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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Luthien - Lulu Holiday Forum: Maya und Domenico aus dem Unterforum: Schreibforum Antworten: 6 Forum gestartet am: Freitag 06.10.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte) Letzte Antwort: vor 11 Jahren, 11 Monaten, 14 Tagen, 10 Stunden, 22 Minuten
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Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Luthien - 12.04.2011, 16:04Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Diese Kurzgeschichte ist eigentlich eine Abänderung von Hans-Christians „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“
Ich hab es aber ziemlich verändert und mein Schreibstil ist ganz anders als der von Andersen...Also lasst euch überraschen!
________________________________________________________
Kälte...
Eiseskälte...
Eine solche Kälte das es schmerzte, brannte...An Händen, Füssen im Gesicht...
Es brannte, wie Feuer, doch da war keine Wärme...
Nur Kälte...
Eiseskälte...
Lucy rieb sich die steifgefrorenen Finger.
Es nützte nichts.
Sie blieben kalt wie der Schnee unter ihren Füssen.
Durch die Löcher in ihren Schuhen, drang der Schnee ein, und ihre Füsse fühlten sich an wie Eis.
Müde schleppte sie sich vorwärts.
Schritt für Schritt durch die weisse Welt aus Kälte und Finsternis.
Ihre langen schwarzen Locken fielen ihr feucht in die bleiche Stirn, braune Augen blinzelten sich die Tränen aus den Augen...
Es war Heiligabend.
Die Strasse war beleuchtet mit wunderbaren, goldenen Girlanden und Laternen...
Überall sah man Kinder mir glänzenden Augen und deren Eltern, die sie an den Händen hielten sahen glücklich aus...zufrieden...sorglos...
Geschmückte Tannenbäume lagen in den Schaufenstern und Lucy sah ihr eigenes, trauriges Gesicht verzerrt in den bunten Kugeln.
Und auch die Kugeln spiegelten sich in ihren Augen, liessen sie rot und golden leuchten.
Eine Träne rann über ihr kaltes Gesicht...
Und dann noch eine...
Lucy lief jäh über die andere Strassenseite.
Ein Auto bremste scharf ab, der Fahrer hupte wütend.
Erschrocken rannte sie weiter.
Sie rutschte auf dem matschigen Schnee aus, der überall auf der Strasse lag.
Aus Angst, das Auto könnte einfach weiterfahren, rappelte sie sich hastig auf.
Dabei verlor sie einen ihrer dünnen Schuhen.
Der Schnee biss in ihren nackten Fuss, wie ein böses Tierchen.
Die Kälte drang ihr bis in die Knochen und ihre Zehen färbten sich rot und blau.
Schweigend stand sie da und nichts nahm sie mehr war, ausser den Schmerz der den Frost in ihren Körper schickte.
Schliesslich riss sie sich auch den zweiten Schuh vom Fuss.
Was nützte schon ein Schuh, wenn man den zweiten nicht hatte?
Vor ihr ragte gross und dunkel ein Hochhaus auf, die unzähligen Fenster sahen aus wie die Augen eines riesigen Tieres.
Lucy kauerte sich in einen Winkel zwischen zwei grossen Wohnblöcken.
Sie machte sich ganz klein, umschlang die Knie mit ihren dünnen Ärmchen.
Der Wind pfiff an ihren Ohren vorbei, riss an ihren Kleider und wehte eine Woge Schnee in ihr Gesicht. Alles um sie herum war dunkel...so dunkel...so schwarz...
Dunkelheit...Finsternis...
Lucy begann zu schluchzen.
Einsamkeit...Alleine in dieser kalten Nacht...
Ihr tränenüberströmtes Gesicht wandte sich dem dunklem Himmel zu.
Der Mond war verdeckt von grauen Wolkenfetzen...
Kein Stern strahlte am Firmament...
Lucy steckte ihre tauben Finger in die Hosentasche.
Was war das?
Als sie die Hände wieder hinauszog, umschlossen sie drei Zündhölzer.
Sie waren noch trocken.
Das helle Holz fühlte sich warm an, aber noch wärmer war der Gedanke an das Licht, das diese kleinen Hölzchen bringen konnten.
Schnell nahm sie eines davon in zwischen Zeigfinger und Daumen.
Ihre Augen glänzten, als sie die Kuppe ruckartig über die kalte Mauer gleiten liess.
Ein kleines Licht flammte auf und flackerte lebensfreudig in der Welt aus Nacht.
Die Dunkelheit wich mit einem Schlag.
Sie sassen zusammen vor dem Kaminfeuer.
Sie sassen einfach nur dort...
Genossen die Gesellschaft der Anderen...
Lucy lehnte an ihm, ein seliges Lächeln auf dem Gesicht...
Und er strich über ihr volles, schwarzes Haar und küsste ihre Stirn...
„Du bist mein Ein und Alles!“
Sie nahm dankbar seine rauen Hände in die ihren...
Er lachte nur, umarmte sie ganz fest und liess sie nicht mehr los...
Alles war wieder dunkel und kalt.
Die Erinnerung war verblasst und hinterliess in ihrem Kopf nur Traurigkeit.
Doch da waren noch zwei weitere Hölzchen...
Zwei weitere Lichter...
Zwei kleine Flammen, die so viel Erinnerungen wecken konnten...
Lucy zögerte nicht lange...
Wieder flackerte das kleine Feuer auf und die Nacht wich.
Seine Augen glänzten als er ihr das Geschenk hinhielt.
„Das ist für dich!“, sagte er und er sah dabei wieder aus wie ein kleiner Junge.
Lucy wurde rot vor Freude.
Sie löste neugierig das Geschenkspapier von dem Packet...
Ein Ausruf des Glückes entfuhr ihr..
Sie fiel ihm dankbar um den Hals...
Er lachte sein wunderbares Lachen...
„Danke! Danke viel mal!“
Traurig starrte sie in die Finsternis...
Das verkohlte Holz zerbröckelte und fiel in den weissen Schnee.
Wieder rannen ihr die Tränen übers Gesicht...
Nur noch eines...
Nur noch ein kleines bisschen Wärme...Licht...Geborgenheit...
Lucy hob den Kopf...
Am Himmel leuchteten auf einmal unzählige Sterne...
So viele kleine Lichter...
Doch sie waren so fern...so weit weg...
Und dann sah sie ihn...
Einen einzelnen Stern...gross...hell...der sich leuchtend vom schwarzen Nachthimmel abhob...
Ein einziger Stern...alleine...einsam...
Lucy hob entschlossen das letzte Hölzchen hoch...
Es funkte als sie es an der Mauer abstrich...
Und das letzte mal erstrahlte eine kleine Flamme, liess ihre Haut wie im Brand auflodern und tauchte alles in warmes Rot...
Er hielt sie fest in seinen Armen...
In seinen starken Armen...
Seine braunen Haare kitzelten sie im Gesicht, als er dem ihren ganz nahe kam...
Sein Atem strich sanft über ihre Haut...
Seine blauen Augen leuchteten voller Liebe...
„Ich bin bei dir...“
Zärtlich strich er ihr die Tränen von den Wangen...
„Ich lass dich nie alleine...“
Sein Lächeln galt nur ihr...Nur ihr allein...
„Wir werden uns bald wieder sehen...“
Auch seine Züge verrieten die Traurigkeit die ihn erfüllte...
Er wollte nicht weg...
Aber das Leben währte auf dieser Welt nicht ewig...
Und das Schicksal wählte für ihn einen anderen Weg...
Sie wollte es nicht...
Sie wollte ihn bei sich haben...
Sie wollte, dass er der Vater ihrer Kinder wurde...
Aber er konnte nicht...
Es war zu spät...
„Bitte Lucy! Bitte traure nicht um mich!“
Doch sie konnte nicht anders...
Was sollte sie ohne ihn tun?
„Bleib bei mir! Lass mich nicht hier alleine!“
Sie merkte wie er ihr entglitt...
Wie er sie verliess...
„Ich bin bei dir...“
Sie schlug die Augen nicht auf, weil sie wusste was sie erwartete...
Kälte...Dunkelheit...Traurigkeit...Angst...
Sie wollte wenigstens sein Bild in ihrem Kopf behalten...
Sein Lachen...
Und die letzte Erinnerungen vergessen...
Die letzten, grausamen Schmerzen...
Der Kampf mit dem Tod...
Das Verlieren...aufgeben...sterben...
Sie verschloss die Augen vor sich selbst...
Gab sich selbst auf...
Sah den Tatsachen nicht ins Gesicht...
Sie hatte aufgegeben...
Alles war vorbei...
„Lucy...“
Nein...
Es war vorbei...
Sie war alleine...
Niemand konnte ihr helfen...
„Lucy..“
Nein...
Warum liess man sie nicht in ihrem Schmerz?
Hatte sie nicht schon genug durchgemacht?
Das war das Ende...
„Lucy! Das ist nicht das Ende!“
Doch...
Es war vorbei...
Was sollte sie jetzt denn tun?
Es war vorbei...
Alles war vorbei...
„Nein Lucy! Ich bin bei dir...“
Eine Hand legte sich auf ihre bebenden Schultern...
Eine raue, warme Hand...
Lucy öffnete die nassen Augen...
Durch den Schleier sah sie jemanden...
„Ich war immer bei dir, Lucy!“
Er war da!
Er war bei ihr!
Und er lächelte sein wunderbares Lächeln...
Er war da und griff nach ihrer Hand...zog sie hoch...
Nahm sie in den Arm...
Wie hatte sie ihn doch vermisst...
Seine Stimme...
Sein Lächeln...
Ihn...
“Gehen wir, Lucy! Alles ist gut! Ich bin bei dir...“
Und sie gingen durch die Stadt, die ihr plötzlich wunderschön vorkam...
Sie gingen durch den weissen Schnee, der plötzlich glitzerte wie Diamanten...
Ein helles Licht empfing sie und da wusste Lucy, dass sie endgültig zu Hause war...
Am frühen Morgen des 25. Dezembers fand man eine kleine Gestalt in einem kalten Winkel zwischen zwei Häusern.
Es war Lucy...
Der Schnee fiel sanft auf ihren leblosen Körper und deckte sie mit einer weissen Decke zu...
Und die Leute die sie sahen hatten Mitleid mit dem armen Geschöpf...
Dabei war Lucy so glücklich, wie sie es noch nie gewesen war
Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Lulu Holiday - 12.04.2011, 18:13
Wow, wunderschön...
Nur eine Stelle habe ich nicht ganz verstanden:
Dort wo sie die Zundhölzer findet hast du geschrieben "das helle Haut". Wolltest du Holz schreiben? Das sollte nur ein Hinweis sein, keine Kritik.
Ich finde deinen Schreibstil toll, und ich glaube, dass ich die Geschichte kenne... :) Du schreibst wunderschön, es wirkt so richtig melancholisch... :)
Und ich verspreche dir, die nächste Rückmeldung mache ich in Turmform... :)
Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Luthien - 12.04.2011, 19:44
Danke! *-* (Auch für den Hinweis^^ Da hat mir mein PC wohl einen Streich gespielt...)
Die Geschichte ist ziemlich bekannt. Ich nehme schon an, dass du sie mal gehört hast.
:roll: Jaja...meine Melancholie! Das hat sich schon in der Psychologie-Lektion herausgestellt (das ich melancholisch veranlagt bin ;) )
Turmform *g* Findest du es denn schlimm?
Ich hab mich einfach dran gewöhnt, weil es (im Internet wohlgemerkt) einfacher zum lesen ist :)
Danke fürs Kommi!
Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Lulu Holiday - 12.04.2011, 19:55
Luthien hat folgendes geschrieben: Danke! *-* (Auch für den Hinweis^^ Da hat mir mein PC wohl einen Streich gespielt...)
Die Geschichte ist ziemlich bekannt. Ich nehme schon an, dass du sie mal gehört hast.
:roll: Jaja...meine Melancholie! Das hat sich schon in der Psychologie-Lektion herausgestellt (das ich melancholisch veranlagt bin ;) )
Turmform *g* Findest du es denn schlimm?
Ich hab mich einfach dran gewöhnt, weil es (im Internet wohlgemerkt) einfacher zum lesen ist :)
Danke fürs Kommi!
Bitte, bitte, mach ich gerne! :)
Ich glaube die Geschichte hat mal jemand im Gottesdienst erzählt.
Ist es denn nicht gut melancholisch zu sein? Dann muss ich mir nicht nur um dich, sondern auch noch um mich Sorgen machen! :) Ich seh nichts schlechtes dabei... :)
Nein, ich finds nicht schlimm. Ich finds schön, aber ich finds sehr speziell eine Geschichte so zu erzählen. Aber mir gefällts.
NEIN, jetzt hab ichs nicht in Turmform geschrieben! :( :D
Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Luthien - 12.04.2011, 20:01
Melancholist zu sein bringt auch viele Nachteile, glaub mir...*seufz*
Aber beim Schreiben hat es was Gutes, das stimmt^^ :D (Vor allem weil ich zu 90% Dramas schreibe *grins*)
Re: Lichter im Dunkeln (Kurzgeschichte)
Lulu Holiday - 14.04.2011, 22:26
Ich hab auch schon Nachteile bemerkt, irgendwie. Ich hab so meine melancholischen Phasen (grade in einer mittendrin...).
eim Schreiben ist das wirklich von Vorteil, und du bringst das so wunderbar rüber, echt. Ich finde du schreibst toll! :)
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