Fantasy-Story ^^

Indestructible Fantasy
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    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 24.02.2007, 20:04

    Fantasy-Story ^^
    Dunkel war die Nacht, doch diese war noch weitaus dunkler als gewöhnliche Nächte im Wald von Uniadrin. Auch wenn das Blätterdach zumeist sehr dicht ist, sodass kaum Licht auf den maroden Boden dieses Waldes fällt, gab es aber auch Stellen, an denen das dichte Dach aus dem Geflecht von Ästen und Blättern lichtdurchlässig war. Und hier beginnt auch diese Geschichte, die ich euch erzähle. Vielleicht gibt es andere, die solch eine Geschichte besser erzählen können. Aber niemand kennt die wahre Geschichte, Gerüchte verbreiten kann ja schließlich auch ein kleines Bauernkind. Ich erzähle euch diese Geschichte, weil kein anderer mehr überlebt hat. Jetzt stellt sich euch sicher die Frage: “Was hat keiner mehr außer dir überlebt?”. Nur sachte Jungchen, wir haben alle Zeit der Welt. Wenn ich es dir jetzt verrate, wird die Geschichte versaut und dass wollen wir doch nicht, oder? Gut, es beginnt also in dieser ungewöhnlich dunklen Nacht, als auch kein bisschen des Mondlichts am pflanzenüberwucherten Wald ankam. Es war komplett rabenschwarz, auch wenn ich die Schwärze von Raben nie überprüft habe. Man sagt ja so, oder? Es war so dunkel, dass man leicht über die eigenen Füße stolpern konnte. Und die Folgen dieses Stolperns sind immer von ungewolltem Schmerz begleitet, außer man ist ein gefühlloser Hohlkopf wie manche Zwerge. Doch ich bin nicht rassistisch, keineswegs.
    Eigentlich ist dies eine Notlüge, damit niemand sagt dass ich ein Rassist sei, der Zwerge für dumm hält und Elfen für äußerst hochnäsig. Also… wo waren wir? Ach ja! Diese Geschichte beginnt vorerst ohne mich, was ich eigentlich schade finde, aber so spielt das Leben, der Erzähler muss sich auf Aussagen beruhen, die er in Tavernen mitbekommen hatte. Ein junger Mann, genauer gesagt ein Mensch, bewegte sich mit einer schnellen Geschwindigkeit durch den Wald von immensen Bäumen und wegbehindernden Sträuchern. Dieser untermalte die eigene Unfähigkeit durch den Wald mit bösartigen Flüchen. Selbstverständlich beleidigt er hiermit nicht sich selbst, er ist ein bekennender Nicht-Masochist, sondern natürlich das dornige Gestrüpp am grünen Boden. “Karasu, du hättest in der Heimat bleiben sollen, viel zu kalt hier.”, sagte junge Mann ironisch und grinste kurz auf. Er musste hierher kommen, sich im Gestrüpp windend und nach einem Gegenstand suchend, den er noch nicht kannte. Die Betonung liegt auf dem winzigen Wörtchen “noch”. Doch er verzog wenige Sekunden nach dem hämischen Grinsen das Gesicht wieder: einige Dornen, wie viele konnte er nicht genau erahnen, hatten sich in sein ohnehin lädiertes Bein gebohrt. “Mist! Müssen hier so viele Dornen sein, man könnte es zumindest für Touristen auf Reisen bequemer machen.”, maulte Karasu und strich sich einige Haarsträhnen aus der Sicht, sein Haar war nicht kurz geschnitten, sondern fiel beinahe bis zu seine Schultern. Er hatte keine Zeit, sich bei einem Barbier oder Friseuren hinzusetzen, damit dieser arme Teufel im das widerspenstige Haar schnitt. Auch wenn man es Karasu nicht ansah, er war verhext. Natürlich konnte man an seinem Oberarm das dunkle Mal einer starken Verhexung sehen, doch zurzeit war Karasu noch gekleidet und hatte nicht die Absicht, im hüfthohen Gestrüpp sich oberhalb seines Körpers auszuziehen. Wie gesagt, er war nie ein Masochist gewesen und wird es vorerst auch nicht werden. “Hm…”, brummte Karasu und schaute sich um. Seine Augen waren nicht äußerst scharf, aber noch so scharf dass auch sehr wenig Licht durch seine Pupille drang, er litt an Weitsichtigkeit, sah aber ziemlich gut im Dunklen. Eine der verschiedenen Effekte seiner Verhexung, eine Verhexung oder eher gesagt ein Fluch, bringt nie nur schlechtes, aber auch nicht allzu viel Gutes. Karasu war dunkel gekleidet, beinahe selbst wie ein pechschwarzer Rabe, und bewegte sich auf keinen Fall wie ein Rabe auf dem Boden fort. Nein, er war sehr schnell zu Fuß, wenn nicht gelegentlich das dornige Gebüsch im Weg wäre.
    Wollen wir ein wenig plauschen? Ja, euch Lesern bleibt wohl nichts anderes übrig, als das alte Gebrabbel eines noch älteren Mannes anzuhören, doch es bleibt euch auf keinen Fall erspart, weil ihr sicherlich die Geschichte weiterhören wollt. Oder etwa nicht?! Es wäre unhöflich, mir zu sagen die Geschichte wäre langweilig. Denn das wäre eine Lüge, ich weiß ja, dass diese Geschichte nicht langweilig ist, eher das Gegenteil von Langeweile. Aber das könnt ihr nicht und Unwissenheit straft den Dummen. Jetzt habt ihr ja eine Person dieser Geschichte ja schon kennen gelernt, Karasu. Die meisten würden hier denken: “Wie kann man einem Kleinkind so einen komischen Namen geben?” Ich denke aber in diesem Moment etwas anderes: “Welche noch so besoffene Mutter würde ihr Kind Karasu nennen?” Nun ja, seien wir nicht so unfreundlich zu den beschwipsten Müttern, die ihre Kinder “Yoshi” oder “Tamagochi” nennen. Manche brauchen einfach ein paar Gläschen vor der Geburt, ich rede hier von so genannten Gebärmaschinen, die einfach nur gleich an die nächste Schwangerschaft denken. Ich muss zugeben, ich brauche auch einige Gläser damit sich meine Zunge löst und ich euch die Geschichte erzählen kann, die euch wahrscheinlich mehr interessiert. Damit sich eure Geduld auch gelohnt hat, erzähle ich die Geschichte weiter, aber nur wenn du mir einen neuen Krug Met hinstellst. Gut gemacht, ich wusste, dass dich die Geschichte interessieren würde. Zudem ist es keine langweilige Geschichte, sondern eine spannende Geschichte! Was, du hast noch nichts Spannendes heraushören können? Dann musst du zum Ohrenarzt, ich stelle die Diagnose Schwerhörigkeit. Du sagst, dass ich weiter mit der Geschichte machen soll?
    Ah, der Met ist schon da, lass’ mir einen kurzen Moment für einen Schluck dann erzähle ich weiter. So, es geht weiter… aber wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, bei Karasu, der sich mühevoll durch das Gebüsch zerrt. Gut, ich erzähle schon. Du kannst aber schon einmal einen weiteren Krug bestellen, der Abend ist lang.




    Karasu ächzte kurz auf und zog sein rechtes Bein aus dem stachligen Gebüsch, seine dunkle Hose aus Samt aufgerissen, das seltene Tuch war von seinem Blut getränkt, doch zum Glück war das samtene Tuch kein lebendiges Wesen, ansonsten könnte man meinen, es habe vom Blut Unschuldiger gekostet. Doch dem war nicht so, eigentlich schade. Wäre doch schön, eine monsterartige Samthose, die dein Bein aufrisst, ehe du die Hose angezogen hast. Doch Karasu hatte noch andere Probleme, als eine blutrünstige Hose. Er hatte sich hoffnungslos verirrt, in den Wirren des Waldes von Uniadrin. “Verdammter Mist, ernsthaft.”, brummte Karasu und zog seine sensenartige Schneide, er besaß zwei Stück dieser wunderschönen vergoldeten Waffen. Der Griff war nicht sehr stark und beständig, er war aus irgendwelchem Gestrüpp zusammen verflechtet, doch dieser wurde unterschätzt. Alles was erbärmlich aussieht ist so stark im Kern, wie der Zwerg gelegentlich zuviel Met säuft. Dann war ein Rascheln zu hören, als ob jemand durch die Sträucher streifte und nur auf eine gute Chance zum Angriff wartete, ein Raubtier auf der Lauer. Doch auch wenn Karasu stark Weitsichtig war und wenn etwas in der Nähe auf ihn zukam, er so gut sehen konnte wie ein Maulwurf mit Sonnenbrille, hatte er ein anständiges Gehör und hörte es sofort, wenn jemand oder etwas sich ihm anschlich. “Was mag das wohl sein?”, fragte Karasu mit einer Spur von Ironie. Er kannte scheinbar seinen Jäger und drehte den Spieß um, der Jäger wird zur Beute. Noch ein Rascheln, rechts von Karasu und Karasu grinste nur abfällig. “Wieder die alte Methode? Du lernst es nie…”, sagte Karasu und sein abfälliges Grinsen wurde breiter.
    Schritte, sehr schnell aufeinander folgende Schritte, die sich scheinbar näherten. Karasu wirbelte herum, wahrscheinlich wusste er was zu tun. Vielleicht war er aber bloß kampfgeil. Oder dämlich wie nie. Dann schnellte er, die neue Richtung einschlagend, nach vorne, aber rannte er nicht, er glitt wie ein Rabe oder ein Vogel über dem Boden. “Hm… falsche Antwort…”, brummte eine tiefe, scheinbar sehr schwerfällige Stimme. Ein Knallen ertönte und Karasu zuckte. Es waren diese “Knall-Waffen”, einen richtigen Namen kannte er noch nicht. Betonung lag wieder einmal auf dem Wort “noch”.
    “Pah! Rede nicht, sondern zeige dich!”, lispelte Karasu, sodass nur er es hören konnte. Wieder ein Knall, nur etwas lauter, vielleicht auch näher. Karasu zog seinen Schluss daraus: Bloß schnell weg hier. Hier waren mehr dieser Soldaten, die sich der “Knall-Waffen” bedienten. Wahrscheinlich eine kleine Kampftruppe, die in diesem unsäglich großen Wald gestrandet ist. Aber sicher ist sicher, keine Heldentaten, nur um den Bäumen Nährstoffe zu werden. Also, eine modernde Leiche zu werden, die stinkt und langsam von den Waldratten angenagt wird. Karasu war einige Meter über dem grünen Waldboden gesegelt und landete nun, schwebend war er ein besseres Ziel für jeden Rekruten, der eine dieser Knallwaffen oder einen Bogen länger als eine Stunde trug. Karasu musste in diesem tückischen Wald auf der Hut sein oder der Rabe wird zur Rabenleiche.
    So, werter Freund. Vielleicht jetzt ein wenig spannender geworden? Oder denkst du ich saufe und erzähle hier zum Spaß. Nun ja, ein paar Krüge Met sind zum Auflockern der Zunge und meine Zunge fühlt sich irgendwie trocken an… Was sagst du da?! Alter Säufer?! Na warte… Stell’ mir einen Krug Met hin und wir können in Ruhe darüber reden. Du sagst, ich solle weiter erzählen? Hm… keine schlechte Idee, sicher interessiert dich was weiter geschieht. Doch irgendwie scheint meine Zunge zu trocken dazu zu sein… Wie lange willst du denn noch warten, bis Schweine fliegen können? Du sagst, du wartest die ganze Zeit bis du dir selber einen Krug bestellte. Nun gut, einen Krug kann ich selber verkraften, aber dann kriegst du … ach egal… Barkeeper! Zwei Krüge Met! Dalli! Okay, steht 2:1. Die Nacht ist noch lang…

    “Diese Söldner sind so schlimm wie Kletten auf einem neuen Pullover. Entweder reißt man die Kletten ab und hatten einen kaputten Pullover oder man lässt sie dran und sieht mit den Kletten leicht bescheuert aus.”, sagte Karasu laut, sodass es auch seine Verfolger hören konnte. War wohl nichts gewesen mit dem “Spieß umdrehen”, was? Karasu glitt durch das gestrüppfreie Gelände inmitten des Waldes Uniadrin. Doch auch wenn er sich noch schneller bewegen konnte als zuvor, seine Feinde konnten es auch.
    “Ladet die Gewehre im Laufen, ihr Schnecken!”, brüllte wahrscheinlich der fettleibige Kommandeur der Truppe, wobei er ihnen hinterher watschelte, während sich seine Untergebenen die Füße abliefen um dem viel zu schnellen Karasu einzuholen. Das Schnaufen der sicherlich knochendürren Söldnern war überall im Wald zu hören, scheinbar hatten diese es ziemlich schwer zu laufen, nachzuladen und zu schießen. Von Zielen und Treffen war nicht einmal die Rede, allein für diesen Marathonlauf bekämen diese Möchtegernsöldner soviel Geld und Auszeichnungen, dass sie dann auch den Platz des Kommandeurs einnehmen konnten, wahrscheinlich aber von einer anderen Truppe von “Knochenjungen”, wie Rekruten dieser Armee oft genannt wurden. Karasu war selbst einer von ihnen gewesen, er war es aber nicht mehr weil er mitten in einer Schlacht abgehauen ist und seine Truppe im Stich gelassen hatte. Reue? Keinesfalls. Karasu erinnerte sich an seine Abzeichen, die er ihnen zu Boden geworfen hatte, drei Mal hatte er auf diese gespuckt und einmal ist er mit dem rechten Fuß darauf getreten. Manches würde er rückgängig machen wollen, doch dies wäre unmöglich. Karasu grinste und glitt eine kleinere Bodenerhebung hinab. “Kam das Gleiten auch vom Fluch? Wahrscheinlich…”, brummelte Karasu und lauschte dem wunderschönen Knallen dieser komischen Waffen. Dann sah er mehrere Lichter von weiter her, war es die Stadt im Wald ohne Licht von außen, nur des Kernens Leuchtens, gäbe Hoffnung? Vielleicht, aber nur vielleicht.
    Karasu grinste. “Vielleicht sind wir dem Ziele schon näher?”, fragte dieser sich und ignorierte jetzt das laute Knallen der neumodischen Waffen.

    Karasu näherte sich den Lichtquellen, die noch in sehr weiter Entfernung waren, wie es ihm erschien. „Mist, muss dieser Ort noch so weit weg sein, ich bin nicht umsonst aus der Wüste in diese Kälte gegangen. Er hob den Kopf und sah jetzt etwas das ihm nicht ganz geheuer war: ein großer Turm, eher eine Art riesiger Jägeraußenposten, das mit einem Gerät ausgestattet war. Es machte Karasu Sorgen, dieses Gerät das merkwürdigerweise wie eine starke Fernfeuerwaffe aussah. „Hm… ich muss die Bewohner von Uniadrin deswegen befragen.“ Weitere Schüsse donnerten hinter ihm her. „Los bewegt eure Knochen, oder ich hole die Peitsche!“ „Jawohl!“ So klang schon seit etwa zehn Minuten, das monotone Gespräch zwischen Kommandeur und Truppe, die aber immer leiser zu werden schien. Plötzlich hörte Karasu jemand hinter ihm hecheln, Karasu hatte zwischendurch Schutz hinter einem kleineren Abhang gesucht, ein umgefallener Baum schützte ihn teilweisen von Geschossen, nicht vor ungewollten Besuchern. „Salut, Kamerad!“, flüsterte jemand mit einer sehr rauen Stimme in Karasus Ohr. Karasu hatte sich hinter sich umgewandt und schaute einem stark verschmutzten und knochigen Gesicht entgegen. Es wirkte älter als es in Wirklichkeit sein konnte, so fuhr der Knochenjunge fort: „Darf ich bei dir mitmachen, bei denen werde ich nicht alt.“ Der arme Knochenjunge grinste Karasu an, Karasu schien ein wenig angeekelt. So sah es äußerlich aus, er wollte keine Partner oder so etwas. Dennoch, er konnte eine lebende Mauer immer sehr gut gebrauchen. Besonders bei den Kerlen mit den Knallwaffen. „Hm… sehen wir. Gib mir zunächst deine knallende Waffe.“, sagte Karasu etwas misstrauisch. Das Misstrauen war auf beiden Seiten, beim armen Knochenjungen gerade erst hinzugekommen. „W… warum denn das?“, fragte dieser. Wieder Schüsse. Langsam ging es Karasu auf die Nerven, dieses ganze Geknalle. Langsam müsste das doch auch langweilig werden. Widerwillig gab der der kleingewachsene Knochenjunge, von wahrscheinlich erst vierzehn Jahren, seine Waffe. „Wie nennt man das Ding?“, fragte Karasu mit leicht gespielter Neugier. „Kennst du sie nicht?“, fragte der ausgemergelte Junge zurück, sein Blick verriet Neugier gegenüber Karasu. Wer würde Karasu denn nicht uninteressant finden?

    Eine neue Freundschaft ist geboren, ein kleiner hässlicher Knochenjunge und der schmucke Karasu, was sich liebt dass neckt sich. Hm… ich merke mein Met ist alle. Schade eigentlich, dass der Morgen schon graut und flucht.
    Was sagst du? Du lädst mich ein? Gerne, Kleiner. Ich soll dich nicht Kleiner nennen… Kleiner? Wie steht’s noch mit deiner Einladung? Steht sie oder liegt sie auf dem dreckigen Boden dieses dreckigen Dreckslochs? Oh! Entschuldigen sie bitte, Herr Kneipenbesitzer, war nur persönlich gemeint. Gehen wir, Kleiner. Sieht mir nach Ärger aus…

    Gut, wir sind aus der Gefahr. Der fette Kerl von einem Schwein, äh… Kneipenwirt sah ziemlich… rosafarben aus. Besonders im Gesicht und an der Haut und… Du willst die Geschichte hören? Weiter? Meine Kehle ist… irgendwie trocken. Nach dem vielen Gerenne durch dieses verdammte Hafenkaff ist meine Stimme ganz rau, ein Wein oder so würde …
    Was sagst du? Du pustest mir eine Kugel wohin? Was soll das denn schon bringen, mit deiner warmen Luft kannst du niemanden umbringen. Schon gut, ein Krug Bier würde … na gut, ein Glas Wasser? Was soll das?! Was spritzt du mir es ins Gesicht? Verstehe… ich soll meinen Rausch wegbekommen? Bist du total durchgeknallt? Ich wollte in Elfchens Waldrekorde als der am längsten Beschwipste in unsere Trinkergeschichte eingehen! Ich habe fünf Wochen durchgehalten und das ist gerade mal erst die Hälfte! Jetzt musst du mir alle Kosten ersetzen, also Bierrechnungen in zwanzig Lokalen von etwa… wieso hast du mich aus dem Rausch gebracht?! Ich will nicht wieder Buchhalter in einem Laden für schwarze Wesen sein, Lady Yasao hat mich herausgeschmissen… nur weil ich ständig Met im Lager gehortet habe… anstatt von magischen Waffen. Nun ja, jetzt bin ich schon mal hier, also kann ich auch ein wenig schlafen… Was? Du willst dass ich die Geschichte weiter träume? Warum das? Ach so… du kannst dir die Geschichte so weiter anhören. Hm… ich darf schlafen bei dir und du hörst… guter Deal. Aber nachher will ich wieder einen Krug Met! Hörst du? … Danke… für das Was… Wasser…?

    Karasu fragte noch einmal deutlicher: „Ich möchte wissen wie diese Waffe heißt, Junge. Dein Leben ist dir doch die richtige Antwort wert oder?“ Der Knochenjunge schluckte ängstlich. „Antworte, oder ich schneide dir die Kehle auf.“ „Ein Gewehr…“ „Ist doch nicht so schwer gewesen, nicht wahr?“, scherzte Karasu mit einem breiten ironisch gemeinten Grinsen. Weitere Kugeln jagten an ihren Köpfen vorbei, natürlich über ihnen, sodass sie außer Gefahr waren. Ein anderer Knochenjunge sprang auch in ihre Gruppe. „Hast du ihn gefragt?“, fragte der Hinzugekommene den bereits lange sitzenden. Schweiß floss über den halbnackten Körper des Knochenjungens, dieser war scheinbar noch jünger als der andere. „Timefey, du solltest doch Schmiere stehen.“, sagte der Knochenjunge, den Karasu wegen des Gewehrs streng gefragt hatte. Der andere antwortete darauf ganz aufgeregt: „Eine Kugel hat den Kommandeur erwischt! Hast du gehört, Emiglar, er ist tot!!“ Karasu fasste sich an die Stirn und lehnte sich an den losen Baumstamm hinter ihm.
    „Was soll jetzt mit uns werden, Emiglar?!“ Emiglar, der ältere von Beiden überlegte scharfsinnig und grinste danach: „Wir sind frei…“ Karasu schaute abfällig auf die beiden kleinen ehemals versklavten Jungen. „Timefey! So was darfst du nicht sagen…“ „Ihr seid nicht frei, sondern so gut wie tot…“, murmelte Karasu dann plötzlich und stand auf. Was hatte er also vor? Was wohl würde er tun? Sich ein Herz fassen und die Beiden mitnehmen? Nein…
    H… Hör auf! Ich sage, … Was wollte ich eigentlich sagen? Danke, für den Krug. Bist aber… he! Du hast mich betäubt! Das verzeihe ich dir n… nun ja, zwei Krüge Met sind ausreichend. Was sagst du, du gibst mir nichts mehr, bis ich dir nicht alles erzählt habe? Das nennt sich Raub der menschlichen Würde, einem Alkoholiker die Droge wegzunehmen ist so wie einem kleinen Säugling die saubere Winder wegzunehmen: es wird eklig. Nun gut, aber kriege ich was zu essen, die Geschichte ist ziemlich lange… Danke für das Brot! Du musst ziemlich vermögend sein, oder? Nein?! Ein Flüchtling? Vor der Front, zu Hause? Das ist nicht dein zu Hause? Hm… das dachte ich mir, bin ja ein verdammt kluges Kerlchen, wenn ich auch zu oft mit den örtlichen Saufgnomen paktiere. Du fragst woher meine Wenigkeit die Geschichte kennt? Ich komme selbst darin vor, aber erst im späteren Verlauf. Du glaubst mir nicht?! Na… gut. Ich erzähle weiter, dann wirst du schon sehen.
    Du fragst, wann ich endlich gedenke anzufangen? Lass mich erst ein paar Bissen Brot nehmen. Dein zwergenhafter Erzähler soll doch nicht vom Fett abkommen, dass er sich mühsam… Was holst du jetzt dieses riesige Hackmesser heraus?! Ach so, du wolltest mir mein… was Fett abnehmen? Bist ein komischer Kerl, aber ich verstehe was du meinst. War früher auch ziemlich hungrig, aber man muss seinen Anstand bewahren, Junge! Schau mich an! Bin ich nicht das beste Exemplar eines … was, eines Säufers?!
    Hahaha!! Bist ein Witzbold, was?! Nun ja, ich erzähle die weiter, darauf wartest du ja schon. So ging es weiter… Hoffentlich gehen wir nachher in die Kneipe…

    Karasu schüttelte den Kopf. „Ihr müsst hier bleiben oder ich bin zu auffällig.“
    Die Knochenjungen schauten verwirrt drein, Karasu sah so merkwürdig aus, noch auffälliger ging es eigentlich gar nicht mehr. Seine dunkle und ziemlich ansehnlich aussehende Kleidung war völlig anders als die der meisten Waldbewohner, einige in Lumpen gekleidete konnten nicht schaden. Außerdem konnte diese ziemlich gut Befehle ausführen. Besonders gut konnten sie scheinbar desertieren. „Ich bin nicht die Caritas, Jungs.“, begann Karasu, er hatte sich scheinbar an die beiden Jungen gewöhnt. Wieder pfiffen Kugeln über ihre Köpfe hinweg, eine Kugel donnerte in den umgefallenen Baumstamm. Karasu lächelte hämisch und stieg aus dem sicheren, wenn auch dreckigen Loch. Auch wenn Karasu Blut sehr gerne fließen sah, er konnte unnötigen Schmutz nicht sehen. „Sogar in der Wüste war es sauberer, auch wenn die Sandwürmer ihren Schleim über den Sand verstreuten.“ Die verdreckten Knochenjungen krochen auch aus dem Loch. „Wenn ihr schnell genug seid, dann könnt ihr mir folgen, alle anderen können hier verrecken.“, sagte er dem Baum, der direkt vor seiner Nase war. Er lief los und die Katastrophe war geboren. Er knallte mit voller Wucht gegen den Stamm, er hatte eigentlich vor um den Baum herumzugehen. Die Knochenjungen lachten ihn aus und sahen dass er jetzt ohnmächtig war.
    „Hm… Emiglar, nehmen wir den Witzbold mit.“
    „Gut, aber du trägst ihn.“ „Wir tragen ihn beide.“ „Du nimmst aber seine blutenden Füße, ich will meine neuen Lumpen nicht schmutzig.“
    Emiglar rümpfte ironisch gemeint die Nase und die beiden lachten, nicht über die Geste allein, sondern weil sie Karasu am Besten gemacht hätte.
    „Was haben wir eigentlich für einen Schnösel hier aufgegabelt?“
    „Der hat irgendetwas von Wüste gelabert, also muss er ein Wüstenbewohner sein, sieht mir auch ziemlich nach einem aus.“ „Stimmt, dieses ganze exotische Zeug, kein Wunder das seine samtenen Strumpfhosen kaputt gegangen sind.“ Beide kicherten und lachten über die Aufmachung ihres neuen Kumpanen, sodass sie sich beinahe die Hosen, ähm… Lumpen, voll gemacht haben. „Wenn er nicht so einen Kampfstil hätte, würde man meinen, er wäre eine Tunte.“ So lachten sich die beiden Knochenjungen krumm und schief und trugen den bewusstlosen und unwissenden Karasu. Wohin sie ihn trugen? Das weiß nur ich… oder diese selbst, wenn sie es schon wussten.

    Was? Zeit zum Schlafen, sagst du? Nein, ich gehe erstmal einige Gläser heben.
    Kommst nun mit und bezahlst auch? Sehr schön, dann kann ich dir einmal mehr von Karasu erzählen. Wir müssen morgen früh heraus? Kapier ich nicht. Wir werden reisen… wieder einmal muss ich heran um die Geschichte später zu erzählen. Nun ja.. was waren die Zeiten schön an Karasus Seite. Glaubst du mir jetzt, dass diese Geschichte nicht erfunden ist? Ist auch nicht so wichtig, wichtig ist, dass jemand sie nach meinem Tod erzählen kann. Also merk dir schön alles, oder ich hol’ meine Zwergenaxt! Ach ja, ich erzähle weiter und du bringst mich in eine Kneipe. Gut! Abgemacht.

    Karasu zuckte kurz, seine Träume waren unangenehm gewesen, er war verschwitzt, Angstschweiß. „Argh… Wo bin ich?!“, fragte Karasu aufgeregt, fing sich aber ungewöhnlich schnell. Er strich den kalten Schweiß von der Stirn und legte ein lässiges Lächeln auf, kein gut gemeintes Lächeln, eher um seine Verwirrung zu kaschieren. Dieses „Make-up“ ließ ihn kühl wirken, so war er eigentlich auch immer, nur seine Träume hatten ihm eine Höllenangst verursacht. „Du bist im Wald von Uniadrin…“, sagte eine bekannte Stimme, die Stimme eines Jungen in der Blüte seines Stimmbruches. „Das… weiß ich selber. Wo genau?!“, sagte Karasu und etwas Unangenehmes ließ ihn erschaudern: seine Waffen waren nicht an seiner Seite. Auf Erschütterung folgen im Vorgang der seelischen Verarbeitung immer ein oder mehrere Wutausbrüche. Karasu war kein solcher Mensch. Er würde nicht in Wut ausbrechen. Wäre viel zu uncool. Wenn er seine Waffen nicht wieder bekommen würde, würde er jeden einzelnen möglichen Dieb in der Entfernung von drei Kilometern eigenhändig erwürgen. „Wo sind meine Wertgegenstände?“, versuchte Karasu, vernünftig wie er zunächst immer war, in höflichen, wenn auch giftigen Ton.
    Er sah jetzt, mit wem er es zu tun hatte: zwei Jugendliche, die aussahen, als ob sie frisch aus dem Busch gekrochen wären, zwei kleine Tarzankinder. „Was guckst so?“, fragte einer, bei dem die Haarfarbe auf jeden Fall schwarz sein musste. Dennoch war soviel Dreck in den Haaren, sodass man auch rot oder braun gesagt hätte. Wenn es ein Mädchen gewesen wäre, vielleicht war es auch eines, hatte aber keine breite Hüfte und die üblichen Kurven… zumindest schien es wirklich so, dass es zwei männliche Artgenossen waren, die Karasu angetroffen hatte. „Hast du noch nie Jugendliche gesehen?“, fragte der andere von den beiden, er schien älter zu sein. Seine Züge waren aber noch ausgemergelter als des anderen, vielleicht Schwarzhaarigen. „Nein, die so aussehen nicht.“ „Musst dich wohl vorerst daran gewöhnen.“ Karasu grinste, er hatte irgendwie Lust die Zungen von vorlauten Kindern herauszuschneiden. Aber er ließ es, wir sind ja etwas höflicher. „Wie heißt ihr, damit ich euch Gören unterscheiden kann?“, sagte Karasu hämisch und setzte dem Wort „Gören“ eine besondere Betonung zu. Höflich war er, amüsieren darf man sich ja schließlich noch, oder? Der älter wirkende begann zu sprechen: „Mein Name ist Emiglar, sein Name ist Timefey.“ Die jüngere Göre nickte freundlich, scheinbar hatte er die Beleidigung nicht kapiert. „Hm… schade, sonst wäre es noch lustiger geworden.“, dachte Karasu. Es herrschte einen Moment Stille, volle Stille, die einen beinahe erdrückte. Scheinbar sollte sich Karasu einfach so vorstellen, nichts da! Wenn sie es wissen wollten, sollten sie fragen und Karasu nicht blöde anstarren. Doch sie starrten Karasu still an, als ob sie von ihm erwarteten, dass er irgendetwas sagen würde. Karasu lächelte bloß beflissen, als ob er taub wäre. „Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß.“, sagte eine Mundart, so verhielt sich Karasu auch. Das Knallen der Gewehre war nicht mehr zu hören, scheinbar hatten sie die Schuss- und Hörreichweite dieser knallenden Schusswaffen verlassen. Karasu war nur kurz beruhigt, denn schon kam ihm ein neuer Gedanke: „Vielleicht sind das Knochenjungen, die mich ausspionieren sollen.“ Karasu war nun weniger ruhig, am liebsten würde er jetzt den kleinen Kindern einen Tritt verpassen, damit sie verschwinden. Doch… er erinnerte sich an seinen Schwur: „Verletze nie die Schwachen und Kranken, …“ Der Kodex seines Kämpferordens, dem er sich nie abgewandt hatte. Er war schon soweit, Schüler aufzunehmen, doch Karasu hatte besseres zu tun, als kleine Kinder im Kampf zu unterrichten.
    „Sag uns schon deinen Namen, sonst wird’s langweilig.“, befahl Emiglar in bittendem Ton. Er wollte sich noch frommen Höflichkeit bedürfen, Karasu würde jetzt er zu den Waffen greifen. Aber kleine Kinder und Schwache darf er nicht verletzen. „Karasu. Mein Name.“, sagte Karasu schroff und schaute nach oben, das Blätterdach war über ihnen offen, eine wahre Seltenheit, aber es war praktisch. Er konnte sich die Zeit vertreiben, während er auf eine Reaktion der versteinerten Jungen wartete: er konnte den Sternenhimmel beobachten, den er so lange nicht mehr betrachtet hatte.

    Ich… was rüttelst du mich wach?! Wir müssen gehen? Ach ja, du hast bereits von deinem Treffen mit deinen „Bekannten“ bereits erzählt. Wir werden auf eine Reise gehen… Musst du einen alten Zwerg denn immer mit dir herumschleppen? Ach ja, ich vergaß, das ist dein Metier. Meine ich ernst. Ja, genau, gib mir das Brot auf dem Tisch, ich hab Sodbrennen, vielleicht wird daraus etwas Dünnflüssiges. Ich brauche keine Windel, vielen Dank. Wohin geht eigentlich die Reise? Verstehe, die Geschichte nimmt wieder einmal die Spuren der Vergangenheit… Ich hoffe um deinetwillen, dass du nicht der Nachfolger K… Vergiss das gedankenlose Gerede eines alten Mannes und lass uns aufbrechen. Wohin gehen wir noch mal genau? Ja… zu den Siegelbergen hinter dem Wald Uniadrin. Was machen wir dort? Das weißt du selber nicht, klasse.

    Karasu hatte seine Waffen wieder gefunden, sie waren ziemlich verdreckt gewesen. Sein Gespräch mit den zwei Knochenjungen, Flüchtlingen aus der Sklaverei, war nicht überaus aufschlussreich gewesen. Sie hatten wenig geredet, doch mit dem wenigen Informationen gefüttert, die sie von Karasu bekommen hatten, waren sie überaus zufrieden gewesen. Sie sind eingeschlafen wie kleine Kätzchen, die sich an den Zitzen ihrer oder irgendeines anderen Säugetiers mit Milch oder anderem voll gesaugt haben. Auf den Gesichtern der beiden spiegelte sich Sicherheit, Geborgenheit und auf keinen Fall Angst ab. Scheinbar hatten sie sich an die illusionsreiche Geborgenheit ziemlich gewöhnt. Vielleicht sollten sie es sich ganz schnell wieder abgewöhnen, auf der Hut mussten die beiden Kinder immer noch sein. Vielleicht nicht vor einem Wüterich wie Karasu, aber vor ihren ehemaligen Besitzern. „Ja, hoffentlich muss ich die nicht adoptieren…“
    Er zog seinen leicht lädierten Umhang hervor und hielt ihn in beiden Händen, als ob es ein wertvolles Schwert gewesen wäre. „Hm… ich sollte schneller weggehen. Die Kleinen könnten aufwachen, sollen die weiter an ihrem Daumen nuckeln.“ Er zog sich seinen Umhang und band ihn sich an die Schultern. Ein seichter Wind wehte herbei und umfasste den Umhang, sodass er leicht mit ihm hin und her wehte, ein Spiel wie Hand in Hand von seidenem Umhang und der Hand von Vater Wind. Zwei Kinder die ihre Arme reichen, sich beginnen zu drehen, alles voll Freude. Doch Karasu war es nicht so zu mute. Er sinnte zurück an sein Heim, seine Kindheit, seine erste Liebe… Er schloss seine von der Sonne geblendeten Augen, ein langer Schein der Sonne fiel auf ihn herab. Er fühlte seine Gedanken fliegen, schwirrend durch die Luft wie hochgeworfene Blüten. Eine Träne rann ihm über seine Wange hinweg, Schmerz, das war das Einzigste was er jetzt spürte. Dann lächelte er, eine weitere Träne rann ihm über die Wange. Schöne Momente, an solche konnte er sich noch erinnern, wenn auch nur in Schwarz-Weiß Auflösung.

    „Ich hasse die Welt für all ihren Schmerz, den sie sich selbst bereitet…“, sagte Karasu, als der Wind wendete. „Vater Wind, trage meine Gedanken hinfort, um meinen letzten Kampf anzutreten…“ Er schulterte eine seiner sensenartigen Waffen über seine linke Schulter, die andere behielt er am Gürtel baumelnd. Er machte einen Schritt nach vorne und schaute kurz zu seinen kleinen Freunden zurück. „Seit frei und lebet lang.“, so wünschte Karasu den Knochenjungen, wie es sich für den Kodex seines schon lange nicht mehr existierenden Orden gehörte. Dann machte er einen Schritt, jetzt mit dem linken Bein. „Und ich bin frei von aller Schuld.“ Dann ging er weiter, schnellen Schrittes, in die Richtung, in der eigentlich die Waldstadt Uniadrin liegen sollte. Ein schwaches, ruhiges Lächeln zierte sein Gesicht, als er durch den Wald schlenderte. Es bedurfte keiner Eile, die Kleinen würden sich noch schlafen. Warum dachte er noch an sie? Er war weich geworden, unter den kleinen Kindern, die nicht mal anständig ihre Waffen halten konnten. Von Benutzen war gar nicht die Rede. Mit ihnen Schaden anzurichten? Nur in ihren Träumen. Wenn sie nicht einmal einen Baum in der Nähe nach zahllosen Schüssen getroffen hatten, war es kein Wunder warum sie scheinbar nichts zu essen bekamen. Sie waren nur zum Rennen und bloßen verfolgen gedacht, die Waffen dienten nur zur Zierde. Karasu war an einer hellen Lichtung angekommen, allmählich würden die hellen Stellen im Wald überhand gewinnen. „Ich muss schon in der Nähe von der Waldhauptstadt sein.“ Allmählich bemerkte etwas Merkwürdiges in seiner Nähe. Karasu blieb stehen und wandte sich um. Irgendetwas war merkwürdig, er hörte den Ton von einer hackenden Axt, die mit außergewöhnlicher Schnelligkeit immer wieder in das bemitleidenswerte Holz einschlug. Karasu packte auf einmal eine Neugier, vielleicht würde er wenigstens etwas zu essen finden. Er wollte nicht noch einen ganzen Tag hungern müssen. Mit einem hungrigen und wilden Gesichtsausdruck bewegte er sich auf einen Busch zu, hinter welchem er die hackende Axt vermutete. Speichel floss ihm im Mund zusammen, sicherlich würde sich dort auch etwas für ihn zu essen zu finden sein. „Hm… frisches Brot und Obst…“, murmelte Karasu hungrig, seinen Hunger hatte er erst jetzt wiederentdeckt. Seine letzte Ration Proviant hatte er vor zwei Tagen lässig verputzt, da hatte er noch nicht solchen Hunger. Er erblickte auf der anderen Seite des Gebüsches ein kleines Fass Met und ein Köfferchen in dem vielleicht etwas zu essen drinnen war. „Hey! Was glotzte so?!“, rief eine Stimme von weiter her. Karasu weitete seine Augen, als er die Kreatur erblickte, die in starkem Dialekt sprach.






    So, natürlich konntest du sicherlich erraten, dass ich diese „Kreatur“ war. Mist, eigentlich wollte ich es nicht verraten. Nun ja, sei es wie es sei. Du musst alles wissen, wenn wir schon auf den Spuren dieser alten Geschichte wandeln. Du sagst, wir müssten dies tun. Nein, ich alter Zwerg muss es nicht nochmals. Die Geschichte ist von einem traurigen Ende geprägt. Zumindest das darfst du jetzt schon erfahren. Wohin fahren wir jetzt in diesem Karren? Vor die Grenzen des Reiches Uniadrins? Ja… das ist eine gute Richtung um zu sterben. Warum ich meinen Dialekt nicht mehr spreche? Wie soll ich sagen, das erfährst du später noch. Kann der verdammte Karren nicht normal fahren, bei der Rüttelei könnte man ja den alten Grenzwall vor Uniadrin zum brechen bringen… Gut, gemacht. Ich habe es noch gefragt, aber wie lautet dein Name? Fjörek… ein sehr seltener Name für ein Menschenkind. Hach… waren die Zeiten mit Karasu schön… wenn auch es ein jähes Ende nahm…
    Ich soll weiter erzählen. Das kann ich tun.

    „Noch nie ’nen Zwergsch beim Holzhacka gesehea?“, fragte der unbärtige Zwerg, scheinbar war es einer dieser „ehrlosen“ Zwergen, die ihre Bärte wegen Haarausfall verloren hatten. Bemitleidenswerte Kreatur, dachte wahrscheinlich Karasu und ging schnurstracks durch das Gebüsch, vor dem er Ausschau gehalten hatte. „Nein, schon.“, antwortete Karasu dem angriffslustigen Zwerg, der jetzt seine Axt auf ihn gerichtet hatte. Auch wenn diese Zwerge ganz niedlich und teilweise lächerlich aussahen, waren es ziemlich starke Gegner, die kein Pardon kannten. „Na, was willsch’ dann Kleener?!“, fragte der kleine bartlose Zwerg, der Karasu gerade einmal bis zur Brust ging. Kleiner war Karasu nicht, eher das krasse Gegenteil. „Essen. Bekomme ich etwas?“, fragte Karasu höflich, er ignorierte den komischen Dialekt des Zwergen komplett, er wollte was zu essen, auch wenn ihm dieser „Gnom“ suspekt war. „Haja! Kriegsch was zu futtra!“, brüllte der Zwerg mit jeder Menge Spucke zu Karasu herauf. Karasu wischte die klebrige Spucke von seiner Kleidung und sagte nichts, dachte aber eine kurze Zeit: „Wenn man diesen einen Zwerg vervielfachen würde, ungefähr eine Million Exemplare, dann wäre das der Untergang dieser und aller Welten…“
    „Aber erst musste was tun dafür.“, sagte der Zwerg ernst und blickte pflichtbewusst in Karasu’s Augen. Karasu zuckte bloß mit den Schultern und stierte dem kleinen Kerl in seine kleinen schwarzen Knopfaugen. „Du muscht für mia mei Holz hacka.“ Karasu, der jetzt überhaupt nichts mehr verstanden hatte, brauchte einen Übersetzer: „Was soll ich mit irgendwelchem Holz machen? Dir auf die Birne schlagen?“ Hunger hatte er trotzdem.





    Haha!! Ja, jetzt weißt du auch, woher ich diese Geschichte kenne, Fjörek. Aber du weißt nicht, was für einen Sinn das ganze zu erzählen hat. Ich auch nicht, aber es scheint meine Bestimmung zu sein. Hat mir ein Engel erzählt, kein Engel wie du glaubst. Ein dunkler Engel, der mich eigentlich ihren Harpyienschwestern zum Fraß vorwerfen wollte. Und der wohl wichtigere Fakt: es war ein weiblicher Engel. Was war sie wunderschön, eine bezaubernde Furie… Sie wollte meinen Tod, ich wollte ihr meine Liebe…
    Fjörek, schläfst du etwa? Beschwer dich nicht wegen dem kleinen Stups, nun ja eher ein Schlag mit der Faust auf dem Hinterkopf… wo ist der Unterschied? Wo sind wir schon? Vor der stählernen Mauer von Uniadrin? Wir müssen zehn Tage warten?! Wofür? Ach ja, Kontrollen… zu meiner Zeit gab es so etwas nicht, das heißt zu Zeiten unserer Geschichte. Aber es gab sicherlich, etwas weitaus schlimmeres als Personalkontrollen. Glaub mir, damals war es schlimmer. Nun ja, außer wenn mich weibliche Kontrolleurinnen komplett durchsuchten, das hat schon seine Vorzüge, wenn du weißt was ich meine… War klar, du weißt es nicht…

    Der Zwerg war Karasu seine große Axt zu, ein Meisterwerk an handwerklicher Kunst: geschliffene Diamantklinge, überzogen mit einem Schutzzauber, der das Rosten und jegliche andere Abnutzung gar nicht erst möglich machte; ein Griff aus handfreundlichem, weichen Holz. Aber es war nicht irgendein weiches Holz, nein, es war aus den magischen Zauberwäldern in der unterirdischen Welt der Zwerge. Es passte sich automatisch der Griffart und Hand des jeweiligen Trägers an, vorzugsweise Zwergen. Sie hatten nicht so große Hände wie manch andere Wesen, Riesen würden keinen Spaß an diesem Universalgerät haben. Auch wenn Karasu immer noch nicht verstanden hatte, was der kleine Gnom von ihm wollte, fing er die Axt gekonnt. Er war kein Freund von Äxten, sie waren zumeist einfach nur grob und für oberflächlich denkende Kämpfer gedacht, die keinen Spaß hatten, am sinnlichen Kampf. In seiner alten Wüstenheimat gab es kaum Axtkämpfer und wenn, dann waren es wohl die dümmsten Kämpfer, dies es gab. So empfand es Karasu zumindest. Ein Schwert oder eine sensenartige Klinge hatte andere Vorzüge: sie musste mit Kraft geführt werden, brauchte aber dennoch einen scharfen Verstand um den gewünschten Effekt, in den meisten Fällen Schaden, zu erzeugen. Wobei man sich selbst natürlich keinen Schaden zufügen möchte. Karasu war nicht enorm muskulös, seine rohe ungeballte Kraft war begrenzt, doch sein Verstand war weitaus gefeilter. Sicherlich stand Karasu völlig perplex mit der dennoch anmutig wirkenden Axt in der Hand und betrachtete sie genauestens. „Vielleicht, wäre es nicht schlecht, wenn ich mir eine andere Waffe zulege.“ Karasu dachte nicht an eine solche Axt, kraftvoll war sie, aber auch diese Waffe kannte ihre äußerst sensiblen Grenzen. Eines dieser Gewehre… vielleicht in einem handlicheren Format.

    Ob es so etwas schon gab, das wussten nur die Knochenjungen, die ihm das Leben gerettet hatten. „Na, was glotzte so dämlich auf das Ding? Mach disch ran!“, sagte der Zwerg schnaufend und plusterte sich unbegründet auf. Scheinbar gefiel ihm nicht der Gedanke, dass Karasu kein Axtfreund war.
    Man muss noch anmerken: Zwergen lieben ihre Äxte und die zweitgrößte Beleidigung wäre es, die Axt des jeweiligen Zwergs zu beleidigen. Die größte Beleidigung war es natürlich, seinen Bart zu stutzen oder ihn auch nur ein wenig kürzer zu machen. Natürlich hatten wir gerade die größte Schande von einem Zwerg vor uns: ein bartloser Zwerg, der durch ständig andauernden Haarausfall nie und nimmer ein Bart bekommen würde. „Habe keine Ahnung, was du von mir willst.“, sagte Karasu ehrlich und grinste den Zwerg an. Leser und Leserinnen, Zwergen sind das genaue Gegenteil eines Flegmatikers. Der stählerne, dicke Geduldsfaden ist gerissen. Das pausbäckige Gesicht des bartlosen Zwergen lief knall rot an, man könnte meinen, er würde gleich wie eine Sirene beginnen zu heulen und zu tönen. „Was? Kapierste nischt was du tun sollscht?“, brüllte der kleine Zwerg laut, der gesamte Wald von Uniadrin lauschte dem Gezeter. Karasu, kühl und gelassen wie immer, zuckte gleichgültig mit den Schultern. Der Zwerg fasste sich an die kahle Glatze, rief Odin und sonstige Götter der Zwergen an und beleidigte sie im gleichen Moment. Der Zwerg sah noch einmal wütend zu Karasu, seine Augen blitzten bösartig auf. „Argh! Alles muss man selbscht macha!“, zeterte der erbärmliche Gnom, riss Karasu behände die Axt aus den Händen und brüllte wie irre: „So machet ma das, so guck a mal!“ Er schlug auf den nächsten Baumstamm ein, sodass dieser zu Fall gebracht werden konnte. Während der lächerliche Liliputaner gegen den Stamm einschlug um die Arbeit für Karasu zu verrichten, zuckte Karasu. „Ich geh schon einmal alles Essbare auspacken.“, sagte Karasu dann und grinste: Er musste nicht mehr für den kleinen Gnom schuften und konnte trotzdem essen, eine unbedachte List. Er öffnete das Köfferchen, für einen kleinen Esskoffer war es zu groß, für einen großen Gepäckkoffer zu klein. Dennoch, es war viel zu essen, Karasu’s Augen weiteten sich vor Freude. „He! Wie isch dein Name, Kleener?“, rief der arbeitende Zwerg, der eigentlich vor hatte Karasu für diese Arbeit auszunutzen. „Karasu. Dein Name?“, sagte Karasu kühl und goss sich aus dem Fass mit versilberten Hahn einen Krug voll des sanften, leicht dickflüssigen Mets. Er mochte Alkohol nicht in der Form, aber eine Droge blieb eine Droge. Es besänftigte, machte ruhig und vollkommen entspannt. Der Met war an sich nicht übel, wie alkoholhaltiger Honig, die Süße von Honig oder ähnlichem Süßstoff musste darin sein, das schmeckte Karasu.
    „Mei Name isch Djölmar von Hammerfisch. Freut misch disch kennenzulerna.“. Karasu verstand nur die Hälfte, aber es war sicherlich etwas Positives. Dann goss er dem arbeitswütigen Zwerg einen weiteren Krug voll und reichte ihn ihm. Sie begannen zu reden, über Götter, Kriege und die Welt.
    Alkohol löste bei wortkargen Karasus auch Geschwätzigkeit aus.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Yasao - 24.02.2007, 20:13


    Toll toll toll *______*
    *süchtig nach der Story sei*

    Aber am besten gefällt mir, und wir mir immer gefallen:

    Zitat:Ich will nicht wieder Buchhalter in einem Laden für schwarze Wesen sein, Lady Yasao hat mich herausgeschmissen… nur weil ich ständig Met im Lager gehortet habe… anstatt von magischen Waffen.

    XD ÜBERHAUPT nich arrogant



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 24.02.2007, 20:36


    ^^ Wirst noch einige Male vorkommen, ist fest eingeplant ^^
    Vielleicht etwas aktiver sogar. Aber nicht im Vordergrund, sorry,... ^^



    Re: Fantasy-Story ^^

    Yasao - 24.02.2007, 20:37


    Ist nich schlimm ^_^ mein süßer Karasu is immerhin ein Hauptchara



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 04.03.2007, 21:29


    Hach, wie hat er gerne den zwergischen Met getrunken. Und wie viel wir an einem Abend so getrunken haben, da hätte nicht einmal der trinkfesteste Kobold mitgehalten. Wir sind da? Gut, dann können wir endlich wieder etwas trinken, Fjörek, ich muss dir das Trinken endlich beibringen, es kann nicht mehr so lange weiter gehen. Die weißen Mauern vor der Stadt Uniadrin, der Hauptstadt und unser erstes Ziel. Dies war auch unser Ziel damals. Du willst mehr wissen? Doch, dann würde ich dir den Spaß an der Geschichte verderben. Lass einem alten verbitterten Zwerg seinen Spaß. Gut, hier sind wir uns einig. „Wir müssen in eine Hütte?“, sagst du. Hm… gefällt mir gut, wenn noch ein Fass mit Met. Schon gut. Ich nörgle nicht mehr. Der Wagen hält an, gut, du gehst als erster hinaus. Ich erzähle die während der Kontrollen weiter, du musst alles wissen, damit du…. Ich verrate nichts.

    Es war ein neuer Morgen im Wald von Uniadrin und Karasu bemerkte die ersten Anzeichen, das Alkoholismus nur für kurze Zeit nette Nebeneffekte mit sich brachte. Kopfschmerzen, die durch den gesamten hohl gewordenen Kopf dröhnten, scheinbar hatten die meisten Nicht-Alkoholiker recht: sein Gehirn schien wirklich einiger Gehirnzellen zuviel beraubt.
    Der Zwerg mit dem Namen von Hammerfisch, so wollte er nämlich genannt werden, schien vollkommen quicklebendig. Er zog eine kleine Feldflasche hervor und trank etwa zwei Schluck aus dieser. Er schloss sofort die Augen, schmatzte laut und stöhnte. „Hach… gut tut das Allheilmittel…“, sagte der Zwerg mit Augen, deren Pupillen plötzlich so groß waren, dass man die Iris oder Regenbogenhaut nicht mehr oder kaum sichtbar war. Die Beiden, der Zwerg und Karasu, waren gute Bekannte geworden und haben sich im Rausch geschworen, einen gemeinsamen Weg zu gehen. Dies hatten sie dann mit einem weiteren Krug Met besiegelt. „Hey! Wo goats hinna?“, fragte von Hammerfisch. Das Wort „goats“ wird wie „kotz“ ausgesprochen, es hörte sich ganz danach an. Auch wenn Karasu den Sinn verstand sagte er: „Zum Kotzbrocken.“ Der Zwerg schaute perplex zurück. „Nur ein Witz. Zur Hauptstadt.“, entgegnete Karasu dem perplexen Gesicht von Hammerfisch. Die Perplexität blieb erhalten, doch jetzt schien es ihm klarer. Karasu war zufrieden mit sich. „Dann isch goat.“, das heißt soviel wie: „Das ist gut.“
    Für die, die kein Zwergisch in extremalen Dialekt können. Karasu setzte sich auf und lehnte sich mit dem Rücken an einen abgesägten Baumstumpf, von Stamm war seit gestern nichts mehr übrig, außer Asche. Diese Asche, vielleicht der Nährstoff der Zukunft für den kleinen Baumstumpf, war von einem Kreis aus Steinen, knapp so groß wie Karasus Faust, beide Fäuste von Hammerfisch, umringt. Ein seichter Wind wehte durch das Blätterdach und Karasu fragte den Zwerg: „Ist noch ein wenig Met da?“, nach dem er den frischen Wind eingeatmet hatte, fuhr er fort: „Brauche noch ein wenig zu trinken.“ Der Zwerg grinste zu Karasu und reichte wenige Minuten später ihm einen vollen Krug. Beide hatten die Krüge in der Hand, den letzten bis zur nächsten Kneipe. „Gehen wir?“, fragte der Zwerg, die Pfade zweier Wesen folgten nun einem. Karasu nickte mit einem Lächeln, es war gut, einen Kameraden bei sich zu haben. Nur ein kleines Fässchen Met und zwei Freunde fanden sich fürs Leben. Welch Ironie.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Elfarion Stormblade - 04.03.2007, 21:34


    Ausgezeichnet geschrieben! Spannend, aber auch irre witzig! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 04.03.2007, 21:38


    ^^ Danke, aber ist schon genial, dass gerade diese Story gut ankommt.
    Achja, ich binde dich auch mal in der Story ein, aber nur ganz beiläufig. Wann kann ich nicht verraten, aber es müsste bald sein. ^^



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 26.05.2007, 21:56


    [Out of Story: So, ich melde mich zurück mit dieser Story. Nachdem ich Ewigkeiten das Projekt im "halben" Grab ruhen lassen habe, werde ich sie unter Umständen weiterführen, sollte der folgende (leicht lieblos gestaltete) Teil genauso gut ankommen, wie die vorhergehenden. Dieser Teil stellt wahrscheinlich das Ende des Kapitel 1 dar, oder wie ich auch immer diesen Teil nennen werde.

    Grüße, Valbrouel (Copyright by Heinrich Freer (2007) )]

    Karasu und Hammerfisch, ein Pärchen für das Lebensende, sie beide schritten nebeneinander durch den Wald, der sich langsam verdunkelte. Du fragst sicher, warum er sich verdunkelt. Gute Frage. „Weisch du warum ´s plötzlisch so dunkels is?“, brummte Hammerfisch in seinen nicht vorhandenen Bart. Durch das Blätterdach konnten sie nicht erblicken, was sich jetzt genau aufbrauste und bis auf das leise Rascheln der Blätter im kühlen Ostwind, herrschte eine gespannte Stille. Karasu kannte jene Verdunkelung, denn er war viel auf der Welt herumgekommen: dunkle Schatten krochen aus den tiefsten Winkeln hervor um nun die Welt ins Nichts zu jagen. So sagte zumindest eine alte elfische Sage, die Karasu einst gelesen hatte. Er sagte seinem bärtigen Weggefährten nicht, wie gefährlich solche Wesen sein konnten, wenn es sie überhaupt gab. Doch die Chancen stehen sehr gut, viel zu gut. Karasu ließ seine sensenartige Waffe hervor zucken, eine schnelle, gut eintrainierte Bewegung. Er hatte die Waffe fest im Griff, er passte seine Hand dem Waffengriff an. Er kehrte in sich hinein, denn so konnte er sich eines Angriffs bewusst werden. Oder auch nicht, dann hat er halt Pech gehabt. „He! Hörsch mir überhaupt zua?“, knurrte Hammerfisch aufgeregt, der letzte Krug Met ist schon längere Zeit her und man wusste immer genau, dass er in solchen alkoholarmen Situationen zum Bluthund werden konnte. „Hol‘ deine Waffe, gleich kommt etwas…“, murmelte Karasu und schloss die Augen. Er spürte, dass etwas in seine und Hammerfischs Nähe kam. Was es war, das konnte er nicht spüren. Er war auch im Aufspüren von verschiedenen Auren nicht geübt, aber er roch die Gefahr wie ein hungriger Hund, der ein gebratenes Stück Fleisch in seiner feuchten Nase spürte. Karasu blickte den Zwerg an und sah, dass Hammerfischs Nase nass vor Schweiß war. „Ist er auch ein Hund mit feuchter Nase? Nein, er säuft zu viel.“, dachte Karasu und der Wind peitschte den Beiden ins Gesicht. Hammerfisch hatte große Angst, Wind gab es in den tiefen Minen und Höhlen der Zwerge wahrlich nicht und wenn es ihn doch geben sollte, dann nicht in solcher Kraft. „Der komische Kerl da… ich hätt‘ liebr bei Mama bleiba solln…“, murmelte der Zwerg. Ein lautes, sowie hohes Lachen ertönte über dem Blätterdach, dass durch den ganzen Wald Uniadrins schallte. „Lass uns weitergehen…“, sagte Karasu, seiner Unsicherheit erhaben, dem bartlosen Zwerg zu. Regen, das Wasser vom Himmel, tropfte die Blätter hinunter, stetig an Menge wachsend. Bald hielt das Blätterdach nicht den steten Regenfluss ab und ließ diese Wassermassen über den Waldboden ergießen. „Ja, hasch recht, den Giftpilza am Boden wird der Regn gefalla…“, sagte Hammerfisch und stampfte Karasu hinterher, denn Karasu war ohne ihn losgegangen, den Weg zur großen Stadt in mitten des Waldes von Uniadrin. Ein trister Tag ging so zu Ende und ein voller Mond, der für unsere Gefährten nicht sichtbar war, schien in seiner großen Macht. Doch vielleicht sahen ihn andere, andere denen wir bereits auf unserer Reise begegnet sind.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Elfarion Stormblade - 30.05.2007, 19:13


    Also ich fänds super, wenn du weitermachen würdest. Das ist einfach nur genial.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 07.06.2007, 18:32


    Das alles vorher war Kapitel I, jetzt kommt der Beginn von Nummer 2.
    Viel Spaß.

    Der Mond war am Himmel sichtbar, als eine dunkelgekleidete Frau von etwa 25 Jahren eine Allee in den Straßen von Uniadrin, der Hauptstadt der ganzen Region, die sich genauso nannte wie ihre Hauptstadt. Scheinbar war diese junge Frau Spazieren, in den bereits dunklen Straßen, die nur spärlich durch einige magisch betriebene Lampen beleuchtet wurde. Der dunkle Umhang schleifte am Boden und man hörte das Aufklopfen ihrer hochhackigen Schuhe aufhallen, die Stadt schien ausgestorben. Sie blieb stehen und lauschte in die Nacht. Ein stetiges, wenn auch kaum hörbares Grummeln und Knirschen war hinter der Tür zu ihrer Rechten zu hören. Die Tür gehörte, ob sie wollte oder nicht, zu einem sehr heruntergekommenen Gebäude aus roten, teilweise entwendeten Backsteinen bestehend. Ihr Blick wanderte zu dem zugenagelten Fenster, die eher einem Geschosseinschlag ähnelte. Scheinbar ist auch bei der letzten Belagerung hier eines hereingebracht. Aber das Haus sah sicher zuvor auch genauso schäbig aus. Sie wartete auf einen Klienten, der ihr eine neue Schriftrolle verkaufen würde. Es schien sich um eine wertvolle Schriftrolle zur Beschwörung ihrer dunklen Schattenwesen zu handeln, sogar wenn es nur ein Wortfetzen ist. “Wo bleibt dieser Gnom… er hat versprochen, bald aufzutauchen…” Sie erinnerte sich an letzte Woche zurück, als ein kleinwüchsiges Wesen, mit scheinbar stark verkrümmter Haltung, sich in ihr Geschäft begeben hat um ihr ein Angebot zu machen. Nein, kein Heiratsantrag. Eher einen Handel, warum sonst würde sich jemand in ihren dunklen Laden begeben, außer wenn jemand wirklich etwas aus ihrem Laden wollte oder neugierig, blöd und gleichzeitig ziemlich mutig war. Der Kleinwüchsige, sie hielt ihn für einen Gnom, hatte ihr für mehrere Pfund Ratteneingeweide eine Schriftrolle versprochen. Natürlich nahm sie selbstverständlich an, denn solch ein Schnäppchen konnte sie sich einfach nicht entgehen lassen. Sie war verrückt, in mancherlei Hinsicht für normale Menschen schon, aber eigentlich ist ihre Verrücktheit nach dunkler Magie gemeint. Jeder mied es, der nicht den dunklen Mächten unterworfen war, in ihre Nähe geschweige denn ihrem Laden zu kommen. Sie wartete einige Minuten lang und langweilte sich allmählich, das heißt, gleich nach der ersten Minute des Wartens. Dennoch zeigte sie das eigentlich nicht sehr, die dunkle Kleidung und die in Dunkelheit gehüllte Umgebung kaschierte diese Laune.
    Nach einigen weiteren Minuten war sie im Inbegriff zu gehen, zehn Kilo Ratteneingeweide und ihre wertvolle Zeit waren verschwendet und mehr Zeit wollte sie auch nicht damit vergeuden, hier auf einen “Gnom” zu warten, der vielleicht gar nicht kommen würde. Wahrscheinlich hat er sich mit einigen Kollegen in die Kanalisation verkrochen, den selbstgemachten Grog getrunken und von dem mitgebrachten “Futter”, also den Ratteneingeweide, die im gebratenen Zustand bei den Gnomen als Delikatesse galten. “Ich geh jetzt, langsam reicht’s auch…”, murmelte sie hinter ihrer Kapuze, die nur die rechte Hälfte ihres Gesichtes versteckte. Die Tür hinter ihr knarrte auf, als ob ein Obdachloser hinter seiner Zeitung, die als Deckenersatz eingesetzt wurde, schnarchend auf einer Sitzbank liegen würde.
    Manche dieser Obdachlosen waren sehr laut wenn sie schliefen. Doch es war kein Obdachloser mit Obdach, sondern der von ihr gesuchte Kleinwüchsige.
    “Verzeiht, Lady Kenshi. Das Essen ist serviert.”, sprach der Kleine mit einer rauchigen, schrägen Stimme. Yasao hatte einen kurzen Warentausch erwartet, Gnome waren normalerweise recht arm und geizig. Und sie sparten gerne Zeit, denn sich Betrinken und dann stöhnend zu dösen, das waren wohl die Lieblingsbeschäftigungen dieser Wesen, die Lady Kenshi als minderwertig empfand. “Eh… sollten wir nicht einen Warentausch zu Ende bringen?”, fragte sie mit ihrer sehr kühlen Stimme, so kalt als ob sie jemand gerade eben von den eisigen Polen geholt hat. Der Gnom blickt zu ihr hinauf und hob die Kapuze, sie hatte ein pickliges, grünhäutiges Etwas erwartet, aber es bot sich etwas ganz anderes: ein rundes, stark bepelztes Gesicht, dass sie irgendwie an einen süßen Welpen erinnerte. Es fehlte aber eine feuchte Nase, denn diese war nicht dunkel und feucht, sondern sah einer menschlichen sehr ähnlich. “Nun gut, kommen Sie herein, hier werden nur die Wachen aufmerksam.”, murmelte der Pelzige und richtete wieder seine Kapuze. Lady Kenshi trat in das stark heruntergekommene Haus ein und hoffte ihre Schriftrolle schnell zu bekommen und sich nach Hause begeben zu können. Wegrennen konnte sie jetzt nicht mehr. Es schickte sich nicht sehr, außerdem hatte sie zu viel mitgemacht, als dass sie jetzt sehr viel Angst haben würde. Tief im Inneren war sie noch das gleiche ängstliche Mädchen von früher, aber das war früher und jetzt ist jetzt.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Yasao - 07.06.2007, 19:06


    Bisher frand ich deine Story schon klasse! Aber das Kapitel übertrifft alles. Ich mag es wie du mich darstellst XD ahja und das beste fand ich:

    Zitat:Die Tür gehörte, ob sie wollte oder nicht, zu einem sehr heruntergekommenen Gebäude



    Re: Fantasy-Story ^^

    Elfarion Stormblade - 07.06.2007, 19:11


    Juhu! Eine Fortsetzung. Ich mag es, wie du die Atmopsphäre in der dunklen Straße und überhaupt die Zwielichtigkeit der erscheinenden Charaktere (nich böse nehmen, Yasi) beschreibst.

    Eine kleine Anmerkung noch
    Zitat:fragte sie mit ihrer sehr kühlen, so kalt als ob sie jemand gerade eben von den eisigen Polen geholt hat.
    Ich schätze mal, da sollte irgendwo noh das Wort Stimme hin, oder?
    (Bitte nimms mir nicht übel, es ist mir halt aufgefallen)



    Re: Fantasy-Story ^^

    Valbrouel - 09.06.2007, 21:27


    “Reich mir mal den Streitkolben.” “Für was brauchst du das Ding, du kannst es doch kaum tragen.” “Ich kämpf doch damit nicht, der Kraftprotz da drüben soll das für mich erledigen.” So stritten sich die zwei mittelgroße Männer, die scheinbar noch recht grün hinter den Ohren im Männerdasein waren. Ihr Alter ließ sich höchstens auf etwa zwanzig Jahren schätzen, sie hatten kaum Haare im Gesicht und ihre Haut war weich und hatte noch nicht die Bekanntschaft mit Herrn Rasiermesser gemacht. Einer der beiden, der nach dem großen Streitkolben gefragt hatte, hatte kurze, stoppelige Haare die die Farbe von Ebenholz hatten, der andere hatte eine kahle, blank polierte Glatze sowie einer lang gezogenen Narbe über dem rechten Auge, die wahrscheinlich von einer Klinge herrührte. Dennoch hatte der Kahle keine Sehprobleme, warum auch? Er las nie sehr viel und ist nur in der Nutzung von Waffen geübt, von seinem Hirn hat er nur im Kampf desöfteren Gebrauch gemacht. “Warum sollte der da hinten, meinen Kolben schwingen können? Ist doch zu schwer für den kleinen Wicht…”, sprach der Kahle wahre Worte, denn von dem die beiden sprachen war keineswegs groß und muskulös, eher lang gezogen und dürr wie ein Klappergestell. “He, du!”, rief der Jüngere und behaartere von den beiden Kämpfern einem vermummten Kerl, der Gesprächsthema war und still an seiner Tasse Tee nippte. Der in dunkles Tuch vermummte Mann regte nicht einen Muskel um seine geistliche Anwesendheit zu signalisieren. “Bist du taub? Oder auch noch stumm?”, redete der junge Mann mit einem Schwertbrecher auf dem Rücken und nur wenigen Bartstoppeln auf dem Gesicht.
    Er verhielt sich ungehobelt, wie der Glatzköpfige mit dem Streitkolben fand.
    Der lange vermummte Kerl stand auf, als wenn ihn ein Krebs in sein Gesäß gekniffen hätte. Stumm brummte der vermummte Mann etwas und griff nach seiner Waffe, einem langen Säbel mit einem langen ebenholzen Griff, der im Vergleich zur Schneide dünn und gebrechlich wirkte. Der Glatzköpfige wich in eine Ecke des höhlenartigen Raumes. Er hatte natürlich keine Lust wegen der Tollheit des jungen Grünschnabels an der Klinge des lang gezogenen Kämpfers zu enden, deswegen wich er vor dem Kampf, der sich vor seinen graugrünen Augen zusammenbraute, zurück. Der Vermummte sprach mit einer leisen und extrem hohen Stimme auf den jungen Mann ein: “Ich hoffe du endest an diesem Tag, an dem du dich mit Schwertmeister Kaani Reklington angelegt hast!” Seinen eigenen Namen sprach er mit großmütigem Stolz aus, die letzten Worte des Satzes waren eher geschrieen als gesprochen. Der magere Schwertmeister namens Kaani hob seine enorme Klinge vor das Gesicht des jungen Burschen. Schweiß floss wie ein Tsunami über den völlig kahlen Kopf des Narbigen und er dachte: “Craven, wo hast du dich da nur hineingeritten mit dem Jungen…?” Der Jüngere zog seinen Schwertbrecher seelenruhig, wobei die Aufmerksamkeit eigentlich nicht auf sein rechtes zitterndes Knie fallen sollte: Es zeigte nämlich enorme Furcht vor dem Meister der Klinge. Ein Schwertbrecher war eine sehr kleine Axt, die durch ihre enorme Geschwindigkeit berauschte. Diese Geschwindigkeit und die rohe Kraft einer geschwungenen Axt, machte es sogar möglich Schwerter zu zerbrechen und sie so beinahe unbenutzbar zu machen. Craven der Kahlkopf rieb sich an seinem polierten Schädel und wartete bis einer der beiden angreifen würde. Wer hatte mehr Grips und würde einen übereilten Angriff abwarten und wer nicht? Und wer würde noch mehr Grips haben und jetzt ganz schnell verschwinden? Genau: Craven die kahle Kanonenkugel, wie man ihn nannte.


    (Kommentar: So, ich bin nicht zufrieden mit diesem Teil. Aber egal. ^^ Danke für die netten Kommis, den Fehler von Elfi (danke für's Bemerken :D) hab ich natürlich korrigiert.)



    Re: Fantasy-Story ^^

    Elfarion Stormblade - 09.06.2007, 21:31


    Also ich finds toll.



    Re: Fantasy-Story ^^

    Ren - 09.06.2007, 21:32


    Mag es mag es *__*
    *sich aufs nächste chapter freu*



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