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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Nahyma Forum: Odem Aeternum aus dem Unterforum: Allgemeines Antworten: 1 Forum gestartet am: Donnerstag 24.02.2005 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Eine kleine Geschichte Letzte Antwort: vor 17 Jahren, 11 Monaten, 24 Tagen, 14 Stunden, 19 Minuten
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Re: Eine kleine Geschichte
Nahyma - 04.04.2005, 17:09Eine kleine Geschichte
über eine Mögliche Begegnung von Thyrone und Saya.
Viel Spass beim lesen!
Es war irgendwann in den frühen Morgenstunden, der Himmel hatte eine blassgraue Farbe und über den Hügeln des Arathi Hochlandes lag immer noch der Morgennebel und driftete in dicken Schwaden über die leblosen Felder der Farm. Es war totenstill, selbst das Gezwitscher und Gekrächze der Vögel schien für den Moment verstummt. In dem wirbelnden Grau sah man eine Gestalt auf dem Boden kauern, und jetzt war auch ein leises schluchzendes Geräusch zu vernehmen. Sein erster Impuls war näher zu gehen und dem weinenden Geschöpf zu helfen, doch etwas ließ ihn innehalten.
Thyrone Lichtschlag, stolzer Paladin Goldshires und gefürchteter Schwertkämpfer wäre nicht so alt geworden, wenn er nicht schnell gelernt hätte sich auf seine Instinkte zu verlassen. Mit einer langsamen Bewegung wechselte er in seine Kämpferhaltung, eine Hand an den Riemen seines Schildes, eine am Knauf seines Schwertgriffes. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht, aber es hatte nicht den verderbten Beigeschmack der untoten Machenschaften, denen eine solche Szenerie eher zuzuschreiben wäre. Aber Moment, riecht es hier nicht nach Blut? Und die Schemen dort am Boden sahen ein wenig aus wie Körper…
‚Erkundet die Machenschaften auf der nördlichen Farm und erstattet mir einen ausführlichen Bericht.’ So hatten die klaren Anweisungen des Wachkommandeurs gehiessen, und da er ihm auch ohne Umschweife ein Lager für die Nacht angeboten hatte, war dies das mindeste was er als Zeichen der Dankbarkeit tun konnte. Also war er mit dem ersten Lichtschimmer am Himmel aufgebrochen um sich dieses Gehöft mal anzusehen. Und jetzt bot sich ihm dieses wahrlich überraschende Bild.
Mit einer, durch unzählige Wiederholungen, routinierten Bewegung zog er den Schild und Schwert, hoffte innerlich auf den Segen der Götter und setzte gerade zu einer Begrüßung an, als die kauernde Gestalt blitzartig in Bewegung geriet und sich eine wuchtige, schwere Axt mit einem dumpfen Schlag in seinen Schild bohrte.
-._.--._.-
Saya weinte hemmungslos, während sie mit zitternden Händen und tränenblinden Augen versuchte einen weiteren Seidenwickel um eine klaffende Wunde am Oberschenkel zu knoten, wobei ihr die Bänder der Bandage am Unterarm immer wieder ins Gehege kamen.
Was ist da nur geschehen? Was ist mit ihr geschehen? Und vor allem, wie konnte das passieren? Sie war die ganze schützende Nacht lang hindurch auf der Suche nach einem Lager und dem Weg zur nächstgrösseren Stadt durch diese Ebenen geirrt und hatte endlich bei Anbruch des Tages eine Farm in den Hügel versteckt gefunden. In der frohen Erwartung sich an einem Feuer ein wenig aufwärmen zu können war sie also auf das Gehöft zugewandert, und sie hatte tatsächlich einen verschlagen wirkenden Mönch oder ähnliches angetroffen, dem sie in ihrer nicht ganz perfekten menschlichen Sprache nach seinem Befinden gefragt hatte. Dann ging alles sehr schnell und zugleich tödlich langsam.
Von ihrer Ansprache hoch geschreckt begann der Mönch eine Antwort zu stottern, die sie aber auf Grund seiner abgehackten und leisen Sprechweise nicht verstehen konnte. Also ging sie näher an ihn heran ‚Ist Euch nicht gut?’ fragte sie ihn erneut, als sie in dem Schatten der Bäume hinter sich eine huschende Bewegung auf sie zu sah. Sie rotierte blitzschnell zur Seite und merkte nur wie irgendetwas Scharfes über die Panzerschuppen an ihrem Oberarm kratzte. Mit einem schnellen Schritt wich sie zurück und zog ihre beiden runenverzierten Handäxte. Keinen Augenblick zu spät, denn schon parierte sie mit der Linken einen schnellen Dolchstoss der zu ihrem Hals geführt war, die Ausholbewegung mit der rechten Axt wurde zu einem hastigen Block als ein zweiter Dolch auf ihre nur schwachgepanzerte Flanke geführt wurde. ‚Jetzt bin ich sauer.’ Dachte sie mit ruhiger Gewissheit ihr ‚Mantra’ eine Art innere Erkenntnis, das dies jetzt wieder einer jener Kämpfe ist, die nur mit dem Tod oder einem nahen Verwandten von ihm enden würden. Der Attentäter war mittlerweile einen Schritt zurück getänzelt, nachdem seine beiden ersten Angriffe erfolglos verlaufen waren, und sie konnte sich das erste Mal ein etwas genaueres Bild ihres hinterhältigen Angreifers machen.
Die schwarzgraue Lederrüstung und die verzierten Dolche wiesen ihn als mehr als nur den üblichen Strassendieb aus. Er stand federnd da, mit einem taxierendem Blick, als sie sich mit einem wölfischen Grinsen in ihre Angriffshaltung fallen liess und dabei ihre wuchtigen Äste in Position brachte. ‚Fürchte den Zorn Elunes!’ zischte sie ihm auf Darnassisch zu. Sah sie da nicht einen leisen Anflug von Unsicherheit in seinen Augen? Und warum stand der Mönch nur da und unternahm nichts?
In dem Moment stürmte der Schurke vor und versuchte sie erneut mit einem Doppelstich zu erwischen, diesmal jedoch etwas vorsichtiger geführt. Sie parierte eine Klinge und lenkte die andere soweit ab, dass sich die Klinge eher harmlos in ihrem Schulterpanzer verfing, den Schwung nutzte sie aus um ihrerseits die kleinere Axt mit roher Kraft durch die Panzerung am Bauch ihres Gegners zu jagen. Als sie sich in einer Drehung losriss, stiess er einen lauten Schrei aus, der kurz darauf mit einem hässlichen Knirschen abrupt beendet wurde.
Als sie gerade die Axt aus dem nun leblosen Körper befreit hatte, durchflutete sie sengender Schmerz. Sterne explodierten vor ihren Augen und alle ihre Glieder begannen sich zu verkrampfen. Der Mönch! Wie konnte sie nur so dumm gewesen sein? Noch immer schmerzgepeinigt fuhr sie herum, und sah wie der vermeintliche Mönch wieder in sein seltsames Gemurmel verfallen war und dazu komplizierte Muster mit seinen Händen beschrieb. Mit einem wütenden Aufschrei stürzte sie sich auf ihn und schlug ihm mit einem mächtigen Schwung den Stab aus den Händen, die zweite Axt zischte durch die leere Luft wo noch vor wenigen Augenblicken der Kopf des Zauberers gewesen ist. Dieser hatte sich umgewandt und rannte laut Hilfe schreiend über das Feld zu dem Haupthaus hinüber. So schnell sie konnte rannte sie hinter ihm her, sie musste ihn aufhalten, bevor ihr noch schlimmeres bevorstand. Doch ein langer Sprint in voller Rüstung konnte ihr da kaum helfen, für den Bogen war keine Zeit, also hielt sie an und holte aus. Mit einem Stossgebet an Elune warf sie die kleinere Axt. Und in dem Moment wusste sie es: sie wusste, dass die Axt treffen würde, sie wusste aber auch, dass es zu spät war. Noch bevor sich die Türen öffneten und sich die Axt in den Rücken des Magiers grub wusste sie, dass sie jetzt eine Katastrophe heraufbeschworen hatte.
Sie musste an ihren Ausbilder auf der Terrasse der Krieger in Darnassus denken, er hatte sie in sovielen Lektionen versucht auf so etwas vorzubereiten, er hatte ihr gesagt, dass in ihr eine Gabe läge, eine Gabe, die in so einem Moment, im Angesicht einer Übermacht, den Unterschied zwischen einem Kämpfer und einem Krieger machte. Danach waren dann meistens endlos lange Belehrungen über eine ‚vernünftige’ Waffe erfolgt, weil ihm die beiden Äxte noch nie sehr begeistert haben.
‚Das wirst du mögen’ dachte sie noch, als sie die andere Axt achtlos zu Boden fallen lies und ihr Großschwert vom Rücken zog. Das graue Licht ließ die Runen auf der langen, bläulich schimmernden Klinge wie lebende Schlangen aussehen. Mit zwei eleganten Schwüngen prüfte sie den Griff. ‚Elune, ich danke dir.’ Flüsterte sie noch, dann schaute sie sich die heranstürmenden Banditen an. Es mussten fünf, vielleicht sechs sein, ihre Säbel und Dolche blitzten im trüben Zwielicht. Sie baute sich auf und begrüßte ihre Gegner mit einem langen, gellenden Schrei in dem all ihre Wut, ihr Zorn, die Enttäuschungen, die Schmerzen, die zerstörten Träume ihres Lebens widerhallten. Dann wurde es dunkel um sie.
Das nächste was sie wusste war, dass sie zitternd und weinend zwischen den Leichen auf den zerwühlten Boden gehockt hat und ihre Wunden verband, als sich wieder jemand näherte. Als sie das Geräusch eines Schwertes hörte, das gezogen wurde, wirbelte sie herum und warf die Axt die immer noch neben ihr im Schlamm lag nach dem Geräusch, während sie sich wieder in ihre Kampfposition aufrappelte. Als sich ihre Axt in den Schild des Angreifers grub hatte sie ihre Klinge schon erhoben. Umso grösser war ihre Überraschung einen Paladin in glänzender Rüstung vor sich zu sehen.
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Es war als wäre die Zeit eingefroren, eben noch entsetzt durch den überraschenden Angriff und froh, den Schild erhoben gehabt zu haben, sah er nun, dass er keinem Menschen gegenüberstand sondern einer Nachtelfe, einer Elfe aus den mystischen Ländern Kalimdor und Teldrassils. „Verzeiht mir, werte Elfe, ich wollte euch nicht erschrecken! Thyrone Lichtschlag, Paladin der Kathedrale Stormwinds, zu euren Diensten.“ Begrüsste er die Unbekannte, ohne seinen Schild jedoch sinken zu lassen.
Lange Zeit bohrte sich der irritierende Blick ihrer leuchtenden Augen in seine, dann liess sie endlich ihre Schwertspitze ein wenig nach unten fallen. „Saya, Zornbringerin Elunes.“ Erwiderte sie mit einem deutlichen Akzent und einem kurzen Nicken. Dann kam sie mit ruhigen Schritten auf ihn zu, die mächtige Klinge beinahe lässig in einer Hand haltend, als sie nur noch eine Armlänge von ihm entfernt war fiel ihm das erste mal auf, das sie ihn um mehr als einen Kopf überragte, ohne den Blick von ihm abzuwenden griff sie an die Axt die immer noch in seinem Schild steckte und riss sie mit einer raschen Bewegung los. Ein prüfender Blick auf die Klinge und dann auf seinen Schild liess ihn schmerzgepeinigt an die hohen Reparaturkosten der Schmiede denken. Jetzt sah er, dass die Klinge der Axt es tatsächlich geschafft hatte seinen Schild an einer Stelle gänzlich zu durchschlagen. In der drahtigen Gestalt der Elfe schien sehr viel mehr Kraft zu stecken als sich auf dem ersten Blick erkennen liess, als wären die Leichen um sie herum nicht schon ein deutlicher Hinweis gewesen.
Von seinen Überlegungen unbeeindruckt hakte sie die Axt wieder in ihren Gürtel und fing an die Leichen zu durchsuchen, bis sie eine zweite, deutlich kleinere Axt aus dem Rücken eines Kadavers zog, diese provisorisch säuberte und gegenüber der ersten, ebenso an ihren Gurt hängte. Er nutzte die Zeit um sein Schwert wieder wegzustecken, den Schild hielt er noch am Arm. Um das drückende Schweigen zu beenden erhob er erneut seine Stimme „Was hat euch hierher verschlagen? Euer Volk sieht man hier nicht gerade oft…“ und noch seltener von Leichen umgeben, dachte er für sich.
Die Elfe schien ihre Untersuchung der Leichen abgeschlossen zu haben, das Grosschwert war wieder auf ihrem Rücken festgeschnallt und sogar ihre Haltung wirkte sehr viel weniger bedrohlich als noch vor wenigen Augenblicken. „Ich habe ein warmes Feuer gesucht… und Verrat gefunden.“ Sie liess sich wieder in die Hocke sinken und überprüfte die vielen Verbände die ihm erst jetzt als solche auffielen, das zunehmende Tageslicht offenbarte die unzähligen Wunden und Blessuren die sie aus dem wohl aussichtslos erscheinenden Kampf davon getragen hatte.
„Wartet, lasst mich euch helfen.“ Schon auf die Behandlung konzentriert liess er sich ebenfalls auf ein Knie nieder, legte den Schild achtlos neben sich und griff mit geübten Händen nach ihrem Arm. Erst zuckte sie noch scheu zurück, aber sie dann entspannte sie sich und er konnte sich ein Bild ihrer Verletzungen machen. Sie waren schlimm, nicht tödlich aber schwer. Dass sie mit derartigen Verletzungen überhaupt noch die Kraft hatte sich ihm entgegenzustellen war ein kleines Wunder für sich. „Ihr Götter, die ihr mich schützt und erhaltet, lasst mich dieser Verletzten helfen und ihre Wunden heilen.“ Begann er leise zu beten während er vorsichtig die Verbände löste und die Wunden mit seinen Händen bedeckte. Er spürte wie der Segen der Götter durch seine Adern floss, aus seinen Fingern tropfte, das zerstörte Fleisch benetzte und die Wunden zu verschliessen begann. Saya riss die Augen überrascht auf und schaute ihn mit grossen Augen an, aber er war so in seine Arbeit vertieft, dass ihm dies nicht auffiel. Einige Zeit später war er fertig, die Wunden waren alle versorgt, und in ein paar Stunden würde sie sich wieder fast wie neu fühlen. Mit einer letzten Bewegung wischte er sich die Hände ab und warf die, jetzt überflüssigen Bandagen weg.
„Dann kommt mit mir zur Zuflucht,“ sprach er die Elfe an „dort werdet ihr ein gemütliches Feuer finden, und ich glaube ich kann einen interessanten Bericht über dieses Gehöft abgeben.“ Mit einem Schulterzucken erhob sich die Kriegerin und gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg. Die Sonne vertrieb mittlerweile die restlichen Nebelfetzen und so zogen sie ihren wärmenden Strahlen entgegen zur Arathi Zuflucht.
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