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Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 07.06.2007, 10:37Greifvögel und Eulen
Hier kommt alles über Greifvögel und Eulen rein.
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 07.06.2007, 10:41
DER WEIßKOPF-SEEADLER
Der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) ist ein großer Greifvogel aus der Familie der Accipitridae. In Aussehen und Lebensweise ähnelt die Art sehr dem eurasischen Seeadler, die beiden Arten werden daher von manchen Autoren zu einer Superspezies vereinigt. Der Weißkopfseeadler ist der Wappenvogel der USA.
Beschreibung
Weißkopfseeadler sind die größten Greifvögel Nordamerikas. Ihre Körperlänge beträgt 70-90 cm, die Flügelspannweite 1,80-2,30 m und das Gewicht 2,5-6,3 kg. Proportionen und Gefiederfärbung ähneln sehr dem Seeadler, die Färbung des Weißkopfseeadlers ist jedoch deutlich kontrastreicher. Der Kopf und der Hals (Name!), der Schwanz und die Unter- und Oberschwanzdecken sind weiß, Körper und Flügel sind dunkelbraun. Füße, Schnabel, Wachshaut und die Iris der Augen sind hellgelb. Die flüggen Jungvögel ähneln sehr den Jungvögeln des Seeadlers, sie sind braun mit dunkelgrauem Schnabel und brauner Iris. Beste Unterscheidungsmerkmale zum jungen Seeadler sind die weißen Achselfedern und der weitgehend ungefleckte Bauch.
Verbreitung
Ursprünglich war der Weißkopfseeadler über das ganze Festland Nordamerikas verbreitet. Durch menschliche Verfolgung ist die Verbreitung in den USA heute im wesentlichen auf die Ost- und die Westküste sowie auf Alaska reduziert, außerdem besiedelt die Art weite Teile Kanadas. Der Weißkopfseeadler lebt meistens an Flüssen, Seen oder an der Küste. Die größte Population gibt es in Alaska, die zweitgrößte in Florida, wobei in Florida siebzig Prozent am St. Johns River leben.
Ernährung
Der Weißkopfseeadler ernährt sich ähnlich wie der Seeadler überwiegend von Fischen und Wasservögeln, Säugetiere werden seltener als Beute genutzt. Aas wird insbesondere im Winter häufig gefressen. Wie der Seeadler parasitiert auch der Weißkopfseeadler häufig bei anderen Arten. Zu Jagdmethoden siehe auch Seeadler.
Fortpflanzung
Die Nester (Horste) werden wie beim Seeadler auf alten Bäumen oder in Felswänden aus dicken Ästen gebaut, die Mulde wird mit Moos und Gras ausgepolstert. Alte Horste können bis zu 450 kg schwer sein. Das Gelege umfasst ein bis drei Eier, die Brutzeit dauert 33 bis 36 Tage. Die Jungadler sind nach zehn bis elf Wochen flügge.
Verhaltensweise gegenüber Menschen
Auch wenn Angriffe auf Menschen ausgesprochen selten sind, gibt es Berichte darüber, dass Weißkopfseeadler auf Adak Island, wo die Tiere auf dem Boden nisten, Menschen angegriffen haben, die sich ihrem Horst näherten.
Gefährdung
Durch menschliche Verfolgung wurde die Art bis 1950 in weiten Teilen Nordamerikas ausgerottet, ein weiterer starker Bestandsrückgang erfolgte in den 1950er und 1960er Jahren durch den Einsatz des Insektizids DDT. Seit etwa 1980 hat sich der Bestand deutlich erholt, in den USA außerhalb Alaskas lebten 1980 ca. 1200 Brutpaare, Anfang der 1990er Jahre bereits 4000-5000 Brutpaare. Anfang der 1990er Jahre wurde der Gesamtbestand auf 110.000 bis 120.000 Individuen geschätzt. Die größten Gefahren für die Art sind heute Lebensraumzerstörung sowie Bleivergiftungen durch bleihaltige Munition. Ihr Bestand wir auf gefährdet eingeschätzt.
In der Heraldik
Am 20. Juni 1782 wurde der Weißkopfseeadler (Bald Eagle) zum Wappentier der USA erklärt.
Benjamin Franklin bevorzugte den Truthahn und hielt den Weißkopfseeadler in dieser Debatte für nicht tauglich, den Charakter des Amerikaners zu symbolisieren: „Er ist ein Egoist, neigt zur Trägheit, lässt andere für sich arbeiten, geht auf Raub aus und ist doch ein armer, verlauster Wicht.“
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 07.06.2007, 11:09
DER WÜSTENBUSSARD
Harris Hawk, amerikanischer Habicht
Der Wüstenbussard wird auch Parabuteo genannt. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das: "dem Bussard ähnlich".
Aussehen
Wüstenbussarde sind typische Raubvögel mit großen Krallen und dunklem Gefieder. Wie bei den meisten Raubvögeln werden auch beim Wüstenbussard die Weibchen größer als die Männchen. Die Körperlänge des Wüstenbussards liegt zwischen 45 und 60 Zentimeter. Seine Spannweite kann fast 1,20 Meter betragen.
Das Federkleid der Wüstenbussarde ist weitgehend dunkelbraun. Auffallend ist das weiße Gefieder auf der Schwanzunterseite. Der kräftige und lange Schnabel ist an der Spitze hellblau.
Heimat
Der Harris Hawk ist im Südwesten der USA und in Mittel- und Südamerika beheimatet. In den USA lebt der Greifvogel in der kargen Landschaft der Sonora-Wüste und weiter südlich in Mexiko oder Argentinien ist er an den grossen Strömen der Urwälder zu Hause.
Lebensraum
Niemand wird sich darüber wundern, dass der Wüstenbussard in der Wüste lebt. Der Raubvogel liebt es warm und mag offenes Gelände. Aber auch in den Plantagen des Südens findet er ausreichend Nahrung und hat sich dort angesiedelt.
Rassen und Arten
Es sind drei Unterarten des Wüstenbussards bekannt. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Zeichnung ihres Gefieders.
Der "Superior", der in der Wüste Arizonas lebt, ist wie der Name schon sagt, der größte seiner Art.
An den Schultern ist er ockergelb gefärbt und an den Beinen rosarot. Der mexikansiche "Harrisi" ist kleiner und hat eine hellbraune Fleckenzeichnung an Brust und Bauch.
Lebenserwartung
Wüstenbussarde werden freilebend zwischen zehn und fünfzehn Jahre alt. In Gefangenschaft können sie ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.
Quelle: http://www.kindernetz.de/oli/tierlexikon/-/id=74986/nid=74986/did=84314/18kgr01/index.html
Re: Greifvögel und Eulen
Anonymous - 09.06.2007, 13:42
Greivfoekel sin tol!
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 10.06.2007, 18:14
DER TURMFALKE
Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel in Mitteleuropa und in Deutschland Vogel des Jahres 2007. Vielen ist der Falke vertraut, da er sich auch Städte als Lebensraum erobert hat und er sich durch einen auffallenden Rüttelflug auszeichnet.
Name
Die wissenschaftliche Artbezeichnung tinnunculus weist auf den Ruf des Turmfalken hin, der an ein ti, ti, ti, ti erinnert und in Ton und Rufgeschwindigkeit je nach Situation variiert. Übersetzt bedeutet das Wort tinnunculus etwa „klingend“ oder „schellend“.
Die heute im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Turmfalke weist darauf hin, dass Turmfalken auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzen und dabei bevorzugt in den obersten Regionen nisten. Neben der Bezeichnung Turmfalke existieren noch eine Reihe weiterer Trivialbezeichnungen, die regional sehr unterschiedlich sind. Namen wie Rüttelfalke oder Rüddelgeier weisen auf den charakteristischen Flug hin; Mauer-, Dom- oder Kirchfalke auf die in menschlichen Siedlungen präferierten Nistgelegenheiten. Die gelegentlich auch gebrauchte Bezeichnung Taubensperber ist allerdings eine Fehlinterpretation des Beutespektrums des Turmfalken. Anders als beim Wanderfalken zählen Tauben nur selten zu den Vogelarten, die von ihm erbeutet werden, da sie als Beutetier für ihn zu groß sind.
Erscheinungsbild
Gefieder
Turmfalken zeigen in ihrem Gefieder einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal zwischen männlichen und weiblichen Turmfalken ist die Kopffärbung. Bei Männchen ist der Kopf hellgrau, während Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind. Männchen haben außerdem auf ihrem rotbraunen Rücken kleine schwarze und zum Teil rautenförmige Flecken. Ihre Oberschwanzdecken sowie der Hinterrücken und die Schwanzfedern – der so genannte Stoß – sind gleichfalls hellgrau. Das Stoßende weist eine deutliche schwarze Endbinde mit einem weißen Saum auf. Die Unterseite ist hell cremefarben und nur sehr leicht bräunlich gefleckt oder gestreift. Der Unterbauch und die Unterflügeldecken sind fast weiß.
Das ausgewachsene Weibchen ist am Rücken dunkel quergebändert. Im Unterschied zum Männchen ist außerdem auch der Stoß braun und zeigt zudem mehrere Querstreifen und eine deutliche Endbinde. Auch die Unterseite ist dunkler als beim Männchen und weist eine stärkere Fleckung auf. Jungvögel gleichen in ihrem Gefieder den Weibchen. Allerdings wirken ihre Flügel runder und kürzer als bei adulten Turmfalken. Außerdem weisen die Spitzen der Handschwingen hellere Säume auf. Wachshaut und Augenring, die bei ausgewachsenen Vögeln gelb sind, sind bei Jungvögeln hellblau bis grüngelblich.
Bei beiden Geschlechtern ist der Schwanz abgerundet, da die äußeren Schwanzfedern kürzer als die mittleren Schwanzfedern sind. Bei ausgewachsenen Vögeln erreichen die Flügelspitzen das Schwanzende. Die Beine sind sattgelb, die Krallen sind schwarz.
Körperbau
Körpergröße und Flügelspannweite variieren je nach Unterart und Individuum stark. Bei der in Europa vertretenen Unterart Falco tinnunculus tinnunculus erreichen Männchen durchschnittlich eine Körperlänge von 34,5 Zentimetern und Weibchen von 36 Zentimetern. Die Flügelspannweite des Männchens beträgt durchschnittlich knapp 75 Zentimeter und bei den größeren Weibchen 76 Zentimeter.
Normal ernährte Männchen wiegen im Schnitt etwa 200 Gramm, Weibchen sind durchschnittlich etwa 20 Gramm schwerer. Während Männchen das ganze Jahr über ein in der Regel konstantes Gewicht haben, schwankt das der Weibchen beträchtlich: Sie sind am schwersten während der Legeperiode, in der auch normal ernährte Weibchen mehr als 300 Gramm wiegen können. Gewicht der Weibchen und Bruterfolg sind dabei positiv korreliert: Schwere Weibchen haben größere Gelege und sind erfolgreicher bei der Aufzucht ihrer Jungen.
Flugbild
Der Streckenflug des Turmfalken ist durch einen schnellen, etwas hastig wirkenden Flügelschlag gekennzeichnet. Bei günstigem Wind kann er aber auch gleiten.
Selbst Laien können den Turmfalken an seinem auffälligen Rüttelflug erkennen, den er zur Beutesuche nutzt. Dabei bleibt der Falke in einer Höhe von zehn bis 20 Metern an einer Stelle in der Luft stehen und späht nach geeigneter Beute. Der Flügelschlag ist schnell, der Schwanz meist breit gefächert und etwas nach unten geknickt. Auf- und Niederschlag erfolgen in einer weitgehend waagerechten Ebene und bewegen etwa gleich große Luftmengen. Hat er ein potentielles Beutetier, etwa eine Wühlmaus, gesehen, stürzt er im Sturzflug darauf zu und greift es, wobei er kurz vor dem Boden abbremst.
Lautäußerungen
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bei Weibchen elf und bei Männchen über neun unterschiedliche Lautäußerungen differenzieren lassen. Die Rufe lassen sich in wenige Grundmuster unterteilen, deren Lautstärke, Tonhöhe und Frequenz je nach Situation variiert. Sowohl das Weibchen als auch das Männchen variieren dabei unter anderem den Bettelruf der Jungvögel, der auch als Lahnen bezeichnet wird. Besonders von Weibchen ist dieses Lahnen während der Balz zu hören oder wenn sie ihre Männchen während der Brutzeit um Futter anbetteln.
Das ti, ti, ti, das von manchen Autoren auch lautsprachlich als kikiki umschrieben wird, ist ein Erregungslaut, der vor allem dann zu hören ist, wenn die Vögel am Nest gestört werden. Varianten dieses Rufes treten aber auch auf, kurz bevor das Männchen die Beute am Nest übergibt.
Verbreitung
Als ein charakteristisches Beispiel für eine altweltliche Verbreitung ist der Turmfalke in Europa, Asien und Afrika zu finden, wo er fast alle Klimazonen der paläarktischen, der äthiopischen und der orientalischen Region besiedelt. Innerhalb dieses großen Verbreitungsgebiets wird eine Reihe von Unterarten beschrieben, deren Anzahl je nach Autor schwankt. Die folgende Unterartengliederung folgt im Wesentlichen Piechocki (1991):
Falco tinnunculus tinnunculus ist die Nominatform, die fast die gesamte Paläarktis bewohnt. Ihr Brutareal reicht in Europa von 68° N in Skandinavien und 61° N in Russland über die Inseln des Mittelmeers bis nach Nordafrika. Sie ist auch auf den Britischen Inseln verbreitet.
F. t. alexandri ist auf den südlichen Kapverdischen Inseln beheimatet, F. t. neglectus kommt auf den nördlichen Kapverdischen Inseln vor. Beide Unterarten sind kräftiger gefärbt als die Nominatform und zeichnen sich durch ein kleineres Flügelmaß aus.
F. t. canariensis bewohnt die westlichen Kanarischen Inseln und kommt außerdem auf Madeira vor. F. t. dacotiae lebt dagegen auf den östlichen Kanarischen Inseln.
F. t. rupicolaeformis ist von Ägypten und dem nördlichen Sudan bis zur Arabischen Halbinsel zu finden.
F. t. interstinctus lebt in Japan, Korea, China, Burma, Assam und im Himalaya.
F. t. rufescens bewohnt die afrikanischen Savannen südlich der Sahara bis nach Äthiopien.
F. t. archeri kommt in Somalia und an der südlichen Küste Kenias vor.
F. t. rupicolus ist von Angola aus in östlicher Richtung bis nach Tansania und in südlicher Richtung bis zum Kapland verbreitet.
F. t. objurgatus kommt im südlichen und westlichen Indien sowie auf Sri Lanka vor.
Überwinterungsgebiete
Mit Hilfe der Vogelberingung konnte das Zugverhalten von Turmfalken weitgehend entschlüsselt werden. Aufgrund zahlreicher Ringfunde weiß man heute, dass Turmfalken sowohl Stand-, Strich- als auch ausgeprägte Zugvögel sein können. Ihr Zugverhalten ist im Wesentlichen von dem Nahrungsangebot geprägt, das ihnen in ihren jeweiligen Brutarealen zur Verfügung steht.
Die Turmfalken, die in Skandinavien oder im Baltikum brüten, ziehen im Allgemeinen nach Südeuropa, um dort den Winter zu verbringen. In Jahren, in denen eine Wühlmaus-Gradation vorliegt und damit das Nahrungsangebot sehr reichlich ist, wurden aber im Südwesten Finnlands auch schon Turmfalken beobachtet, die dort ebenso überwinterten wie Raufuß- und Mäusebussarde. Detaillierte Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass in Zentralschweden brütende Vögel bis Spanien und teilweise sogar bis Nordafrika ziehen. Südschwedische Vögel überwintern dagegen meist in Polen, Deutschland, Belgien und Nordfrankreich.
Die Brutvögel Deutschlands, der Niederlande und Belgiens sind überwiegend Stand-, Strich- und Zugvögel. Nur wenige Individuen unternehmen weite Wanderungen und überwintern in den Regionen, in denen sich auch die Brutvögel Skandinaviens einfinden. Die in Nordasien und Osteuropa brütenden Vögel ziehen nach Südwesten, wobei die jüngeren Vögel offenbar am weitesten ziehen. Zu ihrem Überwinterungsgebiet zählt neben Südeuropa auch Afrika, wo sie bis in Gebiete ziehen, in denen der tropische Regenwald beginnt. Die Vögel, die im europäischen Teil Russlands brüten, nutzen auch das östliche Mittelmeergebiet zur Überwinterung.
Die Überwinterungsgebiete asiatischer Populationen reichen vom Kaspigebiet und dem südlichen Zentralasien bis in den Irak und den nördlichen Iran. Auch der nördliche Teil Vorderindiens zählt dazu. Auch für die asiatischen Populationen gilt, dass die Vögel Stand- und Strichvögel sind, wenn ihnen ihr Lebensraum auch während des Winters ausreichend Jagdbeute bietet.
Zugverhalten
Turmfalken sind so genannte Breitfrontzieher, die keinen traditionellen Zugrouten folgen und überwiegend einzeln ziehen. So zogen über die Meerenge von Gibraltar unter 210.000 Greifvögeln im Jahre 1973 fast 121.000 Wespenbussarde, aber nur 1237 Turmfalken. In dieser Zahl zeigt sich zum einen, dass die in Mitteleuropa so häufigen Vögel nur zu einem kleinen Teil in Afrika überwintern, und zum anderen, dass sie in breiter Front das Mittelmeer überqueren.
Während des Zuges fliegen Turmfalken relativ niedrig und halten sich meist in einer Flughöhe von 45 bis 100 Metern auf. Sie setzen ihren Zug auch bei schlechtem Wetter fort und sind anders als viele andere Greifvögel nicht auf gute Thermik angewiesen. Sie überqueren daher auch die Alpen, die von auf Thermik angewiesenen Greifvögeln wie dem Mäusebussard nur selten überquert werden. Bei ihrer Alpenüberquerung nutzen sie überwiegend Pässe, sie überfliegen aber auch Gipfel und Gletscher.
Lebensraum
Typische Lebensräume des Turmfalken
Der Turmfalke ist eine sehr anpassungsfähige Art, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume zu finden ist. Generell meiden Turmfalken sowohl dichte geschlossene Waldbestände als auch völlig baumlose Steppen. In Mitteleuropa ist er ein häufiger Vogel der Kulturlandschaft, der überall dort leben kann, wo Feldgehölze oder Waldränder vorhanden sind. Grundsätzlich benötigt er zum Jagen freie Flächen mit niedrigem Bewuchs. Dort, wo Bäume fehlen, nutzt er die Masten von Starkstromleitungen als Nistplatz. Aus den 1950er Jahren ist ein Fall von den Orkneyinseln belegt, wo er sogar auf vegetationslosem Boden brütete.
Neben dem Vorhandensein von Nistgelegenheiten ist es vor allem das Vorhandensein von Beutetieren, das beeinflusst, welche Lebensräume vom Turmfalken besetzt werden. Sofern Beutetiere ausreichend vorhanden sind, zeigt er eine sehr große Anpassung an unterschiedliche Höhen. So besteht im Harz und im Erzgebirge ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten seines dortigen Hauptbeutetiers, der Feldmaus, und den Höhenlagen, bis zu denen Turmfalken zu beobachten sind. Im Harz ist er in Höhenlagen über 600 Meter über NN zunehmend seltener zu beobachten und tritt ab 900 Meter kaum noch auf. In den Alpen dagegen, wo er ein anderes Beutespektrum nutzt, kann man ihn auf den Bergweiden noch in 2.000 Meter Höhe bei der Jagd beobachten. Im Kaukasus wurde er noch in Höhenlagen bis zu 3.400 Metern beobachtet, im Pamir auch über 4.000 Metern. In Nepal kommt er vom Tiefland bis in 5.000 Meter vor, in Tibet hat man ihn in der Hochgebirgszone bis 5.500 Meter beobachtet.
Turmfalken als Kulturfolger
Der Turmfalke hat auch Stadtlandschaften als Lebensraum erobert. Er profitiert dabei davon, dass Jagd- und Bruthabitat nicht identisch sein müssen. In Städten brütende Falken müssen allerdings sehr häufig weit fliegen, um ihre traditionellen Mäuse zu erjagen. So legen die im Turm der Frauenkirche in München brütenden Turmfalken je Maus jeweils mindestens 3 Flugkilometer zurück. Untersuchungen lassen darauf schließen, dass Turmfalken eine Entfernung bis zu fünf Kilometer zu ihren Jagdplätzen tolerieren. Bei einer Reihe von in der Stadt brütenden Individuen zeigt sich aber eine Veränderung in der Jagdform und im Beutespektrum, die ausführlicher im Abschnitt Jagdformen beschrieben ist.
Ein Beispiel für eine von Turmfalken bevölkerte Stadt ist Berlin. Die Berliner Fachgruppe Turmfalken des Naturschutzbundes Deutschland beschäftigt sich seit Ende der achtziger Jahre mit diesen Tieren im städtischen Habitat. Im Schnitt schwankt der Bestand in Berlin zwischen 200 und 300 Brutpaaren und bricht besonders nach harten Wintern stark ein. Der Bestand wird durch den Einbau von Nisthilfen in öffentlichen Gebäuden wie Kirchen, Schulen oder Rathäusern gestützt. „Natürliche“ Nistmöglichkeiten in Mauernischen sind vor allem an alten Bauwerken zu finden. Diese werden jedoch zunehmend saniert. Moderne Hochhausbauten weisen meist zu wenig Mauerlöcher und Höhlungen auf, um dem Turmfalken als Nistmöglichkeit zu dienen. Entsprechend brüten in Berlin mittlerweile etwa 60 Prozent der Vögel in gezielt für sie ausgebrachten Nisthilfen.
Natürlich birgt die Stadt auch Gefahren für die Tiere. So fallen regelmäßig Falken Autounfällen zum Opfer oder prallen gegen Scheiben. Außerdem können Jungfalken auch aus der Nistnische fallen und werden geschwächt aufgefunden. Bis zu 50 Tiere werden jährlich in den beiden Stationen der Berliner Fachgruppe Turmfalken betreut.
Nahrung und Nahrungserwerb
Beutetiere
In Städten lebende Turmfalken jagen vor allem Sperlinge und andere Kleinvögel. Im offenen Kulturland lebende Turmfalken ernähren sich dagegen überwiegend von Kleinsäugern wie Wühlmäusen und Echten Mäusen. Welche Tiere den Hauptteil der Beute ausmachen, ist abhängig von den lokalen Gegebenheiten. Untersuchungen auf der Insel Amrum haben gezeigt, dass Turmfalken dort bevorzugt Schermäuse jagen. In Südeuropa jagt der Turmfalke auch Insekten wie Heuschrecken und Käfer sowie Eidechsen. Auf diese Beutetiere greifen auch in Mitteleuropa brütende Turmfalken zurück, wenn die Kleinsäugerbestände zusammenbrechen. Auch ausgeflogene Jungvögel ernähren sich zuerst von Insekten und wechseln erst mit zunehmender Jagderfahrung zu Kleinsäugern.
Ein frei fliegender Turmfalke benötigt täglich etwa 25% seines Körpergewichts als Nahrungsmenge. An verunfallten Vögeln durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass Turmfalken im Schnitt etwa zwei anverdaute Mäuse im Magen haben.
Ansitzjagd, Rüttelflug und Luftjagd
Der Turmfalke ist ein so genannter Griffhalter, der seine Beute mit den Fängen packt und durch einen Biss in den Nacken tötet. Die Jagd erfolgt teilweise als so genannte Ansitzjagd, bei der der Falke von Weidenpfählen, Telegraphenmasten oder Ästen aus nach Beute späht. Typisch für den Turmfalken ist aber der Rüttelflug. Dies ist eine hochspezialisierte Form des Ruderfluges, bei der der Falke eine Zeit lang über einem bestimmten Ort in der Luft „steht“. Diese Flugform, bei der der Vogel sehr heftig mit den Flügeln schlägt, ist energetisch sehr aufwändig. Bei stärkerem Gegenwind hat der Turmfalke dabei ein Verhalten entwickelt, mit dem er Energie spart. Während der Kopf über dem Fixpunkt bleibt, lässt er seinen Körper innerhalb von Bruchteilen von Sekunden lang nach hinten gleiten, bis der Hals maximal gestreckt ist. Mit Flügelschlägen fliegt er dann wieder aktiv nach vorne, bis der Hals wieder maximal gekrümmt ist. Der Energiegewinn gegenüber einem kontinuierlichen Rütteln beträgt 44 Prozent. Der Rüttelflug wird außerdem immer über solchen Stellen ausgeführt, auf denen aufgrund der für sie erkennbaren Urinspuren besonders viele Beutetiere zu vermuten sind.
Die Luftjagd wird von Turmfalken nur unter besonderen Bedingungen praktiziert. Sie kommt vor, wenn in Städten lebende Turmfalken Singvogelschwärme überraschen können sowie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, wenn sich dort größere Trupps kleiner Vögel einfinden. Einige Stadtfalken scheinen sich zu einem großen Teil auf die Vogeljagd umgestellt zu haben, um in städtischen Habitaten zu überleben. Zumindest einzelne Individuen erbeuten außerdem regelmäßig die Nestlinge verwilderter Haustauben.
Gelegentlich kann man auch junge Turmfalken beobachten, wie sie auf frisch gepflügten Äckern nach Regenwürmern suchen.
Optimierung des Energieaufwands – die Jagdformen im Vergleich
Am häufigsten wird die Ansitzjagd im Winter von Turmfalken praktiziert. In Großbritannien verbrachten Turmfalken im Januar und Februar 85 % ihrer Jagdzeit mit der Ansitzjagd und nur 15 % im Rüttelflug. In den Monaten von Mai bis August wird auf beide Jagdformen gleich viel Zeit aufgewendet. Die Ansitzjagd ist dabei zumindest zeitweilig die unergiebigere Jagdform; nur 9 % der Stöße auf Beutetiere waren im Winter erfolgreich und 20 % der Stöße im Sommer. Bei der Rütteljagd dagegen erbeutet der Turmfalke während des Winters in 16 % der Stöße Beute, während es im Sommer 21 % sind. Entscheidend für den Wechsel der Jagdform ist jedoch der Energieaufwand, der mit der Rütteljagd verbunden ist. Im Sommer ist der Energieaufwand bei beiden Jagdformen für jede erbeutete Maus gleich hoch. Im Winter dagegen ist der Energieaufwand der Ansitzjagd pro erbeuteter Maus trotz der niedrigeren Erfolgsquote nur halb so groß wie der beim Rüttelflug. Mit dem Wechsel der Jagdform optimiert der Turmfalke damit seinen Energieaufwand.
Fortpflanzung
Die Balz
Die Balzflüge der Turmfalken lassen sich in Mitteleuropa von März bis April beobachten. Die Männchen vollführen dabei ruckartige Flügelschläge, drehen sich halb um die Längsachse und gleiten danach in raschem Gleitflug nach unten. Während dieser Flüge, die vor allem der Revierabgrenzung dienen, ist ein erregtes Rufen zu hören.
Die Aufforderung zur Paarung geht überwiegend vom Weibchen aus, das sich in der Nähe des Männchens niederlässt und ein vom Bettelruf der Jungen abgeleitetes Lahnen hören lässt. Nach der Begattung fliegt das Männchen zu dem von ihm ausgewählten Brutplatz und lockt das Weibchen mit hellen zick-Rufen. In der Horstmulde zeigt das Männchen zwei unterschiedliche Balzverhalten, die ineinander übergehen. Unter lauten zick-Rufen legt sich das Männchen in die Horstmulde, als wolle es brüten, scharrt mit den Fängen und vertieft dabei die Brutmulde. Erscheint das Weibchen am Horstrand, richtet sich das Männchen wieder auf und zeigt ein erregtes Auf- und Niederwippen. Normalerweise bietet er dabei eine in der Horstmulde zuvor platzierte Beute mit dem Schnabel an.
Der Brutplatz
Turmfalken sind vor allem Felsbrüter, die in entsprechend felsigen Regionen bevorzugt in Spalten und Höhlen brüten. Wie alle Falken bauen auch Turmfalken keine Nester. In felsarmen Regionen nutzt der Turmfalke die Nester anderer Vogelarten wie beispielsweise von Krähen. In der Regel ist der Turmfalke zu schwach, um Krähen von ihren frisch gebauten Nestern zu vertreiben, so dass er in der Regel vorjährige und verlassene Nester nutzt. Es wurden aber auch schon vereinzelt Fälle beschrieben, in denen Turmfalken verwilderte Haustauben von ihren Nestern vertrieben.
Als Nistplätze dienen dem Turmfalken als Kulturfolger auch alle Arten von Gebäudenischen oder Mauerlöchern, häufig nisten sie in Kirchtürmen oder an Hochhäusern. Er nutzt dabei die oberste Region der Vertikalstruktur von Bauwerken, wo er Gefahren am wenigsten ausgesetzt ist.
Ist das Nahrungsangebot in einem Lebensraum sehr reichlich, kann es ähnlich wie beim Rötelfalken zu regelrechten Brutkolonien kommen. Aus dem Erdinger Moos in der Nähe von München ist aus den 1930er Jahren eine Kolonie belegt, wo 20 Paare Saatkrähen und 15 Turmfalkenpaare in größter Nähe zu einander brüteten. Die Turmfalken nutzten dabei die verlassenen, alten Saatkrähennester. Nur das unmittelbare Nistterritorium wird vom Turmfalken scharf verteidigt.
Die Aufzucht der Jungen
Der bereits im 2. Lebensjahr brütende Turmfalke legt die 3 bis 6 Eier, die ein typisches Turmfalkengelege ausmachen, in der Regel ab Mitte April. Die ockergelblich bis olivgrünlichen Eier sind meist stark gefleckt und zwischen 3,4 und 4,4 Zentimeter lang.
Die Gelege werden gelegentlich von Nesträubern wie etwa Nebelkrähen geplündert. Die größte Gefahr für das Gelege geht jedoch davon aus, dass das Männchen nicht in der Lage ist, das Weibchen, das alleine die Eier bebrütet, ausreichend mit Beutetieren zu versorgen und dieses daraufhin die Brut abbricht. Der Brutbeginn liegt dabei kurz vor oder nach der Vollendung des Geleges.
Die Jungen schlüpfen nach etwa 27 bis 29 Tagen. In den ersten Tagen hudert das Weibchen die Jungvögel fast ständig und verlässt sie nur für den kurzen Zeitraum, der notwendig ist, um vom Männchen die Nahrung zu übernehmen. Handelt es sich dabei um Mäuse, füttert das Weibchen ihren Nachwuchs mit dem Muskelfleisch, während sie selber den Darm und das übrig bleibende Fell frisst. Haben die Jungvögel ihre zweite Lebenswoche vollendet, stellt das Weibchen zunehmend das Hudern ein. Beide Elternvögel versorgen dann unabhängig voneinander die Jungvögel mit Nahrung. In diesem Alter beginnen Jungvögel auch, die ersten Stehversuche zu machen. Am Ende der dritten Lebenswoche haben die Nestlinge das Körpergewicht eines ausgewachsenen Turmfalken erreicht. Der Wechsel vom Dunenkleid ins Gefieder der Jungvögel ist dagegen erst mit der vierten Lebenswoche abgeschlossen.
Lebenserwartung
Die ältesten frei lebenden Turmfalken, deren Alter man anhand ihrer Beringung nachweisen konnte, erreichten ein Alter von 18 Jahren.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jungvogel sein erstes Lebensjahr überlebt, liegt jedoch nur bei etwa 50 Prozent. Eine hohe Sterberate ist in den Monaten Januar und Februar zu verzeichnen, wenn sowohl ausgewachsene Vögel als auch Jungvögel gelegentlich verhungern, weil die Witterungsbedingungen ihre Jagd zu sehr einschränken.
Bestandssituation
Nach dem Mäusebussard ist der Turmfalke die häufigste Greifvogelart in Mitteleuropa. Für Deutschland wird der Bestand auf 34.000 Paare geschätzt. Bestandsregulierend für ihre Anzahl ist einerseits die Anzahl der Nistterritorien als auch der Beutebestand. Dieser schwankt in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot, so dass er zwischen drei und 90 Brutpaaren pro 100 Quadratkilometer liegen kann.
Quelle: Wikipedia
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 03.09.2007, 17:22Der Schlangenadler
Der Schlangenadler
Der Schlangenadler (Circaetus gallicus) gehört zur Unterfamilie der Schlangenadler aus der Familie der Habichtartigen.
Aussehen
Mit bis zu 70 Zentimetern Körperlänge und einer Spannweite um 175 Zentimeter ist er deutlich größer als unser Mäusebussard. An seiner Unterseite ist er hell wovon sich meist der deutlich dunklere Kopf- bis Brustbereich deutlich abhebt. Er hat einen relativ großen Kopf und leuchtend gelbe Augen. Flügge Jungvögel sind viel heller und haben zeitweise einen fast weißen Kopf.
Verbreitung und Lebensraum
Mit etwa 5.900 bis 14.000 Brutpaaren in Europa zählen Schlangenadler zu den seltenen Arten.
Er ist in Süd- und Osteuropa, vereinzelt aber auch noch in Ungarn und Polen zu finden.
Er mag warme, offene, mit Bewuchs durchsetzte Gegenden wie Steppen, Savannen, offene Wald- oder auch Wüstenlandschaften. Wichtig ist ein reichhaltiges Vorkommen seiner Beutetiere.Als Brutplatz bevozugt er Plätze, nahe von Gewässern.
Als ausgeprägter Zugvogel fliegt er zwischen August und Oktober in Tagesleistungen von bis zu 100 km hauptsächlich über Gibraltar in Gegenden südlich der Sahara und kehrt erst gegen März wieder zurück.
Weltweit gibt es 4 bis 6 Arten der Gattung Circaetus, die bis auf Circaetus gallicus alle ausschließlich in Afrika vorkommen. C. beaudouini und C. pectoralis werden auch oft C. gallicus als Unterarten zugeordnet. C. beaudouini ist von der Musterung C. gallicus sehr ähnlich, aber kleiner. C. pectoralis sieht mit seiner schwarzbraunen Oberseitenfärbung deutlich anders aus, bildet aber im sehr kleinen Überschneidungsgebiet mit C. beaudouini vereinzelt Mischpaare.
Schlangenadler Circaetus gallicus (Gmelin, 1788)
Beaudouin-Schlangenadler Circaetus beaudouini J. Verreaux und Des Murs, 1862 - Savannenzone Westafrikas von Süd-Mauretanien bis Südwest-Sudan und Nordwest-Kenia.
Schwarzbrust-Schlangenadler Circaetus pectoralis A. Smith, 1829 - Trockenwald- und Offenlandzonen des östlichen und südlichen Afrikas von Äthiopien und Uganda bis zum Kap der Guten Hoffnung.
Einfarb-Schlangenadler Circaetus cinereus Vieillot, 1818 - Gesamte Savannen- und Trockenwaldzone des tropischen Afrikas (ohne Wüstengebiete der somalischen Halbinsel und des südwestlichen Afrikas).
Graubrust-Schlangenadler Circaetus fasciolatus Kaup, 1847 - Entlang der Küstenzone von Kenia bis zum äußersten Nordosten Südafrikas.
Bandschlangenadler Circaetus cinerascens J. W. von Müller, 1851 - Feuchtsavannenzone im Randbereich der afrikanischen Regenwaldzone, sowie im Hochland Äthiopiens.
Ernährung
Der Schlangenadler ist auf Kriechtiere wie Schlangen und Eidechsen spezialisiert und daher auch von deren Vorkommen abhängig. Die Vögel umtanzen flügelschlagend ihr Opfer, so dass den Schlangen keine Möglichkeit zum Zubeißen bleibt.
Fortpflanzung
Sein Nest baut er bevorzugt in hohe, an Hängen stehende Bäume. Er legt wahrscheinlich erst im Alter von drei oder vier Jahren und dann auch nur jeweils ein Ei. Dieses legt er in Südeuropa und Marokko im April, in Indien hingegen schon im Januar/Februar. Das Weibchen brütet im Mai und Juni etwa 35-40 Tage lang das eine weiße über 7 cm lange Ei aus. Das Junge bleibt 60-80 Tage im Horst.
Quelle: Wikipedia
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 16.09.2007, 18:51
DIE SCHLEIEREULE
Die Schleiereule (Tyto alba) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Eulen (Strigiformes) und der Familie der Schleiereulen (Tytonidae).
Beschreibung
Die 33 bis 35 Zentimeter lange, hell gefärbte, langflügelige und langbeinige Eule erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 85 Zentimeter und hat einen recht kurzen Schwanz. Männchen und Weibchen ähneln einander sehr, Weibchen sind im Allgemeinen jedoch etwas größer und etwas dunkler gefärbt. Das Gewicht reicht von etwa 200 Gramm bei den kleinsten Formen (etwa auf den Galápagos-Inseln) bis zu über 500 Gramm etwa bei der Nordamerikanischen Schleiereule, europäische Schleiereulen wiegen zwischen 300 Gramm (Männchen) bis etwa 400 Gramm (Weibchen).
Der namensgebende, ausgeprägte herzförmige Gesichtsschleier ist sehr hell, je nach Unterart ist er weiß bis hellgrau oder leicht rostrot. Die Oberseite des Körpers ist meist goldbraun mit einer feinen grauen Fleckenzeichnung. Die Unterseite kann von einem sehr reinen Weiß bis zu einem hellen Braun variieren, außerdem unterscheiden sich die Zeichnungen und Fleckungen der einzelnen Unterarten sehr deutlich voneinander. Der Schnabel ist blassgelb, die Krallen sind hornfarben, die Iris der Augen ist dunkelbraun bis schwarz. Die Zehen sind fast unbefiedert und dunkelgraubraun.
Verbreitung
Die Schleiereule besiedelt die gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen von Afrika, Europa, Südwest- und Südasien, Australien, Südamerika und Nordamerika. Sie zählt damit zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten überhaupt. In Europa kommt die Schleiereule nordwärts bis Schottland und Dänemark, nach Osten bis in die Ukraine vor. In Europa und Nordamerika liegt die nördliche Verbreitungsgrenze in Gebieten mit einer Jahresdurchschnittstemperatur zwischen sechs und acht Grad Celsius.
Unterarten
Derzeit sind über 30 Unterarten der Schleiereule beschrieben, die sich im Aussehen und im Verhalten unterscheiden. Die Anzahl der Unterarten variiert je nach Autor, so geben Schneider und Eck (1995) 34 Unterarten, Mebs und Scherzinger unverbindlich über 30 an.
Die folgende Unterartengliederung basiert auf Schneider & Eck (1995):
Die Mediterrane Schleiereule (T. a. alba) ist in Süd- und Westeuropa inklusive Großbritannien sowie in Nordafrika verbreitet. Die Brust der Tiere ist weiß, manchmal mit kleinen dunklen Sprenkeln.
Die Mitteleuropäische Schleiereule (T. a. guttata) stellt die Form mit dem nördlichsten Verbreitungsgebiet in Europa dar. Sie lebt in Südost- und Mitteleuropa und ist hier vom Süden Skandinaviens bis in die Türkei verbreitet. Die Bauchseite ist gelblich-braun, auch der Schleier ist etwas dunkler.
Die Sardinisch-Korsische Schleiereule (T. a. ernesti) ist eine Form aus Sardinien und Korsika mit weißer Unterseite. Bei dieser Form ist außerdem das Obergefieder sehr hell und die Flügelunterseiten sowie der Gesichtsschleier sind reinweiß. Auffällig ist ein rostroter Fleck vor den Augen.
Die Arabische Schleiereule (T. a. erlangeri) besiedelt Südwestasien (Zypern, die Arabische Halbinsel sowie Iran und Irak und hat ebenfalls eine weiße Unterseite, manchmal durchsetzt mit schwarzbraunen Punkten. Die Flügel sind hell und die Schwanzfedern zeigen aschgraue Binden sowie eine graumarmorierte Endbinde.
Die Afrikanische Schleiereule (T. a. affinis) ist auf dem gesamten afrikanischen Kontinent mit Ausnahme der Sahara sowie dem zentralafrikanischen Urwald verbreitet. Sie hat im Vergleich mit den europäischen Formen relativ lange und wenig befiederte Zehen bzw. Läufe. Die Unterseite dieser Form ist rostgelb gefärbt, ansonsten sind die Männchen in der Grundfarbe weiß, die Weibchen ockergelb. Das Obergefieder sowie die Seiten tragen eine Zeichnung aus Pfeil- bis tropfenförmigen dunkelbraunen Punkten und Linien.
Die Madagaskar-Schleiereule (T. a. hypermetra) findet sich nur auf Madagaskar, den Komoren und dem Aldabra-Atoll. Sie ist deutlich größer als die afrikanische Festlandform, gleicht dieser jedoch in ihrer Färbung.
Die Madeira-Schleiereule (T. a. schmitzi) ist endemisch auf Madeira. Bei dieser Form ist die Unterseite rahmfarben bis gelblich-weiß und grob gefleckt. Der Kopf ist etwas dunkler und leicht rostrot gefärbt, der Schleier ist weiß. Das Obergefieder ist sehr hell und ähnelt dem der mediterranen Form mit groben schwarzen und weißen Flecken.
Die Kanaren-Schleiereule (T. a. gracilirostris) von den Kanarischen Inseln ist relativ klein und besitzt einen sehr schlanken Schnabel. Die Unterseite ist rostgelb und grob gefleckt, die Oberseite ist hell mit pfeilspitzenartiger Zeichnung.
Die Kapverden-Schleiereule (T. a. dedorta) lebt auf den Kapverdischen Inseln Santiago und São Vicente. Der Schleier und die Bauchseite sind relativ dunkel gelb gefärbt, die Oberseite ist ebenfalls dunkel mit sehr großen schwarzen und weißen Flecken. Die Schwanzfedern sind scharf gebändert.
Die Sao-Tomé-Schleiereule (T. a. thomensis) ist auf der Insel São Tomé im Golf von Guinea heimisch. Die Oberseite dieser Form ist sehr dunkel und reicht von grau bis fast schwarz mit schwarzen und weißen Flecken. Der Gesichtsschleier ist braun, die Unterseite ist goldbraun und kann mit groben oder feinen Flecken gezeichnet sein.
Die Indische Schleiereule (T. a. stertens) findet sich in Vorderindien, auf Sri Lanka, in Assam und Nord-Myanmar. Die Oberseite ist blass grau und braungelb gefärbt mit feinen schwarzen und weißen Punkten, die Unterseite ist weiß bis leicht bräunlich-gelb mit vielen kleinen Punkten.
Das Verbreitungsgebiet der Javanischen Schleiereule (T. a. javanica) schließt sich an das der vorhergehenden Unterart an, die Grenzen sind überlappend. Sie ist im gesamten Gebiet Südostasiens und Indonesiens zu finden. Die Färbung gleicht jener der Indischen Schleiereule, allerdings ist diese Form etwas dunkler und stärker gefleckt.
Die Andamanen-Schleiereule (T. a. deroepstorffi) lebt ausschließlich auf den Andamanen. Sie besitzt sehr ausgeprägte und kräftige Zehen und ist durch die großen rostbraunen Flecken auf der grauen Oberseite auffällig gefärbt. Dadurch ist sie von allen Inselformen die dunkelste. Unterseits ist sie hell-ockerfarben mit dunklen braunen Punkten.
Die Kisar-Schleiereule (T. a. kuehni) kommt nur auf der Insel Kisar im Sunda-Archipel vor. Sie ähnelt der Indischen Schleiereule in der Färbung, ist allerdings oberseits ockergelb und hat breitere schwarze Punkte. Die Unterseite ist bräunlich getönt und quergebändert.
Die Sawu-Schleiereule (T. a. everetti) ist endemisch auf der kleinen Insel Sawu westlich von Timor. Sie gleicht der Form von Kisar, ist nur etwas kleiner und besitzt weniger ausgeprägte Zehen und einen schlankeren Schnabel.
Die Sumba-Schleiereule (T. a. sumbaensis) von der Insel Sumba ist unterseits weiß und besitzt charakteristische blasse, fast weiße Schwanzfedern.
Die Neuguinea-Schleiereule (T. a. meeki) besiedelt vor allem den nördlichen und westlichen Teil von Neuguinea. Sie ist unterseits weiß bis silberweiß, das Obergefieder und der Schwanz sind ebenfalls sehr hell.
Die Australische Schleiereule (T. a. delicatula) ist auf dem gesamten australischen Kontinent anzutreffen, außerdem auf Tasmanien und einigen vorgelagerten Inseln. Sie ist unterseits weiß und auf der Oberseite grau mit einem bräunlichen Ton.
Die Boang-Schleiereule (T. a. crassirostris) auf der Insel Boang im Bismarck-Archipel ähnelt der australischen Form, hat aber einen kräftigeren Schnabel und stärkere Fänge. Die Färbung ist etwas dunkler.
Die Santa-Cruz-Schleiereule (T. a. interposita) lebt auf den Santa-Cruz-Inseln, den Banks-Inseln und den nördlichen Neuen Hebriden (Vanuatu). Das Gefieder wird bei dieser Form durch orangeockere Farbtöne dominiert.
Die Samoa-Schleiereule (T. a. lulu) findet sich außer auf Samoa auch auf den Gesellschaftsinseln, Tonga, Fidschi, Neukaledonien, den südlichen Neuen Hebriden und den Layauté-Inseln. Sie ähnelt der australischen Form, ist jedoch etwas kleiner und jede einzelne Rückenfeder hat eine schwarze Spitze mit weißem Zentrum.
Die Nordamerikanische Schleiereule (T. a. pratincola) lebt vor allem in den südlichen USA sowie im nördlichen Mexiko. Mit einer Flügellänge von bis zu 370 Millimetern und einer Gesamtlänge von fast 430 Millimetern handelt es sich um eine sehr große Schleiereule. Die Oberseite der Tiere ist hell- bis dunkelorange, manchmal mit grauen Beimischungen, die Unterseite ist schwachorange bis weiß und mit markanten braunen Spitzen gezeichnet.
Die Guatemala-Schleiereule (T. a. guatemalae) lebt im Mittelamerika im Gebiet von Westguatemala, San Salvador, Westnicaragua und Panama. Sie ist dunkler als die nordamerikanische Form, ähnelt ihr jedoch in der Zeichnung.
Die Kuba-Schleiereule (T. a. furcata) findet sich in der Inselwelt der Karibik. Sie ist fast gänzlich weiß mit einer blassorangenen Oberseite. Der weiße Schwanz ist manchmal quergebändert und die reinweiße Unterseite kann kleine Flecken aufweisen.
Die Westindische Insel-Schleiereule (T. a. glaucops) lebt auf Tortue und dem Ostteil von Haiti in den Großen Antillen. Auch sie ist weiß, besitzt jedoch eine Zeichnung aus Zickzacklinien auf der Unterseite und ein charakteristisches graues Gesicht.
Die Bahama-Schleiereule (T. a. lucyana) der Bahamas gleicht der nordamerikanischen Festlandsform. Die Federspitzen sind allerdings mit grauschwarzen Punkten versehen.
Die Antillen-Schleiereule (T. a. insularis) lebt ausschließlich auf den Kleinen Antillen. Sie ist relativ klein und dunkel gefärbt und weist augenförmige Flecken auf der Unterseite und eine weiße "Kritzelung" auf der Oberseite auf.
Die Dominika-Schleiereule (T. a. nigrescens) der Insel Dominica (ebenfalls Kleine Antillen) ist der vorher beschriebenen Form sehr ähnlich, hat allerdings keine Augenflecken.
Die Curacao-Schleiereule (T. a. barbei) von der Insel Curaçao (ebenfalls Kleine Antillen) ist unterseits reinweiß mit grober Fleckung. Sie ähnelt eher den europäischen Formen als denen der anderen benachbarten Inseln.
Die Galápagos-Schleiereule (T. a. punctatissima) gleicht in der Färbung der Form von Dominka. Sie gehört mit einer Flügellänge von etwa 230 Millimetern zu den kleinsten Schleiereulen. Die Färbung ist sehr dunkel mattbraun mit weißen Flecken. Auf der Galápagos-Insel Santa Cruz brütet sie in unterirdischen Lavatunneln.
Die Peruanische Schleiereule (T. a. contempta) lebt in Peru, Ecuador, Venezuela und Kolumbien. Die Oberseite dieser Form ist dunkelgrau bis -braun mit blassgrauen Flecken. Die Unterseite ist schwach rostbraun mit einer Zeichnung aus unregelmäßigen braunen kreuzförmigen Flecken. Auch der Schleier ist blassbraun.
Die Kolumbianische Schleiereule (T. a. subandeana) lebt in einigen Gebieten von Kolumbien und Ecuador. Sie ähnelt der vorgenannten Art, hat aber eine weniger auffällige Zeichnung der Bauchseite.
Die Brasilianische Schleiereule (T. a. tuidara) ist in Brasilien und Argentinien vom Amazonasgebiet bis zur Südspitze Patagoniens verbreitet. Sie ähnelt in ihrem Aussehen der Mitteleuropäischen Schleiereule, hat allerdings längere Beine.
Die Guayana-Schleiereule (T. a. hellmayri) lebt in Suriname, Französisch-Guayana und Guyana sowie im Norden Brasiliens. Sie ist hell gefärbt und unterseits weiß mit schwarzen Sprenkeln, manche Individuen sind allerdings auch rostgelb auf der Bauchseite. Ansonsten ähnelt sie der Brasilianischen Schleiereule in der Zeichnung.
Die Chilenische Schleiereule (T. a. hauchecornei) lebt in Chile und ist äußerlich den anderen südamerikanischen Formen ähnlich.
Lebensraum
Die Schleiereule besiedelt in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet alle Habitate außer geschlossenen Regenwäldern, dem Inneren von Wüsten, sowie montanen Bereichen. Halboffene Landschaften wie Savannen, Halbwüsten und Baumsteppen werden bevorzugt. Im Mitteleuropa besiedelt sie als Kulturfolger fast ausschließlich die offene Agrarlandschaft mit dörflichen Siedlungen. Als Brutplätze werden vor allem Scheunen und Kirchtürme, seltener auch Baumhöhlen genutzt. Die langen Flügel und der gleitende Flug sind Anpassungen an die Jagd in offenem Gelände. Während ihrer Ruhezeit am Tage sitzt sie an versteckten Plätzen in Scheunen, Ruinen, in Baumhöhlen oder Felsspalten. Schleiereulen sind ziemlich ortstreu und verharren auch in strengen Wintern mit hoher Schneedecke sehr lange in ihren angestammten Gebieten. Zusammen mit der vergleichsweise schlechten Nahrungsverwertung und der geringen Fettspeicherung führt diese wenig ausgeprägte Neigung zu Wetterfluchten im Mitteleuropa in strengen Wintern oft zu Bestandseinbrüchen, die bis zum Erlöschen regionaler Vorkommen führen können.
Verhalten
Nahrung und Jagdverhalten
Die Schleiereule macht in der Dämmerung und nachts vor allem Jagd auf kleine Säugetiere. In 47 von 52 Untersuchungen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Art bildeten kleine Nagetiere mindestens die Hälfte aller Beutetiere. Selbst in Zentralaustralien besteht die Beute der Schleiereule mittlerweile zu 97 % aus Hausmäusen, die von den dorthin ausgewanderten Europäern als Neozoen unfreiwillig eingebürgert wurden. Fledermäuse, Ratten und kleine Kaninchen, Vögel, Reptilien, Frösche und Insekten können lokal oder regional eine wichtige Rolle spielen. In Europa besteht die Beute vor allem aus Wühlmäusen, Echten Mäusen und Spitzmäusen.
Bei ungünstigen Wetterbedingungen sowie während der Jungenaufzucht dehnt sie ihre Jagdzeit auch auf den Tag aus. Die Ortung der Beute erfolgt optisch und akustisch. Der Gesichtsschleier verstärkt die Schallsammlung für das Gehör und schirmt andere Geräusche ab. Aufgrund dieser Fähigkeit nutzt sie praktisch alle nachtaktiven und Geräusche verursachenden Kleinsäuger in ihrem Revier als Nahrung.
Während der Jagd gleitet sie oft nur wenige Meter über dem Erdboden; ihr Flug ist dabei nahezu geräuschlos. Beobachtungen lassen darauf schließen, dass sie dabei regelmäßige Flugrouten einhält und dabei besonders an Hecken, Zäunen und Gräben entlang fliegt. Hier findet sie mehr Beute als über sonstigem Kulturland. Entdeckt sie während des Jagdflugs Beute, lässt sie sich aus dem Flug plötzlich herabfallen und ergreift mit den bekrallten Zehen die Beute. Seltener sitzt sie auf Pfosten oder Baumstümpfen und lässt sich beim Auftauchen von Jagdbeute lautlos herabgleiten.
Ruhe- und Komfortverhalten
Den Tag verbringt die Schleiereule vor allem reglos sitzend und dösend an ihrem Ruheplatz, der häufig geschützt vor Störungen und versteckt ist. Neben der Störungsfreiheit muss dieser Tagesruheplatz auch Abdunklung und Schutz vor der Witterung bieten. Er kann dabei abhängig vom Lebensraum in einer alten Scheune, einem hohlen Baum, an überdachten Böschungen oder in einer Felshöhle liegen. Die Eulen stehen dabei aufrecht auf Balken, dickeren Ästen oder Steinflächen, häufig mit einer Möglichkeit zum Anlehnen. Während der Balz- und Brutzeit liegt der Übertagungsort in der Nähe des Nistplatzes, wobei die beiden Elterntiere meistens dicht beieinander sitzen. Nach der Eiablage sucht sich das Männchen wiederum einen Platz mit etwas Distanz zum Nest.
Vor dem Aktivitätsbeginn in der Dämmerung strecken und schütteln sich die Eulen. Danach putzen sie sich ausgiebig mit Hilfe der als "Putzkralle" ausgebildeten und gezähnten Mittelzehe sowie mit dem Schnabel, wobei das Gefieder durch ein Sekret der Bürzeldrüse am Schnabel eingefettet wird ("Komfortverhalten"). Während der Balzzeit kommt es auch zu gegenseitiger Gefiederpflege, bei der mit dem Schnabel der Schleier, Kopf und Nackenbereich gekrault wird. Regelmäßig ergänzen Wasserbäder oder Regenduschen die Körperpflege, auch morgendliches Sonnenbaden wurde beobachtet.
Sozial- und Feindverhalten
Ausgewachsene Schleiereulen sind sicher überwiegend Einzelgänger, die sich mit Ausnahme der Balz- und Paarungszeit selten in die Nähe anderer Schleiereulen begeben. Paare stehen oft nebeneinander und führen auch gegenseitige Körperpflege wie oben beschrieben durch. Das Revierverhalten der Schleiereule ist nicht sehr ausgeprägt, so kann man häufig mehrere Tiere oder Brutpaare in relativ dichter Nachbarschaft auffinden. Zur Überwinterung dulden die Männchen sogar Geschlechtsgenossen im eigenen Einstand. Besonders zur Brutzeit kommt es allerdings zu einer vermehrten Verteidigung des Brutbereiches, bei dem die Männchen Eindringlinge verfolgen und sogar angreifen können. Trotzdem überlappen sich die Jagdgebiete benachbarter Brutpaare häufig großflächig.
Während das Weibchen brütet, versucht das Männchen sehr häufig, weitere Partnerinnen anzulocken und zur Paarung zu bringen (Polygynie). Dadurch kommt es manchmal zur Ausbildung von Bruten mehrerer Weibchen am gleichen Nistplatz (Schachtelbruten) oder an verschiedenen Nistplätzen im Revier des Männchens. Verpaarungen eines Weibchens mit mehreren Männchen (Polyandrie) sind ebenfalls möglich, aber seltener. Dabei kann es zu mehreren Bruten eines Weibchens kommen, wobei die erste Brut vom Männchen betreut wird, oder zu Einzelbruten mit mehreren Männchen an einem Nest.
Das Feindverhalten der Schleiereulen besteht in erster Linie aus einer ausgeprägten Feindvermeidung. Auf ihrem Ansitzplatz sind die Eulen meistens gut versteckt und getarnt, noch verstärkt durch ihre aufrechte Ruhestellung. Bei Störungen laufen die meisten Schleiereulen in ein Versteck oder drücken sich näher an bestehende Strukturen des Ansitzes. Im Extremfall fliehen die Eulen und bespritzen dabei ihren Feind mit ihrem dünnflüssigen Kot. Jungvögel und bedrängte Altvögel, die nicht fliehen können, drohen ihrem Gegner in einer Drohstellung mit ausgestreckten und präsentierten Flügeln und vorgebeugtem Körper. Dabei stoßen sie laute Schreie aus und starten Scheinangriffe. Flugunfähige Jungvögel und ergriffene Schleiereulen wehren sich vor allem durch Zuschlagen mit den Krallen, seltener durch Bisse. Liegen sie auf dem Rücken, verharren sie häufig bewegungslos mit geschlossenen Augen (Akinese).
Fortpflanzung
Balz
Der Beginn der Brutstimmung bzw. Balz ist vom Nahrungsangebot abhängig. Revierrufe und Balzflüge setzen in der Regel von Februar bis April ein.
Brut
Natürliche Brutplätze in Höhlen sind in Mitteleuropa die Ausnahme. Meist brütet die Schleiereule in Gebäuden, zum Beispiel Kirchtürmen, Schlössern, Ruinen oder Scheunen. Die drei bis zwölf im Abstand von etwa 2 Tagen gelegten Eier werden etwa 30 Tage lang vom Weibchen bebrütet. Es beginnt bereits vom ersten Ei an zu brüten, sodass die Jungvögel mit den Legeabständen schlüpfen. Das Weibchen brütet und hudert allein, bis zum Alter des Jüngsten von ca. 3 Wochen bringt allein das Männchen die Nahrung herbei. Die ungleich großen Jungvögel sind nach etwa zwei Monaten flügge. Die Jungvögel wechseln aus ihrem Daunenkleid direkt in das Gefieder der erwachsenen Tiere.
Die Schleiereule brütet nur bei ausreichendem Nahrungsangebot, sodass Bruten regional über mehrere Jahre ausfallen können. In guten Mäusejahren kommt es jedoch oft auch zu drei verschachtelten Bruten pro Saison.
"Training" der Jungvögel
Junge Schleiereulen beginnen ab dem 31. Lebenstag ihre Jagdtechniken zu üben. In einer morgendlichen und abendlichen Aktivitätsphase laufen sie – sofern der Brutort dafür ausreichend Platz bietet – bis zu zwei Meter umher und trainieren "Mäuselsprünge". Ab dem 39. Lebenstag nimmt der Aktivitätsdrang noch weiter zu.
Bei optimalen Brutorten wie beispielsweise einer Scheune oder dem Dachboden eines Kirchturms verlassen sie über Stunden den engeren Brutraum und erkunden ihrem unmittelbaren Lebensraum. Ab dem 44. Lebenstag trainieren sie rund zwei Meter weite Flattersprünge.
Wanderungsbewegungen der Jungvögel
Im Herbst wandern die Jungvögel ab; Ringfundauswertungen zeigen, dass etwa 2/3 aller Wanderungsbewegungen innerhalb eines Radius von 50 km um den Geburtsort enden. Die Wanderungen können jedoch auch erheblich weiter führen. In Baden-Württemberg beringte Vögel wurden noch im ersten Lebensjahr beispielsweise an der holländischen Küste, in Südfrankreich oder in Spanien wieder aufgefunden. Zu sehr starken Wanderungsbewegungen kommt es immer dann, wenn sehr hohe Schleiereulen-Bestände mit einem Zusammenbruch der Feldmaus-Population zusammentreffen. In Jahren, in denen sich Feldmäuse sehr stark vermehren (Gradation), siedeln sich die Jungvögel in nächster Nähe zu den Elterntieren an.
Gefährdung in Mitteleuropa
Nach dem die Schleiereule als Bewohner der Baumsteppen durch die Kulturtätigkeit des Menschen in ihrer Ausbreitung in Mitteleuropa wahrscheinlich begünstigt wurde, ist sie in den letzten Jahrzehnten deutlich seltener geworden. Der Rückgang ist vor allem auf die Intensivierung dieser Kulturtätigkeit und Landnutzung in der jüngsten Geschichte zurückzuführen, die den Lebensraum und die Brutorte der Schleiereule negativ beeinflusst oder vernichtet haben.
Moderne landwirtschaftliche Produktionsmethoden
Insbesondere die moderne Ackerbewirtschaftung hat über die Einschränkung der Lebensräume für Feld- und Wühlmäuse auch indirekt die Lebensräume für Schleiereulen eingeschränkt: Bei den heute verwendeten Anbaumethoden wird das Stroh sehr kurz nach der Ernte von den Feldern geräumt und das Stoppelfeld umgepflügt. Größere Feldmauspopulationen können unter diesen Bedingungen nicht mehr überleben.
Straßenbau
Zusammenhängende Ödlandstreifen, die Kleinsäugern ausreichend Lebensraum bieten, finden sich aufgrund der Flurbereinigungsmaßnahmen in vielen Gebieten heute nur noch entlang von Straßen. Schleiereulen nutzen diese deswegen bevorzugt als Jagdgebiet mit der Folge, dass Schleiereulen vermehrt zu Verkehrsopfern werden.
Zersiedelung und Verstädterung
Die Baupolitik mit Neubausiedlungen im Umland der Städte hat ebenfalls dazu geführt, dass den Schleiereulen Lebensraum verloren gegangen ist. Ortsnahe Habitate mit Streuobstwiesen, Bauerngärten und Hecken, die einen fließenden Übergang von Städten zur Feldflur darstellten, sind heute nur noch selten zu finden. Neubausiedlungen grenzen heute meist unmittelbar an landwirtschaftlich intensiv genutzte Feldfluren an. Schleiereulen besiedeln diese Gebiete nicht mehr, selbst wenn sie ausreichend Brutplätze bieten. In einer Untersuchung des Instituts für Ökologie und Naturschutz wurde 1987 für Baden-Württemberg festgehalten, dass Gebiete wie das mittlere Neckartal, der Bereich von Esslingen/Plochingen/Stuttgart, der Großraum rund um die Stadt Ludwigsburg, die Filderhochfläche und der Bereich Böblingen/Sindelfingen/Herrenberg nicht mehr als schleiereulentauglich einzustufen seien.
Nistplatzmangel
Schleiereulen brüten bevorzugt in menschlicher Nähe und nutzen dabei unter anderem Scheunen, Ställe und Kirchtürme. In modernen Stallungsgebäuden wird auf die traditionellen "Uhlenlöcher" verzichtet; Ortskernsanierungen führten zum Abbruch alter Gebäude mit Schleiereulen-Brutplätzen und Kirchtürme - früher ein häufiger Brutplatz von Schleiereulen - wurden zunehmend vergittert und sind damit Schleiereulen nicht mehr zugänglich. Eine Untersuchung für 390 Gemeinden in Baden-Württemberg zeigt, dass im Zeitraum von 1947 bis 1982 72 % der Gemeinden ihre Kirchtürme so umbauten, dass diese für Schleiereulen nicht mehr zugänglich waren. Diese Entwicklung hat sich vor allem seit den 1960er Jahren verstärkt; moderne Glockenläutanlagen sollten vor Eulenkot geschützt werden und verwilderten Haustauben soll keine Brutgelegenheit geboten werden.
Trotz der o. g. Gefährdungsfaktoren gilt die Schleiereule in Deutschland nicht als gefährdet.
Bestand
Der weltweite Bestand der Schleiereule wird von der IUCN auf etwa 4,9 Millionen Tiere geschätzt. Die Art gilt als "nicht gefährdet".
Schutzmaßnahmen
In vielen Gebieten haben Schutzmaßnahmen, Bruthilfen und erfolgreiche Wiederansiedlungen zu einer Erholung der Bestände geführt, so dass optimale Schleiereulenhabitate zur Zeit wieder gut besiedelt sind. Die Bestandszahlen der 1950er Jahre sind jedoch bis jetzt nicht wieder erreicht.
Für erfolgreiche Schutzmaßnahmen war vor allem ein besseres Verständnis der Brutbiologie der Schleiereule notwendig. Aufgrund von Infrarot-Aufnahmen und von Beobachtungen an gefangenen Schleiereulen weiß man, dass in zu engen Nistkästen der Kot sehr schnell das Gefieder der Jungvögel verklebt. Den Jungvögeln fehlt dort darüber hinaus der Raum, in dem sie ihre Jagdtechniken eintrainieren können, so dass diese Vögel weit weniger in der Lage sind, die erste Zeit ihrer Selbständigkeit zu überleben. Wichtig ist außerdem, dass den Jungvögeln in der Nähe des Brutortes weitere Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Schleiereulen beginnen bei ausreichendem Nahrungsangebot frühzeitig mit einer zweiten Brut und die Altvögel vertreiben sehr schnell die Jungvögel. Diese benötigen in den ersten Tagen in der Nähe des Brutortes geschützte Ruheplätze.
Seit den 1970er Jahren wurden Maßnahmen unternommen, vor allem die Kirchtürme wieder Schleiereulen-tauglich rückzubauen. Dabei wurden Bauweisen entwickelt, die zum einen wertvolle Bauanlagen vor Eulenkot schützen und gleichzeitig verhindern, dass sich wilde Haustauben ansiedeln. Vorteilhaft dabei ist, dass Schleiereulen bereits sehr enge Einflugöffnungen von nur 15 x 20 cm annehmen. Ein anschließender Brutraum in einer Größe von mindestens 2 m x 2 m gewährleistet, dass den Jungvögeln ausreichend Raum zur Verfügung steht.
Trotz dieser Fortschritte bei den Schutzmaßnahmen fehlt die Schleiereule gebietsweise nach den Kältewintern der 1960er und 1970er Jahre noch immer. Dies gilt zum Beispiel für weite Teile Österreichs. Die Eingriffe in die Lebensräume der Schleiereule lässt sich nicht durch die Schaffung geeigneter Nisthilfen kompensieren. Die Schleiereule profitiert jedoch von Neuanlagen von Hecken, vom verstärkten Schutz der verbliebenen Streuobstwiesen. Stilllegungsprogramme auf landwirtschaftlichen Flächen wirken sich durch Verminderung negativer Randzoneneinflüsse wie Abdrift von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und damit durch Verbesserung der Lebensraumstrukturen wie Hecken, Gräben, Einzelbäume positiv aus.
Mensch und Schleiereule
Als Jäger von Mäusen und Ratten wird die Schleiereule vielerorts in Mitteleuropa von Landwirten geschätzt. Traditionell gebaute Scheunen und Ställe haben deshalb in vielen Regionen sogenannte Eulentüren oder Eulenlöcher (Uhlenloch oder Uhlenflucht), die den Vögeln Zugang zu geeigneten Brutplätzen bieten.
Mit dem jahrtausendelangen Kulturfolger verbindet sich jedoch auch viel Aberglaube. Eine an die Scheunentür genagelte Eule soll Unheil vom Hof abwenden und ihn vor Blitzeinschlag und Feuer schützen. Ihr Ruf kündigt in manchen Regionen den Tod an, in anderen Regionen weist Eulengeschrei auch auf eine bevorstehende Geburt.
Der Aberglaube differenziert dabei meistens nicht zwischen den einzelnen Eulenarten. Da die Schleiereule mit ihrem bevorzugten Brutplatz in Scheunen, Ställen, Ruinen und Kirchtürmen als Art jedoch in der größten Nähe zum Menschen lebt, war bzw. ist sie in abergläubische Rituale am ehesten involviert.
Sonstiges
Das hochpräzise akustische Ortungssystem der Schleiereule dient in der Forschung als Modellsystem für das Richtungshören[1].
Die Schleiereule ist Vogel des Jahres 1977.
Quelle: Wikipedia
Re: Greifvögel und Eulen
Weißkopf-Seeadler - 19.09.2007, 14:53
Ähm, ist das Bild vom Turmfalken nicht vielleicht ein bisschen groß?
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 03.10.2007, 11:40
Weißkopf-Seeadler hat folgendes geschrieben: Ähm, ist das Bild vom Turmfalken nicht vielleicht ein bisschen groß?
ich weiß, hab nicht gemerkt, dass das so groß ist. :roll:
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 26.10.2007, 19:34
Der Steinadler
Der Steinadler (Aquila chrysaetos) ist eine große Greifvogelart innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Steinadler besiedeln offene und halboffene Landschaften in der gesamten Holarktis. Sie ernähren sich meist von mittelgroßen, bodenbewohnenden Säugern. Die Art war früher in Europa weit verbreitet, wurde aber systematisch verfolgt, so dass sie heute in vielen Teilen Europas nur noch in Gebirgsgegenden vorkommt. In Deutschland brüten Steinadler nur noch in den Alpen.
Beschreibung
Steinadler zählen zu den größten Vertretern der Gattung Aquila. Die Geschlechter des Steinadlers unterscheiden sich deutlich in Größe und Gewicht. Das Weibchen kann eine Körperlänge von 90-100 cm erreichen; das Männchen ist im Mittel rund 10 cm kleiner. Die Spannweite variiert zwischen 190 und 210 cm beim Männchen und zwischen 200 und 230 cm beim Weibchen. Weibchen wiegen 3,8 bis 6,7 kg, die leichteren Männchen 2,8 bis 4,6 kg. Steinadler haben 11 Handschwingen, die äußerste (11.) Handschwinge ist jedoch sehr klein. Die sechste Handschwinge ist mit knapp 60 cm die längste. Die 17 Armschwingen sind zwischen 35 und 40 cm lang. Der Schwanz wird aus 12 Steuerfedern gebildet, die 34 bis 42 cm lang sind.
Grundfarbe des Gefieders ist ein einheitliches dunkles Braun. Der Nacken ist goldgelb. Der Schwanz der adulten Tiere ist braun und mehr oder weniger deutlich mit einigen helleren Bändern durchsetzt. Der Schnabel ist dunkelgrau, die Iris der Augen dunkelbraun. Wie bei allen Arten der Gattung Aquila sind die Beine (Fänge) bis zu den sehr kräftigen gelben Zehen befiedert.
Steinadler im ersten Lebensjahr sind insgesamt dunkler braun und haben auffallende, weiße Federpartien auf den inneren Handschwingen und den äußeren Armschwingen. Der Schwanz ist weiß und zeigt eine scharf abgesetzte, breite schwarze Endbinde. Steinadler sind erst ab dem 5. bis 7. Lebensjahr voll ausgefärbt.
Im Flug wirkt der Steinadler trotz seiner Größe meist sehr leicht und elegant. Auffallend ist neben der für Adler typischen starken Fingerung der Handschwingen der relativ lange, nur leicht gerundete Schwanz. Im Gegensatz zu allen anderen Vertretern der Gattung hebt der Steinadler seine Flügel im Segelflug leicht an, so dass ein leicht V-förmiges Flugbild zustande kommt.
Angaben zur durchschnittlichen Lebenserwartung freilebender Steinadler liegen kaum vor, nach Beobachtungen in der Schweiz scheinen revierbesitzende Vögel aber regelmäßig Lebensalter > 20 Jahre zu erreichen. Die durch Vogelberingung nachgewiesenen Maximalwerte waren 26 Jahre (Schweiz) und 32 Jahre (Schweden). In Gefangenschaft soll eine Reihe von Steinadlern über 40 Jahre alt geworden sein, viele dieser Daten gelten jedoch als fraglich.
Verbreitung und Lebensraum
Der Steinadler besiedelt die borealen, die gemäßigten sowie die mediterranen Zonen der gesamten Holarktis. Er ist damit der am weitesten verbreitete Vertreter der Gattung Aquila. In der Paläarktis erstreckt sich die Verbreitung im Westen von Schottland in einem breiten Streifen durch Europa und Asien bis Kamtschatka und Japan. Außerdem ist der Norden und Westen Nordamerikas von der Art besiedelt. Durch jahrhundertelange, massive Verfolgung ist die Verbreitung in Europa heute stark zersplittert. In Mitteleuropa sind die Vorkommen des Steinadlers im Wesentlichen auf den Alpenbogen und die Karpaten beschränkt, in Deutschland lebt er nur in den Bayerischen Alpen. Abseits der Alpen liegen die Vorkommen in Dänemark und im Osten Polens Deutschland am nächsten.
Steinadler besiedeln offene und halboffene Landschaften aller Art, die ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten und Felswände oder ältere Baumbestände für die Nestanlage aufweisen. Sein Lebensraum reicht von alpinen Matten über große Moore mit kleinen Wäldern im Baltikum bis zu Halbwüsten im Norden Afrikas. Große, geschlossene Wälder werden nur randlich besiedelt. Die heutige starke Konzentration auf gebirgige Landschaften ist zumindest in Europa eine Folge der intensiven Verfolgung.
Nahrung
Steinadler sind außerordentlich kräftig und sehr geschickt. Sie erbeuten regelmäßig Tiere, die erheblich schwerer sind als sie selbst. Das maximale Beutegewicht liegt bei etwa 15 kg. Im Beutespektrum dominieren meist bodenbewohnende, kleine bis mittelgroße Säugetiere von Ziesel- bis Steinbockkitz-Größe, Vögel spielen meist nur eine kleinere Rolle. Meist bilden wenige Säugerarten den Hauptteil der Nahrung. Daneben erbeutet der Steinadler jedoch fast alle kleinen und mittelgroßen Säuger und Vögel, die im jeweiligen Gebiet vorkommen. Insbesondere im Süden des Verbreitungsgebietes frisst er auch regelmäßig Reptilien, dort lassen Steinadler ähnlich wie Bartgeier auch Landschildkröten auf Felsen fallen, um so deren harten Panzer zu zerbrechen. Insbesondere im Winter, regional aber auch im Sommer, spielt Aas eine wichtige Rolle in der Ernährung.
Im Schweizer Kanton Graubünden dominierten zur Brutzeit im Beutespektrum Alpenmurmeltiere mit 60,2 % aller Beutetiere, an zweiter Stelle folgten junge Gämsen mit 8,0 %. Danach folgten Schneehase, Alpenschneehuhn und Birkhuhn mit jeweils 5,2 %[1]. Im schweizerischen Alpenvorland bestand die Nestlings-Nahrung in 4 Revieren vor allem aus Feldhasen (36,2 % aller Beutetiere), danach folgten Hauskatzen (27,5 %), Rehkitze (14,1 %) und Haushühner (8,1 %). Populationen im Zentralmassiv Frankreichs jagen hauptsächlich Wildkaninchen. In Schottland wurden je nach Region Hasenartige in 10,7 % bis 46,9 % aller im Sommer gefundenen Gewölle nachgewiesen. Weitere wichtige Beutetiere waren dort Schafe und Ziegen (in 0,6 bis 26,8 % aller Gewölle), Rauhfußhühner (5,4 bis 47,8 %) und Rothirsche (als Aas) (1,2 bis 22,3 %)[2].
Fortpflanzung
Horst und Nistplatz
Der Steinadler nistet in Felswänden und auf großen Bäumen. Nistplätze an Felsen liegen meist in Höhlungen oder unter Überhängen, Expositionen zur Hauptwindrichtung (in Mitteleuropa West- und Südwestseiten) werden deutlich gemieden. Ein (Felsen-)Horst wird flach und oval begonnen, Horste auf Bäumen sind runder und werden bereits anfangs höher gebaut. Felsnester in Schottland maßen im Mittel 1,33 m x 1,06 m und waren 0,79 m hoch, Baumhorste in Schweden hatten im Mittel einen Durchmesser von 1,4 m und waren 1,1 m hoch[3]. Je nach Dauer der Nutzung werden die Horste ständig erweitert, ergänzt und repariert, so dass über Jahre hinweg mächtige, nicht selten mehr als zwei Meter in Höhe und Breite messende Horste entstehen. Das Nest wird aus kräftigen Ästen und Zweigen angelegt und mit belaubten Zweigen und Büscheln ausgepolstert. Diese Polsterung erfolgt während der gesamten Brutsaison. Die von beiden Tieren erbauten Horste werden mehrjährig benutzt, und meist hat ein Paar mehrere sogenannte Wechselhorste. Im Gebirge liegen die Horstplätze meist unterhalb der Jagdgebiete, da der Transport der Beute nach unten einfacher ist als nach oben.
Brut und Aufzucht der Jungen
Steinadler werden erst mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif. Brutpaare führen, soweit bekannt, eine monogame Dauerehe. Die Balz beginnt im Januar mit teils spektakulären Balzflügen. Die Eiablage erfolgt mit höherem Breitengrad immer später, im Oman im Mittel Anfang Dezember, im Norden von Alaska und Sibirien Anfang Mai. In ganz Europa liegt der Legebeginn recht einheitlich zwischen Mitte März und Mitte April und verändert sich von Norden nach Süden nur unwesentlich. So erfolgten die frühesten Eiablagen in Finnland Anfang März, in der Schweiz Ende Februar.
Das Weibchen legt im Abstand von drei bis vier Tagen meistens zwei Eier, seltener nur eines oder drei. Die kurzspindelförmigen Eier sind glanzlos und meist schmutzigweiß mit brauner, braunvioletter oder hellgrauer Fleckung. Bei mehr als einem Ei sind die weiteren meist gar nicht mehr oder nur sehr spärlich gefleckt. Eier aus den Alpen maßen im Mittel 76,4 x 58,0 mm. Das Gelege wird ab dem ersten Ei überwiegend vom Weibchen bebrütet, das Weibchen wird während der Brut vom Männchen mit Futter versorgt. Die Brutzeit dauert 43 bis 45 Tage.
Die frisch geschlüpften Adler haben ein weißes Dunenkleid, das zweite Dunenkleid wird im Alter von 9. bis 15. Tagen angelegt, ist schmutzig weiß und besteht aus dichteren und gröberen Federn. Das älteste Junge tötet in den ersten Lebenswochen oft seine jüngeren Geschwister. Dieser sogenannte Kainismus ist jedoch im Gegensatz zu anderen Vertretern der Gattung Aquila, wie z. B. dem Schreiadler, nicht obligat, sondern tritt vor allem bei Nahrungsknappheit auf. Etwa sieben Wochen nach dem Schlüpfen können die Jungvögel selbst Nahrung aufnehmen. Bis dahin werden sie vom Weibchen mit vom Männchen geschlagener und an den Horst gebrachter Beute gefüttert. Im Alter von 74 bis 80 Tagen absolvieren die Jungvögel die ersten erfolgreichen Kurzflüge. Die Jungvögel verbringen die ersten 60-70 Tage nach dem Ausfliegen in der unmittelbaren Nestumgebung; etwa 5 Monate nach dem Ausfliegen verlassen die Jungvögel das Revier der Eltern.
Bestandsentwicklung und Gefährdung
Schon früh wurde der Steinadler nicht mehr nur als „König der Lüfte“ gesehen, sondern auch als Jagdkonkurrent sowie als Feind der Nutztiere. Bereits im 17. Jahrhundert begann die systematische Verfolgung und Ausrottung des Steinadlers, parallel zu Braunbär, Wolf, Luchs, Bartgeier und anderen Beutegreifern. Die Adler wurden in Europa geschossen oder mit Fangeisen und Giftköder gefangen, die Horste wurden ausgenommen und zerstört. Der Rückgang ist für Deutschland recht gut dokumentiert. Bereits im 17. Jahrhundert waren die letzten Brutpaare aus dem Thüringer Wald, dem Zittauer Gebirge und dem Erzgebirge verschwunden, um 1750 aus dem Harz und um 1800 aus der Schwäbischen Alb. Letzte Bruten wurden für 1816 aus dem Schwarzwald und der Eifel, ca. 1840 bei Celle, 1860 im Fläming, 1864 im Riesengebirge, 1865 in Mecklenburg, ca. 1870 in Ostpreußen, 1876 in Brandenburg und 1887 in Pommern verzeichnet [5]. Danach gab es in Deutschland nur noch in den Bayerischen Alpen Steinadler.
Trotz der intensiven Verfolgung auch im gesamten Alpenraum überlebte der Steinadler dort, da viele Horste hier unzugänglich und unerreichbar waren. Anfang der 1920er Jahre wurde die Jagd auf Steinadler hier eingeschränkt, 1925 erhielt er in Bayern und Tirol ganzjährige Schonzeit, in der Schweiz wurde die Bejagung erst 1953 vollständig untersagt. Intensive Nachstellungen fanden bis Mitte der 1960er Jahre statt, so wurden in Österreich zwischen 1959 und 1965 trotz Schutzprogrammen, gesetzlichen Schutzvorkehrungen und Bewachung mehr als 100 Exemplare geschossen. Auch wurden Abschüsse genehmigt, obwohl der Bestand von damals ca. 50 Paaren als stark gefährdet einzustufen war.
Etwa ab Mitte der 1970 Jahre setzte im gesamten Alpenraum eine deutliche und nachhaltige Bestandszunahme ein. So wurde der Bestand in Bayern Ende der 1960er Jahre auf 15-17 Brutpaare (BP) geschätzt, 1999 auf 45-50 BP. Im Schweizer Kanton Graubünden brüteten auf einer Fläche von 4585 km² in den Jahren 1965-71 42 BP, Mitte der 1990er Jahre 105 BP [6]. In Österreich brüteten 2004 300-350 BP, in der Schweiz 2003 320-340 BP. Der Gesamtbestand in den Alpen wird heute auf 1100-1200 BP geschätzt. Große Bestände beherbergen in Europa außerdem Spanien (ca. 1300 BP in den Jahren 1998-2002), Norwegen (860-1040 BP, 2003) und Finnland (300-350 BP, 2002)[7].
Weltweit gesehen wird der Bestand des Steinadlers von der IUCN auf etwa 250.000 Tiere geschätzt und für stabil gehalten. Daher wird die Art als "nicht gefährdet" eingestuft.
Situation in Bayern
In den Bayerischen Alpen wurden bis Anfang der 1990er Jahre immer mehr Paare beobachtet, die entweder gar nicht anfingen zu brüten oder aber die Brut sehr früh aufgaben[8]. In den meisten Fällen war dies auf Hubschrauber oder Gleitschirmflieger zurückzuführen, welche während der Bebrütungsphase oder in den ersten Lebenswochen der Jungvögel, in denen sie noch nicht zur selbständigen Temperaturregulierung fähig sind, zu nahe an die Horste heranflogen und die Altvögel zum Abflug brachten. Oftmals kühlten dann bis zur Rückkehr der Eltern die Eier aus und starben ab, oder die bereits geschlüpften Jungvögel erfroren. Da seit Ende der 1990er Jahre fast alle bayerischen Brutpaare durch das Artenhilfsprogramm Steinadler in einem Monitoringsystem genau beobachtet werden, können solche anthropogenen Störungen seither meist verhindert werden.
Quelle: Wikipedia
Re: Greifvögel und Eulen
Weißkopf-Seeadler - 27.10.2007, 14:59
Wüstenbussard hat folgendes geschrieben: Der Steinadler
Ein Winzling im gegensatz zu deinem Turmfalken... :roll: :mrgreen:
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 29.10.2007, 09:57
Ich weiß, ich wusste wie ja schon gesagtnicht,dass derso groß ist. Hab ich erst bemerkt, als ich ihn abgeschickt habe. :roll:
Re: Greifvögel und Eulen
Weißkopf-Seeadler - 29.10.2007, 11:11
Ich bieten an ihn kleiner zu machen. Ich glaube ich weiß was man da machen kann... :roll: 8-)
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 05.11.2007, 20:17
Gut, dann mach dass bitte mal.
Re: Greifvögel und Eulen
Weißkopf-Seeadler - 12.11.2007, 17:48
Gut, das Thema hätte sich erledigt...
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 17.11.2007, 19:32
Ah, danke.
Der Gerfalke
Der Gerfalke ist die weltweit größte Falkenart. Er ist zirkumpolar in den arktischen Regionen Eurasiens und Nordamerikas sowie Grönlands vertreten und besiedelt dort die Tundra. In Mitteleuropa ist er nur sehr selten als Wintergast zu beobachten und hält sich dann meist in Küstennähe auf.
Der Gerfalke, dessen horizontale Fluggeschwindigkeit die des Wanderfalken übertrifft [1], wird seit dem Mittelalter als Beizvogel sehr geschätzt. Weiße Gerfalken galten als besonders wertvoll und zählten regelmäßig zu den Geschenken an und zwischen Fürstenhäusern.
Erscheinungsbild
Der etwa mäusebussardgroße Gerfalke ist die weltweit größte Falkenart. Die Körperlänge eines Gerfalken beträgt zwischen 48 und 61 Zentimeter. 19 bis 24 Zentimeter der Körperlänge entfallen dabei auf den Schwanz. Die Spannweite beträgt zwischen 105 und 131 cm. Die Art zeigt hinsichtlich Größe und Gewicht einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus; Männchen wiegen 960 bis 1300 Gramm, im Mittel 1070 Gramm, Weibchen 1400 bis 2000 Gramm, im Mittel 1710 Gramm. Die Färbungsunterschiede zwischen den Geschlechtern sind hingegen gering, Männchen haben ein tendenziell etwas blasseres Federkleid als die Weibchen. [2]
Die Flügel sind vor allem am Körperansatz breiter, die Armschwingen sind länger und die Handschwingen sind voller und verlaufen spitzer als beim Wanderfalken. Auffallend ist der lange und breite Schwanz. Die Wachshaut und die Füße sind bei Jungvögeln blaugrau. Altvögel weisen hier dagegen eine gelbe Färbung auf. Die Iris ist dunkelbraun, der sie umgebende Augenring ist gelb. Der Schnabel ist von graublauer Farbe; die Schnabelspitze ist deutlich dunkler.
Die Gefiederfarbe des Gerfalken ist sehr variabel. Es gibt weiße Farbmorphen, die lediglich schwarze Flügelspitzen aufweisen und solche, deren Federkleid eine Vielzahl dunkler Flecken aufweisen. Daneben gibt es Farbmorphen mit einfarbig grauer oder graubrauner Körperoberseite, graue Vögel mit dunklen Querstreifen und heller Unterseite sowie fast einfarbig schwarzbraune Individuen.
In der ornithologischen Literatur werden Gerfalken meist als trimorph beschrieben und weiße, graue und dunkle Gerfalken unterschieden. In der Literatur werden die unterschiedlichen Farbmorphen häufig als geographisch bedingt beschrieben. [3] Die früher in der Falknerei begehrten weißen Farbmorphen kommen danach entsprechend überwiegend in Grönland und Ostsibirien vor; graue Gerfalken sind dagegen typisch für Island und Südgrönland, während die dunklen Farbmorphen vor allem in Skandinavien, Nordfinnland und Nordrussland auftreten. Der Ornithologe Todd wies allerdings bereits 1963 darauf hin, dass die Farbe des Federkleids beim Gerfalken eher ein individuelles als ein geographisch bedingtes Merkmal ist. [4] Die ausführlichen statistischen Analysen, die die Ornithologen Potapov und Sale auf Basis von 1310 Vogelbälgen vornahmen, bestätigen dies. Unterschiedliche Farbmorphen können in allen Populationen auftreten: Von 55 ausgewachsenen Gerfalken, die 1968 auf der Seward-Halbinsel in Alaska beobachtet wurden, waren 12,7 Prozent braungrau, 56,4 Prozent grau, 16,4 Prozent hellgrau, 5,5 Prozent wiesen ein cremefarbenes Federkleid mit grauen Querstreifen auf und 9,1 Prozent waren weiß. Der Anteil einer spezifischen Farbmorphe am Bestand ist dabei offenbar Schwankungen unterworfen. Der Anteil weißer Gerfalken betrug auf der Kamtschatka-Halbinsel zwischen 1981 bis 1990 39,3 Prozent und ging für den Zeitraum von 1991 bis 1999 auf 20 Prozent zurück. [5]
Unterarten
Der Gerfalke wird nach heutigem Wissensstand als monotypische Art eingeordnet. [6] In der älteren ornithologischen Literatur findet man noch je nach Autor zwischen vier und sieben Unterarten beschrieben. [7] Die Unterscheidung in Unterarten basierte auf der unterschiedlichen Gefiederfärbung, die bei Gerfalken zu beobachten ist. Carl von Linné ordnete die Farbmorphen sogar noch unterschiedlichen Arten zu. Da die Definition einer Unterart ein distinktes Verbreitungsgebiet voraussetzt, die Farbmorphen jedoch in allen Populationen auftreten können, stellt die Gefiederfärbung aus heutiger Sicht nicht länger eine Basis für die Definition einer Unterart dar.
Die früher gelegentlich als Altaifalke oder Altai-Gerfalke („Falco altaicus“) bezeichnete Großfalkenpopulation, die im mittelasiatischen Altai- und Sajangebirge vorkommt, wird heute als Unterart des Sakerfalken betrachtet (Falco cherrug milvipes), wobei eine genetische Differenzierung dieser Unterart vom Gerfalken nicht möglich ist. Möglicherweise hatte diese Unterart nach ihrer Ausbreitung in Zentralasien noch mehrfach Kontakt mit dem Gerfalken, so dass Hybridisierungen auftraten.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum
Der Gerfalke ist eine zirkumpolar verbreitete Falkenart, dessen Brutgebiete in der Arktis und Subarktis liegen. Die südlichsten Brutnachweise liegen für Eurasien auf der Kamtschatka-Halbinsel bei 54° 35' N, 161° 7' O und für Nordamerika auf Long Island an der südöstlichen Küste der Hudson-Bay bei 54° 53' N, 80° 30' W [11]. In Europa ist er ein Brutvogel in Island, Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. In Asien brütet er nur in Russland. Die amerikanischen Brutgebiete liegen im us-amerikanischen Bundesstaat Alaska sowie Kanada und Grönland.
Die nördliche Grenze seines Brutgebietes ist im Wesentlichen vom Vorkommen seiner wichtigsten Beute, dem Alpen- und dem Moorschneehuhn bestimmt. Obwohl der Gerfalke in der Literatur als die Falkenart der Hocharktis beschrieben wird, brüten Wanderfalken, die ein breiteres Beutespektrum haben, gelegentlich weiter nördlich als diese Art. [12] Für das Jagdverhalten des Gerfalken ist eine offene, nur mit niedrigem Gebüsch bewachsene Landschaft notwendig. Die Brutreviere müssen außerdem Felsklippen oder Waldinseln aufweisen. Charakteristische Brutreviere sind daher Tundren, die von felsigen Flusstälern durchschnitten sind, sowie Felsküsten in der Nähe von Seevogelkolonien. Die südliche Verbreitungsgrenze seines Vorkommens stellen die Regionen dar, in denen die Waldtundra oder Waldsteppe in dichtere Waldbestände übergeht.
Gerfalken brüten in allen Gebieten Islands, wobei sich die größte Populationsdichte im Norden der Insel findet. Die südlichsten Brutgebiete in Norwegen liegen bei Sirdalsheiene und erstrecken sich von dort bis in das Tal des Pasvik Flusses im Norden Norwegens. In Schweden ist der Gerfalke fast ausschließlich ein Brutvogel der alpinen Tundra. Er brütet im nördlichen Teil von Dalarna, im Westen von Jämtland sowie in Härjedalen, Lappland und im Norden von Norrbotten. [13] Das Brutgebiet in Finnland beschränkt sich auf Nordfinnland. Das Gebiet der beiden nordfinnischen Gemeinden Inari und Utsjoki soll die höchste Bestandsdichte an Gerfalken in Finnland aufweisen. Über die Brutgebiete in Russland liegen keine vollständigen Informationen vor, so dass die nördliche und südliche Verbreitungsgrenze in dieser Region bis jetzt nur unzureichend bestimmt ist. Potapov und Sale weisen darauf hin, dass viele russische Ornithologen bewusst darauf verzichten, Brutnachweise zu publizieren, um so zu verhindern, dass die Nester ausgeraubt werden. [14] Nach jetzigem Wissensstand erstrecken sich die Brutgebiete der Gerfalken von Finnland ausgehend über die Kola-Halbinsel bis nach Sibirien und liegen überwiegend nördlich des Polarkreises. Gerfalken fehlen allerdings auf den arktischen Inseln Russlands.
Das Brutgebiet in Nordamerika erstreckt sich in Alaska von den Aleuten über die Seward-Halbinsel und der Brooks Range bis zum Chugach-Gebirge. In Kanada brüten Gerfalken auf den meisten der arktischen Inseln, darunter der Ellesmere-Insel, sowie im arktischen Tiefland und der Waldsteppe. Brutnachweise gibt es bislang für die kanadischen Bundesstaaten British Columbia, den nördlichen Teil von Québec und Labrador. Auf Grönland brüten Gerfalken nur in der Küstenregion.
Zug
Die verschiedenen Populationen der Gerfalken weisen kein einheitliches Zugverhalten auf. Die in der Westpaläarktis lebenden Gerfalken sind Stand- und Strichvögel. Bei den im skandinavischen Raum lebenden Gerfalken verbleiben Altvögel überwiegend ganzjährig in ihrem Revier. Nur Jungvögel streifen stärker umher, so dass sich einzelne Exemplare während des Winterhalbjahrs auch in Dänemark, Irland und Großbritannien beobachten lassen.
Die in der russischen Tundrazone lebenden Gerfalken sind dagegen Zugvögel, die sich von der Tundra- in die Taigazone ziehen und dabei eine Strecke von 1000 bis 2000 Kilometer zurücklegen. [17] Die im Osten Grönlands brütenden Gerfalken ziehen im September nach Island und kehren im April in ihre Brutgebiete zurück [18], die übrigen Vögel überwintern in den südlichen Küstenregionen Grönlands.
Fortpflanzung
Auslöser des Balzverhaltens ist in der Regel ein ausreichendes Vorhandensein von Schneehühnern, da der Gerfalke besonders in der frühen Fortpflanzungsphase nahezu ausschließlich diese Beutetiere schlägt. Ausnahmen von dieser Regel sind Regionen, in denen ein überreiches Angebot an anderen Beutetieren wie etwa Lemmingen oder Seevögeln besteht. [19] Die Balz beginnt häufig bereits im Februar. Das Balzverhalten untescheidet sich nicht von dem anderer Falken. Zum Balzverhalten zählen Horstscharren, die Übergabe von Futter vom Männchen an das Weibchen, intensives Rufen und ein Verbeugen der Vögel voreinander, wobei der Schnabel nicht auf den Partner weist und das Gefieder eng angelegt ist. Mit Balzflügen weist der männliche Gerfalke das Weibchen auf den Horst hin. Dazu gehören Kreisflüge hoch oberhalb des Horstes sowie acht-förmige Flugfiguren direkt vor dem Nest. Der Kreuzpunkt dieser achtförmigen Flugfigur ist direkt vor dem Nest. Häufig trägt er dabei sogar ein Beutetier im Schnabel. [20]
Die Paarungen finden in der Regel nicht in der Nähe des Horstes statt und setzen sich bis zum Beginn der Eiablage fort.
Die Größe eines Gerfalken-Brutreviers beträgt zwischen 63 und 137 Quadratkilometer. Nur die unmittelbare Umgebung des Nestes wird verteidigt, wobei Artgenossen eher Aggressionen auslösen als andere Vögel. [22] Nester anderer Greifvogelarten wie etwa des Wanderfalken wurden schon in weniger als 250 Meter vom Horst der Gerfalken entfernt gefunden. [23] Die Jagdreviere benachbarter Gerfalkenpaare dagegen können sich überschneiden. Der geringste Abstand, den man bisher in Island zwischen den Horsten benachbarter Gerfalkenpaare gemessen hat, betrug 5,5 Kilometer. [24]
Wie für Falken typisch, bauen Gerfalken keinen eigenen Horst. Sie nutzen entweder geschützte Stellen unterhalb von Felsvorsprüngen in steilen Felswänden und legen dort ihre Eier direkt in eine mit Moos und Flechten ausgepolsterte Bodenmulde oder sie nutzen Horste anderer Vögel wie etwa Kolkrabe, Steinadler, Seeadler oder Raufußbussard. Insbesondere Nester des Kolkraben werden häufig von Gerfalken genutzt. Gerfalkenpaare sind gewöhnlich in der Lage, Raben von ihrem frisch gebauten Nest zu verjagen und dieses zu besetzen. [25] Ähnliches ist auch für Steinadler beschrieben worden, deren Horste insbesondere in Alaska von Gerfalken genutzt werden. In einem Fall gab ein Steinadlerpaar bereits nach der ersten Eiablage ihren Horst auf, nachdem ein unverpaarter Gerfalke wiederholt Angriffe auf den Horst flog. [26] In der Waldtundra brütende Vögel nutzen auch bereits bestehende Baumhorste. [27] Gerfalken gelten als sehr reviertreu und nutzen Horste immer wieder. Für einzelne Horste ist eine Nutzung über Jahrzehnte nachgewiesen.
Auf Island, in Kanada, Russland und Skandinavien wurden Weibchen bereits zu Anfang April bei der Eiablage beobachtet. [29] In der Hocharktis beginnt das Weibchen jedoch erst im Mai ihre Eier zu legen. Der Gerfalke ist damit vermutlich der Vogel der Arktis mit dem frühesten Brutbeginn. Lediglich für den Kolkraben kann nicht ausgeschlossen werden, dass er noch früher mit der Brut beginnt. [30]
Das Weibchen beginnt etwa 10 Tage vor dem Beginn der Eiablage ausschließlich von Beute zu leben, die das Männchen heranträgt. Die Beute wird in der Regel in der Luft zwischen den beiden Elternvögeln übergeben.
Der Legeabstand zwischen den einzelnen Eiern beträgt zwei bis drei Tage. Die Eier sind von gelblicher Farbe und rotbraun gefleckt oder gesprenkelt. Ein Gerfalkengelege weist in der Regel zwischen drei und vier Eiern auf. Das Weibchen sitzt gelegentlich bereits nach der ersten Eiablage auf dem Nest. Die eigentliche Brut beginnt gewöhnlich nach der Ablage des dritten Eis. Die Brutzeit beträgt etwa 34 bis 36 Tage dauert. Das Männchen ist überwiegend damit beschäftigt, Futter heranzuschaffen. [31] Der Anteil des Männchens an der Bebrütung der Eier und dem späteren Hudern der Nestlinge wird nach Feldbeobachtungen in Kanada auf 17 bis 24 Prozent geschätzt.
Der Schlupf der Jungvögel verläuft annähernd synchron. Meist sind innerhalb von 72 Stunden alle Jungvögel eines Geleges geschlüpft. Die Küken weisen untereinander kein aggressives Verhalten auf. Während der Brutzeit und der ersten 18 bis 25 Nestlingstage trägt ausschließlich das Männchen das Futter herbei. Die Futterübergabe zwischen dem Weibchen und dem Männchen findet in den ersten Nestlingstagen in der Regel außerhalb des Nestes statt. Das Weibchen fliegt dem Männchen entgegen und übernimmt in der Luft die Beute. Gelegentlich legt das Männchen die Beute jedoch auch auf einem Felsvorsprung unweit des Horstes ab und das Weibchen holt diese von dort. Weibchen beginnen sich in der Regel erst gegen Ende der dritten Nestlingswoche an der Beschaffung von Nahrung für die Jungvögel zu beteiligen. Ab diesem Zeitpunkt trägt das Männchen auch Nahrung direkt ins Nest. Männchen übergeben in der Regel ihre Beutetiere vollständig an die Jungen. Weibchen füttern häufig während der gesamten Nestlingszeit die Jungvögel.
Die Jungen verlassen im Alter von 46 bis 53 Tagen das Nest. [33] Im Mittel fliegen 2,3 Junge pro Jahr und Paar aus. [34] Sie werden noch zwischen vier bis sechs Wochen von den Elternvögeln mit Nahrung versorgt. Mitunter verbleiben die Gerfalken nach ihrem ersten Flug bis zu einer Woche am Boden und werden dort von den Elternvögeln gefüttert. Die erste Beute, die sie selber schlagen, sind normalerweise die Jungvögel anderer Vogelarten sowie kleinere Säugetiere. In den Regionen, in denen Schneehühner die Hauptbeute darstellen, fällt das Flügge werden der jungen Schneehühner mit den ersten Jagdversuchen der Gerfalken zusammen. [35]
Mit der Beginn der Brutzeit beginnt beim Weibchen auch die Mauser. Diese setzt sich bis Oktober und November fort. Beim Männchen, das das Weibchen während der Brutzeit und später auch die Jungvögel mit Beute versorgt, beginnt die Mauser in der Regel zwei Wochen später.
Die Überlebensquote junger Gerfalken ist noch nicht hinreichend untersucht. Vermutet wird, dass 50 Prozent der flügge gewordenen Gerfalken im ersten Lebensjahr sterben. Die Sterblichkeitsrate geht nach dem ersten Lebensjahr deutlich zurück – Untersuchungen in Island lassen darauf schließen, dass von 10 ausgewachsenen Gerfalken neun das nächste Lebensjahr erreichen. [36]. Zur Schwächung ausgewachsener Vögel kann ein Befall durch Zecken und Nematoden beitragen.
Geschlechtsreif werden weibliche Gerfalken in ihrem zweiten oder dritten Lebensjahr. Männliche Gerfalken pflanzen sich erst in ihrem vierten Lebensjahr das erste Mal fort. [37] Der bislang älteste beringte Gerfalke, den man wiedergefunden hatte, war ein Männchen, das zwölf Jahre alt wurde.
Nahrung und Nahrungserwerb
Die Hauptbeute des Gerfalken sind in der Regel Schneehühner. Insbesondere während der Eiablage machen Schneehühner bis zu 98 % des Beutespektrums aus. [39] [40] Zum Beutespektrum zählen jedoch auch Lemminge, Schneehasen, verschiedene Kleinvogelarten sowie Raufußhühner und Enten. Ihr Anteil am Gesamtbeutespektrum steigt mit dem Anbruch des arktischen Sommers. Gerfalken, die in der Nähe von Seevogelkolonnien brüten, schlagen auch Möwen und Limikolen.
Zwei Jagdtechniken sind für den wendigen und schnellen Gerfalken typisch. Entweder stößt er aus einem kreisenden Suchflug heraus steil auf die Beute herab. Nach einzelnen Beobachtungen erreicht er im Sturzflug eine Geschwindigkeit von 160 bis 208 Kilometern in der Stunde. [41] Alternativ fliegt der Gerfalke dicht über dem Boden und überrascht dabei sitzende oder auffliegende Vögel. Dieser Jagdflug wird gelegentlich durch Ansitze auf niedrigen Warten unterbrochen. [42]
Beide Jagdtechniken resultieren daraus, dass der Jagderfolg eines Gerfalken dann am größten ist, wenn er Schneehühner in den ersten Sekunden nach ihren Auffliegen schlägt. Die Schneehühner haben dann noch nicht ihre volle Fluggeschwindigkeit erreicht und können auch nur eingeschränkt den Flugmanövern des Gerfalken ausweichen. Im Horizontalflug können Schneehühner für kurze Strecken schneller fliegen als Gerfalken und schaffen es regelmäßig, ihm zu entkommen. Aus der Falknerei weiß man, dass Gerfalken ihre Beute gelegentlich immer wieder aus ihrer Deckung hochjagen und im Flug verfolgen, bis diese erschöpft zur Landung gezwungen sind. Die Beute wird dann am Boden geschlagen. [43]
Der Nahrungsbedarf von Gerfalken wird auf etwa täglich 240 Gramm Fleisch für einen männlichen und etwa 300 Gramm für einen weiblichen Gerfalken geschätzt. Der Nahrungsbedarf von Nestlingen verändert sich innerhalb der Nestlingszeit, beträgt durchschnittlich aber etwa 170 Gramm. Um den Nahrungsbedarf von zwei ausgewachsenen Gerfalken sowie drei Nestlingen abzudecken, müssen die Eltern täglich etwa drei Alpenschneehühner schlagen. [44]
Die Beute wird, sofern nicht bereits von der Wucht des Zusammenpralls, durch einen anschließenden Biss in den Nacken beziehungsweise Hinterschädel getötet. Gewöhnlich wird die Beute an Ort und Stelle gerupft und gefressen. Beute wird mit den Fängen zum Horst transportiert, wenn dort Nestlinge zu versorgen sind. Bei gutem Jagderfolg werden auch Nahrungsdepots angelegt. Gerfalken jagen sowohl während des Tages als auch in der Dämmerung. Auch bei schwachem Licht können sie noch sehr gut sehen.
Bestand
Es ist sehr schwierig, Gerfalken in freier Natur zu beobachten, Bestandszahlen basieren deswegen meist auf groben Schätzungen. So schätzte man den norwegischen Bestand in den 1970er Jahren nur auf 10 bis 12 Brutpaare. In den 1990er Jahren wurde diese Zahl dann auf 300 bis 500 Paaren korrigiert. [46] Die Ornithologen Potapov und Sale wählten deshalb einen statistischen Ansatz, bei dem sie zunächst die Gesamtfläche der für Gerfalken geeigneten Lebensräume ermittelten. Nach ihren Berechnungen kommen auf 1000 Quadratkilometer geeigneten Lebensraum etwa 1,5 Brutpaare. Sie schätzen daher den weltweiten Bestand auf etwas mehr als 11.000 Brutpaare. Die jeweils aktuellsten Bestandsschätzungen der Länder, in denen Gerfalken brüten, die Potapov und Sale zusammengetragen haben, ergeben als Minimalbestand 7.880 Brutpaare und als Maximum 10.990. [47] Den größten Bestand weisen dabei Kanada mit 2.550 bis 3.200 und Russland mit 3.500 bis 5.000 Brutpaaren auf. In der Westpaläarktis brüten vermutlich im Mittel 1028 Gerfalkenpaare.
Quelle: Wikipedia
Re: Greifvögel und Eulen
Weißkopf-Seeadler - 18.11.2007, 18:01
Irgendwie sieht der Gerfalke im Gegensatz zu den anderen Falken ziemlich weiß aus. Also, finde ich jedenfalls...
Re: Greifvögel und Eulen
Wüstenbussard - 18.11.2007, 19:23
Der gehört ja auch so.
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