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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: marie - Anonymous - Heinz - Sonnenkind Forum: Wunderwelten Forenbeschreibung: Spiritualität, Esoterik, Mitmenschlichkeit, Netzwerk der Zuneigung aus dem Unterforum: Spirituelles Antworten: 26 Forum gestartet am: Freitag 19.01.2007 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Leiden Letzte Antwort: vor 16 Jahren, 1 Monat, 28 Tagen, 1 Stunde, 50 Minuten
Alle Beiträge und Antworten zu "Leiden"
Re: Leiden
marie - 23.01.2007, 12:18Leiden
mir kam bei dem thread um den jakobsweg der gedanke, ob leiden nicht auch teil unseres lebens ist. wir wehren uns ständig dagegen unsere gesamte gesellschaft ist auf vermeidung jeden schmerzens ausgerichtet.
aber leiden jeder art birgt auch eine grosse chance nach umkehr in sich. und ich empfinde das leben als rhythmus ... mal oben, mal unten ... und erst, so meine ich, wenn man oben wie unten als gleichwertig ansehen kann, ist man auf dem weg zur tatsächlichen inneren gelassenheit, so meine meinung.
ist nicht auch jeder schritt, den man aus dem leiden heraus tut, jeder noch so kleine wegabschnitt, nicht eine quelle des glücks? und auch des verständnisses? der versöhnung mit sich und der welt?
und ist der sinn unseres lebens nicht versöhnung mit den gegensätzen ... um in eine innere einheit zu kommen. und was innen ist, das ist dann doch auch aussen, so jedenfalls sagen es die weisheitslehren und ich kann damit viel anfangen.
aber um in diese einheit mit sich zu kommen, müssen auch die dinge, die uns verborgen sind in uns selber betrachtet werden. oft ist es einem menschen nicht so klar, was in ihm selber hakt, welche angewohnheiten er hat ... so zeigt sich im aussen sehr oft der weg, der nach innen gegangen werden kann.
manche umkehr ist schmerzhaft, aber indem man den schmerz und die krise annimmt und sich nicht dagegen wehrt, innerlich meine ich, kann ich den neuen weg entdecken und mit somit das leben leichter machen.
Re: Leiden
Anonymous - 23.01.2007, 12:40
Liebe Marie,
spannendes Thema. Ich denke auch, daß Leiden zum Leben gehört und immer auch einen Sinn hat. Nur das auch so anzunehmen, finde ich nicht immer leicht.
Wenn ich mein Leben so betrachte, dann hat mein Leiden immer einen Sinn gehabt und ich bin sicher, daß ich ohne nicht da wäre, wo ich heute bin. Gut, dann wäre mein Weg ein anderer gewesen und das wäre dann sicherlich auch gut gewesen, aber ich kann so mein Leid, meine Lebensgeschichte auch annehmen und das Gute darin sehen.
Ich denke, eine Zeitlang habe ich mich auch in meinem Leiden ganz häuslich eingerichtet, ich habe es gebraucht und bin es so natürlich auch nicht losgeworden.
Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich es nicht mehr gebraucht habe und wo ich wirklich losmarschiert bin und Neues ausprobiert habe und weitergegangen bin.
Das waren wiederum auch sehr schmerzhafte Prozesse, aber sie haben mich wachsen lassen.
Ich denke es gibt beides, Menschen, die krampfhaft versuchen, nicht zu leiden, Leid zu vermeiden und das dann oft mit Dingen tun, die gerade Leid verursachen. Ich denke an Alkohol und Drogen und all den anderen Dingen, mit denen man sich wegbeamen kann. Irgendwann knallt man wieder in die Realität und die ist meistens nicht besser geworden.
Ich erlebe aber auch immer wieder Menschen, die Ihr Leid ja kultivieren muß ich schon sagen. Soll nicht abwertend klingen, aber Leid kann man ja auch einsetzen und es festhalten, um sich nicht auseinandersetzen zu müssen und um nicht die Verantwortung für sich selber übernehmen zu müssen.
Aber ich hab eins gelernt, Leid läßt sich nicht vergleichen, Leid ist immer subjektiv und was für den einen Leid ist, muß es für den anderen nicht sein. Und wenn jemand leidet, dann ist das immer ernst zu nehmen, auch wenn ich es vielleicht gerade nicht nachvollziehen kann.
Nur wenn jemand sein Leid und dann auch mich und andere instrumentalisiert und selber keinen oder nur wenige Schritte unternimmt, dann fällt es mir irgendwann auch schwer, noch Verständnis und Empathie zu entwickeln.
Gut, es gibt auch Leid, auf das ich gut und gerne verzichtet hätte, aber letztenendes hat auch dieses mir angetane Leid mich geprägt und mich auch meinem Weg weitergebracht.
Re: Leiden
Anonymous - 23.01.2007, 14:32
liebe marie,
ich bin auch der meinung, dass ein gewisses maß an leiden/schmerz zu jedem leben dazu gehört......denn nur so sind wir, da bin ich mir ziemlich sicher, zu den menschen geworden, die wir heute sind.......
allein wenn man zurückdenkt...........als kind ist man unbeschwert, völlig losgelöst und irgendwann nimmt einen dann das leben "an die hand" und jeder von uns hat sicher so seine stationen, die er anlaufen und ja auch bestehen muß und mit jeder station, die ja auch manchmal sehr leidvoll und schmerzhaft sein kann, wachsen wir ja auch.........innerlich..
ich denke auch, wenn ich vieles in meinem leben anders oder nicht erlebt hätte, dann wäre ich nicht der mensch, der ich heute bin.....
je mehr ich erlebt habe, durchlebt habe, durchlitten habe, desto verständnisvoller kann ich ja auch anderen gegenüber sein........kann versuchen, mich in ihre lage hineinzuversetzen und ihnen und sicher auch mir selbst einen schritt weiterhelfen.......
Re: Leiden
marie - 24.01.2007, 17:52
ich frag mich gerade .... wozu meinen wir eigentlich das leiden zu brauchen?
ich kann mich davon gar nicht freisprechen .... als der schnupfen kam, da dachte ich, den brauch ich jetzt .... der hängt seit monaten in der luft, jetzt nehm ich ihn an. aber wozu brauch ich das?
oder im grösseren stil .... oft hab ich mir gedacht, hätte ich das ganze leiden nicht gehabt, (ich hab oft genug körperlich oder seelisch gelitten) dann wäre jetzt dieses nicht oder jenes nicht.... aber nun mal ehrlich?
braucht man das? also irgendwo glaub ich schon, dass man es braucht, aber warum?
sind wir menschen denn so gestrickt, dass wir uns nur in bewegung setzen um zu wachsen, wenn es weh tut?
oder ist leiden genauso wichtig wie glück und dem auch an wichtigkeit gleichzusetzen? und soll gar nicht vermieden werden????
Re: Leiden
Anonymous - 24.01.2007, 18:52
Klar ist für mich, daß ich ohne meinen Leidensweg nicht da wäre, wo ich heute bin. Nur, ich wäre halt woanders, hätte einen anderen Weg genommen und woher weiß ich, daß der schlechter gewesen wäre... Werd ich nie erfahren, aber ich kann meinem Leid so auch eine sehr gute Seite abgewinnen und hadere nur wenig mit der Zeit, die mich das gekostet hat.
Vielleicht ist es einfach auch manchmal so, daß wir an Grenzen kommen müssen, um etwas zu verändern, daß wir eine Art Druck brauchen, um aus dem Quark zu kommen. Und manche Menschen brauchen den nicht und leben so in meinen Augen relativ vernebelt vor sich hin. Solange sie dabei glücklich sind, ist das ja o.k., aber ich hab die Erfahrung gemacht, mich meinen Schmerzen zu stellen, daß hat mir viel gebracht und mich weiter gebracht.
Aber klar, ich denk auch manchmal, etwas leichter dürfte das Leben schon gerne sein... ab und zu jedenfalls. Wobei es das ja inzwischen für mich ist. Das schützt mich aber auch nicht vor Krisen und inneren Abstürzen. Ich bin das ewige Ackern schon auch manchmal einfach leid.... und trotzdem davon überzeugt, daß es sich lohnt.
Re: Leiden
marie - 24.01.2007, 19:19
schau dir mal den satz an momo .... den hat eine kollegin in einem unserer arbeitsforen in ihrer signatur
Leidvermeiderei, wie und wo sie sich auch immer offenbare, zeigt stets an daß, der der sie betreibt, ein grundsätzlich Uneingeweihter ist.
(H.Fritsche)
und je länger ich darüber nachdenke, desto weiser find ich ihn...
Re: Leiden
marie - 24.01.2007, 19:24
anscheinend ist es so, dass das glückselige vor sich hin dümpeln nicht zum wachsen anregt ... und sind wir nicht hier auf dieser erde um zu wachsen und uns auszudehnen?
obwohl ich auch manchmal gerne vor mich hindümpeln würde *seufz
Re: Leiden
Anonymous - 24.01.2007, 19:31
ja der Satz hat was.....
Ich würde auch manchmal gerne einfach vor mich hindümpeln, aber mich würde das vermutlich gar nicht wirklich glücklich machen. Und die, die so scheinbar glücklich ihr Leben in geordneten Bahnen ohne nennenswerte Katastrophen leben, haben meiner Erfahrung auch irgendeine Leiche im Keller. Nur da bleibt sie eben auch und wird zugeschüttet mit allem möglichen, um ja nicht am Image zu kratzen und der vermeintlichen heilen Welt.
Ach Marie, lass uns doch versuchen, ab und zu auch einfach mal zu dümpeln.. ich bin mir sicher, weder Du noch ich halten das sehr lange durch :pfeif: :n90:
Re: Leiden
marie - 24.01.2007, 19:34
aber ein versuch wärs vielleicht mal wert :lol:
und leichen im keller, die fangen irgendwann an schlecht zu riechen ...
Re: Leiden
Anonymous - 27.01.2007, 18:41
ich weiß manchmal nicht, wozu so viel leid gut sein soll...sicher brauchen wir es vielleicht um nicht zu übermütig zu werden, oder aber um nicht zu pberflächlich oder, oder...aber muß es meist so schmerzlich sein.....
sicher würde ein leben ohne schmerz und leid anders verlaufen, aber ob es dann immer schlechter wäre, ist auch die frage....
ich persönlich habe fesestellt, wie sehr ich das leben und jeden einzelnen augenblick genieße der mir geschenkt wird und frage mich, würde ich das ohne all den schmerz den ich durchlitten habe und noch in mir habe.....
vielleicht wäre es aber schön, wenn sich glück und leid die waage halten würden und nicht immer nur zu einer seite so stark ausschlagen würden....
Re: Leiden
Anonymous - 27.01.2007, 22:52
Gwendana hat folgendes geschrieben:
vielleicht wäre es aber schön, wenn sich glück und leid die waage halten würden und nicht immer nur zu einer seite so stark ausschlagen würden....
Das ist aber vielleicht auch manchmal eine Frage der eigenen Einstellung und der Gewichtung, die wir den Dingen geben.
Ich kann zumindest von mir sagen, daß ich auch Zeiten hatte, wo ich Glück kaum ertragen konnte und mich mit Leid viel sicherer gefühlt habe. Mag paradox klingen, war aber so.
Und ich habe festgestellt, wenn meine eigene Einstellung entsprechend ist, dann hat das Leid zumindest gar nicht so eine Chance, so stark auszuschlagen. Das Glück hab ich noch nicht daran zu hindern versucht :D
(ne, das stimmt gar nicht, ich hab mein Glück auch reichlich oft blockiert....)
Re: Leiden
Anonymous - 27.01.2007, 22:58
es gab zeiten, da wäre ich dem glück am liebsten davon gerannt bzw ich habe es sogar einmal getan...und sicher hat es oft mit einem selbst zu tun...aber jedesmal...hmmm...das kann ich einfach nicht glauben.....oder will es nicht glauben.....
Re: Leiden
Heinz - 27.01.2007, 23:32
Dass ist eine sehr interessante Frage, ob wir dass Leid u. Leiden brauchen u. wozu es überhaupt vorhanden ist. Ihr habt natürlich schon einige wahre Gedanken dazu aufgezeigt. Ich selber denke, dass egal wen welches Leiden überkommt, es logischer Weise immer tiefere Gründe u. Hintergründe dafür gibt. Aber in jedem Fall lässt es den Betroffenen sich verändern u. meistens damit einen neuen Lebensweg einschlagen.
Da ich in meinem 1. Lehrberuf Glasinstrumentenmacher gelernt habe u. später diese Fa. in Konkurs ging, blieb mir Anfang der 80er Jahre am Niederrhein keine andere Wahl als in eine Fabrik als Hilfsarbeiter anzufangen. Nach einigen Jahren in dieser Fabrik wurde ich dann ziemlich schwer Lungenkrank u. ich wurde sehr lange mit Cortison behandelt. Als ich mich dann wieder gefangen hatte u. ich, um überhaupt wieder eine Arbeit zu finden zu einer Personalvermittlung ging wurde ich gefragt was ich gelernt habe u. was ich mir vorstelle zu machen. Da Glasbläsereien aber in Deutschland nicht überall zu finden sind bzw. außer im bayerischen Wald sehr vereinzelt nur vorkommen, sagte ich dann was ich gelernt habe , ich aber bereit sei alles zu machen. Ich war dann doch recht erstaunt dass diese Personalfirma mir sehr energisch ausredete mich als Hofkehrer od. wieder Fabrikarbeiter zu verdingen. So bekam ich in Baden- Württemberg eine Stelle als Laborglasbläser.
Am Schluss ist mir klar geworden, wenn die Lungenkrankheit nicht passiert wäre, wäre ich wahrscheinlich noch sehr lange in der monotonen Fabrikarbeit stecken geblieben. Also hat es mir zu anderen Sichtweisen u. zu einer kompletten Umorientierung meines Lebens verholfen. Klar wäre es wünschenswert dass es garkeine Leiden gäbe, aber immerhin sind es Botschaften an uns.
LG, Heinz
Re: Leiden
marie - 28.01.2007, 08:46
vielleicht sollten wir erstmal versuchen zu verstehen, was leid eigentlich ist ...
ich meine leid ist, wenn etwas anders läuft als es erwartet wird, wenn der körper nicht funktioniert plötzlich, wenn das umfeld zusammenbricht usw...
also wenn unsere grunderwartungen nicht erfüllt werden ... und dann beginnen wir zu leiden und zwar so lange, bis wir die situation annehmen.
als mein rückrat begann zu schmerzen und ich mich nicht mehr bewegen konnte, da hab ich gelitten ... als ich begann zu sagen, na gut, so ist es, ich mach auf meine art das beste draus, begann es zu heilen. heinz hat ja seine krankheit auch so beschrieben ....
es entsprach nun wirklich nicht meinen vorstellungen, dass ich mein restliches leben lang liegen müsste .... aber sich nicht mehr zu wehren, gibt einfach neue kraft frei.
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 10:08
sich nicht mehr zu wehren gibt neue kraft frei....hmm.. das ist ein wahres wort, marie und doch überlege ich, ob es nicht verschiedene stufen von leiden gibt.....
ich für mich persönlich empfinde es so und spüre es gibt dinge die ich viel leichter annehmen kann und andere mit denen ich hadere und nicht so richtig den weg aus der situation finden kann, vorallem wenn mir meine rolle dabei unklar ist und sich zusätzlich das gefühl der ohnmacht einstellt....ein gefühl was mich lähmt....
sicher ist kankheit eine der schlimmsten formen und eine art mit der man unendlich hadern kann und nur sehr schwer den weg findet, aber was mich so trifft ist die tatsache festzustellen was dahinter steht bzw stehen kann und genau das anzunehmen bzw zu ändern....
leid und leiden verändern denke ich immer, schlimm finde ich es, wenn menschen dadurch unerreichbar werden...also schlimm im sinne von traurig....das gibt mir persönlich auch das gefühl der ohnmacht, den wunsch diesen menschen in die arme zu nehmen und ihm zu helfen den ersten schritt auf diesen weg zu setzen.....
Re: Leiden
marie - 28.01.2007, 10:24
ich weiss nicht ob krankheit das schwerste leiden ist ... je länger ich lebe, je mehr ich mit menschen rede, desto mehr sehe ich leiden in gleichbleibender qualität in ihnen, egal was für ein problem das ist.
es ist nicht die art des problemes ... auch wenn im herkömmlichen sinn, niemand wohl sagen wird, dass ein liebesproblem genauso schlimm ist, wie eine krankheit, die lebensbedrohlich ist.
trotzdem ist das fühlbare leiden immer das selbe .... und immer sieht der weg ähnlich aus.
binmalda hat mir ne sms geschrieben, da stand drin, ich werde wohl mit dem krebs leben müssen ... und dann gings ganz positiv weiter. und ab dann hab ich das gefühl bei ihr, dass sie auf dem weg der heilung ist. sie nimmt ihr leben an ... und in diesem leb kommt krebs vor.
sicherlich ist die priorität höher bei krankheiten, die das leben einschränken ... als bei dem verlust einer beziehung, aber das gefühl des weltuntergangs ist bei allen leidenden vorhanden und das ists ja auch, die welt, wie wir sie sehen wollen geht unter ... aber nach diesem weltuntergang gehts weiter .... und eine andere form der welt kann auferstehen. vielleicht sogar wertvoller und kostbarer als die davor, weil man um ihren preis weiss?
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 10:59
marie, du sprichst den preis an ... etwas was so unendlich hart sein kann....
ich weiß nicht welches leiden schlimmer oder härter ist...der verlust der gesundheit, der verlust einer beziehung oder, oder...
ich empfinde all die dinge die unwiderbringlich sind als besonders schmerzvoll...eine beziehung die zerbricht, da sehe ich immer noch hoffnung, eine beziehung die durch den tod getrennt wird ist unwiderbringlich und ich bin hilflos....und so gibt es noch unendlich viele beispiele....
sicher gibt es ein leben danach und sicher eine neue welt die sich mir eröffnet, aber wie komme ich dahin, wenn dieses gefühl der hilflosigkeit mich begleitet?
ich denke es begleitet mich vorallem immer dann, wenn ich nicht alleine beteiligt bin oder es absolut unwiderbringlich ist....
krankheit ist sicher eine der schlimmsten formen, aber in ihr sehe ich erstaunlicherweise immer noch eine art sinn, wenn es auch anfangs unendlich weh tut und schlimm ist, aber ich habe immer noch das gefühl, ich kann etwas tun... nur dieses tun ist es, was nicht immer einfach ist und da gelange ich wieder an den punkt der hilflosigkeit.....
ich bewunder menschen, die diesen weg gemeistert haben und die kraft fanden all diese wege zu gehen und ich bin menschen begegnet die es schafften und empfand sie als besonders strahlend...sie trugen was in ihren augen, was ich bei den meisten anderen menschen vermisse...
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 11:21
Ich denke, man kann Leid nicht kategorisieren, es gibt nicht schlimmes und nicht so schlimmes Leid. Weil Leid eben auch immer subjektiv ist und ich würde nie zu jemandem sagen, Deins ist nicht so schlimm, andere haben viel größeres zu tragen.
Ich kann mir vorstellen, daß man bei Krankheiten wie Krebs sich einfach ausgelieferter fühlt, als bei Leiden, die man auch aktiv angehen kann. Das kann man bei Krebs auch, aber ein gewisses ausgeliefert sein, stell ich mir da schon vor.
Ich war auch todkrank, konnte was dagegen angehen und würde trotzdem nicht sagen, mein Leid war nicht so schlimm wie das anderer.
Es gibt Leiden, da würde ich allerdings heute jemandem sagen, tue endlich was und komm aus Deinem Jammertal... Ich selber habe mich auch jahrelang in meinem Leiden eingerichtet und da kannte ich mich aus. Und trotzdem würde ich nicht nur von selbst verschuldetetem Leid sprechen. Damals konnte ich nich anders, mir stand nichts anderes zu Verfügung.
Es steht jedem frei, was für sich und sein Leben zu tun oder nicht. Nur bei mir ist irgendwann der Punkt erreicht, wo ich mir dann das Leiden anderer auch nicht mehr angucken mag. Das habe ich selber lange nicht begriffen. Was ich auch anderen damit zumute, wenn sie zusehen müssen, wie ich mich zu Grunde richte.
Ich hab großen Respekt vor jedem, der sein Leid nicht nur hinnimmt, sondern sich dem stellt und sich auf den Weg macht.
Re: Leiden
marie - 28.01.2007, 11:59
zu gwen,
ich glaube, dass jede seele sich in gemeinschaft mit seinem schöpfer den moment seines todes ausgesucht hat .... und das wir in vielem unser leben verändern können, aber nicht die globale botschaft unseres lebens ... und davor kann man sich als hinterbliebener doch nur verneigen und akzeptieren. es gilt dabei zu akzeptieren, dass die menschen, die uns auf dem lebensweg begleiten nur begleiter sind und nicht mehr ... und in liebe zu akzeptieren, dass jemand gegangen ist, egal unter welchen umständen ist im grunde, so sehe ich das, ein akt der liebe und der hingabe an diesen menschen und an die kraft des lebens selbst.
zu momo
auch da ist manchmal hilfe sich abzuwenden .... finde ich, genau wie du. man kann jemanden eine weile stützen, aber zu viel stütze ist auch keine hilfe .... und ab dem moment wo man erkennt, dass man sich selber in den sumpf mitziehen lässt ist der grössere akt der liebe zu diesem menschen ihn seinem schicksal auszuliefern und zu akzeptieren ,dass auch grösse im untergang vorhanden ist.
meine meinung, also auch nicht die ganze wahrheit *lach
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 13:43
ein akt der liebe...ja, dass ist es marie, aber das ist es auch was so unendlich schwer ist...man weiß es ja vom kopf her, aber die emotionen funken immer wieder dazwischen und machen es so unendlich schwer und so habe ich erfahren, dass der sich so hohle spruch: die zeit heilt alle wunden .. zwar wie eine phrase klingt, aber auch so unendlich wahr ist...man braucht wirklich zeit, denn dieses los lassen und sich dem veränderten leben stellen geht nicht innerhalb von ein paar stunden .. es ist fast si wie neu laufen lernen, aber es funktioniert und man ist dann auch richtig stolz auf jeden schritt den man geschafft hat ...
schwierig ist es auch sich abzuwenden, auch wenn man weiß, dass es besser ist und eine größere hilfe bedeutet, als jemanden nur zu stützen und ihn dadurch auch ein stück unfähig zu machen, aber auch das will erst einmal begriffen werden ohne das man es fast wie einen verrat empfindet, ein im stich lassen ... schwierig ist nur den richtigen moment zu erkennen ...
Re: Leiden
Sonnenkind - 28.01.2007, 16:05
Ihr Lieben,
ich bin mir nicht sicher, ob dies mit hierher passt? Falls nicht - verschiebt es bitte, ja? Zur Thematik "Leiden" habe ich in den vergangenen Tagen eine ähnlich klingende Erfahrung gemacht: das "Mit-leiden".
Zum einen erlebte ich - besonders vom Klinikpersonal - relativ wenig Mit-Gefühl = "Einfühlungsvermögen", z.B. ist für Krankenschwestern und Ärzte das Thema "Spritzen" der normale Alltag und keiner Überlegung wert ... Für mich, die ich einerseits eine Spritzenphobie habe und sowieso Angst, bestimmte Mittel nicht zu vertragen, kam diese Art der Untersuchungen und Behandlungen einer "inneren Hölle" gleich.
Aber für mich zumindest sind diejenigen, die auf meine Erkrankung mit einem "Ohhjjeee.... oder Schreckenslaut" reagiert haben, noch um einiges Schlimmer. Plötzlich wird man nämlich in die "Ecke gedrängt", sich zu "entschuldigen", dass der andere sich nun so erschrocken hat ... Dem anderen zu erklären, dass das alles doch gar nicht sooo schlimm ist, man sich doch nicht so viele Gedanken machen muss etc... etc... Und die Krönung ist dann, wenn das Gegenüber einem die eigene Angst kundtut, "so etwas vielleicht auch erleben zu müssen".
Das waren Erfahrungen der letzten Woche, die ich überhaupt nicht gebrauchen konnte - so wenig, wie die Krankengeschichten anderer, wo sie selbst noch "viel kränker" oder "ähnlich schlimm krank" waren :-(
Absichtlich habe ich meine Mutter z.B. nicht informiert, weil ich von ihr nichts anderes erwartet habe, als das oben erwähnte ... Als ich sie anschließend von zu Hause aus anrief, bekam ich genau diese Reaktion: "großes Erschrecken".
Das alles sind Erlebnisse, die ich für mich zumindest erst mal "einordnen" muss, wo ich wieder einmal merke, dass es mir ein großes Bedürfnis ist, Grenzen zu setzen, genau zu fühlen und zu merken, welches Verhalten mir gut tut - und welches eben nicht.
Denn zum Glück gabs ja auch die Highlights :-) von sehr liebevollen und aufbauenden Anrufen und Nachrichten, nicht zuletzt hier Euer Lichtkreis, den Ihr für mich gemacht habt, und über den ich mich sehr gefreut habe.
Und: ich wurde von einer lieben Freundin (ist sie mir erst in den vergangenen Wochen geworden) zu ihrer Hochzeit im August eingeladen. Das nur so "am Rande".
Das Thema "Leid" "Mitleid" "Mitgefühl" war ja schon mal im vorigen Forum sehr interessant, mich beschäftigt es zurzeit eben durch meine Erlebnisse ein wenig mehr ;-)
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 16:11
uli, ich finde dein beitrag paßt hier sehr gut rein und gehört für mich jedenfalls sehr wohl zum thema....
als ich dein posting aufmerksam las fiel mir auch sofort ein, dass man sich regelrecht anfängt zu entschuldigen...aber wofür bitte...das man krank geworden ist?...hm...eigentlich muß man gerade in solchen momenten alle kraft für sich selbst einsetzen und nicht überlegen wem man was zumuten kann....
das klinikpersonal...sicher ist es zum einen unendlich schwer zu ertragen...ja sogar oftmals fast verletzend, auf der anderen seite aber auch fast zu verstehen, wenn man bedenkt was sie den ganzen tag zu sehen bekommen und erleben müssen und es auch oftmals nicht leicht ist es abzulegen wenn dienstende ist....
ich denke die ideale variante wäre personal, dass kompetent ist und trotzdem herz hat und herzlich sein kann...aber das ist leider meist nur ein wunschdenken....
Re: Leiden
marie - 28.01.2007, 16:33
ich versteh dich gut uli, aber nun mal ehrlich ... was ist denn nun richtig zu sagen in so einer situation? das ist nicht leicht ... und für all die menschen, die viel um ihre gesundheit fürchten, die angst vor krankheit haben noch viel weniger, die bekommen dann noch mehr angst und denken nur an sich, vor lauter panik. und dieses , das wird schon wieder ... wenn es nicht von einer fachkraft, die es auch wirklich weiss kommt ist doch auch so ein ding, was ich persönlich nicht leiden mag.
irgendwie steht man doch wie doof da vor einem menschen, der grad leidet und wenn man dann nichts konkretes zu helfen hat, ists noch viel schlimmer.
in solchen situationen würd ich am liebsten gar nichts sagen, zuhören ... ist auch eine kraft. nur? ist das dann nicht lieblos, wenn man ohne worte da steht?
nun mal an euch ... was tröstet euch denn nun wirklich? was gibt kraft? was nicht?
und vom krankenhauspersonal kann man heutzutage nicht viel erwarten, die müssen schuften ... und leisten.
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 16:42
Uli, ich versteh Dich schon.... da kämpfst Du gerade selber und dann kommen Dir die anderen mit ihren eigenen Ängsten. Sehr einfühlsam und empathisch finde ich das auch nicht.
Sicher, ich bin auch relativ hilflos, wenn ich in einer solchen Situation bin. Ich glaube, mir wäre es lieber, jemand sagt dann nichts und nimmt mich vielleicht einfach nur in den Arm.
Als meine Mutter so todkrank war, ich hab mich so hilflos gefühlt und gleichzeitig war ich auch selber voller Angst und Panik. Ich kann so eine Situation nicht nachvollziehen, das wäre vermessen. Ich war noch nie krebskrank oder hatte eine Krankheit, aus der es kein Entrinnen gab.
Es ist schwierig und ich hab sicherlich auch nicht alles richtig gemacht. Ich habe versucht, meine eigenen Ängste vor meiner Mutter zu verstecken... sie hatte genug mit sich selber zu tun. Heute denke ich, das war falsch.
Ich lag mal nach einem Suzidversuch im Krankenhaus... Einfühlungsvermögen oder gar Engagement des Personals war gleich null... die hatten nur ihre Fallpauschale im Kopf und waren froh, als sie mich gehen lassen konnten. Sie haben mich einfach entlassen. Basta.
Ich finde sowas schon schlimm und ich würde schon auch ein gewisses Engagement erwarten. Schließlich haben die auch Supervision und sollten lernen, sich abzugrenzen. Klar, seh ich auch die Gegebenheiten und den Druck, aber damit kann man auch nicht alles entschuldigen.
Re: Leiden
Anonymous - 28.01.2007, 17:45
marie hat folgendes geschrieben:
nun mal an euch ... was tröstet euch denn nun wirklich? was gibt kraft? was nicht?
hmmm...eine gute frage und nicht pauschal zu beantworten....
in erster linie ist es mir wichtig einfach inden arm genommen werden, aber bitte nicht so, dass ich das gefühl habe erdrückt zu werden....vielleicht besser so, dass ich signalisieren kann bitte nimm mich in den arm.....und vorallem das gefühl da ist bzw sind menschen die sind einfach wortlos da, sie sind da weil sie mir kraft geben wollen bzw können und vorallem zuhören können ohne sofort aufzuzählen was alles kommen kann oder wer das auch schon hatte usw...das ertrage ich im moment am wenigsten....jetzt mit ein paar tagen dran gewöhnt zu sein schon eher....
was mir auch so richtig wichtig ist und ohne das ich es merkte belastet hat, dass ich nicht wußte wie die menschen die mir nahe sind damt umgehen...vorallem wie mein mann damit umgeht und sich damit fühlt....ich habe nur gespürt das es ihm und den menschen die mir nahe sind weh getan hat und sorgen bereitet, aber ich wußte nicht genau was in seinem bzw ihren kopf vorgeht....und das ist mir sehr wichtig....
ich habe begonnen zu akzeptieren das ich krank bin, aber ich möcte nicht behandelt werden wie ein rohes ei und das 24 std am tag...ich möchte so weit wie möglich in die normalität zurück finden so weit das möglich ist, weil ich spüre das wird mir halt geben und mir die kraft zum kämpfen geben....
Re: Leiden
Sonnenkind - 28.01.2007, 18:27
Ich glaube, im Wesentlichen waren und sind mir die Menschen am "Hilf-reichsten", die versuchen, meine Situation zu verstehen und sich z.B. hineinversetzen in das Gefühl von Hilflosigkeit - wie würde es "einem selbst" dabei gehen?
Zum Beispiel war da eine 16-jährige Praktikantin im KH, die sich gut in meine "Eitelkeit", jeden Tag meine Haare zu waschen, hineinversetzen konnte (weil ich so dünnes Haar habe, sieht es gleich absolut verboten aus). Sie hat sich nicht beirren lassen und mir jeden Tag bei der Haarwäsche geholfen - waren "nur" paar Minuten, aber schenkten mir ein ganz anderes Wohlgefühl.
Oder der Arzt, der die Phlebographie gemacht hat: Ich hatte solche Angst vor der Infusion, dass ich dachte, das schaffe ich nicht. Mein Mann durfte dabei sein, bis direkt geröntgt wurde, und dann sagte er (Arzt): "Sie spielen das echt gut, ich würde Ihnen das voll abnehmen, was Sie für ein Angsthase sind". Ich musste darauf so lachen, dass ich meine Angst und das ganze Drumherum vergessen habe und es war überhaupt nichts mehr schlimm.
Als ich das erste Mal auf der Bettpfanne Pipi machen sollte und nichts ging, da sagte die Krankenschwester: "das kenne ich, ging mir auch so bei meiner Schilddrüsen-OP" und "schwupps ... konnte ich loslassen und es ging ...
Ich weiß, dass meine Tochter geweint hat, als mein Mann sie anrief und dass sie Angst um mich hatte, aber am Telefon hat sie gesagt: "Mama, Du hast das schon mal geschafft und Du packst das jetzt wieder, das weiß ich einfach" ... Das tut mir so gut, dass ich jetzt noch heulen könnte, wenn ich daran denke.
Mein Mann hat alle Infos zur Thematik "Thrombose" gesucht und konnte mir fachlich ganz viel erklären, wofür die Ärzte und das Personal keine Zeit hatten.
Mein Sohn hat mir von einem Freund erzählt, der "das" auch gerade hatte und schon wieder rumspringt, als war nichts - und direkt nach dem KH nicht die drei Treppen zu ihm hochlaufen konnte.
Das sind Beispiele, die mir einfallen zur Frage, was mir zumindest gut getan hat. Und ich glaube, wenn mir jemand sagen würde, dass er/sie gar nicht weiß, was sie/er jetzt gerade "richtiges" sagen könnte, das würde ich völlig in Ordnung finden.
Mir fällt dazu noch was ein: als ich meine kleine *Sternentochter* geboren hatte, habe ich vieles erlebt, was mich total verletzt hat oder woran ich mich auch heute nur mit einem Kopfschütteln erinnere. Einen einzigen Besuch im KH habe ich als "gut" in Erinnerung: ein befreundeter Psychologe setzte sich zu mir ans Bett, hielt mich an seinen Schultern und ließ mich einfach weinen (ihm kamen auch die Tränen), er gab mir das Gefühl, meine Trauer "auszuhalten" ...
Das sind Beispiele - aus meiner Sicht. Ich kenne auch die Seite des "Dabei-stehenden", wenn ein anderer Mensch krank ist und man sich um ihn fürchtet. Aber auch in dieser Zeit habe ich all die Ängste und Sorgen mit mir bzw. meinem Mann und "im stillen Kämmerlein" ausgemacht und sie diesem Menschen niemals gezeigt (ich weiß, dass sie es auch so wusste)
So - sind meine Gedanken dazu. Ich werde jetzt mit meinem GöGa einen kleinen aber feinen Spaziergang machen und wünsche Euch noch einen schönen Sonntagabend :-)
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