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Re: Neuzeit
Armand - 12.03.2007, 20:42Neuzeit
Under the bridge downtown
Is where I drew some blood
Under the bridge downtown
I could not get enough
Under the bridge downtown
Forgot about my love
Under the bridge downtown
I gave my life away...
Re: Neuzeit
Armand - 18.03.2007, 19:09
++Wiederholung++
Wie immer erblickte Lestat, wie in jeder anderen Dämmerungsstunde wenn die Sonne gerade die letzten Wolkenzipfel streichelte bevor sie endgültig versank, vor sich den groben Sargdeckel und im Grunde sahen sie doch alle gleich aus – ob aus Holz, Stein oder anderen Material. Daher achtete er auch an diesen Abend nicht besonders auf ihn, sonst hätte er vielleicht bemerkt dass er gänzlich anders war als jener, in welchen er sich ursprünglich zu Ruhe begeben hatte. Der blonde Vampir entsinnte mit einem Hauch von etwas, dass man als melancholische Müdigkeit bezeichnen könnte, letzte Nacht einen geradezu köstlichen Tropfen Blut genossen zu haben. Sie war eine Serienmörderin gewesen, die von der Polizei im ganzen Land gesucht war – er hatte sie nächtelang gejagt bevor er ihren Geruch in seiner Nase wahrgenommen hatte - es war eine besondere Komposition aus Verschlagenheit, Schmutz, Blut und Whisky gewesen, die ihr anhaftete.
Mit einen unterdrückten Seufzen, während vor seinem inneren Auge noch einmal ihr Ende ablief, bewegte er den Sargdeckel zur Seite und stemmte sich mit wehenden blonden Locken heraus. In seinem fast marmorfarbenen weißen Gesicht war ein Abglanz seiner Gedanken zu sehen – ein zufriedenes Grinsen – bis er erstarrte…
Er hatte nie grelle Neonlampen in seinen Unterschlupf besessen, geschweige denn um die dreißig Särge (auch wenn etwas Auswahl nie schaden kann) welche schräg aus Regalen hingen und schon gar nicht einen erschrocken aussehenden Menschen der zunehmend wütender wurde. Es war wohl nur seinen vampirischen Gaben und mächtigen Blut zu verdanken, das seine Gedanken in einen Tempo rasten das Normalsterblichen nicht möglich gewesen wäre – und er zu den Schluss kam dass er anscheinend in einen Sargladen aufgewacht war und der wütende ältere Herr anscheinend der Verkäufer. Mit einem eleganten Satz, genau menschliche Bewegungen imitierend, sprang Lestat aus dem Sarg und ging mit einen strahlenden Lächeln welches sein ganzes Gesicht aufhellte auf den Herrn zu. Der geborene de Lioncourt ergriff seine Hand und sprach mit angenehm tiefer Stimme „Werter Herr ich muss euch wirklich ein Kompliment aussprechen, dieser Sarg liegt sich ganz vorzüglich! Sie müssen wissen dass meine Großmutter mich gebeten hat nach einen besonders Bequemem für sie Ausschau zu halten und wie soll ich das anders beurteilen, wenn nicht durch Probeliegen? Natürlich werde ich für Liegeschäden aufkommen!“. Mit einer geschmeidigen Geste strich er sich zuerst durch sein seidenes Haar und griff sich dann in die hintere Hosentasche um den verdatterten Verkäufer seine Karte in die Hemdtasche zu stecken. Lestat klopfte den Älteren gönnerisch auf selbige und zwinkerte ihn charmant zu, was er mit den rau geflüsterten Worten unterlegte „Meldet euch nur… allerdings muss ich meine Suche jetzt fortsetzen, Adieu…“. Mit einen neckischen Lächeln verbeugte er sich auf altmodische Art und wandte sich ab.
Bevor der Verkäufer reagieren konnte, schritt er elegant in Richtung Ausgang und tippte auf den Weg dahin noch einer älteren Dame einmal auf die Schulter um ihr zuzuflüstern „Ach was Herzchen, sie müssen sich doch noch nicht wegen einen Sarg Gedanken machen…“ während er ihr entsetztes Gesicht mit einen Zwinkern quittierte. Endlich hatte er die Ladentür erreicht und trat grinsend hinaus in die beginnende Nacht die ihn sodann ummantelte – manchmal waren solche Zufälle doch herrlich, wer auch immer sich den Scherz erlaubt hatte ihn ‚umzuverlegen’. Doch auch derjenige konnte sich auf etwas gefasst machen, niemand trieb ungerächt einen solchen Spott mit ihm und so eilte er die Straße hinab und durchsuchte geschäftig die Gedanken von der Bevölkerung ob einer Spur, ohne zu bemerken das er noch seine ‚Schlafsachen’ trug bestehend aus einen lässig halb zugeknöpften Hemd und einer Lederhose. Da er in LA eingeschlafen war, wunderte er sich nicht ob der Stadt…
tbc: woanders bzw Straßen
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Es war eine Stimme die seinen Schlaf störte. Nicht mehr als ein Flüstern, und undeutlich durch den Nebel seines Geistes, als spräche der Rufer durch eine dicke Wand. Es war ein Ruf der nur für ihn bestimmt war, und Andere die so waren wie er. Doch niemand schien zu antworten. Stille. Doch gerade als er sich den Worten, trotz Müdigkeit und Benommenheit zuwenden wollte waren sie verschwunden.
Langsam öffnete der Vampir Armand die schweren Augen und das erste was er erblickte, nachdem seine Sicht aufgeklart war, war ein Blasser Mond verdeckt von einigen Wolken. Der Himmel über ihm zeigte sich klar und kühl, so wie er es immer war und doch in einem vielseitigen Farbspektrum, kalter und warmer Töne. Es musste späte Dämmerung sein, denn die bläulich-graue Düsternis der Nacht war bereits weit über den Horizont gekrochen um den Tag zurück zu drängen. Die Sonne hatte ihre Tagesarbeit getan - Glück für ihn – und das letzte Glimmen ihres Feuers malte roséfarbene und hell-orange Streifen auf die Bäuche der Wolken, die wie große Flaggschiffe in die Dunkelheit hineintrieben. Ein wunderbares Bild, dessen Anblick Armand nur zu gerne genoss, während er darauf wartete zu Jagen und umher zu streifen. Doch stand ihm im Moment, nach keiner dieser Aktivitäten der Sinn. Die Benommenheit die seinen Geist so vehement gefangen hielt, verabschiedete sich nur langsam, und es brauchte ein paar Minuten, ehe dem Vampir bewusst wurde, das er rücklings auf einem harten und kalten Boden lag. Schlimmer, irgendetwas Nasses drückte in seinen Rücken und Nacken und als er eine viel zu schwere Hand zu seinem Gesicht hob, konnte er Sand und Dreck an den Wangen und in den Haaren fühlen. Großartig. Fakt war, hier konnte er nicht mehr daheim sein. Dort hätte er sich zu seinem Schlafe sicherlich nicht in der Öffentlichkeit einfach auf den Boden fallen lassen. Noch während der gebürtige Russe sich in eine aufrechte Position stemmte, wurde sein Blick frei auf ein Hafenpanorama der besten Art. Vor ihm erstreckte sich nichts außer der weiten und ewigen See. An einige Piers und in den Docks ruhten bereits die ersten Schiffe, zumeist Liefer- oder Fischerkähne. Vor ihm pickte eine große Seemöve an einem Stück Müll. Bei diesem äußerst erhebenden Ausblick verweilend, lauschte und witterte er nach allem, was ein Anhaltspunkt für einen Aufenthaltsort war. In der Ferne war der Lärm einer Großstadt zu vernehmen, mit all dem Sammelsurium an Stimmen und Lärm. Autos, Geschäfte, Bürokomplexe und all die Menschenmassen die sich in den Häuserschluchten umher trieben, strömten auf sein feines Gehör ein. Zweifellos eine gesunde und lebendige Stadt. Ihr Geruch sprach ebenso von Leben und Abgas und Staub, alles hinter dem Schleier einer penetranten Note aus Fisch und Salzwasser. Die Fakten schienen sich nicht zum Guten wenden zu wollen.
Ein kurzes Tasten im Geist. Niemand, kein anderer Untoter in seiner Nähe, und das obwohl er doch sicher war, das die Stimme, die ihn geweckt hatte, kein Traum sein konnte.
Mit einem Ruck erhob sich Armand endlich aus der Pfütze in der er anscheinend die letzten paar Stunden zugebracht hatte, klopfte und rieb sich mit angeekelter Miene, Schmutz von Kleidung und Gesicht. Er wollte sich nicht einmal ausmalen was für einen desolaten Eindruck er so machen musste.
Dies war nicht sein Revier, dies war nicht einmal seine Stadt und jede Erinnerung zwischen seinem Verschwinden von dort und der Ankunft hier, war ausgelöscht.
Langsamen Schrittes entfernte sich Armand von der Stelle seines Erwachens. Ein leichter Hunger trieb ihn fort vom Anblick des dunklen Wassers, das nun auch den letzten Rest des Tageslichtes in sich schluckte. Nachdem er sich einen Überblick verschafft hatte, würde sich sein Orientierungssinn sicher wieder zu Wort melden.
So folgte er dem warmen und pulsierenden Duft von Menschen, an Frachtcontainern, Lagerhallen und sogar einem verfallenen Hafenrestaurant vorbei, bei dessen Anblick er sich unwillkürlich fragte, was der Inhaber sich wohl bei der Standortwahl gedacht hatte. Er lauschte in die Dunkelheit hinein, in die wenigen Stimmen, die er am Hafen vernehmen konnte, doch nicht eine von ihnen schien sich nach einem baldigen Ende zu sehnen. So würde sein Weg ihn wohl unwillkürlich direkt ins Stadtzentrum führen.
Doch an der Ecke eines alten und verschlossenen Lagerschuppens ließ ihn ein anderer Laut aufhorchen. Er war zart und leise und doch von kratzigem Klang. Erneut... „Meeaoh...“ nach dieser heiseren Ankündigung, schlich ein alter grauer Kater hinter der Ecke des Schuppens hervor. Sein Fell war verfilzt und stumpf und hatte an einigen Stellen Löcher von Revierkämpfen vorzuweisen. Der Schwanz des Tieres, endete nach seiner halben Länge in einem Stummel der sich langsam und trotzdem anmutig hin und her wiegte, während die Katze ihn, aus ihrem einen grünen Auge prüfend musterte. Kurz verharrte Armand in der Betrachtung dieses Wesens, dessen Äußeres perfekt zu seiner Umgebung passte, bevor der Kater mit ein paar Schritten zu ihm aufschloss und in der Luft nach seinem Geruch witterte.
Die Mimik ohne Regung, beugte sich der Vampir lediglich nach unten um dem Kater eine Hand entgegen zu strecken, als schon die nächste Stimme sprach. „Oh, wir haben Besuch.“ Diesmal war sie menschlich doch zerbrechlich und welk, wie die Person der sie gehörte. Eine alte Frau trat, einen kleinen Rollwagen hinter sich herziehend, hinter dem Schuppen hervor und schenkte ihm aus ihren hellen Augen ein freundliches Lächeln. Hinter ihr, erschienen immer mehr Katzen, was zweifellos der Dose Futter in ihrer Hand zuzuschreiben war. Die Alte beugte sich schwerfällig hinab und kratzte das Futter direkt auf den Boden, woraufhin es vor ihren Füssen vor Katzenkörpern nur so wimmelte.
“Ich komme jeden Abend her, wissen sie? Die armen Tiere haben ja schließlich niemand anderen. Wenn sie an die Fänge der Fischer gehen werden sie verscheucht oder ins Wasser geworfen.“
Zufrieden sah sie den Tieren beim Fressen zu, und Armand fühlte sich bereits mehr als nur zum Gehen veranlasst. Doch hob die Frau ihren Blick und die Güte in ihren Augen verwandelte sich in Sorge. „Gute Güte junger Mann, sie sehen aber überhaupt nicht gut aus!“
Er brauchte ja so dringend irgendeine Gelegenheit um sich zu säubern....
“Was treibt ein Junge wie sie, überhaupt um diese Zeit hier?“ Diese Frage der alten überging Armand, stattdessen nutze er sie um erste Anhaltspunkte zu sammeln.
“Verzeiht bitte, doch in welcher Stadt befinden wir uns?“ Nun wirkte die Rentnerin ehrlich besorgt und trippelte etwas näher um ihn genauer zu betrachten, ehe sie die dicke Brille von ihrer Nase zog und antwortete.
“Na in Los Angeles, Herzchen. Sie sollten jetzt wirklich besser Heim zu ihren Eltern gehen, mein Junge.“
L.A. also. Nun gut, zumindest konnte er nun sagen in welchem Teil der Welt er sich befand.
Schon wandte Armand seinen Kopf und seine dunklen Augen richteten sich auf das Panorama der Hochhäuser, von denen das heulen der Großstadt zu ihm hinüber klang. Plötzlich dann, öffnete sich sein Geist und fand die Präsenz eines Anderen. Eines zweiten Vampirs, sogar eines alten Bekannten. Wenn Lestat hier war, waren es vielleicht noch Andere. Den Hunger schob der Vampir mit den kindlichen Zügen nun endgültig beiseite, doch bevor er sich auf den Weg machen konnte, zog die alte Frau am Ärmel seines Hemdes.
“Hier, nehmen sie das ich weiß das ihr Jungen Leute so was mögt. Sie sehen ebenso hungrig und verfroren aus wie die Katzen. So blass und das doch bei einem so hübschen Gesicht.“ Mit diesen Worten drückten die Welken Finger der Dame ihm einem Schokoladenriegel in die Hand.
“Ihre Hände sind eiskalt, nun gehen sie schon endlich Heim, und passen sie auf sich auf.“ Erneut begegneten seine Augen dem gütigen Blick Alten. Mit einem solchen Geschenk konnte er natürlich nicht viel anfangen, aber das entzog sich natürlich der Kenntnis der Frau. Und allein die Formulierung „junge Leute“ ließ ihn still schmunzeln.
“Vielen Dank.“ War alles was er sagen konnte, und mit diesem Worten machte er sich auf den Weg ins Stadtinnere, währen die alte Frau wohl noch die ganze Nacht bei ihren Katzen verweilen würde. Schließlich hatten sie ja niemand Anderen als sie.
tbc: Straßen von L.A.
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Es war der Hunger, welcher seinen Geist an die Oberfläche des Wahrnehmens schob, der ihn nicht länger im Totenbett verweilen ließ und jedwede stumpfe Empfindung aus seinen kalten Gliedern bahnte. Hunger, der ihn seit Jahrhunderten nicht so kräftig durchdrungen hatte und die blauen Adern unter seiner Haut erscheinen ließ, als wäre diese nur so dünn wie Pergament. Seine Augäpfel brannten und schmerzlich krampften sich die Nägel in das eigene Fleisch der Handgelenke. Er glaubte, Sand würde seinen Leib von innen heraus austrocknen lassen und ein heiserer Schrei entfuhr den Lippen des Mannes, der seit über 500 Jahrhunderten seine Stimme nicht mehr so erhoben hatte. Der Vampir vernahm das eigene hohle Echo seines Rufes, wie es von den Wänden widerhallte und begriff, dass er eingesperrt sein musste. Es war keine Panik, die seinen Geist übermannte, doch eine gewisse Furcht vor dem Unbekannten und dem fremden Ort, an welchem er sich nun augenscheinlich befand. Und dieser quälende Hunger… Lähmte langsam aber sich seinen Verstand. Fetzen der Erinnerungen trieben vor seinem geistigen Auge und nichts wollte, zu dem passen, was ihm zuvor in den Kopf getrieben worden war. Der Aristokrat verabscheute das Gefühl der vollkommenen Hilflosigkeit und suchte für einige Sekunden den Moment einer untoten Ruhe, einem Zustand, die kein lebendiges Wesen jemals kennen lernen sollte.
Marius öffnete die Augen, das kobaltblau schimmerte durch die Finsternis und er besaß nicht die geringste Ahnung, wo er sich in diesem Moment befand. Selbst als er die wagen Konturen seiner Umgebung erblickte, vermochte er sich keinen Reim darauf zu machen, was seit seiner Ankunft in Rom geschehen war und wie er hierher gefunden hatte. In dem Moment des Erwachens ahnte er, dass die Reise weit wirkte, doch seit jeher schätzte Marius es die Ruhe zu behalten und nicht wie ein panischer Neuling im Kreise zu laufen, bis die Sonne jener unwürdigen Kreatur ein Ende bereitete. In die unbekannte Leere sandte er einen Ruf hinaus in die Welt, um vielleicht einen Freund, oder auch Feind zu erreichen, doch für den Moment schenkte ihm niemand Gehör. Irgendetwas passte einfach nicht in das gesamte Konzept seines Denkens und das einzige, was der Vampir in dem momentan eher trägen Geist erblickte, war eine Art Licht, oder viel mehr eine Ansammlung verschiedener Spektren, die ihn magisch anzog. Eben noch spürte er die warme und süße Duft der Heimat auf der bleichen Haut, Daniel an seiner Seite und nun... Der Hunger endete auch diese Vermutungen und er begriff, dass er bald trinken musste oder sein Verstand würde Wunden schlagen von dieser Gier. Hoffentlich gab es einen Verbrecher, dessen wertloses Leben er zu beenden vermochte.
Seine Finger fuhren über die Außenseiten des steinernen Gebildes in welchem er verweilte und die Knochen des Untoten begannen zu knacken, als er sich langsam erhob. Die Luft schien geprägt vom Duft des Todes, sehr altem Tod sogar und schließlich erhob sich die schlanke Gestalt und blickte sich recht verwundert um. Er schien in einem Steinsarg erwacht, dessen Deckel offen stand und somit die Möglichkeit bot, auf das innere einer teuren Krypta zu blicken. Die Wände bestanden aus hellem Marmor und schimmerten satt für seine übernatürlichen Augen. Zierliche Säulen hoben das mit Stuck verzierte Dach empor und Marius entschied, dass dies eigentlich kein sonderlich unwürdiger Ort schien, um zu erwachen. Vorsichtig klopfte Marius den Staub von seinem aus rotem Samt genähten Umhang, man wollte immerhin auch an einem fremden Ort einen wohl situierten Eindruck hinterlassen und entstieg dem letzten Gefängnis, eines jeden Menschen. Dort strich er die Kleidung glatt und legte die blonde Mähne erneut elegant auf die Schultern, für solch Zier sollte ein echter Gentleman immer Zeit finden, da der erste Eindruck über alles andere entschied, selbst wenn man eine Art Dämon war. Ein Vampir, welcher auf einem Friedhof erwachte. Welch wunderbares Klischee. Innerlich rollte er mit den Augen und schritt zum Ausgang. Es gab keine Angst, keine Furcht oder andere Empfindung mehr in seinem Geist, als den Durst und die Selbstbeherrschung fiel ihm zusehends schwerer, doch vollbrachte es der Senator seine Contenance zu bewahren und seine Sinne auf die Reise zu schicken. Ja, es handelte sich um einen Friedhof. Keinen besonders Schönen oder auch nur besonders gepflegten, doch immerhin schien die Sonne bereits untergegangen und so stand einer Exkursion kaum noch etwas im Weg.
Das erste, was Marius erblickte schienen die langen Reihen von Bäumen, die sich vor der Krypta sammelten und wohl die einzigen auf dem gesamten Platz repräsentierten. Prächtige Pflanzen oder auch nur frische Blumen suchte man vergebens. Voll Sehnsucht erinnerte er sich an die Zeit der Medici, als noch ein Michelangelo persönlich den Marmor bearbeitete, welcher die hohen Herrscher zu Ruhestätte wurde und wundervolle Fresken die Wände zierten. Die Menschheit hatte ihren Sinn für Ästhetik bereits lange verloren. Natürlich liebte er die Geschöpfe, zu denen er einst gehörte, aber verstehen musste er sie dafür nicht. Hier und da waren die Steine bereits verwittert, oder achtlos umgeworfen worden, während man die Wege schwerlich erkannte. Marius tat ein paar Schritte, versuchte sich zu orientieren und sich aufgrund des Hungers nicht in eine rasende Bestie zu verwandeln, die jedwede Eleganz und Zurückhaltung verlor. So eine Kreatur hatte er niemals werden wollen und sein Gewissen rebellierte allein gegen jene Vorstellung.
Der Geruch von einer großen Stadt, erfüllt von Leben stieg ihm in die Nase und entfachte den Blutdurst, nur um weiteres Mal. Noch genauer zeichneten sich die Venen ab und sein Gesicht, wirkte wie jenes, einer gewöhnlichen Leiche. Das Blut der geschändeten Eltern, welches in ihm pulsierte schien für einen Moment an Kraft verloren und raubte ihm die Stärke, um länger zu widerstehen. Marius raffte den Umhang vor der Brust zusammen und klammerte die Arme fest, um den eigenen Körper, da er hoffte, so seinen Willen erneut entfachen zu können. Gänsehaut zog sich über den weißen Leib, als Marius erneut eine Botschaft in die Nacht sandte und hoffte, jemand seines Gleichen würde sie vielleicht erhören, ihm Antworten auf die vielen Fragen schenken und vielleicht in diese Welt einweisen, die ihm wohl fremd schien oder eben auch nicht. Soweit er sich umblickte, erblicke er keine ihm unbekannten Dinge oder merkwürdige Biester, welche ihn anstarrten. Was er ohne weiteres als positives Zeichen deutete. Pikiert sah der Vampir auf seine Umgebung und bewegte sich, wie ein Schatten in Richtung der hellen Lichter und der lauten, ihm vertrauten Geräusche einer Großstadt. Natürlich hätte er die Gabe der Luft benutzen können, doch an einem fremden Ort, wie diesen, wirkte das, wie eine zu erhebliche Gefahr.
Dann drangen Stimmen an sein Ohr und etwas in seinem Geist rauschte. Die Gier trieb ihn in jene Richtung und schon versuchte er zu erkennen, um wen es sich dabei handelte. Er vermochte die warmen Körper bereits zu spüren, ihre verlockende Menschlichkeit und Jugend ihn sich aufzusaugen. Aber unter ihnen befand sich niemand, der sich eines Verbrechens schuldig gemacht hatte. Marius verfluchte diesen Umstand und verbarg sich in der Dunkelheit, während er auf die Vier Gestalten blickte, die auf einem aufgebrochen Grab saßen und Wein tranken. Sie waren kaum älter als 16 und allesamt in schwarze Kleidung gehüllt, selbst ihre Gesichter schienen sie dramatisch geschminkt und heller Schmuck funkelte, um ihre Leiber.
Marius hob eine Braue. Nach all den Jahrhunderten war ihm eine weitere unnatürliche Begebenheit zugestoßen und er fand sich mit Lestat´s Groupies wieder. Anscheinend gab es sie überall, zu jeder zeit, an jedem Ort. Verdammter einfältiger Flegelprinz. Die Mächte mussten tatsächlich Humor besitzen. Doch egal, wie ihre Aufmachung sein empfindlichen Empfinden für Schönheit beschmutzte und ihre Musik die wundervolle Melodie der Nacht durchdrang… Von ihnen vermochte er kein Blut zu nehmen.
“Wer bist du den.“, die Stimme klang Ekel erregend laut in seinen Ohren und er musterte das Schwarz haarige Mädchen mit einem strengen Blick bevor er sein Versteck endgültig preisgab. Je näher an sie trat, desto größere spürte er den Hunger. Für einen Moment verlor er die Kontrolle, streckte mit der bloßen Kraft seines Gedanken ihre kleinen Freunde nieder und schlug sie in seinen Bann. Ihr einziges Verbrechen war es gewesen ihrer Mutter Geld aus der Börse gestohlen zu haben und wie in einem Film sah er ihr kurzen, langweiliges Leben vor seinen Augen vorbei laufen, als scharfe Zähne die Pulsadern durchbohrte. Er wollte nicht viel trinken, nur ein wenig, um die Gier zu befriedigen und nahm drei Schluck von dem Teenager Cocktail bevor er ihre Wunden verschloss und sie auch auf dem Boden drapierte. Irgendwann würden sie erwachen und wundersame Geschichten über einen fremden Mann erfinden. Doch im Moment gab es nur ihre heiße Wärme, die seine Glieder durchströmte und der süße, derbe Geschmack in seiner Kehle. Der Durst verschwand, doch das schlechte Gewissen haftete ihm an, wie dickflüssiger Sirup, während er fast zärtlich auf seine fast Opfer blickte. Seine Haut schimmerte weniger ätherisch, wirkte nur noch wie weißer Marmor, hart und kalt und dann entdeckte er im Geiste den Ruf eines Anderen.
„Warum er.“, stöhnte Marius und türmte von dem alten Friedhof.
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Die Luft der Nacht war wunderbar kühl und erfrischend. Sie trieb ihm entgegen, während er sich seinen Weg durch die Straßen L.A.’s mit raschen und fliegenden Schritten bahnte. Umwehte ihn mit all ihren reichhaltigen Düften und Lauten, während sie zugleich die nassen und kalten Stellen seiner Kleidung trocknete.
Über ihm war der Mond endlich vollends aus seinem Schlafe entstiegen und teilte die wenigen Wolken die es wagten in seinen Weg zu kommen, mit seinem blassen und kühlen Licht. Fast einem Schwertschnitt gleich.
Ach, wie Armand die Nacht doch liebte! Natürlich liebte er sie, so wie es alle Vampire taten. Die Dunkelheit war wie die Kehrseite des Tages, sein Spiegelbild, das sich doch in seinem Bild verzog. Dabei war sie nicht minder schön als der Tag. Im Gegenteil. Wo Geheimes in der Nacht verborgen blieb, so machte der Tag es doch sichtbar und zerstörte somit seinen Zauber.
Die Nacht war Deckung, Verhüllung, Jagdrevier und einfache Freude zu gleich. Und der jungenhafte Vampir badete in ihr und fühlte seine wieder erstarkenden Kräfte.
Inzwischen hatten ihn seine Füsse weit getragen, schneller als die Sterblichen zu laufen vermochten. Durch Schilder und dem Lauschen fremder Stimmen, hatte er nunmehr erfahren das er an den Docks des Los Angeles Port erwacht war, der unmittelbar umringt wurde von Wilmington, San Pedro und L.A.-Beach. Auch das, das neue Jahrtausend hier schon sechs Jahre alt war und nicht bevorstand, wie in den Jahren in denen er noch gestern gelebt hatte. Natürlich hatte sich kein Anhaltspunkt finden lassen durch was es diesen Zeitsprung gegeben hatte, wie er funktionierte und wer oder was dafür verantwortlich war. Vielleicht wusste ja Lestat über ein paar mehr Fakten bescheid als er.
Mittlerweile hatte ihn sein Weg, der allein von der Präsens des anderen Vampirs bestimmt wurde, hinausgeführt aus Wilmington. Zuerst war er der Richtung des großen Harbor Freeway’s, später der des San Diego Freeways gefolgt, bis er eine Abzweigung gewählt hatte und sich nun....er lauschte kurz....Zwischen Torrance und Gardena befand. Die Häuser Los Angeles wuchsen wie riesige Säulen eines Tempels in den Himmel. Eines neben dem Anderen, jedes schien seinen Vorgänger übertrumpfen zu wollen. Die Straßen waren natürlich belebt, immerhin war es erst früher Abend.
Menschen um Menschen strömten ihm entgegen, während die Autos auf der Straße heulten und die grellen Neonlichter der Reklamen, die Straßen taghell machten.
Behände schob sich Armand durch eine Gruppe Jugendlicher, die einfach mitten im Wege innehielten um in das Schaufenster eines Geschäftes zu starren. Unglaublich welch Gesindel sich hier herumtrieb. Er hatte bereits Elvis, Superman und Batman passiert, allesamt Laienschauspieler, die von ihrem Werk nicht wirklich Ahnung hatten. So schenkte er auch dem seltsamen Mann mit dem übergroßen Hut dem gerade sein Pferd abhanden kam, keine Beachtung.
Augen folgten ihm, doch taten sie dies in jeder Zeit, in jeder Epoche. So oft und so häufig, schon das er sie noch bevor er sein hundertstes Jahr vollendet hatte, einfach aus seinem Geist verbannte.
Gerade jetzt zeigte sich dieser allein mit zwei Dingen beschäftig. Kurz tastete er erneut hinein in die mentale Dunkelheit, sandte dem großen und schlanken Blonden ein Zeichen. Er bewegte sich, zumindest ungefähr in seine Richtung. Die zweite Angelegenheit war das Trinken. Mittlerweile war sein Durst vollends erwacht und neben seiner Suche, hielt er ebenso Ausschau nach Opfern. Nach irgendeinem Hoffnungslosen, der sein Leben schnell beendet haben wollte und nur noch nicht den Mut gefunden hatte, es selbst zu erledigen.
Das Ampellicht einer Kreuzung sprang um, und er reihte sich ein, in die Flut von Menschen die wohl zu jeder Tageszeit, ob grundlos oder nicht, in Eile zu sein schienen. Fast einem Vogel gleich, der über den Dächern kreiste, prüfte er die Menschen dieser Metropole, horchte auf einen verzweifelten Ruf. Dann schließlich...dort...
Eine Gasse nicht weit von ihm. Bereits an der nächsten Hausecke hatte er sein Ziel erreicht, und das Klagen und Weinen des Mannes, übertönte nun sogar den Lärm der Stadt. In der Gasse selbst, herrschte nun endlich Schatten, doch schon vor seinem Eintreten konnte er die Gestalt des Schwarzen erkennen. Zusammengesunken auf einer dünnen Unterlage aus Zeitung und Karton, hatte sich der Mann fest zusammengerollt, die Arme um den bebenden Körper geschlagen. Ob er der Kälte oder seiner Verzweiflung wegen zitterte, konnte man nicht sagen.
Seine Kleidung war abgetragen, schmutzig und unter all den Lagen musste er recht dünn sein. Offenbar hatte er nicht Essen wollen, denn in einer Stadt wie dieser gab es sicher einen Zufluchtsort in dem Obdachlose eine warme Mahlzeit bekommen hätte. Die Kälte war die größte Not.
Die Schritte des Vampirs waren lautlos und langsam, als er sich dem Mann näherte und seiner Verzweiflung lauschte. Keine Familie, kaum Freunde, kein Heim, kein Geld, nichts. Er war des Lebens überdrüssig. Für eine Waffe besaß er kein Geld, ebenso wenig für Medikamente. Auf die Dächer der großen Hochhäuser konnte er nicht gelangen, da die Pförtner ihn erst gar nicht die Haustür passieren ließen. Wenn er sich besinnungslos trank, sammelte ihn eine Streife der Polizei auf und brachte ihn ins Krankenhaus. Und für sich erstechen, ertränken oder erhängen fehlte ihm der Mut.
Vor der Gestalt des Bettlers ging Armand in die Knie, und bereits jetzt streute er seine Visionen in den Geist des Sterblichen. Von einem Moment auf den Nächsten, hielt dieser inne und hob seinen müden Kopf mit den glasigen Augen um den Vampir anzublicken. Die Verzweiflung auf seinen Zügen wich und machte Erleichterung platz. Die Stimme des Menschen war zittrig als er sprach. „Du bist ein Engel, nicht?“
“Ja, das bin ich...“ schickte die Vision zurück und damit war es gut.
Zweifellos roch er widerlich nach Schweiß und Alkohol, doch es war Eile geboten und damit blieb keine andere Wahl. Die Zähne versenkte er tief im Hals seines Opfers, und spürte nun endlich wie das hieße Blut seine Kehle hinunter strömte und ihn mit neuem Leben füllte. Sein Opfer verspürte keinen Schmerz und es dauerte nicht einmal lange, bis er den toten Körper niederlegte. Lediglich genug Blut hatte er ihm gelassen um die Wunden der Fangzähne verdecken zu können, obwohl man diese sicherlich Nadelstichen zugeschrieben hätte.
Als er wieder hinaustrat in die Nachtluft, kribbelten seine Finger und in seine Wange waren heiß, von dem frischen Lebenssaft der nun durch ihn pulsierte, und ihn vollkommen sättigte. Die Schritte fielen ihm leichter und auch die Anwesenheit Lestats ließ sich nun besser erfassen.
Nach einem letzten Blick in die dunkle Gasse hinein, tauchte Armand wieder in die Menschenmassen ein, die in ihrer ständigen Eile natürlich nichts bemerkt hatten...
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Mit einen sehr zufriedenen Lächeln in den ansonsten ziemlich starren, fast statuenhaften Zügen schlenderte der James Bond unter den Vampiren eine ziemlich abgelegene Straße entlang, wobei seine Mähne und sein weißes Hemd wie Fahnen im Takt seiner Schritte mitwehten. Auch in seinen Augen lag dieses besondere halbgare Lächeln, welches so oft sein Gesicht zierte (wäre er noch menschlich und ihm dies möglich, so hätte er gewiss Lachfalten) und ausdrücken sollte, dass er zwar mit der momentanen Aufmerksamkeit die ihm geschenkt wurde zufrieden war – jedoch auch ohne weiteres noch ein wenig mehr davon vertragen könnte. Und tatsächlich war es eine überaus erfolgreiche Geste, denn sowohl Frauen als auch Männer fühlten sich von dem sympathisierenden Ausdruck angezogen und suchten Blickkontakt mit den gefrorenen Kaschmirmeeren seinen Augen.
Ein überaus eifriger junger Heer mit einem pinken Rüschenhemd und Schlaghosen, billigen Make-up (das wohl dezent wirken sollte was jedoch nicht recht gelang) und einer achtziger- Jahre- Fönfrisur der von seinen Verhalten her wirkte als hätte her hervorragend in die Renaissance gepasst, war sogar so forsch das er Lestat eine seiner parfümierten Patschepfoten quer auf die kalte Brust legte und dazu gekonnt nasal lispelte „Sag mal Süßer, findest du es nicht auch ein wenig riskant mit deinen wunderschönen Füßchen barfuss durch _diese_ Straßen zu laufen?“. Der angesprochene sah an sich hinab, hob eine blonde Braue und erst da viel ihn auf dass er wohl in der ganzen Aufregung vergessen hatte dass er eigentlich noch in Schlafkleidung war – zu sehr hatte ihn die gedankliche Suche nach dem Verursacher dieses Streiches beschäftigt.
Drei Minuten später, in denen der gebürtige Franzose seinen ganzen Charme hatte spielen lassen, trug er die Stiefel des besorgten warmen Bruders – zwar entsprachen sie seinen Geschmack nicht ganz aber er fand es doch recht interessant was die Menschen heutzutage so alles an ihren Füßen trugen beziehungsweise tragen konnten. Es waren komische, ziemlich klobige Stiefel welche zwar schick mit aufgenähten Flammen verziert waren aber insgesamt eher wie Pferdehufe wirkten als wie Schuhwerk… doch zumindest waren sie bequem und eigentlich sah an ihn doch alles gut aus – selbst solche Ungetüme.
Im weiter’schlendern’ bemerkte Lestat die Anwesenheit von zwei anderen Vampiren in der Stadt die ihn so bekannt vorkamen, dass sich sein angedeutetes Lächeln zu einen breiten Grinsen weitete – er beschloss ihnen zum Empfang eine kleine Überraschung zu bereiten denn er war sich sicher, dass sie bald bei ihm sein würden. Schnell sah er sich um und entdeckte auch schon ein geeignetes Opfer für sein Vorhaben – eine volltrunkener Biker der bewusstlos quer vor seiner Bar lag. Mit einem kleinen Lachen schlich er näher, sah sich vorsichtig um und entkleidete als niemand zusah Jenen dann mit einer Vorsicht und Sanftheit die nur denen seines Blutes innewohnte. Danach hängte er die Alkoholleiche an ihrer wunderschönen pinken Unterhose an das Barschild hoch droben und lehnte sich daneben gegen die Wand – er wusste jetzt schon:
Marius’ Reaktion würde sehr, sehr spannend werden und gewiss abwechslungsreich. Bei den Gedanken daran musste er direkt einmal laut auflachen wobei in seinen grauen Augen tausend kleine Sterne zwinkerten.
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Der Mond schimmerte im Himmel und warme Luft spielte mit seinen Empfindungen, als er in das Leben tauchte und sich von den Toten verabschiedete. Gerüche aller Art stiegen in seine Nase und Marius wirkte fast berauscht von all den Verlockungen, dem Wissen, die eine fremde Stadt in sich barg. Er liebte die Nacht, seine natürliche Zeit, mehr als das grelle Tageslicht, selbst wenn es ihm in ruhigen Momenten nach dem Sonnenaufgang sehnte.
Das Blut des jungen Mädchens ließ den Vampir menschlicher wirken und schon schlich sich eine sachte Röte auf die vom Alter verschonten wanken, betonte die schlanken Hände und vertrieb sein unheimliches Aussehen. Auf seiner Zunge haftete noch immer ihr süßer und schwerer Geschmack und in seinen Gedanken trug er ihre Erinnerungen, versank einige Sekunden in einer Existenz, welche nicht die Seinige war. Oh sie wirkte nicht wie das interessanteste Geschöpf, dessen unschuldiges Blut er genommen hatte, doch gab es Züge an ihr, welche ihn faszinierten. Lange schon nicht floss so reines Rot durch seine Venen, da ihm sonst nur die Verbrecher, Mörder und all der Abschaum lockte. Sein Gewissen würde sich später melden und ihn mit Vorwürfen quälen, denen er nicht zu entgehen vermochte, aber der Hunger war zu deutlich gewesen, trübte für einige Minuten seinen Verstand und nun musste er mit den Konsequenzen aushalten. Hätte er Zeit gehabt würde nun eine Mischung aus Asche und Lebenssaft seine Züge bedecken und ihn so fast normal wirken lassen, doch gab es wohl wichtigere Punkte und wie es Marius erschien, sah er gar nicht so erschreckend auf die Bewohner aus. Fast war er gewillt mit der Kapuze sein Haupt zu verhüllen, doch würden ihn die Menschen aus dieser Stadt mit Sicherheit nur noch unverhohlener mustern und ein Untoter schien äußerst begabt darin sich in der Masse zu verbergen und nicht wirklich ein Teil von ihr zu sein, eher ein schweigsamer Beobachter, der still über all das Leben und die lauten Stimmen lächelte. Schon längst hatte er den Namen des Ortes erfahren und begriffen das LA nicht sonderlich fremdartig wirkte, allerdings schienen die Jahrzehnte verschoben und die Kleidung, der gesamte Stil verändert. So manches Mal vermochte Marius nur seinen Kopf zu schütteln, als junge Menschen in übermäßig großer Kleidung ihre Körper verhüllten und dazu schwere Ketten aus Gold trugen. Wie sehr er doch die guten Epochen vermisste in denen Geschmack noch von Nöten war, um in der Gesellschaft angesehen zu sein.
Er blickte in ihre Gesichter und sah doch keines wirklich, er las ihre Gedanken und verharrte doch nur selten länger als den Bruchteil eines Lidschlages in ihnen, bevor er weiter durch die Gassen streifte und der deutlichen Präsenz folgte, die sich vor seinen Augen abzeichnete. Lestat war in der Stadt gefangen, genau wie er. Der ehemalige Soldat wusste nicht genau, ob er dem Flegel in das Antlitz schauen konnte, ohne das ihn Erinnerungen an seine geliebte Göttin folterten, welche nun längst zu Asche verkommen war. Sie, die über Jahrhunderte seine Anwesenheit schätzte, deren Schrein er gepflegt hatte, mit inbrünstiger Liebe. Noch immer schmerzten die Gedanken an den Verlust, welchen er erlitten hatte und selbst, wenn es keine andere Lösung gab, so vermisste er immernoch ihre exotischen Züge und ihren weißen Leib, den er vom Staub befreute und mit Blumen schmückte. Der letzte Kampf war einer gewesen, der viele das Leben gekostet hatte und nur die Alten schienen immun gegen die immense Kraft ihrer Schöpferin. Marius wollte vergessen und vielleicht half ihm dieser seltsame Zwischenfall bei eben jenem Vorhaben, vielleicht war es ein Zeichen der Götter an die er nicht glaubte, da sein Wesen zu kühl für solch lapidares Gedankenwerk schien. Wenn er seine Gedanken durch die verwinkelten Häuser schickte, durch die entfernten Villen begriff der Künstler, dass die Stadt von jungen Vampiren förmlich überfüllt war und das diese in Angst vor den Alten in ihre Versteckte verschwanden, sich nicht offenbaren wollten, was ihnen aufgrund der eigenen Schwäche kaum gelang.
Wie einstudiert hob er seinen Körper, straffte die Schultern und ließ seinen Gang aufrechter wirkten. Das Gesicht hielt er stur gerade ausgerichtet und sandte unterbewusst eine Botschaft an die Menschen aus, sie sollten ihm nicht zu Nahe treten. Es funktionierte und kaum einer warf einen zweiten Blick auf den seltsamen Besucher oder verharrte länger der obskuren Gewandung des Mannes. Im Augenwinkel erblickte er einen seltsam gekleideten Mann, der zu Pferd seinen Weg suchte und eine rege Ansammlung von Neugierigen verursachte. Normalerweise hätte er ihn für einen sprunghaften Gecken gehalten, der auf diese Weise versuchte sein Leben zu finanzieren, doch irgendetwas an ihm schien anders… Als wäre dort eine Aura, die selbst Marius nicht wirklich fixieren konnte und sie sprach von alter Macht, die in diesem Fremden lebte. Ein Jugendlicher rempelte ihn an, prallte hart gegen den untoten Körper und schon brach der Sichtkontakt und einige Schimpfworte fielen, bis der unhöfliche Mensch ebenfalls in der Masse untertauchte. Doch Zorn wallte nicht in ihm auf, da es nicht viel gab, dass in sonderlich rasch reizte. Marius vermochte nur mental mit den Schultern zu zucken und begab sich weiter in Richtung des Lockrufes, die der blonde Schönling ausgesandt hatte. Manchmal glaubte er, dass in Lestat tatsächlich nur ein netter Anblick wohnte, doch kein sonderlich aufgeweckter Geist. Dann fühlte Marius eine merkwürdige Wärme, die seinen Körper streifte…
Wie eine federleichte Berührung und eine Gänsehaut strich über den kalten Körper. Der Vampir richtete sich vollends auf und seine Augen suchten durch die Menge. Bald schon entdeckte er eine kleinere Gestalt vor sich, die ebenso so wenig in die Lebenden passte. Marius wusste für den Moment nicht, ob er folgen sollte oder auf der Stelle ausharren, zu widersprüchlich wirkten seine Erfindungen und er ahnte es würde schmerzen, doch auch köstlicher sein, als das Blut, dass durch seine Adern pulsierte. Wie nur war dies geschehen und was suchte er in dieser Stadt? Gerade noch schien er ihn zum zweiten Mal verloren nach dem Kampf und nun erneut gefunden? Die schlanke Gestalt war gekleidet in eine einfache Jeans und ein unscheinbares Hemd, das zeitlos wirkte und zu dem engelsgleichen Gesicht passte. Zu viele Jahrhunderte war Marius innerlich zerrissen und verbarg sich in den eigenen Schriften, nur um der Erinnerung zu entkommen, doch nun war das Warten zu viel und unerträglich geworden. Ein schmales Lächeln zierte seine Lieben, als die Sehnsucht seine Handlungen führte und ihn unmenschlich schnell durch die Menschen gleiten ließ. Nach außen wahrte er noch immer die Contenance und keiner seiner Gedanken zeichnete sich auf dem aristokratischen Gesicht ab, dafür wirkte sein Temperament zu ausgeglichen. Als er aufgeschlossen hatte legte er seine Arme, um die schmalen Schultern und bettete sein Haupt auf dem des anderen Vampirs, spielte unschuldig und ruhig mit den Locken.
„Mein geliebter Cherub…“, begann Marius und schloss die Lider, aus Angst im nächsten Moment würde der Traum vergehen.
„Wir haben uns erneut gefunden und dies selbst in dieser fremden Stadt, wenn dies keine Fügung ist, mein Amadeo.“, erneut stahl sich ein sachtes Schmunzeln auf die harten Züge des ehemaligen Sentatoren. Es gab nicht viele, die ihn jemals sauf jene Weise erblickten. Zärtliche Gefühle existieren nur für seine verehrten Zöglinge.
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Er hörte das frische Blut in seinen Ohren rauschen, wie einen Windstoß. Noch immer fühlte er sich wie betrunken, die Sinne erweitert und die Wahrnehmung verstärkt von dem süßesten Trank den es für seine Art gab. Wie ein feiner Wein war das Blut, ein Wein dessen Vorrat nie verebbte und an dem man sich völlig besinnungslos trinken konnte.
Automatisch wurden seine Schritte rascher und mittlerweile empfand er, die ganze Umgebung der überfüllten Straßen L.A.’s nicht mehr halb so unangenehm, wie noch wenige Minuten zuvor. Im Gegenteil. Das Licht der Leuchtreklamen, künstlich und vorsätzlich geschaffen, war das einzige Licht was ihm und den Seinen geblieben war. Louis hatte in seinem ersten Buch nur die Wahrheit gesprochen... Sie verehrten es.
Überall erhaschte er die wildesten Gedanken und Träume der Sterblichen. Ein Jeden immer nur für einen kurzen Moment, ein paar Sekunden lang, und doch reichten sie aus, um genug über die Menschen zu sagen. Die meisten waren gierig und frivol, also keine Überraschung. Seine Schritte trugen ihn weiter über den Asphalt, und mit jedem den er tat wahr die Präsenz Lestat’s deutlicher zu spüren. Er konnte die Gestalt des großen blonden Vampirs förmlich vor sich sehen, mit den aufmüpfigen Augen und dem herausforderndem Grinsen, das einerseits faszinierend wirkte, andererseits nichts als Zorn und Ärger entfachte.
Kurz verengten sich die Augen Armands, als er sich nun auch in der Lage sah, Lestat’s taten näher zu begutachten. Dummer, leichtsinniger Blutsauger! Kaum fand er sich ein paar Stunden in der Fremde, schon konnte er nicht umhin den Codex zu verachten und zu plündern. Nicht genug damit, das er in die Sache mit Akasha verwickelt war, sich als Rockstar profilieren musste, und allein mit der Erschaffung Claudias schon die uralten Regeln verletzt hatte, jetzt lebte er seinen morbiden Humor schon in einer Hauptgeschäftsstraße in der Innenstadt von Los Angeles.
Ein leises Seufzen drang aus der Kehle des jungenhaften Vampirs, doch ehe er noch mehr in Eile geraten konnte, um dem Treiben des „Flegelprinzen“ ein Ende zu bereiten, erhaschte sein Geist etwas völlig Anderes. Eine warme Berührung, direkt hinter ihm... Eine zweite Präsenz, und welch gut Bekannte noch zugleich! Das Schicksal besaß wirklich einen grausamen und bittersüßen Humor. Schon war er im Begriff sich umzuwenden, als zwei schlanke Arme seine Schultern umfassten, seinen Rücken gegen einen zweiten Körper zogen und ihn eine Umarmung hielten. Das Wort Cherub allein ließ ihn schlucken, und erneut wanderte er, in eine Zeit Jahrhunderte von dieser entfernt. Und er sah sich wieder in dem riesigen Pallazzo in Venedig, der allein aus Kunst und Marmor bestand. Erneut saß er in Gesellschaft der anderen Jungen, seiner sterblichen Brüder, so lebendig und echt als wären sie nicht von hungrigen Flammen verspeist worden. Ricardo sah zu ihm hinüber und schenkte ihm ein verschmitztes Grinsen, währen sie alle zu ihrem Meister aufblickten. Marius, hoch oben auf einer Leiter. Den roten Samtumhang hatte er abgelegt um ihn vor der Farbe zu schützen. Seine Finger hielten einen Pinsel und ließen ihn über die Leinwand gleiten, präzise und genau, während er ein neues Kunstwerk schuf.
Das Bild blieb, als er sich sacht aus der Umarmung wand um seinen Schöpfer und Lehrer anblicken zu können. Er musste ebenfalls gerade erst getrunken haben, denn eine verräterische Röte lag auf seinen Wangen. „Herr...“ Oh, welch Furcht hegte er doch vor ihm. Welch Furcht davor, erneut zu lieben, zu brauchen und damit vielleicht erneut sein Schüler zu sein. Denn das hieße das seine Geduld vielleicht, ein weiteres Mal enttäuscht werden würde. Diese Gedanken waren störend und so schob er sie einfach beiseite, hob die Arme um Marius erneut zu umarmen. „Schicksal muss es wahrhaftig sein, und scheinbar spielt es mit uns, wie es ihm beliebt.“
Ein Lächeln schlich sich auf die Züge Armands, während er seinen Kopf an den Hals den anderen Vampirs bettete und den lange vergessenen Geruch tief in sich zog. Der Ältere musste seine Kräfte eingesetzt haben, denn obwohl sie sich auf offener Straße in die Arme gefallen waren, so schenkte ihnen doch kein einziger Sterblicher auch nur einen Blick. Erst kurz darauf besann er sich wieder wichtigeren Dingen und beendete, im Grunde viel zu früh das Wiedersehen. Nie schienen sie genug Zeit dafür zu haben.
“Herr, wir sollten gehen. Er verachtet den Codex und gefährdet uns alle...“ Marius wusste es natürlich. Sicherlich eher, als Armand selbst davon erfahren hatte. Verflucht möge Lestat, seine üblen Streiche und sein schallendes und spöttisches Lachen sein. Genug Zeit hatten sie damit verschwendet.
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Das Licht der Straßenlaternen durchsiebte die träge Suppe der Nacht in schrägen Fächern und schenkte allen einen dunklen orangenen Schein der mehr verdunkelnd wirkte als erhellend. Früher waren es Gaslaternen gewesen die einen geradezu herbsüßen Duft verbreitet hatten, denen ein Charme innewohnte welchen die heutige Beleuchtung nicht mehr erreichte – auch vermisste er die Wärter jener Laternen welche die Flammen in der Morgendämmerung auszulöschen pflegten. Nein gewiss, in dieser Zeit wirkte alles was sie erfasste geradezu kalt und nicht so honiggelb- warm wie früher. Und wie die Strahlen eben jener Stahlapparatur seine kalte Haut abtasteten, seinen Locken etwas schmutziges einhauchten spürte er die Anwesenheit jener beiden geliebten Vampire immer näher bei sich – gerade hielten sie etwas inne. Wahrscheinlich begrüßten sie sich - das kann etwas dauern dachte Lestat nur bei sich.
In seinen Inneren stiegen langsam Gedanken auf, die er sonst unter einer Glasglocke von Fröhlichkeit zu verbergen gesuchte – nur in manchen Momenten kamen sie und wühlten den Unsterblichen auf. Ihn durchzuckte die Frage, wann er das letzte Mal so liebevoll und sehnsüchtig begrüßt worden war – und das Glas zersprang. Es hatte nur eine Person gegeben bei der es gewiss der Fall gewesen war und immer noch suchte ihr Antlitz Lestat jede Nacht heim – wie ein Alptraum krallte es sich in seinen Geist…
Der Flegelprinz schüttelte sich, wie er es jedes Mal zutun pflegte und etwas glomm in seinen Augen auf – das war nicht die rechte Zeit den Gedanken an Akasha zuzulassen – nein das würde er sich für den Augenblick aufheben wenn er sich diesen Wahnsinn ganz hingeben konnte. Wenn er es zulassen konnte dass dieses Feuer ihn erfüllte, veränderte, verbrannte und niederschlug. Denn das hatte sie verdient und nicht lose dahin geworfene Sehnsucht wie manche Menschen oder andere Vampire ihr in ihrer Oberflächlichkeit schenkten. Nicht so Lestat.
Er stieß sich von der Wand ab und ging den beiden ein kleines Stück entgegen, wobei er langsam anfing sich zu wiegen als lauschte der Vampir einer Melodie die einzig er vernehmen konnte. Immer wilder und ausgelassener wurden seine Bewegungen, perfekt die Menschen imitierend und doch ganz und gar nicht menschlich. Lestat breitete die Arme wie Schwingen aus und summte leise einen Walzer, die Augen fest geschlossen –
und innen drin, nicht sichtbar für andere, tanzte noch jemand anderes mit ihm.
Ihre weißen Arme durchwogten die Luft elegant und wenn das kalte eiserne Licht der Straßenbeleuchtung auf sie viel, dann wurde es zu etwas anderen, helleren, leichteren. Ihr dunkles Haar umgab sie wie ein Schleier, ihre Züge imitierten perfekt jene alten und ehrwürdigen Gemälde welche Marius zu hunderten angefertigt hatte – oder imitierten die Bilder sie? In ihren seichten eleganten Spiel streckte sie die Hand fordernd und sehnsüchtig nach ihm aus und er die seine – ihre Fingerspitzen schienen sich leicht zu berühren als hätte sie ihn nie verlassen…
Lestat de Lioncourt öffnete die seichten bleichen Lieder und eisig stachen seine Augen in die Nacht hinein – seine Züge nahmen wieder jenes gewohnte halbgare Lächeln an, verrieten nichts von seinen Gedanken oder den Bildern die immer noch in ihm wogten wie Fingernägel die schief quietschend über eine Tafel scharrten. Sollten die beiden ruhig kommen.
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Als Schöpfer blieb es ihm versagt in die Gedankenwelt seines geliebten Engels einzutauchen, dort jede Windung, jeden noch so winzigen Traum zu erblicken und so begnügte sich Marius mit dem schmerzlich vermissten Anblick des anderen Vampirs. Die vertrauten und doch fremd gewordenen Züge, die neumodische Kleidung, die noch immer seine schlanken Glieder umschlang und das fast unschuldige in seinen Gebaren. In den dunklen Augen glaubte er, Angst aufglimmen zu sehen, oder auch Furcht vor erneuter Liebe und jenen Schmerzen, die im Einklang dazu hallten und auch die Erinnerungen an jene letzten Stunden gemeinsam im Palazzo. Die Vorwürfe über sein Verhalten, hafteten noch immer an seiner Seele, wenn ein Vampir so etwas überhaupt sein Eigen zu nennen vermochte und er bereute es stetig damals nicht seinem Amadeo gefolgt zu sein. Vielleicht was es auch bei ihm die gleiche Sorge gewesen, die sich nun auf den jugendhaften Zügen seines Zöglings blicken ließ. Berührungen mochten schmerzen, Blicke zu verletzen. Marius erging es ebenso, doch verbarg er den Zweifel tief in seinen Emotionen und ließ stattdessen Selbstvertrauen aus seiner Gestik und Mimik sprechen. Die Einsamkeit hatte er bereits einige Male gewählt und sich somit von jedweden Kontakt zu seinen Vertrauten los gesagt und nun bot sich die Gelegenheit aus der erwählten Hölle zu entkommen. Es war wichtig Haltung zu bewahren und doch seinen Cherub mit Zärtlichkeiten die Zweifel zu nehmen. So viele Jahre nun schon kannte er ihn und sein so häufig verletzten Wesen, welches er zu heilen gedachte, so viele Jahrhunderte lagen zwischen der glücklichen Zeit, welche sie damals in Venedig verbracht hatten und dem jetzigen Treffen in einer Art parallelen Welt, die keiner von ihnen kannte oder auch nur vertraute. Schon schlang der kleinere von Beiden ebenfalls seine Arme, um seinen Gegenpart und Marius spürte, wie die finsteren Locken seine Haut kitzelten und sich eine Gänsehaut über den untoten Körper zog, Wie hatte er diese unscheinbaren Berührungen vermisst, die kaum etwas verrieten und doch von Dingen sprachen, die weit hinter der Vorstellungskraft der Sterblichen verborgen lagen.
„Doch vielleicht meint das Schicksal nun einmal gut mit uns. Immerhin brachte es uns zusammen, selbst wenn wir nicht ahnen warum.“. Marius betrachtete die sachte Röte im Marmorgesicht seines Geliebten und ahnte, dass nicht nur er dem Hunger gefrönt hatte. Der süße Duft des Blutes vermischte sich mit dem von Armand und zu lange hätte er sich daran berauschen können, als das es nützlich erschienen wäre. Ruhig legte er einen Arm, um die schmalen Schultern und zwang so den Körper näher an den Seinigen. Der ehemalige Sentator spürte, wie diese Nähe von Einklang und Vergessen sprach und ein kühles Lächeln bedeckte die keltischen Züge. So rasch würde er Amadeo nicht mehr von seiner Seite lassen, selbst wenn er diese Gedanken nicht preisgab. Sich so vorwärts zu bewegen wies auch praktische Gründe auf, da man sich so in der Menge nicht so leicht verlor und die Menschen noch rascher dem Paar auswichen, was auf den ersten Blick wirkte, wie völlig normale Freunde. Die andere Hand hielt er leger verborgen in der Tasche seiner grauen Stoffhose, die er bald gegen andere Kleidung auszutauschen gedachte, wenn sie einmal Zeit dafür fanden. Aber im Moment gab es weitere Kleinigkeiten, um die man sich kümmern musste. Natürlich wusste er, über wen Armand sprach. Die Präsenz von Lestat wirkte zu deutlich, als das man sie nicht zu spüren vermochte und vielleicht lag dies an dem göttlichen Blut das er getrunken und gegeben hatte. Im Bruchteil eines Jahres war der fast noch junge Vampir zu einem der Stärksten geworden und doch schien er in vielen Belangen nichts dazu gelernt. So liebte er noch immer Aufmerksamkeit der Sterblichen und passte sich in kein wirkliches Schema, da es ihm vor Konformität grauste und er die lauten Jubelrufe des gemeinen Volkes liebte. Lestat wirkte auf seine Weise, wie ein Gott, der seine Jünger mit immer neuen Tollereien in seinen Bann zog und ohne Bedenken die alten Geheimnisse preisgab. Aber so definierte sich der Flegelprinz nun einmal und Marius schüttelte, sacht schmunzelnd sein Haupt bei diesen Gedanken.
„Ich glaube, er wird sie niemals ändern und um jede Aufmerksamkeit buhlen, welche er bekommen kann. Das sogar nach unserer merkwürdigen Reise und was hat ihn, jemals der Codes bedeutet, welchen er bei der ersten Möglichkeit brach und mich in wahre Verzweiflung stürzte. Es ist der Zuspruch welchen er liebt, seine Rolle als Rebell, die wir alle heimlich verehren.“. Der Blonde runzelte die Brauen und drückte sich zusammen mit Armand durch die Menge, bis er glaubte Lestat, fast berühren zu können. Der andere Vampir bewegte sich auf sie zu und jeder Blick von ihm zeichnete ein genaues Bild von dem, was er bisher erneut angestellt hatte. Merkwürdige Stiefel zierten seine Füße und eine Lederjacke seinen Oberkörper, die ihm mit Sicherheit nicht gehörte. Sonst zierte noch immer ein überhebliches Lächeln sein schönes Gesicht, selbst wenn in den hellen Augen seit kurzen ein Ausdruck des Verlustes glimmte, der sich nach Akashas Ende dort eingenistet hatte. Auch am Flegelprinzen war der Kampf nicht vollends vorbei gezogen, aber in seinem jugendlichen Leichtsinn sollte gerade er einen Weg aus diesem Schmerz finden. Marius hob eine Braue und ließ sonst keine Regung über das fein geschnittene Gesicht gleiten.
„Wie ich sehe hast du dich bereits eingelebt, mein Freund.“. Es lag kein Vorwurf in seiner Stimme, eher eine belustig klingende Mahnung, dass er sich benehmen sollte oder sonst Folgen ihn ereilten. An den Gedanken Amadeo überhaupt noch einmal aus seiner Umarmung zu entlassen verschenkte er keine wertvollen Sekunden. Stattdessen senkte Marius sein Haupt zu Begrüßung und sah Lestat in das Gesicht, welches er einst voll Innbrunst verehrt hatte. Damals, als sie in der Ägäis zusammen auf einer Insel weilten und der Junge einfach jede Regel brach, um zu der Mutter zu gelangen und ihr auf dem teuflischen Instrument eine Melodie zu schenken.
„Ich nehme nicht an, dass du weißt, weswegen wir uns hier befinden?“, sprach er schließlich noch leise und ignorierte die Blicke, welche ihnen manch Frau und Mann zuwarf.
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Die Worte Marius’ würden noch lange in seinen Ohren klingen. „Doch vielleicht meint das Schicksal es nun einmal gut mit uns. Immerhin brachte es uns zusammen, selbst wenn wir nicht ahnen warum.“
In seiner Stimme lag ein Funke Zweifel. Und doch vermochte er es, so hoffnungsvoll und ehrlich zu klingen. Wie damals im vierzehnten Jahrhundert, in der Stadt aus Wasser, dem neuen Atlantis bevor die Katastrophe es ereilt hatte. Als spräche er immer noch zu einem seiner Schüler. Ein Versprechen zu einem Jungen ohne Heim und Habe und in gewisser Weise, war dies nicht einmal weit von der Wahrheit entfernt. Noch vor ein paar Jahrhunderten hätten solche Worte Spott in ihm entfacht. Doch nicht jetzt, nicht hier, nicht bei ihm. Er hatte über ihn gerätselt, um ihn geweint und vor ihm gebettelt und gewütet, doch um keinen Preis der Welt würde er es wagen über ihn zu spotten. Allein der Gedanke an eine solch lächerlich dumme Tat, war ihm niemals in den Sinn gekommen. Welchen Grund könnte er schon haben, gegen seinen gütigen und geliebten Herren?
Und was war schon die Kraft dieses Mächtigen gegen seine Eigene? Lächerlich..
„Ja Herr, so soll es sein.“ Antwortete er und legte Zuversicht in seine Stimme. Die Zweifel von sich zu streifen war nach all den Jahrhunderten gar schier unmöglich. Wahrscheinlich wäre es das für jeden und doch verspürte Armand einen Unmut gegenüber sich selbst, dafür das er es nicht konnte. Zeit war seltsam. Es hatte stets, nur einen Moment gebraucht um ihnen beiden alles zu entreißen was ihnen lieb und teuer war, doch waren Zeitalter verstrichen bevor sie auch nur einen Funken davon wieder sahen.
Noch kurz huschte ein Lächeln über die Züge Armands, ehe er sich umwandte und beide Vampire wieder ihrem Weg folgten. Er würde ihm vertrauen und nun, da er es konnte, ihn besser beschützen.
Es war seltsam mit Marius durch diese Straßen zu schreiten, durch diese Horden von Sterblichen, vorbei an Taxiständen, Fastfood-Restaurants und Geschäften aus denen laute Musik tönte. (Die übrigens furchtbar war. Es stand fest. Offenbar ging den Menschen während der Jahrhunderte nicht nur das Meiste ihres Anstandes, sondern auch ihres Geschmackes verloren. Und das stetig! ...Sang diese Frau dort tatsächlich über ihre Rundungen?) Die schlanke Hand auf seiner Schulter, fühlte sich noch immer an wie damals...
Dort! All mentale Kraft die ihm innewohnte konzentrierte sich auf einen Punkt direkt vor ihnen, und bereits kurz darauf, entwuchs der Vampir Lestat den Mengen um ihn herum, in spielend leichter und doch beeindruckender Manier. So wie immer. Natürlich waren seine Schritte selbstsicher, natürlich scherte er sich nicht um die Blicke die ihm nachgeworfen wurden und natürlich zierte dieses Grinsen seine Züge.
Seine Kleidung verriet, das er versucht hatte sich seiner neuen, noch modernen Umgebung anzupassen, doch irgendwie hatte er es leicht übertrieben. Sicherlich mit Absicht, was die grade erst verklungenen Worte von Marius nur noch unterstrich, wie ein sofort aufgeführtes Anschauungsmaterial.
“Eingelebt, in der Tat. Doch wahrlich soweit, das du leichtsinnig wirst? Diese neue Zeit verleiht deinem Humor eigenartige Züge...“
Er konnte sich wirklich nicht daran erinnern, wann Lestat sich das letzte Mal einen solchen Scherz mit einem Sterblichen erlaubt hatte. Singen vor Publikum war eine Sache, doch wann hatte er mit Trunkenbolden gespielt?
Trotz allem, war es gut ihn zu sehen. So löste er sich halb von Marius und drückte dem hochgewachsenen Vampir, dessen Worte ihn einst, während seiner Zeit in Santinos Kult, zur Besinnung gebracht hatten, zur Begrüßung freundschaftlich die Schulter. Noch während der gebürtige Römer die Frage stellte, war es klar das auch Lestat keinerlei Wissen darüber besaß, wie sie an diesen Ort gelangt waren, und welchem Zweck ihr Aufenthalt hier dienen sollte. Ein eigenartiges Rätsel und doch musste es einen Grund geben.
Da jedoch keiner Aussicht auf eine Antwort in greifbarer Nähe schien, befasste sich Armand mit seinem Zweite Gedanken. Tarnung, neue Kleidung. Denn noch immer trugen sie Alle zumindest zu zwei-einhalb Teilen, Sachen die wohl eher in die 80’er Jahre passten.
So nutze er die kleine Karte, die er sich während seines Weges vom Hafen, und durch Erkundungen der menschlichen Gedanken um ihn herum, in seinem Geiste angelegt hatte, nach einer passenden Gelegenheit für einen Kleidungswechsel. Verschiedene teure Läden boten sich, doch angesichts der Tatsachen dass keiner von ihnen Geld besaß, war es wohl klug sich weiter umzuschauen. Schließlich bot sich ein Einkaufszentrum, drei Straßen entfernt an. Es war groß, führte praktisch alles angefangen von Lebensmitteln bis hin zu Unterhaltungselektronik. Absperrgitter vor den Eingängen und Kameras, waren sicher leichter zu überwinden als Alarmanlagen und Melder die gleichzeitig einen Funkspruch an die Polizei gaben. Und sicher war der Diebstahl eines 30 $ Hemdes leichter zu verschmerzen als der eines 1000 $ teuren. Ihnen blieb nicht viel Auswahl.
“Wir sollten und um etwas Passenderes kümmern.“ Sprach er zu den Beiden anderen und konnte nicht umhin an Lestat hinunter zu blicken. „Kommt!“
Seine Hand streifte nur einen Augenblick die seines Herren, ehe er voraus ging. Bereits jetzt schon, begann ihrer beider Haut, wieder die wohlbekannte Kühle anzunehmen.
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Der Widerhall seiner Schritte klang angenehm fest in seinen Ohren, ein fast rhythmisch dumpfes Tamm-Tamm dass die Gummisohle verursachte wenn sie auf den dreckigen grauen Bürgersteig traf - der von Unrat nur so übersät war. Es erinnerte den Vampir Lestat an seine Zeit in der Rockband, wenn die schweren Rhythmen und Bässe dieser mehr als intensiven schmutzigen Musik ihn immer wieder in Wellen durchfluteten – er sie in jeden Winkel seines feinsinnigen Körpers spüren konnte, dazu seine eigene dröhnende Stimme über allen. Er hatte sich so lebendig gefühlt, als würde jede Emotion durch einen übergroßen Lautsprecher sichtbar gemacht werden, fühlbar – all die Kälte in ihm, welche durch sein unsterbliches Dasein bedingt war, wurde einfach übertönt. Und seine Fans, das Publikum, kam nicht umhin es mitzufühlen, seinen Gedankengängen und Geistesbildern zu folgen – ihm mehr und mehr zu verfallen.
Auch wenn gewisse andere ältere Vampire diese Musik sicher als Krach und unwürdig empfunden hatten – wo man vom Teufel sprach… schon traten Marius und Armand in sein Blickfeld. Mit einem letzten gewollt menschlichen Tamm-Tamm (er bemühte sich extra diese Geräusche zu erzeugen, da sein Gang normalerweise sehr leise und kaum hörbar war, wie der eines jeden Vampirs für einen Menschen) hielt er vor ihnen inne und bedachte sie mit einen liebevollem Lächeln das in den Mundwinkeln leicht anzüglich endete. Ein Teil des Vampirs Lestat freute sich sie wieder zu sehen, in ihrem Ebenbild versinken zu können wie in einem wunderschönen Gemälde und sie mit seinen Scherzen, nunja… in Erstaunen zu versetzen.
„Wie ich sehe hast du dich bereits eingelebt, mein Freund.“ sprach der Hochgewachsene und überaus Gutaussehende ehemalige Römer – was ihn ein noch anzüglicheres Grinsen seitens des Flegelprinzen und ein Zwinkern einbrachte, das er mit einen begrüßenden Nicken vollendete. Schon setzte auch Armand nach “Eingelebt, in der Tat. Doch wahrlich soweit, das du leichtsinnig wirst? Diese neue Zeit verleiht deinem Humor eigenartige Züge...“ doch bevor der geborene Franzose antwortete, erwiderte er dessen Begrüßung ebenso freundschaftlich – breitete dann die Arme aus und zeigte sein bestes und charmantestes Lächeln „Nun, ihr wisst doch, keine Zeit ist für mich so trüb, als dass ich ihr nicht etwas Gutes abzugewinnen wüsste“.
Marius’ zweite Frage konnte er allerdings nur mit einen Kopfschütteln beantworten, wobei er noch etwas leiser anfügte „…ich fürchte dies Rätsel wird nicht allzu leicht zu ergründen sein, zudem spüre ich auch nicht die ameisenhaften Anwesenheiten unserer Brüder so wie ich sie sonst zu fühlen pflegte.“ Allerdings hatte er sich darüber noch keine ausschweifenden Gedanken gemacht, es gab zuviel zu entdecken, zu sehen, anzustellen und auch, zu spüren als dass er auf das altbewährte Nachdenken zurückgreifen musste.
So beantwortete er Armands Vorschlag auch nur mit einen angedeuteten Nicken und einen neugierigen Funkeln in seinen Augen – welches schon so manches Mal eine Vorwarnung hätte sein können, das gleich die eine oder andere Katastrophe, verursacht von Lestat’s Neugierde, zu erwarten gewesen wäre.
Mit einen etwas lauteren und dumpferen Tamm-Ta-Tamm stampfte er hinter den beiden her, wobei sich ein leises ‚Tatsch’ hineinschummelte als er in etwas Weiches und Glitschiges trat. Kurz bevor sie an den Einkaufszentrum ankamen sah er auf der anderen Straßenseite ein paar ältere Frauen trippeln, welche dem Trio einen neugierigen bewertenden Blick zuwarfen – eine Einladung die ein Lestat de Lioncourt nicht ausschlagen konnte. So holte er zu den gebürtigen Russen auf, legte ihn mit wehendem offenem Hemd einen Arm um die Schulter und bedachte ihn mit einem verliebten Blick während er ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Seine feinsinnigen Ohren vernahmen noch ihr schockiertes „hab ich dir doch gleich gesagt, Hedel!“ bevor die Überdachung des Klamottenladens sie abschirmte und er Armand nur erklärend schelmisch zuzwinkern konnte…
tbc: Einkaufscenter?
Re: Neuzeit
Armand - 18.03.2007, 19:32
cf: Straßen
Blasse Brauen hoben sich empor, als er nur noch am Rande beobachtete, welch Stück der Prinz unter ihnen erneut aufführte und dabei ihre Geheimnisse mehr als nur gefährdete. Marius bedachte die Lestat gesprochen hatte, versuchte in seinem Kopf Klarheit zu schaffen und dabei die Geste zu ignorieren, welche der Blonde Amadeo geschenkt hatte. Natürlich handelte es sich dabei um kaum mehr, als um den erneuten Versuch die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, die alten Frauen zu provozieren und trotzdem wollte sich der Römer kaum damit abfinden. Die Jahrhunderte hatten sein Gesicht geglättet und es gab keine Falten mehr, keine Regung die sich auf den marmornen Zügen spiegelt, aber ein geübter Beobachteter würde die feine Kerbe zwischen seinen Augen erkennen und das verärgerte Glimmen in den eisigen Augen, dass sich kurz darin abzeichnete, bevor es erneut verschwand. Natürlich wirkte sein Verhalten auf ihn selbst völlig unangemessen, aber von Geburt an war Marius eine Persönlichkeit, die zwar gerne teilte, jedoch dabei strenge Abgrenzungen traf und Lestat bewegte sich auf einem schmalen Grat, der nur zu leicht zerstört werden konnte. Zu lange hatte man Amadeo von seiner Seite gestohlen und den Geliebten den Verstand geraubt und selbst wenn ihr Schicksal dicht mit dem von Lestat verwoben schien, so wollte er doch die Zuneigung nicht sonderlich gerne teilen. Der Mann schüttelte sein Haupt und ein freudloses Lächeln zierte seine Züge, wenn er selbst über diese Gedanken sinnierte. Schon platzierte der Vampir die Finger in den Taschen der einfach gehaltenen Stoffhose und ließ seine Sinne in die Nacht fahren. Er spürte wie sein Geist höherer Ebenen erklomm und die Fühler ausstreckte nach jenen ihrer Art.
„Ich spüre sie… Doch sind sie nicht wie wir. Viel mehr gelten bei ihnen andere, für uns befremdliche Regeln und sie scheinen ebenfalls über andere Kräfte zu verfügen. Ich glaube sie spüren nicht einmal unsere Anwesenheit.“. Marius schwieg und versuchte etwas Sinn in die Äußerung zu bringen. Es war deutlich, dass hier merkwürdige Mächte an den Angeln der Realität spielten und nur liebend gerne würde er diese ergründen und nach dem Zweck befrage, doch sollte dafür später Zeit sein. Im Vordergrund stand nun die Tarnung.
„Du hast etwas am Schuh, mein Freund.“, murmelte Marius belustigt und deutete auf den Stiefel, der eindeutig einen fäkalartigen Geruch verströmte. Manche Dinge würden sich niemals ändern, sowie die Faulheit der Hundebesitzer.
Kein Wort kam in den Sekunden über seine blassen Lippen, als sich der Vampir näher das Geschäft ansah, das Armand ausgesucht hatte und seine Augen über die bunte Neonreklame streifte, wobei er erneut begriff, weswegen er künstliches Licht verabscheute und die Flammen der Kerzen näher am Herzen trug. Die blauen Lettern schrieen den Namen der Firma laut hinaus, selbst in der finsteren Nacht, welche sie durchstreiften. Woolworth? Der Ausdruck kam ihm seltsam bekannt bevor und Marius glaubte ihn bereits einmal vernommen zu haben, vor einigen Jahren vielleicht. Der Geruch von Menschen und ihrem Geld haftete an dem quadratischen Gebäude und ihm war, als könne er noch immer ihre geschäftigen Schritte hören und ihre verstimmten Gesichter erkennen. Hier wimmelte es gerade zu von Eindrücken des Lebens, die sich zwischen Nahrung, Kleidung und allerhand Überfluss gesammelt vor ihren Augen lagen. Es wirkte nicht wirklich seinem Geschmack entsprechend, sprach es doch von billigen Stoffen und neu modischen Schnitten, doch immerhin würde sich wohl kein privater Schneider, spontan dazu entschließen die passende Garderobe zu entwerfen und somit musste die Eitelkeit für diesen Abend hinten anstehen. Lestat hatte die Verblendung der Sterblichen ja bereits begonnen und so sollten sie wohl nachziehen. Sie wählten einen hinteren Eingang, der durch die Kraft der Gedanken kein Hindernis bildete und schalteten ebenso rasch jedweden stummen Zeugen aus, der ihre Präsenz zu verraten vermocht hätte. Die Neonröhren an der Decke blieben unangetastet, da sie auch ohne diese sehen konnten und der ehemalige Senator staunte nicht schlecht über die weitläufigen Flure, die hohen Regale und eckigen Wühltische, sowie die vollen Stangen voll verschiedener Kleidung. Normalerweise mied er solch Plätze, aber die Neugierde und der Drang zu lernen verwandelten dieses lapidare Ereignis in eine Welt voller Möglichkeiten und Entdeckungen. Schon strichen seine schlanken Finger über das kalte Eisen, welches Socken einrahmte, die er eher belustig betrachtete. Überall stachen rot leuchtende Schilder hervor, die von Preissenkungen und Rabatten sprachen. Dinge über die sich ein Untoter, wie er, niemals zu sorgen brauchte. Die Buchabteilung wirkte verschwindend klein und nur flüchtig warf er einen Blick über die Rücken der Schriften, um zu begreifen, dass auch hier kaum andere Autoren tätig waren, als wie in ihrer Zeit und Welt, was bedeutete, dass es keinen wirklich großen Unterschied geben konnte. Wie vermochten sich die Sterblichen nur in so einem Tempel des Konsums zu orientieren. Marius verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und schritt langsam die Reihen ab, während er versuchte seinen Geist zu Ruhe zu rufen. Schon fand sich der Vampir in der Musikabteilung wieder und fühlte sich direkt verfolgt von all den blonden Frauen, die ihn von den CD Hüllen entgegen blickten, die er nicht mehr zu unterscheiden vermochte. Belastend bunte Bildchen, rosa Schriftzüge und kaum vorhandene Kleidung schienen das Markenzeichen dieser Generation zu sein, ebenso, wie Melodien ohne Verstand.
„Wahrlich ein Zeitalter ohne jedweden Sinn für Ästhetik und Kunst.“, sprach er und seine Meinung wurde nicht geändert, als sie schließlich die Abteilung für Herrenbekleidung entdeckten.
„Was ist dies?“, fragte der Blonde nur schockiert und nahm eine weite Hose hervor, deren Beine ungewohnt breit und ausladend wirkten, während der Platz für das Hinterteil in die Knie gerutscht schien. Ungläubig schaute er das Relikt an und schüttelte nur angewidert seinen Kopf, als er die Hose zurück zwischen all die schlabberigen Pullover und Oberteile hängte, die daneben verweilten.
„Wollen sich die Menschen dieser Zeit etwa verstecken unter dieser furchtbaren Unkultur? Und wie vermögen sie es sich darin fortzubewegen?“, ergänzte Marius schließlich fragend und ließ diese Reihe gleich völlig außer Acht. Allein der Gedanke an seinen Amadeo oder Lestat in dieser Art von Schnitt verwirrte den Vampir mehr, als die Reise durch die Dimensionen. Anscheinend verlernten die Sterblichen sich adrett zu kleiden und wählten stattdessen lieber Mühlsäcke. Der hochgewachsene Mann verschränkte die Arme vor der Brust und hinderte sich daran, die gesamten Reihen im Feuer vergehen zu lassen. Auch die Frauen schienen sich in Stoffe zu hüllen, die selbst für Huren seiner Geburtstadt zu freizügig gewesen wären und kein Stück Haut mehr bedeckten. Oh wie begann er die Zeiten zu vermissen, als die Damen sich noch in edle Zwirne und Kleider zwangen und sich nicht wie billige Prostituierte kostümierten. Sie hatten es nicht für nötig erachtet sich so zu präsentieren und durch einen Augenaufschlag die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich gelenkt.
“Ich beginne an dieser Zeit zu scheitern.“, murmelte er wehmütig und blickte dann in die Stände, welche eine gehobene Klasse des Preises versprachen. Statuen aus Plastik präsentierten Anzüge in neuen Schnitten, aber auch altmodisch wirkende Exemplare waren darunter zu entdecken. Erleichtert begab sich Marius zwischen diese und achtsam strichen die grazilen Hände über das Material, wobei er keinen Blick auf die Preisschilder verschwendete. Der ehemalige Soldat entschied sich für eines auf Taille geschnittenes Sakko, welches Ähnlichkeit mit einem Gehrock besaß, eine einfache und ärmellose Weste, sowie ein weißes Hemd und die dazu passende dunkle Hose und Krawatte. Darin würde er kaum in einer Welt voller Geschäftsmänner auffallen und schon legte er sich jene Stücke über den Arm und wartete darauf, was Amadeo und Lestat wählten. Es war eine reine Verschwendung die Beiden nicht mehr in der gewohnten Kleidung ihrer Heimaten zu erblicken, den teuren Stoffen und feinen Schnitten, die sich an ihre Körper schmiegten.
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Der Weg, der sich in seinem Geiste vor ihm zeichnete, war klar und grade, als hätte er ihn mit einem Stift auf einer Karte nachgezogen. Eine rote Linie, quer durch das Viertel und das ohne feste Straßen oder Gehwege verlassen zu müssen. Schon jetzt war zu erkennen, das keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen das Gelände schützen. Sicherlich trank der Wachmann irgendwo einen Kaffee oder war in seinem Wagen eingeschlafen. Vorausgesetzt natürlich das es ihn überhaupt gab. Wahrscheinlich nicht...
So schob sich knabenhafte Vampir, raschen Schrittes, weiter durch die Massen von Sterblichen die ihnen entgegenströmten und sah erst von seinem Weg auf, als der Arm Lestat’s sich um seine schmalen Schulter hakte. Der schelmische Blick, das Grinsen auf den Zügen des Blonden und das nachfolgende Getuschel zweier älterer Damen jedoch, zeigten rasch welchem Zweck diese Annährung diente. Es war keine selbstlose, liebevolle Geste wie Armand es sich vielleicht noch vor ein paar Jahrhunderten gewünscht hätte, es diente lediglich der exhibitionistischen Natur des anderen Blutsaugers. Doch dieses ewige Spiel wieder und immer wieder zu verfluchen, dessen war der gebürtige Russe schon längst überdrüssig geworden. Beide Damen (die inzwischen stehen geblieben waren) gaben stetig, je länger ihre Augen starrten, mehr Laute der Entrüstung von sich. Entfernt glaubte er Gesprächsfetzen über Pädophilie und Altersgrenzen aufzuschnappen.
“Hedel hat vor dich wegen Missbrauch Minderjähriger anzuzeigen. Sie hat sich dein Gesicht bereits für den Phantomzeichner eingeprägt.“ bemerkte er trocken, was Lestat natürlich ein weiteres amüsiertes Lächeln entlockte. So nahm er lediglich die schlanke Hand, die über seiner reichten Schulter baumelte, und hauchte einen schnellen Kuss auf die blassen Finger, ehe er sich endgültig der Umarmung des Lioncourt’s und damit dieser Albernheit entwand.
Marius’ nächste Worte überraschten ihn. Nicht wegen der Information das andere Kinder der Nacht in dieser Stadt hausten, das war zu erwarten gewesen und sein ehemaliger Lehrer, war mehr als mächtig genug selbst die Verborgensten zu spüren. Es war lediglich eine Nuance in seiner Stimme, die Armand aufhorchen ließ. Sie erinnerte ihn unwillkürlich an damals. An seine Heimkehr nach drei Tagen mit einem englischen Lord...
Irgendwie tat es ihm fast leid, die Großzügigkeit der alten Dame auszuschlagen. Doch da er wahrlich keinen Verwendungszweck für die Süßigkeit hatte sie die ihm geschenkt hatte, legte er sie einfach in eines der vielen dunklen Regale, die sich wie Türme vor ihm auftaten. Ob sie immer noch bei ihren Katzen am Hafen saß und die Tiere fütterte?
Hatte Louis nicht sogar mal dasselbe getan um das Blut von Katzen zu trinken?
Schnaubend verließ Armand die überflüssige Lebensmittelabteilung, die wie schlafend in der Mitte des riesigen Supermarktes lag. Lediglich seine Schritte auf dem polierten Fussboden, das Surren einiger Kühltruhen und das Flackern einer einsamen Neonröhre, störten den Schlummer dieses Konsumwunderlandes. Woolworth hatte es schon in den 80’ern gegeben, doch es war erstaunlich wie sich in knapp dreißig Jahren, die Größe eines Geschäftes und sein Angebot ändern konnte. Die Hände in den Taschen vergraben, nahm der gebürtige Russe sich Zeit, bei seinem Spaziergang auf den geordneten Pfaden und betrachtete mit einer Mischung aus stiller Faszination und teilweise auch Abneigung die Neuerungen dieses zweiten Jahrtausends. Unglaublich wie Menschen doch an ihrer eigenen Vergangenheit hingen. Gab es Blümchenbadekappen tatsächlich noch, oder kamen sie grade wieder? Was die Damen-Sommerkollektion in seiner Neugier völlig unangetastet ließ, das schaffte die Elektronikabteilung zu wecken.
Offenbar waren Schallplatten und Kassetten gänzlich verschwunden, und hatten kleinen glänzenderen CD’s Platz gemacht, deren Klang irgendwie blechern und kaum mehr lebendig wirkte. Ein Blick auf die Cover besagter Tonträger machte klar, das der heutige Geschmack eindeutig bei frivolem, nacktem Fleisch und dicken Goldketten lag...und ebenso das sich die Rolling Stones als langlebiger erwiesen, als er erwartet hatte. Sowohl in physiologischer als auch musikalischer Art.
Die Errungenschaft des Farbfernsehens war eine Banalität und besagte Geräten hatten mittlerweile die Breite einer Saftpackung. Obwohl niemand arbeitete, flackerte noch immer eine ganze riesige Wand in leuchtenden Bildern der Abendnachrichten. Krieg und Mord und Unglück. Natürlich... Wenn etwas in der menschlichen Gesichte Kontinuität besaß, dann das. Nachdem eine ebenfalls nur allzu leicht bekleidete Meteorologin danach in geschmackloser Weise, tagelangen Sonnenschein versprach, wandte sich Amadeo ab und folgte den leuchtend farbigen Schildern in die Herrenbekleidungsabteilung.
Dort angekommen beschlich den Russen jedoch die leise Ahnung, das in der heutigen Zeit niemand mehr etwas in seiner Größe trug. Kleidung die mehr die Form eines Leinensackes besaß, und auch eine eben solche Eleganz fand sich Reihenweise in den Regalen und auf den Ständern. Nun gut, zumindest würde das die Trägheit der Sterblichen erklären und ihre seltsame Art, in der heutigen zeit zu laufen. Eine Kunst das sie bekleidet mit solchen Stoffen überhaupt zum Laufen fähig waren.
Durch diesen Anblick stetig weiter abgestoßen lenkten seine Schritte ihn nun endlich in eine Abteilung die mehr nach seinem Geschmack war und gewiss auch der menschlichen Jungend mehr Geschmack verleihen würde.
Nur eine kurze Weile dauerte es, bis sich ein schwarz-blaues Hemd, eine dazu passende Weste, sowie Hose und schlichte Schnallenstiefel gefunden hatten, die sogar so wirkten als könnten sie ihm passen. Es würde ein wunderbares Gefühl sein, aus den schmutzigen Sachen, an denen immer noch der Geruch des Hafens haftete, zu entkommen.
Nicht weit, aus einer anderen Ecke der Abteilung, war ein Laut zu vernehmen. Das Marius anwesend war, war ihm nicht entgangen, doch trat er erst jetzt zu ihm hinüber. Der blonde hochgewachsene Vampir hatte mit der Wahl seiner Kleidung einmal mehr bewiesen, wie ähnlich sich ihre Geschmäcker waren und sobald er die ausgewählten Stücke auf dem Leib tragen würde, würde er noch beeindruckender aussehen, als ohnehin schon.
“Viel Auswahl blieb wahrlich nicht. Seltsame Zeiten...“ murmelte der Jüngere als sein Schöpfer ihm ein warmes Lächeln zukommen ließ. Einen Augenblick noch, verbrachten sie in Stille, mit dem Warten aus Lestat, doch als Armand kurz darauf in seinem Geist nach dem dritten Untoten tastete, fand er diesen vertieft in einen äußerst schmutzigen Groschenroman.
Das konnte gewiss noch ein wenig dauern...
In der Kabine schließlich erwiesen sich die ausgesuchten Sachen als tatsächlich passend und sogar bequem zugleich und plötzlich erwachten lebhafte Erinnerungen an das Getümmel auf „Night Island“. Ewig war er nicht mehr dort gewesen und sehnte sich nun fast nach all den Gesichtern und der Gesellschaft, die sich dort nach Einbruch der Nacht herumtrieb. Ob es die Insel in dieser Zeit immer noch gab?
Das Gesamtbild schließlich betrachtend, entschloss sich Armand sich, auf eine Krawatte oder ähnliches zu verzichten um mit seinem jungen Gesicht, das keine Zeit kannte nicht allzu sehr aus dem Rahmen zu fallen. Noch immer herrschte Stille und Dunkelheit, und das scharfe Gehör des Vampirs vermochte im gesamten Kaufhaus nichts zu vernehmen, als Lestats anzügliches Lachen und das Rascheln von Kleidung in der benachbarten Kabine.
Als er näher trat und die Tür schließlich beiseite schob, schloss Marius de Romanus gerade den letzten seiner Manschettenknöpfe und betrachtete sein Bild teils mit Skepsis und Zufriedenheit in einem der Spiegel. Ersteres konnte er ihm leicht nehmen.
“Ihr seht fabelhaft aus, Herr.“ sprach er und noch während der Römer, der zu keiner Zeit jemals etwas seiner Ausstrahlung verloren hatte, sich umwandte. Seine eigenen Schritte, führten Armand erneut in seine Arme und er hob den Kopf und küsste die Lippen seines Vaters, Lehrmeisters, seines geliebten Marius. Ein erneuter seltener Moment, wahrscheinlich ebenso fragil in seiner Zeit wie alle Anderen zuvor.
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Es gab im Allgemeinen wenig, dass den großen und wohl gebauten Unsterblichen zu erschüttern vermochte – er war so etwas wie eine Festung deren Mauern aus Selbstbewusstsein und Witz bestanden. Diese waren unüberwindbar für allerhand Gedanken, Wortfetzen und auch für die meisten Menschen – nicht einmal er selbst kam umhin manchmal gewisse Dinge nicht ernst nehmen zu können, Lestat’s Ansicht nach war da ja auch nicht viel verkehrt dran. Die meisten Menschen, wenn er in ihren Gedanken stöberte, ihren Schreien und Leidäußerungen lauschte, machten es genauso und verstecken sich hinter einen übergroßen überheblichen Außen – so war es schon immer gewesen und er hatte sich mittlerweile an beides gewohnt.
So war für ihn Armands Äußerung “Hedel hat vor dich wegen Missbrauch Minderjähriger anzuzeigen. Sie hat sich dein Gesicht bereits für den Phantomzeichner eingeprägt.“ auch nur die Bestätigung eines gut gelungenen Witzes – die Vorstellung das Polizisten ihn ‚verhafteten’ (wie man es heutzutage wohl nannte) und ihn wegen Missbrauch von den ‚jugendlichen minderjährigen’ Armand anzeigen wollten, war so etwas wie die Pointe eines sehr gelungenen Witzes. Er konnte es einfach nicht ernst nehmen und ließ nur ein herzliches Lachen vernehmen, das seine Mundwinkel lustig zucken ließ und in seinen Augen einen ganzen Regen von blauen Strahlen glitzern ließ. Lestat de Lioncourt bedachte Armand, nachdem dieser seine kalte Hand geküsst hatte und sich von ihm löste, nur mit einem langen Blick in dem etwas Undeutbares lag.
Marius’ Äußerung unterbrach ihn allerdings in seinen nachdenklichen Ausschauen, auch wenn er dessen ersten Satz nur mit einem geschmunzelten Nicken garnierte und seine zweite Äußerung mit einem leisen Lachen. Die Fäkalien würde er in der Schuhabteilung dieses Kaufhauses ganz sicher irgendwie ‚loswerden’…
Nachdem sie das Geschäft betreten hatte, eilte er zielstrebig durch die langen Regale und Reihen, die ihn auf eine gewisse Art und Weise faszinierten. In dieser Zeit gab es viel mehr um den menschlichen Geist zu beschäftigen, sich auszudrücken – als wären die Menschen immer unruhiger geworden, haltloser. Wie kleine Vögel die eilig umherschwirren und nach Beschäftigung suchen, ohne sie je finden zu können. Allerdings waren solcherlei Gedanken viel zu ernst, um sie für längere Zeit zu verfolgen – von daher trappelte er stampfend auf das Regal mit den Büchern zu und stöberte neugierig darin herum. Der Blick des Flegelprinzen wurde geradezu angezogen von einen Exemplar mit äußerst doppeldeutigem Cover welches mit einen noch zügelloseren Titel gekrönt wurde. Geschickt fingerte er das Buch aus dem Stapel heraus und begann mit einen Kichern darin zu lesen – die Vorstellung wie eine Hausfrau in Putzschürze errötend dieses Ding las war zu amüsant, ganz zu schweigen von dem Inhalt der im Einzelnen aus kurzen, kitschigen Sätzen bestand, garniert mit allerlei ‚Schund’. Mit einen breiten Grinsen und weiteren gegackerten Lachen schritt er lesend in die Elektronik-Abteilung und drehte eine der Anlagen voll auf – röhrend lief ‚Wild thing’ auf eine furchtbar passende Art und untermalte Lestats heiteres Lachen nur noch. Manchmal war das ganze Leben wie ein Witz – es war nur eine Frage der Sichtweise.
Schmunzelnd legte er wenige Minuten später den ausgelesenen Groschenroman oben auf die Anlage und sang lauthals und vergnügt mit: „wild thing you make my heart sing“ während er zu den Rasierern schlenderte und nach einen besonders raffiniert Aussenden griff – nach einigen schnellen Handgriffen segelten die ersten blonden Locken zu Boden. Lestat hatte heute auf der Straße eine interessante Erscheinung beobachtet und gedachte sie nachzuahmen – und zumindest der Undercut dieses Jugendlichen gelang ihm perfekt. Zufrieden singend band er sich sein Haar zu einem Zopf zusammen.
Den Rest den er benötigte um sein Kostüm zu komplettieren fand er auch bald (wobei er die klobigen Stinkstiefel des Schwulen oben auf ein Schuhregal stellte) und so bewaffnet schritt er zu den Umziehkabinen. In seinen Händen hielt er eine eng anliegende schwarze Hose die seitlich mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten wurde, ein schwarzes Hemd mit allerlei verschiedenen Nieten und einen hohen Stehkragen, ein paar lederne Stiefel und einen ebenfalls schwarzen weiten Stoffmantel mit Kapuze. Zu den beiden anderen hin kommentierte er seine Auswahl mit den Worten „Nunja, ich meine, gegen die ganzen anderen blassgesichtigen Jugendlichen die dies tragen… ich fürchte ich muss mich noch ein wenig schlecht schminken und dann werde ich überhaupt nicht mehr auffallen!“ wobei der Vampir zufrieden breit grinste und sich dann in eine der Kabine zwängte.
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Nc 17 (erstes Mal in meiner RP Zeit :3 )
Unwirsch warf er seine alte Kleidung in die Ecke der Kabine und schien erfreut darüber, dass die Neonleuchten über seinem Haupt nicht leuchteten, sondern dass gnädige Dunkelheit seine Sinne umspielte. Wozu benötigte ein Vampir auch Glühbirnen? Die Nacht war ihr Revier, ihre Heimat und ihr lieferten sie den lebenden eine Vorstellung ab, welche jeden untalentierten Hollywood Günstling, die Tränen in die Augen triebe. Wer vermochte sie schon auf den ersten Blick von jenen zu unterscheiden, die frisches Blut durch ihre Adern pumpten, deren Herz dumpf schlug und deren Lungen sich nach Luft verzerrten? Früher hatte Marius sich niemals solch Gedanken über ihre Wirkung auf Menschen gemacht, war als stiller Beobachter durch die Welt geschritten, doch mit den Jahren wirkte auch die Erfahrung deutlicher und die Anpassung von Nöten. Auch wenn sie blind waren, so hatte doch Lestat eine gesamte Reaktion erschreckt und auf Aufmerksamkeit auf sich zu sagen. Es existierten Gerüchte über so betitelte „Freak Partys“ auf denen sich Vampirjünger in kaum vorhandener Bekleidung den hungrigen Untoten auslieferten und an sich saugen ließen. Über solch Dekadenz und kindischen Verhalten konnte der Römer nur sein Haupt schütteln, so dass die leicht gewellten Enden der fast weißen Haare über seine Schultern flossen, wie Spinnenfäden. Schlanke Finger fuhren über den neuen, weichen Stoff und legten ihn schließlich an den dazu gehörigen Leib, ohne das es viel Mühe bereitete. Sein Augenmaß hatte ihm keinen Streich gespielt und so schmiegte sich die Kleidung an ihn und kein Faltenwurf schien am falschen Platz zu sitzen. Die Nähte drückten nicht, die Ärmel wirkten nicht zu lang und Bewegungen schienen leicht in dem Anzug. Die Menschen verstanden anscheinend etwas davon solch Produkte herzustellen, aber sie würden niemals jene Meister der Schneiderei heranreichen, deren Faltenwurf bereits ein Botticelli auf die Leinwand gezaubert hatte. Jene klaren und weichen Linien, die der Künstler damals selbst um sich gehüllt hatte. Marius schloss die Lider, um die schmerzende Erinnerung an den geliebten Mann zu verdrängen, die kaum mehr als Schmerzen bereitete. Warum schien er nicht die Chance genutzt zu haben und ihn verwandelt? Dann würde der Genius noch immer über die Welt wandeln und das an seiner Seite. Sein Geist wurde abgelenkt durch das beinahe jugendlich erfreute Lachen von Lestat, der ohne Zweifel Beschäftigung gefunden hatte – er wollte gar nicht wissen, auf was seine Wahl getroffen war - und sich nun auch den Kabinen zuwandte, um sich der Zeit anzupassen. Marius zweifelte nicht daran, dass sich ihre Stile weit von einander unterscheiden würden. Lestat wirkte in feinem Zwirn nicht wirklich passend, selbst wenn er tragen mochte, was er wollte, ohne jemals seine lästige Anziehung zu verlieren, doch Provokation stand ihm besser.
Rasch knöpfte der ehemalige Senator die Weste zu und streifte sich das Jackett über die Schulter, bevor er einen Blick in den Spiegel war. Entgegen der Gerüchte jenes verrückten irischen Autoren vermochten sich Vampire tatsächlich in diesem zu betrachten und taten es teilweise mit reger Begeisterung. Marius schürzte die Lippen, da er nicht so recht ahnen wollte, wie diese neumodische Kleidung an ihm wirkte. Jeder, egal wie alt er auch sein mochte, verfügte über eine gewisse Eitelkeit und er schloss sich aus dieser Gleichung nicht aus. Der Vampir zog den letzten Manschettenknopf durch die passende Öffnung und strich die Falten glatt. Dann kroch eine Gänsehaut über seinen Rücken, als er plötzlich den raschelnden Umhang vernahm, den Luftzug an seiner bleichen Haut spürte und schließlich in ein dunkles Augenpaar blickte, welches ihn seit Jahrhunderten fesselte. Auch er hatte sich umgezogen und wirkte regelrecht adrett, was ihn dazu brachte eine Braue empor zu heben. Ein junger Mann, in dessen Zügen das Kindliche mit dem Erwachsenen vermischt schien und Perfektion kaum zu leugnen war. Marius ahnte, weswegen sein Amadeo gekommen war, spürte die bisher unterdrückte Leidenschaft und vermochte kaum zu reagieren, als der kleinere Vampir seine Lippen auf die kühlen Seinigen drückte. Schauer jagten durch den toten Körper, die lange nicht existiert hatten. Ein Moment nur, welche so viele Augenblicke der einsamen Verzweiflung mit sich nahm, eine Sekunde in der Versprechen auf die Zukunft lagerten und das blutige Feuer in seinen Adern pulsieren ließ. Fast ängstlich erwiderte er zu Beginn den Kuss, als würde die Gestalt aus seinen Visionen im nächsten Moment erneut verschwinden. Die Wunden des Verlustes wirkten noch zu deutlich und seine gesamte Haltung sprach von verzweifelter Sehnsucht. Doch gewann er nach einem Lidschlag die Kontrolle über sich zurück und legte seinen rechten Arm, um Armands Hüfte, zwang ihn so noch näher an sich. Die Präsenz des Anderen spielte neckend mit seinem Geist, berauschte die Sinne. Kurz beendete er den Kontakt und blickte herausfordernd in die fiebrigen Augen Amadeos, strich mit dem Daumen über die weichen Züge.
„So schön.“, seine Stimme glich eher einem rauen Flüstern, als einer wirklichen Aussage. Marius biss sich auf die Zunge und Blut füllte seinen Mund, dann presste er die Lippen auf den Mund des Kleineren und forderte fast mit Gewalt Einlass. Die linke Hand vergrub er in den langen Locken und übte sachten Druck aus, sein Haar glich flüssiger Seide. Heute sollte er ihm gehören, nahe sein und jeden Zentimeter der eigenen Haut spüren. Der eisige Geschmack füllte sein Denken und schon spürte er die Zunge von Amadeo an der Seinen, wie sie nach Kontakt suchte, den er nur zu gern schenkte. Für andere Vampire wirkte es wie ein Zeichen der Begrüßung, doch bei ihnen sprach es nur für die ungezügelte Lust. Marius Finger glitten langsam zu den Handgelenken Armands, fesselten sie mit nur einem Griff und zwangen ihn die Arme über den eigenen Kopf zu heben. Dort hielt er den Jüngeren fest, presste ihm mit dem Gewicht und der Länge des eigenen Körpers gegen die Wand der Kabine und begann mit der freien Hand das sorgsam ausgesuchte Hemd zu öffnen. Knopf für Knopf sprang auf und der Blonde labte sich an dem Anblick der weißen Haut, dem vollendeten Spiel der Muskeln, unter ihr, nachdem er den Kuss beendet hatte und ein dünner Rinnsaal Blut sein Kinn hinab lief. Das Hemd landete unbedeutend und vergessen auf dem Boden. Marius liebte die Kontrolle und nach der stürmischen Begrüßung war er bereit seinem Ruf als Meister erneut die Ehre zu geben. Das dabei das Dämonische ebenfalls in die kalten Augen trat, blieb ihm selbst verborgen.
„Erinnert dich das an alte Zeiten, mein Schüler.“, sprach er ruhig, fast gelassen und hielt jedwede Emotion aus dem Klang seiner Stimme, selbst wenn sein gesamter Körper im Inneren bebte. Wie hatte er solch Berührungen vermisst und den Geschmack seines ehemaligen Lehrlings. Amadeo war wie ein Rausch, eine versengende Leidenschaft. Sein Griff lockerte sich nicht, als er mit dem scharfen Nagel über den Hals des Kleineren fuhr und dabei kleine Wunden riss, besonders der Kehle schenkte er besondere Zuneigung, die sich langsam hinab schlängelten. Kein Duft vermochte süßer zu sein, als dieser. Marius fuhr die dünnen Linien mit seiner Zunge nach und leckte neckend an der baren Haut, schmeckte dabei das Blut in seinem Mund und ließ es sich nicht nehmen in die Brustwarzen zu beißen. Nur so stark, dass es schmerzte, aber kein wirkliches Leid verursachte. Die spitzen Eckzähne wirkten dabei wahre Wunder und Marius widmete Beiden genügend Aufmerksamkeit. Anschließend ließ er seine Zunge, um sie gleiten, größer werdende Kreise ziehen und erneut weiter hinab wandern, während kleine Konturen von Blut den nackten Torso von Armand bedeckten.
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NC-17
Seine Lippen waren kühl, so wie sie es immer waren. Wie sie es schon seit hunderten von Jahren waren und ebenso in dem ersten Moment in dem Armand sie gespürt hatte. Und doch nicht leblos. Im Gegenteil. Sie waren voll der warmen Erinnerungen, voll von einem fernen Licht und einer Liebe, die Feuer überstanden und Zeit abgewartet hatte und die der jüngere Vampir nunmehr stärker spürte, als all die Jahre zuvor.
Fast als wische man Staub und Dreck von einem alten Gemälde nur um zu beobachten wie die Farben neu erstrahlen. Er musste nicht in den Geist Marius’ tasten um zu wissen, das sein Herr sich ihm nicht entziehen würde.
Schon schlang sich der Arm des Älteren um seine Hüfte und bereitwillig lehnte sich Amadeo weiter in diese erste zarte Liebkosung, die der Anfang eines alten Spieles war. Eines Spieles das, das letzte Mal im alten Venedig stattgefunden hatte und allein dieser Tatsache wegen, waren Beide begierig es wieder aufzunehmen. So wirkte die kurze Pause, die Marius einrief fast wie eine gradezu grausame Unterbrechung. Dies jedoch machten seine Worte, der bloße Klang seiner Stimme ungeschehen. Wie oft war er in seinem langen Leben schon schön genannt worden? Unzählige Male...So oft, von so vielen Mündern. Von anderen Kindern der Nacht, von lieb gewonnenen Freunden, von Sterblichen. Von Bekannten und völlig Fremden. Dieses Wort war ihm mittlerweile so geläufig, ja es war ihm fast schon über und somit schenkte er seinem Klang keine Beachtung mehr. Und doch war es anders wenn er es sprach.
Es war eine kurze Regung in den Muskeln seines Unterkiefers, bei denen Armand bereits die Arme um den Nacken des Römers schlang, um endlich nach dem zu verlangen was er begehrte. Der nächste Kuss enttäuschte ihn nicht. Der Geschmack des mächtigen Blutes raubte ihm die Sinne und bescherte doch neue ungeahnte Kraft. Hastig drängte er sich gegen den anderen Körper, seine Zunge weiter gegen die des Blonden um auch den letzten Tropfen aus der kleinen Wunde zu kosten, die bereits begann sich wieder zu schließen....Mehr, mehr, mehr...
Doch erneut eine Unterbrechung. Noch benommen von dem Rausch, war er zu langsam um zu reagieren, und so entwich dem Jüngeren lediglich ein wütender Laut der Entrüstung, als Marius Finger seine Hände im Klammergriff hielten. Und als würde dies nicht genügen um seine Ungeduld zu schüren, so nahm sich der Ältere auch noch Zeit jeden Knopf von Weste und Hemd einzeln zu öffnen, als wären sie die kostbarsten Kleidungsstücke der Welt. Seine langen Blicke, mit denen er jeden Zentimeter barer Haut begutachtete jedoch waren zuviel. Nur einen Versuch machte er sich den Händen seines Meisters zu entwinden, auch wenn er sich vorher schon gewiss war, das er scheitern würde. Erneut seine Stimme, und dieses Mal jagten die Worte Schauer durch seinen Körper. Schüler...
“Herr, hört auf mich so zu quälen!“ Die Worte waren nicht als Bitte gedacht und dies allein war bereits so unverschämt das er eigentlich hätte um Vergebung bitten müssen. Eigentlich...
Der ehemalige Söldner schwieg begnügte sich lediglich weiter mit einer bloßen Berührung und sachten Küssen, die zwar allesamt auf der Haut Amadeo’s brannten, seinem Gemüt jedoch keine Ruhe schenkten. Doch da es keine Chance gab zu entkommen, ergab er sich schließlich in diese süße Qual die andauerte bis ein feiner Schmerz sich seinen Hals und seine Brust hinab zog. Feine Schnitte gaben nun sein Blut preis, das mit den Jahrhunderten erstarkt war und heute ebenfalls zum mächtigsten zählte. Und doch besaß es keine andere Grundlage als den Mann, der nun mit dem Mund rasch die bereits heilenden Wunden bedeckte um die dunklen roten Tropfen in sich aufzunehmen. Grausam und köstlich zugleich...
Ein heiseres Stöhnen entwich der Kehle des jungenhaften Vampirs, während er sich seinem Meister entgegen hob. Noch immer schürte seine Ungeduld die Lust, und einen kurzen Moment schließlich konnte er spüren, wie sich der Griff um seine Handgelenke lockerte. Nur ein wenig, doch es war genug. Rasch hatte er sich seiner passiven Lage entzogen. Schüler oder nicht, länger warten war ihm nicht möglich. Schon presste er, nach all den Jahren noch immer ungestüm wie der sterbliche Junge der er einst gewesen war, seine Lippen auf die des Blonden und drängte ihn zurück an die entgegen gesetzte Wand der kleinen Kabine. Die sorgsam geknotete Krawatte, war wohl das lästigste Hindernis, denn das feine Hemd an sich gab so leicht nach, das Armand sich nicht die Mühe machte die Knöpfe zu öffnen. In einer einzigen Bewegung riss er es von den Schultern seines Lehrers, und bohrte darauf seine Zähne bereits in die blasse und glatte Haut des nun freien Halses. Unglaublich was für ein aufmüpfiger und unverfrorener Zögling er war! Diese Tat würde die eingeschlagene Tür des Palazzos wohl um Längen übersteigen. Doch erinnerte er sich dieser Dinge, unter dem süßen und vollkommenen Duft und Geschmack des Blutes nur düster. Die Hände Marius’ umfassten bereits erneut seine Schultern, und somit ließ er ab, schwindelig und benommen von dieser feinsten und großartigsten Droge. Wie selbstsüchtig war er nur? Schluss damit...
Sanft hauchte er Kuss um Kuss auf die baren Schultern, auf das Schlüsselbein das sich im fernen Licht der Straßen, wie ein Schatten über den anderen Muskeln abzeichnete, bis er zu den Brustwarzen gelangte und dort die empfindliche Haut mit der Zunge umkreiste. Bei jeder von ihnen verweilte er für ein paar Minuten, gewillt seinem Herren ebenfalls einen Teil der süßen Qual zu bescheren die er hatte ausreichend genießen dürfen. Die Finger Marius’ gruben sich tief in seinen Haarschopf und für ein paar Augenblicke länger, ließ er ihm die Freude an den dunklen rot-braunen Locken. Schließlich jedoch richtete sich der Russe wieder auf und umfasste mit beiden Händen das Gesicht des anderen Vampirs, als wolle er um Verzeihung bitten, für jenes plötzliche Aufbegehren das ihn zuvor ereilt hatte. Doch in den kühlen blauen Augen fand er nichts anderes als Liebe, so tief und gut und pur wie sie immer dort zu finden war, wenn er nach ihr suchte. Dort hielt er inne, badete in diesem Anblick bis er den Kopf des Blonden schließlich zu seiner Kehle führte.
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Mit einen halben Lächeln betrachtet Lestat sich selbstzufrieden im Spiegel, warf sich einen Kussmund zu und drehte elegant eine Pirouette wobei der lange Stoffmantel sich seinen Bewegungen auf eine geradezu magische Weise anpasste. Er konnte schon verstehen, warum die Frauen(und Männer) ihn manchmal jene begehrlichen Blicke zuwarfen, denn zum einen stand ihm der französische Adel geradezu uns Gesicht geschrieben und zum anderen, nun ja – das Lächeln breitete sich noch weiter in den Zügen des Unsterblichen aus.
Abermals musterte er sich selbst skeptisch und kam wiederum zu den Schluss, dass die Entscheidung sich als ‚Gruftie’ zu verkleiden doch die Richtige gewesen sei (nicht nur das er die Klischees die dieser Bevölkerungsgruppe anhafteten in mehr als einer Sache erfüllte) – nur etwas fehlte noch um der ganzen Sache das letzte kleine Eckchen Perfektion zu geben. So verpasste er der Tür der Umkleidekabine entschlossen einen Tritt und schritt eilig in die Kosmetikabteilung des Kaufhauses, wobei er seine schwarze Hose, das Hemd mit Stehkragen, den Mantel und den Untercut in jeden Spiegel bewunderte. Schnell verabreichte er sich mit geübten Bewegungen das passende MakeUp, wobei er glücklicherweise die blasse Grundierung weglassen konnte und nur eine schwarze Augenumrahmung vornehmen musste kombiniert mit schwarzen Lippenstift – auch seine nur allzu blauen Augen die bei Lichteinfall Lila schimmerten würden bei diesen Outfit als Verkleidung durchgehen.
So ausgestattet beäugte er die Pappaufsteller mit den kosmetischen Produkten, die heutzutage von den Massen geliebt und angebetet wurden, wie es früher kaum der Fall gewesen war – fast schien es als versuchten die Menschen ihr wahres Angesicht zu verbergen. So als wären die wahren Götter dieses Zeitalters SchönheitsOPs und Anti-Falten-Cremes – irgendwie lud diese Tatsache geradezu ein diesen Glauben ein wenig zu erschüttern. Mit einigen Bewegungen die ihn nur durch seine übermenschlichen Sinne und Fähigkeiten ermöglicht wurden, tauschte er in die Verpackungen der Nacht- und Tagescremes einige der vielversprechendsten Nagelpflegeprodukte, fügte den ganzen noch einen Klacks Nagellack hinzu und stellte die entsprechenden Sachen wieder an ihre ursprüngliche Stelle. Einige Leute würden eine Überraschung erleben, wenn sie den ersten neugierigen und erwartungsvollen Blick in den Spiegel warfen, eigentlich schade das er dann nicht zusehen konnte.
So schlenderte der hochgewachsene Unsterbliche zurück zu den Umkleidekabinen, wobei er einen extra eckigen Gang wählte, der geradezu erschreckend passend zu seiner ‚ich-bin-ja-so-Emo-Kleidung’ passte – je länger er diese Sachen trug umso besser verstand er die Vorurteile gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe die es liebte sich von allen abzugrenzen. Doch dieser Gedankengang wurde abgebrochen von dem was in einer der kleinen Holzkabinen anscheinend vor sich ging – schon stand ein kleines anzügliches Grinsen in seine Züge gepinselt. Mit einen lautlosen Sprung hechtete er auf die Tür und ließ sich im Schneidersitz darauf nieder, wobei er anschließend schelmisch mit einen unterdrückten Kichern zu Armand und Marius sagte „Na wenn das so ist, darf ich auch mitmachen ihr beiden Hübschen?“
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