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Re: Was bedeutet Familienstellen nach Hellinger? Therapie?
Amanda - 10.02.2005, 14:39Was bedeutet Familienstellen nach Hellinger? Therapie?
Entnommen aus den offiziellen Seiten des Bernd-Hellinger-Institutes:
http://www.hellinger.de/deutsch/virtuelles_institut/familien-stellen_klassisch/index.shtml
Das Familien-Stellen
Eine Einführung von Bert Hellinger
Der Erkenntnisweg
Zwei Bewegungen führen zur Einsicht. Die eine greift aus und will ein bisher Unbekanntes erfassen, bis sie seiner habhaft und es ihr verfügbar wird. Von dieser Art ist das wissenschaftliche Bemühen, und wir wissen, wie sehr es unsere Welt und unser Leben verwandelt, gesichert und bereichert hat. Die zweite Bewegung entsteht, wenn wir während des ausgreifenden Bemühens innehalten, und den Blick nicht mehr auf ein bestimmtes Faßbares, sondern auf ein Ganzes richten. Der Blick ist also bereit, das Viele vor ihm gleichzeitig aufzunehmen. Wenn wir uns auf diese Bewegung einlassen, zum Beispiel im Angesicht einer Landschaft oder einer Aufgabe oder eines Problems, merken wir, wie unser Blick zugleich füllig wird und leer. Denn sich der Fülle aussetzen und sie aushalten kann man nur, wenn man zunächst vom einzelnen absieht.
Dabei halten wir in der ausgreifenden Bewegung inne und ziehen uns etwas zurück, bis wir jene Leere erreichen, die der Fülle und Vielfalt standhalten kann. Diese zuerst innehaltende und dann sich zurücknehmende Bewegung nenne ich phänomenologisch. Sie führt zu anderen Einsichten als die ausgreifende Erkenntnisbewegung. Dennoch ergänzen sich beide. Denn auch bei der ausgreifenden, wissenschaftlichen Erkenntnisbewegung müssen wir zuweilen innehalten und unseren Blick vom Engen auf das Weite richten, und vom Nahen auf das Ferne. Und auch die phänomenologisch gewonnene Einsicht bedarf der Überprüfung am Einzelnen und Nächsten.
Der Vorgang
Auf dem phänomenologischen Erkenntnisweg setzt man sich innerhalb eines Horizontes der Vielfalt von Erscheinungen aus, ohne zwischen ihnen zu wählen oder zu werten. Dieser Erkenntnisweg erfordert also ein Leerwerden sowohl in Bezug auf bisherige Vorstellungen als auch in Bezug auf die inneren Bewegungen, seien diese nun gefühlsmäßiger, willentlicher oder urteilender Art. Die Aufmerksamkeit ist dabei zugleich gerichtet und ungerichtet, gesammelt und leer. Die phänomenologische Haltung erfordert gespannte Handlungsbereitschaft, doch ohne Vollzug. Durch diese Spannung werden wir in höchstem Maße wahrnehmungsfähig und wahrnehmungsbereit. Wer die Spannung aushält, erfährt nach einer Weile, wie sich das Viele innerhalb des Horizontes um eine Mitte fügt, und er erkennt plötzlich einen Zusammenhang, vielleicht eine Ordnung, eine Wahrheit oder den weiterführenden Schritt. Diese Einsicht kommt gleichsam von außen, wird als Geschenk erfahren und ist, in der Regel, begrenzt.
Das Familien-Stellen
Was die phänomenologische Vorgangsweise ermöglicht und was sie erfordert, läßt sich besonders eindrücklich beim Familien-Stellen erfahren und beschreiben. Denn einmal ist das Familien-Stellen selbst das Ergebnis eines phänomenologischen Erkenntnisweges, und zum anderen gelingt die phänomenologische Vorgangsweise, sobald es um Wesentliches geht, nur mit Zurückhaltung und im Vertrauen in die durch sie ermöglichte Erfahrung und Einsicht.
Der Klient
Was geschieht, wenn in der Psychotherapie ein Klient seine Familie stellt? Zuerst wählt er aus einer Gruppe die Stellvertreter für Mitglieder seiner Familie, also für den Vater, die Mutter, die Geschwister und auch für sich selbst. Dabei spielt es keine Rolle, wen er für die verschiedenen Mitglieder auswählt. Es ist sogar besser, wenn er unabhängig von Äußerlichkeiten und ohne eine bestimmte Absicht diese Stellvertreter auswählt, denn das ist bereits ein erster Schritt in Richtung auf das Sich-Zurücknehmen und den Verzicht auf Absichten und alte Bilder.
Wer nach äußeren Gesichtspunkten wählt, zum Beispiel nach Alter oder Körpermerkmalen, ist nicht in der Haltung der Offenheit für das Wesentliche und Unsichtbare. Er begrenzt die Aussagekraft der Aufstellung durch äußerliche Rücksichten, und damit ist für ihn das Familien-Stellen vielleicht schon zum Scheitern verurteilt. Deswegen macht es auch nichts aus und ist manchmal sogar besser, wenn der Therapeut die Stellvertreter auswählt und den Klienten mit diesen seine Familie aufstellen läßt. Das einzige Merkmal, das beachtet werden muß, ist das Geschlecht, daß also für Männer Männer gewählt werden und für Frauen Frauen.
Sind die Stellvertreter ausgewählt, stellt der Klient sie räumlich in Beziehung zueinander. Dabei ist es hilfreich, wenn er sie mit beiden Händen bei den Schultern nimmt und sie so in Verbindung mit ihnen an ihren Platz stellt. Während des Aufstellens bleibt er gesammelt, achtet auf seine innere Bewegung und folgt ihr, bis sich für ihn der Platz, auf den er den Stellvertreter geführt hat, stimmig anfühlt. Er ist während des Aufstellens nicht nur mit dem Stellvertreter und mit sich, sondern auch mit einem Umfeld im Kontakt und empfängt auch von daher Signale, die ihn den richtigen Platz für diese Person finden lassen. So macht er es auch mit den übrigen Stellvertretern, bis sie alle an ihrem Platz stehen. Bei diesem Vorgang ist der Klient gleichsam selbstvergessen.
Er wacht aus dieser Selbstvergessenheit auf, wenn alle gestellt sind. Manchmal hilft es, wenn er anschließend um die aufgestellte Gruppe herumgeht und korrigiert, was sich noch nicht ganz stimmig anfühlt. Dann setzt er sich. Wenn jemand nicht in der Haltung der Selbstvergessenheit und des Sich-Zurücknehmens ist, fällt das sofort auf. Zum Beispiel, wenn er einzelnen Stellvertretern eine bestimmte Körperhaltung im Sinne einer Skulptur vorschreiben will, oder wenn er sehr schnell aufstellt, so als folge er einem vorgefaßten Bild, oder wenn er vergißt, eine Person aufzustellen; oder wenn er, ohne gesammeltes Aufstellen, erklärt, eine Person stehe schon an ihrem richtigen Platz.
Eine Aufstellung, die nicht auf diese gesammelte Weise erfolgt, endet oft in einer Sackgasse und in Verwirrung.
Der Therapeut
Damit eine Aufstellung gelingt, muß auch der Therapeut sich von seinen Absichten und Bildern lösen. Indem er sich selbst zurücknimmt und sich gesammelt der Aufstellung aussetzt, erkennt er sofort, wenn der Klient durch vorgefaßte Bilder oder das Ausweichen vor dem, was sich zu zeigen beginnt, seine Aufstellung beeinflussen will. Er verhilft dann dem Klienten zur Sammlung und zur Bereitschaft, sich dem Geschehen zu stellen, oder, wenn das nicht möglich ist, bricht er die Aufstellung ab.
Die Stellvertreter
Das innere Sich-Zurücknehmen von eigenen Vorstellungen, Absichten und Ängsten wird auch von den Stellvertretern verlangt. Das heißt, daß sie, während sie aufgestellt werden, genau auf die Veränderungen achten, die sich bei ihnen in ihrer körperlichen Befindlichkeit und ihren Gefühlen einstellen, zum Beispiel darauf, daß das Herz schneller schlägt, sie zu Boden schauen wollen und sie sich plötzlich schwer oder leicht fühlen, oder wütend oder traurig. Auch ist es hilfreich, wenn sie auf die Bilder, die auftauchen, achten, und wenn sie auf die inneren Geräusche oder Worte hören, die sich aufdrängen.
Zum Beispiel hörte ein Amerikaner, der gerade deutsch lernte, während einer Aufstellung, in der er einen Vater vertrat, dauernd auf deutsch den Satz: "Sagen Sie Albert." Später fragte er den Klienten, ob ihm der Name Albert etwas sage. "Aber ja", war die Antwort, "so heißen mein Vater und mein Großvater, und Albert ist mein zweiter Vorname."
Ein anderer Stellvertreter, der in einer Aufstellung den Sohn eines bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückten Vaters vertrat, hörte dauernd die Rotorgeräusche eines Hubschraubers. Dieser Sohn war selbst einmal als Pilot eines Hubschraubers mit seinem Vater abgestürzt, überlebte aber mit seinem Vater. Natürlich braucht es ein hohes Einfühlungsvermögen und eine hohe Bereitschaft, von eigenen Vorstellungen abzusehen, bis so etwas gelingt, und der Therapeut muß vorsichtig sein, damit von den Stellvertretern nicht Phantasien als Wahrnehmungen ausgegeben werden. Dieser Gefahr können sowohl der Therapeut als auch die Stellvertreter um so leichter entgehen, je weniger Vorinformationen sie über die Familie haben.
Die Fragen
Die phänomenologische Wahrnehmung gelingt am besten, wenn nur das Notwendigste erfragt wird, und zwar erst unmittelbar vor der Aufstellung. Diese notwendigen Fragen sind:
Wer gehört zur Familie?
Sind Familienmitglieder totgeboren oder früh verstorben, und gab es in der Familie besondere Schicksale, zum Beispiel eine Behinderung?
War jemand von den Eltern oder Großeltern vorher in einer festen Bindung, also verlobt, verheiratet oder sonstwie in einer längeren bedeutsamen Beziehung?
Eine weitergehende Anamnese erschwert, in der Regel, die phänomenologische Wahrnehmung sowohl beim Therapeuten als auch bei den Stellvertretern. Deswegen lehnt der Therapeut auch Vorgespräche oder Fragebögen, die über die genannten Fragen hinausgehen, ab. Aus dem gleichen Grund sollen die Klienten während des Aufstellens nichts sagen, noch sollen die Stellvertreter an den Klienten irgendwelche Fragen stellen.
Die Sammlung
Manche Stellvertreter sind versucht, das, was sie fühlen, eher vom Bild der Aufstellung abzulesen statt daß sie auf ihre Körperwahrnehmung und das unmittelbare innere Gefühl achten. Zum Beispiel sagte der Stellvertreter eines Vaters, er fühle sich von den Kindern konfrontiert, weil diese ihm gegenüber aufgestellt wurden. Doch als er auf das unmittelbare innere Gefühl achtete, merkte er, daß er sich gut fühlte. Er hatte sich durch das äußere Bild von der unmittelbaren Wahrnehmung abhalten lassen. Manchmal, wenn ein Stellvertreter etwas fühlt, das ihm anstößig erscheint, verschweigt er es, zum Beispiel, daß er als Vater zur Tochter eine erotische Anziehung wahrnimmt. Oder eine Stellvertreterin traut sich nicht zu sagen, daß sie als Mutter sich besser fühlt, wenn eines ihrer Kinder einem Familienmitglied in den Tod nachfolgen will.
Der Therapeut achtet daher auf die feinen Körpersignale, zum Beispiel ein Lächeln oder ein Sich-Aufrichten, oder ein unwillkürliches Zusammenrücken von Personen. Wenn er solche Wahrnehmungen mitteilt, können die Stellvertreter ihre Wahrnehmung nochmals überprüfen. Manche Stellvertreter machen auch Gefälligkeitsaussagen, weil sei meinen, sie würden dem Klienten dadurch helfen oder ihn trösten. Solche Stellvertreter sind nicht mit dem Geschehen in Kontakt, und der Therapeut muß sie sofort durch andere ersetzen.
Die Zeichen
Ein Therapeut, der nicht selbst dauernd in der absichtslosen und furchtlosen gesammelten Wahrnehmung der Gesamtsituation verharrt, wird durch vordergründige Aussagen von Stellvertretern oft auf eine falsche Fährte oder in eine Sackgasse gelockt. Dadurch werden auch die anderen Stellvertreter verunsichert. Es gibt ein untrügliches Zeichen, ob eine Aufstellung auf dem richtigen Weg ist oder ihn verfehlt. Wenn sich in der beobachtenden Gruppe Unruhe bemerkbar macht und die Aufmerksamkeit nachläßt, hat die Aufstellung keine Chance mehr. Je schneller der Therapeut dann abbricht, desto besser.
Der Abbruch ermöglicht allen Beteiligten, sich neu zu sammeln und, nach einiger Zeit, nochmals von vorne zu beginnen. Manchmal kommt auch aus der beobachtenden Gruppe ein Hinweis, der weiterführt. Es muß sich aber um eine Beobachtung handeln. Wenn nur gerätselt oder gedeutet wird, verschlimmert es die Verwirrung. Dann muß der Therapeut auch die Diskussion stoppen und die Gruppe zur Sammlung und zum Ernst zurückführen.
Die Offenheit
Ich habe diese Vorgangsweisen und die Hindernisse, die auftreten können, ausführlicher behandelt, um damit dem leichtfertigen Familien-Stellen Grenzen zu setzen. Das Familien-Stellen wird sonst leicht in Mißkredit gebracht. Manche gehen beim Familien-Stellen auch anders vor. Wenn es aus gesammelter Aufmerksamkeit geschieht, kann das sehr erfolgreich sein. Wenn es aber aus einem Bedürfnis nach Abgrenzung oder nach Profilierung geschieht, wird die phänomenologische Offenheit durch Absichten eingeschränkt.
Profilieren kann man sich am besten, wenn man neue Wahrnehmungen macht, die sich am Ergebnis bewähren, und an denen man auch andere teilhaben läßt. Wenn die Abgrenzung aber mehr theoretischen Vorstellungen folgt oder von Absichten und Ängsten beeinflußt ist, welche der Wirklichkeit, wie sie erscheint, die Zustimmung verweigern, führt das zum Verlust der phänomenologischen Wahrnehmungsbereitschaft mit entsprechenden Folgen für die therapeutische Wirkung. Auch wenn das Familien-Stellen eher der Neugierde dient, verliert es seinen Ernst und seine Kraft. Vom Feuer bleibt dann vielleicht nur noch die Asche, und vom Mantel die Schleppe.
Der Anfang
Doch nun zurück zur Aufstellung. Die Frage, die der Therapeut zuerst entscheidet, ist:
Wird die Gegenwarts- oder die Herkunftsfamilie aufgestellt?
Bewährt hat sich, wenn man mit der Gegenwartsfamilie beginnt. Dann kann man jene Personen, die aus der Herkunftsfamilie noch stark in die Gegenwartsfamilie hineinwirken, später dazustellen und bekommt dadurch ein Bild, in dem die belastenden und heilenden Einflüsse über mehrere Generationen hinweg sichtbar und spürbar werden. Nur wenn die Schicksale in der Herkunftsfamilie besonders schwer sind, fängt man mit der Herkunftsfamilie an.
Die nächste Frage ist:
Mit welchen Personen soll die Aufstellung beginnen?
Man fängt mit der Kernfamilie an, also Vater, Mutter und die Kinder. Ist ein Kind tot geboren oder früh verstorben, stellt man es erst später dazu, damit man sehen kann, welche Wirkung es auf die Familie hat, wenn es in den Blick kommt. Die Regel ist, man fängt mit wenigen Personen an und läßt von ihnen her sich die Aufstellung Schritt für Schritt entwickeln.
Die Vorgehensweise
Wenn das erste Bild steht, gibt man dem Klienten und den Stellvertretern etwas Zeit, um sich dem Bild auszusetzen und es wirken zu lassen. Oft beginnen die Stellvertreter spontan zu reagieren, zum Beispiel indem sie zittern oder weinen oder den Kopf senken, schwer atmen, oder indem sie interessiert oder verliebt auf jemanden schauen. Manche Therapeuten befragen die Stellvertreter zu schnell nach ihrer Befindlichkeit und behindern oder unterbinden dadurch diesen Vorgang.
Wer zu schnell die Stellvertreter befragt, benutzt das leicht als Ersatz für die eigene Wahrnehmung und verunsichert damit auch die Stellvertreter. Der Therapeut läßt das Bild erst einmal auch auf sich selbst wirken. Oft sieht er sofort, welche Person am meisten belastet oder gefährdet ist. Wenn diese beispielsweise abgewandt und abseits der anderen aufgestellt wurde, sieht er, daß sie weggehen oder sterben will. Dann braucht er sie, ohne jemanden vorher zu befragen, nur ein paar Schritte weiter zu führen in die Richtung, in die sie schaut, und auf die Wirkung zu achten, die diese Veränderung bei ihr und den anderen Stellvertretern auslöst.
Oder wenn alle Stellvertreter in die gleiche Richtung schauen, weiß er sofort, daß vor ihnen eine Person stehen muß, die vergessen oder ausgeklammert wurde, zum Beispiel ein früh verstorbenes Kind oder ein früherer Verlobter der Mutter, der im Krieg fiel. Dann fragt er den Klienten, wer das sein könnte, und stellt die Person in das Bild, bevor irgendeiner der Stellvertreter etwas gesagt hat.
Oder wenn die Mutter von ihren Kindern so umstellt ist, daß der Eindruck entsteht, diese wollten sie am Gehen hindern, fragt der Therapeut den Klienten sofort: Was ist in der Herkunftsfamilie der Mutter passiert, das diesen Sog zu gehen erklären könnte? Dann sucht er zuerst eine Entlastung und Lösung für die Mutter, bevor er mit den anderen Stellvertretern weiterarbeitet.
Der Therapeut entwickelt also die nächsten Schritte aus der Anfangsaufstellung und holt sich zusätzliche Informationen vom Klienten für den nächsten Schritt, ohne mehr zu tun oder zu erfragen, als er für diesen Schritt braucht. Dadurch behält die Familienaufstellung ihre Konzentration auf das Wesentliche und ihre besondere Dichte und Spannung. Jeder unnötige Schritt, jede unnötige Frage, jede zusätzliche Person, die für die Lösung nicht notwendig ist, vermindert die Spannung und lenkt von den wichtigen Personen und Ereignissen ab.
Verdichtete Aufstellungen
Manchmal genügt es sogar, nur zwei Stellvertreter aufzustellen, zum Beispiel eine Mutter und ihren an Aids erkrankten Sohn. Der Therapeut braucht dann nicht einmal weitere Anweisungen zu geben. Er überläßt die Stellvertreter den Gefühlen und Bewegungen, die sich aus dem Kraftfeld zwischen ihnen ergeben, doch ohne daß sie dabei etwas sagen. So läuft ein wortloses Drama ab, bei dem nicht nur die Gefühle der beteiligten Personen ans Licht kommen, sondern sich auch eine Bewegung ergibt, die zeigt, welche Schritte für beide noch möglich oder gemäß sind.
Der Raum
Hier zeigt sich die wohl erstaunlichste Wirkung der phänomenologischen Haltung und Vorgehensweise. Die gesammelte Zurückhaltung des Therapeuten und der beteiligten Gruppe schafft den Raum, in dem Beziehungen und Verstrickungen ans Licht kommen und sich auf eine Lösung hinbewegen, welche die Stellvertreter wie von einer von außen wirkenden mächtigen Kraft bewegt erscheinen lassen.
Diese Kraft bedient sich ihrer und läßt viele gängige psychologische und philosophische Annahmen als unzulänglich oder verfehlt erscheinen.
Die Teilhabe
Als erstes zeigt sich dabei, daß es offenbar ein Wissen durch Teilhabe gibt. Die Stellvertreter in einer Aufstellung verhalten sich und fühlen wie die Personen, die sie darstellen, obwohl weder sie noch der Therapeut Vorinformationen über sie haben, die über die vorher genannten äußeren Fakten und Ereignisse hinausgehen. Oft ist der Klient verblüfft, daß die Stellvertreter die gleichen Äußerungen machen, die er von den wirklichen Personen kennt, oder daß sie die gleichen Gefühle und Symptome zeigen, welche die wirklichen Personen haben. Von daher läßt sich schließen, daß auch die wirklichen Familienmitglieder dieses Wissen durch Teilhabe besitzen, so daß ihrer Seele nichts Bedeutsames aus ihrer Familie verborgen bleibt.
Vor kurzem hat mir eine Bekannte von einer Frau berichtet, deren Vater Jude war, der das aber vor seinen Kindern verheimlicht hat, auch indem er alle taufen ließ. Sie hat es von ihm erst kurz vor seinem Tod erfahren. Dabei erfuhr sie auch, daß ihr Vater noch zwei Schwestern hatte, die in einem Konzentrationslager umgekommen sind. Diese Frau hatte hintereinander mehrere Berufe. Erst war sie Bäuerin, und dann hat sie alte Möbel restauriert, bevor sie ihren jetzigen therapeutischen Beruf ergriff. Als sie nun nachforschte, um mehr über die Lebensumstände ihrer toten Tanten zu erfahren, kam ans Licht, daß die eine einen Bauernhof führte, und die andere einen Antiquitätenladen. Ohne darum zu wissen, war sie beiden durch ihre Berufe nachgefolgt und hat sich so mit ihnen verbunden.
Das Kraftfeld
Wie das zu erklären ist, bleibt rätselhaft. Rupert Sheldrake hat über viele Beobachtungen und Experimente nachgewiesen, daß Hunde durch ihr Verhalten zeigen, daß sie sofort erspüren, wenn sich ihr abwesendes Herrchen oder Frauchen auf den Heimweg macht, und daß sie auch sofort merken, wenn dieser Heimweg unterbrochen wird. Sie spüren das manchmal sogar über Kontinente hinweg. Es muß also ein Kraftfeld geben, über das beide miteinander unmittelbar in Verbindung stehen.
Die Toten
Beim Familien-Stellen wird aus dem Verhalten der Stellvertreter und damit natürlich auch aus dem Verhalten und den Schicksalen der wirklichen Familienmitglieder zusätzlich deutlich, daß sie mit Personen in Verbindung sind, die längst verstorben sind. Wie anders soll man es sonst erklären, daß sich in einer Familie während der letzten hundert Jahre drei Männer aus verschiedenen Generationen jeweils mit 27 Jahren am 31. Dezember umgebracht haben, und daß Nachforschungen ergaben, daß der erste Mann der Urgroßmutter mit 27 Jahren am 31. Dezember starb und wahrscheinlich von der Urgroßmutter und ihrem späteren Mann vergiftet worden war?
Die Seele
Hier wirkt mehr als ein Kraftfeld. Hier wirkt eine gemeinsame Seele, die nicht nur die lebenden sondern auch die toten Familienmitglieder miteinander verbindet. Diese Seele umfaßt nur bestimmte Familienmitglieder, und wir sehen an der Reichweite ihrer Wirkung, welche Familienmitglieder von ihr erfaßt und in ihren Dienst genommen werden.
Beginnend mit den Späteren sind dies:
die Kinder, einschließlich der tot geborenen und verstorbenen,
die Eltern und ihre Geschwister,
die Großeltern,
manchmal noch der eine oder die andere der Urgroßeltern und sogar Ahnen von noch weiter zurück.
alle - und das ist besonders bedeutsam -, die zum Vorteil der bisher genannten Mitglieder Platz gemacht haben, vor allem frühere Partner von Eltern oder Großeltern, und alle, durch deren Unglück oder Tod die Familie einen Vorteil oder Gewinn hatte.
die Opfer von Gewalt oder Mord durch frühere Mitglieder dieser Familie.
Über die beiden letztgenannten Gruppen möchte ich etwas mitteilen, was erst Erfahrungen aus der letzten Zeit ans Licht gebracht haben. Bei Aufstellungen mit den Nachkommen von Personen, die sehr großen Reichtum angehäuft haben, fiel auf, daß es bei den Enkeln und Urenkeln besonders schlimme Schicksale gab, die aus Ereignissen innerhalb der Familie allein nicht verstehbar waren.
Erst als die Opfer, deren Tod oder Unglück ein Preis für diesen Reichtum war, dazugestellt wurden, kam das Ausmaß, mit dem ihre Schicksale in diesen Familien weiterwirkten, ans Licht. Beispiele dafür waren Arbeiter, die beim Bau einer Eisenbahnlinie oder bei Ölbohrungen ums Leben kamen, ohne daß ihr Beitrag für den Reichtum und das Wohlergehen ihrer Unternehmer gewürdigt worden war. Bei vielen Aufstellungen mit den Nachkommen von Mördern, zum Beispiel von SS Tätern während des Dritten Reiches, zeigte sich, daß ihre Enkel und Urenkel sich zu den Opfern legen wollten und dadurch extrem selbstmordgefährdet waren.
Die Lösung war für beide Gruppen die gleiche. Die Opfer müssen von allen Familienmitgliedern angeschaut und gewürdigt werden. Sie alle müssen sich vor ihnen verneigen und um sie trauern. Danach müssen die ursprünglichen Gewinner und Täter sich zu den Opfern legen, und die übrigen Familienmitglieder müssen sie dorthin entlassen. Erst dann sind die Nachkommen entlastet. Hier wird deutlich, diese Familienmitglieder verhalten sich, als hätten sie eine gemeinsame Seele und als seien sie von einer gemeinsamen, ihnen vorgeordneten Instanz in den Dienst genommen und als diene diese Instanz gewissen Ordnungen und als verfolge sie gewisse Ziele.
Die Liebe
Als erstes sehen wir, daß diese Seele die Familienmitglieder aneinander bindet. Das geht so weit, daß ein Kind die Sehnsucht spürt, dem früh verstorbenen Vater oder der früh verstorbenen Mutter in den Tod nachzufolgen. Auch Eltern oder Großeltern wollen manchmal einem toten Kind oder Enkel in den Tod folgen, und wir beobachten diese Sehnsucht auch zwischen Partnern. Wenn der eine stirbt, will auch der andere oft nicht mehr leben.
Der Ausgleich
Als zweites sehen wir, daß es in einer Familie über Generationen hinweg ein Bedürfnis nach Ausgleich gibt zwischen Gewinn und Verlust. Das heißt, die Gewinner auf Kosten anderer bezahlen mit einem Verlust und gleichen damit aus. Oder, wenn es sich bei den Gewinnern um Täter handelt, bezahlen meistens nicht sie, es bezahlen ihre Nachfahren. Diese werden für den Ausgleich von der Familienseele an Stelle ihrer Vorfahren herangezogen, oft ohne daß es ihnen bewußt wird.
Der Vorrang der Früheren
Die Familienseele bevorzugt also die Früheren gegenüber den Späteren, und das ist die dritte Bewegung oder Ordnung, der die Familienseele folgt. Ein Späterer ist bereit, für einen Früheren zu sterben, wenn er meint, daß er damit dessen Tod verhindern kann. Oder er ist bereit, für die unerledigte Schuld eines Früheren zu sühnen. Oder eine Tochter vertritt die frühere Frau ihres Vaters und verhält sich zum Vater wie seine Partnerin und zur Mutter wie eine Rivalin. Ist der früheren Frau des Vaters Unrecht geschehen, dann zeigt die Tochter den Eltern gegenüber die Gefühle dieser Frau.
Die Vollständigkeit
Hier wird auch die vierte Bewegung und Ordnung sichtbar, der die Familienseele folgt. Sie achtet auf die Vollständigkeit der Familie und stellt diese stellvertretend mit Hilfe späterer Mitglieder wieder her. Ich habe die Bewegungen der Familienseele und die Gesetze und Ordnungen, denen sie folgt, hier nur kurz zusammengefaßt. Ausführlich beschreibe ich sie in meinem Buch "Die Mitte fühlt sich leicht an" in den Kapiteln "Schuld und Unschuld in Systemen", "Die Grenzen des Gewissens" und "Leib und Seele, Leben und Tod", sowie in meinem Buch "Ordnungen der Liebe" im Kapitel "Vom Himmel, der krank macht, und der Erde, die heilt".
Die Lösungen
Die Fragen sind nun
Wie findet der Therapeut für die Klienten eine Lösung?
Was ist hier die phänomenologische Vorgangsweise?
Sie geht vom Nahen in die Ferne und vom Engen in die Weite. Das heißt, statt nur auf den Klienten zu schauen, schaut der Therapeut auch auf dessen Familie, und statt nur auf den Klienten und dessen Familie zu schauen, schaut er über beide hinaus auf das Kraftfeld und die Seele, die sie umschließt. Denn daß der Einzelne und seine Familie in eine größeres Kraftfeld und in eine größere Seele eingebunden sind und von ihnen über sich hinaus benutzt und in den Dienst genommen sind, ist offenkundig.
Ebenso, daß sich die Einsicht in das Problem und die möglichen Lösungen oft erst aus der Verbindung mit dem jeweils Größeren ergibt. Wenn ich also der Seele des Klienten helfen will, sehe ich sie gesteuert von der Familienseele. Doch wenn ich auch hier nur auf den Klienten und seine Familie schaue, erkenne ich vielleicht die Ordnungen und Gesetze, welche zu Verstrickungen führen. Wo aber die Lösungen liegen, erfasse ich erst, wenn ich einen Zugang finde zu dem Kraftfeld und zu Dimensionen der Seele, welche den Einzelnen und sein Familie übersteigen.
Diese Dimensionen der Seele können wir nicht beeinflussen. Wir können uns ihnen nur öffnen. Denn wenn es um das Entscheidende geht, wird uns die Einsicht in die lösenden und heilenden Bilder, Sätze und Schritte von dieser Seele geschenkt. Der Therapeut öffnet sich für das Wirken dieser größeren Seele durch die völlige Zurücknahme seiner Absicht und seiner Rücksichtnahme auf das, was er vielleicht fürchtet, einschließlich der Furcht zu scheitern. Dann kommt ihm plötzlich ein Bild oder ein Wort oder ein Satz, der ihm den nächsten Schritt erlaubt. Doch es ist immer ein Schritt ins Dunkle.
Erst am Ende zeigt sich, daß es der richtige Schritt war, der die Not wendet. Mit diesen Dimensionen der Seele kommen wir also über die phänomenologische Haltung in Berührung. Das heißt also, eher durch das gesammelte Nicht-Handeln als durch Handeln. Durch seine gesammelte Gegenwart verhilft der Therapeut auch dem Klienten zu dieser Haltung und zu der aus ihr sich ergebenden Einsicht und Kraft. Oft hält der Klient diese Einsicht nicht aus und verschließt sich ihr wieder. Auch dem stimmt der Therapeut durch seine Zurückhaltung zu. Auch hier läßt er sich weder durch einen inneren noch durch einen äußeren Anspruch in das Schicksal des Klienten und seiner Familie verstricken.
Das mag hart erscheinen, ist aber die Konsequenz aus der Erfahrung, daß jede auf diese Weise geschenkte Einsicht unvollkommen und vorläufig ist, sowohl für den Therapeuten als auch für den Klienten.
Ich komme zum Schluß nochmals auf den Anfang zurück, auf den Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen und dem phänomenologischen Erkenntnisweg. Ich habe ihn schon vor Jahren in einer Geschichte zusammengefaßt. Sie heißt:
Zweierlei Wissen
Ein Gelehrter fragte einen Weisen,
wie sich das Einzelne zu einem Ganzen fügt
und wie das Wissen um das Viele
sich vom Wissen um die Fülle unterscheide.
Der Weise sagte:
"Das weit Verstreute wird zu einem Ganzen,
wenn es zu einer Mitte findet
und gesammelt wirkt.
Denn erst durch eine Mitte wird das Viele
wesentlich
und wirklich,
und seine Fülle erscheint uns dann als einfach,
fast wie wenig,
wie ruhige Kraft auf nächstes hin,
die unten bleibt
und nahe dem, was trägt.
Um Fülle zu erfahren
oder mitzuteilen, muß ich daher nicht alles einzeln
wissen,
sagen,
haben,
tun.
Wer in die Stadt gelangen will,
tritt durch ein einziges Tor.
Wer eine Glocke einmal anschlägt,
bringt mit dem einen Ton noch viele andere zum Klingen.
Und wer den reifen Apfel pflückt,
braucht dessen Ursprung nicht ergründen.
Er hält ihn in der Hand
und ißt."
Der Gelehrte wandte ein, daß wer die Wahrheit wolle
auch alle Einzelheiten wissen müsse.
Der Weise aber widersprach.
Nur von der alten Wahrheit wisse man sehr viel.
Wahrheit, die weiterführe,
sei gewagt
und neu.
Denn sie verbirgt ihr Ende wie ein Keim den Baum.
Wer daher noch zu handeln zögert,
weil er mehr wissen will,
als ihm der nächste Schritt erlaubt,
versäumt, was wirkt.
Er nimmt die Münze
für die Ware,
und aus Bäumen
macht er Holz.
Der Gelehrte meinte,
das könne nur ein Teil der Antwort sein
und er bitte ihn um noch ein bißchen mehr.
Der Weise aber winkte ab,
denn Fülle sei am Anfang wie ein Faß voll Most:
süß und trüb.
Und es braucht Gärung und genügend Zeit,
bis er sich klärt.
Wer dann, statt daß er kostet, trinkt,
beginnt beschwipst zu schwanken.
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