Denk am mich ~ Auch wenn es zu Ende ist

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    Re: Denk am mich ~ Auch wenn es zu Ende ist

    Eaver - 19.03.2007, 21:28

    Denk am mich ~ Auch wenn es zu Ende ist
    Titel: Denk an mich ~ Auch wenn es zu Ende ist!
    Autor: Eaver
    Geschrieben: 30.12.2004 - 31.12.2004
    Genre: Original, sad, übersinnlich
    FSK: 12
    Disclaimer: Der Song ist NICHT von mir. Die Rechte stehen dem Autor von Phantom der Oper zu.
    Die Personen auf dem Cover dienten als insperationsquelle für die Geschichte. Die Namen des Sängers und Charas entsprangen unabhängig voneinander.
    Kommis: Gewünscht und erhofft. Kritik und Lob erwünscht.
    Widmung: Die Story habe ich damals für Laura zum Geburtstag geschrieben.

    Cover



    Der Himmel verzieht sich augenblicklich, Wolken ziehen auf. Dunkel und Düster, reiben sich aneinander, fangen an zu weinen. Donner grollen, plätchelende nässe auf den Straßen. Der Wind weht leicht umher, lässt meinen Leib erschaudern. Nur im dünnen Leinenkleid stehe ich auf dem Balkon und schaue aufs Meer. Unendlich weit, unergründlich.

    Niemand weiß genau wie lange es das Meer schon gibt, es entstanden sind. Vor Jahrzehnten ist sicher.
    Frei wirkend scheint es auf mich, als wolle mich - mit jeder noch so kleinsten Welle - trösten.
    Tränen verschleiern mir die Augen, lasse es mich nur schemenhaft wahrnehmen. Regen fällt hinab auf die Erde, wird vom Meer aufgenommen und lebt mit ihm weiter.

    Und was ist mit mir? Was wird aus mir? Werde ich auch ein Teil der Meeres? Die Wahrscheinlichkeit scheint mir gering zu sein, bis unmöglich.

    Ich lehne mich an die kühle Wand und lasse mich auf den Boden fallen, schließe meine Augen, will vergessen, was ich soeben erfahren musste. Wieso?
    Warum gerade ich? Wieso niemand anderes?

    Egoistische Gedanken überfallen mich, lassen mich die Welt noch tristloser sehen. Niemand kann etwas dafür und wenn, dann ist der Täter nicht bekannt, wird immer in der Finsternis der Nebelschwaden verweilen...

    Ich reibe mir erschöpft über die Augenlieder, versuche die erneute Traurigkeit, die sich von Minute zu Minute ihren Weg hinaus über meine Augen sucht, wegzuwichen. Hilflos, Verzweiglung haben die Oberhand über mein Handeln, meine Gedanken, meinen Körper übernommen. Ungerechtigkeit in der Entscheidung, dem Geständnis der Ärzte, sind nicht die einzigen Gefühle, die mich leiten. Die Schuld sind, dass ich hier liege wie ein Haufen elend.

    "Es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen, dass die Ergebisse nicht so ausgefallen sind, wie wir es uns erhofft hatten. Sie werden kein halbes Jahr mehr zu leben haben. Wir haben verschiedene Theorieren, Methoden durchgesprochen, doch Ihre Krankheit ist einfach zu unbekannt, um sie bekämpfen zu können."

    Immer wieder hallen mir dir Worte durch den Kopf. Bald wird es zu ende sein, ich spüre es selber. Schon lange fühle ich wie mit jedem neuen Tag meine Energie schwindet. Hat es überhaupt noch einen Sinn? Hat es Sinn dieses halbe Jahr - wenn überhaupt noch so lange hin ist - bis ich hinab in das Reich der Toten gleite, schwinde.

    Ich weiß es nicht. Fragen steigen hinauf die Treppe, die kein Ende zu nehmen scheint. wenn ich das gefühl habe, sie bald überwunden zu habe - wird sie jedes mal mit einem Grollen größer, höher, steihler.

    Vielleicht weigere ich mich selber eine Antwort zu finden, will sie nicht sehen. Nur wieso? Aus Angst? Theoretisch wäre dies die Sinnvollste Erklärung, doch in meinen Augen eher unwahrscheinlich.

    Angst steigt, nimmt zu, lässt mich ein weiteres mal zusammen zucken. Meine Augen öffnen sich, als ich plötzlich ein Geräusch aus der Wohnung vernehme. Ich wische mir die Tränen aus den Augen und stehe leicht bebend auf. Ein letzter Blick fällt aufs Meer, ehe ich hineinschreitte. Zu dir, meinem Engel, Schatz.

    Denk an mich, denk an mich zärtlich,
    wie an einen Traum!
    Erinnre dich! Keine Macht trennt uns
    außer Zeit und Raum!
    An dem Tag, wann er auch kommen mag,
    an dem du Abschied nimmst von mir.
    Lass das Gestern weiterleben,
    schließ es ein in dir!
    Natürlich war von allem Anfang klar,
    kein Glück kann leuchten ewiglich.
    Aber wenn du dich allein fühlst,
    Immer denk an mich!
    Denk an uns're Zeit im Sonnenschein,
    Am Himmel stand der Mond im Sternenschein.


    Gerade als ich die Balkontüre auch von innen schließe, schlingen sich zwei starke um mich. Ich lehne mich an deine Brust, ziehe deinen Duft in mich auf. Du richst so gut. Allein die Vorstellung bald nicht mehr in deine Arme flüchten zu können, mich in ihnen zu verstecken, Schutz zu suchen, stimmt mich erneut traurig. Ein Seufzen entfährt mir, als sich deien rechte hand auf meinen Bauch legt. Sanft streichelt dein Daumen über mein durchnässtes Kleid.

    "Na du, hast wohl wieder die Zeit vergessen, als du hinaus auf das Meer geschaut hast. Du bist vollkommen durchnässt", du löst dich kurz von mir und gehst ins Badezimmer. Wahrscheinlich um mir deinen Morgenmantel zu holen, damit ich es wollig warm habe.

    Leider hast du dabei nicht bedacht, dass es nun, wo du dich - wenn auch nur für kurz - von mir entfehrnt hast, deine Wärme langsam aus meinem Körper verschwindet. Ich lege meine Hände um mich und versuche mir somit ein bisschen zu wärmen...

    Die Badezimmertüre öffnet sich und du kommst mit deinem Morgenmantel in der Hand heraus, schenkst mir ein Lächeln, welches mich im inneren mit Glücksgefühlen ausfüllt. Du kommst auf mich zu und legst mir den Morgenmanttel um, ziehst mich in deine arme und kuschelst dich an mich.

    "Wir war dein Tag so?", hauchst du mir ins Ohr. "Wie immer und wie war deiner? Habt ihr mit den Aufnahmen zum neuen Album begonnen?" Du drückst mich sanft von dir und musterst mich. Ich hatte es geahnt. Du spürst es immer, wenn ich dir etwas verschweige. So war es schon früher und so wird es wohl immer bleiben.

    Ich weiß gar nicht mehr, wie lange es her ist, die Zeit in deiner Nähe vergeht so unglaublich schnell.
    Und doch weiß ich, dass diese Verbundenheit zwischen uns beiden schon vom ersten Tag an, bestand. Als ich dir das erste mal die Augen blicken dufte, in dieses tiefe grün, wusste ich, wir sind füreinander bestimmt.

    Zwischen uns beiden gibt es etwas besonderes. Ein Band, durchsichtig, welches nur wir beide Wahrnehmen. Du siehst es mir an, wenn mit mir etwas nicht stimmt, machst dir oftmals unnötige Sorgen. Bevor ich dir begegend bin, war ich alleine und einsam, hatte niemanden. Bin im Heim aufgewachsen. Du hast mich aus meinem Loch herausgezogen, mich zum ersten mal zum Lachen gebracht. Mich ins Leben zurückgerufen.

    Tränen bilden sich in meinen Augenwinkeln. Bildern tauchen auf, nur bei dem gedanken an damals, an eine Zeit, die es bald nicht mehr geben wird. Ich werde gehen, dich alleine lassen. Habe Angst davor dich zu verlieren und doch weiß ich, dass ich es nicht verhindern kann.

    Ich drücke mich an dich, fange an zu schniefen. Weinende Töne entfahren aus meiner kehle. Du legst deine arme beschützend um mich, als würdest du mich nie mehr gehen lassen wollen und doch wirst du es müssen. Niemand kann den Tod besiegen, verhindern das er mich mit sich nimmt.

    "Was ist denn Süße? Wer hat die weh getan? Bist du krank... Sag es mir." Ich kann es nicht. Niemals werde ich dir in die Augen schauen können, und die Wahrheit über das unaufhaltsame sagen können. "Ich habe wieder eine Absage bekommen", presse ich hervor. Eine Lüge!

    Die erste Lüge überhaupt die ich dir an den Kopf werfe und zugleich beginne ich sie zu bereuen. Ich hätte nie Gedacht dass mich die Angst zu solchen Dingen verleiten kann, zum Lügen, ohne eine wimper zu ziehen. Nur mein schlechtes Gewissen bestraft mich dafür, meine Liebe zu dir.

    "Soll ich nicht endlich mal mit Seppo reden, vielleicht kann er bei einem Musical..." "Nein Lauri, bitte. Ich will es aus eingener Kraft schaffen. Schaffen weil sie mich wollen, mein Talent sehen. Du weißt..." "Ja ich weiß. Aber ich kann doch nicht auf dauer mit ansehen, wie es dich runterzieht..." "Musst du aber. Und nun lass es gut sein. Halt mich einfach fest und lass mich nie wieder los." Du nickst und ziehst mich mit auf die Couch. Arm in Arm liegen wir dort und genießen einfach nur die wärme, die Geborgenheit des anderen. Wenn du wüsstest, dass dies vielleicht das letzte mal sein könnte...

    Denk an mich, sieh meine Zeichen.
    Wenn du dich verirrst,
    versuche, mich schnell zu erreichen,
    wenn du müde wirst.
    Denk an mich, und quälen Sorgen dich,
    dann träum dich heimlich her zu mir.
    Und wo immer du auch sein magst,
    such mein Bild in dir!

    Schattenhaft, in einer Siluete scheint der Mond durchs Fenster hinein. Mittlerweile ist wieder eine woche durch die Welt gestrichen. Eine Woche, in der ich mich auffallend häufiger als sonst, in deiner Nähe aufgehalten habe, wie du gestern zu mir gemeint hattest.

    Als ich dir selbst auf die Toilette folgen wollte, war es dir anscheinend zu viel und du hattest mich auf mich auf mein momentanes Verhalten angesprochen. Wir gerne hätte ich es dir in diesem einen Moment gesagt. In dem Moment in dem sich unsere Augen getroffen hatten und ich mich nicht von deinem Blick lösen konnte, er mich gefangen hat.

    Doch wieder einmal, wie schon so oft, wenn ich einen Versuch gestartet hatte, kam kein Wort über meine Lippen. In wolliges Schweigen habe ich die wahrheit getaucht und heute bist du nun mit den Jungs unterwegs. Wie gerne wäre ich jetzt an deiner Seite, würde euch allerdings nur stören.

    Stattdessen durchforschte ich das Internet, suchend nach Hilfe, klammere mich an den letzten Hoffnungschimmer, eine Lösung zu finden, eine Möglichkeit für immer bei dir zu bleiben. Bis her leider ohne Erfolg. Es muss etwas geben, was ich übersehen habe, davon bin ich überzeugt. Oder bilde ich es mir nur ein? Will einfach etwas finden und klammere mich deswegen so feste hiran fest? Wahrscheinlich.

    Enttäuscht schalte ich den Bildschirm aus, lasse dem Computer allerdings, wie gewöhnlich nebenbei laufen. Ich lasse mich in die Couch fallen und schalte den Fernseher ein. Nichts! Wieder nur Schwachsinn, wie jeden Tag. Warum sollte es auch ausgerechnet heute sein?

    Aufeinmal bleibt mein Augenmerkmal an einem Film hängen. Ein Mädchen durchquert den Wald, auf der Suche nach ihrer großen Liebe, wie es mir auf den ersten Blick scheint. Vollkommen für mich überraschend taucht er hinter ihr auf. Gespannt schaue ich auf die Mattscheibe. Scheint interessant zu werden.

    ~*~*~

    "Dave da bist du ja. Ich bringe dir Futter."
    "Wieso hat das so lange gedauert?", er zieht eine Augenbraun hoch und leitet sie in die richtung eines Baumes. Sie ist gefangen, kann ihm nicht entkommen.
    "Weißt du wir schwer es ist an Menschenblut zu kommen. Sie wissen das die Vampiere im Augenblick aktiver sind als sonst und dadurch werden die Krankenhäuser noch stränger bewacht als sonst. Ich konnte nur mit viel Mühe und Vorsicht an Blut gelangen", sie reichte ihm aus ihrer Tasche einen durchsichtigen Beutel, den er ihr gierig entriss. Er öffnete ihn und nahm die rötliche Flüssigkeit zu sich. seitlich blitzten längere Zähen hervor...

    ~*~*~

    Ich sprang auf und rannte auf meinen Computer zu. Das war die Lösung auf meine Frage. So würde ich bei meinem Lauri, dir, bleiben können. Selbst die Krankheit könnte mich nicht mehr das Leben kosten, denn ich würde nicht mehr Leben, jedoch auch nicht Tod sein. Einzig und allein was ich noch benötigte, war ein Ritual um einen richtigen Vampier herbei zu beschwören...

    Meine Augen fingen feuer. Endlich schien die Antwort auf meine Frage so nahe, nicht mehr unerwindbar. Die Verzweiflung die mich seit her gepackt hatte, begann sich hauchartig in Luft aufzulösen, wurde einzig und allein von den Wänden, der Decke aufgehalten, um gänzlich aus der Wohnung zu verschwinden...

    Was entsteht auf dieser Welt, vergeht,
    und eines Tages auch du und ich.
    Doch Gefühle sind unsterblich.
    Bitte denk an mich!

    Schnell hatte ich gefunden, was ich gesucht hatte und begonnen die Dinge, die für das Ritual von nöten waren, aufzutreiben und vorzubereiten. Starr viel mein Blick auf die Blutrote flackernde Kerze, die der Wegleuchter für den Vampier sein sollte...

    Sie wich mir nicht aus den Augen, selbst als ich den Spruch sprach, hielt ich die Kerze, mit meinen Augen gefangen. Mein Herz begann außer Takt zu schlagen - so wie es sonst nur in Lauris anwesendheit schlug- Diesesmal war allerdings die Aufregung der Grund für mein Herz so in Aufruhr zu sein.

    Die Kerze ging durch einen leichten Windhauch, der durch den Raum drang aus. Dunkelheit übermannte den Raum, ließ mir kalte Schauer über den Rücken laufen. Unheimlich, mit panischen Augen tastete ich den Raum ab. Die Balkontüre hatte sich wie von selbst geöffnet und in ihr stand er.

    Barock, der Vampier, mit dem ich Gedanke einen Handel ein zu gehen. Seine Schneeweißen Haare fallen ihm Wild ins Gesicht, sind verfiltzt. Seine ausdruckslosen grauen Augen, nehmen mich Gefangen, sind schuld das ich mich nicht mehr rühren kann. als er sich mit seiner Zunge leicht über seine Blutbeschmierten Lippen fährt, kann ich deutlich seine langen Eckzähne erkennen, die ebenso von Blutspuren geziert werden...

    "Was fällt dir Mensch ein, mich bei meinem Fressen zu stören", kalt schaut er mich an. "Ich wollte dir einen Handel vorschlagen." "DU MENSCH, willst mit MIR BAROCK verhandeln?", ein spötisches Auflachen entfährt ihm. Ich nicke nur leicht. Ob es nicht doch ein Fehler war? Nein! Er war der einzige der mir Helfen konnte. Meine letzte Hoffnung mit Lauri eine Zukunft zu haben.

    "Ich will ein Vampier werden und ich bin mir sicher das du mich zu einem machen kannst." "Ach ja, bist du das? Und wenn es so wäre, was würdest du mir als Gegenleistung geben?" "Mein Blut?" Was will er doch sonst? Geld vielleicht? Ich glaube kaum!

    "Hmm... nein das ist mir zu wenig. Weißt du, ich hasse Abkömmlinge und du wärst mehr oder minder ein solcher. Dafür will ich schon mehr." "Und was?" "Deine Seele." Meine was? Seele? Was will er denn mit ihr? Wozu braucht er sie? "Aber..." "Nichts aber. Ich will sie einfach und wenn du sie mir gibst wäre ich bereit, dich zu einem mir gleichgesinnten zu machen. Und? Kommen wir ins Geschäft?"

    "Meinetwegen, auch wenn ich nicht verstehe." Wichtig ist mir nur dass ich bei meinem Lauri bleiben kann und wenn es der Preis nun mal meine Seele ist, werde ich ihn gerne zahlen. Ich kann es noch immer kaum glauben. Ich werde bei ihm bleiben können, nicht sterben und ihn auf ewig verlieren. Eine Träne der Freunde bahnt dich ihren Weg über mein Gesicht, ehe sie im Nichts endet....

    "Dann lass uns loslegen. Ich habe nicht ewig Zeit." Ich nicke und schaue ihn fragend an. weiß nicht, was nun auf mich zu kommt. Er kommt auf mich zu. "Leg deinen Hals schief." Ich tue was er will und ehe ich versehe beißen sich spitze Zähne in mein Fleich fest. Das letzte was ich wahrnehme ist sein auflachen und ein "Es wird einige Stunden dauern ehe die Wandlung vollkommen von statten gelaufen ist", ehe alles vor meinen Augen schwindet, schwarz wird und ich mich zusammen falle.

    ~*~

    Schemenhaft nehme ich meine Umgebung wahr, als ich meine Augen wieder öffne. Irgendwie fühle ich mich vollkommen anders, muss mich ersteinmal daran gewöhnen nun ein Vampier zu sein. Ohne groß zu überlegen hieve ich mich auf und steuere auf den Schreibtisch zu...

    Mein Körper ist noch schwach, fühlt sich Kraftlos an. Ich strecke meine Hand aus und lege den Brief, den ich noch vor dem Retual geschrieben hatte, auf den Küchentisch, ehe ich mich noch ein letztes mal - fürs erste zumindest - umschaue und blind nach meinen langen schwarzen Mantel greife und die Wohnung verlasse.

    Draußen ist es dunkel, frisch. Eine leicht briese geht umher. Nur vereeinzelnte Lichter erhellen die Straßen, leuchten mir den Weg zum Meer. Ich spüre es selber, dass die Verwandlung noch nicht überwunden ist. Es wird noch einige Stunden, wie mir Barock verraten hatte, dauern.

    Ich lasse mich in den Sand fallen und schaue hinaus ins weite Meer. Wie von selbst schiebt sich ein Bild vor mein Auge, kann es nicht steuern, muss an die Worte denken, die ich in dem Brief an Lauri verwendet habe. Kann jedes einzellne Auswendig, habe sie mit Bedacht gewählt...

    ~*~*~

    Hasloo Schatz,
    wenn du heimkehrst von deinem Abend mit den Jungs, wirst du dich sicherlich Fragen, wo ich bin?
    Wirst eine leere Wohnung vorfinden und dir so deine Gedanken bist.
    Es tut mir leid mein schwarzer Engel.
    Ich bin zu einer Freundin gefahren, brauche ein paar Wochen Abstand von Helsinki, unserer Heimat.
    Ich komme bald wieder, also mach dir keine Sorgen muss mich.
    Ich bin kein Kleines Kind mehr, doch manchmal scheint es mir, als würdest du dies vergessen.
    Wie auch immer, mach dir ein paar schöne Wochen mit deinen Freunden und denk an mich.
    Ich liebe dich, für immer und ewig!
    Auch wenn ich nicht da bin, das Band wird uns auch durch die Distanz verbinden...
    Bis Bald,
    dein Engel.

    ~*~*~

    Grelle Strahlen der Sonne lassen mich erwachen. Angewiedert verziehe ich das Gesicht und stehe so schnell wie möglich auf. Wie eine Beute vom Jäger gejagt wird, renne ich durch den Sand, bis ich an einer verlassenen Hütte angelange und hinein schreitte.

    Leicht fällt auch durch diese Hütte die Heligkeit herein. Wenigstens brennt meine Haut nicht mehr so, wie noch vor wenigen Minuten. Was das wohl zu bedeuten hat? Warum hasse ich plötzlich die Sonne?

    Nur eine logische Erklärung scheint mir eine Sinngemäße Antwort zu ergeben. Ich bin nun ein Vampier, mit Haut und Haaren, und nur aus diesem Grunde habe ich so empfindlich auf die Sonne reagiert.

    Einzig und allein bei dem Gedanken an die Sonne, verzieht sich mein Gesicht. Ekelhaft! Früher einmal, mir in diesem Augenblick in einem anderen Leben scheinend, liebte ich sie einmal. Liebte ebenso den Tag. Und nun? Ich hasse beides gleichermaßen. Kälte hat mein Herz in Besitz genommen. Düster, Trist, leer.

    Ich rolle mich auf dem Boden zusammen, schließe meine Augen und will nicht mehr an das jetzt denken. Will nur noch schlafen, bis zum schwarzen abend, wo die Nachtgeschöpfe das Leben bestimmen. Lange dauert es nicht, bis ich hinab gleite in einen ausdrucklosen Schlaf....

    ~*~

    Wochen vergingen, Monate ebenso, ohne das ich es wirklich realisierte. Vieles gab es für mich zu lernen. Das Leben als Nachtwesen, untschied sich so gar von dem der Tageswesen, den Menschen, wie ich einst auch einer war.

    Nun scheint mir diese Tatsache vollkommen fremd, umbegreiflich. Die Erinnerungen an diese Zeit verblaßen immer mehr, scheinen sich in einem Leben, vor dem meinigen abgespielt zu haben...

    Seufzend wiche ich mir den Mund mit meinem Ärmel ab - welcher bis dato noch Blutverschmiert war. Die reste, die ich auch mit meinem Pullover weg bekomme, lecke ich mit meiner Zunge weg.

    Es hat eine Weile gedauert, ehe ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte, mich von Blut zu ernähren. Alte Angewohnheiten, mein altes Ich, weigerte sich, wollte das ich hier her zurück kehre, nach Helsinki...

    Nun stehe ich vor der Stadtgrenze, zwischem neuen- und altem Leben. Meine Beine sind starr, wollen sich nicht bewegen. Mein Herz, Ich, weigere mich dagegen, dort hin zurück zu gehen, wo alles begann, wo ich einmal so etwas wie eine Existenz geführt hatte. Bei einem menschen, den ich einst liebte. Aber war nun?

    Ich weiß es nicht mehr und um die letzte Antwort - vorst - zu finden, gehe ich schleichend durch die Seitenstraßen, Gassen, um niemanden aufzufallen...
    Kalte Wände, Dunkelheit umgibt mich, ähnelnd meinem Gemüt.

    Plötzlich kliert etwas unter meinen Füßen. ich bleibe stehen und schaue nach unten hinab. Glas! Vielleicht von einem alten Spiel stammend. Ich bücke mich nach unten und nehe es in die Hand. Leicht ritzt es in meine Hand, stört mich nicht weiter.

    Bin es mittlerweile gewöhnt, mich zu verletzten - was, wenn man im Wald lebt zum Alltag gehört. Schleierhaft nehme ich mein Spiegelbild in dem Stück Glas wahr... Ein Schatten, mehr scheine ich in den Augen des spiegels nicht mehr zu sein. Meine Augen sind tristlos, wie ausgebrannt. ausdrucklos und vollkommen leer, als habe jemand alle gefühle, die einmal in ihren vorhanden waren, aufgesogen.

    Möglicherweise hägt dies mit meiner Verwandlung zum Vampier zusammen. Gewiss! Wieso auch sonst, sollten sie so einen gräulichen Ton angenommen haben?

    Ich lasse das Stück Glas aus meiner Hand fallen und gehe weiter die Gasse entlang. Leicht nehme ich den geruch von Frischblut wahr. Es kommt mir so verdammt bekannt vor! Aber woher?

    Als ich die Gasse verlasse und auf die andere Straßenseite Blicke, wir mir klar, woher ich diesen geruch so gut kannte. Auf der gegenüberliegenden seite steht er. Lauri! Mein damaliger schwarzer Engel.

    Ich will zu ihm gehen, doch meine Beine weigern sich, genau so mein ganzer Körper. Ich blicke ihn an, wie er dort an der Wand lehnt und sein Blick - wahrscheinlich traurig - den Boden ziert. Erinnerungen tauchen auf, driften wieder ab ins nirgendwo.

    Wo sind sie? Verzweifelt suche ich in mir nach etwas ganz bestimmten. Empfindungen, die Liebe, die einmal für ihn empfunden habe - vor nicht mal allzu langer Zeit. Nichts ist da, wo es war. Sie sind verschwunden, haben sich in Luft aufgelöst...

    Mein Herz schlägt ruhig im Takt, weder Freude, noch sonstiges... Desinteresse ist das Wort, was am besten beschreibt, was ich im Augenblick fühle. Habe ich es verlernt? Verloren? Wo sind die gefühle hin? Verschwunden mit der Verwandlung?

    Gewiss! Das Band zwischen uns beiden ist zerbröckelt, langsam mit der Zeit. Mein Herz nun aus Stein, kalt. Selbst die Frost kann ihm nichts mehr an tun - wobei ich mir nichteinmal sicher bin, ob es nicht aus Frost zum Größtenteil besteht.

    Nun wird mir klar, dass ich mit dem Schwur alles aufs Spiel gesetzt habe. Hätte ich mich anderes entschieden, für die kurze Zeit noch als Mensch, würde ich ihn noch Lieben können - nun nicht mehr. Wenn ich könnte, ich würde es gerne bereuen. Selbst dies erübrigt sich schwerer als Gedacht.

    Ich kann nicht mehr zu ihm, in seine arme zurück kehren. Es wäre ihm gegenüber nicht gerecht. Eines Tages würde ich ihn mit meiner Kaltherzigkeit in den Tod treiben, so wie ich mich in diesen getrieben habe. Einziger Untschied nur, dass ich auf der Welt für immer herumwandern muss... Nie meine Ruhe finden werde... nirgendswo...

    Ich schenke ihn nur noch einem kurzen Blicke, ehe ich mich auf den Weg in ein neues Leben mache. Ein Leben, ohne Lauri, Dich! In ein Leben, wo ich dich töten werde, wenn du mir zu Nahe kommen solltest. Mit einem Gefühl aus Gleichgüktigkeit und tief empfundener Leer gehe ich durch die Nebeldichte, die für mich den Abschied zweier ehemaliger Menschen darstellt, die sich einst mehr geliebt hatten, als es möglich zu sein schien... verbunden waren, wie Tod und leben... Es nun nicht mehr sind. Beide gehen ihren eignen Weg...

    ~~~

    Er schaut auf und will gerade zu seiner Haustüre gehen, als er etwas ihm sehr bekanntes spürt. Er dreht sich um und starrt auf die andere Straßenseite. Nichts! Niemand zu sehen. Wie einmal hatte er sich eingebildet, sie zu sehen, sie zu fühlen. Das Band zwischen ihnen, schien auch durch ihrend Tod nicht vollkommen zerbrochen sein - oder es spielte ihm einfach nur Späße... Möglich wäre es.

    Woher wusste das sie nicht mehr lebte? Er hatte es gespürt, als ein tiefer Schmerz ihn erreichte, und ihm beinahe das Herz herausgerissen hatte. Er vermisste seine geliebte, seinen engel und doch wusste er, das er sie nie wieder sehen würde...

    Traurig drehte er sich um und Schloss die Türe auf. Eine Kalte, einsame Wohnung empfing ihn. Er nahm den Brief, den sie ihm hinterlassen hatte, in die Hand und presste ihn an sein Herz. Tränen fanden ihren Weg über seine Wangen... Niemals würde er sie vergessen, wie könnte er auch? Ohne sie, fühlte er sich innen Tod, ausgebrannt... Ebenso wirkte die Wohnung auf andere. Es fehlte einfach etwas, Sie! Immer würde sie fehlen, egal was komme...

    Zaghaft legte er den Zettel zurück auf den Tisch, an die selbe Stelle, an die sie ihn gelegt hatte. Er öffnete die Balkontüre und schaute hinab aufs Meer.
    "Ich wünsche dir alles gute mein Engel. Gewiss bist du nun ein Teil des Meeres, so wie du es dir Insgeheim immer gewünscht hattest", mit diesen Worten, welcher er an das Meer sendete, ging er wieder rein... Rein in ein neues, einsames Leben... Ohne sie...

    ~*~

    Ende!!



    Re: Denk am mich ~ Auch wenn es zu Ende ist

    Mila - 27.08.2007, 17:37


    klingt ziemlich gut! Ich habe die Geschichte zwar noch nicht durch, aber der erste Eindruck ist gut :wink:



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