[Alexas] Kreativ - Raum (1)

Viva Pinata
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    Re: [Alexas] Kreativ - Raum (1)

    Alexa - 02.06.2007, 13:18

    [Alexas] Kreativ - Raum (1)
    Hier ist die Geschichte von meiner Freundin und mir.

    ich weiß es ist etwas viel, aber ich würde mich freuen, wenn ihr sie lesen würdet. Vllt in kleinen Teilen? Ihr müsst ja nicht alles auf einmal lesen.

    Da NUR die Geschichte hier rein soll, bitte ich euch nicht zu posten.

    Nun wünsche ich euch noch viel Spaß, mit Juazeiria und ihrere Geschichte ^^



    Re: [Alexas] Kreativ - Raum (1)

    Alexa - 03.06.2007, 13:17


    Kapitel 1

    Shurak Ites

    Juazeiria stand regungslos an der Klippe. Der Himmel hatte sich von der untergehende Sonne blutrot verfärbt. Es war windstill. Vor sich überblickte sie das weite Land, die ganz Welt die sie kannte und noch viel, viel mehr. Nie war Juazeiria weiter vom dem Dorf weg gewesen, als bis zur nächst größeren Stadt, um Sachen zu kaufen, die es im Dorf nicht gab. Sie liebte diesen Ausblick. Aber immer wenn sie hier stand, wusste sie, wie wenig sie von der Welt kannte und was für ein kleiner Teil der Welt selbst der Teil war, den sie jetzt sehen konnte.
    Plötzlich bemerkte sie etwas am Himmel, es sah so aus wie ein riesiger Vogel. Sie hatte so etwas noch nie gesehen. So riesig konnte kein Vogel sein, nicht auf diese Entfernung. Vielleicht war es eines von den Frachtschiffen, die normalerweise in den großen Städten landeten. Juazeiria sah ganz genau hin und erstarrte, kein Frachtschiff würde mit den Flügeln schlagen! Das Etwas änderte seinen Kurs und Juazeiria erstarrte, dann duckte sie sich blitzschnell hinter einem Busch und beobachtete das Etwas. Es kam immer näher.
    Jetzt konnte sie genau erkennen was das war und entspannte sich wieder. Nun verstand sie was sie sah. Es war unglaublich! In diesem Moment wusste Juazeiria, dass ihr Entscheidung gefallen war. Trotzdem dachte sie noch einmal über Urenas Worte von vorhin nach...

    „Vor vielen tausend Jahren erschufen die Alben unsere Welt. Dazu benutzten sie nur die 6 Elemente, nach denen unsere Gilden schon seit Urzeiten getrennt werden, Feuer, Wasser, Luft, Erde, Eis und Stein. Damals lebten alle Gilden zusammen in den Dörfern und jeder hatte ein Tier als Gefährten.
    Doch irgendwann wurde entschieden, das die Gilden einen König brauchten. Dann fingen die Kämpfe an, weil keine Gilde einen König aus einer anderen Gilde, geschweige denn eines anderen Stammes haben wollte. Als die Rivalitäten zu regelrechten Fehden eskalierten, griffen die Alben ein. Sie waren wütend, darum verwüsteten sie in den 6 Tagen der Elemente die Welt, die sie einst erschaffen hatten. Danach stellten sie den Hohen Rat der Weisen 6 zusammen – und dann verschwanden sie.
    Nach den 6 Tagen der Elemente und dem Verschwinden der Alben hatte sich viel geändert. Die Tiere wandten sich von uns ab, denn sie gaben uns die Schuld an dem Verschwinden der Alben und er Verwüstung der Welt. Aber da der uralte Packt der Alben immer noch existiert, haben ein paar wenige immer noch einen Gefährten. Auch die anderen Stämme, wie die Elfen und die Zwerge wandten sich von uns ab, weil die Tiere nun auch nur noch selten ihre Gefährten waren.
    Seit dieser Zeit gibt es die Shurak Ites – die Boten. Nur sie können die Alben finden, denn wenn nicht sie, dann kein anderer. Seit langem gehen alle 12-14 jährigen Kinder zu einer Prüfung – der Shaly Falah. Dort werden sie getestet und die Besten bekommen eine besondere Ausbildung – und somit auch ein Tier, so wie in der Zeit der Alben.
    Keiner weiß warum die Alben verschwanden, doch es heißt, es gäbe sie immer noch. Sie wurden eine lange, lange Zeit nicht mehr gesehen. Viele haben versucht sie zu finden – außer der Shurak Ites, aber keiner hat sie gefunden und keiner wird sie finden, bis die Zeit gekommen ist.“
    Nun schwieg die Alte Frau.
    „Was willst du damit sagen Urena?“, fragte Juazeiria, obwohl sie glaubte die Antwort schon zu kennen.
    „Ich will damit sagen, das du zur Shaly Falah gehen musst um dort getestet zu werden. Juazeiria, du kannst eine Shurak Ites werden! Eine Botin! Du bekommst sogar ein Tier als Gefährten!“, antwortete die alte Geschichtenerzählerin und Heilerin aufgeregt.
    Doch leider genau so, wie Juazeiria es erwartet hatte.
    Juazeiria sprang auf, „Ich will aber nicht! Ich blamiere mich doch sowieso nur wieder. Ich beherrsche nicht einmal die einfachsten Wasserzauber! Ich bin schon fast 13 Sommer alt und kann gerade mal die Zauber, die ein 6 jähriger lernt!“ Mit diesen Worten rannte sie raus.
    Tränen strömten über ihr Gesicht. Juazeiria war einen Einzelgängerin. Sie hasste es wenn sie weinte. Ihrer Meinung nach, gab es ihr Verletzlichkeit und Schwäche, außerdem verletzte das ihren Stolz, der von Tag zu Tag mehr auf die Probe gestellt wurde. Sie gehörte zu den Wassermagiern der Gilde – und wie war eine Schande. Sie kam sie klein und dumm vor. Hätte sie doch nur gewusst, was andere über sie dachten und hinter ihrem Rücken aussprachen.
    Doch sie wusste es nicht. Genauso wenig, wie sie wusste, was für eine unglaubliche Kraft in ihr steckte – Kraft, äußerlich, wie innerlich. So jedoch, rannte sie zur Klippe um sie vor ihrer Schande zu verstecken und um nachzudenken.

    Hier saß sie nun schon seit vielen Stunden. Bis jetzt, wo sie den Falkenreiter, einen echten Shurak Ites gesehen hatte. Sie hatte immer nur von ihnen gehört – mal in Urenas Geschichten, dann wieder bei den Erzählungen der Reisenden, die selten einmal ins Dorf kamen. Ihr Dorf lag am Rande der Kiash–Gebirgskette, wo keiner hinüber wollte. Der Pass lag gut 3 Tagesreisen zu Pferd entfernt, so groß war das Gebirge.
    Juazeiria betrachtete den Shurak Ites, der nun wieder abdrehte. Das hatte so elegant sagenhaft ausgesehen, aber doch irgendwie unwirklich. Erst jetzt wurde ihr klar, was den Reiter so außer-gewöhnlich gemacht hatte. Er strahlte das Wissen von vieler tausend Jahre aus, ein uraltes Wissen, das einst den weisen Wesen (den Alben?) allein gehörte. Der Reiter und der Falke waren 2 Wesen, doch in ihren Bewegungen waren sie eins. Juazeiria seufzte, sie hätte jetzt alles getan, um auch ein Tier zu bekommen. Ein letztes mal warf sie einen Blick über das Land. Doch nun sah sie etwas anderes als vorhin: Jetzt sah sie die Welt die sie kannte und die Welt die sie hoffentlich bald kennen würde.
    Langsam stieg sie wieder zum Dorf hinab. Es war schon fast dunkel. Langsam ging sie zu der Hütte in der sie mit Urena lebte. Urena war nicht etwa ihre Mutter, nein, die alte Geschichtenerzählerin und Heilerin hatte sie vor fast 13 Sommern beim Kräuter- und Pilze Sammeln im Wald gefunden, der hinter ihrer Hütte begann. Urena hatte sie aufgenommen und seit dem lebte sie bei ihr.
    Juazeiria ging in die Hütte hinein und blickte sich suchend um. Auf dem Stuhl vor dem Kamin sah sie Urena, wie sie in einer Schale Kräuter zerkleinerte. Sie ging langsam zu ihr.
    „Nun?“, fragte Urena.
    „Ich habe meine Entscheidung getroffen.“
    Urena nickte beiläufig, schwieg aber nun beharrlich. Juazeiria ließ sich zu ihren Füßen nieder, so wie sie es schon als kleines Kind gemacht hatte, um den Geschichten zu lauschen.
    Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und brach das Schweigen: „Bevor ich irgendetwas mache, will ich mehr wissen – wissen auf was ich mich da überhaupt einlassen soll.
    Urena zerstampfte noch die letzten Kräuterreste, stellte dann die Schale auf die Erde und sah Juazeiria lange an, bevor sie begann:
    „Die Shaly Falah ist die Auswahl, ich glaube, soviel hast du schon verstanden. Aber bevor ich dir davon erzähle, will ich dir erklären was passieren wird, wenn du wirklich ausgewählt werden würdest.
    Schon in Zeiten der Alben hatte jede Gilde fast nur bestimmte Tiere. Selten, sehr selten, suchte sich ein anderes wildlebendes Tier einen Gefährten aus. Alle Tiere waren wild und merk dir eines: Das Tier sucht sich seinen Gefährten aus, nicht umgekehrt. Jetzt braucht man etwas, um sich mit einem Tier zu verbinden, Etwas das nur die besten der Shaly Falah bekommen und von dem niemand weiß, was es ist. So wird verhindert, das jemand anderes ein Tier bekommt, aber die Tiere sind immer noch wild. Wenn ein Tier einen erwählt, ist nichts mehr wie früher.
    Das Tier wir seine Zeichen hinterlassen, äußerlich wie innerlich. Das wichtigste Merkmal wird ein Zeichen auf der Haut sein, das nie wieder verblasst. Jeder Reiter hat sein eigenes Zeichen und jedes ist so einigartig wie der, zu dem es gehört. Ziemlich oft sagt es etwas wichtiges über den Reiter aus, doch es ist sehr schwer solche Zeichen richtig zu deuten. Fast alle Reiter oder Tiere sterben, wenn sie ihren Gefährten verlieren, denn wenn ein Gefährte stirbt, ist es so, als würde ein Teil von sich selbst sterben.
    Ein Gefährte bedeutet ein längeres Leben – für beide. Es gab Shurak Ites, die viele hundert, vielleicht sogar tausende von Sommern erlebt haben. Darum waren früher alle Stämme älter und es wurde eine große Welt gebraucht, eine Welt, wie sie die Alben für uns erschaffen hatten. Doch genau so wie die Tiere uns ein langes Leben gaben, gaben wir ihnen Wissen, viel Wissen. Oft waren die Tiere schlauer als ihre Besitzer. So merk dir eins: Unterschätze nie ein Tier eines Shurak Ites. Denn sie sind keine normalen Tiere.
    Wir leben in den Resten dieser Welt, sie ist nur noch ein Schatten von dem, was sie einmal war. Das liegt zum Teil daran, das die Welt zu groß ist. Wir werden nicht mehr alt, auch wenn es uns manchmal so erscheinen mag. Selbst wenn man schon als Kind losgehen würde, man würde wahrscheinlich nie, oder nur mit sehr viel Glück das Ende erreichen, das Peritopische Meer.“
    Urenas Blick fiel nach draußen.
    „Wir haben viel Zeit gebraucht – die Sonnengöttin hat die Sonne schon vom Himmel geholt. Bald werden die Monde aufgehen, Zeit, zu schlafen.“, sagte sie und stand auf.
    Juazeiria wollte protestieren, doch Urena brachte sie mit einer Geste zum Schweigen. „Morgen.“, sagte sie, bevor sie in die Kräuterschale wegstellte und in ihrer Schlafkammer verschwand.
    Juazeiria dachte lang nach. Vieles hatte sie immer noch nicht verstanden. Zum Glück hatte sie den Falkenreiter gesehen, sonst hätte sie nicht einmal die einfachsten Sachen verstanden. Leise zog sie sich um und löschte das Licht, sie brauchte es nicht. Juazeiria konnte im dunkeln fast so gut sehen wie am Tag. Sie hatte es nie jemanden erzählt. Sie hatte keine Freunde. Die anderem sagten sie sei anders. Ein schmaler Streifen Mondschein fiel durch das Fenster. Die Monde waren aufgegangen. Sie ließ sich auf der mit Heu und Stroh gefüllten Matratze nieder. Eigentlich hatte sie geglaubt, noch lange über Urenas Worte nachgrübeln zu müssen. Sie war jedoch binnen weniger Minuten eingeschlafen.

    Warmes Sonnenlicht fiel durch das Fenster und weckte Juazeiria zusammen mit dem Hahn von Teron, dem Dorfwirt. Leise stand sie auf, zog sich an und ging nach draußen. Es war zwar noch früh, doch es herrschte schon reges treiben. Verwundert ging Juazeiria die Straße hinab. „Was ist den hier los?“ fragte sie Jerock, den Gerber, der gerade um die Ecke bog.
    „Hast du es noch nicht gehört?“, fragte er. „In Kennstifort ist ein Shurak Ites! Das ist der erste, der sich seit fünfzehn Jahren hier blicken lässt.“
    Juazeiria sah ihn verwundert an. Plötzlich kam ihr ein Gedanke und sie fragte: „Was hat er für ein Tier? Ist es überhaupt ein ‚er’?“
    Jerock überlegte, dann antwortete er: „Wenn man den Gerüchten trauen kann, ist es ein ‚er’. Er soll einen Falken besitzen, der unglaublich groß ist, so wie alle Gefährten.“
    Juazeiria lächelte flüchtig, sie hatte also Recht gehabt – es war der Shurak Ites, den sie gestern gesehen hatte.
    „Wir er hierher kommen?“, fragte sie.
    „Ja, für wen sonst sollten wir die ganze Stadt auf den Kopf stellen? Ich glaube Urena sucht dich, siehst du, da am steht sie!“ Er zeigte in Richtung Wald. Eigentlich hatte Juazeiria nicht erwartete, jemanden zu sehen. Wahrscheinlich wollte er sie nur loswerden. Doch Urena stand wirklich am Waldrand und winke ihr hektisch zu.
    Juazeiria hatte sich schnell von Jerock verabschiedet und war dann zum Waldrand gelaufen. Keuchend kam sie bei Urena an, die sie sofort in den Wald führte.



    Re: [Alexas] Kreativ - Raum (1)

    Alexa - 03.06.2007, 13:17


    Kapitel 2

    Sie kommen

    Alles war ruhig in den Wäldern der Provinz Karomahn. Der Wind strich ruhig durch die Bäume. Der 1. Mond schien durch die Blätter. Plötzlich glommen goldene Augen in der Dunkelheit auf. Bald, bald würde etwas geschehen. Ob drohendes Unheil, oder unsagbares Glück, war unwichtig. Es betraf alle, alle Wesen die in Karomahn lebten. Vielleicht sogar alle, auch die in den anderen Provinzen. Was konnte so groß sein, das es eine ganze Provinz betraf? Noch dazu diese Provinz?
    Es war eine schlechte Zeit für Veränderungen. Das spürten alle. Bald würden wieder viele gehen oder besser: Geholt werden. Keiner wollte geholt werden. An allem waren die Menschen schuld. Diese dummen, kleinen Geschöpfe! Sie machten alles kaputt. Eigentlich traf die anderen keine Schult. Doch was der Rat beschlossen hatte, wurde so gemacht. Früher, erzählte man sich, früher war es eine Ehre geholt zu werden. Doch nun verachteten es alle.
    Er hatte einmal jemanden gesehen, der geholt worden war. Er hatte eigentlich nicht unglücklich ausgesehen. Vielleicht war es doch nicht so schlimm, wie alle immer sagten? Trotzdem wollte er nicht geholt werden.
    Trommeln - in der Ferne. Sie kommen. Er sprang auf. Plötzlich bebte der Wald. Tausend Pfoten, Hufe und ähnliches sprangen auf. Alle wussten es. Sie kommen…



    Re: [Alexas] Kreativ - Raum (1)

    Alexa - 03.06.2007, 13:18


    Kapitel 3

    Albensterne

    „Was ist denn?“, fragte Juazeiria. Sie war solche Hast nicht gewohnt, nicht bei Urena.
    „Es geschieht etwas. Ich kann es schon seit gestern Abend spüren. Doch jetzt das! Es ist ungewöhnlich, ja das ist es.“
    „Was ist ungewöhnlich? Was passiert?“, fragte Juazeiria aufgeregt.
    Urena fuhr herum. „Du darfst es keinem sagen, alle würden es als schlechtes Omen deuten. Aber es geschieht etwas sehr ungewöhnliches. Komm, dann zeige ich es dir.“ Urena drehte sich um und stapfte wieder eilig voraus.
    Wem hätte Juazeiria es denn auch sagen können? Keiner hörte ihr wirklich zu. Sie folgte Urena. Was konnte so außergewöhnlich sein, das Urena so aufgeregt war?
    Plötzlich bemerkte Juazeiria in welche Richtung sie gingen und sie glaubte zu wissen wo sie hinwollten. Ihr Verdacht wurde schon bald bestätigt, als sie auf einer kleinen Lichtung ankamen. Hier hatte Urena Juazeiria gefunden – 13 Sommer lang war es nun her.
    Uren drehte sich um und zeigte auf die den Boden. Erst jetzt bemerkte Juazeiria die wunderlichen Zeichen auf der Erde.
    „Urena, was ist das?“ , fragte sie.
    „Das“, Urena deutete auf die Erde, „Das ist ein Pentagramm, ein Albenstern, ein uralter Weg der Alben.“
    „Wie kommt er hier her?“, fragte Juazeiria fasziniert.
    „Oh, der war schon immer hier, versteckt – aber da. Die Frage ist nämlich nicht wie er hier her kam, sondern warum er wieder auftaucht. Ich habe ihn nie zuvor gesehen, d.h. er muss Jahre, nein besser Jahrhunderte hier gewesen sein, unter der Erde, weil keiner mehr Gebrauch von ihm macht.“, antwortete Urena.
    „Meinst du es hat etwas mit dem Shurak Ites zu tun?“
    „Nein, nicht wirklich. Der Shurak Ites ist ein Mensch. Nur die Elfen kennen das geheime Wissen, wie man den Albenstern öffnet. Und sie geben es nicht weiter und benutzen es nicht, weil es zu gefährlich ist, seit die Alben sie nicht mehr benutzen. Die Wege verfallen langsam, vielleicht wird in einem Jahrtausend nichts mehr von ihnen übrig bleiben.“, antwortete Urena.
    „Ich würde gerne wissen wie es geht.“, sagte Juazeiria.
    „Und es am besten gleich ausprobieren was? Nur die besten Elfenmagier kennen die Formel, noch weniger schaffen es sie anzuwenden, und fast keiner hat sie je ausprobiert, denn man erzählt sich grauenvolle Dinge und viele die es versucht haben verschwanden – für immer.“
    Juazeiria antwortete nicht. Fasziniert verfolgte sie die unzähligen Zeichen, Symbole und Muster. Die Alben… früher hatte sie nie bemerkt, wie viel die Welt mit den Alben zu tun hatte, welche Wunder sie erschaffen hatten.
    „Macht es dir auch Angst, Urena? Deutest du das auch als schlechtes Omen, das an meiner Fundstelle ein Albenstern auftaucht?“
    „Ja und nein. Ich will natürlich wissen, warum so plötzlich ein Albenstern wieder auftaucht, aber das hat doch nichts mit dir zu tun, das es genau hier ist. Die Lichtung ist wie Geschaffen für den Albenstern. Ob das nun gut oder schlecht ist, kann ich nicht sagen. Wenn wir Pech haben, erfahren wir nie was das zu bedeuten hat – oder wenn wir Glück haben. Aber es bedeutet ganz sicher etwas, oh ja. Und nun komm, wir müssen Pilze und Kräuter sammeln. Bis der Shurak Ites da ist, müssen wir fertig sein.“
    Juazeiria stöhnte auf. Sie hätte gerne noch weiter den Albenstern angesehen. Aber das war wichtiger. Den Albenstern konnte sie sich auch später noch einmal genauer ansehen. Sie wollte doch um keinen Preis die Ankunft des Shurak Ites verpassen. So rappelte sie sich auf und folgte Urena, die schon im Wald verschwunden war.

    Heute hatten sie Glück gehabt. Sie hatten schnell das gefunden, was sie gesucht hatten. Nach ungefähr 2 Stunden hatten sie alles zusammen, was sie brauchten. Als sie wieder ins Dorf kamen, staunte Juazeiria. Dorfbewohner hatten sie wirklich Mühe gegeben. Alles war mit Blumen geschmückt, und Teron hatte seine besten Wein und Bierfässer ans Tageslicht geholt. So festlich hatte es nie ausgesehen. Ein Shurak Ites musste wirklich was besonderes sein.
    „Warum kommt der Shurak Ites eigentlich?“ , fragte sie Urena.
    „Das werden wir erst erfahren, wenn er da ist.“, antwortete sie.
    Schnell gingen sie ins Haus und legten die Pilze auf den Tisch.
    „Und jetzt?“, fragte Juazeiria.
    „Jetzt machst du Feuer an. Und beeil dich!“
    Gesagt – getan. Auch wenn Juazeiria 2x das Holz falsch aufschichtete, brannte bald ein Feuer im Kamin.
    „Und jetzt gehst du raus!“ sagte Urena.
    Juazeiria war überrascht, sonst musste sie immer helfen oder zugucken und dabei lernen. Aber sie war eigentlich ganz froh das sie nach draußen konnte. Vielleicht konnte sie noch mal zu dem Albenstern gehen.
    Doch daraus wurde leider nichts. Als Juazeiria gerade in Sonnenlicht trat, kam ein kleiner Junge auf sie zu gerannt.„Du musst zur Ältesten! Schnell! Sie suchen dich schon überall!“, sagte er. Er lief eilig vor raus und drängte sie zur Eile.
    Juazeiria folgte ihn verwundert. Was wollte den die Älteste von ihr? Normalerweise gab sie ihr nur einen verächtlichen Blick und sagte kein Wort. Keiner im Dorf gab ihr so deutlich zu verstehen, was er von ihr hielt. Aber wenn die Älteste etwas sagte, wurde das gemacht.
    Kaum eine Minute später stand sie vor der Tür der Ältesten und klopfte vorsichtig an. Erst tat sich ein paar Sekunden lang nichts, dann öffnete die Älteste die Tür und winkte sie herein. Drinnen war es heiß und stickig und Dämmerlicht umfing sie. Juazeiria ging langsam hinein und blieb dann verunsichert in der Mitte des Raumes stehen. Das Gesicht der Ältesten lag im Schatten verborgen. Sie schwieg und bewegte sich nicht. Also begann Juazeiria das Gespräch.
    „Ihr habt mich rufen lassen?“, fragte sie.
    „Ja und mit gutem Grund.“, sagte sie mit heiserer Stimme, „Selbst du müsstest gemerkt haben, dass ein Shurak Ites kommt.“
    „Ja, habe ich. Aber ihr habt mich doch nicht gerufen, um zu testen, ob ich das schon mitbekommen habe?“, erwiderte Juazeiria.
    Die Älteste musterte Juazeiria mit einem abschätzenden Blick.
    „Nein, da hast du recht. Die meisten sagen, du kannst schnell Laufen? Schneller, als andere?“
    Das stimmte tatsächlich. Aber weil sie sich nur noch unbeliebter machte, wenn sie etwas besser konnte, als die anderen, tat sie es nicht oft. Die anderen wurden neidisch, wenn ‚sie’ etwas besser konnte. Und noch mehr Feinde brauchte Juazeiria auf keinen Fall.
    „Ja, ich glaube ich kann schnell laufen, was soll ich machen?“, fragte sie höflich.
    „Kennst du die Klippe, von der man so weit über das Land sehen kann?“, fragte die Älteste.
    Natürlich kannte sie die Klippe. Wer kannte sie nicht? Sie hatte erst gestern dort gestanden, als sie den Shurak Ites entdeckt hatte. Doch bevor sie antworten konnte, redete die Älteste schon weiter.
    „Wir gehen davon aus, das der Shurak Ites zu Fuß kommt. Von Kennstiford bis hier ist es weit genug, so dass man schon früh Alarm geben kann. Du gehst jetzt auf die Klippe und wenn der Shurak Ites kommt, läufst du sofort so schnell du kannst hier her.“
    „Ja.“, sagte Juazeiria nur und gingt zu Tür. Ohne ein Wort des Abschieds ging sie hinaus. Das konnte Stunden dauern, bis der Shurak Ites kommt! Aber wie schon gesagt: Was die Älteste sagt, das wird getan.
    So stieg Juazeiria so schnell sie konnte auf die Klippe und setzte sich auf den Stein. Kennstiford musste ungefähr – dort liegen. Wenn der Shurak Ites wirklich zu Fuß kommen sollte (was Juazeiria bezweifelte) würde sie ihn dort am besten sehen.

    Stunden vergingen. Nichts rührte sich. Juazeiria sah Rehe und Hasen. Sonst aber nichts. Verpassen konnte sie ihn nicht, dieser Abschnitt war zu groß, als dass man ihn in ein paar Minuten überwinden konnte.
    Plötzlich – eine Bewegung. War das nicht? Ja, das war der Shurak Ites. Er kam tatsächlich zu Fuß. Juazeiria sprang auf und rannte. Sie kam binnen 5 min im Dorf an, doch vorher zügelte sie ihr Tempo. Sie rannte zu der Hütte der Ältesten und ging ohne zu klopfen hinein.
    „Er kommt.“, sagte sie nur. Sie war noch nicht einmal außer Atem.
    „Ja was stehst du dann noch hier?“ fragte die Älteste. „Ich weiß es jetzt, sag es dem Dorf!“
    Bald war das ganze Dorf noch aufgeregter. Eigentlich wollte Juazeiria zur Ruhe raten, tat es dann aber doch nicht. Wie gut, das sie es nicht getan hatte, denn ansonsten hätte sie sich nur noch mehr Ärger eingehandelt.. 5 min später erklangen kräftige Flügelschläge und bald darauf erschien ein sagenhaft großer Falke am Himmel. Dabei ist der Shurak Ites doch zu Fuß gegangen. Alle starrten gebannt nach oben. Es war zu unglaublich, als dass Juazeiria sich hätte rühren können. Sie hatte den Falken schon mal gesehen, doch da war er so weit weg gewesen, dass sie sich nicht mal annähernd seine Größe vorstellen konnte. Der Falke landete und faltete seine riesigen Schwingen zusammen. Der Shurak Ites, der Juazeiria vorher gar nicht aufgefallen war, sprang von dem Falken.
    Alle Dorfbewohner standen sprachlos in der Gegend rum, den Blick starr auf den Shurak Ites gerichtet. Schließlich trat die Älteste vor und sagte:
    „Herzlich willkommen in unserem Dorf! Darf ich mir die Frage erlauben: Warum beehrt ihr uns mit eurer Anwesenheit?“
    Dieser antwortete:
    „Das werde ich euch nicht hier sagen. Zeigt mir einen Platz, wo wir ungestört reden können.“
    Keiner schien sich für seien Falken zu interessieren. Warum nur? Fragte sich Juazeiria. Der Falke ist doch auch sehr eindrucksvoll – doch in diesem Moment wurde sie abgelenkt.
    Die Älteste antwortete: „Kommen sie mit zu meinem Haus, dort wird uns keiner hören.“
    Der Shurak Ites nickte und folgte der Ältesten zu ihrer Hütte. Sobald die Tür geschlossen war, erhob sich ein aufgeregtes Stimmengewirr. Fragen wie: ‚Was ist los?’ oder ‚Warum will er die Älteste alleine sprechen?’ flogen durch die Luft.
    Juazeiria sah sich um. Keiner interessierte sich für sie. Sie sah den Falken an. Zögernd trat sie einen Schritt auf den Falken zu und keiner schien sie zu beachten. Sie wurde mutiger und stellte sich vor den Falken. Eingehend musterte sie den Falken und er schien es ihr gleich zu tun. Aber wie konnte das sein? Es war doch nur ein Tier? Plötzlich fiel ihr wieder ein, was Urena gesagt hatte: Unterschätze nie ein Tier eines Shurak Ites. Denn sie sind keine normalen Tiere. Ehrfurcht packte Juazeiria. Was konnte dieses Tier alles? Sie konnte es nicht einschätzen. Eigentlich hätte sie eher Angst haben müssen, doch ihre Neugier siegte. Sie trat an den Falken heran, so nah, dass sie ihn mit ausgestreckten Arm anfassen könnte. Hätte der Falke ihr etwas tun wollen, hätte er das längst getan. Sie sah hoch und wurde sich jetzt von neuem seiner Größe bewusst. Er war doppelt, nein dreifach so groß wie sie, also größer als alle Hütten im Dorf.
    Plötzlich beugte der Falke seien Kopf mit dem gewaltigen Schnabel herunter, bis er mit seinem mit seinem Augen auf gleicher Höhe wie mit ihren war. Sie versteifte sich willkürlich und spannte alle Muskeln in ihrem Körper an.
    Juazeiria erschrak, als plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf erklang: „Du bist mutig, nicht wegzulaufen. Obwohl, die meisten hätten sich noch nicht einmal so nah an mich heran gewagt. Sag mir, wie heißt du?“
    Juazeiria sah dem Falken tief in die Augen. „Bist du das? Sprichst du mit mir?“ Sie wartete keine Antwort ab, sondern sprach gleich weiter. „Ich bin Juazeiria, aufgewachsen bei Urena, der Geschichtenerzählerin und Heilerin.“
    Erwartungsvoll blickte sie dem Falken an. Hatte wirklich er gesprochen? Sie musste nicht lange auf eine Antwort warten.
    „So Juazeiria, die, die bei Urena aufgewachsen is. Ja, ich bin es, Fendon, der Falke des Shurak Ites. Sag mir, warum hast du keine Angst vor mir?“
    Über diese Frage wunderte sich Juazeiria, doch sie antwortete bereitwillig:
    „Nennt mir einen Grund, warum ich Angst vor euch haben sollte. Ich habe noch nie einen Gefährten gesehen und wollte mal einen aus der Nähe betrachten.“
    Fendon machte ein grollendes Geräusch und das Gemurmel um Sie erstarb mit einem Mal. Juazeiria wusste, das jetzt alle Blicke auf sie gerichtet waren, doch komischerweise war es ihr egal. Nach ein paar Sekunden verstand sie, dass das Grollen lachen war.
    Dann sagte der Fendon: „So will ich dir einen Grund nennen: Meine Größe vielleicht? Oder allein die Tatsache, das ich der Gefährte eines Shurak Ites bin?“
    Juazeiria sah dem Falken tief in seine undurchdringlichen Augen. Dann sagte sie:
    „Ich glaube, dass Größe nichts über den Charakter eines Wesen aussagt und gerade die Tatsache, das du der Gefährte eines Shurak Ites bist, macht dich für mich interessant!“
    „Du sprichst kühne Worte, meine Krallen sind Messer und mein Schnabel ist eine Spitzhacke, ich hätte dich mit Leichtigkeit töten können.“, sagte der Fendon.
    „Du hättest mich nicht getötet und hast es auch nicht getan.“, antwortete Juazeiria trotzig.
    Jetzt war es an Fendon, sie lange und verwundert anzusehen, bevor er schließlich sagte:
    „Du bist ein wundersames Mädchen, Juazeiria, die, die bei Urena aufgewachsen ist. Du siehst die Sachen anders als andere und hast eine Menge Mut.“
    Fendon bewegte den Kopf leicht zu Seite und sah in die gaffende Menge. Dann sagt er: „Es war mir eine Freude, dich kennen zu lernen. Aber du solltest jetzt besser zurück gehen. Deine Freunde -“
    „Das sind nicht meine Freunde, das sind nur die Dorfbewohner.“, berichtigte Juazeiria schnell.
    Der Falke sah sie noch einmal durchdringend an, dann sagte er:
    „- die Dorfbewohner werden langsam unruhig. Doch eins will ich dir noch sagen: Du bist im wahrsten Sinne des Wortes etwas Besonderes. Doch nutze das nie aus! Auf Wiedersehen, ich hoffe wir treffen uns irgendwann mal wieder!“
    Fendon hob den Kopf wieder und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Juazeiria trat einen Schritt zurück und wandte sich dann zu den Dorfbewohnern um. Sie zuckte leicht zusammen, als sie die Mienen der Dorfbewohner sah; wenige sahen erleichtert aus, einige fragend, andere erschreckt und der größte Teil wütend. Schnell mischte sie sich unter die Menge, doch sie meinte die anklagenden Blicke wie Nadeln fühlen zu können. Schließlich stellte sie sich nach ganz hinten. Doch auch hier war sie nicht sicher, Teron sagte leise, aber wütend flüsternd:
    „Sag mal, was hast du dir dabei gedacht? Das ist der Gefährte eines Shurak Ites!“
    „Der Falke heißt Fendon.“, entfuhr es Juazeiria.
    Als sie den erstaunten Blick sah, fügte sie: „Hat er gesagt.“ hinzu.
    „Hat wer gesagt?“, fragte Teron nach.
    „Na, der Falke natürlich.“, erwiderte sie.
    Als sie sah, wie Terons erstaunte Miene sich wieder zur wütenden veränderte, hätte sie sich am liebsten selbst geohrfeigt. Warum hatte sie überhaupt etwas gesagt? Doch dann blieb keine Zeit mehr sich zu ärgern, denn dann brach das Donnerwetter los:
    „Wie kannst du es wagen, solche Lügengeschichten zu erzählen?! Die Gefährten reden nicht, geschweige denn sie sagen irgendetwas und schon gar nicht mit dir! Man sollte dich –“
    Juazeiria hatte Glück, denn in diesem Moment traten die Älteste und der Shurak Ites aus der Hütte, so dass Teron vergaß, was er sagen wollte.
    Alle Blicke wurden auf die 2 Menschen gerichtet und das eben noch unablässige Gemurmel erstarb mit einem Mal. Schweigend wartete die Menge auf das, was jetzt kommen würde. Auch Juazeirias Blick war auf die Älteste und den Shurak Ites gerichtet.
    Dann begann die Älteste zu sprechen: „Eine Zeit großer Veränder-ungen ist gekommen. Der Shurak Ites ist gekommen um uns Kundschaft zu geben und uns schließlich zu helfen. Doch jetzt, lasst das Festmahl beginnen!“
    Normalerweise brach beim Wort ‚Festmahl’ ein Jubelsturm los, doch bei dieser ungenauen Auskunft, die nicht einmal sagte, ob die ‚Veränderungen’ gut oder schlecht waren (Juazeiria dachte insgeheim, dass sie schlecht seien müssten, denn sonst bräuchten sie die Hilfe des Shurak Ites nicht) war nur wieder ein ständiges Gemurmel zu hören. Die Menge bewegte sich in Richtung Wiese, wo eine große Festtafel aufgebaut war.
    Die Älteste war mit dem Shurak Ites zu erst da und bot ihm den besten Platz an, den es gab. Juazeiria versuchte so nah wie es eben nur ging an den Shurak Ites heran zu kommen, doch das war gar nicht so leicht, weil die Plätze ganz nahe beim Shurak Ites den ‚besten’ Dorfbewohnern vorbehalten waren. So fand sie schließlich einen Platz, der zwar ziemlich nah am Shurak Ites war, aber dafür wurde sie fast gänzlich von einer großen Eiche verdeckt.
    Schließlich begann das Festmahl und Juazeiria musste zu geben, dass das Essen köstlich war. Die Dorfbewohner hatten sich wirklich ins Zeug gelegt. Besonders fiel ihr eine Merkwürdige Speise auf, die sie noch nie gegessen hatte und zwar köstlich schmeckte, doch nicht zu identifizieren war. Später stellte sich heraus, dass das eine von Urena zubereitete Speise war.
    Doch Juazeirias Aufmerksamkeit widmete sich weniger dem Essen, als viel mehr dem Shurak Ites. Sie konnte von ihrem Platz aus nicht sehen was gesprochen wurde, doch es schien so, als würde auch nicht viel gesprochen werden. Am Anfang wollte die Älteste den Shurak Ites in ein Gespräch verwickeln, doch da er ziemlich einsilbig war, gab sie auf.
    Warum wollte der Shurak Ites nicht reden? Hatte er etwas zu verbergen, oder wollte er das nicht vor so vielen Leuten sagen?
    Ihre Grübeleien wurden wieder einmal unterbrochen, als kräftige Flügelschläge erklangen. Fendon! Juazeiria hatte gar nicht gemerkt, das der Falke weggeflogen war. Wahrscheinlich war er jagen gewesen.
    Jetzt stellte er sich hinter den Shurak Ites, der ihn nicht einmal beachtete. Oder? Irgendetwas sagte Juazeiria, dass das nicht so war. Plötzlich lachte der Shurak Ites laut und Fendon hob seinen Kopf noch höher. Alle sahen ihn verwundert an und plötzlich wusste Juazeiria, dass der Shurak Ites Fendon beachtet hatte. Er hatte nämlich höchstwahrscheinlich mit ihm im Kopf geredet, so wie Fendon es mit ihr gemacht hatte.
    Als hätte Fendon ihren Blick gespürt oder ihre Gedanken gelesen wand er den Kopf und sah sie direkt an. Juazeiria erwiderte den Blick und hob die Hand kurz zum Gruß. Ein paar Sekunden lang passierte nichts, doch dann drehte auch der Shurak Ites seinen Kopf und sah sie direkt an.
    Eigentlich wollte Juazeiria noch schnell wegsehen, doch dazu war es schon zu spät. So sah sie den Shurak Ites ins Gesicht und verzog keine Miene.
    Dann plötzlich erklang wieder Fendons Stimme in ihrem Kopf:
    „Komm nach dem Essen zu dieser Klippe, von der du uns gestern beobachtet hast. Ferioles will mit dir reden.“
    Juazeiria erschrak, woher wusste er das sie sie gestern beobachtet hatte? Sie interpretierte das Ferioles der Shurak Ites seien musste. Sie sah zu dem Shurak Ites, der sie immer noch ansah und nickte ihm zu. Dann wandte sie sich wieder ihrem Essen zu und sah aus den Augenwinkeln, dass der Shurak Ites es ihr gleich tat.
    Der Rest des Abends war für Juazeiria langweilig, das sie gespannt auf das Treffen mit dem Shurak Ites wartete. Kein einziges mal sah sie zu dem Tisch an dem der Shurak Ites Ferioles saß. Sie hörte den Gesprächen nur noch halbherzig zu, da sie darüber nachgrübelte, was Ferioles wohl von ihr wollte. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis die Fackeln entzündet wurden und die Gespräche langsam erstarben. Als schließlich die ersten Leute aufstanden und sich verabschiedeten, atmete sie heimlich auf. Jetzt konnte sie sich ohne Verdacht zu erregen aus dem Staub machen.
    Sie lief durch den dunklen Wald und sah alles so hell wie am Tag. Rings um sie herum knackte und raschelte es geheimnisvoll und sie erinnerte sich wieder an einen Spruch: „Nachts erwacht der Wald zum leben.“ Doch das alles störte sie nicht. Bald kam sie an der Klippe an und setzte sich auf den Stein, wo sie noch heute Mittag Ausschau gehalten hatte. Der Mond stand groß und klar am Himmel und weit und breit war keine Wolke zu sehen. Durch die Bäume meinte sie weit unten beim Dorf das Licht der Fackeln zu sehen, auch wenn sie nicht wusste, ob sie sich das nur einbildete.
    Einige Zeit verging, dann hörte sie leises Flügelrauschen. Tatsächlich landete bald darauf Fendon mit Ferioles. Der Shurak Ites sprang leichtfüßig von dem Falken und landete leise im weichen Moos.
    Juazeiria wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Schließlich stand ein Shurak Ites direkt vor ihr, darum sagte sie nur:
    „Hallo“
    Der Shurak Ites kam ein paar Schritte auf sie zu und antwortete nichts. Fendon kam ein paar Schritte näher und stellte sich hinter Ferioles. Der schien sie von oben bis unten zu mustern, als würde er etwas suchen. Dann nickte er und sagte laut zu Fendon, so dass oder damit sie es auch hören konnte:
    „Es ist wie du gesagt hast, sie hat etwas… ungewöhnliches. So etwas habe ich noch nie gesehen. Doch auch ich vermag nicht zu sagen, was das ist.“
    Als Juazeiria das hörte schlug ihr Herz ein bisschen schneller. Sie? Etwas ungewöhnliches? Sie war immer etwas ‚besonderes gewesen, doch das lag zum größten Teil daran, das sie niemand mochte.
    Der Shurak Ites wandte sich jetzt an sie:
    „Du, Juazeiria heißt du? Sag mir, wer sind deine Eltern?“
    Diese Frage überraschte Juazeiria, nie hatte sie jemand gefragt, wer ihre Eltern waren.
    „Ich weiß es nicht, Sir. Urena, die Geschichtenerzählerin und Heilerin dieses Dorfes hat mich im Wald beim Pilze Sammeln gefunden.“
    Der Shurak Ites sah sie komisch an. Juazeiria dachte nach und plötzlich wusste sie, was so komisch war. Der Shurak Ites sah so aus als hätte er sich gedacht, dass so eine Antwort kommen würde.
    „Du musst mich nicht Sir nennen ich heiße Ferioles.“, sagte er.
    „Das habe ich mir schon gedacht.“, erwiderte sie.
    Diesmal sah der Shurak Ites überrascht aus. Dann sagte er:
    „Du hast es dir gedacht? Du überraschst mich. Wer hat es dir gesagt?“
    „Na, dein Falke, Fendon natürlich.“
    Der Shurak Ites sah sie an, dann drehte er sich zu seinem Falken um und fragte ihn lachend und wieder laut:
    „Du hast also schon mit ihr geredet? Wann? Als ich in dieser Hütte von dieser komischen Alten war? Das ist gar nicht deine Art. Normalerweise lässt du keinen an dich dran.“
    Juazeiria sah den Falken an. Normalerweise lässt du keinen an dich dran? Heißt das, dass er sonst niemanden so nah kommen lässt?
    Fendon senkte den Kopf so weit, dass er mit ihr und Ferioles auf einer Höhe war und ließ ein Brummen wie zur Bestätigung auf Ferioles Fragen ertönen. Der Shurak Ites legte eine Hand auf Fendons Kopf, dann wandte er sich wieder an Juazeiria.
    „Du weißt also nicht, wer deine Eltern sind? Ich will ganz offen zu dir sein: Du hast etwas… besonderes. Ich weiß, das alle wissen, dass du anders bist als sie. Doch ich weiß nicht was anders ist an dir. Du bist stark, vielleicht ein bisschen dürr, doch das macht nichts. Du bist ziemlich groß für dein Alter und hübsch. Doch das sind andere auch. Ich komme einfach nicht drauf.“
    Juazeiria wurde rot. Er hatte sie hübsch genannt. Dabei zeigten doch immer alle anderen, wie hässlich und komisch sie war!
    „Ich weiß nicht was ihr meint. Ich bin ein normales Mädchen. Alle nennen mich komisch. Das ist nichts Besonderes.“, sagte sie und wandte sich ab.
    „Und? Bist du komisch?“, hakte der Shurak Ites nach.
    „Vielleicht… vielleicht bin ich komisch - ja.“, antwortete sie.
    Der Shurak Ites sah sie wieder überrascht an. Ganz sicher hatte er nicht erwartet, das irgendjemand sich selbst ‚komisch’ nennt.
    „Wieso? Was findest du an dir komisch?“, fragte er.
    Juazeiria zögerte einen Moment lang. Ach was soll’s? Sie wandte sich wieder um und sah Ferioles direkt ins Gesicht, als sie sagte:
    „Ich habe… besondere Fähigkeiten. Z.B. kann ich im dunkel sehen. Sag, kannst du das?“
    „Nein.“, antwortete er.
    „Außerdem passieren um mich herum seltsame Dinge… an dem Ort, wo Urena mich gefunden hat, taucht plötzlich ein Albenstern auf und…“
    Eigentlich hatte Juazeiria noch mehr hinzufügen wollen, doch in diesem Moment schrie der Shurak Ites erstaunt auf.
    „Ein Albenstern ist wieder aufgetaucht, sagst du?“, fragte er aufgeregt. „Zeig mir, wo das ist, bring mich dort hin.“ Er drehte sich um und sagte mehr zu sich selbst, als zu ihr : „Es beginnt, nein passiert also auch hier.“
    Juazeiria ging zum Weg, der von der Klippe herunterführte. Doch als Ferioles das sah, hielt er sie zurück.
    „Nein, Juazeiria“, sagte er, „wir fliegen auf Fendon!“
    Ungläubig drehte sich Juazeiria um und sah den riesigen Falken an. Reiten? Auf Fendon? Sie wusste nicht ob sie sich freuen oder fürchten sollte. Sie ging zurück zu der Lichtung. Fendon breitete einen Flügel aus, duckte sich und sagte in ihrem Kopf:
    „Steig auf, keine Angst, es wir dir nichts passieren.“
    Juazeiria klammerte sich an den riesigen Federn fest und zog sich Stück für Stück hoch. Schließlich saß sie auf Fendons riesigen Rücken, und wusste nicht wo sie sich festhalten sollte. Kurz nachdem sie oben war, kletterte Ferioles ihr nach. Bei ihm ging es viel schneller, weil er schon Übung darin hatte. Er setzte sich hinter sie und hielt sie fest.
    „Keine Angst, selbst wenn du herunterfällst wird Fendon dich auffangen.“, sprach er ihr gut zu.
    Juazeiria nickte und kurz darauf breitete Fendon auch die zweite seiner riesigen Schwingen aus und flog los. Als sie vom Boden abhoben gingen seine Flügelschläge noch ruckartig, doch als sie etwas an Höhe gewonnen hatten wurden seine Flügelschläge weicher und gleichmäßiger.
    Juazeiria öffnete die Augen und wunderte sich, dass sie überhaupt zu waren. Sie hatte gar nicht gemerkt, das sie die Augen beim Start geschlossen hatte.
    Jetzt wurde sie von der Aussicht überwältigt. Sie flogen hoch und höher und sie konnte bald viel mehr sehen, als von der Klippe. Sie hätte sich gerne länger die Landschaft angesehen, doch ließ das Ferioles nicht zu.
    „Und? Wo ist die Stelle?“, drängte er sie.
    Juazeiria lehnte sich an Fendons Hals vorbei und starrte in den Wald unter ihr. Da war das Dorf… da Urenas Hütte… und da der Weg. Sie folgte ihm mit den Augen und sagte:
    „Da vorne, da bei der großen Eiche und den vielen Linden.“
    Ferioles nickte und Fendon drehte ab und flog in die angegebene Richtung. Geschickt manövrierte er sich durch die Bäume und setzte sie sicher am Boden ab.
    Ferioles sprang mit einem Satz auf die Erde, er hatte das riesige Pentagramm schon entdeckt.
    Juazeiria brauchte länger, um von dem Falken zu kommen und als sie endlich sicher auf der Erde stand, kniete Ferioles schon mit faszinierten Blick vor dem Pentagramm. Juazeiria trat ein paar Schritte vor und stellte sich neben den Shurak Ites.
    Dieser murmelte vor sich hin:
    „Es ist unglaublich! Dieses Pentagramm muss uralt sein. Diese Runen sind mächtiger als die von den meisten Pentagrammen, die ich gesehen habe.“
    Er fuhr mit der Hand über den Boden. Juazeiria betrachtete die Runen eingehend. Das hatte sie ja sowieso tun wollen. Es waren verschlungene Muster, Sterne, Kreise oder ähnliches. Man konnte ihnen mit den Augen kaum folgen. Sie fragte sich, welche Bedeutung diese ganzen Runen hatten. Sie sahen wirklich irgendwie uralt aus. Der Stein, in den sie gehauen waren war an manchen Stellen rissig, doch nie zerstörte ein Riss eine Rune.
    „Wenn es doch bloß nicht so dunkel wäre!“, fluchte Ferioles. „Dann könnte ich mehr sehen. Aber so glaube ich, muss ich morgen noch mal herkommen.“
    Juazeiria vergaß immer wieder, das die anderen Menschen nicht im Dunkeln sehen konnten.
    Ferioles sah sie an. „Komm Juazeiria, wir gehen wieder. Fragt sich Urena nicht wo du bleibst?“
    Er ging auf Fendon zu. „Komm, du darfst mit zum Dorf fliegen.“
    Juazeiria nickte und stieg wieder auf Fendon, der einen Flügel ausgebreitet hatte. Diesmal ging es schon ein wenig schneller als vorher. Als auch Ferioles hinter ihr saß und sie fest hielt, ging es los.
    Schnell kamen sie im Dorf an. Fendon landete vor Urenas Hütte und sie sprang hinab. Doch bevor sie in die Hütte ging, hielt Ferioles sie noch einmal auf.
    „Warte – kannst du mir morgen noch einmal die Stelle zeigen? Ich konnte mir nicht genau merken, wo sie ist.“
    Juazeiria nickte und verschwand im Haus.
    Drinnen sah sie sich um. Es war schon ziemlich spät, doch Urena schien noch nicht hier gewesen zu sein. Prüfend sah sie aus dem Fenster. Der 2. Mond stand schon fast am höchsten Punkt. Wartend setzte sie sich im Dunkeln an den Kamin. Wo war Urena? Schließlich stand sie noch einmal auf und zündete eine Kerze an. Sie wollte erst einmal abwarten. Es war wahrscheinlich eh nichts schlimmes passiert. Es war nicht das erste mal, dass Urena sehr, sehr spät nach Hause kam.
    Nachdem sie so lange gewartet hatte, das ihr fast die Augen zufielen entschloss sie sich zu schlafen. Der 1. Mond war schon fast untergegangen, als sie sich hinlegte. Doch plötzlich ging die Tür auf. Juazeiria setzte sich im Bett auf. Urena stand in der Tür. Sie wollte gerade etwas sagen, da bemerkte sie eine 2. Gestalt hinter Urena.
    Einen Augenblick musterte sie Urenas Begleiter. Dann erkannte sie ihn. Er hatte sich sehr verändert aber dennoch –
    „Velos?“, fragte sie vorsichtig.
    „Ja, Juazeiria.“ , antwortete er.



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