig eure Starre, die wohl begonnen haben muss, als ihr Ikaras gefunden habt. Und die Schreie werden zahlreicher und lauter, es wird ein großes Geheul und eine nicht enden wollende Welle von Schreien aus Wut daraus. Die Dhirikri über euch scheinen den Ruf gehört zu haben. Und antworten. Schreiend. Stampfend. Obwohl nicht wenige Fuß über euch, wohl über 50 Fuß meint ihr, spürt ihr ein leichtes Beben, eine Erschütterung. Diese wird stärker, Staub rieselt von der Decke. Dieses Beben kann nicht durch die Oberflächenbewohner entstanden sein. Dazu bräuchte es mehr als nur diese Dhirikri. Oder sehr, sehr viele von ihnen. Und es wird schlimmer. Erste Gesteinstrümmer platzen von den Wänden und der Decke. Und der Boden hält nicht länger still. Ein Beben im gesamten Untergrund. Ein Erdbeben. Wenn es stimmt, dass es hier mehrere Lagen oder Stockwerke übereinander gibt, dann ist es ein Erdbeben das letzte, was ihr brauchen könnt.
Und doch, das Beben geht weiter und breitet sich aus.
Seryel fängt sich als erste, stark blutend und mit Schmerz verzerrtem Gesicht schreit sie euch an: „Raus hier! Alles andere ist egal. Nur raus hier. Bevor alles zusammenstürzt. Bevor wir zerquetscht werden.“ Und damit läuft sie los.
Sie fragt nicht, wartet nicht, kümmert sich nicht, sie rennt so schnell sie kann den Gang entlang und verschwindet in der Krümmung des gleichen. Keinen Augenblick zu früh. Die Kammer beginnt einzustürzen. Sie zerfällt mit immer schneller werdender Geschwindigkeit, wird von der Gewalt des Bebens zerrissen. Nur mühsam und durch sehr hastige Bewegungen entkommt der Rest von euch aus der Kammer und in den Gang. Doch als sich die letzten von euch umdrehen werden sie von Entsetzen gepackt, nicht irgendein Beben ist der Grund für die Erschütterungen in der Kammer, sondern ein gewaltiges Wesen, wie es nicht existieren darf. Es erinnert an eine Kreuzung aus einem Maulwurf und einen Dachs. Vom ersten hat es die Form, die Schaufeln und die Barthaare und die spitze Schnauze, vom Zweiten die Schnelligkeit und die Aggressivität. Was zu beiden nicht passt, ist die Größe. Es ist viel größer als ein Dachs, größer als ein Streitross, größer als ein Ochse. Und es ist nicht alleine. Aus dem von diesem Wesen gegrabenen oder dem Stein und Fels abgerungenem Gang, drücken sich gleich mehrere dieser Wesen und bewegen sich behände und rasend schnell in die Kammer hinter euch. Sie sind so schwer und massiv, sie wiegen mehr als vier Pferde oder vier Ochsen. Jeder von ihnen. Und sie suchen euch. Mit Blicken und den Nasen. Mit den Barthaaren, die aufgeregt zittern.
Dann eilen diese Wesen Ziel gerichtet hinter euch her. Keiner von euch hat Zeit oder Lust sich anzuschauen, wie der erste von Ihnen über den am Boden liegenden Ebran walzt, die Geräusche, die kurze Zeit später euch erreichen machen deutlich, dass diese Wesen, so wie Maulwurf und Dachs zu den Fleischfressern gehören. Ein gewaltiges dämonisches Mischwesen hat Ebrans Leben und Leiche ein Ende gesetzt.
Für euch aber beginnt eine alptraumhafte Flucht durch die Tunnel, überall rennen euch Agriks Söhne und die von Ikaras gerufenen Dhirikri über den Weg, und immer wieder brechen die Tunnelwände durch die Angriffe dieser gewaltigen Dachs ähnlichen Dämonen ein und machen ein gezieltes Suchen nach einem Ausgang unmöglich. Wo diese auftauchen stehen weder Dhirikri noch die Vii lange aufrecht. Diese riesigen und wie wahnsinnig agierenden Wesen aus der Unterwelt walzen alles platt, reißen alles mit ihren Schaufeln entzwei und zerbeißen alles, was an Fleisch zu erkennen ist, und verschlingen es.
So seid ihr nicht überrascht, als ihr bei eurer Flucht oder eurer Suche nach einem Weg in Sicherheit plötzlich an einer Kreuzung auf Seryel trefft, die ihrerseits verfolgt wird von einer Horde Vhii, welche sich dann gegen euch wendet, förmlich aus vollem Lauf heraus auf euch wirft. Nur um dann von einer Gruppe von Dhirikri im Rücken und in der Seite gefasst zu werden, die plötzlich sichtbar werden, und dann seid ihr und die beiden Gruppen eurer Gegner doch wieder in gemeinsamer Gefahr, als die Tumii, so nennt Seryel die Amok laufenden Riesendachse, euch alle zu überrennen drohen. Und es tun. Wer zögert oder stehen bleibt ist verloren und wird vernichtet
Knapp dieser Gefahr entronnen, wieder mit Seryel vereint, lauft ihr auf der Suche nach einem Ausgang oder einem Ausweg ohne Orientierung weiter, getrieben von einbrechenden Tunneln und immer wieder auftauchenden Dhirikri oder Vhii nur um kurze Zeit später, oder für euch kleine Ewigkeiten später, ihr seid längst weit hinter euren körperlichen Möglichkeiten angelangt, Zeuge zu werden, wie eine Gruppe von Dhirikri sich selbstmörderisch opfernd in eine Kammer einzudringen versucht, vor der sich schon zahllose Körper derselben leblos stapeln.
Und doch versuchen es immer mehr von ihnen, angetrieben und aufgeheizt durch Ikaras, der selber einen Zauber in den Raum hinein wirkt, der für einen Augenblick die Gegner, ausnahmslos große in Feuer gekleidete Vhii, niederwirft und vernichtet und so der Aktion der Dhirikri einige Dutzend Fuß Vorteil verschafft. In dem Moment, in dem ihr euch abwenden wollt und einen anderen Gang, eine andere Möglichkeit versuchen wollt, erfasst euch eine Horde der Dhirikri, alle bewaffnet und gerüstet, treibt euch mit der Wucht des Ansturms in die entstandene Lücke und in die Kammer, über Leichen und noch mehr Leichen weg in eine große, runde Kammer, wohl an die 90 Fuß im Durchmesser und gut 60 Fuß hoch.
Dort findet ihr euch für einen Augenblick in einer Art Niemandsland wieder, den Rückraum der Kammer vor euch halten die Vhii, sich um einen runden Treppenabgang verschanzend, während sich hinter euch Dutzende und aber Dutzende von Dhirikri im Raum ausbreiten. Beide Seiten sammeln sich einen Augenblick, ihr werdet von beiden übersehen oder nur als Sichtbehinderung wahrgenommen, als Ikaras in den Raum kommt. Und hinter den Vhii taucht plötzlich ein Mann auf, weißhaarig, dunkelhäutig, fast schwarz-verbrannt wirkt seine Haut, doch nicht von der Sonne, er ist von durchschnittlicher Größe, gekleidet wie ein Mensch von der Oberfläche, bewaffnet mit Rundschild und Streitkolben. Er ist mittelgroß, durchschnittlich schwer gebaut und sieht für einen etwa 40jährigen sehr gut und fast jugendlich aus.
Ikaras spricht als erstes, ruft, schreit: „Du bist noch hier? Warum läufst du nicht fort, wie du es sonst immer tust?! Versteckst dich hinter den Kitteln dieser armseligen Feuerfresser. Hast du diesmal keine Angst oder opferst du nur wieder deine Leibwache und flüchtest mit deinem Herz und deinem bisschen Verstand in der Hose? Und versteckst dich wieder vor mir. Komm schon, tritt gegen mich an, du hast doch noch Dar´k´tir, oder nicht?! Setz es ein. Werfe seine Macht gegen mich. Warum zögerst du? Wegen dieser Gestalten vor dir? Meinen Söldnern, mächtigen Kriegern und Zauberkundigen aus der Welt, die zu beherrschen trachtest. Setzt Dar´k´tir auch gegen sie ein und der Sieg ist dein.“
Der weißhaarige Mann fixiert euch. Zögert und betrachtet dann Seryel, so meint ihr, länger. Dann hebt er seinen Streitkolben und beginnt zu sprechen: „Versteht mich, Fremde von Kethira, ich bin nicht euer Feind. Dieser dort ist es. Er hat euch mit Hilfe der dämonischen Hexe dort fehl geleitet. Er hat die Eroberung nicht nur dieser Stadt, sondern der Länder geplant, die ihr heute eure Heimat nennt. Und mir diese Taten unterstellt. Das war nie meine Absicht, alles was ich tat, tat ich um ihn zu binden und zu hindern.
Denn was würde wohl geschehen, wenn er obsiegen würde? Dann würden dort nur diese kleinen geflügelten Pestien herrschen. Es wäre ein Leben in Knechtschaft und Sklaverei, welches Ikaras für euch und eure Heimat plant. Lasst ihn uns gemeinsam niederwerfen. Gemeinsam werden wir siegen. Greifen wir ihn gemeinsam an und ringen ihn nieder. Diese Hexe dort hat euch verführt und euren Verstand vernebelt. Macht auch sie nieder.“
Dies hört ihr und es klingt absolut richtig, keine Frage, ihr habet einen großen Fehler begangen. Den Falschen habt ihr verdächtigt, diesen guten Mann vor euch, und wen habt ihr da bloß befreit, ein Monster, einen Wahnsinnigen, einen irren Dämonen, schlimmer als es Panaga je sein könnte. Und warum habt ihr nicht Ikaras vernichtet, als ihr noch konntet?! Aber das werdet ihr sofort nachholen.
„Seht“ ruft der Mann „ich bin Panaga, oder Indan, wie ich hier auch oft genannt werde. Mir gelang es, diesen wahnsinnigen Dämon niederzuringen und zu binden. Zu vernichten vermochte ich ihn nicht, dazu ist er zu mächtig. Jetzt ist diese Stunde gekommen, mit eurer Hilfe, können wir diesen Feind beenden.“
Und schon wollt ihr gegen Ikaras stürmen.
Ein schallendes Gelächter von Ikaras ertönt „Sie sind keine Gefahr, waren es nie. Sie haben dich nur abgelenkt, sehr erfolgreich, deinen Blick von den wirklich wichtigen Dingen ferngehalten. Und nun taten sie es schon wieder. Narr, du meintest du könntest mich besiegen und meine Macht nutzen?! Selbst solche Schwächlinge haben dich aufgehalten und ferngehalten. Abgelenkt und verwirrt. Ich bin Ikaras, du bist nichts. Und nun stirb!“
Mit diesem Schrei schleudert Ikaras einen mächtigen Zauber gegen Panaga, ihr alle, auch die nicht magisch begabten unter euch spüren wie sich etwas Gewaltiges anbahnt.
Dann beginnen Wellen aus Magie von Ikaras zu Panaga zu fluten, sie erfassen euch nicht vollständig, doch ihr spürt trotzdem ihre Macht und weicht so gut ihr könnt, zur Seite aus. Die Vhii hingegen, die im Weg stehen, vergehen in dieser destruktiven Magie. Panaga selber, abgelenkt und verwirrt, reißt seinen Streitkolben hoch und versucht den Sturm zu überstehen. Erst scheint es ihm zu gelingen, dann jedoch verzerrt sich sein Gesicht in Schmerz und Verwirrung und schließlich in völliger Agonie. Er hält sich nicht länger auf den Beinen, er stürzt die Treppe hinter sich herunter und verschwindet aus eurer Sicht.
In diesem Augenblick stürmen die übrig gebliebenen Vhii gegen Ikaras und die Dhirikri. Und ihr steht in ihrem Weg. Sie schleudern Bälle aus Feuer gegen ihre Gegner, nur dass ihr vor ihren Gegnern steht. Und so werdet ihr gleichzeitig zum Ausweichen und Wegrennen gezwungen. Was euch das Leben rettet. Denn zwischen diesen Fronten wird einen Augenblick später alles zermalmt oder verbrannt. Der Tod wütet in der Halle. Auch ihr wäret vernichtet worden.
Seryel schaut euch an, ihr Blick wirkt wie abwesend. Und gebrochen. Dann wirft sie euch ein Bündel zu. Und springt mitten in den Kampf hinein. Und wird fast sofort von diesem und den Kämpfenden verschlungen.
Für einen kurzen Augenblick, ihr seid gleichermaßen betäubt und unschlüssig, wisst ihr nicht wie es weitergeht. Dann, als Ikaras Panaga nacheilt und das Handgemenge zu einem Gemetzel wird, brechen gleich mehrere der von Seryel als Tumii bezeichneten Kreaturen in die Kammer und bringen diese in großen Teilen zum Einsturz.
Es gibt den Weg durch den Eingang, den ihr gekommen seid, der ist noch frei. Der Weg nach unten, die Treppe, auf der Panaga stand und später auch Ikaras, ist verschüttet. Die Tumii zerschmettern alles, was sich in ihren Weg stellt. Und wieder einen Augenblick später gibt es nur noch die Flucht zu dem Ausgang, ihr und die eben noch auf Leben und Tod gegeneinander kämpfenden Dämonen strömen diesem entgegen. Ihr werdet von der Masse eingefasst, getrennt, und strömt als Masse durch die Gänge. Ein Großteil der Dhirikri beginnt sich von den Vhii abzusondern, sie suchen den Weg an die Oberfläche während die Vhii ihrerseits versuchen im Untergrund zu bleiben.
Und so werdet ihr eingeklemmt in Scharen von Dhirikri eine Treppe nach oben getragen. Dort verlaufen sich die meisten der kleineren Dämonen, doch die Beben gehen weiter. Und dann bricht eine der monströsen Gestalten durch den Boden vor euch und lässt euch nur einen Weg offen, nämlich den zurück, weg von diesem Monster. Den Gang hinunter und mit letzter Kraft findet ihr eine Leiter aus Holz, alt und massiv, diese führt von dem Gang vor euch, eher eine kleine Kammer, nach oben. Da der Gang vor euch endet und die Kammer keinen weiteren Ausgang aufweist ist die Auswahl nicht groß. Ihr eilt so schnell ihr vermögt, die Leiter hinauf. Und während der letzte noch versucht die Sprossen zu erklimmen stürmt dieses riesige Wesen hinter euch her. Mit letzter Kraft und viel Glück gelangt ihr die Leiter hinauf und hinaus aus den Tunneln in den Kellerraum eines Hauses. Die Leiter unter euch wird von dem Tumii völlig zerfetzt. Und als es beginnt die Wände der kleinen Höhle unter euch zu zertrümmern wird klar, dass das Gebäude, in dessen Keller ihr euch befindet, auch bald Einsturz gefährdet sein. Also rennt ihr auf der Suche nach einer Treppe nach oben, einer Treppe an die Oberfläche, weiter.
Und habt Glück, ihr findet im dunklen Keller Stufen aus Stein, die nach oben führen, denn das Wüten des schrecklichen Dämonendachses lässt eine der Wände des Kellers einstürzen und genug Tageslicht herein um euch den Weg zu weisen.
Die Stufen führen eine Art Küche oder Zubereitungsraum eines wohl größeren Hauses. Doch dort gestattet das Chaos euch nur wenig Ruhe. Denn im Raum liegen mindestens drei schrecklich entstellte Menschen, zerrissen von Klauen, angenagt und angekaut, in ihrem Blut. Und eine Gruppe Blut bespritzter Dhirikri hat kurz vor euch die Kammer verlassen, doch nun wenden sie sich um und euch zu. Ihre Blicke sind Hass erfüllt, ihr Klauen und Zähne tropfen vom Blut ihrer Opfer und ihre Raserei und ihre Blut unterlaufenen Augen drohen Unheil und Verderben an.
Der Gang, der in die Gesindestube zu führen scheint ist euch durch diese Meute wahnsinniger Gegner versperrt, nur der Weg durch die Tür nach draußen in einen Garten kann euch retten.
Noch bevor der erste von euch sich in Bewegung setzen kann oder will stürmen die Dämonen gegen euch. Ihr werdet nur dadurch gerettet, dass ein Teil des Gebäudes in dem Moment zusammenbricht, Dank an den noch immer unter euch tobenden Tumii.
Doch auch ihr seid in Gefahr von dem Gebäude vernichtet zu werden, das nun einstürzt und hetzt nach draußen.
Nur um in den völligen Wahnsinn und das absolute Chaos zu tauchen.
Die ganze Stadt brennt, raucht, stürzt ein. Gebäude sind vollständig oder teilweise zerstört, Feuer lodern und Rauch ist zu riechen. Überall ist Kampfeslärm zu hören, Geschrei, wenn die bis zum äußersten gereizten Dhirikri sich gegen alles und jeden, vor allem aber gegen die Menschen wenden. Auf den Straßen tobt ein blutiger und grausamer Krieg, in den Gassen klingt das Leid der Verwundeten und Sterbenden und die wenigen, die sich zur Wehr setzen können tun das mit dem Mut der Verzweifelten, denn sie wissen, dass ihr Schicksal besiegelt ist, wenn sie der rasenden Meute in die Hände fallen.
Mit einem schnellen Blick könnt ihr erkennen, dass ihr nicht zu weit der Stelle an die Oberfläche gekommen seid, wo ihr zuvor den Untergrund betreten habt. Nur dass ihr euch auf der Hauptstrasse befindet, nicht in einer der Nebenstraßen. Doch mehr Zeit habt ihr nicht. Mehr Zeit gönnt euch der Gegner nicht. Eine große Schar von Dhirikri treibt die Menschen, an Zahl und an Kampfesrausch unterlegen, auf der Hauptstrasse vor sich her. Die, die zu langsam sind werden von den Klauen und Zähnen der Dämonen bei lebendigem Leib zerrissen, die Straße schwimmt im Blut der Opfer. Die schnelleren wenden sich zur Flucht, die Hauptstraße hinunter und somit in Richtung Haupttor. Und ihr seid schnell, fast sofort, in dieser großen Gruppe Flüchtender gefangen. Ihr werdet, obwohl am Ende Eurer Kräfte, auch der Kraft sich gegen die Meute zu stemmen, auf den Platz vor dem großen Tor getrieben, durch das ihr die Stadt betreten habt. Dort findet ihr euch eingepfercht in der Masse der Menschen und der Dhirikri der Garnison oder Miliz wieder, die von den von Ikaras aufgestachelten Dhirikri hier zusammen getrieben worden sind, um sie wie Schlachtvieh niederzumähen, ohne sie erst einzeln in der Stadt jagen zu müssen.
Und in der Menge brechen Kämpfe aus. Gerüstete oder bekleidete Dhirikri werden von Menschen und ihren Verwandten, den nackten Dhirikri gleichermaßen angegriffen. Menschen kämpfen gegeneinander um zum Tor zu gelangen. Von dort hört ihr auch Geschrei und Kampfeslärm, das Tor wird wohl von mehreren Seiten zugleich berannt und ist umkämpft. Eingezwängt in der Masse seid ihr voneinander getrennt worden. Der eine oder andere sieht noch einen Kameraden, doch die meisten von euch haben sich aus den Augen verlorenen oder keine Zeit zu schauen, da sie um ihr Leben streiten müssen.
Dann geht ein Ruck durch die Menge. Geschoße, große schwere Schleudermaschinensteine schlagen am Rand der Menge ein. Die Dhirikri, die eben noch dabei siegreich und völlig rücksichtslos jeden und alles in der Gruppe, ob Kind ob alt, niedermähten, müssen innehalten. Sie werden durch die Gesteine auseinander getrieben oder zerrissen. Diese Zeit genügt, damit sich die Menge mit dem Mut der Verzweifelung gegen das Tor wenden kann und dieses, unter entsetzlichen Verlusten, gegen den Widerstand der Dhirikri der Garnison öffnen kann. Viele hundert verlieren dabei ihr Leben, während die Geschoße über die Stadtmauer und das Tor fauchen und jaulen und Tod und Vernichtung in die Stadt tragen. Auch in die Reihen der Menschen und Flüchtenden.
Dann, mit einem Knirschen öffnen sich die Flügel des Stadttores und die ersten stürmen über die Brücke in die erhoffte Freiheit und weg von dem Gemetzel.
Doch auf der anderen Seite der Brücke wartet die Reiterei Laranis, verstärkt durch leichte Fußtruppen mit Bögen und Armbrüsten und schwerer Infanterie mit allerhand Kriegswaffen. Sie machen deutlich, hier gelangt niemand durch. Leichte Reiter, so wie ihr sie kennen gelernt habt, wartet in der kleinen Ebene dahinter.
Doch die Menschen aus der großen Stadt haben keine Wahl. Sie stürmen über die Brücke. Nicht wenige stürzen durch das Gedrängel und durch gegenseitiges Schubsen in die Tiefe, in den Tod.
Die, die die andere Seite erreichen werden abgefangen und aufgefangen. Sie werden gestoppt und kontrolliert. Entwaffnet und sortiert. Nach zwei Seiten weggeführt. Diese Verzögerung kostet nicht wenige der Flüchtenden das Leben. Doch der Druck der Masse und der nachdrängenden Dhirikri lässt keinen anderen Weg übrig.
Auch ihr werdet über die Brücke getrieben, vor die Krieger der Kriegsgöttin geschoben, dort gemustert und schon wollen die Soldaten euch niederschlagen, so wie sie es mit allen Bewaffneten, gleich welcher Art getan haben, als einer der Befehlshaber an der Brücke euch durch winkt. Und dabei signalisiert er einer Gruppe von drei leichten Reitern, euch zu eskortieren. Er zeigt in Richtung des kleinen Wäldchens, dann öffnet er kurz das Visier seines Helmes und lächelt euch an. Ihr habt ihn vor einer Ewigkeit oder eben nur drei Tagen in der Ebene gesprochen, den älteren weißhaarigen Mann in den Farben Laranis. Er winkt euch zu, es ist wie ein Lebewohl. Seine Augen schimmern seltsam wissend und wirken unsagbar müde und traurig und doch geben sie euch einen Augenblick Halt in dieser wahnsinnigen Lage.
Hinter euch geht ein Gutteil der Stadt unter, hinter euch sind Hunderte oder Tausende von Toten, die Geschoße der großen Belagerungswaffen reißen Lücken in Gebäude und Lebende gleichermaßen. Unbeantwortet von den Maschinen der Stadt, keine geordnete Verteidigung macht den Bolzen der Armbrustschützen und den Pfeilen der Bogenschützen der Belagerungstruppen das Schießen oder Leben schwer. Diese fordern einen blutigen Tribut, die Brücke wird gegen die aus der Stadt stürmenden Dhirikri gehalten, die Verluste unter diesen sind schrecklich, doch auch Hunderte von Menschen werden durch dieses Vorgehen getötet, sowie nicht wenige der Truppen der Belagerung. Da diese Belagerungstruppen gering an Zahl sind, zählt jeder Verlust von Ihnen gegen einen zwanzigfach überlegenen Gegner schwer.
Die drei Reiter, ihr könnt nicht sagen ob es die selben Reiter wie vor dem Betreten der Stadt sind, treiben euch, freundlich doch deutlich, ohne Hast doch auch ohne Zögern, zu dem kleinen Wäldchen, in dem sich der Schrein befindet.
Zu müde, zu erschöpft, zu betäubt an Körper und Geist, folgt ihr gehorsam.
Einer der Reiter zeigt in den Himmel. Der orangefarbene Himmel über euch leuchtet flackert blutrot, die Feuer der Stadt erhellen die Landschaft gespenstig. Und hinter diesem Feuerschein am Himmel könnt ihr einen blutroten Mond erkennen, einen vollen runden Mond aus Blut…
Am Ende eurer Kräfte erreicht ihr den Schrein aus Marmor. Der weiße Stein schimmert blutig und ist doch ein willkommener Anblick, denn dort ist der Weg nach Hause, zumindest der erste Schritt dorthin. Ohne ein Wort zu sprechen, ohne zu zögern nehmt ihr euch bei den Händen und bildet einen Kreis im steinernen Rund. So, als ob ein stummes Übereinkommen getroffen worden wäre, das nun der Zeitpunkt sei, diese Welt zu verlassen, am besten für immer, um dieser Orgie aus Gewalt und Tod zu entgehen, diesem Wahnsinn zu entkommen. Und wirklich, es bildet sich das euch nun bekannte Bild, die bereits zwei Mal erlebten Geräusche treten fremd und doch vertraut auf, die Umgebung verschwimmt, ohne einen Blick auf die Stadt oder Landschaft zu richten, ein jeder nur auf sich selbst konzentriert, verlasst ihr schweigend und in euch gehkehrt Yashain. Schnell umfängt euch eine gnädige Ohnmacht.
Ihr erwacht, nach langem Schlaf, mit schmerzenden Körpern und immer noch betäubt von dem Gesehenen oder Geschehen im Rund des Marmortempels. Die Umgebung kennt ihr. Es ist die Umgebung von Hlen, jener Stadt auf der Welt, von der ihr stammt, die der Anfang des letzten Teils eurer langen Reise war.
Wärme weckt euch. Die Knochen durch das lange Liegen auf dem kalten Stein steif und starr steht ihr langsam und wie alte Menschen auf. Und wirklich, ein jeder von euch sieht gealtert aus. Weißes oder silbernes Haar ist bei den meisten zu erkennen, einzelne Haare oder Strähnen oder mehr, Krähenfüsse, Tränensäcke und Falten. So, als wärt ihr nicht nur Tage, sondern gleich Jahre von hier fort gewesen. Ein Jahr für jeden Tag, so meint ihr. Oder noch mehr.
Nach und nach steht ihr auf, bringt das Blut zum Kreisen, weckt die müden und wunden Glieder, versorgt die zahllosen Wunden, die meisten zum Glück leichterer oder leichtester Art. Ihr esst und trinkt etwas, es schmeckt nach Asche und Jauche, und reinigt euch. Danach setzt ihr euch zusammen und redet. Lange sprecht ihr über das Erlebte und Erlittene und stellt euch gegenseitig Fragen und versucht Antworten zu finden.
Doch vieles bleibt unklar. Oder lässt sich nicht mehr klären.
Aber einige Dinge sind zu klären. In dem Bündel, welches euch Seryel zuwarf, bevor sie sich in den sicheren Tod warf, findet ihr die gesammelten Aufzeichnungen von Ebran, seitdem er euch begleitete. Wie sie an diese gelangte?! Sehr nüchtern und sachlich hält er darin alles Wichtige und viel weniger wichtiges fest. Bis zu dem Tag, an dem er in den Tunnel stiegt. Sonst enthält das Bündel nichts.
So sitzt ihr und überlegt eure nächsten Schritte. Doch wohin gehen? Ohne Geld. Ohne Kenntnisse und ohne Hilfe? Wie nach Hause gekommen, so ihr denn eines habt. Wie zurück nach Tashal, nach Orbaal oder nach Melderyn? Und was wird euch in Hlen erwarten? Feindschaft und Haß? Dort habt ihr Verbrechen begangen. Ein Winter in der Wildnis? Den übersteht ihr nicht.
Die Antwort gibt euch Ebran, besser gesagt seine Aufzeichnungen. Er macht sich in einem Nebensatz, nachträglich mit einer anderen Handschrift, wohl seiner eigentlichen, nicht der in den Tagebüchern, Gedanken über die drei silbernen Kästen. Seine Vermutungen über Herkunft, Wesen und Art dieser Behältnisse. Und er meint, nachdem er diese Kisten betrachten und auch in der Hand halten durfte, sie sind aus reinem Silber, legiert mit dem Material, welches Kiraz einst reich machte und dann in den Untergang trieb, mit Reinsilber. Er merkt später an, dass es wohl nicht möglich sei jemanden zu finden, der diese Kästen bezahlen könne, doch wenn, so würde ein jeder dieser Kleinode einige Tausend Pfennige nach hârnischer Währung wert sein. Oder etwas mehr. Aber wer hat schon so viel Geld?!
Hier endet die Suche nach Ikaras und die die Jagd auf Panaga
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Alte Spielberichte - gepostet von der SL am Mittwoch 16.03.2005
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