Handball: Johannes Bitter: Plötzlich war er drin

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    Re: Handball: Johannes Bitter: Plötzlich war er drin

    Claus - 06.02.2007, 20:35

    Handball: Johannes Bitter: Plötzlich war er drin
    Ersatztorwart Johannes Bitter
    Und plötzlich war er drin

    Vom Ersatztorwart zur Stütze im Finale: Johannes Bitters Geschichte ist beispielhaft für die Weltmeister.

    Bis zuletzt schien es, als folge der Weg der Deutschen zum WM-Titel einer eigenen, durchaus pathetischen Dramaturgie. An so vielen Stellen hätte es schiefgehen können, aber es ging nicht schief, immer schwang sich plötzlich einer der Spieler zu einer großen Leistung auf.

    Irgendwann wirkte es, als könne die Mannschaft sich darauf verlassen, dass es immer irgendwie gutgehen würde, und so war es angemessen, dass die K.o.-Spiele in Köln ausgetragen wurden, der Stadt, zu deren unumstößlichen Gesetzen der Satz gehört: ,,Et hätt noch immer jotjejange.‘‘

    Christian Schwarzer drückte es etwas komplizierter und weniger Kölsch aus, als er sagte: ,,Es scheint alles so vorgesehen zu sein, irgendwie muss es wohl so sein.‘‘ Schließlich fasste er seine Gefühlslage in drei Wörtern zusammen: ,,Es ist Wahnsinn.‘‘

    Den dramaturgischen Höhepunkt erlebte die Mannschaft, als sich nach 35 Minuten im Finale Torwart Henning Fritz verletzte. Dessen eigene Geschichte birgt allein so viel Stoff für eine Erzählung; wie er 2004 ganz oben war, wie er seine Form verlor, und wie er sie erst jetzt, bei diesem Turnier, so überraschend wiederfand, und wie er das Weiterkommen gegen die Franzosen sicherte, bei denen Thierry Omeyer im Tor steht, der Mann, der zuletzt an Fritzens Stelle beim THW Kiel spielte. Nun verwob sich die Geschichte des entfesselten Fritz mit den vielen Geschichten der Mannschaft, sie wurde ein Exemplum dafür, dass jeder einzelne etwas beigetragen hat.

    Als Fritz mit Verdacht auf Muskelfaserriss vom Platz getragen wurde, war klar, dass nun Johannes Bitter ins Tor musste, der zweite Mann, der Fritz während des gesamten Turniers so leidenschaftlich unterstützt hatte. ,,Mir wurde richtig schwindlig‘‘, erzählt Bitter, ,,ich habe gedacht: ,Scheiße, wir hatten so viel Verletzungspech, und jetzt verletzt sich der wichtigste Mann im Finale.‘‘‘ Also musste Bitter die Rolle von Fritz übernehmen, er musste nichts weniger tun, als der wichtigste Mann zu werden.

    Bitter erzählt: ,,Henning hat mir tief in die Augen geschaut und gesagt: ,Junge, gewinn das Ding!‘‘‘ Bitter kam also auf den Platz, und die ersten Bälle flogen ihm um die Ohren, er hatte nicht den Hauch einer Chance. Auch für ihn war es eine Geschichte in der Geschichte, denn der polnische Nationaltrainer Bogdan Wenta ist auch sein Vereinstrainer beim SC Magdeburg. Dort spielen zudem drei polnische Nationalspieler, Bitter trat also gegen seine Kollegen an. Und nun sah es so aus, als würde die Partie kippen, weil er seine Finger an keinen Ball bekam. ,,Ich habe drei, vier Minuten gebraucht, bis ich drin war‘‘, sagt er.

    Dann hielt er einige Würfe von außen, das tat ihm gut, und dann war er so drin im Spiel, dass es wirkte, als habe sich Fritz als Bitter verkleidet und sei noch ein wenig besser geworden. 50 Prozent der Würfe wehrte Bitter ab, eine exzellente Quote. Er sagt: ,,Ich habe es für Henning getan. Ich habe gedacht, wir können doch jetzt nicht das Ding verlieren, und Henning hat seinen Titel nicht.‘‘ Immer schaute Bitter zu Fritz auf der Bank, und Fritz feuerte ihn an, und als das Spiel vorbei war, hatte nicht nur Fritz seinen Titel, Bitter hatte ihn auch. Er sagt: ,,Wir haben ihn als Mannschaft gewonnen.‘‘

    Fritz bestritt den Rest des Abends auf Krücken, er lief herum wie ein Sinnbild für einen Mann, der alles gegeben hat. Er ist als bester Torwart des Turniers ins All-Star-Team berufen worden, und der Rekordnationalspieler Frank-Michael Wahl hat Fritz kürzlich zum Weltwunder ernannt. Als Heiner Brand gefragt wurde, wie er das Weltwunder denn jetzt nenne, brummte er: ,,Ich nenn‘ ihn immer noch Fritze.‘‘ Er hat ein überragendes Turnier gespielt, und dennoch hätten die Deutschen den Titel nicht gewonnen, wenn nicht Johannes Bitter am Ende so phantastisch gehalten hätte.

    Es ließe sich eine sehr lange Liste dieser Art erstellen: Wäre dies nicht geschehen, wäre es nichts geworden mit dem Titel, wäre jenes nicht geschehen, dann erst recht nicht. Ein zentraler Punkt war auf jeden Fall die Nachnominierung von Christian Schwarzer. Wieder so eine Geschichte: Der war nach Dallas in den Urlaub geflogen, um seinen Freund, den Basketballer Dirk Nowitzki zu besuchen. Als er zurückkehrte, hatte sich mal wieder ein Spieler verletzt; das Turnier lief bereits, als Andrej Klimovets einen Muskelfaserriss in der Wade erlitt. Schwarzer rückte nach, und er erbat sich die Rückennummer 41, weil mit dieser Nummer Nowitzki für die Dallas Mavericks in der amerikanischen Liga NBA aufläuft. Schwarzer hatte ihn eigens um Erlaubnis gebeten.

    Anschließend wurde er einer der Anführer des Teams, das verhalten in die WM gestartet war und zum Abschluss der Vorrunde eine Niederlage gegen Polen hatte hinnehmen müssen. ,,Wir müssen jetzt einige Dinge in die richtige Richtung bringen‘‘, sagte er damals, vor rund zwei Wochen, und dann wurde er Motivator, Ratgeber, Stratege und so etwas wie die zweite, sehr laute Stimme des Bundestrainers. ,,Allein seine Anwesenheit hilft uns‘‘, sagte Michael Kraus, der als Spielmacher ins All-Star-Team gewählt wurde, obwohl er als Nummer drei hinter Oleg Velyky und Markus Baur vorgesehen war. Velyky blieb während des gesamten Turniers verletzt, und Baur fiel vorübergehend aus, zum Ende der Hauptrunde und im Viertelfinale. Schon wieder so eine Geschichte. Der Ersatzmann wird ein All-Star.

    Christian Schwarzer, der nun im Alter von 37 Jahren so unverhofft den größten Titel seines Sports gewonnen hat, resümierte: ,,Eigentlich war ich ja gar nicht dabei. Ich kann mich nur tausendmal bei Heiner Brand bedanken, dass er mir die Gelegenheit gegeben hat, mir einen Traum zu erfüllen.‘‘ Das Besondere an dieser deutschen Weltmeister-Mannschaft ist, dass sich für die Erfüllung dieses Traums wirklich jeder bei jedem bedanken kann.

    (SZ vom 6.2.2007)



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