Troja II und Troja VI/ VII

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    Re: Troja II und Troja VI/ VII

    Hektor von Troja - 10.04.2007, 00:30

    Troja II und Troja VI/ VII


    Lieber Herr Schliemann,
    mein Name ist Hektor und ich stamme aus Troja. Hätten wir uns kennengelernt, hätten wir uns durch unsere gegenseitigen Erkenntnisse sicherlich bereichert. Hätten Sie mich kennengelernt aber, wären Sie nie der Mann geworden, der Sie gewesen sind.
    Der Entdecker von Troja.

    Ich weiß, dass Sie in der Fachwelt der Archäologen und Vorderasiatischen Altertumskundler nicht besonders beliebt sind für die Art wie Sie vorgegangen sind, aber niemand wagt anzuzweifeln, dass Sie eine gewisse Größe in dem Feld dieser Beschäftigung darstellen. Warum ist das so? Nicht zuletzt deswegen, weil Sie glaubten, beweisen zu können, dass es meine Heimatstadt gab, wofür ich natürlich sehr dankbar bin.

    Dennoch wollen wir uns doch einmal genauer ansehen, was Sie als das Homer- Troja angesehen haben und wie Sie auf diese Idee gekommen sind.

    Das, was Ihr Troja ist und mein Troja sein soll, wird in der Fachsprache gemeinhin als Troja II bezeichnet. Es stellt damit die zweite (oder inzwischen auch dritte, denn es gibt eine Null-Schicht) der archäologischen Schichten dar, die auf dem Hügel Hisarlik in Westanatolien ausgegraben wurde.
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Ihnen klar war, dass über dieser Schicht noch andere lagen, gehe aber davon aus, da selbst Sie nicht all die unterschiedlichen Befunde in ein Raster zu packen vermocht hätten. Manfred Korfmann, Ihr Nachfolger aber, hat es definitiv gewusst.

    Was aber nun ist dieses Troja II, das Sie als das meinige identifizieren eigentlich?
    Die Siedlung, die sich aus den Ruinen von Troja I erhebt, nimmt ihren Anfang ca. 2350 v. Chr. und erlebt schon 100 Jahre später ihren Untergang. Sie hat eine Fläche von 90.000 Quadratmetern (wobei ich diese Angabe ernstlich anzweifle), besteht aus einer Ober- und einer Unterstadt und ist von zwei Mauern umgeben. Wie die Häuser genau beschaffen sind, möchte ich hier nicht ausführen- ich bin kein Archäologe und die wenigsten meiner Leser werden in diesem Ansinnen von mir abweichen.

    Es gibt Tempel und einen Palast- sie bilden die Oberstadt und werden von einer Mauer umgeben, die eine Kombination von Stein- und Holzbau ist. Schon Troja II verfügt über einen hohen Grad an architektonischem Wissen, die Mauern sind geböscht und erhöhen damit sowohl ihre Stabilität, als auch ihre Wehrhaftigkeit. Im Großen und Ganzen muss diese Siedlung also recht imposant ausgesehen haben.

    Auch ist die Verarbeitung von Edelmetallen wie Gold und Kupfer bekannt und wird durchgeführt, ebenso wie die Verwendung von Ton zur Herstellung von Keramik.
    Es sieht also deutlich nach einer Festung aus, die derjenigen des stolzen Priamos würdig hätten sein können.
    Zudem, wo Sie seinen legendären Schatz in den Schichten Trojas II gefunden haben...

    Schauen wir uns das doch einmal genauer an.
    Zuerst einmal ist Troja II zwar ein regionales Zentrum, das einigen Einfluss hat... aber lange nicht der reichen Handelsmetropole entspricht, die es hätte sein müssen, um a) alleine von der Bevölkerungszahl ein Heer stellen zu können, das den Griechen angemessen oder ebenbürtig war, b) einem Belagerungskrieg standgehalten hätte, c) überhaupt einem sehr, sehr ernst gemeinten Frontalangriff standgehalten hätte und d) der Schatz von Priamos eine ganz eigene Sache für sich ist.
    Denn
    Dass dieser Schatz durch Sie gefunden worden ist, ist nicht sicher.
    Dass es sich dabei um die Fundstücke handelt, die Sie uns präsentierten, ist nicht sicher.
    Dass er Priamos gehört haben soll, wissen Sie woher?
    Und wie erklären Sie die Tatsache, dass ganz verwandt aussehende Stücke erst viele Jahre später in der Archäologie auftauchen?

    Ich will nicht absprechen, dass sich all das so zugetragen haben mag, wie es allgemein bekannt ist, aber ich möchte hier dennoch meine Zweifel anmerken. Fakt ist, dass es nur zwei Alternativen gibt. Entweder ist die Bezeichnung der "Schatz des Priamos" einfach falsch, weil der Schatz viel älter als der angenommene Herrscher ist oder Sie haben diesen Schatz in eine falsche, weil zu frühe Zeit datiert.
    In allen Fällen aber ist klar, dass der Schatz des Priamos nicht der Schatz von König Priamos UND der von Troja II sein kann. Die gegebenen Umstände der frühen Siedlung lassen eine Annahmen vom Reich des Priamos, welches den Griechen trotzte, nicht ohne weiteres zu.

    Wenn es ihn denn gegeben haben soll, diesen sagenunwobenen Trojanischen Krieg (bei dem ich dabei war übrigens), dann hat er nicht 2350 v. Chr. in einer zwar bedeutenden, aber nicht genug mächtigen Stadt namens Troja stattgefunden.
    Sondern vielmehr in einer, die heute Troja VI und Troja VII genannt wird.

    Sie wissen es vielleicht nicht, Herr Schliemann, aber diese Schichten gibt es und sie sind nicht die letzten, aber sie sind die letzten trojanischen Schichten. Danach wird Troja Ilios oder Ilion genannt und gerät vollends unter den Einfluss griechischer und römischer Kunst und Lebensweise.
    Die Zeitspanne, über die ich nun spreche, zieht sich von ca. 1800- ca. 1200 v. Chr. (Und ja, Herr Schliemann, ich weiß, dass die mykenische Kultur zu dem Zeitpunkt bereits im Untergang begriffen war- na und? Kann sie da nicht trotzdem noch gegen eine Stadt gesegelt sein, die ihr Unrecht getan hat? Na, was meinen Sie?)
    Die Schichten VI und VII zeichnen sich vor allem durch eines aus: einer wahrhaft gigantischen Befestigungsanlage.
    Die Fläche der gesamten Stadt beträgt ca. 270000 Quadratmeter (und keine 90000, danke fürs Mitlesen! :-) ). Es gibt wieder eine Ober- und eine Unterstadt. Dieses Mal besteht diese aus einer Burg, die alleine 20000 Quadratmeter Fläche für sich beansprucht und wird von einer 350 m hohen Mauer umgeben, die allein bereits 12 m hoch ist.

    Die Stadtmauer selbst, durch Süd- und Nordtor durchbrochen, ist mit Türmen bewehrt, geböscht gebaut, besteht aus massiven Steinblöcken und hat ein weit in die Erde reichendes Fundament. Nicht zu Unrecht schreibt Homer über diese Mauern, dass sie uneinehmbar seien.
    Dass es eine Unterstadt gegeben hat, ist nicht anzuzweifeln. Wo genau sie sich befunden hat, ist allerdings nicht bekannt.
    Zu der Zeitspanne Troja VI und VII bewohnen ca. 6000 Menschen die Stadt.

    Zwar gibt es hier keinen legendären Schatz von Priamos, aber dafür eine Siedlung, ein Machtzentrum genauer gesagt, dass der Aufmerksamkeit der Griechen und dem Neid der Götter wohl eher würdig war, als die Siedlung Troja II. Zwar ist gesichert, dass die Schichten Trojas VI Spuren durch die Verwüstung von Erdbeben aufweisen, doch gibt es eine interessante Begebenheit zu der Zeit von Troja VII, das unmittelbar darauf entstanden ist. Manche Archäologen sehen den Übergang zwischen diesen beiden Schichten auch als fließend an- so dass ich mich erdreiste keine genaueren Unterschied hier zu machen.
    Troja VII nämlich zeigt eindeutig die Spuren einer Zerstörung durch menschliche Gewalt auf. Es wurden nicht nur viele Gebäude zerstört und Waffen gefunden, sondern auch eine "Bevölkerungspolitik", die vollkommen gegen das steht, was in einer normalen Stadt passieren würde. Die Menschen nämlich ziehen nach innen, in Richtung der Oberstadt hinein, wohnen in kleinen engen und übereinander gestapelten Häusern und mauern das Westtor zu. Es gibt keine Expansionsbewegung nach außen hin, vielmehr drängt es jeden zurück in die Stadt hinein.
    Wäre die Stadt ohne Bedrohung gewesen, hätten die Bewohner anders gesiedelt. Nach den aufgezählten Fakten dürfte dies wohl einleuchtend erscheinen.

    Zwei Dinge also. Entweder war das Homer- Troja, wenn es eines gegeben hat, die letzte Troja VI Schicht. In diesem Zuge ist interessant zu erwähnen, dass das Pferd auch im Zusammenhang mit Poseidon als dessen Symbol erwähnt wird- das trojanische Pferd also als Symbol für den Zorn Poseidons, den Erderschütterer, der die Stadt mit einem Beben zum Einsturz brachte?
    Oder Alternative Nummer zwei, dass das Homer-Troja die Schicht VII ist, welche gesichert durch einen Krieg zerstört wurde? Aber wie, wenn die mykenische Kultur schon in ihren letzten Zügen lag?

    Diese Fragen, lieber Herr Schliemann, kann ich uwissender Troer nicht abschließend klären, aber eine Sache ist klar und eine zweite wird hier klarzustellen sein.
    Troja II ist auf keinen Fall mein Troja- und wenn ich hier von dieser Stadt spreche- was ich häufig tun werde- und es irgendwie möglich ist, werde ich mich zeitlich und politisch hintergründig auf die Spanne von Troja VI und VII beziehen.
    Warten wir ab, ob es klappen wird.

    Trotzdem möchte ich Ihnen danken dafür, dass Sie den Glauben daran, dass Troja im Allgemeinen und mein Troja im Speziellen existiert hat, nie aufgegeben haben und bedenke Ihre Leistungen mit der Hochachtung, die ihnen gebührt.
    Auch wenn Ihr Schatz nicht der meines Vaters ist- wenn er auch noch so schön an Helena oder Andromache wohl ausgesehen haben könnte... :-)

    Hochachtungsvoll,
    Hektor von Troja



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