Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslem

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    Re: Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslem

    Parazone - 01.02.2007, 15:39

    Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslem
    Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslems mit Evolution



    Hallo

    Liest sich einer die Entstehung der Biologie, stößt man auf interessante Daten.


    Vielleicht wären alle Erkenntnisse des Altertums in Vergessenheit geraten, wenn die Araber nicht gewesen wären. Die Araber übernahmen die von Mohammed im siebten Jahrhundert gepredigte Religion des Islam. Sie brachen plötzlich aus ihrer unfruchtbaren Halbinsel aus und überfluteten Südwestasien und Nordafrika. Im Jahre 730, ein Jahrhundert nach Mohammed, standen die Moslems vor den Toren Konstantinopels im Osten und am Rande Frankreichs im Westen.

    Militärisch und auch kulturell schienen sie eine furchtbare Geißel und Gefahr für das christliche Europa zu sein. Doch im intellektuellen Bereich erwiesen sie sich letzten Endes als ein Segen. Sie waren genauso wenig wie die Römer große wissenschaftliche Neuerer, sie entdeckten aber die Arbeiten solcher Männer wie Aristoteles und Galen wieder, die sie ins Arabische übersetzten. Die Werke dieser Männer wurden von ihnen bewahrt, studiert und kommentiert.
    Das heißt, dass sich zu Mohammeds Zeiten die medizinischen Theorien des Hippokrates und das gesammelte Material der Celsus - Bücher zugrunde lagen.


    Aber etwa zu dieser Zeit hatte sich, wenigstens in Westeuropa, das Blatt gewendet. Christliche Armeen hatten das mehrere Jahrhunderte hindurch von Moslems beherrschte Sizilien und auch Spanien zurückerobert. Gegen Ende des elften Jahrhunderts nahmen die sogenannten Kreuzzüge ihren Anfang: westeuropäische Armeen begannen in den nahen Osten einzudringen.

    Durch die Berührung mit dem Kulturkreis des Feindes wurde den Europäern bewusst, dass diese Kultur keineswegs ein Werk des Satans, dass sie vielmehr in mancher Hinsicht fortschrittlicher und höher entwickelt war als ihr eigener Lebensstil. Europäische Gelehrte begannen die moslemische Wissenschaft zu durchmustern, und Übersetzungen wissenschaftlicher Bücher aus dem Arabischen in die europäischen Sprachen standen hoch im Kurs. Der italienische Gelehrte Gerard von Cremona (1114 - 87) übersetzte die Werke von Hippokrates, Galen und einige Arbeiten von Aristoteles ins Lateinische. Er arbeitete im gerade zurückeroberten Spanien an seinen Übersetzungen, wo er der Hilfe moslemischer Gelehrter sicher sein konnte.



    Für mich liegt klar auf der Hand, d.h., die Europäer nahmen sich die Schriften der Araber vor, übersetzten sie und entwickelten sie weiter.
    Die Araber hielten an ihrem Ausgangspunkt fest, verewigten ihr damaliges Wissen von den Griechen ihrem Stil angemessen im Koran u. bis heute ist darin das aristotelische Denken zu lesen.
    Weil die Überzeugung des Aristoteles, dass sich eine Form des Lebens in ein anderes verwandelt, dass eine Kreatur, die auf einer höheren Sprosse steht, von einer, die sich weiter unten befindet, abstammen könnte, zeigte sich bei Aristoteles an keiner Stelle seiner Arbeiten.

    Aber gerade diese Auffassung ist der Schlüssel moderner Evolutionstheorien. Aristoteles war jedoch kein Anhänger des Evolutionsgedankens. Die Aufstellung der Lebensleiter brachte aber unvermeidlich Gedankengänge hervor, die schließlich zwangsläufig zum Evolutionsbegriff führten.

    Davon scheinen sich orthodoxe Muslime nicht zu erholen bzw. ihre Inkompatibilität mit der Moderne – der Evolution.

    Ähnlich arbeitete die Vorherrschaft des Christentums viele Jahrhunderte hindurch gegen eine Wiederbelebung der Naturwissenschaft. Der christliche Standpunkt war dem der ionischen Philosophen vollständig entgegengesetzt. Nach christlicher Auffassung war nicht die Welt der Sinne von Bedeutung, sondern das „Reich Gottes“, welches man nur durch Offenbarung erreichen konnte. Die Bibel, die Schriften der Kirchenväter und die Inspirationen der Kirche selbst waren die einzigen sicheren Wegweiser dorthin. Heute nennt man sie Kreationisten.


    http://www.vobs.at/Bio/spezial/x-hist01.htm (Ersten zwei Kapitel)

    LG



    Re: Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslem

    mpoetschik - 01.02.2007, 17:42


    Hallo Parazone,

    superinteressanter Text.
    Immer wieder erkenne ich so die Duplizitaet der Ereignisse.
    In der Geschichte kam es so haeufig vor, das sich aus Plagiaten schnell Innovationen entwickelt haben, die den uespruenglichen Originalen schliesslich weit voraus sind, waerend sich gleichzeitig die Inkompatibilität mit der Moderne im "Land der Originale" breitmacht.

    Wir erleben das zur Zeit in China und Korea, frueher in Japan, davor die USA und zuvor innerhalb Europas und...naja, dein Text ist eben auch ein solches Beispiel!

    Witzig finde ich, das sich Gerard von Cremona die Muehe machte aus dem Arabischen zu uebersetzen, anstatt sich um die griechischen Originale zu bemuehen.

    LG
    Martin



    Re: Mögliche Ursachen der Inkompatibilität von orthodoxen Moslem

    Parazone - 01.02.2007, 22:10


    Hallo Martin

    Zitat: Witzig finde ich, das sich Gerard von Cremona die Muehe machte aus dem Arabischen zu uebersetzen, anstatt sich um die griechischen Originale zu bemuehen.


    Einiges wirst du wahrscheinlich bereits wissen aber für andere vielleicht lesenswert.

    Die Araber beschlossen gegen Ende des 7. Jahrhunderts n. Chr. in den offiziellen Dokumenten das Griechische durch das Arabische zu ersetzen.

    Arabisch entwickelte sich zu d. Zeit zur Wissenschaftssprache.

    Das sog. Klassische Arabisch bildete sich im Bemühen d. vorislamischen Dichter heraus. Um unter allen arabischen Stämmen ein möglichst breites Publikum zu gewinnen, das ihre Qasiden, lange inhaltlich konventionalisierte Gedichte mit Monoreim, verstehen konnte.
    Diese Varietät des Arabischen erhielt durch den in ihr - mit wenigen stilistischen Eigenheiten - offenbarten Koran plötzlich einen Wert zugeschrieben, den jeder, der sich zum Islam bekannte, anerkennen musste.

    Das Hocharabische entwickelte sich in sehr kurzer Zeit zu einem Medium für ein regionalübergreifendes diskursives Universum, das ganz verschiedene, vorher in ihrer Entwicklung von einander getrennte wissenschaftliche Traditionen in sich aufnehmen konnte. Durch eine rege Übersetzungstätigkeit, die bereits unter den Omayyaden begann und unter den Abbasiden im Bait al- ? unter der Ägide der Kalifen und al-Ma ?, seinen Höhepunkt fand, erhielten die Gelehrten und mit ihnen alle mittlerweile unter islamischer Herrschaft stehenden Länder Zugang zu großen Teilen des griechischen, persischen, indischen Wissens, ja sogar bestimmte Ideen der chinesischen Wissenschaft fanden im Laufe der Zeit über das Medium der arabischen Hochsprache Verbreitung in der arabisch-islamischen Welt.

    Diese Bereitschaft zur Aufnahme fremden Wissens hat der arabisch-islamischen Kultur in der Vergangenheit gerne den Vorwurf eingebracht, sie habe selbst keine kulturellen Werte geschaffen, sondern sei nur die Überbringerin des alten Wissens, ohne einen eigenen Beitrag zu leisten. Diese Anschuldigung ist natürlich nicht richtig denn die Übersetzungen wirkten im neu entstandenen Kulturraum als Stimulus für eine vielgestaltige intellektuelle und praktische Tätigkeit, die innerhalb kürzeste Zeit würdige Vertreter fand wie z.B. im Bereich Philologie und Philosophie. Allerdings ist gegenwärtig wenig auszumachen.


    Gerard von Cremona wie auch Al-Fargani (Almagest) waren an der berühmten „Übersetzerschule“ von Toledo tätig, wo viele Werke der griechisch-römischen Antike aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt wurden.

    Europa war bereits auf dem Weg, mithilfe des in lateinischen Übersetzungen nun zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Materials seinen kulturellen Fortschritt zu realisieren, den einige Forscher als mittelalterliche Renaissance titulierten.




    Ab dem 10. Jh. begann sich langsam neues Interesse an den antiken Autoren zu regen, doch waren ihre Werke in den Klosterbibliotheken nicht verfügbar. Allerdings war die Kunde des wissenschaftlichen Reichtums der islamischen Welt bereits in den transpyrenäischen Norden gedrungen.
    Gesucht wurden v.a. die antiken Autoren, deren Namen und Buchtitel bekannt waren und noch immer od. wieder, Autorität besaßen.

    Gerard von Cremona kam mit dem expliziten Vorsatz nach Toledo das grundlegende Werk der mathematischen Astronomie, den Almagest des Ptolomäus, von dem er in den europäischen Bibliotheken nichts finden konnte, für die europäische Welt zu erwerben.
    Darüber hinaus reizten - aller ideologischen Gegensätze zum Trotz – aber auch die Fortschritte, die die Araber den antiken Meistern hinzugefügt hatten, die wissenssuchenden Europäer, zusätzlich zu den Originalen auch deren Kommentare und
    Werke zu übersetzen, zumal deren Fortschritte auch gegenüber der Antike in den meisten Wissensbereichen unübersehbar waren. Es ging in erster Linie darum, zuverlässige Texte zu finden. Dass sich die arabischen Texte selbst oft genug auf die bekannten griechischen Autoren stützten, verlieh ihnen indirekt ähnliches Ansehen wie den Originalen.


    Das Interesse an dem, was in der muslimischen Kultursphäre an Wissen vorhanden war, gründete sich somit auf zwei grundverschiedene Zielsetzungen. Zum einen wollte man sich das wissenschaftliche Wissen aneignen, das von anerkannten (antiken) Autoritäten stammte, auf ihnen aufbaute oder aber sich auf objektivbeobachtbare Phänomene der Wirklichkeit bezog, die von einem religiösen Standpunkt aus unbedenklich waren, um es im eigenen Kulturkreis nach den eigenen Regeln verwenden zu können. Zum anderen wollte man Informationen über die andere Kultur, v.a. ihre Religion, um ihr von außen besser entgegenzutreten können und auf eventuelle intellektuelle Attacken vorbereitet zu sein.


    Hier einige interessante Infos zu muslimischen Konvertiten um 1000 n. Chr. in Spanien u.ä.von d. Diplomarbeit Gunnar Weimann:

    http://72.14.221.104/search?q=cache:4IWnMR0oYIEJ:www.uni-leipzig.de/media-analyst/tnehmer/weimann/toledo.pdf+%C3%9Cbersetzerschule+von+Toledo&hl=de&gl=at&ct=clnk&cd=1&lr=lang_de


    LG



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