Eine Welt ohne Religion?

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    Re: Eine Welt ohne Religion?

    lina - 26.05.2007, 21:45

    Eine Welt ohne Religion?
    Angelehnt an die Titelstory des neuen Spiegel:

    Stellen wir uns eine Welt vor ohne Religion. Es gäbe keine Selbstmordbomber, keinen 11. September, keine Kreuzzüge und Hexenverfolgungen, keinen Israel-Palästina-Konflikt, keine Massaker in Bosnien, Afghanistan, Iran, im Sudan; keine Verfolgung von Juden als "Christusmörder", keine Taliban, keine "Ehrenmorde" - und keinen US-Präsidenten, der sich auf Christus beruft und dann seine Bomberpiloten starten lässt.

    Ist da was dran?



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    Vero - 27.05.2007, 17:36

    schwierig, schwierig...
    ich persönlich finde diese Frage sehr schwer zu beantworten. Zuallererst hab ich mir gedacht, dass diese These, dass die Welt ohne Religion wesentlich friedlicher wäre, einfach Schwachsinn ist, da die Menschen sich dann andere Sachen aussuchen, weswegen die Kriege anfangen können.

    Aber das wäre wohl eine sehr oberflächliche Betrachtung des Themas. Mittlerweile muss ich wohl zugeben, dass es mit Sicherheit den ein oder anderen "Glaubens"-Krieg nicht gegeben hätte, wenn es sowas wie verschiedene Religionen nicht geben würde.
    Aber meiner Ansicht nach ist das noch lange keine Begründung für diese neuen Atheisten die Religion ganz eliminieren zu wollen!
    natürlich gab es in der Vergangenheit aber auch jetzt in der gegenwart genug Kriege die aus gründen der Religion oderfür (?) Gott.
    Aber ich denke das ist grundsätzlich falsch. Für mich ist das kein richtiger Glaube und auch keine richtige Religion, wenn Menschen Menschen für ihren Gott töten. Das kann es nicht sein und ist auch nicht tragbar.

    Es gibt so viele Beispiele dafür, dass Religion und der Glaube an Gott etwas friedliches ist. Ein Beispiel ist da wohl der Weltjugendtag in Köln. Hunderttausende junger Menschen an einem Ort Vorkommnisse von Krawall oder ähnliches.

    Das wichtige ist, dass man den Extremisten (nicht nur moslemische, sondern auch christliche) nicht mit Gewalt antworten darf, sondern versuchen im Laufe der zeit auch im Blickfeld der öffentlichkeit den Glaube an den Einen Gott so friedlich zu zeigen, wie er vom grunde her auch ist.



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    Vero - 27.05.2007, 17:41


    Noch ein Zusatz:

    ich kann natürlich nur von christlichen Gesichtsounkten dieses Thema betrachten. Da kenne ich die Lehre Jesu und dass diese den Glaubenskriegern absolut widerspricht.
    Was im Koran steht und wie es ausgelegt wird, kann ich nicht beurteilen



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    lina - 29.05.2007, 12:47

    Re: schwierig, schwierig...
    Vero hat folgendes geschrieben: Für mich ist das kein richtiger Glaube und auch keine richtige Religion, wenn Menschen Menschen für ihren Gott töten. Das kann es nicht sein und ist auch nicht tragbar.

    Absolute Zustimmung, da bin ich völlig deiner Meinung.
    Aber: Die Realität zeigt uns nunmal, dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte wohl kaum ein Motiv gab, das so oft zu Mord, Hass und Verfolgung geführt hat wie der - falsch verstandene - Glaube an irgendeinen Gott oder an irgendwelche Götter.

    Das Christentum glaubt ja, dass Gott den Menschen aus Liebe erschaffen und ihm - als höchste Form dieser Liebe - die Freiheit geschenkt hat. Das heißt, der christliche Gott könnte zwar in den Geschichtsablauf eingreifen, wenn die Menschen (in seinem Namen) Dinge tun, die ihm nicht gefallen. Er tut das aber nicht, weil er die menschliche Freiheit bedingungslos respektiert.

    Die Menschen schlagen sich also im Namen ihres jeweiligen Gottes bzw. ihrer jeweiligen Götter die Köpfe ein - und der christliche Gott sieht sich das an, findet es bestimmt nicht gut, tut aber nix.
    Ich bin auf keinen Fall für ein Gottesbild, das Gott als eine Art "Superman" ansieht, der stets und ständig heldenhaft rettend in die Geschichte eingreift. Aber ein Gott, der einfach nur zusieht, wie sich in seinem Namen die von ihm geliebten Geschöpfe gegenseitig umbringen - das kann ich mir irgendwie auch nicht vorstellen und auch nicht gut finden.

    Fazit dieses etwas wirren Postings: Natürlich weiß ich es nicht, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass die Welt ohne Religion eine friedlichere wäre. Denn Kriege, die andere Ursachen haben (Nationalität, Rasse, wirtschaftliche Motive etc.) werden kaum mit diesem Fanatismus und dieser Radikalität geführt, der Konflikte mit religiösen Motiven kennzeichnet.



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    ChRiStIaN - 29.05.2007, 13:01


    Tachchen. Ich tue mich schwer, da in Foren drüber zu diskutieren - halte das aber für ein super interessantes Thema für eines unserer Procedamustreffen und denke, dass wir zumindest für die ersten 3 geplanten Treffen keinen Mangel an Themen haben werden...



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    lina - 29.05.2007, 13:07




    Re: Eine Welt ohne Religion?

    Marcus - 29.05.2007, 13:52

    Religion ist an allem schuld?
    Einspruch, Eurer Ehren!

    Lina, glaubst du wirklich, alle Konflikte oder Themen, die du oben benannt hast, haben etwas mit Religion/Glauben zu tun? Das sehe ich nämlich nicht so. Auch die Reizthemen Hexenverfolgung, Inquisition und Kreuzzüge beurteile ich anders als der Meinungsmainstream - und zwar durchaus wissenschaftlich untermauert. Darüber können wir gerne mal in Ruhe streiten. Hier kursieren nämlich immer noch die wildesten Thesen.

    Gegenfrage: Wie sähe eine Welt ohne den militanten und zur Staatsreligion erhobenen Atheismus aus? Ein einfacher Blick in die großen Katastrophen der letzen zwei Jahrhunderte genügt: Kein Stalinismus, kein Nationalsozialismus, kein Maoismus.

    Und zur Meinung, dass nichtreligiös motivierte Konflikte (z.B. um Nationalität, Rasse, wirtschaftliche Motive etc.) weniger fanatisch ausgetragen werden: Schau bitte in unsere jüngste Vergangenheit. Da ging es schließlich um genau diese Themen. Und das hat doch wohl allen Fanatismus dieser Erde in den Schatten gestellt.

    Ok, das war jetzt genauso überspitzt wie die Spiegel-Kampagne (werde mir das Heft wohl kaufen). Was ich damit sagen will: So einfach ist es nicht.



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    lina - 30.05.2007, 01:22


    Ob es nun der Glaube an "Führer, Volk und Vaterland", an die Überzeugungen von Marx und Engels, Stalin oder Mao oder eben der Glaube an (irgendeinen) Gott ist: All diese Ideologien haben Menschen schon völlig verblendet und zu unmenschlichem Verhalten getrieben. Unbestritten gibt es natürlich gerade bezogen auf den religiösen Glauben weitaus mehr Beispiele, in denen die Überzeugung zu einem äußerst positiven menschlichen Handeln geführt haben und führen.
    Aber das macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass seit Jahrtausenden im Namen Gottes Kriege geführt und "Ungläubige" verfolgt und ermordet werden.
    Sicherlich war meine Behauptung falsch, dass nichtreligiös motivierte Konflikte weniger fanatisch ausgetragen werden - ich denke, dass Verblendung und Fanatismus in Glaubens- und anderen Kriegen wohl vergleichbare Formen erreichen können.
    Fakt ist, dass sowohl Kommunismus als auch Nationalsozialismus etc. wie aber auch der Glaube an Gott Menschen zu einem durch nichts zu rechtfertigenden Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber getrieben haben bzw. noch immer treiben. Und ob Juden nun in faschistischen Konzentrationslagern wegen ihrer "Rasse" umgebracht oder wegen ihres Glaubens auf mittelalterlichen Scheiterhaufen verbrannt bzw. heute von islamistischen Extremisten in die Luft gesprengt wurden/werden, dürfte den Opfern relativ egal sein...
    Alle Überzeugungen, die für sich beanspruchen, dem Menschen den Sinn seines Daseins zu erklären, können leicht zu fanatischen Fehlinterpretationen verleiten, die fatale Folgen für all jene haben, die nicht in das Weltbild der jeweils herrschenden Meinung passen. Es herrscht also überwiegend Konsens darüber, dass die Welt ohne radikal-atheistische Glaubensmuster wie z.B. Kommunismus oder Faschismus eine bessere/friedlichere ist. Und nur für den Glauben an Gott soll das so gar nicht gelten?



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    Vero - 30.05.2007, 22:28


    Puh..

    Ich denke beide Seiten wurde anschaulich argumentativ dargelegt. Jetzt ist die Frage, was für einen Schluss man daraus ziehen kann.

    Ich muss Lina (leider) recht geben, dass es leider zu viele Glaubenskriege in der Vergangenheit und jetzt auch in der Gegenwart gegeben hat und gibt, dass die Welt OHNE diese wohl etwas friedlicher wäre.
    Das fatale ist aber, dass wir dadurch die Mehrheit der friedlichen Gläubigen außen vor lassen. Denn in der Realität kommt ein fanatischer Extremist auf das x-fache an friedlichen Gläubigen, wobei er mit seiner Tat wesentlich verheerendere Folgen nach sich zieht, als eine Gruppe "Normaler", die sich trifft und zum Beispiel den Gottesdienst feiert.
    Denn wenn man die Religion von der Welt verbannt, dann wäre alles Gute, was sie geschaffen hat auch nicht existent.
    Werte wie Nächstenliebe, die Jesus Christus uns gelehrt hat, wären vielleicht auf eine andre Art und Weise vorhanden, jedoch nicht durch viele persönlichkeiten so geprägt worden. Menschen wie Mutter Theresa, Edith Stein und Kardinal von Galen (der sich gegen (so ein atheistisch angehauchtes System wie) den Nationalsozialismus aufgelehnt hat) hätten nicht da gewirkt, wie sie es taten...

    Ich weiß, man kann sagen, die paar Leute sind dann auch nur ein paar kleine Tröpfchen auf einen heißen Stein, jedoch wären diese und noch viele andere nicht durch ihren Glauben geprägt, so sähe die Welt noch ein bisschen düsterer aus...
    Ich will hier ja nicht wild mutmaßen (ich tus trotzdem), aber ich habe mal in einer Reportage über Johannes Paul II gesehen, dass er maßgeblich daran beteiligt war, dass, nach dem 2. WK, zwischen den USA und der UdSSR nicht noch ein 3. WK ausgebrochen ist (unter anderem wegen der Berlin-Frage). Er hätte genauso gefehlt....



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    Marcus - 01.06.2007, 08:40


    Lina: Der Spiegel-Aufmacher spricht klar von der Welt der Religion. Und nur darauf wird der Begriff "Glauben" angewandt. Dass du ihn hier ausweitest und auf sämtliche Überzeugungen anwendest, die Menschen haben können, halte ich für methodisch falsch.
    Dass die Welt ohne Glaubenskriege besser aussähe - wie sie ohne ideologische Kriege besser aussähe - wird wohl kein Mensch bestreiten. Ob der Glauben aber für das völlig falsche Verhalten das richtige (und gemäß deiner Thread-Eröffnung einzige) Erklärungsmuster ist, das bestreite ich sehr wohl. Es scheint etwas im Menschen zu sein, dass sich immer wieder austobt und gewaltsam Recht haben will. Davon ist der Bereich der Religion genauso betroffen wie der der Politik und alle anderen Lebensbereiche - übrigens auch der Bereich der Internetforen.
    Wenn schon, dann sollte der Grundsatz lauten: Ohne Menschen wäre die Welt eine friedlichere (selbstverständlich ausgenommen der wirklich aufrichtigen Pazifisten und erwiesenen Gutmenschen).



    Re: Eine Welt ohne Religion?

    lina - 02.06.2007, 20:10


    Ein letztes Mal widerspreche ich: Ich denke schon, dass der Glauben das entscheidende (wenn auch nicht das einzige) Erklärungsmuster für die hier diskutierten Probleme ist.
    Natürlich geht es auch bei Religionskriegen und bei religiös motiviertem Terror um politische oder wirtschaftliche Macht – aber der entscheidende Unterschied zu allen anderen Konflikten bleibt doch, dass die Beteiligten sich für ihr Tun einen Lohn erhoffen, der über alles hinausgeht was Menschen ihnen bieten können.

    Ob nun der Kreuzritter im 12. Jahrhundert oder der Islamist am 11. September 2001: Sie alle vertrauten doch darauf, nach ihrem Tod von Gott für ihr Handeln belohnt zu werden. Und nur dieser Glaube kann ein sinnvolles Motiv für solches Verhalten sein; ein Selbstmordattentäter wird sich ja kaum für irgendeinen weltlichen Lohn umbringen.
    Es fällt doch auf, dass die allermeisten religiös motivierten Auseinandersetzungen von Christen oder Moslems geführt werden, die in einer (falschen) Auslegung ihres Glaubens darauf hoffen, für Mord im Namen Gottes ein tolles Leben im Paradies zu haben.


    Ich bin sicherlich nicht gegen den Gottesglauben und sehe natürlich auch dessen viele positive Auswirkungen. Aber ich bleibe dabei, dass er den Menschen so leicht wie kaum ein anderes Motiv zu Hass und Gewalt seinen Mitmenschen gegenüber treiben kann.



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