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Re: Graf von Stauffenberg: Der 20. Juli 1944 und seine Folgen
Panzermann - 02.05.2007, 15:53Graf von Stauffenberg: Der 20. Juli 1944 und seine Folgen
"Der 20. Juli 1944 und seine Folgen"
...unter diesem Titel bietet die sächsiche Landeszentrale für politische Bildung
eine sehr interessante Veranstaltung an:
Für alle Kameraden aus der Oberlausitz:
Ihr müsst wegen dieser Veranstaltung nicht unbedingt nach Dresden
fahren. Alternativ geht auch Schmochtitz bei Bautzen (19.30 Uhr):
http://www.slpb.de/veranstaltungen_einzel.php?id=1160510867&sZurueckURLKodiert=%2Fveranstaltungen.php%3F
weitere Orte / Termine siehe:
http://www.slpb.de/veranstaltungen.php
Re: Graf von Stauffenberg: Der 20. Juli 1944 und seine Folgen
Panzermann - 17.05.2007, 16:38
„Die Familie Stauffenberg wird ausgerottet bis ins letzte Glied!“
Diesen Satz von Heinrich Himmler zitierte Otto Phillip Graf Stauffenberg am 10.Mai 2007 im Veranstaltungssaal der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Dem Satz Himmlers war das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 vorausgegangen. Diese Tat wurde zum Symbol „für das andere, das bessere Deutschland, für die Überwindung der These von der Kollektivschuld des deutschen Volkes und das Einstehen für Menschenwürde und Gerechtigkeit.“*
Der Onkel des Referenten, Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, hatte am 20. Juli 1944 eine Bombe in der Nähe Hitlers bei einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier bei Rastenburg in Ostpreußen deponiert. Um 12.41 Uhr explodierte die Bombe.
Im Glauben Adolf Hitler sei tot, flog Stauffenberg nach Berlin, um den als „Unternehmen Walküre“ getarnten Staatsstreich zu führen.
„Eine nicht unbedeutende Verschwörergruppe stand hinter diesem Umsturzversuch, der neben hohen Beamten, Diplomaten, Politikern und Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und geistigen Lebens vor allem zahlreiche Offiziere der Wehrmacht aller Ränge bis hinauf zum Feldmarschall angehörten.
Dieses Attentat war Höhepunkt und zugleich Ende langjähriger Bemühungen der deutschen Opposition, Deutschland von der unheilvollen Herrschaft des Nationalsozialismus zu befreien und den Krieg zu beenden.
Das Attentat schlug fehl, Hitler überlebte und nahm blutige Rache. Bis 1945 sind ungefähr 5000 Personen im Zusammenhang mit dem 20. Juli hingerichtet worden.“*
Otto Phillip von Stauffenberg hatte sein Referat in 4 Punkte gegliedert. Zunächst bot er einen Überblick über Attentate auf Adolf Hitler vor dem 20. Juli 1944. Dem schloss sich eine Rekonstruktion des Ablaufs des Attentats an. Im dritten Punkt beschrieb er seinen Onkel und das Verhältnis zu ihm. Claus Schenk Graf Stauffenberg wurde von seinem Neffen als freundliche Erscheinung, eher skeptisch und abgeschreckt von den Methoden und Verhalten der SA-Trupps, von der Aufkündigung des Versailler Vertrages und die sich ergebenden Chancen für das Militär zunächst positiv angetan, abgeschreckt durch die Brutalität im Krieg, wollte Stauffenberg zunächst den Krieg gewinnen und dann das braune Regime beseitigen; das änderte sich 1942 durch die Exekution ukrainischer Juden – nun stand die Beseitigung des verbrecherischen Regimes auf der Prioritätenliste ganz oben.
Im vierten und letzten Gliederungspunkt schilderte der Referent sein Schicksal und das seiner Familie nach dem Attentat.
Otto Phillip von Stauffenberg und seine Familie wurden bereits zwei Tage nach dem Attentat von der Gestapo verhört. Eine Wachmannschaft bleibt am Haus der Familie.
Am 11. August wurde die Familie Stauffenberg aufgefordert, mit kleinem Gepäck der Ladung zum Verhör nach Augsburg zu folgen. Von da an begann eine neunmonatige Odyssee durch verschiedene Gefängnisse und Konzentrationslager. Betroffen waren alle Familienmitglieder über 15 Jahre. Die unter 15jährigen wurden, gemäß der Sippenhaft, in Jugendanstalten bzw. andere Familien verbracht.
Sehr eindrucksvoll schilderte Otto Phillip Graf Stauffenberg wie er als Junge vom Land die ersten 6 Wochen Einzelhaft in der schmalen, dunklen, kalten, abgewirtschafteten Zelle mit Bett und Notdurfteimer und großen Hunger wegen dem geringen und schlechten Essen verbrachte.
Die Arbeit als Gefangener mit monotoner Tätigkeit brachte zunächst wieder etwas Abwechslung und ihm fiel eine Zeitschrift in die Hände in der er den Satz las: „Gottes Wille hat kein Warum.“ Dieser Satz gab dem Neffen des Attentäters vom 20. Juli Rückhalt und Hoffnung für den kommenden Leidensweg.
Zusammen mit seiner Schwester wurde er nach Nördlingen verbracht, wo sie bei einem Oberamtsrichter nach dem harten Gefängnisalltag wieder etwas mehr menschliche Atmosphäre verspürten. Dem folgte die Verbringung in ein Hotel im Riesengebirge, wo sie ihre übrigen Familienmitglieder wiedertrafen, aber von Gestapo und SS scharf bewacht wurden. Nach 1 Monat erfolgte die Verlegung über Breslau, Danzig ins KZ Stupow mit dem Lkw. Als Anfang Januar 1945 die ersten Fliegerangriffe und Artilleriebeschuss durch die Rote Armee sich bemerkbar machten, Abtransport mit Lkw, dann weiter mit der Eisenbahn. Weichselüberquerung, Danzig, schließlich SS-Lager Matzkau, dann weiter nach Berlin, KZ Buchenwald, Gefängnis Regensburg (hier Treffen mit Bonhoeffer), Unterbringung in Schönburg (rührendes Erlebnis durch die Hilfsbereitschaft –Verpflegung- durch die Zivilbevölkerung), KZ Dachau.
Nach dem KZ Dachau Transport in ein Lager bei Insbruck, in dem 115 Sonderhäftlinge aus 7 Nationen inhaftiert waren (Neffe von Churchill, Verwandter von Grustschow, ungarische Regierung etc.). Von Insbruck wurden die „wichtigen“ Gefangenen nach Südtirol zur Liquidierung gebracht, da sie nicht in Feindeshand fallen durften. In einem Dorf in Südtirol wurden sie Einquartiert und von der Bevölkerung freundlich aufgenommen. Ein zu den Gefangenen gehöriger Oberst konnte sich an den SS-Wachen vorbei in eine im Ort gelegene Wehrmachtsnachrichtenstelle schleichen. Von dort aus kontaktierte er einen Freund an der Italienfront und berichtete über die schlimme Lage. Kurze Zeit später traf eine Wehrmachtskompanie im Dorf ein und entwaffnete die SS-Wachen.
Die Gefangenen wurden in amerikanische Gefangenschaft überführt. Weil sie keine Papiere besaßen wurden sie abermals verhört, allerdings unter sehr viel humaneren Bedingungen und mit ausreichend Verpflegung als von der Gestapo.
Die Schilderung des Leidensweges von Otto Phillip Graf Stauffenberg endete mit der Rückkehr und dem Zusammentreffen der Familie zu Hause. Sein Vater und ein Onkel waren unter den Haftbedingungen verstorben. ABER: trotz des Leidensweges der gesamten Familie, betonte Graf Stauffenberg, dass die gesamte Familie seinem Onkel NIE irgendwelche Vorwürfe bezüglich des Attentats gemacht hatten.
Im Anschluss an Vortrag und Diskussion bestand die Möglichkeit zu einem
persönlichen Gespräch:
-------------------------------------------------------------------------------------
„Warum gehört das Gedenken an den Widerstand gegen Hitler, vor allem an den Umsturzversuch am 20. Juli 1944 zu den wesentlichen Traditionsmerkmalen der Bundeswehr?
Weil das tragende Motiv des Widerstands ein ethisch-moralisches war: die sittlich fundierte Empörung gegen ein Regime, das sich im Laufe der Zeit als verbrecherisch und unmoralisch enthüllte. Die immer mehr um sich greifenden Untaten des bis hin zur Ausrottungspolitik den Juden gegenüber hat gerade bei Offizieren der höheren Ränge die Einsicht reifen lassen, dass der Staat Verbrechern in die Hände gefallen war. Daraus erwuchs den Männern des Widerstandes ein Gewissenskonflikt, in dem sie zwischen politischer Pflichttreue und sittlich gebotener Gehorsamsverweigerung, zwischen Bindung an den Eid und Bindung an das Gewissen vor Gott entscheiden mussten. Letztlich zwang das Gefühl für Recht und Sitte die Widerständler, sich gegen eine Kriegführung zu wenden, die sinnlos namenloses Unglück über die eigene Nation und fremde Völker brachte. Ihr Wissen und ihr Verantwortungsbewusstsein prägte ihr Gewissen.“*
„So ist das Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat und die entschlossene Verteidigung der Demokratie zur Sicherung der Zukunft unseres Volkes das bleibende Vermächtnis der Tat vom 20. Juli 1944.“*
* zitiert nach Ruprecht Graf zu Castell: Für seine Überzeugung das Leben hingeben. Der 20 Juli 1944, in: …auf die Reihe bringen, hrsg. vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, Bonn 2003, S.67-69
Re: Graf von Stauffenberg: Der 20. Juli 1944 und seine Folgen
Panzermann - 17.05.2007, 16:44
Kommentar:
…einer der eindrucksvollsten und ergreifendsten Vorträge eines Zeitzeugen, die ich je gehört habe.
Der Veranstaltungssaal der Landeszentrale für politische Bildung war mit über 100 Personen gefüllt. Sehr aufmerksam hörten alle Anwesenden den Schilderungen von Graf Stauffenberg zu. Die zahlreichen Fragen in der anschließenden Diskussion zeugten vom Interesse und der Beschäftigung der Bürger mit der Problematik des 20. Juli 1944.
Schade, dass die Zeitzeugen den „natürlichen Weg des Lebens“ gehen und in Zukunft für solche Veranstaltungen ein immer kleiner werdender Personenkreis zur Verfügung steht.
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