Die Geschichte von Michael

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    Re: Die Geschichte von Michael

    alesja79 - 28.04.2007, 20:44

    Die Geschichte von Michael


    Die Geschichte von Michael

    "Nein danke", sagte der Mann zu meiner Rechten, als unsere Gastgeberin ihm vom köstlichsten Dessert anbot, das ich je zu Gesicht bekommen hatte. Während ich mich mit Gusto (und Selbstvorwürfen) über die Schlagsahne hermachte, vernahm ich neben mir ein kaum hörbares Stöhnen. "O Gott, nur ein Löffelchen!" flehte der Mann an meiner Seite, und die Gabel in seiner zitternden Hand zielte schon auf meinen Dessertteller. "Sie machen doch wohl keine Abmagerungskur? Dabei haben Sie bestimmt keine Gewichtsprobleme, Sie Glücklicher! Sie kamen bestimmt schon schlank und hoch gewachsen zur Welt", erwiderte ich und versuchte nicht zu lächeln. Da ich meine Diät sowieso mal wieder hatte sausen lassen, war ich finster entschlossen, den leckeren Nachtisch ganz für mich zu behalten. "In mir steckt ein kleiner dicker Kerl, der sich die Kehle aus dem Hals schreit und nur darauf wartet, losgelassen zu werden", sagte mein Tischnachbar mit ungespieltem Ernst. "Wenn Sie wüssten, welche Qualen ich erdulde! Speiseeis verboten... Schlagsahne strengstens untersagt..." "Wenn Sie wüssten, wie gut ich Sie verstehe", unterbrach ich ihn. Mir gefiel sofort an ihm, dass er seine Schwächen ohne weiteres zugab. "Nach Süßigkeiten bin ich ganz verrückt", sagte er, während ich ihm mein Tellerchen mit dem Rest der leckeren Nachspeise hinschob. Wenig später saßen wir schon vor der zweiten Tasse Kaffee (schwarz und ungesüßt). Wir redeten und lachten nonstop, und die nächsten beiden Stunden vergingen wie im Fluge. Ich hatte ihn erst heute Abend kennen gelernt und hoffte, er würde den Wunsch äußern, mich wieder zu sehen. Als wir uns voneinander verabschiedeten, sagte er:" Wollen wir nicht den Rest des angebrochenen Abends bei mir zu Hause verbringen?" Ich gab mir Mühe, lässig und weltgewandt zu wirken, wie eine Frau, der so etwas unfehlbar bei jeder Dinnerparty passierte. "Sehr gerne, aber vielleicht sollten wir uns vorher zu einem kalorienarmen Abendessen treffen, meinen Sie nicht?" "Einverstanden. Wie wär`s mit Donnerstag?" "Falls schon irgend etwas anderes in meinem Terminkalender steht, lasse ich es Ihretwegen sausen", erwiderte ich ganz lieb und brav.

    Für das Stelldichein am Donnerstag Abend richtete ich mich mit äußerster Sorgfalt her. Ich nahm eine Dusche, puderte mich, verbrauchte eine Menge eines sündhaft teuren Parfums (Eau de Cologne tat es nicht für diesen Mann), schlüpfte in ein reinseidenes Höschen für besondere Anlässe, verkniff mir das Frühstück und tat alles, um so attraktiv zu sein, wie es das Schicksal mir vergönnt hatte. Als ich das Restaurant betrat, geleitete mich der Maitre sogleich zu "Mr. Evans Tisch" und rückte mir den Stuhl zurecht. "Für Sie habe ich zwei Erbsenschoten und ein Soufflè aus einem einzigen Wachtelei bestellt", verkündete Michael mit ausdruckslosem Gesicht, während er mir Champagner einschenkte. Später, als wir uns schon an einem sündhaften Dessert gelabt hatten und vor der zweiten Tasse Espresso saßen, willigte ich ein, das nächste Wochenende mit ihm zu verbringen.

    Als ich am gleichen Abend daheim mit mir Zwiesprache hielt und zauderte, ob ich das Risiko eingehen sollte, mit einem fast gänzlich unbekannten Mann das Wochenende zu verbringen, rief mich Michael an, um mir zu sagen, wie sehr er sich darauf freue, mich schon morgen Abend um acht wieder zu sehen.

    Ich wusch mein Haar mit einem Mittel, das angeblich eine besonders große Tiefenwirkung hatte, und machte mich daran, ein wenig Arbeit durch zu sehen, die ich mit nach Hause genommen hatte. Da hörte ich, wie unten etwas mit einem kratzenden Geräusch durch den Briefschlitz in der Haustür geschoben wurde. Vor der Tür lag ein blassgrauer Briefumschlag, auf den jemand mit der Hand meinen Namen geschrieben hatte. Das Kuvert enthielt einen einzelnen Schlüssel und eine kurze Mitteilung:

    Liebe Joanna,

    ich hoffe, dass ich morgen rechtzeitig bis acht Uhr zu Hause sein kann. Für den Fall, dass ich mich verspäte, schicke ich Dir meinen Wohnungsschlüssel. Bitte mache es Dir bequem und fühle Dich wie zu Hause. M.

    Sein Wohnungsschlüssel! Welcher Mann gibt dir schon seinen Wohnungsschlüssel, es sei denn, du kennst ihn sehr gut. Ich fühlte mich ein wenig beklommen. Er hatte zwar einen sehr lockeren Eindruck auf mich gemacht, und in punkto Gewichtskontrolle waren wir sozusagen Gesinnungsgenossen, aber vielleicht war er einer von diesen Schmalspur-Machos, der von mir erwartete, dass bei seiner Heimkehr schon das Abendessen (kalorienarm) auf dem Tisch stand, und ich ihn in luftigem Negligèe und mit einem Glas seines Lieblingswhiskys in der Hand empfing, wenn er zur Tür herein trat. Ich ließ meiner Fantasie freien Lauf. Vielleicht ist er sogar ein bisschen abartig, sagte ich mir und verspürte dabei ein leichtes Unwohlsein. Doch meine Neugier war stärker. Michael war zweifellos schwer zu durchschauen, er war intelligent und zugleich romantisch. Deshalb entschloss ich mich nach vielem Hin und Her, die Verabredung einzuhalten.

    Am Abend des nächsten Tages stand ich um fünf Minuten nach acht vor seiner Wohnungstür und drückte auf die Klingel. Keine Antwort. Herrgott noch mal, wenn der Kerl wirklich so gefühlvoll war, und wenn er sich tatsächlich so auf diesen Abend gefreut hatte, dann musste er es doch wohl schaffen, vor acht aus dem Büro weg zu kommen! Ich klingelte noch einmal. Er ist vielleicht ein Charmeur, sagte ich mir, aber sehr rücksichtsvoll ist er nicht. Wieder stieg in mir jenes ungute Gefühl hoch. Da vernahm ich in meinem Inneren eine Stimme: er hat einen sehr verantwortungsvollen Beruf, und wir haben uns unter ganz normalen Umständen kennen gelernt. Na los, schließ schon die Tür auf! Ich drehte den Schlüssel im Schloss um, und als die Tür aufsprang, empfing mich eine nahezu totale Finsternis. Nur zwei einsame Kerzen verbreiteten ein flackerndes Licht. An einer lehnte ein Zettelchen. Er ist tatsächlich nicht ganz richtig im Kopf, sagte ich mir und spürte, wie mich die Panik packte. Eine Hälfte von mir wäre am liebsten fluchtartig zur Tür hinaus gerannt, aber die andere drängte mich, vorsichtig, ganz vorsichtig dorthin zu gehen, wo der Zettel auf mich wartete. Auf ihm standen die Worte:

    TRAU DICH! TRITT NÄHER!

    Langsam gewöhnten sich meine Augen an das Dämmerlicht. Ich vernahm gedämpfte Musik. Wenn er sich mit mir irgendeinen Scherz erlaubt..., sagte ich mir und machte ein paar vorsichtige Schritte in die Richtung, aus der Roberta Flacks Stimme zu mir drang. Es fiel mir auf, dass die ganze Wohnung vom Schimmer vieler kleiner Kerzen erhellt wurde. Ich folgte dem Pfad, den mir die Musik wies, und trat ins Schlafzimmer. Eine Kristallvase mit langstieligen weißen Rosen glitzerte im sanften Schein der Kerzen. "Ah, da bist du ja!" sagte Michael und trat aus dem Badezimmer. Er trug Jeans und einen cremefarbenen Kaschmirpullover, der hauchdünn wirkte. "Ich freue mich darüber", fuhr er fort," dass du anscheinend ganz instinktiv den richtigen Weg findest. Komm, lass uns ins Wohnzimmer gehen und erst einmal einen Drink nehmen."

    Kaum hatte ich ein Glas vom kältesten Champagner meines Lebens getrunken, da lachten Michael und ich auch schon über meine Ängstlichkeit. Meine innere Anspannung schmolz dahin, bis ich mich völlig entspannt fühlte.

    "Möchtest du nicht ein Bad nehmen?" fragte Michael ein wenig später. "Aber ich habe gerade gebadet!" protestierte ich. "Aber bestimmt nicht so", sagte er und zog mich hinter sich ins Badezimmer. Während er das Wasser einließ, streute er einige Rosenblätter hinein. Dazu kam eine azurblaue Flüssigkeit, die einen duftenden Schaum ergab. "Du wirkst wie ein Alchimist", sagte ich. Er ging kurz hinaus, um sich einen weichen Hausmantel anzuziehen. Als ich mich in das duftende bläuliche Wasser gleiten ließ, setzte er sich zu mir auf den Rand der Badewanne. In meiner Reichweite stand auf einem kleinen Tisch eine schlichte Vase mit einer einzigen Rose und ein Tablett mit kleinen weißen Schälchen, in denen dunkler Kaviar glitzerte. ( 57 Kalorien pro Unze, stand auf einem Kärtchen, das daneben lag.) Michael hielt mir immer wieder das Champagnerglas an die Lippen. Nach einer Weile ließ auch er sich ins Wasser gleiten.

    Viel später, in den saubersten, weichsten und weißesten Bettlaken, umweht vom Duft der allerschönsten weißen Rosen, zeigte er mir, wie himmlisch er sich auf die Liebe verstand.

    In dieser Nacht machte ein Mann zum ersten Mal richtig Liebe mit Joanna. Joanna war schon vorher mit anderen Männern ins Bett gegangen, aber Michael war der erste Mann, der ihr bei der Liebe das Gefühl gab, dass er sie meinte, dass nur sie für ihn zählte. Er ließ ihre Wunschträume in Erfüllung gehen, indem er ihr zeigte, wie total, fantasievoll und vollkommen die Liebe sein kann. Doch das war noch nicht alles! Nach jenem irrsinnig schönen Wochenende lernte Joanna Michael allmählich besser kennen, und sie begriff, dass auch er von ihr in der Liebe einiges erwartete. Ein paar Wochen später sagte er ihr auch unumwunden: "Morgen ist ein ganz besonderer Tag. Wenn wir abends ins Bett gehen, bist du dran!"

    Es war das erste Mal, dass ein Mann Joanna zu verstehen gab, sie solle in der Liebe tonangebend sein, die Führungsrolle übernehmen, weil er nicht immer derjenige sein wollte, bei dem alle Verantwortung lag. Sie hatte nicht das geringste dagegen einzuwenden. "Ich nehme die Herausforderung an!" sagte sie zu Michael.



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