Stimmfach - Timbre

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    Re: Stimmfach - Timbre

    Octaviane - 01.02.2007, 13:52

    Stimmfach - Timbre
    Hallo ihr,

    cantilene schrieb in einem anderen Thread, dass unabhängig davon wie hoch oder tief jemand kommt, sich das Stimmfach in erster Linie (auch) am Timbre zeigt.

    Prinzipiell stimme ich da ja zu, nur frage ich mich, ob das wirklich immer so klar ersichtlich ist? Im Bereich der dramatischen Stimmen hat man ja häufiger etwas dunkler timbrierte Stimmen (auch beim dramatischen Sopran) und da frage ich mich manchmal doch, ob die sich nun so sehr vom Mezzo im Stimmklang unterscheiden.

    Oder anders - auf einer älteren Aufnahme hörte ich die Arie der Dalilah von einer gefeierten Mezzosopranistin, deren Name mir leider gerade entfallen ist (war weit vor meiner Zeit *g*), ich schaue aber noch mal nach - Conchita irgendwas.... deren Stimme für mich eher nach lyrischem Koloratursopran als nach Mezzo klang...

    Da kann man schon mal unsicher werden, in welches Fach man denn nun gehört

    Liebe Grüße

    Octaviane



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.02.2007, 14:23


    Ich schätze, du meinst Conchita Superbia oder Supervia, irgendwas in der Richtung heisst sie.
    Bei altezn Aufnahmen kommt man oft eh nciht aus dem Staunen raus und wir hatten bei gesangde da mal eine serh langen Thread drüber "Stimmfachmode im Wandel der Zeiten" oder so.
    Das ist ein seerh ausgiebiges Thema. ich habe alte CDs da singen Stimmen, noch leichter als ich!!!!! Aida, Leonora, Senta usw usw. :kaffee Das war früher gang und gäbe und keine ausnahme. Daher kannst du Dich daran nicht orientieren.
    Die Klangvorstellung war ganz anders, die Orchester kleiner und die Technik vieleleicht auch ganz anders.Und auch dei Rollenbestzung.
    eine SEHR leichte fast weisse Stimme wie Erika Köth sang an grossen Häudsern die Königin, Lucia usw. Heute undenkbar!
    Selbst Nathalie Dessay , ein ausgewiesener LYRISCHER Kolratursopran hat da doppelt soviel Volumen und wird auch nciht überall für solche Partien genommen.
    Da haben sich die Zeiten extrem geändert und zwarzum schweren Singen hin.
    Ansonsten hab ich gerade leider keine Zeit mehr zum ThemaTimbre zu shcreiben,(mein Essen ist auf dem Herd...) wird nachgeholt.
    :hearts: Canti



    Re: Stimmfach - Timbre

    Octaviane - 01.02.2007, 14:31


    Ah, das erklärt so einiges :)

    Für mich stellt sich eben nur die Frage - auch wenn ich mich im Sopranfach definitiv wohler fühle als im Mezzofach - ist mein (nicht wirklich heller) Stimmklang denn auch so "sopranig", dass man mir den Sopran auch tatsächlich abnimmt und nicht denkt, das ist ein Mezzo, der auf Sopran macht ...

    Oder anders - mein GL und ich sind uns ja doch über mein derzeitiges (sicher noch entwickelbares) Stimmfach einig. Es deutet auch sehr viel auf den Sopran hin - nicht nur, dass ich mich mittlerweile auf jedesn hohen Ton freue (Pfeifregister mal ausgenommen) freue, auch mein Übergang liegt "soprantypisch" (bei e2/f2) und meine Stimme entfaltet sich in der Höhe einfach immer besser, wird "strahlender". Was aber nun, wenn mein Timbre dann doch eher einem Mezzo gleicht - sollte ich beim Vorsingen dann doch eher Mezzoliteratur singen, obwohl mir das andere stimmlich doch viel besser liegt?

    Wenn ihr versteht, was ich meine ....

    LG

    Octaviane



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.02.2007, 14:46


    Ich habe da eine etwas andere Meinung zu ...

    TIMBRE ist jeder Stimme eigen und einzigartig und hat erstmal mit hoch oder tief, Sopran oder Alt oder was auch immer, gar nichts zu tun. Vom Timbre auf das Stimmfach zu schliessen halte ich fuer schlicht und einfach nicht moeglich und sogar gefaehrlich.
    Es gibt ausgesprochen sopranig klingende Altistinnen und umgekehrt, und ob jemand hell oder dunkel klingt, hat uberhaupt nichts mit dem Fach zu tun. Wenn die Stimme aufgeschlossen und sicher ist, gibt es immer noch immense Unterschiede, selbst in einem Stimmfach (eher hell klingende, eher dunkler klingende).
    Bei noch nicht "fertigen" Stimmen schon mal gar nicht. Was da schon an Murks angerichtet wurde, nur weil Gesangslehrer meinten, vom "hellen" oder "dunklen" Timbre auf das Stimmfach schliessen zu wollen, muss man hier gar nicht erwaehnen.
    Hell kann eng sein, dunkel kuenstlich abgedunkelt - ueber die Stimme sagt das erstmal nur aus, das irgendwas noch nicht stimmt, mehr auf gar keinen Fall ...

    Man kann m.E. nur von der mittleren Wohlfuehllage und den Passagi auf das Stimmfach schliessen, und das ist was, was sich auch sehr schnell zeigt. Ein Gesangslehrer mit einem guten Ohr hoert das meist in der ersten Stunde. Es gibt "Grenzfaelle", wo die Brueche eben auch im Grenzbereich liegen, da muss man dann ein wenig mehr Zeit ins Land gehen lassen. Oft tun sich schwerere Stimmen auch schwerer mit der Hoehe, weil sie eben im wahrsten Sinne des Wortes "mehr Gewicht" mit sich rumschleppen. Bruchlagen und "Aufbluehzonen" (also das, wo die Stimme so richtig Schmackes hat und gut klingt), zeigen sich aber auch dort meist recht schnell.
    Auf das Timbre zu hoeren halte ich in dem Zusammenhang fuer grossen Mist, das richtet nur Schaden an ...

    Octaviane, Du musst Dir da ueberhaupt keine Gedanken machen - Deine Stimme klingt ueberhaupt nicht nach "Mezzo, die auf Sopran macht" - ich habe Dir ja schon gesagt, Du bist ein Sopran, bevor Du es selbst geglaubt hast :lol:
    Groessere, schwerere Stimmen klingen oft etwas dunkler als kleineere, deswegen klingst Du aber noch lange nicht "nach Mezzo" ...



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.02.2007, 14:52


    Octaviane hat folgendes geschrieben: Ah, das erklärt so einiges :)

    Für mich stellt sich eben nur die Frage - auch wenn ich mich im Sopranfach definitiv wohler fühle als im Mezzofach - ist mein (nicht wirklich heller) Stimmklang denn auch so "sopranig", dass man mir den Sopran auch tatsächlich abnimmt und nicht denkt, das ist ein Mezzo, der auf Sopran macht ...

    Oder anders - mein GL und ich sind uns ja doch über mein derzeitiges (sicher noch entwickelbares) Stimmfach einig. Es deutet auch sehr viel auf den Sopran hin - nicht nur, dass ich mich mittlerweile auf jedesn hohen Ton freue (Pfeifregister mal ausgenommen) freue, auch mein Übergang liegt "soprantypisch" (bei e2/f2) und meine Stimme entfaltet sich in der Höhe einfach immer besser, wird "strahlender". Was aber nun, wenn mein Timbre dann doch eher einem Mezzo gleicht - sollte ich beim Vorsingen dann doch eher Mezzoliteratur singen, obwohl mir das andere stimmlich doch viel besser liegt?

    Wenn ihr versteht, was ich meine ....

    LG

    Octaviane


    Darauf kommt es an - Wohlfühllage und der Bereich, wo die Stimme richtig aufgeht.
    Ich erinnere mich an einen Besuch in der Staatsoper - es gab "La forza del destino". Mein GL war riesig begeistert, dass die Leonora eine wunderbare warme Mittellage hatte und dort eher wie ein Mezzo klang. Dennoch war sie zweifelsohne ein Sopran - allerdings eben nicht auf hell getrimmt.

    Octaviane, such Deine Vorsing-Literatur danach aus, wo Du die schönsten Töne produzieren und womit Du glänzen kannst. Was nützt es, wenn Du einem evtl. bestehenden Vorurteil betreffend des notwendigen Timbres (für welche Rolle auch immer) auf Verdacht aus dem Weg gehst und Dir damit die Chance nimmst, Deine "Sahnetöne" zu zeigen.........

    LG
    mezzo



    Re: Stimmfach - Timbre

    Octaviane - 01.02.2007, 15:11


    Nochmal hallo :-)


    danke, jetzt habt ihr mir auch das letzte Quentchen Zweifel genommen :kuss:

    In meinem Herzen war ich ja schon immer Sopran (auch wenn es Mezzo-Literatur gibt, auf die man durchaus neidisch werden kann :pfeif: ) und ich bin sehr froh, dass wir im GU endlich an der Literatur arbeiten könnne, bei der ich mich wirklich wohl und irgendwie auch freier fühle.

    Mein GL meinte nur: "Da hat man endlich mal einen dunkler timbrierten Sopran und dann machen die nen Mezzo draus" ;)

    LG

    Octaviane



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.02.2007, 18:11


    Ich will euch nicht widersprechen, denn erstens bin ich weniger erfahren und zweitens gibt es gerade in den fraglichen Bereichen zwischen Mezzo und dramatischem Sopran sicher die grössten Probleme ein Stimmfach zu bestimmen . Selbst mein serh erfahrener Korrep hayt unsere Mezzo von der Aufnahme von "Non so più" erstmal dfür ienen Sopran gehalten....
    Und das wissen, die Betroffenen nun am besten. Denn in meinem Fall gab es nie die leisesten Zweifel.
    Allerdings finde ich es schon sehr entscheidend WIE iene Stimme im Grundtenor klingt in der Einordnung in ein Fach. Im anderen Thread ging es um Tenöre und die Höhe.
    Ich bleibe bei diesem Beispie: ein Tenor ist ein Tenor und ien Bariton ist ein Bariton. Wenn nun der Tenor in derselben Lage am besten singen kann wie ein Bariton, aber im Stimmklang eindeutig ein Tenor ist, dann ist es für mich zuerst ein Mangel an hinreichender Technik und nciht ein Zeichen, dass er eigentlcih ein Bariton ist.
    Ich habe hier einen guten Freund und Duettpartner, der in meinen Ohren ein Bariton-Timbre hat, aber aufgrund seiner Höhe immer ins Tenorfach gedrängt wurde.
    Neulich war er mal krank und da wir ein Duett singen mussten, hat er sich spontan für La ci darem entschieden, weil er angeschlagen lieber tief sang. Ich habe ihn sofort wieder als Bariton gehört, aber er will partout beim Tenor bleiben, weil das eben chicer und vielversprechender zu sein scheint. Dei Höhe hat er ja, aber eben nicht den Tenorklang.
    Ich hoffe, ich kann einigermassen klarmachen, was ich meine, auch ohne Gesangslehrer zu sein.
    Das nur als Anmerkung und Ergänzung und Fragestellung.
    Und das Anfang und Mitte des 20 JH die Stimmen ganz anders klangen, nämlich viel leichter,habe ich auf etlcihen CDS nachweislich zu hören, wer es nciht glaubt, kann sich gerne melden. :n2:
    Canti :hearts:



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.02.2007, 18:42


    Canti, ich verstehe schon was Du meinst :kuss:

    In den eindeutigen Faellen richtet man ja auch keinen Schaden an. Da ich aber selbst nie ein eindeutiger Fall war und sozusagen Opfer der "Einteilung nach Timbre" (meine Stimme war halt immer relativ eng und daher hell klingend, und sie gewaltsam in die Hoehe zu treiben hat es noch verschlimmert) war oder bin, bin ich da wesentlich vorsichtiger. Ich halte das nach wie vor fuer eine ganz unverantwortliche Sache, denn wie ich schon sagte, kann das, was man gemeinhin als Timbre bezeichnet, auch sehr schnell mal unecht sein. Das wahre Timbre einer Stimme zeigt sich oft (natuerlich nicht immer) erst, wenn technische Schwaechen ueberwunden sind.

    Und was man selbst als Tenortimbre oder Baritontimbre bezeichnet, hat ja oft auch was mit Hoergewohnheiten und Vorlieben zu tun. Ein Heldentenor z.B. ist klanglich sehr nah am baritonalen Klang (und klingt vielleicht sogar baritonaler als ein lyrischer Bariton), bleibt aber dennoch ein Tenor.
    Fuer mich waere eher ein Kriterium, wenn ich permanent das Gefuehl haette, jemand hat Probleme in dieser Lage zu singen. Damit meine ich jetzt keine Spitzentoene (denn die kommen im Laufe der Ausbildung), sondern die mittlere Tessitura.

    Um mich mal selbst als Beispiel zu bemuehen: Ich musste zu meinen Sopranzeiten u.a. beide Zerlinaarien singen wie auch "Wie lieblich ist der Boten Schritt" (das letzte grosse Fiasko vor dem Knall). Die sind fuer einen Mezzo von den Spitzentoenen her sehr gut zu bewaeltigen, nicht jedoch von der Tessitura her, und ich habe mich an sowas im wahrsten Sinne des Wortes kaputtgesungen. Ueblicherweise tun Leidensgenossen Folgendes, damit sie durch diese Arien "durchkommen" (und leider funktioniert das auch eine ganze Weile): Kleinmachen und aufhellen. Die meisten, die nicht allzu viel von Stimmen verstehen, haetten 100prozentig geglaubt, ich sei ein Sopran, so wie ich damals klang.

    Das was nicht stimmt, merkt man selbst natuerlich zuerst, der Zuhoerer merkt das in aller Regel erst, wenn die Schaeden zu hoeren sind (in meinem Fall ging die Tiefe floeten und die Stimme brach auf gewissen Toenen UEBER dem oberen Passagio, meist so in der Gegend um f2/g2. Als ich dann anfing, Nebengeraeusche und wilde Luft zu hoeren, habe ich die Biege gemacht und das war wirklich 5 vor 12).

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin eine absolute Verfechterin des "Timbre hat nichts mit Stimmfach zu tun". Ich bin da selbst ein warnendes Beispiel und kann auch Gesangslehrer ehrlich gesagt ueberhaupt nicht verstehen, die Stimmen immer noch nach Timbre einstufen :d_neinnein:



    Re: Stimmfach - Timbre

    dola - 01.02.2007, 19:15


    hallo,

    ich bin mittlerweile so weit, zu behaupten, dass man sich nach einer gewissen Zeit der Ausbildung spätestens selber einordnen kann. Das ist ja auch eine psychologische Sache, Identitätsmerkmal und Rollenidentifizierung in der Oper und Wohlfühllage bei Lied und geistlicher Musik. Die Lehrer haben eh noch genug zu tun bei der ganzen Sache, denn es geht ja darum, die im Gesamtumfang - der sich ja erweitern soll - durchgängige Öffnung zu erreichen, das Training auch anhand der ausgesuchten Stücke anzuleiten und zu überwachen und auch deutlich festzulegen, wann Schluss ist mit evtl. Überschwang.

    Wenn du, Oktaviane, wohl einen "neuen Grad" stimmlicher Sicherheit und Aufblüherfahrung im Sopranrepertoire gefunden hast, dann bist du eben einer, halt ein schwerer, der eben dunkel klingt und Tiefe hat. Aus, basta, das ist dann die Marschrichtung und dein/e Lehrer/in ist dazu da, dich dabei zu unterstützen und nicht, dich zu verbiegen.

    Außerdem habe ich mir sagen lassen - und sehe das auch so - dass die dramatischen/schweren Stimmen sich in dieser Kategorie weitgehend angleichen, sich jedoch bei der Kirchenmusik jeweils in die Sopran/Alt - Partien (die Mezzi meist in die Altpartie) einsortieren (wohler fühlen). Ich hoffe, es verständlich ausgedrückt zu haben.

    Gestern bekam ich eine kompetente Bestätigung für diese These. Da mein Lehrer drei Monate nicht greifbar ist, muss ich eine Löäsung finden und habe das Glück, an einen dramatischen Mezzo geraten zu sein, die selbst mit Wagnersängern (u.a. Waltraut Meier) studiert hat, Erda, Fricka, Waltraute etc. auf der Bühne gesungen hat, und dass sie das kann, hört man. Einer der ersten Sätze war, dass man sich ja nicht irgendein Fach einreden lassen soll, das einem nicht passt. Wir freuen uns sehr aneinander: Sie freut es, mit einer Wagnerstimme zu arbeiten und mich freut es, stringent dort anknüpfen zu können, wo ich bei Hans Sotin und in Prag ansetzen konnte.

    Entschuldigt den Einschub, aber es gehört doch zum Thema.

    LG

    dola



    Re: Stimmfach - Timbre

    Orphenica - 01.02.2007, 21:22


    oh, Epo, ich glaube, wir sind tatsächlich "Stimmschwestern", obwohl wir uns gegenseitig noch nie gehört haben. Was du schreibst, kommt mir immer so bekannt vor, wenngleich ich nie das Problem hatte, auf Krampf zum Sopran geschult zu werden. Ich habe ja andernorts bereits geschrieben, dass ich gerade dabei bin, mein tiefes, dunkles Timbre zu entdecken und mich darin sauwohl zu fühlen. Ich singe jetzt bevorzugt Altarien, nicht wie früher eher "aus der Not geboren", weil ich "halt nicht so hoch kann", sondern weil ich mich in der Lage wohlfühle und ganz neu entfalten kann. Und - Gott sei Dank - wird meine eigene Wahrnehmung durch meine GL bestätigt, sonst würde ich mich wohl für verrückt halten :pfeif:

    ABER: vor ein paar Tagen haben wir, mein Freund und ich, mit seinem Lautenlehrer an unseren Renaissanceliedern gearbeitet; die singe ich, obwohl sie eher tief bis mittellagig liegen, eher kopfiger, jedenfalls nicht "altistisch". Und schon entsteht der Eindruck, dass mir die Lieder zu tief sind und ich doch erst in der Höhe (die in dem Fall aber über d'' nicht hinausgeht!) richtig aufblühe. Ich selber hatte aber bei diesen ja nun wirklich nicht hohen Tönen eher ein kratziges Gefühl, so als käme ich nur so knapp dran. Und diese Einschätzung von außen hatte ich schon oft - "du bist doch sicher ein Sopran".

    Insofern möchte ich deine These, Epo, bestätigen, dass das "Timbre" auch mächtig täuschen kann, wenn es um die Stimmfachfindung geht. Und ich stimme auch Dola zu, wenn sie sagt, dass man nach einer gewissen Zeit auch selber spürt, wo man sich am wohlsten fühlt. Das kann sich, bei mir z.B., die ich ja vergleichsweise noch nicht sooooo lange dabei bin, natürlich auch noch mal wieder ändern oder verschieben, da sollte man sicherlich immer offen bleiben. Jedenfalls kann ich aber mit Sicherheit sagen, dass ich jetzt erst mal das Gefühl habe, irgendwo angekommen zu sein, wo ich mich zu Hause fühle. :bravo:

    Liebe Grüße,
    Orphenica
    :hearts:



    Re: Stimmfach - Timbre

    Octaviane - 01.02.2007, 22:30


    Hallo dola, hallo Orphenica,

    ja, ich stimme euch zu, dass man irgendwann einfach spürt, wo man hingehört (natürlich sollte die Stimme da einigermaßen aufgeschlossen sein und die Technik sitzen). Jedenfalls ist das bei mir so. Mir hat das Mezzo-Singen ja nicht geschadet, ich konnte die Stücke eigentlich immer gut bewältigen und es hat sich auch keiner beschwert- aber da war immer so eine gewisse Unzufriedenheit oder auch Unfreiheit - ein Gefühl, dass ich gar nicht so recht in Worte fassen kann.


    Liebe Grüße

    Octaviane



    Re: Stimmfach - Timbre

    kaja - 01.02.2007, 22:34


    hallo,

    also, ich kann eponine da voll zustimmen. das allerwichtigste ist doch, daß jemand in einer lage lange singen kann, ohne probleme zu haben.

    daß viele von gesangslehrern, chorleitern etc. wegen ihres stimmklangs völlig falsch eingeschätzt werden, erlebe ich immer wieder, wenn schüler zu mir kommen, die dadurch erhebliche stimmprobleme bekommen haben. und bei den meisten ist am anfang nicht wirklich zu hören, was sie sind, da durch falsche technik beim singen und/oder sprechen ein völlig anderer stimmklang entsteht. mein rep, der eigentlich viel ahnung hat, hat mir schon bei etlichen schülern anfangs nicht geglaubt, daß sie bariton, mezzo, tenor usw. sind, da ihre stimme ganz anders klang und erst nach korrektur der technik so nach und nach den eigentlichen klang entwickelt hat. einer hatte eine so helle und hohe stimme, daß ihn jeder als tenor eingestuft hätte, zumal er überhaupt keine tiefen töne singen konnte, noch nicht mal der vogelfänger ging und den sing ich sogar. mittlerweile hat er eine wesentlich dunklere stimme und singt problemlos die heil`gen hallen etc. ähnliches (auch umgekehrt) habe ich schon bei etlichen schülerInnen erlebt.

    bei mir selbst war ich mir schon immer sicher, daß ich kein sopran bin, aber meine lehrer waren teils der meinung, ich wär sopran und teils (ungefähr die hälfte) ich wär mezzo (und alle waren sich absolut sicher :schlaumeier: ).

    bei bekannten opernsängern hört man auch ganz unterschiedliches. es hängt da oft weniger davon ab, ob einer tenor oder sopran etc. ist, sondern welches repertoire er singt. domingo z.b. klingt sehr dunkel und florez dagegen eher hell, aber beide sind tenor (es gibt da noch krassere beispiele, aber ich kann mir so schlecht namen merken).
    und bei den mezzosopranen klingen manche fast wie ein alt und manche fast wie ein sopran, z.b. anne sophie von otter, susan graham, angelika kirchschlager. manche soprane haben dagegen eine rel. dunkle stimme.
    meine ehem. lehrerin z.b. ist eindeutig sopran, hat aber eine rel. dunkle stimme und ist auch schon für mezzosoprane eingesprungen, ohne daß es aufgefallen wäre. einige wagner-tenöre haben in der oper als bariton angefangen und sich dann "hochgearbeitet". domingo hat auch erst bariton gesungen und dann gewechselt und da er nach so vielen jahren und extrem vielen singen immer noch eine gute stimme hat, ist er eindeutig tenor trotz des damals noch sehr dunklen stimmklangs.
    florez hat übrigens auch als er mit dem singen anfing viel dunkler geklungen (nach aussage seiner lehrer und chorleiter), aber nicht so gut und manchmal auch zu tief.

    also lieber erst mal singen lernen und dann sehen, wo sich stimme und sänger wohlfühlen.

    liebe grüße
    kaja



    Re: Stimmfach - Timbre

    alfredo - 29.03.2007, 23:06

    Stimmfach
    Eponine hat es ja schon angedeutet, meines Wissens hängt das Stimmfach nicht vom Timbre ab, sondern vom Übergang (Passaggio). Von einzelnen hohen oder tefen Tönen kann man auch nicht unbedingt ableiten. Kenne z. B.Baritone, die das hohe C als Einzelton leichter haben als Tenöre. Freilich die Lage wird dann entscheidend sein, warum Baritone nicht ganze Tenorpartien singen können.
    Mein Geschreibsel für die Meisten wahrscheinlich Binsenweisheit. Es grüßt euch bekannter und unbekannter Weise bis zum nächsten Mal
    alfredo :pfeif:



    Re: Stimmfach - Timbre

    cantilena - 31.03.2007, 13:26


    Tja, manchmal ist die Einordnung wirklich schwierig - als hoher Mezzo bin ich weder Fisch noch Fleisch, als Vegetarierin ist mir das allerdings auch wurst... :-)))
    So singe ich das, wo ich mich wohlfühle und was zu mir passt, und das ist - speziell bei Oratorium und Operette häufig Sopran, im Oratorium manchmal auch Alt...

    Liebe Grüße

    cantilena



    Re: Stimmfach - Timbre

    alfredo - 31.03.2007, 18:16


    Liebe cantilena!
    Wenn du das Glück hast, von oben die Höhen des Soprans und die Tiefen des Alts mitbekommen zu haben, preise Gott :tanzen . Wir anderen, die an den Niederungen des Tonumfangs (besondersd nach oben) zu scheitern drohen, können da wohl nicht mitreden. Jedenfalls wird dich aber ein erfahrener Lehrer anhand deines Übergangs sicher einschätzen können.
    Sei meiner Aufmerksamkeit an deiner Stimme gewiss und ich hoffe dich bald wieder zu hören.
    alfredo



    Re: Stimmfach - Timbre

    beate - 31.03.2007, 18:30


    cantilena hat folgendes geschrieben:
    So singe ich das, wo ich mich wohlfühle und was zu mir passt, und das ist - speziell bei Oratorium und Operette häufig Sopran, im Oratorium manchmal auch Alt...

    Liebe Grüße

    cantilena

    Tja,

    mich hat man nun auch zum Mezzo erklärt, mit dem Kommentar: "Die müssen sowieso alles singen!" :lol:



    Re: Stimmfach - Timbre

    Octaviane - 01.04.2007, 11:05


    Hallo ihr,

    was das Timbre angeht, muss man ja ggf. auch sehen, was im Zusammenspiel mit anderen Sängern Sinn macht. Vergleiche ich mein Timbre mit anderen Sopranen hier im Ensemble, macht es schon mehr Sinn, wenn ich die 2. Sopran- oder Mezzopartien singe, wenn ich mich neben meine Duettpartnerin hier in Bonn stelle (gestern gerade wieder Mozart-Duette geprobt - und den Abendsegen *g*), ist es sinnvoller, wenn ich die 1. Stimme singe, da sie die größere/schwerere Stimme hat und ich in der Tiefe furchtbar zu drücken anfangen würde, um gegen sie anzukommen.

    Aber allgemein habe ich mir eh vorgenommen, dass mich die Leute mich zu irgendwas erklären können - letztendlich muss ich doch auf mein Gefühl hören und spüren, welche Literatur mit gut tut und welche nicht. Und derzeit ist das eben ein Mischmasch aus Sopran- und (hohem) Mezzorepertoire.

    LG

    Octaviane



    Re: Stimmfach - Timbre

    musika - 01.04.2007, 11:15


    Hallo Octaviane,

    genau so ist es, nicht jede Stimme passt zu jeder Stimme, das habe ich bei unseren Konzerten auch festgestellt.

    Bei aller Literatur die man dir vorschägt ist es richtig dass du die wählst, in der du dich wohlfühlst, mag es noch so verlockend sein.

    LG



    Re: Stimmfach - Timbre

    alfredo - 01.04.2007, 11:37

    stimmfach
    Tja hallo,
    habe vor kurzem einen Sketch gesehen und gehört: eine bekannt uneffiziente Schule wurde, nach der Frage, welche Schule er besucht hätte, genannt. Darauf: Ja, wenn Sie im Leben weiter nichts vorhaben...?!
    Ursprünglich, denke ich, war gefragt worden, ob es möglich ist, relativ sicher das Stimmfach zu erkennen.
    Wie ihr, singe ich mit Inbrunst und großem Einsatz Arien, die mir zwar wahnsinnig gut gefallen, weil sie aber nicht mein Stimmfach, oder zwar meinem Stimmfach angehöen, aber zu lyrisch sind, singe ich sie sicher nicht gut genug. (Don Giovanni, I Puritani: A te o cara ist, schön gesungen, umwerfend).
    So wünsche ich euch, auch wie ich, außerhalb eures Stimmfachs Wildernden, einen guten Palmsonntag!
    alfredo



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.04.2007, 12:11


    Lieber Alfredo, jeder woldert doch gerne mal ausserhalb seines Fachs und ich finde das bei mehr oder weniger Nicht-Profis auch absolut legitim. da soll der gesang doc hvor allem Freude machen und nciht Stress und Frust mit sich bringen.
    aber wenn man sich damit auf die Bühne stellt, muss man leider zumindest serh nah am eigenen Fach bleiben und das singen, was man wirklcih glaubhaft vermitteln kann.
    Wenn ich mich irgendwo mit Aida hinstelle, lachen die Hühner, auch wenn ich viellciht alle Töne kann-egal.
    So weh das auch in etlcihen Fällen tut, muss man dann seine Lieblingsarien von Anderen geniessen und sie sich viellciht sogar wünschen.
    Bei mir hat Wünschen da schon allerhand geholfen und ich freue mich auf erfüllte Wünsche in kommenden Konzerte, wo Andere das singen, was mir so gut gefällt, aber nciht zu meiner Stimme gehört... :n2: :bravo:

    Stimmen die nciht zusammen passen, gibt es oft, da hilft nur Ausprobieren.
    Aber nach meinem Gefühl gehr es da nciht nur um leichte Stimme/schwere Stimme, denn die passen manchmal erstaunlcih gut, (wenn leicht oben singt)sondern vor allem das Timbre und den Charakter eienr Stimme.
    Das kann ich schlecht erklären..., aber Manches beisst sich einfach und ich frage mich, woran das liegt.
    Frühlingsgrüsse aus dem strahlenden lille, hier blühen gerade dunkelrote Kamelien in meinem Garten! :hearts:



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 01.04.2007, 12:26


    Fruehlingsgruesse zurueck an Traviata von Butterfly (bei uns bluehen naemlich die Kirschbaeume rund ums Haus :lol: ) ...

    Ich glaube auch, dass es nicht unbedingt leicht/leicht, schwer/schwer sein muss.
    Dass es sich manchmal beisst, hat meiner Erfahrung nach oft was mit unterschiedlichen Schwingungen zu tun (und damit meine ich nicht nur menschliche :lol: ).
    Stimmen, die z.B. ueber ein sehr unterschiedlich ausladendes Vibrato verfuegen, beissen sich sehr oft. Nun koennte man meinen, das schwere Stimmen von Natur aus ein groesseres, langsameres Vibrato haben und leichtere ein kleineres, schnelleres. Das ist auch oft (nicht immer) so, allerdings scheint es da irgendwo eine Vertraeglichkeitsgrenze zu geben, wo es komplett auseinanderlaeuft und nur noch furchtbar klingt.
    Oder wenn eine Stimme sehr gerade ist (so Emma Kirkby-maessig) und die andere ein deutliches Vibrato hat, klingt das auch selten gut.

    Es gibt auch Stimmen, die klingen fuer sich alleine gut. Beim genaueren Hinhoeren stellt man aber fest, dass es tendenziell sharp und tendenziell flat intonierende Stimmen gibt, auch wenn es nur klitzekleine Schwingungen sind, die beim Solo kaum auffallen. Selbst beiden bekannten Profis ist das der Fall. Wenn dann eine tendenziell (zu) hoch intonierende Stimme mit einer tendenziell (zu) tief intonierenden zusammentrifft, ist das Ergebnis meist auch nicht so erfreulich ...



    Re: Stimmfach - Timbre

    dola - 01.04.2007, 22:26


    Hallo,

    ich habe ja bekanntlich meine liebe Not, speziell beim Duett irgendwo hinzupassen - was keinesfalls menschlich, sondern nur rein stimmlich gemeint ist -, aber habe jetzt erleben dürfen, dass die Kombination leicht/schwer bei Sorpan leicht, Alt schwer bei alter bzw. Barockmusik klappte, wobei ich auch glaube, dass dies mit "Zusammenschwingen", Frequenzen und dergl. zu tun hat, aber auch mit der Art der Komposition.

    Wenn hauptsächlich so geschrieben ist, dass die Sopranstimme mit Leichtigkeit drüberschwebt und der Alt die Basslinie zieht, sind zwei verschiedene Stimmtypen gefragt mit unterschiedlicher musikalischer Funktion wie in einem Stück mit Flöte und Cello (Vergleich von meiner Korrep).

    LG

    dola



    Re: Stimmfach - Timbre

    musika - 01.04.2007, 22:31


    Hallo Dola,

    darum meinte ich, dass das Duett Recordare fehl besetzt war, vielleicht verstehst du mich ja jetzt?

    LG



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 03.04.2007, 17:50


    Noch ein Beispiel, dass das Timbre nicht unbedingt das Fach bestimmt.

    Vor einigen Wochen habe ich Arabella gesehen. Die Sängerinnen der Arabella und der Zdenka klangen völlig unterschiedlich. Beim Blick ins Programmheft war ich dann überrascht, dass sie teilweise die gleichen Rollen singen (Pamina, Eva, Micaela, Fiordiligi...).

    LG
    mezzo



    Re: Stimmfach - Timbre

    Anonymous - 03.04.2007, 18:40


    Bestes Beispiel ist doch die Netrebko, die Stimme wirkt so groß durch den dunklen Klang...



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