Janus

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    Re: Janus

    harlekin - 04.03.2007, 00:14

    Janus
    ...oder: Ein Toter auf der Suche nach sich selbst

    Eine Geschichte, die ich nun schon vor längerer Zeit angefangen habe. Ich hoffe, dass ich in Zukunft öfter zum Weiterschreiben komme...



    Als Janus eines Morgens aufwachte, fiel ihm als erstes auf, wie nass das Bett war.
    Da sich die Nässe jedoch hauptsächlich auf das Kopfende konzentrierte, konnte er die naheliegendste Erklärung auch gleich wieder verwerfen und sich auf die Suche nach einer Neuen machen. Diese fand er dann schließlich in dem langen Schnitt an seinem Hals, was sowohl die Farbe als auch Konsistenz und Geruch der Flüssigkeit erklärte.
    Entgegen aller Vermutungen befasste sich sein erster Gedanke jedoch nicht mit seinem Zustand oder eventuellen Verursachern, sondern mit seinem neusten Bild:
    Seiner Vorstellung, wie das Tal, in dem sich heute die Universität befand, in den Anfängen der Besiedlung aussah; und es wäre äußerst Schade gewesen um die Arbeit mehrerer Tage und die vielen verschiedenen Grüntöne, die er anhand der wenigen Satellitenfotos aus der alten Zeit rekonstruiert hatte. Das Bild zeigte einen tiefen Krater mit ebenem, grasbewachsenem Boden und Bäumen an den Hängen, mit ein paar wenigen Hütten am Grund und den Resten der ersten Landekapseln der ersten Siedler - ein Bild aus einer Zeit, die wohl auch schon über 1000 Jahre zurücklag.
    Heute lag in jenem Tal die Universität von Godwin's Lair, der eigentlich einzigen Siedlung des Planeten. Dafür war sie Handelsstadt und eine der größten und angesehensten Universitäten des besiedelten Raumes. Die Zwei Drittel des Planeten, die Godwins Lair nicht einnahm, bestanden aus kleinen Siedlungen, bewohnt meist von Künstlern, Erfindern oder Verrückten, wobei die Grenzen durchaus fließend waren.
    Die Siedlungen, die nicht den Denkern gehörten, gehörten den Farmern, denen die weitgehende Autarkie des Planeten zu verdanken war. Es war zwar weder besonders gut noch viel, aber es war Essen, und zwar genug für alle.
    Vereinzelt stachen aus den Feldern noch die großen Orbitalgeschütze aus dem zweiten Krieg heraus. Sie schwiegen zwar nun seit über 200 Jahren, aber da die Wartung anscheinend billiger war als der Abriss, ließ man sie an Ort und Stelle.
    "Warum warten, wenn sie nicht gebraucht werden?", war eine vielgestellte Frage von Besuchern und Neuankömmlingen. Die Antwort war typisch bürokratisch:
    "Sie waren teuer und es wäre unwirtschaftlich, sie verfallen zu lassen."
    Die Sinnfreiheit dieser Aussage ist noch keinem Zuständigen aufgefallen, und da das Militär von anderer Stelle bezahlt wurde, sah niemand je einen Grund, darauf hinzuweisen.

    Doch zurück zu Janus selbst:
    Nachdem er sich vergewissert hatte, dass weder seine Bilder noch seine kostbare Büchersammlung (ihr Wert war mehr ideell als materiell) etwas abbekommen hatten, trottete er aus purer Gewohnheit ins Bad und warf einen Blick in den Spiegel. Er würde etwas gegen diesen unschönen Striemen am Hals unternehmen müssen.
    Während er unter die Dusche trat, suchte sein Gehirn verzweifelt nach Erklärungen. Besser gesagt danach, wie es die Erklärungen, die es ohnehin bekam, unter einen Hut bekommen sollte.
    Unter der Dusche weigerten sich seine Lebensgeister weiterhin hartnäckig zu erwachen. Die einzigen Dinge, die ihm wirklich auffielen, waren dieser Hautlappen am Hals und die Rotfärbung des Wassers. Wegen dieses Hautstücks würde er irgendwas tun müssen.
    Als er die Dusche wieder verlassen hatte, zog er sich wie gewohnt an, und der Kragen seines Hemds fixierte seinen Hals zumindest einigermaßen. Anschließend ging er zurück in den Wohnraum, und einige Dinge wurden ihm ziemlich schlagartig klar:
    Das Blut auf dem Bett war sein.
    Es kam aus dem Schnitt an seinem Hals.
    "Wieso kann ich noch stehen?"
    Während er über das, was passiert war, nachdachte, entwickelte sich in ihm etwas, das man wohl als das genaue Gegenteil von Panik bezeichnen könnte und typisch für ihn war, sobald er in Extremsituationen geriet. Obwohl im nicht schwindelig war, setzte er sich erstmal hin. Die Reaktion erschien ihm einfach.. richtig. Zumal er ja anscheinend die letzte Nacht mit Sterben verbracht hatte, ohne es zu merken. Irgendwas musste er tun. Immerhin war er tot, aber nicht gestorben. Oder so ähnlich. Und hatte nicht die geringste Idee, was er jetzt damit anfangen sollte. Zuerst einmal zum Arzt seines Wohnhauses.
    An dieser Stelle muss gesagt werden, dass Godwin's Lair, von der Seite betrachtet, annähernd ein Dreieck bildet. Bei einem Querschnitt fällt auf, dass dies Dreieck in der Mitte, wo sich der einstige Krater mit der ersten Siedlung befand, ein Loch hat. Im Krater lag heute die Universität, die von den umliegenden Hochhäusern umringt wurde. Die meisten der Hochhäuser enthielten Wohnungen, und der Einfachheit halber besaß jedes Gebäude eine gewisse Grundausstattung. Und zu dieser gehörten unter anderem auch medizinische Einrichtungen.
    Janus warf einen Blick auf die Uhr. Wenn er jetzt losging, würde er einer der Ersten sein, mit etwas Glück sogar wirklich der Erste. Allein die Tatsache, dass er tot war, bedeutete keineswegs ein Ende für seinen Hass auf Wartezeiten bei Ärzten. Sie hatte ja nicht einmal ein Ende für sein Leben bedeutet. Bei diesem Gedanken angelangt, kam er ins Zögern. Sein Leben war doch… oder nicht..?
    Er angelte die Schlüsselkarte seiner Wohnung vom Tisch und machte sich auf den Weg. Nachdem er die Tür hinter sich zugezogen hatte, spielte er kurz mit dem Gedanken, den Aufzug zu nutzen. Da um diese Zeit jedoch fast jeder Bewohner den Weg zur Universität antrat, verwarf er ihn schnell und nahm die Treppe. Drei Treppen später stand er vor der Tür des für ihn zuständigen Allgemeinmediziners und drückte die Klingel. Das Summen des Schlosses war das Zeichen für ihn, einzutreten.
    „Guten Morgen, Mister… Lloyd, oder? Was führt Sie um diese Zeit hierher?“
    „Was? Äh. Ja. Guten Morgen. Lloyd, ja. Ja. Stimmt. Ja. Ich glaube, ich bin Tod.“
    Diese Aussage brachte ihm einen äußerst irritierten Blick der Assistentin von Doktor Newger ein. Die gnadenlose Introvertiertheit von Janus war weithin bekannt, aber Wahnvorstellungen?
    „Ich denke, sie können direkt reingehen. Doktor Newger wird jeden Moment da sein.“
    „Ja. Ja. Danke. Ja.“
    Janus ging direkt (und verunsichert) in Richtung des Sprechzimmers und nahm dort Platz. Und tatsächlich erschien nach kurzer Zeit die in einen weißen Kittel gehüllte, drahtige Gestalt des Doktors, mitsamt der sich stetig ausbreitenden Halbglatze und dem fast schon archaisch wirkenden Okularimplantat.
    „Nun, Mister Lloyd. Gemäß meiner Assistentin glauben Sie also, tot zu sein? Eine Überweisung zum Psychiater kann ich Ihnen hier und jetzt ausstellen.“
    „Das wird nicht nötig sein… glaube ich…“
    Mit diesen Worten öffnete Janus die oberen Knöpfe seines Hemdes und legte den Schnitt frei, der seinen Hals zierte. Das verbliebene Auge des Arztes weitete sich bei diesem Anblick.
    „Nun. DAS ändert die Angelegenheit grundlegend.“
    „Was… was meinen Sie damit..?“
    Newger schaltete sein Okular ein, welches sich surrend auf Janus scharf stellte.
    „Temperatur… knapp über Zimmertemperatur. Blutdruck… null. Atmung… nicht vorhanden. Doch, Sie sind tot. Mein Beileid. Kommt so etwas öfter vor in Ihrer Familie?“
    Janus wollte diese Frage bereits verneinen, als ihm einfiel, dass so etwas tatsächlich schon mindestens einmal vorkam:
    „Mein Onkel… Wally, an den Nachnamen erinnere ich mich nicht mehr. Er war kurz vor meinem sechsten Geburtstag verstorben, hatte uns aber trotzdem besucht. Meine Mutter hatte einen wahnsinnigen Aufstand deshalb veranstaltet, deshalb erinnere ich mich auch noch daran…“
    In der Zwischenzeit hatte Doktor Newger einen Totenschein aus dem Schreibtisch gezogen und damit begonnen, ihn auszufüllen.
    „Haben Sie eigentlich die Polizei kontaktiert? Ich gehe einfach davon aus, dass das hier kein Selbstmord war.“
    „Nein… Das sollte ich… Vielleicht noch tun...“
    „Sobald dieser Schein hier rausgeht wird das sowieso passieren. Ich habe einen entsprechenden Vermerk hinzugefügt. Auch Ihre Eltern werden dann benachrichtigt. Ich nehme an, Sie wollen ihr Studium weiterführen?“
    „Ja… Ja, natürlich…“
    „Gut. Dann wird auch der Dekan über ihren Zustand informiert werden. Und jetzt setzen sie sich bitte auf die Liege, dann werde ich die Wunde kleben.“



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