Die Tainos

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    Re: Die Tainos

    carapapa - 24.01.2007, 13:07

    Die Tainos
    Die Urbevölkerung, die Tainos (übersetzt die »guten Menschen«) waren ein friedliches, vom Leben mit der Natur geprägtes Volk, das aus Südamerika kommend auf Hispaniola heimisch geworden war. Sie lebten anders als andere karibische Inselvölker gänzlich ohne Waffen oder Gewalt. Als Columbus 1492 die Insel das erste mal betrat, begrüßten sie freundlich den vom Himmel gefallenen Gott. Doch die Begegnung mit der alten Welt sollte kein freudiges Ereignis bleiben. Als der Versuch scheiterte, die Ureinwohner in der Minenarbeit und auf dem Feld einzusetzen, begann einer der größten Völkermorde der Weltgeschichte. 1518, 16 Jahre nach der Entdeckung war das Volk der Taino-Indianer ausgerottet, mindestens 1 Million Menschen hatten - die meisten bei der Arbeit, einige wenige im Widerstand - ihr Leben gelassen. Als die Gold- und Lederproduktion nicht mehr genügte um die Kassen zu füllen, begann man mit dem Anbau von Zuckerrohr, das Columbus bereits auf seiner zweiten Reise mitgebracht hatte und das im karibischen Klima bestens gedieh. Da die Tainos zur Arbeit nicht mehr zur Verfügung standen wurden bis 1540 ca. 30.000 Sklaven auf die Insel gebracht, was damals 68% der Gesamtbevölkerung entsprach.

    Im Jahre 1513 wurde das amerikanische Festland entdeckt, und als 1524 das heutige Mexico City endlich die Gold- und Silberschätze bot, nach denen so lange gesucht worden war, hatte Hispaniola seine Bedeutung als wichtigster Stützpunkt in der neuen Welt verloren. Die Abwanderung der bis dahin eingetroffenen spanischen Bevölkerung und der bereits 1519 beginnende, aber stetig wachsende Widerstand der Sklaven schwächten die spanische Kolonie zusehends.

    So versuchten erst die Engländer ihr Glück, die schöne Insel zu übernehmen. Im Jahre 1655 stellten sie der Gesamtbevölkerung von 15.000 Menschen und 2.000 zusätzlichen spanischen Soldaten eine Armee von 16.000 Soldaten und Matrosen entgegen. Doch durch den “Heimvorteil” der Spanier war es noch in der Nacht des Angriffes um die Engländer geschehen und sie zogen wieder ab. Die Franzosen waren erfolgreicher. Nach einer “Besiedelung” im unbewohnten Westen der Insel weitete sich das Einflußgebiet der Franzosen aus und erhielt 1665 seinen ersten Gouverneur. Nach viel Protest und Streiterei musste Spanien 1697 der Oberhoheit der französischen Krone über den Westteil der Dominikanischen Republik zustimmen - die Insel war zur Hälfte französisch geworden.

    Doch die weltweite Entwicklung zur Unabhängigkeit machte auch dort nicht halt, und so kam es, daß die französische Besatzung durch eine Sklavenrevolte gestürzt wurde und die erste “freie Negerrepublik” der Welt entstand. Deren Oberhaupt krönte sich gleich selbst wieder zum König. Der nach wie vor spanisch besetzte Ostteil wurde von den Haitianern immer wieder überfallen und schließlich einverleibt. 1825 erkaufte sich Haiti die Unabhängigkeit von Frankreich. Der Kostenaufwand und der wieder aufkeimende Widerstand der spanischen Bevölkerung zwang die haitianischen Truppen nach 22 Jahren brutaler Herrschaft wieder zum Rückzug. Der Geheimbund La Trinitaria war der Beginn der dominikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Mit Unterstützung des reichen Rinderbarons Santana vertrieben sie die Haitianer und erklärten Ihre Unabhängigkeit. Doch als Ruhe einkehrte äusserte der inzwischen zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte avancierte Santana seine eigentlichen Absichten. Er allein wolle regieren und zwar unter erneutem Anschluß an Spanien. La Trinitaria ließ er kurzer Hand arrestieren und ernannte sich zum Diktator. 1861 war er am Ziel, Spanien errichtete erneut seine Kolonialherrschaft.

    Die Unterbrechung der Unabhängigkeit hielt aber nur zwei Jahre bis zum nächsten Bürgerkrieg. In weiteren zwei Jahren hatte die Dominikanische Republik ihre Freiheit zurück, war allerdings wirtschaftlich und politisch am Boden.

    Und da kamen die USA ins Spiel. Seit den 1850er Jahren spielten die USA mit dem Gedanken eines strategischen Stützpunktes in der Karibik. Um ihr Ziel zu erreichen ging die USA nicht mit Gewalt vor, sondern taktierte erfolgreich mit der Schaffung wirtschaftlicher Abhängigkeiten. Relativ zügig wurden die Kredite gewährt - und an die Zurückzahlung dachte man auf der Antilleninsel, wenn überhaupt, dann frühestens “mañana”. Die folgenden Regierungen trieben das Land in immer tiefere Abhängigkeit, bis die Schuldsumme 1905 bereits 40 Mio. US$ betrug. Roosevelt machte daraufhin das großzügige Angebot, gegen die Abtretung der Zollhoheit die Schulden zu tilgen. Als der amtierende Präsident Jiménez 1915 etwas zu lange zögerte, nach der Übergabe der Finanzkontrolle auch noch der Abtretung der Steueraufsicht zuzustimmen, antwortete Washington, wie ein Jahr zuvor in Haiti, mit der bewaffneten Intervention. Binnen kürzester Zeit wurden alle wichtigen Staatsämter von amerikanischen Marines besetzt und blieben es bis 1924.

    Trotz der Errungenschaften durch die USA wie funktionierende Infrastruktur, Hospitäler und andere Verbesserungen wollte man den brutalen Vormund loswerden. 1920 begann der offene Wiederstand gegen die amerikanische Besatzung. 1924 gaben die USA nach und zogen ihre Truppen ab. Unter Ihrer Protektion besetzte einer der schlimmsten Diktatoren den Thron, den die Welt je gesehen hat: Rafael Leonidas Trujillo. Der ehemalige Polizeikommandant brachte es schnell zu Neuwahlen, bei denen es nur einen Kandidaten zur Auswahl gab: ihn.

    Von Beginn an taktierte Trujillo ebenso skrupellos wie geschickt. Durch Handelsgeschäfte mit den USA schaffte er es bis 1947, die gesamten Auslandsschulden seines Landes zurückzuzahlen. Doch der Preis dafür war hoch. Auf der Sollseite seines Kontos steht eine bis dahin nie dagewesene Unterdrückung auch der leisesten oppositionellen Regungen durch ein ganzes Heer von Spitzeln und Geheimpolizisten sowie die konsequente Übertragung privaten und öffentlichen Besitzes in die Hände seines Clans. In allen Schlüsselindustrien eignete er sich Mehrheitsbesitz an, die Einkünfte verprassten die Mitglieder seiner Familie auf Luxusyachten und in palastartigen Villen, die der Diktator überall im Land erbauen ließ. 1961, im Jahr seines Todes gehörte er zu den 10 reichsten Männern der Welt, 500 Mio. US$ und über 600.000 ha Landbesitz nannte er sein eigen. Etwa 80% der Produktion des Landes lag in der Hand seiner Familie. Erst als die Weltöffentlichkeit 1960 erfuhr, daß Trujillo ein Attentat auf den Präsidenten Venezuelas plante, konnte die USA ihre Protektion nicht mehr aufrecht erhalten. Washington distanzierte sich offiziell, stoppte alle Waffenlieferungen und ließ den Diktator fallen wie eine heiße Kartoffel. Am Abend des 30. Mai 1961 wurde Trujillo auf einer Überlandfahrt erschossen, Mittelsmänner des CIA hatten die Beseitigung vorbereitet.

    1962 gewinnt der linksliberale Anwalt Juan Bosch die erste freie Wahl nach dem Ende der Diktatur. Doch bereits 1963 putschen die Militärs: Bosch flüchtet ins Exil. Donald Reid Cabral übernimmt die Macht. Doch auch er wird 1965 vom Militär abgesetzt, weil er versucht die Korruption im Lande einzudämmen. Aufgrund des Putsches um Donald Reid Cabral kommt es zu einem Bürgerkrieg zwischen links- und rechtsgerichteten Militärkreisen. Eine neuerliche Intervention der USA verhilft dem einstigen Trujillo-Getreuen Balaguer 1966 an die Macht. Die Furcht vor einem “zweiten Cuba” bestimmt ihr handeln. Von 1978 bis 1982 ist der Balaguer-Gegner Guzmán Präsident, verstrickt sich aber wie sein Vorgänger in Korruption und ist wirtschaftspolitisch erfolglos. 1982 begeht er Selbstmord. Bis 1986 agiert Guzmáns Parteifreund Blanco ebenfalls glücklos als Präsident. Drei Jahre nach dem Ende seiner Regierung wird er wegen Korruption angeklagt und verurteilt. Trotz massiver Krisen wird Balaguer 1986 unter dem Vorwurf der Wahlfälschung wieder Präsident. Durch Balaguers Initiative werden der Tourismus und industrielle Freihandelszonen als neue Wirtschaftszweige aufgebaut. Er wird 1990 und 1994 wiedergewählt. Doch der Vorwurf der Wahlfälschung zwingt Ihn 1996 zu Neuwahlen, die Leonel Fernández Reyna für sich entscheiden kann. Mit ihm begann eine ernstzunehmende Entwicklung der Demokratie im Lande.

    (Quelle: http://www.casa-indigo.de/html/geschichte.html )



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