INTEGRATION d. KATHOLIKEN in der SCHWEIZ

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    Re: INTEGRATION d. KATHOLIKEN in der SCHWEIZ

    M.M.Hanel - 10.02.2007, 15:22

    INTEGRATION d. KATHOLIKEN in der SCHWEIZ
    Hier die Kurz-Geschichte der Integration der Katholischen Glaubensgemeinschaft in der Schweiz. Ein "Vorbild" für Muslime? (Hervorhebungen von mir)

    Die Katholiken kamen als Tagelöhner und Handlanger nach Zürich

    Von Michael Meier Zürich. -

    Heute gibt es in der Zwinglistadt mehr Katholiken als Reformierte. Und die Konfessionen reiben sich kaum mehr aneinander auf. Würde man heuer nicht das 200-Jahr-Jubiläum der katholischen Gemeinde Zürich feiern, bliebe vergessen, dass der Stadtstaat nach der Reformation sozusagen eine katholikenfreie Zone war - 300 Jahre lang immerhin.
    Die Reformation hatte Zürich akkurat von allem Römisch-Katholischen gesäubert: Kein Fronleichnamsfest mehr, überhaupt keine Prozessionen mehr. Der Bildersturm vom 15. Juni 1524 verbannte alle «Götzenbilder» aus den Kirchen. Mönche mussten aus ihren Klöstern fliehen. Die heilige Messe, von den Reformierten als ein «gotslesterlich stuck, ja ein endchristlich Werk» abqualifiziert, wurde am 12. April 1525 definitiv abgeschafft und verboten. Wer dennoch katholisch wurde, verlor Land-und Bürgerrecht. Für die wenigen katholischen Einwohner Zürichs duldete die Obrigkeit ab 1636 den katholischen Gottesdienst im Kloster Fahr. Dieses wurde zur eigentlichen Pfarrkirche der kleinen Schar der Zürcher Katholiken.

    Das Toleranzedikt von 1807
    Mit Aufklärung und Revolution entstand um 1800 eine neue Situation. Die napoleonischen Kriege machten aus den reformierten Zürchern und den Katholiken der Waldstätte Verbündete. Die neue Einheitsverfassung der Helvetik verkündete erstmals in der Schweiz die Freiheit der Presse, der Arbeit, der Niederlassung und vor allem die Freiheit des Glaubens und des Gewissens. Toleranz in konfessionellen Dingen war, theoretisch zumindest, das Gebot der Stunde.
    Als Zürich 1807 erstmals seit Inkraftsetzung der Mediationsverfassung die eidgenössische Tagsatzung beherbergte, beauftragte die Regierung einen Pater aus Rheinau, für die Delegierten der katholischen Orte im Chor des Fraumünsters die Messe zu lesen. Die wenigen Katholiken in Zürich sagten sich «Jetzt oder nie»: Sie baten den kleinen Rat (Regierungsrat) um die «landesherrliche permanente Bewilligung zur Ausübung des katholischen Gottesdienstes». Dieser entsprach dem Gesuch und erliess am 10. September 1807 das berühmt gewordene Toleranzedikt: Es war die Geburtsstunde der katholischen Gemeinde Zürich. Das Dekret wies den Katholiken die äusserst bescheidene St. Annakapelle (heute St. Annahof) zu. Den ersten Gottesdienst feierte Pater Moritz Meyer mit 50 Kommunikanten. Prozessionen blieben den Katholiken allerdings verwehrt. Und statt des Bischofs nahmen die staatlichen Behörden die Pfarrwahl vor.

    1863 trat das erste katholische Kirchengesetz in Kraft. Es erhob neben den beiden katholischen Kirchgemeinden Rheinau und Dietikon die katholische Genossenschaft Zürich zur Kerngemeinde und schuf eine neue Gemeinde in Winterthur.
    Doch die Katholiken konnten sich ihrer neuen Freiheiten nicht lange erfreuen: Es kam zur «Zweiten Zürcher Kirchenspaltung», als Papstkönig und «Vize Gott» Pius IX. das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit definierte. Seinen antiliberalen Kurs verstand man in der Schweiz als Angriff auf das noch zarte Pflänzchen der Demokratie. Auf Betreiben des Vereins freisinniger Katholiken in Zürich lehnte am 8. Juni 1873 eine Mehrheit der katholischen Stimmberechtigten (291 gegen 109 Stimmen) das neue Dogma ab und erklärte sich «unabhängig von der in Rom unter dem Namen unfehlbares Papsthum aufgerichteten geistlichen Monarchie».
    Die Zürcher Kirchgemeinde wurde altkatholisch. Die altkatholische Bewegung war in der katholischen Bildungs-und Unternehmerschicht verankert, die sich dem demokratischen Geist des reformierten Zürich verpflichtet fühlte. Die altkatholische Gemeinde übernahm die Augustinerkirche, die seit 1844 den Katholiken diente, und blieb bis 1963 die vom Staat anerkannte Kirchgemeinde in Zürich. Dennoch sollte sie immer eine Minderheit bleiben.

    Migranten und arme Leute
    Die papsttreue Restgemeinde indes war gezwungen, nach der Spaltung aus eigener Kraft eine neue Kirche und Gemeinde aufzubauen. Während die Rom-loyalen Pfarreien Dietikon, Rheinau und Winterthur staatlich anerkannt blieben, musste die im Industrie- und Arbeiterviertel Aussersihl entstehende Diasporapfarrei ohne staatliche Unterstützung auskommen. Ihre schmucklose Notkirche St. Peter und Paul aus dem Jahre 1874 war der erste nachreformatorische katholische Kirchenbau in Zürich. Er wurde als «Arme-Leute-Betschopf» verspottet. Denn anders als die Altkatholiken gehörten die Römisch-Katholiken zur Unterschicht.

    Im 19. Jahrhundert bestand Katholisch-Zürich zu 90 Prozent aus Hilfsarbeitern, Handlangern, Tagelöhnern, Dienstboten und Handwerkern. Immer mehr Migranten aus den katholischen Stammlanden und den benachbarten Ländern strömten in die aufstrebende Wirtschaftsmetropole.
    Bald aber nahm die Pfarrei St. Peter und Paul eine Vorreiterrolle im Schweizer Diasporakatholizismus ein. Sie gründete im ganzen Kantonsgebiet Seelsorgestationen und Pfarreien, die alle privatrechtlich organisiert waren. Der jüngst verstorbene Pfarrer Guido Kolb hat in seinen Büchern eindringlich geschildert, wie damals die Bettelpfarrer Vereine für alle Bevölkerungsschichten und Lebenslagen errichteten: Schutzvereine für die männliche und weibliche Jugend, Gesangsvereine, soziale Vereine, akademische Vereine . . . Es entstanden das Gesellenhaus Wolfbach, das Privatspital Theodosianum, das Akademikerhaus am Hirschengraben, die «Zürcher Nachrichten». Es war die hohe Zeit des Vereins- und Milieukatholizismus. Allerdings ging die katholische Sondergesellschaft damit den Weg der Absonderung: Sie distanzierte sich von der als katholikenfeindlich empfundenen reformiert-liberalen Zürcher Kultur. Umgekehrt begegnete diese der geschlossenen römisch-katholischen Subkultur mit Argwohn.

    Erst in den Dreissigerjahren traten die Katholiken auf der wirtschaftlich-politischen Ebene allmählich aus dem Getto heraus, um in der Hochkonjunktur der Nachkriegszeit mit den Reformierten gleichzuziehen. Mit Blick aber auf die fehlende öffentlich-rechtliche Anerkennung der römischen Kirche war Generalvikar Alfred Teobaldi noch 1950 zu fordern genötigt: «Die Zürcher Katholiken können und wollen sich nicht damit abfinden, Bürger minderen Ranges, so eine Art Hintersässen zu sein.»

    Quelle: Tages-Anzeiger, 05.02.2007
    __________

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