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Re: Kartoffeln aus dem eigenen Hausgarten
de Zausel - 20.04.2011, 12:16Kartoffeln aus dem eigenen Hausgarten
Die Kartoffel ist für mich eines der Königsgemüse im Hausgarten.
Der biologische Anbau der Kartoffel ist einfach und wenig aufwändig,
Spritzen nicht erforderlich und die Ernte macht einfach Spaß.
Die Kartoffel hat einen hohen Nährwert und ist nicht nur
durch ihren Vitamin-C-Gehalt sehr gesund, sie enthält viele
Ballaststoffe, Mineralstoffe und macht einfach gute Laune.
In Krisenzeiten könnte sie jeder in seinem Garten anbauen,
zur Not da, wo jetzt der Rasen ist, sie kann lange gelagert
und in der Küche äußerst vielseitig verwendet werden.
Die Kartoffel gelangte vor einigen Jahrhunderten aus Amerika zu uns,
sie mag warmes Wetter, in warmen Ländern ist sie mehrjährig,
bei uns wird sie einjährig angebaut. Die Kartoffel gibt es in vielen
alten und neuen Sorten, in allen möglichen Formen und Farben
(weiß gelb, rot, blau, lila), in frühen und späten Sorten,
wobei man nach dem Ausprobieren verschiedener Sorten
schnell zu seiner Lieblingskartoffelsorte gelangen wird.
Eine alte und sehr schöne Kartoffelsorte, die Linda:
Bei uns ist das die Kartoffelsorte Linda, die sehr robust
und ertragreich ist und schöne große, sehr schmackhafte Kartoffeln
liefert. Leider soll diese Kartoffelsorte vom Markt genommen werden
(Auslauffrist wurde verlängert bis 2007- ist wieder auf dem Markt),
da sich heute Unternehmen Sorten schützen lassen können,
für deren Nutzung sie dann Lizenzgebühren verlangen können,
ein eigentlich unglaublicher Vorgang. Der Sorteninhaber Europlant
will andere eigene Kartoffelsorten besser auf dem Markt positionieren.
Ich finde es unfaßbar, daß heute schon Patente auf Gemüsesorten
erteilt werden. Die Natur kann man nicht kaufen, sie gehört allen
Lebewesen gleichermaßen, eine einseitige Bereicherung weniger
zu Lasten der Allgemeinheit ist unakzeptabel, zumal es hier um die
Lebensgrundlagen der Menschheit geht. Genauso abzulehnen ist der
Verkauf unfruchtbaren Saatguts durch Saatgutkonzerne, Hybrid-Saatgut,
dessen Nachkommen nicht mehr die gleichen Eigenschaften aufweisen.
Kartoffeln kann man im April, Mai oder auch noch bis in den Juni
hinein stecken. Das A und O beim Kartoffelanbau ist nach meiner
Erfahrung eine gute Lockerung des Bodens vor der Saat der Kartoffel,
idealerweise bis in eine Tiefe von ca. 60 cm oder noch tiefer.
Das ist nach meinen Beobachtungen bei der Kartoffel wichtiger
als die Nährstoffversorgung. In einem tief gelockerten Boden gedeihen
viel mehr und größere Kartoffeln. Ein leicht saures Substrat soll günstig
sein, ich konnte dies aber nicht beobachten, Kartoffeln gedeihen
in nahezu jedem Boden - wenn er gut gelockert ist. Die Kartoffel selbst
lockert den Boden zwar ebenfalls gut - weshalb Kartoffelanbau z.B.
bei Neuanlagen von Gärten empfohlen werden - jedoch hat sie im
oberfränkischen sandsteinhaltigen Lehmboden schon schwer zu tun,
weshalb ich bei schweren Böden unbedingt eine gründliche
Lockerung empfehle.
Man kann Kartoffeln auch im März oder April vorkeimen,
um die Ernte zu verfrühen, ich finde das jedoch zu aufwändig,
denn die Kartoffel gedeiht auch ohne Vorkeimen prächtig,
und es spielt doch im Hausgarten keine Rolle, wer als erster Kartoffeln
erntet. Schon eher ist man an einem guten gesunden Ertrag mit vielen
Knollen interessiert. Auch die Angaben zum Abstand zwischen den
Pflanzen in Fachbüchern sehe ich eher als Richtwert, von dem man
auch abweichen kann, ich habe auch gute Erfahrungen mit ziemlich
engem Stand gemacht. Zum Legezeitpunkt der Kartoffeln gibt es in
Franken die Volksweisheit: "Legst mich im April, komm ich, wann ich will.
Legst mich im Mai, komm ich glei..." Spätfröste können die austreibende
Pflanze - weniger die Knolle - schädigen, außerdem ist das Wachstum
bei niedrigen Temperaturen viel langsamer als bei warmem Wetter.
Auch wenn man die Kartoffeln erst im Mai legt - oder sogar im Juni -
wird man nach ca. 3 Monaten schöne Kartoffeln ernten.
Kartoffeln lassen sich selbst in Sibirien noch anbauen.
Wer wenig Platz hat, kann Kartoffeln auch in großen Töpfen anbauen.
Diese sollte man dann aber ab und zu - nicht zu viel! - gießen,
da das Wasser in Gefäßen schneller verdunstet. Nach meiner Erfahrung
ist der Ertrag aber etwas geringer, als wenn man Kartoffeln im Beet
anbaut. Die Kartoffel verträgt mangelnden Fruchtwechsel etwas besser
als andere Gemüsesorten, dennoch sollte man ihr jedes Jahr
einen neuen Platz geben, damit die Nährstoffe im Boden nicht einseitig
verbraucht werden. Zur Dügung hat bei uns immer Kompost gereicht,
den man entweder vor der Saat geben kann oder auch kurz danach.
Mist liefert ebenfalls viele Nährstoffe.
Giftspritzungen - igittigitt! - sind bei uns im Hausgarten tabu.
Massen an Kartoffelkäfern entwickeln sich meist nur in riesigen
Monokulturen. Obwohl gar nicht weit von unserem Hausgarten
ein Kartoffelfeld ist, das kräftig mit Gift besprüht wurde,
habe ich in unserem Hausgarten kaum Kartoffelkäfer gesehen,
sodass an den Pflanzen bei uns kein Schaden entstand.
Kartoffelfelder werden immer auch gegen die Krautfäule gespritzt,
einen Pilz, der in feuchten Jahren mehr auftritt als in trockenen Jahren.
Dennoch kann ich diese Giftspritzerei nicht verstehen, da die Kartoffeln
sowieso schon groß genug sind, wenn die Krautfäule das Kartoffelkraut
absterben läßt.
Nach ca. 3 Monaten Kulturzeit kann man die Kartoffeln dann ernten,
am besten mit einem Spaten. Wenn man bei der Ernte einige Knollen
beschädigen sollte, was nie ganz zu vermeiden ist, sortieren wir diese
wenige Knollen gleich heraus uns verbrauchen sie zuerst,
denn zum Lagern sollte man nur unbeschädigte Knollen verwenden.
Die Erde mit einer Kartoffelbürste vorsichtig abbürsten,
die Knollen dann trocken, dunkel und idealerweise kühl lagern.
Bei kühler Lagerung halten sich Kartoffeln am längsten.
Die heutigen Keller sind meist geheizt und eigentlich zu warm.
Ideal sind Erdkeller, aber auch im geheizten Keller halten sich
Kartoffeln einige Wochen bis Monate.
Greets
Wolle
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