Blutiger Albtraum

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    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:03

    Blutiger Albtraum
    „Ja Malte. Ja wir treffen uns heute zum Mittagessen. Ich versuche pünktlich Pause zu machen!“
    Die Sonne begann über Hamburg aufzugehen. Franzi stand auf ihrem Balkon und tanke frische Luft um dem harten Job als Polizistin einen weiteren Tag gerecht zu werden.
    „Malte.. Malte... Hey! Hör mir doch mal zu! Ich liebe dich und du glaubst doch nicht wirklich, dass die Traumfrau deines Lebens eine Mittagspause mit dir sausen lässt oder?“ Franzi hatte ein Grinsen auf dem Gesicht, wie hatte sie sich einen solchen Mann eigentlich verdient?
    „Gut. Wenn wir jetzt nicht aufhören zu telefonieren, komm ich zu spät zur Arbeit und Berger streicht mir die Mittagspause. Eben. Das will ich auch nicht. Also ich hab dich lieb.“ Franzi hauchte Malte noch einen Kuss durchs Telefon, atmete erneut mit geschlossenen Augen ganz tief durch, drehte sich einmal um sich selbst und ging zurück in ihr Wohnzimmer



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:04


    Malte hingegen war schon längst im EKH und genoss dort den ersten Kaffee seiner Schicht. Wie so oft plante er mit Franzi die Pausen zu verbringen, doch meistens kam etwas dazwischen. Ob es nun ein Einsatz bei Franzi war oder bei ihm. Manchmal hatten sie sogar denselben Einsatz. Aber heute hatte er das Gefühl sie könnten sich endlich einmal zusammen an der Imbissbude an der Hohen Brücke treffen. In seinen Tagträumen versunken, bemerkte er gar nicht, wie Phillip den Raum betrat.
    „Malte! Malte!“ Dr. Philipp Haase stand auf der Rettungsjacke, die er an hatte. Immer wieder versuchte er Malte, seinen Rettungsassistenten zu erreichen. Für Malte passte das Rufen in seine derzeitigen Gedanken. Franzi!
    Philipp hatte es satt. „Dann eben nicht! Mach ich es eben alleine!“ Wütend verließ er den Ärzteraum und ging den Gang entlang Richtung Garage. Auf dem Gang begegnete er Anna, die soeben auf dem weg zu ihrer ersehnten Pause war.
    „Philipp? Hallo!? Philipp!“ Philipp schien sie gar nicht zu hören. Auch das was er vor sich hin murmelte war mehr als undeutlich. Schulterzuckend ging sie weiter und erreichte das Ärztezimmer. Ein sicherer Griff und sie hatte sich ihre Tasse mit heißem Kaffe gefüllt. Den ersten Schluck genoss sie noch im Stehen, danach setzte auch sie sich an den Tisch. Malte war immer noch nicht ganz in der realen Welt angekommen, das merkte man.
    „Na Malte? Lange Nacht gehabt? Siehst so verträumt aus!“ Malte reagierte auch auf Annas Fragen nicht. „Hallo! Erde an Malte, Anna is talking! Was is denn heute mit euch los?“ Anna schüttelte den Kopf und lehnte ich in den Stuhl zurück. So gut es eben angesichts der unbequemen Stühle ging. Aber das hatte wohl seinen Zweck. Denn wer steht schon gerne von einem gemütlichen Stuhl oder Sofa auf.
    „Hm? Was? Oh! Anna. Na Nachtschicht zu Ende?“ Malte war hochgeschreckt. Erst jetzt hatte er Anna bemerkt, die ihn mit einem kopfschüttelnden Grinsen ansah. „Na das wird ja eine schöne Fahrt für euch zwei werden. Haase der anscheinend mit dem falschen Fuß aufgestanden ist und du, der in seinen Träumen bei der Frau seines Lebens ist.“
    “Wie Phillip war schon da? Oh je. Dann bin wohl eher ich, der ihn da auf den falschen Fuß gestellt hat. Hat er irgendwas gesagt wo er hin wollte?“ Malte war es peinlich Philipp so hängen zu lassen. Immerhin waren sie ein Team und als solches mussten sie funktionieren. Uneinigkeiten und Unstimmigkeiten im Team waren für so manche Extremsituationen im Alltag nicht geschaffen, vor allem nicht für Rettungsaktionen, wie sie den beiden ständig bevorstanden.
    „Nein hatte er nicht, aber er war auf dem Weg zu den Garagen. Denke er wollte noch etwas am RTW durchgehen, bevor es zum ersten Einsatz kommt.“
    „Ich glaube dann sollte ich mich besser auf den Weg machen. Bis dann Anna. Man sieht sich!“



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:05


    In einem Affentempo war Malte zu den Garagen gelaufen und fand Philipp dort im geöffneten RTW stehen und Einiges hin und her räumen. Malte trat neben ihn und rechnete mit dem, was nicht lange auf sich warten ließ. „Ach der werte Hr. Olsen hält es dann auch mal für nötig sich zum RTW zu bewegen um dort nach zu sehen, ob alle notwendigen Medikamente in ausreichender Anzahl vorhanden sind?“ Philipp machte sich nicht einmal die Mühe sich zu ihm zu drehen. Er machte einfach weiter. „Ja es tut mir ja Leid Philipp. Aber als ob dir so etwas noch nicht passiert wäre. Wo kann ich dir denn noch helfen?“ „Nur weil du jetzt auf Wolke sieben schwebst, heißt das noch lange nicht, dass du deinen Dienst hier vernachlässigen kannst. Man Malte. Zu machen ist jetzt nichts mehr. Hab alles aufgefüllt. Aber das nächste mal,.... ich hoffe einfach das es kein nächstes mal geben wird. Klar?“ Als Philipp fertig war, trat er nach draußen und sah Malte, der immer noch in der Tür des RTW stand an. „Dafür darfst du jetzt nach oben gehen, und mir noch einen Kaffee besorgen!“ Malte wollte sich gerade auf den Weg machen, als der Alarm losging.
    „Sorry Philipp. Daraus wird wohl nichts!“ „Ja dein Glück. Super ohne einen Kaffee zum ersten Einsatz“ Beide sprangen auf die Sitze und los ging es.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:05


    Unterdessen wollte Franzi gerade ihr Fahrrad aufschließen um so schnell wie möglich zur nahe gelegenen Wache zu fahren, als sie bemerkte, dass beide Reifen des Rennrades platt waren.
    „Das kann doch nicht wahr sein! Da war doch gestern noch Luft drin. Wie soll.... ach was soll’s!“ Viel Zeit blieb ihr nicht um sich die beiden Reifen noch einmal genauer anzusehen, weshalb sie platt waren. Auf den ersten Blick ließ sich nichts erkennen was die Ursache dafür war und so schloss sie es rasch wieder zu und nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr sprang sie auf und rannte im Eilschritt zur nächsten Bushaltestelle. Als der Bus auch noch Verspätung hatte wurde sie immer ungeduldiger und malte sich schon die schlimmsten Sticheleien der Kollegen aus. Seit diese wussten, dass sie einen festen Freund hatte, oder zumindest über beide Ohren verliebt war, wurde sie für jede Sekunde die sie zu spät oder zu früh kam aufgezogen und gehänselt. Mit 10 Minuten Verspätung kam sie wenig später völlig entnervt auf der Wache an und schlug die Türen achtlos auf, nur um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.
    „Na Franzi. Hat der Traumprinz verschlafen und vergessen Dornröschen aufzuwecken?“ Boje zog Franzi wie so oft mit kleinen Neckereien auf und meinte es durchaus freundschaftlich. Nur heute fuhr er bei Franzi damit auf dem falschen Gleis und bekam einen strafenden Blick von ihr, ehe sie wortlos in der Umkleide verschwand. Mittlerweile hatte Boje den Dreh heraußen und wusste wann er die junge Kollegin mit solchen Neckereien aufziehen durfte und wann nicht. Für heute nahm er sich vor, das ganze wohl doch besser nicht auszuweiten, denn auch in ihrem Job, war es, ähnlich wie bei Malte und Phillip ungeschriebenes Verbot Streits im Dienst auszutragen oder gar entstehen zu lassen.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:05


    „Hey was ‘n los?” Boje saß am Schreibtisch und arbeitete noch einige der gestrigen Berichte durch, als er von einem wütenden Schlag gegen den gemeinsamen Tisch von Franzi unterbrochen wurde. „Ich hasse diese Jugendlichen! Was ist eigentlich so lustig daran, fremder Leute Eigentum zu beschädigen?“ Erst jetzt, als sie wieder verstummte merkte sie, dass diese Emotion fehl gewesen war und etwas beschämt blickte sie fragend zu Boje. „Franzi.“ Monoton und mit einem strengen Blick, den nur Boje drauf haben konnte blickte er ihr genau in die Augen. “Was?” sie hatte gar nicht bemerkt wie laut sie gewesen war. Boje hatte den Kopf zur Seite gelegt und blickte sie unentwegt an. Franzi wurde unsicher und realisierte, dass alle sie anschauten. Nils wollte gerade auf Franzi zu gehen um mit ihr zu reden, weil es ihm als Dienstgruppenleiter wichtig war, dass das Team trotz privater Probleme immer voll bei der Sache war. Boje machte ihm jedoch durch sein Kopfschütteln unmissverständlich klar, dass er das mit Franzi regeln würde. Mit dieser Art der Lösung auch zufrieden drehte Nils wieder um und ließ sich Melanie gegenüber nieder. Auch ihr stand die Frage nach dem Grund von Franzis Wutausbruch buchstäblich ins Gesicht geschrieben, doch Nils zuckte nur kurz mit den Schultern und machte sich weiter an die lästige Papierarbeit. Währenddessen war Boje unter dem Vorwand Kaffee zu holen, Franzi in die Küche gefolgt und hoffte sie hätte eine Erklärung für ihren emotionalen Ausbruch von eben. „Na Franzi, wo drückt der Schuh?“



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.04.2007, 18:06


    „Ach, der Tag hätte so schön anfangen können. Ich hab mit Malte telefoniert, die Sonne ging auf, es war alles so schön. Ich wollte ja pünktlich hier sein. Nur wenn mein Fahrrad von gestern auf heute zwei Platten hat, der Bus dann auch meint zu spät zu kommen und mich hier ein paar nette Kollegen dann noch mit ihren Märchenstunden begrüßen....“ Franzi stand mit verschränkten Armen vor Boje. Er musste doch einfach verstehen, dass sie es langsam satt hatte immer von ihm aufgezogen zu werden. „..... stell dir vor, dann raste ich auch hin und wieder einmal aus. Ist das jetzt auf Grund meines Rangs verboten?“ Ihr war bewusst, dass sie Boje gerade provozierte, doch sie war es Leid immer noch als kleine unwissende, gerade von der Polizeischule entlassene, Polizeimeisterin behandelt zu werden. Boje wusste nicht so recht, wie er sich jetzt verhalten sollte.
    „Franzi. Komm mal wieder runter. Ok ich weiß wenn ich dich aufziehe, dann treff’ ich dich manchmal mehr als ich will, aber das mein ich doch nicht böse. Kennst mich Brummbären doch. Und das mit deinem Rad, willst du eine Anzeige gegen Unbekannt machen?“ Franzi konnte ihm nicht wirklich böse sein, schließlich waren es ja auch nur zu viele Faktoren, die zusammen getroffen waren. „Nein. Bringt doch nichts. Aber ein sag ich dir. Meine Mittagspause, die gönn ich mir auf jedenfall. Und zwar PÜNKTLICH!“ Boje musste seinem Vorwand ja gerecht werden, also hatte er während des Gesprächs die Kaffeemaschine laufen lassen.
    “Sag mal, was machen die da drin denn so lange? Ich glaub ich geh mal nachschauen.“ „Nils. Boje wird das schon regeln. Komm, wenn nicht, dann kannst du in 5 Minuten immer noch reingehen.“ Nils setzte sich wieder und schaute immer wieder zur Küchentür auf. Als diese endlich aufging, kamen Boje, Franzi und eine frischgefüllte Kaffeekanne heraus. Franzi setzte sich an ihren Schreibtisch und ging den Berichten nach, die sie vor einer viertel Stunde schon machen wollte. Boje stellte die Kaffeekanne auf den Tresen und meinte nur freundlich: „Die Runde Kaffee geht aufs Haus.“ Danach ging auch er wieder an seinen Platz und tat ebenfalls als wäre nichts geschehen. Nils hoffte, dass alle Wogen geglättet waren und es bei einem bevorstehenden Einsatz nicht zu einem erneuten Ausbruch kam.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 12.04.2007, 20:18


    Kaum hatte Nils den Gedanken zu Ende gebracht ging bei Wolle am Funk auch schon ein Notruf ein. "Schlägerei Mönckebergstraße, zwei verletzte Personen, eine davon schwer." Erstaunt sahen sich Franzi, Boje, Nils und Melanie an. "Wolle, die Mö gehört doch gar nicht zu unserem Einsatzgebiet." "Egal Nils, alle Kollegen sind bereits bei ner Schiesserei und einem Brand außerhalb. Wer nimmt? Franzi, Boje?" Wolle hätte die Frage gar nicht stellen brauchen, schon war Boje von seinem Stuhl aufgesprungen, hatte sich die Lederjacke geschnappt und Franzi einen vielsagenden Blick zugeworfen. Nur zu gern nahm er diesen Einsatz an um nicht sofort die Berichte weiter zu schreiben. Im Auto startete Boje einen neuen Versuch aus Franzi herauszubekommen was mit ihr los wäre. "Boje, vergiss es, außer dem Fahrrad ist nichts." Genervt blickte sie ihn an und hoffte er würde endlich mit seinen Fragen aufhören. "Na gut Franzi, wie du willst."

    Die Schlägerei mitten in der Stadt stellte sich schlimmer heraus als sie zuerst dachten. Die RTWisten versorgten einen Mann, der neben einer gebrochenen Nase auch noch sämtliche Prellungen und eine ausgekugelte Schulter hatte, während das Polizisten-Duo versuchte die Täter aus dem Knäul Menschen zu ermitteln. "Mein Gott, jetzt hört doch mal auf euch zu prügeln wie kleine Kinder", unwirsch zerrte die Leute einfach aus einander. "Aber der hat uns beschimpft, der ... der ... der ..." "Na na, macht mal halblang, wie wärs wenn dir das auf der Wache klären?!" Während Boje und Franzi sich die Beschimpfungen der Leute anhörten hatte Boje es mittlerweile geschafft an den Anfang der Schlägerei zu kommen und als er den den mutmaßlichen Unruhestifter unsanft am Arm packte musste er stutzen. War es nicht einer der Gewaltverbrecher, die er damals mit seinem ehemaligen Kollegen hinter Schloss und Riegel gebracht hatte? In der Hoffnung der Täter würde sich nicht mehr an ihn erinnern können zog er ihn unsanft zum Peterwagen und stellte ihn dort hin. Während er ihn auf Waffen und sonstige Sachen untersuchte begann er diesen schon zu befragen. "Wie is'n es zu der Schlägerei gekommen?" "Ja man, wie schon, die haben gemeint sie können sich aufspielen, ey, ne man echt nich." Pampig fuhr der braun gebrannte, dunkelhaarige junge Mann Boje an. "Ach sag mal, bist du nicht der Ar*** der mich damals hinter Gitter gebracht hat?" Feindselig funkelte Raiko Boje an und hatte die Frage eigentlich nur ironisch gestellt. "Komm, halt die Klappe. Hände auf den Rücken." Ohne auf dessen Frage einzugehen legte ihm Boje die Handschellen an und ließ nur noch kurz die ausgerückten RTWisten nach den Platzwunden sehen. Nachdem der Anstifter in gewahrsam genommen war suchten auch alle anderen Beteiligten möglichst schnell das weite und innerhalb kürzester Zeit hatte sich der Schauplatz aufgelöst. Zurück blieb nur eine rote Blutlache.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 13.04.2007, 14:04


    Franzi wunderte es, wie grob Boje auch in der Wache noch mit Raiko um ging. Immerhin war das alles nur eine Prügelei gewesen.
    "Boje? Kann ich dich mal eben sprechen bitte? Jetzt!" Für Franzi handelte Boje einfach zu übertrieben. "Oh man! Lässt der sich von der Tussi was sagen. Ich fass es nicht. Was bist du denn für ein Mann?" Für Raiko war das alles nur ein Spiel. Lässig und völlig desinteressiert ließ er sich tief in seinen Stuhl rutschen. "Vorsicht Freundchen! Du has mich noch nicht richtig erlebt. Leg es nicht drauf an!" Bojes heftiger und lauter Schlag auf den Tisch im Verhandlungsraum ließ nicht nur Franzi zusammen zucken. Raiko jedoch verdeckte es so, als ob er sich nur bequemer hinsetzen wollte. Ihm war Franzis Reaktion keines Wegs entgangen.
    "Boje. Sag mal was ist den los? Meinst du nicht du übertreibst es ein wenig? Du behandelst den Typen ja wie einen Schwerverbrecher. man das war doch nur eine Prügelei!" "Franzi. Das ist ein Schwerverbrecher. Mich wundert sowieso, dass der schon wieder auf freiem Fuß ist. Tu mir doch mal den Gefallen, und schau im Computer mal nach, ob ein gewisser Raiko Hinzer irgendwo ausgebrochen ist." Franzi schaute nur skeptisch, was sollte das denn? War das jetzt Egoismus von ihm? Also wollte er den Ruhm für sich einheimsen? Nein so schätzte sie Boje nicht ein. Aber warum durfte sie nicht dabei sein? Nur weil sie unerfahrener war und eine Frau? Nicht ganz das Durchsetzungsvermögen von Boje besaß, was gewiss auch an seiner Größe lag? Sie fühlte sich ungerecht behandelt. Dennoch hatte es keinen Zweck. "Boje?!" "Ich mach hier weiter. Na Los." Langsam und in Gedanken ging sie wieder Richtung Büro und setzte sich an ihren Platz um im PC nach dem Namen zu suchen. Woher kannte Boje eigentlich den vollen Namen?



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 18.04.2007, 13:06


    Ohne genau zu wissen was sie sich von der POLAS Abfrage erhoffen sollte tippte sie den Namen in das Formular und ging auf 'Abfrage starten'. Fast schon erschrak sie als sie plötzlich einen Eintrag vor sich hatte und Raikos von Narben übersähtes Gesicht vor sich sah. 'Wegen guter Führung frei gekommen' - die Worte lasen sich für Franzi wie ein schlechter Scherz und nicht wie die Wahrheit. Raiko Hinzer war vor drei Jahren wegen Vergewaltigung unter Beihilfe eines Messers festgenommen und verhaftet worden. Mit geweiteten Augen und angehaltenen Atem starrte sie auf den Bildschirm und erwachte erst langsam wieder aus ihrer Starre. Rasch druckte sie die Ansicht aus und ging zurück in den Verhandlungsraum. Jetzt dämmerte es ihr auch, wieso Boje so hart zu dem jungen Mann war und dieser so provozierend reagierte. Was würde bei der Vernehmung herauskommen? Hätten sie genügend Beweise und Gründe Raiko fest zu halten oder müssten sie ihn wieder laufen lassen.

    Ohne zu klopfen betrat Franzi den Verhandlungsraum und drückte Boje den Ausdruck in die Hand. "So so gute Führung, vorzeitig auf Bewährung entlassen. Und jetzt sofort wieder eine Schlägerei. Man, was soll denn der Mist?" "Ey Alter, reg dich ab. Ich hab nicht mit der Schlägerei angefangen ..." "Nein? Wer denn dann? Der Unbekannte dritte?" "Ich weiß es nicht. Ich war da einfach irgendwann drin, konnt nix gegen machen." Das Verhör zog sich immer weiter in die Länge und irgendwann ließ sich Boje nur noch die Telefonnummer und die Anschrift geben und konnte nichts anderes machen als ihn gehen zu lassen. "Du kannst auch nichts anders machen als mich gehen zu lassen", fies grinsend drehte sich Raiko noch mal um und blickte Boje unerschrocken an. "Alles andere würdest du bereuen, das lass dir mal gesagt sein."



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 22.04.2007, 19:46


    "Glaubst du ihm?" Franzi lehnte sich neben Boje ebenso an den Tisch. Die Frage war eigentlich sinnlos. Bei dem Vorstrafenregister konnte man dieser letzten Aussage einfach kein Vertrauen schenken. "Franzi. Was denkst du? Wir haben einfach nur zu wenig in der Hand gegen ihn. Wegen einer Prügelei, in die er angeblich nur zufällig geraten ist, kommt er nicht einfach wieder hinter Gitter." Boje ließ Franzi deutlich spüren, dass er der Ranghöhere war und Franzi noch nicht ganz so viel Ahnung hatte. "Wirklich Boje? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Man ich bin doch nicht blod. Und auch wenn der Typ eine fast tief schwarze Weste mit sich herum trägt, ist mir bewusst, dass eine Prügelei nicht ausreicht um ihn wegen Verstoß gegen seine Bewährungsauflage ran zu bekommen."

    Warum musste Boje immer wieder drauf herum reiten, dass Franzi noch fast frisch von der Polizeischule kam. Hatte sie ihm mittlerweile nicht deutlich machen können, dass sie sich voll und ganz für den Polizeidienst eignete und auch wusste worum es geht. Anscheinend nicht. Franzi stoß sich vom Tisch ab und ging richtung Tür, sie wollte einmal freiwillig, die Berichte schreiben. Vielleicht begriff Boje dann, dass ihr der Job mehr als Ernst war. "Mir is der Typ einfach unheimlich. Der hat mich vorhin schon so komisch angeschaut und gemustert. Der is mir garnicht geheuer. Erst recht nicht, wo er mich jetzt kennt. Ich mach mal die Berichte, Herr Oberkommissar Thomforde. Bevor Berger sich noch beschwert." Ohne einen weiteren Kommentar abzuwarten, den Franzi jedoch jeden Moment vermutete, verließ sie den Verhörsaal und setzte sich direkt an ihren Schreibtisch und begann mit dem Bericht.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 26.04.2007, 15:19


    "Nein! Nicht anfassen. Lass mich" "Hey ist ja ok. Tut mir Leid. Ich wollte sie nicht anrempeln. Entschuldigung. Ist alles in Ordnung?" Michael Fiegel war mit dem Pulk von Leuten über die Ampel gegangen. Mitten auf der Straße stieß er dabei einen etwas jüngeren Mann an. Dieser blieb stehn und man hätte ihn nicht auf mitte 20 geschäzt, wenn man es an seinem Verhalten fest gemacht hätte.

    "Kommen sie, wir gehen erst einmal von der Straße runter." Die Autos um sie herum begannen schon zu hupen, verärgerte Autofahrer gestikulierten wild um deutlich zu machen, dass sie endlich die Straße zu räumen hatten. "Neeein! Ich will nicht. Nicht anfassen. Lass das!" Es war nur eine leichte Berührung an der Schulter und der junge Mann wehrte und streubte sich, er drehte sich um und wollte weg gehen, aber dort fuhren schon wieder die Autos. Für Jakob gab es keinen Ausweg, auf der einen Seite die Autos, auf der anderen Seite dieser Mann. Was solle er tun. Er kauerte sich auf den Boden und begann zu wippen, wie immer wenn er keinen Ausweg wusste.

    "Nils. Melanie. Einsatz! Eine scheinbar verwirrte Person verhindert das Weiterfahren der Autos in der Feldstraße, Ecke Glacischaussee." Nils und Melanie sprangen auf, schnappten sich ihr Jacken und liefen zu, Auto.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 05.05.2007, 21:00


    Keine 5 Minuten später waren sie dank Blaulicht und Sirene auch schon an der besagten Unfallstelle angekommen.

    "Na endlich. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ich verpasse noch meinen wichtigen Termin. Nun machen sie endlich die Starße wieder frei. Das Gesindel gehört doch in ein Heim. Furchtbar!" Ein äußerst adrett gekleideter Herr schrie Melanie und Nils richtig an. Er wär mehr als verärgert.
    "Also nun hören sie mal. Wir werden nun erst mal unsere Arbeit hier erledigen und zwar so wie es der Fall benötigt. Wie ich sie kenne haben sie doch ein Handy in ihrem Auto. So mit können sie ihren Terminpartner anrufen und den Termin absagen." Melanie war bei dem Mercedes stehen geblieben, während Nils weiter zu der auf der Straße sitzenden Person zu ging.
    "Hör mal Mädel....." er wollte seinen Satz gerade beenden, als Melanie ihm ins Wort viel. "Also so, Herr......" "Kron" "Herr Kron, brauchen sie mir garnicht erst kommen. a) weil ich mich hier nicht als Mädel abstempeln lasse, und b) weil das hier gerade stark auf eine Beamtenbeleidigung hinausläuft. Sollten sie also vorhaben noch länger hier zu verweilen und uns aufs Revier zu begleiten da sie eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung erhalten wollen, dann bitte ich hindere sie nicht daran." zufrieden lächelte Melanie in sich hinein. Außen musste sie hart bleiben, innerlich spürte sie schon ihren Triumph. "ähm danke nein. Verzeihung. Sie entschuldigen mich? Ich muss dann mal telefonieren." Herr Kron schloss das Fenster und griff nach seinem Handy. Aus dem Augenwinkel konnte Melanie noch erkennen wie er wild gestikulierte und dann verzweifelt das Handy beiseite legte und sich in seinen Sitz fallen lies.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 05.05.2007, 21:30


    "Gibts Probleme?" Nils wollte sichergehen, dass sie ihrer Arbeit nun voll und ganz nach gehen konnten.
    "Nein. War nur ein hoher Bankbediensteter, denke ich, der meinte hier den Larry raus hängen zu lassen. Nachdem er beleidigend wurde. Nicht ernsthaft Nils. Keine Angst, hab ich ihn darauf hingewisen, dass er dabei ist eine Beamtenbeleidigung zu begehen. Da wurde er sooo klein mit Hut. Der sagt nichts mehr. glaub mir. Alles unter Kontrolle." Melanie hatte die Kurzfassung abgegeben und half nun Nils dabei die Aussagen aufzunehmen und den Sachverhalt zu klären. Sie wand sich Herrn Fiegel zu während Nils versuchte mit Jakob zu reden.

    "Sie sind Herr Fiegel? Und wie heißen sie bitte mit Vornamen?" "Michael. Das war wirklich keine Absicht! Ich hab ihn doch nur ausversehn angerempelt. Und dann wollte er nicht mehr von der Starße. Ich hab nichts gemacht wirklich nicht. Das müssen sie mir glauben. Der hat vollkommen übereagiert!" Man sah Michael die Verzweiflung an. "Nun beruhigen sie sich mal. Mein Kollege spricht jetzt mal mit ihm und dann sehen wir weiter. Machen sie sich keine Sorgen. Es wird sich alles aufklären." Warum war er nur so nervös, dass man ihm die Schuld geben würde? Die andere Person muss ja wirklich äußerst ungewöhnlich reagiert haben.

    "Hallo. Wie heißen sie denn?" Nils war langsam an die verstörte Person heran getreten. Aber immer noch trennten ihn ca 3 m. Gerade bei verstören Personen müsse man mit allem rechnen und die Person nicht unnötig unter Stress setzen.
    "Bleiben sie wo sie sind! Kommen sie nicht näher!" Jakob bewegte sich keinen Meter von seinem Platz weg. Warum mussten immer alle so nah kommen. Wussten sie denn nicht, dass er das nicht mochte? Alle welt muss das doch wissen. Es geht doch jedem so! Jedem in seiner Wohnsiedlung.
    "Ok ok. Ich bleibe hier stehn. Kein Problem. Ich werde nicht näher kommen. Nur sagen sie mir jetzt wie sie heißen? Das ist nur, damit wir uns ein bisschen besser unterhalten können. Ich bin übrigens Nils." Nils kam das Verhalten der Person sehr merkwürdig vor. Er schien irgendetwas zu haben, was ihn nicht anders handeln ließ. Sicherheit halber gab er Melanie Bescheid, bei Wolle doch mal nach zufragen, ob irgendeine vermisste Person gemeldet war.
    "Peter21-1 Anton für Peter21 kommen!" "Peter 21-1 Anton hört. Wolle was hast du gefunden?" "Leider nichts genaues. Hat Nils mittlerweile den Namen raus?"

    "Nils. Das ist die schwedische und norwegische Form von Nikolaus. Abgeleitet vom grieschichen Wort für 'Sieg' und 'Volk'. Dein Namenstag ist der 6.12. Nikolaus Tag." Nils war baff. Wow. Woher wusste er das nun schon wieder. Er hatte seinen Namen der Person gegenüber das erste mal erwähnt und er legte ihm den Namensursprung da. "Jakob Föller. Jakob bedeutet 'Überlister' oder 'Fersenhalter'. Der Ursprung liegt in der Bibel" Melanie hatte den Namen mit bekommen, und gab ihn sofort an Wolle durch. Kurze Zeit später zeigten sich sogar Erfolge auf. Wolle hatte eine Vermisstenanzeige einer betreuten Wohnsiedlung für Autisten gefunden und Nils hatte langsam das Vertrauen des jungen Jakobs erlangt.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 05.05.2007, 22:25


    "Bist du mit dem Polizeiwagen da? Ich wollte schon immer mal in einem Polizeiwagen fahren!" Nach langem Schweigen und vergeblichen Versuchen von Nils, Jakob dazu zu bringen, doch mit ihm auf dem Bürgersteig weiter zu reden, damit die ganzen Autos weiter fahren können, war Jakob aufgesprungen und schaute freudestrahlend um sich.
    "Ähm ja. Schau dahinten steht er. Wollen wir mal dahin gehen?" Kaum hatte Nils das gesagt, waren sie auch schon auf dem Weg zum Streifenwagen.
    Melanie erfragte noch schnell die Adresse des Wohnheims und versuchte das entstandende Chaos einigermaßen geregelt aufzulösen. Nachdem dies eher schlecht als gut gelungen ist, ging auch sie zurück zu Nils.

    "Wir müssen in die Trappenbekstraße 107 in Eppendorf. Ich nehme an ich fahre?" Sie nahm den Schlüssel von Nils engegen und ging um den Wagen herum. Nils nahm derweil neben Jakob platz, damit der sein Vertrauen nicht verlieren würde.
    "Fahren wir jetzt auch mit Blaulicht und Sirene?" "willst du das? Dann können wir gleich mal ganz kurz anmachen." "Nein! Das is so hell und laut. Das mag ich nicht. Nicht anmachen!" Jakob schwang von der fröhlichen in die kindlich trotzige Phase, die Hr. Fiegel wohl voll getroffen hatte, um. "Nein wir machen sie nicht an, wenn du das nicht willst. Keine Angst!"

    10 Minuten später hatten sie sich durch den Verkehr gedrängelt und standen nun vor der großen Anhöhe mit einem Gebäude, dass sehr an alte Kampusbilder von Nils Cousine erinnerte, die er immer gezeigt bekommen hatte.
    "So Jakob. Bist du hier nicht zuhause?" Melanie hatte das Auto abgestellt und alle drei machten sich auf den Weg zur Rezeption, wo sie hoffentlich jemanden aus dem Betreuungspersonal antreffen würden.
    Schnell hatten sie diese gefunden und auch der Pfleger bedankte sich dafür, dass sie ihn doch so rasch wieder hergebracht hatten. Jakob war nämlich auf eigene Faust losgezogen und hatte seine Ausgehzeit weit überschritten.
    "Nils, kommst du noch mit nach oben? Ich will dir meine Wohnung zeigen. Die ist voll schön!" Jakob war voller Vorfreude und seine Augen strahlten wie die eines Kindes an Weihnachten. Hoffentlich würde die Enttäuschung für Jakob nicht zu groß werden.
    "Tut mir leid Jakob, aber ich muss noch arbeiten. Aber man sieht sich bestimmt bald mal wieder. Also war wirklich nett dich kennen zu lernen. Machs gut."

    Nils und Melane gingen zurück zum Auto, Jakob begab sich mit seinem Betreuer auf den Weg zu seiner Wohnung.

    "Man der Einsatz hatte es aber nun in sich. Im PK brauch ich erst mal nen starken Kaffee!" Nils ließ sich in den Beifahrersitz fallen und schloss ganz kurz die Augen und atmete tief durch.
    "Das du dabei so ruhig bleiben konntest ist mir echt ein Rätsel. Ich konnte Herr Fiegel echt verstehen, erstrecht nachdem wie er bei der Blaulichtsache reagiert hat. Da bin ich doch über meinen Job als Polizistin froh. Pfleger wäre nichts für mich."
    "Du für mich auch nicht. Aber komm las uns los fahren."



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 09.05.2007, 21:28


    Franzi und Boje hatten in der Zwischenzeit weitere Einsätze hinter sich gebracht und wieder war es Franzi die am Schreibtisch saß und den Bericht tippte, während sich Boje mit Nils und Melanie über deren Einsatz unterhielt. Das Lachen und die gute Stimmung waren bei Franzi auch noch zu hören und machte ihre Laune auch nicht besser, wusste Boje doch, dass sie das ebenso ungern machte wie er selbst auch. Ihre Laune besserte sich erst als ihr Handy plötzlich zu klingeln begann und sie schon am Display sah, dass Malte sie anrief. Schnell waren die nervigen Berichte vergessen und sie nahm noch während dem Hinausgehen ab. "Hey Malte." "Na du, alles klar bei euch?" "Ja ja, passt schon", den griesgrämigen Ausdruck in ihrer Stimme konnte sie nicht verbergen und wusste dass Malte sofort nach dem Grund fragen würde. Deshalb schob sie die Antwort auf diese Frage auch sofort vor um ihm zuvor zu kommen. "Sind nur so doofe Berichte und mein plattes Fahrrad heute vormittag. Aber warum rufst du an? Habt ihr keine Arbeit?" "Doch das ist es ja eben, Franzi ich weiß nicht ob ich es heute Mittag schaffe. Wenn ich nicht pünktlich komme warte nicht auf mich okay? Dann verschieben wir das auf Abend, ja?" "Klar, kein Thema. Ich freu mich auf jeden Fall", rasch hauchte sie ihm noch einen Kuss durch die Leitung und legte rasch auf, da sie im Hintergrund mitbekam, dass er einen neuen Einsatz bekommen hatte.

    Wieder mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen ging sie zurück zu ihrem Schreibtisch und tippte etwas besser gelaunt weiter an den langweiligen Berichten. Der nächste Einsatz für Franzi und Boje ließ noch länger auf sich warten, kam dann aber genau zu der Zeit als Franzi sich gerade auf den Weg zum EKH und Malte machen wollte. "So ein Mist", schimpfend schnappte sie sich ihre Lederjacke und lief Boje hinterher nach draußen. Kurze Zeit später waren sie am Einsatzort angekommen und der Verkehrsunfall stellte sich trotz der beiden leicht verletzten Personen als komplizierter heraus als sie zuerst annahmen. Immer wieder blickte sich Franzi in der Menge Schaulustiger um und wurde das mulmige Gefühl nicht los beobachtet zu werden. Aus den Augenwinkeln heraus hatte sie sich eingebildet den Schläger von Vormittags wieder entdeckt zu haben. Sollte er auch mit dem Verkehrsunfall etwas zu tun haben?

    "Hey Franzi, hilf mal mit hier", die laute und harte Stimmte von Boje riss sie wieder aus ihren Gedanken und rasch bahnte sie sich einen Weg durch die Menschenmenge. "Mensch wo warst du?" "Erklär ich dir später. Was ist los?" "Du musst mir bei den Zeugenaussagen helfen, das ganze ist mehr als schleierhaft." Routiniert machten sich die beiden wieder an die Arbeit und vernahmen noch vor Ort mehrere Zeugen, die meinten Hinweise zum Unfallhergang liefern zu können. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie das Mittagessen mit Malte vergessen konnte. Dafür war es bereits viel zu spät und der anstehende Papierkram würde wohl noch bis in den späten Nachmittag reichen.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 10.05.2007, 16:07


    "Sag mal wo warst du vorhin eigentlich?", scharf fuhr Boje Franzi an als sie wieder im Wagen saßen und fuhr aggressiv an. Er fand nicht gut wenn sie sich einfach aus dem Staub machte während er versuchte sachlich zu ermitteln und das ließ er sie auch spüren. "Hats dir die Sprache verschlagen oder was?" "Jetzt hör mir mal zu werter Herr Kollege. Am Tatort war aller Ansicht nach auch Raiko von heute vormittag anwesend. Was wenn er wieder etwas damit zu tun hat? Er hatte dir doch Rache geschworen oder? Du kannst doch nicht sicher sagen wie diese ausfällt oder?" Franzi hatte ihm das in sachlich ruhigem Ton erklärt und hoffte das würde ihn nicht noch mehr auf die Palme bringen. Sie hatte es satt ständig die kleine, unerfahrene, dumme Kollegin zu sein. "Hinzer war am Unfallort? Du willst mich auf den Arm nehmen", erschrocken starrte Boje seine Kollegin an und wusst nicht was er von dieser Information halten sollte. "Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich meine ihn gesehen zu haben. Deshalb bin ich auch hinter her."

    Die restliche Fahrt über zum PK schwiegen die beiden und das Schweigen wurde nur einmal durch das Piepsen von Franzis Handy durchbrochen. Die Nachricht von Malte laß sie kurz durch und schob weiterhin schweigend das Handy wieder in die Jackentasche. Auf der Wache angekommen holte sie sich und Boje erstmal einen Kaffee, während sich dieser schon an die Berichte machte. "Hier dein Kaffee. Seit wann schreibst du Berichte freiwillig?", neckend stellte sie die Tasse vorsichtig genau vor seiner Nase auf den Tisch und ließ sich ihm gegenüber nieder. "Naja, alles kannst du ja auch nicht machen, und deshalb ..." Vom eindringlichen Klingeln seines Telefons wurde Boje gezwungen die vermeintlich nette Antwort zu unterbrechen.

    "Polizeikommisariat 21, Apparat Thomforde. Was kann ..." "Spar dir das gerede, ich will dich nur warnen." Erschrocken riss Boje die Augen auf und stellte das Telefon augenblicklich auf Lautsprecher, so dass die verzerrte Stimme im ganzen Raum zu hören war. "Pass mal auf du super Bulle. Ich lasse mich nicht an der Nase herumführen." "Wer sind Sie überhaupt?" "Tut nicht zur Sache, das wirst du noch früh genug herausfinden. Aber du solltest besser auf deine kleine Kollegin aufpassen, ich habe nämlich Gefallen an ihr gefunden. Und es wäre doch wirklich zu schade wenn ihr etwas zustoßen würde nicht wahr?" Die Anfangs so rauhe Stimme war jetzt einem süßen Säuseln gewichen, das den Anwesenden noch mehr Angst machte. Mit wem hatten sie es hier zu tun und was wollte der Anrufer von Franzi?



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 10.05.2007, 17:31


    Franzi war augenblicklich sämtliche Gesichtsfarbe entwichen und sie starrte abwechselnd Boje und das Telefon an. Wer wollte da etwas von ihr? Was hatte dieser Unbekannte mit ihr vor, und vorallem warum ausgerechnet sie? Franzi konnte sich nicht erinnern in ihrer doch noch so kurzen Zeit am PK 21 irgendeinen Verbrecher dingefest gemacht zu haben, der Rache geschworen hätte. Innerhalb kürzester Zeit war es im gesamten PK still geworden und ein paar Kollegen stellten sich ebenso wie Nils und Melanie um den gemeinsamen Schreibtisch von Boje und Franzi. Gebannt lauschten sie jedem Wort des geheimnisvollen Anrufers und während des weiteren Gesprächs wurde klar, dass es sich hierbei nicht nur um irgendeinen Scherz handelte, sondern ernst gemeint war. "Hör endlich auf hier so herum zu schleimen und sag lieber, warum du meine Kollegin willst", wütend knurrte Boje ins Telefon. Die erschrockenen Blicke seiner Kollegen ignorierte er, schließlich ging es hier nicht um ihn, sondern um Franzi, und die galt es hier best möglich zu schützen. "Pass mal auf hier, ich lass mir von dir nicht drohen. Wenn du willst, dass ihr nichts passiert, musst du schon Tag und Nacht auf sie aufpassen, ist das klar?" Ohne Boje noch ein weiteres Mal zu Wort kommen zu lassen legte die unbekannte Stimme auf und das Schweigen im PK schien alle Anwesenden fast zu erdrücken.

    Irgendwann hielt es Franzi nicht mehr aus. Sie stand auf und verließ den Raum. Sie konnte dem ganzen nicht mehr zuhören. Zu viele Gedanken kreisten in ihrem Kopf herum. Sie betrat die Umkleide und ging zu den Bänken die dort standen. Darauf ließ sie sich nieder und zog ihr Handy aus der Tasche. Ihre Finger huschten über die Tastatur. Im Adressbuch suchte sie nach Maltes Nummer und kreiste lange über der Taste zum Abnehmen.
    Sollte sie ihn anrufen? Sie würden sich doch heute Abend treffen. Oder war es doch wichtiger und so dringend, dass sie ihn anrufen müsste. So in Gedanken versunken erschrak sie regelrecht und ließ ihr Handy fast fallen als der schrille SMSton die Ruhe und ihre Gedanken durchbrach.

    'Hey meine Maus. Sorry wegen heute Mittag. Ich hoffe du hast nicht zulange gewartet. Ich liebe dich Malte'

    Als hätte er geahnt, dass sie genau in dem Moment seine Unterstützung brauchte, schrieb er ihr diese Zeilen. Die wenigen Worte hatten ihr schon geholfen und mit einem etwas besserem Gefühl begann sie ihm eine kurze Antwort zu schreiben. Nach dem sie die Nachricht gesendet hatte, suchte sie das Bild von Malte und ihr im Spint. Setzte sich wieder hin und dachte einfach nach. "Ich liebe dich auch Malte" Diese Worte hatten ihr soviel Kraft gegeben, dass sie bereit war sich dem Unbekannten zu stellen. Sie war nicht unter zu bekommen. Bevor sie zu Boje und den anderen zurück ging spritzte sie sich noch etwas Wasser ins Gesicht, atmete noch einmal tief durch und ging zurück.

    "Alles ok Franzi?" Nils blickte kurz auf und sah sie besorgt an. Viele Kollegen hatten sich wieder zurück gezogen, aber Nils und Melanie standen immer noch an ihrem Schreibtisch, während Boje versuchte irgendeinen Zusammenhang zwischen einem Verbrecher den er gefasst hatte und der Stimme herzustellen. "Wolle hast du endlich was?" "Boje, ich bin noch dran." Unruhig stand Boje auf und ging in die Küche unter dem Vorwand sich einen Kaffee zu holen. In Wirklichkeit wollte er nur etwas zur Ruhe kommen und alleine überlegen wer seiner Kollegin etwas tun wollte. Während er gedankenverloren an der Arbeitsplatte stand drang plötzlich das Stimmengewirr von Nils, Melani, Wolle und Franzi zu ihm durch und augenblicklich ging er zurück zu den beiden. "Was ist los?" "Der Anruf kam aus einer Telefonzelle." "Welche?" "Ja, das ist das Problem." "Was kann es da für ein Problem geben Nils?" Boje merkte nicht wie er immer lauter wurde und seinen Vorgesetzten fast schon anbrüllte. "Das ist genau die, die neben Franzis Wohnung steht."



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 13.05.2007, 21:21


    Augenblicklich verstummte Boje wieder und ließ sich fast schon kraftlos auf seinen Schreibtischstuhl sinken, während Franzi, die das ganze ja eigentlich nach außen eine fast unnatürliche Ruhe ausstrahlte. "Franzi, ist alles in Ordnung mit dir? Du brauchst uns nicht die Heldin vorspielen, wir verstehen, dass dir das an die Nieren geht." Vorsichtig versuchte Boje zu seiner Kollegin durchzudringen, aber sie blockte ihn wehement ab. Wollte ihn nicht an ihren Gefühlen teilnehmen lassen. Ihr sollte schließlich etwas angetan werden, nicht ihm. "Nein nein Boje, ist schon in Ordnung. Ich komm damit klar." Um ihre Worte zu bestätigen ließ auch sie sich wieder auf ihren Stuhl sinken, strich sich rasch ein paar Locken aus dem Gesicht und schreib weiter die Berichte, die sie vor dem Anruf angefangen hatte. Während sie sich verbissen auf die trockene Schreibtischarbeit konzentrierte merkte sie nicht wie schnell die Zeit verging, auch schaffte sie es für diese Zeit die nagende Ungewissheit und Angst zu verdrängen, die sie durch den Anruf beschlichen hatte.

    Nach und nach verließen die Kollegen das PK und traten ihren wohl verdienten Feierabend an. Auch Nils kam in Zivil noch mal an Franzis Schreibtisch und klopfte um Tschüss zu sagen. Er war gerade im Begriff zu gehen, als Franzi ihn erst wahrnahm und sich zu ihm umdrehte. "Ähm ja schön Feierabend Nils." "Franzi?" "Hm?" "Mach nich mehr so lange. Es bringt außerdem nichts, wenn du dir denn Kopf unnötig zerbrichst. Das machen schließlich andere schon!" Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen verließ er das PK und umarmte Anna, die bereits auf ihn gewartet hatte, in der Hoffnung die Gedanken an Franzi verdrängen zu können.

    Bei dem Anblick erinnerte sich Franzi daran, dass sie ja noch mit Malte verabredet war. Jedoch war es schon viertel vor sieben. Ob sie jetzt noch einen Tisch bekommen würden. Irgendwie hatte sie auch keine große Lust mehr heute Abend noch irgendwo hin zu gehen. So nahm sie den Hörer in die Hand und wählte Maltes Nummer.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 13.05.2007, 22:02


    "Hey Malte. Ich bins", nervös spielte Franzi mit dem Kugelschreiber, in ihrer Hand. "Alles klar bei dir? Bist du doch sauer, das es mit der Mittagspause nicht geklappt hat? Mensch Franzi du weißt doch wie das ist." Malte plapperte mal wieder einfach drauf los und Franzi musste nach der ganzen Geschichte das erstemal wieder von Herzen grinsen. Er war einfach zuckersüß. "Franzi? Noch da?" "Öhm ja. jaja. Entschuldige. War kurz in Gedanken." "Ist wirklich alles ok bei dir? Du weißt du kannst mit mir über alles reden!" "Ja ich das weiß ich. Aber es ist nichts. wirklich. Ich wollte nur....., also ich weiß nicht..... irgendwie....." "Franzi na komm sag es doch einfach. Ich werde dir gewiss nicht den Kopf abreißen, denn Nähen war nicht mein Pflichtfach in der Ausbildung gewesen." Malte versuchte mit seinen Witzen, die er sich zum Teil wohl von seinem Vorgesetzten Haase abgeschaut hatte, Franzi zum Reden zu bringen, denn er merkte deutlich, dass sie doch etwas bedrückte. "Na wenn du es nicht sagen willst, dann musst du es auch nicht. Aber dann frag ich dich noch mal eben was, damit das Gespäch nich ins Schweigen verfällt. Sag mal wann wollen wir uns denn heute Abend treffen? Also in einer halben Stunde könnte ich hier raus. Dann könntest du mich abholen und wir gehen zusammen los."
    "Ja genau das ist es ja, Malte..." Franzi klickerte immer wieder mit dem Kuli und Boje, der immer wieder skeptisch auf den Kugelschreiber blickte und dem das Geräusch mittlerweile tierisch auf den Geist ging, schnappte sich ihren Kuli und legte ihn vor sich auf den Schreibtisch. "Sorry Franzi, aber das geht mit auf den Zeiger. Es ist doch nur Malte. Mensch der liebt dich doch, nun sag ihm nedlich was los ist!"
    "Ich hab Boje gehört! Na los was ist los mit dir?" Franzi warf Boje einen bösen Blick zu. "Nichts! Ich hab einfach keine Lust heute Abend mehr weg zu gehen. Aber wenn du unbedingt willst, dann können wir....", antwortete sie halbherzig, denn sie wollte Malte auf keinen Fall den den Abend verderben. "Sag mal Franzi. Das ist doch kein Weltuntergang. Wenn du so fertig bist heute von der Arbeit, dann müssen wir auch nirgends hin gehen. Ich kann uach einfach mit einem schönen Film zu dir kommen, und wir lassen den Pizzadienst fahren. Was hälst du davon?" Franzi war sprachlos. Es klang verführerisch, aber sie wollte irgendwie alleine sein heute Abend. "Machen wir das ein anderes mal Malte. Ich muss noch meine Reifen flicken, die mir heute morgen so platt entgegen strahlten. Nimms mir nicht übel ja? Es klingt echt verführerisch, aber ich brauche den Abend mal für mich." Malte nahm es etwas geknickt hin, willigte aber ein. Er hatte sich so sehr auf den Abend gefreut. Nun wüden sie ihn also alleine verbringen.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 15.05.2007, 20:53


    Nachdem Franzi mit Malte fertig telefoniert hatte, machte sie rasch ihren PC aus und und wechselte nur noch die nötigsten Worte mit Boje ehe sie aus dem Gebäude hinaus ging. Auf dem gesamten Weg nach Hause drehte sie sich immer wieder um und kontrollierte ob sie eventuell verfolgt wurde. Relativ unberuhigt und nervös zog sie zu Hause ihr Fahrrad heraus und begann die Reifen zu flicken, was sich allerdings als sehr viel schwerer und langwieriger herausstellte als sie zuerst annahm. Die Reifen waren mehrmals zerstochen und schließlich noch an manchen Stellen geschlitzt worden. Resigniert gab sie es auf und sperrte das Fahrrad schlecht gelaunt wieder in den Keller. Wie sonst auch öffnete sie noch rasch den Briefkasten, als ihr auf einmal ein knallroter Umschlag entgegenflog und langsam zu Boden segelte. Noch nervöser und ängstlicher hob sie ihn auf und stieg langsam die Stufen zu ihrer kleinen Wohnung hinauf.

    "ICH MEINE DIE DROHUNG ERNST!!! DU BIST NIRGENDS VOR MIR SICHER! ICH WEISS WO DU WOHNST UND WERDE DICH VERFOLGEN BIS ICH DICH HABE!!"

    Mit schwarzem Edding geschrieben sprangen ihr die wenigen Worte ins Auge und alle Luft entwich ihr, wie nach einem Schlag in den Bauch. Kraftlos ließ sie sich auf den Boden sinken und drehte und wendete den Umschlag in alle Richtungen. Kein Absender, wie zu erwarten gewesen war, aber auch sonst keine Auffälligkeiten. Es schien egal zu sein was sie machte, der Unbekannte hatte sie im Blick und würde sie irgendwann schnappen. Aber was würde er dann mit ihr machen? Etwas mulmig stand sie wieder auf und sperrte rasch die Wohnungstüre ab, ehe sie doch wieder zum Handy griff und Malte anrief. Was sollte sich dieser nur denken, wenn sie ihm zuvor einen Korb gab und jetzt doch anrief, weil sie seine Nähe spüren wollte. "Moin Malte." "Franzi. Was gibts", kälter und abweisender als er es vorgehabt hatte begrüßte er seine Freundin. "Du ... ich ... es ...", stotternd versuchte sie ihm zu sagen warum sie anrief, aber schon bei dem Gedanken daran ließen ihr die Tränen hinunter und sie schluchzte laut auf. "Um Himmelswillen Franzi, was ist passiert?" Das Schluchzen am anderen Ende der Leitung hatte Malte getroffen und er vergaß jeden Groll und Ärger den er gegen sie gehegt hatte. Sie schien mit ihren Nerven am Ende zu sein, aber wieso nur? "Hey Maus, beruhige dich. Wo bist du? Zu Hause? Pass auf, ich komm jetzt vorbei und dann erzählst du mir was los ist." Ohne ein weiteres Wort zu sagen legte er auf und verließ eilig seine Wohnung. Was auch immer mit seiner Freundin los sein sollte, sie hörte sich an als würde sie ihn jetzt wirklich brauchen und er wollte für sie da sein.

    Als es dann bei Franzi an der Haustüre klingelte furh sie wie von der Tarantel gestochen hoch und rannte fast zur Tür. "Malte, bist du das?" "Ja." Zögerlich nahm sie den Haustürschlüssel und sperre die Wohnung wieder auf. Durch einen kleinen Spalt lugte sie nach draußen und erst als sie wirklich sah, dass Malte vor der Tür stand öffnete sie die Tür ganz, zog ihn rasch hinein und verschloss ebenso schnell wieder die Türe hinter sich. "Was um alles in der Welt ist passiert?" Sanft schloss er seine Freundin in die Arme und strich ihr langsam über den Rücken um sie wieder zu beruhigen, denn die Tränen liefen ihr immer noch wie Sturzfluten übers Gesicht. Erst als sie sich dagegen sträubte ließ er wieder locker und sah sich dann ebenso schockiert wie sie zuvor auch, den Brief an. "Und er hat im PK auch schon angerufen? Deshalb wolltest du heute alleine sein?" Franzi kommentierte die Fragen immer nur mit einem Nicken und ließ sich von Malte aufs Sofa ziehen, wo er sie sanft in den Arm nahm und versuchte ihr so Schutz und Sicherheit zu vermitteln.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 17.05.2007, 15:21


    "Ich hab Angst Malte. Was soll ich denn machen?" Sie kuschelte sich immer tiefer in die Arme von Malte. Warum musste ihr das ausgerechnet passieren? Woher wusste der Absender wo sie wohnt? Kannte sie ihn vielleicht doch und hatte es nur nicht in Erwägung gezogen? Der Gedanke daran, dass er sie beobachtete machte sie fertig.

    Plötzlich schoss ihr ein Gedanke in den Kopf, der sie noch mehr beunruhigte. Wenn er wusste wo sie wohnt, wer sie war und wo sie arbeitete, was wusste er dann noch? Wusste er von Malte? Hat er ihn vielleicht gesehen, als er zu ihr kam. Dieser Gedanke, dass Malte nun auch noch mit reingezogen sein könnte, ließ sie innerlich zittern. Sie löste sich von Malte und rutschte an das andere Ende des Sofas. Malte war verwundert über die Reaktion von Franzi. "Hey was is denn los? Was hast du auf einmal?" "Malte. Wenn er mich kennt und mich beobachtet dann..." Franzi wagte es nicht den Gedanken auszusprechen. Er tat zu sehr weh, das sie möglicherweise der Grund sei wenn nun auch Malte Probleme bekommen würde. "Franzi was dann? Sprich doch bitte mit mir. Ich weiß sonst nicht wie ich dir helfen kann." Immerzu liefen Franzi die Tränen die Wangen hinunter. Malte konnte sie nicht so verletzt sehen. Er wollte sie trösten, für die da sein, aber sie blockte total ab. Franzis Zustand zerrte auch n seinen Nerven. Sobald er ein Stück näher an Sie heran rückte wich sie die selbe Strecke von ihm weg. Sie war nicht gut für ihn. Es würde nur Ärger geben, wenn er weiterhin hier war. Wenn sie ihn nun weg schicken würde, dann würde dieser, dieser, ja was war er eigentlich, wer war er? Vielleicht dachte die Stimme vom Telefonat dass er nur etwas abgeholt hatte und würde Malte nicht weiter mit ihr in Verbindung bringen.

    "Malte du musst gehen. Bitte. Geh!" Malte traute seinen Ohren nicht, erst wollte sie ihn nicht sehen, dann rief sie ihn völlig aufgelöst an und nun sollte er so mir nichts dir nichts die Wohnung wieder verlassen? Was dachte dich Franzi. Warum sollte er nun wieder gehen? Er wollte sich nicht wie ein Objekt behandeln lassen, das man sich nahm wenn man es brauchte und wieder ins Regal stellte, wenn es seinen Nutzen nachgekommen war. "Nein Franzi ich werde jetzt nicht gehen. Nicht bevor du mir nicht den Grund dafür genannt hast. Ich bin dein Freund. Du kannst mir doch alles sagen. Wir werden es meistern, was immer es auch sei. Und in deinem Zustand, da kann und will ich dich nicht alleine lassen. Ich weiß nicht was du dir dann antust. Franzi ich liebe dich. Und das allein ist schon der Grund warum ich heir sein sollte!" Franzi sah ihn entsetzt an. Warum tat er nicht einfach das was sie sagte. Merkte er denn nicht, das sie ihn nur in etwas hineinzog in das er nicht auch noch geraten sollte? "Malte. Biiiiitte! Du verstehst das nicht. Tu mir den Gefallen und geh. Es ist besser so für dich! Du musst gehen!" "Franzi du sagst es. Ich verstehe es nicht. Aber ich will es verstehen. Erkläre es mir bitte. Und außerdem weiß ich was gut und was schlecht für mich ist. Also ich höre!" Dieser elende Sturkopf warum konnte er nicht einfach gehen und sie alleine lassen. Und warum fing er wieder damit an dass er doch bei ihr sein wollte. Hatten sie nicht schon vor längerem geklärt, dass sie noch nicht zusammen in einer Wohnung leben wollten? Und ausgerechnet jetzt wo sie so völlig neben sich stand kam er wieder damit.

    "Malte du verstehst es nicht und wirst es, auch wenn ich es dir erkläre, nie verstehen! Wenn er dich sieht, dann steckst du da mit drin!" sie schrie ihn förmlich an, sie sah keinen anderen Ausweg damit er es endlich begriff. "Wenn wer mich sieht? Dieser, Typ von dem ihr nicht einmal wisst wer es ist? Franzi wieso sollte er mich da mit rein ziehen? Wenn der kommt, dann hau ich ihm eine rein und er wird dich nie wieder anfassen. Mensch nun sein doch nicht so dumm Franzi und glaub dass er dich bekommen wird. Du hast Boje, du hast Nils, mich und ich denke sogar Melanie wird dir helfen. Auch wenn ihr euch nicht besonderst mögt." Franzi kannte ihn nicht von der Seite, der Gewalt anwenden würde, nur um jemanden zu beschützen. "Malte die Sache ist ernst. Der Typ ist gefährlich und da wirst du nichts gegen ausrichten können!" Warum begriff er nicht endlich, dass sie Angst um ihn hatte? "Zweifelst du an meinen Fähigkeiten dich zu beschützen? Dann können wir auch gleich Schluss machen! Franzi ich liebe dich aber wenn du denkst ich sei nicht gut genug für dich oder du könntest mit mir spielen, dann hast du dich geschnitten und zwar ziemlich tief. Ich dachte aus uns könnte etwas fürs Leben werden. Aber da... da hab ich mich wohl getäuscht!" Wütend und gleichzeitig enttäuscht schnappte sich Malte die Schlüssel steckte sie ins Schloss, öffnete die Tür und war weg. Franzi dachte nicht mehr nach was sie sagte. Sie schlug gegen die Wand musste ihrem Ärger über sich Luft machen. Hatte sie doch eben die Liebe ihres Lebens in den Wind geschossen. Nur weil sie ihren Mund nicht aufbekommen hatte. "Sch***e Malte ich zweifle nicht an dir. Ich hab doch nur Angst um dich. Ich will dich nicht verlieren. Man ich liebe dich doch." Sie ließ sich zu Boden sinken und wimmerte den Satz, den sie ihm einfach hätte ins Gesicht sagen müssen, vor sich hin. Nun war sie völlig am Ende. Ein Unbekannter der nicht aufhörte sie zu bedrohen. Niemand da mit dem sie reden konnte. Und die Angst die ihr die Luft zum Atmen nahm.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 18.05.2007, 10:10


    Wie lange sie so dagesessen hatte, konnte Franzi am Schluss nicht mehr sagen, aber sie stand erst wieder auf als ihr zu kalt wurde. Zögerlich stand sie wieder auf und ging zurück zum Sofa, wo sie vorhin noch so beschützt in Maltes Arme gelegen hatte. Verzweifelt und kraftlos ließ sie sich fallen und kuschelte sich in die weiche Decke. Und während sie noch über die letzte Stunde nachdachte wurde ihr immer klarer, dass sie in Malte wirklich einen Freund gefunden hatte dem sie vertrauen und glauben konnte. Wieso nur hatte sie ihn vorhin so ungerecht behandelt? Aber ihn jetzt anrufen kam auch nicht in Frage, was sollte er nur von ihr denken? Völlig entkräftet schlief Franzi jetzt ein und konnte trotz der nagenden Ungewissheit durchschlafen ohne aufzuwachen und wieder eine Panikattacke zu bekommen.

    "Frau Jung, Frau Jung, das hätte ich ja jetzt mal nicht erwartet." Erschrocken fuhr Franzi herum und blickte einem vernarbten, jungen Männergesicht entgegen. "Dass du mir den Weg so einfach frei machst hätte ich nicht gedacht. Ich war schon auf einen Fight mit deinen Freund eingestellt." Kaum hatte der Mann Malte erwähnt wurde ihr schlagartig bewusst wen sie hier vor sich hatte. Es konnte nur der anonyme Anrufer sein, der sie seit gestern bedrohte. Ihr wurde mit einem Mal heiß und gleichzeitig wieder so kalt, dass sich sämtliche Haare aufstellten. Kalter Schweiß begann ihr den Rücken hinunter zu laufen während sie sich fieberhaft umblickte ob ihr irgendjemand helfen könnte wurde ihr Handgelenk auch schon von einer kalten, feuchten Hand umschlossen. "Lass mich los du verd*** Mistkerl." "Ach fluchen kann sie auch, die kleine hübsche. Und Treten, Kratzen, Beissen brauchst du gleich gar nicht anfangen, weißt doch was ich für Schläge austeilen kann." Ohne weiter auf ihre Versuche freizukommen zu achten zog er sie gewaltsam hinter sich her und lockerte den harten Griff nur, wenn ein Auto vorbeifuhr oder irgendwo Nachbarn zu sehen waren. Raiko hatte keine Lust sich schon wieder mit der Polizei offiziell anlegen zu müssen, wollte vorerst kein Aufsehen machen. "So, nun komm mal mit Schätzchen, wir machen jetzt eine kleine Spritztour."

    *****

    "Sagt mal habt ihr Franzi heute schon irgendwo gesehen?" Besorgt blickte sich Boje immer wieder im ganzen PK um, aber seine Kollegin war immer noch nicht aufgetaucht. Sollte da schon etwas passiert sein, ohne dass sie es mitbekommen hatten? "Nein Boje, noch nichts. Ruf sie doch mal auf dem Handy an, vielleicht hat sie nur verschlafen." "Danke Nils, aber ihr Handy ist aus und zu Hause ist sie auch nicht." Während Nils und Melanie bereits ihre Sachen packten und auf Streife fuhren versuchte Boje sich durch die letzen Berichte die er noch zu schreiben hatte, abzulenken. Das schrille Klingeln von Franzis Telefon ließ ihn hochschrecken und er beeilte sich den Hörer abzunehmen. "Thomforde, Apparat Jung." "Moin Boje, sag mal, kannst du mir eben Franzi geben?" "Malte? Tja, das ist schwierig, sie ist nämlich immer noch nicht da." "WIE BITTE?", Malte schrie förmlich ins Telefon, als er das hörte. "Ward ihr gestern abend nicht zusammen?" "Nein, sie hat mich irgendwann wieder rausgeschmissen, weil sie Angst hatte der unbekannte Anrufer würde mich dann auch noch bedrohen. Der Brief hat ihr Angst gemacht." "Welcher Brief bitte schön?" "Ach klar, kannst du noch nichts davon wissen. Sie hat von dem Unbekannten einen Drohbrief bekommen." Als Boje das hörte wurde er kreidebleich und ließ sich wieder auf den Stuhl sinken. Es konnte doch nicht wahr sein, dass seiner Kollegin in der kurzen Zeit wo sie alleine war etwas passierte. Er hatte sich doch vorgenommen sie zu beschützen, und jetzt? "Okay Malte pass auf, ich glaube der Unbekannte hat zugeschlagen. Wir müssen jetzt aber trotzdem warten bis wir was von ihnen hören, vorher können wir nichts machen. Und Malte, mach dich bitte nicht verrückt. Wir holen Franzi da schon wieder raus."



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 18.05.2007, 10:50


    "Der hat gut Reden. Nicht verrückt machen. Man sch***e wär ich gestern nur nicht gegangen." Malte vergrub sein Gesicht in den Händen und konnte einfach nicht aufhören an Franzi zu denken. Was wenn er ihr was antut. Vielleicht hat er ihr ja schon etwas getan. Das war alles ein verflu**ter Albtraum aus dem er nur noch aufwachen wollte.
    "Na? Matschkopp?" "Was?" Malte ließ seine Antwort mehr als genervt klingen. Philipp war ins Ärtztezimmer gekommen um sich einen Kaffee zu holen. "War die Nacht lang gestern mit Franzi?" Malte blickte ihn an. Was fiehl ihm eigentlich ein jetzt seine Scherze mit ihm zu treiben? Er hatte wirklich weit besseres zu tun als hier zu sitzen und rum zu albern. "Oh wow. Du siehts ja mal richtig fertig aus? Hat dich deine Freundin so geschafft?" "Philipp...." Malte stellte sich direkt vor ihn und schaute direkt in seine Augen ".... genau jetzt ist der Zeitpunkt, wo du besser deine Klappe hälst. Und vorallem lass Franzi aus dem Spiel klar? Sonst..." er beendete den Satzt lieber nicht. Sollte sich Philipp seine Teil bei denken.

    "Samma spinnt der? Ich glaub jetzt hat die Frau ihm total den Kopf verdreht." "Meinst du Franzi?" Anna hatte das ganze nur so halb mit bekommen. Das wesentliche war, dass Malte aus der Tür gestürmt war und vorher ziemlich laut geworden war. "Hm. Irgendwas is da zwischen den Beiden. Sonst ist Malte nie so." "Eifersüchtig?" "Ich? Nein niemals." Grinsend zog Philipp ab und Anna genoss ihre 5 Minuten Pause, die sie ab und an bekam. Doch schon ging der Pieper und ihr Kaffee war zum Kaltwerden verdonnert.

    *****

    Boje versuchte immer noch fieberhaft auf jede mögliche Art und Weise etwas über Franzi zu erfahren. Es sprach alles dafür, dass Franzi das wiederfahren war, was sich niemand seinem ärgsten Feind wünschte.
    "Na hat Franzi verschlafen? Oder hat sie ihre schlechte Laune wieder an dir ausgelassen?" Nils und Melanie waren von ihrer Streife zurück und Melanie ging schnurr stracks in die Küche um Kaffee zu besorgen.
    Boje schüttelte den Kopf "Schlimmer." "Hat sie wieder ihre übertrieben gute Laune. Wie immer wenn sie mit Malte zusammen war?" Melanie stellte sich neben Nils und reichte ihm einer der Tassen. Boje verneinte auch dies und nun waren Nils und Melanie ratlos. Was sollte dann sein, dass Boje drein guckte wie sieben Tage Regenwetter? Es sollte doch nicht ernsthaft etwas passiert sein?
    "Mensch Boje nun sag endlich. So schlimm wird es schon nich sein. Is es was mit Elke?" "Nein. Es geht schon um Franzi. Nur...." Boje holte tief Luft, denn auch ihm, dem Turm, dem an den nichts ran ging, ging es diesmal ziemlich an die Nieren. "Ich glaube der Täter hat zugeschlagen." "Wie bitte? Wie kommst du denn darauf? Nur weil Franzi noch nicht zum Dienst erschienen ist?" "Hast du schon mal bei Martin nachgefragt, ob sie sich vielleicht doch frei genommen hat?" "Sie ist nicht zu Hause Melanie!" "Boje Hamburg is groß. Vielleicht ist sie shoppen? Also mich würde das ablenken!" "Gewiss nicht nach dem Brief den sie wohl gestern in ihrem Briefkasten gefunden hat."

    Nils und Melanie sahen sich an und begriffen gar nichts. Brief? Was denn fürn Brief? "Malte hatte vorhin angerufen und wollte Franzi sprechen. Aber sie war ja nicht hier. Er war sehr erstaunt darüber. Und erzählte mir, dass Franzi ihn wegen irgendso nem Brief rausgeschmissen hat. Der muss wohl von dem Anrufer sein." Nun schoben sich auch für Melanie und Nils die Puzzelteile zusammen. Sie beschlossen mal bei Franzi vorbei zu fahren um sicher zu gehen, dass sie nicht doch in ihrer Wohnung sitzt und nur nicht ans Telefon gehen wollte weil sie Angst hatte, es wäre jemand, den sie nicht kennt.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 18.05.2007, 14:12


    Rasch packten Nils und Melanie ihre Sachen wieder zusammen und gingen hinaus zu dem Streifenwagen. „Meinst du wirklich Franzi wurde entführt?“ „Keine Ahnung Nils, aber wenn ja, dann soll sie sich nur beherrschen und nicht wieder Madame Ge-fühlvoll spielen. Das könnte ihr noch den Kopf kosten“, erwiderte Melanie hart und trat das Gaspedal durch. Die wilden Gesten der anderen Autofahrer ignorierend jagte sie den Wagen durch die Hamburger Innenstadt. „Ich will dir jetzt mal was sagen Me-lanie. Es kann nicht jeder so gefühlskalt sein wie du, und bitte denk dran, dass Franzi zwar das Küken, aber trotzdem unsere Kollegin ist. Verstanden?“ Nils war außer sich. Wie schaffte Melanie es jetzt in dieser Situation auch noch über die Kollegin zu schimpfen, nur weil sie noch nicht so viel Erfahrung hatte. „Lange werde ich nämlich nicht mehr zusehen wie du sie fertig machst, haben wir uns verstanden?“ „Ja Meer-mann haben wir. Und jetzt würde ich mich gerne auf den Verkehr konzentrieren. Ist das möglich?“ Die anschließende Stille im Wagen betonte die Situation noch viel mehr und Nils begann über Franzi nachzudenken. Was für einen Brief hatte Malte nur gemeint als er mit Boje telefoniert hatte? Was war seit Franzis Dienstschluss wirklich alles passiert? Je länger Nils nachdachte, desto mehr Fragen kamen auf und dass er auf keine eine Antwort wusste zermürbte ihn nur noch mehr.

    „Franzi? Hey Franzi, bist du zu Hause?“ Energisch klopften Melanie und Nils an die Türe, nachdem auf das Klingeln niemand aufgemacht hatte. „Scheint als wäre sie wirklich nicht da. Das Schloss sieht zwar sehr stabil aus, aber das könnten wir aufbe-kommen.“ Gemeinsam stellten sich die beiden Polizisten in Position und ließen auf ein gemeinsames Kommando die Fußsohlen gehen die Tür krachen. Erleichtert wischten sie sich den Schweiß von der Stirn, als sie diese nach dem zweiten Ver-such offen hatten und betraten rasch die Wohnung. Im Wohnzimmer wurden sie dann fündig und lasen sprachlos den Brief durch. Langsam begann den beiden zu dämmern wieso Franzi ihren Freund aus der Wohnung geworfen hatte, auch wenn es für sie selbst wohl besser gewesen wäre, sie hätte es nicht getan. „Okay, lass uns draußen noch sehen ob irgendetwas auffällig ist und dann fahren wir zurück aufs PK und statten Berger einen Bericht ab.“ Draußen auf dem Gehsteig blickten sie so auf-merksam sie konnten umher um irgendwelche Spuren zu sehen. Sporadisch ver-suchten Melanie und Nils es bei den Nachbarn, aber keiner hatte die junge Polizistin gesehen.

    *****

    „Jetzt hör endlich auf zu treten, du Miststück.“ Mit aller Kraft die sie noch aufbringen konnte versuchte Franzi ihren Gegenüber zu treten um ihn irgendwie Schmerzen zu-fügen zu können. „Okay, du hast es nicht anders gewollt“, bedrohlich knurrend stampfte Raiko auf sie zu und begann ihre Füße mit ausreichend Klebeband zu um-wickeln, dass sie diese wirklich nicht mehr rühren konnte. Im Gegensatz dazu riss er ihr aber mit roher Gewalt das Klebeband am Mund wieder ab und lächelte sie gierig an. Im Gefängnis hatte er seinen Drang die Frauen so zu nehmen wie er sich das vorstellte immer unterdrücken können und war auch den Psychologen gegenüber immer betont friedlich aufgetreten, aber jetzt wo er wieder auf freien Fuß war und ei-ne so wunderbare Frau gegenüber hatte vergaß er alle Manieren. „Du könntest deine eigene Situation deutlich verbessern, weißt du das.“ „Hör auf du Schwein, lieber ster-be ich als das“, wütend schrie Franzi ihn an und ihre Stimme überschlug sich mehr-mals, auch wenn sie vehement versuchte sich unter Kontrolle zu behalten. Ange-sichts ihres Feindes, der sie unvermindert lüstern anblickte geriet die aufgebaute Fassade immer mehr ins Wanken und sie wünschte sich der Albtraum würde endlich aufhören. „Ach, du willst also lieber sterben? Bist du dir sicher? So jung und schon den Gedanken daran. Was sagt denn dein Freund dazu? Würde er dich auch lieber in der Leichenhalle wieder sehen?“ „Lass meinen Freund aus dem Spiel, das geht dich nichts an.“ „Nein sicher, ich habe dich ja grad nur entführt und dann interessie-ren mich die anderen Männer eigentlich auch nicht, bin ich doch selbst Mann genug.“ Plötzlich griff er in die Hosentasche und zog ein Taschenmesser heraus, ließ es ge-fährlich aufschnappen und ging immer weiter auf Franzi zu, die durch die gefesselten Beine und Füße nicht vom Fleck kam. „Also, wir werden ja sehen was du lieber willst“, säußelte er und ritzte ihren Unterarm leicht auf.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 18.05.2007, 15:30


    Schmerzhaft verzog Franzi das Gesicht. Sie kniff ihre Augen zusammen und ihr Zähne knirschten, damit sie nicht anfing laut los zusschreien. Langsam zog Raiko das Messer weiter über den Unterarm. Es gefiel ihm wie sie unter der Quahl litt. Sie würde sich schon noch seinem Willen fügen.
    "Na? Ist es das was du willst? Ich kann auch noch weiter machen." Es widere Franzi an wie Raiko über ihr hing und sie ansah. Sein Fehler. Als er gerade dabei war seine Lippen auf ihre zu pressen, spuckte sie ihm ins Gesicht, so dass er zunächst zurück wich. Hart packte Raiko sie am Haaransatz im Nacken und zog sie ruckartig nach hinten. "Das, Fräulein hast du nicht ohne Grund getan. Das schwör ich dir!" er funkelte Franzi böse an bevor er ihr erneut ein Klebeband über den Mund klebte und sie unsanft weg stieß.
    Als Raiko aufstand und ihr den Rücken zudrehte, konnte Franzi ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass Malte bei ihr geblieben wäre und sie vor dem ganzen hier bewahrt hätte. Aber der wollte jetzt bestimmt nichts von ihr wissen. Hatte er überhaupt schon den Hauch einer Ahnung, was mit ihr passiert war?
    Raiko verließ den kalten nur mit ein paar Lageregalen bestückten Raum und ließ Franzi allein. Zu allem übel saß sie nun auch noch in einem stockfinsteren Raum ond konnte nicht einmal bis zu ihrer Hand schauen hätte sie sie vor ihre Augen halten können.

    ******

    Berger hielt den Brief in der Hand und schaute mit leerem Blick immer wieder auf die schwarzen Buchstaben. Eine Entführung von einer seiner Polizistinnen. Das hätte Martin nie erwartet.
    "Und ihr sagt die Wohnungstür stand nicht offen? Keinerlei Spuren eines Einbruchs? Aber wie soll dann der Entführer zu Franzi gekommen sein?" "Wenn wir das wüssten Martin, wären wir schon einen Schritt weiter. Aber nichts. Wir wissen nicht einmal wer es gewesen sein könnte." "Nils das heißt ihr habt außer dem spurlosen verschwinden von Franzi, dem Anruf von gestern und dem Brief hier nichts in der Hand?" "Leider nein Martin. Aber wir arbeiten auf Hochtouren."

    ******

    Man merkte, dass Malte bei den Einsätzen nicht mit 100% dabei war. Er war nicht schlampig, machte seine Sache gut. Im prinzip kein Verhalten, das beanstaltet werden müsste. Dennoch war deutlich zu sprüren, dass seine Gedanken wo anders waren.
    "Ich bin mal eben im PK drüben wenn was is,...." er zeigte auf den Pieper udn verließ die Garage des EKH. Philipp konnte sich auch hier keinen Kommentar sparen. "Dann geh mal zu deiner Julia. Nicht dass sie sich noch vor Liebeskummer vergiftet." Philipp wusste garnicht was er damit gesagt hatte. Was wenn Franzi nicht entführt worden war, sondern dem Druck nicht gewachsen war und sich etwas angetan hatte? Malte wollte gar nicht daran denken und sein schlechtes Gewissen stieg ins unermessliche.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 18.05.2007, 18:47


    Während Franzi gefangen in dem dunklen Raum ausharren musste, ermittelten Nils, Melanie und Boje auf Hochtouren und versuchten aus den wenigen Hinweisen die sie hatten so etwas wie ein Profil des Täters zu rekonstruieren. "Ach Sch***e", zum wiederholten Male schlug Boje mit der Faust auf den Tisch, dass sämtliche Aktenstapel bedrohlich wackelten. Er hatte sich schon auf einer guten Fährte gewähnt, ehe er wieder feststellte, dass er ein kleines, aber wichtiges Detail vergessen hatte. "Boje, habt ihr schon was neues?" Etwas atemlos ließ sich Malte gegenüber von Boje auf Franzis Stuhl fallen und blickte seinen Gegenüber erwartungsvoll an. Er wollte irgendetwas hören, wusste aber nicht was, hoffte nur die Situation war nicht zu aussichtslos und die Polizisten konnten etwas unternehmen. "Nein Malte, wir wissen nichts neues. Nils und Melanie haben vorhin den Brief aus ihrer Wohnung geholt, aber wir wissen ja nicht mal wann sie entführt wurde." "Also wenn euch das hilft, sie hat mich gestern gegen elf rausgeschmissen und ich habe mich danach auch nicht mehr um sie gekümmert, weil das war dann sogar mir zu viel." "Ja, das verstehe ich Malte, aber ...", weiter kam Boje nicht, denn genau in dem Moment klingelte wieder sein Telefon. Mit einem Schlag verstummte wieder das ganze PK und Wolle machte sich rasch an den vielen Monitoren zu schaffen, in der Hoffnung die Verbindung würde lange genug bestehen um den Anrufer orten zu können.

    Erst auf Wolles Signal hin nahm Boje ab. "Thomforde?" "Sag mal, die Höflichkeitsformeln hast du auch schon wieder abgelegt wie?" "Wer sind Sie und wo ist meine Kollegin", unterbrach Boje den Anrufer scharf, denn die Stimme war die gleiche wie am Tag zuvor auch schon. "Ach, der kleinen gehts ganz gut, und das soll sich auch nur zum guten ändern. Ich werde ihr nur das beste bieten was sie jeh bekommen hat ..." Währen Raiko noch länger so ins Telefon heuchelte und dabei ein hinterhältiges Grinsen auf den Lippen hatte, konnte Boje die Stimme endlich zuordnen und lehnte sich noch ein Stücken angespannter nach vorne. Mit dem Kerl war nicht zu spassen, das wusste er. Und dass Franzi enführt wurde geschah auch nur um Boje einen Schaden zuzufügen und an ihm Rache zu nehmen für die Jahre im Gefängnis. "Was willst du, damit du die Kollegin wieder frei gibst?" "Geld und einen Fluchtwagen", zögerlich kamen diese Forderungen über Raikos Lippen und die Polizisten im PK merkten genau, dass es dem Mann nur um Franzi selbst und nicht um irgendein Lösegeld ging. Boje hatte das Gespräch dann noch auf Wolles Wunsch hin in die Länge gezogen, konnte sich aber überhaupt nicht mehr auf die Worte von Raiko konzentrieren. Erst als Malte erschrocken nach Luft schnappte, registrierte Boje die Worte des Entführers auch wieder und legte so schnell wie möglich auf, als am anderen Ende der Leitung die Verbindung beendet wurde. "Franzi hat was?!? Die hat doch nen Schlag", verzweifelt stützte Malte den Kopf mit seinen Händen ab und vergrub das Gesicht darin. Sie wollte lieber sterben als von ihm vergewaltigt werden. Malte konnte sich zwar nur annähernd beide Situationen vorstellen, aber dass es so schlecht um seine Freundin stand hätte er nicht gedacht. "Hey Malte, ruhig. Franzi wird schon nichts passieren ..." "Ach ne Boje, und ich bin der Weihnachtsmann. Du hast doch gehört was er vor hat. Und ich Depp habe sie auch noch alleine gelassen. Ich hätte sie beschützen müssen. Ich bin schuld, verstehst du?" Verzweifelt war Malte aufgesprungen und hatte Boje angeschrien. Die Antwort von Boje wollte er gar nicht mehr hören und stürmte aus dem PK hinaus, zurück ins EKH, in der Hoffnung Phillipp nicht über den Weg zu laufen.

    "Malte?", vorsichtig berührte Anna den jungen Sanitäter an der Schulter und ließ sich leise neben ihm auf den Stuhl sinken. Er hatte den ganzen Tag schon so einen bedrückten Eindruck gemacht und der Verdacht, dass irgendetwas zwischen ihm und Franzi nicht stimmte verstärkte sich immer deutlicher. "Was'n los mit dir? Bist schon den ganzen Tag so komisch." Traurig blickte Malte hoch und sah Anna lange an ohne ein Wort zu sagen. Sie meinte ihre Sorge ernst, und bei ihr konnte er sich sicher sein, keine dummen Sprüche hören zu müssen. "Es ... es ist wegen Franzi", Malte musste schlucken und konnte nicht weiterreden. Der Gedanke an seine Freundin schnürte ihm die Kehle zu. "Was ist mit ihr? Hattet ihr Streit?" "Ja, sie hat mich gestern abend rausgeworfen. Aber das ist nicht das Problem." "Was ist dann das Problem? Komm Malte, rede darüber, dann ist es raus." "Sie wurde von einem Unbekannten vorbestraften Sexualtäter entführt und ich Depp habe sie gestern noch alleine gelassen. Ich hätte bei ihr bleiben müssen." Erstaunt blickte Anna Malte an und konnte die Worte nur langsam realisieren. "Mein Gott Malte. Das ist schrecklich." Ohne mehr zu sagen wusste Anna, dass ihre echt Anteilnahme bei Malte angekommen war und so saßen sie schweigend im Zimmer, bis die Tür stürmisch geöffnet wurde und Phillipp hereinplatzte. "Bewahre mich vor dem", leise murmelte Malte die wüstesten Verwünschungen vor sich hin, aber Anna legte ihm beruhigend den Arm auf die Schulter. "Lass nur, ich mach das schon." "Was machen Sie, Frau Doktor?" Mit bester Laune ließ er sich gegenüber von Anna nieder und biss genüsslich in einen Apfel. "Dich zum Schweigen bringen, weil wenn du noch einmal heute einen doofen Spruch gegenüber Malte loslässt, gibts Ärger mit mir." "Wieso? Hat klein Malte doch Liebeskummer?", grinsend blickte Phillipp zu Malte hinüber und wartete auf dessen Reaktion. "Nein Malte hat keinen Liebeskummer, aber du gleich ein paar blaue Flecken. Und würde es dir besser gehen, wenn deine Freundin entführt worden wäre? Und jetzt sei einfach leise Phillipp ja?"



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 18.05.2007, 20:47


    Philipp verschluckte sich fast an seinem gerade abgebissenen Stück Apfel. "Tja Philipp kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort. Und da macht er auch nicht vor dem sündigen Apfel des Herrn Assistenzarzt halt." mit einem gekünzelten Lächeln zeigte er Anna, dass der gesessen hatte und er begriff um was es hier ging. "Sch***e Malte. Man...... is das wahr?" "Ne Philipp ich erzähl dir hier einem vom Storch. Damit macht man keine Scherze und nun lass mich einfach in Frieden ja?" Philipp konnte nichts anderes tun als nicken.

    ***

    "Na haben wir’s uns überlegt?" Es hallte nur die Stimme durch die Dunkelheit und das machte Franzi noch mehr Angst. Sie konnte nicht abschätzen wo Raiko stand, was er machte und was er vor hatte. Der Raum war einfach zu groß so dass jedes Geräusch fürchterlich hallte. Franzi war ratlos. Was solle sie antworten? Ja? Nein? Wenn sie Ja sagte, dann wüsste sie was ihr bevor stünde. Aber das wollte sie unter keinen Umständen. Wenn sie Nein sagte, wüsste sie nicht was passieren würde. Würde er dennoch seiner Lust nach gehen, würde er ihr vielleicht noch mehr an tun? Sie wirklich umbringen? Zuvor hatte sie das zwar so dahin gesagt, aber es war doch nicht ernst gemeint. Nun konnte sie einen lauten Schluchzer nicht mehr unterbinden. Schallend dran er durch den Raum und erreichte Raikos Ohr. Dort klang es wir fröhliche Tanzmusik. Bald würde sie so am Ende sein, dass sie alles mit sich machen ließ. Sie würde Willenlos sein. Und für alle Fälle war er auch noch gewappnet. Grinsend drehte er das Fläschchen in seinen Händen. Er würde bekommen was er wollte. Und das Ergebnis würde er in vollen Zügen genießen können. "Dein Schluchzen wird dir auch nichts bringen. Also spar dir die Tränen. Dein Freund wird dich so schnell nicht wieder sehen. Und dein werter Kollege, dieser Thomforde, dem wird es Leid tun mich damals hinter Gitter gebracht zu haben. Das schwör ich dir!" Ein lauter Knall durchzog das Nichts und Franzi zuckte in sich zusammen. Ihre Arme brannten und auch ihre Hand- und Fußgelenke schmerzten unter dem viel zu fest gezogenem Klebeband.

    ****

    "Wie hast n das jetzt hinbekommen?" Nils hielt die Täterbeschreibung von Raiko in der Hand. Sein Vorstrafenregister ließ nichts gutes Verheißen und Nils begann sich ernsthaft Sorgen um Franzi zu machen. Wer weiß zu was er diesmal Fähig war? Körperverletzung? Schwere Körperverletzung? Mord? Der Gedanke daran nach Beendigung der Ermittlungen in Schwarz auf einem der Friedhöfe in Hamburg stehen zu müssen ließ Nils erschaudern. Soweit dürfe es nicht kommen.
    "Raiko Hinzer. Damals hab ich in dem Fall ermittelt. Ich denke er nutzt Franzi um sich an mir zu rechen." "Was soll das heißen? Wie kam er auf Franzi?" "Folgendermaßen. Raiko war gestern in eine Prügelei verwickelt und wir haben ihn mit aufs Revier genommen. Und da hat er wohl ein Auge auf Franzi geworfen dieses Schw***n. Er hat mir damals schon Rache geschworen und hat wohl bei mir keine Angriffsfläche gefunden. Deshalb hat er sich kurz um für Franzi entschieden." "Wolle? Hat die Fangschaltung was ergeben?" "Nein Nils. Tut mir Leid. Nichts. Der weiß genau wie weit er gehen kann um uns zu locken. Und kurz vorher macht er die Tür zu." "Verda***t. Irgendwas müssen wir doch machen können. Das gibt es doch nicht." Wütend hatte Nils gegen die Tischkante geschlagen und gleichzeitig durchzog ein Schmerz seine Hand. Schmerzhaft verzog er das Gesicht winkte aber gleich ab als Melanie besorgt drein schaute. So schlimm war’s nicht. ging schon wieder. Es gab jetzt weit aus wichtigeres. Sie mussten Franzi finden und sie schnellst möglich aus den Fängen von diesem Dreckskerl befreien.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 19.05.2007, 17:36


    "Okay, und wo fangen wir jetzt zu suchen an? Er kann überall mit Franzi hin sein, wir haben keinerlei Hinweise." Mit der harten Wahrheit konfrontiert ließ sich Nils wieder auf den Stuhl sinken und blickte abwechselnd Melanie und Boje an. Sie hatten ja Recht, noch war Franzi nicht gefunden, aber da sie schon einmal wussten wer der Täter ist, konnten sie in diese Richtung weiter ermitteln. "Boje, du gehts mal die alten Akten durch und schaust ob damals irgendwelche Sachen ermittelt wurden wo die Taten damals stattgefunden haben und Melanie und ich fahren mal zu seiner WG, in der Hoffnung die Jungs bringen die Klappe auf." Etwas mürrisch machte sich Boje an die Arbeit und holte aus dem Aktenarchiv die alten Ermittlungsakten, während sich Wolle wieder hinters Telefon klemmte und die Kollegen der Kriminalpolizei anrief um deren Aufzeichnungen auch noch zu bekommen. "Boje!" "Ja Wolle?" Erfreut von den Akten aufsehen zu können ging Boje zu seinem Kollegen hinüber. "Hör dir das noch mal an. Der Ort wo er Franzi versteckt hat, müsste den Geräuschen nach in der Nähe von Hafen und einer Zugverbindung sein." "Mensch Wolle weißt du wieviele Orte das in Hamburg sein können?" "Ja Boje, aber das ist besser als nichts. Und du gehst jetzt zu Berger und erstattest ihm Bericht." Mehr oder weniger willig trottete Boje zum Büro von Berger und brachte ihn auf den neusten Stand der Dinge.

    *****

    "Was haben Sie mit mir vor?", Franzis Frage war mehr ein Winseln, aber sie zwang sich mit Raiko zu reden. Nur so hatte sie eine Chance das fast unausweichliche doch noch etwas nach hinten zu verzögern. "Ach Süße, was soll ich schon mit so einer Zuckerschnecke wie dir vorhaben?" Noch immer drang Raikos Stimme durch die dunkle Halle, ohne dass Franzi wusste wo er gerade war. Er hätte direkt hinter ihr stehen können, und sie hätte es wohl nur gemerkt weil die Stimme etwas lauter gewesen wäre. Das Echo der Wände machte die Sachen noch schlimmer und die Tränen rannen ihr immer noch wild durchs Gesicht. "Hey Mädchen, du sollst doch nicht weinen." Fast schon liebevoll und in dem gleichen Ton wie Malte es immer sagte merkte sie wie er neben ihr auf den Boden sank. Den Arm den er um sie legen wollte schüttelte sie unwirsch ab, konnte sich aber gerade noch mal zurückhalten ihm nicht wieder irgendwie weh zu tun. Sie hatte eingesehen, dass das ihre eigene Situation nur noch verschlimmern würde. "Komm, trink das, sollst mir ja nicht Verdursten, bevor ich überhaupt aktiv werden konnte." Hart schob er ihr einen Becher an den Mund und zwang sie zu trinken. Wiederwillig nahm sie einige kleine Schlucke aus dem Becher und schüttelte angewiedert den Kopf. Er musste dem Wasser noch etwas hinzugemischt haben, so bitter wie es schmeckte. "Was ist da noch alles drin?" "Deinem Freund würde der Name etwas sagen, aber ob du kleine dumme Göre das weißt, wage ich zu bezweifeln ..." "WAS!!!" "Hey, spar die deine Luft für später, ich werde dir nämlich den Atem rauben, glaub mir." "Du fasst mich überhaupt nicht an, du ... du ... lüsternes Schw**n!" Hart knallte Raiko den Becher hinter sich auf den Boden und rückte näher an Franzi heran. So ging man nicht mit ihm um. Er griff noch kurz in die Hosentasche und holte sein Taschenmesser wieder hervor, hatte sie doch gesagt, wie würde lieber sterben als von ihm genommen zu werden. Aber er war nicht in der Laune das zu tun was andere wollten. Dann würde sie eben beides bekommen, da hatte er keine Probleme damit. Ruckartig schnitt er ihr die Fußfesseln frei, denn auf seine eigene Bequemlichkeit legte er unheimlichen Wert. "Lass mich in Frieden!", flehte Franzi ihn an, wusste aber, dass es keine Chance gab ihn von seinem fürchterlichen Vorhaben abzubringen. "Gleich wirst du dich nicht mehr wehren", säuselnd drückte er ihr einen harten Kuss auf den Mund und begann langsam Halsabwärts zu wandern. Die Gamma-Hydroxybuttersäure hatte sie gefügig gemacht. KO-Tropfen wirkten doch immer wieder Wunder. Als er sie wieder küssen wollte und bereits eine Hand an seiner Hose hatte, nahm Franzi allen Mut auf und biss ihm in die Zunge und die Lippen. "Verfl***t, das wagst du nicht noch mal, hast du mich verstanden?" So schnell er konnte wich er ein Stück weg und holte erneut die Rolle Klebeband hervor. "Aufstehen! Aufstehen habe ich gesagt, komm, Beeilung!!!" Barsch und grob zog er sie hoch und schleifte sie zur nächsten Säule in der Halle. "Hinstellen und nicht mehr bewegen. Sonst muss ich es doch noch wahrmachen und dich umbringen." Franzi war mulmig zumute als er sie hart an die Säule band, wusste sie doch nicht wie lange sie stehend dort ausharren sollte, aber das Blut, das ihm die Lippen hinunterlief beruhigte sie wieder etwas. Sie hatte es doch geschafft ihm irgendwie Schmerzen zu zu fügen.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 19.05.2007, 22:00


    Franzi wusste nicht wie lange sie sich jetzt schon in den Händen von Raiko befand. Ihre Kollegen würden hoffentlich schon nach ihr suchen. Und Malte? Was machte er der Zeit? Wusste er von ihrer Entführung. Hatte er Nils und dem restlichen PK davon erzählt oder hatte er es nur von ihnen erfahren?
    "Malte. Ich vermisse dich. Bitte hol mich hier raus. Es tut mir doch so leid." sie wimmerte und wusste nicht wie sie diese Strapazen jemals überleben würde. Warum würde Raiko nicht einfach Schluss machen und sie endlich umbringen. Das war tausendmal besser als hier auch nur eine Minute weiter ausharren zu müssen. Sie konnte nicht mehr, hatte das Gefühl ihre Beine nicht mehr zu spüren. Hätte Raiko sie nicht so festgebunden, hätten sie bestimmt schon nach gegeben und sie wäre unsanft zu Boden gestürzt.
    Als Franzi ihren Kopf hob sah sie dass es draußen bereits zu Dämmern begann. Was würde diese Nacht mit sich bringen? Würde Raiko erneut versuchen sich an ihr zu vergehen? Mit tausend Gedanke im Kopf nickte sie weg. Die K.O Tropfen hatten ihre letzte Wirkung in Kraft gesetzt.

    ****

    Malte war an diesem Abend früher als sonst von Dr. Dietrich nach Hause geschickt worden. Doch was sollte er zu Hause. Zeit tot schlagen? Ne Party veranstalten? Nein er konnte doch nicht einfach nichts tun. Franzi war immer noch in Gefahr und so schnell war kein Ausweg in Sicht. Die Nacht hatte er sich irgendwie um die Ohren geschlagen, kaum geschlafen und jede wache als auch schlafende Minute an Franzi gedacht. Vielleicht würde sie es ja spüren und durchhalten. Sie musste einfach durchhalten und durfte nicht aufgeben.
    Zu sehr früher Stunde begab sich Malte dann zum PK. Er wollte endlich wissen was Nils und der Rest von Franzis Kollegen noch raus gefunden hatten und wann sie Franzi endlich befreien würden. Er setzte sich auf die Treppen vom PK und schaute zum Hafen rüber. Dort und über dem restlichen Hamburg ging gerade die Sonne auf. Ein Zeichen der Hoffnung? Es war fast alles so wie vor zwei Tagen als Franzi und er sich noch so verliebt am Telefon unterhalten und ihre Pausen geplant hatten. Der Himmel war goldgelb, mit einem Hauch von braun und man konnte erkennen, dass die Sonne bald hinter den Kränen und Schiffen auftauchen würde. Es wahr ein Traum dieses Bild. Man könnte denken das Paradies stünde vor einem. Einzigst die dunklen Silhouetten der Schiffe und Kränen zeigten, dass auch dunkle Gestalten in Hamburg ihr Unwesen trieben. Und schon war Malte wieder bei Franzi. Konnte der heutige Tag endlich diese Silhouetten erhellen und Franzi in seine Arme zurück bringen? In seine Arme, war das aber vielleicht schon zu viel? Sie hatte doch Schluss mit ihm gemacht. Oder war ihr Handeln einfach nur eine Affekthandlung gewesen? Warum hatte Franzi gerade in diesem Moment ihrer Angst ihn einfach verjagt? Plötzlich viel es ihm wie Schuppen von den Augen. Natürlich. Sie musste fürchterliche Angst um ihn gehabt haben, nur das hätte sie ihm doch einfach sagen können. Jetzt war sie Schutzlos diesem Widerling ausgesetzt.

    "Malte." Nils war erstaunt, als er Malte mit einem Trance ähnlichen Blick vorm PK sitzen sah. Hatte er denn keinen Dienst? Nils selbst wollte sehr früh da sein um möglichst viel Zeit zu haben um jedes noch so kleine Indiz zu untersuchen und einen möglichen Befreiungsplan aus zu klügeln.
    "Nils. Habt ihr schon was neues wegen Franzi? Ich dreh echt noch fast durch. Ich kann doch nicht einfach hier so rumsitzen meine Dienst machen und darauf warten was dieser Fiesling mit Franzi macht und sich ein weiteres Mal meldet. Das .... das geht doch nicht. Nils." mit flehendem Blick schaute Malte Nils in die Augen. Nils Gesicht sprach Bände. Sie waren noch nicht wirklich weiter gekommen. "Ich würde sagen das besprechen wir drinnen oder? Wie wär’s mit nem schönen starken Kaffee?" Malte stimmte zu und betrat nach Nils das PK. Alles war noch so still, keine Menschenseele da. "Leider sind wir noch nicht wirklich weiter. Wir machen fast nichts anderes mehr als Akten vom alten Fall wälzen und Indizien zu überprüfen." Hatte Malte das gerade richtig gehört? Von einem alten Fall die Akten wälzen? "Nils was soll das heißen ihr wälzt Akten von einem alten Fall? Is der Typ etwa ein Wiederholungstäter? Sch***e man wenn ihr doch wisst wer es ist, warum tut ihr dann nichts gegen ihn? Ihr müsstet doch Adressen oder so etwas von ihm haben." Nils verstand sehr gut, dass Malte so aufbrausend reagierte wusste er nicht, dass ihnen bisher noch die Hände größten Teil gebunden waren. "Malte. Beruhig dich mal bitte wieder. Melanie und ich waren bei seiner WG wir haben nichts raus gefunden. Die haben ihn da seit dem Kurzbesuch nach seiner Entlassung nicht gesehen und die Handynummer, die er Boje gegeben hatte war wohl auch falsch. Jedenfalls geht da keiner ran." "Aber... aber er hat sich doch immer telefonisch bei euch gemeldet. Sag mal willst du mich für blöd verkaufen?" "Nein Malte. Aber wir haben rausgefunden, dass er bisher immer von öffentlichen Telefonzellen oder ohne Nummer angerufen hat. Der hat’s faustdick hinter den Ohren. Fangschaltungen, Ortungen alles haben wir schon versucht. Das einzigste was wir rausbekommen haben ist, dass er wohl irgendwo in der Nähe des Hafens is und ein Zug in der Gegend fahren muss. Das hat man im Hintergrund erkennen können. Du weißt doch selbst das Franzi also so gut wie in jedem noch so kleinen Zimmerchen in Hamburg sitzen kann. Mensch Malte. Wir wollen Franzi doch auch wieder haben und diesen Raiko Hinzer wieder hinter schwedischen Gardinen, Modell Eisen sehen." Malte begriff einfach nicht warum sie dann nicht dabei waren den Hafen und die Umgebung von sämtliche Bahn- und Zugverbindung in Wassernähe zu durchsuchen. Irgendwo da war Franzi. Seine Franzi. Das ließ er nicht auf sich sitzen.
    "Na gut Nils. Wenn ihr nichts tut, dann muss ich es eben tun." Malte war wutentbrannt los gestürmt und gerade im Begriff das PK zu verlassen als Nils sich gerade noch in die Tür stellen konnte. "Malte. Mensch bau kein Blödsinn. Es ist Irrsinn alleine los zu gehen und Franzi zusuchen. Sei doch bitte vernünftig. Sobald wir was handfestes haben, machen wir uns auf den Weg." "Schon mal dran gedacht, dass Franzi jetzt schon 24 Stunden bei diesem Typ is? Du hast das mitbekommen, dass Franzi lieber sterben würde als....." Malte wollte diesen Gedanken gar nicht aussprechen. "....wer weiß was bis jetzt schon passiert ist. Sorry Nils aber ich kann und will nicht länger warten. Ich werde sie finden und dieser Ratte von Hinzer, dem werd ich so eine verpassen, ich sag’s dir, da wird Philipp seine Freude dran haben. Die Schmerzmittel werd ich aber vorher verstecken." Ruckartig schob er Nils Arme beiseite und er trat ins Freie. Der Hafen lag in seiner vollen Pracht vor ihm und bestärkte seinen Entschluss Franzi endlich zu finden und aus der Hölle auf Erden zu befreien. Nils hatte es aufgegeben ihn weiter davon abzuhalten. Malte war nicht mehr davon abzuhalten. Jetzt blieb ihn nicht anderes übrig, als möglichst schnell heraus zu finden wo Franzi war, noch bevor Malte sie gefunden hatte. Er ging also wieder rein setzte sich ans Telefon und klingelte sowohl Melanie als auch Boje aus den Betten. Er brauchte jetzt ein Team. Alleine war da nichts zu machen.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 21.05.2007, 08:39


    Unsicher was er als nächstes tun sollte irrte Malte einige Zeit in Hafennähe herum und versuchte sich immer wieder darauf zu konzentrieren wo er anfangen sollte zu suchen. Es war aussichtslos, das wusste er, aber untätig herum sitzen wollte er auch nicht. Er konnte nicht einfach zu Hause sitzen und Däumchen drehen während seine Freundin in Lebensgefahr war. Er konnte nicht mal sicher sagen, dass sie überhaupt noch lebte. Wieso nur hatte er sich wirklich herauswerfen lassen? Es hätte ihm früher klar werden müssen was sie damit bezweckte und es ihr ausreden müssen. Je mehr und länger er darüber nachdachte, desto mehr Vorwürfe machte er sich und wünschte fast schon er könnte die Zeit zurück drehen. Aber würde das etwas ändern? "Verd***!", hart schlug er mit der flachen Hand gegen die Wand und ließ sich kraftlos auf den Boden sinken. Nils hatte Recht gehabt, er konnte nicht einfach auf eigene Faust suchen, wer weiß was er damit anrichtete. Mutlos zog er sein Handy aus der Hosentasche und suchte die Handynummer von Nils heraus. Er musste diesem sagen, dass er nichts unternehmen würde. "Nils? Ja, ich bins Malte." "Malte, was ist passiert?" "Nichts Nils, aber ich wollte dir nur sagen, dass ich doch nichts auf eigene Faust unternehmen werde. Ihr müsst das machen, aber bitte so schnell wie möglich." "Mensch Malte, uns liegt Franzi doch genauso am Herzen. Wir tun unser bestes, und wenn wir sie haben rufen wir dich an." "Ja danke Nils, und noch mal sorry wegen vorhin." "Ist doch klar."

    Kraftlos legte er auf und starrte auf die Elbe hinaus. Was würde der weitere Tag nur bringen? Was hatte seine Freundin nur in der Zwischenzeit durchmachen müssen? Hatte sich der Entführer schon an ihr vergangen? Erst als er seine Gedanken wieder aufgeräumt hatte stand er langsam wieder auf und machte sich auf den Weg ins EKH. Arbeit wäre noch die beste Möglichkeit sich abzulenken, und falls Franzi befreit würde, bestand immer noch die Chance, dass er mit zum Tatort angefordert wurde. "Moin Malte. Wie gehts dir heute?" "Ach Anna du bist es", antwortete Malte schwach und ließ sich neben der Ärztin auf den Stuhl fallen. "Mir gehts besch***en. Hab ständig das Gefühl etwas unternehmen zu müssen, aber ich kann ja eh nichts machen." "Mensch, Kopf hoch. Denk daran wies uns damals gegangen ist. Wenn Franzi einen kühlen Kopf behält, dann schafft sie das. Und du darfst nicht vom schlimmsten ausgehen. Gemeinsam könnt ihr die Zeit danach auch schaffen. Und die Kollegen im PK tun doch sicher alles was in ihrer Macht steht. Schließlich geht es doch um ihre Kollegin." "Ja du hast ja Recht, aber ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich an dem Abend einfach gegangen bin." "Malte das bringt dich nicht weiter. Jetzt komm, zieh dich um, schließlich ist seit fünf Minuten Dienstbeginn." Erst jetzt wo Anna es erwähnte bemerkte er, dass sie bereits umgezogen war und nicht wie üblich die weißen Klamotten anhatte, sondern das blaue Oberteil zur weißen Hose trug, wie immer wenn sie den Notarzt des Krankenhauses darstellte. Rasch ging er den langen Gang entlang und zog sich in Windeseile um. Malte verharrte nur ein paar Augenblicke und sah sich das Bild seiner Freundin noch einmal genau an. Schweren Herzens klappte er den Spind zu und sprintete zurück zum Ärztezimmer, da schon der erste Notruf eingegangen war. "Anna ich bin so weit, wir können." Schon eine Spur besser gelaunt weil er beschäftigt war trieb er seine Chefin zur Eile an.

    *****

    "Nils schau mal eben her, ich glaub ich habe da was entdeckt", angespannt und aufgeregt zu gleich bat Boje den Dienstgruppenleiter zu sich. Er hatte, wie auch schon den ganzen letzten Tag die alten Akten durchsucht und war nun endlich auf etwas gestoßen, das ihnen weiterhelfen konnte. "Ja Boje was?" Erwartungsvoll stand Nils auf und stellte sich hinter Boje, damit er ihm bequem über die Schulter blicken konnte. "Ich bin noch einmal die Tatorte von früher durchgegangen. Die meiste Zeit waren es irgendwelche dreckigen Gassen wo er es versucht hatte, aber die letzen Male war er dann vorsichtiger und hat sich in den Hafen zurück gezogen." "Das würde ja zu den Hintergrundgeräuschen passen." "Eben, und die Halle die er damals schon verwendet hatte wäre auch noch in der Nähe von Bahngleisen ..." "Du meinst er hat den selben Ort noch mal verwendet?" "Nils ich weiß es nicht, aber es ist besser als hier herum sitzen." In dem Punkt hatte Boje auf jeden Fall Recht und auch Nils war eigentlich ganz froh, dass sie wenigstens einen kleinen Anhaltpunkt hatten wo Franzi sein könnte. "Gut, Melanie, Maik und Boje, wir fahren jetzt mal da raus. Wolle halt uns über Funk auf dem Laufendenl, vor allem falls dieser Typ noch mal anrufen sollte." "Geht klar Nils!" In Windeseile hatten die angesprochenen Polizisten ihre Jacken von den Stuhllehnen gerissen, sich Autoschlüssel geschnappt und die wenigen Treppen nach unten gehastet. Würden sie rechtzeitig kommen oder hatte Raiko Franzi schon etwas angetan? Würden sie die Kollegin wirklich dort finden?



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 22.05.2007, 16:58


    "Guten Morgen meine gnädige Dame" Franzi blinzelte noch sehr verschlafen ihr tat alles weh. Der Kopf brummte, als hätte sie gestern mächtig einen hinter die Birne gekippt. Als sie Raiko, der ihren Kopf am Kinn vorsichtig anhob, direkt vor ihrem Gesicht sah wurde sie schlagartig wach. Schleimig und überfreundlich schaute er ihr direkt in die Augen und setzte gleichzeitig zu einem Kuss an. Franzi jedoch wich aus und stoß sich dabei leicht den Kopf. Dieser Stoß genügte, dass ihr Schädel sich fühlte, als würde jemand mit einem Hammer immer und immer wieder drauf hauen. Schmerzhaft verzog sie das Gesicht, schloss noch erneut kurz die Augen und atmete tief durch. "Na? Nur nicht so stürmisch. Ich will doch nicht, dass sich meine Prinzessin hier verletzt." Das heuchlerische und so gespielte einfühlsame machte Franzi Angst. Dieser Raiko hatte doch was vor. Nur was?
    "Da wir gestern ja nicht zu dem gekommen sind, was wir eigentlich geplant hatten,....." "WIR hatten gar nichts geplant. Du widerliche Ratte hattest etwas vor mit mir. Was hast du mir da rein gemischt. Was hat’s du mit mir gemacht? Ich sag dir. Du widerst mich an. Du bist nichts als ein schleimiges, gieriges, notg***es Etwas." "Werd mir hier ja nicht frech ja? Bis jetzt bin ich noch auf der friedlichen und angenehmen Seite von mir geblieben. Aber mir scheint ich muss etwas mehr meinen Willen durch setzten und zwar mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen. Du willst es ja nicht anders. Und eins soll dir gesagt sein. Du wirst wimmern und flehen, dass ich wieder der einfühlsame Typ werde. Und deine Kollegenschw***ne werden dich auch nicht mehr wieder sehen habe ich mir gerade überlegt."

    ****

    "Nils da vorne musst du rechts." Melanie lotste Nils durch die verzweigten Straßen des Hafengeländes um den Hauptgüterbahnhof. Abgelegen von den zahlreichen Güterwagons befanden sich ein paar kleinere Lagerhallen. Irgendwo dort vermuteten sie Franzi und Raiko. Hoffentlich würde es Franzi noch gut gehen. "Peter 21-1 für Peter 21-2 kommen." "Peter 21-2, Melanie was gibt’s, habt ihr was gesehen?" "Nein Boje, aber das ist das beschriebene Gelände und viel Möglichkeiten hat Raiko ja nicht hier." "Ok Melanie, danke. Ach so und Melanie?" "Ja Boje?" "Haltet die Augen auf, der Typ hat es wirklich in sich und wir wissen nicht wo der steckt." "Klar Boje. Du aber auch. Peter 21-1 Ende"
    In beiden Peterwagen war die Stille nun einfach zu groß. Jeder schaute sich auf seiner Seite um. Vielleicht würden sie etwas erkennen, was einfach zu untypisch war. Ein Auto, eine Person, irgendetwas. Das Blaulicht und die Sirene hatten sie schon kurz vor dem Gütergelände ausgeschaltet, sonst wäre es für Raiko ja ein Leichtes gewesen sich und Franzi zu verstecken. Sofern sie überhaupt hier waren, denn bisher gab nicht einen Anschein auf den Aufenthaltsort von Raiko. So durch querten sie weiterhin das Gelände im Schritttempo.
    Als sie dieses nun schon zweimal durch kämmt hatten, trafen sie sich an einer der Lagerhallen um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen.
    "Wäre ja auch schön dumm dieser Raiko, den selben Ort erneut zu benutzen." "Ja aber du weißt doch selbst, dass wir allem und jedem Hinweis nachgehen müssen, Melanie." "Trotzdem war’s ne Schnapsidee", mosernd brachte Melanie ihre Ungeduld und ihren Unwillen hervor, hier einfach ins Blaue hinein einen Ort abzusuchen. "Du kannst es nicht lassen oder? Freust du dich etwa noch, dass Franzi nicht mehr da ist? Man, das hätte ich echt nicht von dir erwartet." "Was soll das denn jetzt Boje? Immer hin bin ich doch mitgekommen oder?" "Ja Melanie, aber deine Einstellung die ist es, die mich stört. Ich weiß, dass du Franzi nicht magst, aber musst du deshalb gleich...." Boje kam nicht mehr dazu seinen Satz zu beenden, denn schon hatten sie alle ihren Griff am Hohlster und zogen ihre Waffen. Nonverbal klärten sie ab, wer wo lang laufen würde. Hatte Boje vielleicht doch den richtigen Riecher gehabt?



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 22.05.2007, 17:41


    Raiko war gerade dabei Franzi endlich los zu binden um endlich seinen Willen zu bekommen. Franzi riss verängstigt ihre Augen auf und ihr Puls ging rasend in die Höhe, aber sie wagte es nicht auch nur einen Mucks von sich zu geben. 24 Stunden hatte sie es jetzt schon geschafft ihn von sich fern zu halten. Jetzt war es also soweit. Nun würde die schlimmste Zeit ihres Lebens beginnen. Ein Alptraum, den sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte und wollte. Tränen der Panik benetzten ihre Wangen und liefen in ihre Haare.
    "Prinzessin, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht weinen sollst? Es wird dir gefallen, das verspreche ich dir. Also hör auf zu weinen, du brauchst keine Angst haben. Bald wirst du nichts anderes mehr wollen." Sanft strich er ihr die Tränen aus dem Gesicht und wollte gerade ansetzen sie zu küssen, als plötzlich ein lautes Krachen die alte Halle dröhnend druchzog. Franzi zuckte zusammen, aber auch Raiko hatte nicht damit gerechnet. In Franzis Augen lag die pure Angst. Raiko legte ihr den Zeigefinger auf den Mund und erhob sich langsam von ihr. "Psscht. Ganz ruhig. Nur einen Mucks und ... wir verstehen uns?" Franzi nickte. Sie war von Panik erfüllt und würde es endlich über sich ergehen lassen, in der Hoffnung es hätte dann ein Ende. Er zog seine Pistole aus dem Gürtel und trat vorsichtig an die Tür zum Büro, in dem er immer gesessen hatte, während Franzi alleine ausharren musste. Er öffnete diese und sein Puls stieg. War er entdeckt worden? Er hätte doch nicht so dumm sein dürfen und wieder, wie schon vor Jahren, in diese Lagerhalle gehen dürfen.

    ****

    Boje, Melanie, Nils und Maik betraten nach und nach die Halle. Alle waren hoch konzentriert darauf, jedenen Moment auf Raiko oder Franzi zu treffen. In welchem Zustand würden sie Franzi auffinden? Tot? Schwerverletzt? Völlig verstört, damit rechneten sie alle, aber was noch, das blieb bisher ungewiss. Im ersten Teil der Halle fanden sie nichts. Ein paar einzelne Farbdosen und Kästen standen herum. Meterdick von Staub bedeckt. Hier konnte er also nicht sein. Dennoch beschlich Nils das merkwürdige Gefühl hier richtig zu sein.
    "Das war dann wohl nur eine Ratte." Boje war enttäuscht, war er sich doch so sicher, Franzi endlich befreien zu können. "Kopfhoch Boje. Suchen wir erst mal weiter. Dahinten sind auch noch Lagerräume. Dann können wir immer noch abziehen. Außerdem hab ich irgendwie das Gefühl, dass Franzi hier irgendwo steckt." "Ja Nils irgendwo in Hamburg. Aber anscheinend nicht hier." Angespannt, aber gleichzeitig auch enttäuscht schlichen sie sich weiter und hoffen Franzi doch noch zu finden. Die Halle war unübersichtlich und Raiko konnte sich mit Franzi überall versteckt haben können. Würden sie die beiden hier wirklich finden?

    ****

    Raiko hatte in seinem Büro einen verirrten Vogel entdeckt. Er war durch ein zerschlagenes Fenster geflogen und nicht mehr raus gefunden. Er hatte etwas randaliert wodurch einige leere Dosen von einem Regal laut scheppernd zu Boden gefallen waren. Schnell verscheuchte er den Vogel und vergaß seine Vorsicht für einen Moment wieder. Es war schon so lange gut gegangen, dass sie nicht entdeckt worden waren, würde ihm das Glück hold bleiben oder würden sie ihn doch noch finden? Angespannt ging er zurück zu Franzi und hoffte er konnte diesmal endlich seiner Lust nachgehen. Die letzten Stunden hatte er Franzi nicht näher kommen wollen, seinen Spass hatte er erst wenn sie richtig verängstigt war, sich aber dennoch gegen ihn wehrte. Diese hatte in der Zwischenzeit versucht sich hinzusetzen, aber mehr als auf die Seite drehen hatte sie nicht geschafft. Ängstlich starrte sie die Stahlbalken an der Lagerdecke an und versuchte nicht an Malte zu denken bei dem was ihr jetzt bevorstand. Wenn sie es überleben sollte, konnte sie ihrem Freund nie wieder unter die Augen treten.
    "Na da war aber jemand brav. Dann können wir ja weiter machen." Genau in dem Moment vernahm er am anderen Ende des Gebäudes einige Stimmen. "Verdammte Sch***e. Diese Drecksbullen haben mich doch gefunden. Los steh auf. Wir müssen unser Liebesnest ein klein wenig verlagern." Grob packte Raiko Franzi am Arm und riss sie in die Höhe. Sie hatte Mühe zu laufen und torkelte eher neben Raiko her, in die Richtung einer schmalen, steilen Treppe. Es schien fast als hätte er dort oben sich extra was eingerichtet um es noch "gemütlicher" zu haben. Klein, schäbig und genau die richtige Absteige für Raiko. Es entsprach genau seinem Charakter. Schäbig, dreckig und widerlich. Mit roher Gewalt packte er Franzi am Oberarm und schob sie vor sich her die Treppe hoch. Bemüht ja keinen Lärm zu machen schleppte er sie die letzten Meter hinter sich her, weil sie zu schwach war um so schnell zu laufen wie er es forderte. Hart stieß er sie auf eine kleine, verlauste Matratze und beugte sich augenblicklich wieder über sie.

    ****

    Gerade als er sich so über sich beugte schoss ihm plötzlich ein Gedanke in den Kopf. Er fragte sich, wie sie auf sein Versteck gekommen waren. Niemand hatte gewusst wo er war. Niemand kannte sein Versteck. Oder etwa doch? Für ihn gab es nur eine logische Erklärung. Franzi hatte ihre Kollegen irgendwie in Kenntnis gesetzt. Wie wusste er selbst noch nicht, aber sie musste es getan haben.
    "Du kleines Miststück. Du hast mich an deine Kollegen verpfiffen. Wie? Dein Handy! Gib mir dein Handy! Na los wird’s bald?" Zögerlich griff Franzi in ihre Hosentasche und zog ihr Handy hervor. Es war ausgeschaltet gewesen, weil sie nach dem Streit mit Malte einfach keine Lusauf lästige Anrufe von ihm aus war. "PIN? Verda***t noch mal gib mir jetzt den PIN!" Er hatte erneut das Messer gezückt und hielt es an ihren Unterarm, während er sie gleichzeitig an den Haaren zog Vehement schüttelte Franzi den Kopf. "Nein ... aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!" Diesmal konnte sie sich ein Schrei nicht verkneifen, zu schmerzhaft war die Klinge als er ihr mit dem Taschenmesser hart über den Arm fuhr. Sie merkte, wie er tiefer und fester als zuvor schon die Haut bis auf den Muskel aufritzte. Das warme Blut lief die Arme hinunter und tropfte auf den Boden. "Na? Wie ist der PIN! Ich hab doch gesagt, meine Geduld mit dir junges Fräulein ist zuende! Sag mir endlich den PIN! Oder willst du das ich dir noch mehr weh tue?" Erneut ritzte er den Arm entlang. Franzi gab nach, zu groß waren jetzt die Schmerzen. Sie war am Ende. "5....8....7....4", die einzelnen Ziffern waren immer wieder von Schluchzern durch zogen. Sie biss sich auf die Lippe, hoffte den Schmerz in ihren Armen so nicht so heftig zu spüren, aber es brachte nichts.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 23.05.2007, 14:43


    Franzi wusste, dass sie jetzt keine Chance mehr haben würde. Er war sauer. Auf sie und auf ihre Kollegen, und er würde seine Wut an ihr auslassen so viel stand fest. Die Schmerzen in ihrem Arm wurden immer schlimmer und ihr wurde schlecht. Als sie seine Küsse nicht erwiederte und immer noch versuchte sich etwas zu wehren, zog er ihren Pullover hoch und schnitt ihr einmal quer über den Bauch, sodass die Matratze bald nur noch rot war. Franzi wimmerte nur noch auf so, wenig Bewusstsein war ihr übrig geblieben. Wie sollte sie das nur überstehen? Sie wollte und konnte nicht mehr Schmerzen ertragen. Das war alles schon zu viel für sie.

    Der Schrei der jungen Polizistin hatte ihre Kollegen aufhören lassen und jetzt, da sie wussten, dass sie sich wirklich hier befand steigerte sich die Konzentration noch mehr und fast schon lautlos schlichen sich Boje und Nils immer weiter nach vorne. Melanie war leise wieder zum Ausgang zurück geeilt und hatte über Funk Verstärkung angefordert. "Halt bloß durch Franzi", fast lautlos flüsterte Boje diese Worte und kam gemeinsam mit Nils dem alten, heruntergekommenen Büro immer näher kamen. Was würden sie hinter der geschlossenen Türe vorfinden? Stumm sprachen sie sich ab und positionierten sich links und rechts der Türe. Auf ein Nicken von Boje hin stieß Nils die Türe auf und ging mit vorgehaltener Pistole ein paar große Schritte in den Raum hinein. Augenblicklich folgte Boje ihm und gab ihm Rückendeckung. Die Luft war zum zerreissen gespannt, aber der Raum war bis auf die paar Dosen leer. Eine kurze Bewegung mit dem Kopf reichte aus und die beiden Polizisten zogen sich vorsichtig wieder zurück, währen sie registrierten, dass die Verstärkung bereits eingetroffen war und Melanie die verschiedenen Kommandos bereits gegeben hatte.

    "Hast du deine Kollegen jetzt informiert oder nicht?" Hart packte Raiko Franzi abermals an den Haaren und riss ihren Kopf herum, so dass sie ihn ansehen musste. "N ... nein, hab ich nicht", mühsam presste Franzi die Antwort hervor und vor ihren Augen wurde es immer schwärzer. Was würde er wirklich mit ihr anstellen wenn sie erstmal bewusstlos war? Er hätte noch leichteres Spiel mit ihr und so kämpfte sie mit letzter Kraft gegen die aufkommende Müdigkeit und Wärme die sich immer weiter in ihrem Körper ausdehnte. "Das soll ich dir glauben oder was?" "Ja." "Was soll ich denn jetzt als erstes machen Mäuschen? Zuerst mit dir schlafen oder dich noch weiter verstümmeln und dann vielleicht doch umbringen so wie du es wolltest?" Franzi gab ihm keine Antwort darauf, sondern versuchte verkrampft die schlimmen Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Egal was sie antworten würde, er täte so und so was er wollte und würde ihr nur noch größere Schmerzen zufügen.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 23.05.2007, 15:58


    So leise sie konnten schlichen sich Boje und Nils immer weiter die schmale Treppe hinauf und folgten anschließend der scharfen Stimme von Raiko. Nachdem sie kurz die Lage sondiert hatten beschlossen sie sich zu trennen und Nils suchte sich einen Weg durch das ganze herumstehende Gerümpel, während Boje den direkten Weg nahm. Raiko blickte immer wieder auf während er sich an seiner Hose zu schaffen machte und Franzi angewiedert die Augen geschlossen hatte. Er hatte sich einbildet irgendwelche Geräusche gehört zu haben, aber bis jetzt hatte er noch niemanden entdecken können. Zu dem fühlte er sich fast schon komplett sicher, schließlich war die Treppe nicht so leicht zu erkennen wie jede andere. Und bis jemand komplett durch die Halle gegangen wäre hätte er ihn schon längst entdeckt.

    Boje musste schlucken als er langsam um die Ecke lugte und Franzi blutverschmiert auf der Matratze liegen sah. Und das Ekel von Raiko Hinzer kniete auch noch mit halb heruntergelassener Hose über ihr. Weiterhin hielt sich Boje so leise er konnte im Hintergrund und ging erst ein paar Schritte nach vorne als er mit Nils wieder Blickkontakt hatte. "Lass die Finger von meiner Kollegin", laut und scharf fuhr Boje den Täter an und richtete entschlossen die Waffe auf ihn. Überrumpelt blickte Raiko auf und sah in das Gesicht des Polizisten. Die einzige Reaktion zu der er fähig war, war in schallendes Gelächter auszubrechen, aber Franzi gleichzeitig das Messer an den Hals zu halten. "Du glaubst doch nicht wirklich ich höre jetzt auf, wo ich gerade dabei bin mich zu amüsieren." Die Antwort wurde von vielen Lachanfällen unterbrochen und Raiko bekam sich nur langsam wieder unter Kontrolle. Langsam glitt er von Franzi hinab und setzte sich neben sie auf die Matratze. Das Messer hatte er immer noch bedrohlich an ihren Hals gelegt. "Ein Wort, ein Schritt und ich schlitz dir die kleine noch mehr auf. Und dein Kollege hinter mir soll gefälligst seine Waffe auch fallen lassen und sich zu dir nach vorne stellen." Erstaunt sahen sich Nils und Boje an. Woher wusste Raiko, Nils hinter ihm stand. Nils wollte schon einen Rückzieher machen und sich weiter verstecken, aber Boje winkte ab.

    Entmutigt gab Nils auf, ließ die Waffe auf den Boden gleiten und stellte sich neben Boje, gezwungen dem Widerling zusehen zu müssen wie er bei jeder kleinen Bewegung von Nils oder Boje die Klinge des Messer stärker an Franzis Hals drückte. "Hinzer, hör endlich auf, das Spiel ist aus." "Sag mir nicht was ich zu tun habe!", so laut er konnte fuhr er Boje an und spürte wie Franzi unter ihm zusammenzuckte und ihr erneut Tränen über das ganze Gesicht liefen. "Mäuschen, du musst doch nicht weinen. Deine Kollegen wenn nicht so dumm wären würde dir auch nichts passieren", mit sanfter Stimme wie wenn er seine Frau oder Freundin vor sich hätte redete er auf Franzi ein, aber sie konnte und wollte sich nicht wieder beruhigen. Wütend sah Boje dem Schauspiel zu. Er konnte hier nicht einfach da stehen und nichts tun während sich das Schw**n an Franzi verging. Entschlossen nutzte er einen kurzen Augenblick wo Raiko sich nur auf Franzi konzentrierte und stürmte nach vorne, direkt auf die beiden zu. "Ich hab doch gesagt, ich schneid sie auf, wenn ...", entschlossen und mit kalter Wut gepackt umschloss Raiko den Griff des Messers fester und und schnitt Franzi am Hals entlang auf, so dass das Blut im ersten Moment wahrlich herausspritzte.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 24.05.2007, 19:04


    Franzi war schon zu schwach zum Schreien, aber ihre Tränen drückten all ihre Gefühle mehr als deutlich aus. In Nils kreisten die Gedanken um Franzi und was Malte dazu sagen würde, wenn er mit Franzis leblosen Körper vor ihm stehen würde. Soweit dürfe es nicht kommen, es war bereits schon viel zu weit gegangen.

    "Ok Hinzer was willst du?" Boje war einen kleinen Schritt nach vorne gegangen, bevor Raiko sofort wieder die Klinge an Franzis Hals hielt und bedrohlich drein schaute. Er war vollkommen abgedreht.
    "Gut Bulle. Du hast mir vor Jahren mein Leben genommen. Mir wertvolle Zeit meines Lebens geraubt. Du hast mich in die Hölle auf Erden geschickt. Dafür sollst du büßen!" Raiko schrie Boje an. Nils hingegen war zu keiner Bewegung fähig. Er fixierte Franzi und sah genau dass Boje nicht viel Zeit hatte endlich etwas zu tun. Franzi Kräfte schwinden von Sekunde zu Sekunde und er wusste nicht wie lange sie noch durchhalten würde. Sie brauchte so dringend Hilfe, nur wie sollte sie die bekommen wenn Franzi noch länger in den Händen von Raiko war.

    Nils ergriff nun endlich die Situation und versuchte Raiko aus dem Konzept zu bringen. "Ach und deshalb meinst du müsstest du dich an dem schwachen Geschlecht vergreifen?..." Nils wusste genau, dass Melanie und Franzi keines falls schwach waren. Im Gegenteil sie zeigten sehr deutlich, dass man Frauen niemals unterschätzen sollte. "..... zeigen, dass u hier der Boss bist? Über Allem und Jedem stehst. Du alles beherrschen kannst!" "Hey Mann du hast es erfasst. Ihr könnt einfach nichts gegen mich ausrichten. Eure Kollegin wird erst von mir vernascht und dann tut mir echt leid, könnt ihr nun wirklich nichts mehr für sie tun." Raiko strahlte übers ganze Gesicht, er hatte es geschafft, dass die Leute nach seiner Nase tanzten, dass sie sich nicht wagten irgendeinen Schritt aus der Reihe zu tun.
    "So denkst du? Du bist der Boss hier? Man was n Egozentrismus. Das ist ja schlimmer als bei nem 1-Jährigen. Du bist klein, du bist schwächlich, widerlich, zum ankotzen, du bist das, was man als Feigling bezeichnet, Angsthase, jemand der es zu nichts bringt. Ein Nichts. Ein Niemand. Ja genau. Du bist Niemand, du bist das dreckigste Stück Schlamm, dass es auf diesem Planeten gibt....." Nils spürte, dass er Raiko genau da hatte, wo er ihn wollte. Zu nächst hatte er die Wut in die Fäuste fließen lassen, ein paar mal angedeutet, dass er Franzi weiter weh tun würde. Als Nils darauf jedoch nicht reagierte, stieg seine Wut auf Nils ins unermessliche. Was bildete der sich eigentlich ein. Der muckt hier auf und seine Kollegin scheint ihm gänzlich egal. Raiko merkte, dass ihm die Fäden seines Racheakts aus den Händen gerissen wurde. Dann hielt er es nicht mehr aus. Er warf Franzi auf die Matratze, wo sie bereits bewusstlos liegen blieb, weil das alles zu viel für sie wurde. Sie konnte nicht mehr und gab dem schon lange anhaltenden Gefühl einfach nach. Raiko hingegen stürmte auf Nils los, bereit zum Kampf.
    Boje hatte erst etwas skeptisch geschaut, immerhin setzte Nils das Leben ihrer Kollegin aufs Spiel. Nach und nach begriff er aber anhand von Nils Äußerungen und Raikos Reaktionen, was Nils bezweckte. Als Raiko also auf Nils los ging, griff Boje blitzschnell nach der erhobenen Hand mit dem Messer und drehte den Arm soweit auf den Rücken, bis er vor Schmerzen zu Boden ging. Nils Plan war aufgegangen. Raiko war überführt und der Albtraum hatte ein Ende. Fast. Boje beschäftigt sich mit Raiko, während Nils irgendein Lebenszeichen von Franzi erhalten wollte. Ihr Puls war kaum fühlbar und so war Nils klar, dass er so schnell wie möglich Handeln musste um Franzi die so notwendige medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Melanie und die verstärkenden Kollegen kamen auch endlich an und ihnen bot sich ein erschreckendes Bild. Als könnte sie Nils Gedanken lesen, griff sie zum Funkgerät und rief den Notarzt.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 25.05.2007, 16:17


    „Malte!“ Laut lies Anna einen Schrei über den ganzen Flur hallen und holte Malte augenblicklich zurück in den Alltag. „Was?“ „Man, bist du schwerhörig oder was? Einsatz“, ohne die Stimme zu senken brüllte sie ihn immer noch an während sie selbst sich die Einsatzmeldung ansah und zum NAW lief. Auch Malte hatte sich in Bewegung gesetzt und rannte ihr hinterher. In Windeseile saßen sie im NAW und fuhren los zum Einsatzort. Malte hatte keine Zeit mehr gehabt sich über den Einsatzort zu wundern, aber als sie im Hafengebiet ankamen und mehrere Polizeiautos vor dem alten, heruntergekommenen Gebäude standen schwante ihm bereits böses. Als er noch am morgen mit Nils geredet hatte, hatte er auch am Hafen suchen wollen. Ein kurzer Blick genügte um festzustellen, dass ganz in der Nähe eine Telefonzelle stand und etwas entfernt ein Güterzug seine Gleise hatte. Es würde also alles zusammen passen. Hatten die Kollegen Franzi wirklich gefunden? Wie es ihr wohl ging? „Mensch Malte, fahr keine solchen Schlangenlinien!“ Scharf fuhr ihn die Notärztin an und war nahe daran ihm ins Lenkrad zu greifen. Die Gedanken hatten ihn von seinem eigentlichen Job abgebracht und er konnte fast schon keinen klaren, vernünftigen Gedanken fassen. Gezwungen wieder nur an die medizinischen Details zu denken schnappte er sich den Rettungsrucksack und den schweren Koffer, während Anna bereits voraus lief.

    „Schnell Anna, kommt mit. Es sieht ganz übel aus.“ Melanie hatte am Eingang auf die Mediziner gewartet und rannte wieder voraus. „Was ist passiert?“ „Es ist Franzi, sie wurde übel zugerichtet.“ Die wenigen Worte hatten ausgereicht um den Adrenalin-Pegel bei Anna und Malte um ein vielfaches zu steigern. Es war also doch wahr und der Verbrecher hatte Maltes Freundin etwas angetan. „Es ist da oben.“ Ohne noch mehr zu sagen trat Melanie beiseite und ließ die beiden die Treppe hoch. So schnell sie konnten rannten sie, immer zwei Stufen gleichzeitig nehmend, die Treppe hoch und stockten nur kurz als sie um die Ecke bogen und Franzi blutverschmiert auf der dreckigen Matratze liegen sahen. Anna schaffte es besser als Malte die düsteren Gedanken zu verdrängen und ließ sich neben Franzi auf die Knie. „Franzi, hörst du mich? Hey Franzi“, sanft schlug Anna ihr an die Wangen und hoffte irgendein Lebenszeichen von ihr zu bekommen. Aber der Schock, die Ermüdung und die Schnittwunden hatten sie bewusstlos werden lassen. „Malte, ich brauch nen großen Zugang, zieh Fenta auf und häng ne Ringer und ne HAES an.“ Routiniert griff sie nach der langen, spitzen Nadel die Malte ihr reichte und suchte kurz nach einer geeigneten Vene an Franzis Handrücken. Rasch drückte sie Franzi das starke Schmerzmittel hinein und hängte sofort die Infusion an. „Nils, hältst du mal bitte“, ohne aufzublicken hielt sie den Beutel mit der Infusion und war sich sicher ihr Freund würde ihn ihr abnehmen, auch wenn sie ihn nicht ansah. „Habt ihr sie so gefunden?“ „Ja, gerade noch rechtzeitig. Die Schnittwunden am Hals sind die frischesten“, bedrückt beantwortete Boje die Fragen der Ärztin und sah immer wieder zu Franzi hinunter. Er machte sich Vorwürfe, dass er sie nicht schon früher gefunden hatte.

    Ohne ihre Anweisung erhalten zu haben, riss Malte einige sterile Kompressen auf und zog die Mullverbände aus dem Rucksack. Wortlos reichte er sie der Ärztin weiter und sah fast schon fasziniert zu wie sie seine Freundin sanft verband. „Das muss im EKH noch genäht werden.“ Anna erhob sich und machte den Kollegen vom RTW Platz, dass sie die junge Polizistin von der dreckigen Matratze endlich umbetten konnten. „Schafft ihr das die Treppe runter?“ „Ja, das geht.“ Langsam und vorsichtig setzten sich die Mediziner in Bewegung und Anna ließ sich nur noch kurz zurück fallen und wechselte noch ein paar Worte mit Nils und Boje. „Ist bei euch alles klar? Ihr habt nichts abbekommen?“ Ein stummes Kopfschütteln reichte ihr als Antwort und so eilte sie rasch Malte und der Patientin hinterher. Als sie dann im RTW angekommen waren und einer der Sanitäter losfuhr begann Franzi sich langsam zu regen. Kaum hatte Malte das realisiert griff er vorsichtig nach Franzis Hand und wollte schon etwas zu ihr sagen, als sich ihre Augen vor Schreck weiteten und sie die Hand von Malte wegzog. Behindert durch die Sauerstoffmaske die Anna ihr angelegt hatte war sie nicht fähig etwas zu sagen, aber ihr Gesicht sprach ganze Bände. Erschrocken blickte Malte abwechselnd von Franzi zu Anna. Die Notärztin bedeutete ihm nur mit einem kurzen Nicken er solle sie jetzt am besten nicht mehr anfassen. „Alles wird gut Franzi. Wir bringen dich jetzt ins EKH und dann geht’s dir bald wieder besser.“ Beruhigend sprach sie auf ihre Patientin ein und griff ihrerseits nach der Hand. Diesmal zog Franzi ihre eigene Hand nicht zurück. „Malte es ist ganz normal. Du musst ihr einfach Zeit geben“, versuchte sie auch noch ihren Sanitäter zu beruhigen, schließlich war es mehr als nur verständlich, dass der Tiefsitzende Schock ihr noch jede Berührung durch einen Mann verbot.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 26.05.2007, 19:54


    Die Deckenlampen schossen vor ihren Augen entlang und Franzi wurde in eine der Schockräume gebracht. Dr. Haase wollte eben die Aufnahme übernehmen, als er Malte und Anna anrennen sah. Franzis Anblick war wirklich nicht gerade angenehm. Dass es ihr so schlecht ergangen war hätte Phillip nicht gedacht. Im Nachhinein bereute er jeden dummen Spruch den er gegenüber Malte über Franzi und ihn abgelassen hatte. Er erkannte schnell die Situation, dass Philipp nicht der Richtige wäre jetzt weiter zu behandeln, somit rief er schnell Dr. Dietrich, die schlecht gelaunt in den Schockraum kam.

    "Ist es ihnen nicht möglich einige Schnittwunden zu nähen und alles weitere zu veranlassen, dass es der Patientin wieder besser geht?" Juliane war wütend. Nun hatte man sie wegen so einer Lappalie von ihrem Papierkram weg geholt. Gerne tat sie diese Arbeit auch nicht, aber der Schreibtisch quellte bereits über und sie hatte nun wirklich keine Zeit hier alles übernehmen zu können. "Dr. Dietrich. Ich bitte sie. Dr. Haase wäre nicht die richtige Person diesen Fall zu übernehmen. Wir hätten sie sonst nicht dazu geholt, denn natürlich sind wir durch aus in der Lage auch Wunden zu nähen und die Weiterbehandlung eigenständig auszuführen, aber..." "nichts aber..." wurde Anna von Dr. Dietrich unterbrochen "...Dr. Haase ist durch aus qualifiziert genug, auch wenn sie das vielleicht nicht akzeptieren können. Wenn dem so sein sollte, dann würde ich ihnen raten dringend über ihre Berufswahl nach zu denken." "Fr. Dr. Dietrich. nun hören sie mir mal zu. Franzi Jung war die letzten 24 Stunden in Gefangennahme eines Sexualtäters, der etliche male versucht hatte sich an ihr zu vergehen. Es ist im Sinne der Patientin, dass sie von einer Frau behandelt wird, da es im RTW hier her bereits eine Situation gab, in der eindeutig klar wurde, dass sogar sehr bekannte männliche Personen von der Patientin abgewiesen wurden. Daher denke ich verstehen sie nun, warum es Dr. Haase, trotz seiner qualifizierten Fähigkeiten, nicht möglich ist die Patientin zu übernehmen." Anna war klar, dass dieser Ton später noch Konsequenzen für sie haben würde, aber im Moment galt einzig und allein, dass Franzi ihre verdiente Behandlung bekam.

    Franzi hatte den Streit mitbekommen. Verwirrt und verängstigt blickte sie zwischen Dr. Dietrich und Anna hin und her. Diese Schreie und dann die Worte von Anna, die ihre Situation der letzen Stunden erklärte waren zu viel für sie. Erneut bahnten sich die Tränen ihren Weg und einen lauten Schluchzer konnte sie nicht unterdrücken.
    Auch für Malte war es mehr als hart. Hatte er nun endlich Franzi zurück, so wollte sie nichts von ihm wissen. Lag es an der Trennung, lag es, wie Anna schon gesagt hatte, an dem Schock? Er wusste es nicht und diese Ungewissheit war schlimmer als jede noch so harte Wahrheit. Er konnte nicht mehr. Er gab Anna kurz ein Zeichen, dass er im Ärztezimmer auf sie warten würde, denn auch der Streit zwischen Dr. Dietrich und Anna, und dem Fakt, dass sie zunächst erst einmal aus diskutierten, wer denn jetzt Franzi endlich behandeln würde, diese Ohnmacht, die hielt er in der Sekunde nicht mehr aus. Er musste einfach hier raus.

    Im Ärztezimmer stellte er den Rettungsrucksack, den er immer noch bei sich hatte in die Ecke und musste irgendwo seine Wut rauslassen. Dabei war diese Wut eher Verzweiflung. Jetzt wo er wusste wie es Franzi ging, nach dem Hinzer 24 Stunden mit ihr allein gewesen war, machte er sich noch mehr Vorwürfe, dass er doch darauf hätte bestehen müssen an dem Abend bei Franzi zu bleiben. Warum war er so naiv gewesen. Er war naiv nicht Franzi, der er es in ihrem Streit vorgeworfen hatte. Sie hatte zurecht Angst gehabt.

    "Sch***e! Du bist der größte Trottel den es gibt Malte Olsen und der schlechteste Freund, den sich eine Frau wünschen kann. Nicht einmal beschützen kannst du sie!" Franzi hatte doch recht gehabt. Er war nicht zum Beschützen geeignet. Langsam ließ er sich auf den Boden sinken und legte den Kopf in den Nacken.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 28.05.2007, 11:51


    In der Zwischenzeit hatte Anna versucht die aufgewühlte Franzi wieder zu beruhigen. Immer wieder redete sie sanft und leise auf sie ein, traf dennoch zu oft den falschen Ton. Immer öfter sah Franzi verstört auf die Seite und drehte sich von Anna weg. „Franzi, es ist alles gut, wirklich.“ „Anna, mir tut alles weh“, flüsternd presste Franzi diese ersten Worte seit ihrer Befreiung über die Lippen und sah die Notärztin mit angsterfüllten Augen an. Ohne zu überlegen griff Anna in die Taschen ihrer Jacke und zog eine Ampulle mit Fenta heraus. „Wird gleich besser.“ Rasch nahm sie aus den kleinen Schubladen in der Notaufnahme eine sterile Spritze und zog das Schmerzmittel in einer etwas größeren Dosis auf. „Dr. Jacobi, sagen Sie mal, sonst haben Sie nichts zu tun oder?“ „Nein Dr. Dietrich, denn wenn ich mich recht entsinne ist das heute der Tag wo ich nur bis Mittag arbeiten muss, Mittag ist bereits vorbei und, keine Sorge ich erhebe keinen Anspruch auf Überstunden.“ Ein kleines, fast unmerkliches Grinsen breitete sich auf Annas Gesicht aus und sie drückte nur noch kurz Franzis Hand und ging dann aber doch aus der Notaufnahme hinaus.

    „Malte?“ Suchend blickte sich die Ärztin im Zimmer um, vermochte den Rettungsassistenten aber nicht zu entdecken. Erstaunt ihn hier doch nicht vorzufinden ging sie um den kleinen Tisch und goss sich eine Tasse heißen Kaffee ein. Erst als sie sich wieder umdrehte und an die Arbeitsplatte lehnte entdeckte sie Malte. Wie ein Häufchen Elend saß er in der Ecke und hatte sein Gesicht in den Händen begraben. Zögerlich ging sie auf ihn zu und berührte ihn sanft an der Schulter. „Ich bin ein Versager!“ Die Worte klangen aus Maltes Mund hart und überzeugt. „Malte spinnst du? Du bist kein Versager!“ „Doch Anna, genau der bin ich. Sieh mich doch an. Jetzt hock' ich hier in der Ecke, heul mir die Seele aus dem Leib und Franzi liegt schwer verletzt in der Notaufnahme. Wenn ich da mal kein Versager bin und nicht fähig bin auf sie aufzupassen.“ Nachdenklich ließ sich Anna auf einen Stuhl neben Malte fallen und blickte ihn lange an, ehe sie ihm antwortete. „Jetzt hör mir mal zu. Du musst Franzi jetzt Zeit lassen bis sie das schlimmste verdaut hat, aber gleichzeitig musst du als ihr Freund jetzt für sie da sein.“ „Aber sie will doch nichts mehr von mir wissen. Sie hat doch Schluss gemacht.“ „Nein Malte, das glaube ich nicht. Ich denke sie wollte dich nur schützen, eben weil du für sie das wichtigste in ihrem Leben bist.“ Erstaunt blickte Malte auf und begann langsam die Worte der Ärztin zu begreifen. Sie schien wirklich davon überzeugt zu sein was sie sagte. „Aber sie ist für mich auch das wichtigste. Ich hätte sie doch beschützt.“ „Daran zweifelt ja auch keiner, aber sie ist Polizistin, sie weiß wie es ist wenn Entführer ausrasten weil ihr Objekt beschützt wird. Malte, sonst hätte ich dich hier auch noch in der Notaufnahme liegen.“ Ja, sie hatte Recht. In allem was Anna sagte traf sie Maltes verletzte Seele noch mehr, aber es stimmte. Wer wusste denn schon wie Hinzer reagiert hätte wenn er Franzi beschützt hätte. Hätte er sie dann wirklich vergewaltigt oder gar umgebracht? Langsam begann Malte zu begreifen, dass es die Wahrheit war die ihm hier vor die Füße geworfen wurde. „Aber wie kann ich ihr gleichzeitig die Zeit geben die sie braucht und für sie da sein?“ „Respektiere einfach das was sie will. Wenn sie dich an ihrem Bett haben will, dann sei da für sie. Und wenn irgendetwas passiert was sie an Hinzer erinnert und sie will, dass du gehst … Malte, es wird dir nichts andere übrig bleiben als wirklich zu gehen.“ „War das bei dir und Nils damals auch so?“ „Du meinst, wo wir zwei entführt wurden?“ Malte nickte kurz und erhob sich wieder vom Boden. Nachdenklich ließ er sich neben Anna auf einen der Stühle sinken und blickte sie erwartungsvoll an. „Ja Malte, es war auch so. Nicht so schlimm wie bei Franzi, immerhin war es kein Sexualtäter und er hatte uns auch nicht verletzt. Aber ich habe trotzdem meine Zeit gebraucht bis alles wieder im Lot war. Mensch, gerade in solchen Situationen ist es doch so wichtig jemanden an seiner Seite zu haben. Malte, du kannst das schaffen, glaub mir.“ Jetzt, wo sie so eindringlich auf den Rettungsassistenten eingeredet hatte wunderte sich Anna über sich selbst. Woher hatte sie nur diese Worte wieder gehabt? Sonst war sie auch kein Freund von langen Reden, aber es schien wirklich als hätte sie Malte damit aufgebaut. Sie hoffte für die beiden wirklich, dass wieder alles in Ordnung käme und hoffte auch, dass Malte das nervlich durchstehen würde, denn einfach würde es für ihn nicht werden, das stand jetzt schon fest.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 28.05.2007, 16:47


    "Danke Anna. Aber ich glaube... ich muss noch mal alleine sein. Nimm es mir nicht übel aber... verstehst du mich?" Malte hatte sich aufgerichtet und blickte nicht mehr ganz so betrübt zu Anna. Er musste nachdenken, über sich, Franzi, die letzten Tage und über ihre Zukunft. "Klar Malte. Das wird schon wieder. Glaub mir!" Anna lächelte aufmunternd und wünschte dass mit Malte und Franzi alles wieder in geregelte Bahnen kommen wird.

    Malte war vors EKH gegangen und hatte sich einen Platz gesucht, von dem er ein wenig des Hafens sehen konnte. Der Hafen. Dort hatten sie Franzi gefunden. Warum war er so dusselig gewesen und hatte sich mit Franzi gestritten. Er hätte sich doch denken können, dass sie weiß wovon sie spricht. Immerhin war sie eine intelligente Frau und wusste was sie tat. Jetzt wo das alles passiert war, bereute er alles was er an dem Abend gesagt hatte. Franzi wollte derzeit nichts von ihm wissen. Er wusste nicht wie er ihr helfen sollte und erfühlte sich so hilflos. Wie sollte es weiter gehen? Nichts würde so sein wie vorher. Wäre das Vertrauen zwischen den Beiden bald wieder so fest wie vor dem schrecklichen Vorfall? Wie sollte er das alles schaffen? Sonst hatte er immer Franzi in solchen Situationen gehabt aber jetzt? Er schnaufte und schloss die Augen. Gab es einen Ausweg aus der ganzen Situation? Er hoffte es so sehr.

    Er hatte noch eine ganze weile draußen gesessen und über dies und das nachgedacht. Der Blick ließ ihn alles um sich herum vergessen. Plötzlich ging sein Pieper und er sah, dass es sich nicht um einen Einsatz drehte. Es war Anna. 'Franzi will dich sehn!' Malte beeilte sich schnellst möglich zu Franzi in die Notaufnahme zu kommen. Wenn sie ihn sehen wollte, würde vielleicht alles wieder gut werden. Er rannte sie Gänge entlang und erfuhr, dass Franzi für die Nacht auf Station gebracht worden war. Man wollte sie nicht gleich nachhause schicken, da ihr psychischer Zustand noch sehr labil war. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stand er nun vor Franzis Krankenzimmer. Wie wird sie reagieren? Was solle er sagen? Wie schlimm ging es ihr wirklich?

    "Mensch Malte komm denk nicht so viel nach, geh einfach rein!" Malte musste es laut sagen, da er den Gedanken sonst wieder verdrängt hätte. Langsam und zögerlich öffnete er die Tür von Zimmer 682 und der erste Blick war Franzi, die in einem Bett am Fenster lag. Ihr Rücken zeigte zur Tür und so wusste sie nicht, dass Malte bereits da war.

    "Malte wo bleibst du denn? Ich vermisse dich so." sie schluchze und wischte sich vorsichtig die Tränen weg. Ihre Schnittwunden schmerzten immer noch sehr, aber dank der Schmerzmittel, die Anna ihr gegeben hatte, waren sie auszuhalten.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 01.06.2007, 17:32


    "Franzi, süße wie gehts dir?" Zögerlich und langsam näherte sich Malte dem Bett, traute sich dann aber doch nicht Franzi anzulangen. Zu viel Angst spürte er tief in sich vor ihrer Reaktion. Die Abweisung im RTW war eigentlich schon zu viel für ihn gewesen. Wie sollte er es nur schaffen sie wieder aufzubauen? "Geht schon. Malte, bitte kannst du her kommen und mich in den Arm nehmen? Bitte." Franzi flehte den jungen Rettungassistenten und setzte sich in ihrem Bett mühsam auf. Ihre Kräfte hatte sie noch nicht wieder zurück gewonnen, aber sie brauchte jetzt einfach die Nähe von ihrem Freund. Erstaunt diese Worte von ihr zu hören ging Malte zu ihr hin und setzte sich vorsichtig zu ihr auf Bett. Ganz sanft und leicht schloss er sie in seine Arme und hielt sie fest, so wie sie es wollte. Erleichterung durchflutete ihn und er spürte wie langsam ein erster Teil der Anspannung von ihm wich. Das war das wovor er so Angst gehabtt hatte. Angst sie nie wieder so im Arm halten zu können. "Pscht Franzi, nicht weinen. Ich bin ja jetzt wieder da. Und ich verspreche dir auch besser auf dich aufzupassen." Leise und eindringlich redete er auf Franzi ein, die in seinen Armen zu weinen begonnen hatte. Es tat ihm selbst so weh in der Seele wenn er sie so verletzt sah. Vorsichtig schob er sie wieder ein Stückchen weg und sah sie forschend an, hoffte in ihrem Gesicht ablesen zu können was ihr gerade durch den Kopf ging. "Malte ... er ... er hätte dich auch ..." "Nicht reden. Pscht. Komm, leg dich schlafen, du musst erst wieder zu kräften kommen." Mit sanfter Gewalt drückte er sie in die Kissen zurück und zog ihr die Decke bis unters Kinn. "Aber geh nicht. Ich kann nicht alleine sein." "Nein, keine Sorge. Ich bleibe hier bei dir. Du wirst nicht alleine sein, und jetzt schlaf einfach, ja?" Nach einem kurzen und erschöpften Nicken schloss Franzi die Augen und schon kurze Zeit später war sie tief und fest eingeschlafen.

    Als sie eingeschlafen war zog Malte sich den Stuhl an ihr Bett, ergriff erneut ihre Hand und lehnte sich vorsichtig zurück. Irgendwann musste er eingeschlafen sein, denn er schreckte nervös hoch als ihm plötzlich eine Hand auf die Schulter gelegt wurde. "Was? Wer? Wie?" "Schon gut Malte, ich wollte nur kurz schaun wies Franzi geht." Erschrocken drehte sich Malte um und blickte Boje an, der in Zivil am Ende des Bettes stand. "Ach so, ja geht ihr körperlich ganz gut, aber wies in ihr drin aussieht kann ich nicht sagen." "Hm ja, das glaub ich dir. Aber ihr schafft das schon. Franzi wird irgendwann an den Punkt kommen wo sie nicht mehr bei jedem Mann und bei jedem Annäherungsversuch an Hinzer denken muss." Mit dem Entführer hatte Boje Malte genau das richtige Stichwort geliefert. "Was wird jetzt eigentlich aus dem Schw**n?" "Wir haben ihn bis eben jetzt noch verhört und er hat das auch alles zugegeben. Er wird jetzt dann noch in Gewahrsam kommen, morgen dem Haftrichter vorgeführt und dann angesichts seiner Vorstrafen für mindestens drei Jahre ins Gefängnis kommen. Und diesmal ohne die Chance auf vorzeitige Entlassung wegen guter Führung." "Drei Jahre? Nicht mehr? Und was dann? Dann ist er wieder frei und sucht sich ein neues Opfer?" "Stop, komm mal wieder runter Malte. Er hat Franzi nicht vergewaltigt. Du darfst das jetzt nicht aus deiner Sicht beurteilen." Langsam löste sich Boje wieder von dem Bett und war im Begriff zu gehen, denn wenn er noch weiter mit Malte darüber diskutieren würde, kämen sie auch zu keiner Lösung, nur die Nerven lägen danach noch bracher als jetzt auch schon. "Sag ihr nen lieben Gruß von mir wenn sie aufwacht. Wir sehen uns." "Hm, ja danke Boje", ohne den Polizisten noch einmal anzusehen hatte er sich wieder Franzi zugewandt, die sich unruhig im Schlaf hin und her drehte. Träumte sie von Raiko? Behutsam strich Malte ihr die Haare aus dem Gesicht und versuchte sie wieder zu beruhigen.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 02.06.2007, 17:54


    Zunächst war Franzis Schlaf traumlos geblieben. Nichts. Einfach nur dunkel, geborgen und angenehm. Es war alles so erholsam. Dann hörte sie plötzlich wieder alle Geräusche aus der Lagerhalle. Das Tropfen durch die kaputte Decke, die Züge die nah an ihrem Versteck vorbei fuhren, die Hafengeräusche. Es war als säße sie wieder an die Stütze gefesselt in diesem dunklen Raum und müsste alles erneut durchleben. Sie hörte Schritte die auf sie zukamen, ahnte dass es Raiko war. "Lass mich! Geh weg! Malte wird kommen!"

    Malte sprach ruhig auf Franzi ein, strich weiterhin über ihren Rücken um irgendwie für sie da zu sein. "Alles wird gut Franzi. Ich bin doch schon hier!"

    Franzi nahm alles was Malte sagte war, aber es fügte sich perfekt in ihren Traum ein. In diesen blutigen Albtraum. "Malte! Malte! Raiko ist dahinten! Er is hier. Hol Nils oder Melanie oder Boje. Lauf bitte einfach weg. Er wird dich sonst auch kriegen!" "Franzi es ist vorbei. Alles ist vorbei. Er wird dir nichts mehr tun!" sie vernahm nur die Stimmen, sah niemanden, dachte dass Malte es zu ihr sagte, doch dann kam das was sie sich nicht zu träumen gewagt hatte. Raikos Bild erschien und er lachte bis über beide Ohren. In der Hand das blutverschmierte Messer. Er hatte ihn umgebracht, ihren Malte. Sie hatte es doch gewusst. Jetzt hatte sie ihren Freund auf dem Gewissen. Sie zwang sich auf zu wachen, hoffte das alles nur ein Traum war, aber es war doch alles so realistisch. Sie schloss die Augen, dachte nur ans aufwachen, aber sie sah immer noch Hinzer vor sich, der böse und sehr laut lachte. Das durfte doch alles nicht wahr sein! "Maaaaaalte!!!!!!" sie schrie aus ganzer Seele und die Tränen liefen nur so über ihre Wangen. Dann wachte sie auf endlich.

    Nur langsam realisierte Franzi wo sie war. Ihr Puls raste und Malte hatte es wirklich schwer sie zu beruhigen. "Franzi ganz ruhig. Alles ist gut. Es war nur ein Traum. Ein Albtraum. Du bist nicht mehr bei Hinzer. Ich bin hier. Malte." er sprach ganz ruhig und leise. Wollte Franzi nicht noch mehr stressen. "Malte. Aber er hat doch,.... du bist doch..... oh mein Gott Malte. Ich dachte er hätte dich umgebracht. Er hat so gelacht und dann das blutverschmierte Messer. Ich kann nicht mehr. Wenn ich die Augen zu mache, dann ist er da. Malte hilf mir doch bitte. Ich will nicht mehr!" Franzi war zu tiefst verzweifelt und Malte war ratlos. Wie sollte das nur alles weiter gehen?



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 03.06.2007, 18:26


    Die nächsten Tage und Nächte wurden für Franzi immer mehr zur Qual. Sie wurde noch nicht aus dem EKH entlassen, wollte aber raus weil sie sich eingesperrt fühlte. Vor den Nächten fürchtete sie sich immer noch am meisten. Oft schaffte sie es nicht auch nur für zwei Stunden traumlos zu schlafen. Je gesunder sie wurde, desto schwerer fiel ihr das schlafen und immer wieder verwechselte sie Maltes Stimme mit der von Raiko und schickte ihn mit den wüstesten Flüchen davon. Sie wusste, dass sie ihren Freund damit verletzte aber oftmals konnte sie einfach nicht aus ihrer Haut heraus. Zu tief saß der Schock immer noch und manchmal fragte sie sich ob sie jemals darüber hinweg käme und ganz normal mit Malte zusammen sein konnte ohne auf der einen Seite Angst vor ihm zu haben oder sich so an ihn zu klammern, dass sie ihm fast die Luft zum Atmen und Leben nahm.

    "Franzi?" "Ja?", rasch drehte sich Franzi wieder vom Fenster weg und blickte zur Türe in der Anna stand. Das Grinsen der Ärztin machte sie irgendwie nervös. War irgendetwas unvorhergesehenes eingetreten? Die Wunden waren überall am verheilen, lediglich der Schnitt am Hals und am Bauch machte noch etwas Sorgen, weil die Wunde immer wieder nässte und einfach nicht trocknen wollte. "Was hältst du davon Franzi, wenn ich mir deine Schnittwunden noch mal ansehe und dich dann nach Hause schicke?", lachend blickte Anna die junge Polizistin an und wusste, dass sie damit deren sehnlichsten Wunsch getroffen hatte. Schon direkt in der ersten Nacht hatte sie gebettelt nach Hause zu dürfen. "Heim? Finde ich ne spitzen Idee", ebenfalls lachend ging Franzi auf Anna zu und rollte bereits ihr T-Shirt hoch, dass Anna an die tiefe Wunde herankam.

    Keine Stunde später saß Franzi in ihrer Wohnung und riss alle Fenster auf. Man merkte deutlich, dass die Wohnung die letzten Tage nicht bewohnt gewesen war. Einerseits hatte sie sich gefreut endlich nach Hause zu dürfen, aber jetzt wo sie es war, kam ihr die Wohnung viel zu groß und verlassen vor. Überall hatte sie das Gefühl es könnte Raiko auf sie warten und sie erneute entführen. Um diese Gedanken zu vertreiben schaltete sie den Radio ein und drehte auf volle Lautstärke während sie zu putzen begann. Irgendetwas musste sie tun um sich selbst abzulenken, da nahm sie sogar die sonst so unbeliebte Aufgabe dankend an.

    Als es am Abend dann dunkel wurde verzog sie sich ängstlich auf das Sofa und wünschte Malte könnte bei ihr sein. Aber dieser hatte Spätschicht an diesem Tag und Franzi wusste, dass es noch bestimmt zwei Stunden dauern würde bis er käme. Die Angst die ihr den Rücken hinaufkroch ließ sie frösteln und so wickelte sie sich in die Fliesdecke die auf dem Sofa lag und begann langsam die Zeitungen der letzten Tage nachzulesen. Jeden Artikel über ihre Entführung ließ sie vorsorglich aus, schnitt sie aber aus und wollte sie aufheben. Über den Zeitungen und der restlichen Post vergaß sie rasch die Zeit und schreckte aber nervös hoch als sie Schritte im Treppenhaus hörte.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 03.06.2007, 20:51


    In Franzi kam sofort die Angst wieder hoch, die sie die letzten Stunden erfolgreich verdrängt hatte. War es Raiko, der erneut nach ihr suchte? Oder hatte er sich mittlerweile Handlanger gesucht, damit man nicht auf ihn schließen würde? Aber dazu müsste er aus dem Polizeigewahrsam entkommen sein und nach der Aktion sollten wohl die höchsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sein. Oder etwa doch nicht?
    Die Schritte kamen immer näher und Franzi fühlte sich immer unsicherer.
    Keinesfalls wollte sie diesem Typen erneut in die Hände fallen. Aus diesem Grund schnappte sie sich das dickste und schwerste Buch, dass in ihrem Bücherregal zu finden war. Schnell verschwand sie hinter der Tür, um dann von hinten angreifen zu können, den Überraschungseffekt auf ihrer Seite.

    Stumm wartete sie nun darauf, dass irgendetwas passieren würde. Oder hatte sie sich das alles nur eingebildet? Nein. Da waren Schritte. Erneut so in ihre Gedanken vertieft zuckte sie zusammen, als heftig an der Tür gerüttelt wurde. Franzi biss sich auf die Lippe so angespannt war sie. Ihre Hände umgriffen noch fester das Buch. 'Das Buch der Gesundheit- neue Auflage' "Na hoffentlich hilft ’s. Auf dass du eine schöne Beule bekommst." flüsterte sie kaum hörbar.

    "Du verd***te Tür. Das diese Polizisten auch immer gleich mit Gewalt rangehen müssen." Mit voller Wucht wurde sich gegen die Tür geschmissen und die Person purzelte mehr oder minder in die Wohnung. Franzi hielt die Luft an und nahm allen Mut zusammen. In Gedanken zählte sie bis 3 dann stürmte sie los, das Buch hielt sie über ihren Kopf und schlug so fest sie konnte zu.

    Malte war davon ausgegangen, dass Franzi sich schon schlafen gelegt hatte. Im EKH hatte er von Anna erfahren, dass sie Franzi entlassen hatten. Plötzlich spürte er nur einen heftigen Schlag und es sank zu Boden. Gerade noch konnte er ein Schmerzenschrei ausbringen, ehe ihm sogar die Luft zum Atmen fehlte.
    Im selben Moment wo Malte aufschrie, realisierte Franzi wen sie da nieder geschlagen hatte.
    "Sch***e Malte! Oh mein Gott. Das tut mir so leid. Das wollte ich nicht. Aber ich dachte du wärst....." Franzi schluckte. Malte wusste wen Franzi meinte und schüttelte nur den Kopf. So gut es eben ging, denn ein heftiger Schmerz breitete sich in seinem Kopf aus. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt er sich die getroffene Stelle und richtete sich langsam wieder auf. "Schon ok. Franzi is nich so schlimm. Das wird nur n mächtig dicken Kopf und ne Beule geben.", versuchte er Franzi wieder zu beruhigen.
    "Ich geh was zum Kühlen holen. Ich bin so ein Schussel." Franzi machte sich solche Vorwürfe. Hinzer war doch schon längst dem Haftrichter vorgeführt worden und stand unter verschärfter Beobachtung. Warum machte sie sich also so verrückt und schlug ihren Freund nieder.
    "Hier Schatz." Vorsichtig und ganz behutsam hatte sie das in ein Küchentuch gewickelte Kühlpack auf den Hinterkopf gelegt. Malte hielt die 'Tatwaffe' in der Hand. Das Buch hatte er ihr damals geschenkt. Er dachte, dass sie so etwas vielleicht mal gebrauchen könnte. Denn auch ein wenig Fachwissen war als Polizistin nicht schlecht. Erstrecht als Ersthelfer oder auch nur zum Vergrößern des Allgemeinwissens. Dass sie ihn damit mal niederschlagen würde hätte er nicht gedacht.
    "Da hat die Anschaffung ja wenigstens etwas gebracht. Wenn es auch Zweckentfremdet wurde. So bekommt es wenigstens keine Staubschicht." er schmunzelte, denn irgendwie war er stolz auf Franzi. Sie wollte sich wehren und hat all ihren Mut zusammen genommen.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 05.06.2007, 13:45


    "Nein, mensch Malte ich wollte das wirlich nicht", verzweifelt lehnte sie sich an die Wand und blickte ihren Freund an. Es tat ihr leid, und sie hoffte er würde es ihr wirklich nicht krumm nehmen. Vorsichtig ging sie auf ihn zu und umarmte ihn sanft von hinten. "Tuts sehr weh? Es tut mir leid Malte, das hatte ich nicht so gewollt", leise murmelte sie die Entschuldigung. Langsam drehte sich Malte in den Armen seiner Freundin um und strich ihr mit der freien Hand sanft eine Locke aus dem Gesicht. Er konnte ihr ja gar nicht böse sein, schließlich musste ihr der Schock noch tief in den Knochen sitzen. "Nein, ich bin dir sicher nicht böse. Warum auch? Du musst dir selbst noch etwas Zeit lassen das zu verarbeiten. Und jetzt komm, sonst fall ich dir hier schon um." Das Schwindelgefühl hatte nach dem Schlag immer mehr zugenommen und Malte zog Franzi schwach hinter sich her ins Wohnzimmer. Zögerlich zog er sie zu sich aufs Sofa und wusste nicht, ob sie sich von dem Schock schon wieder ausreichend erholt hatte.

    Keck grinsend rückte Franzi näher an ihn heran, hatte irgendwie das Gefühl, dass es an der Zeit wäre einen Schritt auf ihn zuzumachen. Die ganze Zeit im Krankenhaus hatte sie ihn zwar an sich herangelassen, aber nur bis zu einer bestimmten Grenze und dann wieder abgeblockt. Sanft küsste sie ihren Freund und kuschelte sich dann noch näher an ihn heran. Verblüfft nahm Malte sie in den Arm und hielt sie schweigend fest. Dass sie schon wieder so weit war, dass sie ihn küsste hatte er zwar schon länger gehofft, sich aber aus rücksicht auf sie nicht getraut den Anfang zu machen. "Hey, du kannst es ja doch noch." "Was kann ich noch", immer noch grinsend drehte sie sich zu ihm um und sah ihn herausfordernd an. "Na das Küssen", blitzschnell antwortete er ihr und küsste sie zurück. Wie glücklich er sich gerade in dem Moment fühlte hätte er keinem beschreiben können, aber es gab ihm ein Gefühl, dass sie das wieder in geregelte Bahnen bekommen konnten.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 05.06.2007, 18:42


    "Malte?", durch brach Franzi irgendwann das Schweigen. "Hm?" Malte hatte die Augen geschlossen, sein Kopf dröhnte doch heftig und es schien als würde er es so besser aushalten können. Er genoss es einfach Franzi nach so langer Zeit wieder im Arm halten zu können.

    "Es tut mir Leid." Franzis Stimme war leise und man hatte den Eindruck, dass sie wie ein kleiner Junge zur Beichte antrat nach dem er etwas schlimmes angestellt hatte, klang. "Och Franzi. Mach dir keinen Kopf. Ich hab doch gesagt, dass ich es dir nicht krumm nehme. Du wolltest dich wehren. Es ist nicht so schlimm. Wirklich nicht. Dafür hab ich dich viel zu lieb!" "Nein Malte, das mein ich nicht. Es tut mir Leid, dass ich dich damals so angefahren habe. Ich hatte wirklich einfach nur Angst um dich. Ich wollte dich nicht verlieren. Aber wahrscheinlich wäre uns beiden einiges erspart geblieben, wenn ich nicht wie so eine gehässige, alte Oma reagiert hätte. Das tut mir Leid." Malte schluckte, wie sollte er jetzt reagieren. Er hatte sich ja wirklich über sie geärgert, aber jetzt nach alle dem, war das Schnee von gestern. Aber sollte er Franzis Bedürfnis darüber zu reden jetzt übergehen und das Thema abwimmeln? Das wäre unfair. "Franzi. Das war eine spezielle Situation, wer weiß wie ich gehandelt hätte?" Franzi kullerten die Tränen erneut übers Gesicht, sie wollte jetzt darüber reden und mit niemand anderen als mit Malte. Sie wollte Klarheit und reinen Tisch haben.
    "Du hättest bestimmt nicht so reagiert wie ich. Als Morgens Hinzer auf einmal vor mir stand. Ich weiß nicht wie mir geschah? Ich wollte nichts sehnlicher als dich bei mir zu haben. Auch als ich dann da in der Lagerhalle war. Ich hab die Hoffnung fast nie verloren, dass du irgendwann doch auftauchen würdest." Malte hielt Franzi fest im Arm, vorsichtig strich er ihr die Tränen aus dem Gesicht. "Maus. Wenn du nicht reden willst oder kannst, dann musst du das nicht tun. Das weißt du ja? Ich zwinge dich zu nichts. Lass dir Zeit!" Franzi erinnerte sich wie Hinzer immer neben ihr gesessen hatte und ihre Tränen weg gewischte. "Das hat Hinzer auch immer gemacht. Dieses Schw**n. Der Typ ist echt irre." Malte zuckte zusammen. Hatte er sie schon wieder an diesen Abschaum erinnert. Franzi merkte, dass Malte begann zu überlegen, was er tun und was nicht tun durfte um irgendwie Erinnerungen an Hinzer zu wecken. "Nein Schatz. Ist ok. Keine Angst. Ich weiß mittlerweile, dass es nicht Hinzer ist, bei dem ich gerade im Arm liege. Nur ich will darüber reden. ich will es ein für alle mal hinter mir lassen." Franzi atmete tief ein und aus, sammelte Kraft und erzählte Malte alles, bis ins kleinste Detail. Man spürte regelrecht wie die Anspannung und alles was mit der Entführung zu tu hatte langsam von Franzi abfiel. "...ja ich habe zwischen zeitig gezweifelt, dass du überhaupt noch etwas von mir wissen willst nach dem Ding was ich da abgelassen habe. Aber ich liebe dich doch. Und ich glaube das habe ich auch die ganze Zeit durch, sonst hätte ich das alles doch nie durchgestanden. Du hast mir geholfen das alles hinter mir zu lassen. Danke Malte. Danke, danke, danke. Für alles. Und vor allem dafür, dass ich deine Freundin sein darf." Sie besiegelte ihren Vortrag mit anschließender Dankesrede mit einem Kuss. Nur auf diese Art konnte sie ihm zeigen was sie für ihn empfand und wie glücklich sie war dass er sie in den Arm nahm, auf seine ganz eigene Art und Weise, die niemand auch nur annähernd imitieren konnte. Malte, der sonst eher weniger darauf bedacht war Emotionen offen darzulegen, für jedermann ersichtlich, stiegen die Tränen in die Augen, zum einen wegen der Strapazen die Franzi erlitten hatte, zum anderen weil sie scheinbar endlich darüber hin weg war und zu guter Letzt, weil das eben die schönste Liebeserklärung gewesen ist, die er jemals in seinem Leben zuhören bekommen hatte.

    "Och Schatz nich weinen. Es ist doch alles gut. Oder etwa doch nicht? Was hast du denn? Malte?" Franzi wunderte es doch etwas, dass ihr Freund so emotional wurde auf einmal. "Hab ich was falsches gesagt? Ich bin doch so ein Trottel. Es tut mir Leid. Nichts bekomm ich gebacken."



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 06.06.2007, 13:25


    "Nein Franzi, du bist kein Trottel. Es ist nur ...", Malte musste erneut absetzten und blickte sie einfach schweigend an. Wie sollte er ihr jetzt erklären was er fühlte, wo er sonst auch immer alleine mit allem fertig geworden war? "Schau, ich bin so froh, dass du heil da raus gekommen bist. Und das was du mir vor deiner Entführung alles gesagt hast ... vergiss es einfach. Du warst mit den Nerven fertig. Und jetzt komm, lass uns von was anderem reden." Rasch wischte sich Malte die letzten Tränen aus dem Gesicht und versuchte Franzi anzulächeln, aber es sah eher aus wie eine Grimasse. Um seinen Gesichtsausdruck zu verbergen küsste er sie schnell und sanft. "Du sag mal, ab wann willst du eigentlich wieder arbeiten?", die Frage war ihm vorher schon gekommen, aber es hatte sich nie der richtige Zeitpunkt dafür ergeben. Langsam löste sich Franzi wieder von ihm und sofort breitete sich ein komisches Gefühl in ihrer Magengegend aus. Ans Arbeiten hatte sie schon gar nicht mehr gedacht und wenn sie sich das jetzt überlegte wusste sie nicht weiter. Es würde eine Umstellung werden wieder ganz normal mit Boje auf Streife zu fahren. Würde sie jedes mal wieder an diesen Vorfall denken müssen? Offen und ehrlich sah sie Malte an. "Ich weiß es nicht. Meinst du ich schaffe es irgendwann, dass ich nicht jedes mal an Hinzer denken muss? Ich habe Angst davor, irgendwelche Panikattacken zu bekommen und meinen Job nicht mehr machen zu können." Franzi hatte sich mit jedem Wort mehr und mehr hineingesteigert und sah jetzt schon wieder verängstigt zu Malte.

    Erneut nahm dieser seine Freundin in den Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken. "Na also erstmal müssen deine Schnittwunden noch verheilen, und dann ... Franzi, ich bin sicher du schaffst das. Aber was hältst du davon, wenn wir morgen irgendetwas unternehmen? Anna und Dr. Dietrich waren so gnädig mir einen Tag frei zu geben. Also, worauf hast du Lust?" Erstaunt sah Franzi ihren Freund an und verdrängte rasch die Gedanken an Arbeit. Gedanklich hatte sie sich schon darauf eingestellt den morgigen Tag alleine verbringen zu müssen und Malte erst wieder am Abend zu sehen. "Du hast wirklich frei?" "Sicher, würde ich es sonst sagen?" "Hm. Dann will ich auf jeden Fall lange ausschlafen, weil die Betten im EKH sind irgendwie doch nicht so bequem." Lachend ließ sie sich wieder in seine Arme fallen. "Okay, ich glaube das lässt sich machen", grinsen küsste er sie immer wieder. "Und weiter? Wir können doch nicht den ganzen Tag im Bett liegen." "Nicht? Nein nein, okay. Ich weiß was wir machen könnten, aber das würde den ersten Wunsch wieder zunichte machen." "Also doch nicht ausschlafen? Okay, dann mal her damit." "Was hältst du davon, wenn wir morgen früh aufstehen und uns dann in den Zug setzen und ..." "Zug fahren? Ne Franzi, das ist keine gute Idee", unterbrach Malte die Ausführungen seiner Freundin, ohne sie zu Ende reden zu lassen. "Mensch, lass mich doch mal ausreden. Wir könnten mit dem Zug nach Cuxhaven fahren und uns den ganzen Tag an den Strand legen." Erwartungsvoll sah sie ihn an und hoffte er wäre von dem Vorschlag genauso begeistert wie sie. Die Hitze hatte die letzen Tage immer mehr zugenommen, und sie wollte eigentlich nur noch den ganzen Tag faul in der Sonne liegen und nichts tun. Dass dann zwar jeder ihre Schnittwunden, beziehungweise die Pflaster sehen konnte war ihr egal, hauptsache sie konnte mit Malte zusammen sein. "Faul in der Sonne liegen hört sich sehr gut an. Da nehme ich zwei Stunden Zugfahren doch auch auf mich."



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 07.06.2007, 17:38


    "Na dann sind wir uns ja einig. Morgen werden wir zu Sonnenanbetern." Sie freute sich auf morgen. Endlich wieder raus, den Alltag für einen Moment vergessen und das alles mit einem Traumann an ihrer Seite. Der Tag konnte einfach nur gelingen. Ein Blick auf die Uhr machte ihr erst klar wie spät es bereits war und das Bett deutlich nach ihnen rief.

    "Schatz? Schatz. Malte. Komm nich hier schon einschlafen. Wir haben morgen was vor und da kann ich einen mit Kreuzschmerzen und Verspannungen lädierten Partner an meiner Seite nicht gebrauchen. Komm." Franzi neckte Malte immer wieder bis er endlich aus seinem Halbschlaf aufwachte und mit Franzi ins Schlafzimmer ging. Dort zog er nur noch seine Sachen aus, schnappte sich das T-Shirt was er immer bei ihr hatte und lies sich mit seiner Boxershorts als weiteres Kleidungsstück ins Bett fallen. Sein Arbeitstag war hart gewesen und die Sorgen um Franzi hatten die Nerven blank liegen lassen. So freute er sich über die bevorstehende Nacht und den morgigen Tag. Als Franzi aus dem Bad gekommen war schlief er schon und sah aus wie ein riesen Baby. Er lächelte und als sich Franzi neben ihn legte und ein 'ich liebe dich' zu hauchte kam nur ein kurzes Schnaufen.

    Am nächsten Morgen wachte sie erholt und in Maltes Armen auf. Sie atmete tief durch und wunderte sich, dass der Wecker noch nicht geklingelt hatte. Immerhin rief der Strand nach ihnen. Als sie dann aufstand um das Fenster zu öffnen viel ihr Blick auf ihren Digitalwecker.
    "Verda***t Malte. Aufwachen! Unser Zug geht in nich mal 90 Minuten! Wir haben noch nichts gefrühstückt, ich bin noch nicht fertig und du auch nicht und gepackt ist auch noch nichts." Franzi war von der einen auf die andere Sekunde wach. Und rüttelte an Malte der immer noch tief und fest schlief. Es schien als sei er in einen Dornröschenschlaf gefallen. Aber 100 Jahre hatten sie nun wirklich nicht Zeit.

    Irgendwann war Malte dann auch aufgestanden und fertig. Er stand an der Tür, den Autoschlüssel in der Hand und wartete ungeduldig, dass Franzi endlich kommen würde. Alles war fertig, der noch schnell zusammengestellte Picknickkorb, die Tasche mit Schwimmsachen und Handtüchern. Nur Franzi fehlte noch.

    "Franzi! Erst hetzen und dann selbst nicht in die Gänge kommen. Das sind mir die richtigen. Was suchst du denn? Wir haben doch alles." Franzi hingegen saß vor ihrem Schrank und hatte eine Kiste hervor gezogen. Mit großen Buchstaben stand auf dieser 'Krimskrams' "Ne Freundin hat mir mal so n komisches Tragbares Radio geschenkt. Das muss ich irgendwo haben. Wir brauchen doch ein bisschen Musik am Strand. Und da ist es auch schon." Franzi war in den Flur getreten und hielt in ihrer Hand ein Radio, dass eindeutig nur aus den 90ern stammen konnte. Quietschrot und unförmiger den je. "Jetzt brauch ich nur noch die Batterien und dann kann’s los gehen. So!" Nun war auch sie abfahrbereit und grinste Malte überglücklich an. Sie schnappte sich die Tasche mit den Strandsachen und überlies den Picknickkorb Malte. Dieser schloss nur Kopfschüttelnd die Tür hinter sich. "Frauen." "Hey was soll das denn jetzt heißen hm?" frech dreinblickend knuffte sie Malte in die Seite aber besiegelte dies gleich mit einem Kuss.



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 11.06.2007, 18:16


    Gerade noch rechtzeitig hatten sie es an das entsprechende Zuggleis geschafft und ihre Laune stieg schon währen der Fahrt immer mehr an. "Man, wenn wir jetzt schon so aufgedreht sind, wie soll das dann erst werden wenn wir aus diesem ekligen Zug raus sind?!", naserümpfend sah sich Malte um. "Ich weiß, dass du Zugfahren nicht magst, aber komm, das schaffst du schon noch." Angesichts des Zuges war es aber eher eine Zumutung zwei Stunden darin verbringen zu müssen. Überall lagen Mülltüten und alte Zeitungen herum und die Luft war reichlich abgestanden. Da halfen nicht mal die kleinen Fenster etwas. "Na wenn du das sagst, dann werde ich das schon schaffen", zwinkernd beschränkte sich Malte wieder darauf die Landschaft zu beobachten. Nur so schaffte er es seine Laune einigermaßen zu halten und das Reizgefühl in seinem Magen zu unterbinden.

    Als sie dann zwei Stunden später aus dem Zug stiegen und auch noch die hässliche Bahnhofshalle hinter sich gelassen hatten, war Maltes Laune trotz aller Versuche sie aufrecht zu erhalten in den Keller gesunken und er hatte eigentlich schon gar keine große Lust mehr auf Sonne und Strand. Als er Franzi dann aber doch überredet hatte, den Bus zu nehmen um nach Duhnen zu gelangen, stieg die Vorfreude doch langsam wieder. Die letzten Tage hatte er seine Freundin einfach nicht so fröhlich und glücklich erlebt. Der Anblick des kleinen Brunnens mit Reetdach und der vielen kleinen Läden als sie in Duhnen aus dem Bus stiegen hob auch Maltes Laune wieder. Als sie dann gemeinsam am Strand lagen, vergaßen sie schnell wieder jeden Unmut und genossen einfach den Tag. Und erst lange nachdem die Sonne untergegangen war, entschlossen sie sich wieder nach Hause zu fahren. Gemütlich und in aller Ruhe suchten sie ihre ganzen Sachen zusammen und scherzten immer wieder über das was sie an diesem Tag erlebt hatten. "Und wie du dann mittem im Meer auf einmal Angst vor den Wattwürmern bekommen hast ...", Malte konnte sich vor lauter Lachen schon nicht mehr auf den Beinen halten und ließ sich wieder in den Sand sinken. Zu komisch waren einfach Franzis Gesichtsaudrücke gewesen, als sie doch immer wieder auf die kleinen Häufchen getreten war. "Malte bitte! Ich will nur noch heim." Mit verzerrtem Gesicht drückte Franzi ganz vorsichtig auf den Schnittwunden am Bauch herum. Das viele Salzwasser hatte sie wieder nass werden lassen und brannte höllisch. Aus den Augenwinkeln heraus sah Malte seine Freundin und sprang augenblicklich wieder auf. "Franzi, was ist los?" "Ich glaube das Salzwasser hat doch nicht so gut getan ..." Ohne dass sie weiterreden musste, schnappte er sich die Taschen und legte sanft einen Arm um sie. Etwas schneller schlenderten sie wieder zurück zu den Brunnen und warfen einen Blick auf den Fahrplan. "Nein, das kann doch nicht wahr sein. Der nächste Bus geht erst in 90 Minuten." "In 90 Minuten? Na dann gehen wir eben gleich noch was essen." "Nein Malte. In genau 89 Minuten geht der letzte Zug nach Hamburg, und wenn ich ehrlich sein soll will ich nur noch in mein oder in dein Bett." Missmutig ließ sich Franzi auf eine der Bänke sinken udn vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Langsam wurden die Schmerzen und die Erschöpfung immer stärker und sie wusste nicht so recht wie sie das überhaupt noch aushalten sollte. "Na komm! Taxi oder laufen?" "Laufen. Taxi ist zu teuer." Langsam udn vorsichtig stand sie wieder auf, so dass sich die Bauchdecke nicht zu schnell wieder straffte und machte sich mit Malte auf den Weg zurück nach Cuxhaven.

    Wie sie es letztendlich schafft hatten den Weg von von Duhnen nach Cux zurückzulegen, konnte sie nicht mehr sagen, zu erschöpft war sie als sie endlich im Zug saßen. Kaum dass der Zug angefahren war, hatte sie sich schon an Malte gelehnt und war in seinen Armen ruhig eingeschlafen. Als sie dann zwei einhalb Stunden später bei ihr in der Wohnung waren, nuschelte sie nur noch unverständliches und fiel wie tot ins Bett. Dass Malte sie noch halb auszog und die Strandsachen auf den Wäscheständer hing bekam sie gar nicht mehr mit, zu glücklich und müde war sie. Die nächsten Tage versuchte Franzi sich immer wieder auf den Alltag einzustellen, aber so Recht mochte ihr das nicht gelingen, zu viele Fragen schwirrten immer noch in ihrem Kopf herum. Wie würde sie auf der Wache empfangen werden? Wie würden die Streifen mit Boje werden? Bange blickte sie dem ersten Arbeitstag entgegen und wünschte immer öfter die Zeit anhalten zu können.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 12.06.2007, 18:49


    Doch das lag nun deutlich nicht in ihren Händen. Irgendwann musste sie wieder arbeiten. Es blieb ihr einfach nichts anderes über, denn von einem war sie fest überzeugt, ein Hausfräulein würde sie dennoch nicht werden. sie verstand nicht wie die Frauen das aushielten, die von ihren Männern dazu gezwungen wurden sich um Haus und die Kinder zu kümmern. Ok Kinder hatte sie keine aber immer hin. Ihr würde nach einiger Zeit die Decke auf den Kopf fallen. Gut, dass Malte nicht einer von diesen Männern war. Nein ganz und gar nicht. Malte war jemand, der sie voll und ganz unterstützte, bei allem was sie tat. Auch wenn er hin und wieder seine Bedenken zu einem Thema äußerte und seine Meinung offen da legte überließ er Franzi die Entscheidungen für das was sie tun wollte.

    So war es auch in diesem Fall. Franzi spürte seine Unterstützung ohne dass sie sich kontrolliert fühlte oder er ihr etwas vorweg nahm. Franzi beschloss also ihren Kollegen im PK einen kleinen Besuch abzustatten. Immerhin war es doch zwei Wochen her, dass sie das letzte Mal im PK gesessen hatte. Und da war er wieder, der Gedanke an Hinzer, den sie die ganze Zeit hatte verdrängen können und Franzi dachte sie wäre endlich darüber hin weg. Dennoch wollte sie endlich wieder arbeiten. Unsicher stand sie nun vorm PK 21, hinter ihr der Hafen, vor ihr das mehr oder minder Ungewisse. Sie kannte doch die Personen, sie kannte die Räumlichkeiten, nichts desto trotz fühlte sie sich wie ein Kind am ersten Schultag. Denn sie wusste nicht wie ihre Kollegen auf sie reagieren würde. Würden sie Franzi bemuttern? Was sie sich stark bei Boje und vielleicht auch bei Nils vorstellen konnte aber bei Melanie? Diese würde sie bestimmt so dahin stellen, als sei sie eine Memme und jetzt erst recht nicht mehr für den mehr als harten Polizeialltag geeignet.

    Sie nahm allen Mut zusammen und griff entschlossen nach dem schweren, gusseisernen Türknauf und öffnete die Holztür. Sie knarrte etwas. Das war ihr bisher nie aufgefallen oder tat sie dies erst seit ihrer Entführung? Ein vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase, Kaffee, Alkohol, was deutlich von einigen der zu verhörenden Personen kam, die im Flur des PK darauf warteten ihre Aussage zu machen. Ein Hauch von Sehnsucht stieg in ihr auf. Sie vermisste es doch irgendwie jeden Morgen die Einsatzbesprechungen mit Berger und dem Team zu haben, Wolle über Funk nach Informationen zu fragen und mit Boje auf Streife, durch das ihr so ans Herz gewachsene Hamburg zu fahren. Als sie den Flur verlassen hatte und die letzte Tür öffnete kam ihr der so bekannte Schwall an Lautstärke entgegen wie er jeden Tag im PK herrschte. Wütende Passanten, klingelnde Telefone, Gespräche unter Kollegen oder am Telefon und das klackern von Tastaturen. Ihr Blick viel auf die Monitore, die über Wolles Arbeitsplatz hing. Sie überwachten einige Bereiche der Hamburger Straßen. Wie schnell würde sie auf diesen wieder fahren dürfen? Würde sie es überhaupt jemals wieder tun oder hielt man sie ab jetzt für untauglich und ihr Arbeitsplatz würde vom vielseitigen Außendienst zum eintönigen Innen- und Bürodienst werden?

    Weder Melanie, von der Franzi es auch kaum erwartet hatte, noch Boje, Nils oder Wolle hatten sie bemerkt. Verständlich. Einige aufbrausende Gespräche wurden am Tresen besprochen und man versuchte die Leute zu beruhigen und tat sein Bestes um die Fälle zu lösen, sofern sie in ihr Tätigkeitsbereich fiel. Zu dem kam noch hinzu, dass gerade eine Person das PK verlassen hatte, als Franzi eingetreten war. Ein Kommen und Gehen. Nichts hatte sich geändert. Oder vielleicht mehr als sie sich vorstellen konnte?



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 25.06.2007, 08:38


    "Franzi?!" Erstaunt fuhr Nils herum und ging rasch auf Franzi zu. Den erstaunten Herrn Rosenkötter, der abermals zahlreiche Falschparker angeschleppt hatte ließ er einfach stehen und umarmte seine Kollegin kurz aber herzlich. Er freute sich wirklich sie wieder zu sehen, hatten ihn doch die Bilder des Tatorts nicht losgelassen. Alarmiert von Nils erfreuten Ausruf blickten nun auch Melanie und Boje von ihren Berichten hoch und begrüßten Franzi herzlich. Sogar Melanie, von der es Franzi überhaupt nicht erwartet hätte zog die Kollegin in eine freundschaftliche Umarmung. "Na alte Krankmacherin. Wieder mit an Bord?", falpsig knuffte Boje sie in die Seite. "Naja von krank machen kann ja nicht die Rede sein." Lachend und seltsam entspannt ließ sich Franzi auf ihren Schreibtischstuhl fallen und es entspann sich rasch eine rege Untehaltung zwischen den Kollegen. Wohlweislich ließ aber keiner von ihnen ein Wort von der Enführung fallen, sondern unterhielten sich über belanglose Sachen. Die entspannte Unterhaltung änderte sich schlagartig als der Revierleiter Martin Berger den Raum betrat. Augenblicklich schoss Nils wieder in die Höhe und begab sich zurück zu dem verärgerten Herrn Rosenkötter um diesen immer wieder zu versichern, dass sie den Falschparkern schon nachgehen würden. Auch Melanie und Boje konzentrierten sich sofort wieder auf ihre Berichte, wussten sie doch wie ungern Berger es sah wenn sie während der Dienstzeit faul herumsaßen. "Franzi. Kommst du mal bitte!" Die Bitte von Berger glich eher einem Befehl und mit mulmigen Gefühl stand Franzi auf und folgte diesem in sein Büro. Er hatte kein Wort des Grußes fallen gelassen, keine Höflichkeitsfloskeln verwendet. Was wollte er nur von ihr?

    "Erst mal herzlich wilkommen zurück." Erst als sie die Tür von seinem Büro geschlossen hatte streckte er ihr die Hand entgegen und begrüßte sie freundlich. Mit einem unsicheren Grinsen auf den Lippen nahm sie auf dem ihr zugewiesenen Stuhl platz und wusste nicht was sie jetzt erwarten würde. "Wie fühlst du dich?" "Danke, es geht mir eigentlich wieder sehr gut, und ich wollte dich eh fragen ab wann ich wieder arbeiten darf." 'Klasse Franzi, mal wieder mit der Tür ins Haus gefallen' schimpfte sie sich selbst und wartete auf die Reaktion von Berger. "Ja, darüber wollte ich mit dir auch noch reden. Franzi, es war eine schwere Zeit bei Hinzer in der Halle. Ich will, dass du bevor ich dich wieder in Dienst nehme, unserm Polizeipsychologen einen Besuch abstattest." Die Worte von Berger schlugen bei Franzi ein wie eine Bombe und sie brauchte erst einige Augenblicke bis sie sich wieder gefasst hatte und realisierte was das für sie bedeutete. Würde der Psychologe irgendetwas feststellen, was ihm nicht gefiel würde sie nie wieder auf Streife fahren können. Aber auf der anderen Seite hatte sie einfach keine andere Möglichkeit. Zu sehr vermisste sie all das hier. "Ja das geht in Ordnung Martin. Hast du eine Telefonnummer von dem Psychologen?" Ein kurzes, unmerkliches Grinsen huschte über Martins Gesicht und er reichte Franzi einen Zettel mit Name, Anschrift und Telefonnummer. "Wenn du willst kannst du auch gleich bei ihm vorbeifahren. Wenn alles gut geht, kannst du morgen schon wieder mit Boje auf Streife fahren." Erleichtert, dass sie so schnell wie möglich den unliebsamen Termin hinter sich bringen konnte stand Franzi rasch auf und verabschiedete sich von dem Revierleiter.

    Als sie wieder nach draußen trat hefteten sich alle Blicke auf sie und wollten wissen, was Berger denn von ihr wollte. In kurzen und knappen Sätzen berichtete Franzi ihnen das was Berger ihr gesagt hatte und hoffte die Kollegen würden sie irgendwie dabei unterstützen. Sie wollte fast schon ein enttäuschtes Gesicht ziehen, als Boje ihr seine Hand auf die Schulter legte und beruhigend auf sie einredete. "Mensch Franzi. Nu lass mal den Kopf nicht hängen, der Psycho-Typ wird dich schon nicht auffressen, und wir wollen schließlich alle, dass du so schnell wie möglich wieder mit von der Partie bist." Mit einem tapferen Lächeln auf den Lippen schnappte sie sich wieder ihre Tasche und ging nach draußen. Ja, sie würde sofort zum Psychologen gehen, damit sie so bald wie möglich wieder arbeiten konnte. Aber bevor sie den schwierigen Weg auf sich nehmen wollte, brauchte sie zuerst auch noch Maltes Unterstützung. Ihr Freund hatte ihr die letzten Wochen so viel Kraft zurückgegeben, dass sie nicht wusste wie sie ihm das danken sollte. Man würde es nicht einfach mit einem Geschenk gutmachen können. Aber vielleicht half es, wenn sie zuversichtlich in die Zukunft blickte und sich auch weiterhin nicht unterbekommen lassen würde.



    Re: Blutiger Albtraum

    *Aussi* - 25.06.2007, 19:05


    Franzi hatte sich nun also auf den kurzen Weg vom PK zum EKH gemacht um dort noch kurz mit Malte reden zu können. Aber wie es so ist, verpasste sie ihn knapp und sah ihn gerade bei ihrem Eintreffen mit Philipp zu einem Einsatz fahren. Das hieß also warten. Eine Zeit des Wartens, wo sie sich wieder Gedanken über alles machen konnte. Sie beschloss im Ärztezimmer auf Malte zu waren, weil er da auf jedenfall wieder hin kommen würde, nachdem er von seinem Einsatz zurück war.

    "Oh! Hey Franzi. Wie geht's dir? Wenn du zu Malte willst,....." Anna begrüßte sie und blickte sie etwas unerwartet an. "Ich weiß, er ist grade zu einem Einsatz. Hab ihn weg fahren sehen" Franzi war etwas enttäuscht dass sie nun warten musste, aber das brachte nun mal ihr Job mit sich, keinen geregelten Tagesablauf und Flexibilität die sich gewaschen hat.
    "Hey. Sonst alles ok? Du schaust so traurig." Anna machte sich ein wenig Sorgen um Franzi. Hatte sie alles schon verarbeitet? "Hm? Jaja. Muss nur dringend mit Malte reden. Ich war eben im PK und Berger, na ja,...." stolperte sie umher. Anna spürte, dass ihr der Gedanke schwer viel "Er will dass du sich von einem Psychologen untersuchen lassen sollst. Stimmt’s?" Franzi nickte. Sie hatte Angst vor dem Ergebnis, aber wollte dennoch Gewissheit haben. Er war das Zünglein an der Waage. Das Los, welches über Sieg oder Niederlage entschied. Sie hatte nichts in der Hand. Er würde jede Art von Schauspielerei erkennen, es hatte also keinen Zweck, sie musste da durch und jede Art des Schicksals zu tragen lernen. "Franzi? Das wird schon. So wie ich dich einschätze, schaffst du das mit links." Anna zwinkerte ihr noch schnell aufmunternd zu ehe sie das Zimmer verließ um nach einigen ihrer Patienten zu sehen. Somit war Franzi nun wieder alleine. Alleine mit ihren Gedanken. Alleine mit ihrer Angst vor dem was kommen wird.

    "Ach ja Philipp. Quassel doch nicht wieder so einen Blödsinn. Ich weiß gar nicht wo du diesen Schmarrn immer herbekommst. Ne Philipp das nehm’ ich dir nicht ab! Such dir dafür mal schön nen anderen dummen." Gut gelaunt betraten Philipp und Malte das Ärztezimmer. Ihr Einsatz hatte sich an der Unfallstelle als mehr oder minder harmlos herausgestellt, linke Unterarmfraktur und eine leichte Gehirnerschütterung nach einem Sturz beim Skaten. Nichts dramatisches. Schnell hatten sie ihren Patienten übergeben und gönnten sich eine kleine Pause. Als Malte sich umdrehte um den Rettungsrucksack abzustellen, bemerkte er Franzi, die mit hängendem Kopf am Tisch saß.

    "Ähm... Ich glaub ich hab noch was im RTW liegen lassen. Bin gleich wieder da!" Philipp hatte diesmal das Gefühl besser keinen dummen Spruch von sich zu geben. Rasant verließ der wieder den Raum und ließ Malte und Franzi zurück.

    "Schatz hey was ist los? Was ist passiert?" Malte hatte sofort von dem feucht fröhlichen Verhalten auf die besorgte Seite umgeschaltet. Irgendetwas bedrückte seine Freundin und er wollte voll für sie da sein. "Ich war eben im PK....ich wollte Nils und Boje und Wolle und ach alle einfach nur besuchen. Ich vermisse meine Arbeit so sehr." Franzis Stimme klang weiter hin monoton und man spürte, dass es sie sehr beschäftigte. "Hey das ist doch toll. Klar dass du sie vermisst. Umso besser ist es doch, dass du dich schon einmal getraut hast sie zu besuchen. Oder? Immerhin verbinden doch einige Erinnerungen das PK mit .... du weißt schon" "Ja ich weiß Malte. Nur nachdem mich alle so überaus herzlich begrüßt haben, hat mich Berger in sein Büro zitiert.... er will, dass ich mich vorher psychologisch Untersuchen lasse um sicher zu gehen, dass ich auch wieder geeignet bin auf Steife zu gehen. Dieser Psychologe ist das Zünglein an der Waage. Ich will da nicht hin. Aber ich muss doch. Was wenn er noch irgendetwas feststellt? Etwas, was mich nicht Dienstfähig macht. Das würde ich nicht aushalten, jeden Tag im Büro sitzen, Akten durcharbeiten. Nie mehr Streife......" Franzi schluckte, der Gedanke daran ließ ihr die Tränen in die Augen steigen.
    "Franzi. Hey. Das glaub ich nicht. Der wird schon nichts finden und du wirst Boje doch nicht wirklich antun wollen, dass er sich an eine neue Kollegin gewöhnen muss oder?"
    "Nein natürlich nicht. Aber es wäre mir lieber, du könntest mit gehen." "Ich komme mit Franzi. Ich lass dich nicht alleine." Malte war voller Tatendrang, er wollte für seine Freundin da sein, mit allen Mitteln. "Schön wär's. Ich muss sofort hin. Also gleich. Und du kannst doch nicht weg. Außerdem habe ich dich doch gerade von deiner ausgelassenen Stimmung und einem an scheinend sehr skurrilen Thema von Philipp abgebracht. Tut mir leid. Um was ging es da eigentlich?"



    Re: Blutiger Albtraum

    Kathrin - 25.08.2007, 17:00


    "Was? Ach das von Philipp." Etwas durcheinander von dem plötzlichen Themenwechsel musste Malte erstmal nachdenken über was er sich mit Philipp unterhalten hatte. Sie hatten über etwas völlig belangloses geblödelt. "Vergiss es, ist nicht so wichtig. Der Herr Doktor hatte nur mal wieder einen seiner Quasselanfälle." Geschickt versuchte Malte seine Freundin abzulenken. Er wollte ihr jetzt das Gefühl geben komplett für sie dazu sein, und nicht irgendwelchen versäumten Gesprächen mit Philipp nachzutrauern. "Franzi, ich kann mir nur wage vorstellen wie es dir jetzt geht, aber ich bin mir sicher, dass du das schaffen kannst. Denke nur immer ganz fest daran, was du verlieren könntest. Mit einem festen Ziel vor Augen kannst du es schaffen, da bin ich mir sicher." Sanft zog er seine Freundin von dem Stuhl hoch und schloss sie sanft in die Arme. "Warte nur, nächste Woche jammerst du bestimmt wieder über Boje." Leicht lächelnd küsste er sie intensiv und sah sie danach lange an. Fast schon glaubte er in ihren Augen das alte Funkeln entdeckt zu haben. Fest entschlossen das Beste aus der Situation zu machen nickte sie ihm kurz zu und hauchte ihm noch einen letzten, flüchtigen Kuss auf die Lippen. "Wir sehen uns dann heute Abend." Ohne noch groß mehr zu sagen, schnappte sie sich ihre Tasche und verließ das EKH fast schon fluchtartig. Sie hatte keine Wahl, musste die Untersuchung über sich ergehen lassen. Aber was war die Untersuchung schon, im Gegensatz zu der Arbeit ihm Büro, die ihr sonst bevorstand.

    "Frau Jung. Nehmen Sie doch bitte Platz." Freundlich und mit einem warmen Lächeln empfing der Polizeipsychologe die junge Polizistin und bot ihr den Stuhl an seinem Schreibtisch an. Er hatte schon oft genug solche Fälle bei sich im Zimmer sitzen gehabt und dementsprechend wusste er genau wie er an die Sache herangehen sollte. Jedes Mal wenn er einem Kollegen erklären musste, dass er nicht mehr, oder noch nicht für den Streifendienst einsatzfähig war, tat ihm das weh, aber er konnte kein Risiko eingehen. Routiniert begann er das Gespräch mit Franzi und merkte, wie es ihr schwer viel darüber überhaupt zu reden. Ob die Erinnerungen noch zu stark waren, oder ob es die Angst war, dass er sie untauglich schreiben könnte wusste er anfangs nicht. Als sie nach und nach bei dem eigentlichen Geschehen, das er in groben Zügen aus dem Bericht der Kollegen entnommen hatte, angekommen waren, merkte er, dass sie mit der Tat im Wesentlichen schon aufgeräumt hatte. "Hatten Sie jemanden, der Ihnen danach zur Seite gestanden hat?" "Ja, mein Freund hat mir dabei geholfen." Zustimmend nickend erzählte Franzi weiter und spürte, wie sie sich dadurch noch ein Stück weiter von der ganzen Sache lösen konnte. Sie konnte Raikos Namen aussprechen, ohne erneut sein Gesicht vor sich zu sehen. Eine weitere Stunde später, schloss der Arzt seine Akte und sah Franzi eindringlich an. Er hatte jetzt einen Eindruck von ihr bekommen, und musste nur noch den letzten Test durchführen. "Unser Gespräch hätten wir dann soweit hinter uns. Ich habe nur noch eines. Sie müssten jetzt noch mit in den Keller kommen, und ein paar Schiessübungen machen, damit ich Ihren Umgang mit der Waffe sehe." Was er nicht dazu sagte, war die Tatsache, dass er im Keller kein Licht anmachen würde und es genauso dunkel haben wollte, wie es in der leeren Fabrikhalle auch gewesen war. "Ja geht in Ordnung." Rasch stand Franzi auf, strich sich ihre Locken hinter die Ohren und folgte dem Arzt die Treppen hinunter. Anfangs war sie ehrlich erschrocken, dass er kein Licht anmachen wollte, aber nach und nach gewöhnten sich ihre Augen daran und ihr kam nur einmal kurz der Gedanke, dass im Dunkeln Gefahr lauern könnte. Sie wollte das ganze hinter sich lassen, und das konnte sie nur mit einem klaren Kopf und ohne die Angst, dass hinter jeder Ecke eine Gefahr auf sie warten könnte.

    "Und?" Erwartungsvoll blickte Franzi den Arzt an und wartete auf dessen Urteil. Würde er sie hinter den Schreibtisch, oder zurück in den Streifenwagen bringen? "Auto oder Schreibtisch?" "Frau Jung, was erwarten Sie von mir? Sie sagen das gerade so, als wüssten Sie schon, dass sie nicht mehr für den Streifendienst einzusetzen sind. Nein, hören Sie mir mal zu", versuchte er sie davon zu überzeugen, dass sie ihm besser zuhören sollte, anstatt irgendwelche Schlüsse aus dem zu ziehen, was er noch nicht mal gesagt hatte. "Bedanken Sie sich bei ihrem Freund und Ihrem ganzen Umfeld. Sie haben das ganze gut verarbeitet und ich sehe keine Gefahr, Sie in zurück auf die Streife zu lassen. Und jetzt sehen Sie schon zu, dass Sie hier raus kommen. Ich werde den Bericht an Ihre Dienststelle schicken, und Berger soll sich dann mit Ihnen in Verbindung setzten." So warm und freundlich wie er sie empfangen hatte, verabschiedete er sie wieder und man sah ihr deutlich an, wie nah ihr diese Worte gingen. Kaum war sie dem dunklen Keller entflohen und wieder draußen zog sie ihr Handy hervor und starrte es Minuten lang an, als wüsste sie plötzlich nicht mehr was sie damit anfangen sollte. Noch während dem Weg zur U-Bahn schrieb sie Malte, wie alles verlaufen war und beschloss ihn am Abend zum Essen einzuladen, so wie sie es schon vor dem ganzen Zwischenfall vorgehabt hatten.

    [Ende]



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