kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

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    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Robin - 28.02.2007, 15:32

    kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!
    Ich wage es. Ich provoziere ein bischen - eventuell:

    In einem Konzert, Muenchen, grosser Konzertsaal,beruhmtes Orchester Superchor, im Progammheft kuenstlerischer Lebenslauf der eingesprungenen Sopranistin:
    1995 Beginn des Gesangstudiums an der Hochschule XY, 1997 Debut als Susanna in Mozarts Hochzeit des Figaro am Opernhaus XY (keine Provinzbuehne uebrigens) ....???? :grübel :grübel :grübel

    Da kamen nicht nur mir Zweifel. Gerade mal 2 Jahren des Studiums bis zur fertigen buehnenreifen Susanna ? Haeh?
    Gelogen ? Vermutlich nicht, aber geschoent sehr wohl. Oder besser gesagt gekonnt (?) weggelassen. Sie erwaehnt nicht, wo sie vorher studiert hat, sondern sugeriert in kuerzester Zeit geschafft zu haben , woran andere ihr Leben lang arbeiten.
    Das war nur ein Auszug aus ihrer Vita, die dementsprechen mcih veranlasste, auch anderes daraus in Frage zu stellen, denn wer derart mogelt wird es an anderer Stelle auch tun.

    In einem anderen Beitrag stellt ja indirekt Herr P. dieses Thema in den Raum. Ein Thema, das wohl jeden hier spaetestens beschaeftigt hat, als sie/er ihren/seinen Lebenslauf angeben sollte:
    Was schreibt man da nur rein? Wie vormuliert man was? Was laesst man weg? Ist das nicht uebertrieben oder Understatement?

    Irgendwann haben wir uns alle auch mal ueber den musik. Lebenslauf anderer so unsere Gedanken gemacht:
    Boohahh, muss die / der singen koennen und was drauf haben!
    Irgendwann kommt die Gelegenheit, sie oder ihn zu hoeren und dann die grosse Enttaeuschung. Das Koennen und die Angaben stimmen so gar nicht miteinander ueberein.
    Diese Erfahrung mussste ich zu Beginn meines Studiums machen: Aehnliche Situation, wie zu Anfang beschrieben, nur der Sopran war eine meiner Profs (gigantische Vita). Die ganze Klasse sass mit stolzgeschwellter Brust im Konzertsaal mit der Haltung: Jetzt zeigt Euch "unsere" Lehrerin mal, was singen wirklich ist.
    Sie stand da vorn und schrie sich einen ab (sory - aber es war so) lief rot an und hatte einen dicken Hals beim Singen... Nicht nur ich versank ganz langsam in meinem Stuehlchen. :oops:

    Diese Erfahrung war ernuechternd.

    Sind diese Uebrtreibungen in der Vita wirklich noetig? Ein guter Agent hoert sich allein deshalb die Saenger selbst an und pfeift auf die Vita.

    Das Publikum freilich nicht:
    Ich - in Zuerich fuer ein Konzert engagiert. Kaum angekommen stelle ich fest, dass auf den Plakaten neben meinem Namen in Klammer ein ganzes Opernhaus steht, ein A-Haus !!! (zB.: Gretchen Mueller, Opernnhaus Hamburg) an dem ich nie gesungen oder engagiert war !!!
    Ich bin ausgerastet (kann ich bei Bedarf ziehmlich gut) und habe den Dirigenten zur Rede gestellt, denn soetwas haette mich in Teufelskueche bringen koennen. Sein Kommentar: "Sie singen so toll, aber es kennt Sie hier keiner und wir muessen den Leuten etwas bieten."
    Uebrigens: Er hat auch die anderen Solisten ohne deren Wissen und Willen mit fremden Federn bestueckt

    Bei Vorsingen habe ich anfangs absichtlich immer Understatement betrieben, weil ich, bis heute, der Meinung bin, dass ich Angeberei nicht noetig habe und mein Publikum nicht "vera..... " muss. Ich kann singen und habe eine gute und schoene Stimme, dem einen gefaellt sie, dem anderen nicht. Ueber Technik kann man nicht streiten.

    Ich wurde allerdings in mancher Hinsicht eines besseren belehrt: Das Publikum will glauben gemacht werden, dass sie jemanden beruehmten hoeren ( zur eigenen Aufwertung).
    Meine Agentur machte mir ganz klar. ich muss allein mich ca. 5 Jahre juenger machen.....!!!!????
    Ich wollte das nicht, bis man mir erklaerte, dass es ueblich ist und daher die Agenten und Haeuser beim Vorsingen von sich aus 5 Jahre bei der Altersangabe dazuzaehlen. Wenn ich es nicht mache, bin ich automatisch 5 Jahre zu alt.... :n8:

    Nun habe ich einfach meine Gedanken auf Euch losgelassen und fordere Euch nun auf, Eure Gedanken hierzu freien Lauf zu goennen - sodenn es Euch beschaeftigt.

    Ich bin gespannt

    Robin



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 28.02.2007, 16:18


    Liebe Robin,

    das Thema ist immer wieder aktuell, nicht nur hier :pfeif:

    Klar laesst man gewisse Dinge weg, und man kann sich darueber streiten, ob das im Einzelfall nicht genauso schlimm ist, wie was dazudichten.

    Ich persoenlich fand aber immer schon Understatement besser als Uebertreibungen - vielleicht ist das aber auch ein Fehler?

    Ich muss momentan feststellen, dass man ohne Abschluss oft nichts wert ist - egal, wie gut oder schlecht man ist. Ich habe letztens zu der Situation hier in GB schon was geschrieben. Hier gibt es Bachelors, Licentiates und Fellows, die kriegen keinen geraden Ton raus (gibt's in D natuerlich auch, aber in dieser Haeufung ist mir das noch nicht untergekommen). Gut, an grossen Buehen werden die nicht landen, aber seine Kinder schickt man immer noch lieber zu denen zum Unterricht :roll:

    Die Frage ist ja aber: Wie will man es anders machen? Wie will man eine kuenstlerische Vita aufbauen, die weder zu bescheiden noch zu groessenwahnsinnig klingt?
    Wenn ich meine Konzerte und Ausbildungsschritte aufschreibe, wie kann ich verhindern, dass nach Jahren oder sogar Jahrzehnten saengerischer Erfahrung Erwartungen hoeher ausfallen, als ich es dann "beliefern" kann?

    Das ist ein schmaler Grat, und man muss den richtigen Mix zwischen Marketingstrategie und "bloss nicht uebertreiben" finden, und das ist nicht einfach.



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Octaviane - 28.02.2007, 16:35


    Ich finde, elegantes Understatement auch besser als Übertreibungen, denn wenn man die Erwartungen dann nicht erfüllen kann, wird es umso peinlicher. Außerdem bin ich eh im Grunde ein ehrlicher Mensch, da fällt es mir manchmal schon schwer, Dinge einfach nur zu beschönigen.

    Andererseits soll man sich ja auch nicht unter Wert verkaufen...

    Ich habe zwar nicht so eine krasse Erfahrung wie Robin mit dem Plakat gemacht, musste den Menschen, der meinen Liederabend organisiert hat, aber auch bremsen und hätte rückblickend die Programmankündigung doch lieber nochmal vorher gesehen. Obgleich sie sich glücklicherweise noch im Rahmen hielt.

    LG

    Octaviane



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    dola - 28.02.2007, 17:33


    Für mich ist es schon aus Selbstschutz ein Unding, die Vita künstlich und vor allem mit unwahren Dingen aufzubauschen. Auch eine Manipulation am Alter ist m. E. unzulässig und zeugt zudem von wenig Selbstbewustsein.

    Warum sollen in der künstlerischen Vita Lügereien weiterbringen, die bei Bewerbungen anderer Art mit Sicherheit auffliegen und wahrscheinlich lange Zeit jeglichen Weg zu einem Wunschjob verbauen würden?

    Ich bin überzeugt, dass erfahrene Agenten so einen Käse wie Sich - Jünger - Machen, angebliche Engagements in irgendwelchen Häusern und dergleichen Unsinn durchschauen. Wie peinlich!!!

    Inzwischen habe ich mit viel Seufzen einen musikalischen Lebenslauf verfasst, jedoch weiß ich, dass sich der mit richtigen HochschulabsolventInnen und Profis keineswegs messen kann. Allerdings ist alles (soweit noch aufzufinden) mit Dokumenten nachweisbar. Die braucht man für andere Bewerbungen ja auch.

    Zum Thema empfehle ich das Buch "Beruf Opernsänger - ein Ratgeber" von Marita Knobel und Brigitte Steinert, Bärenreiter - Verlag.


    Grüße,

    dola



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 28.02.2007, 18:08


    Erstmal: Dola - coole Signatur :sauf:


    Hallo, Robin!
    Schön, dass Du das Thema hier mal aufbringst. (Wie kamst Du nur darauf?!? :grübel )

    Also, ich gehöre wohl auch eher zu der Fraktion, die lieber vorsichtig wahrheitsgemäße Angaben macht, als etwas hinzuzudichten. Ich muss mir dauernd anhören, ich solle meine Vita doch mal ein wenig aufbauschen - die anderen hätten so Interessantes geschrieben. :n8:

    Tja.

    Was nun.

    Bin halt nicht durch MHS o.ä. in einen regen musikalischen Betrieb gerutscht und habe in der Tat noch nicht so viele namhafte Persönlichkeiten auf meinem Entwicklungsweg bemüht. :roll:
    Wegen des anderen (Zwangs-)Studiums war zwischendrin sogar mal ziemlich Flaute mit Auftritten, wo andere "Punkte" gesammelt haben.

    Ich kenne in meinem Umfeld auch jede Menge Leute, die sich ihre Kritiken nach einem Konzert selber schreiben oder von Bekannten schreiben lassen. :ruhe: - Das klingt dann immer phantastisch, aber will man das wirklich? Ich nicht. Und darum werde ich zwar öfter mal wohlwollend oder lobend erwähnt, fülle aber keine Seiten aus.
    Zeitungsartikel einer Bewerbung beizulegen ist also auch nur relativ. - Wobei dem einen oder anderen Agenten sicherlich durch den Kopf schießen könnte, dass der Bewerber ja immerhin mit Volldampf die Werbetrommel für sich zu rühren weiß... - Das könnte auch was Wert sein!?
    Das mit dem 5-Jahre-jünger-machen warte ich lieber mal ab; ich mach mich ja derzeit dran, aber 5 Jahre jünger irgendwo aufzulaufen.. - das macht mit 25 glaube ich wenig Sinn. Glaubt eh keiner. Außerdem ist das ja nun wirklcih ein Sachverhalt, den jedermann recht einfach nachprüfen kann. - Und dann wird's peinlich! :schlaumeier:

    Also, aufgrund meines (altersbedingt) relativ kleinen Erfarhungsschatzes, reizt es mich natürlich schon, alles Mögliche in meine Vita zu quetschen, aber selbst da bin ich geneigt, mir das eine oder andere Konzert zu verkneifen. Denn (vielleicht muss man da einfach abgebrühter sein?!) wenn ich selber weiß, dass das bloß "ne kleine private Mucke in der Stadt XY" war, oder ich die Veranstaltung selbst hundsmiserabel fand, dann habe ich viel zu viel Skrupel, das mit anzuführen.

    Ganz abgesehen davon habe ich mir von einer lieben, erfahrenen Freundin sagen lassen, man solle nach Möglichkeit alles auf eine DIN A 4-Seite bekommen. -
    Also:
    Rosinen rauspicken,
    nicht lügen und
    zumindest Beginn und derzeitigen Stand der Ausbildungsverhältnisse erkennen lassen.
    Oder?



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    najade - 28.02.2007, 18:47


    Ja das mit dem Lebenslauf, das ist schon so eine Sache! Ich selbst kann leider nicht gerade viel reinschreiben, wenn ich mal vergleiche mit anderen, ist es denkbar wenig. :n17:
    Da haben einige schon zig Partien gesungen, 10 Meisterkurse bei irgendwelchen renomierten Sängern gemacht und min. 3 Wettbewerbe gewonnen. Wenn ich mir das so durchlese, werd ich immer ganz klein und rechne mir genau null Chancen aus.
    Als ich letzten Sommer bei einem Wettbewerb vorgesungen habe, hat einer aus der Jury zu mir gesagt, ich hätte eine schöne Stimme und eine gute Technik, aber es wirke als käme ich frisch von der Hochschule, ich solle erst noch mehr Erfahrung machen. Aber dann soll mir doch auch mal jemand die Chance geben Erfahrungen machen zu können! :n116: :roll: Ok ich geb zu ich hab jetzt auch noch nicht soo oft vorgesungen. Wenn man nicht von der und der Hochschule kommt und einige Wettbewerbe gewonnen hat, dann wird man von vornherein anderes betrachtet hab ich das Gefühl. Aber ich bin auch kein Mensch der gerne lügt, und mich jünger machen, wäre zwar möglich, weil ich auch oft jünger geschätzt werde, aber da käm ich mir total blöd bei vor, ich steh zu meinem Alter und will diesen Jugendwahn nicht noch unterstützen. :schlaumeier:

    Naja, ich versuch einfach weiter optimistisch zu bleiben und nicht die Hoffnung aufzugeben und so viel wie möglich vorsingen zu gehen, so kann man ja auch Erfahrungen sammeln.
    Liebe Grüße
    Najade



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    leonora - 28.02.2007, 19:20


    Hallo,
    ein sehr interessantes Thema. Auch ich bin der Meinung, man darf und soll in der Vita von Dingen sprechen, die der Wahrheit entsprechen, aber um Gottes Willen keine Unwahrheiten oder Halbwahrheiten auftischen. :n139:

    Zwei Dinge haben mich in Sänger-Viten schon des Öfteren irritiert:

    1. Ich lese: .... Aufführungen der Oper A in B, der Oper C in D, usw. und nehme automatisch an, der Sänger oder die Sängerin habe in diesen Opernproduktionen eine der Hauptrollen gesungen. Falsch!!! :n95: Bei näherer Recherche auf anderem Wege stellt sich heraus, es war bestenfalls eine Nebenrolle. Gut, kann man sagen, selbst schuld, wenn man solche Annahmen impliziert, aber war es nicht Taktik?!

    2. Ein Gesangslehrer äußerte sich einmal enttäuscht über die Vita eines Schülers, der es weit gebracht hat. Er hatte den Sänger als jungen Mann entdeckt, gefördert und jahrelang ausgebildet. In der Vita wird er aber mit keiner Silbe erwähnt. Dafür wird von Unterricht bei dem bekannten Herrn Soundso gesprochen, bei dem der Sänger aber nur wenige Stunden absolviet hat und nun diesen Namen zur besseren Werbung nutzt. :schlaumeier:

    Ich finde, in beiden Fällen wird nicht die Unwahrheit gesprochen und trotzdem wird der leichtgläubige Leser oder Hörer etwas an der Nase herumgeführt.

    Liebe Grüße
    Leonora



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Rolando - 28.02.2007, 20:00


    Hallo ihr lieben,

    auch ich habe schon oft Bewerbungen geschrieben und vor allem auch gelesen. Es ist immer eine sehr heikle Sache mit den Lebens- und Erfahrunsstationen.
    Meiner Erfahrung nach ist es immer oberste Pflicht bei der Wahrheit zu bleiben; denn alle Angaben m ü s s e n, unter Umständen, einer Prüfung standhalten,z.B. bei Vorsingen. Tun sie es nicht, kann man ganz gepflegt auf die Nase fallen und der weitere Weg hat sich erledigt.


    :hearts: Rolando



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 01.03.2007, 00:41


    Wer sich um eine normale Arbeitsstelle bewirbt, der muss sicher bei der Wahrheit bleiben. Wenn da die Unwahrheit verbreitet wird, besteht schon die Gefahr, dass man rascher draussen ist, als reingekommen.

    Bei Lebensläufen mit Werbecharakter ist der total genaue Lebenslauf nicht ganz so wichtig. Jeder weiss doch, dass z. B. auf den Seiten von Künstlern aller Arten gern ebbes gemogelt wird. Diese Seiten haben doch einen hohen Werbefaktor und sollen die Zielgruppen interessieren. Wer aber zu sehr übertreibt wird bald durch seine Klientel abgestraft. Kunstwerke werden dann nicht mehr gekauft, CD's etc. werden Ladenhüter, Sänger, Schauspieler etc. haben kein Publikum mehr. Des rechte Mass isch halt Sache vom Fingerspitzegefühl.

    Gruß
    Escamillo



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    LaCastafiore - 01.03.2007, 16:15


    Liebe Robin,

    eine sehr interessante Frage hast Du da in den Raum gestellt.

    Als ich im Herbst in einem Cafe Lyrique mein Soloprogramm singen wollte/sollte, wurde ich von der Chefin dort "verdonnert", mich auf ihrer Seite mit Vita etc. einzuschreiben, in der categorie "artiste lyrique". Mir hat das grosse Probleme bereitet, der Gedanke, vielleicht von meinem Lehrer oder meiner ehemaligen Lehrerin dort "entdeckt" zu werden und für vollkommen überkandidelt gehalten zu werden - und ich habe dann einen Teil meines teuren Unterrichtes geopfert, um das Thema mit meinem Lehrer zu besprechen. Das Problem an der Sache ist ja, dass man die Erwartungshaltung des Adressaten nicht beeinflussen kann, wie auch Leonore schon schrieb. Wenn ich irgendwo das Etikett "artiste lyrique" sehe, dann erwarte ich einen Opernsänger, jemanden, der regelmässig irgendwo an einer Bühne auftritt und dafür bezahlt wird.
    Mein Lehrer riet mir, einfach in der Vita klarzustellen, dass ich nicht professionell singe. Zuvor suchte ich aber noch das Gespräch mit der Dame und erklärte ihr meine Sorge, unter falscher Flagge zu segeln. Für sie war das aber ganz einfach: ich sänge ja schliesslich nicht modern, damit sei ich ein artiste lyrique - punkt aus schluss.

    Ich habe irgendwo gelesen, wer Sänger sein wolle, müsse entsprechend sein Image aufbauen, mit Website, Abendkleid etc. und auch dementsprechend immer auftreten. Ich habe aber keine Lust, den lieben langen Tag auf hochhackigen Schuhen zu stolzieren, ich liebe im Alltag meine Nikes und meine Jeans, selbst wenn es unvorteilhaft sein mag - und ich liebe es mich zu verkleiden und ab und zu die Diva zu spielen. Alles andere wäre mir zu anstrengend.

    Ich bin da auch in einer glücklichen Situation. Ich kann im Rahmen unserer Musikschule die Programme machen und anbieten, die mir am Herzen liegen - und wenn es mir gelingt, diese Programme noch anderweitig zu verbraten - umso besser. Wir haben jahrelang musikalisch-literarische Spaziergänge angeboten, bei denen ich an den verrücktesten Orten, teilweise a cappella gesungen habe - dadurch habe ich viel gelernt.

    An meinem Alter manipuliere ich nicht, denn ich bin nur 20 Jahre älter als mein grosser Sohn - allerdings gehe ich auch keinen Agenten vorsingen, davor bewahrt mich mein Realitätssinn (eine 45jährige Sopran-Debütantin erscheint sogar mir etwas ... eigentümlich).

    Was meinen Belcanto-Lebenslauf angeht, so habe ich tatsächlich geschaut, wie die anderen sich präsentiert haben - schliesslich kann man mehr oder weniger ins Detail gehen. Und die Jahre im Choeur de l'orchestre de Paris haben mir tatsächlich wunderbare Erfahrungen und interessante Begegnungen beschert - wobei ich die abstrusesten Dinge (ein Open-Air Konzert mit Andrea Bocelli unter Seiji Ozawa (sic) unter dem Eiffelturm (samt Übertragung auf TF 2 oder 3 - irgendwo muss das Video sein - und die Direktorin meines damaligen Conservatoire hat mich doch tatsächlich im Fernsehen gesehen und das laut bei irgendeinem Vorsingen verkündet) - oder eine CD mit Alagna (der zwar mit uns singt, den wir aber nie zu Gesicht bekommen haben) ganz bescheiden verschwiegen habe.... All diese Dinge werde ich dann eines Tages meinen Enkelkindern erzählen... als die Omi in Paris lebte...
    Mein französischer Lebenslauf dagegen legt den Schwerpunkt auf die Leitung einer Musikschule - das scheint hier eben wichtiger zu sein.

    Und auch ich habe leider nicht die richtigen Diplome, die richtigen Preise von der richtigen Schule. Aber das macht nichts. Ich singe gern und freue mich über jede Gelegenheit dazu. Und ich freue mich, wenn mir etwas gelingt, wie ich möchte - und ich hadere mit mir, wenn ich rausfliege oder sonstige Fehler mache. Das gehört auch dazu.

    Liebe Grüsse von Casta



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    dola - 01.03.2007, 20:47


    Oh, ja, es kann ein Problem werden, wenn man irgendwie angekündigt wird, ohne darauf Einfluss zu haben. Passiert in dem Altenheim, wo ich das letzte Liederkonzert hatte. Meine Freundlin hat dort gerade zufällig gearbeitet und liest so 14 Tage vorher: Weihnachtliches Zusammensein mit...!

    Das konnte es ja nun gar nicht sein und zum Glück ist es mir noch gelungen, das noch sinnvoll ändern zu lassen. Dabei war es keine böse Absicht. Die verantwortlichkeiten für die Veranstaltungen im Haus sind 2006 durch verschiedenen Hände gegangen, und schon ist es passiert.

    Ich habe mich sehr lange nicht getraut, so etwas wie eine musikalische Vita unters Volk zu bringen, weil ich der Meinung war, dass absolut gar nichts dafür spricht, das Ganze bei Agenturen etc. woanders landen zu sehen als im Papierkorb: Keine Scheine, viel zu alt, diffuse Ausbildungsgänge. In meinem Hauptberuf bin ich zuweilen in Personalauswahlverfahren involviert und weiß ganz genau, dass eine Beamtenstelle bei mir ohne die Ausbildungsscheine niemals besetzt werden kann.

    Die Hürde, überhaupt ein Vorsingen zu erreichen durch bloßes Einreichen einer Vita, erschien mir zu hoch. Wahrscheinlich wäre das auch so, aber ich bin jetzt letztlich durch Empfehlung herangekommen und hoffe, auf Agenten zu treffen, die tatsächlich ihr Urteil erst nach Vorsingen fällen. Ein wenig besser erhoffe ich mir dabei schon als mit dieser Vita.

    Am Alter will ich trotz der Ausführungen vorher nicht drehen, jedoch ist zu überlegen, eine Ausweiskopie beizulegen. Fünf Jahre älter gemacht zu werden, muss ja auch nicht sein.


    Grüße,
    dola



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 02.03.2007, 08:34

    lter ganz weglassen
    Ich denke, es ist schon ein ganz entscheidender Punkt, zu welchem Zweck und Ziel eine Vita geschrieben wird.
    Wenn sich ein professioneller Sänger damit in Arbeit und Brot bringen muss, muss er/sie auch den Vorgaben des Marktes Genüge leisten und sich entsprechend beraten lassen. von Menschen, die sich in dem Metier auskennen und wissen, was drwartet wird, was angemessen ist und was lächerlich wirkt.
    die sache mit dem Alter, die Robin hier anführt, wusste ich überhaupt nciht. wohl aber, dass sehr Viele ihr Alter gar nciht angeben, so sie nicht mehr taufrisch sind......
    Die Grauzone zwischen Lüge und Wahrheit ist SEHR gross und da muss wohl jeder selbst entscheiden, was dem eigenen Wohl nutzt oder schadet.
    Ich sehe unter wirklmich professionellen Marketing-Bedingungen da aber aich gewisse Zwänge für die Leute, die ich dann nicht so einfach negativ kritisieren würde, wenn es evtl um nackte Existenz geht.
    Vorsingen mûssen sie ja dann eh noch, aber überhaupt eingeladen zu werden, ist ja nun auch schon sehr wichtig.

    Wenn es um Viten nicht-professioneller Sänger geht, sollte das meiner Meinung nach auch deutlcih daraus hervorgehen. Ich finde es sehr seltsam, wenn Leute so tun, als haben sie nie etwas Anderes getan als zu singen und ihre eigentlich gelernten oder sogar noch ausgeübten Berufe unter den Tisch fallen lassen.
    Auch sollte der Leser aufgeklärt werden, inwieweit es sich um eine fertig ausgebildete oder eine noch mitten in der Ausbildung befindlcihe Person handelt. Bühnenerfahrung und Konzerte sind auch wichtig, um zu erkennen, ob man es mit jemand zu tun hat, der bereits "Spiel-" Erfahrung hat, in welchem Rahmen auch immer.
    Für mich ist es ganz wichtig,folgende Dinge darzustellen:ich habe andere Berufe gelernt und erst später zum Gesang gefunden bzw mache neben dem Singen noch Anderes;ich bin noch mitten(sogar eher am Anfang) in der Ausbildung und keinesfalls fertige Sängerin und bin sehr aktiv, was Workshops, Ateliers und Auftrittserfahrungen angeht.

    Wie man das dann formuliert und wie man Wahrheiten dekoriert und verpackt ist auch ein Stück eigener Stil, aus dem die Leser unter Umständen bereits eine Menge schliessen kônnen, was ja wiederum auch nicht verkehrt ist..... :lol:
    Canti :hearts:



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 05.03.2007, 11:45

    Re: lter ganz weglassen
    cantilene hat folgendes geschrieben: Wenn es um Viten nicht-professioneller Sänger geht, sollte das meiner Meinung nach auch deutlcih daraus hervorgehen. Ich finde es sehr seltsam, wenn Leute so tun, als haben sie nie etwas Anderes getan als zu singen und ihre eigentlich gelernten oder sogar noch ausgeübten Berufe unter den Tisch fallen lassen.


    Da muss ich widersprechen:
    Ich habe früher in meiner Vita für Programmhefte immer erwähnt, dass Singen nicht mein Hauptberuf ist - bis dann in einer Zeitungskritik stand, dass ich für einen Laien ja ganz ordentlich sänge..... :kaffee
    Seither lasse ich meinen erlernten und ausgeübten Beruf weg! Ich möchte meine Gesang beurteilt haben, ohne irgendwelche Vorurteile, weil ich das Singen ja "gar nicht richtig gelernt hätte" (ja, auch der Satz kommt schon mal..). Ich denke, ich bin nicht unprofessioneller als viele, die Gesang studiert haben und den Beruf ausüben.

    LG
    mezzo



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 05.03.2007, 13:10


    Liebe Mezzo, wie schön, Dass Du wieder da bist!!!!! :kuss: :welcome:
    Zum Thema hatte ich insbesondere unsere Viten hier auf der Homepage gemeint.
    Wer in einem rein professionellen Konzert mitsingt, wo Alle bezahlt werden, so wie du das ja auch schon tust, der braucht diesen Schutz nicht mehr.
    Für mich ist es ein Schutz für Semi-Professionelle oder Studenten oder echte Amateure, sich nicht so zu verkaufen, als seienn sie Vollprofis.
    Wenn nämlich dann die Leistung nciht auch VOLLPROFI ist, kann man sehr schnell der Hochstapelei bezichtigt werden!!!!
    Wenn ich selbst ien Konzert höre und aus der Vita geht hervor, dass es sich nciht um genuine Profis sondern Amateure oder Studenten handelt, ist meine Reaktion als Publikum schon ganz anders.
    Es kommt eben auf den Rahmen an und die damit verbundene Leistung.
    Canti :hearts:



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 05.03.2007, 13:12


    Das sehe ich uebrigens genauso wie Mezzo. Ich habe in meinem Resume zwar auch noch meinen akademischen Abschluss drin - ales andere interessiert allerdings nicht mehr und hat auch nichts mit verschweigen zu tun. Gut, bei mir kommt mittlerweile noch dazu, dass ich ja nun auch hauptberuflich Saengerin bin, aber selbst in Zeiten, als das noch nicht der Fall war, bin ich damit immer sehr vorsichtig umgegangen, wenn es um saengerische Auftritte ging.

    Man laeuft sehr Gefahr, sich als Saenger zu klein zu machen oder nicht ernst genommen zu werden, wenn man zu sehr betont, dass man ja "nur so nebenher" singt.
    Wenn man irgendwo fuer Geld singt, ist man in dem Moment Saenger und nicht "der/die aus'm Buero". Ich finde, den Druck (im positiven Sinne) kann man sich auch ruhig selbst geben, denn der saengerische Nebenberuf sollte dann wiederum auch nicht als Entschuldigung fuer vielleicht mal nicht so gute Leistungen hergenommen werden, was hin und wieder auch sehr bequem ist. Wenn man sich dafuer entscheidet, die mindestens semiprofessionelle Richtung einzuschlagen, dann auch mit allen Konsequenzen und aller Verantwortung, wenn's mal nicht so gut war. Man erbringt schliesslich eine Dienstleistung. Das mag jetzt nuechtern klingen, aber genau so ist es. Jemand, der einen nichtkuenstlerischen Zweitberuf hat und dafuer Geld nimmt, sagt ja auch nicht: "Also, eigentlich bin ich ja Klempner, da muessen Sie mir nachsehen, wenn das mit dem Anstreichen nicht so gut klappt, das mache ich nur ab und zu!"

    Wie gesagt - es ist schon was anderes, ob man eine kuenstlerische Vita oder einen allgemeinen Lebenslauf verfasst, das muss man sich auch vor Augen fuehren. Deswegen beinhaltet es eben das Wort "kuenstlerisch" - da hat alles Nichtkuenstlerische eben nur am Rande was drin zu suchen. Das hat in meinen Augen auch wie gesagt nichts mit verschweigen zu tun, sondern mit Schwerpunkten. Aber ganz sicherlich muss man da auch noch mal unterscheiden, ob man wirklich nur als "Amateur" (und nein, das Wort hat fuer mich keinen negativen Beigeschmack) oder mindestens semiprofessionell, wenn nicht sogar vollprofessionell arbeitet.

    Damit das nicht falsch rueberkommt: Natuerlich soll man es nicht total verschweigen, wenn man einen anderen Beruf ausuebt oder was anderes gelernt hat. Es kommt aber immer darauf an, wie nund wo sowas gesagt wird und v.a. auch, inwieweit man schon professionelle Engagements annimmt. Ich will als Saengerin beurteilt werden, auch mit aller Haerte wenn ich mal Kappes bin, und eben nicht als Geographin, weil das zufaellig das Studium ist, das ich abgeschlossen habe ...



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 05.03.2007, 19:40


    Ich stimme Eponine zu, zumal ich mich ja eh so geäußert habe.

    LG Escamillo



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Su - 06.03.2007, 12:35


    Ein Thema das mich immer wieder zum Schmunzeln bringt aber auch zum Ärgern!

    Hallo erstmal!

    Ich glaube, es geht mir selbst dabei gar nicth so um richtige Lügengeschichten, dass steht für mich: ohne Frage, außer Frage!
    Absolut unter Null! :d_neinnein:

    Mich erstaunt, viel mehr, immer wieder das "geschickte"? Verpacken von bestimmten Dingen, bei dem der Leser automatisch dann viel Größeres dahinter vermutet .
    Ich finde schon den Schreibstil in der dritten Person befremdlich.
    Wo doch, normal, jeder weiß: dat hat der von sich selber so geschrieben :lol:
    Aber ich kann das verstehen, es liest sich natürlich so ganz anders!

    Was ich genau meine und wie sicher jeder seine Vita proppen voll bekommt :lol: :

    Er/Sie wirkte bei ZAHLREICHEN AUFFÜHRUNGEN mit:
    Jo, da kann man schon das erste Xylophonpsiel zu Kindergartenzeiten mit dazu rechnen, jedes Flötenspiel später in der Schulaula und das Singen auf dem Schulfest! (das wird natürlich nicht erwähnt, was es denn nun genau war, wär man ja blöd :lol: )
    Nicht zu vergessen die zig Hochzeiten (dann wirklich im klassischem Bereich) und Beerdigungen, Taufen, Mess-Gottesdienstgestaltungen jeder Art z´hinter Brunzbieselbach in der Dorfkirch auch nihct zu vergessen: sämtliche Gemeindefeste :sauf: die dann folgten, nicht nur in heimischer Region. Logisch, man ist auch:

    WEITGEREIST: (5 bis 10km weiter)

    Es gab auch schon ZAHLREICHE LIEDERABENDE; EIGENE KONZERTE (nicht zu vergessen die im Altenheim am SpätNachmittag zum Kaffee oder im Dorfgemeinschaftshaus für Bekannte, Anverwandte, klar auch Freunde und zufällig Hereingeschneite zum Adventsnachmittag)

    Klar, man ist auch ab und an auf KONZERTREISE (50km weiter :lol: )

    AUSLANDSAUFTRITTE: meist jedoch nicht engagiert sondern man bezahlt selber um überhaupt dabei sein zu können, wenn überhaupt...
    Genauso kann jemand ja in Arizona´s Wüste gesungen haben, in diesem Moment hat man ja nun wirklich und ehrlich in Amerika gesungen! :lol:

    Bei GROßEN AUFFÜHRUNGEN mitgewirkt...Bach´s h-moll Messe, Carmina Burana, Operette und Oper usw. : naja, selbst wenn man im Chor mitgesungen hat, man hat ja mitgewirkt :pfeif:
    Und wenn auch die Aufführung zum Selbstkostenpreis war oder auf kleinster Gasthausbühne...
    Es hat statt gefunden. :d_neinnein:

    STUDIERT BEI Prof....:kann genauso Privatunterricht gemeint sein.

    USW USW


    Ich könnte schwören das die meisten so ihre Vita schönlesbar gestalten.
    Zumindest der eine oder andere von mir aufgeführte Punkt so formuliert wurde, mit nicht wirklihc viel mehr Hintergrund!
    Je nach wirklichem Können und Erfahrungen halt noch bissl mehr dabei.
    Da werden halt zwei echte Engagements als zahlreich verkauft, oder echte Bühnenerfahrung als fast schon Staatsoper verpackt, 3 Jahre als jahrelang usw usw.

    Ich weiß nicht was ich davon halten soll?
    Es ist ja nicht mal gelogen :d_neinnein:

    Und klar, man wäre sowas von doof, würde man auch die kleinen Erfahrungen untern Tisch fallen lassen...oder sie als nichtsundnichtig verkaufen.
    Aber es bringt einen einfach zum Schmunzeln...vorallem wenn man die Personen dahinter kennt und die meinen von sich selber auch noch: dat wäre wirklich was Besonderes. Ich denke, das macht es vielleicht auch aus, kennt man jemand der weiß was er kann und aber auch was er nicht kann und bleibt auf´m Teppich, wirkt es auch anders.




    LG
    Su



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    EmmyNoether - 06.03.2007, 12:41


    Hallo,

    Lebensläufe von Sängern und auch die von Chören (da kenne ich mich besser aus) finde ich oft ziemlich erheiternd...
    Wenn nämlich aus Mücken Elefanten gemacht werden in einer Art und Weise, daß man noch merkt, daß es Mücken sind.
    Ein Beispiel sind z.B. die zahlreichen Auftritte im In- und Ausland, womit man sich gerne schmückt. Typischerweise kommen die durch Freundschaften und Beziehungen zustande, und nicht dadurch, daß der Ruf des Sängers oder in meinem Falle Chores über Grenzen Deutschlands bzw. Europas hinausschallt...
    Aber man paßt sich an, so haben auch wir "zahlreiche Konzerte im In- und Ausland" dastehen, und daß die Freundin vom Rudi in Portugal lebt, Heidi in Amerika promoviert und wir sie sowieso besuchen wollten, und Rolf einen Freund hat, der Lehrer in einer schwedischen Kleinstadt ist, (oder so ähnlich) wird vornehm verschwiegen.

    Ich finde, man muß aufpassen, daß es nicht allzu lustig wird.
    Wenn manche Sänger einige ihrer von sich gegebenen Piepse weglassen würden, würden die Lebensläufe gewinnen.
    Schlimm finde ich es auch, wenn die Diskrepanz zwischen dem illustren Lebenslauf und dem, was man zu hören bekommt, zu groß ist.

    Ich gebe aber Mezzo und anderen recht: wenn ich zu Bedingungen wie Vollprofis auftrete und mich daran messen lassen möchte, würde ich in der Zeitung ungern etwas in Richtung "die singende Hausfrau Emmy" lesen wollen...

    Ich habe jetzt in Gedanken mal die Lebensläufe von Sängern Revue passieren lassen, bei denen es im Programmheft steht oder stand, daß sie "eigentlich" ürsprünglich etwas ganz anderes gelernt haben: es fallen mir nur solche ein, die später ein Gesangsstudium an einer Hochschule abgeschlossen haben. (Ich will aber nicht ausschließen, daß das eine subjektive Wahrnehmung ist.)

    Es wurde ja schon erwähnt, daß es auch darauf ankommt, was man mit solch einem Lebenslauf bezweckt:
    ist er fürs Publikum, welches etwas Glanz wünscht?
    Soll er dazu dienen, daß ich engagiert werde oder eingeladen zum Vorsingen?
    Ist er für Leute, die über meinen musikalischen Bildungsweg informiert werden sollen?

    Der Lebenslauf wird vermutlich immer etwas anders ausfallen je nach Intention.
    Ich sehe ein Problem, nicht zuletzt durch das Internet: das, was auf meiner Homepage steht, muß ja zu dem, was im Konzertprogramm in Klimstadt und Bimdorf steht, passen. Wenn ich an einer Stelle eine nebenbei singende Köchin wäre und an anderer eine weitgereiste Diva, wäre das etwas seltsam.

    Soweit es nur den Einzelnen betrifft, sind es induviduelle Entscheidungen, was da steht, und was nicht.

    Ich finde, daß es schwieriger wird, wenn mehrere Parteien mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen beteiligt sind, wie dies ja z.B. auch bei Euren (bzw.) dem Belcanto-Ensemble der Fall ist.
    Was macht man da?
    Hier steht zunächst eine Standortbestimmung an: wer sind wir? Was wollen wir? Wo ordnen wir uns ein?
    Von den Antworten auf diese Fragen werden natürlich die Mitwirkenden abhängen, aber eben auch die der Öffentlichkeit/Publikum zugänglich gemachten Lebensläufe - ein wenig geht in diese Richtung, was zu dem Konzert im anderen Thread gesagt wurde, wo nicht die Möglichkeit bestand, das Leistungsgefälle vorab zu erklären.
    Wenn ich für solch ein Konzert mit meinem Namen verantwortlich wäre, könnte ich es z.B. nicht dulden, daß jemand, der keine professionelle Leistung bringt - z.B. weil er kein Profi ist -, sich im Programmheft als solcher darstellt.
    Hier zählen aus meiner Sicht nicht nur die Interessen des einzelnen Sängers, sondern auch die des Gesamtensembles und nicht zuletzt die des verantwortlichen Leiters.

    Gruß v. Emmy



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Su - 06.03.2007, 12:54


    Zum Thema "erwähnen von Hauptberuf oder Nebenberuf, Spät- oder Frühberufen" :lol: noch Folgendes:
    ich finde man schadet sich eher, schon allein wenn man zuviel von sich Preis gibt. Man ist zum Singen hier und der Rest gehört da nicht rein, es liest sich, meiner Meinung nach, billig. Egal ob ich nun Hausfrau bin und Hobbysängerin oder ob ich studiert habe. In diesem Moment soll gehört werden was, egal wie ich dazu gekommen bin, JETZT RAUSKOMMT!
    So können sich die Zuhörer ein unvoreingenommenes Bild machen!

    Deswegen würde ich nur in die Vita des Programms, meine Musikal. Laufbahn schreiben.
    Ob ich per Kaiserschnitt oder Spontangeburt auf die Welt gezogen oder geflutscht bin, im Waldorf oder städt. oder kath. Kindergarten war 2 mal sitzengeblieben bin usw. über Umwege von der Bibliothekarin zum Gesang kam...
    HAT DA NÜSCHT ZU SUCHEN, es wirkt billig umso mehr man schreibt.
    Die Leute werden so schon auf ein festes Bild vorprogrammiert, hören einen evtl. ganz anders!

    Da dann doch lieber auf das Wesentliche konzentrieren und es schön, geschickt formulieren (hab ja Beispiele genannt :lol:)

    LG
    Su



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 07.03.2007, 14:23


    Su hat folgendes geschrieben:
    STUDIERT BEI Prof....:kann genauso Privatunterricht gemeint sein.


    Ich weiß nicht was ich davon halten soll?
    Es ist ja nicht mal gelogen :d_neinnein:

    LG
    Su

    Hallo, Su!
    Generell hast Du ja Recht, dass oft Worthülsen verwandt werden, die angeblich Großes verheißen, aber nichts halten.
    Ich muss aber unbedingt zu obigem Zitat was anmerken:

    Dieser Punkt passt nicht in Deine Aufzählung!

    Und zwar: Ich habe schon soooo viele Sänger/innen gehört und gesprochen, die an Hochschulen studiert haben udn todunglücklich mit dem Prof. waren. Dagegen habe ich auch schon wundervollste Privatschüler/-Studenten gehört.
    Nur allzuoft kommt es vor, dass Studenten (denen ja meist ein Prof. aufgezwungen wird) zweigleisig fahren, sich auf eigene Faust noch jemand Anderen suchen.
    Dieser andere Jemand ist dann natürlich ein PRIVAT-Lehrer. Dennoch lehrt der den Schüler dann aber mitunter mehr als ein Prof. mit seinem Hochschulstudenten erreichen könnte. Willst Du sagen, dass private Ausbildungen denen an Instituten nachstehen?!
    DAS SEHE ICH NICHT (zwangsläufig) SO.
    (_Wohl bemerkt: Ich rede jetzt hier ausschließlich vom Inhalt des Gesangsunterrichts. Dass ein Privatlehrer nicht auch noch szenischen Unterricht, Fechten und Ballet etc. einbauen kann, versteht sich von selbst.
    Jedenfalls ist für mich eine gründliche, intensive Ausbildung mit einem Studium gleich zu setzen.)
    Wo bitte ist der Unterschied, ob Herr x Sänger Y den Unterricht im Institut oder im heimischen Wohnzimmer erteilt?!


    Hach - ich sehe schon, ich weiche mal wieder vollkommen vom Thema ab. Aber es macht mich betroffen, wenn hier Dinge miteinander vermischt werden, die man säuberlichst trennen sollte...

    Nix für ungut.
    Lieschen



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Su - 07.03.2007, 15:47


    Liebes Lieschen,

    da wetterst Du eindeutig auf die Falsche los! :n116: :lol:

    Ich gehöre selbst zu denen, deren Ausbildung nicht an einer Hochschule statt gefunden haben.
    Ich gehöre aber auch zu denen die sich immer wieder die Frage stellen lassen müssen: und, wo hast Du studiert?
    Ich sage meist: (blöd und bescheiden wie ich bin) ich war an keiner Hochschule, "nur" an einer BFS f. Musik.
    Ärger mich selber wie viel zu ehrlich oder, sagen wir, blöd ich bin, diesbezüglich.

    Vielleicht beneide ich die Leute, die einfach so sagen: ja, ich habe studiert. Teils evtl nicht mal an so einer Schule waren, sondern priv. Unterricht hatten. Denn ja, viele kommen von Hochschulen, von Können kann da nicht immer gesprochen werden. Andersrum, waren viele nie dort, suchten sich priv. gute Lehrer und haben absolut Können vorzuweisen!!!

    Als ich anfing, um mir ein Bild über die Werbung von Kollegen zu machen, um mir selbst leichter zu tun, die Vita´s (oder Viten ?) zu lesen, kamen auch die von mir Bekannten dazu. Sie schrieben klar: studiert bei, obwohl sie nie ein Studium in der Art machten.
    Ich kam nicht umher und mußte auch da schmunzeln.

    Aber nicht zu vergessen, es erleichterte mich auch....
    denn mir ist heute klar: Ich dachte oft: wow, da kannste nicht mithalten, heute weiß ich das ich es sehr wohl kann! Vom Können aber auch von meiner Vita :lol:
    Trotzdem muß ich immer mal wieder schmunzeln.
    Werde aber wohl auch in die Formulierungskiste greifen und so bei einer schön lesbaren Wahrheiten bleiben!

    Denn:
    Ich war an dieser Schule auch 4 Jahre lang, Vollzeit, bei einer Ges.Prof. die zuvor an einer Hochchule unterrichtete und aus Liebesgründen sich an diese Provinzschule übersiedelte, genauso waren dort wirklich sehr, sehr gute andere Lehrer vor Ort, auch in anderen Fächern. Absolute Könner teilweise! Sowas findet man an vielen Hochschulen nicht :d_neinnein:

    Ich geb Dir da also absolut recht! :dafür:

    Genauso bezeichne ich mich ganz klar offiziell als Konzertsängerin, weil ich mich einfach in diese Richtung ausgebildet habe, im Konzertfach singe und das nicht schlechter als der Rest! :d_neinnein:

    LG
    Su



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 07.03.2007, 23:21


    Su, lass Dich knuddeln!
    :tanzen :kuss: :tanzen



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    chero - 08.03.2007, 00:02


    Su hat folgendes geschrieben: Ich finde schon den Schreibstil in der dritten Person befremdlich.
    Wo doch, normal, jeder weiß: dat hat der von sich selber so geschrieben :lol:
    Aber ich kann das verstehen, es liest sich natürlich so ganz anders!............

    Hallo Su,

    als ich das erste Mal meine Vita geschrieben habe, da habe ich mir darüber auch meine Gedanken gemacht.

    Ich kam aber zu dem Entschluss, nicht weil es sich besser oder anders liest, daß ich in der dritten Person formuliere. Meine Vita wird ja genutzt zur Vorstellung in Programmheften, auf der HP des Ensembles oder sonstwo. Ich sehe es so, daß der Veranstalter, die Leitung oder andere Personen mich durch die Vita vorstellen und die würden mich live auch in der dritten Person vorstellen.

    Das alleine war meine Begründung warum ich diese Form gewählt habe. Sieht man es mal in anderen Bereichen so ist es doch auch so, daß bspw. ich Geschäftsbriefe schreibe, sie sogar persönlich unterschreibe aber ich schreibe auch nicht "Bitte übersenden Sie mir ..............", nein es heißt "Bitte übersenden Sie uns .........." Ich schreibe wohl selbst aber im Auftrage der Firma............... So stelle ich mich nicht selbst per Vita bspw. im Programmheft vor sondern der Veranstalter.

    Klar wenn sich jemand an Bühnen oder sonstwo bewirbt, dann sollte es schon in der Ich-form geschrieben sein. Hmmm dann sollte man wohl doch Unterschiede machen und nicht eine Vita für alle möglichen Anlässe nehmen.

    Viele Grüsse
    Chero



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    dola - 08.03.2007, 00:10


    Klar, in Programmheften, auf der Ensemble - Homepage und dergleichen macht die dritte Person natürlich Sinn, bei Bewerbungen oder der persönlichen Homepage gefällt mir das gar nicht.

    Als ich die Vita für die Ensemble - Homepage geschrieben habe, kam ich mir wegen der dritten Person schon arg blöd vor, obwohl das ja sein musste.

    Dies ist aber nur ein sehr subjektives Empfinden. Andere mögen dazu eine andere Einstellung haben.

    LG

    dola



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Anonymous - 08.03.2007, 00:25


    Das Schreiben in der dritten person über mich selbst fiel mir auch schwer. Andererseits bin ich häufig irritiert, wenn ich etwas von jemandem lese, der sich konsequent an die erste person Singular hält. - Das klingt dann schnell mal wie "im eigenen Saft schmorend".
    Gut, ich sehe ein, dass der Anlass ein Moment für die Wahl der Mittel darstellt, aber am unverfänglichsten finde ich dann doch noch eine übersichtliche Auflistung der Aktivitäten und Ausbildungsstationen, ganz ohne sie in Sätze zu packen. - Dass man der deutschen Sprache mächtig ist, kann man ja an aderer Stelle noch unter Beweis stellen :oops:

    - Nur so ' ne Meinung. :sauf:



    Re: kuenstlerischer oder kuenstlicher Lebenslauf ???!!!

    Silje - 08.03.2007, 00:37


    Soweit ich weiß ist es allgemein üblich seine künstlerische Vita in der dritten Person zu schreiben. Das heißt hier spielt es keine Rolle, ob man es in der Ich-form besser fände oder nicht . Gängig ist die dritte Person. Natürlich kann man unterscheiden, wofür die Vita sein soll. Wenn ich meine Kurzvita für ein Konzert im Altersheim o.ä. ins Programm setze , ist das was anderes als für ein Programmheft für ein Konzert im Konzertsaal in München, Paris oder Hannover. Will sagen : Mal kann man etwas salopper und evtl. auch ausführlicher über sich schreiben und mal auch nicht. Bei größeren Veranstaltungen entscheidet sowieso der Veranstalter, was über einen drinsteht und was nicht.

    Gruß,

    Silje



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