Landler (Protestanten) unter der Führung von Karl VI

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    Re: Landler (Protestanten) unter der Führung von Karl VI

    Berat - 04.02.2007, 17:24

    Landler (Protestanten) unter der Führung von Karl VI
    Als Landler oder Siebenbürger Landler bezeichnet man die Protestanten, die unter Karl VI. aus dem Salzkammergut in der Zeit 1734 - 1737 in das einzige protestantische Gebiet in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, nach Siebenbürgen in die Nähe der Stadt Hermannstadt deportiert wurden.

    Da Siebenbürgen durch die Türkenkriege und die Pest ziemlich entvölkert wurde, bekamen die 634 vertriebenen Oberösterreicher leerstehende Bauernhöfe zugewiesen.

    Bis 1770 haben dann nochmals unter Maria Theresia ca. 3.000 Oberösterreicher unter wesentlich schlechteren Bedingungen dort ein Heim gefunden.

    Der deutsche Dialekt ist bis heute erhalten und wird sowohl bei den nach Deutschland ausgewanderten als auch den wenigen in den landlerischen Dörfern Neppendorf, Großau und Großpold verbliebenen Landlern gepflegt

    Potrait von Karl VI



    Re: Landler (Protestanten) unter der Führung von Karl VI

    Berat - 04.02.2007, 17:25



    Geschichtlicher Überblick
    Reformation und Gegenreformation - sie waren Kräfte, die im 16., 17. und 18. Jh. eine gewaltige Wirkung ausübten, und dies nicht allein auf kirchlichem Gebiet. So sehr war in jenen Zeiten Macht und Religion verbunden, ja durch sie abgesichert, dass die Erneuerung oder die Regenerierung des Christenglaubens die Wichtigsten Lebensgebiete beeinflusst und verändert hat. spätestens seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wird die Konfession zu einem Instrument des sich ausbildenden regionalen Absolutismus.

    Erstmals im reichsunmittelbaren Fürsterbistum Salzburg führte die Anwendung des Prinzips von Augsburg und von Osnabrück (Westfälischer Frieden 1648) "cuius regio, eius religio" zur Austreibung oder Auswanderung derjenigen Menschen, die sich zu dem Glauben des Landesherren nicht bekehren ließen, also der Protestanten. 1684/85 verbannte Fürstbischof Max Gandolf von Kuenburg Einwohner seines Fürstentums ihres Glaubens wegen, 1731/32 vertrieb Leopold Anton von Firmian durch sein Emigrationspatent Anhänger der Augsburgerischen Konfession aus seinem Hoheitsgebiet unter dem Vorwand, sie seien Rebellen. Dazu erbat und erhielt er militärische Unterstützung von Karl VI. Diesem wurde dabei klar, daß seine Herrschaftsbereiche durch solche Massenverteibungen eine sehr große Zahl tüchtiger Untertanen, "Kontribuenten", also Steuerzahler, an seinen bedeutendsten Rivalen, Friedrich Wilhelm I. von Preußen, verloren. Damit kommen wir nun zur Deportierung von Protestanten unter Karl VI. aus den habsburgischen Ländern unter der beschönigenden Bezeichnung "Transmigration".

    In den Jahren 1734-1737 unter Karl VI., wurden über 800 Menschen nach Siebenbürgen deportiert, davon knappe 200 aus Kärnten (E. Buchinger). Die aus dem Salzkammergut stammenden "Transmigranten" wurden in Neppendorf und Großau angesiedelt. Diese beiden Gemeinden hatten durch Türkeneinfälle und Kuruzzenkriege und durch Pestepidemien sehr viele Einwohner verloren, sodass in Großgau z.B. im Jahre 1721 nur 63 "Wirte" (Hofbesitzer) vorhanden waren. (Ernst M. Weingärtner) Die Kuruzzen hatten das Land "der Fülle und der Kraft" wirtschaftlich schwer geschädigt. Weite Landstriche waren verwüstet, ganze Dörfer entvölkert. Die geplante Ansiedlung in eines dieser entvölkerten Dörfer der siebenbuerger Sachsen war im Interesse aller Beteiligten. Karl VI. erreichte die Anerkennung der "Pragmatischen Sanktion", durch die seine Tochter Maria Theresia die Herrschaft in den habsburgischen Ländern übernehmen konnte. Erst geraume Zeit nach ihrem Regierungsantritt 1740 richtete sie ihren Augenmerk auf die Frage der Glaubenseinheit ihrer Untertanen, also die Bekämpfung des Protestantismus. 1752 bis 1756 erfolgten zahlreiche Transmigrationen, in deren Verlauf über 2000 Menschen aus dem sogenannten "Landl", dem Kerngebiet Oberösterreichs, (entspricht etwa dem Gebiet zwischen Wels, Gmunden und Vöcklabruck,) und mehr als 1100 aus Innerösterreich, d.h. aus Kärnten und der Steiermark, nach Siebenbürgen deportiert wurden. Dort war die Bevölkerungszahl stark angestiegen, unter anderem durch die Sesshaftwerdung der Rumänen, es gab kaum herrenlose Höfe, sodass nur jene Deportierten sich in etwa 25 sächsischen Dörfern ansiedeln konnten, die genügend Eigenmittel besaßen; die übrigen ließen sich in Städten nieder, soweit sie die ersten Notjahre überlebten. Zur Abwicklung der Transmigrationen wurde 1754 in der Vorstadt von Hermannstadt ein großer Gebäude-Komplex errichtet, der Theresianum genannt wurde (ähnlich der Fuggerei in Augsburg). Vor diesem Bauwerk erinnert ein Denkmal an seine Gründerin Maria Theresia. In einer einzigen Gemeinde, Großpold, schafften es die tüchtigen Landler mit der Zeit die Mehrheit der deutschsprachigen Bewohner zu stellen.

    Die politische Vertretung der Landler und der anderen deutschsprachigen Gruppen im heutigen Rumänien ist das DFDR (Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien).



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