Kapitel 4 - Vergessene Helden

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    Re: Kapitel 4 - Vergessene Helden

    Anonymous - 15.04.2007, 19:53

    Kapitel 4 - Vergessene Helden
    Der gesamte gallische Stamm der Lepontii, dessen Häuptlinge und Recken schon vor mehr als drei Ahnenreihen (druid. Zeitrechnung) während der beginnenden Überfälle der Römer für ihre Freiheit ihr Leben gaben, verabschiedeten uns einen Tag vor unserer Weiterreise alle sehr herzlich und die meisten gaben uns noch kleine Geschenke (meist Schnitzereien) aber auch Gebrauchsgegenstände wie Heilkräuter, Nahrungsmittel oder Anhänger zum Schutz vor bösen Geistern mit auf den Weg. Die Bewohner des Dorfes wirkten heilfroh, weil unsere gelungene Überraschung auf die morgendlichen, überheblichen, römischen Steuereintreiber, dieselbigen erstmal für eine ganze Weile von Ihrem Dorf fernhalten würde.

    Wir hatten bisher niemals zuvor solch freundliche und entgegenkommende Gallier erlebt auf unserer Reise. Unserer Gruppe schloss sich ein Gallier Namens Puschkin an, dessen Leute uns ja gegen diese rücksichtslosen Imperialisten zur Seite gestanden hatten, und zwei weitere auf den ersten Blick recht einfache Gesellen. Es konnten ihrer Erscheinung nach nur Germanen sein. Die zwei stellten sich uns mit gebührendem Respekt vor und sie schienen zu wissen was sie wollen. "Die Römer sind alles andere als unsere Freunde. Die mit ihren Zahnstochern als Schwerter! Nur leider tragen sie immer auf ihren Rücken eine harte Schutzhaut habe ich gehört, dieses hinterlistige, verabscheungswürdige Pack von jenseits der grossen Berge", knurrte der, der sich selbst Arminius Lippe nannte. Er war mit Bärenfellen gekleidet und schien nicht sonderlich oft ein Bad zu nehmen. Sein Begleiter Bero von der Hüp, so wollte er genannt werden, machte einen ruhigen besonnen Eindruck. Die beiden aus dem Norden stammenden Krieger redeten eine ganze Weile mit Tomasterix und unser Tom erklärte warum er es für sinnvoll hielt diese beiden mit auf unseren Weg zu nehmen. Die Germanen waren im Grunde nie unsere Feinde gewesen, im Gegenteil, unseren eigenen Erfahrungen nach und in Erinnerung an das germanische heruntergebrannte Dorf, welches mit geplünderten Frauen und Kinderleichen übersäht war, wurde nun auch uns bewusst dass wir unsere germanischen Verwandten nicht länger aus der uralten Prophezeiung heraushalten durften. Es war beeindruckend für mich zu sehen, dass die Lepontii längst begriffen hatten was ihre gallischen Brüdern und Schwestern noch nicht verstanden zu haben schienen. Denn die Gallier hier, hatten immer friedlich und in guter, freundschaftlicher Nachbarschaft mit ihren germanischen Verwandten gelebt. Daher wussten sie auch dass selbst die Germanen immer schwerer unter römischen Übergriffen zu leiden hatten. Nach dem Sieg der Römer gegen Vercingetorix vor ca. 50 Jahren konnten die Römer immer weiter entlang des Rheins, aber auch über die Donau in germanisches Gebiet vorstossen. Die Römer scheinen einfach niemals genug zu haben und würden wohl am liebsten bald auch ganz Germanien unterjochen und sein Volk ausbeuten, versklaven. Auch die keltischen Stämme aus dem Norden waren dem selben Monster Untertan, mussten Plünderungen über sich ergehen lassen, verloren einen Mann nach dem anderen bei Überfällen. Sie hatten verdammt nochmal dasselbe Recht wie wir ins Orbis Alia, dem Paradies des heiligen Friedens zu gelangen.

    Meine Druiden-Sinne erlaubten mir immer wieder unsere wachsende Gruppe auf der richtigen Route zu halten. Doch ist es nur uns Druiden möglich diese manchmal sehr nützlichen Hilfen wahrzunehmen und zu deuten. So machten wir uns alle weiter auf den Weg unsere Reise dem erfolgreichen Abschluss, der Gründung einer gallisch/germanischen Heimat näher zu bringen. Mittlerweile waren wir sieben an der Zahl. Tomasterix und seine anmutige Tessa, Pichlax, Puschkin, Bero v. der Hüp, dessen Mentor Arminius Lippe und meine Wenigkeit waren wieder frisch beladen unserm Schicksal auf den Fersen.

    Am 2. Tag unserer Weiterreise kamen wir an ein Flussbett das uns allen die Gelegenheit gab unsere Trinkwasser-Vorräte nocheinmal zu füllen. Seinen riesigen Beutel hergestellt aus dem Magen eines Braunbären in das fliessende Gewässer haltend, bemerkte Arminius einen an der Wasseroberfläche vorbeitreibenden Wolfskadaver aus dem eindeutig römische Pfeile herausragten. "Sie wissen genau dass Wölfe uns heilig sind. Diese Schweine treten alles an das wir glauben mit ihren dreckigen Schlammfüssen. Und wenn es das Letzte ist das ich in dieser Welt tue, sie werden alle dafür bezahlen was sie meinem Stamm, meiner Familie, jedem von uns angetan haben!". Dieser Arminius schien mehr Hass in sich zu tragen als ich zunächst annahm. Jedesmal wenn wir auf Spuren der Römer trafen, war Arminius mehr als wir alle zusammen aufgebracht, wobei er fluchend mit seinen Waffen in Richtung der Fussabdrücke der umherwandernen Legionen gestikulierte. Glücklicherweise waren diese Spuren römischer Legionen hier noch nicht so häufig zu sehen als heutzutage in unseren gallischen Landen um Alesia und Bibracte herum.

    Es schüttete wie aus riesigen Weinfässern und es war schwer auf dem richtigen, matschigen, völlig verschlammten Pfad zu bleiben. Wir beschlossen unterhalb eines schützenden Überhanges zu rasten. Einige Zeit nach Anbruch der Dunkelheit liess der wasserfallartige Regen nach, bevor er schliesslich ganz aufhörte. Mit einigen kleineren Zaubereien hielt ich meine Begleiter wenigstens ausreichend bei Laune. Arminius und Tom verstanden einander zunehmend besser und tauschten immer öfter eifrig ihre erworbenen Kampfkünste mit Bogen und Schwert aus. Wenn die Sinne schon leicht durch den köstlichen Wein der Lepontii angeregt waren, veranstalteten die Beiden an den abendlichen Lagerfeuern sogar einen freundschaftlichen, waffenlosen Faustkampf um das grösste Stück Fleisch das über dem Feuer hing. Tom verliess sich dabei oft einfach auf seine körperliche Überlegenheit, doch konnte Arminius ihm mit seinen ausgeklügelten Bodenattacken den Sieg zumindest einige Male streitig machen. Tessa schien sich überhaupt nicht daran zu stören das Pichlax und Bero öfter auch mal ein paar Weiberwitze in die Runde schmissen. Während dieses lauen Sommerabends genoss ich ein wenig die Stille des Waldes. Einige Zeit entfernte ich mich von der Gruppe um im Wald nach Kräutern ausschau zu halten, die es in dieser Vielfalt im Herzen Galliens nicht zu finden gab.

    Tom, Pichlax, und ich waren eigentlich vollkommen erschöpft von den ganzen Abenteuern die hinter uns lagen doch nun wusste ich aber, dass wir bald endlich das Gebiet erreichen sollten, welches das heilige Orakel zur Gründung einer gallisch / germanischen Siedlung für uns vorbestimmt hatte. "Laut der Worte unseres Orakels werden wir nur wenige Tagesmärsche von hier aus brauchen, um den Ort unserer Stammesgründung zu erreichen", teilte ich meinen Gefährten mit. Mit den Bergen in Richtung Süden, der zentralen Lage zwischen gallischem und germanischem Boden, mit den Langobarden sowie den Haeduanern und Sueben in direkter Nachbarschaft, waren wir in dieser Gegend bestens vor römischen neugierigen Blicken geschützt. Zusätzlich vernahm ich zunehmend die Gegenwart unserer gall.Götter, obwohl ich mir dieses Gefühl nicht wirklich erklären konnte.

    Kurz waren die angenehm, schwülwarmen Nächte, umso länger die heissen Sonnenstunden, an denen wir, entschlossen unser Ziel vor Augen weiter unserer Bestimmung entgegenschwitzten. Dieser Arminius war mir vom Tag der ersten Begegnung an nicht wirklich geheuer. Er war grob im Umgang mit meinen seit Äonen vererbten Utensilien, die Ich dringend zur Zubereitung meiner Heil- und Zaubertränke benötige und von denen er immer wieder einige fur die Verfeinerung seiner fast ausschliesslich tierischen Speisen verwendete, dessen Fleisch auch meist noch einen recht rohen Eindruck machte. "Welchem von Odins beiden Wölfen glich er mehr, Geri oder Freki, dem Gierigen oder dem Gefräßigen", fragte ich mich ? Ausserdem roch er aufdringlich nach nassem Bärenfell ! Der Andere war ein etwas ruhigerer Zeitgenosse, hatte sich aber im Lepontii-Dorf mit mir bereits ein wenig unterhalten. Er war auch ein echter Germane, dennoch fiel mir seine Gegenwart leichter als die seines Mentors. Meiner eigentlich unbegründeten Bedenken zum Trotz wanderten wir gemeinsam weiter, denn immerhin verfolgten wir ja zumindest ein geminsames Ziel. Es galt die gall.- german. Stämme im Kampf gegen die hereinbrechende dunkle Bedrohung des röm.Imperium und deren Ausbeutung aller Völker, die jenseits des grossen Gebirge lebten, zu vereinen.

    Tomasterix und ich waren ziemlich erleichtert hinsichtlich der mehr oder weniger gut überstandenen kleinen Abenteuer, trotzdem konnte ich eine sich breitmachende Nervösitat in jedem von uns wahrnehmen, denn es war ja immer noch die Frage in unseren Köpfen, wie wir den Plan des Orakels und somit die uralte Prophezeiung von der Befreiung aller Gallier und Germanen angehen bzw. verstehen oder umsetzen sollten. Oder waren wir bereits auf direktem Wege und es war von den Göttern alles genauso vorbestimmt wie bisher geschehen ? Puschkin , der uns im Dorf der Lepontii gegen die Römer half war ein sehr verschwiegener Kerl, machte aber einen ehrlichen Eindruck. Wir hatten jetzt einiges zusammen erlebt und unsere neuen Gefährten Puschkin, Arminuis und Bernwarth schienen zumindest keine Feinde zu sein.

    In dieser Nacht waren alle relativ schnell eingeschlafen und diesmal hatte Arminius es nicht einmal mehr geschafft sein Schwert zurück in die Scheide zu stecken. Er war diesmal tatsächlich mitten in der allabendlichen Vorführung seiner Kämpfe gegen die Römer, an einen alten Eichenbaum gelehnt, ins Reich der germanischen "Fürsten-Träume" versunken. Offensichtlich hatte der überdurchschnittlich starke Wein aus dem Lepontii Dorf seine Wirkung hinterlassen. Tomasterix und Pichlax lagen so nah an der Feuerstelle als wollten sie noch kurz vorm Einschlafen ihre mittlerweile vollkommen schwarz-verkohlten Wildschweinschenkel aus den Flammen retten.

    Wie jeden Vollmond blickte ich noch einige Zeit in die Nacht und lauschte den Pflanzen, wie sie wuchsen und sich von der Hitze des Tages erholten. Merkwürdig ruhig fur diese Jahreszeit waren aber die Tiere, fast gespenstisch leise, wirklich ungewöhnlich still. Ich wollte mir selber gerade den Befehl geben mich auf die Seite zu drehen, als ein kleines aber grelles Licht in zick-zack Bahnen hin und her schwirrend auf mich zukam. Von einem leichten Summen begleitet schwebte nun besser erkennbar eine handgrosse, geflügelte Gestalt direkt in meine Richtung. Ein grellumleuchtetes, offenbar weibliches Wesen mit engelsgleichen Zügen näherte sich bis auf wenige Fingerbreit meinem Gesicht. Meine Augen rollten in Richtung meiner Kameraden , aber alle schliefen fest und sie aufzuwecken wagte ich mir aus irgendeinem unerklärlichen Grund nicht.

    Mit feiner, sanfter Stimme, die dem Klang einer "Götter-Laute" gleichkam sprach es : "Druide, es wurde beschlossen Euch bei eurer Aufgabe zu helfen. Darum werden wir Euch "Einen von uns" hinabschicken, auf das es euch in eurer schwersten Stunde, wenn all Eure Hoffnung auf den Frieden der gallischen & germanischen Völker zunichte scheint, ein Licht sein möge, um auf den Weg ins Orbis Alia zurück zu gelangen !" Im gleichen Moment in der ich die Botschaft vernahm umgab mich ein warmes, angenehmes Gefühl von Geborgenheit und ich schlief innerhalb von wenigen Augenblicken ein ...


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    "Wo habt ihr meine Weinflasche versteckt ihr Hunde", weckte mich die rauhe Stimme eines nach verbranntem Wildschwein riechenden Tomasterix am nächsten Morgen. Die Sonne stand noch nicht hoch am Himmel. Die warme Briese aus Osten liess bereits wieder einen recht schweiß-nassen Mittag vermuten. Ich wusste das ich ihnen von der Ankündigung der Götter, dass einer von Ihnen sich uns anschliessen solle, erzählen musste. Ich liess mir aber noch Zeit fur den richtigen Augenblick.

    Pichlax war gut gelaunt und machte schon wieder seine Römerwitze, von denen wir fast alle mittlerweile mindestens 10 mal gehort hatten. Aber er erwartete auch gar nicht, dass man daruber lachte. Arminius und Tomasterix schnallten noch ihre Eibenholz-Bögen über ihre Schultern. Ich bereitete uns auf die Schnelle einen Krafttrank aus Löwenzahn, Salbei, Brennessel und anderen Zutaten, die ich hier nicht näher beschreiben möchte. Dann brachen wir allesamt hoffnungsgeladen auf. Wir zogen in den nächsten Tagen immer weiter Richtung des Sueben-Reiches, aber je mehr Tage vergingen desto unwohler fühlte ich mich, weil ich meinen Gefährten immer noch nicht von meiner nächtlichen Begegnung mit dieser "Belxcia", -was in Druidensprache soviel wie kleine Elfe bedeutet-, erzählt hatte.

    Da waren sie, mächtig , ewig, wie ein Thron der Götter aus gallisch-germanischen Bergketten in den Himmel ragend, uns hoffentlich vor immer mehr machtgierigen, menschenverachtenen und brutalen röm.Horden Schutz spendend, die Alpen. Von den Römern Noricum genannt. Es wurden jetzt selbst um die Mittagszeit nicht mehr solch unerträgliche Temperaturen erreicht, und dies schien Tomasterix ebenso zu gefallen wie Pichlax,Tessa und auch mir. Die Gruppe verstand sich mit der Zeit zunehmend besser und auch mein Eindruck von Arminius war langst nicht mehr der, der er zu Beginn war. Ich ignorierte einfach seine fehlenden Manieren und seinen schmatzenden, schlurfenden Geräusche beim (Fr)Essen entging ich geschickt indem ich mich einfach vorher meiner Flöte widmete, die ich immer bei mir trug. Sie war einfach gehalten, spielte aber 7 verschiedene Grundtöne aus dessen Kombinationen immer wieder hübsche kleine Harmonien entsprangen. Zumindest gefiel es Pichlax und Bero immer, wenn ich am Lagerfeuer die beiden beim Singen begleitete.

    Unsere Vorrate waren weitestgehend aufgebraucht und wir mussten das nächste Dorf ansteuern, da kamen uns hektisch mit den Armen wedelnd zwei, nein drei offentsichtlich ihrer Habe beraubte Händler ihrem Ausehen nach zu urteilen aus vorderasiatischen Gegenden stammend entgegen gelaufen. "Diebe, Räuber , Verbrecher, ! Man sollte sie alle umbringen." Wir gaben ihnen von den Resten unserer Vorräte auch um zu erfahren was denn genau passiert sei und sie berichteten und schilderten uns hasserfüllt und vollkommen ausser sich alles was ihnen geschehen war. Es waren Berichte denen zufolge die Händler der Seidenstrasse immer wieder regelmässig Raubüberfallen der Römer ausgesetzt waren. Keine offiziellen Soldaten, aber Söldner , die wenn sie mit ihrem Sold nicht auskamen keinen Halt davor machten, sich allem zu bemächtigen was unter römischer Herrschaft steht. Arminius war mal wieder als Erster wie auf glühenden Kohlen : "Lasst uns endlich ein Heer aufstellen, diese Schweine von Römer machen wir fertig, wir werden jeden einzelnen von Ihnen,........"(+boooooommm+), ich unterbrach meine wild durcheinander schreienden Gefährten mit einem meiner ´Druiden-Knall-Zauber` und bat sie alle nicht so rasch mit einem Todesurteil an der Hand zu sein. Nach einigen Momenten der Aufregung hatten sich die Beteiligten wieder beruhigt und mit den drei verwahrlosten Händler in unserer Begleitung schlugen wir unseren alten Kurs in Richtung nächstes Dorf wieder ein.

    Wir verliessen die Gegend um Vesontio in östlicher Richtung, die drei aus dem vorderen Orient stamenden Händler bedankten sich für unsere Hilfe und versuchten es von nun an wieder auf sich selbstgestellt zurück in ihre Heimat zu gelangen.. Zu unserem grossen Erstaunen stiessen wir noch auf eines der letzten gallischen Dörfer. Wir hatten uns eigentlich schon auf die Begegnung mit Germanen eingestellt, doch wir wollten uns wenigstens diesen glücklichen Zufall zu nutze machen und uns wurde nach einigen Fragen unserer Absichten betreffend, sofort Einlass gewährt. Man schaute uns nich schief an, obwohl wir bestimmt ein lustiges Bild abgaben. Arminius, Puschkin und Pichlax suchten gleich die nächste Schänke auf. Bernwarth und Tessa wollten ihren Vorrat an Pfeilen aufstocken. Tom und ich sahen uns ersteinmal ein wenig auf dem kleinen Marktplatz um. Viel Plunder und Schmuck war im Angebot, verzierte Trinkhörner, Schilde aus Ebenholz, sehr gute Sehnen für unsere Bögen, kunstvoll verzierte Schädel verschiedenster Tiere, auch germanische Werkzeuge zur Landarbeit oder selbst feinste römische Tuche und vieles mehr war hier zu sehen. Die Bewohner dieses Dorfes konnten allem Anschein nach nicht viel unter Überfällen oder Plünderungen zu leiden haben. Alles in allem war es ein ruhiges, schön hergerichtetes, kleines, scheinbar sehr reiches Dorf. "Wir machen aber nicht zu lange", hatten wir gemeinsam beschlossen, doch war es schwer dies unseren Gefährten klar zu machen, nachdem die sich mal wieder zu lange in der Schänke aufgehalten hatten. Wir blieben deshalb die Nacht über dort und genossen ein für längere Zeit letzes Mal den Schutz von sehr gut instand gehaltenen Palisaden.

    Früh am nächsten Morgen machten wir uns wieder zum Aufbruch bereit. Das Dorf der Ambivaeti schien uns ein perfekter Ort um von hier aus den richtigen Platz für unsere eigene Stammesgründung zu erreichen. Tessa wollte noch einige Besorgungen auf dem Dorfmarkt erledigen und Pichlax musste sein Schwert nochmal beim Dorfschmied unter die Lupe nehmen lassen. "Ich hatte beim letzten mal das Gefühl das der Arm des Römers nich gleich ab*- war beim ersten Hieb, ich lass meine Klinge mal etwas verwöhnen. Ich geh noch kurz zum Dorfschmied , bis gleich", verschwand er.

    Tom und ich philosophierten noch ein wenig, was wir übrigens öfter taten, als ich einen alten, gebeugten, in einen dicken Umhang gewickelten Mann auf uns zukommen sah. "Seid gegrüsst Freunde, ich habe ihr seid unterwegs um uns gegen die röm.Besatzer zu vereinen und zur Wehr zu setzen ?". Wir erfuhren dass er der Dorfälteste war, dessen Vater ( 59-52 v.Chr ) meist gegen die Legionen Marc Anton`s (1.Offizier & enger Freund des Gaius Iulius Caesar) mit seinen Elitekriegern für ihre Unabhänhgigkeit kämpfte und sie sogar beinahe zurückgeschlagen hätte. Er brachte uns seine besten Absichten entgegen. Der alte zerzauste Mann wollte uns eine sichere Reise und weiteres gutes Gelingen wünschen für unser Vorhaben, aber das schien offensichtlich nicht alles zu sein was er von uns wollte. Er bat Tom und mich sehr höflich für eine kurze Weile mit in sein Haus zu kommen , da er uns irgendetwas Wichtiges zu sagen habe. Ich sah Tom an, er mich, wir nickten uns zu. In seinem Haus angekommen setzten wir uns auf das rieseige Bärenfell in der Mitte des Raumes und ohne viel Zeit zu verlieren begann der Alte, der mindestens schon die Entmachtung durch die Ermordung des röm.Schlächters Julius Caesar bewusst miterlebt haben musste, hektisch aber bestimmt im hinteren Teil des Hauses herumzukramen. Offenbar hatte er dort etwas sehr gut versteckt.

    Der Alte, dessen Namen wir immer noch nicht von ihm erfahren hatten (eigentlich ein gall. Brauch sich sofort mit Namen vorzustellen) hielt einen kurzen Moment inne. Er schaute uns beide kurz prüfend an , dann sagte er : "Bitte nehmt dies.", er hielt uns einen kleinen Beutel aus merkwürdig schimmernden Leinen entgegen. Ich nahm den Beutel ohne Nachzudenken und spürte für den Bruchteil einer Sekunde einen Blitz der meinem ganzen Körper durchsuchte. So bemüht wie möglich mir nichts anmerken zu lassen verstaute ich den Beutel schnell in der sichersten Falte meines "Moos"-Umhangs. "Ausserdem.....", sprach der Alte : "leiht mir bitte für eine Weile eure Aufmerksamkeit",..."ihr sollt wissen wie ich in den Besitz dieses Beutels kam. Es ist sozusagen das einzige Erbstück meines Vaters Amboriux." Tomasterix und Ich waren gleichermassen begeistert endlich etwas mehr über den grossen Amboriux erfahren zu können, der die Besatzungspläne der Römer als Waffenbruder und Freund des grossen Vercingetorix jahrelang zum scheitern brachte. Und dies, wie in heutigen gall. Kinderliedern überliefert wird, mit nur einer sehr kleinen Truppe von Eltiekriegern. Er begann uns von der Gründung des Ambivaeti-Stammes zu berichten, erzählte uns wie seine Ahnen Jahrzehnte das Dorf der Ambivaeti und dessen Bewohner wachsen und gedeihen sahen. Sein Tonfall wurde mal sanfter , mal etwas zorniger und weder Tomasterix noch Ich verspürten den Drang aus dieser Erzählung herauszukommen. Ganz im Gegenteil spitzten wir beide zunehmend die Ohren als es zu dem für uns noch interessanteren Teil kam, jetzt konnte selbst ich mir meine innere Anspannung und Neugierde äusserlich nicht mehr völlig verkneifen.

    Der Alte sprach einfach immer weiter : "........eines Tages liessen die mittlerweile sehr auf Rache drängenden röm. Truppen des XIII. Regiments des noch jungen, aufstrebenden Julius Caesar einen grossen Handels-Konvoi mit offentsichtlich sehr kostbaren unter anderem syrisch/ägyptischen Gütern beladen, durch die Länderreien des gallisch/germanischen Grenzgebiets ziehen. Die Stimmung unter den gallischen Elitekriegern war trotz des Umstandes, ein Teil eines seid Jahrzehnten gebeutelten, unfreien Volkes zu sein, immer noch erstaunlich heiter. Im übrigen hatten die meisten von Ihnen schon mehrere kleinere Verletzungen bei den Überfällen auf die Legionäre des XIII. Regiments davon getragen, was sie aber kaum zur Kenntnis zu nahmen. "Sie werden mich feiern wie Vercingetorix bei seiner Ankunft in Bibracte ", dachte sich Ambo, wie er von seinen Freunden meist genannt wurde. Nach der verlässlichen Aussage der beiden hervorragenden Späher Amboriux`, die er oft scherzhaft "Hugin" und "Munin" ( Rabenspäher des Odin ) nannte, sollte ein reich beladener Handelskonvoi mit röm. Kostbarkeiten am nächsten Morgen im Tal zum Suebenreich unterwegs sein. Dies schien eine perfekte Gelegenheit den Konvoi und alle ihre Begleiter schnellst möglich und ohne grosses Aufsehen einzunehmen.

    Mein Vater und seine Recken, denen die Erfolge der letzten Monate schon etwas zu Kopf gestiegen waren wurden mit der Zeit immer siegessicherer und ihre Beute immer wertvoller. Sich bereits als Sieger gegen den ehrgeizigen in Rom geborenen Feldherrn fühlend und völlig von ihrem bevorstehenden Erfolg überzeugt, überlegten sie keinen langen Moment um zu beschliessen sich auch diese Beute nicht entgehen zu lassen.

    Sie trafen sofort alle nötigen Kampfvorbereitungen, wozu auch gehörte sich weitere Symbole unserer Götter auf Ihre Buckel-Holzschilde zu schnitzen. Für seine kunstvollen Schnitzereien ist der Stamm der Ambivaeti übrigens bis heute bekannt. Noch am selben Abend schmiedeten Ambo und seine Gefolgsleute am grossen gemeinsamen Lagerfeuer Pläne für den Überfall im Morgengrauhen des nächsten Tages. Ambo kritzelte mit einem einfachen Stock im leichten Weinrausch die Angriffs-Taktiken in den Sand und liess einige krieger-Witze ab um die Mannen bei Laune zu halten, aber das war gar nicht nötig. Alle waren sie sich einig, noch diese eine fette letzte Beute zu kassieren und dann endlich wieder ab nach hause zurüchzukehren. Fast 2 Jahre hatten sie ihre Frauen und Kinder nun schon nicht mehr gesehen. Sie alle waren guten Mutes ...


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    Die ersten Strahlen der schnell steigenden Juli-Sonne küssten bereits die Bergspitzen der Steinriesen. Amboriux und seine 43 Recken hatten sich auf den oberen Hügelketten im hohen Gras des Vorgebirges auf die Lauer gelegt und alle warteten ungeduldig auf Ambo´s Befehl. "Der morgendliche Nebel wird uns vor allen möglichen Augenzeugen schützen", flüsterte Ambo und es verbreitete sich unter den Männern. Die Augen der allesamt ehrenwerten gallischen Kriegsveteranen blitzten und funkelten im Licht der Gegenstände, welche sich auf dem vor ihnen liegenden Konvoi stapelten. Wie vereinbart machte keiner von Ihnen auch nur das leisestes Geräusch, bis der gesamte Konvoi, dessen Länge ca. 100 gall. Zweihänder betrug, am tiefsten Punkt der Talschlucht zum Suebenreich angekommen war. Der Handelszug mit einer durchschnittlichen Anzahl von einigen Fusssoldaten geschützt, wurde auch ledigliche von einer Handvoll berittener Legionäre begleitet.

    Die griech./röm. verzierten Krüge, Masken aus Persien, Dolche aus Rhodos, Kelche aus Judäa, Zier-Vasen aus feinster chinesischer weissen Jade, viele davon mit pfeilspitzengrossen Juwelen wie z.B. Saphiren oder Rubinen besetzt, sowie all die anderen kaiserlichen, aus kostbarem nubischen Gold hergestellten Utensilien ägyptischer Pharaonen und Herrschern der Skyten und Perser. Viele Kisten und Fässer waren ebenfalls auf dem Zug geladen. Dies alles war zu verlockend und liess Ambo sowie seine Männer jegliche, sonst so gewohnte Vorsicht auf ein Minimum sinken. Diese kostbaren Schätze würden sich daheim bei seinen Leuten sehr gut auf seinen weiteren Machtanspruch auswirken, den Amboriux mittlerweile auch in Bezug auf die benachbarten gallischen Stämme im Sinn hatte.

    Getrieben vom diesem Gedanken gab er seinen Leuten den Befehl zum Angriff: "Für Gallien, für unsere Frauen und Kinder, beim Teutates, für die Freiheit". Seine insgesamt 43 in der Kampfkunst perfekt ausgebildeten und kampferprobten gallischen Krieger preschten jetzt wie aus einem trojanischen Pferd stürzend aus ihrer Deckung im hohen Bergrass. Mit wildem Gebrüll , den kleinen Hügel hinunterstürmend, zogen die stets mutigen Gallier ihre Schwerter. Ihre Blicke mehr auf den Konvoi als auf dessen Begleiter gerichtet, liefen sie alle in einer gemeinsamen breiten Front auf den plötzlich stehengebliebenen Konvoi zu. Jetzt, wo sie auf wenige Meter an dem Ziel ihrer Begierde angekommen waren, schlug die Falle der Legionäre des Marc Anton erbarmungslos zu ...

    Doch dies ist eine andere Geschichte, uns soll ein anderes mal erzählt werden ...

    Der Druide - 15.02.07



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