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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Marcus Turner Forum: Mc Leods Töchter Forenbeschreibung: Das Rollenspiel zur Serie Part 1 aus dem Unterforum: Fanfiction und Kurzgeschichten Antworten: 13 Forum gestartet am: Freitag 02.02.2007 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Es gibt Tage, da wird alles gut Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 9 Monaten, 14 Tagen, 13 Minuten
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Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 11:31Es gibt Tage, da wird alles gut
Titel: Es gibt Tage, da wird alles gut
Autor: ClaireMcLeod-Fan (aus dem MLT Forum) und Marcus Turner
Teile: derweil mal 10
Hauptcharaktere(e)/Paar(e): Stevie, Jodi, Regan, Moira, Taylor, Riley, Alex, Rob/Matt, Patrick, Bryce, Phil Rakich
Freigabe:
Spoiler: keine
Inhalt: Diese Geschichte beginnt mit Ende der sechsten Staffel, direkt nach der letzten Folge.
Abgeschlossen: noch nicht
Disclaimer: Alle MLT Charaktere sind Eigentum von Nine Network, The South Australian Film Corporation and Millenium Television. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden und Toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle weiteren Charaktere sind Eigentum der Autorin.
TEIL 1
Es war noch ganz ruhig auf Drover's, als Jodi erwachte. Rund um sie herum nur Finsternis. Sie lag bis über die Schultern zugedeckt im Bett und fröstelte. Hatte sie am Abend vergessen, das Fenster zu schließen? Sie drehte sich herum. Das Fenster war geschlossen, die schweren Vorhänge vorgezogen. Jodi atmete tief durch. Seit sie vor kurzem diese Albträume hatte, die sie an die Geschichte mit Rob, oder eigentlich Matt, erinnerten, schlief sie unruhig und viel zu wenig. Das aller kleinste Geräusch riss sie aus dem Schlaf. Sie beschloss die Nacht Nacht sein zu lassen, schlüpfte unter der Decke hervor und zog ihren Morgenmantel über, der am Fußende ihres Bettes lag.
Sie schaute auf die Uhr. Kurz vor halb vier. Jodi schlurfte in die Küche hinunter. Das Haus war stockfinster und Jodi wollte kein Licht machen. Erst als sie in der Küche ankam, tastete sie nach dem Schalter und erhellte den Raum. Den Kaffee stellte sie als erstes zu, dann machte sie sich daran, das Frühstück für die anderen zu richten. Nichts Üppiges, aber doch so viel, dass man danach gestärkt an die Arbeit gehen konnte. Sie fand im Kühlschrank Butter, Käse, Wurst, etwas Aufstrich, Marmelade und Obst. Das Brot richtete sie noch nicht her. Es waren immerhin noch mindestens eineinhalb Stunden, bis Stevie aufstand, die meist die Erste am Frühstückstisch war.
Jodi schaute noch einmal auf die Uhr. Der Kaffee war fertig. Sie goss sich die Brühe in eine Tasse und trank sofort daraus. Sie wusste nicht mehr, warum sie sich angewöhnt hatte, den Kaffee schwarz zu trinken. So schmeckte er ihr nicht wirklich, aber er tat seine Wirkung. Jodi beschloss, so wie sie war, im Morgenmantel, nach den Tieren im Stall zu sehen. Das konnte sie schon machen. Die würde es nicht stören, wenn jemand so früh schon zu ihnen käme. Und den Kaffee konnte sie ja mitnehmen.
Wäre Kate noch hier, hätte sie diese wahrscheinlich jetzt aufgeweckt, um mit ihr zu reden. Aber Kate war nicht da. Ja klar, wer freut sich nicht, wenn die beste Freundin den Mann ihres Lebens findet und mit ihm nach Afrika geht. Aber ein bisschen egoistisch durfte sie wohl sein, oder. Schließlich waren die beiden ein super Team. Sie und Kate. Und jetzt hatte sie keinen mehr zum Quatschen oder Abende im Pub verbringen. Stevie war Stevie. Regan, zu ihr hatte sie nie wirklich einen Draht und Moira war alt. Und außerdem hatten die auch ihre eigenen Probleme.
Jodi ging vom Stall wieder zurück Richtung Haus. Merkwürdig. Im gesamten unteren Stockwerk brannte Licht. Jodis Herz begann zu rasen, sie presste ihre schweißkalten Finger um die heiße, nun auch nur mehr lauwarme, Kaffeetasse und schlich zurück zum Haus, ging einmal rundherum und öffnete die Türe zur Veranda. Alles war still. Vorsichtig tastete sie sich weiter in die Küche vor, als plötzlich jemand hinter ihr stand.
„Morgen,“ gähnte Stevie, Jodi schrie auf, wirbelte herum und ließ die Tasse fallen.
„Danke fürs Frühstück machen, wollt ich sagen,“ murmelte Stevie und begutachtete die Kaffeelacke, die einen immer größer werdenden Fleck auf dem Fußboden einnahm.
„Shit, hast du mich erschreckt,“ keuchte Jodi, völlig aus der Fassung. Sie ging zur Anrichte, nahm ein Geschirrtuch und begann, den Boden zu bearbeiten. Stevie machte einen großen Schritt über die am Boden kauernde Jodi, setzte sich auf einen Sessel, zog ein Bein an und hob die linke Augenbraue.
„Alles okay?“ fragte sie, und stahl eine Scheibe Käse von der Platte.
„Ja. Es geht mir gut,“ sagt Jodi fast ein wenig schnippisch.
Stevie kaute an der Käsescheibe und ließ ein „aha“ vernehmen.
Der Toaster meldete, dass das Brot fertig war. Stevie stand auf und gab die Toastscheiben zusammen mit einigen Semmeln in ein Körbchen, stellte es in die Mitte des Tisches und setzte sich wieder. Jodi hatte den Fleck so gut wie weggewischt und erhob sich.
Schlaftrunken und gähnend wankte Regan in die Küche.
„Morgen. Kaffee?“ das waren die einzigen Worte, die sie um diese Uhrzeit vernünftig sagen konnte. Sie schlurfte zur Kaffeemaschine, goss ihre Tasse etwa zur Hälfte voll, schleuderte zwei Löffel Zucker nach und füllte den Rest mit Milch an. Sie rührte ein paar mal um, setzte sich neben Stevie an den Tisch und trank einen kräftigen Schluck.
Jodi hielt das Tuch mit dem aufgewischten Kaffee in den Händen und spielte damit. Ein lautes Geräusch ließ sie zusammen zucken.
Regan blickte auf.
„Ups, Entschuldigung. Da hat wohl der Wind meine Türe zugeschmissen.“
„Der Wind,“ lachte Jodi hysterisch auf, stellte ihre Tasse in die Spüle und verließ die Küche.
Regan warf Stevie einen fragenden Blick zu. „Was hat sie denn?“
„Keine Ahnung. Sie hat die letzten Nächte beinahe nichts geschlafen.“
„Müssen wir uns Sorgen machen?“
„Ich bin mir nicht sicher. Aber ich denke, sie kriegt das wieder hin. Hängt vielleicht damit zusammen, dass Kate mit Dave weg ist.“
Regan blickte schlagartig in ihre Tasse, als ob sie etwas suchte.
Da begriff Stevie. Sie legte eine Hand auf Regans Arm. „Tut mir leid. Das wollte ich nicht.“
„Schon okay. Er hat sie gewählt.“
Stevie beugte sich über den Tisch. „So, wäre doch Verschwendung, wenn das hier niemand isst.“ Sie begann zu frühstücken und Regan folgte ihrem Beispiel.
*****
Am späten Vormittag trieben Regan, Jodi und Stevie die Herde von der Süd- auf die Westweide. Stevie saß gedankenverloren in ihrem Sattel. Ständig an Alex denken zu müssen war schlimmer, als von ihm grob behandelt zu werden.
„Wir sind Nachbarn,“ hatte sie zu ihm gesagt. Heute hätte sie sich dafür ohrfeigen können. Nachbarn. Nicht mehr und nicht weniger. Aber vor allem nicht mehr. Nicht einmal mehr Freunde. Wie blöd von ihr. Aber er war auch mit Schuld. Warum hatte er nicht in der Stadt mit Fiona Schluss gemacht, so wie er es versprochen hätte, dann wäre die Ziege nicht mit dem Motorrad gestürzt und er hätte sie nicht verpasst. Und sie hätte Drew nicht geküsst.
Aber was sollten die „was wäre, wenn“s? Es ist nun einmal so passiert, und das konnte sie auch nicht mehr ändern. Stevie versuchte, an etwas anderes zu denken. Sie sah hinunter zu Turbo. „Los! Treib sie zusammen!“ rief sie dem Hund nach, der sich schon auf den Weg machte, die Herde zu holen. „Guter Hund,“ lobte Stevie ihren Kelpie, als dieser nach getaner Arbeit an ihrer Seite her lief. Jodi und Regan gesellten sich zu ihr. An dieser Stelle des Weges mussten sie sich nicht trennen, sondern konnten nebeneinander her reiten.
Ein Motorengeräusch ließ Regan aufhorchen. „Da kommt doch wer,“ stellte sie fest. Sie blickte sich um, konnte bei dem hügeligen Gelände nicht genau ausmachen, woher das Geräusch kam.
„Das ist Alex,“ sagte Jodi, die den Flizter zwischen den Bäumen erkannte.
„Warum düst der so durch die Gegend,“ wunderte sich Regan.
Alex lenkte die Maschine zu den Reiterinnen. Er stellte den Motor ab, und sah zu den dreien hinauf. ‚Mann, sieht der gut aus,’ dachte Stevie. Seine ausgewaschenen, blauen Jeans zu Cowboystiefeln. Dazu dieses dunkelblau karierte Hemd. Das stand ihm so gut. Das Gesicht und die Hände von der Arbeit in der Sonne gebräunt, den Hut bis in die Stirn gezogen. Er musste die Augen zusammen kneifen, um die blendende Sonne abzuwehren. An seinen Schläfen zeigten sich Schweißperlen, er hatte wahrscheinlich bis vor kurzem noch hart gearbeitet.
„Hallo Alex,“ grüßte Regan ihn als erste. Jodi und Stevie begnügten sich nur mit einem Kopfnicken.
„Hallo,“ grüßte Alex zurück. Er nahm den Hut ab und wischte mit der Hand über seine vom Schweiß feuchte Stirn. Dann setzte er den Hut wieder auf.
„Habt ihr einen schokoladebraunen Hengst gesehen? Er hat ein weißes Abzeichen zwischen den Augen.“
Die Mädels schüttelten beinahe synchron den Kopf.
„Er ist sehr viel wert. Es ist wichtig, dass ich ihn finde.“
„Brauchst du Hilfe?“ fragte Regan.
„Nein, ist schon gut, ich komm klar.“
Stevie begann wieder, Turbo zu schicken um die Herde anzutreiben. Sie wollte möglichst schnell fertig werden. Es wartete noch eine Menge anderer Dinge auf sie, die erledigt werden mussten. Jodi folgte Stevies Beispiel. Sie ritt in die entgegengesetzte Richtung davon.
Alex wollte gerade wieder fahren, da drehte er sich noch mal um. „Na ja, wenn ich genau darüber nachdenke. Ein weiterer Reiter wäre mir eine große Hilfe.“
Stevie hob eine Augenbraue und blickte zu ihm hinunter. „Regan kann dir helfen,“ bot sie selbstlos an.
„Ja, nur, ich habe mir mit Taylor ausgemacht, dass wir eine Übungsstunde einlegen, was das Schafe scheren betrifft. Ich kann nicht zu lange.“
Alex schüttelte den Kopf. „Nein, ist schon gut. Ich brauchte jemanden, der länger Zeit hat.“
Regan blickte zu Jodi hinüber. „Was ist mit dir, Jodi. Hilfst du Alex?“
Jodi schüttelte den Kopf. „Riley. Ich habe ein Treffen mit ihm bezüglich der Feuerwehr. Tut mir leid. Ansonsten jederzeit. Was ist mit Stevie?“
Alle sahen hinüber zu Stevie. Na toll. Regan bot ihre Hilfe an und Stevie musste dann die Arbeit erledigen. Das war ja wieder mal typisch.
„Du kannst nicht Hilfe anbieten, wenn du selbst nicht helfen kannst,“ fuhr Stevie Regan an.
„Ich dachte, es geht sich zeitlich bei mir aus,“ verteidigte sich Regan.
„Was ist jetzt Stevie, hilfst du mir?“ fragte Alex erwartungsvoll.
Stevie schüttelte fassungslos den Kopf. Aber nicht, weil sie ablehnen wollte, sondern weil sie so überrumpelt wurde.
„Aber auch nur, weil Nachbarn sich gegenseitig helfen,“ sagte sie bestimmt und sah Alex dabei nicht einmal an.
Sie ritt zu ihm. „Also gut, ich reite rechts, du fährst links,“ schlug sie vor.
Aber Alex lehnte ab. „Nein, wir müssen wahrscheinlich Richtung Wilgul suchen. Das ist die einzige Möglichkeit, die er langgeritten sein könnte. Wir bleiben wohl noch eine Zeit lang zusammen.“
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 11:37
TEIL 2
Stevie fühlte sich etwas unbehaglich bei dem Gedanken, die ganze Zeit mit Alex verbringen zu müssen, einerseits hatte sie sich nie etwas anderes gewünscht, die letzten Ereignisse allerdings zwischen ihnen, trugen dazu bei, dass sie jetzt lieber woanders wäre. Stevie ritt langsam neben Alex her, während sie ihre Blicke über das große Land schweifen ließ, auf der Suche nach dem Hengst, als Alex das Wort ergriff:
"Und? wie sieht es aus, alles okay auf Drovers?"
Eine noch blödere Frage hätte er nicht stellen können, aber er bemerkte diese Anspannung und vor allem das nicht Beachten ihm gegenüber ihrerseits, also war dies die einzige Möglichkeit mit ihr ins Gespräch zu kommen. Den Hengst weniger beachtend, sah er Stevie an und wartete auf Antwort.
"Alles bestens, danke", ließ Stevie nur verlauten, ohne Alex eines Blickes zu würdigen.
"Also hör zu, solltest du Hilfe benötigen oder..."
Stevie viel ihm ins Wort. "Wir kommen klar, danke."
Nach einer Weile eisigen Schweigens hielt er an und stieg von seinem Motorrad.
"Ich denke, wir sollten zu Fuß weiter gehen, wir sind nähe Wilgul und über die Anhöhe dort, komme ich mit dem Motorrad nur schwer voran".
"Alles klar", sagte sie nur, stieg von ihrem Pferd und lief mit diesem zu einem naheliegenden Zaun. Sie befestigte Banjo dort, während Alex ein Seil und eine Trinkflasche aus seiner Motorrad Tasche holte.
Stevie lief langsam Richtung Wilgul weiter, ohne auf Alex zu warten.
"Hey, warte doch mal", kam es nur von Alex, der ihr nun mit schnellen Schritten folgte.
Neben ihr angekommen, reichte er ihr die Wasserflasche. "Hier, trink was".
Ein zartes, liebevolles "danke" kam von ihr, während sie ihn ansah und gleichzeitig die Flasche entgegen nahm.
Alex gab ihr ein zaghaftes Lächeln zurück und sagte, "Komm, wir laufen die Anhöhe hoch, vielleicht haben wir dort mehr Glück."
"Ich weiß nicht, wo er sonst sein könnte, er wird sicher bei dieser Hitze nicht so weit gelaufen sein".
Stevie folgte ihm, ohne etwas zu sagen und hoffte, das sie das Tier endlich finden würden.
*****
Regan und Jodi, die bereits wieder auf Drovers angekommen waren, brachten ihre Pferde gemeinsam zu den Ställen, um sie noch zu Füttern.
"Wie sieht es aus, kann ich gleich los? Oder liegt noch etwas an?" fragte Regan Jodi voller Freude, auf die erste Trainingsstunde mit Taylor.
"Klar, du kannst gehen, ich mache auch für heute Schluss, ich treffe mich doch noch mit Riley" Jodi grinste bei diesem Gedanken.
"Mal sehen wie er sich so schlägt bei der Feuerwehr, er scheint zwar überhaupt nicht der Typ für sowas zu sein, aber man kann ja nie wissen, ich werde ihm schon zeigen wo es lang geht".
Sie grinste Regan an und sagte: "Okay, bis später".
Regan sah ihr mit einem riesen Grinsen nach und konzentrierte sich dann wieder auf ihr Pferd.
"Also dann, Oskar, wir sehen uns später".
Somit verließ sie den Stall und lief Richtung Haus, sie wollte sich noch schnell frisch machen, bevor sie Taylor aufsuchte, die stechende Hitze heute, machte es einem schwer sich den ganzen Tag draußen zu bewegen ohne wenigstens einmal duschen zu gehen.
Regan brauchte nicht sehr lange und stand nach ca. 15 Minuten mit neuer Kraft und Elan vor dem Haupteingang. Sie überlegte kurz wo sie Taylor finden konnte und lief dann Richtung Taylors Hütte. Als sie anklopfte, aber kein Ton zurück kam, ging sie hinein. Taylor lag im Bett und schlief.
"Hey, aufstehen", sagte Regan, während sie etwas an Taylors Decke zog.
Taylor wachte sofort auf und setzte sich mit noch zugekniffenen Augen auf.
"Hey, was gibt’s?" fragte Taylor noch wie im Tiefschlaf.
"Wir waren verabredet, weißt du nicht mehr? Schafe, Scheren? Was machst du denn im Bett? Mittagschlaf?"
"Oh, tut mir leid, das habe ich total vergessen, ich war gestern doch noch unterwegs, mit Patrick und es wurde etwas später."
Taylor legte eine kurze Pause ein um zu gähnen. "Also war ich so müde, das ich mich vorhin nochmal hingelegt habe."
"Na wie schön", kam es von Regan etwas schnippisch. "Wenn du hier Fuß fassen willst, musst du dich aber an ein Paar Regeln halten, du kannst die Nächte nicht durch machen und deine Arbeit vernachlässigen".
"Tut mir leid," konnte Taylor nur noch sagen.
"Komm, auf geht’s", Regan zog sie aus ihrem Bett, "mach dich fertig und dann fangen wir an. Ich warte auf dich im Schafscher Stall".
*****
Stevie und Alex liefen nun schon eine ganze weile neben einander her, ohne den Hengst gesichtet zu haben.
"Mann, ist das eine Hitze", sagte Alex dann, während er stehen blieb, nahm sich den Hut vom Kopf und wischte sich einmal über die Stirn.
"Hab dich nicht so" stichelte Stevie, das ist nicht der erste heiße Tag den du hier erlebst".
"Ja, aber jedesmal wenn es so heiß war, habe ich dies wieder festgestellt. Das ist also auch nicht das erstemal, das ich mich darüber beschwere", er lächelte sie von der Seite an.
Auch Stevie, konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.
Stevie lief weiter, in der Hoffnung den Hengst doch noch irgendwann zu finden, als sie merkte das Alex zurück geblieben war.
Als sie zu ihm sah, drehte sie sich aus Reflex gleich wieder um. Alex stand nur noch oben Ohne da. Als er sah wie Stevie reagierte, musste er lachen, er lief auf sie zu.
"Na, noch nie einen nackten Mann gesehen? Was soll ich sagen? Es ist mir einfach zu heiß", mit einem Grinsen lief er an ihr vorbei.
Stevie folgte ihm. "Komm schon, das ist doch nichts besonderes, da habe ich noch ganz anderes gesehen".
Er drehte sich um und schenkte ihr ein Lächeln, das einerseits sagte, das er sich das schon gedacht hat und gleichzeitig amüsiert wirkte. Sie sahen sich einen Moment intensiv an, als Stevie halb laut rief, "da drüben".
Alex drehte sich sofort um und erkannte seinen Hengst. Da stand er. Ein wunderschönes Tier, er stand dort, in seiner ganzen Pracht und ließ sich nicht stören.
Stevie lief sofort los, bedacht darauf das Tier zu fangen, aber doch sehr vorsichtig.
"Hey, was hast du vor?", fragte Alex etwas ängstlich.
"Na, was glaubst du denn?" kam von Stevie ganz selbstsicher.
"Gib mir das Seil“, sagte sie dann bestimmt und nahm es sich gleichzeitig aus seiner Hand.
"Stevie, das ist kein normales Pferd, es kann gefährlich werden wenn man nicht aufpasst".
"Ja, ich weiß", kam es von ihr, sie lief aber trotzdem geradewegs weiter.
Sie lief gerade auf das Tier zu, ohne auf Alex Worte, sie solle dies lassen, zu hören. Sie kam immer näher, ein flaues Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit, aber sie war fest entschlossen dies jetzt durch zu ziehen.
Alex folgte ihr langsam, "Lass mich das lieber machen.“
Aber Stevie hörte nicht. "Ganz ruhig mein Junge", hörte Alex Stevie mit sanfter Stimme sagen, "Ganz ruhig".
Das Pferd signalisierte Stevie, wandte sich jedoch wieder ab, es zeigte kaum Interesse. Stevie lief immer weiter, "So ist brav, komm her zu mir, braver Junge".
Das Tier kam einen Schritt auf sie zu und hob seinen Kopf. Aus irgendeinen Grund fühlte es sich plötzlich bedrängt, es fing an zu wiehern und wie verrückt zu stampfen.
"Vorsichtig Stevie, pass auf", hörte Stevie Alex noch rufen, als es schon zu spät war. Das Tier wirbelte herum und rannte los, direkt an Stevie vorbei, er traf sie mit seiner gewaltigen Kraft, sodass sie zu Boden stürzte.
Das Tier lief in die große weite Ferne.
"Stevie!!!! schrie Alex, als er gleichzeitig zu ihr rannte. "Stevie, hörst du mich? Bist du okay?“
Er beugte sich über sie. Von Stevie kam nur ein leises Stöhnen, kein Wort brachte sie raus. "Hey, Stevie, hast du Schmerzen?"
Nach ein paar Minuten fing sie sich, sie versuchte aufzustehen, schrie aber vor Schmerzen auf, als sie merkte das dies nicht ging.
"Mein Bein", sagte sie nur, ich glaube es ist gebrochen.“
"Lass mal sehen“, sagte Alex voller Erleichterung, dass Stevie sich zu Wort meldete.
"Nein, lass mal gut sein."
"Stevie, bitte, ich muss sehen was du hast, das ist nicht das erstemal das ich die Beine einer Frau sehe und dazu noch so hübsche“, stichelte er etwas.
Er versuchte ihre Hose zu öffnen, was Stevie sichtlich unangenehm wurde, sie griff nach ihrem Gürtel und öffnete ihre Hose selbst. Als sie die Hose endlich aus hatte, sah er sich das verletzte Bein an, er nahm es in die Hände und hob es langsam hoch.
"Versuch es mal zu beugen."
Stevie befolgte seine Anweisungen, unter Schmerzen beugte sie es, machte aber Andeutungen es gleich wieder nieder lassen zu wollen.
"Okay", sagte Alex dann, "gebrochen ist es nicht, allerhöchstens verstaucht und ein paar Prellungen, denke ich".
Stevie lag immer noch auf dem Boden, die Hand an den Kopf gelegt. Alex beugte sich wieder über sie.
"Hey, ich habe dir doch gesagt du sollst das nicht machen, aber auf mich willst du ja nie hören". Sein Gesicht befand sich nun unmittelbar über ihrem, er lächelte sie an. Sie drehte ihren Kopf und sah ihm in seine wunderschönen braunen Augen. Einen Moment lang, vergaßen sie alles eben geschehene und gaben sich nur dem anderen gegenüber hin, sie sahen sich tief in die Augen. Blicke, voller Dankbarkeit, aber auch Nähe, Wärme und Gefühl. Stevie hatte sofort wieder dieses Gefühl im Bauch, sie wusste, sie könnte sich darauf nicht wieder einlassen, sie musste stark sein.
"Mh.... ich....ich würde sagen, du bringst mich jetzt nach Hause, stammelte sie schnell etwas verlegen und versuchte sich schon einmal aufzusetzen.
"Okay, klar, sagte Alex schnell und half ihr auf. Er half ihr, die Hose wieder an zuziehen und wollte dann los laufen.
Stevie konnte nicht recht auftreten und der Weg zu Banjo und dem Motorrad, war ziemlich weit, wenn man verletzt war. Alex bemerkte, dass sie Probleme hatte mit dem auftreten und zögerte nicht lange.
"Komm her," sagte er leise, er legte eine Hand auf ihren Rücken, beugte sich etwas und legte die andere Hand an ihre Beine, ein kleiner Schwung und sie lag auf seinen Armen. Bevor sie etwas sagen konnte, lief er los.
Stevie war das ganze mehr als unangenehm, sie, Stevie Hall, war noch nie so hilflos gewesen und die jetzige Situation behagte ihr nicht so ganz.
*****
Jodi war guter Laune, als sie ihren gelben, doch eher bescheidenen, kleinen Wagen vor der Feuerwache parkte. Sie wusste zwar nicht was auf sie zukommen würde, aber sie mochte Riley sehr und wenn sie mit ihm zusammen war, fühlte sie sich wohl, sie konnte mit ihm lachen und rum albern, aber er war auch für sie da, wenn es ihr nicht so gut ging und baute sie wieder auf, mit seiner lockeren, witzigen aber auch gefühlvollen Art. Nach langer Zeit, hatte sie wieder das Gefühl jemanden in ihrem Leben zu haben der Freund und Beistand gleichzeitig war. Nachdem ihre Mum Drovers damals verlassen hatte, fühlte sie sich oft sehr allein, aber in Riley fand sie wieder jemanden, dem sie vertrauen kann.
"Hey, schöne Frau" hörte sie eine Stimme hinter sich, sie wirbelte herum und sah Riley dort stehen, in seinem gelben Feuerwehr Einteiler, sah er etwas albern aus, aber gleichzeitig irgendwie süß, wie sie fand.
"Hey, Hübscher", erwiderte sie mit einem Lächeln.
"Und? bist du bereit für das große Feuer?", fragte sie, obwohl sie natürlich wusste, dass das nur eine Redensart ist und nur daher gesagt, er war noch lange nicht so weit.
Er grinste, "Zeig mir ein Feuer und ich lösche es" vollendete er ihr Gespräch und lief mit einem selbstsicheren und unwiderstehlichen Blick an ihr vorbei.
"Na dann, wo fangen wir an?" "Erst einmal zeige ich dir die Grundkenntnisse, aber.....“ sie lächelte, „bevor wir damit anfangen, steht etwas anderes an".
"Das war aber nicht das, was ich mir vorstellte", sagte er, als er gemeinsam mit Jodi das Feuerwehr Auto putzte.
"Naja, wenn du einmal im Dienst bist, willst du die Frauen doch sicher nicht mit deinem dreckigen Wagen abschrecken, auch das muss gelernt sein".
"Ach wirklich?" er zögerte nicht lang und griff mit der rechten Hand in den mit Wasser gefüllten Eimer, nahm den mit Wasser aufgesaugten Schwamm hinaus und rief: "Hey, Jodi, Dusche gefällig?"
Bevor Jodi schalten konnte, hatte sie den nassen Schwamm im Gesicht. Das ließ sie sich nicht einfach so bieten.
"Ist das deine Art, zu flirten? Das kannst du haben", murmelte sie leise in sich rein. Sie griff nach ihrem Eimer und lief los, geradewegs auf Riley zu, der sich vor Lachen kaum einkriegen konnte.
Jodi schüttete den vollen Eimer über ihm aus, ohne dass er versuchte sich zu wehren.
Beide alberten noch eine Weile rum, bis Jodi sagte, "Los, wir müssen uns die nassen Sachen ausziehen und dann zum wesentlichen kommen".
"Gerade wo es so interessant wird?" kam es von ihm, als er mit einem Grinsen an Jodi vorbei ging, direkt in die Umkleideräume der Feuerwache. Jodi blieb noch einen Moment mit einem Lächeln dort stehen, bevor auch sie sich auf den Weg machte.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 11:47
TEIL 3
Bevor sie jedoch ins Feuerwehrhaus hinein ging, schnappte sie Eimer und Schwämme, die mussten nicht draußen stehen bleiben.
„Hey, Jodi,“ sagte jemand hinter ihr.
Erschreckt ließ sie die beiden, halbvoll mit Putzwasser gefüllten Eimer fallen. Die Drecksuppe ergoss sich über ihre Füße. Sie drehte sich langsam um.
Hinter ihr stand Matt. Und er sah unverschämt gut aus. Seine dunklen Locken hatte er unter einem Base Cap versteckt, ein drei – Tage – Bart zierte sein Gesicht. Er trug ein dunkelrot angehauchtes Hemd, hatte die obersten drei Knöpfe offen gelassen und den Kragen hoch gestellt.
Matt hatte die rechte Hand in der Tasche seiner Jeans vergraben, das Hemd wurde dabei zur Seite gerückt und legte einen dunkelbraunen Ledergürtel mit großer, aber trotzdem nicht protziger Schnalle, frei. Ganz anders als gewohnt trug er dazu schwarze Sneakers.
„Matt!“ rief Jodi aus und fiel ihm vor Freude um den Hals.
Matt ließ die Reisetasche fallen, die er bis dahin in der linken Hand gehalten hatte, und umarmte Jodi, hob sie hoch und drehte sich einmal um die eigene Achse. Dann stellte er sie wieder auf die Füße.
Sie löste sich von ihm und fragte verwundert: „Was machst du denn hier?“
Gerade als er antworten wollte, kam Riley aus der Wache. Er trug schon seine Hose, war aber gerade dabei, sein T-Shirt über den Kopf zu ziehen, was ihm nicht so recht gelingen wollte.
„Hey, Jodi, wenn wir hier mit den Dingen fertig sind, wäre es vielleicht möglich,...“ murmelte er durch den Stoff hindurch.
„... dass wir ...“ Er hatte das Kleidungsstück über den Kopf gezogen und erblickte Matt, der immer noch den Arm um Jodis Schultern gelegt hatte.
„Aha,“ sagte Riley verlegen, wusste nicht, wie er mit der Situation umgehen sollte. „Ich warte vielleicht drinnen auf ...“
„Nein, warte, Riley,“ unterbrach Jodi ihn.
Sie löste sich aus Matt’s Griff und deutete auf denselben.
„Riley, das ist Matt.“
Dann zeigte sie auf Riley.
„Matt, das ist Riley. Er arbeitet seit einiger Zeit auf Killarney. Und möchte zur Feuerwehr gehen.“
Matt grinste und streckte Riley die Hand entgegen.
„Freut mich sehr, dich kennen zu lernen, Riley.“
Riley lehnte seinen Oberkörper nicht merklich zurück, schaute Matt misstrauisch von der Seite an und schüttelte langsam dessen Hand.
„Ja, freut mich auch.“
Verspätet murmelte er zu sich selbst: „Glaub ich jedenfalls.“
*****
Inzwischen hatte Alex Stevie nach Hause gebracht. Stevie konnte unter starken Schmerzen mit Alex gemeinsam auf Banjo zurück reiten. Sie glaubte auch nicht, dass etwas gebrochen war, aber das Knie tat ihr weh. Sie musste es sich verdreht haben.
Alex hob Stevie vom Pferd und trug sie über die Veranda ins Haus. Sie hatte den linken arm um seinen Hals gelegt und öffnete mit der rechten Hand die Türen. Alex roch nach einer angenehmen Mischung aus männlichem Schweiß und Aftershave.
Er brachte Stevie zur Couch und ohne auf ihre „das kann ich jetzt schon alleine“ – Proteste zu achten, beugte er sich vor und setzte sie ab. Er prüfte, ob ihre Beine bequem lagen und wollte gerade nachsehen, ob sie selbst auch gemütlich saß, da spürte er ihren schweren, aber gleichmäßigen Atem im Nacken.
Er drehte sich langsam zu ihr um, ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt. Er sah sie an, ihre markanten, dennoch weiblichen Kieferknochen, die leicht eingefallenen Wangen, ihre wilden, roten, vom Kontakt mit dem Boden auch staubigen Locken, die sie leger zusammen gebunden trug. Ihre perfekte, gerade Nase, ihre haselnussbraunen Augen, die ihn zärtlich ansahen, ihre sinnlichen Lippen, die den dahinter liegenden leichten Vorbiss erkennen ließen.
Er strich ihr langsam eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie sahen sich in die Augen. Ihre Lippen näherten sich, In Stevie’s Kopf drehte sich alles. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Es schien, als hätte ihr Hirn sich entleert. Die Zeit schien angehalten zu haben. Jetzt gab es nur mehr sie und Alex.
„Hey, Stevie, ich bin fertig mit dem Füttern. Kann ich jetzt mit Regan...“
Und Taylor.
Blitzschnell war Alex aufgestanden. Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf, schaute sich hastig, verwirrt im Raum um, suchte etwas, wo er sich verstecken konnte.
„Also, ich ahm...“ stammelte er.
„Gut, also, wenn, ich...“ stotterte Stevie.
Taylor grinste.
Stevie sammelte sich, dann orderte sie mit fester Stimme: „Dann reite die Zäune ab.“
„Schon erledigt.“
„Dann mach die Tränken sauber.“
„Erledigt.“
„Dann richte die Stellzäune.“
„Fertig.“
„Dann, äh, ... mach mal Pause.“
Alex hatte sich seinen Hut aufgesetzt und war zur Türe gegangen.
„Ich geh dann mal,“ meinte er viel beiläufiger als ihm oder Stevie lieb war.
„Ja, ahm, Alex. Danke,“ stammelte Stevie.
Alex verließ das Haus und Stevie funkelte Taylor an, die immer noch grinsend im Zimmer stand. Oh wie gerne wäre sie jetzt im Boden versunken. Oder lieber noch hätte sie Taylor angefallen. Was für ein timing. Ärgerlich! Was musste sie ausgerechnet jetzt ins Zimmer kommen?
Stevie versuchte aufzustehen, musste sich aber unter Schmerzen wieder hinsetzen. Taylor blickte mitfühlend zu ihr.
„Ist alles in Ordnung,“ fragte sie besorgt.
„Ja, ja, alles klar,“ tat Stevie die Sache ab. „Es ist nur das blöde Knie. Ich kann nicht richtig aufsteigen.“
„Soll ich dich nicht besser zum Arzt fahren?“
„Das wird schon wieder aufhören.“
Mit einem überlauten „Wisst ihr, was wir heute essen könnten?“ kam Moira herein, sah Stevie auf der Couch liegen, und Taylor daneben stehen.
„Was ist los?“ fragte sie ernst.
„Ach, nichts,“ wollte Stevie sich aus der Affäre ziehen.
Aber Taylor gestand: „Stevie hat sich verletzt. Ziemlich schlimm. Ich glaube, sie sollte das von einem Arzt untersuchen lassen.“
Moira zuckte die Schultern. „Ich fahr ohnedies nach Gungellan. Ich könnte dich ins Krankenhaus fahren.“
Stevie lenkte ein. „Naja, mit einem kaputten Bein krieg ich nur halb so viel Arbeit weiter. Und wenn du ohnehin fährst...“
Moira und Taylor stützten Stevie, damit sie bis zum Auto humpeln konnte. Sie wollte zur Fahrerseite gehen, aber Moira protestierte lautstark.
„Nein, nein, nein. Wenn du willst, dass wir heil in Gungellan ankommen, lässt du schön mich fahren.“
Stevie grummelte, ließ sich aber zur Beifahrerseite helfen.
*****
Regan sah den Wagen aus der Einfahrt rollen und winkte zum Abschied. Ihre Arbeitshandschuhe hatte sie in die hintere Hosentasche gesteckt, den abgebrochenen Ast schleifte sie mit der linken Hand nach. Es war ungewöhnlich heiß an diesem Tag. Sie hatte ihr Hemd schon keck um die Hüften geschlungen, trug nur mehr ihr dunkles Top zu Jeans. Kurze Hosen hatten sich bei der Arbeit nicht bewährt und alles andere als Jeans war nicht robust genug um die täglichen Strapazen zu überstehen.
Ab und zu wünschte sich Regan eine Woche Urlaub. Mit Sommerkleidern und Bikinis, am Meer, in der Sonne liegen und nichts tun, aber ihren letzten „Urlaub“ hatte sie vor einigen Monaten, und da war sie nicht am Meer, sondern hatte auf Drover’s nach Gold geschürft.
Taylor blickte zu Regan hinüber. Sie näherte sich ihr vorsichtig. Sie hatte sie nicht enttäuschen wollen, aber der Abend mit Patrick war am Vortag noch eine gute Idee gewesen. Manchmal war es einfacher, sich keine Gedanken über den nächsten Tag zu machen. Aber manchmal ging das leider auch furchtbar in die Hose.
„Bist du sauer?“ fragte sie.
„Du meinst, weil wir eine Abmachung hatten, du aber verschlafen hast und zuerst hundert andere Aufgaben erledigen musstest?“
Sie hatte Regan im Schafscherstall gebeichtet, dass Stevie noch andere Dinge für Taylor’s Vormittag geplant gehabt hatte, und weil Stevie ja ihr Boss war, konnte sie sie nicht enttäuschen. Außerdem war Stevie besonders gereizt. Regan hatte vorhin Verständnis gezeigt, hatte ihr gestattet, die anderen Sachen zuerst zu erledigen, aber anscheinend hatte sich ihre Laune verschlechtert. Taylor sah betreten zu Boden und spielte mit ihren Fingern.
Regan musste grinsen. „Ich bin doch nicht sauer. Packen wir’s jetzt?“
Taylor nickte zufrieden und grinste Regan an. „Ich hol mir noch schnell Handschuhe aus dem Schuppen.“ Und schon war sie unterwegs.
Das Motorengeräusch, das sie vernahmen, störte Regan nicht, weil es zwar ungewöhnlich war, hier draußen, und noch dazu auf Drover’s, ein Auto zu hören, aber es war ganz und gar nicht ungewöhnlich, dass Moira etwas vergessen hatte und noch einmal umkehrte.
Umso erstaunter war sie, als nicht Moiras Klapperkiste, sondern ein schneidiger, silbergrauer BMW die Einfahrt herauf kam. Sauber wie nur ein Stadtwagen aussehen konnte. Einzig die Staubschicht, die sich an den Seiten angelegt hatte, verriet, dass das Auto die letzten Kilometer im Busch unterwegs war. Der BMW hatte verdunkelte Scheiben, also sah Regan nicht sofort, wer darin saß.
Der BMW fuhr bis zum Autounterstand herauf, der einzige Platz, der ein bisschen Schatten bot. Die Türe ging auf und ein junger Mann im Anzug stieg aus. Er war groß, mindestens eins achtzig, schätzte Regan. Er war sonnengebräunt und hatte von der Sonne ausgebleichte Locken. Sein hellgrauer Anzug passte sogar zur Farbe seines Autos. Abgestimmt zu dem Erscheinungsbild, trug er eine dunkle Sonnenbrille und schwarze, italienische Schuhe.
Er kam auf Regan zu, griff in seine Brusttasche und zog einen kleinen Zettel heraus.
„Michael Cornwall,“ stellte er sich vor und reichte ihr den Zettel.
Perplex nahm Regan das Stück Papier und sagte: „Regan McLeod, ich hab keine Karte.“
Sie sah sich die Visitenkarte an und las. Michael Cornwall. Rechtsanwalt. Dann stand noch eine Adresse, eine E – Mail Adresse und eine Telefonnummer darauf. Die Vorwahl konnte sie nicht mit Sicherheit zuordnen, tippte aber auf Sydney.
Michael nahm die Sonnenbrille ab und blickte sich um, er kniff die Augen zusammen, damit ihn die Sonne nicht so blendete. ‚Warum hat er die Brille denn überhaupt erst abgenommen?’ dachte Regan im Stillen.
„Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“ fragte sie laut.
„Ich bin Anwalt,“ begann er.
„Ja, das steht hier. Ich kann lesen.“ Regan streckte ihm den Zettel entgegen und deutete darauf. Sie fühlte sich gefrotzelt.
„Ein schönes Fleckchen haben Sie hier.“
„Jaaaaaa,“ zog sie ihre Antwort fragend in die Länge.
„Wie steht es ums Finanzielle?“ fragte Michael.
„Entschuldigen Sie, aber das geht Sie gar nichts an.“ Regan war empört.
„Wir sehen uns bestimmt bald wieder.“ Michael setzte die Sonnenbrille wieder auf, stieg in seinen BMW und bretterte davon. Den aufgewirbelten Staub versuchte Regan mit hektischen Fuchtelbewegungen zu bändigen.
Sie sah noch einmal auf die Karte, verzog verwundert den Mund und zuckte mit den Schultern. Dann ging sie wieder ihrer Arbeit nach.
Taylor kam zurück, hatte nur noch gesehen, wie der BMW den Grund wieder verließ.
„Wer war das?“ fragte sie verwundert.
„Ich hab keine Ahnung. Und das meine ich ehrlich,“ sagte Regan kopfschüttelnd. Dann trieb sie Taylor an: „Komm schon, wir sind sowieso schon spät dran.“
*****
Am Abend hatte Moira gekocht. Sie und Stevie hatten sich beim Einkaufen in Gungellan für etwas Italienisches entschieden. Moira hatte den Nachmittag frei, da Patrick den Truck Stop für diese Zeit übernommen hatte, und beschloss, mit Taylor gemeinsam in der Küche zu zaubern.
Stevie saß am Küchentisch, das verletzte Bein auf einen Sessel hochgelagert und half, Karotten für eine Rohkost zu schälen.
„... und dann hab ich ihn zum Essen eingeladen. Und weil Riley dabei war, hab ich gesagt, er soll doch auch kommen,“ beendete Jodi den Bericht ihres aufregenden Nachmittags mit den Jungs.
„Und wann kommen sie?“ hakte Moira nach, denn es ging ja um die Fertigstellung des Essens.
„So gegen sieben,“ konnten die Mädels ausmachen, denn Jodi hatte in eine Karotte gebissen und sprach mit vollem Mund.
‚Eigenartig, wie aufgeregt sie war,’ dachte Stevie.
„Und, was hat der Arzt gesagt?“ wollte Regan von Stevie wissen.
„Die haben erst mal gar nichts gesagt. Sie haben ein Röntgen gemacht, in dem nichts zu erkennen war, hin und her gedrückt, geschoben, bewegt und mich dann zum MRT geschickt.“
„Was ist das?“ fragte Taylor, die nach der anstrengenden Lektion von Regan zum Thema Schafe scheren, ziemlich erledigt aussah.
„Ein MRT? Das ist eine Röhre, da wird man reingeschoben und die macht irgendwelche Bilder,“ versuchte Stevie zu erklären.
„Ja, Bilder von deinem wasserhaltigen Gewebe,“ ergänzte Moira.
Die Mädels sahen sie verwundert an.
„Was?“ fragte sie. „Ich les auch manchmal wissenschaftliche Zeitschriften.“
Ungläubig schüttelten die anderen drei den Kopf.
Moira blickte verlegen in die Runde. „Los, Stevie, erzähl weiter.“
„Die Auswertung vom MRT haben sie noch nicht, aber der eine Arzt meinte, es sei bei dieser Art von Schmerz möglich, dass ein Band im Knie vielleicht eingerissen ist.“
Jodi verzog das Gesicht. „Wääh, das ist ja ekelhaft.“
„Musst du operiert werden,“ wollte Taylor wissen.
Daran hatte Stevie selbst noch gar nicht gedacht. Das wäre eine Katastrophe. Sie wäre arbeitsunfähig. Mindestens zwei Monate. Das könnte sich Drover’s nicht leisten.
Moira machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ach quatsch. Ihr werdet sehen. Das ist wahrscheinlich nur überdehnt.“
Pünktlich um sieben Uhr klopfte es an der Verandatüre.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 11:53
Teil 4
Jodi sprang sofort auf und flitze schon fast zur Tür, bevor sie sie jedoch öffnete, zupfte sie noch einmal an ihrem Rock und rückte sich ihre Bluse zu recht.
Sie legte die Hand an den Türknauf und öffnete die Tür.
"Hey", sagte Matt mit einem Lächeln. Er war schick zurecht gemacht, hatte eine schwarze, feine Hose an und ein dazu passendes weißes Hemd. Er sah gepflegt und adrett aus. In der Hand hielt er einen kleinen Blumestrauß, den er Jodi auch sofort überreichte.
"Oh, danke,“ kam es von ihr und sie zeigte ihm mit einer Bewegung das er rein kommen soll.
Sie lief direkt in die Küche mit den Worten: "Das Essen ist bald fertig".
Er begrüßte die Mädels mit einem lockeren "Hallo" als die anderen den Blumenstrauß begutachteten, den Jodi gerade in eine Vase stellte.
Ein kleines Grinsen war bei keiner zu übersehen.
Matt setzte sich vorerst zu den anderen an den Küchentisch. Stevie ergriff sofort das Wort.
"Und? Matt", sie lächelte ihn an, "was hast du so die ganze Zeit getrieben? Wir haben ja lange nichts mehr von dir gehört".
"Er sah Jodi etwas hilfesuchend an, die sofort antwortete: "Ach, weißt du Stevie, darüber können wir auch nachher noch reden". Stevie sah zu ihr, dann zu ihm, ließ sich ihre Verwunderung aber nicht anmerken und schwieg.
Es klingelte erneut an der Tür. Jodi lief direkt los und öffnete die Tür. Vor ihr stand Riley, allerdings in einem ganz anderen Licht, als es bei Rob der Fall war.
Er hatte seine Arbeitsklamotten an und wirkte so, als wäre er gerade total erschöpft von der Arbeit gekommen.
"Tut mir leid, ich weiß, ich bin zu spät dran. Alex hat mich aufgehalten, er fand andauernd noch Sachen, die seiner Meinung nach erledigt werden mussten, ich weiß nicht was mit ihm los war. Ich hatte nicht mal Zeit mich umzuziehen".
"Das macht nichts," sagte Jodi und bat ihn rein.
Riley folgte Jodi direkt in die Küche wo er als erstes Matt sah, er begrüßte die Mädels freundlich, dann begrüßte er Matt mit einem Kopf nicken, Matt tat es ihm gleich und sagte: "Riley".
"Und was läuft bei dir so?" fragte Stevie dann, in der Hoffnung, wenigstens einer würde sich mit ihr unterhalten.
"Außer, dass Alex anscheinend wieder einmal einen Hang zum übertreiben hat und extra Sachen findet, die er mir aufdrücken kann, eigentlich gar nichts".
Er grinste.
Stevie sah etwas verlegen drein. "Ach wirklich? Wieso? Was hat er denn? Hat er was erwähnt? Geht’s ihm nicht gut"?
Stevie bemerkte gleich danach, dass ihre Fragerei wohl viele aufmerksam machte, alle sahen sie skeptisch an.
"Hey, was denn? Kann man sich nicht einmal nach einem Freund erkundigen?"
Sie wechselte schnell das Thema. "Moira ist das Essen fertig?"
Stevie stand langsam auf und humpelte ins Esszimmer um sich kurz danach auf ihren Platz zu setzen.
Moira, die bereits mit bekommen hatte, dass der letzte Gast eingetroffen war, hatte in der Zwischenzeit schon den Tisch gedeckt. Es dauerte nicht lange und es konnte gegessen werden.
Nach einer ganzen Weile eisigen Schweigens, eröffnete Riley das Gespräch.
"Hübsche Blumen, die in der Küche stehen, ich hoffe ich habe keinen Geburtstag vergessen", er musste selbst über seinen dummen Spruch lachen.
"Die sind von mir, Matt hat sie mir heute mit gebracht", sagte Jodi mit Freude.
"Ach wirklich? kam es etwas schnippisch und mit einem Blick zu Matt, aus ihm heraus.
Matt bemerkte die angespannte Situation und meinte nur "Ach, ist doch nichts besonderes. Das macht man doch so, wenn man zu Besuch zu einer hübschen Frau geht".
Jodi wurde etwas blass.
"Ach wirklich? Vor allem bei Frauen, die schon fast vergeben sind, weil man da ja noch mehr Eindruck schinden muss?“ sagte Riley ohne zu überlegen.
Jodi lächelte etwas gequält, "Mh.. Stevie reichst du mir mal bitte das Gemüse?"
Stevie fackelte nicht lange und gab ihr die Schüssel, sie versuchte die Situation etwas aufzulockern.
"Moira, das Essen ist absolut der Wahnsinn, ich würde noch Stunden weiter futtern, würde ich nicht gleich platzen," sagte sie.
Das freut mich, meinte Moira freundlich, doch gleichzeitig etwas gequält. Jeder wusste, dass das Abendessen bald gelaufen sein wird.
Matt erhob sich und sagte Richtung Jodi, "Ich gehe wohl besser", Riley konnte nicht an sich halten und schob ein "Ist wohl besser so" hinterher.
"Was ist dein Problem Riley?" fragte Matt voller Eifer.
Riley erhob sich ebenfalls und sah ihn eindringlich an.
"Hey, kommt schon Jungs, setzt euch wieder hin", flehte Stevie fast. "Was soll denn das?"
Jodi wusste nicht was sie sagen sollte und stütze ihren Kopf in die Hände.
Riley setzte sich langsam, er nahm Stevies Worte zur Kenntnis und wollte keine weitere Diskussion führen.
Matt konnte nicht anders und sagte neckisch, "Ich denke das ist auch besser so. Wir wollen doch kein Theater machen, oder?"
Er setzte sich ebenfalls und griff nach seiner Gabel.
"Weißt du, was mein Problem ist?" fing Riley wieder an. Er konnte das einfach nicht auf sich sitzen lassen, nicht wenn Matt so provokant und herablassend zu gleich war.
„Du tauchst hier auf, nach, was weiß ich wie langer Zeit und umgarnst Jodi, glaubst du mit einem Blumenstrauß ist alles getan?"
Tayler ergriff schnellstens das Wort.
"So Leute, ich bin weg. Ich bin noch mit Patrick verabredet, sorry". Sie sprintete los.
Bevor noch einer etwas sagen und das ganze sacken lassen konnte, klopfte es an der Tür.
"Ich gehe schon", sagte Regan während sie aufstand.
Sie lief zu Tür und öffnete sie, vor ihr stand Alex, total durchnässt. Sie bat ihn erst einmal hinein.
"Es regnet ja", meinte sie etwas sarkastisch.
"Auch schon gemerkt?", fragte Alex, der sichtlich triefte.
"Na ja, weißt du, der Abend heute verläuft nicht ganz so glatt wie geplant, ich denke da war das Wetter unerheblich".
"Wieso ich hier bin? Durch den Sturm und das Mistwetter ist einer meiner Schafscherställe total zusammen gebrochen. Das ist der an dem Riley gerade noch baut. Er war aber schon so weit fertig gebaut, dass wir dort gute 100 Schafe unterstellen konnten.“ Er sah Regan an und sprach nicht weiter.
"Oh nein, wie viele sind betroffen?" fragte sie sofort.
"Ca. 40 Stück. Ich kann es nicht genau sagen. Das blöde ist nur, Riley ist hier, auf Killarney ist keiner mehr außer mir und ich schaffe das nicht alleine".
"Ein paar Schafe habe ich schon in der Scheue untergebracht, aber das ist das reinste Chaos. Ich brauchte Riley ganz dringend".
"Das schafft ihr doch niemals zu zweit, nicht, wenn ihr morgen nicht mit einer Lungenentzündung im Bett liegen wollt", meinte Regan und lief schon ins Esszimmer.
Alex folgte ihr. Stevie war total überrascht als sie Alex dort stehen sah. "Oh Mann, was ist denn mit dir passiert?", sagte sie, während sie aufsprang und dabei fast ihr Bein vergaß. Mit einem "au", lief sie zu ihm.
Er lächelte sie an, "Es gibt ein paar Probleme auf Killarney und ich brauchte Riley".
Riley erhob sich sofort.
"Alles klar, wir können gehen".
"Moment", Regan versuchte die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
"Stevie, ich denke ich gehe mit, Jodi was ist mit dir?" wandte sie sich dann an Jodi.
"Das schaffen sie nie alleine. Ich bin dafür, dass wir helfen.“
Jodi war sofort bereit zu helfen.
"Natürlich", sagte Stevie, "ich komme auch mit".
"Nein, das kannst du vergessen", protestierte Alex, "du bist schon verletzt genug".
"Komm schon, wir fahren mit dem Auto und hier dumm rum sitzen bringt mir auch nichts".
"Los Leute, lasst uns gehen", sagte sie stur und marschierte los.
Jodi wandte sich vorher noch mal an Matt. "Es ist besser, wenn wir morgen über alles in Ruhe sprechen, okay?"
"Alex braucht jetzt unsere Hilfe. Ich rufe dich morgen an", sagte sie mit einem Lächeln und folgte dann den anderen.
Moira, die Zuhause geblieben ist und anfing den Tisch abzuräumen, sah Matt dann etwas komisch an. Er machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Anscheinend war er völlig mitgenommen.
"Ein Bier?" fragte sie dann mit einem Lächeln, was er auch gerne annahm.
Die Mädels hatten sich dafür entschieden, Stevies roten Holden zu nehmen, den allerdings nicht Stevie fuhr, sondern Regan, da sie mit ihrem Bein, selbst nicht fahren konnte. Riley fuhr bei Alex mit.
Alex und Riley erreichten Killarney als erstes. Knappe 5 Minuten. später trafen auch die Mädels ein und Regan parkte den Wagen direkt neben Alex Ute.
Jodi sprang sofort raus und sah sich das Missgeschick aus der Nähe an, sie wusste, das würde eine lange Nacht werden.
Stevie, die seit ein paar Stunden wieder tierische Schmerzen im Bein hatte, keinem aber etwas davon erzählte, versuchte langsam auszusteigen. Sie wollte helfen, unter keinen Umständen konnte sie Alex hängen lassen. Sie lief Richtung Schafscherhütte, das Bein etwas nach ziehend. Sie betrachtete das ganze ersteinmal, bevor sie dann die Arbeit einteilte.
"Jodi, Regan, wir helfen die großen Teile runter zu heben, danach schnappt ihr euch alle Schafe die es geschafft haben und bringt sie rüber.
Regan und Jodi fingen sofort an.
Alex stand verblüfft da, mit welcher Leichtigkeit Stevie immer genau wusste, was zu tun ist, war ihm schon immer ein Rätsel, er war aber erleichtert das ihm jemand die Arbeitseinteilung abnahm, das er schon völlig erschöpft war ließ er sich aber nicht anmerken.
Er zog sich seine nasse Jacke aus, die er bei dem starken Regen jetzt eh nicht mehr brauchte und fing an die schweren Holz Brocken herunter zu heben. Riley ging ihm, wie die Mädels ebenfalls zur Hand.
Stevie half tapfer mit, konnte es aber dann kaum noch verbergen das sie Schmerzen hat. Als die schlimmste Arbeit nach über 3 Stunden fast getan war, setzte sie sich auf einen schon etwas abseits liegenden Holzbrocken und streckte ihr Bein aus. Sie fing an es etwas zu massieren, als Alex sie schon bemerkte.
Er lief zu ihr rüber, eine Decke in der Hand, die er zuvor aus dem Wagen geholt hat und legte sie ihr über.
Sie sah in mit einem süßen Lächeln im Gesicht an.
"Ich denke, die hast du nötiger, oder meinst du nicht?" fragte sie.
"Ich bin doch eh schon durch nässt, aber ich will nicht das du noch krank wirst", er bemerkte ihre komische Sitzhaltung.
"Hast du Schmerzen?"
"Nein, geht schon", kam es von ihr und stellte sich wieder auf. Sie konnte aber nicht richtig stehen, die Belastung der ganzen Stunden über, war für ihr Bein nicht förderlich, sie wackelte etwas.
"Komm, wir gehen erst mal rein, ich mach uns einen Kaffee und du ziehst dir was anderes an.
"Ach ja? und was ist mit der Arbeit?" sagte sie etwas zögernd.
"Das machen wir schon,“ antwortete er und half ihr beim laufen.
"Weißt du, dass ich langsam was gut bei dir habe?" sagte sie grinsend. "Innerhalb von 2 Tagen musste ich dir zwei mal helfen, was ist bloß aus dir geworden?", stichelte sie ihn. Er grinste sie liebevoll an und ging mit ihr ins Haus.
Jodi und Regan waren bereits dabei die restlichen noch standhaften Schafe rüber zu bringen und kontrollierten sie danach nach Verletzungen.
*****
"Weißt du was mich so aufregt?" fragte Matt etwas lallend, der auf dem Boden saß und sich gegen die Couch lehnte. Moira, die sich bereits vor einer weile zu ihm gesetzt hatte, sah ihn fragend an.
"Es geht mir gar nicht darum, dass Jodi sich mit anderen Männern trifft, oder sich mit Riley trifft, obwohl ich sagen muss, ich kann ihn nicht leiden", er machte eine kurze Pause und nahm sich das nächste Bier vom Tisch.
"Es geht darum, das ich die ganze Zeit an nichts anderes denken konnte, als an Jodi, während ich weg war und ich nur wegen ihr zurück gekommen bin".
"Und sie.....sie sieht das nicht". Er nahm einen Schluck aus seiner Bier Flasche.
"Ich liebe sie, ich liebe sie wirklich", er sah Moira an.
"Ich weiß", sagte sie dann mit einem Lächeln.
*****
Riley, Jodi und Regan hatten inzwischen alle Holzblöcke weg geschafft und wollten sich gerade daran machen, die verletzten Schafe die Regan und Jodi zuvor von den anderen getrennt hatten, in einen separaten Stall zu bringen, als Alex mit 3 Tassen Kaffe hinaus kam.
"So Leute, ihr trinkt jetzt erst mal einen Kaffee und ich denke, dann hören wir für heute auf, ihr habt gute Arbeit geleistet, danke. Den Rest werden Riley und ich morgen am Tag schaffen".
Es war mittlerweile 1 Uhr in der Nacht und alle waren erschöpft, was Alex sehr wohl registrierte.
Jodi, Regan und Riley nahmen die Tassen entgegen und bedankten sich.
"Wo ist Stevie?, wollte Jodi dann wissen.
"Sie ist schon im Haus, ich habe ihr einen Kaffee gebracht und trockene Sachen, sie wollte sich nur schnell um ziehen und dann ihr Bein etwas hochlegen bis ihr fahrt, sie hat Schmerzen".
"Wieder das Bein?" fragte Regan, "Wir sollten echt noch mal zum Arzt mit ihr", nuschelte sie dann.
Der Regen hatte etwas nach gelassen, aber es war trotzdem sehr kalt und die nassen Klamotten mussten dringend ausgezogen werden. Riley verabschiedete sich noch von Jodi, mit einem, "Wir telefonieren" und verschwand in seiner Hütte.
"Ich werde Stevie bescheid sagen das ihr fahren wollt", sagte Alex und lief ins Haus.
"Hey, Stevie, ihr fahrt" kam es von Alex, als er abrupt stehen blieb.
Stevie lag auf der Couch, bis zum Kinn zu gedeckt und schlief tief und fest.
Er näherte sich ihr leise und betrachtete sie einen Moment lang lächelnd.
"Ich schätze ihr müsst sie hier lassen", sagte Alex, als er wieder nach draußen kam.
"Wieso?" fragte Jodi erstaunt.
"Stevie schläft, ich denke, wir sollten sie schlafen lassen, ich bringe sie morgen rüber".
"Okay", sagte Regan, "pass schön auf sie auf", sie grinste ihn an.
Alex sah Jodi und Regan dann noch einen Moment nach, als sie davon fuhren, bevor er wieder ins Haus ging.
Er stellte die Tassen, die er wieder mit reingenommen hatte, auf den Tisch und lief dann noch einmal zur Couch.
Er sah Stevie an, sie sah aus wie ein Engel, ein Paar Strähnen vielen ihr über die Wange, er beugte sich etwas und strich ihr eine Haarsträhne sanft aus dem Gesicht, zog die Decke nochmals zu recht und machte sich dann auf den Weg nach oben.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 11:59
TEIL 5
Der Regen hatte etwas nachgelassen, als Jodi und Regan in Stevies Auto über die nassen Straßen bretterten. Jodi hatte es sich auf dem Beifahrersitz bequem gemacht. Sie stemmte ihre Füße gegen das Armaturenbrett, legte den Kopf in den Nacken, strich sich ein paar ihrer hellblonden, klatschnassen Locken aus der Stirn und seufzte tief.
Die Lichter des Holden beleuchteten die Straße, die Scheibenwischer unterbrachen mit einem leisen, aber dennoch stetigen Quietschen die Stille im Wagen.
Regan schaute zu ihrer Kollegin hinüber.
„Matt?“ fragte sie, wissend, dass dieses eine Wort ausreichen würde.
Jodi seufzte erneut. Dann schüttelte sie den Kopf.
„Ich habe gerade begonnen, Kates Ratschlag ernst zu nehmen, und habe mich mit Riley verabredet. Er ist so ein ehrlicher, bodenständiger, witziger, ...“ Sie überlegte kurz, dann fuhr sie fort: „... gutaussehender Mann. Er ist ein harter Arbeiter, er nimmt seinen Job ernst. Er ist einfühlsam. Er ist ein guter Freund geworden, und das, obwohl er erst so kurz hier ist. Und jetzt auf einmal, aus heiterem Himmel taucht Matt wieder auf. Er war nicht immer ehrlich, er hat mich angelogen, da waren zwar gewisse Situationen, aber, dass ich mich auf ihn verlassen konnte. Nein.“
„Aber?“ fragte Regan nach.
„Aber er ist Matt!“ jammerte Jodi.
„Und?“ bohrte Regan weiter.
„Das muss reichen. Er ist einfach Matt. Der liebenswerte, knuffige, geheimnisvolle Bärli.“
Regan jagte den Holden in der Dunkelheit Richtung Drover’s Run.
Jodi schüttelte im Inneren des Autos den Kopf und versank in ihre eigenen Gedanken. Regan ließ sie, hörte auf Fragen zu stellen, wusste, dass Jodi nicht weiter reden wollte.
Wenig später bogen sie in die Einfahrt von Drover’s und stellten verwundert fest, dass im ganzen Haus noch Licht war. Regan stellte den Wagen in den Unterstand und ging mit Jodi zurück zum Haus. Es hatte ganz aufgehört zu Regnen, durch den kalten Wind, der aufgezogen war, wurden die beiden daran erinnert, dass ihre Klamotten durchnässt waren.
Regan ging in die Küche, um die Lichter auszudrehen, während Jodi in den ersten Stock flitzte um sich heiß zu duschen und dann unter die warme Decke zu schlüpfen. Sie zog sich bis auf die Unterwäsche aus und hörte, wie Regan ihr zurief: „War niemand mehr unten! Die haben nur das Licht angelassen!“ Jodi schnappte sich ein Badetuch und frische Wäsche und ging ins Badezimmer. Sie war nicht wenig erstaunt, als da schon jemand war.
Sie schrie auf. Am Boden vor der Kloschüssel kauerte eine dunkle Gestalt. Das Licht war abgedreht und sie konnte nicht erkennen, wer das war.
Regan war durch den Schrei alarmiert worden und stürzte ins Badezimmer, drehte das Licht auf und Jodi erkannte...
„Matt!“ rief Jodi aus.
Mit leicht würgenden Lauten beugte Matt sich über die Kloschüssel. Moira kam mit zwei Handtüchern und einem Kissen bewaffnet ins Badezimmer gebogen. Als sie Regan und Jodi sah, blieb sie ruckartig stehen. Sie blickte von Jodi zu Regan, auf die mitgebrachten Handtücher und wieder zu Jodi.
Diese drehte sich am Absatz um und verschwand in ihrem Zimmer. Regan konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Moira stotterte: „Ich, also ... ich ... das sieht jetzt ganz anders aus, als ihr denkt.“
Regan lachte los. „Mir ist das egal, was hier läuft. Einen sturzbetrunkenen Mann hatten wir glaube ich noch nie auf Drover’s. Zumindest nicht solange ich da bin.“ Auch sie machte kehrt. Zum Glück gab es im Haus noch weitere Duschen. Also waren weder sie noch Jodi auf ausgerechnet dieses Badezimmer angewiesen.
Moira kniete sich zu Matt, nachdem die beiden wieder alleine waren. Sie wischte ihm die Schweißperlen von der kreidebleichen Stirn, half ihm, sich gegen eine Wand zu lehnen und stützte seinen Rücken mit dem Kissen. Sie blieb eine Weile bei ihm sitzen, bis sie merkte, dass Matt’s Gesicht immer weißer wurde.
„Bleib genau hier,“ mahnte sie. „Ich hole dir was gegen die Übelkeit.“
Moira verschwand, doch Sekunden später ging die Türe erneut auf. Matt konnte an den Umrissen in der Türe Jodi ausmachen. Sie war inzwischen geduscht und machte sich Sorgen. Sie ging zu ihm und setzte sich auf den Fliesenboden neben ihn.
„Na?“ fragte sie.
Matt sah sie mit halboffenen Augen an und lallte: „Ssstut miaa laidich hab misdggebaud.“
Jodi zwang sich zu einem Lächeln. „Ist schon gut,“ sagte sie. „Wir bringen dich wohl besser ins Bett.“
„Warte hier, ich richte dir die Couch.“ Kaum hatte sie das gesagt, stand sie auf und ging zur Türe.
„Schoodiiee! Schllliiieeebe dddich!“ rief Matt halblaut hinterher, aber die Türe schloss sich von außen und Jodi hatte ihn nicht gehört.
*****
Als Stevie erwachte war es schon hell. Die Sonne kitzelte sie an der Nase. Sie räkelte sich, streckte sich und atmete tief ein. Sie blinzelte grinsend. Plötzlich schnellte sie hoch. Sie war nicht auf Drover’s! Wo war sie?
„Guten Morgen. Kaffee?“ fragte Alex, der in einem Sessel gegenüber saß.
Stevie schaute links, dann rechts, dann zu Alex.
„Mhm,“ murmelte sie, nahm dankbar die Tasse und trank einen kleinen Schluck. Wie lange er da wohl schon gesessen hatte?
„Was genau mach ich hier noch mal?“ fragte sie Alex.
Alex grinste breit. Wie süß sie aussah. Ihre Locken waren ganz durcheinander, die Augen waren kleine Schlitze, weil sie noch nicht ganz ausgeschlafen war. Sie trug ein Männerhemd. Er wusste gar nicht, ob das eines von seinen war, eines von Harry, oder ein altes von Nick. War ja auch egal. Es legte sich leger um ihre schmalen Schultern und sie sah selbst darin super aus.
Stevie schob die bunte Wolldecke beiseite, mit der sie zugedeckt war. Sie hob ihre schlaksigen Beine von der Couch und stellte sie auf den Boden. Sie trug keine Hose. Als Alex das merkte, schaute er verlegen weg.
„Ihr wart gestern noch hier, wegen des eingestürzten Unterstandes. Du bist so erschöpft gewesen, dass du hier eingeschlafen bist. Regan und Jodi haben gesagt, du solltest besser hier übernachten.“
„Regan und Jodi haben das gesagt?“ bohrte Stevie misstrauisch nach.
Alex biss sich auf die Unterlippe. „Na ja. Ich hab ihnen vorgeschlagen, dich hier ausruhen zu lassen. Und sie waren einverstanden.“
Jetzt musste auch Stevie lächeln. Sie nahm einen weiteren Schluck vom Kaffee.
„Wo sind meine Sachen?“ fragte sie, als sie die Tasse abgesetzt hatte.
Alex reichte ihr die trockene Jeans, das Top und ihr Hemd, der Hut lag auf einem Stuhl daneben.
„Willst du was frühstücken?“ wollte er wissen.
„Ja, ich bin am verhungern.“
Stevie wollte aufstehen, plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem rechten Knie.
„Au, au, au, au, au,“ jammerte sie.
Sofort war Alex bei ihr, hielt sie am Ellenbogen des rechten Armes mit seiner rechten Hand und unterstützte mit seinem linken Unterarm ihren Rücken. Sie nahm seine rechte Hand mit ihrer Rechten und krallte sich mit der Linken in seine Schulter. Sie waren nur Zentimeter voneinander entfernt. Ihre Hände hielten einander in der Mitte und bildeten eine vereinte Grenze. Er vermeinte ihren Herzschlag zu spüren, traute sich nicht zu atmen, hielt die Luft an. Er biss die Lippen zusammen, blickte zu ihr.
Stevie schaute hinunter auf ihr Knie, das dick wie ein Krapfen war. Sie machte ihr linkes Bein zum Standbein, hielt sich immer noch an Alex fest, und versuchte das rechte Bein zu entlasten. Ihr Blick wanderte nach oben, sie fixierte eine Zeit lang ihre Hand, wie sie in Alex’ Hand ruhte, dann folgte sie der Knopfleiste seines Hemdes, bis sie zu seinem Mund, seiner Nase kam. Bei seinen stahlblauen Augen blieb sie hängen.
Sie grinste verlegen. Er sah sie an. Sie wurde ernst, hielt ihn fest.
„Stevie, ich ... “ „Alex, ich ... “ sagten sie zugleich.
Wieder zugleich fingen sie zu grinsen an.
Stevie befeuchtete ihre Unterlippe. War es das? Dieser eine Moment? Sollte sie alles auf eine Karte setzen? Er sah so gut aus. Seine dunklen Locken, sein dunkler Teint im Gesicht, diese Augen. Sie spürte seine wettergegerbte Hand in der ihren. Er stützte sie. Er war da. Sie war da. Sie blickten sich in die Augen. Stevie konnte kein Wort sagen. Alex blieb stumm. Sie sahen sich einfach an.
Alex nickte ihr zu, ließ sie nicht los. „Du zuerst.“
„Ich ... weißt du ...“ stotterte sie. ‚Wenn ich jetzt was sag, mach ich mir alles kaputt,’ dachte sie.
Alex sah sie an. Was wollte sie ihm sagen? War es das, was er erhoffte, dass sie sich nach ihm so verzehrte, wie er sich nach ihr? Dass sie ihn im Arm halten wollte, jede Minute des Tages, genau wie er sie? Dass sie ihm verzeihen könnte, weil er sie so angeblafft hatte? Oder fühlte sie gar nicht mehr so?
‚Fühlt er denn wie ich?’ dachte sie. Und bevor sie weiterdenken konnte, hörte sie sich selbst sagen: „Ich kann nicht Autofahren. Bringst du mich ins Krankenhaus?“
„Aber sicher,“ sagte er schnell. Wollte sich nicht anmerken lassen, wie enttäuscht er war.
„Warte hier, ich fahr den Wagen vor,“ bot er an und verließ den Raum.
„Danke,“ flüsterte sie fast. Ohrfeigen hätte sie sich können. Warum? Warum hatte sie nichts gesagt? Jetzt war es zu spät.
*****
Auf Drover’s ging es inzwischen rund. Jodi vergrub sich in Arbeit. Sie galoppierte mit Tucker von einer Weide zur nächsten, von einem Zaun zum andern. Kontrollierte, reparierte, arbeitete hart. Matt war in der Früh einfach verschwunden gewesen. Sie hatte ihm ein Bett zurecht gemacht, in dem er die Nacht verbracht hatte, aber als sie am Morgen aufgestanden war, um nach ihm zu sehen, war er nicht mehr da. Sie wusste auch nicht, wo sie ihn erreichen konnte.
Wie konnte er sich so betrinken? Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Irgendwo hatte sie mal gelesen, dass manche Männer ihren Frust in Alkohol ertränkten. Aber ob Matt so ein Typ war? Doch eigentlich nicht.
Es schmerzte sie, dass sie ihn doch mehr vermisst hatte, als sie ursprünglich dachte. Warum ging ihr Riley plötzlich so leicht aus dem Kopf? Machte Platz für Matt? Nein, das durfte sie nicht zulassen. Riley war anständig, ein guter Mensch, ein liebenswerter Tollpatsch.
Jodi zwang sich an etwas anderes zu denken. Da kam es ihr gerade recht, dass ein silbergrauer BMW am Horizont erschien. Das war für den Busch schon ungewöhnlich. Ein BMW? Musste jemand aus der Stadt sein. Der jemand fuhr langsam und gemächlich. Vielleicht suchte er ja etwas. Der Wagen hielt an der Straße an, und ein Typ in Anzug stieg aus.
Jodi grüßte ihn freundlich: „Hallo! Haben Sie sich verfahren?“
Der Mann kam zu ihr zum Zaun und antwortete: „Ja, wie komm ich zurück nach Gungellan?“
„Das ist ganz einfach,“ erklärte Jodi hilfsbereit. „Wieder umdrehen und einfach die Straße zurück fahren. Sie sind wohl bei einer Ausfahrt falsch abgebogen.“
Der Mann nickte und lächelte sie an. „Ist das hier Killarney Grund?“
„Nein. Das ist Drover’s Run. Na ja, zumindest ein Teil davon.“
Der Typ nickte, stieg in seinen schicken BMW, drehte um und raste davon.
Jodi schüttelte den Kopf und beschloss zurück zu reiten, um Regan zu helfen.
Regan war mit Tayler bei den Tränken beschäftigt gewesen, ritt aber zurück, da schon wieder ein Unwetter aufzog, und die Stütze an einem der Unterstände instabil war. Das wollte sie unbedingt vorher noch reparieren.
Tayler blieb aber nicht lange alleine bei der Tränke. Der Typ vom Vortag erschien mit seinem BMW. Er hielt an und stieg aus.
„Hallo,“ grüßte Tayler.
Der Mann nickte ihr zu und fragte: „Gehört diese Weide zu Wilgul?“
Tayler schüttelte den Kopf. „Nein. Das ist Drover’s Run. Na ja, zumindest ein Teil davon.“
„Gut zu wissen,“ murmelte er.
„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte Tayler, aber da war der Mann schon in sein Auto gestiegen und raste davon. Tayler schüttelte den Kopf und arbeitete weiter.
Regan hatte auf Drover’s die Stütze repariert, als sie einen silbergrauen BMW in der Einfahrt geparkt sah. Niemand war beim Wagen. Regan ging einmal darum herum, fand aber den Besitzer nicht. Sie zog ihre Arbeitshandschuhe aus und warf sie auf die Motorhaube. Dann ging sie in Richtung der Pferde. Da stand er. Dieser Anwalt Michael so und so.
Er hatte das hellgraue Sakko lässig über die rechte Schulter geschwungen. Die Sonnenbrille auf der Nase, stand er da und schaute auf die Pferde, oder die dahinterliegende Weite. Das konnte Regan nicht so genau sagen.
„Entschuldigen Sie, was machen Sie hier?“ fragte Regan und bemühte sich, möglichst forsch zu klingen.
Michael drehte sich zu ihr um und ein Lächeln entfloh seinem sonst so ernsten Gesichtsausdruck. Regan konnte kleine nasse Flecken in seinen Achselhöhlen entdecken. Vermutlich war er die drückende Hitze vor einem Sturm im Busch nicht gewöhnt.
„Guten Tag,“ grüßte er höflich.
Regan kam näher, bis sie knappe zwei Meter vor ihm stand. Sie trug Jeans und ein Top, dazu ihren Hut.
„Was kann ich für Sie tun,“ bohrte sie nach und fixierte ihn mit ihren Augen. Wieder bemühte sie sich souverän zu wirken.
„Es tut mir leid, wenn ich Ihnen Umstände mache, aber ich wollte fragen, ob ich Sie wohl um ein Glas Wasser bemühen dürfte,“ bat er äußerst höflich.
Regan hob eine Augenbraue und schaute den Anwalt misstrauisch an. Dieser grinste und nahm die Sonnenbrille ab. Er hatte dunkelbraune Augen, die von langen, schwarzen Wimpern geschützt wurden. Regan blieb eine Sekunde an seinen Augen hängen, dann bat sie ihn ins Haus und richtete in der Küche ein Glas mit kaltem Wasser.
Im Haus erklärte er: „Als Stadtmensch ist man nicht daran gewöhnt, für mehrere Stunden im Auto zu sitzen, um zum nächsten Supermarkt zu kommen. Ich habe nicht daran gedacht, mir etwas mit zu bringen. Ich bin am verdursten.“
Dankbar nahm er das Glas von Regan.
„Woher kommen Sie, wenn ich fragen darf?“ fragte diese.
„Dürfen Sie. Ich bin aus Sydney,“ antwortete er.
Hatte sie sich ohnedies so gedacht. Das Telefon klingelte.
Regan hob den rechten Zeigefinger. „Einen Moment, bitte. Ich bin gleich wieder da.“ Sie sprintete ins Büro und nahm den Anruf entgegen. Es ging um eine Bestellung auf Stevies Namen. Und weil Regan nicht Bescheid wusste, bat sie den Anrufer, am Abend noch einmal anzurufen, denn dann wäre Stevie selbst erreichbar.
Danach ging sie zurück in die Küche. Der Michael Anwalt war nicht mehr da. Sie ging in den Flur, schaute in mehrere Zimmer und fand ihn schließlich im Esszimmer. Er sah sich Bilder an, die auf der Kommode aufgestellt waren.
„Ist das Ihre Familie?“ fragte er.
„Teilweise,“ antwortete Regan knapp.
Er nickte. „Sind Sie die Besitzerin von Drover’s?“ bohrte er weiter.
„Eine davon, ja,“ hielt Regan sich bedeckt.
Nach einer kurzen Pause, meinte sie dann: „Kommen Sie. Ich mache Ihnen eine Flasche zurecht, die können Sie mitnehmen.“
Wie ein treuer Hund folgte er ihr in die Küche und sah zu, wie sie eine leere Cola Flasche mit eiskaltem Wasser füllte und ihm reichte. Er bedankte sich, ließ sich von ihr hinaus begleiten und fuhr davon.
Regan schüttelte den Kopf, als sie dem BMW nachblickte. Zur selben Zeit kam Jodi angeritten. Sie schaute ebenfalls dem Auto nach, stellte Tucker unter und ging zu Regan.
„Den hab ich heute schon mal getroffen, was wollte er?“
„Nur ein Glas Wasser,“ sagte Regan und fügte hinzu: „Hoffe ich.“
*****
Einige Stunden später kamen Alex und Stevie auf Drover’s an. Gentleman - like öffnete Alex Stevie die Autotüre. Sie stieg aus, mit zwei Krücken bewaffnet, humpelte sie auf das Haupthaus zu. Alex öffnete ihr alle Türen und ging ihr nach in die Küche.
Moira stand am Herd und brutzelte etwas, Jodi sah erschöpft aus, wie sie bei der Wasserleitung hing und gierig aus einem Glas die erfrischende, durchsichtige Flüssigkeit soff, Tayler hatte wohl das Abtrocknen eben erledigt und hängte das Geschirrtuch auf den dafür vorgesehenen Haken.
„Was ist, was haben sie im Krankenhaus gesagt?“ wollte Jodi gleich wissen.
„Ist halb so wild,“ spielte Stevie die Sache gleich runter.
Regan konnte das nicht so recht glauben, und wandte sich an Alex: „Und was haben die Ärzte wirklich gesagt?“
„Sie muss die nächsten drei Wochen Ruhe geben. Bettruhe, nicht arbeiten, nicht reiten. Sie sollte noch nicht einmal aufstehen.“
„Wahrscheinlich werde ich nicht wirklich drei Wochen...“ wollte Stevie erwidern, aber Regan schnitt ihr das Wort ab.
„Du machst, was die Ärzte gesagt haben. Wenn du drei Wochen ausfällst, ist das nicht so schlimm, als wenn du dir eine Folgeverletzung zuziehst.“
„Kann das passieren?“ fragte Tayler.
Jetzt gab Stevie auf. „Ja, kann es. Die Ärzte haben gesagt, mein inneres Seitenband ist eingerissen.“ Sie deutete auf die Innenseite ihres Knies. „Also hier. Das wächst im Normalfall wieder zusammen, wenn man eine Schiene trägt, das Bein nicht belastet und Ruhe gibt. Andernfalls müsste ich operiert werden.“
Jodi verzog das Gesicht. „Operiert? Na das hat uns noch gefehlt.“
Regan hielt Alex und Stevie je ein frisch gefülltes Glas Wasser hin und meinte: „Also wirst du deine drei Wochen eben im Bett verbringen.“
„Und uns mal nicht nerven,“ ergänzte Jodi.
Alex nahm das Glas, trank aber nicht daraus, sondern sagte lachend: „Sie wird euch auch so nerven.“
Stevie stand immer noch neben ihm und boxte ihm liebevoll in die Seite, stimmte aber gleich in sein Lachen ein.
„Wenn ich nicht aufstehen darf, dann mach ich eben die Buchhaltung oder so was,“ bot sie an.
Mit einem Kopfnicken brachte Regan die anderen dazu, mit ihr die Küche zu verlassen. Ohne ein Wort machten sich schlagartig Tayler, Moira, Jodi und Regan auf den Weg.
Alex blickte zu Stevie, Stevie zurück zu Alex, dann prusteten beide los. Als wollten sie zwei Teenager verkuppeln, hatten sich die anderen aus dem Staub gemacht.
Alex drehte den Hut in seiner Hand, hörte auf zu Lachen. Dann meinte er: „Ich werde dann mal...“
„... gehen,“ vervollständigte Stevie und nickte.
„Wenn du was brauchst,...“ fing er an.
„... ruf ich dich an,“ endete sie, während sie weiter nickte.
Einen winzigen Augeblick blieb er noch stehen, hielt inne. Als wollte er noch etwas los werden. Dann drehte er sich um und verließ die Küche.
Regan kam als erste zurück in die Küche. Sie hatte die anderen eingeteilt, den Tisch für das Abendessen zu bereiten.
Sie grinste Stevie an. „Und?“
„Was und?“ fragte Stevie zurück und musste grinsen.
„Na, was ist mit dir und Alex?“
„Ihr habt mich bei ihm übernachten lassen! Das war fies!“
Regan schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Das war schon gut so.“
„Ja, vielleicht,“ gab Stevie zu. „Zumindest hatten wir das erste Mal wieder so einen Moment.“
„Was für einen Moment,“ wollte Regan wissen.
„So einen Moment, wo man sich alles sagen will.“
„Aber?“
„Aber ich hab mich nicht getraut. Ich wollte nicht schon wieder was kaputt machen.“
„War vielleicht besser so,“ unterstützte Regan ihre Freundin. „Vielleicht wäre es noch zu früh gewesen.“
Stevie nickte. Es hatte zu dämmern begonnen. Durch die Fenster sahen die beiden, dass ein Auto zu fuhr.
„Wer kommt noch so spät?“ fragte Moira, die mit Jodi und Tayler wieder in die Küche gekommen war, als sie den Wagen zufahren sahen.
„Das ist vielleicht der Typ mit dem BMW,“ meinte Tayler.
„Mit welchem BMW?“ fragte Stevie.
„Du meinst der Anwalt?“ sagte Regan.
„Welcher Anwalt?“ wollte Stevie wissen.
„Den hab ich heute auch gesehen,“ wandte Jodi sich an Tayler.
„Welcher Anwalt?“ fragte Stevie mit Nachdruck.
Regan zweifelte daran. „Aber warum sollte der schon wieder hier auftauchen?“
„Welcher Anwalt,“ schrie Stevie die anderen an.
„Hey, Leute,“ unterbrach Jodi. „Das ist kein Anwalt. Schaut mal. Das sind...“
Da hatten die anderen auch gesehen, wer aus dem Auto stieg. Gleichzeitig fingen sie zu kichern, zu quietschen und zu reden an, scheuchten sich herum. Sie halfen Stevie mit den Krücken und stoben hinaus ins Freie.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 12:09
Teil 6:
Noch bevor Kate "hallo" sagen konnte fiel Jodi ihr schon um den Hals.
"Hey, Kleine" sagte Jodi und strahlte über das ganze Gesicht. "Was macht ihr denn hier?" hakte Jodi aufgeregt nach, während sie nun auch Dave umarmte.
"Ach, weißt du", sie machte eine kurze Pause und sah verlegen zu Boden. "Wir dachten, wir kommen euch mal besuchen", sagte sie dann Freude strahlend.
"Ach so", meinte Jodi nur, aber sie ahnte, das irgend etwas nicht ganz in Ordnung war.
"Hey", begrüßte Stevie, die Kate und Dave nun etwas langsam entgegen kam, die beiden nun auch freundlich.
"Oh mein Gott, was hast du denn gemacht?" fragte Kate schockiert, als sie Stevie an den Krücken sah.
"Ach, eine lange Geschichte, aber komm doch erstmal her". Beide Krücken in einer Hand haltend, drückte sie Kate kurz mit dem noch freien Arm und humpelte dann wieder zurück zum Haus. "Kommt doch erst mal rein".
"Es ist wirklich schön, das ihr wieder da seid", sagte Regan dann, die gerade dabei war, für alle einen Kaffee ein zu gießen. "Und, erzählt doch mal, wie war eure große Reise?", wollte Regan wissen.
Kate, die gerade dabei war sich hinzusetzen, stand schlagartig wieder auf. "Wisst ihr was, ich denke ich gehe erstmal schlafen. War anstrengend das ganze, wir können ja morgen darüber reden", wandte sie sich dann an Regan.
"Aber es ist doch erst", begann Jodi, während Kate die Küche verließ.
"Acht Uhr,“ beendete sie ihren Satz leise.
Dave, der etwas verlegen drein schaute, erhob sich ebenso. "Weiß jemand wo Alex rumhängt? ich werde ihm mal einen Besuch abstatten".
"Er ist gerade raus, ich denke, er ist nach Killarney gefahren", sagte Stevie, die die angespannte Situation auch bemerkte.
"Alles klar,..... Ladies", sagte Dave mit seinem charmanten Lächeln und machte sich auf den Weg zu Alex.
Jodi überlegte nicht lange und lief hinüber zu Kates kleinem Häuschen, das sie bisher immer noch so gelassen hatte, seit Kate damals weg gefahren war.
"Hey", sagte Jodi, während sie langsam hinein trat.
Kate wischte sich gerade eine Träne weg, die ihr die Wange runter kullerte.
"Was ist denn los?", fragte Jodi mitfühlend.
"Ach, ist nichts. Ich denke, das ganze war mir einfach zu viel".
"Was denn genau? Dass du hier weg bist? Das mit Dave, oder?" Sie wartete auf Antwort.
Kate versuchte nicht näher darauf einzugehen, aber Jodi blieb hartnäckig.
"Hey, ich habe eine Idee, wie wäre es mit Chips? Wie in guten alten Zeiten? Und dann quatschen wir, okay?“ Sie lächelte Kate an.
Kate musste grinsen. "Wie in guten alten Zeiten,“ sagte sie dann etwas abwesend.
"Ich bin gleich wieder da", sagte Jodi, während sie schon raus sprintete.
Stevie, Regan und Moira, die immer noch in der Küche saßen, staunten nicht schlecht, als Jodi wie von einer Tarantel gestochen in die Küche geflitzt kam.
"Essen? Chips? Süßes?" sagte Jodi nur an Moira gerichtet.
"Schau mal im Vorratsschrank nach", sagte Moira nur mit einem Grinsen.
Die drei anderen sahen Jodi dabei zu, wie sie allerhand Süßkram, Chips und andere Leckereien in verschiedene Schüsseln tat.
"Bist du schwanger?" fragte Stevie mit einem fetten Grinsen auf den Lippen.
"Krisensitzung" brachte Jodi nur raus.
Die Mädels blickten misstrauisch zu ihr.
"Leute,.... Kate?!!!" blieb Jodi nur noch zu sagen, als sie die Blicke bemerkte.
"Oh, alles okay mit ihr?" fragte Stevie.
"Wäre alles okay, brauchte ich sicher nicht die ganze Küche leer zu räumen".
Sie konnten nichts anderes tun, als Jodi hinterher zu sehen, als sie die Küche wieder verließ.
"Ich werde dann mal hoch gehen, oder sollte ich besser sagen humpeln?" machte sich Stevie über sich selbst lustig.
"Soll ich dir helfen?" bot Regan an.
"Nein, geht schon, schließlich muss ich Tags über auch alleine klar kommen, wenn ihr nicht da seid".
"Also, wenn wir uns nachher nicht nochmal sehen, bis morgen".
Stevie lief humpelnd die Treppe hinauf, um sich kurz danach in ihrem Zimmer, auf ihr Bett fallen zu lassen.
*****
"Irgendwie bin ich noch gar nicht müde", sagte Regan zu Moira, die jetzt noch den letzten Rest des Abwaschs erledigt hatte. "Ja, ich auch nicht, wie wäre es mit Karten?".
"Nein", wandte Regan gleich ab, "Pub?".
"Jetzt noch?" wollte Moira wissen.
"Wieso nicht? Los! Es ist noch so früh und haben wir es nicht auch mal verdient abzuschalten?" Regan grinste und wollte schon los laufen um sich umzuziehen.
"Alles klar", entgegnete Moira, "aber nicht so lange".
*****
Nachdem Alex auf Killarney ankam, zog er sich sofort ein paar bequemere Klamotten an, holte sich ein Bier und setze sich vor den Fernseher. Keine zehn Minuten später klopfte es an der Tür.
"Hey, Kumpel, mach schnell", hörte Alex eine Stimme sagen, die er nicht gleich zuordnen konnte. Alex stand auf und öffnete die Tür. Dave stand vor ihm.
"Hey Alter, was machst du denn hier?", fragte er erfreut, doch gleichzeitig verwirrt.
"Ach, Kate und ich dachten, wir besuchen euch mal".
"Einfach so? Ihr setzt euch einfach so in den Flieger und kommt uns besuchen?" fragte Alex während er ein zweites Bier aus den Kühlschrank holte.
"Na ja, du weißt doch wie die Mädels sind, wenn sie ihre Freunde vermissen".
„Dave? Komm schon, was ist los?" bohrte Alex, der sofort gemerkt hatte, das dies nicht die ganze Wahrheit war.
Dave setzte sich neben Alex auf das Sofa, lehnte sich zurück, nahm das Bier entgegen, atmete einmal tief durch und begann zu erzählen.
*****
Am nächsten Morgen kam Stevie noch etwas verschlafen die Treppe hinunter. Sie sah ziemlich mitgenommen aus, viel Schlaf hatte sie durch ihre Schmerzen vergangene Nacht nicht bekommen. Sie humpelte in die Küche und direkt auf die Kaffeemaschine zu. Es dauerte nicht lange, bis sie bemerkte das noch kein Kaffee gekocht war.
Sie sah weder Regan, Moira, Kate noch Jodi oder Dave.
Sie lief zum Telefon und wählte die Nummer von Regan, nach 5 mal klingeln, ging immer noch keiner ran.
Sie legte auf und sah auf die Uhr. Sie staunte, als sie sah wie spät es schon war. Es war ungewöhnlich still für Drover's und nicht normal für alle Bewohner dieser Farm, dass noch keiner um diese Uhrzeit an der Arbeit war.
Da sie kaum laufen konnte und auch das Verbot vom Arzt hatte, ständig in Bewegung zu sein, musste sie es sich verkneifen zu Jodi zu gehen, die anscheinend bei Kate drüben übernachtet hatte.
"Wen ruf ich nur an"? murmelte sie. "Alex" rief sie auf einmal aus, ließ das Telefon aber gleich wieder sinken, aus Angst es könnte so wirken, als ob sie auf jemanden angewiesen wäre. Schon seit Tagen, konnte sie an nichts anderes mehr denken und sie empfand es für beruhigend seine Stimme zu hören.
Sie überlegte kurz, dann wählte sie doch und wartete eine Weile. Als der Anruf-Beantworter an sprang, überlegte sie ob sie überhaupt drauf sprechen sollte, aber dann redete sie schon drauf los.
"Hey Alex, ich bin es Stevie, anscheinend bist du nicht da. Ich wollte auch eigentlich nur fragen ob Dave bei dir ist, da Kate gefragt hat. Okay, also, melde dich einfach wenn du Zeit hast, bis bald".
Sie legte den Hörer auf und dachte nur: 'Was für eine blöde Ausrede.'
*****
Alex, der immer noch im Bett lag und schlief, wurde durch das Klingeln seines Weckers aus seinen Träumen gerissen. Er öffnete langsam die Augen aber war nicht ganz im Stande aufzustehen. Er genoss die Ruhe. Noch ungefähr 10 Minuten, bis ihm klar wurde, das er heute noch eine Menge erledigen musste.
Er stand auf und lief in die Küche um einen Kaffee aufzusetzen.
"Hey, Dave", sagte Alex dann als er ins Wohnzimmer kam, wo Dave noch schlief. "Aufstehen."
Dave blieb nichts anderes übrig als wach zu werden. Denn Alex Stimme übertönte manchmal sogar jedes Motorengeräusch.
"Morgen,“ erwiderte Dave gähnend. "Wie spät ist es?" wollte er wissen.
"Na ja, schon reichlich spät, um genau zu sein," frotzelte Alex.
Dave sah auf die Uhr. "Oh Mann!“ sagte er und sprang von der Couch. "Wieso hast du mich nicht geweckt?"
Alex sah ihn an. "Habe ich doch".
„Alex?! Ja, in der Tat, aber ich dachte eher an diese Uhrzeit, die dir sonst auch so lieb ist, eventuell 7 oder 8 und nicht halb 11".
"Die Nacht war gestern lang, Dave, und ich bin selbst eben erst aufgestanden, mach dir nichts draus, ich denke, du bist noch besser bedient als ich. Ich muss schließlich eine Farm leiten und du bist praktisch im Urlaub.“
"Nein, das bin ich nicht wirklich, ich hatte einen wichtigen Termin. Ich werde ihn wohl auf nachher verschieben müssen, ich muss gleich mal anrufen".
"Hey, wo genau ist dein Termin? fragte Alex.
"Darüber kann ich noch nicht sprechen".
"Nein, nicht was für einer, sondern wo genau? Kommst du zufällig nach Gungellan oder so?"
"Ja, auf jeden Fall" entgegnete Dave.
"Okay, tust du mir einen Gefallen?" fragte Alex mit einem Grinsen.
"Klar", sagte Dave, während er seine Sachen zusammen packte.
"Bring mir bitte eine Schachtel Pralinen mit, aber nur das Beste, nicht so ein billig Zeug".
"Oh, schlechtes Gewissen?" fragte Dave nekisch. "Wer ist sie? Kenne ich sie?"
"Kann sein", erwiderte Alex, der gerade in die Küche lief um den Kaffee zu holen.
"Okay. Lerne ich sie demnächst mal kennen?" wollte Dave wissen.
"Hier trink noch einen Kaffee bevor du gehst", sagte Alex nur und reichte Dave die Tasse.
"Alles klar", kam es von Dave und er grinste Alex an.
"Ich bring es dir nachher vorbei. Aber ich muss jetzt echt los".
"Und hey, das Gespräch von gestern bleibt bitte unter uns, ja?"
"Sicher" sagte Alex. "Ich bin nachher allerdings noch kurz auf Drovers, also wenn du mich hier nicht findest dann auf Drovers.“
Dave nickte, dann nippte er noch ein paar mal an seiner Tasse bevor er das Haus verließ.
Als Alex in die Küche lief, um die Tassen noch schnell weg zu bringen, sah er das kleine Lämpchen am Telefon blinken. Als er zurück kam, drückte er den Knopf um die Nachricht abzuhören.
Als er Stevie's Stimme hörte, musste er lächeln.
Er zog sich schnell an, schnappte sich seinen Autoschlüssel und verließ das Haus.
*****
Stevie hatte sich bereits angezogen und beschloss, sich dann auf die Veranda zu setzen.
Als sie es sich gerade bequem gemacht hatte, hörte sie ein Auto vorfahren, sie stand auf und ging mit ihren Krücken bewaffnet zur Vorderseite.
"Hey", begrüßte Alex sie mit einem Lächeln, während er aus seinem Wagen stieg.
"Was machst du denn hier?" wollte Stevie wissen.
"Na, du hast angerufen".
"Ja, aber du musstest doch nicht extra her kommen,“ erwiderte sie etwas verlegen.
"Ach, ich glaube ich schaff eh nicht mehr so viel heute. Dave war die Nacht bei mir und es wurde ziemlich spät".
"Wo sind denn die anderen alle?" fragte Alex.
"Keine Ahnung, ich habe heute noch keinen gesehen", antwortete Stevie.
"Wirklich?" fragte Alex und grinste sie an. "Hast du nicht gesagt, Kate wolle wissen wo Dave steckt?"
Stevie wusste zuerst nicht was sie sagen sollte.
"Mh, ja, richtig, Kate war vorhin kurz in der Küche, aber seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen".
"Schon klar", entgegnete Alex nur.
"Und wie geht es deinem Bein?" wollte er wissen.
"Danke, etwas besser denke ich. Heute Nacht konnte ich nicht so gut schlafen, aber ich denke das wird".
"Dann ruh dich mal etwas aus, ich komme heute Abend eh noch mal vorbei", sagte er und sah sie mit einem Lächeln an, das alles sagte.
"Ach ja? Wieso das denn?" fragte sie, während sie seinen Blicken standhielt.
"Na, nach dem Rechten schauen", sagte er nur grinsend. "Außerdem wollte ich dir dann noch was sagen, also leg dich hin", mahnte er sie nochmal, während er zum Wagen lief.
Stevie sah ihm lächelnd hinterher, bis er nicht mehr zu sehen war. Dann hinkte sie zurück zur Veranda.
*****
"Ich glaube es einfach nicht", sagte Moira zu Regan, die gerade den langen Weg vom Haupttor nach Drovers Run passierten.
"Ich kann doch auch nichts dafür, oder etwa doch?" sagte Regan genervt, während sie etwas humpelte.
"Ich bin total fertig, mir schmerzen die Füße und hey, ich habe es mir auch bestimmt nicht ausgesucht nach Hause laufen zu müssen, jedenfalls einen Teil davon nicht,“ meckerte Regan.
"Alles klar, aber immerhin war es deine Idee. Wer wollte denn in den Pub gehen?"
"Ich sicher nicht und was hatte ich noch gesagt? Ja, ich erinnere mich vage daran", sie machte eine kurze Pause. "Lass uns nicht so lange bleiben".
"Schön," übertönte Regan nun Moira. "Ich hoffe nur, Stevie wird nicht sauer. Hast du mal auf die Uhr geschaut?"
"Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht mehr getraut seit dem letzten Mal, denn ich weiß, dass ist schon lange her, also dürfte es dem entsprechend spät sein Außerdem denke ich, wird Stevie wegen etwas ganz anderem sauer sein, und sicher nicht weil wir nicht pünktlich sind".
"Na toll" erwiderte Regan nur.
Eine Weile liefen sie noch schweigend nebeneinander her, bis sie endlich das Haupthaus erreichten.
*****
Dave der gerade nach Drovers gefahren kam, sprang aus seinem Wagen und lief Richtung Kates Haus, er klopfte an und ging hinein.
"Morgen, meine Schöne", sagte er zu Kate die gerade dabei war sich umzuziehen. Jodi die bereits fertig war, sagte nur: "Guten Morgen, Dave. Ich lass euch dann mal alleine" und lief nach draußen.
"Morgen", erwiderte Kate und gab ihm einen Kuss.
"Hör zu, ich war heute in der Stadt. Es gibt Neuigkeiten, aber ich denke, das besprechen wir nachher in aller Ruhe," sagte Dave mit einem Lächeln.
"Okay," erwiderte Kate nur.
"Sind die für mich?" fragte Kate als sie die Pralinen in Daves Hand bemerkte.
"Oh, nein, die sind für Alex.“
"Ach so, ich wusste gar nicht das eure Beziehung schon so weit geht," neckte Kate ihn.
Dave musste grinsen. "Nein, die sollte ich ihm aus der Stadt mitbringen und da ich ihn eben auf Killarney nicht fand, dachte ich er ist hier, er sagte zumindest er wolle her kommen."
"Für wen sind die denn?" wollte Kate wissen.
"Also, wenn du mich fragst, hat er eine heimliche Romanze, über die er nicht sprechen will." Dave lächelte sie an.
"Ehrlich?“ fragte Kate. "Okay, also ich muss erstmal los. Ich muss Jodi helfen, ist eh schon ziemlich spät".
Sie gab ihm noch einen Abschiedskuss und verließ das Haus.
*****
"Hey, was macht ihr denn hier draußen und dann noch so aufgestylt?" fragte Jodi mit einem Grinsen, als sie Moira und Regan entdeckte.
"Frag bloß nicht", erwiderte Moira. "Sag mal, weißt du wo Stevie ist?" hakte sie gleich nach.
"Nein, ich bin selbst erst aufgestanden, war eine lange Nacht. Für euch anscheinend auch? So wie ihr ausseht," sie machte sich bildlich lustig über die beiden.
"Sehr witzig. Hör zu, du musst uns einen Gefallen tun", sagte Regan leise. "Also uns nicht, wohl eher dir", sagte Moira bestimmt.
"Schon gut. Also, pass auf. Sollte Stevie nach ihrem Wagen fragen, dann sage bitte, er sprang nicht an und du hast ihn abholen lassen zur Inspektion.
Jodi sah sie erstaunt an. "Oh Mann, was ist passiert?"
"Lange Geschichte", konnte Regan nur sagen. "Tust du es?"
"Alles klar. Aber hey, sollte das auffliegen, um was auch immer es geht, ich habe damit nichts zu tun", Regan hob die Hände um ihr zu verdeutlichen das dies klar ging.
"Ich muss erstmal an die Arbeit, sonst killt mich Stevie ohnehin," sagte Jodi.
Sie verabschiedete sich und lief dann ins Cottage, um Draht und Werkzeug zu holen.
Kate, die gerade zu ihr gelaufen kam, ging ihr zur Hand.
"Also, wir reparieren erstmal die Zäune und dann müssen wir die Schafe drenchen. Das sollten wir eigentlich schon gestern machen", sagte Kate.
"Alles klar, aber ich muss nachher unbedingt noch Riley anrufen, ich hatte es ihm versprochen und ich denke, wir sollte reden".
"Ich werde dich daran erinnern", sagte Kate mit einem Grinsen.
"Sag mal, weißt du mit wem Alex gerade zusammen ist?" wollte sie von Jodi wissen.
"Nein, nicht wirklich, aber ich denke, da läuft was zwischen Stevie und ihm, wenn ich es richtig deute. Ja, ich würde sagen, Stevie".
"Stevie und Alex? Ach du meine Güte, das ist ja...“ sie sagte nichts mehr.
"Dave sollte Alex Pralinen besorgen", fügte sie dann hinzu. Sie grinste Jodi von der Seite an.
"Wirklich?" auch Jodi grinste, "Wie süß. Aber hey, kein Wort zu Stevie."
"Klar", sagte Kate, "Dann lass uns mal".
Sie machten sich auf den Weg zu den Weiden.
*****
Stevie die immer noch auf der Veranda saß, vernahm auf einmal Laute aus dem Haus, sie überlegte nicht lange, stand auf und humpelte ins Haus.
"Hey,“ begrüßte sie Regan und Moira, die in der Küche saßen und einen Kaffee tranken".
"Stevie? Hey, wie geht's? Wie geht es deinem Bein?“ fragte Regan merkwürdig nervös.
"Alles bestens soweit", sagte Stevie und sah von Regan zu Moira und wieder zurück.
"Wo seid ihr denn gewesen?" wollte Stevie wissen.
"Ach nur im Pub. Hör zu. Tut uns leid, dass es so spät wurde, aber es war so witzig und irgendwie konnten wir noch nicht nach Hause", sagte Regan.
Moira sah sie von der Seite an. "Mh, ja genau, so war es", ergänzte sie. "Ich geh mal schnell duschen und mach mich dann an die Arbeit", sagte Moira noch schnell und verschwand.
*****
Jodi und Kate waren fast fertig mit den Zäunen, als Jodi bemerkte das der Draht nicht reicht.
"Und nun?" fragte sie.
"Ruf Regan an und sag, sie soll uns noch schnell welchen herbringen," sagte Kate.
Jodi schnappte sich das Telefon und wählte die Nummer.
"Drovers Run?" sagte Stevie, die das Telefon als erste erreichte.
"Ist Regan da?" kam es nur von Jodi.
"Moment. Regan, für dich," sagte sie und reichte ihr das Telefon.
"Ja" sagte Regan gelangweilt.
"Hey, ich bin es, wir brauchen dich, du musst uns mal schnell Draht bringen, sonst kommen wir hier nicht weiter".
"Alles klar, bis gleich".
"Hey", Jodi konnte nicht anders, als Regan von der Neuigkeit zu berichten.
"Ist Stevie noch da?" fragte sie.
"Nein, sie ist eben raus".
"Weißt du schon das neueste?" fragte Jodi begeistert.
"Alex hat Pralinen für Stevie besorgen lassen.“
"Ehrlich?" fragte Regan erstaunt. „Wie süß".
"Ja, finde ich auch", erwiderte Jodi. "Aber, hey, nicht weiter sagen,“ forderte sie.
"Natürlich nicht. Ich komme gleich mit dem Draht, also nicht weglaufen", sie lächelte, legte auf und lief erstmal in ihr Zimmer.
Sie schnappte sich schnell neue Klamotten und zog sich um.
"Hey, bist du hier drin?" fragte Moira, die nach oben gekommen war und an ihrer Tür klopfte.
"Ja, komm rein".
"Also, ich denke, wir sollten das wegen des Autos besprechen. Ich meine, was sollen wir jetzt machen?"
"Moira, ich muss zuerst weg, Jodi und Kate brauchen den Draht. Aber nachher besprechen wir alles ja?“
"Okay", sagte Moira nur und wollte gehen.
"Übrigens, wir sollten heute Abend vielleicht alle mal vom Haus fern bleiben. Wie es aussieht, wollen Stevie und Alex den Abend zusammen verbringen,“ plapperte Regan drauf los.
Moira blieb stehen. "Wirklich? Wie kommst du darauf?"
"Na, Alex hat Pralinen besorgt, ich denke das sagt einiges." Regan grinste sie an.
"Oh, natürlich", sagte Moira".
"Ich wusste gar nicht, dass es so ernst ist," hörte Tayler Moira noch sagen, als sie die Treppe herauf kam. Wie fast jeden Abend verbrachte sie die Zeit mit Patrick, aber diesmal war es auch bei ihr ziemlich spät geworden.
"Na ja, Alex kann ja nicht ewig Single bleiben, es wurde Zeit für eine Freundin" sagte Regan noch.
*****
Tayler lief ins Bad und sprang schnell unter die Dusche. Es dauerte keine 15 Minuten, da stand sie frisch geduscht und angezogen vor dem Haus.
Sie wusste nicht genau welche Aufgaben sie nun als erstes erledigen sollte, also suchte sie nach Stevie.
Sie fand sie kurze Zeit später auf der Veranda.
"Morgen,“ begrüßte Stevie sie höflich.
"Guten Mittag, wohl eher", sagte Stevie. "Lange Nacht? Die hat heute wohl jeder durch, außer mir", murmelte sie noch.
"Ja, tut mir leid. Ich wollte mich jetzt an die Arbeit machen, aber ich wusste nicht genau was jetzt als erstes ansteht".
"Reite mal die Zäune ab, am besten die an der Grenzweide zu Killarney, die müssen als erstes geprüft werden".
"Alles klar", sagte Tayler und wollte gehen, drehte sich allerdings noch einmal um.
"Hey, wieso hast du uns nicht gesagt, dass Alex eine neue Freundin hat? Anscheinend muss sie was besonderes sein".
Stevie starrte sie entsetzt an. "Eine neue Freundin?"
"Ja, anscheinend weiß schon jeder darüber Bescheid. Ob wir sie bald kennen lernen?", fragte Tayler mehr sich selbst, überlegte kurz und machte sich dann auf den Weg.
Stevie blieb erstarrt zurück, sie wusste nicht genau was gerade passiert war.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 13:19
TEIL 7
Stevie blieb noch einen Moment sitzen. Hatte sie das auch richtig mitgekriegt? Hat Taylor gerade gesagt, Alex hätte eine neue Freundin? Stevie legte die linke Hand über den Mund, sie blickte links und rechts von sich, aber sie konnte keine Ruhe finden.
Sie ignorierte den stechenden Schmerz in ihrem rechten Knie, stand auf, entfernte den zur Beschleunigung der Heilung aufgelegten Topfen vom Bein, nahm die Krücken und humpelte ins Haus, um mit Moira zu telefonieren. Das Telefonat war nicht sehr erbaulich, also marschierte sie weiter zum Autounterstand. Sie wollte in die Stadt.
Regan kam ihr von den Paddocks entgegen. „Ich reite zu Jodi und Kate,“ rief sie. „Sie brauchen noch mehr...“
„Wo ist mein Auto?“ fragte Stevie forsch.
„Das ist doch bei der Inspektion,“ bemühte Regan sich überzeugend zu klingen.
„Dort habe ich eben angerufen! Patrick hat gesagt, die haben den Wagen nicht. Regan! Wo ist mein Auto?!“
Bevor Regan antworten konnte, kam Jodi von den Pferdeställen her gelaufen.
„Ich dachte, ich soll euch den Zaun bringen,“ sagte Regan verwirrt.
„Ja,“ rief Jodi im Vorbeilaufen. „Kate ist noch da. Ich bin angepiepst worden. Das Gungellan Hotel brennt. Neill lässt fragen, ob wir Gäste aufnehmen. Ich muss los!“
Kurze Zeit später kam sie auch schon wieder auf den Vorplatz, diesmal in gelber Feuerwehrkluft.
Auf Stevie's: „Kommt ihr klar?“ nickte Jodi nur, richtete sich ihre Hosenträger, sprang ins Auto und fuhr davon. Sie war noch nicht einmal außer Sichtweite, da merkten Regan und Stevie, dass jemand entgegen kommen musste, denn sie hielt den Wagen äußerst links. Die Staubwolke wurde immer dichter und Stevie's Holden kam um die Ecke.
„Da ist mein Wagen!“ rief Stevie. „Wer fährt da mit meinem Wagen? Regan!!“
Regan zwang sich zu einem Lächeln, sie trat nervös von einem Fuß auf den anderen, biss sich auf die Lippen. Sie hatte keine Ahnung, wer Stevie's Wagen fuhr. Eine Vermutung schon, aber mit Sicherheit hätte sie das nicht bezeugen können. Wie sollte sie das wieder gerade biegen? Vielleicht sollte sie doch endlich die Wahrheit sagen.
„Regan!!!“ mahnte Stevie.
Da war der Wagen aber schon bei ihnen angelangt und Michael stieg aus. Stevie stakste auf ihn zu und herrschte ihn an: „Was zum Teufel machen Sie mit meinem Auto?!?“
'Jetzt ist alles aus,' dachte Regan. Michael blickte zu ihr, sie aber versuchte, den Blickkontakt zu vermeiden und sah zu Boden.
„Er ist fertig,“ log Michael. „Er war zur Inspektion.“
Regan sah ihn an. Hatte sie sich auch sicher nicht verhört? Der Typ im italienischen Anzug log? Was war das denn?
„Das erklärt aber nicht, warum Sie ihn fahren,“ motzte Stevie weiter. „Warum hat Moira mich nicht verständigt, damit ich ihn holen kann.“
„Dein Fuß,“ lenkte Regan ein.
„Ja,“ bestätigte Michael diese Aussage. „Und außerdem ist das Gungellan Hotel abgebrannt. Neill lässt fragen, ob es Ihnen möglich wäre, für ein paar Tage Gäste aufzunehmen.“
„Gäste?“ fragte Stevie.
Michael nickte.
„Also Sie,“ fragte Stevie misstrauisch nach.
Michael grinste. „Ich bin Michael,“ sagte er und streckte ihr die Hand entgegen.
Sie schüttelte diese. „Stevie Hall. Ich leite die Farm.“
“Freut mich.“
Regan war die ganze Zeit daneben gestanden, hatte an ihrer Unterlippe genagt oder mit den Fingern gespielt. Jetzt aber meldete auch sie sich zu Wort.
„Ich glaube, wir können Neill sagen, dass es in Ordnung geht, wenn Sie ein paar Tage auf Drover's wohnen.“ Sie sah Stevie forschend an.
„Na, von mir aus,“ murrte diese.
„Da bin ich Ihnen sehr dankbar,“ sagte Michael und ergänzte: „Ich möchte Ihnen nicht zur Last fallen, aber wäre es möglich, dass ich nach Gungellan gefahren werden könnte. Da ich Ihr Auto genommen habe, ist meines noch dort. Und mein Gepäck auch.“
„Regan kann das machen,“ bot Stevie an. „Nehmt ihr den Holden?“
„Nein!“ riefen Michael und Regan unisono.
„Nein,“ erklärte Regan. „Wir nehmen den Weißen.
Regan schlüpfte auf den Fahrersitz, Michael nahm neben ihr Platz. Sie waren schon aus Drover's draußen und eine Weile unterwegs, als Regan das Schweigen brach: „Warum haben Sie das getan?“
„Was denn bitte,“ stellte Michael sich unwissend.
„Na den Wagen zurück gebracht und Stevie belogen?“ fragte Regan.
Michael fuhr sich durch die verschwitzten Haare und grinste. „Ich fand es nicht fair.“
Er sprach nicht weiter. Nach einer Weile wollte Regan es dann doch genau wissen: „Was fanden Sie nicht fair?“
Erneut lächelte er.
„Und was soll das ständige Grinsen?“ fragte sie gereizt und musterte ihn von der Seite. Sein Profil gefiel ihr. Er hatte eine gute Stirnhöhe, die in eine perfekte, gerade Nase überging. Die Lippen waren voll, ungewöhnlich für einen Australier und sein Kinn markant männlich.
Michael antwortete: „Ich fand es unfair, als staatlich registrierter, an Wettbewerben teilnehmender Pokerspieler zwei unerfahrene Frauen auszunehmen.“
Regan konnte nicht umhin und gab ihm einen Klaps auf den Oberarm.
„Sie!“ empörte sie sich.
Er schüttelte lächelnd den Kopf und murmelte: „Nicht fair.“
„Aber es war gestern Abend fair, auf den Wagen zu bestehen und uns zu Fuß nach Hause marschieren zu lassen! Wissen Sie überhaupt, wie weit das ist?“
„Ist nicht so schlimm. Ich bin die Strecke schon mehrmals gefahren. Das geht recht schnell.“
Regan zickte: „Ja, mit dem Auto ist das kein Kunststück. Aber zu Fuß! Ich habe Blasen an den Füßen.“
*****
Stevie war es nur recht, dass Regan und dieser Typ nicht ihren Wagen nahmen. So konnte sie selbständig nach Gungellan fahren. Fragen stellen, raus finden, mit wem Alex zusammen war. Sie schwang sich hinters Lenkrad. Warum nur wollte sie das so genau wissen? Er sollte ihr egal sein! Sie sollte wegen eines Mannes nicht so wütend werden. Das Knie schmerzte, aber sie ignorierte es. Eigentlich wollte sie das Gaspedal bis in die Stadt durchdrücken, um möglichst schnell Antworten zu erhalten, aber sie musste verhindern, dass Regan sie hinterm Steuer sah, also fuhr sie gemäßigt.
Zum Glück war der Truck Stop nicht in der Nähe des Hotels. Stevie tankte ihren Holden voll. Sie ging hinein, um zu zahlen, und sich wieder auf den Weg zu machen, da sah sie Alex. Er war bei einer der Tanksäulen und redete mit einer Frau. Stevie hatte sie noch nie in Gungellan gesehen.
In Stevie stieg der Zorn hoch. Die Wut, die Verzweiflung! Verletzt und verärgert stürmte sie aus dem Truck Stop, als Alex ihn gerade betreten wollte, um zu zahlen.
„Stevie,“ grüßte er, tippte sich an den Hut und grinste.
Stevie ignorierte ihn und steuerte auf die Frau zu. „Das ist ja nicht zu fassen!“ schimpfte sie.
Die Frau drehte sich zu Stevie, sah sie verdutzt an, wusste nicht, wie ihr geschah.
„Was fällt dir eigentlich ein!“ In ihrer Wut brachte sie nicht einmal ganze, sinnvolle Sätze zustande.
Dann ging es los: „ Das ist vielleicht eine Art, die Frauen haben, dort wo du herkommst. Hier auf dem Land regeln wir die Dinge anders. Da vergewissert man sich zuerst, ob das, was man haben will, nicht schon jemand anderem gehört! Ich weiß nicht, hinter welchem Stein du hervor gekrochen bist, aber das beste wird sein, du verziehst dich wieder dorthin! Du kannst nicht einfach rein stürmen und nehmen, was dir gefällt, und mit deinem Wimpern Geklimper glaubst du, du kriegst alles! Was ist das denn für ein Benehmen! Erziehung wurde dir anscheinend keine angemessene zuteil, sonst hättest du wenigstens den Anstand gehabt, dich zu erkundigen, zu erfragen, ob du mit dem Verhalten auch niemandem weh tust!“
Alex war zu Stevie geeilt und versuchte sie zu besänftigen. Als er sah, dass Stevie auf die tankende, ahnungslose Frau losgehen wollte, umschlang er sie von hinten mit seinen Armen und hielt sie fest. Sie kämpfte mit sich. Wie wunderbar geborgen es sich anfühlte, wenn er seine starken Arme um sie legte. Wie gerne sie sich in dieser Umarmung verloren hätte, sich umgedreht hätte, ihm gesagt hätte, dass er doch sie haben könnte. Zornig hätte sie losheulen wollen. Nicht weil sie traurig war, sondern unendlich enttäuscht.
Enttäuscht von ihrem besten Freund. Von dem Mann, für den sie ihr Leben riskieren würde. Für den sie ihr Leben schon riskiert hatte. Der Scheiße bauen konnte und trotzdem würde sie ihm vergeben. Der Mann der ihr am meisten bedeutete, log sie an, verspottete sie nun auch öffentlich und sie sollte wieder über alles hinwegsehen und es akzeptieren? Und seinetwegen auch noch weinen? Oh, nein! Sie war wütend. Und wie wütend sie war!
Mit sich kämpfend, sich doch in seiner Umarmung zu verlieren, schloss Stevie kurz die Augen. Sekunden später war sie wieder völlig gefasst. Sie drehte sich herum und wand sich geschmeidig aus seiner Umklammerung. Für den Bruchteil einer Sekunde sah sie ihn an, ließ ihn ihren Schmerz und ihre Pein spüren, zeigte ihm mit einem Blick wie maßlos enttäuscht sie von ihm war.
Stevie sagte gar nichts mehr, ging kopfschüttelnd zu ihrem Auto, stieg ein und fuhr aus dem Truck Stop aus.
Alex blickte ihr verdutzt nach. Ihre Reaktion hatte ihn so überrascht, dass er nicht einmal in der Lage war, ihr nachzurufen geschweige denn nachzulaufen. Moira, die herausgelaufen war, blickte Alex an.
*****
An heißen Tagen arbeitete Kate weniger gerne draußen. Da waren ihr Arbeiten im und am Haus beziehungsweise am Hof am liebsten, aber sie hatte ja gesagt, sie würde Jodi helfen. Deshalb wartete sie geduldig in der Hitze. Jodi war angepiepst worden. Feuerwehreinsätze gingen nun mal vor. Aber sie hatte gesagt, sie würde Regan mit dem neuen Material vorbeischicken. Kate wartete immer noch.
Sie sinnierte über ihre Zeit in Afrika. Es war wunderschön. Sie stiegen aus dem Flugzeug und Dave wurde wie ein Staatspräsident begrüßt. Die Universität hatte ein Komitee geschickt, dazu eine Musikgruppe und eine Gruppe tanzender Kinder. Kate war entzückt. Die ersten Tage hatten sie Stress, weil die Unterkunft noch nicht frei war, das Haus in das sie schlussendlich ziehen sollten noch nicht renoviert war, und Daves Vorlesungszeiten nicht mit den Verpflichtungen, die er im nahe gelegenen Nationalpark angenommen hatte, abgestimmt waren.
Dave verhandelte geschickt und hatte in kurzer Zeit die Dinge selbst geregelt. Kate kam sich daneben hilflos vor. Weder verstand sie die Afrikaner, die zwar Englisch sprachen, aber einen eigentümlichen Akzent hatte, noch wusste sie organisatorische Sachen, die Dave von Nutzen gewesen wären. Also verbrachte sie ihre ersten Tage in Afrika mit der Erkundung der Umgebung. Sie streifte durch den kleinen Ort, lernte da und dort Gruppen von Frauen kennen, die sie liebevoll aufnahmen und ihr halfen, sich in den Lebensmittelläden nicht betrügen zu lassen.
Dann konnten sie endlich ihren Aufenthalt genießen, schauten sich gemeinsam das Land an, machten bei mehreren Safaris mit, und Kate schrieb wie eine Verrückte Postkarten an Jodi. Trotzdem war, ohne durchdachte Pläne in ein fremdes Land zu reisen, für Kate kein aufregendes Abenteuer, sondern vielmehr eine von Stress dominierte Aneinanderreihung hektischer und unlösbarer Probleme. Kein Wunder also, dass sie nach zwei Woche krank im Bett lag.
Zwar versuchte Dave, sich um sie zu kümmern, aber bei seinem vollen Terminkalender fiel ihm das nicht so leicht. Schließlich hatte er Verpflichtungen und Termine wollten eingehalten werden. Dazu gab es in Afrika Tiere, die er noch nie behandelt hatte. Wie also betäubt man einen Löwen? Oder was sind die Grippesymptome eines Gnus.
Da Dave am Abend immer spannende Geschichten zu erzählen wusste und Feuer und Flamme war, dass er so viel Neues dazu lernen konnte, verbarg Kate ihre wirklichen Empfindungen und zwang sich, Dave zu unterstützen.
Es fiel ihr nicht immer leicht, aber mit der Zeit hatte sie sich eingelebt. Sie hatte sogar einen neuen Terminkalender, den ihr die Frauen gebastelt hatte. Jetzt konnte sie zumindest ein stückweit voraus planen. Und dann kam der Tag, der alles verändert hatte. Und Kate, wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, verfluchte diesen Tag nicht so, wie Dave es tat. Denn dieser Tag war der eigentliche Grund, warum sie nach Australien zurück gekehrt waren. Und nicht die fadenscheinige Ausrede eines Besuches.
Kate fand, sie hatte lange genug alleine in der Sonne gesessen. Sie stieg aufs Pferd und ritt nach Drover's zurück.
Sie kam gerade an, als Regan und Michael als Minikolonne in den Hof einbogen. Regan wies Michael einen Platz im Unterstand für seinen BMW zu und stellte ihren Wagen schepps in die Mitte.
Kate kam von den Paddocks, da fiel Regan ein, dass sie den Zaun hätte bringen sollen.
„Oh, Kate,“ fing sie an. „Das tut mir so leid! Stevie hat mich mit Mr. Cornwall in die Stadt geschickt. Ich ... er wohnt für ein paar Tage hier. Oh, Kate. Es tut mir so leid.“
Kate zwang sich zu einem: „Ist halb so wild.“ und setzte ihren Weg zu einer kühlen Dusche fort.
Sie ignorierte Regan's Versuche, ihr Michael vorzustellen und verschwand im Haus.
„Hey,“ flüsterte jemand neben ihr, gleich als sie den Raum betreten hatte. Kate fuhr herum und hob schützend, abwehrend die Hände.
Dave trat aus dem Schatten der Garderobe und gab Kate einen Kuss.
„Du bist's,“ sagte sie, ihn immer noch küssend, undeutlich. „Warst du in der Stadt?“
Dave nickte. „Aber das Hotel ist abgebrannt. Die gesamten Unterlagen sind vernichtet.“
Kate schüttelte den Kopf. „Ist doch Blödsinn! Dave, bitte! Das darf nicht wahr sein.“
Er nahm sie in die Arme, versuchte sie mit einem „schschsch“ zu besänftigen und küsste ihr den Kopf. Er strich ihr sanft über die Haare, die sie wie immer einfach zusammen gebunden hatte. Alles hätte er gegeben, für Kate. Für ihre Liebe. Für die gemeinsame Zukunft. Doch es war ihm nicht bewusst, wie schnell das von ihm verlangt wurde.
„Es wird alles gut,“ flüsterte er, mehr zu sich selbst, mehr um sich Mut zu machen, als zu Kate, die in seinen Armen lag. Geborgen wie ein Neugeborenes fühlte sie sich. Wenn sie nur ewig so dastehen könnten.
Dave fuhr fort: „Sie glauben, sie haben alles geregelt, aber die Familie mobilisiert anscheinend gerade die älteren Söhne. Mumbasa sagt, sie hätten Flugverbot erteilt, aber wer weiß...“
„Die sind so einflussreich, die umgehen das Verbot.“ Kate war genauso verzagt, wie sie klang.
„Das sagt Dr. Cerny auch,“ gab Dave zu.
„Dave, ich habe Angst,“ flüsterte Kate.
„Es wird alles gut, du wirst sehen,“ versuchte Dave sie zu beruhigen. Aber in seiner Stimme konnte sie hören, dass auch er nicht wirklich an das glaubte, was er sagte.
*****
„Das kann ja nicht dein Ernst sein,“ maulte Riley lächelnd, als Jodi ihm Eimer und Schwamm entgegen streckte.
„Besteht meine Arbeit wirklich nur aus Autos waschen?“
„Hauptsächlich, ... ja,“ grinste Jodi schnippisch.
Eigentlich hatte Riley sich von seinem ersten Einsatz ein bisschen mehr erwartet, als Telefondienst und Wagen schrubben. Zumindest ein wenig Wasser spritzen hätte drinnen sein können. Aber er war halt der Neue.
„Und was machst du?“ fragte er Jodi, die sich einen Hocker geschnappt und neben das Auto gesetzt hatte.
Sie nahm eine Zeitschrift vom danebenstehenden Tisch und meinte gespielt ernst: „Na, ich beaufsichtige dich.“
Riley begann brav, den Wagen zu säubern, konnte aber nicht umhin, sie verstohlen aus den Augenwinkeln anzusehen. Immer wieder.
Sie war die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Die langen, hellblonden Locken, die ihr Gesicht umrahmten, ließen sie bei gewissem Lichteinfall wie einen Engel aussehen. Sie musste wohl auf ihre Figur achten, oder aber die harte Arbeit ließ sie so schlank und durchtrainiert erscheinen. Jedenfalls sah sie sogar in den weiten Feuerwehrhosen sexy aus, und das konnten nicht viele Frauen von sich behaupten.
Ihrer Art und Weise wegen, für andere da zu sein, sich vor allem um die Gefühle und Wünsche ihrer Mitarbeiter, Freunde und anderer Mitmenschen zu kümmern, zweifelte Riley daran, ob er es überhaupt verdient hatte, so einen wunderbaren Menschen kennen zu dürfen.
Und natürlich wäre es möglich, dass er zuviel hinein interpretierte, aber wie sie ihn in letzter Zeit angesehen hatte, machte ihn glauben, dass er ihr doch nicht vollkommen egal war.
Jodi bemühte sich, Riley zu ignorieren, und sich auf ihre Zeitschrift zu konzentrieren. Das fiel ihr nicht immer leicht. Matt war seit seinem Besäufnis in jener Nacht nicht mehr aufgetaucht, blieb verschwunden, und Jodi vermutete, dass er nur mal kurz „hallo“ sagen wollte und dann wieder weiter gezogen war.
Im Moment war für sie wichtig, dass Kate zurück auf Drover’s war, dass sie mit Dave noch zusammen war, dass in Afrika zum Glück nicht mehr passiert ist und, dass Riley Single war.
Jodi ertappte sich selbst bei dem Gedanken, warf das Magazin auf den Tisch und verließ den Platz. Riley blieb verwirrt zurück, richtete seine Aufmerksamkeit aber endlich auf seine angeordnete Arbeit und fuhr fort, den Wagen blitzblank zu schrubben.
Es dürften wirklich nur wenige Augenblicke vergangen sein, da stand Jodi plötzlich hinter ihm. Er erschrak, als er sich umdrehte und trat einen Schritt zurück. Er konnte das kalte Feuerwehrauto in seinem Rücken spüren, und wie das Waschwasser langsam sein T-Shirt tränkte.
„Riley,“ sagte Jodi, dann überkam es sie. Sie drückte ihn sanft gegen den Wagen, hielt sein Gesicht in ihren Händen und küsste ihn leidenschaftlich.
Erst verwirrt, verunsichert, dann gefasst erwiderte Riley den Kuss, umfasste sie mit beiden Armen und zog sie fest an sich. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit und doch, gleichzeitig verging die Zeit viel zu schnell.
Sie löste sich von ihm, blickte ihm in die Augen. Sie hatte ihm schon oft in die Augen gesehen, aber noch nie, so war zumindest ihr Gefühl, noch nie hatte er zugelassen, dass sie ihn wirklich sah.
Sein Blick war voll Vertrauen, Zuversicht und Liebe und in diesem Moment wusste sie, dass das nur ihr galt. Ihr, Jodi Fountain – McLeod.
*****
Am Nachmittag war Alex kurz auf Drover’s. Es ließ ihm keine Ruhe, wie Stevie in der Stadt reagiert hatte. Dabei war die Idee mit den Pralinen so gut durchdacht gewesen. Er wollte zufällig nach ihr und ihrem Knie sehen, wollte sie fragen, ob sie etwas braucht, sie hätte ihn in die Küche geschickt um etwas zu holen, er hätte herausgerufen, dass er die Sache nicht findet, sie wäre verärgert ins Haus gehumpelt und da wäre er gestanden. Mit Blumen und teuren Pralinen. Sie hätte wahrscheinlich im ersten Moment gar nichts gesagt, sonder hätte nur verdutzt geschaut. Und dann hätte er irgendetwas Originelles gesagt wie: „Ich hab leider nur die hier gefunden.“ oder „Hey, kann man eine hübsche Frau mit Schokolade rumkriegen?“ oder „Stevie, du siehst bezaubernd aus.“ Und dann wäre er zu ihr gegangen und hätte sie einfach geküsst. Und sie hätte ihm nicht widerstehen können.
Aber das Ereignis am Truckstop veränderte alles. Alex wollte Stevie suchen und mit ihr reden, da traf er auf Regan, die ihm erzählte, dass Stevie weggeritten war, niemandem gesagt hatte, wohin und erst gegen Abend zurück erwartet wurde.
Regan hatte Alex zum Abendessen eingeladen und da saß er nun und wartete auf Stevie. Die wie aufs Stichwort in der Tür erschien. Der Tisch war üppig gedeckt, alle saßen sie schon auf ihren Plätzen: Moira, Tayler, Regan, dieser Gast, Jodi, Patrick, der in letzter Zeit ständig mit Tayler unterwegs war, und Alex. Und wie fantastisch Regan es organisiert hatte, dass genau noch neben Alex ein Platz frei war.
Stevie griff nach ihrem Teller und murrte trocken: „Ich esse in meinem Zimmer.“
Gerade, als sie nach dem Besteck greifen wollte, hielt Alex sie am Handgelenk fest. „Komm schon, Stevie. Iss mit uns,“ bat er sie.
Stevie drehte sich aus seinem Griff, blickte widerwillig in die Runde, setzte sich dann aber trotzdem missmutig hin.
Als hätten sie noch etwas besseres vor, schlangen Tayler, Patrick und Moira ihr Essen hinunter, entschuldigten sich hastig und Jodi konnte gerade noch erfragen, dass Moira die beiden nach Gungellan mitnahm.
Da Jodi in Gedanken immer noch an Riley und ihrem Kuss hing, wollte sie einen klaren Kopf bekommen und ging ein Stück spazieren.
Wie gemütlich und sicher sie sich in Rileys Armen gefühlt hatte, wie richtig dieser Kuss war. Es war, als ob sie ihm alles anvertrauen könnte. Ihre intimsten Gedanken, ihre ärgsten Befürchtungen, ihre größten Träume und vor allem auch alle anderen wichtigen und unwichtigen Dinge, die sie bewegten und beschäftigten.
Jodi war tief in Gedanken versunken, als aus dem Schatten eines Baumes eine Gestalt trat.
„Riley? Bist du das?“ fragte sie unsicher, aber bereit, einen möglichen Angreifer zu treten, zu schlagen und in die Flucht zu jagen.
Da trat der Mann ins Mondlicht.
„Matt!“ sagte Jodi erstaunt. Welch seltsame Angewohnheit er hatte, überall unerwartet aufzutauchen. „Ich dachte, du bist weg.
Unter dessen war es auf Drover’S schwierig, ein Gespräch in Gang zu bringen. Alex versuchte immer wieder, Stevies Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aber sie ignorierte ihn geflissentlich.
„Also, Michael, was machen Sie beruflich?“ fragte Stevie, genervt von einem ständig an ihrem Ärmel zupfenden Alex.
„Ich bin...“ begann er.
„Er ist Anwalt,“ beantwortete Regan die Frage, sah zu Michael, der sie durch einen Blick in Verlegenheit brachte und Regan fing an zu stottern.
„Er ist ... Sie sind ...“ sie fuchtelte mit den Fingern herum, zupfte sich die Haare zurecht.
„Anwalt,“ beendete sie, lächelte und legte die gefalteten Hände auf den Tisch.
Das Klopfen an der Vordertüre rettete alle vor mehr peinlichem Geplapper.
„Ich geh,“ bot Stevie als erste an, schnappte ihre Krücken, zu denen Regan sie am Nachmittag gezwungen hatte, als sie erfuhr, dass Stevie ohne Krücken gegangen und sogar selbst mit dem Auto nach Gungellan gefahren war, und hinkte zur Türe. Alex stand auf und folgte ihr.
Michael zupfte an Regans Ärmel in Anlehnung an Alex, der das zuvor ständig bei Stevie gemacht hatte.
„Ich habe etwas für Sie,“ grinste er und reichte ihr eine runde Dose.
Regan verstand zuerst nicht ganz, dann betrachtete sie die Dose genauer. Es war ein Fuß – Massageöl, bestens geeignet für beanspruchte, wunde Füße, die sich nach einem langen Marsch regenerieren sollten.
Regan musste schmunzeln.
„Danke,“ sagte sie und meinte es aufrichtig.
„Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen gerne eine, aus Japan stammende, Anwendungstechnik,“ bot Michael an und zwinkerte ihr zu.
Regan musste kichern, wie sie es zuletzt im Alter von 14 Jahren getan hatte.
Alex war Stevie an die Türe gefolgt. Gierig sog er den Duft von Perfum, Duschbad und Stevie ein, der ihr wie ein Schleier nachhing. Selbst nach einem harten Arbeitstag roch sie immer noch so gut. Er hätte sich darin verlieren können.
Sie fauchte ihn an: „Hör auf mir nachzulaufen!“
Energisch öffnete Stevie die Türe. Sie traute ihren Augen nicht. Vor ihr stand die Frau aus dem Truck Stop, mit der Alex so nett geredet hatte.
„Du!“ fuhr Stevie die Frau an, die ein kleines Köfferchen an ihren Bauch gedrückt hielt.
„Das kann ja nicht dein Ernst sein!“ Stevie verstand die Welt nicht mehr. „Du tauchst hier einfach auf? Sieh zu, dass du verschwindest!“ Die Frau machte kehrt und dabei öffnete sich das Köfferchen. Heraus fielen jede Menge Cremes, Puder, Schminksachen und andere Beauty Produkte. Unbeachtet dessen, was eben passiert war, hinkte Stevie an Alex vorbei, zurück ins Haus. Das war einfach zu viel für sie. Energisch zwang sie sich, die Treppe hinauf zu steigen und lief in ihr Zimmer.
„Kommen Sie bitte herein,“ bat Alex die Frau hastig. „Gehen Sie durch ins Esszimmer, dort finden Sie jemanden.“
Dann drehte er sich zur Treppe. „Stevie!“ rief Alex und folgte ihr nach oben.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 13:27
TEIL 8
Stevie lag auf ihrem Bett, sie hatte sich auf die Seite gedreht, ihren Kopf in ihren Armen versunken, ihre Welt schien zerbrochen. Sie brauchte jetzt einfach Zeit für sich, das allerletzte was sie jetzt sehen wollte, war Alex.
Da klopfte es auch schon an der Tür.
"Hey, kann ich rein kommen?", fragte Alex, der gleich darauf im Zimmer stand. Er ging langsam zu ihr rüber, blieb dann aber in der Mitte des Zimmers stehen und betrachtete sie einen Moment.
"Geh weg", sagte Stevie etwas verheult, versuchte aber so stark wie möglich zu klingen.
"Hey, was hast du denn?" wollte Alex wissen.
Stevie antwortete nicht.
"Hör zu" begann er, dann machte er eine Pause und ging weiter, blieb vor ihrem Bett stehen.
"Ich weiß, dass du...“ Ihm fehlten die Worte.
Stevie sah einen Moment auf, sie wusste nicht wie sie ihm klar machen sollte, dass sie allein sein wollte und versuchte es ihm mit ihrem Blick zu verdeutlichen.
Alex lächelte sie an. Er setze sich neben sie auf das Bett.
"Ich sag dir jetzt mal was", meinte er dann ruhig, während er sich neben sie legte.
*****
Regan und Michael, die die junge Frau ziemlich schnell wieder abgespeist hatten, saßen mit jeweils einem Bier auf der Veranda und unterhielten sich etwas angespannt.
"Ich verstehe nicht, wieso das Hotel abgebrannt ist", versuchte Regan das Gespräch etwas aufzulockern.
"Keine Ahnung, aber mir kann es nur recht sein", sagte er, ohne zu überlegen und lächelte sie an.
Regan starrte ihn einen Moment fassungslos an, dann lächelte sie auch.
"Ach wirklich?" fragte sie, obwohl sie genau wusste, auf was er hinaus wollte.
"Ja, man hat ja nicht alle Tage die Gelegenheit bei solch schönen Frauen zu übernachten", sagte er verspielt und kein bisschen verlegen.
Regan sah ihn an. Sie hatte auf einmal ein merkwürdig gutes Gefühl in der Magengegend, beängstigend, aber dennoch schön.
"Ich verstehe", sagte sie leicht verführerisch.
Ihre Blicke trafen sich nun, sie sahen sich an, als gäbe es nur sie. Alles herum war verschwunden. Er beugte sich langsam zu ihr, ein kleines süßes Lächeln umspielte seine Lippen. Regan bemühte, sich so gut es ging, gelassen zu wirken, was ihr nicht recht gelang. Sie wusste was gleich geschehen würde, sie näherte sich ihm. Ihre Lippen waren nur noch Millimeter voneinander entfernt. Regan schloss ihre Augen, sie gab sich ganz der Leidenschaft hin, als sie von lautem Autogehupe erschreckt aufsah. Regan und Michael sahen sich einen Moment an, dann lief Regan los.
Am Vordereingang stand Jodi mit ihrem Wagen.
"Was hast du denn für Probleme?" wollte Regan wissen, die sofort zu ihr lief. "Hey Matt", sagte sie dann, als sie ihn neben Jodi sah.
"Mh.... naja, ich würde sagen, ich habe keine Probleme, aber du, wenn du dich nicht beeilst".
Regan sah sie an als hätte sie keine Ahnung was Jodi da redet.
"Es wäre förderlich wenn du mir auf die Sprünge hilfst", sagte Regan gereizt.
"Ich habe Matt vorhin getroffen, wie man sieht,“ grinste Jodi. "Und wir waren auf dem Weg zum Pub, weil wir reden wollten, da kam mir Stevie entgegen. Naja, ich dachte es wäre Stevie. Sie hätte es eigentlich sein sollen, in anbetracht dessen, dass es ihr Wagen ist. Und dann dachte ich aber wieder, Stevie ist doch verletzt, wie soll sie Auto fahren können". Jodi faselte ohne Luft zu holen.
„Jodi!!!“ sagte Regan genervt, kommst du auf den Punkt?"
Jodi sah sie lächelnd und hilflos zu gleich an. " Ich denke, Stevies Wagen ist schon wieder weg. Könnte es sein, dass ihr mit dem Pokern eine Verschwörung herbeigerufen habt?"
Regan fühlte sich nicht wohl dabei, dass Jodi sie so aufzog.
"Wie? Der Wagen ist weg? Das hätten wir doch merken müssen! Wie konnte das denn passieren?" regte sich Regan auf, sie hielt sich den Kopf und dachte nach.
Matt der das alles anscheinend auch sehr amüsant fand, begrüßte Michael, der gerade dazu kam.
"Michael, kannst du mir das vielleicht erklären?" fragte sie genervt.
Michael grinste sie verschmitzt an und sagte erst einmal gar nichts.
*****
"Ich kannte mal ein junges Mädel, lang, lang ist es her. Sie war super gut drauf, voller Elan, selbstbewusst, sie wusste was sie wollte und sie liebte das Rodeo,“ begann Alex zu erzählen und fing an, Stevie ganz sanft über den Kopf zu streicheln.
"Schon immer wusste ich, sie wird es packen, egal was sie anfasst, da kommt nur Gutes bei raus".
Er machte eine kurze Pause und sah sie an.
"Aber eines mochte ich besonders an ihr. Ihr fröhliches Lächeln, damit bezauberte sie jedermann. Nur wenn sie in den Raum rein kam, waren alle gut drauf".
Stevie genoss das streicheln sichtlich und fühlte sich wohl bei den Worten, sie setzte sich langsam auf, und wischte sich die Tränen weg.
"Und heute, noch genauso bezaubernd wie damals, weiß ich, dass sie sich nicht von einer Frau abschrecken lässt, die ihr nicht mal in hundert Jahren das Wasser reichen könnte. Auch nicht, wenn du irgendwann vor hast, als Vertreterin für Make - Up zu arbeiten".
Er lächelte sie an und unbewusst streichelte er sanft über ihre Wange.
Sie lächelte ihn zaghaft an, ihre Gesichtszüge wurden schlagartig ernst und ihre Augen funkelten. Sie fühlte sich geborgen und seine Berührungen machten sie fast verrückt. Er sah sie an, voller Vertrauen, Verständnis, seine Hand wanderte weiter nach oben, er strich ihr die Haare sanft aus dem Gesicht, Stevie atmete schwer dann legte sie ihren Kopf zur Seite und genoss seine sanften Berührungen.
"Stevie!!!" schrie Regan, die plötzlich in Stevie’s Zimmer stand. Alex, erschrocken von den Ereignissen und Regans plötzlichem Auftauchen, sprang sofort auf und stellte sich neben das Bett.
Regan konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
"Tut mir leid, störe ich gerade bei was?"
"Was meinst du? Nein, ich wollte sie nur etwas aufmuntern", sagte Alex schnell.
Stevie sah von Alex zu Regan und wieder zurück, sie war sichtlich verlegen aber in ihr machte sich noch ein anderes Gefühl breit, das kaum zu beschreiben war. Dieses Gefühl der Geborgenheit, der Verliebtheit. Stevie war in Gedanken verloren.
„Stevie?" hakte Regan nach.
"Was ist?“ fragte Stevie dann an Regan gerichtet, die sichtlich aufgeregt daher kam.
"Wir haben ein Problem, es geht um deinen Wagen, der...“
"Was ist mit meinem Wagen?" sagte Stevie sauer und stand auf.
"Na ja, es ist so, Michael hat mir gesagt, dass. ... Am besten ist, ich fange von vorne an". Sie grinste Stevie an.
*****
"Ja und dann kam Michael mit dem Wagen her gefahren und hat dir erzählt er war bei der Inspektion und den Rest kennst du ja", erzählte Regan nun die ganze Geschichte als sie in der Küche waren.
Stevie hörte aufmerksam zu und man sah ihr an das sie wütend war. Nicht mal deswegen weil der Wagen beim Pokern verloren wurde, viel mehr deshalb, das Regan sie angelogen hatte und ihr dies verschwiegen hat.
Alex, der sich all dies mit anhörte lief los zur Tür. "Wo willst du hin?" fragte Regan.
"Na, den Wagendieb schnappen".
Stevie lächelte ihn an, "Danke, aber das musst du nicht".
Er kam noch einmal zu ihr gelaufen.
"Hey, ist schon gut, habe eh nichts Besseres vor. Und sollte ich etwas raus finden hole ich dich persönlich ab und wir legen uns gemeinsam auf die Lauer", unterbrach er Stevie, die protestieren wollte.
"Alles klar, seid vorsichtig", sagte Stevie noch, bevor sich Regan und Alex nach draußen begaben.
Stevie ging langsam nach oben, schnappte sich ein paar neue Klamotten aus ihrem Schrank und lief dann ins Bad.
*****
"Hey, mit welchem Wagen fahren wir? Mit Jodis und meinem Wagen, oder nur mit meinem?" wollte Alex wissen.
"Hey, wieso glaubst du das wir deinen nehmen?" forschte Jodi nach.
"Jodi, komm schon, wir wollen heute noch ankommen", er neckte sie und griff dann in seine Hosentasche.
"Ich würde sagen wir nehmen trotzdem zwei" sagte Regan.
"Michael, du und ich fahren in deinem und Jodi und Matt in ihrem".
"Du hast doch nichts dagegen, wenn wir unser Gespräch verschieben? das hier ist wirklich wichtig", sagte Jodi zu Matt.
"Ja, kein Problem", sagte er nur und schenkte ihr ein Lächeln.
"Ich glaube ich habe meinen Autoschlüssel drin vergessen", sagte Alex der ihn anscheinend in seiner Hosentasche nicht fand. "Ich geh ihn schnell holen.“
Er lief zurück zum Haus direkt rein und Richtung Küche, als er ihn dort nicht fand lief er nach oben. "Stevie?" fragte er, er sah in ihrem Zimmer nach, doch auch dort lag der Schlüssel nicht.
*****
"Typisch Mann", sagte Regan als sie den Schlüssel auf dem Armaturenbrett von Alex Wagen liegen sah. "Was für ein Schussel".
*****
"Stevie?" Alex lief ohne zu überlegen direkt Richtung Bad, die Tür stand fast komplett offen.
"Stevie? hast du meinen Autoschlüssel gesehen?,“ fragte er und platzte ins Badezimmer hinein.
"Alex? Oh Mann!" Stevie war geschockt.
Sie stand dort vor ihm. Alex traute seinen Augen nicht, sofort machte er kehrt und schloss die Tür.
"Tut..... tut mir leid", stotterte er etwas, "Die Tür stand offen, aber hey, ich habe nichts gesehen". Stevie legte sich schnellstens das Handtuch um, dann lief sie zur Tür und öffnete diese einen Spalt. Sie sah ihn peinlich berührt an, er konnte sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen.
"Wenn du es so haben willst, hättest du doch nur zu fragen brauchen," ärgerte er sie.
"Das ist nicht witzig. Läufst du immer so in fremde Badezimmer, ohne anzuklopfen?"
"Nur in die Interessanten, wo einem auch was geboten wird", er sah von oben nach unten an ihr herab.
"Nicht schlecht" betonte er seine Aussage und sein Lächeln wurde breiter.
Alex machte sich mit einem Grinsen auf den Weg nach draußen zum Wagen. "Ich kann ihn nicht finden", sagte Alex immer noch grinsend.
"Ja, ich weiß auch wieso, weil er im Auto lag", betonte Regan.
"Wirklich?" fragte Alex.
"Alex?" alles okay?", Regan bemerkte wie er zum Haus starrte.
"Ja, alles bestens, lasst uns fahren".
*****
"Hier haben wir ihn zu letzt gesehen, aber ich weiß auch nicht wer genau drin saß. Nur ein Kerl konnte ich erkennen", sagte Jodi als sie nach einer weile vor dem Pup ankamen.
"Michael?" sagte Regan, "Du kennst ihn doch anscheinend, also hilf uns. Und überhaupt, ich meine, wieso taucht dieser Typ hier auf? In Gungellan? Und wieso will der hier was von dir einfordern, wenn er doch die Rechnung mit dir in der Stadt offen hatte.“
Alle sahen Regan forschend an.
"Alles klar, schon gut.“ Sie fasste sich an die Stirn.
"Tut mir leid, ich wusste nicht, dass er mir folgt und ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass er denkt, das Auto gehört mir.“ Michael musste lachen.
"Das finden Sie komisch? Also zum lachen ist das wirklich nicht," mischte sich Jodi ein.
"Ja ich weiß, aber hört zu, wir finden ihn sicher wieder. Er muss ja im Hotel sein, er wird sicher heute nicht mehr zurück fahren" sagte Michael dann.
*****
Stevie, die bereits wieder vollständig angezogen war, schnappte sich das Telefon und wählte Regans Nummer.
"Ja?“ sagte diese nur knapp als sie ran ging.
"Schon was rausgefunden?" wollte Stevie wissen.
"Na ja, dank Michael nicht wirklich, aber ich denke, wir müssen heute Nacht vor dem Pub schlafen. Wird sicher lustig" sagte Regan genervt.
"Gib mir mal kurz Alex ."
"Hier. Stevie, für dich".
Alex musste bei dem Gedanken an Stevie schon wieder grinsen. "Hey, was gibt’s?".
"Übernachtest du auch in Gungellan? Ich würde schon gern dabei sein wenn ihr den Typen schnappt und hier alleine rumsitzen bringt mir nicht viel".
"Alles klar, ich komm dich abholen, dauert aber etwas".
"Okay, bis dann" meinte Stevie nur und legte auf.
"Ich muss los, ich hol Stevie ab, behaltet hier alles gut im Auge und hey, keine dummen Sachen machen".
Er stieg in sein Wagen und fuhr los.
"Na toll, eine Nacht im Auto, das hatte ich auch noch nicht."
"Ich auch nicht" erwiderte Matt auf Jodis Kommentar.
*****
Alex parkte seinen Wagen vor dem Paddox auf Drovers. Er stieg aus und machte sich auf den Weg ins Haus.
Stevie die ihm schon entgegen kam war start klar und wollte sofort los.
"Hey, Moment mal," sagte Alex. "Willst du nur in so einem dünnen Shirt los? Es wird heute Nacht kalt".
"Ach das geht schon, ich friere nicht sehr schnell" erwiderte Stevie. "Lass uns besser fahren".
"Alles klar", er half ihr etwas beim gehen, ihr Knie schien schon wesentlich besser zu werden, aber er wollte nicht riskieren das es wieder schlimmer wird.
"Geht schon, danke," meinte sie nur. "Ich bin schon groß und kann alleine gehen".
Er lächelte sie an und ließ sie los.
*****
"Oh man, ich habe einen Hunger" brach es auf einmal aus Jodi heraus, "Können wir wenigstens was essen wenn wir schon im Auto schlafen müssen? Bitte?" flehte sie förmlich als sie nach hinten zu Regan sah.
"Klar, wieso nicht", sagte sie, "wir gehen rüber und holen uns was".
Sie wandte sich an Matt und Michael: "Und? Männer? Oder sollte ich besser sagen, ein Mann und ein Idiot, der sich einen Wagen klauen lässt. Wollt ihr auch was haben?".
Matt konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
"Ja bitte", sagte er dann, während Michael nur nickte.
Die Mädels machten sich auf den Weg in den Pub und gaben ihre Bestellung auf.
*****
"Hey, schauen Sie mal, das ist der Wagen von Stevie", sagte Michael.
Matt sah sofort den Kerl, der dabei war mit dem Auto um die Ecke zu fahren.
"Ist er das?" wollte Matt wissen.
"Ja, das ist er, los hinterher,“ sagte Michael und Matt rückte rüber auf die Fahrerseite, ließ den Wagen ohne zu zögern an und folgte Stevies Holden ganz unauffällig.
"Wo kommt der denn auf einmal her? haben Sie den Wagen vorher schon gesehen?", fragte Matt plötzlich.
"Nein, aber es scheint so, also hätte er hinter dem Pub geparkt gehabt".
Jodi und Regan, voll gepackt mit Tabletts, verließen den Pup.
"Mann, jetzt aber schnell, ich verhungere fast", sagte Jodi während sie anfing ihren Hamburger auszupacken.
"Ich denke, du kannst das von Matt und Michael auch mit aufessen", brachte Regan nur noch raus als sie den Wagen nicht mehr sah.
"Was?" Jodi sah zu Regan dann in die Richtung, wo der Wagen hätte stehen müssen.
"Oh, Mann," aus ihrem Eifer heraus hätte Jodi fast das Tablett fallen lassen. "Wo sind die denn hin?"
"Keine Ahnung und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht. Kann der Tag noch schlimmer werden?" murrte Regan, während sie sich auf einen der Stühle vor dem Pub setzte.
*****
Stevie und Alex waren bereits seit einer dreiviertel Stunde unterwegs. Stevie streckte ihr Bein so gut es ging aus, die lange fahrt strapazierte ihr Bein sehr.
"Hey, hast du Schmerzen?" fragte Alex, der sofort bemerkte das Stevie nicht optimal saß.
"Ne, geht schon, aber wenn es geht dann...“
Auf einmal knallte es.
Alex konnte den Wagen gerade noch rechtzeitig rumreißen und blieb nach mehreren Sekunden mitten auf der Fahrbahn stehen.
"Alles okay mit dir?", fragte er sofort.
Stevie musste einen Moment durchatmen, sah zu ihm hinüber.
"Ja, ich denke schon. Was ist passiert. Haben wir einen Platten?"
"Ja, hörte sich so an". Alex stieg aus und betrachtete seinen Wagen.
"Na toll."
"Das macht nichts, wir nehmen den Ersatzreifen," sagte Stevie lächelnd.
Alex sah sie stirnrunzelnd an.
"Du hast doch einen Ersatzreifen?" bohrte Stevie nach.
"Tja, eigentlich schon, aber den habe ich beim letzten Platten aufgebraucht".
"Das kann doch nicht dein Ernst sein, passiert dir das öfters?"
"Na ja, das war das zweite mal", er grinste sie an.
"Komm schon, so schlimm wird es nicht, ich rufe jemanden an".
Er lehnte sich ins Auto. "Stevie, hast du mein Telefon gesehen?"
"Mh, nein, hast du das vielleicht auch beim letzten mal schon aufgebraucht?" sagte sie mehr neckisch als wütend.
"Witzig," er lächelte nur und setze sich in den Wagen.
Stevie die bereits auch ausgestiegen war, beugte sie zu ihm in den Wagen, "Alex? Kommt da jetzt noch was oder, soll ich raten was wir machen?".
"Ich denke nach," er sah sie an "Frierst du?"
"Geht schon. Etwas kühl ist es schon," gab sie zu.
"Tja, Miss-ich-friere-nicht-so-schnell, dank mir, musst du das nicht mehr länger."
Er stieg aus und knallte seine Tür zu, er lief zur Ladefläche, hob die Plane und nahm eine Decke hinaus.
"Hier,“ Stevie machte ebenso die Beifahrer Tür zu und lief zu Alex.
"Nicht", rief er fast, er sah sie an und stemmte die Hände in die Hüften.
"Stevie, der Schlüssel steckt".
"Oh nein, so ein Mist.“ Sie lief zurück zur Tür und versuchte sie zu öffnen.
"Das kann doch nicht sein."
"Hey, das war jetzt aber nicht meine Schuld", sagte Alex schnell.
"Wir haben einen Platten und kein Ersatzreifen, wir stehen mitten auf der Strasse mit dem Wagen und haben kein Telefon und nun sind die Türen zu und wir kommen nicht mehr in den Wagen, aber was solls, wir haben eine Decke", sagte Alex sehr optimistisch.
Er schüttelte den Kopf und fing an zu lachen.
"Ein super Abend," ergänzte Stevie nicht gerade erfreut.
"Und was nun? Ich denke, du kannst schon mal los laufen, damit du morgen früh da bist, tut mir leid, ich würde ja mit kommen, aber du weißt ja, mein Bein", sie grinste ihn an.
"Ja, schon klar, ich würde sagen wir machen es uns hier draußen irgendwo bequem und hoffen, dass morgen früh jemand hier vorbei fährt".
Stevie schnappte sich die Decke und lief ein Stück bis zum Straßenrand, es war sehr dunkel, aber die in der Nähe stehende Bank entging ihr nicht, sie lief hin und setzte sich.
Alex lief zu ihr rüber und gab ihr eine Tasse.
"Hier, wie gut das ich noch eine Flasche Wasser und eine Tasse im Kofferraum hatte, mit Essen sieht es etwas mau aus."
"Schon gut, ich habe eh kein Hunger", sie nahm die Tasse dankend entgegen.
Alex sah sie einen Moment an. Sie sah unglaublich hübsch aus, ihre Haare fielen ihr wirr und gelockt ins Gesicht, sie saß dort in ihrem Shirt, die Decke leicht umgewickelt, ihre Augen funkelten in der Dunkelheit.
"Was ist?", fragte sie mit einem süßen Lächeln, als sie seine Blicke bemerkte.
Er setze sich neben sie.
"Hey, tut mir leid wegen vorhin. Ich meine, ich wollte nicht so reinplatzen".
"Schon gut."
Einen Moment lang sahen sie sich tief in die Augen, es wirkte, als würden sie sich mit den Augen verständigen.
"Also, ich wollte dir noch sagen ... das, was du vorher zu mir gesagt hast, in meinem Zimmer, ich meine, das war...,“ begann Stevie, aber ihr fehlten die richtigen Worte.
"Stevie, komm her.“ Er hatte das Bedürfnis sie einfach in den Arm zu nehmen. Er rückte etwas näher. Ohne etwas zu sagen ließ sie es zu, sie schmieg sich an seine starke Brust. Sie ließ sich fallen. Seine Wärme die er ihr entgegen brachte, seine Fürsorge, beruhigte sie. Sie fühlte sich sicher.
Auch er genoss die Umarmung, er wollte sie nie mehr los lassen.
Er streichelte ihr sanft über den Rücken.
Eine Weile saßen sie nur so da, Arm in Arm ohne jedes weitere Wort.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 13:32
TEIL 9
„Los, Mann, drück drauf,“ befahl ein zappelnder Michael. Matt, der das Auto fuhr, umklammerte das Lenkrad mit beiden Händen. Er blickte angestrengt auf die dunkle Straße vor sich.
„Siehst du ihn?“ fragte Matt aufgeregt.
„Würdest du nicht wie ein Anfänger fahren, sähen wir ihn wahrscheinlich,“ meckerte Michael.
„Was soll das denn heißen? ... Ist er das da vorne?“
Matt trat aufs Gas, aber in der nächsten Kurve bremste er vorsichtshalber ab, damit das Auto nicht ins schleudern geriet.
„Was machst du, Mann?“ regte Michael sich auf. „Wir verlieren ihn.“
„Ach!“ Matt trat zornig auf die Bremse. „Du denkst, du könntest es besser?“
Michael wollte schon protestieren, dass Matt den Wagen anhielt, dann aber sah er dessen herausfordernden Blick und besann sich.
Er zog die Augenbrauen hinauf. „Aber 100 prozentig!“
„Dann beweise es,“ forderte Matt und die Männer tauschten die Plätze.
Michael stieg ins Gas und fuhr mit durchdrehenden Reifen an. Der Wagen hatte Gungellan bald verlassen gehabt und stark beschleunigt. Matt und Michael hatten entschieden, dass sie nunmehr nicht unbemerkt hinten drein fahren würden, sondern sie wollten den Dieb stellen. Der Fahrer, der Stevie’s Wagen fuhr, hatte das schnell gemerkt und war noch stärker aufs Gas getreten. Und mit dem Fahrerwechsel eben hatten sie wertvolle Zeit verloren.
„Mach schon!“ kommandierte Matt und kaute nervös an seinen Fingernägeln.
„Würdest du das bitte unterlassen, Mann?!“ fuhr Michael ihn an, weil ihn das Geräusch des Aufeinanderklappens der Zähne nervte.
Bald schon hatten sie den Wagen vor sich auf der Straße. Michael grinste Matt triumphierend an. Matt blickte hinüber zu ihm und antwortete darauf mit einem zornig – wütenden Gesichtsausdruck.
*****
Jodi und Regan saßen vor dem Gungellan Hotel und hatten sich über das Essen hergemacht.
„Weißt du,“ begann Jodi zum hundertsten Mal. „Er taucht einfach auf. Aus dem Nichts. Dann steht er wieder vor mir und sieht so gut aus.“
Regan fragte kauend: „Ja, aber was ist mit Riley?“
Jodi versank in ihre Gedanken. Es waren nur wenige Stunden vergangen, seit sie Riley geküsst hatte. Und es hat sich so gut angefühlt. Und wie überlegen sie sich gefühlt hatte, den witzelnden, verdutzten Riley gegen das Feuerwehrauto zu drücken. Damit hatte er bestimmt nicht gerechnet gehabt!
„Jodi!“ rief Regan.
„Was denn?“ Jodi schreckte auf.
„Was ist mit Riley?“
Jodi grinste. „Ich hab ihn geküsst.“
„Jodi!“ rief Regan aus und schlug ihr leicht auf den Oberarm.
Reflexartig hielt Jodi sich ihren Arm, konnte aber nicht aufhören zu Grinsen.
Regan schmunzelte mit ihr. War sie doch eben noch kurz davor gewesen, Michael zu küssen.
„Aber was mach ich jetzt?!“ fragte Jodi etwas laut.
Regan trank aus ihrer Coladose und meinte: „Was oder wen willst du denn?“
Jodi schüttelte den Kopf und schaute verzweifelt. „Ja, wenn ich das wüsste!“
*****
Stevie und Alex saßen auf der Bank, die bei genauer Betrachtung die Markierung einer Haltestelle des Linienbusses war. Alex hatte den Arm immer noch um Stevie gelegt. Sie ließ ihren Kopf auf seiner Schulter ruhen. Wie gut das tat. Wie wohl sie sich im Moment fühlte. Und er roch so gut. Nach seinem Aftershave und ein bisschen nach Alex’ typischem Geruch, wenn er am Tag in der Sonne gearbeitet hatte. Sein Hemd fühlte sich an, als wäre es frisch und mit Weichspüler gewaschen. Worauf Stevie bei ihm achtete, verwunderte sie immer wieder, aber mehr noch die Tatsache, dass sie wusste, ob ein Hemd mit Weichspüler gewaschen wurde.
Sie dachte an die vergangenen Wochen. Dachte daran, wie Alex sie beinahe vor dem Pub geküsst hatte und Fiona ihn unterbrochen hatte, dachte an ihren wirklichen Kuss, als sie Sandra zur Rede gestellt hatte. Sie dachte an diese blöde Sache mit Drew. Für die sie nichts konnte und wie verletzt Alex war, als sie am nächsten Tag zu ihm kam. Sein Gesicht war so voller Schmerz und Enttäuschung, sie hatte versucht es mit einem „ich liebe dich“ wieder gut zu machen, aber es war alles zu spät gewesen. Er hatte sie aus ihrem Leben geworfen und wollte sie anscheinend nicht mehr zurück.
„Die Bank ist unbequem,“ maulte Stevie, schnappte sich die Decke von Alex und machte sich auf den Weg zu einem Baum, der in der Nähe stand.
„Stevie,“ rief Alex verdutzt hinterher.
Stevie stapfte durch die Büsche hinüber zu dem Baum, setzte sich hin, und schlug die Decke über sich zusammen.
Alex kam verwirrt zu ihr und meinte noch stehend: „Was war das denn eben?“
Stevie stotterte: „Ich ... ahm ... ich ... das Bein. Ich kann hier mein Bein besser ausstrecken.“
Alex akzeptierte die Ausrede, zuckte mit den Schultern, grinste und setzte sich neben sie.
„Teilst du die Decke mit mir?“ fragte er, obwohl ihm nicht wirklich kalt war.
Stevie sah ihn an, wie er neben ihr saß, die Beine überschlagen, die Arme verschränkt, den Hut ins Gesicht gezogen. Zögernd gab sie ihm den einen Zipfel der Decke und er zog daran, bis er seine Beine auch bedeckt hatte.
Was auch immer schief gelaufen war, Stevie wollte es verdrängen. Wollte an alles denken, was seither passiert war. Wie sie gemeinsam nach dem Hengst suchten, weil Regan ihre Hilfe anbot und sie dann zum Handkuss kam. Als er sie verletzt nach Hause brachte und sie sich beinahe geküsst hätten. Auch dachte sie an den Abend, an dem sie auf Killarney ausgeholfen hatten und sie vor Erschöpfung auf seiner Couch eingeschlafen war und er schon in der Früh an ihrem Bett gesessen hatte. Und wie er mit ihr ins Krankenhaus gefahren war. Mit ihr auf die Diagnose gewartet und mit ihr gezittert hatte, dass es ja nichts Schlimmes sei. Und dann hatte Tayler ihr erzählt, er hätte eine Freundin.
Stevie blickte zu Alex hinauf. Er sah zu ihr hinunter. Er grinste. „Was ist?“
Stevie erwiderte sein Lächeln nicht. „Weißt du, ich hab gedacht...“ Sie sprach nicht weiter.
„Was denn?“ ermunterte er sie.
„Tayler hat mir erzählt...“
Alex konnte sich nicht vorstellen, worauf sie hinaus wollte.
„Sie hat mir erzählt, du hättest eine neue Freundin.“
Alex wirkte nicht nur überrascht, sondern war es auch. „Was?!?!?“
„Ja!“ Stevie setzte sich auf, rutschte ein Stück von ihm weg. „Sie hat gesagt, du hättest eine neue Freundin, der du Pralinen schenkst.
Alex begann zu lachen. „Ach darum!“
Stevie wurde gereizt. „Was findest du daran so lustig?“
Alex musste nur noch mehr lachen.
„Alex!“ schimpfte Stevie.
„Du hast gedacht, das die Pharma - Vertreterin ...“ er lachte nur noch mehr.
Stevie wurde richtig zornig. „Ach, hat doch ohnedies keinen Sinn!“ Sie versuchte aufzustehen und stützte sich dabei am Baum und am Boden ab.
Bevor sie sich gänzlich aufrichten konnte, hielt Alex sie zurück, er zog sie in seine Arme und lächelte sie an. Weil sie ihn immer noch bitterböse anfunkelte, löste er das Rätsel.
„Stevie, die Pralinen, die waren für dich. Ich habe Dave gebeten, mir welche mitzubringen, aber nicht irgend ein billiges Zeug, sondern was Entsprechendes. Etwas was deiner würdig ist.“
Stevie beruhigte sich. „Also bist du nicht mit der Frau...“
Alex schüttelte den Kopf. Er richtete sich auf, sodass er ihr gegenüber saß, er strich ihr zart über die Wange und versuchte erfolglos ihre wilden roten Locken aus ihrem Gesicht hinter ihre Ohren zu streichen. Immer wieder rutschten die Haare nach vorne, also wiederholte er den Vorgang. Er ging mit seinen Augen ihre Gesichtszüge ab, wanderte von ihren hohen Wangenknochen über ihre Nase und ihr Kinn zu ihren Lippen.
Stevie blickte auf seine Brust, dann aber begann sie, mit ihren Fingern zart die Züge seines markant männlichen Gesichts nachzufahren. Sie strich ihm über die Wangen, sein Kinn, das unter ihrer Berührung nachgab. Sie sah ihm in die Augen, wanderte seine Nase entlang und blieb an seinen Lippen hängen.
*****
Matt und Michael hatten den Wagen beinahe eingeholt. Immer wieder betätigte Michael die Lichthupe, um den Vordermann zum Stehen zu bewegen, aber dieser fuhr sturheil weiter. Er erhöhte das Tempo.
„Fahr hier rechts!“ befahl Matt.
„Aber der Typ fährt gerade aus,“ beklagte Michael sich.
„Fahr hier rechts, Mann!“ forderte Matt erneut. „Ich kenn mich hier aus!“
Michael riss das Steuer herum und polterte einen Feldweg entlang. Das Gestrüpp wurde immer dichter und dichter, bald schon schlugen Äste und Zweige von Büschen und herunterhängenden Bäumen auf die Windschutzscheibe ein. Michael jagte den Wagen über die unebene, nicht asphaltierte Strecke und trat nicht einmal vom Gas.
„Mann, fahr langsamer,“ rief Matt. „Das ist eine Abkürzung! Wir sind sowieso schneller als er.“
Michael hörte nicht auf Matt und jagte weiter über Wurzeln, Steine und Grasbüschel. Er schreckte einen Vogelschwarm auf, der sich soeben zur Nachtruhe begeben hatte und raste wie ein Irrer weiter.
„Mann, hör auf, du bringst uns noch um!“ schrie Matt.
Eine scharfe Linkskurve hatte Michael übersehen, das Auto kam ins schleudern und er lenkte gegen, so gut es ging. Keine Chance. Der Wagen überschlug sich zwei mal, kam aber zum Glück wieder auf den Rädern zu stehen. Michael lachte.
„Mann, das war cool!“ Er blickte hinüber zu Matt.
Matt saß oder vielmehr lag auf dem Beifahrersitz, hatte sich am Haltegriff oberhalb der Türe und an seinem Sitz festgekrallt, die Augen geschlossen und die Beine gegen das Armaturenbrett gestemmt.
„Hast du dich verletzt,“ fragte Michael ganz ruhig.
Matt begann, auf Michael einzuschlagen, erst mit der flachen Hand, dann mit den Fäusten.
„Du bist ja vollkommen irre, Mann! Du hättest uns umbringen können.“
Michael, der das Ganze eher amüsant als furchteinflößend fand, lachte ihn an und startete den Motor. Als das Auto wieder lief meinte er trocken: „Ist doch nichts passiert.“
Er fuhr an und sie kamen bald auf die Landstraße hinaus. In der Ferne sahen sie Lichter auf sich zu rasen.
„Das muss er sein,“ meinte Michael, kopfnickend in die Richtung aus der die Lichter kamen.
Matt hob die Plane und suchte nach einem Gewehr. Doch durch den Überschlag waren alle Gegenstände durcheinander geworfen worden, dass nichts mehr auffindbar war.
„Na toll, wir haben kein Gewehr und der Typ rast hier sicher einfach durch.“
„Glaub ich nicht,“ meinte Michael und schlüpfte aus seinem Sakko. Er riss seine Ärmel vom Hemd und zog Schuhe und Gürtel aus.
„Los, Mann, versteck den Wagen,“ befahl er dem verdutzten Matt. „Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass jeder hier im Busch sehr hilfsbereit ist.“
Matt stieg zweifelnd in den Wagen und fuhr ohne die Scheinwerfer aufzudrehen rückwärts zurück ins Gebüsch. Im Auto wartend sah er Michael zu, der sich auch noch seiner Hose entledigte und alles hinter einen Busch warf, dann beschmutzte er seine Füße, sein Gesicht und seinen Kopf mit Staub und Sand und begann, die Straße entlang zu humpeln. Immer wieder drehte er sich um, schaute, ob das Auto schon kam.
Michael musste nicht lange warten. Bald schon tauchte Stevie’s Holden auf. Nicht mehr lange und der Typ würde ihn entdecken. Und wirklich, das Fahrzeug verlangsamte sein Tempo und Michael begann zu winken und zu rufen. Er konnte förmlich spüren, wie der Dieb hinterm Steuer mit sich selbst kämpfte, ob er nun stehen bleiben sollte, oder nicht. Michael und Matt hofften beide, dass der Plan aufging.
Sie hatten Glück. Der Holden blieb stehen und der Typ stieg aus.
„Hey, Mann,“ rief der Dieb. „Was ist mit dir.“
Plötzlich startete Michael los, rannte auf den Dieb zu, riss ihn um und verpasste ihm drei Faustschläge ins Gesicht. Der Typ blieb bewusstlos liegen und Michael deutete Matt, her zu kommen. Matt tat wie ihm geheißen und fuhr das Auto wieder heraus.
„Los, hilf mir, wir packen ihn auf die Ladefläche,“ scherzte Michael. Die beiden halfen zusammen, verfrachteten den Dieb allerdings nicht auf die Ladefläche, sondern auf den Beifahrersitz des Holden. Michael stieg auf den Fahrersitz und folgte Matt, der den zweiten Wagen fuhr. So fuhren sie zurück nach Gungellan.
*****
Jodi und Regan hatten alle Portionen aufgegessen, und sich zum Nachtisch noch jeweils ein Stück Kuchen bestellt.
Jodi wog immer noch ab, welcher der beiden Jungs denn der Richtige für sie wäre, als Matt und Michael um die Kurve bogen. Sie waren bei der Polizei vorbeigefahren und hatten den Dieb dort abgeliefert. Nun fuhren sie auf den Parkplatz des Gungellan Hotels zu.
Matt stieg aus und umarmte Jodi. Sofort beklagte er sich, dass Michael wie ein Verrückter gefahren war.
Regan ging zu Stevie’s Holden, in dem Michael saß.
„Willst du nicht aussteigen? Und mit uns was essen?“
Michael schüttelte grinsend den Kopf. „Keine besonders gute Idee.“
„Komm schon,“ bat Regan und deutete auf Matt und Jodi, die sich hingesetzt hatten und für Matt gerade etwas zu Essen organisierten.
Michael zuckte die Schultern. „Okay.“
Er stieg aus und trug nur sein zerrissenes Hemd und Boxershorts. Er warf selbstbewusst die Autotüre zu und bot Regan seinen Arm an, damit sie sich einhängen konnte.
„Was ist denn mit dir passiert?“ fragte Regan mehr als erstaunt. „Haben sie dich ausgeraubt?“
Michael grinste verschmitzt und ging mit Regan zu den anderen beiden.
Matt schüttelte den Kopf, als Jodi lachend fragte: „Was ist denn mit Ihnen passiert?“
„Das hat er selbst gemacht,“ erzählte Matt. „Das war sein großartiger Trick, den Dieb aufzuhalten.“
„Wie man sieht, hat es funktioniert,“ meinte Michael und zeigte mit einer ausladenden Bewegung auf Stevie’s dunkelroten Wagen.
Die Bedienung war nicht minder erstaunt, als sie Michael am Tisch sitzen sah. Regan lachte und winkte ab. „Er hat eine gute Erklärung dafür, Pam.“
Pam grinste, nahm die Bestellung der Jungs auf und machte sich wieder auf den Weg in die Küche.
Michael hatte seinen Stuhl ganz nahe an Regan’s herangezogen und beugte sich zu ihr.
„Weißt du, das will ich schon die ganze Zeit machen,“ meinte er. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und gab der verdutzten Regan einen kleinen Kuss.
*****
Stevie und Alex hielten sich gegenseitig fest. Sie sahen sich in die Augen. Alles um sie herum war vergessen. Der geklaute Wagen, der Streit, alles war weg. Alex beugte sich hinunter zu Stevie, ihre Lippen berührten sich beinahe, da drückte sie ihn weg.
„Und du bist nachher auch wirklich noch da?“
Alex grinste, strich ihr sanft über die Wange.
„Ja, du träumst nicht.“
Stevie sah ihn voller Verlangen an. „Und du machst das nicht, um mich zu beschwichtigen?“
Alex schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“
Stevie hatte immer noch keine Gewissheit. „Und die Frau war wirklich nur Pharma - Vertreterin?“
Alex grummelte kurz, dann meinte er: „Ja, Stevie. Es geht mir nur um dich. Ich liebe dich!“
Stevie blickte kurz verlegen zu Boden, dann sah sie ihm in die Augen. Sein Blick verriet ihr, dass er die Wahrheit sagte. Sein Blick verriet ihr, dass er sich nach ihr verzehrte, sie genauso wollte, wie sie ihn. Sein Blick sagte ihr sogar, dass sie die Einzige für ihn war. Im Moment und vielleicht für immer. Beide gaben sich ihrem Verlangen hin. Ihre Lippen berührten sich, trafen sich zu einem schier unendlichen Kuss.
Stevie’s Kopf war leer, alles schien sich zu drehen. Sie hatte das Gefühl zu tanzen, zu schweben, loslassen zu können, sich ganz ihn ihrem Kuss zu verlieren, sich ihm ganz hinzugeben.
Alex küsste sie erst vorsichtig, sanft und zart, dann immer heftiger, gieriger und leidenschaftlicher, schlang seine Arme um sie, wollte sie nie wieder loslassen, nie wieder gehen lassen. Sie war sein! Für immer!
*****
Sehr früh am nächsten Morgen wurde Stevie von einem Motorengeräusch geweckt. Ein Farmer aus der Umgebung hatte den Wagen stehen sehen und hatte angehalten. Er rief nach den beiden. Stevie öffnete als erste die Augen. Sie lag in Alex starken Armen, unter einer Decke auf der Erde unter einem Baum. Sie blickte um sich, kniff sich in den Oberarm. Sie war wirklich hier. Mit ihm.
Der Farmer war ausgestiegen, und rief: „Ist jemand hier?!“
Stevie drehte sich zu Alex, der die Augen noch fest verschlossen hatte und tief atmete. Wie verletzlich und zugleich stark er aussah. Sie hätte ihm stundenlang zusehen können, aber sie musste ihn wecken. Vorsichtig rüttelte sie an seiner Schulter. Das nützte nichts. Sie rüttelte etwas kräftiger, da öffnete er die Augen.
Er lächelte. „Guten Morgen!“
Sie lächelte zurück. „Guten Morgen!“
Da rief der Farmer erneut. Stevie sah Alex weiterhin in die Augen. „Wir sind hier!“ rief sie laut.
Der Farmer kam zu ihnen gelaufen. Es war der neue Pächter von Kinsellas, Jim.
„Was ist mit dem Auto?“ fragte er.
Stevie und Alex erzählten kurz, was passiert war, und Jim bot ihnen an, sie nach Drover’s Run mit zu nehmen. Die beiden fuhren mit Jim zurück.
Auf Drover’s angekommen, fuhr Jim wieder ab, Stevie und Alex machten sich auf, in der Küche zu frühstücken. Bevor sie das Haus betraten, nahm Alex Stevie bei der Hand und ging mit ihr dann hinein. Erst in der Küche, als Stevie sich an den Tisch gesetzt hatte, ließ er ihre Hand wieder los. Er bot sich an, Frühstück für alle zu richten und begann zu werken.
Kurz darauf schlurfte eine verschlafene Regan in die Küche, dicht gefolgt von Michael, der anscheinend immer noch nicht mehr zum Anziehen gefunden hatte, als eine Boxershorts und ein T-Shirt.
„Guten Morgen,“ sagten alle zugleich, alle gleich verdutzt.
Jodi kam in die Küche, pfeifend und lächelnd, blieb stehen als sie die vier sah, schüttelte dann den Kopf und meinte: „Nein, ich will es gar nicht wissen.“
Regan ging zur Kaffeemaschine und schaltete diese ein, da merkte sie, dass eine Gestalt über den Hof lief. Ein dicklicher, großgewachsener Mann, graue Haare, die Hose und Schuhe in der Hand.
Regan sah genauer hin. „Hey, Leute, ist das nicht Phil Rakich?“
„Was?!“ Stevie stand auf, so schnell sie konnte. Alex unterstütze sie dabei.
Alle stürmten zum Fenster und Alex bestätigte Regan’s Verdacht. „Ja, das ist er.“
„Was macht der auf Drover’s?“ wollte Regan wissen.
Jodi schaute kritisch. „Das allerdings will ich auch wissen.“
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 11.05.2007, 13:37
Teil 10
Es verging viel Zeit bei dem Frühstück, die letzte Nacht machte allen immer noch etwas zu schaffen. Es war mittlerweile früher Mittag und die Arbeit musste heute etwas warten.
Nachdem alle fertig gefrühstückt hatten, verabschiedete Alex sich mit einem leichten Lächeln an Stevie gerichtet. Er war sich sicher, dass es Stevie etwas unangenehm seine würde, ihre Gefühle für ihn vor allen zu präsentieren, da es noch ziemlich frisch war. So beschloss er, dies erst einmal langsam anzugehen.
"Halt," rief Stevie förmlich und sprang vom Stuhl auf. Die merkwürdigen Blicke der anderen bemerkte sie nicht. Sie ging hinter Alex nach, der bereits zur Tür gegangen war.
"Bekomme ich gar keinen Abschiedskuss?" fragte sie ganz lässig, aber dennoch verführerisch, während sie schon dichter an ihn heran trat.
Kurz vor dem ersehnten Kuss kam Jodi hinzu.
"Hey, Stevie", Alex entzog sich Stevie sofort.
"Ich muss dann mal los", sagte er noch und verschwand aus der Tür.
"Habe ich bei etwas gestört?" wollte Jodi wissen.
Stevie starrte zur Tür und wusste nicht genau, was sie davon halten sollte.
"Erde an Stevie" sagte Jodi etwas forsch. "Ich wollte nur wissen, ob es okay ist, wenn ich jetzt die Ställe ausmisste. Ich würde das andere, was dann so anliegt morgen machen. Ich muss nachher noch dringend weg, außerdem scheint mir das Wetter heute nicht so schön".
"Ja, ja, mach du nur" sagte Stevie und ließ Jodi einfach stehen. Sie hinkte hinauf in ihr Zimmer, schnappte sich ihre Arbeitsklamotten. Sie zog sich schnell an und ging dann wieder hinunter in die Küche.
"Regan, ich brauch dich, kannst du dich beeilen?" sagte Stevie etwas launisch.
"Klar," sagte Regan erstaunt. "Ich zieh mich nur schnell um. Was liegt denn genau an?".
"Das sag ich dir dann. Wir müssen auf jeden Fall zum Fluss, wir nehmen aber den Wagen, mit dem kommen wir besser dort hin".
"Alles klar," sagte Regan nur und stürmte los in ihr Zimmer. Nach ein Paar Minuten stand sie startklar vor dem Haus, wo Stevie schon auf sie wartete.
"Es kann los gehen," sagte Regan voll guter Laune und stieg auf der Beifahrer Seite ein.
Stevie setzte sich auf die Fahrerseite und ließ den Wagen an.
"Also, was genau wollen wir am Fluss?" fragte Regan nach einer Weile.
“Die Wasseranlage prüfen. Es scheint mir so, als würde was nicht stimmen, außerdem ist es eh schon lange überfällig" meinte Stevie nur knapp.
Es dauerte eine Weile bis sie dort waren. Stevie parkte ihren Wagen direkt vor dem Fluss, sodass es ein leichtes war, gegebenen falls Teile zu transportieren.
Stevie stieg aus und machte sich gleich daran ihre Jacke auszuziehen, sie setze ihren Hut ab und krempelte sich die Ärmel ihres Pullis hoch.
"Hey, lass mich das doch machen, du solltest dein Bein wirklich noch nicht so belasten" sagte Regan fürsorglich.
"Ich schaff das schon" sagte Stevie, während sie sich an die Arbeit machte.
Regan bemerkte, das Stevie sehr angespannt zu sein schien, wollte aber lieber darauf verzichten, weitere Gespräche anzufangen.
„Der Schlauch hängt fest, ich krieg ihn nicht los,“ klagte Stevie. Ihre Stimme klang erschöpft, so sehr zerrte sie an dem Schlauch.
"Stevie, ich würde lieber aufpassen, das kann ins Auge gehen", sagte Regan und lief etwas dichter an den Fluss.
"Hilf mir lieber, anstatt da herum zu stehen" forderte Stevie.
Regan hob die Hände. "Alles klar, alles klar," sagte sie nun etwas gereizt. "Es ist ja nicht so, dass ich dir nicht angeboten hätte zu helfen, aber das wollte Stevie ja nicht. Aber klar, ich mach das doch gerne", laberte Regan drauf los.
Stevie wollte nicht recht hören und zog weiter und weiter. Ihr Gleichgewicht konnte sie nicht mehr richtig halten, sie schwankte und gab komische Laute von sich.
Bevor Regan noch rechtzeitig handeln konnte, lag Stevie auch schon im See. Regan die ihren Arm immer noch ausgestreckt hielt um Stevie helfen zu wollen, fing auf einmal laut an zu lachen.
Stevie fand das ganze weniger amüsant. Ihr Ausdruck verriet alles.
"Es.....es tut mir leid, sagte Regan lachend, aber du hättest dich sehen sollen, das war...“ Vor lauter Lachen sprach sie nicht weiter.
"Ja, alles klar." Stevie versuchte aufzustehen, was nicht sehr leicht war, da der Boden sehr seicht war.
Sie kletterte die kleine Anhöhe vom See aus nach oben.
"Komm her, ich helf dir", sagte Regan mit einem offensichtlichen Grinsen im Gesicht und reichte ihr die Hand.
"Na toll, sieh mich an, ich bin klitschnass".
"Ja, aber so kannst du sicher nicht weiter arbeiten. Wir müssen erst mal nach Drover’s und du musst dich umziehen", sagte Regan bestimmend.
"Nein, das geht schon", wollte sich Stevie weigern.
"Stevie, hör zu. Überwinde mal deinen Stolz ein bisschen, wir fahren. Also los, beweg deinen Hintern".
Stevie stöhnte kurz auf, folgte Regan dann aber.
"Wo willst du denn hin?" fragte Regan, die sich auf den Fahrersitz setzen wollte. "Ich fahre, also rüber mit dir," meinte sie nur zu Stevie und wollte den Wagen anlassen.
Der Wagen machte unbekannte laute Geräusche. "Oh Mann, was ist das denn?" wollte Regan wissen.
Stevie lief wieder um den Wagen, rüber zu Regans Seite.
"Was hast du angestellt"? meckerte Stevie etwas.
"Hey, gar nichts. Wie man einen Wagen anlässt weiß ich wohl noch".
Stevie stemmte ihre Arme in die Hüften. "Los, komm raus da".
Regan stieg sofort aus. "Na mal sehen, ob du das besser hinbekommst", murmelte Regan in sich hinein.
Stevie ließ den Wagen an, aber auch bei ihr machte er ohrenbetäubende Geräusche und ging nicht an.
Stevie stieg aus und sah Regan einen Moment grimmig an.
"Na, toll. Kann es heute noch schlimmer werden?" Sie lief ein Stück und sah sich den Wagen von außen an.
"So ein scheiß Ding." Voller Wut trat sie gegen den Reifen, was sie danach sichtlich bereute.
"Au", schrie sie auf und humpelte zum Kofferraum. "Das darf doch alles nicht war sein".
"Hör zu, Stevie, es bringt jetzt gar nichts sich hier so aufzuregen. Wir rufen jetzt jemanden an und dann ist alles gar kein Problem mehr".
"Na schön", meinte Stevie und sah Regan an.
Regan aber wartete anscheinend darauf, dass Stevie das Telefon zur Hand nahm.
"Und?" fragte Stevie dann. "Willst du heute noch anrufen?"
"Ich dachte, du hast das Telefon", meinte Regan.
"Oh Mann", Stevie warf die Hände in die Luft. "Ich glaub es ehrlich nicht. Das hatte ich letzte Nacht schon einmal. Anscheinend bin ich vom Pech verfolgt".
"Okay, also dann, ... dann laufe ich zur nächsten Straße und versuche jemanden aufzutreiben, denn du kannst nicht laufen", betonte Regan schon, bevor Stevie sich weigern konnte.
"Das einzige was ich weiß ist, in Zukunft gehe ich nicht mehr ohne Telefon außer Haus".
Regan musste bei Stevies Kommentar etwas Grinsen.
"Also, ich gehe dann jetzt. Ich versuche ein Telefon aufzutreiben und dann kommt schnell jemand her und der Wagen kann in die Werkstatt. Ich will eh mal wissen was mit dem ist. Vielleicht das Getriebe", meinte Regan und lief schon mal los.
Stevie setzte sich in den geöffneten Kofferraum und wartete geduldig.
*****
Alex war schon seit geraumer Zeit dabei, die Zäune an der Grenze zwischen Killarney und Drovers zu reparieren. Es war ein Abkommen zwischen ihm und Stevie gewesen, dass er es diesmal tun würde und daran hielt er sich auch.
Er werkelte noch ungefähr eine halbe Stunde, dann war es erledigt.
Er packte seinen Kram wieder zusammen und belud den Wagen damit, als er jemanden auf der Drovers Weide stehen sah.
"Hey", rief Alex rüber.
Doch der etwas kleiner gewachsene Kerl, der aussah als hätte er sich verlaufen, rannte sofort los. Alex staunte nicht schlecht, aber lief dem Mann hinterher.
Er ließ Wagen und alles zurück und folgte dem Mann Richtung Büsche.
"Hey, warten Sie doch mal" rief Alex mehrmals, aber der Kerl war nicht zu bremsen, er rannte weiter, und Alex hinterher.
Nach einer Weile blieb Alex stehen.
"Na toll!" Er war leicht erschöpft und konnte den Kerl nicht mehr sehen. Er setze sich erst mal auf einen etwas groß geratenen Stein und wartete ab.
*****
Jodi, die schon seit längerem mit den Ställen fertig war, ging ins Haus um zu duschen. Sie lief noch schnell in ihr Zimmer und suchte frische Sachen zusammen.
Da sie noch mit Matt verabredet war, um endlich das klärende Gespräch zu führen, wollte sie sich vorher noch frisch machen.
Sie brauchte keine halbe Stunde und stand frisch geduscht und gestylt unten, als ihr Moira über den Weg lief.
"Hey, dich habe ich ja heute noch gar nicht gesehen," meinte Jodi.
"Ach ja, weißt du, ich hatte eine Menge zu tun". Moira blickte nach unten.
"Alles klar", meinte Jodi nur. "Ich gehe jetzt mal. Ich bin verabredet", sie musste etwas lächeln.
"Ach so? Mit Matt nehme ich an?"
"Richtig, aber nicht was du denkst. Wir wollen nur reden", sagte Jodi etwas abwesend.
"Na dann mal viel Glück", meinte Moira und wartete noch bis Jodi aus dem Haus war.
Jodi lief direkt zu ihrem Wagen, als sie in der Scheune Licht brennen sah.
Sie zögerte einen Moment, dann lief sie langsam zur Scheune rüber. Sie blieb einen Moment vor der Tür stehen und lauschte, aber hörte nichts.
"Kate? Bist du hier?“ Ohne auf eine Antwort zu warten öffnete sie die Tür und trat hinein. Sie traute ihren Augen nicht, sie ließ einen kurzen schrillen Schrei los und drehte sich reflexartig wieder um.
"Was..... was machen Sie denn hier?"
Phil Rakich war sichtlich peinlich berührt.
"Jodi? Du bist noch hier?" fragte Moira auf einmal, die gerade dabei war zur Scheune zu laufen.
"Oh...... mein...... Gott.....", sagte Jodi, offensichtlich verlegen und geschockt gleichzeitig.
Sie lief sofort zu ihrem Wagen zurück, stieg ein und fuhr los.
"Du hättest dir ja wenigstens so lange was anziehen können", sagte Moira nur noch zu Phil, als sie in die Scheune trat und die Tür schloss.
*****
Regan, die bereits seit über 2 Stunden versuchte, jemanden ausfindig zu machen, war fast am durchdrehen. Keine Menschenseele war zu sehen, sie war erschöpft und hatte keine Lust mehr, sie war fast am aufgeben und wollte schon zurück marschieren, als ihr auf einmal ein Wagen entgegen fuhr. Sie handelte sofort und stellte sich mitten auf die Fahrbahn, um den Wagen zu stoppen. Der Wagen hielt sofort.
Als Regan erzählen wollte, was passiert war und um Hilfe bitten wollte, sah sie, wer am Steuer saß.
"Michael? Was machst du denn hier? Ich dachte du wolltest heute in die Stadt und kommst erst morgen wieder?"
Michael sah nicht sehr gut aus. Er wirkte niedergeschlagen, hatte Augenringe und die Kleidung sah aus als hätte er sie fünf Tage getragen. So hatte ihn Regan nicht in Erinnerung als er Drovers am Mittag verließ.
"Ja, war ich auch," sagte er mit etwas rauchiger Stimme.
"Alles okay?" hakte Regan nach.
"Nicht wirklich", er redete nicht weiter.
Regan hatte einen Mann noch nie zuvor so gesehen, er wirkte abwesend, total neben sich und anscheinend wollte er nicht weiter darauf eingehen.
Sie stieg in den Wagen und sah ihn einen Moment lang an.
"Was ist passiert?" fragte sie mitfühlend.
"Ich, ich weiß es nicht," antwortete er.
"Wo wolltest du denn gerade hin?" fragte sie mit Nachdruck.
Er sah sie einen Moment lang an. "Zu dir," sagte er leise.
Sie zögerte nicht lange und nahm ihn in den Arm. Sie versuchte ihn, ohne zu wissen was geschehen war, zu tröste. Und sie hatte das Gefühl, in dem Moment einfach nur für ihn da zu sein, brachte ihm mehr, als tausend Worte.
*****
Stevie lief hin und her, sie starrte auf die Uhr. Langsam wurde es schon schummrig. Es war mittlerweile fünf Uhr und sie hatte keine Lust mehr zu warten. Zudem war ihr sehr kalt. Sie hatte immer noch die feuchten Sachen an, die bei dem Wetter heute nur langsam trockneten.
Da sie nicht weit kommen würde, beschloss sie, sich in den Wagen zu setzen. Sie machte die Türen zu, kurbelte den Beifahrersitz, in den sie sich setzte, etwas nach hinten, und schaltete das Radio ein.
Sie war sehr ausgelaugt, wütend, war hungrig und ihr war kalt. Das war kein guter Tag für sie, zudem war sie müde. Die letzte Nacht war zwar sehr schön, aber dennoch anstrengend gewesen. Es dauerte nicht lange und Stevie schloss ihre Augen.
*****
Alex war nach einer Weile des Wartens und der sehr merkwürdigen Begegnung mit diesem Kerl, zurück zu seinen Wagen gelaufen und wieder nach Killarney gefahren.
Killarney schien ausgestorben zu sein, keiner war zu sehen, aber das war ihm sehr recht. Er wollte nur noch seine Ruhe haben und sprang erst einmal unter die Dusche.
Die ganze Zeit musste er pausenlos an Stevie denken, was sie wohl gerade tat, was sie an hatte, wie es ihr ging. Er vermisste sie schrecklich.
Er überlegte nicht lange und es war klar, er musste sie sehen. Also zog er sich nach dem Duschen rasch an und machte sich auf den Weg nach Drovers.
*****
Regan und Michael kamen nach ca. einer halben Stunde auf Drovers an. Sie war sehr fassungslos. Sie wusste nicht recht was sie sagen oder tun sollte. Michael so zu sehen war schrecklich, aber sie hatte keinerlei Anhaltspunkte.
Sie stieg aus und lief rüber zur Beifahrerseite, wo Michael saß. Die Führung des Wagens hatte sie, nach Michaels völliger Abwesenheit, lieber übernommen.
"Komm, wir gehen erst mal hinein." Sie ging mit ihm Richtung Haus und direkt in die Küche.
Drinnen setze Regan einen Kaffee auf. Da keiner hier zu sein schien, war dies eine gute Umgebung, um mit Michael zu reden.
Sie ging dies aber langsam an, sie wollte ihn nicht unter Druck setzen und ihn erst zur Ruhe kommen lassen.
Sie wartete bis der Kaffee fertig war und goss ihm und sich jeweils eine große Tasse ein.
"Hey, Cowgirl?" hörte Regan Alex sagen, der auch schon in der Tür stand.
"Was machst du denn hier"? wollte Regan wissen.
"Ich will zu Stevie. Ist sie oben?"
"Stevie ist, nein, sie ist, oh Mann" schrie Regan auf. "Ich hab sie am Fluss vergessen".
"Wie bitte?" fragte Alex geschockt, "Was macht sie denn am Fluss"?
„Das Auto ist nicht mehr angesprungen und Stevie ist in den Fluss gefallen und ich wollte Hilfe holen, aber dann habe ich Michael getroffen und, oh Mann. Ich hab sie einfach vergessen, sie wird mich umbringen" Regan fasste sich an den Kopf.
"Regan? Wo genau ist sie?" Er war sichtlich wütend und besorgt.
"Am Fluss zur Grenze zwischen Killarney und Drovers, aber weiter unten am Fluss".
"Super und da draußen läuft vielleicht ein Irrer rum." Alex war fassungslos.
Regan schaute einen Moment geschockt, vor Sorge um Stevie.
"Ich brauche Anziehsachen für sie, eine Decke, was zu Trinken und was zu Essen. Pack was zusammen", sagte Alex zu Regan.
"Alles klar", Regan lief los und suchte alle Sachen zusammen.
Fünf Minuten später machte sich Alex auf den Weg.
*****
Stevie wurde durch ein Klopfen an der Fensterscheibe geweckt. Ein ihr unbekannter Mann stand vor ihr. Er sah merkwürdig, unheimlich aus. Sie kurbelte das Fenster noch sehr verschlafen etwas hinunter.
"Guten Abend", sagte der Mann. "Ich fürchte ich habe mich verirrt, können Sie mir sagen wie ich nach Drovers Run komme?"
Stevie sah den Mann einen Moment lang an. "Mh..... was wollen Sie denn auf Drovers, suchen sie jemand bestimmten?"
"Ja, in der Tat," sprach der Mann weiter. "Aber das ist persönlich. Können Sie mir nun helfen?"
Stevie stieg aus dem Wagen.
"Sie müssen dort entlang." Sie zeigte dem Mann die Richtung. "Das dauert aber eine Weile, das ist ganz schön weit weg", sagte sie.
"Das macht gar nichts, ich hab in der Nähe einen Wagen stehen."
Stevie schaute skeptisch. Der Mann war ihr etwas suspekt und machte ihr Angst.
"Na, also wie gesagt, da lang müssen Sie," sagte sie und wollte wieder in ihren Wagen steigen.
"Moment, Sie sagten Sie haben einen Wagen?“
"Könnten Sie mich vielleicht mitnehmen, denn ich wohne auf Drovers, aber mein Wagen springt nicht mehr an.“
Der Mann sah sie einen Moment an. "Wie heißen Sie?" wollte er wissen.
Auf eine seltsame Art bohrte er nach und verlangte, ihren Namen zu erfahren.
"Ist das wichtig?" wollte Stevie wissen.
"Vielleicht, ja."
"Stevie heiße ich," sagte sie ohne weiter darüber nachzudenken.
"Stevie? So, so." Er dachte kurz nach. "Ja, natürlich können Sie mitfahren. Folgen Sie mir".
Stevie kurbelte das Fenster hoch, schloss alle Türen des Wagens und ging hinter dem Mann her.
Mittlerweile war es schon später Abend und es war schon sehr dunkel, aber das einzige was sie wollte, war, Nachhause zu kommen und es war ihr egal wie. Hauptsache sie kam Nachhause.
Stevie und der Mann liefen immer weiter, als sie auf einmal Scheinwerfer aufblinken sahen. Ein Wagen hielt genau vor ihnen.
"Alex?" rief sie mehr als erfreut und rannte zu ihm, als sie ihn sah. Er stieg sofort aus und lief ihr entgegen.
Stevie nahm ihn stürmisch in die Arme. Sie war so froh ihn zu sehen.
„Bist du okay?" er nahm ihren Kopf sanft zwischen seine Hände und betrachtete sie einen Moment.
"Es geht mir soweit gut. Außer, dass mir kalt ist, ich einen Bären Hunger habe, fast ausgetrocknet bin vor Durst und ich ein komisches Gefühl im Magen habe, ist alles super." Sie strahlte ihn liebevoll an und nahm ihn erneut in die Arme, sie war so glücklich ihn zu sehen.
"Ich hab mir echt Sorgen gemacht, als ich nach Drovers kam und Regan mir davon erzählte.
"Na, die kann sich sowieso was anhören. Was war ihr Problem? Wenn sie mich satt hat muss sie das nur sagen".
Alex musste leicht schmunzeln.
"Nein, das war etwas komplizierter. Hör sie erst mal an".
Stevie drehte sich einen Moment um, um dem Mann zu sagen, dass es sich erledigt hatte, doch dieser war nicht mehr zu sehen.
"Wo ist er hin?" fragte sie mehr sich selbst.
"Wer denn?" wollte Alex wissen.
"So ein Typ war hier und hat den Weg nach Drovers gesucht. Er war merkwürdig."
"Hat er dir was getan?" wollte Alex sofort wissen.
"Nein, mir geht es gut" antwortete sie glücklich, sie lehnte sich gegen seine Brust.
Alex starrte noch einen Moment in die dunkle Weite und vergewisserte sich, das der Typ weg war.
"Komm erst mal mit" sagte er dann. Er legte den Arm um sie und führte sie zum Wagen.
Er nahm die Decke heraus und legte sie ihr um.
Dann nahm er einen Becher und goss ihr einen heißen Kaffe ein, dazu gab er ihr noch eine Flasche Wasser.
Sie lächelte ihn an. "Du hast echt an alles gedacht. Das ist so süß".
Er grinste sie einen Moment an, dann streichelte er ihr vorsichtig über die Wangen und gab ihr einen langen, sanften Kuss.
Stevie fühlte sich wohl, diese Berührungen, seine Lippen auf ihren, seine starken Arme, das hatte sie so sehr vermisst.
"Alex?" sagte sie dann auf einmal. "Ich wollte dich noch was fragen".
Während er ihr nun das Essen reichte, hörte er aufmerksam zu.
"Heute Morgen, oder besser gesagt, heute Mittag, hatte ich das Gefühl, das etwas nicht stimmen würde. Du weißt schon, es schien so, als wolltest du mich nicht..." Sie machte eine kurze Pause. „Also, Jodi kam und dann bist du einfach so gegangen, das war komisch.“
Alex sah sie fragend an.
"Denkst du etwa, das hatte mit dir zu tun? Das ich dich nicht küssen wollte?"
Er ging einen Schritt auf sie zu.
"Natürlich ist das nicht so. Ich dachte nur es wäre anfangs vielleicht besser, nicht gleich was zu sagen, bevor wir selbst noch nicht wirklich über alles gesprochen haben. Ich dachte, das wäre dir auch lieber so."
Er atmete einmal schwer durch, dann lächelte er wieder.
"Stevie! Niemals würde mich jemand daran hindern können, dich vor allen zu küssen. Ich würde es am liebsten der ganzen Welt sagen, dass du und ich..." Er gab ihr noch einen Kuss um seine Aussage zu verstärken.
Stevie strahlte über das ganze Gesicht. Sie liebte ihn wirklich und je mehr er redete, umso mehr wurde ihr das bewusst.
Sie stellte ihre Tasse ab, was das einzige war, was sie nun noch in der Hand hielt. Sie legte ihre Arme um seinen Hals und fing an, ihn erst sanft zu küssen. Ihr war immer noch sehr kalt und sie zitterte etwas, aber Alex Nähe war alles, was sie jetzt wollte.
Er erwiderte den Kuss sanft. Dann ließ er kurz von ihr ab.
"Ich denke, du solltest die nassen Sachen ausziehen," sagte er leise.
Sie sah ihn nur an, in seinen blauen Augen schien sie sich zu verlieren.
Stevie ließ die Decke fallen.
Alex zog sie näher an sich heran, er führte seine Hand langsam zu ihrem Pullover, er umfasste ihn mit beiden Händen und streifte ihn ihr sanft über den Kopf.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 19.05.2007, 20:02
TEIL 11
Stevie und Alex standen ganz dicht aneinander. Er zog ihr den Pullover über den Kopf. Heftig atmend hielt Stevie sich ganz nah bei ihm. Es war fast so, als könnte sie seinen Herzschlag hören. Sie nahm ihre Arme wieder herunter und sah ihn an.
„Alex,“ flüsterte sie und versuchte ein Lächeln.
Er blickte zu ihr hinunter. „Ist schon okay,“ beruhigte er sie. Er küsst sie erst zärtlich, dann immer leidenschaftlicher. Er umschlang sie mit seinen Armen und drückte sie sanft gegen das Auto. Stevie hielt inne und drückte ihn von sich weg.
„Alex, doch nicht... hier,“ sagte sie verwirrt und blickte sich um.
Alex ging einen Schritt zurück, gab ihr Raum.
Stevie sah ihn an. Wie unwiderstehlich er aussah. So groß und mächtig wie er vor ihr stand. Diese muskulösen Arme, dieses alte Flanellhemd, das er sicher schon zehn Jahre besaß, das sie an ihm aber besonders liebte, sein Hut, sein leicht geneigter Kopf und die darin ruhenden, stahlblauen Augen, die sie zärtlich und liebevoll ansahen.
Sie konnte nicht anders, machte einen schnellen Schritt auf ihn zu, presste ihre Lippen auf die Seinen und umarmte ihn. Er nahm das Angebot gerne an. Schnell war eine Decke ausgebreitet auf der sie sich nieder ließen. Wild küssend entledigten sie sich ihrer Kleider, gaben sich ganz der Leidenschaft hin.
Eng umschlungen wickelten sie sich danach in die Decke ein. Stevie begann zu kichern.
„Was ist los?“ fragte er sie grinsend.
„Na, schau dich mal um.“ Sie zog einen Arm unter der Decke hervor und deutete um sich.
Alex hob den Kopf und blickte sich um. Es war zwar immer noch stockdunkle Nacht, aber es war deutlich erkennbar, dass ihre Klamotten in einem Umkreis von 5 Metern verstreut lagen.
Er zuckte die Schultern. „Was soll ich sagen. Du hattest es eben sehr eilig.“
„Alex!“ schimpfte sie liebevoll und schlug ihm mit der Hand auf die Brust. Dann rückte sie noch ein Stückchen näher an ihn heran und gab ihm einen Kuss.
Alex sah sie an. Ihre wilden Locken tanzten um ihre nackten Schultern, ihre haselnussbraunen Augen blickten ihm voll Vertrauen entgegen. Ihre schmalen, roten Lippen formten sich zu einem Grinsen.
„Jetzt möchte ich gerne die Zeit anhalten,“ flüsterte er, beugte sich zu ihr und küsste sie.
Am nächsten Morgen wachte Alex auf. Irgendetwas summte. Bevor er die Augen öffnete, fuchtelte er mit der Hand vor dem Gesicht herum, um etwaige lästige Fliegen abzuwehren, aber das summen hörte nicht auf. Er schlug die Augen auf.
Verwirrt blickte er sich um, hatte im ersten Moment vergessen, weshalb er in eine Wolldecke gewickelt auf der Erde lag. Dann aber sah er Stevie, die ihm den Rücken zugewandt hatte und tief und fest schlief. Gierig sog er ihren Duft in sich auf, verbarg seine Nase in ihren Locken. Er musste sie gekitzelt haben, denn sie bewegte sich.
„Guten Morgen,“ flüsterte er ihr grinsend ins Ohr.
Stevie drehte sich um und lächelte ihn mit geschlossenen Augen an.
Er gab ihr einen Kuss. „Wir sollten uns wieder anziehen.“
Anstatt die Augen aufzumachen und zu antworten, schüttelte sie nur den Kopf und umarmte Alex. Er küsste sie noch einmal. Dann aber drängte er sie, aufzustehen. Sie murrte zwar, aber dann begannen sie gemeinsam, ihre Kleider aufzusammeln und sich wieder anzuziehen.
Gerade noch rechtzeitig. Stevie zog gerade ihr AC/DC Shirt über den Kopf, als eine Mähmaschine den Hügel herauf fuhr. Stevie drehte sich zu Alex um.
„Siehst du,“ zischte sie.
„Was?“ er grinste sie an. „Wir sind ja schon angezogen.“
Sie schlug ihm leicht auf die Brust, dann wartete sie, bis er neben ihr stand. Er legte den linken Arm um ihre Schultern und sie lehnte ihren Kopf gegen seine starke Brust. Die Mähmaschine hielt knapp vor ihnen an und Skinny Jim stieg aus.
Alex grüßte ihn kopfnickend. „Na? Alles klar?“
„Alex Ryan,“ fragte Jim, der ihn erst jetzt erkannte. „Was machst du hier?“
„Ahm...“ Alex kratzte sich am Hinterkopf, rückte sich den Hut zurecht und schaute auf Stevie. „Unser Wagen ist eingegangen. Wir brauchen Starthilfe.“
Jim sprang von seiner Maschine und schüttelte Alex und Stevie die Hand. „Starthilfe? Ich funke schnell zu Drew, der soll mit dem Wagen kommen. Das klappt schon.“
Alex schob die Unterlippe nach vorn. „Vielen Dank, Jim. Ich schulde dir ein Bier.“
„Keine Ursache.“ Jim tippte sich an den Hut, verschwand wieder im Führerhaus seiner Mähmaschine und während er wegfuhr sah Stevie, wie er über Funk Drew rief.
Alex drehte sich zu Stevie. „Drew also,“ meinte er lakonisch.
Stevie biss die Zähne zusammen. Das war ja wieder mal typisch! Sie saß in der Klemme und der Helfende war der Typ, durch den sie Alex beinahe verloren hatte, weil sie ihn im ungünstigsten Moment geküsst hatte. Sie sah Alex nicht an.
„Was?“ fragte dieser.
Sie schüttelte den Kopf. „Gar nichts.“
„Komm schon, Stevie. Was ist los?“
Stevie gähnte und hielt sich die Hand vor den Mund. „Ich bin müde.“
*****
Auf Drover’s war es schon längst nicht mehr ruhig. Jodi, die schon einige Stunden wach war, scheuchte eine immermüde Tayler über den Hof und „schulte“ sie. Tayler lief brav hinter Jodi her, konnte sich von dem Geplapper allerdings nicht wirklich etwas merken.
Sie waren gerade dabei, Heuballen auf die Ladefläche zu laden, als Regan zu ihnen stieß.
„Na?“ fragte Jodi. „Lange Nacht?“
Regan schüttelten den Kopf. „Frag nicht.“
„Du warst gestern mit Michael unterwegs, oder?“ gähnte Tayler gelangweilt.
Als Regan nicht antwortete schaute Jodi auf. Regan sah nicht glücklich aus. Jodi hielt inne.
„Regan, was ist los?“
Regan zog die Augenbrauen hoch. „Tja, wenn ich das wüsste.“ Sie schüttelte erneut den Kopf.
„Hey, Tayler, kannst du bitte eine Schubkarre aus dem Unterstand holen?“ bat Jodi. Als Tayler weg war, drehte Jodi sich zu Regan.
„Was ist denn bitte los?“
„Ich weiß es nicht. Ich hab Michael gestern Nachmittag aufgelesen. Er war total fertig. Ich hab ihn mit hierher genommen.“ Sie verstummte.
„Und? Hat er was gesagt?“
Regan schüttelte schon wieder den Kopf. „Nein. Gar nichts. Er hat mir nur gesagt, dass er aus der Stadt kommt und, dass er zu mir wollte. Ich bin fast den ganzen Abend mit ihm in der Küche gesessen. Kein Wort. Wenn ich ihn etwas gefragt habe, hat er nichts gesagt. Und nur Witze gemacht.“
„Ich kenn den jetzt nicht so gut, aber hat er irgendwie verstört gewirkt, oder einfach nur total ausgelaugt?“ fragte Jodi.
„Nein, ganz komisch war er. Und verwirrt. Ich hab ihn dann in sein Zimmer gebracht, und bin noch eine Weile bei ihm geblieben. Und ich hab ihm halt gesagt...“
„Hast du ihm gesagt, dass er zu dir kommen kann, wenn er reden will?“ unterbrach Jodi.
Regan lachte kurz auf. „Wollte ich dir gerade sagen. Ich bin dann raus und hab ihm halt gesagt, dass ich da bin, wenn er reden möchte.“
Tayler kam mit der Schubkarre zurück und lehnte sich gegen ein Gatter.
Jodi grinste, dann meinte sie: „Das ist doch die falsche Schubkarre, Tayler. Bringst du mir doch lieber die mit dem breiteren Rad?“
Tayler schnaufte, aber verschwand wieder zu den Unterständen.
„Warum schickst du die Arme so hin und her?“ fragte Regan schmunzelnd.
Jodi grinste: „Die ist gestern um halb drei von Patrick hier abgesetzt worden. Ich will sie nur ein bisschen ärgern.“
„Du bist gemein,“ sagte Regan lachend.
Die beiden verluden noch mehr Heuballen und schickten Tayler noch dreimal mit dem gebrachten Gegenstand zurück um etwas neues zu holen. Schließlich waren sie mit dem Verladen fertig und fuhren zu dritt auf die Weiden, die Ballen abzuladen.
Jodi erkannte den Motorradfahrer sofort, der wie ein Wahnsinniger über die Weiden geschossen kam. Regan nahm den Hut ab.
„Ist das Matt?“ fragte Regan.
Jodi sprang vom Wagen.
„Ja,“ rief sie und deutete Regan und Tayler, dass sie weiter fahren sollten.
Matt hielt sein Motorrad vor Jodi und nahm den Helm ab.
„Matt,“ grinste sie. „Was machst du denn hier?“
Matt blieb ernst. „Jodi, ich denke, wir sollten reden.“
Da er wirklich ernst klang, hörte Jodi auf zu grinsen. Matt stieg vom Motorrad und ging mit ihr ein Stück. Im Schatten eines Baumes setzten sie sich nebeneinander hin.
„Also, was möchtest du besprechen?“ fragte Jodi ungeduldig.
Matt spielte mit seinen Fingern.
„Jodi, ich möchte ganz ehrlich zu dir sein,“ begann er.
Sie sah ihn gespannt an.
„Ich bin hierher zurück gekommen, weil ich mir nicht sicher war. Nicht sicher, ob du...“ Er brach ab und atmete tief durch.
Jodi blickte ihn erwartungsvoll an.
„Ich fang noch mal an,“ meinte er grinsend. „Jodi, ich weiß wir hatten ein paar Momente... Bevor ich weg musste. Ich weiß nicht, ob sie dir etwas bedeutet haben, aber mir haben sie das... Ich meine, ich weiß nicht, ob du auch das für mich empfunden hast, was ich für dich...“ Er stockte und sah sie an. Er kniff ein Auge zusammen und schmunzelte.
„Ich plappere unzusammenhängend, oder?“
Jodi nickte grinsend. „Egal, mach weiter!“
Matt lächelte zurück. „Weißt du, ich habe viel an dich denken müssen, während ich weg war. Fast die ganze Zeit. Ich habe...“ Er hält noch mal kurz inne.
„Ich liebe dich, Jodi! Ich liebe dich schon so lange und ich will mit dir zusammen sein! Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. Immer!“
Er beugte sich zu ihr und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. Jodi zuckte perplex zurück.
„Was?“ fragte Matt unsicher. „Hab ich etwas falsch gemacht?“
Jodi schüttelte entgeistert den Kopf.
„Du nicht, aber ich,“ sagte sie hastig und stand auf. Hektisch klopfte sie ihre Kleidung ab und ging davon.
Matt stand auf und lief ihr nach.
„Jodi! Warte mal!“ rief er.
Sie aber stapfte weiter.
„Jodi!“ rief Matt erneut. „Bitte, bleib stehen!“
Er hatte sie erreicht und wollte sie am Arm packen. Sie entzog sich seinem Griff und wirbelte zu ihm herum.
„Warum hast du das getan? Wieso tauchst du gerade jetzt auf?“ fragte sie anklagend.
„Ich... Jodi... ich...“ stotterte er.
„Ich habe doch...“ Der Rest ihres Satzes verschwand in den weiten ihres Pulloverärmels, den sie sich vor den Mund hielt.
„Wie bitte?“ fragte Matt nach.
„Es ist wegen Riley!“ brachte sie hervor. „Er und ich, wir sind... wir haben... Ich habe ihn geküsst!“
Sie ließ den verdatterten Matt auf der Weide stehen, schnappte sich sein Motorrad und fuhr davon.
*****
Als Regan zurück nach Drover’s kam, wartete Michael auf einem Strohballen sitzend in der Auffahrt. Er drehte ein Stück Stroh zwischen den Fingern und sah zu Boden. Regan parkte den Wagen und schickte Tayler ins Haus, um Tee aufzustellen. Sie ging langsam zu Michael hinüber. Sie hatten sich heute noch nicht gesehen.
Er blickte auf, als sie näher kam und versuchte zu lächeln. „Hey.“
Regan nickte ihm zu und nahm ihren Hut ab. „Hey du. Na, wie geht’s dir heute?“
Michael nickte und drehte weiter das Stück Stroh.
„Okay,“ sagte Regan und wollte gerade ins Haus gehen, da stand Michael auf und hielt sie am Arm zurück.
„Warte. Ich...“ er zögerte. „Ich wollte mit dir... du weißt schon...“ Er machte eine lange Pause, dann rang er sich zu einem „... reden!“ durch.
Regan drehte sich wieder zu ihm um. Er zögerte immer noch.
Er deutete auf die Auffahrt. „Können wir... ein Stückchen...“
„... gehen?“ vervollständigte Regan seinen Satz.
Er nickte und sie schlenderten die Auffahrt hinunter. Michael sagte immer noch kein Wort. Regan schüttelte den Kopf, ging aber geduldig neben ihm her.
„Ich liebe Sonnenuntergänge,“ begann er. „Ich könnte sie mir jeden Abend ansehen.“
Er ging neben ihr her. Er hatte das Stück Stroh mitgenommen und drehte es zwischen seinen Fingern.
„Ich...“ er schaute zu Boden und ging weiter. Regan verdrehte die Augen, spazierte aber geduldig mit. Michael blieb stehen.
„Ich habe eine Tochter. Lily, sie ist 4,“ sagte er endlich.
Regan sah ihn an und nickte. Sie sagte lieber nichts, bevor er es falsch verstand und wieder dicht machte.
„Sie lebt bei ihrer Mutter. Janis ist meine Ex-Frau.“ Er schlenderte wieder eine Weile schweigend neben ihr her. Sie waren beim Tor angekommen und bogen hinaus auf die Landstraße. Regan ging geduldig neben ihm her.
„Sie heißt Lily,“ sagte er nach einer Weile.
„Ja, ich weiß. Das hast du schon erzählt,“ sagte Regan beruhigend.
Michael sah sie an. „Hab ich das?“
Regan nickte.
„Ihre Mutter hat den Sorgerechtsstreit gewonnen. Vor zwei Jahren.“ Er machte eine kurze Pause, dann erzählte er weiter: „Ich sehe sie alle zwei Wochenenden. Samstag und Sonntag. Die beiden leben in der Stadt.“
Sie gingen still nebeneinander her.
„Und dieses Wochenende hast du sie besucht?“ fragte Regan vorsichtig.
Michael nickte und sah zu Boden.
„Aber es ist nicht so verlaufen, wie du es erwartet hast,“ sagte sie ruhig.
Michael schüttelte den Kopf und blickte weiterhin stur zu Boden. „Nein, ist es nicht.“
Irgendwann blieb Michael abrupt stehen. „Sie hatte nur Grippe,“ sagte er mit einem verzweifelten Unterton in seiner Stimme.
„Janis? Oder Lily?“ fragte Regan.
„Ach, Janis ist mir egal!“ fuhr Michael sie an und machte gleich darauf eine beschwichtigende Handbewegung. Er schüttelte leicht den Kopf und zog die Augenbrauen zusammen. Er bekam leichte Sorgenfalten. Regan stellte sich schräg gegenüber von ihm hin und legte ihre Hand auf seinen linken Oberarm.
Er sah nach unten auf ihre Hand. Überlegte zuerst, ob er sich ihr entziehen sollte, ließ es dann aber doch bleiben und sah auf seine Schuhspitzen.
„Lily. Sie hatte Grippe. Schon seit einer Woche. Und Janis findet es nicht einmal der Mühe wert, mich anzurufen!“ Er schüttelte den Kopf. Sein Gesichtsausdruck wurde zornig.
Regan sah ihn mitfühlend an, hielt es aber für besser, nichts mehr zu fragen. Er hatte sich ihr ohnedies schon weiter geöffnet, als sie es von ihm erwartet hätte.
„Sie ist mit ihr ins Krankenhaus. Weil es nicht besser geworden ist.“ Er schüttelt den Kopf. „Warum hat sie mich nicht gleich angerufen?“ Er sah Regan direkt an.
Diese schüttelt überrascht den Kopf. „Ich weiß nicht,“ sagte sie ehrlich.
„Sie hätte gleich anrufen sollen. Gleich als sie die Diagnose erfahren hat!“
Regan kannte sich gar nicht mehr aus und sie hielt es auch nicht mehr aus. „Welche Diagnose? Bitte, Michael, was um Gottes Willen ist denn los?“
„Sie haben sie getestet und getestet und Janis hat mich nicht angerufen!“ Er war ganz aus dem Häuschen, sank in sich zusammen und blieb am Straßenrand hocken.
Regan setzt sich neben ihn und legt ihm den Arm um die Schulter. „Michael, was ist denn bitteschön los?“
Michael starrt auf den Boden.
„Sie hat Leukämie,“ flüstert er dann.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 01.06.2007, 19:50
Teil 12
Zeitsprung:
Es war noch ganz früh am Morgen, als Regan aufwachte. Die letzte Nacht kam sie kaum zum schlafen. Die Sache mit Michael nahm sie sehr mit und sie konnte an nichts anderes mehr denken. Sie lief in die Küche um einen Kaffee zu kochen, zu mehr war sie in den frühen Morgenstunden noch nicht in der Lage. Außerdem schmerzte ihr Kopf und sie fühlte sich auch so nicht ganz wohl. Aber noch mehr beschäftigte sie der Gedanke, wie sie Michael helfen konnte.
Sie versuchte so leise wie möglich zu sein. Drover’s schien noch völlig ausgestorben zu sein, alle schliefen noch und sie wollte keinen wecken.
"Was heißt das genau?" hörte sie dann eine männliche Stimme fragen. Die Stimme kam von draußen, da war sie sich sicher, ohne zu überlegen lief sie zur Tür und öffnete diese.
"Was haben die Ärzte genau gesagt?" hörte Regan den Mann dann fragen.
Regan lief raus und nicht weit vom Haupthaus entfernt stand Michael.
Sie näherte sich ihm langsam.
"Okay, also kann ich sie sehen. Gott sei dank. Dann werde ich nachher vorbei kommen. Bis nachher".
Michael hatte das Telefonat anscheinend beendet, also zögerte Regan nicht länger.
"Guten Morgen", sagte sie etwas zurückhaltend.
"Morgen", sagte er etwas überrascht als er sie bemerkte.
"War das deine Ex-Frau?" wollte sie wissen.
"Ja und es gibt gute Nachrichten. Die Ärzte sagen, Lily kann erst einmal Nachhause. Es geht ihr etwas besser und da alle Untersuchungen abgeschlossen sind, wäre es eine Qual sie weiterhin dort zu behalten. Sie sagen zwar, dass ihr Zustand nicht der Beste wäre und wir die Tage zu einem Gespräch kommen sollen, wie es nun weiter gehen soll, es müssen genaue Pläne gemacht werden, aber....“ er unterbrach.
Regan bemerkte, dass er etwas geknickt war.
"Das freut mich für dich," sagte Regan dann lächelnd. "Es ist schön, dass es ihr besser geht".
Michael schaute einen Moment nachdenklich.
"Was hast du?" wollte Regan wissen.
"Es ist nichts, denke ich. Aber Janis war etwas merkwürdig. Sie weinte die ganze Zeit, aber ich denke das war die Erleichterung. Ich werde nachher hinfahren und etwas Zeit mit Lily verbringen". Er sah sie einen Moment an. "Wäre es möglich, dass du mich fährst? Ich weiß, das ist viel verlangt und du brauchst auch nicht bleiben, aber ich kann meinen Wagen nicht nehmen. Ich möchte keine schlafenden Hunde wecken".
"Natürlich, das ist kein Problem. Komm wir gehen erst einmal ins Haus. Ich habe Kaffee gekocht". Regan versuchte ihn so gut es ging abzulenken. Auch wenn dies aussichtslos erschien, so wollte sie es wenigstens versuchen.
Michael folgte ihr. Regan ging direkt in die Küche und zum Schrank als sie drinnen ankamen. Sie nahm zwei Tassen und goss ihm und sich eine Tasse Kaffee ein.
Sie saßen eine Weile nur so da. Regan wollte ihm kein Gespräch aufdrängen und Michael wollte anscheinend nicht wirklich reden.
"Ich hole mir mal eine Kopfschmerztablette", unterbrach sie dann das Schweigen.
"Was hast du denn?" fragte er etwas besorgt, "Alles okay?"
"Ja, ja, geht schon, habe nur Kopfschmerzen. Ist sicher nichts weiter, habe die letzte Nacht nicht so gut geschlafen".
Regan lief hoch ins Bad um nach den Tabletten zu suchen. Es fiel ihr schon sehr schwer, die Treppen zu meistern, ihr wurde etwas schwindelig. Sie wusste nicht genau was mit ihr los war.
"Hoffentlich habe ich mir nichts eingefangen" murmelte sie in sich hinein.
Es dauerte keine zwei Minuten und sie konnte nicht anders, als sich nur noch zu übergeben.
"Michael"? rief sie unter ständigem Brechreiz. Sie wollte auf keinen Fall jemanden wecken, aber sie brauchte unbedingt einen kalten Lappen.
Michael hörte Regan rufen, obwohl sie eigentlich sehr zögerlich und ruhig klang. Er lief sofort nach oben.
"Was ist passiert?"
"Ich denke, ich bekomme eine Grippe," sagte sie nur.
"Oh, okay, komm, wir gehen nach unten. Du musst dich erst mal hinlegen".
Er half ihr hoch und ging mit ihr nach unten.
"Das ist wirklich schrecklich. Wieso muss mir das ausgerechnet jetzt passieren?"
"Das wird schon wieder. Allerdings kannst du mich nachher nicht fahren, das wäre unter diesen Umständen nicht geeignet," sagte er mit einem kleinen Lächeln.
"Hey, es freut mich, dass ich dich mit meiner Krankheit wenigstens zum Lachen bringen kann. Ein Gutes hat es ja dann." Auch sie lächelte ihn an.
"Regan? Ich wollte dir noch was sagen...ich....ich möchte dir danken.... für alles".
"Guten Morgen," unterbrach Stevie das Gespräch, als diese ins Wohnzimmer kam, wo Regan eingerollt mit einer Decke auf der Couch lag.
"Ach, hey, hab ich dich geweckt?" wollte Regan wissen.
"Nein, ich bin gerade wach geworden, aber daran warst sicher nicht du Schuld. Nur meinen Wecker kann ich dafür verantwortlich machen." Sie streckte sich, dann setze sie sich auf einen Sessel.
"Kaffe ist schon gekocht, nehme ich an."
"Klar," deutete Regan Richtung Küche.
"Du siehst ja nicht so gut aus, was ist los?" wollte Stevie wissen.
"Sie hat die Grippe," sagte Michael.
"Was? Das sagt ihr mir jetzt wo ich die Bazillen schon eingeatmet habe? Toll."
Regan musste etwas lachen.
"Stevie du musst mir einen Gefallen tun," sagte Regan während Stevie in die Küche ging um sich einen Kaffee zu holen.
"Was denn genau für einen?"
"Michael müsste heute in die Stadt. Er kann seinen Wagen nicht nehmen und ich habe ihm versprochen, dass ich ihn fahre, aber das geht ja jetzt nicht. Könntest du vielleicht?"
"Nein, das kann ich nicht von Ihnen verlangen" sagte Michael an Stevie gewandt.
"Hey, nein, ist kein Problem. Dann müsstest du das aber Taylor wegen der Weide verklickern," sie grinste Regan an.
"Kein Problem, das kriegen wir schon hin", sagte Regan und setze sich etwas auf.
"Ach, da ich ja dann wohl ein Paar Stunden nicht da sein werde," fing Stevie an zu reden, sah dann Michael an, um ihm zu verdeutlichen, dass sie Regan alleine sprechen musste.
Michael nickte nur und verließ den Raum.
"...könntest du Alex dann sagen, das ich mich morgen melde, damit wir reden können. Sollte er sich nachher melden?"
Regan sah sie einen Moment fragend an. "Ist was vorgefallen?"
"Na ja, du weißt doch, dass Alex und ich die Nacht draußen am Fluss verbracht hatten." Sie grinste Regan neckisch an. "Als du mich da sitzen lassen hast."
"Und Jim kam Morgens vorbei, er wollte helfen. Allerdings hat er Drew zur Hilfe geholt. Tja, das war natürlich eine komische Situation." Stevie blickte nach unten.
"Oh, das war sicher nicht so toll. Kann ich verstehen," meinte Regan.
"Alex war nach der Begegnung ziemlich komisch drauf. Was musste Drew aber auch solche Sprüche los lassen. Ich hätte ihn.... Alex ist, nachdem er mich abgesetzt hat, ziemlich schnell verschwunden. Das ist jetzt 4 Tage her, seit dem hat er nicht angerufen und ich erreiche ihn einfach nicht."
"Wieso hast du mir das nicht erzählt?"
"Weil du genug Sorgen hattest. Mit Michael und so."
"Das wäre echt kein Problem gewesen," sagte Regan nur noch.
"Und hey, versprich mir bitte, dass du das mit Michael nicht weiter sagst. Nur dir habe ich davon erzählt, er möchte nicht, dass es an die große Glocke gehängt wird".
Stevie stand auf, lächelte Regan noch einmal an, um ihr zu versichern das sie schweigen würde und machte sich dann auf den Weg nach oben, um sich für den Trip umzuziehen.
*****
Tayler die schon um 4 Uhr aufgestanden war, um so schnell wie möglich mit der Arbeit fertig zu werden, war gerade damit beschäftigt, die Rinder von der Südweide auf die naheliegende Drover’s Weide zu holen. Ein wichtiger Verkauf stand bevor und Tayler wusste, das alles glatt gehen musste.
Auf halbem Wege kam ihr ein schwarzer Wagen entgegen gefahren. Er hielt direkt vor ihr, einige Rinder machten schnelle Schritte, um dem Feind zu entkommen.
"Hey, können Sie nicht aufpassen?" fragte Taylor sauer, als ein Mann mittleren Alters ausstieg.
"Tut mir leid Ms," sagte der etwas kleiner geratene Mann.
"Was suchen Sie denn hier? Das ist Privatbesitz," meinte Taylor.
"Ich suche Drovers Run. Bin ich hier richtig?"
"Ja, Sie müssen...." Taylor unterbrach ihren Satz. "Was oder wen suchen Sie denn?" wollte sie wissen.
Er sah sich einmal kurz um, dann überlegte er einen Moment.
"Ich suche Stevie Hall," sagte er etwas merkwürdig.
"Erwartet Stevie Sie denn?"
"Ja," sagte er nur kurz und knapp.
Taylor wies ihm den Weg. Sie dachte sich nichts weiter dabei und Stevie wäre sicher wütend, würde sie ihr ein lukratives Geschäft vermiesen.
*****
Jodi war an diesem Tag nicht aus dem Bett zu holen. Schon seit dem Vorfall mit Matt, konnte sie sich auf ihre Arbeit kaum noch konzentrieren. Sie war überhaupt nicht wirklich in der Lage ihre Arbeit richtig zu gestalten, und ausschlafen war die beste Methode. So ging der Tag schneller vorbei.
So schwer es ihr fiel, sie musste aufstehen und wenigstens so tun, als sei sie bereit. Auf Stevies schlechte Laune hatte sie nämlich keine Lust. Sie verließ ihr Zimmer und lief gemütlich die Treppe hinunter.
"Morgen," sagte sie, als sie Regan auf der Couch liegen sah. Sie rieb sich einmal die Augen, dann sah sie Regan nochmals an und lief direkt zur Küche.
"Guten Morgen," sagte Regan etwas niedergeschlagen.
"Arbeitest du gar nicht?" wollte Jodi wissen.
"Ich hab die Grippe".
"Oh, hättest du mir das nicht sagen können bevor ich die Bazillen einatme?"
Regan musste grinsen.
"Ich werde es mir für die Zukunft merken" meinte sie nur.
"Lust auf Karten spielen oder sowas? Hab keine Lust hier den ganzen Tag nur rumzusitzen," sagte Regan voller Hoffnung auf ein "Ja" von Jodi.
"Hallo? mal an Stevie gedacht? und ich habe echt keine Lust auf ihre schlechte Laune, wenn die Arbeit nicht erledigt ist.“
"Stevie ist nicht da." Regan grinste. "Sie ist mit Michael in die Stadt gefahren und kommt wohl vor heute Nachmittag nicht zurück."
Jodi sah sie einen Moment nachdenklich an, ihre finstere Miene formte sich langsam zu einem erfreuten Grinsen. Dies war genau die richtige Ablenkung für sie.
"Alles klar, ich hol die Chips und Cola. Such du die Karten raus." Jodi machte sich auf den Weg zur Küche.
*****
Stevie und Michael waren schon seit einer ganzen Weile unterwegs. Es dauerte nicht mehr sehr lange und sie waren angekommen.
"Wo genau müssen wir hin? Direkt ins Krankenhaus oder ist sie schon Zuhause?".
"Sie ist wohl schon zu Hause. Meine Exfrau meinte, ich soll direkt zu ihnen nach Hause kommen."
"Dann müssen Sie mir den genauen Weg dahin erklären."
"Kein Problem. Jetzt erst mal die nächste rechts," meinte Michael und wies ihr den direkten Weg zu Janis und Lily.
Nach ungefähr 15 Minuten standen sie vor dem Haus.
*****
"Dein Einsatz" forderte Jodi Regan auf.
"Wenn das so weiter geht, siehst du schlecht aus" meinte Regan grinsend.
Jodi sah sie einen Moment grimmig an. "Abwarten. Du denkst, ich habe das Spiel immer noch nicht verstanden, aber da irrst du dich gewaltig, ich warte nur auf den passenden Moment." Sie grinste.
"Ach so, und bis dahin verlierst du absichtlich 40 Dollar?"
"Mann, du verdirbst einem echt die gute Laune. Du bist doch nur so gut, weil du den perfekten Lehrer hattest, aber warte nur ab bis Stevie wieder da ist. Sie braucht keine 5 Minuten und sie hat es mir auch beigebracht".
Regan musste grinsen. Jodi stand auf und lief zur Küche.
"Ich hole noch Nachschub," sagte sie, als es an der Tür klopfte.
Sie machte sofort kehrt und lief zur Tür. Als sie diese öffnete, stand ein ihr unbekannter Mann vor ihr.
"Hallo. Tut mir leid, dass ich Sie störe, aber ich bin auf der Suche nach Stevie Hall," sprach dieser gleich los.
"Tut mir leid, aber Stevie ist den ganzen Tag nicht hier. Sie ist in der Stadt".
"Wirklich?" sagte dieser.
"Können Sie mir sagen, wo genau?"
"Nein, tut mir leid. Aber Moment, ich frage mal eben nach.“
"Da ist ein merkwürdiger Mann draußen," sagte Jodi leise, als sie zu Regan lief.
Regan stand sofort auf und lief trotz Grippe zur Tür.
"Guten Tag, können Sie mir vielleicht weiter helfen?" fragte der Mann.
"Um was genau geht es denn?"
„Es ist wirklich sehr dringend. Ich müsste Stevie sprechen, aber ich kann sie nicht finden" er machte eine Pause und überlegte kurz.
„Es geht um einen Vertrag, der ist ganz wichtig für Sie. Wir hatten heute eine Verabredung, aber sie ist nicht auffindbar.“
„Oh, davon hat sie mir gar nichts erzählt, sie ist in der Stadt, sie fährt einen Freund hin, aber kommen Sie doch einfach heute Abend noch mal....
„Nein, das geht nicht," fiel er ihr ins Wort.
Regan schien etwas überrascht zu sein von seiner Art.
„Tut mir leid aber das geht nicht," sagte er wieder etwas ruhiger. „Der Vertrag muss morgen früh meinem Boss vorliegen und ich muss dafür sowieso in die Stadt. Wenn sie also dort ist, kann ich mich gleich auf den Weg machen. Ich denke ihr würde das nicht gefallen, wenn Sie diesen Vertrag nicht abschließen kann.“
„Okay, dann warten Sie einen Moment."
Keine zwei Minuten später kam Regan mit der genauen Anschrift zurück und überreichte sie ihm.
Er bedankte sich und machte sich auf den Weg.
*****
Alex und Dave waren gerade dabei sich gemeinsam etwas zu Essen zu machen. Da Kate den ganzen Tag anscheinend damit verbrachte, ihre Sachen zu waschen und im Haus aufzuräumen, machten sich Dave und Alex einen gemütlichen Tag auf Killarney.
„Und was stellen wir danach an? Karten, TV, Frauen?" fragte Dave grinsend.
„Mal sehen, also für spielen bin ich zu unkonzentriert, im TV läuft nichts Gutes und von Frauen hab ich zur Zeit die Nase voll," sagte er und machte sich mit seinem Essen schon auf den Weg ins Wohnzimmer, um sich auf die Couch zu setzen. Dave folgte ihm eine Minute später.
"Hab ich was verpasst"? fragte Dave mit vollem Mund.
Alex machte es sich bequem und fing an zu erzählen.
*****
Stevie war der Ansicht, dass es besser wäre, wenn Sie im Auto wartete. Sie hätte eigentlich auch Nachhause fahren können, aber sie hatte beschlossen, Michael nachher wieder mit nach Drover’s zu nehmen. Also schaltete sie das Radio ein und wartete, als Michael, der bereits dabei war zum Haus zu laufen wieder zurück kam.
„Wollen Sie nicht mit rein kommen?" fragte er.
Stevie setze sich etwas auf. „Nein, ich dachte es ist besser, wenn ich draußen warte."
„Wollen Sie wirklich die ganzen Stunden im Auto verbringen?" fragte er mit einem Lächeln.
„Kommen Sie, ich beiße nicht und Lily auch nicht," fügte er noch schnell hinterher.
„Na, da bin ich ja beruhigt," murmelte Stevie in sich hinein, als sie ihm folgte.
Michael klopfte an die Tür. Es dauerte einen Moment, bis sie geöffnet wurde. Vor ihnen stand eine ziemlich junge Frau, ungefähr um die 20. Sie hatte auf keinen Fall eine australische Staatsangehörigkeit. Sie war schlank und ungefähr 1,60m groß.
„Guten Tag," grüßte Michael Sie. „Ich würde gerne meine Ex-Frau sprechen, ist sie im Haus?"
„Nein, tut mir leid, ich bin nur zum Babysitten gekommen. Sie sollte eigentlich schon vor 4 Stunden zurück sein, aber sie ist bis jetzt noch nicht zurück.“
„Okay," sagte Michael mit einem verwirrten Blick zu Stevie.
„Dürfen wir trotzdem rein kommen? Ich würde gern meine Tochter sehen."
„Natürlich. Sie hat erwähnt, dass Sie vorbei kommen würden.“
Die Frau deutete den beiden rein zu kommen. Stevie blieb an der Eingangstür stehen, während Michael sich auf die Suche nach Lily machte.
„Könnte ich dann jetzt gehen? Es ist ja jetzt jemand für die kleine da," wollte die Babysitterin von Stevie wissen.
„Sicher, klar, ich denke schon," sagte sie nur ohne zu wissen, ob dies die richtige Entscheidung war.
Stevie schlenderte langsam den Flur entlang und sah sich um. An den Wänden hingen viele Babyfotos von Lily, einige Fotos von Michael und seiner Ex-Frau. Sie ging weiter und kam direkt zur Küche, in die sie sofort einen Blick warf. Sie war riesig, sehr modern eingerichtet, es standen große Schalen mit Obst auf den Arbeitsplatten und dem Tisch. Sie betrat die Küche, ihre Hand streifte das ein oder andere Möbelstück, sie war begeistert von dem Haus.
Sie blieb abrupt stehen als sie auf dem Tisch einen Brief liegen sah. Er war zu geklebt, auf dem Umschlag wurde in sehr schöner Handschrift Michael drauf geschrieben. Stevie ging sofort zurück und lief dann die Treppe nach oben, wo anscheinend Lilys Zimmer zu finden war.
Als sie das Zimmer erreichte, schlenderte sie ganz langsam hinein.
„Hallo, ich will nicht stören," sagte sie sanft mit einem Blick auf Lily gerichtet.
„Nein, das ist absolut okay. Das ist Stevie," sagte Michael zu seiner Tochter.
Lily war ein kleines, süßes Mädchen. Sie hatte haselnussbraunes, langes Haar, große braune Rehaugen. Sie war sehr zierlich, sah in ihrem rosa Blumenkleidchen aus wie eine Prinzessin.
Stevie lief etwas näher an das Bett auf dem Michael und Lily saßen. Sie hockte sich etwas hin.
„Hallo Lily" sagte Stevie ganz ruhig.
Von der kleinen kam nur ein ganz leises „Hallo" zurück.
Stevie lächelte sie einen Moment an. Dann stand sie wieder auf. „Kann ich Sie einen Moment sprechen?" fragte sie und ging hinüber zur Tür des Zimmers.
Michael folgte ihr. „Was ist los?"
„Ich denke es liegt ein Brief für Sie unten in der Küche, ich dachte Sie sollten das wissen."
„Danke, ich werde mal nachsehen, könnten Sie vielleicht kurz...?" er deutete auf Lilly.
„Klar, ich bleibe bei ihr."
Stevie lief zurück zu der Kleinen und setze sich auf das Bett.
Sie versuchte die Kleine etwas auf sich aufmerksam zu machen und fing an sie zu fragen, wie es ihr geht.
Keine fünf Minuten später stand Michael wieder im Zimmer. Er sah schockiert und traurig gleichzeitig aus. Aber man sah sofort, dass er sich Lily zu Liebe nichts anmerken lassen wollte. Stevie erhob sich von dem Bett und sah Michael an. Sie wusste genau, dass es nichts Gutes zu heißen hatte, wollte ihm aber erst einmal etwas Zeit geben. Michael setze sich neben Lily, dann nahm er sie in den Arm.
*****
Dave war erstaunt darüber was Alex ihm erzählte.
„Ich denke wir sollten diesem Drew mal einen Besuch abstatten, was?" sagte Dave ganz selbstsicher.
„Lass mal gut sein, Kumpel. Stevie würde mir was erzählen."
„Na und, was sie nicht weiß...." Dave unterbrach den Satz und grinste Alex an. „Wir reden nur mit ihm, sagen ihm, dass er das in Zukunft lassen soll. Mehr nicht, versprochen."
„Nur reden?" fragte Alex skeptisch. Er erhob sich und schnappte sich seine Jacke.
Dave stellte sein Teller zur Seite, sprang mit einem Grinsen auf und lief ihm hinterher.
*****
„Ich müsste noch mal ganz dringend weg, aber ich weiß nicht was ich mit Lily machen soll," sagte Michael auf einmal.
„Es ist kein Problem, ich könnte hier bleiben," sagte Stevie selbstverständlich.
„Aber ich kann sie doch nicht alleine lassen, nicht jetzt. Und das wäre auch zu viel verlangt von Ihnen".
„Hören Sie..." Stevie machte eine kleine Pause. Sie schien auf einmal mit den Gedanken woanders zu sein. „Ich... ich habe auch eine Tochter. Sie ist zwar nicht krank, aber ich kenne mich aus. Ich würde gerne auf sie aufpassen, wenn es ihnen hilft."
Dann sah sie ihn direkt an. „Ich werde gut auf sie aufpassen. Sie erledigen Ihre Sachen und danach können wir wieder nach Drover’s fahren." Sie legte ihren Kopf etwas zur Seite. "Alles klar?"
Michael musste lächeln. „Alles klar, vielen dank." Er machte sich auf den Weg.
Stevie sah ihm noch einen Moment hinterher, dann widmete sie sich ganz der kleinen.
*****
Alex und Dave standen nun bereits seit drei Minuten vor Drew, aber wussten nicht genau wie sie anfangen sollten. Alex begann ein paar mal zu erwähnen, dass Stevie und er zusammen wären, aber weiter kam er nicht.
„Hey man, was mein Kumpel sagen will ist: lass die Finger von Stevie" kam es auf einmal aus Daves Mund.
Bei dem Satz fühlte er sich noch ganz sicher, er wusste ja, dass Alex bei ihm war. Alex sah von Drew zu Dave. Alex konnte es nicht fassen, was er gerade aus Daves Mund hörte. Er baute sich etwas mehr vor Drew auf.
„Hey, immerhin hat sie meinen Kuss erwidert," sagte Drew, wohlwissend, dass er Alex damit provozierte.
Mit einem „Und wieso das wohl, wenn sie doch so glücklich mit dir ist?" setze er noch eins drauf.
Alex konnte sich kaum noch halten. Das war einfach die Höhe. Er wollte auf Drew los gehen, doch Dave konnte ihn noch rechtzeitig zurück halten.
„Komm, Mann, das ist er nicht wert," sagte er und funkelte Drew böse an.
„Tja, jetzt weiß ich wieso" sagte Drew mit einem fiesen Grinsen.
Bevor Alex was machen konnte, übernahm Dave den Job. Er ging auf Drew los und schlug zu. Drew fiel sofort zu Boden. Alex und Dave wechselten einen schnellen Blick, dann rannten sie los zum Wagen.
„Mann, Dave", fing Alex das Gespräch zuerst an. Dave wusste, was ihm jetzt blühte, aber das war es ihm wert.
„Das war einsame Spitze, Alter," sagte Alex zu Daves Überraschung.
Beide wechselten noch einen freundschaftlichen Blick, als Dankbarkeit, dann entschied sich Alex, sofort nach Drover’s zu fahren und mit Stevie zu reden.
*****
„Ich habe keine Lust mehr, wir sitzen schon seit Stunden hier rum und spielen Karten, mein Geld wird immer weniger und ich habe noch nichts dazu gelernt," sagte Jodi während sie gelangweilt auf dem Boden hockte.
„Komm schon, du kannst das Geld zurück haben. Ich bin doch keine Abzockerin," sagte Regan grinsend.
„Na vielen dank. Damit du jedem sagen kannst wie schlecht ich war, du aber so ein Mitleid hattest, dass du mir alles zurück gegeben hast? Nein danke."
„Genau," erwiderte Regan, während es an der Tür klopfte.
„Wer will denn jetzt schon wieder was von uns?" fragte Jodi. Sie ging zur Tür und öffnete. „Oh, hey, was macht ihr denn hier?"
„Was ist hier denn los? Noch im Pyjama und das um diese Uhrzeit"? sagte Alex grinsend.
„Ich bin krank, ich hab die Grippe. Ich sage es euch lieber vorher, bevor ihr die Bazillen einatmet," sagte Regan schnell.
Alex, Jodi und Dave wechselten einen Blick.
„Ach was soll’s, eine Grippe hat doch jeder mal," sagte Alex. Dave nickte zustimmend. Regan schmunzelte etwas.
„Und was macht ihr gerade?" wollte Dave wissen.
„Wir haben bis eben Karten gespielt, aber...“ Regan sah Jodi einen Moment an. "Und na ja, was soll ich sagen. Jodi war einfach zu gut für mich, ich habe aufgegeben".
„Wirklich? Das Spielen hast du wohl von Stevie gelernt, was Jodi?" wollte Alex wissen.
Jodi grinste verlegen. "Ha, ja sicher" konnte sie nur sagen.
„Wo ist Stevie?" wollte Alex dann wissen. "Spielt sie gar nicht mit?"
„Sie ist nicht da. Sie musste Michael heute in die Stadt fahren. Sie sind schon seit ein Paar Stunden weg und ich sollte dir ausrichten, dass sie dich morgen anruft." Regan wollte nicht deutlicher werden, da sie nicht alleine mit ihm war.
„Das hat sie mir gar nicht gesagt. Wann ist sie denn wieder da"?
„Das kam auch ziemlich kurzfristig. Sie hat es erst heute früh erfahren. Aber da vorhin noch jemand da war, wegen eines Vertrages und er sie in der Stadt aufsuchen wird, wird es sicher etwas länger....."
„Was für ein Vertrag? Wer war hier?" bohrte Alex gleich nach.
„Ein Mann war hier. Er sagte, er müsse Stevie sprechen, wegen eines Vertrages."
„Wie sah er aus?"
Regan war überrascht. So kannte sie Alex gar nicht. Sie erkannte in seinem Blick richtige Angst.
„Er war für ein Mann ziemlich klein, er...."
„Wo ist Stevie genau"? wollte er wissen.
„Du unterbrichst mich andauernd, wie kann ich dir das dann sagen"? sagte Regan. Sie sah Alex an. "Was ist denn los"?
„Das ist der selbe Kerl wie vor ein paar Tagen. Ich weiß es, ich fühle es. Ich muss sofort zu Stevie".
Er sah Dave an, der neben ihm stand.
„Ich mach den Wagen startklar," sagte Dave ohne zu zögern, und lief sofort nach draußen.
„Können wir auch etwas tun?" fragte Jodi aufgebracht.
„Haltet hier die Stellung." Er blieb noch einmal stehen. "Und seht zu, dass hier alles in Ordnung ist, wenn ich sie wieder mit Nachhause bringe. Ihr wisst ja, sie kann manchmal launisch werden," sagte er mit fast zitternder Stimme, aber einem leichten Lächeln im Gesicht.
Alex und Dave ließen die Mädels zurück und machten sich auf den Weg in die Stadt.
*****
Stevie war schon eine ganze Weile alleine mit der kleinen Lily. Wie lange Michael weg bleiben würde, wusste sie nicht. Aber sie war sich sicher, dass sie der Kleinen mal etwas zu Essen machen musste. Sie nahm die Kleine auf den Arm und ging mit ihr in die Küche. Das Mädchen mit einem Arm festhaltend, öffnete sie den Kühlschrank und hoffte, etwas zu finden, das sie der Kleinen geben konnte.
„Na, was wollen wir denn heute essen, hmm?" sagte Stevie mehr zu sich selbst als zu Lily. Sie sah die Kleine dennoch an, aber von ihr kam keine Reaktion.
„Ja, ich weiß, das ist eine schwere Entscheidung. Na dann werde ich dir mal was zaubern." Stevie wollte gerade den Kirschsaft aus dem Kühlschrank nehmen, als es an der Tür klopfte. Mit Lily auf dem Arm schlenderte sie zur Tür.
„Siehst du, da kommt dein Daddy wieder," sagte Stevie während sie die Tür öffnete.
„Hallo Stevie."
Stevie wusste erst nicht, was sie sagen sollte. Der Mann vom Fluss stand vor ihr.
„Was... was machen Sie denn hier?" wollte sie wissen und lief instinktiv einen Schritt zurück.
„Sag du es mir," sagte er grinsend.
Stevie hatte kein gutes Gefühl dabei.
„Du hast eine sehr hübsche Tochter," sagte er während er das Haus betrat und die Tür hinter sich zu warf.
„Wie heißt du denn kleines?" Stevie hielt schützend die Hand vor Michaels Tochter.
„Ich denke, wir sollten uns mal unterhalten" sagte er bedrohlich, während er auf Stevie zu ging.
*****
Alex fuhr wie ein Wilder. Noch nie in seinem Leben hatte er so viel Angst um jemanden gehabt.
„Versuch sie mal auf Handy zu erreichen," sagte er zu Dave.
„Hat sie das Handy denn dabei?" wollte dieser wissen, während er schon nach Alex Autotelefon griff um anzurufen.
„Ich hoffe es," erwiderte Alex nur und nahm jede Abkürzung, die er kriegen konnte.
*****
Im Haus von Michael war es still. Das einzige was man noch hören konnte, war das Klingeln, das aus Stevies Tasche zu kommen schien.
Re: Es gibt Tage, da wird alles gut
Marcus Turner - 14.06.2007, 23:59
TEIL 13
Stevie hielt Lily fest in ihrem Arm. Ihre Hand hielt sie schützend vor den Kopf der Kleinen. Sie zwang sich dazu ruhig zu bleiben. Am liebsten hätte sie losgebrüllt und wäre panisch aus dem Haus gestürmt. Aber sie sah ein, dass es wohl zwecklos wäre. Sie starrte den Mann an und ging ein paar Schritte rückwärts. Mit der einen Hand griff sie hinter sich und versuchte, die Küche zu erreichen, wo es Messer gab, die sie zu ihrer Verteidigung benutzen konnte.
Aber der Kerl war wieselflink. Mit ein paar schnellen, gut überlegten Schritten kam er ihr zuvor und versperrte ihr den Weg. Er grinste sie hämisch an und zog eine 9mm Beretta.
„Und jetzt lass sie los,“ befahl er Stevie.
Als Stevie zögerte, schrie er: „Ich sagte: lass sie los!“
Langsam ließ Stevie das Kind von ihrer Hüfte gleiten und schob sie hinter sich. Sie ging noch ein paar Schritte zurück, bis das Mädchen die Wand berührte. Vorsichtig blickte Lily hinter Stevie hervor.
Der Mann ließ die Waffe auf Stevie gerichtet und hockte sich hin. „Komm her, Kleine,“ sagte er sanft zu Lily.
Stevie schob Lily zurück hinter sich. „Vergiss es! Sie rührt sich keinen Millimeter!“
Der Mann stand auf und sah Stevie überlegen an. „Und wie bitte schön willst du das verhindern?“
Stevie schob Lily immer weiter zur Türe, auch wenn der Mann dort stand.
„Lily, hör zu,“ sagte sie. „Wenn ich bis drei gezählt habe, läufst du in dein Zimmer und sperrst ab. Hast du mich verstanden?“
Stevie konnte in ihrem Rücken spüren, dass das Kind an sie geschmiegt nickte.
Der Mann stand den beiden immer noch gegenüber und sah der Szenerie belustigt zu.
„Eins...“ zählte Stevie. „Zwei...“ Sie schob Lily weiter Richtung Türe. „Drei!“ brüllte sie und schickte Lily weg. Sie selbst stürmte auf den Mann zu und riss ihn mit sich zu Boden. Ein Schuss löste sich und schlug neben dem Lichtschalter bei der Türe ein. Lily, die zuerst perplex stehen geblieben war, schrie auf und rannte in ihr Zimmer.
Stevie rang mit dem Mann um die Waffe, war ihm aber unterlegen. Sein Oberkörper spannte sich unter dem schwarzen T-Shirt, als er die Waffe fallen ließ und ihre Handgelenke packte. Mit voller Wucht schlug er zu und traf sie mitten im Gesicht. Stevie wollte nach der Waffe greifen, da fuhr seine Faust ein zweites Mal nieder und ihr wurde schwarz vor Augen.
Der Mann hielt kurz inne, bevor er sich aufrappelte und die Treppen hinauf stürmte. Er brach Lilys Zimmertüre auf und packte das Mädchen. Er hielt ihr mit einer Hand den Mund zu und verließ das Haus. Er setzte sie in seinen Wagen und brauste davon.
*****
Alex und Dave fuhren die Straße entlang, Dave hatte einen Stadtplan auf dem Schoß und Alex lenkte den Wagen.
„Dort vorne rechts, dann sind wir da,“ sagte Dave und deutete mit dem Zeigefinger auf die Windschutzscheibe.
Alex lenkte den Wagen um die Ecke, als ihn ein weißer Pick Up beinahe gerammt hätte.
„Hey, Mann, pass doch auf!“ brüllte Alex und Dave stimmte ein. „So ein Idiot!“
Sie hielten das Auto vor Michaels Haus und stiegen aus. Alex warf die Autotüre zu und rannte die Stiegen hinauf. Er klopfte an die Türe. Erst mit einem Finger, dann mit seiner Faust.
„Stevie! Stevie!“ rief er.
Dave kam die Stiegen herauf und blieb stehen.
„Wir sollten einfach reingehen,“ meinte er. „Ich meine, wenn, dann hast du den Kerl mit deinem Geschrei ohnedies schon verschreckt.“
Alex sah hinüber zu Dave, zögerte einen Augenblick, dann rammte er die Schulter gegen die Türe. Der erste Versuch misslang, also rammte er noch zwei weitere Male seine Schulter gegen das Holz, bis die Türe schließlich nachgab und aus dem Schloss sprang. Alex ging in das hell erleuchtete Haus.
„Stevie!“ rief er. „Stevie! Wo bist du?!“
Dave lief hinauf in den ersten Stock, um sich dort umzusehen. Alex übernahm das Erdgeschoss. Er suchte im Wohnraum und im Esszimmer, bevor er in die Küche ging. Sofort sah er Stevies wilde roten Locken am Boden. Er betrat die Küche und sah Stevie bewusstlos am Boden liegen.
„Dave!“ schrie er. „Dave! Sie ist hier!“
Er eilte zu Stevie und kniete sich zu ihr. Vorsichtig strich er ihr die Haare aus dem Gesicht und streichelte ihr über die Wange.
„Stevie, wach auf,“ flüsterte er. „Stevie, hörst du mich?“
Er tätschelte ihre Wange. Dave kam hinter Alex in die Küche und kniete sich sofort zu den beiden hinunter. Alex strich ihr noch einmal die lästige Haarsträhne aus der Stirn und legte eine klaffende Wunde frei. Er sah Dave an.
„Oh Gott, Dave! Mach was!“
Alex war panisch. Hier lag seine Stevie, bewusstlos, eine klaffende Wunde auf ihrer Stirn und er konnte nichts tun. Immer wieder sprach er sie an, strich ihr übers Gesicht, während Dave ihre Vitalzeichen überprüfte.
„Bring ein Glas Wasser,“ leitete Dave Alex an, der dem Auftrag sofort folge leistete.
Mit dem Wasser befeuchtete Alex dann Stevies Lippen. Wenige Minuten später kam Stevie wieder zu Bewusstsein. Sie schlug die Augen auf und sah Alex an. Er lächelte sie überglücklich an und half ihr, sich in eine Sitzposition zu bringen.
„Mein Kopf,“ jammerte Stevie und griff sich an die Stirn. „Der Typ hat... Er stand plötzlich... Lily!“
Stevie sprang auf, um dann gleich wieder zusammen zu sacken. Alex und Dave stützten sie. Stevie blickte sich hilfesuchend und verzweifelt um.
„Wo ist Lily?“ fragte sie.
Alex sah zu Dave und dann wieder zu Stevie.
„Wer ist Lily?“ fragte Dave.
„Michael!“ rief Stevie. „Oh Gott, was mach ich jetzt?“
Alex nahm Stevie in den Arm und strich ihr über den Rücken.
„Jetzt beruhig dich erst und dann erzählst du uns, was passiert ist,“ schlug er vor.
Dave gab Stevie das Glas und drängte sie dazu, etwas zu trinken. Stevie leerte das Glas in einem Zug und gab es Dave zurück, der es noch einmal auffüllte. Nach dem zweiten Glas sammelte Stevie sich und sah die beiden Männer an.
„Lily, sie ist Michaels Tochter. Sie ist krank. Michael hat mich gebeten, kurz auf sie aufzupassen, als dieser Typ kam.“
Sie drehte sich zu Alex.
„Du kennst ihn. Er war der Kerl, der mich am Abend mitnehmen wollte. Als mein Auto kaputt war und du dann gekommen bist. Der Kerl stand plötzlich vor der Tür.“
Sie musste nachdenken, wie sich alles der Reihe nach abgespielt hat.
„Er hat eine Waffe gezogen, ich wollte Lily in ihr Zimmer schicken und bin auf ihn losgegangen. Dann hat er mich geschlagen.“
Sie überlegt, ob sie etwas vergessen hatte.
„Wo ist Lily?“
Dave kratzte sich am Kopf und reichte Stevie ein weiteres Mal das Glas.
„Oben war sie nirgends. Es war niemand da.“
Stevie lehnte das Glas ab und zog ihre Beine an. Sie wollte ihren Kopf auf die Arme legen, die sie über ihre Knie verschränkt hatte, spürte aber sofort den stechenden Schmerz an ihrer Stirn und hob den Kopf wieder.
Alex rutschte ein Stück näher an sie heran und nahm ihr Gesicht in seine Hände. Besorgt sah er sie an, fuhr mit den Daumen über ihre Wangen und betrachtete die Wunde an ihrer Stirn.
„Dave, kannst du da was machen?“ fragte Alex, ohne Dave anzuschauen.
Stevie wollte nichts lieber, als sich in Alex Arme zu begeben und die Welt um sich herum zu vergessen, aber sie konnte sich nicht beruhigen.
„Der Typ. Wenn er Lily mitgenommen hat, ... dann sehen wir die Kleine nie wieder. Er denkt, sie ist meine Tochter.“
Alex zog Stevie an sich und streichelte ihr sanft über den Kopf, während Dave versuchte, die Wunde zu reinigen. Er hatte sich Watte und Wasser, sowie Pflaster und weiteres Verbandsmaterial besorgt. Dave reinigte die Wunde und verband sie, so gut es ging.
„Du solltest das im Krankenhaus untersuchen lassen. Das muss bestimmt genäht werden,“ meinte Dave, nachdem er die Pflasterreste weggeworfen hatte.
„Dave hat recht,“ stimmte Alex zu. „Ich bring dich am besten sofort ins Krankenhaus.“
„Was ist mit Lily und mit Michael?“ fragte Stevie aufgewühlt.
Alex kniete vor ihr und wischte ihr mit einem feuchten Lappen eingetrocknete Blutreste aus ihrem Gesicht. „Wir können jetzt ohnedies nicht viel machen. Wir sollten schauen, dass es dir gut geht.“
„Hallo?“ hörten sie eine Stimme rufen. „Hallo? Ist jemand hier?“
„Wer ist das?“ flüsterte Dave und alle drei schauten gebannt zur Türe.
„Das ist Michael,“ erklärte Stevie und rief nach ihm. „Wir sind hier, in der Küche.“
Michael erschien im Türrahmen. Er hatte den Autoschlüssel in der Hand und war sichtlich überrascht, dass er außer Stevie noch zwei Männer in der Küche vorfand. Er deutete mit dem Daumen auf die Vordertüre. „Warum ist meine Haustüre aufgebrochen?“
Jetzt erst entdeckte er das große Pflaster auf Stevies Stirn. Sein Gesicht verdunkelte sich und ihm schwante übles.
„Wo ist Lily?“ fragte er ernst.
Bevor Stevie antworten konnte, war er nach oben gerannt. Das Zimmer des Mädchens war Chaos pur. Die Türe war aufgebrochen, ihre Spielsachen waren durcheinander geworfen und die Kleine war ohne Zweifel mittels Gewaltanwendung aus dem Zimmer geholt worden. Michael wurde blass, ihm war schlecht. Gedankenverloren nahm er sich einen Stoffteddy von Lily, presste ihn an seine Brust und sank auf das Kinderbett.
Wenig später stob er hinunter in die Küche, den Teddy immer noch in der Hand.
„Wo ist mein Kind? Wo ist Lily?“ fragte er laut.
„Ein... so ein Mann war da... er hatte,“ begann Stevie und suchte nach den richtigen Worten.
Das ging Michael zu langsam. „Wo ist Lily! Und was für ein Mann?“
„Ein Typ, ... er, ... er hat gedacht, sie ist meine Tochter und hat sie...“ Stevie konnte keine ganzen Sätze formulieren.
„Warum zum Teufel glaubt der Mann, Lily wäre Ihre Tochter?“
„Ich... ich weiß nicht,“ stotterte Stevie.
Michael wurde zornig. „Wären Sie bitte so freundlich und sagen einen vollständigen Satz, mit dem ich was anfangen kann? Das Gestotter kann ja keiner mit anhören.“
Alex hatte dem ganzen erst zugehört, aber als Michael so mit Stevie sprach, wurde er zornig. „Hey, Mann, denkst du nicht, du könntest ihr Zeit lassen. Sie steht offensichtlich unter Schock.“
Michael stierte Alex böse an. „Zeit? Das kann nicht dein Ernst sein, Mann! Wir haben keine Zeit!“
Michael drehte sich wieder zu Stevie um. „Also, was für ein Mann und warum glaubt er, Lily sei Ihre Tochter?“
Stevies Hände zitterten und sie spürte, wie ihr der Schweiß auf die Stirn trat. Kalter, unangenehmer Angstschweiß. „Ich... ich...,“ begann sie erneut.
„Ich... ich,“ äffte Michael sie nach. Er packte Stevie an den Schultern, damit sie sich auf ihn konzentrieren musste. „Einen ganzen Satz mit Information, bitte!“ schrie er.
Jetzt war es Alex zu viel. Er packte Michael und zog ihn energisch von Stevie weg. Er nahm ihn am Hemdskragen und drückte ihn unsanft gegen den Kühlschrank.
„Ich sagte dir, hör auf sie zu drängen. Sie erinnert sich nicht,“ zischte Alex.
Durch Alex’ Griff an den Kühlschrank genagelt, hörte Michael trotzdem nicht auf, Stevie anzugreifen. „Sie hat sich zu erinnern! Und zwar schnell! Ich will meine Tochter wieder haben!“
Er befreite sich aus Alex Griff, der ihn auch gelockert hatte, und stob wieder auf Stevie zu. „Denk nach! So traumatisiert kannst du nicht sein! Wie sah der Typ denn aus?“
Stevie hatte den Kopf gesenkt und sah auf ihre Schuhspitzen. „Ich ... ich dachte, ich helfe, wenn ich auf sie aufpasse.“
„Ja, das dachte ich auch,“ stimmte Michael zu. „Aber leider war dem nicht so!“
Alex wurde zornig. Er deutete Dave, dass er mit Stevie den Raum verlassen sollte und packte Michael dann am Kragen. Erneut rammte er den kleineren und schmäleren Körper von Michael gegen den Kühlschrank, sodass dieser nach Luft schnappen musste.
„Ich sagte bereits: Hör auf, sie fertig zu machen! Sie wird sich erinnern, nur sie braucht Zeit.“
Michael sah Alex in die Augen. Erst hatte Alex das Gefühl, Michael würde nachgeben, dann aber, ganz plötzlich, packte Michael zu. Er riss an Alex’ Armen an, befreite sich aus dessen Griff und gab ihm einen überraschenden linken Haken. Alex taumelte rückwärts und hielt sich die getroffene Stelle.
„Ich hab für den Scheiß keine Zeit,“ sagte Michael ruhig und wollte an Alex vorbei, Stevie und Dave nachgehen.
Alex erkannte die Absicht und baute sich vor ihm auf. Er überragte Michael um einen halben Kopf. Die beiden Männer starrten sich an. Alex wollte gerade ansetzen, etwas zu sagen, da schnitt Michael ihm das Wort ab.
„Wenn du noch einmal sagst, dass ich sie nicht drängen soll, dann schlag ich dir die Fresse ein,“ drohte Michael.
Alex atmete hörbar einmal tief durch, dann mäßigte er seinen Tonfall und sagte: „Hör zu, Mann. Ich verstehe, dass du genervt bist, aber...“
Weiter kam er nicht, denn Michael begann ihn anzubrüllen: „Ach ja? Du verstehst? Du weißt also genau, wie es ist, wenn dein Kind entführt wird, weil eine Verrückte nicht aufpassen kann? Du weißt genau wie es ist, Angst um die Kleine zu haben, weil du nicht sicher sein kannst, ob du sie lebend wieder sehen wirst? Du weißt also, wie es ist, keinen anderen Gedanken mehr fassen zu können, nur weil du ständig an sie denken musst? Was sie im Moment aushalten muss, welche Qualen sie erdulden muss, was dieser verdammte Typ mit ihr anstellen wird? Das weißt du? Das weißt du wirklich genau?“
Alex hörte Michael schweigend zu, dann schüttelte er betroffen den Kopf.
„Siehst du,“ meinte Michael deutlich ruhiger. „Und jetzt sag ich dir noch etwas. Sie ist krank. Sie hat Leukämie! Sie hat vielleicht nicht mehr lange zu leben. Und jetzt werden mir wertvolle Stunden, die ich mit meiner Tochter verbringen kann, gestohlen. Unwiederbringbar. Nur weil deine Freundin nicht aufpassen kann.“
Alex konnte immer noch nichts sagen. Er hatte das Gefühl, die Luft zum Atmen würde ihm genommen.
Michael ging einen Schritt zurück und sagte: „Und weißt du, was dem ganzen die Krone aufsetzt? Ihr kleiner Körper ist von den vielen Untersuchungen und Therapien so geschwächt, dass die Chance sie lebend wieder zu sehen, auch wenn der Typ sie nicht umbringt, von Stunde zu Stunde schrumpft. Sag deiner Freundin, wenn sie sich erinnert... ich bin in Lilys Zimmer.“
Alex an der Schulter rammend, verließ Michael die Küche und ging nach oben ins Kinderzimmer. Den Teddy drückte er an seine Brust.
*****
Auf Drover’s saßen Jodi und Regan immer noch über den Karten. Jodi warf ihre auf den Tisch.
„Okay, mir reichts! Ich hab genug von diesen dämlichen Karten für einen Tag.“ Sie stand auf und ging in die Küche.
Regan wickelte sich dick in ihre Decke und folgte ihr. Auf einem Küchensessel ließ sie sich nieder und zog die Decke bis zum Hals.
„Was hältst du davon, wenn ich uns eine schöne, warme Suppe koche?“ bot Jodi an.
Regan nickte dankbar, dann fragte sie: „Was ist eigentlich mit Kate? Die hab ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen.“
Jodi stellte einen Topf auf den Herd. „Na ja, was soll ich sagen. In Afrika dürfte nicht alles nach Plan verlaufen sein. Ich weiß auch nicht.“
„Aber sie und Dave verstehen sich doch noch, oder?“
Jodi nickte. „Ja, klar! Blendend. Er ist die Liebe ihres Lebens und umgekehrt.“
Regan fröstelte, deshalb zog sie die Decke noch enger um ihre Schultern. Als hätte sie es geahnt, dass über sie gesprochen wurde, betrat Kate die Küche. Sie sah mitgenommen aus. Ihre Augen waren verquollen und sie trug eine Packung Taschentücher unterm Arm, die sie festhielt wie ein Kind sein Lieblingsspielzeug.
„Hey Kate,“ begrüßte Jodi ihre Freundin und auch Regan nickte ihr freundlich zu.
Kate setzte sich beinahe apathisch zu Regan an den Tisch. Jodi sah irritiert zu Regan.
„Kate, wie wäre es, wenn du mal erzählst, was mit dir los ist,“ bot Regan an. „Vielleicht können wir dir helfen.“
Kate schüttelte den Kopf, während Jodi das kochende Wasser in eine Gemüsebrühe verwandelte.
„Ich weiß nicht, was ich euch erzählen darf,“ begann Kate. Sie sah nur hinunter auf ihre Finger, die ein angebrauchtes Taschentuch kneteten.
Regan und Jodi warteten ab, aber von Kate kam nichts mehr.
„Fang einfach von vorne an,“ schlug Regan vor.
„Also gut,“ gab Kate nach. Sie atmete tief durch, dann begann sie zu reden: „Afrika war traumhaft. Das Land, die Leute! Erst war es schwer, weil Dave so wenig Zeit hatte, weil er sich so viel anschauen musste. Aber dann wurde es wunderbar! Wir gingen auf Safari.“
Sie blickte auf. Zum ersten Mal seit sie die Küche betreten hatte, sah sie erst Jodi und dann Regan an.
„Dave war einfach traumhaft. Mit seinem Schmäh hatte er sofort die Herzen der Leute gewonnen. Und die Frauen in dem Stadtteil, in dem wir gewohnt haben, haben mich so herzlich aufgenommen. Es war, als kämen wir nach Hause.“
Jodi und Regan mussten bei der Beschreibung lächeln. War es doch Kate, die es so schwer an einem Ort aushielt, weil alles nach gefestigten Regeln gehen musste.
Kate begann ob ihrer Erinnerungen selbst zu schmunzeln.
„Die zwei Safaris, die wir mitgemacht haben, waren der Wahnsinn. Einmal kletterte ein Löwenmännchen auf unser Fahrzeug. Dave hat sich so gefürchtet, dass er sich hinter mir versteckt hat, der Feigling. Ich hätte den Löwen gerne gestreichelt, aber uns wurde ausdrücklich verboten, die Arme oder Hände aus dem Fahrzeug zu halten.“
„Einen Löwen hab ich dann doch gestreichelt. Dave musste ein Löwenbaby im Zoo behandeln. Da hat er mich einfach mitgenommen und ich durfte den Kleinen kurz auf dem Arm halten. Er war so süß und knuffig.
„Dort haben wir auch Didier kennen gelernt. Er hat im Souvenirshop ein Eis geklaut. Er ist in mich hineingerannt, als er das Geschäft verlassen wollte und der Besitzer wollte ihn anzeigen.“
„Ahm, Kate,“ unterbrach Regan. „Wer ist Didier?“
„Didier ist der Grund, warum wir wieder hier sind.“ Kate seufzte tief.
„Didier... Didier... Wo fang ich an. Didier ist zwölf Jahre alt. Er hat seine Eltern beim Bürgerkrieg vor sechs Jahren verloren. Seither wohnt er in einem spärlichen Waisenhaus. Er schlägt sich so durch, besucht auch ab und zu eine Schule, aber die meiste Zeit verbringt er mit Herumlungern auf der Straße.“
Jodi, die die Geschichte schon einmal gehört hatte, erklärte Regan: „Also der Junge hat das Eis dort geklaut.“
Kate nickte still und sah zum Fenster hinaus.
„Ja, in dem Shop haben wir ihn kennen gelernt und Dave und ich fanden ihn auf Anhieb sympathisch. Und er uns anscheinend auch. Jedenfalls erzählte er Dave ein paar Tage später, dass er gerne mit Tieren arbeiten wollte und ob er Dave einmal begleiten dürfe. Dave nahm ihn mit zur Arbeit und am Abend mit nach Hause. Ich hatte etwas italienisches gekocht.“
Jodi stellte die dampfende Suppe, die inzwischen fertig war, auf den Tisch und nahm drei Suppenschalen aus dem Schrank. Mit Löffeln vollendete sie das Tischdecken und teilte aus. Die drei begannen zu Essen, während Kate weiter erzählte.
„Jedenfalls fand Didier sich immer häufiger bei uns ein und wir beschlossen, ihn aufzunehmen. Wir wollten ihn adoptieren. Wir fragten ihn, was er davon hielt und er meinte nur: „Solange ich nicht Mama und Papa zu euch sagen muss...“ Wir waren überglücklich. Er ist so ein lieber Junge. Ihr würdet ihn mögen.“
Kate schüttelte den Kopf und schob den immer noch vollen Suppenteller von sich weg.
„Wir hatten eine Abmachung mit ihm. Er bekam Taschengeld, um das er sich sein geliebtes Eis kaufen kann, dafür geht er aber regelmäßig in die Schule. Das schien auch wunderbar zu klappen, bis zu diesem einen Montag.“
Kate musste eine Pause machen. Es fiel ihr schwer, darüber zu reden. Jodi setzte sich neben sie und legte ihr die Hand auf die Schultern. Immerhin wusste sie, was kommen würde. Kate schluchzte, ihr Körper wurde heftig geschüttelt.
„Ist schon gut,“ meinte Jodi ruhig und strich ihrer Freundin sanft über den Rücken. „Lass dir Zeit.“
Kate wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und zwang sich zu einem Lächeln.
„Geht schon wieder.“
Jodi und Regan sahen sich an, blickten danach wieder zu Kate.
„Sicher?“ fragte Regan.
Kate nickte.
„An diesem Montag, jedenfalls...“
Kate musste doch noch einmal schluchzen, fing sich aber dann und erzählte weiter.
„An diesem Montag ging Didier ganz normal zur Schule. Wir erwarteten ihn zu Mittag, Dave war extra zum Essen gekommen, aber Didier kam nicht. Wir dachten uns erst nichts dabei, dann aber machten wir uns Sorgen. Wir suchten ihn in der Schule, dort erfuhren wir, dass er in einer Art Gefängnis war. Natürlich fuhren wir sofort zu ihm.“
Jodi nahm ihre Freundin noch fester in den Arm.
„Im Gefängnis erzählte uns Didier, dass ein Mädchen aus seiner Klasse ihn angeschwärzt hatte. Sie wollte etwas von ihm haben, das er ihr verweigerte, also erzählte sie dem Direktor, dass Didier geklaut habe. Er war sofort von der Schule geflogen, als der Beweis in seiner Tasche gefunden wurde.
„Natürlich haben wir ihn sofort da raus geholt und mit nach Hause genommen. Und wir glaubten ihm. Aber dieses biestige Mädchen mit ihren einflussreichen Eltern, hat uns erneut die Polizei auf den Hals gehetzt. Und dort unten sind sie sehr streng, was üble Nachrede betrifft. Wir wurden bezichtigt, diesem Mädchen etwas Unwahres nachgesagt zu haben.
„Dabei kenne ich das Gör bis heute gar nicht. Jedenfalls mussten Dave und ich umgehend abreisen. Wir bekamen eben noch so viel Zeit, uns von Didier zu verabschieden. Wir haben ihm versprochen, ihn zu holen... Aber...“
Kate fing an zu weinen. Diesmal konnte auch Jodi sie nicht trösten. Unter beständigem Schluchzen erzählte sie zu Ende.
„Wir hatten die Adoption schon vorbereitet. Die Papiere waren fertig. Alles war in die Wege geleitet und dann sind sie im Gungellan Hotel mit abgebrannt! Alles weg. Vernichtet! Und wir wollten doch einfach nur Didier bei uns haben.“
Kate lehnte sich an Jodi, die ihr sanft über den Kopf strich. Regan stand auf und holte ein paar Taschentücher. Sie reichte sie Kate. Diese nahm das oberste herunter und putzte sich die Nase.
„Wir... wir wissen ja nicht einmal, ob wir ihn wieder sehen werden. Wenn diese Familie schon so einflussreich ist, dass sie uns zur Ausreise zwingen kann... Was kann sie dann alles bewirken was Didier betrifft? Was ist, wenn sie ihn umbringen lassen? So ein Straßenjunge wird ja nicht einmal vermisst.“
Kate brach in Jodis Armen zusammen. Die Tränen liefen ihr das Gesicht hinunter und ihr Körper zuckte. Regan ging in ihre Decke gewickelt, zu den beiden hinüber und legte Kate ebenfalls eine Hand auf die Schulter.
„Was können wir tun?“ fragte sie und meinte es ehrlich.
Jodi übernahm das Reden, weil Kate nicht mehr konnte.
„Die Telefonverbindungen nach Afrika sind so schlecht. Der Kontaktmann, Mr Mumbasa, versucht zwar täglich anzurufen, beziehungsweise Dave probiert es in Afrika, aber anscheinend musste sogar ein Flugverbot verhängt werden. Diese Familie ist sehr mächtig und einflussreich.“
„Das klingt ja schrecklich ernst,“ meinte Regan mitfühlend.
Kate nickte.
„Dr. Cerny, also unser Anwalt, der das mit den Papieren regeln wollte... Er will übermorgen nach Afrika fliegen und alles regeln. Wir können nur hoffen und beten, dass mit Didier alles in Ordnung ist. Wir haben, seit wir uns von ihm verabschiedet haben, nichts mehr von ihm gehört. Ich hoffe so sehr, dass es ihm gut geht.“
Jodi und Regan versuchten, Kate so gut es ging zu beruhigen, da klingelte das Telefon. Regan ging hin und hob ab.
„Aha, ... ja ist gut... Nein... Mhm. Klar, kann ich machen. ... Nein, das geht nicht. Nur ich. Jap... Gut, bis gleich.“
Regan hängte wieder auf und ging zu den beiden zurück.
„Leute, das war Alex. Er braucht mich in der Stadt. Ich werde sofort losfahren.“
„Spinnst du?“ wandte Jodi ein. „Du bist krank. Du bleibst schön hier.“
Regan sah auf die weinende Kate, die immer noch wie ein Häufchen Elend am Küchentisch saß.
„Ich glaube, es ist besser, wenn du hier bleibst.“
Kate versuchte sich zusammen zu reißen, was ihr mehr schlecht als recht gelang.
„Ich bin okay,“ schluchzte sie. „Auf mich müsst ihr keine Rücksicht nehmen.“
Jodi und Regan schüttelten unisono den Kopf.
„Jodi, du bleibst besser bei Kate. Ich fahre zu den anderen. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber Stevie wurde anscheinend nieder geschlagen. Und Michael braucht mich, hat Alex gesagt. Ich nehm den weißen Pick Up.“
Regan warf die Decke über eine Sessellehne und verließ das Haus. Sie stieg in den Pick Up und raste davon Richtung Stadt.
Nach einer lange Fahrt, die ihr noch endloser erschien, als sie ohnedies schon war, kam sie endlich an Michaels Haus an. Sie stellte das Auto ab und ging zum Eingang hinauf. Die Türe war aufgebrochen und sie schlich sich vorsichtig hinein.
In der Küche fand sie Stevie, Alex und Dave. Ohne ein Wort zu sprechen, drehte sie um und lief die Treppe hinauf. Sie schaute in jedes Zimmer. Am Türrahmen zu Lilys Zimmer blieb sie stehen. Sie lehnte sich dagegen und blickte ihn an.
Noch nie hatte sie einen Mann gesehen, der so verletzlich wirkte. Noch nie hatte sie das Bedürfnis verspürt, einen anderen Menschen einfach so in den arm zu nehmen, um ihn zu trösten. Noch nie hatte sie so starke Gefühle empfunden wie im Moment für Michael.
Er blickte auf und sah Regan in der Türe stehen.
„Was machst du denn hier?“ fragte er verwundert. Dann sagte er gar nichts mehr. Schweigend drehte er den Teddy in seiner Hand. Lilys Teddy, den er einfach nicht mehr loslassen konnte. Regan ging zu ihm hinüber und setzte sich neben ihn. Sie nahm seine Hand und schob ihre Finger zwischen seine.
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