Auch Jetlag-geschädigt?

Braune Hanne
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    Re: Auch Jetlag-geschädigt?

    Peter Hellemann - 25.01.2007, 02:35

    Auch Jetlag-geschädigt?
    Was WISSEN schafft
    Jetlag im Klassenzimmer

    Schulen sollten morgens später beginnen – wegen der Langschläfer

    Alexander S. Kekulé

    Für etwa die Hälfte der Menschen hierzulande ist Frühaufstehen eine Tortur. Der Feind an ihrem Bett lauert auf dem Nachtkästchen, um zur Unzeit sein schrilles Getöse anzuheben. Erbarmungslos werden sie aus den schönsten Träumen gerissen – Morgenstund’ hat Blei im Hintern.

    Im fleißigen Nachkriegsdeutschland galt Frühaufstehen als Tugend und Langschläfer waren Faulpelze. Neuerdings rühmt sich sogar ein ganzes Bundesland mit dem Werbeslogan, früher als alle anderen aufzustehen. Sind Frühaufsteher wirklich die bessere Hälfte der Menschheit?

    Die neuere Schlafforschung zeichnet ein anderes Bild: Die sogenannten „Langschläfer“ schlummern nicht länger, sondern in einem anderen Rhythmus als Frühaufsteher; ihre innere Uhr macht sie später müde und weckt sie später wieder auf. Die als „Langschläfer“ diffamierten sind also in Wirklichkeit Spätschläfer. Für den kleinen Unterschied, der wahrscheinlich genetisch programmiert ist, können sie nichts.

    Bisher gibt es noch keinen Aufstand der Spätschläfer gegen die Fremdbestimmung durch den Rhythmus der Frühschläfer. Bislang war, anders als beim Passivrauchen, die Schädlichkeit der „passiven Schlaflosigkeit“ ja auch nicht wissenschaftlich bewiesen. Mit der Enträtselung des Phänomens Schlaf treten jedoch auch die Schäden durch Schlafentzug immer deutlicher zutage.

    Nahezu alle Tiere schlafen jeden Tag – auch Amphibien, Fische, Schalentiere und Insekten. Fledermäuse bringen es auf 20 Stunden täglich, Giraffen kommen mit weit weniger als zwei Stunden aus. Einige Vögel lassen in unsicheren Situationen nur eine Hirnhälfte schlafen – das von den vertrauten Artgenossen abgewandte Auge passt solange auf; nach einigen Stunden dreht sich der Vogel um und lässt seine andere Hirnhälfte schlummern. Weil schlafende Tiere leichte Beute sind, muss das Zentralorgan triftige Gründe für das tägliche Abschalten der Sinne haben.

    Einer davon ist offenbar der Zusammenhang zwischen Schlafen und Lernen. Das Gehirn nimmt tagsüber Unmengen mehr oder minder wichtiger Informationen auf und speichert diese vorläufig in Form aktivierter Nervenleitungen. Abends ist der Speicher voll, die aktivierten Schaltstellen der Nerven (Synapsen) verbrauchen viel Energie.

    Kurz nach dem Einschlafen breitet sich dann im ganzen Gehirn eine langsame und regelmäßige elektrische Schwingung aus. Diese „Deltawellen“ des Tiefschlafes setzen die meisten aktivierten Synapsen wieder in den Ruhezustand, so dass sie sich erholen und am nächsten Tag wieder neue Informationen aufnehmen können. Einige Nervenabbilder des tagsüber Erlebten werden jedoch ständig wiederholt und dann in Bereiche des Gehirns übertragen, die für das permanente Gedächtnis verantwortlich sind: Das schlafende Zentralorgan speichert das Wichtige und löscht das Unwichtige, es „lernt“.

    Zwischen den Tiefschlafphasen taucht der Schlafende in einen halbwachen Zustand auf, er träumt intensiv und bewegt die Augen hinter den geschlossenen Lidern. Diese REM-Phasen (Rapid Eye Movements) werden gegen Morgen immer länger und beenden schließlich den Schlaf auf natürliche Weise.

    Wenn der Wecker jedoch zu früh klingelt, haben Spätschläfer ihr Programm an Tiefschlaf- und REM-Phasen noch nicht absolviert: Sie sind tagsüber weniger aufnahmefähig, häufiger müde und emotional instabil. Studien zufolge sind Spätschläfer anfälliger für Nikotin und Alkohol, der ständige Jetlag wird mit Wachmachern und Schlafmitteln bekämpft.

    Besonders gravierend wirkt sich Schlafmangel auf die Lernfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen aus. Denjenigen, die ihren biologischen Schlafrhythmus nicht ans Frühaufstehen anpassen können, sollte deshalb ein späterer Schulbeginn ermöglicht werden. Dass dies nichts mit Faulenzen zu tun hat, haben bekennende Langschläfer bewiesen – wie etwa die Schüler-Vorbilder Johann Wolfgang von Goethe und Albert Einstein.

    Der Autor ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle.

    aus dem Tagesspiegel vom 24.01.2007



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