Leidenslinderung - palliative Geriatrie

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    Re: Leidenslinderung - palliative Geriatrie

    SAM - 01.03.2007, 21:31

    Leidenslinderung - palliative Geriatrie
    Die Palliative Geriatrie befindet sich noch am Anfang in der
    Geriatrischen Landschaft. Sicher gibt es schon vorbildliche
    palliativ geführte Heime, aber sie befinden sich zurzeit in
    der Minderheit. Immer noch ist das Sterben im Pflegeheim ein
    Stiefkind der Palliativbetreuung. Weit über die Hälfte aller
    in Pflegeheimen lebenden alten Menschen haben Schmerzen. Bei
    starken Schmerzen erhalten sie oft nur einfache Schmerzmittel,
    leichtere Schmerzen werden sogar oftmals ignoriert. Der
    Einsatz von Opiaten wird oft abgelehnt mit der Bemerkung „Da
    kann er sich dran gewöhnen“ oder „Der Patient sei ja noch
    nicht im Sterbeprozeß“. Demenzkranke werden bei Schmerzen mit
    Schmerzmittel unterversorgt. Ärzte haben kaum Erfahrungen mit
    Demenzpatienten und verordnen bei Problemen oftmals nur
    sedierende Medikamente.

    Für alle in der Altenpflege Tätigen z.B. Ärzte,
    Pflegepersonal, Aufsichtsorgane wie z.B. der MDK
    (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) und die Heimaufsicht
    brauchen eine Haltungsänderung gegenüber der
    Palliativversorgung. Ärzte werden dazu ausgebildet, mit allen
    Mitteln gegen Krankheiten und Tod bis zuletzt zukämpfen. Wir
    Pflegekräfte stehen unter dem Druck der Kriterien der
    Pflegequalität. Die aktivierende, rehabilitierende Pflege wird
    bei uns als „Gute Pflege“ angesehen. Im normalen Pflegealltag
    werden das Wundliegen (Dekubitus), Untergewicht
    (Mangelernährung) Austrocknung häufig als Pflegefehler
    beanstandet. Wenn man nicht weiß, das sterbende Menschen oft
    kaum noch Appetit und Durstgefühl haben und auch die
    eigentliche vorgeschriebene zweistündige Lagerung, zur
    Verhinderung des Wundliegens, vielleicht eher als belastend
    empfunden wird, kann man sich leicht vorstellen, daß
    palliative Pflege Sterbender bei Unkenntnis leicht als
    „Vernachlässigung“ im Sinn eines Qualitätsmangels beanstandet
    werden könnte.

    Es ist deshalb dringend erforderlich, daß Qualitätskriterien
    für die palliative Pflege von den Aufsichtsorganen neu
    überprüft werden. Ebenso dringend erforderlich ist die
    Weiterbildung der Ärzte in der Palliativmedizin und Palliativ
    Care bei Altenpflegekräften.

    Der alte Mensch braucht ein Gesundheitswesen, das grundlegende
    Gedanken der Palliativmedizin vertritt.

    Es darf nicht weiter „Glückssache“ bleiben, ob man im letzten
    Lebensabschnitt in einem Altenpflegeheim eine palliative
    Betreuung erhält oder nicht.



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