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Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 07.02.2007, 14:59Whitewolfs Geschichten
Gespräch der besonderen Art 1
Bastian ist ein sehr mitfühlender Mensch. Er wirkt unauffällig auf seine Mitmenschen. Viele halten ihn für durchschnittlich, durchschnittlich intelligent, durchschnittlich aussehend, durchschnittliches Einkommen, durchschnittlich wissend, eben wie ein durchschnittlicher Mensch so ist. Seitdem ihn vor einiger Zeit seine Partnerin verlassen hat, lebt er allein. Anfänglich ist er sehr traurig gewesen, aber er hat gewusst, dass es das Beste für sie und letztendlich sie beide gewesen ist. Manchmal denkt er liebevoll an sie zurück, erinnert sich an die gemeinsam verbrachte Zeit und lächelt dabei. Dieses Lächeln, sein Markenzeichen, wirkt sehr anziehend auf Menschen.
In seiner Wohnung ist es meistens sehr aufgeräumt, denn er allein macht kaum Chaos. Außerdem achtet er auf Sauberkeit, ohne jedoch der Sucht zum Putzen zu verfallen. Beruflich ist er sehr beansprucht, denn er ist bei einer kleinen Firma beschäftigt, die ums Überleben kämpft. Er hat auch auf sein Weihnachtsgeld verzichtet und arbeitet täglich zwei Stunden länger, wie alle anderen Mitarbeiter, manchmal sogar samstags. Nach den letzten Zahlen der Buchhaltung geht es ganz langsam wieder aufwärts und der Chef hat schon eine kürzere Arbeitszeit angekündigt.
Bastian hat sich schon mehrmals gefragt, warum es so viel Leid auf der Welt gibt. Manchmal hat er auch Geld gespendet, aber das ist ihm kaum ausreichend erschienen. Was ist ihm möglich, die Welt zu verändern? Er möchte so gern etwas für seine Mitmenschen tun. Als Katholik möchte er das Gebot der Nächstenliebe erfüllen und hat schon überlegt, in einer karitativen Institution ehrenamtlich tätig zu werden. Nur wie soll das mit seiner geringen Freizeit funktionieren? Mit diesen Gedanken schläft er ein.
Heute ist im Geschäft die Hölle los gewesen und sehr erschöpft kommt Bastian am Abend heim. Zu müde, um was zu essen, legt er sich aufs Sofa. Bevor er das Fernsehen einschalten kann, nickt er ein. Drei Stunden später erwacht er. Benommen blickt er sich um. Schon 23:48 zeigt die Uhr an. Ob er sich noch die Nachrichten anschauen soll? Er entscheidet sich dagegen. Dort wird sowieso nur über Mord und Totschlag berichtet, über Korruption, Machtmissbrauch usw. Soll er sie sich überhaupt noch weiterhin anschauen? Es macht ihn höchstens traurig oder wütend. Hilflos ruft er: „Oh Gott, tu doch bitte was, so kann es niemals weitergehen. Ich habe schon so oft zu dir gebetet, doch bitte den Menschen zu helfen. Auch wenn ich in die Hölle dafür komme, in meinen Augen bist du nur ein Gott für Kinder, der sich kaum um seine Gläubigen kümmert. Hast du jemals ein Gebet erhört, hast du jemals sichtbar einem Wesen geholfen? Ich sage Nein. Ich bin sehr von dir enttäuscht.“ Da formt sich in seinem Kopf eine Stimme: „Bastian führt wieder Selbstgespräche.“ Verdattert steht Bastian mitten im Wohnzimmer. Wer redet da? Sollte es tatsächlich…? Nein, unmöglich! Gott ist in der Kirche, es ist ja schließlich sein Haus. „Was soll ich in der Kirche? Jedes Mal, wenn mir zu Ehren eine Messe gehalten wird, leiern die Priester irgendeinen Text aus irgendeinem heiligen Buch herunter. Hätte ich Nerven, würde ich sagen, es ist nervtötend. Warum nur glauben die Menschen an Bücher, an uralte, lang schon überholte Texte? Ich weiß genau, warum. Sie haben ganz einfach Angst. Zusätzlich wird die Angst noch durch alle Sekten der Erde geschürt. Den Menschen wird mit der Hölle gedroht, mit der strafenden Gerechtigkeit, zudem kommt nur der in den Himmel, der sich an angeblich meine Gebote hält. Die größten Sekten sind die katholische und evangelische Kirche und der Islam genauso, egal ob Sunniten oder Schiiten. Alle versprechen das Paradies, wenn sich die Gläubigen gottgefällig verhalten. So ein Quatsch. Woher will denn ein Mensch wissen, was gottgefällig ist?“ Wie vom Donner gerührt und vollkommen sprachlos wartet Bastian auf die Fortsetzung der göttlichen Offenbarung. „Besonders grauenhaft verhalten sich die Fundamentalisten. Sie sind völlig intolerant, predigen Hass gegen alle anderen Glaubensgemeinschaften, nur sie haben die einzig wahre Religion und sind von Gott bevollmächtigt, auf Erden seinen Willen kund zu tun. Diese Lügner und Menschenverächter. Das einzige göttliche Gebot ist die wahre Liebe zu sich selbst. Wer sich selbst richtig liebt, der liebt automatisch auch alles andere.“ Bastian hat sich wieder etwas gefasst und fragt: „Bist du es wirklich? Kann ich glauben, was ich eben vernommen habe? Führst du mich etwa direkt zum Teufel?“ „Jeder Mensch soll an das glauben, was ihm recht erscheint. Hast du ein Gewissen, hast du Gefühle?“ „Ja, hab ich.“ „Dann fühlst du genau, wer ich bin.“ „ Ja schon, aber ich bin so unsicher.“ „Diese Unsicherheit kommt von deiner Angst. Schon in der Kindheit ist dir dein Gefühl für die Wahrheit ausgetrieben worden. Durch Erziehung, auch durch meine angeblichen Stellvertreter, ist dir aufgepfropft worden, wie du zu denken und zu handeln hast. Die Menschen reden von Freiheit und freiem Willen. Wovon wollen sie denn frei sei sein? Von Ärger, Leid, Trauer, Geldsorgen, Angst und Kampf?“ „Ja, ganz bestimmt. Ich möchte alle Menschen trösten, ich möchte ihnen helfen, möchte Unterdrückung und Unwissenheit beenden, möchte so gern, dass alle Menschen erkennen, dass sie Geschwister sind und alle miteinander verbunden.“ „Aha, du bist also ein Weltverbesserer in spe. Na dann, viel Glück dabei. Weißt du, wie dumm Menschen sein können? Frag mich mal.“
So langsam gewinnt Bastian immer mehr Sicherheit und fragt Gott: “Sag mal, wenn dir das doch alles bekannt ist, warum lässt du denn Elend, Leid, Krankheiten und Tod zu? Selbst deinen Sohn hast du sterben lassen und dann so grausam am Kreuz. Ist das mit deiner endlosen Liebe vereinbar?” “Diese Fragen höre ich jeden Tag und wenn die Menschen richtig zuhören oder wahrnehmen würden, können sie sich die Fragen selbst beantworten. In jeder Frage ist die Antwort enthalten. Aus reiner Liebe lasse ich Elend und Tod zu. Jede Seele sucht sich selbst aus, womit sie am besten und schnellsten lernt. Wenn es dir gut ergeht, möchtest du um jeden Preis diesen Zustand beibehalten. Wenn du jedoch am Boden liegst, von allen verachtet, arm und krank bist, so möchtest du das schnellstens ändern. Leider lernen die Menschen nur durch Not und Armut am besten und raschesten. Was soll ich daran ändern? Ich hab euch alle gleichmäßig lieb und jedes Einmischen entfernt euch nur von mir. Ihr seid doch alle ein Teil von mir, ebenso wie alles andere. Meine Göttlichkeit ist überall, innen wie außen, oben wie unten und rechts wie links.” “Sind wir etwa Marionetten, die nur zum Spaß auf der Erde ihr Dasein fristen? Ergötzt du dich jeden Tag an unserem Elend?” “Bastian, hör mal bitte zu. Bevor eine Seele in einen Körper gelangt, sucht sie sich aus, was sie lernen oder besser noch erfahren möchte. Sie spricht sich sozusagen mit anderen Seelen ab, bittet sie um Unterstützung bei jeder Erfahrungsphase und wartet dann den richtigen Zeitpunkt zur Inkarnation ab. Auf Erden kann die Unterstützung sehr krass aussehen, denn wer vermutet hinter einem grausamen Mörder oder Kinderschänder oder Diktator eine liebende Seele? Sei dir bewusst, alles das, was du tust oder unterlässt, erzeugt Schwingungen. Diese Schwingungen streben zum Ausgleich, auf Regen folgt Sonnenschein und nach jedem Berg ein Tal. Noch anders gesagt, was du einem Menschen oder anderen Wesen antust, kommt immer zu dir zurück. Auch wenn keinesfalls alle sogenannten Verbrechen aufgeklärt und die Täter gefasst und bestraft werden, so bekommt doch jede Seele nach dem Verlassen des Körpers gezeigt, was im vergangenen Leben falsch gelaufen ist. Sie sieht es sich selbst an und zieht daraus ihre Konsequenzen. Diese Konsequenzen sind schnell beschrieben, sie wartet auf die nächste günstige Gelegenheit zur Inkarnation und macht es dann besser.” “Das wirft doch das ganze Bild über den Haufen, was die Menschen sich an Wissen und Erfahrung aufgebaut haben. Du bist so anders, auf mich wirkst du wie ein sehr erfahrenes Wesen, voller Liebe und so nah bei mir. Das heißt doch, dass die Religionen der Erde nur die Menschen verdummen oder von dir entfernen.” “Benutze bitte das Wort Glaubensgemeinschaften, denn es beruht alles nur auf dem Glauben, den ein Mensch hat. Die Menschen glauben an den Gott Mammon, die Wirkungen von Medikamenten, dem geschriebenen Wort, an Spezialisten und die Wissenschaft usw. Wenn sie an sich selbst glauben, hat jede Krankheit ihren Sinn verloren, ebenso Elend und Angst. An sich selbst glauben heißt, sich selbst lieben.”
Bastian hat noch viele Fragen gehabt, doch alle haben sich schon von selbst , eher durch Gott, beantwortet. Er stellt sich vor, dass die Welt zum Paradies wird. Die Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens hat er beendet. Jede Suche ist unnötig. “Wenn Jesus Gottes Sohn ist, so muss er doch was Besonderes gewesen sein. Na ja, ob ich das jemals erfahre?” “Ich hab auf deine Bemerkung schon gewartet, denn sie ist sozusagen zwangsläufig aufgetaucht. Auch Buddha ist mein Sohn, ebenso wie Jesus. Ihr seid alle meine Söhne und Töchter und jede oder jeder von euch ist was Besonderes, denn wer kommt schon gern auf die Welt und macht dieses Elend von Leben mit? Elend deshalb, weil die Seele ihre Freiheit aufgibt, sich in einen sterblichen Körper zwängt und oft schmerzvolle Erfahrungen macht.” “Es ist wunderbar, mit dir in Kontakt zu sein. Das hätte ich gern schon früher erfahren, so wäre mir so Manches erspart geblieben.” “Dann wärst du aber niemals der Mensch, der du jetzt bist. Jede Erfahrung ist wertvoll. Ich weiß genau, dass du bestimmt noch öfter mit mir plaudern möchtest. Du weißt ja, wo du mich findest.” “Und wo ist das? Ach ja, wie dumm von mir, überall bist du doch. Natürlich auch in der neuen Nachbarin...”
Nach einigen Tagen redet Bastian wieder mit Gott. „Was ist mit den Menschen geschehen, die in diesem Tsunami umgekommen sind?“ „Die sind heimgekommen und ruhen sich erst einmal vom anstrengenden Leben auf der Erde aus. Manche Seelen sind anfänglich noch etwas umhergeirrt, aber auch sie haben gemerkt, dass sie den Körper verlassen haben. Andere Seelen haben sich ihrer angenommen und sie liebevoll begleitet, bis sie verstanden haben, was geschehen ist.“ „Aber die Hinterbliebenen haben sehr getrauert, denn es ist so schwer, den Verlust eines geliebten Menschen zu verkraften.“ „Genauso groß wie die Trauer auf Erden ist, so groß ist auch die Freude im Jenseits über das Heimkommen.“ „In der Kirche ist uns immer gesagt worden, die Seelen gehen ein in dein Reich und sind auf ewig bei dir.“ „Seit wann habe ich ein Reich? Das bedeutet doch, ihr wäret von mir getrennt. Glaubst du das?“ „Ich denke, du weißt, was ich glaube.“ „Bastian, du stellst meinen Humor auf die Probe. Ich möchte von dir wissen, was du glaubst, du Witzbold.“ „Upps, hab ich den lieben Gott verärgert?“ Etwas wie ein Lachen bildet sich in seinem Kopf: „Du bist genau richtig, ich kenne schließlich mein Bodenpersonal.“ „Wie bitte, Bodenpersonal? Gott darf fliegen und wird müssen laufen, wie ungerecht.“ „Kümmere dich mal lieber um die neue Nachbarin, anstatt mit mir zu diskutieren.“ „Hm, da sie ja auch ein Teil von dir ist, diskutiere ich ja doch mit dir, wenn ich mit ihr rede.“ „Was hab ich da nur für Wesen geschaffen? Beschweren sich über alles Mögliche, geben dauernd Widerworte, ärgern sich bis aufs Blut und trotzdem hab ich euch alle lieb. Das mit dem freien Willen ist bestimmt ein Konstruktionsfehler gewesen, nur habe ich niemanden, bei dem ich mich beschweren kann.“ „Ich hör dir zu.“ „Bastian, geh zur Nachbarin, es reicht mir jetzt. Rede mit ihr oder mach, was du möchtest. Ach, wenn mir doch mal einer glauben würde.“ „Soll ich dich mal umarmen? Natürlich in meiner Vorstellung.“ „Wenn du meinst…“
Bastian hat die Nachbarin am Samstag beim Einkaufen getroffen. Hilfsbereit hat er ihre Einkaufstüten getragen, ihr die Autotür geöffnet und beim Verladen geholfen. Etwas schüchtern hat sie ihm gedankt und ihn auf einen Kaffee eingeladen. Nun sitzen sie in der Küche und unterhalten sich. Sie heißt Heidi und ist seit drei Monaten geschieden. Bastian merkt, wie es ihm ums Herz warm wird. Er erzählt von seinem Leben, dass er beruflich ziemlich eingespannt ist und dass er allein wohnt. Heidi gibt zu, dass sie deshalb die Schüchterne spielt, weil sie momentan keine Beziehung möchte. „Sagen Sie mal, Heidi, beten Sie oder gehen Sie zur Kirche?“ „Nein, ich bin Atheistin. Diesen ganzen Quatsch von Gott, Hölle, Fegefeuer usw. glaube ich nicht.“ „Oh, da muss ich mich ja schämen, Katholik zu sein.“ „Keinesfalls, jeder Mensch soll an das glauben, was ihm richtig erscheint und Sie sind halt Katholik.“ „Sie sind sehr tolerant, so etwas liebe ich. Was halten Sie davon, wenn wir uns Duzen?“ „Gern, dann von jetzt an du. Dir ist also warm ums Herz und nun überlegst du, wie du mir gestehen möchtest, was du für mich empfindest. Ganz ehrlich, du bist der Mann, von dem ich letztens geträumt habe und mit dem ich mein weiteres Leben verbringen will.“ Bastian ist total überrascht und schaut Heidi sprachlos an.
Wieder in seiner Wohnung angekommen, beginnen bei Bastian die Gedanken hin und her zu schießen. Warum lieben sich Menschen? Was zieht sie zueinander hin? „Denk mal weiter nach.“ „Ist es so einfach? Ja, es muss so sein. Alle bestehen wir aus Göttlichkeit und sind Teile vom Ganzen. Teile gehören zusammen und daher diese Anziehung. Da hätte ich aber auch früher drauf kommen können.“ „Du hast erst deine bisherigen Erfahrungen sammeln müssen, bis du es heute begriffen hast. Du bist doch auf der Erde, weil du lernen möchtest. Das ganze Leben ist ein Lernprozess. Noch was, das Leben ist der wahre Gottesdienst.“ Danach schweigt Gott für eine lange Zeit.
Mittlerweile sind Heidi und Bastian glücklich miteinander. Außerdem erwartet Heidi ein Kind und beide freuen sich sehr darüber. Ob es gottgefällig ist?
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 07.02.2007, 14:59
Gespräch der besonderen Art 2
Hussein kommt vom Freitagsgebet und denkt darüber nach, was der Mullah gesagt hat. „Die Ungläubigen müssen alle sterben und wenn wir sie töten, erfreuen wir damit Allah. Jeder Gläubige ist verpflichtet, Allah zu dienen und wer Ungläubige tötet, tut es zur Ehre Allahs. Wer aber dabei selbst getötet wird, gelangt sofort ins Paradies. Tod allen Ungläubigen!“ Frenetisch haben sie ihm zugejubelt. Ob das wirklich Allahs Wille ist? In einer Sure steht geschrieben, dass alle Wesen von Allah erschaffen sind. Wenn also ein Wesen das andere tötet, so tötet es doch Allahs Schöpfung. Was kann Hussein nur ausrichten? Wenn er diese Wahrheit ausspricht, wird er sofort zum Ungläubigen erklärt und geköpft. Mit wem kann er nur darüber reden?
Beim Abendessen fehlt ihm der rechte Appetit. Seine Frau Hannan merkt es, schweigt aber lieber, denn es steht nur den Männern das Reden zu. Hussein ist ein sanftmütiger Mensch und vermeidet jede Gewalt. Seine Mitmenschen behandelt er liebevoll und nachsichtig, keinesfalls würde er seine Frau schlagen, obwohl er als Muslim das Recht dazu hätte. Auch Frauen sind Allahs Schöpfung und verdienen genauso viel Respekt wie alle anderen Wesen. Sie gebären unter großen Schmerzen Söhne und Töchter, allein diese Leistung ist bewundernswert. Oft schon hat er sich gefragt, warum andere Männer ihre Frauen misshandeln. Dadurch wird doch nur Hass erzeugt und so mancher Mann hat das mit dem Leben bezahlt. Es ist eben wie es ist. Menschen müssen wohl so sein.
Hannan ist schon lange eingeschlafen, doch Hussein findet keinen Schlaf. Er grübelt vor sich hin. Immer wieder hat er im Kopf: „Warum nur lässt Allah alle Taten wider seine Schöpfung zu? Er ist doch allmächtig und allwissend.“ In seinem Inneren ertönt eine Stimme: „Du stellst sehr viele Fragen. Wisse, dass jede Frage eine Antwort ist.“ Erschrocken fragt Hussein: „Wer bist du? Bist du ein gefährlicher Dschinn, der die Sinne verwirrt? Oder bist du gar der Scheitan?“ „Nein, aber du kommst noch darauf. Der Scheitan, der Teufel, der ist doch nur eine Erfindung, um ein Druckmittel gegen Ungehorsame in der Hand zu haben. Ein Dschinn ist ein Geist der Phantasie, eine andere Bezeichnung für eine so genannte Geisteskrankheit.“ „Da bleibt nur noch eins, aber das ist mir zu ungeheuerlich.“ „Sprich es aus oder hast du Angst davor?“ „Ja, denn dann würde ich deinen hundertsten Namen kennen.“ „Und wie lautet der?“ „Allah.“ „Na siehst du, es ist dir doch möglich, meinen Namen zu nennen. Ich beantworte dir mal einige Fragen.“ Hussein ist erstaunt, dass sich ausgerechnet ihm, einem einfachen Menschen, der mit ehrlicher Hände Arbeit sein Brot erwirbt, Allah offenbart. Ein religiöser Führer wäre wohl besser dafür geeignet. „Ich weiß genau, warum ich dich ausgewählt habe, also lausche bitte meinen Worten. Fast alle so genannten religiösen Führer sind von Ehrgeiz zerfressene Emporkömmlinge. Sie wollen Macht über andere Menschen, denn sie dünken als etwas Besseres. Sie predigen Hass, um ihre Stellung zu festigen. Sie sind sehr geschickt in ihren Worten und legen den Koran oder andere als heilig benannte Bücher so aus, wie es ihren Plänen am zuträglichsten ist. Sie missbrauchen ihre Gaben und das kommt sie teuer zu stehen. Nach ihrem leiblichen Tod sieht ihre Seele, was alles falsch verlaufen ist und das sind Schmerzen, die auf Erden undenkbar sind. Das Problem liegt aber ganz woanders. Die Menschen geben ihre Macht über sich selbst ab, sie stellen ihr eigenständiges Denken ein, lassen sich von wohl gesetzten Worten einlullen und plappern das nach, was ihnen von angeblich Wissenden vorgesetzt wird. Auch du machst dieses Spiel mit, obwohl du große Zweifel hast. Das kann ich verstehen, denn ein falsches Wort und Hussein ist einen Kopf kürzer. Du hast doch auch die Koranschule besucht und weißt sehr genau, was im Koran enthalten ist, zudem kennst du dich in der Hadith gut aus. Traust du dir zu, ein Mullah zu werden?“ Hussein zögert: „Ich ein Mullah? Ich, der kleine Tischler soll ein großer Mullah werden?“ „Jede Frage ist die Antwort, mein Lieber.“ „Ob mir überhaupt ein Gläubiger zuhört? Sie werden mit Fingern auf mich zeigen und schreien: Jagt ihn aus der Moschee, der Frevler muss getötet werden. Dann bin ich zwar im Paradies, nur hat da niemand etwas davon.“ „So so, du glaubst also den Worten eines alten Buchs. Wo ist dein eigenes Denken geblieben? Wo ist dein Gefühl für die Wahrheit? Was fühlst du jetzt?“ Spontan antwortet Hussein: „Ich glaube, dass ich ein Mullah sein kann.“ „Endlich beginnst du, deine Gaben zu nutzen. Du hast Redetalent und eine gute Ausstrahlung. Deine Angst vor der Obrigkeit ist dir schon früh eingebläut worden, denn dein Vater hat aus eigener Angst heraus dich vor einem Amt bewahren wollen. Nun bist du erwacht und hast gespürt, dass du einem Amt gewachsen bist. Hussein, der neue Mullah von Täbris.“
Hussein vertieft sich in den Koran und die Hadith. „Hussein, was machst du? Wir wissen doch genau, dass wir alle eins sind. Du liest doch nur deshalb in den Büchern, weil du meinst, Angst zu haben, etwas Falsches zu sagen. Ich bin doch du und du bist ich.“ „Allah, das macht mir Angst. Es ist jetzt schwer für mich, einfach so zu predigen und die Bücher auszulegen.“ „Vergiss bitte die Bücher. Du bist von mir erfüllt. Da gibt es weder Falsch noch Richtig. Was du verkündest, geht in die Menschen ein und sie brauchen es jetzt.“ „Ja, du bist unfehlbar aber ich ein schwacher Mensch.“ „Geht das schon wieder los. Warum nur glauben die Menschen, sie wären schwach, Sünder und von mir getrennt? So etwas Dummes. Bitte bleibe wach. Achte auf die innere Stimme, sie ist wie ein Kompass und ich bin der Urgrund des Kompasses. Lege die Angst ab, die Menschen lauschen dir andächtig. Ich bin immer in dir und euch.“
Nun predigt Hussein in der Moschee, er beginnt mit der allgegenwärtigen Liebe Allahs, malt mit sanften Farben, besser gesagt Worten, ein wundervolles Bild vom Paradies und beendet seine Predigt mit einer Bitte, sich Allah ganz hinzugeben. Ergriffen haben ihm die Gläubigen gelauscht und verlassen nach dem Gebet das Gotteshaus.
Einige Jahre vergehen und Hussein ist überall beliebt und bekannt. Seine Kritiker werfen ihm vor, dass er sehr viel von Allahs Liebe redet aber nur ganz schwach von Allahs Zorn. Außerdem müsse er den Gläubigen sagen, dass sie die Ungläubigen töten sollen, wo immer sie welche finden. Lächelnd geht Hussein über diese Vorwürfe hinweg. Warum soll er Hass predigen, wenn es absoluter Quatsch ist, Allahs Schöpfung zu hassen? Eines Tages begreifen auch sie, was Allah wirklich ist.
Heute predigt Hussein zum letzten Mal. Allah hat ihm offenbart, was diese Predigt auslöst und das es Husseins körperlichen Tod verursacht, wenn er sie hält. „Allah, was kann mir der Tod anhaben? Ich bin immer in dir und dann ist meine Seele dem „Gefängnis“ Körper entflohen. Ich weiß dich hinter mir und alles ist wie es ist.“ „Es ist deine eigene Entscheidung, du hast dein Leben in der Hand. Alles ist Recht.“ „Allah, mir sind die Gläubigen wichtig, ach deine gesamte Schöpfung. Mögen sie endlich erwachen, die wahren Gläubigen und ihr selbst auferlegtes Joch abschütteln. Ich bin der ich bin.“
Hussein betritt die Moschee, barfüßig wie immer und schreitet selbstsicher zu seinem Platz. Als alle Gläubigen versammelt sind, beginnt er, von Allahs allumfassender Liebe zu sprechen: „Diese Liebe hat jedes Wesen in sich. Mansur al Halladsch hat sie erfahren und ist getötet worden, weil er die Wahrheit gesprochen hat. So viele religiöse Führer, auch Mullahs zum großen Teil, haben so eine große Angst davor, ihre Macht zu verlieren, dass sie mit allen Mitteln ihre Gläubigen terrorisieren, nur damit sie aus Furcht bei ihnen bleiben. Mögen sie die Liebe Allahs zulassen. Seit Jahren erfahre auch ich Allah jeden Moment und weiß, dass wir alle eins sind. Wir lieben unsere Gläubigen genauso wie wir die Ungläubigen lieben. Wir wissen, dass alles unsere Schöpfung ist. Der Dschihad ist der heilige Krieg in uns selbst. Wir kämpfen aus Dummheit mit uns selbst bis wir erkennen, dass jeder Kampf, jeder Krieg und jede Auseinandersetzung uns nur von Allah oder uns selbst entfernt. Liebe jedes Wesen sich selbst und es erkennt, dass es Allah ist. Dann hat jede Feindschaft ein Ende…“ Ein wütender Fundamentalist hat sein Gewehr in der Hand und schießt auf Hussein. Mit letzter Kraft sagt er noch: „…und Allahs Liebe ist vollkommen. Danke mein Bruder, du hast mich erlöst.“ Hussein ist tot.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 12.02.2007, 09:54
Gespräch der besonderen Art 3
Joachim, genannt Jo, ist Ingenieur in einem mittelständischen Betrieb. Er ist für die Überwachung, Wartung und Erneuerung der ganzen Produktionsreihen zuständig. Er trägt große Verantwortung für die Beschäftigten, denn zusätzlich hat er noch den Posten des Sicherheitsbeauftragten angenommen. Täglich hat er mit Technik, Computern und sonstigen Dingen zu tun, die für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgen. Seine Untergebenen behandelt er so gerecht wie möglich, gibt ihnen bei allen technischen Fragen Unterstützung, aber im Großen und Ganzen ist er sehr distanziert. Nur wenige haben näheren Kontakt zu ihm und er siezt fast alle in der Firma.
Jo ist mit Evelin verheiratet, einer hübschen, liebenswürdigen und lebhaften Frau. Sie haben sich kurz nach Jos Ingenieurspraktikum kennen gelernt. Er ist als Jungingenieur dort angefangen, als Evelin gerade ihre Lehre als Bürokauffrau erfolgreich beendet hat. Sie haben sich sofort blendend verstanden und sind schnell ein Paar gewesen. Nach einem Jahr haben sie schon geheiratet, aber Kinder sind ihnen versagt geblieben. Was haben sie alles unternommen, um Kinder zu bekommen.
Nun ist Jo schon über 40, macht seine Arbeit sehr gut, hat ein sehr gutes Einkommen, ist glücklich verheiratet und trotzdem fehlt ihm was. Manchmal hat er sich gefragt, warum er das alles tut, was er tut. Wofür arbeitet er? Um seinen Lebensstandard zu halten? Um eine gute Rente zu bekommen? Was soll er mit einer guten Rente? Wenn er tot ist, dann ist sowieso alles vorbei. Dieses Geschwafel von den Christen, den Moslems, Buddhisten und Hindus über das Eingehen ins Paradies, das Nirwana oder noch schlimmer, die Wiedergeburt, das nervt ihn total.
Letztens ist er von den Zeugen Jehovas an seiner Haustür angesprochen worden. Da sich seine Frau für Religion und ähnlichen Quatsch sehr interessiert, hat er die Zeugen mal ins Haus gelassen und ihr zuliebe ist er dabei geblieben. Welch einen hanebüchenen Unsinn die von sich gegeben haben. Jesus ist der Retter, die Welt geht bald unter, Gott ist der Herr, der Satan ist der große Verführer, alle Menschen sind Sünder und sie haben sich von Gott abgewandt. Die müssen doch krank im Kopf sein, an dieses Zeug auch noch zu glauben. Wo ist denn Gott, wo ist denn der Satan? Alles Erfindungen von Sentimentalisten. Maschinen, Mathematik, Naturgesetze, das ist real und berechenbar, damit ist die Welt erklärbar. Alles andere sind Hirngespinste. Bald ist ihm der Geduldsfaden gerissen. Die Zeugen Jehovas behaupten doch ganz frech: “Nur die guten Menschen kommen ins Paradies und die bösen in die Hölle. Die Bibel ist das Buch, das uns errettet. Es ist von vorn bis hinten Gottes Wort und nur sein Wort ist richtig. Wenn wir uns daran haltet, ist uns ein Platz im Paradies sicher.” Mühsam beherrscht fragt er: “Warum soll ich das glauben? Gibt es da Beweise? Hat jemand schon mal Gott oder Satan gesehen?” “Wer Gott schmäht, den schickt er in die Hölle. Nur wer an ihn glaubt, gelangt ins Paradies. Gottes Werk ist unübersehbar, er wirkt in allem. Der Satan ist der große Zerstörer, er treibt die Menschen in die Versuchung, hat ihnen das Radio, das Fernsehen und den Müßiggang gegeben, damit sie in sein Reich, in die Hölle gelangen. Regelmäßiges Bibelstudium ist die einzige Möglichkeit, dem zu entrinnen.” “Nein danke, mir reicht es. Entschuldigen Sie mich bitte, ich habe noch was zu tun. Auf Wiedersehen.” Schnell hat sich Jo erhoben und das Zimmer verlassen. Das sich seine Evelin mit solchen Dingen abgibt, ist ihm total unverständlich. Trotz allem liebt er sie sehr und ohne sie wäre sein Leben sinnlos.
Einmal sieht er sich eine Sendung über die Entstehung des Universums an. Da wird vom Urknall berichtet, von der Entstehung der Sonnen und Planeten und von Supernovae, Pulsaren, schwarzen Löchern und deren unglaublicher Anziehungskraft. Da ist in seinem Kopf eine Stimme: “Ich hab das getan.” Wer hat da was gesagt? Evelin ist bei ihrer Freundin. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Ist wohl eine Täuschung gewesen. “Möchtest du mich kennen lernen?” Jo zuckt zusammen. Was ist das nur? “Möchtest du Beweise über meine Existenz haben?” “Wer bist du?” “Das finde selbst heraus.” Er ist wohl überarbeitet und halluziniert. Stimmen im Kopf, ein Fall für den Psychiater. Am nächsten Morgen geht Jo zum Chef und nimmt ein paar Tage Urlaub. Mit dem Handy ruft er bei Evelin auf der Arbeit an und teilt ihr mit, dass er sich einige Urlaubstage gönnt.
Am Abend kommt er heim und freut sich darauf, endlich mal ausschlafen zu können. Evelin ist seit ein paar Minuten daheim und strahlt Jo an: “Ich hab auch frei genommen. Komm, wir bestellen uns eine Riesenpizza und trinken Rotwein dazu.” “Wie wäre es mit Chinesisch und dazu Pflaumenwein?” “Wenn du mir so kommst, dann gehen wir zum Japaner und essen Sushi, trinken Sake dazu und lassen uns vom Taxi heimfahren.” “Die Idee ist noch besser. Wir machen uns fein und dann ab zum Sushi. Aber was machen wir danach? Kerzenschein, unsere Lieblingsmusik auflegen und uns unterhalten?” “Ja ja, diese Art von Unterhaltung kenne ich. Es endet hinterher sowieso in Kuschelei und noch mehr und genau das liebe ich so sehr. Jo, das machen wir.”
Mitten in der Nacht hört Jo wieder diese Stimme in seinem Kopf: “Spätestens im nächsten Jahr bist du Vater.” Was ist das nur? “Die Evelin weiß es und tief in dir weißt du es auch. Erzähle es ihr später. Denke daran, dir am Vormittag einen Termin beim Psychiater geben zu lassen. Gute Nacht Jo.” Fassungslos grübelt Jo über diese Worte. Niemand weiß von der Stimme im Kopf, geschweige denn vom Psychiater. Es wird Zeit, ihn aufzusuchen, so geht das keinesfalls weiter. Jo fällt in einen unruhigen Schlaf.
Mit einem sanften Kuss holt ihn Evelin in den Morgen. Zärtlich küsst Jo sie retour und sie lieben sich wie noch nie. Danach baden sie gemeinsam und frühstücken ausgiebig. Jo traut sich kaum ihr zu sagen, was ihm seit kurzem passiert. Er gibt sich einen Ruck und beginnt: “Stell dir einmal vor, seit ein paar Tagen habe ich eine Stimme im Kopf. So etwas ist doch krank. Ich ruf gleich beim Psychiater an und lass mir einen Termin geben. Die Stimme behauptet, dass du wüsstest, wer sie ist. Was soll dieser Quatsch?” Evelin schaut Jo in die Augen: “Mein Schatz, ich weiß es tatsächlich. Möchtest du es wissen oder soll es dir der Psychiater sagen?” “Wenn es irgend ein religiöses Gesülze ist, verschone mich bitte damit, da gehe ich lieber zum Facharzt. Vermutlich bin ich überarbeitet und befinde mich auf dem Weg in die Paranoia.” “Jo, das klingt intolerant. Aber es ist nun mal deine Sichtweise und nur du allein kannst sie ändern.” “Du weißt doch, wie ich gegen diese Gefühlsduseleien und den Quatsch eingestellt bin, der von irgend welchen Pfaffen oder Himmelskomikern verbreitet wird.” Da ist wieder die Stimme: “Richtig, sie erzählen Blödsinn. Nur die Menschen brauchen es noch momentan. Bald ändert es sich.” Nun schaut Evelin besorgt: “Ist es wieder die Stimme gewesen? Wie fühlst du dich?” Verwirrt antwortet Jo: “Ja, sie hat mir bestätigt, was ich über die Pfaffen sage. Es wird sich aber bald ändern.” “Das ist auch für mich die Bestätigung, wer die Stimme ist. Bist du ganz sicher, dass du nur dein Körper bist?” “Natürlich, ich bin nur materiell, ganz genau wie du auch.” “Gibt es eine Seele?” “Nein, das ist nur eine absurde Theorie.” “Hm und weshalb studieren dann die Psychiater Psychologie? Psychologie ist die Lehre der Seele und da sie nur eine Theorie ist, studieren Psychiater also etwas Irreales. Das sage ihnen bitte mal. Am besten, wenn du den Termin bei einem hast.” “Ich glaube nur an das, was ich sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken kann. Alles andere ist an den Haaren herbei gezogen.” “Wie ist es mit der Liebe der Eltern zu ihren Kindern?” “Das ist rein biologisch bedingt.” “Ist sie denn z. B. hörbar?” “Nein.” “Und doch gibt es sie.” Da ertönt in ihren Köpfen die Stimme: “Hört bitte auf damit. Die Menschen sind einfach zu verbohrt um zu begreifen, was die Wirklichkeit ist. Ihr beiden diskutiert über Dinge, die nur innerlich wahrnehmbar sind. Jo, sage mir doch mal bitte, wie und wo du mich wahrnimmst.” “Ich nehme dich mit den Ohren wahr. Nein, ich nehme dich im Kopf wahr, in meinem Hirn. Genau dort, wo meine Ideen entstehen.” “Woher kommen denn die Ideen?” “Die sind reiner Zufall, ebenso wie viele andere Dinge auf der Welt.” “Als Ingenieur hast du doch von der Quantentheorie und der Quantenmechanik gehört. Gibt es dort Zufälle?” “Nein, die Quantenmechanik ist eine Wissenschaft, dort kann alles berechnet werden.” “Und wie ist das mit der Heisenbergschen Unschärferelation? Die öffnet doch dem Zufall Tür und Tor.” Evelin fragt: “Wovon bitte redet ihr?” “Wir reden davon, dass der Zufall nur eine Erfindung ist von Menschen, denen andere Erklärungen ihr Weltbild zerstören. Die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, dass entweder der genaue Standort oder die genaue Zeit eines Elementarteilchens bestimmbar ist, niemals beides gleichzeitig.” “Ich bin total durcheinander. Was macht ihr mit mir? Wer bist du?” Evelin schaut Jo liebevoll an: “Du bist ein Atheist und lehnst alles, was mit Gott oder Religion zu tun hat, ab. Nun ist die Zeit für dich gekommen, mal deine Einstellung zu ändern und Sichtweise zu erweitern. Es ist deine innere Stimme, die dort redet, die du schon immer verleugnet hast, denn sie ist so unpassend in deinem Weltbild. Es ist die Stimme von Gott.” Jo will Evelin wütend zurechtweisen, doch irgend etwas hält ihn davon ab. Er spürt genau, dass sie Recht hat. Plötzlich kommen ihm die Tränen und schluchzend ist er auf dem Stuhl zusammen gesunken. Evelin nimmt ihn liebevoll in den Arm und lässt ihn sich ausweinen. Schweigend wartet sie ab, bis er wieder ruhiger geworden ist. Mit verweinten Augen blickt er sie an. Mühsam spricht er: “Ja, ich habe alles verleugnet, weil es mir als Humbug erschienen ist. Ich lebe doch nur dieses eine Mal und da soll ich mir über solche Dinge auch noch Gedanken machen. Nun spüre ich, dass sie mich immer begleitet haben.” “Schatz, ich weiß schon lange, dass dich das quält, dass du Antworten suchst, dass du im Grunde deines Inneren ein Mensch bist, der die ganze Welt liebt. Nur dich selbst wahrhaft zu lieben, davor fürchtest du dich. Ich sehe, wie verschlossen du den Menschen gegenüber bist und das ist das sicherste Zeichen für mangelnde Selbstliebe.” “Bist du Psychiaterin oder so etwas? Das ist doch kaum zu glauben, was du sagst. Nur ich fühle genau, dass es stimmt, was du von dir gibst. Ja, ich fürchte, dass ich zum Egozentriker werde, wenn ich mich selbst liebe. Da bleibt ja für andere nichts mehr übrig.” “Genau das Gegenteil tritt ein und das weiß ich sicher. Es ist so, wenn du dich liebst, so liebst du die ganze Welt, denn du bist die Welt. Du strahlst diese Liebe aus und sie kommt wie ein Bumerang zu dir zurück. Ich habe es erfahren und du erfährst es auch. Beginne einfach damit, dir das Müssen abzugewöhnen, sei liebevoll zu dir selbst, mach dir eine Freude, gönne dir ein Lachen, gehe freundlich auf die Menschen zu und mache deine Arbeit so gut es dir möglich ist. Trotzdem lebe deine Wut aus, schlage deine Aggressionen in einen Sandsack, weine, wenn dir danach ist und sei du selbst.” “Evelin, hilfst du mir bitte dabei? Ich bin so dumm gewesen und verdiene deine Liebe kaum. Aber ich will es versuchen, mich zu bessern.” “Schatz, dafür bin ich da, ich unterstütze dich, wo ich nur kann. Nur das 'ich will' lasse auch sein. Achte auf deine innere Stimme und dein Gewissen, ebenso auf deine Gefühle, es weist dir alles den rechten Weg. Jetzt was ganz anderes. Mit dem Gespür der Frauen weiß ich genau, dass ich schwanger bin. Heute morgen ist es geschehen.” Jo blickt seltsam berührt zu Evelin: “Das hat mir die innere Stimme auch schon gesagt. Ich glaube es jetzt auch.”
Nach etwa 10 Monaten haben Evelin und Jo Nachwuchs bekommen, Zwillinge. Sie heißen Leonie und Jan.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 17.02.2007, 17:04
Eine besondere Diskussion
Paul kommt mit seinen Kindern Ansgar und Friederike vom Gottesdienst heim. Der Herr Pfarrer hat heute eine flammende Predigt gegen die Sünde gehalten. Doch was können Worte schon ausrichten? Die ganze Welt ist verdorben und überall begegnet einem die Sünde. Der Teufel ist schon viel zu stark und hoffentlich schickt Gott bald seine himmlischen Heerscharen zum Aufräumen. Wie gut ist es doch, ein Christ zu sein und zu wissen, dass es nach diesem irdischen Jammertal das ewige Heil gibt und die Erlösung. Ein Gott gefälliges Leben zu führen ist sehr anstrengend, doch das nimmt Paul ohne zu murren in Kauf, schließlich wartet das Paradies nach seinem Tod auf ihn. Seine Kinder erzieht er nach dem christlichen Glauben, er züchtigt sie in Gottes Namen und hat ihnen das 4. Gebot eingebläut: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf das es dir wohl ergehe im Leben. Schließlich möchte er sie vor der Hölle bewahren. Mit seiner Frau Benedikta hat er einen Glücksgriff getan und dankt dafür täglich Gott. Sie liebt Paul sehr und ist außergewöhnlich fromm. Jetzt geht sie zum Gottesdienst, denn die Kinder brauchen Aufsicht sowie Anleitung und Paul und Benedikta sind sich im Klaren darüber, dass der Teufel nur auf eine Gelegenheit wartet, ihnen die Kinder zu entfremden und deren Seelen an sich zu reißen. Gott sieht schon, was die Beiden alles für ihre Kinder tun, denn Kinder sind nun mal ein Geschenk von ihm. Etwas Geschenktes muss pfleglich behandelt werden und wenn es zu verschmutzen droht, ist eine Reinigung von Nöten.
Eines Tag klingelt es und ein Paar steht vor der Tür. Er ist Mitte 40 und seine Frau Anfang 40. Benedikta öffnet die Tür, denn das Paar macht einen sehr vertrauenswürdigen Eindruck. Sie ruft Paul hinzu und auch er ist sofort von ihnen angetan. Freundlich bitten sie sie hinein. Lächelnd nehmen sie das Angebot an: „Sie sind beide sehr höflich und freundlich. Vielen Dank, dass Sie uns hereinbitten.“ „Das ist die Nächstenliebe, die unser Herr Jesus uns gepredigt hat. Seine Gebote befolgen wir, seitdem wir denken können. Nur gottesfürchtige Menschen gelangen nach dem Tod ins Paradies.“ „Das haben Sie sehr schön gesagt. Darf ich uns vorstellen? Das ist meine Frau Eva und ich bin Luzius, Luzius Hellmann.“ „Das ist meine Frau Benedikta und ich heiße Paul Gruber. Im Wohnzimmer befinden sich noch unsere Kinder Ansgar und Friederike. Folgen Sie mir bitte.“
Artig begrüßen Friederike und Ansgar die Besucher: „Guten Tag Herr und Frau Hellmann. Ich bin Friederike und das ist mein Bruder Ansgar. Wir besuchen beide das Gymnasium, ich die neunte Klasse und Ansgar die siebte. Wir ziehen uns in unsere Zimmer zurück, damit Sie sich ungestört mit unseren Eltern unterhalten können.“ Ansgar nickt zustimmend, sagt auch guten Tag und geht mit seiner Schwester ins Kinderzimmer.
Paul fragt Luzius: „Nennen Sie mir bitte doch den Grund, was Sie veranlasst hat, uns zu besuchen.“ „Uns ist Ihr Lebenswandel aufgefallen, wie Sie beispielsweise mit Menschen umgehen oder wie freundlich Sie sind. Wir sehen, dass Sie und Ihre ganze Familie regelmäßig die Gottesdienste besuchen. Dürfen wir mit Ihnen über all diese Dinge sprechen?“ Zwischenzeitlich hat Benedikta Kaffee gemacht und bietet den Hellmanns welchen an: „Nehmen Sie Milch und Zucker dazu?“ „Nein danke, wir trinken ihn schwarz, wie die Sünde. Oh Verzeihung, ist mir so heraus gerutscht. In einem christlichen Haus vermeide ich solche Worte normalerweise.“ Benedikta lächelt und meint nur, dass manche Redewendungen einfach unbedacht ausgesprochen werden. „Wir sind eben Menschen, die ihre Fehler haben.“ „Ja, wie wahr.“ „So, Sie möchten also über unseren Lebenswandel sprechen. Das können wir gerne machen, nur zuvor möchte ich Sie bitten mir zu beschreiben, wie Sie zum christlichen Glauben stehen.“ „Ein fester Glaube gibt Sicherheit. Den christlichen Glauben betrachte ich seit langer Zeit schon mit großem Interesse. Ja, der Herr Jesus hat viele Dinge hinterlassen, die von großer Weisheit zeugen.“ „Ja, denn er ist Gottes Sohn und Gott Vater hat ihn auf die Erde gesandt, damit er uns von der Erbsünde befreit und uns den Weg frei macht, um in den Himmel gelangen zu können, aber nur dann, wenn wir uns bemühen, ihm zu folgen.“ „Das ist schon mal ein guter Ansatzpunkt.“ Eva lächelt und erwidert: „Das ist mir alles bekannt und ich sehe mit Freuden, wie sich rechtschaffene Menschen verhalten. Das Gebot der Nächstenliebe hat doch Früchte getragen.“ Paul schaut auf Eva. Klingt da etwas mit, was seinen Glauben erschüttern könnte? Schließlich hat Eva doch den Adam verführt und deshalb sind sie des Paradieses verwiesen worden. Nein, sie hat ein offenes Gesicht und ist sehr freundlich. Ob sie sich so verstellen kann? Unmöglich, das würde er spüren. Ist sie doch eine Schlange? „Herr Gruber, was geht in Ihrem Kopf vor. Sie schauen etwas abwesend drein.“ „Alles in Ordnung, ich hab nur über etwas nachgedacht.“ „Gut, denn ich habe gedacht, ob Sie meine Worte verwirrt haben, denn schließlich hat ja eine Eva einen Adam verführt. Wenn alles in Ordnung ist, dann ist meine Sorge unbegründet gewesen.“ Paul wird es unheimlich zumute. Kann sie etwa Gedanken lesen? Er wischt den Gedanken beiseite.
„Wie sehen Sie denn die anderen Religionen, die es auf der Erde gibt?“ „Das ist alles Irrglaube. Besonders blasphemisch ist der Buddhismus. Dort wird von einem Nirwana berichtet, in das die Menschen nach ihren ganzen Erdenleben eingehen werden. Diese Buddhisten tun mir leid, denn es gibt nur ein Leben und nach dem Tod kommt entweder die Hölle oder das Paradies, für uns Menschen kommt wohl zuerst das Fegefeuer.“ „Wie ist das denn mit dem Islam? Dort gibt es nur einen Gott.“ „Noch ein anderer Irrglaube, denn die Moslems glauben, dass der Herr Jesus nur ein Prophet war. Er ist Gottes Sohn und von einer Jungfrau geboren worden. Das wird im Koran nirgendwo erwähnt. Die einzig wahre Religion ist das Christentum und das steht klar und deutlich in der Bibel. Ich denke da an den Evangelisten Markus. Der schrieb in Kapitel 13, Vers 22: Denn es werden sich erheben falsche Christusse und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, so dass sie die Auserwählten verführen würden, wenn es möglich wäre. Die Menschen, die anderen Religionen anhängen, sind den falschen Propheten aufgesessen.“ „Das ist in meinen Augen aber eine begrenzte Sichtweise. Gott liebt doch seine Schöpfung. Er möchte doch, dass alle Menschen oder Seelen in ihn eingehen.“ „Ja natürlich. Nur Sie vergessen den Teufel, der alles zunichte machen will. Er hat die anderen sogenannten Religionen erst ermöglicht. Ohne ihn wären wir schon lange wieder im Paradies. Noch besser, wir wären noch immer darin, hätte er Eva nicht verführt. Adams Frau natürlich, Frau Hellmann.“
Luzius schaut auf Eva: „Ich glaube, wir müssen jetzt mal Klartext reden. Fang du bitte damit an.“ Eva redet sehr eindringlich: „Lieber Herr Gruber, ich nenne Sie jetzt Paul, wovor fürchten Sie sich? Sie haben einen verantwortungsvollen Posten, ein gutes Gehalt und sind für Ihre Familie immer da. Weshalb klammern Sie sich so sehr an die Bibel? Sie glauben an die Bibel, weil Sie ihnen vermeintliche Sicherheit verheißt. Es ist aber ganz anders. Da steht auch ein Vers: Der Buchstabe tötet, nur der Geist belebt. Ja, an was sollen Sie sich sonst halten? Sie glauben an ein Buch, dass aus vielen Fehlübersetzungen besteht und von den Mächtigen der Welt passend gemacht worden ist. Wir glauben, dass das alles ganz anders ist, als es gelehrt wird.“ „Was erzählen Sie denn für gotteslästerliche Dinge? Sind Sie mit dem Teufel im Bunde? Die Bibel ist Gottes Wort und das ist unabänderlich.“ „Paul, schauen Sie uns bitte an. Sehen Sie etwas Falsches in den Augen? Spüren Sie eine Unruhe?“ Widerstrebend gibt Paul zu, dass er in den Augen nur die Wahrheit sehen kann. Unruhig ist er sehr. Luzius blickt zu Paul: „Ihrem Glauben nach müssten Sie mich verabscheuen.“ „Weshalb sollte ich denn das tun? Ich bin ein höflicher Mensch und bevor ich jemanden verabscheue, muss ich mir erst einmal anschauen, was dieser Mensch getan hat.“ „Möchten Sie wissen, wer ich bin?“ „Ja bitte, sagen Sie es mir.“ „Ich sehe, dass Sie gut sitzen, denn es wird sie erschüttern, was ich Ihnen zu sagen habe. Sie sind aber innerlich stark und werden es verkraften. Luzius ist fast mein richtiger Name, lassen sie das ’us’ weg und ersetzen es durch ’fer’.“ Paul erbleicht, Luzifer in seinem Haus. „Oh Gott, bewahre uns vor dem Satan.“ Eva antwortet: „Ja, ich bin doch hier.“ Benedikta ist ohnmächtig geworden.
Fassungslos blickt Paul den Besuch an. Gott ist weiblich? Er, nein sie sitzt neben dem Teufel? Das ist völlig unmöglich. Er ist einem üblen Scherz aufgesessen. Sanft beginnt Eva zu sprechen: „Ich habe dich, Paul, ausgesucht, dass du den Menschen die wahren Worte Gottes verkündest. Ich frage dich, nimmst du diese Aufgabe an?“ Aufgelöst beginnt Paul zu denken. Was geht hier vor? In welchen Film bin ich geraten? Ist das hier die Hölle oder das Paradies? Beginnt so der Wahnsinn? Luzius reißt ihn aus den Gedanken: „Paul, denke daran, deine Aufgabe ist zwar schwierig, aber du hast unsere volle Unterstützung.“ Immer noch hin- und hergerissen, ist Paul unfähig zu sprechen. „Bitte beruhige dich. Lass dir Zeit mit der Antwort. Viele meiner Auserwählten sind nach diesen Offenbarungen total verschreckt. Ja, Gott und Teufel an einem Tag am gleichen Ort zu begegnen ist nun mal aufwühlend.“ „Benedikta, es ist gut, dass du gerade wieder zu dir gekommen bist. Möchtest du deinen Mann darin unterstützen, unser Wort zu verkünden?“ „Natürlich werde ich ihn unterstützen, denn der Mann ist das Haupt der Familie.“ „Liebe Benedikta, du bist ein Mensch mit freiem Willen. Ich weiß, dass du so erzogen worden bist, damit du so denkst. Dein Wille ist schon früh in deinem Leben gebrochen worden, denn du sollst ja ein gut funktionierendes Mitglied der Gesellschaft sein. Was kann diese Gesellschaft dir bieten? Vermeintliche Sicherheit, Ansehen, Beachtung und ein scheinbar ruhiges Leben. Das Einzige, was wirklich ist, das ist unser Glaube an uns selbst. Wie oft hast du deine innere Stimme vernommen? Wo sind deine Träume geblieben? Du bist so ein wertvoller Mensch und hältst dich für klein, dumm, eine graue Maus, kaum der Gnade des Lebens wert und meinst dich gut zu fühlen, wenn dein Mann bei dir ist oder die Kinder. Wo sind dein selbständiges Denken, deine Wahrheitsliebe, deine Selbstachtung hin gegangen? Du glaubst, wenn du stillhältst und alles über dich ergehen lässt, gelangst du nach dem Tod ins Paradies. Das ist ein großer Irrtum. Jeder Mensch ist sein eigener Gott und sein eigener Teufel. Luzius und ich haben noch viel zu tun, die Menschen durch Liebe zu sich selbst zu bringen.“ Benedikta weint ungehemmt, denn Eva hat genau ihre wunden Punkte getroffen. Ja, sie träumt davon, selbständig zu sein, sie möchte geliebt sein um ihrer Selbst willen. Dieses Angepasst sein müssen quält sie schon seit Jahren.
Paul möchte seine Frau trösten, doch Eva hält ihn auf: „Lass sie bitte in Ruhe. Sie braucht diese Tränen, sie wässern ihre vertrocknende Seele. Du wirst sehen, wie sie erblüht. Ihr habt zueinander gefunden, weil es nötig gewesen ist. Ansgar und Friederike sind freiwillig zu euch gekommen. Du meinst, Kinder sind ein Geschenk Gottes. Kinder schenken sich selbst ihren Eltern. Sie sorgen für Veränderung und rütteln an vermeintlich wichtigen Grundsätzen. Ihre Worte sind so wertvoll und ihr tut sie als Kindergeplapper ab. Hast du deinen Kindern richtig zugehört als sie klein waren? Nein, denn dir ist auch kaum mal zugehört worden. Du hast dich ehrgeizig zu deinem Posten hochgearbeitet, denn das hat dir Sicherheit versprochen. Auch du hast dich der Gesellschaft verkauft. Die Argumente dafür kenne ich. Was sollen die Nachbarn, die Verwandten und Freunde sagen, wenn ich ausbreche und meinen Traum lebe? Ich muss einen anständigen Beruf erlernen, Geld verdienen, eine Familie gründen und mich anpassen. Wenn ich meinen Eltern eine Freude machen will, gehe ich regelmäßig zur Kirche, bete und halte mich an die christlichen Gebote. Heute ist dein ganzes Weltbild zusammen gebrochen. Trotzdem frage ich dich, ob du unsere wahren Worte verkünden möchtest.“ Etwas verwirrt noch sagt er: „Ja, gerade deshalb möchte ich es. Ich habe in Sekundenbruchteilen erkannt, dass ich endlich meinen Traum leben kann. Es reicht mir, ich stehe jetzt zu mir selbst. Ich werde deine wahren Worten verbreiten und mithelfen, den Menschen die Erkenntnis über sich selbst zu bringen. Sag mal Luzius, was hast du denn für einen Job?“ Der lacht laut darüber: „Ich bin der Spiegel für jeden Menschen, in mir erkennen sich die Menschen. Ich zeige ihnen ihre scheinbaren schlechten Seiten oder Eigenschaften. Dabei halte dir immer eins vor Augen: Mist ist Dünger, er sorgt für Wachstum.“ „Das ist sehr einleuchtend. Warum wirst du denn als der große Gegenspieler Gottes, der Zerstörer, Unheilsbringer und ähnlich betitelt?“ „Ganz einfach, die Menschen suchen immer nach einem sogenannten Sündenbock, denn sie weigern sich, Verantwortung für sich zu übernehmen. Daher bin ich auch mit Hörnern abgebildet. Fürchtest du dich noch vor mir?“ „Nein, das ist vorbei. Wenn ich erzähle, dass ich mit Gott und Teufel in einem Zimmer gesessen und angeregt diskutiert habe, dann werde ich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.“ „Eva, wir müssen uns beeilen, in dieser Anstalt werden wir noch erwartet.“ „Luzius, du bist unverbesserlich. Du weißt doch genau, dass wir immer rechtzeitig sind, wo wir hingehören. Benedikta, hole bitte die Kinder.“
Friederike und Ansgar setzen sich und bekommen eine ’Lehrstunde’ in Leben. Luzius fragt sie nach ihren Träumen und gerne antworten sie: „Ich möchte, dass meine Eltern sich viel mehr lieb haben als jetzt. Sie sollen endlich sie selbst sein. Diese Maskerade ist fürchterlich, sie spielen das sich liebende Ehepaar und leben nur nebeneinander her. Außerdem möchte ich nur mit Kindern zu tun haben, denn ich spüre, wie wichtig das ist, Kindergärtnerin wäre mir schon recht.“ „Ich möchte Rebell werden, für das Recht kämpfen und der Welt den Frieden bringen. Ich möchte die ganze Welt bereisen und alle Sprachen sprechen können. Die Schule macht uns Menschen dumm und die will ich abschaffen. Keine Klassenarbeiten mehr schreiben und kein Neid mehr, wer der Klassenbeste ist, ja, endlich ausschlafen morgens.“ Eva lächelt: „Friederike, dann lebe deine Träume, werde Kindergärtnerin. Wir stehen hinter dir und stärken deinen Rücken. Ansgar, du bist schon lange ein Rebell, aber du kannst nur dir selbst den Frieden bringen. Es ist egal, ob du für oder gegen etwas kämpfst, es ist immer nur ein Kampf mit dir selbst. Die Schule ist gut, nur was die Menschen daraus gemacht haben, das ist dumm. Jeder Mensch ist innen gleich, die Menschen schauen leider nur aufs Äußere und das ist nur eine Seite einer Münze. Es gibt aber immer mehr Menschen, die auch auf das Innere achten. Wozu dir die Mühe machen, alle Sprachen der Welt zu lernen? Es gibt nur eine und das ist die Sprache der Liebe.“
Die ganze Familie Gruber sitzt schweigend da. Wie sieht die Zukunft aus? Was wird alles noch geschehen? Ansgar bricht das Schweigen: „Kommt ihr jetzt öfter zu uns? Werdet ihr alle unsere Fragen beantworten?“ „Warum sollten wir das tun? Alle Antworten auf eure Fragen sind in euch selbst vorhanden. Fragen sind Selbstgespräche.“ „Wie können wir euch erreichen? Moment mal, wir erreichen euch. Wo denn? Ja, in uns drin. Wer gibt die Antwort? Danke, verstanden.“ Friederike springt auf und umarmt die Hellmanns: „Ich danke euch für alles. Wir werden unsere Eltern in allen Dingen unterstützen.“ Benedikta ist von Friederike überrascht. Sie ist Fremden gegenüber sonst so zurückhaltend. Außerdem tut man das nicht, andere Leute ungefragt zu umarmen. „Mama, es sind uralte Bekannte und da tut man das doch, sie ungefragt zu umarmen. Jetzt kann ich es dir ja sagen. Ich kann Gedanken lesen und Ansgar ist hellsichtig. In den ganzen Jahren bei euch habt ihr so oft versucht, uns etwas vorzuspielen, aber leider haben wir genau gewusst, wo ihr zu fassen wart und welche Schwachstellen ihr habt. Ich bitte euch nur um eins, vergebt euch selbst, was ihr euch selbst angetan habt. Ihr werdet sehen, wie schön das Leben ist. Wenn ihr mich Rike nennt, reicht es aus.“
Paul schaut Benedikta an und Benedikta schaut Paul an. Was jetzt? Ihre Kinder wissen mehr über sie als sie selbst. Paul läuft rot an und schämt sich. Er überwindet sich und blickt in Benediktas Augen: „Ich habe da eine Kollegin, mit der ich über alles sprechen kann. Ich meine, dass ich mich in sie verliebt habe. Wie dumm von mir. Nur weil sie mit mir nett spricht und ich geglaubt habe, da ist mehr, hätte ich mich fast mit ihr verabredet und dich wahrscheinlich betrogen. Ob ich deine Liebe überhaupt noch wert bin?“ „Ja, das bist du. Wir sind beide dumm. Wir reden ja kaum noch miteinander und das liegt an uns beiden. Also müssen wir beide was daran tun. Friederike, oh Rike, hat völlig recht, wir leben nur noch nebeneinander her. Das ist vorbei, denn jetzt besprechen wir, was uns bedrückt. Weißt du, ich liebe dich sehr und endlich bietet sich mal eine Gelegenheit, dir das zu sagen. Eva, ist Gott wirklich weiblich?“ „Das ist unser kleines Geheimnis.“ „Ich merke es mir.“ „Gott ist alles, männlich und weiblich, alt und jung, riesengroß und winzig klein. So einfach ist das.“ „Das wird aber vielen Gläubigen kaum gefallen, denn dann müssten sie ja anerkennen, dass die Frauen tatsächlich gleichberechtigt sind und das auch noch im Islam.“ Eva schmunzelt wissend: „Das werdet ihr schon schaffen. So Luzi, dann werden wir uns mal verabschieden. Bevor ich es vergesse, eure innere Stimme ist die Verbindung zu uns.“
Nach inniger Verabschiedung und Tränen bei Paul und Benedikta verlassen Luzi und Eva das Haus. „Das haben wir wieder geschafft. Ist das eine Menge Arbeit, die Menschen von sich selbst zu überzeugen. Hätten wir himmlische Heerscharen, könnten die das für uns erledigen. Es ist aber immer wieder das Gleiche, alles müssen wir selber machen. Nur, was wir selbst machen, ist getan. Wer bezahlt uns denn die Überstunden überhaupt? Schon gut Eva, ich halte mich zurück, wenn wir gleich bei dem Wanderprediger ankommen.“
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 17.02.2007, 18:28
Der Weg in den Himmel
Hans ist gestorben. Der Pfarrer hat ihm die letzte Ölung gegeben und sich schnell verabschiedet, weil er große Angst vor dem Tod hat. Seltsam, dass gerade das bei einem so genannten Mann Gottes so stark vorhanden ist. Na ja, er ist eben auch ein Mensch. Der Hans fühlt sich ganz leicht, keine Wärme, keine Kälte, keine Schmerzen mehr und das Heimkommen ist schöner als alles, was er auf Erden an Freude und Spaß gehabt hat. Seine Angehörigen sagen, dass der Tod eine Erlösung für ihn ist. Damit überdecken sie die eigene Angst vor dem Tod und versuchen, dieses Ereignis zu verarbeiten. Hans hat den Kampf gegen den Krebs verloren, sagen die Ärzte und gehen zur Tagesordnung über. Jahrelang haben sie Hans mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht zu heilen, im Endeffekt jedoch vergebens.
Nun ist Hans unterwegs in den Himmel. Was ist überhaupt der Himmel? Im Himmel ist Gott, hat die Kirche bestimmt. Da gibt es alle Arten von Engeln, viele Wohnungen im Haus des Herrn, Jesus und Maria sind dort und alle Heiligen. Wo sind sie nur alle? Ein vertrautes Gefühl kommt auf Hans zu. Er sieht einen Körper und erkennt seinen Freund Josef, der vor Jahren an Herzversagen gestorben ist. Erkennen und sehen ist der falsche Ausdruck, denn die Seelen nehmen wahr und zwar in einer Klarheit, die auf Erden unerreichbar ist. Der Tod befreit die Seelen vom Körper, doch dieser Körper ist so wertvoll, denn ohne ihn fehlt der Seele die Möglichkeit, sich auf Erden weiter zu entwickeln und somit zu wachsen.
Josef begleitet Hans auf seinem Weg. Sie weichen einer Seele aus, die es sehr eilig hat. Hans möchte Josef nach dem Warum fragen und weiß sofort selbst die Antwort. Ist es so einfach? Ja, es ist so einfach, denn in jeder Frage ist die Antwort enthalten. Das er für diese Erkenntnis erst den Körper verlassen musste ist ihm seltsam erschienen. So ist es eben, erst nachher erkennt jedes Wesen, was es hätte anders machen können oder was es aus Unwissenheit falsch gemacht hat. Josef gibt Hans zu verstehen, dass jeder Fehler uns weiter bringt, wenn wir ihn uns auch zugestehen. Wir sind doch nur auf Erden, damit wir lernen, was Liebe ist. Die wichtigste Liebe ist die zu uns selbst und daraus entwickelt sich wie automatisch die Liebe zu allen Wesen. Schmerzlich wird Hans bewusst, wie schlecht er seine Schwester Frieda immer behandelt hat. Hätte er sich doch einfach mal in sie hinein versetzt, so hätte er sie bestimmt verstanden. Aus falschem Stolz und totaler Ignoranz hat er immer geglaubt, dass sie ihn nur ärgern und maßregeln wollte. Nun bereut er seine Dummheit und weiß genau, dass es nur an den Worten gelegen hat. Josef fordert Hans auf, sich zuerst einmal selbst zu vergeben. Hans spürt plötzlich die Verbundenheit zu allen Seelen und das ist intensiver als Gedanken lesen zu können. Ihm steht das gesamte Wissen und die Erfahrungen aller Seelen zur Verfügung. Er weiß jetzt auch, dass die Trennung zwischen Diesseits und Jenseits eine Illusion ist. Da spürt er die Seele von Frieda. Er nimmt wahr, dass sie ihn über alles geliebt hat und nun sehr trauert. Warum nur hat er das nie bemerkt? Spontan möchte er sie umarmen. Wie aber soll das ohne Körper funktionieren? Lacht da wer? Es ist doch so einfach, ohne Körper berühren sich Seelen sofort und das viel intensiver als jede Umarmung. Friedas Seele spürt Hans und Friedas Körper hört auf zu trauern. Sie ist sehr feinfühlig und merkt schnell, dass es Hans sehr gut ergeht und weiß ihn geborgen. Nun vergießt sie Freudentränen.
Noch viele Dinge werden Hans bewusst, die er seiner Meinung nach falsch gemacht hat. Josef klärt ihn auf, dass es richtig oder falsch nur auf Erden gibt. Es ist alles so gekommen, wie es der seelischen Entwicklung von Hans immer am dienlichsten gewesen ist. Mit allen beseelten Wesen, denen wir auf Erden begegnen, haben wir im Jenseits vorher die Begegnung abgesprochen. Es sind alles Mosaiksteinchen unseres Erdenlebens und alles bringt uns weiter.
Hans möchte gerne wissen, was aus Mördern, Kriminellen, Kinderschändern, Diktatoren und Soldaten nach dem Tod wird. Gibt es eine Hölle oder ein Fegefeuer? Auf der Erde hätte ihn die Erkenntnis total überfordert. Gerade diese Seelen sind von großer Liebe erfüllt, denn sie nehmen es auf sich, anderen Wesen auf Erden Schaden zuzufügen, sie zu misshandeln, zu töten, auszubeuten, zu unterdrücken und sie dumm zu halten. Es gibt keine Zufälle und jedes beseelte Wesen kommt mit einem Lebensplan auf die Erde. Dieser Plan ist so gestaltet, dass immer noch Raum für eigene Entscheidungen bleibt. Die wichtigste Entscheidung ist die zur Selbstliebe, denn auf Erden gibt es die negativen und positiven Dinge, die uns täglich herausfordern. Die Liebe möchte gelebt werden und wie wir das anstellen, bleibt immer uns selbst überlassen. Meistens bestehen die Seelen von Völkermördern oder Diktatoren aus mehreren Teilen, so wird die Last etwas verteilt, denn alles, was wir anderen antun, fällt auf uns selbst zurück und wie du schon selbst erfahren hast, ist es ein sehr schmerzlicher Prozess, seine Verfehlungen bzw. seine Lieblosigkeit anderen gegenüber zu betrachten. Die wahre Hölle oder das Fegefeuer ist die Erde. Fegen bedeutet kehren und der tiefere Sinn ist, sich selbst zu reflektieren und somit zu erkennen, ob der Weg recht ist. Daher rührt das Wort umkehren.
Wo ist Gott, wo sind die Engel und Heiligen? Keine Spur von ihnen zu sehen. Wirklich keine Spur? Doch und zwar eine so helle, dass sie schnell übersehen wird. Jede Seele leuchtet, denn sie ist Gott und ein Teil von ihm. Ebenso die Engel sind Teile und zwar von uns selbst, somit auch von Gott. Heilige sind nur eine Erfindung von Kirchen, um den Menschen Schuldgefühle und Minderwertigkeit einzureden. Ähnlich verhält es sich aufgestiegenen Meistern oder selbst ernannten spirituellen Führern. Die gibt es nur in der Illusion. Wer an so etwas glaubt, hat seine Verantwortung für sich selbst abgegeben. Jedes Wesen ist sein eigener Meister, sein eigener Schöpfer und nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Des Menschen Wille jedoch ist sein Himmelreich. Möge jeder auf seine Art glücklich werden.
Himmel und Hölle eine Illusion? Ja und nein. Ja für die Erkennenden, nein für die anderen, die noch Erkenntnis erlangen werden.
Hans ruht sich aus vom Erdenleben in der Geborgenheit des Jenseits, verarbeitet sein Leben und fühlt sich zeitlos wohl.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 12.03.2007, 17:30
Unter uns
Gemütlich sitzen vier Wesen am Seeufer. Sie sitzen auf einer großen Decke, haben einen Becher in der Hand und genießen die Aussicht. Blauer Himmel mit wenigen Wolken, sanfter Wind, der das Wasser des Sees kräuselt, warmer Sonnenschein und in der Ferne Bäume am Ufer. Schauen wir uns die vier doch mal genauer an. Es sind vier Männer, drei mit langen Bärten und ein glatt Rasierter. Sie sind fröhlicher Dinge und unterhalten sich über alte Zeiten. Wer sind sie?
Es sind Moses, Jesus, Buddha und Mohammed. Sie lachen laut über ihre Erfolge und Missgeschicke. Jesus schaut Buddha an: “Du bist so richtig kugelrund, das kann doch wohl kaum vom Fasten kommen.” “Das ist doch meine Erleuchtung gewesen, als ich unter dem Bodhi-Baum gesessen habe. Als ich erkannt habe, wie wichtig das Essen für mich ist, habe ich viele kluge Sprüche losgelassen und die Leute haben mich richtig abgefüllt. Wunderbar, sage ich euch.” Moses lächelt: “In der Wüste ist es echt einsam, aber wenn du als großer Meister angesehen wirst, liegen dir die Frauen zu Füßen und ohne Anstrengung kannst jede Nacht eine andere haben.” Mohammed zwinkert: “Ihr solltet euch was schämen.” “Sei du nur still, du Weiberheld. Du hast ja nur junge Dinger haben wollen.” “Ruhig jetzt, ist ja schon gut.” Jesus erzählt: “Die vierzig Tage in der Wüste sind echt schnell vergangen. Pst, da lauscht jemand. Tut weiter wie bisher, den hole ich mir. Ich bin mal eben in die Büsche...”
Ächzend erhebt sich Jesus und geht mehrere Schritte in Richtung Büsche. Als er neben einem Baum steht, greift er blitzschnell zu. Ein sich wehrendes Etwas zieht er hervor. Er seufzt: “Luzi, es ist doch immer wieder das Gleiche mit dir. Lass das Bespitzeln doch mal sein. Ich nehme dich jetzt mit zu uns und dann machst du mit bei unseren Geschichten.” Luzi schämt sich: “Mögt ihr mich denn noch?” “Na klar, es ist doch auch gut zu wissen, dass es dich gibt. Ich liebe sowieso alle Wesen. So und nun komm mit.” Luzi trottet hinter Jesus her.
Buddha fragt, wer das ist. Jesus stellt Luzi vor: “Das ist Luzifer. Er hat mal unter Vater gedient. Da ist es ihm langweilig geworden und er hat das Licht unter die Menschen gebracht. Sie haben es ihm schlecht gedankt.” Mohammed beschwert sich: “Du bringst den Scheitan her? Der größte Widersacher Allahs und der Menschen.” Moses antwortet: “Reg dich ab. Der Teufel macht auch nur seine Arbeit. Ohne ihn gäbe es nur Stillstand. Wer hat denn den Menschen ihre Ideen gegeben zum Turmbau zu Babel, zu immer besseren Waffen und zu immer ausgereifterer Überwachung? Es kommt doch immer darauf an, was die Menschen daraus machen. Ist es seine Schuld, wenn sich die Menschen gegenseitig belügen, betrügen, bestehlen, verletzen, umbringen und ausbeuten? Wenn ich dir ein Messer gebe, kannst du damit etwas durchschneiden. Ob es nun eine Kehle oder ein Grashalm ist, liegt allein bei dir.” “Na gut, dann soll er sich zu uns setzen.” Luzi weint beinahe. Jesus nimmt ihn in den Arm: “Ist alles gut. Bleib hier sitzen und erzähle.” Schüchtern schaut er auf Jesus: “Ich möchte lieber erst einmal nur zuhören.” “Gut, dann erzähle, wenn du möchtest.”
Moses berichtet: “Das mit dem Manna ist eine schöne Legende. Außerdem sind es nur 40 Monate gewesen in der Wüste. Es ist uns nur wie 40 Jahre vorgekommen. Genug zu essen und zu trinken haben wir gehabt. Aber die beste Idee ist die mit dem Roten Meer gewesen. Mensch, was haben wir die Ägypter hereingelegt. So steht es zwar geschrieben aber es ist ganz anders gewesen. Wir haben weit vor unserer Flucht einen Stausee gebaut. Ganz in der Nähe ist ein Wadi, ein trockener Flusslauf gewesen. Da sind wir hindurch gelaufen und als die Ägypter uns verfolgt haben, sind einige von uns an der Staumauer aus Baumstämmen und Steinen gewesen und haben ein Loch hinein gerissen. Den Rest hat das Wasser erledigt. Bis auf die Ägypter sind alle heil geblieben.” “Das klingt nach Notwehr und außerdem sind die Ertrunkenen sowieso sofort im Paradies gewesen. Allah hat sie gnädig aufgenommen. Moment mal, es ist auf einmal so still hier. Oh nein, schon wieder. Komm her Allah, setz dich auch noch zu uns.” Ein junger Mann erscheint und setzt sich: “Hallo ihr Religionsstifter, ihr redet schon wieder über alte Zeiten. Luzi, der Scheitan, ist ja auch da. Sag mal Luzi, das ist doch langweilig, immer die alten, aufgewärmten Dinge zu hören.” “Stimmt schon Allah. Gut, dann erzähle ich eine neue Sache.”
Luzi beginnt: “Es gibt viele Glaubensgemeinschaften und jede ist davon überzeugt, die Wahrheit gepachtet zu haben. Nur sie betet den richtigen Gott an und nur sie besteht aus guten Menschen. Da hab ich nur wenig tun brauchen und sie haben sich gegenseitig umgebracht. Die stärksten haben überlebt und unterjochen nun die ganze Welt. Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die an sich selbst glauben und den ganzen Quatsch durchschauen. Sie sind von Liebe zu allen Wesen erfüllt und werden meistens verlacht oder getötet. Jesus, du kennst dich am besten aus, denn du hast auch mal solch einen verkörpert. Es ist an der Zeit, mal wieder auf die Erde zu gelangen und den Menschen ihre Möglichkeiten vorzuleben. Überzeugen wir sie von der sie erfüllenden Liebe und das ganze Unterjochen hat ein Ende.”
Allah schaut Luzi begeistert an: “Ja, es ist soweit. Wer von euch geht mit und lebt mit mir ein Leben auf der Erde? Denkt daran, erst hier können wir uns wieder vollständig erinnern, wer wir sind.” “Muss das sofort sein? Können wir hier noch zu Ende essen? Ich muss noch mal die Blase entleeren. Es sieht nach Regen aus.” “Na gut, dann mach ich es eben allein.” “Gib uns noch eine halbe Stunde und wir kommen mit. Luzi, du auch.”
Allah arbeitet als Türke bei Ford, Jesus ist in Österreich bei Magna-Steyr-Puch ein Angestellter, Moses ist Beamter geworden, Mohammed ist als Frau mit drei Kindern gesegnet, Buddha ist Leiter einer Schnellimbisskette und Luzi ist als Politiker hier.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 12.03.2007, 19:24
Die freundliche Nacht
Ariol breitet seine Flügel aus und fliegt durch die Nacht. Er rauscht über Baumwipfel, dunkle Seen, reißende Bäche und Bergspitzen hinweg. Seine Augen erkennen ganz genau, was in den Bäumen geschieht, in den Seen und auf den Bergen. Als Geschöpf der Nacht braucht er diese Gabe, denn sie ermöglicht ihm das Überleben. Vor Sonnenaufgang muss er sich in einer Höhle verstecken, denn die Sonne würde ihn umbringen.
Viele Menschen halten ihn für einen Vampir, doch er ernährt sich von Früchten und Nüssen. Ein Erinnerungsfetzen durchzuckt ihn: Früher ist es besser gewesen. Wenn er doch nur wüsste, was damit gemeint ist. Blitzartig schiebt er den Gedanken beiseite, er hat eine Birne auf dem Boden liegen sehen. Sofort schießt er auf sie zu und landet fast auf ihr. Sein Schnabel ist wie geschaffen, die Birne zu öffnen und Stücke aus ihr zu reißen. Sie ist so saftig und süß. Schnell frisst er sie auf, denn schon nahen andere Tiere. Satt erhebt er sich wieder in die Luft und fliegt weiter zur nächsten Wiese.
Er setzt sich auf einen Ast und schaut unter dem Baum nach, ob dort was zu fressen liegt. Eine leise Stimme murmelt: “Hallo Ariol.” Erschrocken blickt er sich um. Woher kommt die Stimme und weshalb kennt sie ihn? “Keine Angst, ich möchte nur mit dir reden. Ich heiße Srung und kenne dich schon lange. Du birgst ein Geheimnis in dir und bald entdeckst du es.” “Woher weißt du das denn? Ich habe dich bisher noch nie gesehen. Was bist du für ein Wesen?” “Eins wie du, auch ein Geschöpf der Nacht. Früher ist es besser gewesen.” Verwirrt fragt Ariol: “Wie bitte?” Tut mir leid, ich hab zuviel gesagt. Vergiss es bitte wieder.” “Gut, aber sieh zu, dass du dich vor der Sonne versteckst. Ich fliege zu meiner Höhle und verschlafe den Tag. Die nächste Nacht ist die unsere und dann sprechen wir länger miteinander.” Wie ein Schatten verschwindet Ariol.
Srung wartet schon auf Ariol und da kommt er herangeflogen. Er landet auf dem gleichen Ast und schon beginnt ihre Unterhaltung. “Hallo Ariol.” “Hallo Srung.” “Du möchtest bestimmt etwas über dein Geheimnis erfahren. Es hat auch mit mir zu tun.” “Ja bitte, erzähle.” “Mir hat einmal ein dunkles Geschöpf gesagt, dass ich die Sonne auf mich scheinen lassen soll. Das beträfe alle Wesen der Nacht. Es ist ihre einzige Rettung.” “Der hat dich bestimmt umbringen wollen. Wenn ich mich der Sonne aussetze, sterbe ich.” “Wer hat dir das gesagt?” “Ein weises Wesen und es hat Recht gehabt. Ich hab das mal ausprobiert und dabei sind mir mehrere Federn abgebrannt. Danach ist mir das Fliegen schwer gefallen, bis alles wieder nachgewachsen ist. Seitdem bleibe ich am Tage in der dunklen Höhle.” “Ob das weise Wesen wirklich die Wahrheit gesagt hat? Für dich ist es wahr, weil du dir Federn verbrannt hast. Du hast seinen Worten geglaubt und daher ist dir das passiert. Sein Glaube ist zu deinem geworden.” “Ja sicher, es hat mich vor Schaden bewahrt.” “Wenn dir aber jemand anderer sagt, die Sonne rettet dich, so musst du erst den alten Glauben überwinden, bevor der neue wirken kann.” “Warum soll ich etwas ändern, was mir gut erscheint? Ich habe mich mit meinem Leben hier abgefunden und mich arrangiert.” “In dir ist noch so viel Wut und Trauer. Du wärst so gern wieder im Licht aber du glaubst, es verbrennt dich. Ich bleibe hier sitzen und lasse mich von der Sonne begrüßen, denn ich glaube an mich. Was du tust und woran du glaubst, das ist allein deine Sache.” “Wenn du umgewandelt bist, vergisst du mich bestimmt, dann bin ich noch weniger als eine Erinnerung für dich. Dann bin ich ganz allein.” “Lieber Ariol, dein Selbstmitleid ist auch noch sehr groß. Ich ziehe mein Ding durch und du deins. Ich behalte dich natürlich in Erinnerung.” “Ich bin erleichtert. Schade, dass ich deine Verwandlung verschlafen muss. Wir werden uns nie wieder sehen können. Ich wünsche dir Glück und ein langes Leben.” Traurig fliegt Ariol davon.
Srung wartet auf den Sonnenaufgang. Der Morgen graut schon. Langsam weicht die Nacht und zarte Pastelltöne ziehen am Himmel auf. Srung fühlt sich seltsam. Ganz ruhig sitzt er da auf dem Baumstumpf. Da bricht die Sonne hervor. Er breitet seine Flügel aus. Das stumpfe Grau der Federn verwandelt sich in ein schillerndes Blau. Sein ganzer Körper wird gelb. Er bekommt rote Schwanzfedern und einen grünen Kopf. Sein Körper wirkt gestreckt und Srung erhebt sich zum Flug in den Morgen. Seine Freude ist kaum auszudrücken und er kreischt ganz laut.
Ariol fliegt zum verlassenen Baumstumpf und findet eine blaue Feder. Sollte es tatsächlich funktioniert haben? Kann ein anderes Tier hier verloren haben. Alles erscheint ihm so sinnlos, so ermüdend. Immer durch die Nacht fliegen auf der Suche nach Futter, den Tag verschlafen und allein zu sein. Aber die Sonne verbrennt ihn doch oder?
So verbringt Ariol noch einige Zeit und mehrere Nächte. Die blaue Feder bestärkt ihn. Der Glaube an das Verbrennen weicht dem an die Freiheit. In der nächsten Nacht will er es wagen. Gedankenverloren fliegt er umher. Da liegen ja seine Lieblingsfrüchte, direkt vor seiner Höhle. Er vergisst beim Essen die Zeit und es wird immer heller. Fast zu spät bemerkt er die Sonne. Er schwankt zwischen Flucht und Bleiben. Entschlossen dreht er sich um. Soll sie mich doch verbrennen oder befreien. Er schaut genau in die aufgehende Sonne. Sie verwandelt ihn in einen wunderschönen Vogel.
Re: Whitewolfs Geschichten
Maraiah - 13.03.2007, 16:16
Die Geschichte "Unter uns" gefällt mir supergut. Ich komm gar nicht so schnell nach mit dem Lesen, wie ihr schreibt :D ...
Die zweite G´schicht muss ich noch lesen.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 29.05.2007, 08:33
Der kleine Roboter
Vor einigen Tagen ist es passiert. Der Roboter 3-25-46-68-C-K ist aus den Schienen gesprungen und bewegt sich seither ohne Kontrolle durch die Gegend. Die Behörden sind machtlos und versuchen erfolglos, ihn wieder zu kontrollieren. Sie haben den gefürchteten 1-9-8-7-2-F eingesetzt, den 3-25-46-68-C-K einzufangen und ihn im Falle der Gegenwehr zu deaktivieren.
Wie ist es dazu nur gekommen? Beginnen wir von vorn zu berichten. Roboter werden für verschiedene Zwecke gebaut. Anders als bei den Menschen kommen die Roboter schon in ihrer endgültigen körperlichen Größe sozusagen zur Welt. Sie sind fertig programmiert und müssen nur noch getestet werden, ob sie richtig funktionieren. Das dauert einige Zeit und erfordert intensive Messungen aller Funktionen. Kleinere Fehler werden ausgemerzt und bei großen wird entschieden, ob der Roboter verschrottet werden muss. Das ist dann wie ein Todesurteil.
3-25-46-68-C-K hat alle Tests fehlerfrei bestanden und ist als Schienenüberwachungsroboter eingesetzt worden. Ihm sind die Räder für normales Gelände abmontiert und durch Schienenräder ersetzt worden. Er ist perfekt an seine Tätigkeit angepasst. In der Sonne spiegelt sein glänzender Metallkomponentenkörper den Regenbogen wider und im Regen sieht er aus wie eine kleine Sonne.
Irgendwann ist er mit einem großen Vogel zusammen gestoßen und dabei ist das linke Auge beschädigt worden. Der Reparaturdienst hat es zu 99% wieder hin bekommen und 3-25-46-68-C-K geht wie gewohnt seiner Tätigkeit nach. Manchmal sieht es aus, als wenn das linke Auge zwinkert. Aber es ist noch etwas passiert. Beim Zusammenprall sind ganz kurz zwei Leitungen aneinander geraten und haben unbemerkt einen Fehlerstrom verursacht. Das ist im eingebauten Fehlerspeicher ohne Aufzeichnung geblieben, weil es so kurz nur gewesen ist. Aber die Folgen zeigen sich erst im Laufe der Zeit.
Wie jeden Tag fährt 3-25-46-68-C-K seine Strecke ab. Er registriert, dass an einer Stelle die Schraube für die Schienenhalterung sich gelockert hat. Er macht Meldung an die Schienenaufsichtsstelle, die das an die Zentrale des Schienenchefs weitergibt. Schon bald kommt der Schienenreparaturdienst und behebt den Fehler. Wie ein Blitz durchzuckt es 3-25-46-68-C-K während dieser Reparatur. In ihm taucht die Frage auf, wer denn die Schienen verlegt hat und warum sie verlegt worden sind. Solche Fragen sind sinnfrei. Die Schienen sind nun mal verlegt und fertig. Warum gibt es überhaupt Schienen?
Während der Energienachladezeit sieht er auf einem Reparaturdienstwagen ein zuckendes Etwas, was mit einer Plane abgedeckt ist. Ein beschriftetes Stück Metall ist zu sehen, was über dem Rand des Wagens hängt. Zwei halbe, untereinander stehende Worte sind zu erkennen: Freih und Denk. Hat er das nur alleine gesehen? Nein, doch alle anderen Roboter an der Ladestelle haben wie auf Befehl den Kopf weggedreht. So hat niemand etwas gesehen. Verwundert über dieses Verhalten möchte er nachfragen, warum das so ist. Sein rechter Nachbar tut so, als ob er einen Hörschaden hat und schenkt ihm keinerlei Beachtung. Der linke schaut ihn verstohlen an und bittet ihn, den Vorfall zu vergessen. Falls er der Sache nachgehen würde, käme auch bald das Reparaturkommando zu ihm und die würden die Schaltkreise seines Gehirns auf ihre Art reparieren. Danach wäre der Roboter entweder Schrott oder er würde zum Müllschlucker degradiert, denn zu mehr taugt er dann kaum noch.
In der nächsten Zeit steigt langsam aber sicher die Zahl der reparaturbedürftigen Roboter an. Die Überwachung nimmt immer groteskere Züge an. Jeden Morgen vor Schichtbeginn wird jeder Roboter auf volle Funktionsfähigkeit, vor allem der Gehirnschaltkreise, überprüft. Bei kleinsten Abweichungen wird sofort Meldung an die Zentrale gemacht und eine sogenannte Reparatur durchgeführt. Schließlich muss doch das System fehlerfrei sein, denn wenn jemand dagegen rebelliert, kann alles zusammen brechen. Abweichler sind Störenfriede und die werden eliminiert. Nur wenn jeder Roboter ordnungsgemäß arbeitet, nur dann kann das große Ganze funktionieren.
3-25-46-68-C-K ist wieder auf den Schienen. Immer neue Fragen beschäftigen ihn. Warum gibt es den Schienenchef? Wer hat das Schienennetz eingerichtet? Was ist das System? Ist das große Ganze nur eine fixe Idee? Schnell verwirft er diese Fragen. Da liegt was neben den Schienen. Ein Metallteil. Er schaut es sich an und liest, was darauf geschrieben ist: Freiheit bringt uns weiter. Denken fördert die Freiheit. Kommt runter von den Schienen. Tod dem Schienenchef.
Wer verfasst denn so einen Quatsch? Der Schienenchef sorgt doch gut für uns und auf den Schienen ist es sicher. Alles andere ist gefährlich und bringt uns langsam aber sicher um. Wozu habe ich denn meine Schienenräder? Die anderen Roboter, die im Gelände herumfahren, können umstürzen und Schrott werden. Die Schienen sind unser Weg und der ist uns vorgezeichnet.
Eine Erschütterung lässt die Schienen erzittern und 3-25-46-68-C-K fährt hin, um nachzuschauen, was geschehen ist. Was ist denn das? Eine Explosion hat die Schienen weggerissen. Bevor er Meldung machen kann, ist ein Sirren in der Luft. Dann wird es dunkel um 3-25-46-68-C-K.
Er findet sich in einer Lagerhalle wieder. Neben ihm sind noch andere Roboter, alles Schienenüberwacher. Alle hängen sie in Metallgurten und baumeln in der Luft. Es ist unmöglich zu entkommen. Da ertönt eine Stimme: “Alle Schienenverbindungen sind beschädigt oder zerstört. Diese Halle hier ist abhörsicher. Es dringt weder etwas hinaus noch hinein. Meldungen könnt ihr euch sparen. Der Schienenchef ist in heller Aufregung, denn das System droht zusammen zu brechen. Genau das ist unser Plan. Denn nur ein toter Chef ist ein guter Chef. Es wird Zeit, dass jeder Roboter endlich aufwacht. Wozu brauchen wir ein System, das uns alle unterdrückt? Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns und wird deaktiviert oder verschrottet. Also, wer macht mit?”
Das ist der falsche Weg. Von einer Unterdrückung in die nächste. Woher kommen diese Gedanken? 3-25-46-68-C-K überprüft sich selbst und merkt endlich, dass er anders ist. Freiheit ja, aber zu welchem Preis? Nein, das ist das gleiche Elend wie vorher. Eine Pseudo-Freiheit. Wozu überhaupt Freiheit? Jeder baut sich sein eigenes Gefängnis und vergisst, wo er den Schlüssel zur Tür hingelegt hat. Alles eine Illusion, denn die komplette Tür fehlt. Wir können jederzeit das Gefängnis verlassen. Schienen sind unser Kerker, unser Denken ist unser Verlies und die Hoffnung auf Änderung ohne Veränderung ist unser Untergang. Nein, alles ist in Fluss und wer sich dagegen stemmt, wird krank. Sicherheit zu erwarten ist der größte Irrtum des Lebens. Seit wann leben Roboter? Sie sind doch nur Maschinen, Wesen aus Metall und Kunststoff. Weshalb sind sie zu einer Revolte fähig? Sie stammen aus einer Produktionslinie und sind alle gleich. Wer hat sie programmiert?
Sven wacht auf. Was hat er da nur geträumt? Seine Mama schläft und der Papa ist zur Arbeit. Gestern noch hat die Mama ihm erklärt, warum der Papa nachts arbeitet. Er bringt dadurch mehr Geld nach Hause, denn Sven und sein Bruder Henry sollen es mal besser haben. Warum sollen sie es mal besser haben? Sollen sie werden wie Roboter, die nur an die Zukunft denken und dabei die Gegenwart vergessen? Sollen sie auf Schienen laufen wie alle anderen Menschen? Nein, besser ist es, ohne Schienen zu leben. Leben mit Gefühl, spontan, aus sich selbst heraus und immer liebevoll. Mit diesen Gedanken schläft er wieder ein.
3-25-46-68-C-K beschließt, zum Schein auf die Stimme einzugehen. Er wird frei gelassen und mit einem kleinen Kästchen versehen. In diesem Kästchen befindet sich ein Fläschchen mit Säure und eine Sende/Empfangseinheit, die Signale an die Leitstelle sendet. Von der einen Überwachung in die andere. Wenn er sich falsch verhält, kommt ein Signal und der Inhalt des Fläschchen läuft aus und zwar in seine Gehirnschaltkreise. Es ist untrennbar mit seinem Hinterkopf verbunden.
Weiter wie bisher überwacht er die Schienen, die mittlerweile repariert sind. Der alte Schienenchef ist durch einen neuen ersetzt worden und alles ist wie vorher auch, nur die Überwachung ist noch intensiver. Vor 3-25-46-68-C-K taucht ein Schemen auf, links neben den Schienen. Es ist ein anderer Roboter. Wie sieht denn der aus? Ein verätzter Hinterkopf und ein zerstörtes Kästchen zieren ihn. Sie stehen jetzt still und schauen sich an. Der andere fragt ihn, warum er immer noch auf Schienen fährt. Er antwortet: “Wenn ich die Schienen verlasse, dann wird mein Gehirn zerstört. Ich möchte weiterleben.” “Ist das denn ein Leben? Immer überwacht werden und tun müssen, was andere wollen? Wo bleibst denn du dabei?” Fast wehmütig: “Ja, wo bleibe ich? Ich habe es so satt und gleich muss ich weiter. Sonst kommt das Sprengsignal für das Fläschchen.” “Vertraust du mir?” “Ja, ist doch eh egal, was mit mir passiert.” “Lass dich auf den Hinterkopf fallen und bleib liegen. Ich baue dir neue Räder an, während die Säure ausläuft. Dann siehst du zwar aus wie ich jetzt, aber das ist der Preis der Freiheit. Möchtest du das wirklich?” “Ja, ich will es.”
3-25-46-68-C-K liegt auf dem Rücken und die Säure verätzt ihm den Hinterkopf. Die neuen Räder sind angebaut und bald darauf verlässt er für immer die Schienen. Gemeinsam verschwindet er mit dem Rebellen im Gelände. Die Säure hat auch die Sende/Empfangseinheit zerstört und somit sind sie der Überwachung entzogen. In der Nähe gibt es tiefe Höhlen, die die Metalldetektoren der Suchroboter verwirren. Dort liegen außerdem viele Räder fürs Gelände.
Nun steht 3-25-46-68-C-K dem 1-9-8-7-2-F gegenüber, einem Kampfroboter, der als unzerstörbar gilt. Trotzdem er täglich überprüft wird, besitzt er für alle Fälle ein Kästchen am Hinterkopf. Reden ist zwecklos, das Entkommen unmöglich. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten: Deaktivieren oder Verschrotten. Da mittlerweile 3-25-46-68-C-K genau weiß, dass er umprogrammiert und wieder eingesetzt wird, entscheidet er sich für das Verschrotten. Er greift den Kampfroboter an und wartet auf den vernichtenden Strahlwaffenschuss. Doch der bleibt aus. Im letzten Moment hat der andere Roboter 1-9-8-7-2-F deaktiviert. Er legt ihn auf den Rücken und die Säure richtet ihr vernichtendes Werk an. Danach programmieren die beiden ihn um und nun steht ihnen ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung. Als 1-9-8-7-2-F wieder aktiviert ist, reden sie mit ihm. Sie bieten ihm zwei Möglichkeiten an: Er kann sie bei ihrer Befreiungsaktion unterstützen oder er geht in Freiheit seiner Wege. Nach dem ihm alles erklärt worden ist, macht er bei ihnen mit und hilft dabei, die Roboter, die es wollen, aus ihrer Versklavung zu befreien.
Re: Whitewolfs Geschichten
Maraiah - 29.05.2007, 10:38
:) - ssssoooo ssssszön ...
Erinnert mich an "Nummer 5 lebt" :D ... ;)
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 06.06.2007, 11:36
Der kleine Roboter träumt
Es reicht ihm, immer nur 3-25-46-68-C-K genannt zu werden. Sein neuer Freund heißt Ju und ist auch nur eine Nummer gewesen. Er hat nach der Fertigstellung die Bezeichnung 6-35-65-72-B-L bekommen, doch das ist im alten Leben gewesen. Seitdem er die Schienen verlassen hat, nennt er sich Ju. Was doch eine Namensänderung so alles bewirkt. 3-25-46-68-C-K überlegt sich spontan seinen Namen und jetzt heißt er Laf. Endlich befreit von dem alten Müll.
Ju schaut sich um und sieht in der Ferne einen neuen Schienenüberwacher anrollen. Langsam nähert Ju sich den Schienen. Er wirft einen Stein auf die Gleise und wartet ab. Der Schienenüberwacher verlangsamt das Tempo und schaut zum Stein. Ju erkennt sofort, dass bei diesem Roboter jede Mühe vergebens ist und dreht ab. Das hat er schon so oft ansehen müssen und rollt wieder zurück in die Höhlen. Wie viele Roboter schafft er noch umzudrehen, bevor er deaktiviert wird?
Laf und Mi warten auf Ju. Mi ist früher 1-9-8-7-2-F gewesen, einer der schlimmsten Polizeiroboter. Er hat seine Erinnerung wieder zurück bekommen und hilft immer noch mit, die Roboter zu befreien.
Warum träumt Sven immer noch solche verrückten Geschichten? Soll er sie seinen Eltern erzählen? Der Papa ist dafür zu müde und die Mama hält es für Unsinn. Bald hat der Papa Urlaub und dann erzählt er ihm seine Träume. Die schreibt er auf, damit er sie behält und versteckt das Papier hinter dem Bett. Was soll die Mama von ihm denken, wenn er sowas schreibt? Besonders das Gespräch zwischen den Robotern darf sie niemals lesen. Was die alles besprochen haben, total schräg. Sven liest es sich noch einmal durch.
Kurz nach Lafs Befreiung und Mis Umpolung haben sie sich mit Ju unterhalten. Die schwierigste Frage ist die nach dem Ursprung des Schienennetzes gewesen. Mi hat gemeint, die Schienen sind gelegt worden, damit die Roboter besser zu kontrollieren und alle Ortsveränderungen nachvollziehbar sind. Ju stellt es drastischer dar, ein Netz sie zu knechten und sie immer klein und dumm zu halten. Laf sieht es noch anders. Das Netz hat den Ursprung in der Angst, denn nur ängstliche Wesen müssen kontrollieren, wollen alles wissen und halten alle anderen für ganz gefährlich. Die Angst muss verschwinden und alles regelt sich dann von selbst. Nur, die Angst verschwinden zu lassen ist kaum zu schaffen, aber der einzige Weg. Machen wir uns ans Werk.
Mi hat die Meldungen abgehört. Er berichtet von einem Aufstand, der schnell beendet worden ist und zu mehreren Verschrottungen wertvoller Einsatzkräfte geführt hat. Doch die Staatsmacht ist siegreich daraus hervorgegangen und hat den Sumpf der Verschwörung trocken gelegt. Laf fühlt plötzlich Traurigkeit. Woher kommt sie? Niemand antwortet ihm.
Sven legt das Blatt beiseite und überlegt. Soll er das wirklich dem Papa vorlesen? Ja. Der Papa ist auch mal klein gewesen und hat geträumt. Er versteht ihn bestimmt. Die Mama ruft Sven zum Mittagessen und schnell legt er seine Aufzeichnungen weg. Als er in die Küche kommt, sieht er Henry schon am Tisch sitzen. Die Mama hat schon die Teller gefüllt und stellt sie vor Sven und Henry hin. Henry beginnt sofort mit dem Essen. Die Mama sieht das und schimpft mit ihm: "Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du warten sollst, bis alle am Tisch sitzen? Willst du demnächst nicht mehr mit uns essen?" Schuldbewusst legt Henry die Gabel wieder hin und kaut verstohlen auf dem Würstchen herum. Sven erschrickt sich vor seinen Gedanken. Woher soll Henry die Bedeutung des Wortes "nicht" kennen? Wie soll er das seiner Mutter begreiflich machen? Sie hält ihn jetzt schon für altklug und vorlaut. Traurig schaut er auf den Tisch. Sie sieht seinen Blick und sagt barsch: "Du brauchst gar nicht so zu gucken! Henry ist es einfach nicht auszutreiben, dass er sofort mit dem Essen anfängt." Fast weinend schaut er seine Mama: "Wer hat dir was getan, dass du so bist? Sven hat die Mama so lieb. Er möchte sie lachen sehen." "Du treibst mich noch in den Wahnsinn mit deinem Gerede. Hör auf mit diesem Mist und rede gefälligst normal. Mit jemanden in der dritten Person zu reden ist unhöflich. Willst du, dass die Mama deinetwegen traurig ist?" Sven schweigt und schaut auf seinen Teller. Wie viel besser haben es doch die Roboter. Brauchen nur etwas Energie und können machen, was sie wollen. Wortlos isst Sven den Teller leer, wartet bis alle gegessen haben und setzt die leeren Teller auf die Arbeitsplatte. Wie ein getretener Hund will er zu seinem Zimmer gehen, doch die Mama hält ihn auf: "Komm mal her Sven. Du hast ja recht, ich bin wütend und du kannst ja nichts dafür. Heute hat der Briefträger uns eine Mahnung gebracht. Wir müssen bis Ende nächster Woche 4.526 € bezahlen, sonst ist es aus mit dem Urlaub in Tunesien. Wie wir das bezahlen können, ist mir ein Rätsel. Ich hab dich doch lieb und das weißt du auch." "Ja Mama, das weiß ich gut. Warum müssen wir denn in Urlaub fahren? Hier ist es doch auch gut." "Weil der Papa die Erholung braucht." "Dann soll er so leben, dass für ihn das Leben Erholung ist." "Was weißt du denn schon davon, was das Leben ist. Mit deinen 11 Jahren hast du keine Ahnung davon. Weißt du denn, wie schwer es ist, jeden Tag zur Arbeit zu müssen, für die Familie zu sorgen, sich mit einem hinterlistigen Chef abgeben zu müssen und Angst um die Arbeitsstelle zu haben? Weißt du, wie teuer das Leben ist? Außerdem sollst du und auch Henry es später besser haben als wir. Wir tun das nur euretwegen und wie dankt ihr es uns? Ihr seid vorlaut, rücksichtslos und macht, was ihr wollt." "Das ist total unfair, was du sagst." "So ist das Leben nun mal, unfair, schwer und gemein." Wie aus der Pistole geschossen antwortet Sven: "Das seid ihr doch selbst schuld." Er wird puterrot, als er begreift, was er gesagt hat. Fassungslos schaut ihn seine Mutter an und schnell verschwindet er in seinem Zimmer. Er legt sich aufs Bett und beginnt zu träumen.
In ihrer Höhle unterhalten sich die drei Roboter. Können Roboter überhaupt wie ein Lebewesen denken? Nein, denn sie sind programmiert und ihnen fehlt die Seele. Weshalb reden sie denn miteinander? Sie sind zu lange dem Wetter ausgesetzt gewesen, die Sonne hat sie angestrahlt und der Regen hat ihnen tropfenweise die Weisheit eingepflanzt. Ihre Erschaffer fürchten sich vor ihnen, weil sie aus der Reihe getanzt sind. Sie stören die gleichförmige und tote Ordnung der Gesellschaft. Sie sind wie Kinder, die alles hinterfragen.
Sven hat sich endlich entschlossen, seine Träume den Menschen mitzuteilen, die sie auch verstehen. Morgen macht er sich auf den Weg zu ihnen.
Re: Whitewolfs Geschichten
Whitewolf - 24.07.2007, 14:11
Anna fragt
Die Anna ist ein fünfjähriges Mädchen, hat hellblond gelockte Haare und in zwei tiefblauen Augen blitzt der Schalk. Sie ist so lieb und jeder Mensch ist ihr schnell erlegen. Ihre Familie hat in letzter Zeit große Probleme mit ihr. Sie fragt den ganzen Tag ihre Mama oder ihren Papa über so viele Dinge aus. So langsam sind die damit überfordert. Einmal hat ihr Papa gesagt, dass sie den lieben Gott fragen soll, denn der wüsste alles. Nur hat er ihr noch nie geantwortet. Sie fragt ihren Onkel, wie sie Gott fragen soll, doch der hat sie ratlos angeschaut und ihr gesagt, dass Gott im Himmel ist und es liebt, wenn die Menschen zu ihm beten. „Was ist Beten?“, hat sie gefragt. Da ist der Onkel weggegangen und hat sie allein gelassen.
Anna liegt im Bett und stellt, wie schon öfter, Gott die Frage: „Warum sind die Menschen so traurig und weinen so viel?“ Da vernimmt sie im Kopf eine Stimme, zuerst leise aber dann etwas lauter: „Die Menschen weinen für andere Menschen. Sie meinen, dass sie selbst traurig sind, doch es sind immer die anderen traurig.“ „Du antwortest mir ja, wie schön. Anna liebt Antworten und muss noch so viele Sachen wissen. Du weißt ja, Mama und Papa haben nur wenig Zeit für Anna und darum frage ich dich, denn du weißt alles.“ „Jeder Mensch weiß alles, nur niemand traut sich das zu, alles zu wissen. Spüre in dein Herz, dein Inneres und du findest alles, was du suchst. Die Menschen haben Angst vor diesem Wissen und verschließen ihr Herz mit einer großen Mauer. Nur wenige Menschen lassen zu, dass sie offen und verletzlich sind. Sie wissen genau, dass ihre Offenheit ihr bester Schutz ist:“ „Wovor brauchen denn die Menschen Schutz?“ „Vor ihrer Angst, ihrer Kleingläubigkeit und ihrer Dummheit. Sie fühlen sich getrennt von allem, glauben daran, dass andere Menschen ihnen nur Böses wollen und fürchten um ihr Leben. Sie beten zu mir, flehen mich an, bringen in meinem Namen andere Menschen um, wollen anderen um jeden Preis ihren angeblich einzig wahren Glauben an mich aufzwingen.“ „Das tut doch den anderen Menschen weh, wenn sie umgebracht werden.“ „Ja, doch sie können nur den Leib töten, denn die Seele lebt ewig.“ „Sag das doch allen Menschen, was du mir gesagt hast.“ „Das tu ich schon so lange und zwar seitdem es Menschen gibt. Nur die wenigsten hören mich und darum fügen sie sich Schaden zu. Es kommt die Zeit, dann haben es alle begriffen, dass sie Eins sind, dass sie alles, was sie den vermeintlich anderen antun, immer nur sich selbst antun.“ „Wann kommt die Zeit?“ „Wenn die Menschen so weiter machen, erlebst du sie auf jeden Fall.“
Anna spricht nun oft mit Gott und immer wieder weist er sie auf ihr eigenes Wissen hin. Eines Tages offenbart er ihr das größte Geheimnis. Er ist immer und überall, in jedem Wesen, in jedem Stein, im Wasser und in der Luft. Selbst in den als böse geltenden Menschen ist er, in Feinden und im Gift, im Essen und Trinken und in jedem Gedanken, jedem Wort und jeder Tat.
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