Der Zauberwald

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    Re: Der Zauberwald

    Olga - 30.04.2007, 20:21

    Der Zauberwald
    Es waren einmal eine Frau namens Mechthild und ein Mann namens Bertold, sie konnten sich nicht so oft sehen. Deshalb schenkten sie sich gegeseitig einen Funkelstein, der in allen Farben erleuchtete – jede Farbe hatte für die Beiden eine bestimmte Bedeutung.

    Eines Tages hörten sie von einem Zauberwald, den viele erreichen wollten, aber noch keiner sah ihn je. Alle, die es versuchten, kamen nie mehr zurück. Und wie die Beiden sich wieder einmal sahen, beschlossen sie sich aufzumachen, um diesen Wald zu finden.

    Bertold nahm seine Mechthild an die Hand, er spürte, dass sie Furcht hatte. Und sie liefen los. Nach Tagen erreichten sie die magische Grenze. Sie hatten das Gefühl zu laufen, ohne einen Schritt weiterzukommen. Sie hielten inne – Mechthild klammerte sich an ihn und zitterte vor Angst. Bertold legte den Arm um sie und sagte:
    "Mechthild, du brauchst keine Angst zu haben, solange ich bei dir bin, wird dir nichts geschehen." Und Mechthild schaute zu ihm herauf und sah das Funkeln in seinen Augen – strahlend und hell – und antwortete:
    "Ja, mein Herz, ich spüre deine Zuversicht, deinen Willen und deine Kraft – ich weiß, dass wir es schaffen."

    Und wie die Beiden da standen, kam ein Wind auf und eine Stimme ertönte:
    "Ihr zwei, ihr wollt also den Zauberwald betreten?"

    Mechthild erschrak zutiefst – aber Bertold antwortete mit ruhiger und fester Stimme:
    "Ja, wir möchten den Zauberwald betreten."
    "Gut", sagte die Stimme, "dann sollt ihr eure Chance bekommen – ihr müsst drei Aufgaben erüllen, die ich euch nacheinander nennen werde."

    "Dann nenn uns die erste Aufgabe", sagte Bertold.

    "Ihr benötigt zwei Wanderstäbe, der Weg zum Zauberwald wird beschwerlich sein. Geht hin – ein Baum wird euch zwei seiner starken Äste schenken, ihr sollt zwei Wanderstäbe daraus schnitzen! – Hütet euch aber vor dem Weg dorthin – er ist voller Moor."

    "Liebster , ich fürchte mich so", sagte Mechthild und umfasste seine Hand noch fester. Bertold nahm ihre Hand. "Bleib hinter mir, versuche in meine Fußspuren zu treten, dann wird dir nichts geschehen."

    Und vorsichtig gingen sie los und ihre Steine funkelten grün – die Farbe der Hoffnung

    Bertold führte seine Mechthild sicher durch das Moor. Auf einmal blieb er stehen und sagte: "Sieh nur, da vorne liegt ein verletzter Vogel, ich nehm ihn mit, vielleicht können wir aus den Spänen der Wanderstäbe eine Schiene für seinen Flügel basteln."

    "Oh Bertold, du hast ein weiches Herz, bist so liebevoll – gib den Vogel mir, ich werde ihn unter meine Bluse stecken, damit er es warm hat", sagte Mechthild und dabei glänzten ihre Augen voller Zärtlichkeit zu ihm hinauf.
    Bertold gab ihr den Vogel und sie legte ihn behutsam unter ihre Bluse. Seltsamerweise wehrte sich der Vogel nicht.

    Sie gingen weiter. Auf einmal sahen sie einen Baum, dessen Rinde rauh und rissig war.

    Mechthild sagte: "Wir sollten einen Stein nehmen und versuchen, die Rinde des Baumes zu glätten." Sie nahm den Vogel aus ihrer Bluse und legte ihn behutsam auf das weiche Moos. Und sie begannen, die Rinde zu glätten.

    Als sie nun fertig waren, fielen vom Baum zwei starke Äste herunter – der Vogel begann sofort, sie mit seinem Schnabel zu bearbeiten. Die beiden Menschenkinder staunten und hielten aneinander fest. Nach kurzer Zeit lagen vor ihnen die schönsten Wanderstäbe. Der Vogel flog auf dem Baum und schaute zu ihnen herunter.

    Der Wind brauste auf und die Stimme erklang: "Ihr habt die erste Aufgabe erfüllt. Und wie ihr bemerkt habt, war das mit den Wanderstäben nebensächlich."

    "Oh Bertold, du bist sehr weise und durch dich haben wir die erste Aufgabe gelöst", sagte Mechthild und fiel ihrem Liebsten um den Hals und sie spürte seine Nähe und Wärme wie nie zuvor.

    Ihre Steine funkelten Orange – die Farbe der Wärme und Nähe und des Feuers.

    Die Stimme ertönte wieder: "Nun wird euch Beiden die erste magische Grenze geöffnet – geht duch den Weg, der euch gleich aufgetan wird und folgt ihm, bis ihr einen See erreicht, dort melde ich mich wieder!"

    Mechthild und Bertold sahen sich an – beide spürten das Funkeln des anderen. Und beide sahen gleichzeitig den Weg, der sich orange vor ihnen aufzeichnete. Sie gingen Hand in Hand. Und der Wald wurde dichter und dichter – sie ahnten, dass es der Anfang des Zauberwaldes war.

    Stunden später sahen sie eine Lichtung, die sich vor ihnen auftat und sie gingen darauf zu und kamen an einen See, der so schmutzig war, dass man sein Spiegelbild nicht mehr sah.

    Der Wind wurde stärker und die Stimme ertönte: "Hier nun eure zweite Aufgabe: Errichtet aus Steinen und Lehm ein Haus für mich, damit ich meine Ruhe finden kann."

    Mechthild nahm all ihren Mut zusammen: "Wer bist du?"

    "Ich bin der Wind, der Hüter des Zauberwaldes", antwortete die Stimme.

    Was sie auch weiter fragen wollte, sie bekam keine Antwort – also überlegten sie, wie sie nun das Haus errichten könnten. Bertold schaute sich um und erblickte einen riesigen Felsbrocken.

    "Ich werde die Steine abtragen und du machst aus dem Sand und Wasser den Lehm. Aber vorher sollten wir versuchen, den See ein wenig zu säubern, damit die Vögel und die Waldtiere wieder aus ihm trinken können."

    "Das ist eine wundervolle Idee, mein Herz, aber ich habe Angst um dich und werde mitkommen."

    "Nein, du bleibst am sicheren Ufer, mein Liebes."

    "Aber Bertold, dann reiche ich dir wenigstens meinen Wanderstab, damit du dich daran festhalten kannst. Und womit willst du den Schmutz aufnehmen?"

    "Ich werde mein Hemd ausziehen und damit den Schmutz auffangen."

    "Dann nimm meine Bluse mit, dann geht es schneller." Sprachs und knöpfte die Bluse auf. Bertold wußte nicht wohin mit seinem Blick – erleichtert sah er, dass sie noch etwas drunter trug. Lächelnd wissend funkelte sie ihn an und reichte ihm die Bluse. Dann legte sie den Stab aufs Wasser. Der Stab wurde länger und länger, bis er das andere Ufer erreichte.

    Mechthild war froh und jubelte: "Schau Bertold, ein Zauberstab."

    Bertold zog sich das Hemd aus und ging ins Wasser. Mit Hemd und Bluse fing er den Schmutz auf und brachte in seiner Liebsten. Und der Schmutz verwandelte sich – kaum dass er am Ufer lag – in wunderbaren Lehm. Nachdem Bertold nun feritg mit seiner mühevollen Arbeit war, ballte sich über dem riesigen Felsen eine Wolke zusammen und kleine Blitze fuhren aus ihr hervor und trennten einen Stein nach dem anderen von dem Brocken.

    Bertold eilte ans Ufer. Kaum hatte er es erreicht, wurde der See kristallklar –
    Fische sprangen aus der Oberfläche umher und die Vögel und anderen Tiere versammelten sich um den See und tranken aus ihm.

    Die beiden genossen diesen Anblick für eine Weile – schauten sich immer wieder an und ihre Steine funkelten rot - für Liebe und Zuneigung. Ihre Augen sagten mehr als tausend Worte. Sie fingen an, das Haus für den Wind zu bauen. Sie ließen die Türe weg, damit der Wind rauskommen und von der Sonne begrüßt werden konnte, das Dach blieb weg, damit Regen und Blitze den Wind besuchen konnten, bauten zwei Fenster hinein, damit der Wind auch Ausschau halten konnte. Wie sie nun fertig waren, waren sie selber davon erstaunt, wie schön das Haus geworden war und Mechthild lehnte sich etwas erschöpft an Bertold. Er nahm sie in seine Arme und sie spürten kurz die Zärtlichkeit, die sie für den jeweils anderen empfanden.

    Da ertönte die Stimme: "Wie ich sehe, habt ihr auch die zweite Aufgabe mehr als erfüllt. Das Haus ist wunderschön, viel schöner, als ich erwartet habe. Ihr habt wirklich an alles gedacht. In drei Stunden komme ich wieder – ihr habt eine Pause verdient."

    Die beiden sahen sich an und lachten sich gegenseitig an, da sie voller Lehmspritzer waren. Mechthild sagte: "Komm, lass uns baden gehen, es wird uns beiden gut tun." Und ihre Augen funkelten dabei. Bertold wurde verlegen – er zog sich schnell aus und lief schnell in den See hinein. Auch Mechthild zog ihre Sachen aus und lief mit ausgebreiteten Armen ins Wasser, was so erfrischend wirkte. Er sah, wie schön sie war und tauchte unter, um seinen Blick von ihr zu wenden. Sie schwamm jedoch direkt auf ihn zu – spielerisch balgten die beiden herum – bis sie sich auf einmal in den Armen lagen. Sie spürten beide die Nacktheit des anderen, es war, als würde das Wasser auf einmal so heiß um sie herum. Es schien, als würde der See rot glitzern – so wie ihre Steine.

    Mechthild war die erste, die sich wieder fing: "Komm, mein Herz, lass uns um die Wette ans Ufer schwimmen. Ich werde gewinnen." Berthold nickte nur – er war benommen von diesem Gefühl und von ihrer Schönheit. Sie schwammen los – und Mechthild gewann wirklich. Wie sie nun am Ufer standen – nackt und natürlich - kam wieder das Funkeln aus ihren Augen. Aber – was war das??? Ihre Steine funkelten auf einmal schwarz - die Farbe des Geheimnis. Sie zogen sich an.

    Kaum hatten sie sich angekleidet, ertönte die Stimme des Windes: "Geht nun den silbernen Weg entlang, bis er endet, dort werde ich euch die dritte Aufgabe stellen."

    Mechthild flüsterte fragend Bertold zu: "Was wird uns dort erwarten? Sollten wir an der letzten Aufgabe scheitern? Ich habe Angst – furchtbare Angst."

    Bertold nahm seine Liebste in seine Arme und flüsterte leise zurück: "Solange ich bei dir bin und wir zusammenhalten, werden wir alles schaffen. Hab Vertrauen zu dir selber." Und ihre Steine glitzerten grün.

    Sie lehnte sich an ihn, so, als wenn sie Kraft tanken wollte. Er hielt sie fest. Dann gingen sie Hand in Hand den silbernen Weg entlang – voller Zuversicht – bis der Weg endete.

    Und wieder ertönte die Stimme des Windes: "Bis hierhin habt ihr es geschafft, nun eure letzte Aufgabe: ihr werdet unter einem Baum zwei Fallbeile finden, damit sollt ihr jeden Baum fällen, bis keiner mehr steht! In sechs Stunden komme ich wieder, bis dahin steht kein Baum mehr!"

    "Neiiiiiiiiiiiiin" schrie Mechthild auf, "das kannst du nicht von uns verlangen!" Aber der Wind war wieder fort. Mechthild schaute verzweifelt zu Bertold hoch. Er sagte: "Niemals fälle ich auch nur einen Baum, eher verzichte ich auf den Zauberwald!" Sie strahlte ihn an: "Ich wusste, du denkst wie ich, komm her." Sie gab ihm einen zarten Kuss auf die Stirn. Ihre Steine funkelten dabei orange und wechselten schnell in rot.

    Bertold sagte: "Wenn wir schon nicht den Zauberwald erreichen, dann lass uns ein gutes Werk für unsere Freunde, die Tiere tun. Wir fragen die Bäume, ob sie uns Äste geben können, damit wir daraus Futter- und Wassertröge bauen können."

    Mechthild schaute voller Bewunderung zu ihm hoch: "Mein Herz, du bist so sensibel, so selbstlos, so einfühlsam. Schau nur, es sieht aus, als würden die Bäume zustimmend nicken."

    Sie gingen auf die Bäume zu und jeder Baum warf Äste ab. Bertold sammelte sie auf und fing an zu bauen. Mechthild sagte: "Ich geh Beeren pflücken für die Vögel und die anderen Tiere." Sie wollte ihre Bluse grade aufknöpfen, aber Bertold gab ihr sein Hemd. "Lass deine Bluse an, sonst komme ich nicht zum arbeiten." Lächelnd nahm sie sein Hemd und machte sich auf den Weg zu den Sträuchern. Es dauerte nicht lange, da waren die Tröge fertig, gefüllt zum Teil mit den Beeren. Die ersten Tiere ließen sich blicken – neugierig sahen sie dem Schaffen der Beiden zu. Mechthild ging mit ausgesreckten Händen auf sie zu und rief: "Wir sind euere Freunde, kommt ruhig näher." Und die Tiere kamen näher, sahen die Tröge und fraßen die Beeren.

    Berthold bastelte in der Zwischenzeit aus den Blättern der Äste Körbe, um damit die Wassertröge auffüllen zu können. Nachdem die Tröge gefüllt waren, brauste ein leichter Orkan heran und die Stimme des Windes ertönte grollend: "Ihr habt es gewagt, euch meinen Befehlen zu widersetzen?"

    Bertold schob Mechthild hinter seinem Rücken und sie hielt sich voller Furcht an ihm fest. Er sagte: " Wir konnten es nicht tun – keinen einzigen Baum konnten wir fällen. Wir haben stattdessen lieber den Tieren etwas zugute kommen lassen und verzichten dafür auf den Zauberwald."

    Der Wind lachte und sagte: "Ihr habt auch die dritte Aufgabe erfüllt. Habt ihr wirklich geglaubt, ihr könntet mit den Beilen Bäume fällen? Ich wollte mit der letzten Aufgabe nur sehen, ob ihr es wert seid, den Zauberwald zu betreten. Ich werde euch das Tor aufmachen und ihr könnt euer Leben lang den Zauberwald betreten, wann immer euch danach ist. Tretet vor das Tor, welches ihr gleich sehen werdet – es wird sich für euch öffnen!"

    Mechthild konnte nicht anders, sie fiel ihrem Liebsten um den Hals und küsste ihn. "Wir haben es geschafft mein Herz, dank deiner Zuversicht, Kraft und Willen."

    Bertold erwiderte den Kuss und sagte: "Wir haben es gemeinsam geschafft, weil wir zusammengehalten haben!"

    Sie nahm seine Hand, drückte sie fest. Mit einem Mal sahen sie das Tor..........ein prunkvolles Tor, mit goldenglitzernden Sternen, die runterfielen. Die Beiden traten vor das Tor – es öffnete sich und..........

    An dieser Stelle endet das Märchen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Jeder einzelne von uns hat Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte und Träume. Wenn ihr vor dem Tor steht, wird euch alles erfüllt – aber denkt daran:

    ES IST EIN WEITER WEG BIS DAHIN !!!!!!!

    von Rolf Glockner



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