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Re: Todeszone vor Sylt
infoshark - 12.06.2007, 20:44Todeszone vor Sylt
Schaumalgen lassen Fische ersticken
Aus der Ferne betrachtet glitzerte der Strand der Nordsee-Insel Sylt am Freitag zwischen Westerland und Wennigstedt, als sei er mit Diamanten übersäht. Erst beim Näherkommen entpuppte sich das romantische Bild als Hunderttausende fingerlanger Fischleichen, deren silberne Schuppen das Sonnenlicht reflektierten. Die Baby-Heringe und Sprotten waren im Meer in einer tödlichen Wolke verwesender, schleimiger Schaumalgen erstickt und zur Freude der Möwen an den Strand gespült worden. Das Phänomen wiederholte sich am Montag weiter nördlich. "Ursache ist eine für diese Jahreszeit außergewöhnlich starke Planktonblüte. Mit der Klimaerwärmung werden wir solche Naturkatastrophen womöglich häufiger erleben", warnt der Fisch-Ökologe Harald Asmus.
"Tödlich für jeden Fisch"
Der Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung war am Montag mit dem Forschungskatamaran "Mya" vor Sylt dem Massensterben auf der Spur. Dabei vermaß er die Todeszone und identifizierte den Verursacher. "Die Algenwolke ist vier Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Durch den Verwesungsprozess der Algen ist der Sauerstoffgehalt des Wassers auf nur noch 17 Prozent des Normalwertes gesunken. Das ist tödlich für jeden Fisch", berichtet Asmus.
Ohne Algenblüten kein Leben
Der Verursacher, die Schaumalge Phaeocystis, ist ein natürlicher Bewohner der Nordsee. Nach der Blüte der Kiesel- und der Geißelalgen im Frühjahr beginnt ihr Lebenszyklus im Sommer. Spülen dann ab Ende Mai Auftriebströmungen Nährsalze wie Phosphat aus der Tiefe an die sonnendurchflutete Wasseroberfläche, vermehrt sich die Alge in wenigen Tagen zu riesigen braunen Wolken. Ohne solche Algenblüten gäbe es kein Leben im Meer. Die Pflanzen sind Nahrungsgrundlage für tierisches Plankton, das etwa von Heringen und Sprotten aus dem Wasser gefiltert wird. Die Fische dienen ihrerseits größeren Räubern wie Makrelen, Dorsch oder Schweinswalen als Nahrung.
Plage für Touristen
Die relativ flache und wegen den starken Gezeitenströmen immer gut durchmischte Nordsee gehört wegen der hohen Algenproduktion eigentlich zu den fischreichsten Regionen der Welt. Das überbordende Wachstum vor allem der Schaumalge wird allerdings für Touristen an den Küsten immer häufiger zur Plage, wenn Winde die zuckerhaltigen braunen Algenzellen zu dem Namen gebenden Schaum aufschlagen. Wird dieser oftmals mehrere Meter dicke und nach Schwefel stinkende Schaumteppich an einen Strand geschwemmt, ist es mit dem Badevergnügen vorbei.
Luft über dem Wasser vergiftet
Auch für Fische und andere Meeresbewohner ist eine explosive Algenblüte kein Segen, sie bringt zumeist ihren Tod. Ein ähnliches Sterben wie vor Sylt, nur in sehr viel größerem Ausmaß, löste eine giftige Algenblüte im Februar 2002 vor Kenia und dem Oman aus. Damals verendeten auf tausenden Quadratkilometern auch große Fische wie Haie und Mantarochen. Selbst über Lungen atmenden Delfine verendeten, und Fischer erlitten Verätzungen der Atemwege, weil die Luft über dem Wasser mit einem vermutlich von Geißelalgen stammenden Gift stark angereichert war.
Ursache für Fischsterben ist klar
Gift spielte nun vor Sylt keine Rolle. Die Ursachen-Kette für das Fischsterben ist laut Asmus klar: An der Westküste der Insel hatte anhaltender Ostwind die obere Wasserschicht von der Küste weg geschoben und damit einen Auftrieb von nährstoffreichem Tiefenwasser ermöglicht. Die hohe Lufttemperatur, der Sonneschein und der Dünger aus der Tiefe führten damit zu einer außergewöhnlich starken Planktonblüte. Die jeweils nach wenigen Tagen absterbenden Algen wurden dann von Bakterien zersetzt und dabei dem Wasser nahezu aller Sauerstoff entzogen, erklärt Asmus.
Nordsee warm wie nie
Nachdem der Wind nun am Dienstag auf West gedreht hat, wird der Planktonblüte der Nachschub an Nahrung entzogen und sich die tödliche Wolke, die die Küste entlang nach Norden wandert, in den kommenden Tagen auflösen. Mit dem Fischsterben ist es dann vorbei. Für dieses Mal. Wegen des Klimawandels ist die Nordsee inzwischen so warm wie nie zuvor und die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Schaumalgenblüte nimmt nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und den Naturschutz seit Jahrzehnten zu. "Darüber muss man nachdenken", sagt Asmus.
Quelle: T-Online
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