Paktierer - verlorene Seelen

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    Re: Paktierer - verlorene Seelen

    Tarlas - 20.02.2007, 21:34

    Paktierer - verlorene Seelen
    Paktierer - Verlorene Seelen

    Gebeugt, im schwachen Flackern der Kerze, ein erbärmlicher Anker für das blasse Licht, das die Schatten und die Dunkelheit nur tiefer wirken lässt, schwerer, wie massive Wände aus einem öligen Schwarz, das scheinbar nur darauf wartet, die kleine Flamme unter sich zu begraben und die Lungen des Mannes bis zum Bersten zu erfüllen, sitzt "er" an einem zerbrechlich wirkenden Schreibtischlein, umgeben von hochgestapelten Wällen aus dunklem Leder und brüchigem Pergament. Die Züge des Mannes wirken ungewohnt bitter, schwermütig und blass - jede Bewegung spricht von Mattheit und resignierter Müdigkeit.

    Eins der Bücher erweckt seine Aufmerksamkeit. Unauffällig, gebunden in brüchiges billiges Hirschleder. Der Inhalt nicht das, war er eigentlich zu finden sucht, doch... ein gedämpftes "Hmm..." hallt von den Wänden wieder, die unheimliche Stille, die bleischwer über der Szene zu lasten scheint, nur betonend.



    Re: Paktierer - verlorene Seelen

    Tarlas - 20.02.2007, 21:37




    Das heutige kleine Fest der Selachis in ihrem reich geschmückten Anwesen, ein grausamer wulstiger Bau voll überbordendem Tand, wird meine unabwendbare Rache, welche ich seit Anbeginn meines Denkens verfolge, endlich mit sich bringen. All die Schmähungen der Jugend, all die nachdenklichen Blicke voll schwarzgallischem Mitleids, all die winzigen Gesten der achtlosen Herablassung, werden geächtet werden. Jene, die mich verstoßen haben, mich als Bastard schimpften und in erniedrigender falscher Großzügigkeit mir winzige Häppchen meines Geburtsrechts, fest gebannt in jeden Tropfen meines Blutes und jede Faser meines Körpers, vorwarfen, wie einem sklavischem Rassehund die Reste des feierlichen Abendmahls gewährt werden, werden in verzückenden Schreien büßen, mit jedem Herzschlag, der ihnen heißen brennenden Schmerz durch die Adern jagen wird.

    Ich spann ein gewaltiges Spinnennetz aus Täuschung, Verrat, Heimtücke, falscher Liebe, unerwiderten Leidenschaften und qualvoller Untreue. Ich entzweite, säte den Keim der Zwietracht in der hochverehrten Gesellschaft, ließ wahre Liebe ob schlichten Nichtigkeiten zerbrechen und formte schmerzende Abhängigkeit aus schlichten Nichtigkeiten. Ich demütigte mich selbst, lag jenen bei, die ich sosehr verachtete, umschmeichelte ihren Körpern, ihren Geist, ihre Sinne und verfing mich in meinem selbst gesponnenen Netz, jeden Moment genießend, ob nun die verheißungsvolle Vorfreude auf meinen Triumph, die heiß-kaltes Erschaudern an meinem Rückgrat herunterwandern lässt, oder die verführerische Erniedrigung, die mein Werk so vehement von mir forderte und die mir ätzende bitter schmeckende Galle bis an den Gaumen hochtrieb. Den ganzen Rückweg zu meiner Kammer, zu den letzten meditativen Momenten, die ich genussvoll und jedem fallenden Korn in der Sanduhr bewusst auskostete, indem ich ein letztes Mal mein Haar richtete, ein letztes Mal meine feinste Kleidung, einzig gefertigt für diesen kurzen Augenblick, über meinen Körper strich und ein letztes Mal das Spiegelbild betrachtete, jenes vertraute und doch fremde Gesicht, das nicht das meine ist und das ich dennoch tagtäglich trage, ließ ich mich schweben in jenem Zustand zwischen drängender Vorfreude und dem bitter schmeckenden Gefühl der Abscheu, das meinen Hals zuschnürte. Fast wäre ich vergangen in all der quälenden Freude, die sich brennend aus unbändigem Quell in meine Seele ergoss, doch der verführerische und herbeigesehnte metallische Geschmack meines eigenen Bluts, welches ich in tiefen genießenden Schlucken trank, als auch der wundervolle Geschmack der eigenen Zunge, rohes zartes Fleisch, noch fast zur Gänze erfüllt vom süßen Geschenk des Lebens, ließ mich erschaudernd innehalten, mich ein mein Ziel, meinen Wunsch und ihr Versprechen für meine Seele erinnernd. Ein sorgsam zelebrierter Akt, den ich schon so oft genossen habe, erfüllt von ihrer Berührung, dem sanften Streichen ihrer gespitzten Fingernägel über meine Wange, meinen Hals, schauderhafte Hitze durch meinen Körper schickend, während ihre pechschwarze Galle in all ihrer Verderbtheit in meinen Knochen wütete. Ich sah der dunklen Natur der Lust, bar jedes naiven Schleiers der Moral und der Tugend, der die Wahrheit verhüllt, ins Gesicht. Ich sah das Lächeln. Ich bin bereit, meine Forderung einzulösen. Das Geschenk meiner Rache als der höchste Gipfel des Genusses.


    Abschrift einer Seite aus dem Tagebuch des Schwarzmagus Nichlas Ims, auch bekannt als Niccolo ap. Iames, unehelicher Spross eines entfernten Zweigs der hochadeligen Königsfamilie, Paktierer mit der Gräfin der schwarzfaulen Lust. Schon vor dem Seelenpfand ein Meister der heimtückischen Intrige, verliehen ihm die Gaben seiner fünfgehörnten Herrin die Macht eines Puppenspielers über die Leidenschaft und die Qual seiner Opfer. Er selbst fand den Tod durch ein selbst gesponnenes Netz von Intrigen, als all die verderbten Liebschaften, Brüche des Eheversprechens vor Vitama und sündhaften Ausschweifungen des Adels am Hof von Malthust hinter der dünnen Patina aus ehelicher unschuldiger Treue und höfischer Zurückhaltung hervorbrachen und er vom Zorn unzähliger verschmähter Liebhaberinnen und betrogenen Ehemännern zerfetzt wurde. Im weiteren Verlauf der Intrige, die weite Kreise zog und unzählige Rachemorde verursachte, verstarb ein großer Teil der adeligen Gesellschaft am Hofe von Malthust auf höhst blutige und grausame Weise.



    Re: Paktierer - verlorene Seelen

    Tarlas - 20.02.2007, 21:38




    Verlorenes Wissen harrt in jedem Winkel der Sphären auf meine Entdeckung. Nur die größte Feigheit vor dem eigenen Geiste vermag solch uraltes mächtiges Wissen von Tare zu tilgen.

    Verschlungene Schattenpfade führen zu jenem Wissen und jeder Tritt kann den endgültigen Verlust des Verstandes bedeuten, während auf dem Weg um jeden kleinsten Fetzen des verlorenen Wissens geschachert werden muss, als würde man nicht durch das unheilige Reich unseres Herren wandern, sondern über einen übervollen Basar von Krämern und um aufmerksam heischenden Marktschreiern. Verführerische Einflüsterungen von flüchtiger, schwer zu fassender Macht vermischen sich mit dem Geräusch unzähliger Schreibfedern, die Geschichte Tares analysierend, in unzählige Fragmente zerbrechend und in schnöden Worten auf Papier bannend, jeden gelebten Moment jeder einzelnen Seele, befreit von der unnutzen Zier der Gefühle in nüchterne, mit kalter Präzision sezierte, Sätze gepresst.

    Wird Verlorenes wieder ans Tageslicht gehoben, so muss Anderes wieder verloren gehen. Jeder Dienst kostet seinen Preis und es ist an mir, meinen eigenen Preis zu bestimmen. Ich muss wohlgehütete Erinnerungen, im Verborgenen genossene Gefühle und Bruchstücke meiner Existenz, meines bestimmenden Wesens, meiner Seele, taxieren, messen, wiegen und ihren Wert bestimmen. Ein zwiespältiges Gefühl, die eigene Existenz im Geiste zu sezieren, aufzuteilen und den mit tiefster Genugtuung wiederentdeckten Stücken meiner Selbst möglichst objektiv, ohne Gefühlsduselei und Anwallungen falscher Scheu, zu teilen zwischen wertlosen Aspekten der eigenen Existenz, nutzlosen Erinnerungen und unentbehrlichen Kernstücken der eigenen so wohl gehüteten Seele. Als müsste ich mein entbehrliche Unzen aus meinem eigenen Fleisch schneiden und verschachern.

    Was ist die Erinnerung an den Namen meiner Mutter wert?
    Wie viel fordere ich für das Gefühl Felas warmer Berührung auf meiner Haut?
    Was wird mir der Verzicht auf den Genuss eines edlen Tropfens einbringen?

    Und ... wann überschreite ich den schmalen Grat zur Selbstauflösung? Was ist es, dass mein Wesen ausmacht? So viele Erinnerungen... so viele filigrane Fäden, aus denen mein Selbst gesponnen ist. Welche kann ich durchtrennen, ohne dass das Netz meiner Existenz auseinander fällt?

    Ich bin bereit, es zu erfahren. Ich habe Wissen erlangt, während mein Meister Stück für Stück sich selbst verloren hat. Ich habe sein Büchlein, in dem er mit feinen Lettern jeden einzelnen Pakt sorgsam verzeichnet hat. Jede einzelne verlorene Erinnerung, jedes aufgegebene Gefühl, sei es noch so nichtig. Und das Wissen, die verlorenen Geheimnisse, die er dadurch gewonnen hat. Ich weiss, was ich wert bin. Was meine Seele wert ist.

    Ich habe sein Dahinsiechen beobachtet und werde mich hüten, die gleichen Fehler zu machen. Ich sehe ihn in seiner Kammer, ein erbärmliches Spiegelbild seiner einstigen Machtfülle. Ihm wurde offenbart, wie er an zwei Orten gleichzeitig handeln konnten – und gleichzeitig verlor er die Erinnerung an seinen eigenen Namen. Er wandelte auf verborgenen Pfaden, geheimen Abkürzungen durch die Struktur der Sphären selbst und vergaß dabei seine eigene Muttersprache. Ein kurzes heftiges Aufbrennen von Macht, als er an einem Tag unzählige Male Unaussprechbares vollbrachte, um danach in der sanften Umarmung des ewigen Vergessens dahinzuschwinden.

    Die Einträge seiner Notizen sprechen von solcher Macht... solchen Geheimnissen. Den wahrhaften Namen des ewig herrschenden Fürsten Yerrodons, wo jeder seiner Herzschläge die fragile Existenz seines Reichs zu zersprengen droht. Das Geheimnis der Unsterblichkeit. Das Mysterium des tieferen Sinnes des Lebens. Welche Schande, welche unerträgliche Verschwendung, dass er zu diesem Zeitpunkt längst seine Sprache verpfändet hatte.

    Aufzeichnung der Gedankengänge von Ilius Arem, Paktierer mit dem Archivar des Verlorenen. Man fand seinen ausgemergelten ausgehungerten Körper in seiner Kammer, kurz nach dem Höhepunkt seiner Macht, als ein Aufbäumen seiner ehemaligen Kollegen sein wohlgesponnenes Machtgefüge auseinander zureissen drohte. Eine knappe Liste seiner Opfergaben an seinen Paktherren fand sich ebenso, doch zum Bedauern Aller blieben die letzten Einträge unverständlich, bestanden sie nur aus wirren Zeichen, als würden sie aus Kinderhänden stammen. Es kann angenommen werden, dass er seiner Schreibfähigkeit keinen allzu großen Wert beimaß, genauso wie der warnenden Funktion des Hungergefühls.



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