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Re: Lestats Villa in Paris
Marius - 14.03.2007, 20:20Lestats Villa in Paris
pp: Theatre des Vampires
Marius streifte eine Weile durch die Straßen von Paris, kehrte noch einmal auf den Place du Tertre zurück, bemerkte, dass man den Aschehaufen dort bereits beseitigt hatte, und er nickte unmerklich, bevor er sich entschied, einem der weniger begabten Künstler einen großen Gefallen zu tun, und ihm Leinwände, Stativ, Pinsel und Farben für eine ordentliche Summe abzukaufen.
Er beauftragte ihn zudem damit, ihm mit den ganzen Sachen zu folgte, und schlug vom Place du Tertre einen anderen Weg ein, der ihn nach einer knappen halben Stunde zu einer großen Villa führte.
Marius wusste, dass dieses Haus Lestat gehörte, denn der Geruch des Vampires hing deutlich über ihm, auch wenn sich M. de Lioncourt schon seit Jahren nicht mehr dort aufgehalten haben mochte.
"Dort hinein." Wies er den jungen Student an, folgte ihm dann selbst in das einladende Gebäude hinein, nachdem er die Türe allein mit dem Willen seiner Gedanken geöffnet hatte, und als alles in dem großen Raum, der Lestat als Salon gedient hatte, abgeladen war, entlohnte der den jungen Mann mit weiteren 200 Francs.
Der Student freute sich darüber, bedankte sich überaus eifrig, und beeilte sich, wieder aus dem Haus zu kommen, denn so freundlich sich sein Gönner auch gab, hatte er trotzdem etwas an sich, dass ihn frösteln ließ.
Als Marius endlich wieder alleine war, stand er zuerst eine Weile versunken in der Mitte des Raumes, bevor er sich entschied, die eben erworbenen Dinge zu nutzen.
Er spannte eine Leinwand auf ihr Gestell, ergriff einen Pinsel, tunkte ihn in die entsprechende Farbe, und begann zu malen.
Schnell entstand auf der weißen Leinwand eine Landschaft, und wie so häufig, zeigte sie die Welt bei Nacht.
Die Pyramiden Ägyptens ragten in der Ferne der Wüste auf, und wie so oft, flocht Marius auch dieses Mal das Gesicht eines Mannes, in das Bild ein, welches alles überlagerte.
Während der Vampir in Gedanken versank, entstand auf der Leinwand das Bildnis eines edlen, aber traurig dreinblickenden Vampirs, den Marius allein aus seiner Erinnerung heraus malte.
Trotzdem wirkte das Gemälde lebendig, in all seinen Details, und der Geduld, die Marius auf sie verschwendete.
'Erinnerungen, Mithras, sind am Ende alles, was uns bleibt.' Dachte er, als er das Bild betrachtete, und seine Finger glitten behutsam über die noch nicht trockene Farbe, verwischten sie und nahmen in Kauf, dass die weiße Haut des Vampirs sich dunkel verfärbte.
'Wenn der Wind verstummt, und die Stimmen verklingen, bleibt nichts, als Dunkelheit, und die Erinnerung an Licht.'
Kaum hatte er seinen Gedanken fertig gedacht, da griff seine Hand auch schon nach dem Rahmen der Leinwand, und wie er es häufig tat, riss er sie unsanft von dem Gestellt, warf um sie achtlos zu Boden zu werfen, und durch eine andere, neue weiße Leinwand zu ersetzen.
Und das Spiel begann von vorne.
Nur der Mann, den er malte, blieb derselbe.....
Re: Lestats Villa in Paris
Mithras - 14.03.2007, 21:04
Ein sanfter Windhauch suchte sich seinen Weg in die Villa Lestats und trug einen Namen mit sich.
Marius...
Die Berührung von etwas, das weder menschlich, noch unsterblich, noch vom Tod gezeichnet war, wurde spürbar. Die Linien des Schicksals veränderten sich, nahmen neue Richtungen an und es schien so, als ob die Sterne in der Finsternis ein wenig heller geworden waren.
Die Stimme, die den Namen einst geformt hatte, war warm und angenehm dunkel, aber nicht rauchig, sondern klar. Es war nicht schwer sich mithilfe des Bildes vorzustellen, wie Stimme zu Erscheinungsbild passte. Etwas war in den Raum gekommen, welchen der uralte Vampir als Refugium benutzte. Etwas machte seine Aufwartung.
Du bist so traurig, Marius... das Licht eine Erinnerung? So mag es uns erscheinen, die wir dasjenige der Sonne nie wieder sehen dürfen... können... werden?
Obwohl die Worte einen traurigen Sinn trugen, lachte die warme Stimme sanft und perlend. Mithras hatte bei solchen Worten oft gelacht- es war einer jener Gegensätze, die ihn so mystisch hatten erscheinen lassen. Darüber hinaus hatte es der Situation immer die Tragik genommen.
Aber wenn alles gesagt und alles gesehen worden ist, wenn das Ende aller Dinge an unsere Tür klopft... ich glaube nicht, dass dann die Dunkelheit auf uns warten wird... und auch nicht das Licht. Das, was sein wird, kennt keine Begriffe... so glaube ich.
Eine Hand strich über Marius' Wange und berührte sein blondes Haar.
Dann entfernte sich der Luftwirbel und eine Unzahl an Bildern vereinte sich in ihm.
Der Wirbel wurde menschengroß, formte eine Silhouette, die Marius gut kannte, gab ihr ein Gesicht, das mild und ruhig in Richtung des Künstlers sah, färbte schulterlanges Haar ein, und ließ zwei Seen aus Helligkeit zu Augen werden, in denen keine Hast und keine Zweifel mehr lagen.
Eine Aureole von Weiß umstrahlte sie, durchflutete den gesamten Raum und verging dann. Die Silhouette allein blieb zurück.
Und sie lächelte.
Lass mich deiner Erinnerung ein wenig neues Leben geben.
Re: Lestats Villa in Paris
Marius - 14.03.2007, 23:10
Marius hielt in seiner Malerei inne, als er den sanften Windhaucht spürte, der ihn streifte, und er sah zu den großen Fenstern an der Wandseite.
Keines von ihnen war offen.
'Marius...' Es war der Wind der zu ihm flüsterte, aber Marius konnte auch die Stimme dahinter ausmachen.
Eine Stimme die er kannte, und die in diesem Moment schmerzlicher und tröstlicher war, als jede andere es sein konnte.
Er schüttelte leicht den Kopf.
Mithras war tot.
Da half es auch nicht, sich seine Stimme ins Gedächtnis zu rufen, und sich einzubilden, sie zu hören.
Wieder griff er zu Pinsel und Farbe, in der Annahme, dass der Verstand, der ihm sagte, dass die Stimme, die er hörte, nur Einbildung war, sie auch verstummen lassen würde.
Umso überraschter war er, als die Stimme weitersprach, klarer wurde, und an Farbe gewann.
Er ließ die Pinselhand sinken, wandte sich zur Seite, und entdeckte dort ein Gewirr von Farben und Licht, in Form eines Strudels, der allmählich Gestalt annahm.
Und zwar die seines lieben Freundes, den er gerade zu betrauern begonnen hatte.
Lange schon hatte Marius nichts mehr so mitgenommen, so berührt, wie die Nachricht von Mithras Tod.
Vielleicht weil er nie daran geglaubt hatte, dass man Mithras wirklich töten konnte, genauso wenig wie er wusste, ob man ihn selbst noch vernichten konnte.
Der Vampir spürte die sanfte Berührung einer Hand an seiner Wange, auch wenn er keine sah, und er senkte den Blick zu Boden, bevor er wieder aufsah, um festzustellen, dass der Strudel aus Farben und Bildern noch immer da war.
Und er nahm Gestalt an.
Marius vergaß sogar zu atmen, so gebannt war er von dem, was sich vor seinen Augen abspielte.
Nicht, dass er hätte atmen müssen, aber er hatte es sich auch über die Jahrhunderte hinweg nicht abgewöhnt.
"Träume ich, mein Freund?" Fragte er leise, den Pinsel immer noch in der Hand, und die blauen Augen schimmerten sachte voller Trauer und Schmerz.
"Bist du eine Erinnerung? Oder bist du wirklich?" Er schüttelte leicht den Kopf.
Nein, Mithras konnte nicht wirklich sein.
Das war unmöglich.
Und doch war da ein kleines Fünkchen irgendwo, tief in seinem Herzen, das die Hoffnung darauf aufrecht erhielt.
"Ich glaube, ich will es gar nicht wissen..." Sagte Sagte Marius, noch bevor er eine Antwort erhalten konnte, und tatsächlich huschte ein feines, flüchteiges Lächeln über sein blasses Gesicht.
Scent of the sea before the waking of the world
Brings me to thee
Into the blue memory
Bring me home or leave me be
My love in the dark heart of the night
I have lost the path before me
The one behind will lead me
Re: Lestats Villa in Paris
Mithras - 14.03.2007, 23:45
Erst jetzt schien Mithras aufzumerken, hob eine der schlanken Hände und betrachtete sie.
Seltsam... und still ist es geworden. Ich höre den Gesang des Weltenliedes nicht mehr...
Die hellen Augen weiteten sich kurz. Mithras sandte seinen Geist in die Nacht hinaus, doch da nur ein Teil von ihm erwacht war und ein weit größerer Teil noch immer schlief, vermochte er die Ereignisse nicht miteinander zu verknüpfen oder zu verstehen. Die feinen Züge überzogen sich mit jener Ruhe, die so typisch für ihn war. Er begriff, dass etwas geschah, doch was es war, konnte er nicht ergründen.
Er ließ die Hand wieder sinken.
Licht und Dunkel rufen auf zum Krieg... mal wieder. Mithras lächelte spöttisch. Er musste es schließlich wissen. Wieder kreierte er einen scharfen Gegensatz zwischen Wort und Gestus.
Aber deswegen bin ich nicht hier. Wo auch immer hier eigentlich ist?Gleichgültig. Wo du bist, kann hier nicht schlecht sein.
Wieder umspielte ein sanftes Lächeln die feinen Lippen.
Er machte einen Schritt nach vorne, legte die Hände auf die Schultern des Vampirs und im nächsten Moment fanden sich beide mitten im sternenübersähten Firmanent wieder.
Mithras schien noch blasser geworden zu sein, als zuvor.
Ich weiß nicht, was geschieht. Das weiß niemand vorher. Seine Stimme klang leise, aber nicht traurig. Ich bin glücklich dich sehen zu dürfen. Du bist von einer weißen Perle zum klaren Diamanten geworden- hach, du kennst meinen schrecklich theatralischen Hang dazu immer irgendwelche kostbaren Steine ins Feld zu führen.
Er lächelte wieder.
Du sagtest... dass Erinnerungen sind, was bleibt. Nimm diese mit... und wenn du erneut so traurig bist, wie du es jetzt bist, hoffe ich, dass sie dir ein wenig Linderung schenken kann.
Unser Urspung liegt im Dunkeln... Mithras streckte eine Hand aus und als ob sie nur darauf gewartet hatte, löste sich eine Sternschnuppe aus dem Firmament und glitt langsam der Erde entgegen.
Doch auch im Dunkeln ist Licht. So wie im Licht das Dunkel ist. Wenn aber das Dunkel im Licht ist und wir im Dunkeln sind... sind wir dann nicht auch im Licht?
Mithras' schimmernde Gestalt lächelte ein wenig mehr und er hauchte Marius einen Kuss auf die Stirn.
Gib auf dich Acht, Marius von Rom.
-Ich liebe dich-
Und im nächsten Moment waren Firmament und Mithras wieder verschwunden, stand Marius erneut alleine vor seiner Leinwand und fiel draußen in der Dunkelheit irgendwo ein Stern zur Erde, dessen heller Schweif weithin zu sehen war.
Re: Lestats Villa in Paris
Marius - 19.03.2007, 22:47
Ohne es zu bemerken, musste Marius eingeschlafen sein, denn als er nun seine Finger bewegte, erkannte er, dass er auf dem Boden lag.
Er blinzelte ein verwirrt, und brachte sich in eine sitzende Position.
In dem Raum war es dunkel, aber Marius konnte dennoch so gut sehen, als wäre es lichter Tag.
Eine der Annehmlichkeiten, die das Vampirsein mit sich brachte.
Das Stativ seiner Leinwand stand dort, wo er es vor einiger Zeit aufgestellt hatte, doch das Bild, welches er darauf fand, war nicht jenes, das er angefertigt hatte.
Zumindest nicht bewusst, denn erinnern konnte er sich nicht daran, auch wenn unverkennbar war, dass das Kunstwerk seiner Hand entsprungen war.
Was er auf diesem Gemälde sah, war ein steinerner Sarg, den das Profil eines edlen Mannes zierte.
Ein Sarg, den Marius niemals gesehen hatte, und der ihm doch vertraut vorkam.
Er erhob sich langsam auf die Beine, sah noch immer ziemlich verwirrt drein, und zog die Brauen zusammen, als er betrachtete, was er noch gemalt hatte.
Da war ein Mann in einer langen, blauen Tunika.
Sein Haar war blond, und länger als sein eigenes.
Das Gesicht war nicht zu erkennen, es war verschwommen und schemenhaft und Marius fragte sich, was ihn wohl dazu getrieben haben mochte, ihn so darzustellen.
Auf der Brust des Mannes blitzte ein silbernes sternförmiges Schmuckstück in welchem sich der Glanz des Mondes spiegelte, auch wenn dieser auf dem Bild nicht zu sehen war.
Als er das Schmuckstück betrachtete, begriff er auch intuitiv, warum der Mann kein erkennbares Gesicht hatte.
Weil er glaubte, dass Mithras nicht mehr lebte.
Marius senkte kurz den Blick, bevor er es wagte, das Bild ein weiteres Mal zu betrachten.
Auch sein eigenes Abbild war dort zu sehen, kniend vor ebenjenem ihm unbekannten Sarg.
Ein Schaudern durchfuhr seinen Körper, während er sich fragte, was ihn dazu getrieben haben mochte, dieses Gemälde zu beginnen, und vorallem, weswegen er sich nicht daran erinnerte, es gemalt zu haben.
Er versuchte, zu rekapitulieren, was passiert war, bevor er sich schlafend auf dem Boden wiedergefunden hatte.
Er hatte gemalt.
Aber etwas anderes.
Ein kalter Windhauch hatte ihn gestreift.
Trotz geschlossener Fenster.
Und eine Stimme....
Eine Stimme hatte zu ihm gesprochen....
Und er erinnerte sich an ihre Worte.
Gib auf dich Acht, Marius von Rom.
Ich liebe dich.
Eine rote Träne rann über seine Wangen, als er die Stimme als jene von Mithras erkannte.
Es war ein Abschied.
Vorsichtig streckte Marius seine Finger nach dem Bild aus, berührten seine Fingerspitzen die harte, inzwischen trockene Farbe auf der Leinwand, die das schemenhafte Gesicht des Mannes bildete, den er so sehr geschätzt hatte.
Und der nun nicht mehr war.
You know you're gonna live through the rain
Lord you got to keep the faith
don't let your love turn to hate
Right now we got to
Keep the faith
Keep the faith
Keep the faith
Lord we got to keep the faith
Re: Lestats Villa in Paris
Marius - 28.04.2007, 13:28
Die Zeit verstrich, während Marius einfach nur dastand, die Finger auf das Gemälde gepresst ohne etwas zu tun, zu sagen, oder auch nur zu denken.
Das Problem war, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
Da waren zu viele unterschiedliche Gedanken, die er gar nicht erfassen konnte, die in alle möglichen Richtungen davonstoben und seinen Kopf fast zum explodieren brachte.
Seine Hände formten sich zu Krallen, hatten seine Fingerkuppen die Farbe zuvor noch behutsam berührt, so waren es nun seine Fingernägel, die sich tief in die Ölfarben gruben.
Seine Augen schlossen sich, und wieder rannen rote Tränen aus seinen Augen, weinte der uralte Vampir um einen noch sehr viel älteren Freund, und der Schmerz in seinem Herzen zehrte ihn fast auf.
Er kratzte mit den Fingernägeln die Farbe von dem Bild, bevor er es schließlich mit sich zu Boden riss.
Marius ließ sich fallen, schluchzte und legte den Kopf auf den kalten Steinboden.
Die Augen hielt er geöffnet, doch sie starrten nur Blicklos gegen die graue Wand.
Wieder entstand Mithras Bild vor seinem Auge, sah er denn Mann auf einem kleinen Hügel stehen, inmitten von grünem Gras und blühenden Blumen.
Der Himmel über dem Vampir war blau, und das Licht der Sonne ließ sein Haar golden glänzen.
'Marius.' Der Mann drehte sich zu ihm um, sah ihn an, schenkte ihm ein Lächeln, und zerfiel dann vor seinen Augen zu Staub.
Marius schrie auf.
Es geschah nicht oft, dass ihn etwas so mitnahm - genaugenommen war es erst einmal geschehen, und damals war er noch jung gewesen, aber heute war es egal, wie viele Jahrhunderte oder Jahrtausende inzwischen verstrichen waren.
Der Vampir fühlte sich so alleine wie noch nie in seinem Leben, und es war beinahe so, als wäre ein Teil von ihm mit Mithras gestorben.
In ihm stieg das Verlangen auf, sich zurück zu ziehen, sich irgendwo niederzulegen und nicht wieder aufstehen zu müssen, so wie er es in Konstantinopel einst mehrere hundert Jahre lang getan hatte, doch im Augenblick hatte er nicht einmal die Kraft, sich aufzurichten, und einen Ort aufzusuchen, an dem ihm das möglich sein würde.
Schluchzend lag er am Boden, ließ Bilder und Erinnerungen an ihm vorbeiziehen, und wurde sich einmal mehr der ganzen Abscheulichkeit seines Seins und seines Lebens bewusst.
Aber wie immer, so verspürte er nicht den Wunsch, sich aufzugeben, oder dieses Leben beenden zu wollen.
Es war nur im Moment einfach schwer.
Er starrte weiter die graue Wand an und sah ihre Konturen vor ihm verschwinden.
Bilder huschten an ihm vorüber.
Zeit verging.
Jahrhunderte spielten sich binnen Sekunden vor seinem Geiste ab.
Und er fühlte sich ganz zurück an den Anfang versetzt, erinnerte sich daran, wie er Mithras zum ersten Mal begegnet war.
Zwei Männer, die auf unterschiedlichen Seiten standen, und eigentlich Feinde hätten sein sollen. Und es doch nicht waren.
Nie hatte er sich vorher vorstellen können, etwas wie das, was er nun empfand, für jemanden empfinden zu können, und es war noch nicht einmal das, was er weitläufig als Liebe bezeichnete.
Es war anders.
Denn er trauerte nicht um Mithras wie jemanden, den er begehrte, den er haben wollte oder der ihm entrissen worden war.
Er trauerte um um jemanden, der ihm die Welt bedeutete, der ihm Kraft gegeben hatte, ohne dazu in seiner Nähe sein zu müssen.
Er trauerte um jemanden, der ihm Freund, Bruder und Lehrer gewesen war.
Und zu begreifen, dass er nun alleine war auf dieser Welt, fiel ihm schwer.
"Marius." Es war Armands angenehme, weiche Stimme, die an sein Ohr drang, aber der Vampir regte sich nicht.
Das Rascheln von Gewändern verriet, dass sein früherer Schüler sich näherte und Marius wunderte sich nicht darüber, dass er nicht bemerkt hatte, wann er gekommen war.
Kalte Hände schoben das blonde Haar zur Seite, und legten die Augen frei, die darunter verborgen waren, und noch immer zur Wand starrten.
Zu seiner Überraschung verschwendete Armand nicht mehr Worte an ihn, als eben schon getan.
Stattdessen ließ er sich neben seinem Meister auf den Boden sinken und schwieg einfach nur.
Das dunkle Haar fiel ihm offen über die Schulter und bildete einen starken Kontrast zu seiner weißen, hellen Haut.
Er legte behutsam seine Hand auf Marius Schulter und tat sonst nichts.
Er versuchte nicht den Vampir umzudrehen oder ihn zum Reden aufzufordern. Er versuchte auch nicht, ihn sonst irgendwo zu berühren, um ihn seine Sorgen und seine Trauer vergessen zu lassen.
Er war einfach nur da, sagte nichts, forderte nichts und sah stumm vor sich hin.
Minuten gingen an beiden vorüber, und es hätten ebenso gut Jahre oder Jahrhunderte sein können, die die beiden Vampire auf ihrer Insel unberührt von der Zeit verbrachten.
Schließlich, nachdem Armand lange genug geschwiegen hatte, hob er vorsichtig die Hand.
"Steh auf, Marius, bitte." Sagte er leise aber über die Lippen seines Meisters kam kein Wort, die hellen, blauen Augen sahen ihn nicht an.
"Die Sonne wird bald aufgehen." Fügte er hinzu, aber als noch immer keine Reaktion erfolgte, erhob er sich langsam, um einen nach dem anderen die Vorhänge zuzuziehen, so dass es in dem Raum auch dunkel bleiben würde, wenn die goldenen Strahlen der Sonne dem neuen Tag ihre Aufwartung machten.
Armand blieb bei dem letzten Vorhang stehen, nachdem er ihn geschlossen hatte und er sah versunken zu Marius, während er sich die gedankenverloren die Hand rieb, die heute fast in Flammen aufgegangen wäre.
"Ich würde mir wirklich wünschen, du würdest mit mir sprechen..."
Er wartete einige Minuten, erhielt aber keine Antwort.
"Marius, bitte!" Versuchte er es noch einmal eindringlicher und er bewegte sich mit energischen Schritten auf ihn zu.
'Geh weg, Amadeo.' Hörte er die Stimme des Vampir in seinem Geist und er erstarrte einen kurzen Moment.
Marius hatte ihn nicht mehr so genannt, seit er sich selbst einen anderen Namen gegeben hatte.
Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, begann das hölzerne Malergestell plötzlich Feuer zu fangen, doch Armand schüttelte nur leicht den Kopf.
"Nein." Erwiderte er sanft, aber bestimmt.
"Du machst mir keine Angst. Du machst mir keine Angst, mein Marius." Abermals ließ er sich neben dem Vampir auf den Boden gleiten, überkreuzte die Beine, und ließ die rechte Hand auf dem roten Samt ruhe, der Marius Schulter bedeckte.
Das war nur halb die Wahrheit.
Marius machte ihm Angst, aber es war nicht die Angst davor, was der Vampir tun konnte und würde, sondern die Angst davor, dass er sich entschließen könnte, gar nichts mehr tun zu wollen und einfach ewig hier zu liegen, und vor sich hinzuvegetieren.
Armand mochte egoistisch sein, er mochte auch exzentrisch und schwierig sein, Stimmungsschwankungen haben, und an einen pupertierenden Jüngling erinnern, aber bei alldem war er auch sensibel, und sein feiner Sinn dafür, dass Marius jetzt nicht allein sein durfte, hatte ihn hier her geführt.
Zu ihm.
Re: Lestats Villa in Paris
Armand - 29.04.2007, 23:21
Armand saß noch immer neben Marius auf dem Boden, und seine Hand strich behutsam über den roten Samtstoff, der den Körper seines alten Lehrmeisters bedeckte.
Marius ließ es geschehen.
Anfangs hatte Armand befürchtet, er würde seiner Berührung vielleicht ausweichen und sich ihm entziehen, so wie er es an diesem Abend schon mehrere Male getan hatte.
Aber der Vampir irrte sich, denn nichts dergleichen geschah.
Je länger er dort saß, umso mehr Sicherheit gewann er, so dass er sich schließlich ein wenig mehr wagte.
Er beugte sich über Marius, und fuhr vorsichtig durch das lange, blonde Haar, bevor er seine eigene Wange darin bat, so dass sein Mund dort zu liegen kam, wo er Marius Ohr wusste.
"Ich weiß, wie du dich fühlst, Marius." Flüsterte er leise, und seine Lippen bewegten sich kaum, als die Worte seinen Mund verließen.
"Ich weiß, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren, der dir die Welt bedeutet. Wie es dich innerlich zerreissen musst. Aber das geht vorüber."
Wieder erhielt er keine Antwort von dem Vampir aber wieder machte es ihm nichts aus.
"Es wird leichter, verstehst du?" Seine Hände wanderten an der Schulter des Vampirs herab, schoben sich unter seinem Arm hindurch und umschlangen schließlich seinen Oberkörper.
Er hatte sich mittlererweile daran gewöhnt, dass er Vampir nicht schwieg, und durch nichts verriet, ob Armands Worte überhaupt bei ihm ankamen.
Aber er wehrte sich auch nicht gegen seine Berührung, nicht gegen die Umarmung und die Nähe und das wiederum ließ Armand hoffen.
"Und irgendwann wird es aufhören, wehzutun, und es wird sich anfühlen, als wäre es alles verschwunden." Er senkte den Kopf tiefer herab, und hauchte zärtlich einen Kuss auf den Hals des Vampires, fühlte das Prickeln, in seinen eigenen Fingern, und eine ihm nur zu gut bekannte Hitze in ihm aufwallen.
"Bis du dann... bis du dich... irgendwann... plötzlich... dem Mann gegenüber siehst... der... den du..." Armand verstummte, als ihm bewusst wurde, was er gerade zu sagen im Begriff gewesen war, und jetzt hoffte er tatsächlich, dass Marius ihn nicht gehört hatte.
"Ich habe dich für tot gehalten, Marius." Sagte er klar und deutlich, und erneut hauchte er ihm einen Kuss in den Nacken.
"Und du wusstest das. Und du hast mich in diesem Glauben gelassen. Du hättest mir meinen Schmerz nehmen können, Marius, aber du hast es nicht getan. Und ich könnte jetzt schadenfroh sein. Ich könnte mich darüber freuen, dass es dir nun genauso geht. Aber das tue ich nicht." Er blieb eine kleine Weile schweigend neben dem Vampir liegen.
"Ich freue mich deswegen nicht, weil kein Mensch und kein Unsterblicher diesen Schmerz verdient hat. Ich wünsche es nicht meinem schlimmsten Feind."
Seine Finger glitten immer wieder durch das blonde Haar, über die bleichen Wangen und unablässig sprach er leise zu seinem Mentor, nicht bereit, ihn einfach loszulassen, und ihm die Stille zu gewähren, nach der er sich sehnte.
"Das Leben geht weiter, Marius." Flüsterte er und seufzte schließlich tief, während er sich an Marius Rücken schmiegte, und die Wange in dem blonden Haar verbarg.
Re: Lestats Villa in Paris
Armand - 01.05.2007, 16:05
Stunden verstrichen, doch Armand wich nicht von Marius' Seite.
Er blieb, wo er war, hielt den Vampir fest, und obwohl er wusste, dass Marius sein Schweigen bevorzugen würde - sofern er überhaupt in der Lage war, zwischen Vorlieben zu differenzieren - redete er immer wieder auf ihn ein.
Mochte der Vampir seinen Worten auch kein Gehört schenken, und sie gar nicht mitbekommen, so hörte er doch die Tonlage, und wie Armand das sagte, was er sagte.
Wie sorgfältig er seine Worte wählte, wie eindringlich und dabei doch sanft sie klangen.
Wie unablässig sie aus seinem Mund hervorsprudelten.
Und selbst nach zweihundert langen Jahren schaffte er es, an den siebzehnjährigen Jungen von damals zu erinnern.
Den Engel.
Den Verführer.
Den Sturkopf.
Noch immer sah er aus, wie die Unschuld selbst. Und noch immer wohnte ihm der Teufel höchstpersönlich inne.
So wie jetzt, so voller Leidenschaft und Hingabe hatte er schon einmal zu jemandem gesprochen, und damals war es nicht Marius gewesen, dem Armands Worte gegolten hatten.
"Ich habe dich gehasst, Marius und dir gezürnt, weil du mich einfach so zurückgelassen hast. Aber ich konnte dich nie so sehr hassen, wie ich dich geliebt habe. Das solltest du wissen." Armands Lippen bewegten sich kaum, als er sprach, doch jedes seiner Worte war deutlich und klar.
Seine Finger spielten vorsichtig mit den Strähnen des blonden Haares, versuchten dem anderen Vampir eine Reaktion zu entlocken, doch was Küsse und Umarmungen nicht vermochten, das vermochten auch seine Finger nicht.
"Du kannst der Welt nicht einfach den Rücken kehren und hier bis in alle Ewigkeit liegen bleiben, Marius." Armand verstummte, über seine eigenen Worte erschrocken.
Ja, warum eigentlich nicht?
Was sprach aus Marius' Sicht dagegen?
Armand runzelte die Stirn.
Es geschah vielen von ihnen, dass sie der Welt überdrüssig wurden, und sich für längere Zeit von der Welt zurückzogen.
Doch sie taten es für gewöhnlich nur einmal, und zwar wenn sie jung waren. Wenn sie die Welt noch nicht begriffen, und fürchteten, an ihr zu Grunde zu gehen.
Marius hatte das längst hinter sich gebracht.
Er hatte die Welt sterben sehen, hatte gesehen, wie sie aus Ruinen wieder aufgeblüht war und er wandelte zu lange unter den Menschen, um noch von irgendetwas erschüttert werden zu können.
Umso unverständlicher war es Armand nun, seinen früheren Mentor so zu sehen.
Er konnte sich die Melancholie nicht erklären, die Marius überfallen haben musste, die ihn lähmte, und ihm die Kraft nahm, sich wieder zu erheben.
"Du bist Marius." Sagte er sanft. "Erinnerst du dich denn nicht?" Armand senkte die Lider und legte die Hand erneut auf den roten Samt, der die Schulter des Vampirs bedeckte.
"Marius, der niemals aufgibt. Der durch nichts zu erschüttern ist. Marius der Weise. Marius der Philosoph. Der Wächter. Der Gelehrte unter den Vampiren. Der Geheimnisbewahrer. Du findest immer deinen Weg."
Wieder verstummte Armand, und seine weißen Züge wirkten noch blasser, bildeten einen noch sehr viel deutlicheren Kontrast zu seinem dunklem Haar und den dunkel erscheinenden Augen.
"Marius von Rom."
"Wer bist du?" Der blonde Mann sah ihn an, und die tiefblauen Augen blickte ruhig.
Da war keine Feindseligkeit, keine Furcht, nur Frieden in ihnen. Einen Frieden, den der Mann in den druidischen Gewändern mit jeder einzelner seiner Gesten ausstrahlte.
Marius erschauderte. Seine letzte Begegnung mit Anhängern druidischer Rituale hatten ihn zu dem gemacht, was er war, aber dennoch empfand er keinen Groll, keinen Hass oder keine Furcht gegen diese Menschen.
Der Mann, der ihm hier gegenüberstand war ohnehin nicht als Mensch zu bezeichnen, das spürte er instinktiv.
"Ich bin Marius. Marius von Rom." Erwiderte er zögerlich, während er um den weiß gewandeten Mann herumschritt, wie ein Raubtier seine Beute zu umrunden pflegte.
"Angenehm, deine Bekanntschaft zu machen, Marius von Rom."
Marius hielt inne, und sah seinem Gegenüber direkt in die Augen.
Ein mildes Lächeln lag auf den Zügen des Fremden, und Marius begriff nicht, wie er so ruhig bleiben konnte.
Er musste doch wissen, dass er ihn töten würde?
"Du weißt, dass ich dich töten werde?" Hakte er ein wenig unsicher nach, und zu seiner Überraschung nickte der Mann.
"Ich weiß, dass du glaubst, das zu müssen." Erwiderte er. Noch immer hatte er nichts von der ruhigen, friedvollen Ausstrahlung verloren, die ihn so auszeichnete.
"Und ich weiß, Marius von Rom, dass du eines Tages deine Tränen für mich vergießen wirst." Fuhr er leise fort, und Trauer schlich sich in seine Augen und verschleierte sie.
"Und ich wünschte, du würdest es nicht tun."
Marius runzelte die Stirn.
Es nicht tun? Ihn nicht töten? Um ihn weinen?
Wie lächerlich all das erschien!
"Hast du einen letzten Wunsch?" Marius zog das kurze Breitschwert aus seiner Scheide und hielt es vor sein Gegenüber.
"Allerdings." Antwortete dieser, und wieder zog Marius eine Augenbraue hoch vor Erstaunen.
"Wenn der Tag kommt, und du blutige Tränen um mich weinst... versprich mir, dass du die Hoffnung nicht aufgeben wirst. Werde nicht zu einem Geist, einer Legende, deren wahres Ich tief unter der Erde begraben liegt, um niemehr zu erwachen."
Wieder runzelte Marius verwirrt die Stirn. Dann nickte er. Und holte zum finalen Schlag aus.
"Versprich nichts leichtfertig, Marius von Rom. Denn ich werde dich an dieses Versprechen erinnern."
Marius sog tief Luft ein, und Armand erhob sich überrascht.
"Marius?" Fragte er leise, und tatsächlich war der Blick der kobaltblauen Augen nicht länger starr und gebrochen, sondern erstauntlich fest, wenn auch voller Schmerz.
Eine kalte Hand griff nach Armands Fingern, die noch immer auf seiner Schulter ruhten, und Marius drückte sie sacht.
Ein strahlendes Lächeln legte sich auf das Gesicht des jugendlichen Vampirs.
Er stellte keine Fragen.
Er verlangte nicht zu wissen, ob es seine Worte waren, die den anderen dazu bewegt hatten, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, er war einfach nur froh, nicht mitansehen zu müssen, wie sein Mentor an etwas zerbrach, das er nicht einmal begreifen konnte.
"Marius." Stieß er erneut hervor und er rückte ein wenig zur Seite, so dass der blonde Vampir sich frei bewegen und sich aufrichten konnte, wenn er es wünschte.
"Du warst hier, die ganze Zeit, nicht wahr?" Ertönte Marius ruhige, klare Stimme und langsam nur wandte er seinem ehemaligen Protegé den Blick zu.
Armand nickte stumm und Marius erwiderte dieses Nicken.
"Ich wollte dich kein zweites Mal verlieren." Sagte er leise und die rotbraunen Augen schimmerten leicht.
Marius antwortete ihm nicht, doch er legte ihm nun im Gegenzug kurz die Hand auf die Schulter.
"Lass uns diesen Ort verlassen." Schlug er sanft vor und Armand pflichtete ihm mit einem Nicken bei.
Gemeinsam erhoben sich beide Vampire und Marius musste nicht einmal auf die Jalousien sehen, um instinktiv zu wissen, dass draußen bereits wieder die Dunkelheit über den Tag gesiegt hatte.
The show must go on.
The show must go on.
Inside my heart ist breaking
My Make up may be flaking
But my smile still stays on.
The show must go on
The show must go on
I 'll top the bill
I'll overkill
I'll have to find the will to carry on.
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