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Re: Holt euch das Spiel zurück (aus dem offiz.)
fels - 30.06.2005, 21:01Holt euch das Spiel zurück (aus dem offiz.)
Hier ein Artikel aus dem offiz. Forum bzw. nem HSV-Forum, gepostet von diva,
Klasse Artikel wie ich finde:
Beitrag eines Eintracht!!! Fans im HSV-Supporters Forum:
manchmal singen fußball fans "frankfurt ist die geilste stadt der welt." ich
stehe dann immer daneben und denke mir: na ja, viel habt ihr wohl noch nicht
gesehen.
frankfurt, city of the euro, - sowohl vor dem airport als auch am
theaterplatz, dem heutigen willy brandt platz prangt ein überdimensionales
"euro-zeichen" und zeigt nicht nur dem ortsfremden, wo es lang geht.
menschenleere gewerbegebiete schießen wie pilze aus dem boden, die neue
"city west" in bockenheim, das gelände rund ums mertonviertel, selbst die
neue großmarkthalle an der a 661 zieht ein riesiges gewerbegebiet nach sich.
auch unser südlicher nachbar lässt sich nicht lumpen und baut am kaiserlei
ein bürogebäude nach dem nächsten. freiflächen werden zubetoniert - als
hätte es die tröge bürostadt niederrad niemals gegeben, tagsüber
angestellte, nachts ratten - leben ist woanders. doch wo? da passt es doch
ganz gut, dass das ehemalige höchst gelände seit jahren als "industriepark"
fungiert - ein park, das ist vogelgezwitscher, bäume, karnickel, ein ort der
entspannung. und eben dieses soll nun mit "industrie" assoziiert werden, ein
"park, das ist doch nichts schlechtes" so sollen wir denken - und dabei
vergessen, dass es sich um ein gelände handelt, das mitnichten grün und
idyllisch daherkommt - im gegenteil. ungeniert wird sich seitens
"großindustrie und großkapital" an traditionellen begriffen/verhaltensweisen
bedient - und diese für die eigene sache (dem profit) dienbar gemacht.
ähnlich ist es beim fußball, dort wo noch vor jahren die selbstgemalten
fahnen, doppelhalter und omas schal zuhause waren, sehen wir mittlerweile
industriell gefertigte utensilien, welche, bedruckt mit den logos der
sponsoren, die kreative szene nachahmen - sie aber gnadenlos deren inhalte
beraubt und im grunde nur eine einzige botschaft signalisieren: kauft
unseren *A A* [ooops].
nun ist es nichts neues, dass sich die industrie relativ schnell
unkonventionelle erscheinungformen der subkultur zu eigen macht - und diese
unter marketing-gesichtspunkten nivelliert und unter falschem etikett erneut
an den mann/frau bringt. das war mit punk genau so, wie mit techno. eben
noch sind freaks nach goa aufgebrochen, um sich den herrschenden bedingungen
zu entziehen, freiheit und spiritualität stand auf den ungeschriebenen
fahnen - jetzt folgen die charterflieger. und eben diese charterflieger
folgen jetzt auch den fußballfans in die stadien und die veranstalter haben
nichts anderes zu tun, als ihre ureigenste klientel daraufhin sofort aus den
stadien zu vertreiben - um für den "charterflieger" das ereignis fußball zu
simulieren.
eigentlich stimmt alles: es gibt teams, fähnchen, bratwurst, bier - aber die
teams sind quasi firmenmannschaften, die fähnchen mit sponsorenlogos
bedruckt, und die bratwurst kommt vom massencaterer, das bier aus amerika.
es sieht für den unbedarften fußballfan aus, wie immer - aber die welt hat
sich gedreht.
glazer hat sich manchester united einverleibt - als erste amtshandlung ist
geplant, die eintrittspreise um 50% anzuheben. dazu passt eine meldung aus
dem bereich der rockmusik: "wenn jemand für ein 100 euro teures konzert von
u2 bei ebay 1000 euro verlangt, dann sagt mir das, dass wir zu billig sind."
gewinn ja - profit nein
es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn menschen sich für welche sachen auch
immer engagieren - und aus diesem grunde geld verdienen, um ihr leben zu
gestalten. funny van dannen sang vor einiger zeit "baut geile kleine firmen
auf" - aber die zeit frisst ihre kinder und so ist seit geraumer zeit das
ziel nicht mehr "e bissi gewinn" zu erwirtschaften, sondern die maxime
lautet: holt raus, was rauszuholen ist - und kümmert euch nicht um die
folgen - denn diese müssen andere ausbaden. von einer rot/grün geführten
regierung hätte man (naiverweise) erwarten können, dass sie diesem treiben
politisch einhalt gebietet - die letzten acht jahre haben uns gegenteiliges
gelehrt. seltsam ist dabei, dass cdu/fdp daraus profit schlagen werden -
also genau diejenigen, die die schraube mit an sicherheit grenzender
wahrscheinlichkeit noch weiter anziehen. auf der strecke bleiben freiräume;
freiräume für kinder und jugendliche, deren bewegungsdrang und
freiheitswille schon in jungen jahren in die bahnen von play-station und
designer-klamotten gelenkt wird. nicht jeder lässt sich dies gefallen, nicht
jeder will "leben" simulieren - doch wohin?
· zum fußball? dort, wo gelebte emotion gefahr läuft mit stadionverbot wegen
lappalien bestraft zu werden?
· in die musik? wo sind denn die bunker, die lange zeit als proberaum
fungierten. wo sind denn frankfurter bands, die es rocken lassen?
· in die parks? grillverbot und security heißen die zauberworte, mit denen
uns klar gemacht wird: euch wird das leben schon vergehen. in berlin (und
nicht nur dort) wurden schon häufiger kickende freaks mit polizeigewalt
daran gehindert, auf der grünen wiese gegen den ball zu treten.
· in die träume? jeder kleine kiffer wird kriminalisiert, verliert seinen
führerschein, obgleich er nicht auto gefahren ist - gleichzeitig finden
"krombacher business cups" statt und werden die arenen nach "veltins"
benannt. keine macht den drogen? falsch - kauft nur die drogen, die den
produzenten ordentlich profit bringen; auch wenn der suff tausende familien
ruiniert hat und noch mehr existenzen.
wo einerseits ein unermesslicher reichtum angehäuft wird (im fußball: fifa,
uefa, dfb, ...) schleichen andererseits die hartz 4 bedrohten "einfachen
leute" (und nicht nur diese) durch zeit und raum und sehen sich etlicher
nischen beraubt. stattdessen werden sie mit überwachung, kontrolle und
lohnkürzungen vs konsumzwang konfrontiert, dass es einen graust. die grenze
verläuft nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen oben und
unten.
sponsoren, investoren - sie alle wollen uns weis machen, sie würden in
"unserem" interesse handeln - so wird bspw gerne kolportiert, dass es die
günstigen stehplätze in den stadien nur wegen der logen und business-seats
gibt. das halte ich für unverschämt - andersrum wird ein schuh draus: es
gibt die logen und business-seats nur, weil tausende seit jahren fußball zu
dem gemacht haben, was die v.i.p.s heute für ihre zwecke nutzen.
was habe ich mich jedes jahr auf den neuen jahres kicker in der sommerpause
gefreut, am baggersee liegen, die mannschaftsphotos durchgucken und sich
heiß machen auf die kommende saison, egal ob erste oder zweite liga.
mittlerweile ist mir die lust etwas vergangen. wie geil ist es, die
eintracht zu seh'n - doch wohin führt der weg. soll es wirklich soweit
kommen, dass ich sage: hey, es war schön - ihr habt's kaputt gemacht, ich
bedanke mich - und gehe. an diesen gedanken will ich mich nicht gewöhnen und
er stimmt mich traurig.
all die erinnerungen, opa, papa, freunde, grabi, holz, yeboah, bein, lösch,
schöppche, uefa-cup, abstiege, aufstiege, verkohlte wurscht, schweinfurt,
oldenburg, meppen, wattenscheid, uerdingen, 5:1 ggn lautern, reutlingen,
forum, gleisdreieck, eintrachtfans.tv, bembelbar, bis hin zur fandemo - all
das hat mir die eintracht möglich gemacht. und ich will's mir nicht nehmen
lassen durch diejenigen, deren einziges interesse am "geld" besteht.
ein gutes hat die derzeitige situation; die fans solidarisieren sich,
innerhalb der vereine und zwischen den vereinen selbst. und gerade wir
frankfurter haben eine geile fanszene; kreativ, witzig, sachlich und
leidenschaftlich. wir haben ein unabhängiges fernsehen, eine unabhängige
zeitung, ein unabhängiges radio. wir haben eine große ultra bewegung,
organisierte fanclubs und eine große fan und förder abteilung. man muss
nicht alles klasse finden, was die einzelnen "organisationen" machen, man
muss nicht jeden mögen - aber solange wir unsere "gegner" nicht in den
eigenen reihen suchen, sondern sie in denjenigen finden, die unser spiel
kaputt machen, solange wird man von uns hören.
im grunde heisst es nicht nur: holt euch das spiel zurück sondern: holt euch
das leben zurück
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