Renaissance

Verlorene Seelen...
Verfügbare Informationen zu "Renaissance"

  • Qualität des Beitrags: 0 Sterne
  • Beteiligte Poster: Armand - Marius
  • Forum: Verlorene Seelen...
  • Forenbeschreibung: ...doch füreinander da. Ein Platz für all die RP's die wir sonst nirgends finden.
  • aus dem Unterforum: Vampire Chronicles
  • Antworten: 4
  • Forum gestartet am: Samstag 10.03.2007
  • Sprache: deutsch
  • Link zum Originaltopic: Renaissance
  • Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 11 Monaten, 11 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten
  • Alle Beiträge und Antworten zu "Renaissance"

    Re: Renaissance

    Armand - 12.03.2007, 20:52

    Renaissance


    But thy eternal summer shall not fade,
    Nor lose possession of that fair thou owest;
    Nor shall Death brag thou wanderest in his shade
    When in eternal lines to time thou growest
    So long as men can breathe, or eyes can see
    So long lives this, and this gives life to thee.



    Re: Renaissance

    Marius - 13.03.2007, 21:39


    Es gab keine Bildnisse in seinen Träumen. Keine Visionen von antiken Städten, die mit ihren Säulen in den Himmel empor ragten, Menschen, welche sich in weite Tuniken kleideten oder Figuren aus seiner Vergangenheit, die vom Tageslicht durchflutet durch die Straßen Roms schritten. Er erinnerte sich kaum noch daran, wie er als Kind Schlachten in seinem Geist ausfocht oder die mythischen Gestalten aus den Geschichten seiner Mutter Leben einhauchte. Vielleicht hatte er es einmal geliebt mit seinem Haupt in den Wolken zu schweben, aber alles vor der Begegnung mit Mael wirkte verschwommen, als hätte sein Leben vorher nicht existiert oder nur in wichtigen Episoden. Marius erinnerte sich an seine Zeit im Dienste der Armee, die Einsätze als Feldheer und seine Reisen als Gelehrter, aber wenn er danach zu greifen versuchte, sah er da nichts mehr außer Leere. Dabei glaubte er manchmal noch immer den Duft von Zypressen in der Luft zu spüren, von dem Weihrauch in den massiv angelegten Aquädukten, in denen sich Kaiserreiche bildeten oder vergingen. Schwärze umspielte seinen Geist und vertrieb all die klaren Eindrücke, die er einst so liebte und mit denen er hunderte Seiten voll Pergament gefüllt hatte, welches er liebevoll archivierte.
    Da gab es nur die Dunkelheit und eine erlösende Schwere, die seine Glieder in Vergessen hüllte. Sobald die ersten brennenden Strahlen sich über den Horizont erhoben, schrie sein Körper nach diesem Verschwinden aller sinnlichen Eindrücke. Mit einem untoten Körper wirkte die Welt vollkommen anders, als für sterbliche Augen, die Farben heller, die Gerüche intensiver und der Geschmack von Blut, köstlicher als jede Speise. Jahrhunderte schienen die Erinnerung getilgt, ebenso die feinen Linien in seinem Marmorgesicht, welches sich für Stunden nicht rührte. Selbst seine sonst so roten Lippen waren blass geworden und sein Haar floss in hellblonden Strähnen, um das aristokratische Antlitz.
    Die schlanken Finger ruhten auf seiner Brust, wie bei einem Verstorbenen und doch barg diese Kreatur Leben. Schon einige Tage lang hatte er auf die Jagt verzichtet, nährte sich nur von den inneren Mächten, welche ihn antrieben und so wirkte er fast ätherisch. Sein Körper war gehüllt in einen roten Leibrock, der durchwoben schien von dünnen Goldfäden, einem einfach weißen Leinehemd mit hohem Kragen, sowie den dazu passenden braunen Beinkleidern. Entgegen der Mode hatte sich der Patrizier gegen das flache Schuhwerk entschieden und eng anliegende Stiefel aus Wildleder gewählt, die sich bis zur Mitte seiner Waden zogen. Besaß man genügend Münzen, so sah so manch adliges Gesicht über eine vermeintliche Modesünde hinweg. Marius war niemals arm gewesen und würde es nie sein.

    Er spürte das Abendrot bevor er die Augen aufschlug und als er es tat spiegelte sich der Schein von Kerzen im Kobaltblau seiner Augen. Marius schlief in einem massiven Sarkophag, welcher sich nahtlos in den Raum einfügte und der unterhalb des Palazzos gelegen war. Fern ab von all dem Trubel, der in seinem Haus herrschte und schon jetzt vernahm er die Stimmen der Knaben, die den Tag über lernten und sich jeden Abend erneut auf die Stunden mit ihrem Meister freuten. Vielleicht würden sie heute gemeinsam an dem Bild arbeiten, welches sein Atelier fast völlig in Beschlag nahm oder er würde ihnen einfach lauschen, selbst einige Geschichten erzählen. Ein stilles Lächeln schlich über seine kalten Züge. Oder er widmete sich in der Nacht seinem besonderen Zögling. In einer raschen Bewegung hatte er sich aus dem Sarg erhoben, einen Mantel um die breiten Schultern geworfen und huschte, wie ein Schatten über die warmen Fliesen des Palazzos.
    Er strich vorbei an den Lebenden, betrachtete heimlich die kindlichen Augen, seiner Schützlinge und überwachte die Mentoren und ihre Stunden. Noch wollte er sich ihnen nicht zeigen, noch wirkten andere Gedanken weitaus verlockender. Die Sonne hatte den harten Stein erwärmt und er spürte die Hitze aus jeder Pore des Hauses strömen. Es dauerte kaum wenige Augenblicke bis er jenen Raum fand, nach dem er suchte. Verborgen lag er vor den Augen der Anderen und fern von den Fenstern, die am Tage Licht in das Innere leiteten. Nicht umsonst hatte er die Architekten persönlich instruiert, um für all seine Belange Platz zu besitzen. Im Vergleich zu seinen privaten Gemächern wirkte er eher klein, beschaulich, doch die schweren Samtvorhänge, deren Spitzen mit Brokat verziert wirkten sprachen von demselben Luxus, welcher auch den Rest des Palazzos beherrschte.

    Und dort lag sein Engel, sein Hass, seine Liebe, sein Amadeo. Der Knabe, der die Leere füllte, den er versucht hatte aus der Verzweiflung zu erretten und der ihm zeigte, wie es war, erneut das Blut heißt durch die Adern pulsieren zu spüren. Der ehemalige Senator schien von stoischer Natur, beinahe ein wenig karg an Gefühlsäußerungen und doch entlockte ihm der Knabe so manch ungewollte, hitzige Handlung. Er trieb ihn in die Weißglut und in die süßesten Empfindungen seit er damals von Pandora getrennt worden war. Die Haut wirkte gefährlich blass im Gegensatz zu den düsteren Stoffen und wie ein Schleier floss sein lockiges Haar über die Decke. Er war vom ersten Moment an verloren gewesen. Selbst in diesem todesähnlichen Schlaf glich er einem Kind, welches gerade erst von der Brust der Mutter gelöst worden war und doch wusste der Maler es besser. Niemand sollte jenes weiche Gesicht unterschätzen und die Gefahr welche in den braunen Augen ruhte, die so oft von einer Flamme verzehrt wurden. Sanft berührte er einige Strähnen, fuhr mit den Fingern über das kalte Antlitz, hinab an den Armen. Er war noch so jung, zerbrechlich und nicht vorbereitet auf die Nächte, welche noch vor ihm lagen. Darauf wie es war einen Menschen zu töten, das passende Opfer zu finden und dann mit der eigenen Seele in Reinheit zu leben. Marius würde versuchen ihm die Weisheit zu schenken, noch Jahrhunderte zu leben. An seiner Seite. Marius verfluchte den Engländer, seine Stur- und Beharrlichkeit und die Konsequenzen, die aus seiner Entscheidung entstanden. Doch Amadeos Tod, wäre dem Seinen gleich gekommen und mit dem Jungen wäre auch er in der Finsternis vergangen. Ein junger Vampir schlief länger, als er und so nahm er vorsichtig auf der Kante des Bettes Platz, beobachtete die Gestalt weiter und berührte schließlich vorsichtig mit seinen Lippen die kindliche Stirn.
    „Wach auf mein geliebter Amadeo. Die Nacht ist noch jung und wartet auf uns. Du solltest sie nicht verschlafen.“. Kaum mehr als ein Flüstern, doch er wusste, er würde erhört werden.



    Re: Renaissance

    Armand - 15.03.2007, 00:07


    Seine schlanken Glieder, verharrten ungerührt auf den feinen und weichen Stoffen seines Bettes. Fast als besäßen sie ein unnatürlich starkes Gewicht, das sie in die weichen Polster presste und es somit unmöglich machte, auch nur ein Fingerglied zu regen. Sein Antlitz zeigte keinerlei Rührung, erstarrt in jenen weichen Linien und Kanten die, die Grenze zwischen Knabe und Mann verwischten. Eine Gestalt wie aus reinem Marmor gehauen und doch in einer Kühle gefangen die nur von Granit stammen konnte. Er schlief einen tiefen Schlaf. Wahrscheinlich wie noch nie in seinem Leben zuvor. Es war eine Ruhe die alles umfasste. Die Welt, die See, das Land, Venedig, den Palazzo. Sein gesamtes Innerstes, bis hin zum tiefsten und am besten verborgenen Punkt in seiner Seele, von dessen Existenz er nicht einmal geahnt hatte. Und es schien ihm als sei die Erde, als sei die Stadt, dieses Haus das er sein Heim nannte, nie stiller gewesen. Nie unbewegt und klarer obwohl hinter den schweren Vorhängen, den Fenstern und der dunklen Tür der Tag verstrich, in all seinem Licht und Leben.
    Obwohl die Welt in einem völligen Stillstand verharren musste, so konnte er doch durch seinen Schlaf hindurch das Leben auf ihr spüren. Selbst in dieser Stille noch...Er lauschte den Gondeln draußen in den Kanälen, die sich mehr als träge über das Wasser schoben. Sacht kräuselten sich kleine Wellen um ihren Bug und ein Gondolier summte eine leise Melodie zum Abend. Er lauschte den Händlern auf dem Markt, die mit der einsetzenden Dunkelheit ihre Arbeit niederlegten und ihre Waren einräumten, dem Kichern und angeregten Getuschel der jungen Mädchen und Frauen, die zum Abend begannen Kundschaft in die Freudenhäuser zu locken.
    Er konnte vernehmen wie die Köche das Abendessen vorbereiten, und der satte Duft von Rosmarin und Thymian drang bis in sein Gemach. Er hörte die anderen Knaben, spürte die Erschütterungen ihrer kleinen Schritte auf dem glatten Marmor und er konnte ihre Aufregung spüren, als sie darauf warteten das ihr Herr ihnen erneut eine Geschichte vortrug. Riccardo war unter ihnen. Sein lieber Riccardo. Seine Stimme klang deutlich unter den Anderen hervor und er schien, wie auch Amadeo selbst das Nahen ihres Herren zu spüren. Sein neues Blut, pulsierte in seinem Leib, während sein Herr, sein Meister, sein Erschaffer sich erhob, all dies während er in jenem seeligen Abgrund ruhte, die Stunden des Tages verschlief, ihr Licht mied und auf die Dunkelheit wartete.

    Es brauchte nur wenige Minuten, bis die Sonne endgültig hinter den Horizont zog und die junge Nacht Venedig eine völlig andere Art von Leben einhauchte. Es schlug wie ein neu zum Leben erwecktes Her und rauschte wie das Blut in tausend Körpern. Dies war nun seine Zeit. Der Beginn seiner Ewigkeit und obwohl Instinkte wie auch Hunger schon längst erwacht waren, schlug der junge Vampir die Augen erst auf, als kühle und wohlbekannte Lippen zärtlich seine Haut streiften.
    „Wach auf mein geliebter Amadeo.“
    Er erschien ihm, wie ein mensch gewordenes Schwert in der Dunkelheit. Seine Gestalt war aufgerichtet und hoch gewachsen und Amadeo konnte die Spannung in dem Körper des Älteren spüren, nun da die Jagd kurz bevor stand. Die makellosen und glatten Züge, die kaum ein Alter kannten - und es in diesem Leben auch nicht mehr kennen würden, waren von Fluten goldenen Haares umrahmt, welches wie von selbst immer seine Länge und Schönheit behielt. Azurblaue Augen musterten ihn mit einer tiefen und umfassenden Liebe und auch eine Spur Neugier war in ihnen zu lesen. Der knabenhafte Vampir erhob sich in einer Leichtigkeit, die er als Sterblicher nie gekannt hatte, und mit dem Moment seines Erwachens bescherten ihm seine Sinne, sämtliche Gerüche und Geräusche Venedigs. In seinem Geist folgte er bereits den ersten Spuren menschlicher Wärme, nahm ihre Fährte auf, bis er sie vor sich sah. Ihr Blut schien so verlockend und süß und es schien ihm, als könnte er eine ganze Gesellschaft alleine trinken.
    “Herr, ich schlief und doch war ich wach. Ich hörte jeden Laut, war er auch noch so klein. Ich sah den Tag an mir vorbeiziehen. Sah die ganze Stadt im Schein der Sonne und doch war ich hier.“ Es waren Sensationen seines neuen und jungen Lebens, wie Amadeo sie sich als Sterblicher nicht hatte ausmalen können und sie faszinierten ihn von Tag zu Tag neu.
    “So neu und anders...“ schon glitten seine dunklen Augen durch das nur mit kerzenlicht beleuchtete Gemach und er erhaschte die Gedanken von Riccardo und den anderen Knaben. Erfuhr welchen Lektionen über Perspektive, Faltenwurf und Licht sie in ihren Köpfen durchgingen um Marius’ bei der nächsten Unterrichtsstunde nicht zu enttäuschen. Zugleich durchsuchte er bereits die Straßen, Gassen und Kanäle außerhalb des Palazzos nach jenen Mördern, Verbrechern und Gottlosen, deren letzter Anblick vor ihrem Tode sein jungenhaftes Antlitz sein würde.
    “Lasst uns auf die Jagd gehen, Herr. Die Nacht ruft nach uns und ich bin furchtbar hungrig.“



    Re: Renaissance

    Marius - 18.04.2007, 10:20


    Ein Lächeln spielte um das Rot seiner Lippen, als er Amadeo beim Erwachen beobachtete. Keine Schwere zog die schlanken Glieder hinab in die weichen Polster und ihre unsterbliche Natur vertrieb jeden menschlichen Makel aus seiner Haltung. Der junge Mann war vorher bereits schön gewesen, wie ein Engel, wie eine Gestalt die Botticelli auf Leinwand gebannt hatte, doch nun verlieh ihm die Unsterblichkeit Perfektion. Seine weichen Locken fielen über die knabenhaften Schultern und im Licht des Feuers wirkten sie eben so rot, wie das Blut welches heute Nacht ihr Mal sein würde. Unnatürlich blass leuchtete seine Haut und keine Spur der Zeit wirkte mehr erkennbar in den Zügen des Vampirs. Seine Gestalt bildete das Gleichgewicht zwischen der Unerfahrenheit eines Kindes und dem starken Charakter eines erwachsenen Mannes, der bereits zuviel auf der Welt erlebt zu haben schien.
    Doch nun würde nie mehr eine Falte die Schönheit verunstalten, egal welch Graus in den Jahrhunderten noch auf ihn wartete. Mit der Zeit formte sich aus jedem der Ihrigen eine lebende Statue, die in ihrer Pracht beinahe jedes menschliche Kunstwerk übertraf. Natürlich weilte kein Leben mehr in ihren Gliedern und so manch einer beneidete den Funken, die Energie, welche in den Sterblichen ruhte, aber Marius hatte genügend Geheimnisse erfahren, um keine Gedanken daran zu verschwenden. Für den Moment war sein Zögling Marius gesamte Welt und es überraschte den Blonden selbst, wie die Woge der Liebe ihn plötzlich zu überfluten drohte. Bei Pandora schien es nie so gewesen, auch nicht in den Jahren als er Avicus und Mael durch die Antike begleitete.
    Er hatte sie geliebt, jeden auf die eigene Weise, aber niemals wirkte sein Verlangen, seine Sehnsucht so stark, wie beim ersten Anblick des russischen Jungen. Dieser 17 Jährige hatte ihm eine ihm vollkommen fremde Welt geschenkt, die er bis dahin nur aus Erzählungen zu erahnen vermochte und welche ihn mit all den Empfindungen überraschte. Die Leere die in Marius Geist weilte schwand jeden Tag ein wenig mehr und schuf Platz für Liebe und Begehren, für Neugierde und inneren Frieden.
    Voller Unschuld blickten jene Augen auf ihn und erzählten dabei doch von dem Durst nach Blut. Was waren sie schon mehr als Jäger, die sich an den Seelen der Verderbten labten. Manchmal erschrak es dem ehemaligen Senator selbst mit welch Spannung Amadeo die Nächte erwartete in welchen sie nach Opfern suchten. Er schien die perfekte Mischung aus allen Facetten des menschlichen Wesens und war doch selbst kein lebendes Wesen mehr.
    Marius schlanke Finger fuhren durch die dunkelroten Locken, verloren in dem Spiel ihres Falles und erst nach einem Moment fand er Antworten.

    „Du bist jung und wirst lernen all diese Stimmen und Eindrücke aus deinem Geist zu vertreiben, um eine friedliche Rast zu verbringen. Glaube mir, sie vermögen dich halb in den Wahnsinn zu stürzen, wenn du sie nicht zu kontrollieren lernst und ich hörte schon von manch Vampir, der sich in die Sonne stürzte, da ihn die Stimmen in den Irrsinn trieben.“. Kalte Lippen pressten sich gegen die Stirn von Amadeo, lächelten gegen seine Haut.
    „Doch du bist jung und stark,… Und deine Kräfte wachsen mit jeder Nacht. “. Er war kein Risiko in der Nacht der Erschaffung eingegangen, hatte so oft das Blut getauscht, bis jedes Gift aus dem Leib des Knaben verschwunden war und seine Adern mit dem uralten Blut der Königin gefüllt. Sie hatte es verstanden, sogar ihren Segen erteilt, da sie begriff, wie einsam ihr Wächter schien und wie sehr er sich nach Gesellschaft sehnte, die sein Wesen verstand. Amadeo würde mächtig und stark werden, wenn er lernte die Gaben zu nutzen, die ihm geschenkt worden waren. Marius erhob sich von dem Bett und tat einige Schritte zu dem Raum bis er an dem massiven Schrank angelangt war, welcher von unzähligen Schnitzereien verziert wurde. Nur einige wenige Stücke aus der Garderobe weilten in seinem Inneren und der Vampir zog zwei Umhänge hervor, welche in finsterem Rot und dunklen Blau glimmten. Ihr Saum war geschmückt mit goldenen Fäden und selbst wenn sie in ihrer Unsterblichkeit keine Kälte mehr spürten, so wahrten die teuren Stücke doch den Schein zweier Edelmänner, die in der Nacht durch Venedigs Straßen. Marius selbst legte sich den roten Samt um die Schultern und deutete Amadeo das Gleiche zu tun. Mittlerweile schienen all seine Schüler in dem großen Esszimmer versammelt und frönten dort einem späten Mahl, während ihre Gedanken unablässig durch die Wände des Palazzos drangen. An seinem Gürtel hatte er einen kleinen Dolch befestigt, welche unnötig, dabei jedoch eine rechte Zierde schien und kein Adliger wagte sich in diesen Jahren ohne eine Waffe vor die Tür.
    „Komm, Amadeo.“, sprach er ruhig und mit einem Lachen in der Stimme, als er hinaus in die Dunkelheit trat und die schmutzige Luft der Stadt inhalierte. Die Menschen warfen ihren Schmutz in die Kanäle, selbst Leichen weilten dort unten am Grund und die Ratten taten sich gütlich am Fleisch der verlorenen Seelen. Vielleicht war es eine morbide Faszination, doch er hatte viele Seiten mit solchen Beobachtungen gefüllt und über das menschliche Naturell philosophiert. Der ehemalige Senator liebte, verehrte die Mischung aus Unrat und Reichtum, die Venedig in sich vereinte. Nicht zuletzt vereinfachte es das Beschaffen von Nahrung um Einiges und die Verbrecher streiften offen durch die Gassen.
    Es dauerte kaum einige Sekunden bis ein gewilltes Opfer in seine Gedanken trat. Ein vom Adel beauftragter Giftmörder, der bereits mit 12 Jahren seinen eigenen Bruder in die Hölle geschickt hatte. Pestalozzi war sein Name und er schien das gerade zu typische Schicksal erlebt zu haben, welches so häufig in jener Zeit auftrat. Geboren in einer Großfamilie und dazu verdammt seinem Bruder und dessen Gerberei zu dienen, wo er mit Schlägen und harten Worten entlohnt worden war. Die sterbliche Seele strebte seit jeher nach den Höheren, nach der Perfektion und so schien es kein Wunder, dass der Junge sich gegen diese Fesseln auflehnte und schließlich einen Dolch in die Brust des Mannes trieb, mit dem ihm kaum etwas verband. Danach streifte ihr Opfer ziellos durch die Stadt und erst als ein verarmter Edelmann sich des Verwaisten annahm schien sich dessen Leben zu bessern. Die Geschichte eines Lebens durchströmte seinen Geist und ließ ihn jedes Detail erkennen, aber da gab es keine Reue in seinen Gliedern und Pestalozzi plante bereits den nächsten Mord, welchen er im Auftrag seines Herrn vollbringen sollte. Niemand würde ihn missen.
    „Spürst du ihn auch? Ein Mörder, der ganz in unsere Nähe weilt und welcher noch in den nächsten Stunden erneut seinem Handwerk zu frönen gedenkt. Konzentriere dich und richte deine Gedanken nur auf dieses eine Ziel. Es ist uns seit jeher verboten von den Unschuldigen zu nehmen, also versuche dich auf die vollkommene Verderbtheit zu richten, die er in die Nacht sendet. “. Marius platzierte sich hinter seinem Zögling, legte seine Hände auf dessen Schultern und sog den Duft des Jünglings ein.



    Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken



    Weitere Beiträge aus dem Forum Verlorene Seelen...



    Ähnliche Beiträge wie "Renaissance"

    Renaissance - Kravangar (Dienstag 01.03.2005)
    Italienische Renaissance - Cyanide (Freitag 25.02.2005)
    Renaissance Königreiche? - starkimarm (Freitag 14.07.2006)
    Heiko Laux - Renaissance des Ich - Anonymous (Mittwoch 13.12.2006)
    Die silberne Renaissance - Pitbull2003 (Dienstag 10.04.2007)