La Paz, 14/05/07

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    Re: La Paz, 14/05/07

    Conny - 29.05.2007, 00:24

    La Paz, 14/05/07
    La Paz, 14/05/07

    Schon auf der Fahrt wurde uns schnell bewusst, dass wir jetzt wohl bald in Bolivien sind, da uns die ganze Zeit ein ziemlich penetranterm unangenehmer Gestank im Bus begleitete (ein leckeres Gemisch aus allen moeglichen Koerperaussonderungen.....). Trotzdem konnten wir uns nicht wirklich ueber die rund zweistuendige Pause an der Grenze freuen, die wir notgedrungen draussen und teilweise im Regen verbringen mussten, um die durch unglaublich geschickte und durchdachte Organisation verkomplizierten und ewig dauernden Migrationsformalitaeten hinter uns zu bringen. Zum zweiten Mal gelangten wir zu Fuss ueber eine Bruecke in ein neues Land (einfach mal von Peru nach Bolivien laufen...:-)) und erreichten irgendwann, natuerlich bedeutend spaeter als vorausgesehen, nachdem auch endlich all unsere Klamotten den muckeligen Mief angenommen hatten, unser Ziel. Waehrend Melle aufgrund von aufkommenden Erinnerungen erstmal permanent ueber beide Ohren strahlte, ist Connys und Julias erste Meinung von der eigentlichen bolivianischen Hauptstadt (uebrigens die hoechste der Welt) mit den Worten "abgefahren" und "abschreckend" wohl am besten beschrieben. Das Taxi konnte uns wegen Streiks, die einige Strassebçn blockierten, nicht bis zum anvisierten Hostel bringen. Diese sogenannten "bloqueos" gab es jeden einzelnen Tag irgendwo in der Stadt, was den Eindruck eines einzigen Chaos nur komplettierte. Die ersten Kontakte knuepften wir mal wieder zu einigen Artesanias, Kuenstlern, die davon leben und reisen ihren selbstgemachten Schnuck auf der Strasse zu verkaufen, und die immer wieder eine nette, interessante und unterhaltsame Gesellschaft darstellen. Aufgrund des Tipps von einem ihrer Freunde zogen wir nach einer Nacht erneut in ein billigeres und lustigeres Hostel, das fast ausschliesslich von sympathischen und kreativen Menschen bewohnt wurde, die fast ganztaegig Jonglier- und aehnliche Shows boten. Die angenehme Atmosphaere dort half uns ueber einige Komfortmaengel hinweg, auch wenn uns die aus der Hoehe resultierende stechende Kaelte in dem Zimmer ohne Heizung ab und zu schwer zu schaffen machte. Eine weitere Besonderheit war, dass das Kochen einfach mal unglaublich viel laenger dauerte, da Wasser z. B. um einiges mehr Zeit braucht, um so weit ueber dem Meeresspiegel seinen Siedepunkt zu erreichen, obwohl der hier schon bei 85 Grad liegt (wurde uns zumindest erzaehlt...). Generell hielt sich unser Aktivitaetsdrang schwer in Grenzen, unter anderem bedingt dadurch, dass es richtige Anstrengung bedeutet in La Paz rumzulaufen. Die Stadt besteht nur aus Bergen und die Tatsache, dass sie zwischen 3000 und 4000 m Hoehe gelegen ist, machte das Atmen wirklich nicht leichter. Nach einem halbstuendigem Spaziergang fuehlte man sich, als haette man Extremsport praktiziert! Daher entschieden Julia und Conny sich dafuer eine Touri-Rundfahrt zu machen, um wenigstens die wichtigsten Plaetze gesehen zu haben, obwohl wir derartige Veranstaltungen ansonsten eher meiden. Wir fuhren zum Valle de la Luna, einer nahegelegenen Felslandschaft, die an die Mondoberflaeche erinnert, passierten die bedeutendsten Gebaeude und Plazas und erfuhren einige Fakten ueber Bolivien, La Paz und die gesamte Bevoelkerung, die sehr bezeichnend fuer seine chaotische, zum Teil traurige und zum Teill lustige Geschichte und auch derzeitige Situation sind. Nichtsdestotrotz haben wir die meisten Bolivianer als eher optimistisch, was ihre Zukunft angeht, und natuerlich als sehr stolz auf ihr Land empfunden. Letzteres war nicht wirklich ueberraschend, wenn man bedenkt, dass Patriotismus an sich im gesamten Suedanerika einen ziemlich hohen Stellenwert besitzt. Gerade mit deutscher Herkunft eine ziemlich interessante Erfahrung!
    Die restlichen Nachmittage verbrachten wir hauptsaechlich damit unseren Kaufgeluesten und -verpflichtungen nachzugehen. Stundenlang wuehlten wir in bunten Sachen, handelten, was das Zeug hielt, und erwarben jede Menge sinnvollen und unnuetzen, aber durchgehend spottbilligen Kram. Das Schicksal den Preisen nicht widerstehen zu koennen teilten wir offensichtlich mit den meisten anderen Reisenden, was spaetestens bei der Post klar wurde, wo Touris aus aller Herren Laender teilweise immense Pakete nach Hause schickten. Eine andere Erfahrung, die wir wohl mit vielen Auslaendern, die Bolivien besuchen, teilten, war das Ausprobieren einiger nationaler "Leckereien" (u.a. Lamafleisch, was uebrigens wirklich gut war!!), was wir, wie die meisten anderen auch, ziemlich bald bereuen sollten. So wurde unsere fuer nach drei Tagen geplante Abreise immer wieder verschoben, weil Melle sich aufgrund gezwungenermassen gehaeufter Klobesuche nicht in der Lage dazu fuehlte einen Tag im Bus zu verbringen. Nachdem eine Woche verstrichen war, hatten wir die Nase voll von dem Grossstadtdreck (in diesem Sinne sogar wortwoertlich...), der Kaelte (mindestens genauso wortwoertlich), dem Chaos und der Einkaufsstrasse, vergassen wegen der fuer den Gesundheitszustand zu langen Anreise den vorgesehenen Ausflug in den Dschungel und fuhren stattdessen nach Cochabamba.
    Vorher versuesste uns allerdings noch ein Highlight unseren letzten Tag. Waehrend wir im Minibus sassen und auf den Pfaden von Melles Erinnerung an damals wndelten, kamen wir zufaellig am staedtischen Stadion vorbei, vor dem sich extrem viele Menschen tummelten. Spontan stiegen wir aus, um zu gucken, was los ist, und nutzten sofort die Chance das zweite Fussballspiel in Suedamerika zu besuchen. Zwar im falschen Fanblock, aber mit den richtigen Kappen auf dem Kopf erlebten wir das Zusammentreffen der beiden grossen Mannschaften von La Paz, Bolivar gegen The Strongest. Spielerisch war es weit besser als die Begegnung, die wir in Peru gesehen hatten. Einige Male lagen zwar heftige Schlaegereien auf dem Platz in der Luft, aber letztendlich siegte unsere Mannschaft (Bolivar) deutlich, weswegen wir auch nur darueber lachen konnten, dass wir bei den Toren mit Cola-Bechern beschmissen wurden (Bier gabs natuerlich mal wieder nicht...).
    Unsere Abreise bedeutete gleichzeitig den Abschied von unserer zeitweiligen Reisebegleitung, die sich wieder Richtung Peru aufmachte. Falls du das hier liest, Julia, war echt schoen mit dir, und das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben! Un besito und wir hoffen, dass es dir nur gut ergeht auf deiner weiteren Reise!!



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