The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

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    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 13.01.2005, 11:44

    The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften
    Nennt mich verrückt, nennt mich gelangweilt, aber ich habe beschlossen, den Harry-Potter-Forumsteil einzuweihen. Zum Einstand eine Non-Slash, leicht überarbeitete Fassung. Sozusagen auch ein wenig als Archivierung gedacht *g* Nun, denn, here we go:

    Disclaimer: HP ist Eigentum von JKR, das Lied in Kapitel 5 gehört "L'arc-en-Ciel".

    ***************

    The Industrial Muffins - Kapitel 1: Eine Idee geht um

    ***************

    by Luthien

    ***************

    "Wie bitte? Sie wollen eine WAS gründen?"

    Vier entsetzte Augenpaare starrten Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts, an. Dieser lächelte jedoch nur vergnügt unter seinem Bart und sah die vier Hauslehrer der Reihe nach an, als er wiederholte: "Eine Schulband, meine liebe Minerva."

    Damit blieb sein Blick an der ältlichen Professorin und Hauslehrerin von Gryffindor hängen. Professor McGonagall versuchte sofort, ihrer überschäumenden Gefühle Herr zu werden, scheiterte jedoch kläglich. Von allen verrückten Ideen Dumbledores war diese wohl die verrückteste. Was um Himmels Willen hatte sich ihr Direktor nur dabei gedacht? Hatte er überhaupt nachgedacht?

    Offenbar teilte Minerva diese Frage. Kaum war sie ihr durchs Hirn geschossen, fragte Severus Snape auch schon: "Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Mit Verlaub, aber ich sehe den Grund für ein solches Tun nicht."

    Professor Sprout und Professor Flitwick nickten bestätigend, Minerva neigte nur leicht ihren Kopf. Albus' funkelnde Augen wanderten erneut über die vier Hauslehrer, ehe er dem Kopf des Slytherinhauses antwortete: "Ihr erinnert euch alle genauso gut wie ich an die Rede des Sprechenden Huts zu Beginn des letzten Jahres."

    Minerva öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Albus hob eine Hand. "Ich weiß, dass wir dachten, es hätte mit Dolores Umbridge zu tun, doch wie ihr euch alle ebenfalls erinnern dürftet, hat der Sprechende Hut dieses Jahr - und das ist noch keine vier Wochen her - etwas ähnliches gesagt. Wie damals bin ich auch diesmal wieder mit ihm einer Meinung. Es muss etwas geschehen, um die Spannungen zwischen den Häusern zu verringern." Sein Blick glitt vielsagend zwischen Severus und Minerva hin und her. Beide Lehrer schauten leicht irritiert zur Seite.

    Dumbledore lächelte erneut und fuhr fort: "Deswegen bin ich dafür, eine häuserübergreifende Schulband zu gründen. Irgendwo müssen wir schließlich beginnen." Er machte eine kurze Pause, ehe er scherzend endete: "Oder wollen Sie einen Schüleraustausch zwischen den einzelnen Häusern veranstalten? Ich bin sicher, dass sich Miss Parkinson oder Mister Malfoy großartig bei den Gryffindors amüsieren würden, von Mister Weasley in Slytherin ganz zu schweigen."

    Sofort erntete er entsetzte Blicke von Severus und Minerva. Offenbar gefiel ihnen diese Idee noch weniger als eine häuserübergreifende Schulband.

    Beide sahen sich einen Moment an und seufzten schließlich geschlagen. Albus nickte befriedigt und fuhr fort: "Ich schlage vor, Sie hängen heute Abend in Ihren Gemeinschafträumen eine Notiz auf. Ich bin gespannt, wer alles erscheinen wird." Damit erhob sich der Direktor Hogwarts und warf einen letzten Blick auf seine vier Hauslehrer. "Lassen wir die Kinder selbst entscheiden, mit wem sie die Band gründen wollen. Es wird der erste Schritt zur Vereinigung sein."

    Die vier Lehrer nickten nur und sahen ihrem Direktor leicht gequält hinterher. Als der alte Mann schließlich verschwunden war, ertönte ein kollektiver Seufzer, ehe sich die vier Lehrer gegenseitig Blicke zuwarfen. Es herrschte eine unangenehme Stille, die erst durch Professor Sprout durchbrochen wurde.

    "Ich kann mich um die Notizen kümmern. Ein paar erklärende Sätze, Treffpunkt und so weiter. Das heißt... wenn ich wüsste, wo der Treffpunkt ist."

    Die Lehrerin für Pflanzenkunde sah etwas hilflos aus. Doch ihre Kollegen hatten genauso wenig Ahnung, wie Dumbledore sich das alles vorstellte. So sich der alte Zauberer überhaupt irgend etwas vorgestellt hatte.

    Die vier Hauslehrer saßen noch etwa eine halbe Stunde zusammen und versuchten die Lage, in die sie ihr Direktor gebracht hatte, auseinander zu klamüsern. Schließlich erhoben sie sich, sichtlich erschöpft, und strebten der Tür entgegen. Kurz bevor sie alle auseinander gingen, murmelte Severus leise: "Man kann nur hoffen, dass morgen keiner erscheint. Das Letzte, was diese Schule braucht, ist eine untalentierte Schulband."

    Minerva sagte es zwar nicht laut, doch sie stimmte dem Hauslehrer Slytherins aus vollem Herzen zu.

    Doch nichtsdestotrotz erschien an diesem Abend in jedem Gemeinschaftsraum der vier Schulhäuser eine Notiz am schwarzen Brett. Jetzt half nur noch beten.

    ~~ooO@Ooo~~

    Harry kaute gedankenverloren an einem Apfel und starrte hinaus in die Dunkelheit. Die Stimmen im Gryffindorschen Gemeinschaftsraum verschmolzen zu einer beruhigenden Hintergrundmusik, während der Junge-der-lebte seine Gedanken wandern ließ.

    Seine Grübeleien wurden jedoch unterbrochen, als das angenehme Hintergrundgeräusch plötzlich verebbte und einer unheilschwangeren Stille wich. Irritiert blinzelte Harry und wandte seinen Blick vom Fenster ab. Als er eine Traube Gryffindors vor dem Schwarzen Brett stehen sah, runzelte er die Stirn, stand aus dem flauschigen Sessel auf und ging langsam zu den anderen hinüber, während er weiter an seinem Apfel kaute. Schließlich blieb er stehen und schaute ein paar Kindern aus dem 3. Jahr über die Schulter. Langsam entstand um ihn herum ein heftiges Tuschelkonzert, während Harry noch immer versuchte, die Ursache für diesen Aufstand zu entdecken. Plötzlich schnappte er ein paar Gesprächsfetzen auf.

    "... kann doch nicht ihr Ernst..."

    "... macht doch keiner freiwillig..."

    "... würde ich eher den Hauselfen beim Putzen helfen..."

    Okay, was auch immer da so plötzlich am Schwarzen Brett aufgetaucht war, es führte offenbar zu einigen Konflikten.

    "Darf ich mal bitte?" fragte Harry höflich und tippte einem Mädchen, welches gerade frisch nach Hogwarts gekommen war, auf die Schulter. Das Mädchen drehte sich um, errötete leicht, als sie Harry erkannte, und trat dann einen Schritt zur Seite. Harry bedankte sich mit einem kleinen Lächeln und sah dann ans Schwarze Brett.

    Sofort fiel ihm eine Notiz ins Auge. Wie hätte man die auch übersehen können? Leuchtend rot mit silbernem Rahmen und blauen und gelben Buchstaben, prangte sie in der Mitte des Brettes. Die Nachricht selbst ließ allerdings auch Harry überrascht die Luft einziehen:

    "Unser Direktor, der geschätzte Albus Dumbledore, ladet die Schüler aller Häuser dazu ein, sich zu einer musischen Gruppe zusammen zu finden. Jeder ist willkommen, die Organisation der gesamten Band liegt in Ihren Händen. Bei Interesse finden Sie sich morgen um 18 Uhr im Raum neben der Großen Halle ein. Instrumente werden Ihnen zur Verfügung gestellt. Bitte beachten Sie: ALLE Häuser sollen in der Band vertreten sein. Fröhliches Schaffen wünschen der Direktor und die Hauslehrer."

    Beinahe ließ Harry seinen Apfel fallen. Eine Band? Eine Schulband? Wie war Dumbledore denn auf die Schnapsidee verfallen? Und was sollte das bitte bedeuten: ALLE Häuser mussten in der Band vertreten sein? Glaubte der alte Zauberer allen Ernstes, dass sich jemand freiwillig mit den Slytherins traf, um zu musizieren?

    "Was soll denn der Unsinn?" fragte plötzlich eine vertraute Stimme hinter Harry. Grinsend drehte sich der schwarzhaarige Gryffindor um und meinte zu seinem rothaarigen Freund: "Das siehst du doch, Ron. Dumbledore will eine Schulband gründen."

    Der Rothaarige schnaubte und meinte nur: "Na klar, und die Chancen, dass er die zusammen kriegt, sind in etwa genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass Snape uns tatsächlich frohes Schaffen dabei wünscht!"

    Harry lachte leise. Ja, da lag Ron wohl gar nicht so falsch. Ehe Snape irgendwem frohes Schaffen wünschte, würde die Hölle einfrieren.

    "Ich finde die Idee gar nicht schlecht", ließ sich Hermione, die plötzlich neben Ron aufgetaucht war und die Notiz kurz überflogen hatte, vernehmen. Als sie nur einen ungläubigen Blick von Ron und einen fragenden von Harry erntete, seufzte sie und erklärte: "Habt ihr Zwei bei der Zeremonie vor vier Wochen geschlafen? Der Sprechende Hut hat uns alle noch einmal dazu aufgefordert, die Streitigkeiten zwischen den Häusern zu begraben, oder wir werden diesen Krieg nicht überstehen."

    "Und das sollen wir mit einer Schulband schaffen?" fragte Ron skeptisch. Als Hermione nur nickte, hob der Rotschopf skeptisch eine Augenbraue und meinte ironisch: "Und wie stellst du dir das vor? Sollen wir Du-weißt-schon-wen mit unserer musikalischen Performance an die Wand spielen und er gibt aus reiner Herzensgüte auf?"

    Hermione schnappte beleidigt nach Luft, doch Harry kam ihr kichernd zu Hilfe. "Kommt drauf an, Ron. Wenn wir grottenschlecht spielen, ist das gar nicht so weit hergeholt. Da wird er schnell um Gnade winseln."

    Lächelnd zwinkerte Harry seiner Freundin zu, die sein Lächeln dankbar erwiderte. Ron hatte die Ironie allerdings nicht verstanden. Die Stirn runzelnd fragte er irritiert: "Wieso sollte Du-weißt-schon-wer Angst vor ein paar Tönen haben?"

    "Oh Ron!" seufzte Hermione, "Du solltest in Muggelkunde besser aufpassen!" Damit wandte sie sich an Harry und fragte: "Wirst du hingehen?"

    Sofort verschwand das Grinsen aus Harrys Gesicht und machte einem nachdenklichen Ausdruck platz. Dann zuckte er mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Machst du's?"

    Hermione schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Zeit dafür. Du weißt schon, mein Notendurchschnitt..."

    Harry lächelte wissend. Mit einem kleinen Lächeln fügte das Mädchen hinzu: "Und außerdem bezweifle ich, dass in einer Band jemand Verwendung für eine Blockflöte hat."

    "Man kann nie wissen", erwiderte Harry lachend, ließ das Thema aber dann auf sich beruhen. Ron sah derweil nur ratlos zwischen seinen beiden Freunden hin und her.

    Als die Zwei das Thema schließlich nicht weiter verfolgten, seufzte Ron frustriert auf, raufte sich die Haare und rief: "Ihr denkt doch nicht ernsthaft darüber nach, da mitzumachen?"

    Hermione warf dem Rotschopf einen ernsten Blick zu. "Musik fördert die Aktivitäten des Gehirns, Ron Weasley. Könnte dir nicht schaden!"

    Damit wandte sie sich ab, ergriff Harrys Arm und zog den verdutzten Gryffindor zu den flauschigen Sesseln vor dem Kamin. Ron sah den Beiden nur überrascht hinterher. Es vergingen volle fünf Sekunden, ehe er irritiert rief: "Wie meinst du denn das, Herm?"

    "Oh Ron!", kam es diesmal von hinten, bevor Ginny ihm einen liebevollen Klaps auf den Hinterkopf verpasste und in Hermiones bester Lehrmeisterstimme meinte: "Du solltest in Muggelkunde besser aufpassen!" Damit ging sie an ihrem sprachlosen Bruder vorbei und gesellte sich zu Harry und Hermione, die vor Lachen bereits beinahe von ihren Sesseln gerutscht waren. Ron schüttelte vollkommen ratlos den Kopf.

    Und er grübelte noch den gesamten Abend darüber nach, was Hermione gemeint hatte.

    ~~ooO@Ooo~~

    Am nächsten Morgen in der Großen Halle war der Aushang vom vergangenen Abend das Gesprächsthema Nummer Eins. Überall hörte man die Leute darüber tuscheln. Wirklich heraushören, ob jemand daran teilnahm, konnte man jedoch nicht.

    Nachdenklich ging Harry mit Hermione und Ron im Schlepptau zum Klassenraum für Verwandlungen. Er war sich noch immer nicht sicher, ob er teilnehmen sollte oder nicht. Es kribbelte ihn in den Fingern, keine Frage, aber er wusste nicht, ob er wirklich auf längere Zeit mit einem Slytherin in einer Band spielen konnte.

    Harry seufzte innerlich. Wie lange war es her, dass er eine Gitarre in der Hand gehalten hatte? Zu lange, befand er. Dabei hatte er erst nach dem Tod von Sirius damit angefangen. Überraschenderweise besaß er aber ein erstaunliches Talent dafür. Normalerweise brauchte man Jahre, um ein Instrument sauber und perfekt zu beherrschen. Harry hatte es innerhalb der Sommerferien geschafft - und er fühlte sich zum ersten Mal in seinem Leben im Einklang mit sich selbst.

    Er hatte außerdem angefangen, einige Stücke zu komponieren. Nichts großartiges, aber für jemanden, der vor noch nicht einmal einem halben Jahr keine Ahnung hatte, was A-Moll war, auch nicht schlecht.

    Inzwischen waren sie im Klassenzimmer angekommen. Auch hier war die Bandgründung das große Thema. Langsam ließ sich Harry in seinen Sitz neben Ron gleiten und starrte nachdenklich auf die Tischplatte. Seine Grübeleien wurden erst durch Professor McGonagall unterbrochen, die mit einem mehr als säuerlichen Gesichtsausdruck den Raum betrat und sofort sagte: "Verschonen Sie mich bitte mit Fragen bezüglich dieser Schulbandgeschichte. Ich weiß nicht, was Professor Dumbledore sich dabei gedacht hat, aber es steht weder mir noch Ihnen zu, seine Entscheidungen in Frage zu stellen. Außerdem ist mir meine Unterrichtszeit dafür zu kostbar."

    Und damit begann sie ihren Unterricht. Harry grinste. Er war sich ziemlich sicher, dass Dumbledore irgendeine unterschwellige Drohung ausgesprochen hatte, um seine Hauslehrer gefügig zu machen. Andernfalls hätten sie dieser ganzen Sache nie zugestimmt, wie man an Professor McGonagalls Verhalten deutlich erkennen konnte.

    Im gleichen Moment wurde ihm bewusst, dass er sich entschieden hatte. Er würde heute Abend bei dem Treffen erscheinen. Es zwang ihn ja niemand, wiederzukommen. Aber hereinschauen und Hallo sagen konnte ja nicht schaden.

    Plötzlich stöhnte Harry auf, als ihm noch etwas bewusst wurde: wenn Professor McGonagall schon so säuerlich reagierte, wie würde sich da erst Snape benehmen?

    Ob Harry bis zum Abend überhaupt überleben würde, um an diesem Treffen teilnehmen zu können? Seine nächste Stunde war nämlich Zaubertränke.

    Nun ja, da half wohl nur hoffen und beten.

    Ende Kapitel 1



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 13.01.2005, 11:46


    Und wenn wir einmal dabei sind, poste ich gleich alle Kapitel.

    ***************

    The Industrial Muffins - Kapitel 2: Die Band kommt zusammen

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    by Luthien

    ***************

    Punkt sechs an diesem Abend öffnete Harry vorsichtig die Tür zum Raum neben der Großen Halle und spähte hinein. Zunächst sah er nichts, doch dann erspähte er einen blonden Haarschopf.

    "Hallo Hannah", grüßte er das gleichaltrige Mädchen aus Hufflepuff. Hannah Abbott sah überrascht auf, nickte Harry dann jedoch lächelnd zu. Harry schloss die Tür hinter sich und ging langsam auf sie zu, während er sich neugierig im Raum umsah.

    Er sah eigentlich nicht wie ein Musikzimmer aus. Ein Tisch stand in der Mitte, um ihn herum zwölf Stühle - sonst nichts. Hannah hockte auf der Tischkante, ließ die Beine baumeln und blätterte durch etwas, was wie ein Orchestersatz aussah. Neugierig trat Harry neben sie und spähte ihr über die Schulter.

    "Spielst du ein Instrument?" fragte er neugierig, als er erkannte, dass es sich tatsächlich um eine Notensammlung handelte.

    Hannah schüttelte den Kopf. "Nein, eigentlich nicht. Ich frage mich nur die ganze Zeit, was das hier ist." Damit wedelte sie mit den Notenblättern vor Harrys Nase herum. Der schwarzhaarige Gryffindor nahm sie ihr ab, überflog sie kurz und meinte dann leichthin: "Das sind Noten. Es sind die Buchstaben eines Musikers. Mit ihnen kreiert er ein Gedicht aus Tönen."

    Hannah blinzelte einen Moment, dann errötete sie leicht und murmelte: "Wow, ich hätte nie gedacht, dass du so poetisch sein kannst."

    Jetzt fühlte auch Harry die Röte in seine Wangen steigen. Hastig legte er die Noten auf den Tisch, schob seine Hände in die Hosentaschen und begann nervös von einem Fuß auf den anderen zu treten. Es herrschte eine unangenehme Stille, die erst durch das erneute Öffnen der Tür unterbrochen wurde.

    "... ich denke nicht, dass schon jemand da sein..." ertönte die Stimme von Parvati Patil, die sich sofort selbst unterbrach und erstaunt auf Harry und Hannah blickte. Dicht hinter ihrer Schwester folgte Padma. Die beiden Patil-Zwillinge blinzelten zweimal, ehe sie leicht lächelten und Padma schließlich meinte: "Da haben wir ja schon fast alle Häuser zusammen! Obwohl ich bezweifle, dass noch ein Slytherin auftaucht."

    Hannah kicherte, Harry begnügte sich mit einem Lächeln. Plötzlich kam Parvati auf ihn zu und meinte mit einem gespielt beleidigten Unterton: "Du hättest mir ruhig sagen können, dass du hier mit machst. Ich wette, dass Lavendar sich dann auch bereit erklärt hätte. Wir hätten Duette singen können..."

    "Bloß nicht!" erscholl es von der Tür her. Überrascht drehten sich die Anwesenden um und zogen gleichzeitig die Luft ein. Vor ihnen stand kein geringerer als Blaise Zabini aus dem Slytherinhaus.

    "Ich schätze, damit haben wir die Bedingung von Dumbledore erfüllt", murmelte Harry unbehaglich, während er die Versammlung betrachtete.

    Alle Anwesenden - von ihm einmal abgesehen - waren aus Zaubererfamilien und hatten vermutlich keine Ahnung von Instrumenten. Parvatis Aussage hatte er entnommen, dass diese singen konnte. Nun ja, das war ja immerhin ein Anfang. Nur wie wollten sie den Rest auf die Beine stellen?

    Harry räusperte sich umständlich, wies dann mit einer Hand zu dem Tisch und meinte neutral: "Wollen wir uns nicht setzen? Ich denke, wir sollten über ein paar Grundregeln sprechen."

    Zu Harrys Überraschung setzten sich die Anwesenden friedlich um den runden Tisch, beäugten sich aber gegenseitig. Oder um der Wahrheit die Ehre zu gereichen: alle beäugten Blaise und der Slytherin den Rest der Gruppe. Er fühlte sich als einziges Mitglied seines Hauses sicherlich nicht sehr wohl hier. Was hatte den Slytherin überhaupt dazu getrieben, sich auf dieses Bandprojekt einzulassen?

    Harry räusperte sich noch einmal, setzte ein betont freundliches Lächeln auf und fragte in die Runde: "Also... kann von euch irgendwer ein Instrument spielen?"

    Harry hätte beinahe laut aufgestöhnt, als er nur ratlose Blicke erntete. Er startete einen neuen Versuch: "Wisst ihr dann wenigstens, welche Instrumente alles in einer Band gespielt werden?"

    Erneut wurde er lediglich ratlos angestarrt. Jetzt konnte Harry ein Seufzen doch nicht mehr unterdrücken. Na prima! Wie sollten sie denn bitte eine Band auf die Beine stellen, wenn die Beteiligten nicht einmal wussten, wie sie die Instrumente zu spielen hatten geschweige denn überhaupt wussten, was gebraucht wurde?

    Plötzlich warf Hannah mit leiser Stimme ein: "Ich würde vorschlagen, dass du uns zunächst erklärst, was du weißt, Harry. Danach könnten wir vielleicht entscheiden..."

    Die blonde Hufflepuff brach ab, als Blaise schnaubte. "Ja, lassen wir Sankt Potter doch entscheiden, wie die Schulband aussehen soll, er entscheidet ja sonst auch alles!"

    Harry starrte verlegen auf seine Hände. Diese Einstellung war nicht gerade hilfreich, wenn diese Band zum Zusammenhalt der Häuser beitragen sollte.

    "Ich will gar nicht die Entscheidung übernehmen", begann Harry vorsichtig, "Ich kann euch erklären, welche Instrumente in einer Muggelband gespielt werden. Von den Instrumenten in der Zaubererwelt habe ich nicht wirklich Ahnung."

    Er warf einen kurzen Blick in die Runde. Als er ausnahmslos erwartungsvolle Blicke erntete - selbst Blaise schien sich zurück zu nehmen - fuhr er fort: "Es kommt natürlich darauf an, was für eine Art Band wir sein wollen. Soll es eine reine Popband werden? Dann brauchen wir lediglich Sänger und eventuell ein Keyboard oder Piano."

    Er hatte kaum ausgesprochen, als plötzlich mit einem leisen Plopp ein Keyboard erschien. Erschrocken und überrascht fuhren sie herum und starrten das erschienene Instrument an. Harry runzelte die Stirn, stand auf und ging zu dem Instrument hinüber, strich einen Moment versonnen über die Tasten. Dann kam ihm die Erkenntnis.

    "Ich verstehe", murmelte er, während er den Raum nun mit neuen Augen betrachtete. Offenbar funktionierte dieses Zimmer ähnlich wie der Room of Requirements. Nur, dass man sich hier nicht vorher überlegen musste, was benötigt wurde. Hier genügte lediglich das Aussprechen des Benötigten und es erschien.

    Die restlichen Anwesenden starrten den schwarzhaarigen Gryffindor einen Moment irritiert an, ehe sich Padma räusperte und verlegen meinte: "Du sagtest, wenn wir eine Popband gründen wollen, bräuchten wir dieses Keypad..."

    "Keyboard", verbesserte Harry automatisch und setzte sich wieder zu den Anderen an den Tisch. Er atmete einmal tief durch und nahm den Faden wieder auf.

    "Dann gäbe es noch die Möglichkeit, eine Rockband zu gründen. Hierbei stehen die Instrumente im Vordergrund, wobei eine gute Leadstimme auch keine kleine Rolle spielt. Wenn wir also eine Rockband gründen wollen, dann benötigen wir eine Lead- und eine Rhythmusgitarre, ein Schlagzeug und einen Bass."

    Fast sofort erschienen die genannten Instrumente. Diesmal hielt es keinen auf seinem Platz. Fasziniert ging Hannah hinüber und strich versonnen über etwas, an dem an einem runden Gehäuse eine lange Stange mit vier Drähten befestigt war. Harry beobachtete sie lächelnd. "Das ist der Bass."

    "Wie spielt man das?", wollte die Blondine wissen. Harry ging zu ihr hinüber, half ihr, das Instrument zu schultern und legte ihre Hände in Position. "Den Bass spielt man ähnlich wie eine Gitarre. Er hat natürlich nicht so viele Saiten wie eine Gitarre und kann nur die tiefen - also die begleitenden, Rhythmus gebenden - Töne spielen. Aber wenn man dieses Instrument einmal beherrscht - gut beherrscht - dann ist man eine enorme Stütze für die gesamte Band."

    Die Patil-Zwillinge sahen sich die Instrumente der Reihe nach an, ehe sie sich gegenseitig anblickten und dann einstimmig sagten: "Wir möchten lieber nur singen."

    Harry, der ganz in den Erklärungen, wie man den Bass spielt, aufgegangen war, sah überrascht zu den Zwillingen hinüber und nickte dann. "Das ist in Ordnung, denke ich. Wir sollten niemanden zwingen etwas zu spielen, was er nicht möchte."

    Die Zwillinge lächelten sich an, verzogen sich in eine Ecke und begannen wie wild zu tuscheln. Vermutlich versuchten sie sich gerade zu einigen, ob sie im Duett oder lieber jede für sich singen sollten.

    Doch im nächsten Moment erstarrten alle, als plötzlich das Crashbecken des Schlagzeugs geschlagen wurde. Dann folgte ein einfacher Vier-Viertel-Takt auf der Snare-Drum, dem High-Hat und der Basstrommel, bevor schließlich ein Finale über die einzelnen Toms gespielt wurde, welches wieder auf dem Crashbecken endete.(*)

    Vollkommen überrascht starrten die Anwesenden Blaise Zabini an, der gekonnt die Schlagzeugstöcke um seine Finger wirbeln ließ und sie angrinste. "Ich glaube, ich habe mein Instrument gefunden."

    Harry schluckte einmal, dann fragte er heiser: "Hast du schon mal Schlagzeug gespielt?"

    "Nein, war das erste Mal!", gab der Slytherin schulterzuckend zu. Harrys Augenbrauen schossen in die Höhe, ehe ein Grinsen sein Gesicht eroberte. "Dann haben wir ja ein echtes Naturtalent entdeckt!"

    "Sieht ganz so aus, Potter", grinste Blaise zurück, ehe er erneut einen einfachen Drum auf dem Schlagzeug spielte.

    Als sich die Gruppe eine Stunde später trennte, hatten sie eine Art Probenplan ausgearbeitet. Bisher waren alle mit den Entwicklungen zufrieden. Keiner hatte beanstandet, dass sie mit Muggelinstrumenten spielten - vor allem Blaise nicht, von dem Harry das eigentlich erwartet hatte.

    Jetzt galt es nur noch, ihre Instrumente beherrschen zu lernen und miteinander spielen zu können.

    Und das würde definitiv noch ein hartes Stück Arbeit werden.

    ~~ooO@Ooo~~

    Mit einem müden, aber durchaus zufriedenen Gesichtsausdruck betrat Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Dieser war zu seiner Überraschung vollkommen ausgestorben.

    Nun ja, fast ausgestorben. Gerade als Harry sich auf die Sessel am Kamin zu bewegte, erschien ein Rotschopf über der Lehne und blaue Augen blickten ihn verschlafen an. Harry lächelte leicht.

    "Was machst du denn noch hier unten, Ginny?"

    Die Jüngste der Weasleys gähnte hinter vorgehaltener Hand und blinzelte kurz, ehe sie murmelte: "Auf dich gewartet."

    Harry runzelte die Stirn, ließ sich in den zweiten Sessel fallen und kaute an seiner Unterlippe. "Warum?"

    Ginny zuckte unbestimmt mit den Schultern, ehe sie leise zugab: "Ich wollte wissen, wie das Treffen war."

    Auf Harrys Gesicht erschien wieder ein kurzes Lächeln. "Du hättest doch mitkommen können. Parvati war auch da. Mit ihrer Schwester. Es war... besser als erwartet."

    "Wer ist alles gekommen?", wollte Ginny, nun eindeutig wacher, als nächstes wissen.

    Harry starrte in die Flammen. "Nun, die Patil-Zwillinge, dann Hannah Abbott aus Hufflepuff und Blaise Zabini von den Slytherins."

    Ginny machte große Augen. "Ein Slytherin ist freiwillig zu diesem Treffen gekommen?"

    "Oh ja", lächelte Harry. "Und der Junge ist auch noch verdammt gut."

    Das Duo verfiel in nachdenkliches Schweigen, ehe Ginny leise drängte: "Erzähl mir mehr. Bitte."

    Harry warf ihr einen kurzen Seitenblick zu, kam ihrer Bitte aber nach. Mit leiser Stimme erzählte er ihr von dem Treffen: die Festlegung der Musikrichtung, die Auswahl der Instrumente, die Aufstellung eines Übungsplans für Hannah, die Probenplanung.

    Ginny hörte ihm fasziniert dabei zu. Als er endete, flüsterte sie wehmütig: "Es klingt so interessant. Ich wäre so gern dabei gewesen."

    Sofort wandte Harry ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu. "Warum bist du nicht mitgekommen? Wir haben noch genug Instrumente, die besetzt werden müssen."

    Sofort färbten sich Ginnys Wangen rot. "Ich kann doch gar nicht spielen", murmelte sie betreten. "Und außerdem... hab ich mich nicht getraut..."

    Ohne länger darüber nachzudenken, nahm Harry eine von Ginnys Händen in seine und meinte warmherzig: "Hannah kann auch kein Instrument spielen. Aber sie will es lernen. Sie hat mir bereits zugesichert, dass sie die nächsten Tage in der Bibliothek verbringen will. Warum kommst du morgen nicht einfach mit, siehst dich um und entscheidest dann, ob du mitmachen willst? Du bist jederzeit willkommen."

    Ginny sah etwas verlegen in die Flammen, doch im Grunde ihres Herzens wollte sie so gern bei dieser Band mitmachen. Einzig Rons seltsame Reaktion auf die Ankündigung hatte sie davon abgehalten, gleich heute dort zu erscheinen. Doch Harry klang so zuversichtlich, so erfreut. Und es war offenbar egal, dass sie keine Ahnung von Musik hatte.

    Plötzlich strafften sich ihre Schultern. Sie war nicht dumm, sie konnte lernen, ein Instrument zu spielen. Wenn Hannah Abbott sich ihr Wissen aus Büchern zusammenstellen konnte, dann konnte sie - Ginny Weasley - das schon lange! "Weißt du was, Harry?", sagte sie, nun wesentlich mutiger. "Ich komme morgen Abend mit! Und ich will lernen, wie man ein Instrument spielt!"

    Harrys Antwort bestand in einem warmen Lächeln, ehe er sich erhob und Ginny mit nach oben zog, um sie in Richtung Mädchenschlafsäle zu schubsen. "Fein. Aber jetzt gehörst du ins Bett! Gute Nacht!"

    "Schlaf gut, Harry!", rief der Rotschopf und verschwand die Treppen hinauf.

    Harry sah ihr noch einen Moment versonnen hinterher, ehe er sich in seinen eigenen Schlafsaal begab.

    ~~ooO@Ooo~~

    Am nächsten Abend erlebte Harry die nächste Überraschung. Als er den Raum neben der Großen Halle betrat, war Hannah bereits da und zupfte mit ihren Fingern, ein aufgeschlagenes Buch vor sich auf dem Tisch, an den Saiten des Basses herum. Doch die blonde Hufflepuff war nicht allein. Neben ihr saß, ebenfalls mit einem Saiteninstrument bewaffnet, Justin Finch-Fletchley und fuhr gedankenverloren mit den Fingern über die Saiten, entlockte dem Instrument eine leise, melancholische Melodie.

    Harry, der Ginny im Schlepptau hatte, lächelte bei diesem Anblick und schob den Rotschopf in den Raum.

    "Hallo!", grüßte er die beiden Anwesenden lächelnd. Hannah hob nur kurz den Blick und lächelte zurück, ehe sie sich wieder ihrem Instrument widmete. Justin stoppte sein Lied, legte das Instrument auf den Tisch und stand auf.

    "Hannah sagte, dass ihr noch ein paar Leute gebrauchen könnt", meinte er mit einer ruhigen Stimme. Harry nickte. "Ganz recht, und ich freu mich, dass du mitmachen willst!"

    Er gab Ginny einen kleinen Schubs und meinte dann: "Die gute Ginny hier - schüchtern wie sie ist - will uns auch beitreten." Ginnys entsetzten Blick ignorierte er und schob das Mädchen zu den Instrumenten hinüber. "Sieh dich um und schau, was dir gefallen könnte."

    Das rothaarige Mädchen kam der Aufforderung nur sehr scheu nach, betrachtete ängstlich die Geräte, die da in der Ecke standen. Wenn sie ehrlich war, dann sprach sie überhaupt nichts an.

    Plötzlich blieb ihr Blick an einem länglichen Kasten mit weißen und schwarzen Tasten hängen. Über den Tasten waren eine Unmenge Knöpfe und ein Display. Neugierig trat Ginny näher und besah sich dieses seltsame Gerät aus der Nähe. Interessiert las sie die einzelnen Beschriftungen und drückte schließlich auf einen Knopf, der mit "Power" markiert war. Sofort erwachte das Display zum Leben und das Mädchen zuckte erschrocken zurück. Doch da das Gerät offenbar nichts weiter tat, legte Ginny scheu einen Finger auf eine der weißen Tasten und drückte sie vorsichtig nieder.

    Es erklang ein heller, klarer Ton. Ginny lächelte. Gar nicht mal so übel.

    "Harry!", rief sie, bevor sie noch länger darüber nachdenken konnte. Der schwarzhaarige Gryffindor, der sich bis eben angeregt mit Justin unterhalten hatte, sah zu dem Mädchen hinüber und warf ihr einen fragenden Blick zu. Ginny strahlte. "Was ist das hier?", fragte sie und deutete auf das Keyboard.

    Harry entschuldigte sich bei dem Hufflepuff und kam zu Ginny hinüber. Er warf einen kurzen Blick auf das Display und meinte mit einem kleinen Lächeln: "Momentan ist es ein Piano. Aber wenn wir diese Nummer hier eingeben..." Schnell tippte Harry eine Nummer ein und drückte eine der weißen Tasten. Der Ton klang eindeutig nach einer Trompete. "... haben wir ein anderes Instrument."

    Ginny starrte das Gerät ehrfürchtig an. Harrys Grinsen wurde breiter. "Gefällt es dir?"

    Ginny nickte und ließ ihre Finger vorsichtig über die Tasten gleiten. Dann sah sie mit einem bittenden Ausdruck in Harrys Gesicht: "Darf ich es spielen?"

    "Klar!", war Harrys begeisterte Erwiderung. "Am Besten leihst du dir in der Bibliothek Bücher über das Klavier spielen aus. Das wären die Grundlagen. Der Rest ist dann ein Kinderspiel."

    Ginny nickte begeistert, wandte sich dann wieder dem Keyboard zu und vergaß Harry vollkommen.

    Der schwarzhaarige Gryffindor kehrte kopfschüttelnd zu Justin zurück, setzte sich neben den Hufflepuff und meinte dann: "Du spielst also schon seit drei Jahren?"

    "Ja", war die knappe Antwort. "Ich habe eine Weile in einer Band gespielt, aber das hat nicht so gut funktioniert. Na ja, dort war ich Rhythmusgitarre."

    "Na wenigstens sind wir jetzt schon zu zweit, was das Notenlesen angeht", grinste Harry. Justin erwiderte es scheu.

    "Dann können die Anderen es also nicht?"

    "Ich fürchte, nein", seufzte Harry. "Wobei Blaise ja nur den Takt halten können muss. Padma und Parvati singen, wenn sie die Melodie hören, werden sie das schon hinbekommen. Bei Hannah und Ginny könnte es etwas kompliziert werden..."

    Justin nickte, fuhr sich kurz durch sein lockiges, hellbraunes Haar und meinte dann nachdenklich: "Und was, wenn wir ihnen Nachhilfe geben? Zumindest Hannah und Ginny. Du übernimmst Ginny, ich werde mit Hannah proben."

    "Ich nehme an, Hermione könnte es ihnen zur Not auch erklären, falls sie es bei uns nicht begreifen", murmelte Harry einen Moment später.

    Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als die Tür aufging und die Patil-Zwillinge in Begleitung von Blaise den Raum betraten. Der dunkelhaarige Slytherin warf einen kurzen Blick zu Justin und Ginny, dann marschierte er zu seinem Schlagzeug und meinte grinsend: "Damit wären wir wohl voll besetzt, was?"

    Harry sah sich einen Moment verdutzt um - und dann erhellte ein Lächeln sein Gesicht. Blaise hatte recht.

    Sie waren komplett!

    ~~ooO@Ooo~~

    Zufrieden lächelnd trat Albus Dumbledore von der Tür zurück und sah sich nach seinen vier Hauslehrern um. Diese starrten ihn mit einer Mischung aus Verwirrung und Unglauben an. Offenbar hatten sie den Wunsch der Kinder unterschätzt. Es war tatsächlich eine Band zusammen gekommen. Oder zumindest die Anfänge einer Band.

    Albus nickte zufrieden und meinte plötzlich, während er sich die Hände rieb: "Also, wer von Ihnen möchte als erster die Proben unserer neuen Schulband beaufsichtigen?"

    Als Antwort erhielt er nur ein kollektives Stöhnen.

    ---

    (*) Erklärung der einzelnen Elemente eines Schlagzeugs:

    Snare-Drum: Trommel (aus dem Deutschen, in der Marschmusik verwendet), auf der Haupttakt gespielt wird
    Tom: Kleine Trommeln in verschiedenen Größen (Standard sind 3)
    High-Hat: Ein oberes und unteres Becken, welche durch ein Pedal zusammengedrückt werden und für die "Melodie" gebraucht werden, meist auf der rechten Seite
    Crashbecken: Großes Becken, meist auf der linken Seite (in der Grundausstattung gibt es eins, aber meist werden mehrere verwendet)
    Pauke/ Basstrommel: Große Trommel, wird über ein Pedal bedient, dient zur Taktangabe

    Für weiterführende Erklärungen und Bilder bitte http://de.wikipedia.org/wiki/Schlagzeug kontaktieren.



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 13.01.2005, 11:48


    Ohne große Vorreden...

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    The Industrial Muffins - Kapitel 3: Wir brauchen einen Namen!

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    by Luthien

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    Es war ihre vierte Probe, als Harry die Tür zu ihrem Probenraum öffnete und entsetzt stehen blieb. Am Tisch saß ein - ziemlich mürrisch dreinblickender - Severus Snape und korrigierte irgendwelche Schüleraufsätze. Ob er nun wegen der Aufsätze oder der Beaufsichtigung ihrer Proben solch ein säuerliches Gesicht zog war allerdings nicht abzuschätzen.

    Sehr vorsichtig betrat Harry den Raum und sah sich hoffnungsvoll um. Doch seine schlimmsten Befürchtungen wurden Gewissheit: er war der Erste - und Snape deshalb vollkommen ausgeliefert.

    "Treten Sie nun ein oder wollen Sie da den ganzen Abend wie ein verirrtes Muli herumstehen?", drang plötzlich die schnarrende Stimme des Zaubertränkelehrers an Harrys Ohren. Erschrocken zuckte er zusammen, warf Snape einen kurzen Blick zu und schloss schnell die Tür hinter sich. Zunächst blieb er unschlüssig stehen, doch dann straffte er die Schultern, durchquerte den Raum und ging zu seiner Gitarre hinüber. Ohne Snape noch eines weiteren Blickes zu würdigen, zupfte Harry an den Saiten seines Instrumentes und schrieb sich hin und wieder etwas auf ein Notenblatt. Hoffentlich verging dadurch die Zeit schneller und Snape würde vergessen, dass sein Lieblingshassobjekt im gleichen Zimmer war.

    Anfangs funktionierte diese Technik auch. Snape widmete sich seinen Korrekturen, während Harry an einem neuen Lied komponierte.

    Doch dieses stille Einverständnis wurde schlagartig zunichte gemacht, als die Tür erneut aufging und mit einem Schlag Ginny, Parvati, Padma und Hannah eintraten. Überrascht starrten die Mädchen auf den ihnen griesgrämig entgegen blickenden Snape, ehe sie eilig zu Harry in die Ecke eilten. Snape wandte sich wieder seiner Arbeit zu, warf jedoch ab und an grimmige Blicke in ihre Richtung.

    Hannah nahm sich ohne zu zögern ihren Bass und murmelte, während sie ihn schulterte: "Meine Güte, wenn der die ganze Zeit so guckt, dann traue ich mich gar nicht zu üben, weil ich Angst habe, dass er mir dafür Punkte abzieht."

    Alle sahen das sonst so ruhige Hufflepuffmädchen überrascht an, ehe sie alle in leises Kichern ausbrachen - was natürlich sofort wieder Snapes Aufmerksamkeit auf sie zog. Sofort verstummten sie. Ginny ging zum Keyboard hinüber, schaltete es an und stellte es auf "Sehr leise". Einen letzten vorsichtigen Blick zu Professor Snape werfend, begann sie schließlich mit ihren Übungen.

    Als zehn Minuten später auch Blaise und Justin anwesend waren, hatte sich die Stimmung im Raum erheblich verschlechtert. Niemand traute sich, etwas lauter zu werden, aus Angst, dass Snape sie ankeifen würde. Doch der Zaubertranklehrer hatte sich bisher darauf beschränkt, sie mit Blicken zu durchbohren - ein Wort hatte er bisher mit keinem gewechselt.

    Die kleine Gruppe saß mit missmutigen Blicken zusammen, diskutierte leise und warf immer wieder vorsichtige Blicke zu dem mürrischen Professor.

    "Also, selbst Professor McGonagall war unterhaltsamer, und DIE hat mich schon sehr stark abgelenkt!", flüsterte in diesem Moment Hannah und spielte nervös mit dem Saum ihrer Robe.

    Ginny nickte. "Ich weiß, was du meinst. Als ob es nicht so schon schwer genug ist, diese Instrumente spielen zu lernen. Jetzt hat uns Dumbledore auch noch unsere Hauslehrer auf den Hals gehetzt!"

    "Professor Flitwick war wenigstens noch unterhaltsam", murmelte Harry und erinnerte sich mit einem kleinen Lächeln daran, wie der Lehrer für Zaubersprüche enthusiastisch nach dem Mikrofon gegriffen und mit schiefer Stimme eine alte schottische Volksweise zum Besten gegeben hatte. Ja, Professor Flitwick besaß definitiv einen gewissen Unterhaltungswert!

    Selbst Professor Sprout war recht umgänglich gewesen. Mit wachsendem Interesse hatte sie Ginny dabei zugehört, wie diese über die Beeinflussung von Musik auf das Wachstum von Pflanzen sprach. Fasziniert war die Lehrerin für Pflanzenkunde darauf eingestiegen und war schließlich mit dem Vorsatz aus den Proben gegangen, dies einmal an ihrem geliebten Grünzeug auszuprobieren.

    Nur Professor McGonagall und Professor Snape störten ihre Proben empfindlich.

    Warum Professor Dumbledore überhaupt darauf bestand, dass ihre Proben beaufsichtigt wurden, war allen sieben ein Rätsel. Erst hieß es, dass sie ihre Band selbst gründen und gestalten durften, und dann wurden sie plötzlich überwacht. Wo blieb denn da die Logik?

    Offenbar gab es keine, denn die Hauslehrer waren offensichtlich selbst nicht sehr erbaut über diese zusätzliche Pflicht. Nur bei den Hauslehrern von Gryffindor und Slytherin konnte man das besonders deutlich spüren.

    Blaise spielte gedankenverloren mit seinen Drumstöcken und warf ab und zu einen Blick zu seinem Hauslehrer. Für ihn stellte es kein Problem dar, sich vor Professor Snape zu produzieren. Dass die anderen damit weit mehr Schwierigkeiten hatten, war ihm bewusst. Er seufzte kurz, stand dann auf und meinte: "Wir sollten trotzdem proben. Es bringt doch nichts, wenn wir jetzt die ganze Zeit sinnlos herumsitzen."

    "Du hast recht", ließ sich Padma vernehmen und stand auf. "Dann hätte er gewonnen!"

    Langsam erhoben sich auch die anderen. Ein Funken Wahrheit lag in den Worten der Ravenclaw. Wenn sie nur wegen Snape heute nichts taten, warf sie das um Wochen zurück. Und dann hätte der Lehrer für Zaubertränke gewonnen.

    Langsam begab sich die Gruppe zu ihren Instrumenten, dabei unauffällig von dem Tränkemeister beobachtet.

    Insgeheim fragte Snape sich, was er dem Universum getan hatte, um das hier zu verdienen. Die kleinen Kostproben, die er vorhin gehört hatte, reichten ihm schon. Jetzt sollte er diese musikalische Katastrophe auch noch geballt ertragen? Möge Merlin ihm Kraft verleihen!

    Die Gruppe ahnte nichts von den Gedanken ihres Professors. Während Ginny und Hannah ihre Noten zurecht rückten, stimmten Justin und Harry ihre Gitarren aufeinander ab, Blaise machte letzte Trockenübungen mit seinen Stöcken und die Patils hockten in einer Ecke und grübelten über ihrem Text.

    Sie hatten sich dafür entschieden, zunächst ein Lied einzuüben, welches ihnen allen geläufig war. Sowohl Harry als auch Justin waren der Meinung, dass sich Ginny und Hannah leichter taten die Noten zu lernen, wenn sie wussten, wie das Lied am Ende klingen musste. Wenn sie diese Hürde einmal genommen hatten, dann war es nur noch ein kleiner Schritt bis zu den Eigenkompositionen.

    Nach ein paar Minuten schließlich sah Harry fragend in die Runde. "Seid ihr soweit?"

    Als er ein kollektives Nicken erntete, zählte er langsam den Takt an. Blaise setzte mit einem Intro ein, dann kam der Rest hinzu.

    Nun ja, sie mochten niemanden vom Hocker reißen, doch dafür, dass Ginny und Hannah ihre Instrumente nur mangelhaft beherrschten, waren sie gar nicht mal so schlecht. Die Stimmen der Zwillinge waren zwar noch etwas dünn, aber auch daran konnte man arbeiten. Kurzum: mit ein wenig Übung würden sie vielleicht eine ganz passable Band abgeben.

    Professor Snape schien offenbar nicht dieser Meinung zu sein. Die letzten Töne des Liedes waren kaum verklungen, als sich der Lehrer für Zaubertränke erhob und affektiert in die Hände klatschte. Diese Geste sollte eindeutig signalisieren, dass er ihre musikalischen Versuche einfach nur schrecklich fand. Sofort verdüsterten sich die Gesichter der sieben Schüler, während Professor Snape sie geringschätzig betrachtete.

    "Das ist also das Resultat von Professor Dumbledores neuester Idee? Ich bin beeindruckt", meinte er trocken. "Ich muss schon sagen, Miss Abbott hat ein gewisses Talent, sich hervorzuheben." Auf seine subtile Art spielte Professor Snape darauf an, dass Hannah mehrmals zu früh eingesetzt hatte. Das blonde Mädchen senkte beschämt den Blick.

    Doch der Professor war noch nicht fertig damit, die Schulband nieder zu machen. In seinem garstigsten Tonfall fuhr er fort: "Und Miss Weasley scheint gern aus der Reihe zu tanzen."

    Ginny biss sich auf die Unterlippe und verkniff sich einen Kommentar, der den Lehrer wissen ließ, dass es für einen Anfänger vollkommen normal war, wenn er die Töne nicht immer traf.

    Mit einem fiesen Grinsen endete der Professor schließlich: "Und die Damen Patil sollten vielleicht eine Karriere als Fußhupen in Erwägung ziehen..."

    "Das reicht...", flüsterte Harry wütend, wurde aber überraschenderweise von Blaise unterbrochen.

    "Professor Snape?"

    Der Hauslehrer der Slytherins wandte sich fragend zu dem Schüler seines Hauses um. "Ja, Mister Zabini?"

    "Ich bin mir sicher, dass ich allen hier aus dem Herzen spreche, wenn ich Sie bitte, jetzt zu gehen und unseren Proben in Zukunft nicht mehr beizuwohnen."

    Eine unheimliche Stille folgte diesen Worten. Nervöse Blicke flogen zwischen Lehrer und Schüler hin und her. Doch Professor Snape schien nicht - wie erwartet - kurz vor einem Ausbruch zu stehen. Vielmehr schien er amüsiert.

    "Nun, Mister Zabini", begann er ruhig. "Es liegt mir natürlich nichts ferner, als die empfindlichen Gemüter Ihrer Mitstreiter zu verletzen, doch ich habe leider Anweisungen von Professor Dumbledore selbst, dass ich jede vierte Ihrer Proben zu beaufsichtigen habe."

    "Ich bin mir sicher, dass wir das regeln können", meinte Blaise zuversichtlich und warf Harry einen kurzen Blick zu. Der schwarzhaarige Gryffindor nickte leicht, signalisierte dem Slytherin damit, dass er mit dem Direktor darüber reden würde. Blaise fuhr fort: "Da es unseren Proben nicht gut tut, wenn Sie hier sind, Professor, und wir es uns nicht leisten können, in unserem Plan zurückgeworfen zu werden, würde ich Sie bitten, jetzt zu gehen."

    Nun schien Professor Snape doch leicht säuerlich. Sein Blick flog über die sieben Schüler, ehe er an Harry hängen blieb und diesen damit beinahe erdolchte. Schließlich hob er seinen Kopf, packte seine Sachen zusammen und ging in Richtung Ausgang. "Wie Sie meinen." Als er die Tür öffnete, drehte er sich noch einmal um.

    "Hat Ihre beklagenswerte Gruppe auch einen Namen?", war die spöttische Frage, während der Professor schon halb zur Tür hinaus war. Ihnen einen letzten geringschätzigen Blick zuwerfend, setzte er hinzu: "Damit ich weiß, welche Platten ich nicht kaufen werde."

    Damit wandte er sich mit wehenden Roben ab und verließ den Probenraum.

    Die Schüler sahen ihrem Lehrer erleichtert nach, ehe Justin dem dunkelhaarigen Slytherin ein breites Grinsen zuwarf: "Wenn ich mir erlaubt hätte, so mit ihm zu reden, dann hätte ich vermutlich 100 Hauspunkte verloren."

    Blaise grinste nur. "Man muss nur wissen, wie man mit ihm umgehen muss."

    Ginny schnaubte. "Klar, und nicht zu vergessen, dass man auch noch im richtigen Haus sein muss."

    Das löste allgemeines Gelächter aus. Harry lächelte nur leicht. Eine Sache, die Professor Snape gesagt hatte, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

    "So ungern ich auch mit Professor Snape überein stimme, aber...", begann Harry zögerlich, ehe er einen vielsagenden Blick in die Runde warf. "... er hat Recht. Wir brauchen einen Namen."

    ~~ooO@Ooo~~

    "Ah, Severus. Setz dich doch bitte."

    Professor Snape tat, wie ihm geheißen und ließ sich in einen der Sessel vor Dumbledores Schreibtisch nieder. Der alte Mann lächelte ihm zu und bot ihm die obligatorischen Zitronenbonbons an. Severus lehnte sie wie immer ab.

    "Weswegen wollen Sie mich sprechen, Professor?", kam Severus sofort auf den Grund seiner Anwesenheit zu sprechen.

    Dumbledore lehnte sich in seinem Sessel zurück und betrachtete den Mann vor sich schweigend, während er sich durch den Bart strich. Schließlich rückte er mit der Sprache heraus: "Die Kinder sind auf mich zu gekommen und baten mich darum, die Beaufsichtigungen der Proben zu unterlassen."

    Auf Severus' Gesicht breitete sich unwillkürlich ein bedrohlicher Ausdruck aus. "Ich verstehe. Sie wollen nicht, dass ich sie beaufsichtige."

    "Nun, eigentlich", begann Dumbledore und lehnte sich zu seinem Zaubertranklehrer vor, "wollen sie gar keinen Lehrer dabei haben. Sie meinten zwar, dass Professor Flitwick eine gewisse Begabung für das Singen mitbrächte, doch sie fühlen sich wohl in ihrer Kreativität eingeschränkt, wenn immer eine Aufsicht dabei ist."

    Severus nickte und wunderte sich im Stillen, warum die Schüler kein Wort über seine garstigen Kommentare fallen gelassen hatten.

    Als ob Dumbledore seine Gedanken gelesen hätte, meinte er plötzlich lächelnd: "Alles verläuft genau nach Plan, Severus."

    "Wie meinen?", fragte Professor Snape irritiert.

    Der Direktor lächelte nur noch breiter. "Die Kinder, Severus. Sie raufen sich zusammen, sie entwickeln ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es läuft alles nach Plan!"

    Severus nickte nur. Der Direktor hatte recht. Die Kinder schienen tatsächlich so eine Art Übereinkunft gefunden zu haben.

    Severus war sich nur nicht sicher, ob er sich darüber freuen oder deswegen beunruhigt sein sollte.

    ~~ooO@Ooo~~

    Eine Woche später waren die sieben Schüler mit ihrer Suche nach einem Namen immer noch nicht weiter gekommen. Das lag nicht unbedingt an mangelnder Kreativität sondern eher daran, dass sie sich nicht einigen konnten. Entweder war der Name zu trivial - wie beispielsweise Parvatis Vorschlag, sich "Sieben" zu nennen - oder vollkommen abgehoben - wie Blaises Vorschlag, sie sollten sich doch, in Anlehnung an ihr Schulwappen, einfach "Tierwahn" nennen. Am Ende lief es auf eines hinaus: sie blieben namenlos.

    Zumindest was die Beaufsichtigung ihrer Proben anging hatten sie einen Erfolg erzielt. Dumbledore gestattete ihnen, ab sofort allein zu proben - was allgemeine Erleichterung hervorgerufen hatte.

    Seufzend ließ sich Harry in einem der flauschigen Sessel nieder, die vor dem Kamin im Gryffindorschen Gemeinschaftsraum standen, und starrte geistesabwesend in die Flammen. In zwanzig Minuten hatten sie wieder eine Probe, und noch immer war ihnen nichts Passendes als Name eingefallen. Warum nur fiel ihnen so überhaupt nichts ein? Irgend etwas, was sich ins Gedächtnis einprägte. So schwer konnte das doch nicht sein!

    Neben ihm begann Hermione plötzlich, sich über chemische Zusatzstoffe in Muggelspeisen auszulassen. Verwirrt hob Harry den Kopf und lauschte ihren wütenden Ausführungen.

    "... und die Menschen wissen nicht einmal, was sie da alles in sich hinein futtern. All diese Zusatzstoffe. Zum Beispiel sorgt Glutamat dafür, dass man nicht mehr aufhören kann etwas zu essen, bis es alle ist. In Chips ist so etwas beispielsweise enthalten. Oder auch in fertig zu kaufenden Muffins. Dabei schmecken diese industrieverseuchten Dinger nicht mal..."

    Ein Gedanke schoss Harry so plötzlich durch den Kopf, dass er später nicht mehr sagen konnte, wie er überhaupt darauf gekommen war. Er wusste nur, dass er im nächsten Moment aufsprang und Hermione dadurch in ihren Belehrungen, die Ron über sich ergehen lassen musste, unterbrach. Fragend sah sie ihn an.

    "Ist alles in Ordnung, Harry?"

    Der schwarzhaarige Gryffindor lächelte so plötzlich, dass Hermione überrascht blinzelte. Ihre Überraschung steigerte sich noch, als Harry sie vollkommen unerwartet umarmte und begeistert rief: "Du bist einfach die Größte, 'Mione!"

    Dann ließ er sie so plötzlich, wie er sie umarmt hatte, wieder los und stürmte ohne weitere Erklärungen aus dem Gemeinschaftsraum.

    Hermione und Ron sahen ihrem Freund vollkommen perplex hinterher, dann wandte Ron sich fragend an seine Freundin: "Was hast du denn so Weltbewegendes gesagt?"

    "Wenn ich das nur wüsste", murmelte Hermione leise und starrte verwundert auf ihre Hausaufgaben für Muggelkunde hinab.

    ~~ooO@Ooo~~

    Als Harry eine Viertelstunde später in den Probenraum stürmte, waren bereits alle versammelt. Ohne ein erklärendes Wort schlug er mit den flachen Händen auf den Tisch, brachte damit alle Gespräche zum Verstummen. Dann sagte er ohne erklärende Worte: "The Industrial Muffins."

    Sechs Augenpaare sahen ihn perplex an, ehe sie begriffen, was er meinte. Blaise war der Erste, der sprach. "Das ist..."

    "... vollkommen dämlich", fuhr Justin mit seltsamer Stimme fort.

    "Und doch...", setzte Hannah leise an.

    "... irgendwie...", murmelte Padma.

    "... einprägsam", endete Parvati lächelnd.

    "Die Idee ist gar nicht mal schlecht", schloss Ginny nachdenklich.

    Harry grinste. Blaise erwiderte es langsam, ehe er fragte: "Wie kommt man auf einen so bescheuerten Namen?"

    Harrys Grinsen wurde breiter. "Ihr dürft euch bei Hermione bedanken. Sie ist dafür verantwortlich."

    "Sie hat dir vorgeschlagen, wir sollen uns 'The Industrial Muffins' nennen?", rief Ginny ungläubig.

    Harry schüttelte den Kopf. "Nein. Aber sagen wir einfach, ihre ausschweifenden Erklärungen waren mal ausnahmsweise für etwas nütze."

    Die Gruppe starrte ihn überrascht an, ehe sie kollektiv in Gelächter ausbrachen.

    "Na wenn das so ist", japste Blaise, "dann widmen wir ihr unseren ersten Song!"

    Harry lächelte leicht bei dieser Aussage und setzte sich dann zu den anderen an den Tisch. Damit war es also offiziell. Ihre Band hatte einen Namen.

    The Industrial Muffins waren geboren.



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 13.01.2005, 11:52


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    The Industrial Muffins - Kapitel 4: Sänger gesucht

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    by Luthien

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    Vollkommen in Gedanken versunken summte Harry eine neue Melodie vor sich her, die er auf einem Blatt Papier notierte, während er die letzten warmen Sonnenstrahlen am See genoss.

    Irgendwann waren ihm die Töne ganz plötzlich in den Sinn gekommen. Er musste sich unbedingt mit Justin und Blaise zusammen setzen, damit sie daraus ein sinnvolles Arrangement machen konnten.

    Zufrieden lächelnd steckte Harry das Stück Papier schließlich ein und lehnte sich auf seinen Unterarmen zurück, hielt sein Gesicht der Sonne entgegen und schloss die Augen. In Gedanken weilte er bei ihrer Band.

    Die letzten zwei Wochen waren wirklich äußerst positiv verlaufen. Jetzt, wo sie sich nicht ständig beobachtet fühlten, lernten Hannah und Ginny erstaunlich schnell, ihre Instrumente zu beherrschen. Auch die Stimmen von Parvati und Padma waren wesentlich sicherer geworden. Klar, sie waren immer noch ein wenig leise, aber daran konnte man arbeiten. Das Wichtigste war, dass sie auf dem richtigen Weg waren.

    Blaise war einfach nur klasse. Der dunkelhaarige Slytherin mit den dunkelblauen Augen besaß einen seltsamen Sinn für Humor, den er aber seit Beginn des Projektes nur noch äußerst selten an den anderen Schülern ausließ. Nur im engeren Kreise der Band ließ er öfters einmal seinen Sarkasmus heraus, doch sie hatten sich langsam daran gewöhnt. Und außerdem war er ein begnadeter Schlagzeugspieler. Harry hatte noch niemals jemanden erlebt, der so rasant und mit solcher Hingabe über die einzelnen Toms trommeln konnte. Sein Tempo war nicht nur erstaunlich sondern auch mitreißend, man wollte beinahe aufstehen und anfangen zu rennen, so sehr ging einem der Rhythmus ins Blut über. Ja, mit Blaise hatten sie einen außerordentlichen Glücksgriff gemacht!

    Justin war auch nicht schlecht. Man merkte ihm an, dass er schon einige Jahre Erfahrung im Umgang mit seiner Gitarre und dem Zusammenspiel mehrerer Instrumente besaß. Er war ein ruhiger Mensch - sowohl in seinem Äußeren als auch in seinem Auftreten -, drängte sich niemals in den Vordergrund. Doch nichtsdestotrotz steckte ein ausgesprochener Sturkopf hinter diesen intelligenten braunen Augen und unter dem hellbraunen, lockigen Haar.

    Den eisernen Willen hatte Harry am eigenen Leibe erfahren müssen, als es darum ging, wer von ihnen die Leadgitarre spielen sollte. Harry wollte, dass Justin das übernahm - er war aufgrund seiner Erfahrung wesentlich geeigneter dafür. Doch Justin hatte vehement abgelehnt und gemeint, dass derjenige, der die Leadgitarre spielte, in der gesamten Gruppe den Ton angab und er, Justin, weder für diese Rolle geeignet noch auf sie scharf war. Außerdem sei Harry dafür, dass er jetzt hochgerechnet gerade mal ein Vierteljahr spielte, gar nicht so übel. Um genau zu sein, hätte er angeblich schon Justins eigenes Niveau erreicht, wodurch es ja wohl unsinnig wäre, auf die Erfahrung des Hufflepuffs zu bestehen.

    Schließlich hatte Harry eingewilligt - eigentlich war ihm gar keine andere Wahl geblieben. So spielte er nun also die Leadgitarre und hatte obendrein - ohne es zu wollen - auch noch die Leitung der Band übernommen.

    Offenbar war in seiner Abwesenheit so eine Art Abstimmung erfolgt, denn als er letzte Woche zur Probe erschienen war, wurde ihm feierlich mitgeteilt, dass er ab sofort der Sprecher ihrer Band war.

    "Da du das mit Dumbledore so souverän gehandhabt hast, haben wir einstimmig beschlossen, dass du unser Leader sein sollst", wurde Harry zu dessen vollkommener Verblüffung von Blaise - ausgerechnet demjenigen, der sich anfangs über Harrys Kontrollwahn aufgeregt hatte - mitgeteilt. Mit eher gemischten Gefühlen hatte Harry dieser neuesten Herausforderung entgegen gesehen. Doch bisher lief es ganz gut. Die Mitglieder der Band kamen auf ihn zu, wenn sie eine Frage oder irgendein Problem hatten, und Harry versuchte, den an ihn gestellten Forderungen so gut es ihm möglich war gerecht zu werden.

    Blinzelnd kehrte Harry in die Gegenwart zurück und starrte einen Moment verträumt in den Himmel. Heute Abend hatten sie wieder Probe. Mal sehen, welche Katastrophen diesmal auf ihn zu kamen.

    Mit einem Seufzen stemmte Harry sich vom Boden hoch und schlenderte zum Schloss zurück.

    ~~ooO@Ooo~~

    "Padma! Parvati! Das kann doch nicht euer Ernst sein!"

    Der Verzweiflung nahe starrte Harry die Patil-Zwillinge an, die ihm gerade mitgeteilt hatten, dass sie nur im Hintergrund singen wollten.

    Damit war ihrer Band die Stimme geraubt!

    Padma spielte nervös mit ihren Fingern. "Sieh mal, Harry, wir finden einfach, dass wir nicht gut genug sind, um im Vordergrund zu singen. Unterstützend, ja. Aber nicht... nun ja... eben nicht die Hauptstimmen."

    Mit einem unartikulierten Schrei raufte sich Harry die Haare und begann eine nervöse Wanderung durch den Probenraum. Das durfte doch einfach nicht wahr sein! Warum taten sie ihm das an?

    Blaise saß hinter seinem Schlagzeug und sah dieser Szene interessiert zu. Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf, den er aber dann als zu verrückt wieder verwarf. Vermutlich würden ihn die Anderen allein bei der Erwähnung steinigen.

    Justin verfolgte mit eher beunruhigtem Blick das Geschehen. Wenn die beiden Mädchen jetzt plötzlich nicht mehr singen wollten, mussten sie ihr komplettes Konzept neu überdenken. Und wie sollten sie jetzt an einen neuen Sänger heran kommen? Sollten sie etwa ein Casting veranstalten?

    Offenbar war Harry ein ähnlicher Gedanke durch den Kopf geschossen. Abrupt blieb er stehen und wandte sich zu den beiden Jungen um. Diese sahen ihn neugierig an. Der schwarzhaarige Gryffindor seufzte und warf die Hände in die Luft. "Was machen wir denn jetzt? Wir können uns doch keinen Sänger herzaubern! Und wenn bis jetzt niemand aufgetaucht ist, wird auch keiner mehr auftauchen. Denn offenbar sind wir sieben die einzigen Menschen in dieser Schule, die an diesem Projekt teilnehmen wollten. Wo sollen wir also jetzt jemanden herbekommen, der singt? Wollt ihr es euch nicht noch mal anders überlegen?"

    Flehend sah er die Zwillinge an, die jedoch identisch den Kopf schüttelten. Parvati verzog das Gesicht. "Es tut uns leid, Harry. Wirklich. Aber glaub uns, auf längere Sicht ist es besser so!"

    "Das glaub ich jetzt weniger", murmelte Harry leise und setzte seine Wanderung fort. Blaise begann mit seinen Drumstöcken zu spielen, kämpfte mit sich, ob er etwas sagen sollte. Schließlich rang er sich dazu durch, wenigstens einen Vorschlag zu machen: "Warum versuchen wir nicht mal eine männliche Leadstimme? Das dürfte sowieso besser zu unserem Image passen."

    Harry blieb stehen und drehte sich zu dem Slytherin um. "Blaise, ehrlich gesagt ist mir im Moment egal, wer singt, wenn wir nur jemanden finden, der es machen will! Selbst Professor Flitwick wäre mir im Moment recht!" Harry erbleichte. "Oh nein, was ist, wenn es in dieser Schule niemanden gibt, der überhaupt singen kann?"

    Blaise öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn dann jedoch wieder. Noch immer hing die Gefahr der Steinigung in der Luft, mal ganz davon abgesehen, dass er von anderer Seite vermutlich bis ins nächste Jahrtausend gehext wurde, wenn er jetzt ein Wort sagte.

    Harry war inzwischen wieder in Bewegung und meinte gerade: "Na schön, wenn es euer Wunsch ist, im Hintergrund zu bleiben, kann ich nichts machen. Wir werden schon eine Lösung finden." Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich in einen der Stühle sinken, fuhr sich ein letztes Mal durch sein zerzaustes Haar und sagte schließlich: "Die Proben lassen wir jedenfalls nicht darunter leiden. Wir müssen eben ein wenig umdisponieren. Wir proben das Lied vom letzten Mal. Blaise, Justin, mit euch will ich nachher noch mal reden. Mir ist da eine Idee gekommen bezüglich eines Liedes." Die Angesprochenen nickten. "Na dann, fangen wir an. Um das Sängerproblem kümmere ich mich später."

    ~~ooO@Ooo~~

    Summend ging Harry die Gänge entlang. Diese Melodie ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit musste er sie summen. Damit trieb er nicht nur sich sondern auch andere langsam in den Wahnsinn. Doch es lenkte ihn wenigstens von der vertrackten Situation ab, in der er sich momentan befand.

    Zu seinem Sängerproblem war nämlich inzwischen noch ein Weiteres hinzu gekommen. Es stellte sich heraus, dass keiner von ihnen Begabung im Dichten besaß. Demzufolge war niemand da, der ihre Liedtexte schreiben konnte. War das Fehlen eines Sängers schon ziemlich hinderlich und nicht sehr erfreulich, so war das Fehlen von eigenen Liedtexten eine einzige Katastrophe!

    Seufzend blieb Harry mitten im Gang stehen und raufte sich wieder einmal die Haare. Wer hätte gedacht, dass es so schwer war, eine Band zu managen? Ständig schien irgendetwas vollkommen falsch zu laufen. Und wenn man dann endlich eine Lösung für das eine Problem gefunden hatte, tauchten prompt zehn neue auf. Das war doch einfach nur frustrierend!

    Langsam schlurfte Harry zu einem der Fenster, lehnte sich daneben an die Wand und sah geistesabwesend hinaus auf das herbstliche Hogwarts. Warum nur fanden sie niemanden, der für sie singen wollte? Warum taten sich die anderen Schüler überhaupt so schwer mit Dumbledores Idee?

    "Harry?"

    Der Angesprochene zuckte erschrocken zusammen und drehte sich abrupt um. Vor ihm stand Cho Chang und lächelte ihn ein wenig schüchtern an. Ihre dunklen Augen wirkten unsicher, während sie Harry vorsichtig musterte. Harry schluckte, wusste nicht genau, was er zu der Ravenclaw sagen sollte. Seit ihrer katastrophalen Kurzbeziehung letztes Jahr hatten sie kaum noch miteinander gesprochen. Harry hatte sogar den Eindruck gehabt, dass Cho ihn absichtlich mied. Aber da sie ihr Abschlussjahr gerade begonnen hatte, konnte es durchaus auch daran liegen.

    "Cho", grüßte er die Asiatin freundlich, warf ihr einen fragenden Blick zu. Cho räusperte sich verlegen und griff dann in die Tasche ihrer Robe.

    "Also, ich habe... nun ja, wie soll ich sagen..." Das Mädchen stoppte, sammelte sich kurz und sagte dann mit festerer Stimme: "Du bist die letzten Tage ständig mit dieser Melodie auf den Lippen herumgelaufen."

    Harry runzelte die Stirn und nickte. Wieso war das für Cho ein Anlass, ein Gespräch mit ihm anzufangen?

    Cho lächelte kurz, ihre Hand tauchte wieder aus ihrer Robe auf - in ihrer geschlossenen Faust ein Zettel. "Es ist nur, als ich diese Melodie hörte... es war, als würden mir die Worte zufliegen... was ich sagen will... hier." Damit hielt sie Harry den Zettel hin. Langsam nahm der Gryffindor ihn entgegen und sah Cho noch immer fragend an, ehe er seinen Blick auf das Papier senkte.

    Was er sah, ließ ihn überrascht die Augen aufreißen. Das war ja ein Liedtext! Und ein verdammt guter obendrein! Er hatte gar nicht gewusst, dass Cho dichten konnte!

    Das Mädchen interpretierte Harrys Schweigen allerdings falsch. "Wenn es dir nicht gefällt, dann... ich meine, ich wollte dich nur wissen lassen, dass mich deine Musik inspiriert hat..."

    "Machst du Witze, Cho?", rief Harry plötzlich und lächelte sie strahlend an. "Das ist toll! Machst du so was öfters?"

    Cho blinzelte perplex. "Dichten?"

    Harry nickte und senkte seinen Blick wieder auf den Text. Cho entspannte sich etwas. "Ja, ich dichte schon, seit ich denken kann. Ich hatte nach Cedrics Tod...", sie stockte kurz, ehe sie endete: "... ein zwischenzeitliches kreatives Tief. Doch als ich deine Musik hörte, da erwachte etwas in mir wieder zum Leben..."

    "Cho, ich...", begann Harry, stoppte dann jedoch. Wie sollte er jetzt anfangen? Das Mädchen sah ihn fragend an. Harry atmete einmal tief durch, ehe er schnell fragte: "Hättest du Interesse, für unsere Band ein paar Texte zu schreiben?"

    Cho brauchte nicht lange zu überlegen. "Nichts lieber als das."

    "Dann komm!", meinte Harry plötzlich, ergriff ihre Hand und schleifte sie mit sich die Gänge entlang. Er musste den anderen schließlich mitteilen, dass sich zumindest eines ihrer Probleme soeben erledigt hatte.
    ~~ooO@Ooo~~


    "... ich schwöre dir, wenn er mich noch einmal so dämlich von der Seite anmacht, bring ich ihn um!"

    Harry blendete Rons Wutausbruch aus und trottete neben ihm und Hermione den Gang entlang. Sie kamen gerade aus Zaubertränke - einer der schlimmsten Stunden, die Harry bisher erlebt hatte -, wo sie Partnerarbeit absolviert hatten. Ron war die Ehre zuteil geworden, mit Draco Malfoy zu arbeiten, was den heißblütigen Weasley natürlich auf die Palme gebracht hatte. Und die sarkastischen Kommentare des blonden Slytherin trugen nicht gerade dazu bei, die Spannung auf einem Minimum zu halten.

    Außerdem quälten ihn momentan wirklich andere Sorgen als Rons Feindschaft mit dem Malfoyerben. Da war noch immer dieses leidige Problem des Leadsängers.

    Sie hatten bisher niemanden finden können, also wechselten sich Justin und Harry mit dem Singen momentan ab. Dass das auf Dauer natürlich keine Lösung darstellte war Beiden klar, doch im Moment ging es eben nicht anders. Und da sich ja niemand für den Job interessierte, musste es eben so gehen. Wobei Justin es wieder einmal Harry überließ, den Großteil zu übernehmen, da er sich nach eigener Aussage wirklich nicht im Rampenlicht sehen wollte.

    Als ob Harry das wollte! Nichts wäre ihm lieber gewesen, als diese ihm zugeschobene Rolle abzutreten. Ein Leadsänger heizte die Menge an, agierte auf der Bühne, machte Stimmung - all jene Dinge, zu denen Harry überhaupt nicht fähig war. Klar, die Leute hörten ihm zu, wenn er etwas zu sagen hatte, aber ein Stimmungsmacher war er deswegen noch lange nicht.

    Nur, wo sollten sie jemanden herbekommen, der all diese Attribute mit brachte? Sollten sie etwa eine Anzeige im Tagespropheten starten? 'Nachwuchsband sucht talentierten Sänger mit Hang zur Selbstdarstellung'. Na das wäre doch der Text schlechthin!

    Harry seufzte und verdrängte diesen für ihn so untypischen Sarkasmus in die hinterste Ecke seines Hirns. Offenbar färbte Blaise langsam ab.

    Abrupt blieb Harry stehen. "Scheiße!"

    Sofort erntete er einen missbilligenden Blick von Hermione, während Ron sich in seiner Tirade unterbrach. "Was ist los, Kumpel?"

    Doch Harry hatte sich bereits umgedreht und lief den Gang hinunter. Über die Schulter ließ er seine Freunde noch schnell wissen: "Ich hab vergessen, dass ich mit Justin und Blaise verabredet bin!" Damit verschwand der schwarzhaarige Gryffindor um die Ecke, während ihm seine Freunde überrascht hinterher sahen.

    Schließlich seufzte Ron und schüttelte den Kopf. "Er nimmt diese Bandgeschichte wirklich ziemlich ernst."

    "Ja", meinte Hermione leise, während sich ein nachdenklicher Ausdruck auf ihrem Gesicht breit machte. Im Gegensatz zu Ron war ihr nämlich etwas Entscheidendes aufgefallen: seit dem Start des Projekts hatte Harry nicht ein einziges Mal den Tod von Sirius beklagt. Offenbar hatte er durch diese Band wieder einen Sinn in seinem Leben gefunden.

    Hermione lächelte. Sie war sich sicher, dass Dumbledore auch in dieser Entwicklung seine Finger im Spiel hatte.

    ~~ooO@Ooo~~

    "Es hat keinen Sinn. Wir brauchen einen Sänger."

    Diese frustrierte Aussage hing wie das berühmte Damoklesschwert über den Köpfen der drei Jungen, die im Probenraum der "Industrial Muffins" am Tisch zusammen saßen und soeben ihr erstes Lied fertig gestellt hatten.

    Blaise hatte sich schlussendlich nicht nur als verdammt guter Schlagzeuger sondern auch als begabter Arrangeur von Liedern erwiesen. Er mochte Noten nur mangelhaft lesen können, doch was den Rhythmus und das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente anging, war er fast noch besser als Justin mit seiner Erfahrung.

    Und jetzt hatten sie also endlich ihr erstes eigenes Lied fertig gestellt. Probeweise hatte Harry den von Cho geschriebenen Text mit der von ihm komponierten Melodie kombiniert. Das Arrangement war ja auch in Ordnung - aber leider nicht die Stimme.

    Blaise sah das offenbar anders. "Aber du bist doch ganz gut, Harry."

    Harry warf dem dunkelhaarigen Slytherin einen müden Blick zu, ehe er sich durch die Haare fuhr und zynisch meinte: "Lass uns mal realistisch bleiben, Blaise. Ich tauge höchstens als Zweitstimme, aber als Leadstimme kann man mich vergessen. Da rennen einem doch die Leute weg. Padma könnte es singen, wenn sie wollte. Oh, warum nur mussten die beiden plötzlich auf stur schalten?"

    Der Gryffindor unterbrach sich kurz, vergrub das Gesicht in seinen Händen, ehe er diese sinken ließ und fort fuhr: "Nun ja, wir müssen die Entscheidung der Beiden natürlich akzeptieren, aber dadurch ist unser Spektrum erheblich geschrumpft. Wir brauchen einen guten Leadsänger oder wir können einpacken!"

    "Und wen hast du so im Sinn?", fragte Justin mit einer Spur Verzweiflung in der Stimme.

    Harry seufzte. "Leider keinen." Er stand auf, raufte sich die Haare und drehte sich dann zu seinen beiden Bandkollegen um. "Ich habe absolut keine Ahnung, wer das sein könnte."

    ~~ooO@Ooo~~

    Interlude I

    Das Schicksal ist schon ein seltsames Phänomen. Von Wissenschaftlern angezweifelt, kann man doch nicht leugnen, dass manche Dinge so unerwartet und doch zur rechten Zeit passieren, dass man sie sich einfach nicht anders erklären kann. Als Harry seinen Hogwartsbrief bekam, war dies beispielsweise ein solcher Moment im Leben des Jungen. Und offenbar hatte Fortuna noch einige andere Überraschungen für ihn im Ärmel.

    In Harrys momentaner Misere passierte ihm nämlich zum zweiten Mal in seinem Leben etwas, was er sich nur mit dem Schicksal erklären konnte: er belauschte ein Gespräch zwischen seinem verhassten Zaubertrankprofessor und seinem Direktor - und es sollte sein Leben verändern.

    ~~ooO@Ooo~~

    "Professor Dumbledore, ich muss aufs Schärfste dagegen protestieren!"

    Überrascht blieb Harry wie angewurzelt stehen. Was hatte den Tränkemeister so sehr aus der Fassung gebracht?

    Harry sollte es im nächsten Moment herausfinden.

    "Severus, wenn wir den Kindern helfen können, sehe ich nicht ein, warum wir ihnen nicht sagen sollen, dass es in dieser Schule sehr wohl einen begnadeten Sänger gibt!"

    Harry schnappte überrascht nach Luft und schlug sich sofort die Hand vor den Mund.

    Aller Anstand war jetzt vergessen. Immerhin ging es um das Überleben der Band, zum Teufel mit dem Anstand! Einen kurzen Blick nach Links und Rechts werfend, schlich er sich schließlich an die geschlossene Holztür, die in einen Klassenraum führte, heran und lauschte unverfroren.

    Einen Moment herrschte Schweigen auf Dumbledores Aussage hin, dann sprach Professor Snape erneut, die unterdrückte Wut in seiner Stimme hörbar.

    "Professor, ich halte es für falsch! Diese Gruppe hat bereits einen meiner Hausangehörigen korrumpiert! Ich lasse nicht zu, dass sie das auch noch einem zweiten meiner Schüler antun. Nicht, wenn ich es verhindern kann!"

    Harry runzelte die Stirn. Dann war dieser begnadete Sänger also in Slytherin? Hm, seltsam. Warum hatte ihnen Blaise nie etwas davon erzählt?

    Dumbledores sanfte Stimme drang an Harrys Ohr. "Ich denke, dass Mr. Zabini nicht korrumpiert wurde. Er betrachtet die Dinge jetzt vielmehr von einer anderen Perspektive. Ich denke, dass ihm die Bandgründung sehr gut getan hat. Warum sollte das nicht auch Mr. ..."

    "Nein, Professor!", unterbrach Snape seinen Chef. "Das werde ich nicht zulassen! Mit Mr. Zabini als bekehrtem Gryffindor kann ich ja noch leben, aber ich lasse nicht zu, dass meinem besten Schüler dasselbe widerfährt!"

    In Harrys Gehirn begann es zu arbeiten. Bester Schüler? In Slytherin? Sofort runzelte Harry die Stirn. Moment mal, war das nicht...

    "Sollten wir das Mr. Malfoy nicht selbst entscheiden lassen, Severus?", meinte in diesem Moment Dumbledore sanft und bestätigte Harrys Befürchtung.

    Weiß wie die Wand trat Harry von der Holztür zurück. Nein, das durfte doch nicht wahr sein! Malfoy? Warum ausgerechnet er? Konnte es nicht... Crabbe oder Millicent Bulstrode sein? Nein, der offenbar einzige begabte Sänger dieser Schule war ausgerechnet ein gewisser blonder Slytherin mit einem Hang zu Sarkasmus, der Harry obendrein mit einer Inbrunst hasste, dass es dem Gryffindor manchmal eiskalt den Rücken hinunterlief.

    Harry seufzte. Andererseits musste er als Chef an das Wohl der Band denken. Es war seine Pflicht, Malfoy wenigstens zu fragen. Wenn der blonde Slytherin dann immer noch nein sagte - wobei Harry hoffte, dass es so glimpflich ablaufen würde - konnte Harry mit Fug und Recht behaupten, sein Bestes gegeben zu haben.

    Ehe er noch länger darüber nachdenken konnte, wandte Harry sich ab und lief den Gang hinunter. Er musste Malfoy finden.

    Der schwarzhaarige Gryffindor war kaum um eine Ecke verschwunden, als die Tür zum Klassenzimmer aufging und das lächelnde Gesicht Dumbledores neben dem eher besorgt wirkenden Gesicht Severus Snapes erschien. Der alte Mann kicherte leise, bevor er sagte: "Ich denke, damit haben wir unsere Pflicht erfüllt."

    "Sie haben doch gesagt, dass Sie sich nicht in die Angelegenheiten der Band einmischen wollten?", warf Severus mit einem verkniffenen Ausdruck ein.

    Dumbledore lächelte seinen Professor für Zaubertränke an und meinte nur: "Ich habe mich nicht eingemischt, Severus. Wir haben dem Jungen lediglich einen Hinweis gegeben. Es lag in seinem Ermessen, ob er die Information nutzt oder nicht - ob er alte Rivalitäten überwinden kann oder ihnen erlaubt, sich ihm in den Weg zu stellen." Der Direktor warf einen letzten Blick in die Richtung, in der Harry verschwunden war. "Und wenn ich es richtig sehe, hat sich Harry gerade der Bandführung als würdig erwiesen."

    Severus runzelte die Stirn und fragte sich gerade, ob Draco ihn umbringen würde, weil er dessen Geheimnis soeben wissentlich und willentlich preisgegeben hatte. Er konnte nur beten, dass der Junge das nie erfuhr!

    ~~ooO@Ooo~~

    Interlude II

    Das Schicksal ist schon ein seltsames Phänomen. Meist taucht es auf, wenn es am Meisten gebraucht wird, hilft uns aus verzwickten Situationen oder bietet uns Lösungen an.

    Doch wie oft steckt vielleicht hinter einem vermeintlichen Zufall - dem vermeintlichen Eingreifen des Schicksals - eine wohlmeinende Seele?

    ~~ooO@Ooo~~

    Wenn Harry neben seinen Pflichten als Bandchef, Goldjunge von Gryffindor und Retter der Zaubererwelt noch Zeit gehabt hätte, wäre er wohl ein richtig guter Detektiv geworden. Es dauerte nämlich nur exakt eine halbe Stunde, bis er wusste, wo er Draco Malfoy finden konnte. Einfach ein paar Gespräche belauschen und schon kam man an seine Informationen. Ganz einfach.

    Jetzt war Harry also in seiner Rolle als Bandleader auf dem Weg zu ihrem potentiellen neuen Leadsänger, der irgendwo am See sein sollte und nicht gestört werden wollte. Inzwischen fragte er sich, ob Malfoy wirklich so gut war oder ob die beiden Männer einfach zu sehr Laien waren, um einen Profi- von einem Hobbysänger unterscheiden zu können.

    Harry drängte diesen Gedanken resolut in die hinterste Ecke seines Hirns zurück. Zunächst musste er den Blonden erst einmal finden und ein zivilisiertes Gespräch mit ihm anfangen können, ehe er auch nur die vage Hoffnung in sein Hirn lassen konnte, einen Sänger gefunden zu haben.

    Harry war so sehr in seine Gedanken versunken, dass er die melancholische Stimme zunächst nicht bewusst wahr nahm. Als sie jedoch in seinen Geist eindrang, blieb er wie angewurzelt stehen und lauschte.

    Er kannte das Lied nicht und er verstand auch den Text nicht, doch es strahlte eine unendliche Traurigkeit aus. Rein und sanft drangen die Töne an Harrys Ohr. Jeder Ton war eine eigene kleine Symphonie, strahlte ihr eigenes Wesen aus. Sofort fühlte Harry, wie sich sein Brustkorb zusammenzog und er gemeinsam mit dieser traurigen Seele litt. Langsam schob er sich weiter vorwärts und lugte schließlich um einen Baum.

    Da saß er in all seiner blonden Pracht. Draco Malfoy, Slytherinprinz und Erbe eines riesigen Vermögens, Snob von Natur aus und grundsätzlich gefühlskalt.

    Und eben jener gerade beschriebene Junge saß hier am See, hatte die Arme um seine Knie geschlungen und sang das traurigste Lied mit der wunderschönsten Stimme, die Harry jemals gehört hatte.

    "Y'll sum kh'anarkh, y'll shlygh sh'ad'mankh, eoch y'll ll'arghain ghou'd, gh'ay eoch ma'ghai'rh leoch(*)", schnappte Harry plötzlich ein paar Zeilen auf. Das war keine ihm geläufige Sprache. Was zum Teufel sang Malfoy da eigentlich?

    Hätte er es geahnt, ihm wäre niemals in den Sinn gekommen, Draco Malfoy jemals wieder als gefühlskalt zu bezeichnen. So jedoch runzelte er die Stirn, lauschte noch eine Weile den melancholischen Klängen und fasste sich schließlich ein Herz. Die letzten Silben des traurigen Liedes waren kaum verklungen, als Harry hinter dem Baum hervor trat und langsam auf Draco zu ging.

    "Hey", murmelte Harry leise, schrak den Blonden jedoch trotzdem auf. Überrascht drehte Draco sich um, starrte den Gryffindor einen Moment perplex an. Dann verschloss sich seine Miene von einer Sekunde auf die andere und er wandte sich ab. "Was willst du, Potter?"

    Harry schöpfte seltsamerweise Hoffnung. Dieser Aussage hatte eindeutig die sonstige Schärfe gefehlt. Vielleicht konnte er ja doch ein zivilisiertes Gespräch anfangen?

    Sich neben dem Blonden ins Gras fallen lassend, wägte Harry seine Worte kurz ab und meinte dann: "Ich wollte etwas mit dir besprechen."

    Draco warf dem schwarzhaarigen Gryffindor einen eiskalten Seitenblick zu, ehe er sein Kinn auf die angewinkelten Knie legte und verächtlich meinte: "Ich wüsste nicht, was wir Zwei zu besprechen hätten!"

    Harry seufzte im Stillen. So viel also zu dem Fehlen der gewohnten Schärfe. Doch Harry war noch längst nicht so weit aufzugeben. Langsam lehnte er sich nach hinten, stützte sich mit seinen Händen ab und betrachtete den Slytherin von der Seite. Dann meinte er leise: "Was war das für ein Lied, was du da gesungen hast?"

    Harry wurde die unglaubliche Ehre zuteil, Draco Malfoy erröten zu sehen. Überrascht hob der Gryffindor die Augenbrauen und starrte den anderen Jungen an. Was genau an Harrys Frage fand der andere Junge so schlimm, dass er errötete? War es aus schierer Verlegenheit, weil er von seinem Erzfeind beim Singen belauscht worden war? Oder weil es ein sehr trauriges, gefühlvolles und so total Malfoyuntypisches Lied gewesen war, bei dem er belauscht worden war?

    Draco schien sich erholt zu haben, denn er warf Harry einen geringschätzigen Blick zu und meinte nur: "Haben wir etwa gelauscht, Potter?"

    Harry lächelte verhalten. Der schneidende Ton war wieder aus Dracos Stimme verschwunden. Offenbar war der Slytherin heute nicht ganz auf der Höhe.

    "Also, um ehrlich zu sein, Malfoy...", meinte Harry leichthin, "ja, ich hab gelauscht."

    Das hatte Draco offenbar nicht erwartet. Mit einem überraschten Ausdruck im Gesicht wandte er sich Harry zu und musterte den Gryffindor einen langen Augenblick, schien irgend etwas zu suchen.

    Und schien es offenbar gefunden zu haben.

    Langsam wandte er seinen Blick von Harry ab und dem See zu, starrte lange auf die glitzernde Oberfläche. Ihn faszinierte Wasser. Es war rein, klar, spendete Leben - und konnte den Tod bringen. So voller Gegensätze und in seiner Existenz doch so wunderschön. So gefährlich wie es lebensnotwendig war.

    Da Draco so lange schwieg, rechnete Harry schon nicht mehr mit einer Antwort. Deshalb ließ ihn Dracos plötzlich erklingende Stimme erschrocken zusammen zucken.

    "Es ist ein Lied über den Verlust im Leben. Der Verlust eines Menschen, eines Gefühls oder eines Teils von dir."

    Harry runzelte die Stirn und dachte darüber nach. Den melancholischen Tönen nach zu urteilen, passte das durchaus zusammen. Nur warum sang Draco so etwas? Welchen Verlust hatte er erfahren?

    In seiner gryffindortypischen Art und Weise beschloss Harry, ihre Rivalitäten beiseite zu schieben und dem Blonden seine Hilfe anzubieten. Niemand sollte allein sein, wenn er in einer solchen Stimmung war. Und Reden half manchmal.

    "Willst du...", begann Harry unsicher und unterbrach sich sofort. Er stockte, dann begann er erneut: "Ich meine, es hilft wenn... nun ja, also... willst du... darüber reden?"

    Der blonde Slytherin warf ihm einen seltsamen Blick zu. Es war wie eine Mischung aus Spott, Verärgerung und irgendetwas anderem, was Harry nicht benennen konnte. Eine platinblonde Augenbraue hob sich, während rauchgraue Augen ihn skeptisch musterten. Dann verzog sich das Gesicht des Slytherin verächtlich. "Warum sollte ich ausgerechnet mit dir reden?"

    Harry zuckte mit den Schultern und erwiderte den seltsamen Blick. "Weil ich gerade hier bin und der Einzige, der zuhören kann?" Man konnte deutlich hören, dass Harry scherzte. Doch offenbar verbot es sich der Slytherin, darauf einzusteigen, obwohl seine Mundwinkel seltsam zuckten.

    Stattdessen griff er auf seinen altbewährten Sarkasmus zurück. "Du bist aber immer noch Harry ich-will-einfach-nicht-krepieren Potter! Somit also der Letzte, mit dem ich mich abgeben wollte!"

    Das brachte Harry zum lachen. Mit einem mutwilligen Funkeln in den Augen meinte er plötzlich: "Du sollst ja nicht gleich bei mir einziehen und meine Kinder kriegen!"

    Und zum zweiten Mal an diesem Tag wurde Harry die Ehre zuteil, Draco Malfoy erröten zu sehen. Der Blondschopf starrte ihn wütend an und spie schließlich: "Das ist nicht witzig, Potter! Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig du von der Zaubererwelt weißt! Hüte besser deine Zunge, wenn du nicht weißt, wovon du redest!"

    Harry blinzelte überrascht. Was hatte er denn jetzt schon wieder gesagt? Mit einem Stirnrunzeln machte sich der Gryffindor eine geistige Notiz, sich mal mit Hermione zu unterhalten.

    "Tut mir leid", murmelte Harry verlegen und wandte die Augen von dem Slytherin ab.

    Der schnaubte nur, sah wieder auf den See hinaus und knurrte: "War sonst noch was oder sind wir hier fertig?"

    Das brachte Harry zu seinem ursprünglichen Grund für dieses Gespräch zurück. Sich langsam aufrichtend, räusperte er sich umständlich und meinte dann leise: "Also, eigentlich wollte ich dich ja etwas fragen..."

    "Dann spuck's endlich aus!", fuhr Draco ihn mit einem definitiv genervten Tonfall an. Harry zuckte zusammen, begegnete den silbernen Augen des Slytherin und fasste sich ein Herz: "Ich wollte dich fragen, ob du für unsere Band singen willst."

    Die einzige Reaktion des Slytherin bestand darin, ihn durchdringend anzustarren. Als der Blonde nach einiger Zeit immer noch nichts gesagt hatte, wand sich Harry unbehaglich unter diesem Blick. "Ähm... also, weißt du, als ich dich singen gehört habe, da..."

    "Vergiss es, Potter!", schnitt Draco ihm plötzlich das Wort ab. Überrascht klappte Harry den Mund zu, verarbeitete die eben gehörten Worte. Dann runzelte er die Stirn. "Warum nicht?"

    Draco verdrehte die Augen. "Sag mal, bist du so dickfellig oder tust du nur so? Wenn ich an dieser dämlichen Bandgeschichte teilnehmen hätte wollen, dann wäre ich aufgetaucht! Bin ich aufgetaucht?"

    Harry schüttelte den Kopf. "Nein."

    Draco nickte knapp. "Da siehst du's. Also hör auf, mich mit diesem Scheiß zu belästigen, ich hab wirklich andere Sorgen!" Ehe Harry auch nur den Mund öffnen konnte, fügte Draco gereizt hinzu: "Über die ich garantiert NICHT mit DIR reden will!"

    Harry hob beschwichtigend die Hände. "Ist ja gut, ich hab's ja kapiert!" Eine Weile herrschte eine unangenehme Stille zwischen ihnen, bis Harry den Mut aufbrachte zu fragen: "Warum willst du nicht bei uns singen?"

    "Als ob ich meine Zeit an eine mittelmäßige Kinderkombo verschwenden wollte!", murmelte Draco mehr zu sich selbst als zu Harry.

    Der Gryffindor überlegte kurz, ehe er in einem sanften Tonfall meinte: "Wir sind gar nicht so übel, Malfoy. Es schadet doch nichts, es wenigstens zu versuchen." Jetzt nahm seine Stimme eindeutig einen verzweifelten Tonfall an, doch die Band war ihm im Moment wichtiger als sein Stolz. "Himmel... wir brauchen noch nen guten Sänger. Und du bist...", Harry warf dem Blonden einen Blick zu und fuhr widerwillig fort: "Deine Stimme ist genial."

    Diese vollkommen ernst hervorgebrachte Aussage schien den Slytherin nun doch zu überraschen. Er musterte Harry kurz mit seinen silbernen Augen, wandte sich dann wieder dem See zu und murmelte verlegen: "Danke."

    Hoffnung begann in Harry zu keimen, die jedoch sofort wieder erstickt wurde, als Draco stur meinte: "Das ändert aber trotzdem nichts an meiner Einstellung! Vergiss es, Potter. Ich werde nicht für diese dämliche Schulband singen!"

    "Warum?", wollte Harry ruhig wissen, versteckte seine Verzweiflung hinter einer ausdruckslosen Miene.

    Ein funkelnder Blick traf ihn. "Das geht dich nen feuchten Kehricht an!" Niemals im Leben würde Draco Malfoy das ausgerechnet seinem Erzrivalen anvertrauen!

    Harry seufzte, seine Niederlage war in jedem seiner Gesichtszüge abzulesen. Das war's dann wohl. Soviel zu ihrer Chance, einen wirklich guten Sänger zu bekommen.

    Langsam stand Harry auf, wischte sich den Dreck von seiner Hose und hielt plötzlich inne. Dann griff er sich in die Gesäßtasche und holte ein Stück Pergament hervor. Er betrachtete es kurz, ehe er sich noch einmal neben Draco hockte und dem Blonden ohne zu fragen das Pergament zwischen seine Arme klemmte, die noch immer seine Knie umschlangen. Überrascht sah der Blondschopf zu ihm auf.

    "Das ist unser Liedtext", meinte Harry leise, "Du kannst ihn dir ja mal durchlesen, wenn du willst."

    Ein kleines Lächeln hob Harrys rechten Mundwinkel, bevor er sich abwandte und zurück zum Schloss ging.

    ---

    (*) "Ich bin verdammt, ich verlor mein Herz, doch ich gab's gern, hat's doch mein Seelenpartner jetzt."



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 13.01.2005, 11:56


    Last, but definitely not least:

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    The Industrial Muffins - Kapitel 5: Debütauftritt

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    by Luthien

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    "Wir sollen WAS?"

    Fassungslos starrte Harry den Direktor Hogwarts an, der ihn mit einem belustigten Funkeln in den Augen ansah und seine eben getroffene Aussage wiederholte: "Ihr sollt auf dem Weihnachtsball spielen."

    "Aber...", Harrys Gedanken überschlugen sich, ehe er ausrief: "Das ist in drei Wochen!"

    "Ich weiß", war die freundliche Antwort. Am Liebsten wäre Harry über den Tisch gehechtet und hätte Dumbledore erwürgt. Wie stellte sich dieser alte Kauz das eigentlich vor? Sie hatten gerade mal ein wirklich gutes Lied, aber leider überhaupt keinen Sänger dafür!

    Harrys Gespräch mit Draco Malfoy war jetzt zwei Wochen her. Seither hatte der Blonde sich weder gemeldet noch sonst irgendeine Reaktion gezeigt.

    Die erste Amtshandlung Harrys nach der Entdeckung, dass Draco Malfoy singen konnte, war, eine Strafpredigt über Blaise herniedergehen zu lassen. Der dunkelhaarige Slytherin hatte nicht im Mindesten zerknirscht gewirkt. Seine einzige Reaktion darauf war gewesen: "Wenn ich es euch gesagt hätte, dann könntet ihr euch jetzt noch nen neuen Schlagzeuger suchen, denn Draco hätte mich dafür umgebracht!"

    Seltsamerweise kaufte Harry das dem Slytherin durchaus ab, deswegen hatte er es bei einem wütenden Blick und einem traurigen Seufzen belassen.

    Ihr Problem waren sie dadurch jedoch nicht los. Nur bisher hatten sie sich damit trösten können, dass sie ja vor niemandem spielten. Von daher war es nicht weiter tragisch gewesen, dass sie keinen wirklichen Sänger besaßen. Und wenn Harry ehrlich zu sich war, dann hatte er gehofft, dass doch noch ein Wunder geschehen und jemand auftauchen würde, der für sie singen wollte.

    Leider war dies nicht eingetreten, und obendrein musste ihm Dumbledore jetzt auch noch eröffnen, dass sie auf dem Weihnachtsball das Eröffnungslied spielen sollten! Na prima! Snape würde all seine Befürchtungen bestätigt sehen und sie für ihre unqualifizierten Versuche vermutlich ewig auslachen. Etwas, worauf Harry dankend verzichten konnte.

    Harrys einzige Chance, sie vor dieser Blamage zu retten bestand darin, ihren Direktor dazu zu bewegen, es sich noch einmal anders zu überlegen. Daher atmete der dunkelhaarige Gryffindor ein paarmal tief durch, ehe er so ruhig wie möglich sagte: "Professor Dumbledore, unsere Band ist noch nicht reif genug für einen öffentlichen Auftritt. Können wir es nicht verschieben? Auf den Valentinstag meinetwegen."

    Dumbledore bedachte Harry mit diesem gewissen Blick, der Harry jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken jagte - denn meist bedeutete dieses Funkeln in den Augen nichts Gutes.

    Wie Recht er doch hatte!

    Der Direktor Hogwarts strich sich einmal kurz durch seinen Bart, ehe er mit einem Lächeln auf den Lippen erwiderte: "Harry, ich weiß, dass du dein Licht gerne unter den Scheffel stellst. Ich weiß zufällig, dass ihr sehr wohl in der Lage seid, auf dem Weihnachtsball zu spielen. Außerdem wissen die Lehrer bereits Bescheid und es ist alles arrangiert. Tut mir leid, aber es gibt kein Zurück."

    Harrys Miene blieb ausdruckslos. Da gingen sie hin, seine Träume, Professor Snape eines Irrtums zu überführen. Der Tränkemeister würde Recht behalten - The Industrial Muffins würden sich bis auf die Knochen blamieren und Snape würde triumphieren!

    So eine Scheiße aber auch!

    Geschlagen erhob sich Harry von seinem Stuhl. "Nun, dann werde ich die 'frohe Botschaft' wohl mal den anderen mitteilen." Langsam schlich Harry zur Tür und öffnete sie. Ehe er jedoch hinaus trat, drehte er sich noch einmal um und meinte mit flehendem Blick: "Sind Sie sicher, dass sie nicht doch..."

    "Nein, Harry", kam es prompt mit strahlendem Lächeln zurück. Harry nickte. "Dachte ich mir." Damit wünschte er dem Direktor einen schönen Tag und verließ das Büro.

    Eine Stunde später, nachdem er alle Bandmitglieder via Eulenpost informiert hatte, saß Harry an dem Tisch in ihrem Probenraum und sah sich sieben erwartungsvollen Gesichtern gegenüber. Harry räusperte sich umständlich, versuchte einen Weg zu finden, wie er den anderen die Nachricht schonend beibringen konnte. Schließlich seufzte er geschlagen und sah ein, dass es wohl keine schonende Methode dafür gab. Deswegen räusperte er sich und platzte mit der Neuigkeit heraus: "Dumbledore hat beschlossen, dass wir zur Eröffnung des Weihnachtsballs spielen sollen."

    Eine spannungsgeladene Stille folgte seinen Worten, dann ertönte ein gehauchtes "Oh Merlin!" von Padma. Damit drückte sie wohl aus, was alle dachten.

    "Er will uns umbringen, oder?", kam es plötzlich von Blaise. Harry warf ihm einen Blick zu, der so viel besagte wie: "Brauchst du mir nicht sagen."

    Parvati begriff offenbar nicht, was Blaise meinte. "Wieso sollte er das wollen? Ich finde es großartig..."

    "Parvati!", rief Justin und brachte das Mädchen zum Verstummen. "Wir haben keinen Sänger und sollen den Weihnachtsball eröffnen? Wie, meinst du, soll das bitte vonstatten gehen?"

    Parvati blinzelte überrascht, ehe sie den Kopf senkte.

    Harry vergrub wieder einmal das Gesicht in seinen Händen und versuchte zu verstehen, wie er in diesen ganzen Schlamassel hineingeraten war. Wann genau war ihm die Band so wichtig geworden?

    Er konnte es nicht sagen. Aber inzwischen war es so. Und es schmerzte ihn ungemein, dass sie nicht zeigen konnten, was sie drauf hatten, einfach weil ihnen eine Besetzung fehlte.

    "Und wenn wir das Arrangement umstellen?", fragte plötzlich Blaise. Überrascht hob Harry den Kopf und sah den dunkelhaarigen Slytherin an. "Wie meinst du das?"

    Blaise zwirbelte einen seiner Schlagstöcke zwischen den Fingern und erklärte, tief in Gedanken versunken: "Wenn wir es so umstellen, dass jeder einmal singen muss, dann fällt es vielleicht nicht so auf. Jeder hat einen anderen Part, in dem er gut ist. Allein darin begründet, dass jeder in einer anderen Tonlage singt. Wenn wir unser Arrangement so umstellen, dass das eingeplant wird, dürfte es gehen." Blaise sah Justin und Harry an. "Was meint ihr?"

    Die beiden Angesprochenen sahen sich kurz an und nickten schließlich. "Das dürfte machbar sein", meinte Justin. "Aber vorher sollten wir herausbekommen, wie gut wir singen."

    Harry lächelte leicht. "Na dann. Heute Abend ist Gesangsprobe. Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinbekommen."

    ~~ooO@Ooo~~

    Ihre Band war eindeutig verzweifelt. Wie sonst sollte man sich erklären, dass Harry, Blaise und Justin an diesem Abend nebeneinander auf Stühlen saßen - Harry links außen, Justin rechts und Blaise in der Mitte - und sich die Mädchen der Reihe nach anhörten, ihre Stimmen nach Stärken und Schwächen abklopften und dann versuchten, ihr Arrangement so anzupassen, dass sie halbwegs passabel klingen würden, wenn der Weihnachtsball stattfand?

    Harry seufzte, stützte sich mit dem rechten Unterarm auf seine Gitarre, die er auf den Knien positioniert hatte, und lächelte Hannah an. "Okay, dann leg mal los."

    Das blonde Mädchen sah skeptisch auf das Blatt Papier mit den entsprechenden Noten und dann zu den drei Jungen, die ihr wie eine Jury - oder in ihren Augen die Inquisition - gegenüber saßen. Dann seufzte sie, nickte Harry zu und wartete auf ihren Einsatz.

    Harry begann die Grundmelodie auf seiner Gitarre zu spielen. Dann endete das Intro und Hannah setzte ein.

    Bereits nach den ersten Tönen wusste Harry, warum sich das Mädchen so vehement gewehrt hatte zu singen. Sie konnte es nicht. Es sagten zwar viele Menschen von sich selbst, dass sie nicht singen konnten und schlugen sich in Wirklichkeit ganz passabel, doch Hannah lag mit ihrer Selbsteinschätzung genau richtig: selbst eine verrostete Gießkanne klang besser als sie.

    Harry stoppte plötzlich und hielt seine Hand hoch. "Das reicht, Hannah, danke." Das blonde Mädchen ließ entmutigt den Kopf hängen und seufzte.

    "Autsch!"

    Acht Köpfe fuhren bei diesem Wort zur Tür, wo ein ironisch lächelnder Draco Malfoy mit verschränkten Armen an der Wand lehnte und die Anwesenden mit seinem Blick analysierte.

    Überrascht sprangen Harrys Augenbrauen in die Höhe, doch Blaise war der Erste, der seine Sprache wieder fand.

    "Draco?", fragte er ungläubig. Der Blonde hob nur fragend eine Augenbraue und sah Blaise ruhig an.

    "Was willst du denn hier?", platzte Ginny heraus. Dracos silberne Augen flogen zu der jüngsten Weasley, durchbohrten sie einen Moment, ehe er sich von der Wand abstieß, seine Arme sinken ließ und im Plauderton meinte: "Ich habe vor einigen Tagen etwas bekommen, was ich mir ansehen sollte..." Seine Hand wanderte in die Tasche seiner Robe und zog etwas hervor, dass er Justin unter die Nase hielt. "Ich wollte es zurückgeben", fügte er hinzu. Der Hufflepuff nahm den Zettel und warf einen Blick darauf. Im nächsten Moment riss er überrascht seine Augen auf. "Unser Lied! Wo hast du das her?"

    Plötzlich konnte man Harrys gemurmelte Stimme vernehmen. "Vor ein paar Tagen? Das ist jetzt schon ein paar Wochen her!"

    "Du hast es ihm gegeben?", war Justins ungläubige Frage, die er um den etwas hilflos aussehenden Blaise herum an Harry stellte. Der Gryffindor hob nur die Schultern und machte ein Gesicht, was so viel besagte wie: "Ich war verzweifelt!"

    Justin seufzte und schüttelte den Kopf.

    Draco hatte diesen Austausch mit interessiertem Blick verfolgt. Als von dem Hufflepuff nichts weiter kam, begann er damit, den Raum abzulaufen und hier und da einen Finger über eines der Instrumente gleiten zu lassen. Währenddessen sprach er ruhig weiter: "Jedenfalls hat mich der Text wider Willen beschäftigt, doch ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Ohne Melodie kennt man das Wesen eines Textes nicht. Nun ja, das Problem hat sich ja jetzt auch geklärt, nachdem ich Zeuge eurer kleinen... Darbietung werden durfte."

    Sein Blick steifte Hannah und die Blondine errötete leicht, ehe sie hastig den Blick auf ihren Bass senkte. Draco blieb stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und meinte abschließend: "Eines habe ich dabei begriffen. Und ich möchte es euch natürlich nicht vorenthalten." Er machte eine Kunstpause, ehe er sagte: "Ihr braucht einen Sänger..."

    "Das wissen wir selber, Malfoy!", fauchte Parvati, doch der Blonde ließ sie gar nicht ausreden, denn er meinte mit festem Tonfall und einem eisigen Blick in Parvatis Richtung: "Und ihr habt ihn hiermit gefunden."

    Eine unheilvolle Stille folgte diesen Worten. Langsam ließ Harry seine Gitarre sinken und stand auf. "Das ist nicht dein Ernst", brachte er tonlos hervor. Draco warf ihm einen Blick zu, der ihn wissen ließ, dass Malfoys niemals zu scherzen pflegten.

    Padma stand nun ebenfalls. "Du willst wirklich für uns singen?"

    Draco drehte sich zu ihr um. "Sagte ich das nicht gerade?", fragte er rhetorisch.

    Eine abwartende Stille folgte diesen Worten, während der Draco von einem erstaunten Mitglied zum anderen blickte.

    Und dann ging alles viel zu schnell. Ehe Draco reagieren konnte, war ihm Harry plötzlich um den Hals gefallen, drückte den Slytherin stürmisch und rief immer wieder: "Danke! Danke! Danke!"

    Draco stand da wie versteinert, während Harry an seinem Hals hing und der blonde Slytherin seine Arme etwas hilflos nach Links und Rechts ausstreckte. Plötzlich kam wieder Bewegung in den Slytherin.

    "Uärks, Potter! Geh von mir!", rief er in einem irritierten Tonfall und suchte verzweifelt einen Platz, wo er seine Hände hintun konnte. In diesem Moment lösten sich Harrys Arme von seinem Nacken und der Gryffindor trat mit einem entschuldigenden - doch nichtsdestotrotz ziemlich fröhlichen - Gesichtsausdruck zurück. "Tut mir leid... es ist nur...", begann er verlegen, ehe er sich nicht mehr zurückhalten konnte und den Slytherin noch einmal umarmte. "Danke!"

    Das war zu viel. "Potter!", knurrte er erheblich unfreundlich, was den Gryffindor sofort zurücktreten ließ. "Ja ja, entschuldige", grinste Harry den Slytherin an, was diesen nur genervt die Augen verdrehen ließ.

    Plötzlich trat Ginny vor und lächelte Draco an. Der Junge ahnte nichts Gutes, als die anderen Mädchen hinter dem Rotschopf auftauchten und ihn ebenso süß anlächelten. Im nächsten Moment meinte Ginny vorsichtig: "Auch wenn du jetzt wahrscheinlich gleich Amok läufst, aber..."

    Das Mädchen beendete den Satz nicht. Stattdessen fiel sie dem Blondschopf gemeinsam mit ihren Bandkolleginnen um den Hals. Und während Dracos Gesicht sich vor Schreck verzog, riefen die Mädchen einstimmig: "Danke!"

    Draco legte in einer resignierten Geste den Kopf in den Nacken, starrte an die Decke und murmelte nur: "Vielleicht sollte ich es mir noch mal anders überlegen!"

    Die Mädchen ließen mit strahlenden Gesichtern von ihm ab. Diesen Moment nutzte Blaise, um ihm auf die Schulter zu klopfen und kameradschaftlich zu scherzen: "Sieh doch mal die positive Seite, Draco. Du wirst Groupies innerhalb und außerhalb der Band haben! Das ist doch was!"

    "Na prima...", war die einzige Reaktion des blonden Slytherin. Insgeheim gab er jedoch zu, dass ihn die Herzlichkeit überraschte, mit der er aufgenommen worden war.

    Nun ja, offenbar hatte er sich zu früh gefreut.

    "Moment mal!", rief nämlich im nächsten Moment Justin. Alle Blicke wandten sich ihm zu. Der Hufflepuff starrte Draco durchdringend an und sagte misstrauisch: "Woher wissen wir eigentlich, dass du singen kannst? Schön, Harry hat gesagt, dass du gut bist..."

    "Gut? Er sagte, Draco sei brillant", murmelte Padma ihrer Schwester zu. Justin ignorierte diesen Einwand und machte eine ungeduldige Handbewegung.

    "Von mir aus auch das. Aber ich will trotzdem wissen, wie gut du wirklich bist." Er fixierte Draco mit einem durchdringenden Blick. "Kannst du Noten lesen?"

    Bei den harschen Worten straffte sich der Blonde. "Natürlich."

    "Kannst du sie gleich umsetzen, wenn du sie liest?", war die nächste Frage.

    Draco nickte. "Als wäre es meine zweite Muttersprache." Das klang doch sehr stark nach einer Herausforderung.

    Justin nickte ebenfalls, hielt Draco ein Blatt unter die Nase und sagte herausfordernd: "Gut. Hier ist die Melodie. Den Text solltest du ja beherrschen. Harry, begleite ihn."

    Der Gryffindor lächelte in sich hinein, während er nach seiner Gitarre griff. Justin wollte also nicht im Mittelpunkt stehen? Dafür setzte er sich aber gerade sehr dominant durch.

    Draco sah auf das Notenblatt hinunter und überflog das Lied flüchtig, um die Melodie in seinem Kopf zu formen. Als er so weit war, nickte er dem abwartenden Harry zu. Dieser nickte zurück, legte die Finger an die Saiten und begann sein Spiel. Sobald das Intro vorbei war, begann Draco mit seinem Part.

    Seine Stimme hinterließ eine andächtige Stille. Während er das Lied mit seiner melodiösen Stimme wiedergab, lauschten die restlichen Bandmitglieder andächtig und voller Staunen. Harry hatte nicht übertrieben, Draco war gut! Besser als gut. Selbst mit der eher spärlichen Begleitung Harrys machte er aus dem Lied ein eigenes Kunstwerk.

    Nach der ersten Strophe hob Justin die Hand. "Das reicht." Harry stoppte und Draco sah den Hufflepuff herausfordernd an. "Reicht das als Beweis?"

    "Harry hatte Recht", murmelte Justin und stand auf, musterte den Blonden von Kopf bis Fuß und hielt ihm dann die Hand hin. "Willkommen in der Band... Draco."

    ~~ooO@Ooo~~

    "Jetzt sag schon, wer ist es?"

    "Ich sagte bereits, dass ich es nicht sagen darf!", war Harrys geseufzte Antwort. Ginny, die neben ihm im Gemeinschaftsraum der Gryffindors saß, lächelte leicht vor sich hin.

    Prompt wandte sich ihr Bruder ihr zu. "Aber du kannst es mir doch sagen, Ginny, oder? Ich bin dein Bruder. Los, sag schon, wer ist euer Sänger?"

    Das rothaarige Mädchen warf einen amüsierten Blick zu Harry und meinte dann wie beiläufig: "Tut mir leid, ich darf es dir nicht sagen."

    Ron starrte seine Schwester ungläubig an, dann seufzte er tief und warf die Arme in die Luft. "Ich glaub das einfach nicht! Aus keinem von euch ist was heraus zu bekommen! Man könnte meinen, das ihr einen Schweigezauber oder etwas in der Art angewandt habt!"

    Harry und Ginny tauschten einen kurzen Blick aus und wandten sich dann beide wieder ihren Hausaufgaben zu. Ron hatte gar nicht so unrecht mit seiner Aussage.

    Draco Malfoy war offenbar ein sehr misstrauischer Mensch - oder liebte große Auftritte, wie Parvati gemeint hatte. Der blonde Slytherin hatte nämlich alle von ihnen zum Stillschweigen verpflichtet, was die Identität des neuen Sängers anging. Er war sogar soweit gegangen, sie mit einem Zauber an ihr Versprechen zu binden.

    Parvati fand das lächerlich - vermutlich tat es ihr in der Seele weh, niemandem davon erzählen zu können -, doch der Rest von ihnen hatte zugestimmt. Also standen sie nun unter einem Schweigezauber, was Dracos Identität anging. Und der würde erst gelüftet werden, wenn sie zum Weihnachtsball auftraten - also in zwei Wochen.

    Harry lächelte bei dem Gedanken an die letzte Woche in sich hinein, während er über seinen Hausaufgaben brütete. Draco integrierte sich erstaunlich gut in die Gruppe, und die Band nahm den zynischen Slytherin ebenfalls ohne Komplikationen auf.

    Nun, sah man einmal von Justin ab. Doch nach dem anfänglichen Misstrauen und in Anbetracht von Dracos Talent hatte der Hufflepuff sich erstaunlich schnell mit dem Arrangement abgefunden.

    Inzwischen konnten sie es nicht mehr abwarten, den Weihnachtsball zu eröffnen. Mittlerweile kursierten in der ganzen Schule Gerüchte, wer in der Band sang. Doch niemand kannte die Wahrheit, denn die direkt Betroffenen standen ja unter einem Schweigezauber. Doch es war schon lustig, den Spekulationen zu lauschen.

    Harry warf einen kurzen Blick zu Ginny, die mit gerunzelter Stirn über einem Aufsatz für Verwandlung brütete. Das Mädchen war richtig gut geworden. Sie wusste genau, wie stark sie welche Taste drücken musste, um genau das richtige Gefühl zu vermitteln.

    Es war schwer gewesen, in ihren Song eine Passage einzubauen, die Ginny spielen konnte. Hannah war unersetzlich, da sie zusammen mit Blaise den Puls der Band darstellte. Doch Ginny und ihr Keyboard einzubauen war eine echte Herausforderung gewesen. Aber schließlich war Justin etwas eingefallen. Es war nichts Spektakuläres, doch es ersetzte eine dritte Gitarre. Oder - wie der Hufflepuff mit trockenem Humor gemeint hatte - einen Knoten in der Hand.

    Die Patil-Zwillinge mit ihren Backgroundvocals auszustatten gestaltete sich jetzt, wo sie endlich einen Sänger hatten, ebenfalls wesentlich unkomplizierter. Nun konnten sie, da sie die Stimmgewalt Dracos besser abschätzen konnten, entscheiden, wie hoch, wie laut und wie oft die Zwillinge zum Einsatz kommen würden.

    Cho war so ziemlich die Einzige, um die sich Harry keine Gedanken machen musste. Das Ravenclawmädchen ging ganz darin auf, die Liedtexte zu schreiben. Inzwischen schien sie sogar ein Faible dafür entwickelt zu haben, die Bühnenoutfits zu planen und eine Bühnenshow zusammen zu stellen. Offenbar ging sie davon aus, dass sie auch mal ein längeres Konzert veranstalten würden und nach dem Weihnachtsball noch lange nicht Schluss war.

    Allein bei dem Gedanken an den bevorstehenden Weihnachtsball krampfte sich Harrys Magen vor lauter Nervosität zusammen. Trotz dass sie es nicht mehr erwarten konnten, hatte er das schreckliche Gefühl, dass irgendetwas furchtbar schief gehen würde. Deswegen triezte er die anderen auch gnadenlos. Er wusste, dass er es etwas übertrieb, aber da sich bisher niemand beschwert hatte, ging er davon aus, dass nicht wirklich jemand etwas dagegen hatte.

    Heute Abend war wieder eine Probe - seit Dumbledores Ankündigung probten sie jeden Tag. Es war ja auch wirklich nicht mehr viel Zeit. Immerhin musste sich das Ensemble vollkommen neu auf Draco einstellen. Sie mussten die richtige Geschwindigkeit, die richtige Tonlage und das richtige Feeling für den Beat bekommen, und das schafften sie nur, wenn sie unaufhörlich probten. Sie machten gute Fortschritte, aber für Harrys Empfinden eben bei weitem noch nicht schnell genug.

    Der Gryffindor seufzte und beugte sich wieder über seinen Aufsatz für Zaubertränke. Bei dem Gedanken an Snape stahl sich wieder ein Lächeln auf Harrys Lippen. Zumindest ihrem Tränkelehrer konnten sie es diesmal so richtig zeigen, konnten ihm wenigstens dieses eine Mal unter die Nase reiben, dass er Unrecht hatte.

    Denn eines schwor sich Harry hoch und heilig: die Eröffnung des Weihnachtsballs würde ein voller Erfolg werden! Danach würde jeder 'The Industrial Muffins' kennen!

    ~~ooO@Ooo~~

    Draco ließ sich vollkommen erledigt auf einen der Stühle im Probenraum nieder, vergrub sein Gesicht in seinen Handflächen und seufzte tief. Endlich machten sie mal eine Pause. Seit fast zwei Stunden probten sie ohne Punkt und Komma. Warum sich Draco überhaupt so sehr von dem verhassten Gryffindor herumkommandieren ließ, wusste er selbst nicht. Vielleicht lag es daran, dass sich Draco im Stillen eingestehen musste, dass Harry was von seinem Fach verstand.

    Und trotzdem war der Gryffindor ein einziger Sklaventreiber. Eine Pause alle zwei Stunden war eindeutig zu wenig!

    Langsam hob der Blondschopf den Kopf und sah zu Harry hinüber, der gerade dem blonden Hufflepuffmädchen etwas erklärte. Offenbar ging es um irgendwelche Griffe auf den Saiten. Draco schüttelte den Kopf. Potter gönnte sich offenbar nicht mal selbst eine Pause, ihm war das alles wohl sehr wichtig.

    In diesem Moment ließ sich Blaise neben ihm nieder und legte seine Drumstöcke auf den Tisch. Draco betrachtete erst die beiden Hölzer und sah dann zu Blaise auf, ehe er seinen Blick wieder zu Harry wandern ließ. Seine Stimme war seltsam nachdenklich, als er zu seinem Freund meinte: "Er scheint ziemlich eingenommen zu sein von dieser Sache."

    Blaise folgte Dracos Blick und sah lächelnd dabei zu, wie Harry ernst aber sanft mit Hannah sprach und ihr dabei half, ihre Handgelenke zu entlasten, indem er ihr ein paar Tricks im Umgang mit ihrem Saiteninstrument zeigte. Der dunkelhaarige Slytherin sah wieder Draco an, zuckte mit den Schultern und meinte nonchalant: "Das kannst du laut sagen. Wenn du also nicht vorhast, 200 Prozent in diese Sache reinzustecken, solltest du gleich wieder gehen."

    Draco warf Blaise einen indignierten Blick zu, der den anderen Slytherin wissen ließ, dass er sicherlich nicht seit einer Woche hier wäre, wenn er das nicht vorgehabt hätte. Doch der Blondschopf ließ es sich nicht nehmen, dies auch verbal auszudrücken: "Ein Malfoy gibt immer sein Bestes!"

    Blaise schmunzelte nur. Während er sich von seinem Platz erhob und sich wieder seinem Schlagzeug zu wandte, warf er Draco über die Schulter zu: "Bei Harry reicht das aber nicht."

    Draco bedachte ihn daraufhin nur mit einem eisigen Blick. Blaise grinste und wollte sich gerade wieder hinter seinem Schlagzeug nieder lassen, als er es sich plötzlich anders überlegte, sich noch einmal neben Draco setzte und mit erstaunlich ernster Miene fragte: "Was hat dich eigentlich umgestimmt? Ich dachte, du findest die ganze Bandgeschichte total unter deiner Würde?"

    Sofort verdüsterte sich Dracos Gesicht noch mehr. "Das ist meine Sache", brummte er nur. Es ging niemanden etwas an, warum er es sich letztlich doch noch anders überlegt hatte und nun für die Band singen wollte.

    Blaise seufzte, stand wieder auf und ging kopfschüttelnd zu seinem Instrument zurück.

    Im nächsten Moment verkündete der Gryffindor auch schon, dass die Pause vorbei war. Seufzend, aber irgendwie nachdenklich, erhob sich Draco ebenfalls und nahm seinen Platz wieder ein.

    ~~ooO@Ooo~~

    Man hätte meinen können, man sei in einem Bienenstock gelandet, aber nicht in der Großen Halle von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei. Besagte Halle war gefüllt mit aufgeregten Schülern, die am Weihnachtsball teilnahmen und gespannt auf die Schulband warteten. Niemand wusste genau, wer alles dabei war. Man wusste nur von Harry Potter, Justin Finch-Fletchley, Hannah Abbott und Ginny Weasley. Gerüchten zufolge sollten wohl auch die Patil-Zwillinge dabei sein. Aber niemand wusste, wer der Sänger war. Und genau deswegen waren auch die meisten hier und warteten gespannt darauf, dass der Ball eröffnet werden würde.

    Am Ende der Halle, wo normalerweise der Lehrertisch stand, war eine Bühne aufgebaut worden. Diese lag jedoch im Dunkeln, auch wenn man schemenhaft ein Schlagzeug und verschiedene Stangen, an denen Mikrofone angebracht waren, erkennen konnte.

    Die Haustische waren vollständig aus der Halle verbannt. An ihrer Stelle waren kleinere Tische für zehn Personen an den Seiten aufgebaut worden. Die Mitte der Halle diente als Tanzfläche für spätere Tänze. Doch im Moment war auf der Fläche die komplette Schülerschaft vertreten. Niemand wollte das Debüt der Schulband verpassen. Deswegen herrschte ein einziges Gedrängel, Geschubse und Geflüster.

    Erst als Professor Dumbledore sich plötzlich vor die inzwischen stockdüstere Bühne stellte, verstummte die Schülerschaft. Der Direktor Hogwarts lächelte in die Runde. Schließlich breitete er seine Arme aus und mit erhobener Stimme verkündete er: "Meine lieben Schüler, herzlich Willkommen zum diesjährigen Weihnachtsball. Es ist mir ein besonderes Vergnügen, heute Abend eine besondere Gruppe ankündigen zu dürfen."

    Dumbledore machte eine kurze Pause, ließ seinen Blick wieder über die Schüler schweifen und heftete seinen Blick schließlich auf die Lehrer, die an den Türen zur Großen Halle standen und einen eher vorsichtigen Eindruck machten. Dumbledores Lächeln wurde breiter, dann fuhr er fort: "Wie ihr alle wisst, gab es zu Beginn des Schuljahres eine Ankündigung. Eine Aufforderung, dass sich eine Musikgruppe zusammenfindet. Die einzige Bedingung bestand darin, dass sie Häuserübergreifend ist. Nun, es erfüllt mich mit Freude, dass dies gelungen ist. Heute Abend wird der Weihnachtsball von einer Gruppe junger Menschen eröffnet, die ihre Differenzen beiseite geschoben und teilweise sogar überwunden haben, um sich zu einer Musikgruppe zusammen zu finden. In der Band sind aus jedem Haus mindestens zwei Mitglieder vertreten..."

    Überraschtes Gemurmel wurde laut. Niemand hatte erwartet, dass sich aus Slytherin jemand finden würde. Die anderen drei Häuser kamen untereinander recht gut miteinander aus, doch mit Slytherin schaffte das niemand, und das Haus selbst schien auch nicht sehr großen Wert darauf zu legen. Und nun sollten zwei Mitglieder dieses Hauses freiwillig in der Schulband mitspielen?

    Dumbledore räusperte sich und brachte die Schüler damit zum Verstummen. Er lächelte noch einmal in die Runde und verkündete dann: "Liebe Schüler, liebe Lehrer, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit Hogwarts' Schulband - begrüßen Sie The Industrial Muffins!"

    Es folgte eher verwirrtes Klatschen. Alle grübelten über diesen ungewöhnlichen Namen nach - oder fragten sich noch immer, welche zwei Slytherins wohl in der Band vertreten waren.

    Dumbledore wandte sich von der Bühne ab und gesellte sich zu den Lehrern im hinteren Teil der Halle. Grinsend stellte er sich neben Severus Snape, der mit säuerlichem Gesichtsausdruck auf die finstere Bühne starrte. "Ich verstehe immer noch nicht, warum es Pflicht war, zu erscheinen."

    Dumbledore lächelte ob der gezischelten Worte des Tränkemeisters. Dann erwiderte er ruhig: "Damit Sie Ihre Meinung revidieren können, Severus." Und damit blickte Dumbledore wieder erwartungsvoll zur Bühne.

    ~~ooO@Ooo~~

    Noch immer war es stockdüster auf der Bühne. Das gehörte zur Show. Um genau zu sein war es Chos Idee gewesen. Zunächst würden nur diejenigen beleuchtet werden, die gerade mit ihrem Part dran waren, bis schließlich der Sänger einsetzte. Erst dann würde die gesamte Bühne erleuchtet sein. Nun ja, zumindest diejenigen, die bis dahin schon ihren Einsatz gehabt hatten.

    Jetzt standen sie alle bis auf Cho auf der Bühne, jeder hielt sich mehr oder weniger an seinem Instrument fest - bis auf Draco. Der stand ganz ruhig mit auf dem Rücken verschränkten Armen an seinem Mikro und schien die Ruhe selbst zu sein.

    Harry sah noch einmal jedem Mitglied in die Augen, baute sie mit einem freundlichen Nicken auf und gab Blaise schließlich ein Zeichen. Erst wenn der Schlagzeuger einsetzte, würde Cho mit der Beleuchtung beginnen.

    Blaise nickte Harry zu, atmete ein letztes Mal tief durch, schlug dann seine Drumstöcke viermal zusammen und legte mit einem kurzen Trommelsolo los. Sofort wurde er im Scheinwerferlicht eingefangen und ein überraschtes Raunen ging durch die Menge, als sie den Slytherin erkannten.

    Im nächsten Moment setzten Hannah mit ihrem Bass und Justin und Harry mit ihren Gitarren ein.

    In Harrys Magen startete ein ganzer Hornissenschwarm, als er sich plötzlich im Scheinwerferlicht wieder fand. Doch er blendete alles aus, konzentrierte sich nur auf seine Gitarre und auf Justin. In vollkommener Harmonie spielten sie ihre Einlage. An genau den richtigen Stellen hob sich Harrys Gitarre als Leadgitarre hervor, während Justin ruhig und konzentriert seine Grundmelodie spielte. Im Hintergrund hielt Hannah mit ihrem Bass tapfer den Takt, während Blaise voller Inbrunst auf dem Schlagzeug sein Können unter Beweis stellte. Erneut ging ein erstauntes Raunen durch die Menge - die Band war richtig gut!

    Dieses Spiel zogen sie die erforderlichen 8 Takte durch, ehe Blaise kurz über seine Toms trommelte. Im nächsten Moment erhellte sich der vordere Teil der Bühne und tauchte Draco ins Rampenlicht, der mit geschlossenen Augen und noch immer verschränkten Armen - die Lippen nahe am Mikro - zu singen begann, während er vom Rest der Band begleitet wurde.

    I wake from a nightmare now
    In the day it haunts me
    It slowly tears me apart
    With dreams of a distant love
    I'm a wandering satellite

    Die Menge keuchte überrascht auf. Ob sie überrascht waren, dass Draco Malfoy für die Schulband sang oder dass er so gut war, konnte man in diesem Moment nicht sagen. Tatsache war jedoch, dass die Menge weder ihren Augen noch ihren Ohren trauen wollte.

    In diesem Moment leitete Harry ein kleines Gitarreninterlude ein, überlagerte Justin, der den Grundton des Liedes spielte. Kaum eine Sekunde später öffnete Draco die Augen, blickte ruhig in die Menge hinab und sang mit seiner klaren, tiefen Stimme weiter.

    Somewhere in the wasteland
    I see you smiling at me
    A vision out of my dreams
    Will everything change?
    Take the pain away
    Lead me with your light

    Plötzlich war Harry ans Mikro getreten, um Draco mit seiner eigenen Stimme bei den letzten Worten zu unterstützen, indem er eine Terz höher als der blonde Slytherin sang, dessen tiefe Stimme das Herz vibrieren ließ.

    Im nächsten Moment erhellte sich der hintere Teil der Bühne, beleuchtete Parvati und Padma Patil, die nun ebenfalls an ihre Mikrofone getreten waren und Draco und Harry mit ihren Stimmen beim Refrain unterstützten, dabei noch einmal eine Terz höher als Harry.

    Heading for the sun
    Leave the sadness behind
    Crossing oceans dry, yeah

    Draco legte seine Hand ans Mikro, senkte kurz den Kopf und blickte dann wieder unerschrocken in die Menge, verzauberte sie weiter mit seiner sonoren Stimme.

    My world spinning out of time
    Won't somebody stop me?
    I may be losing my way
    Will you make it right?
    Take the pain away
    Hear me as I cry

    Und wieder unterstützte Harry den Blondschopf mit seiner Stimme, während der Rest der Band sie musikalisch unterstützte. Der Refrain folgte, und die Patil-Zwillinge stimmten mit ein.

    Heading for the sun
    Leave the sadness behind
    Crossing oceans dry
    Deep inside I go

    Die nächsten Worte sangen nur die Zwillinge, während Draco lediglich mit geschlossenen Augen ihre Worte, einem Echo gleich, wiederholte.

    Spirit dreams inside (Spirit dreams)
    Spirit dreams inside (inside, yeah)

    Draco trat zurück und Hannah kam in den Vordergrund, während sie ein kleines Solo auf ihrem Bass spielte, von Blaise nur mit wenigen Taktschlägen auf der High-Hat begleitet. Plötzlich jubelte die Menge - vornehmlich Hufflepuffs - und feuerten das blonde Mädchen an. Ihrem Solo folgte Blaises Einsatz, indem er wieder über seine Toms trommelte, dicht gefolgt von Justin und Harry mit ihren Gitarren. Dabei sahen sich der Hufflepuff und der Gryffindor verstehend an, passten sich aneinander an und spielten ihre Melodie, während sie sich kurz anlächelten. Vier Takte lang spielten sie als Quartett, dann wurde plötzlich die rechte Seite der Bühne erhellt und Ginny samt Keyboard kam zum Vorschein. Das rothaarige Mädchen hatte ihre Hände bereits auf den Tasten und setzte schließlich in Takt fünf mit ihrer Stimme ein. Das Keyboard war auf eine Akustikgitarre eingestellt, die sich nun leise mit dem restliche Ensemble mischte. Nach vier Takten trat Draco wieder an sein Mikrofon, umschloss es diesmal mit beiden Händen und schloss die Augen wieder, während er - mit dem Mund nahe am Mikro - seinen Text sang.

    What can I do, I ask

    Jetzt war Ginny an der Reihe mit einem kleinen Solo. Einen ganzen Takt lang konzentrierte sich alles nur auf sie und ihre gefühlvoll gespielten Töne, während sie von der Menge angefeuert wurde. Dann wandte sich die Aufmerksamkeit wieder dem blonden Slytherin zu.

    There's nothing left to say

    Und wieder trat Ginnys Part etwas deutlicher hervor als der Rest der Band, die noch immer die Grundmelodie - jeder auf seinem Instrument und in seiner Tonlage - als Begleitung spielten. Draco sang nach der kurzen Einlage mit geschlossenen Augen weiter.

    What can I do, I ask
    There's nothing left to say

    Jetzt trat Harry wieder ans Mikro, um mit Draco zusammen zu singen. Während er das tat, sah er lächelnd zu dem Slytherin hinüber, dessen Augen sich nur für diesen kleinen Part geöffnet hatten und den Gryffindor durchdringend ansahen. Beinahe schien es, als ob sie die Worte mehr zueinander sangen als zum Publikum.

    Why am I here?
    Why am I lost?
    Where is love?

    Draco wandte sich von Harry ab und dem Publikum wieder zu, schloss die Augen und sang nun wieder allein.

    Lead me with your light

    Der Refrain begann wieder, die Patil-Zwillinge setzten ein und sangen gemeinsam mit Harry und Draco diese Textstelle.

    Heading for the sun
    Leave the sadness behind
    Crossing oceans dry
    Deep inside I go

    Heading for the sun
    Leave the sadness behind
    Crossing oceans dry
    Deep inside I go

    Harry trat vom Mikro zurück, während die Patil-Zwillinge mit leisen Stimmen weiter sangen und Draco sie wieder einmal als ihr Echo wiederholte.

    Spirit dreams inside (Spirit dreams inside)
    Spirit dreams inside (deep inside I go)
    Spirit dreams inside (deep inside I go)
    Spirit dreams inside

    Plötzlich öffnete Draco seine silbergrauen Augen, starrte seinem Hauslehrer direkt in die Augen und endete in einer tiefen Tonlage, die im Körper nachhallte.

    Spirit dreams inside

    Harry und Justin sowie Blaise und Hannah endeten, indem die zwei Gitarristen einen letzten Schlenker spielten und Hannah ihren Bass einfach ausklingen ließ, während Blaise kurz mit seinen Drumstöcken das Crashbecken bearbeitete. Schließlich verstummte auch der letzte Ton und die Band stand geschafft aber glücklich auf der Bühne. Vor ihnen tat sich eine totenstille, vollkommen fassungslose Menge auf, welche die Band einfach nur anstarrte.

    Im nächsten Moment brach die Hölle los. Fast zeitgleich fingen die Schüler an zu toben, applaudierten und pfiffen vor Begeisterung. Erleichtert ließ Harry die Schultern sinken und begann zu grinsen. Das Adrenalin, welches noch immer durch seinen Körper rauschte, trug nicht gerade dazu bei, seinen Herzschlag zu verlangsamen. Langsam fiel auch von den anderen die Erstarrung ab und sie begannen zu grinsen - nun ja, alle bis auf Draco. Der stand noch immer wie die Ruhe selbst vorn an der Bühne und blickte kühl in die Menge hinab.

    Am anderen Ende der Halle, präziser gesagt an den Türen, applaudierten auch die Lehrer. Sie alle waren mehr als positiv überrascht von der gerade gesehenen Performance. Sie alle hatten insgeheim befürchtet, dass sie sich nach dieser Showeinlage bei Madame Pomfrey einquartieren mussten, weil ihnen das Trommelfell geplatzt war. Doch dem war ganz und gar nicht so. Es mochte ein rockiges Stück gewesen sein - und obendrein so überhaupt nicht weihnachtlich -, doch es war nichtsdestotrotz sehr gut gewesen.

    Severus Snape stand mit verschränkten Armen da und starrte zur Bühne hinüber. Plötzlich legte sich eine Hand auf seine Schulter und die fröhliche Stimme Dumbledores drang an sein Ohr: "Sieht so aus, als wären sie gar nicht so schlecht."

    Severus brummte nur. Er hasste es, wenn er Unrecht hatte.

    Und so ungern er es auch zugab, doch diesmal hatte er sich geirrt: von dieser Schulband würde selbst er eine CD kaufen.

    Ende Part 1

    ~~~

    Part II werde ich gleich, soweit bereits existent, ebenfalls hochladen.

    Gruß, Luthien.



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Mary Hawk - 17.01.2005, 11:12

    Genial!!
    :wav:
    Hast du eigene Erfahrungen in einer Band? Du hast diese schwierige Situation toll beschrieben. Eine Band in Hogwarts. Aus allen Häusern jemand dabei. Mich würde es sehr interessieren, was bei Draco zu diesem Meinungsumschwung geführt hat. Erfahren wir es im zweiten Teil?
    An den mache ich mich so schnell ich kann.

    Gruß Mary :wave:



    Re: The Industrial Muffins - Part I: Freundschaften

    Luthien - 17.01.2005, 15:04


    Ja ja, die große Frage, wieso Draco in der Band einstieg... ich befürchte, auf diese Frage bekommt ihr erst in Part IV eine Antwort (oder ihr müsst wirklich gut aufpassen, Brotkrumen säe ich ja ab und an schon aus).
    Und ob ich Banderfahrung habe: na ja, ich habe etwa anderthalb Jahre in einer reinen Keyboardband gespielt, heißt wir waren neun Keyboarder, jeder mit anderem Instrument eingestellt und wir haben zusammen gespielt, aber ich habe nie eigene Songs arrangiert oder dergleichen, dennoch ausgiebig Notenkunde gehabt, jahrelang im Chor gesungen und auch schon selbst etwa ein Jahr Schlagzeug gespielt, deswegen kann ich schon behaupten, wenigstens ein wenig Erfahrung mit Bühnenauftritten und den Scherereien einer Band zu haben.

    LG, Lu



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