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Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
Robat - 07.02.2007, 20:36Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
Trotzdessen dass Foucault eigentlich ein Philosoph war, beinhalten seine Werke auch politsche Aspekte, besonders seine Untersuchungen über polymorphe Macht, ihre Techniken und Wirkungsweisen, die er in seinem Werk „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“, anstellt. Auch außerhalb seines Berufslebens war er politisch sehr interessiert und auch engagiert. In den frühen 70er-Jahren setzt sich Foucault für die Verbesserung von Haftbedingungen ein. Zu diesem Zweck gründet er eine Gruppe zur Information über die Gefängnis-Situation in Frankreich („Group des Informations sur les Prisons“). Dadurch wird Foucault auch in theoretischer Hinsicht auf die Institution Gefängnis aufmerksam und veröffentlicht 1975 sein machtanalytisch wichtiges Werk „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnis“ („Surveiller et punir. La naissance de la prison“). Wie der Titel verrät, möchte Foucault durch die Rekonstruktion von neuzeitlichen Strafformen die Geburt des Gefängnisses nachzeichnen und somit auch den Weg von der Souverenitätsgesellschaft zur Disziplinargesellschaft. Im 18. Jahrhundert wurde noch über verschiedenste Arten der Strafe nachgedacht, zum Beispiel Verbannung und öffentliche Strafarbeit. Das Gefängnis setzt sich aber als alleinige Form der Strafe durch. Ein Faktum, welches für diese Entwicklung spricht, ist ein struktureller Wandel der sich auf der Ebene von sozialen Praktiken vollzogen hat. Das Gefängnis entspricht diesem Wandel, hin zur Disziplinarmacht, am vollkommensten. Die moderne Macht, deren Charakter Foucault in "Überwachen und Strafen" herausarbeitet, zeigt sich aber nicht nur anhand der Strafpraxis Gefängnis, sondern sie durchzieht die gesamte Gesellschaft und deren Institutionen.
Zitat:
„Daß das Zellengefängnis mit seinem Zeitrhytmus, seiner Zwangsarbeit, seinen Überwachungs- und Registrierungsinstanzen, seinen Normalitätslehrern, welche die Funktionen des Richters fortsetzen und vervielfältigen, zur modernen Strafanlage geworden ist - was ist daran verwunderlich? Was ist daran verwunderlich, wenn das Gefängnis den Fabriken, den Schulen, den Kasernen, den Spitälern gleicht, die allesamt den Gefängnissen gleichen?“. (Foucault, 1976, S. 292)
Foucault beschreibt die moderne Gesellschaft also als Disziplinargesellschaft und nennt hierbei Beispiele wie Schule, Kaserne, Krankenhaus, Betrieb und eben Gefängnis.
Foucault unterscheidet hierbei in 3 große Machttechniken:
1. E i n s c h l i e ß u n g der Individuen in einen nach außen abgeschlossenen Bereich, wobei jeglicher Transfer zwischen dem eingeschlossenen Bereich und der äußeren Welt, etwa von Menschen oder Gütern, kontrolliert werden kann.
2. P a r z e l l i e r u n g, d.h. jedem Individuum wird ein fester Platz und feste Funktion zugewiesen, wodurch eine Kontrolle der Individuen und ihrer Leistungen effektiviert wird.
3. H i e r a c h i s i e r u n g, d.h. die Individuen werden nach Rang und Status klassifiziert. Jedes Individuum ist dann durch einen ganz bestimmten Abstand zu Anderen definiert und wird versuchen, sich jener Norm, welche der Klassifikation zu Grunde liegt (z.B. gute Noten, hohe Produktivität), anzupassen.
Auch nennt Foucault die p a n o p t i s c h e Ü b e r w a c h u n g, bei der ein Kontrolleur alles überwacht, ohne selbst gesehen zu werden, als Machttechnik, sowie ddie funktionale Zusammenschaltung von Individuen (in einem Betrieb) und die Kenntlichmachung der Deliquenz (Vorführen von abschreckenden Beipsielen).
Foucault beschreibt die Gesellschaft als ein Gebilde, das von kleinsten Machtlinien durchsetzt ist und in der alle Individuen ständig von Machtmechanismen besetzt werden. Macht soll dabei als etwas Vielgestaltiges, Vielschichtiges, Ungreifbares verstanden werden, dass Menschen nicht besitzen, sondern höchstens in begrenztem Maße von strategischen Positionen aus steuern können. Äquivalent vertritt Foucault hier eine systemdarwinistische Position, d.h. Systeme (z.B. Staaten, Firmen), deren Überwachung effektiv sowohl die Produktivität steigert als auch die Kosten für Herrschaft reduziert, setzen sich gegenüber anderen Systemen zwangsläufig durch.
Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
Pipa - 07.02.2007, 23:49
Ein für meinen Geschmack sehr interessantes Thema, jedoch ist mir der Text noch zu koplex und zu wenig angewandt.
Mich würde noch interessieren ob Foucault so weit gehen würde, die, durch die US-Regierung legitimierten, Machtausübungen in Guantanamo Bay, aufgrund der vermeindlichen Erfolgsaussichten, als effektiveres und damit besseres System anzusehen als humane Befragungen in Polizeirevieren.
Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
johnny - 11.02.2007, 18:54
Ich finde den Text über den Wächterstaat mit Gefängnissen und anderen staatlichen Institutionen recht ausführlich und verständlich.
Jedoch kann ich nicht ganz einen "roten Faden" in deiner Arbeit finden, der die Staatstheorie von Foucault deutlich erklärt und dessen Zusammenhang zu seinem Hauptwerk.
Mich hätte es persönlich weiterhin interessiert etwas mehr über die Machttechniken zu erfahren.
Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
domme - 12.02.2007, 18:56
Ich hab mir deinen Text jetzt auch mal durchgelesen und hatte zuerst das Gefühl, direkt in das Thema geworfen zu werden. Irgendwie fehlt mir hier eine richtige Einleitung, wann der Author gelebt hat, die Umstände zu dieser Zeit etc.
Ebenfalls schleierhaft ist mir, warum du manche Wörter so a u s e i n a n d e r geschrieben hast; Najo, vielleicht um sie hervorzuheben. Da würd ich dir allerdings die Fettschrift empfehlen, das geht relativ einfach: Code: [b]Text[/b]
Aber: Die Themen die du angesprochen hast, Stichwort Wächterstaat mit Gefängnissen, sind bei mir klar rübergekommen und verständlich gewesen. Du hast dich auch weitesgehend klar ausgedrückt, so dass ich nicht zusätzlich irgendwelche Worte nachschlagen musste. :wink:
Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
madio - 13.02.2007, 15:33
interessant, wie er einerseits die entwicklung des disziplinarstaates untersucht und teilwesie auch hinterfragt aber dann gleichzeitig am schluss sagt, dass ein machtstaat sich gegenüber anderen durchsetze.
die unterscheidungen der drei machtarten will ich nicht hinterfragen, wobei ich fast schon sagen würde dass man 2 und 3 zusammenfügen könnte, da sie sich recht ähnlich sind. naja, soviel zu meinem philosophischen senf, den ich dazu gebe, fand den aufsatz sehr verständlich und natürlich auch sehr interessant, da ich foucault zuvor nicht kannte.
Re: Michel Foucault - "Überwachen und Strafen"
pr - 23.02.2007, 16:12
Wie und mit wem hast du kooperiert?
Wir können gerne mal einen Mi-Nachmittag dem Herrn Foucault widmen.
LG Pr
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