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Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 14.01.2007, 18:07Reign of evil
Reign of evil
Hier finden alle, die mitspielen oder noch mal bestimmte Details nachlesen wollen, alles, was es von mir zu dem Thema "Reign of evil" gibt. Nun ja... insofern, als dass wir uns inmitten der Regierungszeit des zweiten Meisters befinden, ich also nur den ersten Meister und die Vorgeschichte zu ihm hier posten werde.
Theoretische Hintergründe und Textabrisse werden vorerst auch nicht hier erscheinen. Ich halte es für schöner, Erkenntnisse im Spiel zu erarbeiten. Ist doch langweilig, wenn wir alles von vornherein wissen ;-)
Wie dem auch sei, in jedem Fall wünsche ich jedem hier viel Spaß beim Lesen!
Admin-Andrew
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 14.01.2007, 18:08
Prolog
Hätte mir jemand vor ein paar Wochen gesagt, dass es eine andere Welt gibt, als die des auslaufenden 19. Jahrhunderts in England, hätte ich wohl vermutlich darauf getippt, dass ich mich gerade mit meinem Freund Frederick unterhalten hätte. Dieser Mann ist dermaßen desillusioniert, dass er längst in einer anderen Welt lebt, als ich es tue.
Davon rede ich jedoch nicht. Ich rede von einer wirklich anderen Welt. Es ist eine voller Mythen und Legenden, Abenteuer und Magie.
Sie ist all das, was sich die Romantiker meines Zeitalters gewünscht hätten. Keats Endymion, seine Lamia, sie hätten hier entsprungen sein können. Überhaupt zeichnet sich die Welt, aus der ich stamme durch eine Flucht aus, die wohl seltsamer kaum sein kann. Sie flüchten vor ihrer Umgebung. Sie versuchen hinter jedem Schatten eine Bedeutung zu entdecken und schwören darauf, dass all das, was wir erleben nur ein dünner Anstrich für etwas anderes ist. Wenn man ihnen glauben darf, verbergen sich hinter dem alltäglichen Wahnsinn Magie, Dunkelheit und Chaos. Offensichtlich fehlt uns Menschen nur die Fähigkeit das zu erkennen. Ich bin ein sehr rationaler Zeitgenosse. Meiner Meinung nach gibt es in unserer Welt nichts Mystisches, das entdeckt werden kann oder gar darauf wartet entdeckt zu werden. Die einzigen Mysterien, die es zu ergründen gilt, sind in uns selbst zu finden.
Ich sehe diese Romantiker jeden Tag. In Ermangelung eines besseren Wortes habe ich mir erlaubt diesen verklärten Begriff zu wählen. Er passt zu dem verklärten Klientel, welches ich bezeichnen möchte.
Sie bauen also imaginäre Schreine für einen Blick, eine Geste, eine Tonlage, simple Worte. Sie vergöttern etwas, das sie als filigrane Schönheit bezeichnen und das im Prinzip alles sein kann. Von der schönsten Opernarie bis hin zu dem Gesicht eines Schlafenden. Sie versuchen verzweifelt etwas zu finden, was nicht da ist. Ein Schlafender ist nicht der Inbegriff der Unschuld, sondern lediglich jemand, der einem Grundbedürfnis nachgeht. Meine weltflüchtigen Romantiker jedoch erkennen in ihm den Funken Hoffnung, der uns alle zur Menschwerdung zurückführt, uns loslassen lässt von den vernunftdiktierten Praktiken und Ansichten dieser Tage.
Was aber wären diese Romantiker gäbe es nicht jemanden, der sie beieinander hält und ihnen vermittelt, dass man nicht nur von Luft und Liebe leben kann? Oder von der Beobachtung von schlafenden Menschen? Diese Welt braucht Pragmatismus und Vernunft, denn sonst würde sie in dem heillosen Chaos aus Emotionen und Ungezügeltheit auseinander brechen. Gäbe es nicht diejenigen Romantiker, die besser Idealisten genannt werden, weil sie sich dem Ideal der Rationalität verschrieben haben, so würde das Gleichgewicht der Menschen durch diese naiven Kinder, die nichts anderes wollen als glücklich zu werden, längst zerstört worden sein.
Ich ernte mit dieser Ansicht übrigens genauso viel Unverständnis und Ablehnung wie die Romantiker sie ihrerseits erhalten. Ich, im Gegensatz zu ihnen jedoch, leide deswegen nicht am Weltschmerz und versuche hinter Schatten höhere Zeichen zu entdecken. Ich drehe mich einfach um und mache weiter mit dem, was ich zuvor getan habe. Würde ich aufgeben, dann würde die Welt um mich herum zerfallen.
Das ist die Quintessenz meiner Romantik.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 14.01.2007, 18:09
Kapitel 1: Freundschaften
Andrew Simmons glitt schweigend neben seinem Freund Frederick her, der mit dem geübten Gang eines Menschen, der sich viel unter anderen Menschen bewegte den Bürgersteig hinab schritt und erst langsamer wurde, als sie die Flut von flanierenden Damen und mehr oder minder untätigen Herren hinter sich gelassen hatten.
Frederick war nicht besonders groß, aber schlank und wirkte daher höher gewachsen als er war. Sein schwarzer Anzug entsprach genau der Mode des Frühjahrs, doch schien er gleichzeitig bereits ein bisschen veraltet. Das asketische Gesicht des Mannes war blass, was man als vornehm hätte bezeichnen können, doch die dunklen, nahezu pupillenlos erscheinenden Augen in ihm erzählten eine andere Geschichte, die vielmehr etwas mit dem Genuss von ausländischer Medizin zu tun hatte. Der penibel geschnittene Kinn- und Schnurbart komplettierten gemeinsam mit dem dichten, locker fallenden Haaren das Bild eines englischen Gentlemans.
„Wie geht es voran?“ fragte Andrew und musste nicht erwähnen, worauf er genau anspielte.
„Der Fall ist geklärt. Verzweiflungstat.“ Entgegnete Frederick ruhig und wie immer schwangen ein bisschen Verwunderung und ein bisschen Resignation in seiner Stimme mit.
„Verzweiflungstat?“ hakte Andrew vorsichtig nach, während sein Spazierstock einen unpassenden Klacklaut von sich gab, als er auf harten Stein traf.
Frederick warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Andrew nahm das Zögern seines Freundes wohl wahr, hatte aber nicht vor, es ihm leichter zu machen. Man konnte immerhin nur dann mit einem Problem umgehen, wenn man es erscheinen ließ.
„Die Frau des Mannes hatte die Schwindsucht. Nachdem er feststellen musste, dass das Opfer, welches er des Geldes wegen ermordet hatte, nichts bei sich trug, entschloss er zuerst seiner kranken Frau und dann sich selbst ein schnelles Ende zu bereiten.“
Andrew zog die Augenbrauen hoch, schwieg einen Moment und fragte dann: „Das weißt du woher? Ich meine… wie kannst du die Tat rekonstruieren, wenn der angebliche Mörder tot ist?“
„Genau das ist die Kunst des Polizisten, Andrew. Es ist der Unterschied, wieso ich Kriminalist bin und du es nicht bist. Es ist ein Handwerk. Ich habe es studiert.“
„Du kannst aus Fakten eine Geschichte rekonstruieren?“
„So… kann man es auch betrachten, ja.“
Frederick öffnete die Tür zu einem kleinen, aber nicht heruntergekommenen Teesalon und ließ Andrew vor sich eintreten.
Der Raum empfing sie mit einem burgundroten Teppich und dunkelgrünen, etwas wuchtigen Möbeln. Wie es dem Geschmack der Gesellschaft entsprach waren sie reich verziert, aus Ebenholz gefertigt und mit goldenen Stickereien angetan. Andrew konnte Fredericks Blick mit der gewohnten leichten Verwunderung und Trauer über das Interieur gleiten sehen und fragte sich wie so oft, was in den Gedanken seines verschlossenen Freundes wohl vorgehen mochte.
Sie wählten ein kleines Sitzensensemble in der Nähe des Kamins, der selbstverständlich nicht angezündet war an diesem klaren Frühlingstag und Andrew legte Hut, Mantel und Stock ab. Zum Vorschein kamen für einen Mann recht weiche Züge, blaugrüne, glitzernde und sehr wache Augen, sowie ehemals blondes Haar, welches langsam dunkler und dunkler wurde und von einem Samtband zusammengenommen wurde, so dass das Gesicht strenger wirkte als es war. Wenn man Andrew Simmons ansah, konnte man schnell einen falschen Eindruck von ihm gewinnen. Er wirkte in sich gekehrt, ruhig und verletzlich. Tatsächlich jedoch verbarg sich hinter den hellen Augen und dem empfindsamen Mund ein höchst kritischer und skeptischer Geist, den anzugreifen sehr schwer war.
Frederick sah auf, als neben ihnen ein filigranes Tablett aus Silber abgestellt wurde, auf welchem zwei Porzellantassen standen, aus denen Dampf aufstieg. Nachdenklich ergriff der Mann den zierlichen Löffel und rührte zweimal in der heißen Flüssigkeit, bevor er aufsah und die dunklen Augen Andrew fixierten, der nicht unter dem Blick zurückwich.
„Wie geht es Lisa?“ Obwohl die Frage nicht ernster oder intensiver gestellt war, als alles andere, das Frederick heute gesagt hatte, konnte Andrew, der ihn kannte, erkennen wie viel ihm die Antwort bedeutete. Nun ergriff er seinerseits den Löffel und senkte den Blick auf den Tee, der ihm mit wohliger Wärme Linderung versprach. Die dunklen Wimpern legten sich vorsichtig über die hellen Augen und verdeckten was in ihnen vielleicht zu finden gewesen wäre, bevor sich Andrew wieder zusammennahm und die weichen Züge mit der Schicht des ernsten und beherrschten Gemüts überzog, welches er sein eigen nannte.
„Es hat sich nichts geändert, Frederick, und wenn ich es richtig verstanden habe, wird sich auch nichts mehr verändern. Nicht zum Guten hin.“
Der Kriminalist lehnte sich langsam zurück und sah seinen Freund nachdenklich an, während sich die weißen, schlanken Hände falteten und er die Ellenbogen auf den Sessellehnen abstützte. Wie immer verrieten Fredericks Züge nur sehr wenig von dem, was er dachte. Andrew hatte diese Diskrepanz zwischen der Verletzlichkeit des anderen und seine Abgeklärtheit nie verstehen können, obwohl er sich bemüht hatte.
„Was bedeutet das, Andrew?“ fragte der Mann langsam nach und erneut fiel die Nüchternheit seines Tonfalls auf. Andrew schwieg einen Moment und sah zurück auf seinen Tee, der in der Bewegung, zu der er ihn gezwungen hatte, innegehalten hatte. Noch immer dampfte er und lockte ihn sich ebenfalls zurückzulehnen und das Gespräch kurz und bündig zu beenden. Er wusste, dass er das konnte und Frederick ihn gewähren lassen würde.
„Das heißt, dass wenn ich keine Lösung finden werde, sie stirbt.“ Entgegnete er schließlich leise und eine Spur Gram war aus seiner Stimme zu entnehmen. Frederick rührte sich nicht und setzte auch nicht dazu an etwas zu sagen, was Andrew dazu veranlasste seinen Freund anzusehen. Wie immer, das hätte er sich denken können, fand er alles, was er finden musste in den dunklen Augen, die ihn mitfühlend ansahen.
„Eine Lösung, Andrew?“ fragte Frederick schließlich sanft. Die Teetassen waren vergessen.
„Ich bin Forscher.“ Erwiderte der Mann. „Mediziner, Alchemist, wie auch immer du mich schimpfen willst. Wenn ich keine Lösung finde, gibt es keine!“
Frederick senkte langsam die Lider und schien sich zu sammeln, bevor er wieder aufsah. „Hast du schon einmal in Betracht gezogen, dass Wissenschaft und Fortschritt etwas mit Zeit zu tun haben?“
Jetzt lehnte sich Andrew doch zurück, tat dies aber nur um seinen Freund besser fixieren zu können. „Was willst du damit sagen?“
„Das, was du weißt, ist nicht das, was noch sein kann, Andrew. Du kannst nicht in die Zukunft blicken. Vielleicht gibt es die Lösung, von der du sprichst, doch vielleicht gibt es sie noch nicht jetzt.“
„Du bist kein Forscher, Frederick. Du bist ein Geschichtenerzähler. Wäre es anders würdest du wissen, dass wenn man die Grundlagen kennt, man aus ihnen alles konstruieren kann, was nötig ist.“
„Was ist, wenn sich die Grundlagen erweitern, Andrew?“ fragte Frederick, der sanft über den Spott hinweg sah, den ihn sein Freund angedeihen ließ.
„Grundlagen heißen deswegen Grundlagen, weil sie zugrunde liegen, Frederick. Würde ich sie nicht kennen, könnte ich überhaupt nicht konstruieren.“
„Was ist mit den Bereichen, die wir uns nicht vorstellen können? Was geschieht, wenn sich plötzlich Grundlagen ergeben, die das gesamte Weltbild ändern? So etwas hat es gegeben.“
„Das war vor langer Zeit, mein Freund. Wir wissen, was es zu wissen gibt. Ich weiß, was es zu wissen gibt im Bereich der Medizin.“
„So… was ist dann die Grundlage der Krankheit deiner Frau?“ fragte Frederick, dessen Verstand das Problem wie jedes einzelne seiner Schwierigkeiten anging.
„Sie…“ setzte Andrew an und wurde dann seltsam still. „Ist so zerbrechlich… so blass. Kein Leben scheint mehr in ihren Zügen zu sein. Es… fließt einfach… davon.“
Die hellen Augen richteten sich wieder auf Frederick und erst als der das Glitzern im Blick des anderen sah, wurde ihm klar, was er gesagt hatte, brach den Kontakt ab und fuhr mit seinen Händen über die weiße Serviette, die auf seinen Beinen lag.
„Es könnte ein Mangel sein. Vielleicht hat… der Körper damit aufgehört ein bestimmtes Hormon zu produzieren. So etwas herauszufinden dauert lange… Aber ich bin mir sicher, dass es etwas derartiges sein muss. Auf jeden Fall sind keine Geräusche in der Lunge zu hören…“ erklärte Andrew und gewann langsam seine Überzeugung zurück, versuchte die Verzweiflung aus seiner Stimme zu verbannen und griff nach seiner Teetasse.
„Die Schwindsucht,“ Frederick führte das Wort zum zweiten Mal im Mund. „Tritt normalerweise auch unter anderen Lebensumständen auf. Ich sehe diese Kranken recht oft.“
Andrew nickte langsam und sein Geist fand zurück in die Bahnen, die er gewohnt war.
„Ja“, erwiderte er. „Es hat viel mit den Lebensumständen der einzelnen zu tun. Nahrung. Unterbringung und körperlicher Kontakt.“
„Sind deswegen in erster Linie Prostituierte betroffen?“
„Prostituierte und Menschen aus armen Verhältnissen.“
Frederick nickte, sagte jedoch nichts.
Schweigend sah Andrew in Richtung des Fensters, das mit Spitzengardine angetan war und beobachtete die vorbeiziehenden Menschen. Selbstverständlich konnte man von hier aus nicht die rauchenden Schornsteine der hässlichen und gesundheitsschädigenden Fabriken sehen, die London langsam aber sicher in einen dunklen Moloch verwandelten.
Die Wege der beiden Männer trennten sich vor dem Salon. Während der eine nach Hause zurückkehren würde, würde der andere sich mit der wirklich dunklen Seite der Welt auseinandersetzen. Während Andrew Frederick nachsah, schüttelte er sanft den Kopf. Man nannte ihn fantasielos. Diejenigen, die es taten, sollten einmal in die Augen seines Freundes sehen. Sie empfanden noch immer, doch sie konnten schon lange nichts mehr sehen, das nicht auch wirklich da war. Dass das jedoch vieles einschloss, was andere niemals sehen würden oder sehen wollen würden, vergaß man zu oft.
Andrew wandte sich ab und schritt den Bürgersteig entlang, winkte schließlich einem Kutscher und ließ sich zu seinem vornehmen Herrenhaus in der Victoria Street bringen, wo man ihn erwartete.
Langsam stieg Andrew die Treppe hoch und nahm währenddessen seinen Zylinder vom Kopf. Gedankenverloren legte er ihn auf dem kleinen Ziertischchen ab, welches in dem Flur stand, den er Tag um Tag betrat und verließ.
Vorsichtig legte sich seine Hand auf den vergoldeten Türgriff und leise schob er die Tür auf, um in den Raum zu treten, der seine Aufmerksamkeit sofort mit dem großen Bett auf sich zog. Andrew lehnte den Stock gegen die Wand und schloss dann sorgfältig wieder die Türe hinter sich, bevor er einen Augenblick innehielt und zu dem Gebilde aus Seide und Samt sah, welches das Zimmer beherrschte.
Er schritt zu dem Bett und lächelte sanft, als sein Blick endlich auf die entspannten Züge seiner schlafenden Frau fallen konnte. Ihr lockiges, blondes Haar umrahmte das ovale Gesicht und ließ es lebendiger wirken, als seine porzellanartige Blässe erlaubte. Er setzte sich schweigend auf den Stuhl, welcher genauso dort stand, wie er ihn verlassen hatte und streckte eine Hand aus, um Lisa vorsichtig über die Wange zu streichen.
„Ich weiß nicht, ob du mich in dieser Stille hören kannst, Lisa.“ Sagte er leise wie so oft zuvor. „Aber ich bin hier und ich werde bleiben.“
Es gab so vieles, was er ihr sagen und versprechen wollte, doch seine Trauer lähmte ihn und so blieb es meistens bei diesen wenigen Worten.
„Ich… ich wünschte ich wüsste, was es ist, das mehr Macht über uns besitzt, als wir selbst. Du weißt, dass ich mich schwer mit solchen Aussagen tue, aber ganz abstreiten kann ich es wohl nicht… nicht, wenn du so vor mir liegst und ich nicht weiß, was ich tun soll, um dir zu helfen. Gibt es wirklich Dinge, die wir Menschen nicht ändern können mit allem, was wir besitzen? Verstand? Gefühle? Die Fähigkeit zu handeln? Ich vermag es nicht zu glauben, Lisa und doch… zeigst du mir jeden Tag, dass ich mich irre.“
Andrew ergriff ihre Hand und hauchte vorsichtig einen Kuss auf die kalten Finger.
„Es ist mein Vertrauen, Liebste. Es lässt mich dich immer wieder herausfordern, auch wenn ich mir wünschte es nicht zu müssen. Ich spüre… ich weiß, dass ich mich einfach nicht irren darf! Würde ich es tun, hieße das dich aufzugeben und das kann ich nicht.“
Andrew lief eine einzelne Träne aus den schönen Augen und er wiederholte flüsternd: „Das kann ich nicht.“
Er erhob sich und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Lisa hatte sich nicht geregt und nicht einmal bemerkt, dass er da gewesen war.
„Schlaf gut, Liebste.“ Sagte Andrew leise, lächelte kurz versunken und verließ dann den Raum, nicht ohne sich noch einmal nach ihr umgedreht zu haben, bevor er die Tür schloss und alleine in den Salon ging.
Lost in the darkness,
Silence surrounds you.
Once there was morning,
Now endless night.
If I could reach you,
I'd guide you and teach you
To walk from the darkness
Back into the light.
Deep in your silence,
Please try to hear me:
I'll keep you near me
Till night passes by.
I will find the answer.
I'll never desert you-
I promise you this-
Till the day that I die...
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 14.01.2007, 18:11
Kapitel 2: Dämonen
Andrew schritt die Treppe hinab und in den kleinen Salon hinein. Sein Blick glitt über die bescheidene aber geschmackvolle Einrichtung in dem Raum und er spürte einen alt bekannten Schmerz die Kontrolle übernehmen. Für ihn, der alles und vor allem sich immer in der Gewalt hatte, kam das einem Aufgeben gleich. Dennoch gab Andrew dem gefährlichen Brennen in sich nach und in einer einzigen, herrischen Bewegung fegte seine Hand den Kaminsims leer.
„Soll da wirklich nichts sein, das ich tun kann?“ rief er wütend und seine Finger gruben sich in sein dichtes Haar, als er vor Verzweiflung den Kopf in den Händen barg.
Er wollte den Schmerz hinausschreien, wollte sich das Herz aus der Brust reißen und hatte das Gefühl den Verstand zu verlieren. Die Welt um ihn herum verlor an Konturen, als ihm Tränen in die Augen stiegen und seine Sicht verschleierten. Andrew glaubte von seinem eigenen Irrsinn davon getragen zu werden und ziellos stolperte der Hausherr durch den kleinen Raum, riss die Tür auf und starrte eine der jungen Bediensteten mit blutunterlaufenen Augen an. Er musste für sie wie ein Dämon erscheinen und entsetzt wich sie zurück. Andrew durchbohrte sie mit kalten Blicken und fegte dann wortlos an ihr vorbei in das große, helle Foyer.
In seiner Wut ergriff er eine Vase und ließ sie scheppernd auf den sauberen Fliesen zerbersten, bevor er sich wortlos umdrehte und verfolgt von etwas, das er selbst nicht benennen konnte in Richtung Keller floh.
Seine glänzenden Schuhe berührten die weniger bearbeiteten Stufen aus Stein kaum. Andrew selbst schenkte ihnen keine Beachtung. Seine Hand glitt zitternd in die Innentasche seines Gehrocks und er zog einen altertümlich aussehenden Schlüssel hervor.
Es kostete ihn einige Sekunden den Schüssel in das Loch zu bekommen, doch schließlich drehte er ihn ruckartig herum und trat in sein Labor ein. Seine hellen Augen flogen über all die Reagenzgläser und Phiolen, die Bücher in den Regalen und seinen eigenen Aufzeichnungen.
Sein Kopf ruckte nach rechts, als er ein Knacken hörte, doch es war nur ein Holzscheit, der in der schwelenden Glut zerbrochen war.
„Was soll ich tun?“ schrie der junge Mann und glitt um den wuchtigen Tisch herum, der den Raum beherrschte. Seine Augen hefteten sich auf all seine Gerätschaften und mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde ihm schmerzlicher bewusst, dass er keine Ahnung hatte, was er tun sollte. Er wusste nichts!
Mit einem unartikulierten Schmerzensschrei schleuderte Andrew seine Glasphiolen zu Boden und blickte dann schwer atmend auf das Chaos, welches er angerichtet hatte. Die Flüssigkeiten zischten und vermischten sich miteinander. Die Scherben schienen ihn im Dämmerlicht mit ihrem Glitzern verspotten zu wollen.
Andrew spürte seinen Atem ein- und ausgleiten und fühlte die Tränen, welche seine Wangen hinab liefen. Sein Blick richtete sich auf die nahezu heruntergebrannte Kohle im Kamin und mit langsamen, schleppenden Bewegungen schritt er darauf zu. Seine Züge waren nichts anderes als kummervoll zu nennen. Seine linke Hand legte sich gedankenverloren gegen den kalten Stein und stützte ihren Besitzer, der den Kopf sinken ließ und die Augen schloss. Nachdem ihn die Hitze der Wut verlassen hatte, blieb Andrew nichts mehr als die Einsamkeit. Er hatte immer gewusst, dass Zorn ein heimtückischer Begleiter war, doch selten nur hatte er das so deutlich gespürt wie jetzt, während er alleine in seinem kalten Labor stand und selbst vernichtet hatte, was er seine letzte Hoffnung nannte. Andrew wusste, dass es eine Lüge gewesen und er im Grunde gar nichts erreicht hatte, dennoch hatte er geglaubt, dass allein diese Lüge reichen würde ihn weitermachen zu lassen, bis er Wahrheit finden würde. Er hatte sich geirrt.
Langsam hoben sich die Lider seiner Augen wieder und der schwache Schein des ersterbenden Feuers fing sich in den winzigen Seen aus Grün und Blau.
„Soll ich mich wirklich geschlagen geben? Einfach so?“ flüsterte er leise und sah fragend zu dem verkohlten Holz. „Ich habe alles ausprobiert. Alles. Wie soll ich etwas vollbringen, von dem ich nicht weiß, dass es möglich ist? Wie soll ich…“
Andrew brach ab und schüttelte langsam den Kopf. Er stieß sich von der Wand ab und drehte sich zu dem Arbeitstisch um. Still begann er damit die Scherben, für die er selbst verantwortlich war, zusammenzusuchen.
Ihr langes Kleid raschelte, als Lara die Treppe hinunter stieg. Sie durchschritt leise den Flur und legte eine ihrer schlanken, weißen Hände neben die Tür, welche einen Spalt breit offen stand. Ihr Blick fiel auf Frederick Resnick, der schweigend auf dem Sofa saß und ihr daher den Rücken zugewandt hatte.
Sie kannte jede Kleinigkeit an ihm, hatte jedes Detail schweigend und geduldig studiert, um ihn verstehen zu können und verstand ihn nun ohne dass er zu sprechen brauchte. Das schwindende Tageslicht legte dunkle Schatten auf sein Haar. Er hatte das Feuer im Kamin nicht angefacht.
Lara öffnete die Tür ein wenig mehr, so dass sie ohne Probleme eintreten konnte. Der weiche Stoff ihres hellgrünen Kleides strich sacht über den Boden, während sie sich auf ihren Mann zu bewegte und um das Sofa herumlief, um sich neben ihm niederzulassen. Ihre Hand glitt flüchtig aber liebevoll über seinen Rücken, bevor er einen Arm um sie legte und die junge Frau an sich zog.
Ihre Geschichte war eine seltsame und ein derartig offenes Geständnis der Zuneigung in England sehr ungewöhnlich. Lara jedoch schloss einfach die Augen und spürte die Wärme, welche von ihm ausging und seine Kleidung durchdrang. Sie hatte aufgehört darüber nachzudenken oder sich über die Blicke anderer zu erzürnen. Frederick hatte sich für sie entschieden und dabei alles in Kauf genommen, was er musste. Das war, was zählte. Lara brauchte nicht mehr als die Gewissheit, dass er sie liebte und sie spürte, dass er es tat.
„Herr?“ fragte eine leise Stimme und Lara sah auf.
Roger versuchte krampfhaft sich sein Unwohlsein nicht anmerken zu lassen, doch Lara konnte sehen wie unangenehm ihm die Zurschaustellung derartiger Gefühle war.
„Was gibt es?“ fragte Frederick nur ruhig und fixierte seinen Bediensteten mit den eindrucksvollen, dunklen Augen.
„Inspektor Valentine ist hier und wünscht Sie zu sprechen, Sir.“
Lara folgte der winzigen Bewegung von Fredericks Augenbrauen, die seine Verwirrung verriet, ließ ihn dann los und lächelte kurz, als er ihr einen Kuss auf das streng frisierte Haar hauchte. Ihr Mann folgte dem Bediensteten in Richtung des kleinen Empfangszimmers, Lara wartete einige Sekunden und schlich ihnen dann nach.
„Inspektor Resnick… Frederick.“ Hörte sie die tiefe Stimme des Kriminalisten auf der anderen Seite der Tür. Lara wandte sich schnell ab und tat so, als ob sie die Bibliothek aufsuchen wollte, die den Flur runter lag, als Roger aus dem Raum wieder hinaustrat, ignorierte ihn und seine spitzen Blicke gekonnt und wandte sich dann wieder dem kleinen Salon zu.
„Du bist Butler… aber ich habe meine eigenen Stärken, Roger.“ Wisperte sie, während sie seinen Schatten beobachtete, der langsam in dem Gang verschwand.
Es hatte eine Weile gedauert, bis Lara begriffen hatte, dass der Butler tatsächlich seine Augen und Ohren überall zu haben schien und sie hatte es sich schließlich zu einem Spiel gemacht ihn in dieser Disziplin zu übertreffen. Ihre Vorgeschichte lieferte ihr alle Talente, die sie dazu brauchte und Lara wartete nur begierig auf den Tag, an dem auch Frederick erkennen würde, dass sie nicht nur seine große Liebe, sondern auch überaus nützlich war. Eine Frau wie sie, die sich durch eine sinnliche Schönheit und ein hohes Maß an List auszeichnete, konnte an Geheimnisse und Informationen gelangen, die Männern immer verborgen bleiben würden. Lara dachte, wenn sie solche Gedanken hegte, keinesfalls an direkt unsittliche Methoden Wissen zu bekommen. Ihre Stärke aber lag darin sich in oberflächlicher Konversation zu verlieren, eine Prise Exotik hinzuzumischen und ihre Opfer langsam aber sicher einzuwickeln. Frederick, der sich durch Sarkasmus und Wortkargheit auszeichnete, kam nicht in den Sinn welchen Gewinn ein paar soziale Kontakte bringen konnten.
Jetzt jedoch war Lara einfach nur neugierig. Ebenso wie ihr Mann fragte sie sich, was seinen Arbeitskollegen dazu bewogen haben konnte, hierher zu kommen, denn das entsprach keinesfalls der Norm.
Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln kehrte Stille in den kleinen Raum ein und Lara biss sich auf die roten Lippen. Es musste etwas wirklich schwerwiegendes sein, das Inspektor Valentine zu sagen hatte, denn der Mann war normalerweise nicht für seine Zimperlichkeit bekannt.
Lara konnte ein dumpfes Geräusch von drinnen vernehmen und sie runzelte die Stirn. Es hatte so geklungen, als ob jemand einen schweren Gegenstand auf den Fußboden hatte fallen lassen. Die neugierige junge Frau hätte ihre linke Hand dafür gegeben in den Raum sehen zu können, doch das war selbstverständlich unmöglich.
„Frederick… kannst du mir sagen, was das ist?“ fragte Valentine leise, weswegen Lara große Probleme hatte ihn deutlich zu verstehen.
„Ich würde sagen… es ist eine Fledermaus.“ Entgegnete ihr Mann pragmatisch.
„Das sehe ich selbst! Aber hast du ihre Größe bemerkt?“
„Ich kam nicht umhin es zu tun.“
Lara runzelte die glatte Stirn. Sprachen die beiden Männer da drin wirklich über eine Fledermaus? Und hatte Valentine womöglich eine mitgebracht? Weshalb?
„Wieso kommst du mit so etwas zu mir?“ fragte nun auch ihr Mann und Lara konnte das leise Klirren von Silber auf Porzellan hören. Sie musste ein Grinsen unterdrücken, als sie sich vorstellte, wie Frederick seelenruhig zu einer Teetasse griff und trank, während der Inspektor vor ihm sich aller Wahrscheinlichkeit über einen großen Fledermauskadaver beugte.
„Ich weiß, dass… du… na … ja…“
„Ja?“ hakte Frederick seelenruhig nach und Lara konnte sich bildlich vorstellen wie die dunklen Augen den anderen fixieren und so lange schauen würden, bis Valentine sich traute zu sagen, was er sagen wollte.
„Ich weiß, dass du… deine Quellen für außergewöhnliche Dinge hast.“
„Weißt du das.“ Entgegnete Resnick ungerührt und seine Frau wusste, dass er stoisch weiter den Löffel in seinem Tee bewegen würde.
„Dein Befehl lautet dich um diese… Angelegenheit zu kümmern.“ Fasste sich Valentine kurz. „Mir ist es gleich, wie du das tust. Nur finde eine Erklärung dafür.“
„Wie soll diese Erklärung denn beschaffen sein, mein Freund? Einfach und bequem?“
„Sie soll das sein, was du als Wahrheit anerkennst.“ Erwiderte Valentine ruhig und Lara konnte sich Schritte nähern hören.
Schnell huschte die junge Frau in eine der Nischen des ausladenden Flurs und wartete darauf, dass Valentine erscheinen würde.
„Ich finde den Weg alleine, Frederick. Danke.“ Sagte er und die Tür öffnete sich. Ein massiger Mann mit fliehendem dunklen Haaransatz und einem Schnäuzer trat auf den Flur heraus. Er hatte seinen grauen Mantel über den linken Arm geworfen und war in einen braunen Anzug gekleidet. Er schaute nicht einmal ansatzweise in ihre Richtung, wünschte ihrem Mann noch eine gute Nacht und schritt dann zielstrebig den Gang entlang.
Lara wartete bis er außer Sichtweite war und trat dann in das Empfangszimmer ein.
Ihr Mann kniete neben einem großen, unförmigen Ding, doch bevor sie genauer hinsehen konnte, hatte er ein Tuch darüber gebreitet und richtete sich wieder auf.
Seine dunklen Augen zogen ihre blauen von dem Etwas weg und er sah sie eindringlich an. Sie beide wussten, dass der andere Bescheid wusste.
„Ich werde mich zu Richard aufmachen.“ Sagte er nur und Lara nickte langsam. Wenn jemand sich mit derlei Mysterien auskannte, dann Richard Concord.
Mit einiger Mühe ergriff er das unförmige Bündel, warf Lara einen letzten Blick zu und schritt dann an ihr vorbei in Richtung Hauseingang.
Die junge Frau lächelte liebevoll. „Für eine oder zwei Stunden kannst du mir noch weglaufen, aber danach werde ich dich ins Verhör nehmen, mein Lieber. Ich will wissen, was hier vorgeht!“
Mit diesen Worten wandte sie sich ab und schritt lächelnd in Richtung der Bibliothek davon.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 14.01.2007, 18:14
Kapitel 3: Der Magier
Das alte viktorianische Herrenhaus ruhte auf einer kleinen Anhöhe außerhalb von London und schien allein durch sein Äußeres etwaige Besucher abschrecken zu wollen.
Fredericks dunkle Augen blickten zu dem Gebäude, während sein Kutscher abstieg und das große Eisentor unter nicht wenig Mühen aufschob. Das Quietschen der rostigen Angeln klang wie der Schrei einer verfluchten Seele in der ansonsten stillen Nacht. Langsam setzte sich die Kutsche wieder in Bewegung und Frederick ignorierte die knorrigen Äste der verdorrten Bäume, welche nach ihnen zu greifen schienen.
Sein Blick richtete sich wieder auf das große Gebäude. Im oberen Stockwerk konnte er eine der dunkelroten Gardinen einem blutigen Auge gleich schimmern sehen, was bedeutete, dass Licht in dem Raum entzündet war.
Er wusste, dass dieser Anblick in erster Linie erschrecken sollte, doch für ihn selbst bedeutete er weit mehr. Er war die Einsamkeit, die neben der dunklen Atmosphäre die Angst vor Richard Concord schürte. Es waren nicht nur seine viel zu hellen grünen Augen, die farblos wie das Meer erschienen, in welches ein winziger Tropfen Farbe gefallen zu sein schien und die braunen Haare, welche im Kerzenlicht den Ton von frischem Blut annahmen, sondern es war vor allem seine Einsamkeit, die ihn gefährlich machte.
Frederick erhob sich und stieg langsam aus der Kutsche in die recht schneidende Kälte der Nacht hinaus. Sein Kutscher sah immer wieder nervös zu dem erleuchteten Fenster und kauerte sich schließlich in seinem dunklen Mantel zusammen.
Frederick runzelte kurz die Stirn und schritt dann die drei flachen Stufen aus schwarzem Stein hinauf, grüßte die in die Säulen eingearbeiteten Gesichter mit einem Nicken und zog schließlich an dem Seil, welches tief im Haus einen dunklen, dumpfen Ton verursachte.
Die Tür schwang lautlos auf und Frederick kniff die Augen ein wenig zusammen, als er dahinter zwar von gedämpften, aber immer noch Licht geblendet wurde.
Hoch gewachsen ragte vor ihm der Hausherr selbst auf. Seine hellen Augen sahen ihn an und um seinen Mund lag ein spöttischer Zug. Die attraktiven Gesichtszüge wirkten ansonsten unbewegt. Das dichte Haar fiel ihm auf die Schultern, war aber zurückgenommen, so dass die Gefahr ein winziges Bisschen von diesem kalten Kunstwerk zu verdecken nicht gegeben war.
Richard trug schwarz. Sein Gehrock war ein wenig länger geschnitten und entsprach damit den Vorstellungen, nach denen schlanke und große Männer so etwas tragen konnten. Was allerdings nicht den Vorstellungen entsprach, waren die winzigen Drudenfüße, die an den Ärmeln eingelassen waren.
„Inspektor.“ Sagte er und seine wohlklingende Stimme rief beunruhigenderweise kein Echo in dem Foyer hervor. „Gekommen, um mich zu verhaften?“
Der spöttische Zug um den Mund herum verwandelte sich in ein blasses Lächeln, doch die beängstigenden Augen blieben ernst.
„Wollte ich dich verhaften, würde ich dich stattdessen töten. Will man dich loswerden, sind Gefängnisse nur vergebene Liebesmüh.“ Entgegnete Frederick trocken und ignorierte das Lächeln.
Ungebeten trat er ein und hörte wie hinter sich die Tür schwer ins Schloss fiel.
„Wo du dann jetzt schon einmal hier bist und mich offensichtlich nicht töten willst, willst du mir nicht sagen, weshalb dann?“ fragte Richard ruhig und glitt ohne einen Laut zu verursachen an Frederick vorbei, um in den dunklen Flur zu schreiten, der links an der Treppe, welche zum Obergeschoss führte, vorbeiging. Schweigend folgte der Inspektor ihm. Sein Blick hatte sich längst an das dunkle Holz mit den dämonisch wirkenden Schnitzereien gewöhnt. Auch die schweren dunklen Samtvorhänge beunruhigten ihn nicht mehr. Dafür kannte er Richard zu lange.
Der Mann führte ihn in einen kleinen Salon, machte eine herablassende Handbewegung, nach der Frederick sich setzen durfte und schritt zu einem kleinen Servicewagen. Ohne zu fragen, was sein Gast trinken wollte, schenkte er ihm ein Glas voll dunkler Flüssigkeit und reichte sie ihm.
Fredericks schlanke Hand ergriff es, nur um es gleich neben sich auf den Beistelltisch zu stellen.
„Ah,“ machte Richard und fixierte den Inspektor. „Also doch etwas Ernsteres. Dann spare ich mir die Höflichkeiten und frage nicht nach deinem Befinden und dem deiner… Frau oder Andrew?“
Fredericks Augen glitzerten eigentümlich, während er zu dem anderen aufsah und dessen Spott bemerkte. Resnick war zu abgeklärt und kannte Richard zu lange, um wütend zu werden, doch er konnte sich gut vorstellen, weshalb es in der Anwesenheit des Mannes oft zu unkontrollierten Wutausbrüchen kam.
„Meiner Frau und mir geht es ausgezeichnet, danke. Andrew… nun ja. Es geht ihm unverändert.“
Richard fixierte Frederick über den Rand seines Glases hinweg, während er an der Flüssigkeit nippte und wandte sich dann ab, um dem Mann gegenüber Platz zu nehmen.
„Was treibt dich in meine Arme?“ fragte er und ließ seine Hände auf die Lehnen des Sessels sinken. Seine linke Hand hielt das Glas umfasst und schwenkte die Flüssigkeit gedankenverloren darin, so dass die Flammen des Kamins nicht nur seine Haare in ein Meer aus Blut verwandeln konnten.
„Das da.“ Entgegnete Frederick, beugte sich vor, ließ sein Bündel zu Boden gleiten und öffnete es.
Der Inspektor lehnte sich zurück und studierte nun seinerseits jede einzelne Bewegung seines Gegenübers.
Richard stellte das Glas ab und erhob sich. Seine grünen Augen hatten in Sekundenschnelle jede Kleinigkeit erfasst, die es auf den ersten Blick zu sehen gab und er hob den Kopf wieder.
„Ziemlich groß. Wo hast du das da her?“
„Ein Arbeitskollege brachte es mir. Ich gehe davon aus, dass er es in seinem Bezirk gefunden hat.“
Richard zog abfällig eine Augenbraue hoch. „Du glaubst, dass so etwas unbemerkt in London umherfliegen könnte?“
„Vielleicht kam es in die Stadt und starb.“
„Das klingt nach Prophezeiung und nicht nach Inspektor.“
Der grünäugige Mann umrundete den Kadaver und jede seiner Bewegung drückte aus, dass er sich in ein Raubtier zu verwandeln im Begriff war, welches jagen gehen wollte. Frederick nickte ungesehen. Der „Forscher“ würde nicht eher ruhen, bevor das Geheimnis gelüftet war.
„Brauchst du das noch? Unversehrt?“
„Fühl dich frei mit ihm zu tun, was immer du musst, damit du mir sagen kannst, wo es herkommt.“
Richard wandte sich ihm wieder zu und suchte den Blickkontakt. Es gab nicht viele Menschen, die dem stechenden Blick dieser dominanten Persönlichkeit standhalten konnten und einige abergläubische Menschen behaupteten sogar Richard könnte ihren Geist durch seinen Blick beeinflussen. Für ausgeschlossen hielt Frederick es nicht, aber wenn es so war, besaß Richard genügend Achtung es bei ihm nicht zu versuchen.
Er prüfte ihn und Frederick hielt dem Blick gelassen stand. Er wusste, dass Richard viel gefährlicher war als er selbst und seine Persönlichkeit komplexer war, als er jemals würde begreifen können, doch er selbst hatte in die Hölle geblickt und sie hatte keine grünen Augen gehabt.
„Ich werde dich wissen lassen, wenn es etwas zu wissen gibt.“ Teilte Richard ihm mit und der spöttische Zug war zurückgekehrt.
Frederick erhob sich und nickte abgehackt.
„Du findest alleine hinaus?“
„Wie sollte ich nicht, da jeder Normalsterbliche ohnehin immer das Bedürfnis hat vor dir zu fliehen? Wäre schade, wenn man das in die falsche Richtung tut, nicht wahr?“
Richard lachte leise. „Glaubst du, dass wenn DU vor MIR FLIEHEN würdest, ich dir eine Chance geben würde?“
„In meinem naiven, altruistischen Glauben an die Menschen tue ich das, ja.“
„Du glaubst nicht an die Menschen, Frederick. Schon lange nicht mehr.“
Die Worte des Mannes trafen ihn wie Peitschenhiebe und als das leise Lachen sich an seine Ohren schlich, fragte sich Frederick doch einen Moment lang, ob er nicht eventuell floh, während er sich beeilte das Haus wieder zu verlassen.
Als Frederick wieder in der Kutsche saß, schloss er kurz die Augen. Richard und er fochten seit Jahren einen bestehenden Kampf aus und die Tatsache, dass er nicht aufgab sich mit dieser Persönlichkeit zu beschäftigen, hatte ihm den Respekt des anderen eingebracht.
Er fuhr sich kurz über das Gesicht. Das Schwanken der Kutsche verursachte ihm Übelkeit. Frederick war oft und lange nachts unterwegs und es eigentlich gewohnt, doch so etwas mehrmals hintereinander machen zu müssen, bedeutete auch ihm keinen Spaß. Außerdem hatte er sich noch mit einem anderen Problem zu befassen, welches in erster Linie darin mündete dem Kutscher nicht zu befehlen in einen etwas herunter gekommenen Teil Londons zu fahren und dort abzusetzen. Er blickte auf seine Hände, die zu zittern begonnen hatten und spürte den dünnen Schweißfilm auf Stirn und Wangen. Schwindel erfasste ihn und erneut schloss der Mann seine dunklen Augen.
Die Abhängigkeit bestand viel zu lange, als dass er sich durch einfache Willensstärke daraus hätte schleichen können. Es bedurfte Willensstärke und Geduld.
Die Übelkeit nahm zu und schlug über ihm zusammen. Seine Umgebung begann zu verschwimmen und entzog sich ihm. Frederick konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal dermaßen stark unter seiner Abstinenz gelitten hatte. Sein Verstand versagte ihm den Dienst und allein die Vorstellung sich auf etwas konzentrieren zu müssen, erweckte in ihm den Wunsch sich augenblicklich zu erbrechen.
Der Inspektor stöhnte leise und sank in sich zusammen. Schweiß tropfte von seiner Stirn und verklebte sein Haar. Er hielt die Augen geschlossen und ließ zu, dass die Entzugserscheinungen ihn quälten. Er wusste, dass er nur gewinnen konnte, wenn er sich seinem Fehler stellte und die Bestrafung dafür trug. Frederick wunderte sich nur wenig über die Bilder, die an seinem inneren Auge vorbeizogen. Er hatte bereits viele von ihnen gesehen.
Seine dunklen Augen waren halb geöffnet und glitten über eine ihm fremde Landschaft hinweg. Nur wenig verwundert folgte er einem glitzernden Fluss, fand sich in tiefen, dunklen Wäldern wieder und hob den Blick, als ein Glitzern seine Aufmerksamkeit erregte.
Auf einer kleinen Anhöhe stand eine hoch gewachsene, schlanke Gestalt. Ihr blondes Haar war so hell, dass es beinahe silbern genannt werden musste und die Gesichtszüge waren fremdartig. Frederick versuchte zu begreifen, wie die mandelförmigen Augen mehr als ein Menschenleben an Erfahrungen in sich tragen konnten, versuchte zu verstehen, weshalb die Fremde ihn ganz offensichtlich sehen konnte und viel beunruhigender mit einem Bogen auf ihn zielte. Ein warmer Windhauch streifte seine Wange und spielte mit einer Strähne des langen Haares.
Plötzlich verwandelte sich seine Umgebung. Frederick spürte wie ein namenloses, kriechendes Grauen auf ihn zukam und das Licht um das fremde Wesen herum aufzusaugen begann. Er sah die Frau entsetzt zusammenfahren, sich umwenden und davon rennen, doch die Tentakeln der Schwärze wickelten sich um ihre Beine, rissen sie zu Boden und zerrten sie in Richtung eines alles vernichtenden Molochs, in welchem sie mit einem Schrei, der dennoch harmonischer klang, als alles, was Frederick jemals gehört hatte, verschwand.
Der Wald um ihn herum zerfiel, wurde zu einem Meer aus Schwarz und türmte sich rechts und links neben ihm auf, wölbte sich über seiner kleinen und zerbrechlichen Gestalt und stürzte schließlich auf ihn herunter.
Eine Hand strich ihm zärtlich über die Wange und damit die Tränen fort, die unter den geschlossenen Lidern hervorgequollen waren. Der dezente Duft eines frischen Parfüms drang an seine Nase und langsam öffnete er die Augen, um in dem Halbdunkel über sich verschwommen seine Frau zu erkennen, die sich gerade abgewandt hatte, um ein Tuch in eine Schüssel mit Wasser zu tauchen.
Lara lächelte, aber es war ein kummervolles Lächeln, während sie ihm über die blassen Züge fuhr.
„Soll ich nach Andrew schicken lassen?“ fragte sie leise, doch er schüttelte nur den Kopf und schloss erneut die Augen, während seine Hand sich um ihre schloss. Frederick ahnte, dass das, was er erlebt hatte, nicht nur Auswüchse seines eigenen Geistes gewesen waren, obwohl sie es sein sollten. Ihm fehlte im Moment die Kraft, um sich damit genauer zu befassen. Wenn man Andrew jedoch ohne Wissen und Gewissheit gegenüber trat, würde man seinen Standpunkt sofort verloren geben müssen. Er kannte den stillen, wissenden, aber doch abweisenden Blick seines Freundes, wenn er selbst etwas zu erklären versuchte, für das es keine Beweise gab. Andrew hörte immer zu, doch er weigerte sich zu verstehen.
Er spürte wie Lara neben ihm zum Liegen kam und ihre Arme vorsichtig um ihn legte. Ihre Nähe war ihm lieber als tausend Medikamente, die sein Freund ihm dalassen und von denen er wusste, dass sie nicht helfen würden.
Das einzige, was half, war Geduld.
Langsam glitt Frederick erneut hinüber in einen tiefen Schlaf, der ihm dieses Mal jedoch weder Wälder noch zerstörende Finsternis brachte.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:11
Kapitel 4: Getrennte Wege
„Du hattest Recht!“ sagte Andrew und seine Augen glitzerten wie sie es lange nicht mehr getan hatten. Frederick betrachtete seinen Freund mit einer Spur Verwunderung auf den Zügen, während er in dem Ohrensessel des kleinen Salons saß. Eigentlich hatte er seinem Freund von der seltsamen Entdeckung berichten wollen, doch Andrew hatte so überschwänglich gewirkt, dass er es für besser hielt, erst ihn reden zu lassen.
„Womit hatte ich Recht?“ fragte er, während er die Finger seiner Hände ineinander schob.
„Man muss weiter gehen! Man muss über die Grenzen des eigenen Könnens hinausblicken!“ erklärte Andrew und Frederick fühlte eine ungewisse Ahnung von sich Besitz ergreifen. Er sah das Glitzern in den Augen des anderen, erkannte aber auch die Ringe unter den Augen und die fahrigen Bewegungen seiner Hände.
„Andrew… was ich damit meinte ist, dass es Wissen gibt, das wir uns im Moment nicht einmal in unseren kühnsten Träumen vorstellen können.“
Der junge Mann nickte und lächelte kurz. „Exakt. Stellen wir uns das Unvorstellbare vor und machen es vorstellbar!“
Frederick runzelte die Stirn und schüttelte sacht den Kopf. Ganz offensichtlich konnte Andrew ihn tatsächlich nicht verstehen. Ihm fehlte es jedoch an Kraft und Geduld sich jetzt mit ihm auf eine Diskussion einzulassen.
In die Augen des anderen schlich sich eine Spur von Besorgnis.
„Was ist los mit dir?“ fragte er und hielt in seinen Bewegungen inne, gesellte sich zu Frederick, indem er auf dem zweiten, leeren Sessel Platz nahm. „Du siehst nicht gut aus.“
„Deswegen bin ich nicht hier.“ Entgegnete Frederick schneidender als er es beabsichtig hatte und Andrew lehnte sich mit vorsichtigen Bewegungen zurück.
„Gestern Abend wurde etwas gefunden… eine Fledermaus.“
Andrew zog die Augenbrauen hoch.
„Sie war immens groß.“ Fuhr Frederick fort. „Ich habe so etwas noch nie gesehen, Andrew. Ich hielt es für angebracht, diesen Fund sofort an Richard weiterzugeben.“
Der Wissenschaftler lehnte sich zurück und strich sich nachdenklich über die Lippen. „Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich.“
Der Inspektor nickte langsam. „Ja.“
Er haderte mit sich, fragte sich, ob er nicht doch einen Versuch wagen sollte, Andrew alles zu erzählen, doch die blaugrünen, so verflucht klaren Augen hielten ihn davon ab. Ganz gleich, was sein Freund im Moment für sich selbst zu entdecken im Begriff war, für drogenvernebelte Hirngespinste war er sicherlich noch nicht bereit.
„Ich habe noch nie etwas Derartiges gehört…“ Ähnlich wie Richard gestern, so schien auch Andrew heute von der Frage gefesselt zu sein, die Frederick unbewusst in den Raum warf. Sein Blick wirkte jedoch nicht so fokussiert wie derjenige der grünen Augen und glitt immer wieder in Richtung des Fensters. Was auch immer Andrew glaubte für eine Idee zu haben, sie musste gut sein.
Frederick erhob sich langsam und der Sekundenbruchteil, den sein Freund mehr brauchte, um zu reagieren, verriet dem Inspektor wie weit Simmons in Gedanken weg gewesen war.
„Kann ich irgendetwas für dich tun?“ fragte er, während er gedankenverloren mit der linken Hand über den Kaminsims fuhr. Obwohl die Bewegung wohl bedeutungslos sein sollte, erfüllte sie Frederick mit einer seltsamen Art der Unruhe. Das Verhalten seines Freundes wirkte auf eine schmerzliche Art falsch.
„Nein, danke.“ Entgegnete der Inspektor höflich. „Gib nur auf dich Acht.“
Die dunklen Augen bohrten sich in das Profil, was das einzige war, das Andrew bereit war ihm zu zeigen.
„Das tue ich immer.“ Entgegnete er und der Glanz war in seine Augen zurückgekehrt. „Du lässt mich doch wissen, wenn es etwas Neues gibt?“
„Wenn es dich interessiert, werde ich das selbstredend tun, mein Freund.“ Entgegnete Frederick und lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. Endlich wurde sein Blick erwidert und Andrew nickte, bevor er ihn zur Tür brachte und dort verabschiedete.
Mrs. Simmons saß schweigend lächelnd in ihrem Zimmer und genoss den blassen Sonnenschein, der durch das Fenster schien, an welchem sie saß. Ihre Hand legte sich auf eine der weißen Gardinen und schob sie vorsichtig ein Stück zur Seite, so dass ein wenig Licht mehr in den Raum fallen konnte. Die Sonne suchte sich einen Weg über ihre cremefarbene bestickte Decke, die über dem einfachen Kleid lag und fiel dann auf den Teppich. Sie folgte dem Strahl, bis er auf die Tür traf, die in diesem Moment leise aufgeschoben wurde und den Blick auf ihren Ehemann freigab, dessen Züge aus ihrer Ernsthaftigkeit geholt wurden, als er sie in dem Sessel erkannte.
„Frederick war da?“ erkundigte sie sich lächelnd und machte eine Bewegung mit ihrer Hand in Richtung Fenster. „Ich sah ihn gerade gehen.“
„Ja.“ Entgegnete Andrew leise, als fürchte er allein durch seine Stimme das filigrane Gleichgewicht ihrer Gesundheit verändern zu können.
„Er sprach mit mir über seine Arbeit.“
Lisa legte den Kopf ein wenig auf die Seite und sah ihren Mann lächelnd an, während er sich en Stuhl, welcher normalerweise am Bett stand, zu ihr umdrehte.
„Wie geht es ihm?“
„Gut.“ Andrew lächelte. „Ebenso wie Lara, will ich meinen.“
„Das freut mich zu hören.“ Erwiderte sie. „Wir sollten sie… bei Zeiten vielleicht noch einmal zum Tee bitten.“
„Lisa…“ setzte Andrew an und griff dann unvorhergesehen nach ihren Händen. Seine Augen hielten ihre mit einer Intensität fest, der sie sich nicht entziehen konnte.
„Ich denke, dass ich einen Weg finden werde, dir zu helfen.“
Ihre grünen Augen schimmerten sacht, doch sie senkte den Blick nicht.
„Ist das wahr?“ fragte sie leise. „Bist du davon überzeugt?“
Ruckartig stand er auf und wanderte durch den Raum. „Ich würde es dir nicht sagen, wenn ich es nicht wäre. Glaubst du, ich will dir mehr wehtun, als ich es ohnehin schon tue.“
„Das tust du nicht, Andrew. Glaube das nicht. Ich kann akzeptieren, dass es manchmal keine Lösung gibt, die… sich uns zeigen würde…“
„Aber ICH kann das nicht akzeptieren! Ich werde es nicht akzeptieren! Nicht solange noch ein wenig Leben in mir ist.“
Lisa sah ihn schweigend an.
Andrew wandte sich wieder zu ihr um und ergriff sie vorsichtig an ihren Schultern. „Ich tue, was ich kann, Lisa und ich spüre, dass es richtig ist!“
Sie versuchte zu lächeln. „Du weißt, dass ich alles geben würde, um bei dir bleiben zu dürfen.“
„Ich werde es dir ermöglichen!“
Lisa lächelte erneut sanft und nickte. „Ich weiß.“
Andrew hauchte ihr einen Kuss auf das Haar, seine Augen verloren kurz den fiebrigen Glanz, welchen sie trugen und sein Lächeln war entspannt. Dann löste er sich vorsichtig von ihr und trat auf die Tür zu, um ihr noch einen Blick zuzuwerfen und den Raum dann zu verlassen.
***
In each of us there are two natures. If this primitive duality of man- good and evil- can be housed in separate identities, life will be relieved of all this unbearable. It is the curse of mankind that these polar twins should be constantly struggling.
Richard erinnerte sich gut an dieses kurze Gespräch mit Andrew und während er auf das Wesen vor sich sah, erfüllte ihn die bittere Befriedigung, dass sein Freund nur in Bezug auf Menschen Recht gehabt hatte. Dieses Wesen war nicht gut und war es sicherlich zu Lebzeiten auch nicht gewesen. Es schien nur einen Zweck erfüllt zu haben und dieser schmeckte dem Okkultisten nicht im Geringsten.
Richard hatte die Nacht abgewartet, bevor er sich intensiver mit dem Wesen beschäftigt hatte. Man mochte ihn als verschroben bezeichnen, doch Richard war fest davon überzeugt, dass es Zeiten und Konstellationen gab, in denen es für die mysteriöse Welt hinter der offensichtlichen einfacher war durchzubrechen und nach dem wertvollsten zu greifen, was der Mensch besaß. Seinem Verstand.
Seit unzähligen Jahren hatte er sich in den Mysterien, die die Welt zu bieten hatte, verloren. Es war ihre gemeinsame Passion für das Arbeiten des menschlichen Geistes gewesen, das ihn und Andrew zusammen geführt hatte, doch sie beide nutzten ihre Gabe wie zwei Seiten der selben Medaille. Während Andrews Verstand die Präzision eines Skalpells angenommen hatte und in seiner Klarheit sicherlich jedem Diamanten Konkurrenz gemacht hätte, hatte Richard sich dazu entschieden seinen Geist als Basis zu nehmen und durch ihn die Mysterien einer anderen Welt zu entschlüsseln und vor allem zu entdecken. Sein Wissen um die Sterne, okkulte Praktiken, Rituale und Ritualgegenstände war enorm. Jeder, der behauptete, dass solche Dinge nicht existierten, irrte sich. Richard hatte sie studiert und sich zur Aufgabe gemacht dieses Feld der geistigen Betätigung zu meistern.
Als er diese Entscheidung getroffen hatte, war seine Freundschaft zu Andrew glücklicherweise bereits zu tief gewesen, als dass sein Freund sich einfach von ihm hätte abwenden können. Trotzdem, das wusste Richard und es war der einzige Stachel in seinem Fleisch, der schmerzte, hatte Andrew sich auf eine seltsame Weise verraten gefühlt und war seinen Weg der Forschung und Entdeckung seither alleine gegangen. Es war schwierig in Worte zu fassen, doch manchmal glaubte Richard, dass es mit dem Wissenschaftler einst ein schlimmeres Ende nehmen würde als mit ihm selbst, dem Okkultisten.
Wer so wenig an die eigene Vorstellungskraft glaubte und seine Sicherheit nur in Beweisen suchte, konnte nicht anders, als enttäuscht zu werden, denn der Mensch lieferte keine Beweise, sondern wurde von Minute zu Minute, in der man sich mit ihm beschäftigte rätselhafter.
Da er sich vor vielen Jahren nun dagegen entschlossen hatte, Andrew zu folgen, hegte er seit jenen Tagen die irrsinnige Vorstellung in irgendeiner Weise auf diesen Mann Acht geben zu müssen. Da er sich aber mehr und mehr der Heilung seiner kranken Frau verschrieb, versiegte ihr Kontakt auf ein nahezu unfühlbares Rinnsal.
Richard spürte Schmerz in sich aufkommen und griff schnell zu einem der silbernen Skalpelle, um ihn in Arbeit zu betäuben. Jeder musste seinen eigenen Weg gehen und er hatte nie gezögert es zu tun. Weshalb also sollte er das nun bereuen?
Vorsichtig bog er die Kiefer des Wesens auseinander und inspizierte stirnrunzelnd die Zähne, welche sich ihm offenbarten.
„Was bist du nur für eine grausige Schönheit?“ murmelte er und richtete sich blitzschnell auf, als er glaubte eine Bewegung gesehen zu haben.
„Andrew?“ fragte er, doch sein Freund konnte ihn selbstverständlich nicht hören. Richard kniff die Augen zusammen und trat auf das Bild zu, welches sich ihm bot. Er sah seinen Freund in seinem Laboratorium arbeiten, betrachtete irritiert den Wissenschaftler, der gebeugt über seinen Gläsern stand und fragte sich im selben Moment was er eigentlich gerade tat.
„Das ist nicht möglich.“ Sagte er trocken und in diesem Augenblick hob Andrew den Blick. Es war nicht das Gesicht seines Freundes, welches er erwartete, sondern eine schrecklich entstellte Dämonenfratze, deren rote Augen ihn direkt anzusehen schienen.
„Wir kriegen euch!“ zischte eine verzerrte Stimme, die nicht gewöhnt war, eine menschliche Sprache zu sprechen.
„Wir haben euch bereits!“
Richard wich zurück. Seine Züge waren unbewegt, doch in den blassgrünen Augen schimmerte das Entsetzen. Das Wesen trat vom Tisch weg. Mit geduckten, aber gefährlichen raubtierartigen Bewegungen schlich es sich auf den stummen Beobachter zu. Die menschliche Hand legte sich einer Kralle gleich auf den Untersuchungstisch des Okkultisten, welcher panisch einen weiteren Schritt zurückwich.
„Das kann nicht sein! Du bist nicht echt!“ flüsterte er und blickte ungläubig auf das Bild, welches an der Wand entstanden war. Das Wesen war einfach daraus hervorgetreten. Der Totenschädel aus schwarzen Knochen bohrte sich mit Augen, die tiefrotes Blut zu sein schienen, tief in Richards. Der Okkultist gab einen erstickten Schrei von sich und wandte sich herum.
Die Tür des Raumes war verschwunden. Es gab sie nicht mehr.
Schatten in Ecken begannen zu brodeln und sich langsam an den Wänden aufzutürmen. Richard schrie auf. Das Fledermauswesen, obwohl zuvor noch tot, erhob sich mit einem grauenhaften Schrei in die Luft und flog trotz tiefer Sezierschnitte auf Richard zu.
Ein dämonisches Lachen gesellte sich zu dem Rauschen der albtraumhaften Schwingen und Richard riss die Hände hoch, um sich zu verteidigen. Irgendetwas prallte gegen ihn, ließ ihn in eines seiner Regale stürzen und dort zu Boden gehen.
Er blinzelte und öffnete die Augen. Der Dämon ragte hoch über ihm auf und deutete mit einer Hand auf ihn.
„Ihr seid verloren!“ rief er und sein Lachen zerrte an Richards Nerven, wurde entsetzlich laut und vermengte sich schließlich mit dem Brausen von heranrollenden Wellen. Dann hüllte die Schwärze der lebendig gewordenen Schatten den Okkultisten ein und Richard verlor das Bewusstsein
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:12
Kapitel 5: Die Schlinge wird enger
Fredericks dunkle Augen glitten über den Tatort und in dem Kopf des Mannes begannen sich sofort unscharfe Szenen abzuzeichnen. Akribisch untersuchte er die am Tatort vorgefundenen Hinweise und versuchte durch sie das Bild des Vorgangs schärfer werden zu lassen. Er sah die rothaarige Tote vor seinem inneren Auge wieder auferstehen und sich einer bislang gesichtslosen Person gegenübersehen.
„Mordwaffe?“ fragte er leise, während er das Bild festzuhalten versuchte.
„Das hier.“ Entgegnete Valentine und hielt ihm ein blutverschmiertes Messer hin.
„Was weiß man über sie?“ fragte Frederick weiter, während er um sein imaginäres Abbild der Frau herumging und wie immer den tiefen Schmerz darüber empfand, dass sie nie wieder so aussehen, gehen oder stehen würde. Aus dieser Hülle Mensch war das Leben gedrängt worden und es gab keine Macht auf dieser Welt, die das rückgängig machen konnte.
„Sie war die Vermieterin dieses Hauses. Rose Abberwind. Fünfunddreißig Jahre alt.“
Frederick nahm die Daten schweigend hin und versuchte sie dem Abbild hinzuzufügen.
„Familie?“
„Ist noch nicht bekannt. Wird sich hoffentlich bei der Befragung der Mieter herausstellen.“
„Diese Frau…“ sagte Frederick leise und in seinen dunklen Augen schimmerte es. „Ist eine unter vielen. Es wäre nicht schwer ihr Gesicht einfach durch das einer anderen auszutauschen. Wer würde sie vermissen?“
„Das versuchen wir ja durch die Befragung herauszufinden.“ Erwiderte Valentine verständnislos. „Niemand hinterlässt bei seinen Mitmenschen keine Spuren.“
Frederick schwieg und dachte kurz an Lara. Sie hatte Spuren hinterlassen, aber er wusste sehr wohl, dass es viele ihresgleichen gab, die das nicht taten.
„Du wirst feststellen,“ sagte er leise zu Valentine und blickte ihn an. „Dass Miss oder Mrs. Abberwind „nur“ die Vermieterin war.“
Sein Arbeitskollege sah ihn immer noch verständnislos an, hielt ihn aber nicht zurück, als der Inspektor den Tatort verließ und hinaus in den Nieselregen trat.
Der Himmel war von grauen Wolken überzogen und der Tag neigte sich dem späten Nachmittag zu. Frederick ließ zu, dass der feine Sprühregen sich auf sein Haar und seine Kleidung legte, blickte versunken zu den finsteren Häuserschluchten und gewahrte mit seinem feinen Gehör, dass sich eine Kutsche näherte, was für diese Gegend eher ungewöhnlich war.
Der Inspektor wandte den Kopf und kniff die Augen zusammen, während sich langsam aus dem Regenschleier ein Gefährt schälte.
Es verwunderte ihn nur wenig festzustellen, dass es vor ihm hielt und der vermummte Kutscher das Wort an ihn richtete.
„Sir, Magister Concord wünscht Sie zu sehen. Unverzüglich.“
Frederick lächelte nur noch schief ob dieser Unverschämtheit, machte Valentine ein Zeichen, wartete bis dieser nickte und stieg dann in die schwarze, unscheinbare Kutsche ein, die sich daraufhin augenblicklich in Bewegung setzte.
Der Inspektor stieg mit steifen Gliedern aus der Kutsche und näherte sich innerhalb kürzester Zeit dem Haus des Okkultisten ein zweites Mal. Die Tür schwang auf, bevor er klingelte und Richard bat ihn mit glitzernden Augen herein.
„Schön, dass du es einrichten konntest.“ Sagte er süffisant und Frederick ahnte, dass er genau wusste, wobei er ihn gestört hatte.
„Ich konnte dieser schwarzromantischen, Okkultisten-Kutsche einfach nicht widerstehen.“ Entgegnete er und sah Richard an. „Was gibt es?“
„Viel, aber nichts, was ich im Foyer besprechen würde.“ Erwiderte der Mann und wandte sich ab, um den gewohnten Gang in den kleinen Salon anzutreten.
Heute hatte Frederick das Gefühl von den Samtvorhängen und den schwarzen Möbeln erschlagen zu werden und er ließ sich still in einen der Sessel gleiten, ohne die dämonische Fratze aus den Augen zu lassen, die Richard auf seinem Kaminsims stehen hatte. Seine Glieder schmerzten und er wusste, dass der tägliche Kampf heute noch bevorstehen würde. Glücklicherweise war es jedoch nicht sein eigener Kutscher, der ihn nach Hause bringen würde, sondern ein anderer.
Richard hatte sich wie am Tag zuvor dem Servicewagen zugewandt, hielt jedoch in der Bewegung inne und stellte die Flasche mit der für Frederick immer noch unbekannten Flüssigkeit wieder ab. Stattdessen griff er zu einer anderen, die einen bernsteinfarbenen Inhalt hatte und füllte das Glas. Er wandte sich um und blickte Frederick direkt in die Augen.
„Trink das.“ Wies er ihn an und irgendwie hatte der Inspektor das Gefühl, dass es sich um keine Einladung dabei handelte.
Mit geschmeidigen Bewegungen ließ sich Richard ihm gegenüber nieder und sah ihn über seine gefalteten Hände hinweg an.
„Dein kleines Tier ist ein Killer, Frederick. Nichts anderes.“
„Könntest du das vielleicht ein wenig ausführen?“ fragte der Inspektor und nippte an dem Getränk, welches unangenehm bitter schmeckte.
„Seine Zähne und Krallen können Wunden verursachen, die an sich schon schwer und unschön sind. Zusätzlich habe ich ein Gift feststellen können, dass langsam, aber tödlich wirkt. Der leichteste Kontakt mit diesen Viechern reicht aus, um zu sterben.“
Frederick kniff die Augen zusammen und sein Verstand begann schnell und effizient zu arbeiten. Richard war jedoch noch nicht fertig.
„Das eigentlich schlimme allerdings sind Drüsen im Maul des Wesens, die eine Substanz absondern, welche zu Halluzinationen führt. Ich habe bei der Untersuchung heute unseren Freund Andrew als Dämon kennen lernen dürfen und ich sage dir, dass dieses Erlebnis wenig schön war.“
Frederick nickte nur stumm. Er wusste wohl um unschöne Halluzinationen.
„Hast du irgendeine Idee wo das Vieh herkommen könnte?“
„Nicht die geringste, Herr Inspektor. Das verschließt sich meinem Geist leider komplett. Noch.“
Frederick hob die Augenbraue und sah Richard an. „Irgendeine Idee wie du das Geheimnis lüften willst?“
„Habe ich, aber du würdest sie nicht verstehen.“
Der Inspektor nippte erneut an der Flüssigkeit und sah Richard auffordernd an. „Versuch es.“
„Man kann Störungen spüren. Wenn etwas nicht das ist, was es zu sein scheint, spürt man das. Einfach erklärt hat es mit Sympathien und Antipathien zu tun.“
„In Ordnung, ich verstehe dich tatsächlich nicht, habe aber vollstes Vertrauen in deine intuitiven Fähigkeiten.“
„Das musst du auch, denn es gibt keinen anderen, der dir helfen könnte.“ Richard lächelte selbstzufrieden.
Als Frederick sich erhob, um sich von dem Hausherrn zu verabschieden, stellte er fest, dass der Gliederschmerz nahezu verschwunden war und gewahrte Richards beobachtenden Blick.
„Besser, nicht? So viel zu meiner Intuition.“ Sagte der Okkultist nur lächelnd, aber seine Augen glitzerten eigentümlich und auf eine Art und Weise, die Frederick zuvor noch nicht gesehen hatte.
„Du solltest dir helfen lassen.“
„Ich kann das nur alleine wieder korrigieren.“
„Dein Stolz wird dir viele Schmerzen bereiten.“
„Dann komme ich wenigstens nicht noch einmal in die Versuchung etwas Ähnliches zu tun.“
„Erinnere ich mich denn falsch, wenn ich an eine schwere Lungenerkrankung denke, die mit Opiaten behandelt wurde?“
„Nein.“
„Wo liegt also deine Schuld?“
„Das spielt keine Rolle, denn ich bin es, der den Mist wegräumen muss.“
Richard lehnte sich langsam zurück und lächelte erneut. „Immer die Verantwortung übernehmen, nicht wahr? Du kannst einfach nicht erkennen, wenn dir jemand Unrecht tut oder? Es ist trotzdem immer deine Schuld.“
„Richard, such dir ein anderes Studienobjekt. Ich mag es nicht unter Beobachtung zu stehen, klar?“
Fredericks Stimme war leise und schneidend geworden. Seine Züge wirkten kalt und hart, seine Gesichtsfarbe war weiß zu nennen, nur die dunklen Augen brannten und verrieten eine Spur von Leben.
„Andrew könnte Hilfe gebrauchen. Es scheint mir, dass er von einer Idee besessen ist, die zu verwirklichen nicht möglich ist. Vielleicht solltest du einmal mit ihm sprechen.“
„Du hast eigene Probleme, Frederick. Wann begreifst du endlich, dass du vor ihnen nicht weglaufen kannst, indem du dich mit denjenigen anderer beschäftigst? Andrew ist sein eigener Herr und wenn jemand eine Täuschung erkennt, dann ist es dieser Mann des klaren und absolut fantasielosen Verstandes.“
„Es ist schön, wenn du das so siehst. Ich tue es nicht. Gute Nacht, Richard.“ Sagte Frederick kurz angebunden und wütend über die Art des anderen.
Er verließ den Raum ohne dem Zorn nachzugeben, der in ihm brodelte. Frederick war einst für seine kurzen, aber heftigen Ausbrüche bekannt gewesen, die genauso schnell gekommen wie gegangen waren, doch wie in vielen Dingen, so musste er auch hierbei feststellen, dass er sich von dem Mann, der er einst gewesen war sehr weit entfernt hatte.
Schweigend verließ er das Haus, trat in den Regen heraus und stieg in die Kutsche ein, die sich langsam in Bewegung setzte und das Gefühl von Einsamkeit und Dunkelheit um ihn herum nur noch verstärkte, während sie durch die verlassenen Strassen Londons fuhr.
Andrew lag nur deswegen in seinem Bett, weil er nicht mehr in der Lage dazu war zu stehen. Stunde um Stunde hatte er in seinem Labor verbracht, weder Nahrung noch genügend Wasser zu sich genommen, bis er schließlich am weit fortgeschrittenen Abend bemerkt hatte wie ihm immer wieder schwarz vor Augen geworden war.
Jetzt lag er zwar zwischen den warmen Decken, doch sein Verstand vermochte es immer noch nicht sich zu entspannen. Er beschäftigte sich weiterhin mit dem Problem, vor dem Andrew stand. Der Wissenschaftler war sich inzwischen sicher, dass Lisas Zustand etwas mit einer Veränderung in ihrem Körper zu tun hatte. Er war sich nicht ganz sicher, aber laut dem Lexikon der Allgemeinen Medizin waren ihre Kraftlosigkeit, Müdigkeit und die häufige Gedankenversunkenheit ganz eindeutig Spuren von einem Prozess innerhalb ihres Körpers, der Wachstum und damit Energie forderte. Solange Andrew aber nicht wusste, welcher Art diese Veränderungen waren, konnte er nicht eingreifen. Wenn es soweit war jedoch, würde er bereit sein. Solche Prozesse konnten nicht geheim bleiben. Irgendwann würden sie sich zu erkennen geben. Es galt nur auf den geeigneten Moment zu warten.
Andrew drehte sich auf den Rücken und starrte gedankenverloren an die Zimmerdecke über sich, welche er in der Finsternis nur vage erkennen konnte.
Fredericks Besuch fiel ihm wieder ein und er runzelte kurz die Stirn. Sein Freund hatte von einer großen Fledermaus gesprochen. Natürlich gab es in London diese Tiere und wenn man einigen Jüngern der Schwarzromantik glauben durfte, saugten sie einem die Seele aus oder waren in Wahrheit wundervolle Schönheiten, denen es nach Blut gelüstete. Wie immer hielt Andrew auch von solchen Reden nicht viel, berief sich lieber auf Fakten und hatte darüber hinaus keinerlei Erfahrung in jene Richtung gemacht, die von diesen Mystikern beschrieben wurden. Wenn Frederick es jedoch als ungewöhnlich einstufte, dann musste diesem Biest tatsächlich etwas anhaften. Andrew schüttelte kurz den Kopf. Es war richtig von ihm gewesen, damit zu Richard zu gehen, denn wenn jemand annehmbare Schlüsse außerhalb des vorstellbaren ziehen konnte, war es dieser Mann.
Auch wenn er sich in einen Mantel aus Arroganz und Selbstbewusstsein kleidete, wusste Andrew, dass er sich ihm gegenüber insgeheim für das schämte, was er tat. So sehr er ihn auch als Freund schätzte, würde Andrew ihm jedoch niemals den Gefallen tun können, Respekt für die Welt aufzubringen, die Richard so sehr begeisterte und der Mann wusste das. Andrew respektierte ihn als Mensch, doch seine Passion verstand er nicht.
Riesenfledermäuse waren auf jeden Fall besser bei dem Okkultisten aufgehoben als bei ihm. Außerdem hatte Andrew eigene Probleme, die ihm zwar im Moment nicht mehr ganz so unlösbar erschienen, aber dennoch an seinen Kräften zerrten.
Langsam drehte er sich zur Seite und schloss die Augen. Einen kurzen Moment lang gewahrte er noch einmal das blasse Gesicht seines Freundes, wie er ihm ruhig von Fledermäusen berichtete und versank dann in einen kurzen, aber tiefen Schlaf.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:13
Kapitel 6: Sucht und Erkenntnis
Es verwunderte ihn nicht, dass über Rose Abberwind nicht wirklich etwas bekannt war. Ganz wie Frederick vorausgesagt hatte, wurde die Frau in erster Linie durch ihren Beruf definiert, nicht aber durch ihre Persönlichkeit. Man erfuhr etwas über eine Tochter, wusste aber nicht wo diese zu finden war. Man erhielt die Information, dass der Mann schon lange nicht mehr in dem Haus lebte und die Frau sich alleine über Wasser zu halten versuchte. Resnick kam schließlich nicht umhin, zumal das Mietshaus selbst recht heruntergekommen war, sich erneut in den schmutzigen Teil Londons zu begeben.
Das letzte Mal, als er es getan hatte, hatte es ihm eine Ehefrau verschafft. Er hatte Lara im Zuge eines Raubüberfalls vernehmen müssen und war das Gesicht der herben und kühlen Schönheit nicht mehr losgeworden. Selbstverständlich hatte es erbitterte Auseinandersetzungen gegeben, in der sie ihren desillusionierten Standpunkt vertrat und er ironischerweise irgendwie klarzumachen versuchte, dass es immer anders ging, als die Konvention es verlangte. Dass er nach der Eheschließung praktisch von der höheren Gesellschaft ausgeschlossen wurde, hatte ihn genauso wenig verletzt wie die herablassenden Blicke ehemaliger Freunde. Frederick hatte nach eigener Meinung nicht viel, worauf er stolz sein konnte, doch immer genau das zu tun, was er als richtig empfand gehörte dennoch dazu.
Jetzt glitt der Inspektor mit der nicht eingeschliffenen Routine eines Menschen, der zwar um das Ambiente wusste, sich aber normalerweise nicht in ihm bewegte, durch das Whitechapel- Viertel, in welchem die Prostituierten darauf warteten, dass die Nacht anbrach. Er selbst dachte, dass es hier in Wahrheit niemals Tag wurde. Selbst wenn die Sonne durch die Dunstglocke drang, die sich über London erhob, schien sie den Stein dieser Strassen dennoch nicht erreichen zu wollen.
Schweigend glitt Resnick an Menschen vorbei, die nur noch dank ihrer Schminke einen Eindruck von Leben erweckten, streifte mit seinem Blick zusammengesunkene Gestalten, die dem Alkohol anheim gefallen waren und lauschte dem lauten, aber durch eine dünne Häuserwand gedämpften Keifen einer Frau. Er fröstelte, während er spürte wie ihm Abneigung, Verachtung und Hass entgegen schlugen. Dass diese Frauen nur von vermögenden Menschen leben konnten, hielt sie nicht davon ab, sie dennoch ebenso sehr für ihr Verhalten zu verachten wie sie sich selbst.
Resnick war dank Lara schnell eines besseren belehrt worden. Prostituierte waren nicht, was sie waren, weil sie es wünschten, sondern deshalb weil ihnen keine andere Wahl geblieben war. Häufig hatten die leichten Mädchen selbst Kinder, konnten diesen jedoch nichts bieten, das ihnen helfen könnte aus dem Kreislauf auszubrechen. Sie selbst sorgten für die nächste Generation zerstörter Existenzen und die Prostituierten wussten das. Elend, Armut und Schmerz hatten einen Kreis gezogen, den zu durchbrechen kaum eine im Stande war.
Was Frederick sich erhoffte zu finden, wusste er selbst nicht genau. Er ahnte, dass die Tochter der Ermordeten mit Sicherheit hier zu finden war, doch wie genau er das anstellen sollte, blieb ihm verschlossen. Er wusste nicht einmal wie sie aussah. Seine Intuition war zwar gleichsam berühmt wie berüchtigt, aber jemanden, den er noch nicht zuvor gesehen hatte aus heiterem Himmel zu finden, das war selbst ihm nicht möglich. Enttäuscht und ratlos durchstreifte er das gefährliche Viertel ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Aufmerksamkeit der Stoff seines feinen Anzuges wohl auf sich ziehen mochte. Sein Weg führte ihn unbewusst in die Gassen der Spelunken und Opiumhöhlen und insgeheim fragte sich Frederick wie masochistisch er tatsächlich veranlagt war oder ob er glaubte auf diese Weise eine Art Therapie machen zu können. Bevor er jedoch weiter über seine perfiden Neigungen in Bezug auf seine eigene Person nachdenken konnte, kitzelte etwas sein Bewusstsein und irritiert sah er auf.
Eine unscheinbare Gestalt suchte sich ihren Weg auf dem schmutzigen Bürgersteig und wanderte auffällig penibel um die gröbsten Abfälle herum. Genaueres konnte Frederick nicht erkennen, da der Fremde einen weiten Mantel übergeworfen und die Kapuze ins Gesicht gezogen. Er wusste nicht, was ihn dazu anhielt dem Mann oder der Frau zu folgen, aber Frederick vertraute seiner Intuition und daher tat er es ohne es zu hinterfragen. Zu seinem Leidwesen führte der Fremde ihn tiefer in die Hölle aus Gestank, Opiumdämpfen und Alkoholgeruch hinein. Schon spürte er wie seine Hände zu zittern begannen. Frederick fixierte das von ihm erwählte Opfer vor sich und versuchte seine Konzentration aufrecht zu erhalten, während sein Körper mit schmerzender Intensität ihn davon abbringen und in eine andere Richtung dirigieren wollte.
Die Konturen verschwammen, sein Verstand versuchte ihn mit verführerischer Stimme davon zu überzeugen, dass es nur einen Weg gab seine Qual zu lindern. „Dein Stolz wird dir viele Schmerzen bereiten!“
Ja, genau das war es. Er war zu stolz, um seiner Sucht nachzugeben, obwohl sie nichts Ungewöhnliches war. Opium galt als schick und wer es sich leisten konnte, hatte Geld oder war so gewieft sich die Schulden nicht ansehen zu lassen.
Frederick wünschte sich einfach laut aufschreien zu können, um sich von der Spannung zu befreien, die ihn wahnsinnig werden ließ. Er sah sich selbst über die Strasse taumeln, die Hände in sein Haar gekrallt, das Gesicht verzerrt, die Augen schwarz vor Irrsinn. Er wünschte sich diese Bilder einfach vergessen zu können, doch er wusste, dass nur noch eine hauchdünne Wand von Disziplin ihn davon abhielt zu genau diesem triebgesteuerten Wesen zu werden.
Der Inspektor keuchte leise und stützte sich an einer Hausecke ab. Der Putz bröckelte unter seiner nassen, verkrampften Hand. Er hob den Kopf, sah durch einen Schleier von Tränen sein Opfer vor sich gehen und nahm all seine Kraft zusammen, um ihm weiterhin zu folgen. Der Tag, an dem er anfing statt seiner geliebten Intuition der Sucht zu folgen war noch nicht angebrochen! Resnick schlug sich also zurück in den Schatten und versuchte Schmerz und Gram, Hass und Scham zu vergessen, sich zu konzentrieren und sah den Fremden eine Treppe hinabsteigen, die zu einem Etablissement führte, welches seinen Eingang offensichtlich auf Kellerebene hatte.
Unschlüssig starrte der Inspektor auf die Stufen und wieder war es seine Intuition, die ihm half. Intuitiv wusste er, dass er dort drinnen nur auffallen und Aufsehen erregen würde. Jemand, der eine wie auch immer geartete „Gaststube“ betrat, musste diese allerdings irgendwann auch wieder verlassen. Es galt also nur auszuharren.
„Großartig, Frederick. Das hast du gut hinbekommen. Wo liegt die nächste Opiumhöhle? Um die Ecke? Schön.“ Murmelte er sarkastisch, ließ sich im Schatten an der Hauswand herabsinken und schlang die Arme um den zitternden Oberkörper, um den düsteren Eingang weiterhin im Auge zu behalten.
Vorsichtig, aber neugierig stieg Lisa die breite Treppe vom ersten Geschoss hinunter ins Erdgeschoss. Der Stoff ihres hellblauen Kleides raschelte ungewöhnlich laut für ihre Ohren in dem stillen Haus. Die Dienerschaft war schon immer sehr diskret gewesen, doch jetzt erschien ihr das Anwesen wie ausgestorben. Nirgendwo war ein Zeichen von menschlicher Anwesenheit zu finden. Es standen keine gefüllten Blumenvasen im Foyer oder auf den kleinen Ziertischchen, kein Geruch von Tee durchzog das Haus. Es war einfach nur still und abweisend.
Verwundert über diesen Umstand durchquerte Lisa das helle Foyer, studierte es, als hätte sie es nie zuvor gesehen und strich mit ihren kalten Fingern über die glatt lackierte Oberfläche der wenigen Einrichtungsgegenstände aus Holz.
„Was geht hier nur vor?“ murmelte sie leise und richtete den Blick ihrer grünen Augen auf die Tür, von der sie wusste, dass sie zu Andrews Labor führte.
Lisa legte eine Hand auf den Griff und drückte ihn vorsichtig herunter. Zaghaft blickte sie auf die Treppe, welche in den Keller führte und sie fühlte sich plötzlich beklommen. Das war Andrews Welt und nicht die ihre. Die linke Hand griff in den weichen Stoff ihres Rockes und hob ihn hoch, so dass sie schmalen Schuhe sichtbar wurden, als sie die ersten Stufen hinunter schritt. Sie wusste nicht genau, was sie zu finden hoffte, aber nicht zu gehen kam für sie nicht in Frage.
Es würde kühler und das Licht, welches durch den Türrahmen fiel, wurde dämmriger. Sie war vor ihrer Krankheit schon nicht oft hier gewesen und erinnerte sich deutlich an die Kritik ihres Vaters, dass Andrew sich zu sehr abschottete. Seine Arbeit jedoch, so fand Lisa, war durchaus ein Verbrechen, das man vergeben konnte und musste, wenn man sich die Liebe dieses Mannes erhalten wollte.
Unsicher schritt sie den Gang entlang und orientierte sich an den Geräuschen, die aus einiger Entfernung zu ihr drangen. Sie glaubte Andrews Stimme zu vernehmen, doch welchen Grund sollte er haben, wenn er alleine arbeitete, zu sprechen? Vielleicht versuchte er sich selbst klarer zu machen, was er tat, wenn er es sich selbst beschrieb?
Ihre schlanken Finger legten sich vorsichtig um die angelehnte Tür und sie schob sie vorsichtig ein Stück weiter auf.
Das Licht des Kamins warf gespenstische Schatten an die Wände und schien Andrews Züge zu verzerren. Seine Gesichtsfarbe wirkte ungesund und seine Bewegungen waren fahrig, aber auf eine seltsame Weise noch immer unmenschlich präzise. Auf dem wuchtigen Tisch standen allerlei Kolben und Phiolen, ein seltsam scharfer Geruch hatte sich in dem Raum ausgebreitet.
„Ich weiß, dass ich es schaffen kann… du musst mir nur sagen wie… ich weiß wie es weitergeht… aber wenn ich es nicht weiß, musst du es mir sagen!“
Verwirrt runzelte Lisa die Stirn. Mit wem sprach ihr Mann? Sie konnte keine weitere Person in dem Raum entdecken, auch wenn ihr Sichtfeld begrenzt war. Es antwortete auch niemand, was sie noch mehr verwirrte.
Andrew drehte sich zum Kamin um.
„Du wirst es mir doch sagen, nicht wahr? Wirst du…“
Irritiert wich Lisa in den Schatten zurück und als ihr Mann sich wieder umdrehte, konnte sie für einen winzigen Moment sein Gesicht sehen. Es war kalkweiß und unter den einstmals hellen Augen lagen dunkle Schatten. Das Glitzern in den kleinen Seen gehörte jedoch nicht zu dem Andrew, den sie kannte. Sie schlug eine Hand vor den Mund, als sie die Besessenheit in ihnen erkannte und vollkommen unfähig sinnvoll zu handeln, stolperte sie ein paar Schritte zurück, wandte sich ab und floh aus dem Kellergewölbe. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, ihr Atem ging stoßweise. Sie hatte das Gefühl, dass sich Andrews fremdartige Augen tief in ihren Rücken bohrten und er in ein grauenhaft dämonisches Lachen ausbrach, weil er wusste, dass sie ihm nicht würde entkommen können.
Lisa stürzte die Treppe hinauf und warf die Tür zu. Panik griff nach ihr. Wo sollte sie sich hinwenden? Wohin sollte sie gehen? Das hier war doch ihr Heim! Sie konnte nicht gehen! Aber Andrew…
Ihr blieb die Luft zum Atmen weg, sie spürte wie sie ihr fehlte, während sie zu fliehen versuchte, spürte den reißenden Schmerz in ihren Gliedern, ein Zucken durchlief sie, als ihr der Sauerstoff fehlte, schwarze Flecken legten sich über ihre Sicht. Sie stolperte, streckte die Hände aus, spürte kalten Marmor unter ihren Fingern und wurde schließlich bewusstlos, während ihre Furcht sie innerlich auseinander zu reißen drohte.
Frederick wurde nur noch von einem schmalen Rinnsal Bewusstsein wach gehalten. Der Rest seines Verstandes hatte sich bereits in denjenigen des brabbelnden Idioten verwandelt, den er vor einigen Stunden vor seinem inneren Auge gesehen hatte.
Dieses bisschen Verstand war es auch, dass ihn aufschrecken ließ, als mehrere schwarzgekleidete Gestalten aus dem Eingang kamen, die Treppenstufen erklommen und leise ein paar Worte miteinander wechselten. Dann überkreuzte ein jeder von ihnen kurz seine Hände, so dass sie ein X ergaben und wandte sich in die Dunkelheit ab.
Frederick runzelte die Stirn. Er konnte schlecht einen von ihnen anhalten und fragen, welche seltsamen Praktiken sie über zwei Stunden langen begangen hatten. In London wimmelte es von Romantikern, die vergessen hatten, dass es Grenzen gab, die sie nicht überschreiten sollten. Frederick selbst nahm regelmäßig ein „Lokal“ auseinander, dass Tierblut am Menschen ausschenkte und das auch nur, weil Menschenblut nach Aussage des Betreibers „so schwer zu bekommen war“. Selbst jetzt, als er sich die Szenerie nur verschwommen vor Augen rief, ekelte sie ihn an.
Sein Blick glitt zum Himmel, an welchem sich der Mond hinter Wolken versteckte. Heute hatte er genug getan. Es wurde Zeit nach Hause zurückzukehren, um festzustellen, dass die Welt auch für ihn nicht nur Dunkelheit bereithielt. Frederick war nie davon überzeugt gewesen, dass Trauer eine Lösung war, doch die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, ließen ihn vergessen, wie es sich anfühlte glücklich und unbeschwert zu sein. Lange schon war die Zeit für Diskussionen oder Bücher zwischen den Fingern hindurch geronnen. Keine Spaziergänge brachten ihn aus London mehr heraus und sein feiner und hoch geschätzter Humor hatte sich in bitteren Sarkasmus verwandelt, den lediglich wohl Richard schätzte.
Frederick wandte sich ab und machte sich auf den Rückweg. Während er die dunkle Gasse hinab sah, in welche er im Begriff war zu gehen, dachte er daran wie sehr sie seinem inneren Gefühl entsprach. Er war ein stiller Beobachter und während er noch beobachtete und versuchte seine Füße vom Boden zu bekommen, entfernten sich seine Freunde immer weiter von ihm, ohne es zu merken. Während er darum kämpfte, die selben Lebensumstände zu haben, die sie besaßen und welche er ebenfalls einst gekannt hatte, gingen sie ohne Probleme über ihre Grenzen hinaus, entdeckten Neues und bemerkten nicht, wie er das Alte erst zu verarbeiten versuchte.
Schweigend schritt der Inspektor die Strasse hinab und in seine stumpfen, dunklen Augen malte sich Entschlossenheit. Es spielte keine Rolle, was er glaubte zu verlieren. Es ging immer nur in eine Richtung und je eher sich daran gewöhnte in diese Richtung nur noch langsam gehen zu können, desto besser war es für alle. Frederick wandte sich noch einmal um und blickte zu dem verschleierten Mond, bevor er sich wieder in Bewegung setzte und seinen Weg nach Hause suchte
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:14
Kapitel 7: Der richtige Weg
Lisa spürte die Berührung von Andrews Hand auf ihrem Haar, doch sie war dankbar dafür, dass das Licht n dem Raum gedämpft war. Einerseits fürchtete sie sich davor, was sie in seinen Augen finden mochte. Andererseits schämte sie sich für das, was in ihren zu sehen sein könnte.
Hatte sie wirklich gesehen, was sie glaubte gesehen zu haben oder hatten ihr ihre überreizten Nerven nur einen Streich gespielt? Lisa wusste, dass es diese Vorfälle bei ihr früher auch schon gegeben hatte. Teilweise fehlten ihr Erinnerungen und dann wieder unterschieden sich ihre von denjenigen anderer Menschen, die dasselbe erlebt hatten so drastisch, dass es nahezu unmöglich sein konnte. Lisa fürchtete sich davor, den Gedanken zu Ende zu denken. Andrew war für sie immer eine Art Anker gewesen. Ihre Stärke war darauf begründet gewesen, dass ihn niemals irgendetwas ändern oder von ihr entfremden konnte. Sollte sie es Ende selber sein, die ihn von sich stieß, ihrem Wahnsinn nachgab und alles zerstörte, was sie verband? Seitdem ihr klar geworden war, dass die Krankheit sie verändern würde, hatte sie sich vor diesem Augenblick gefürchtet.
„Lisa.“ Sagte er leise und sanft. Seine Stimme machte ihn wieder so jung, wie er eigentlich war und strafte sein blasses Gesicht Lügen. Sie konnte deutlich die Verzweiflung in seiner Stimme hören, spürte aber auch, dass er seine Hand nicht zurückzog. Sie konnte ihm einfach nicht davon berichten, was sie glaubte gesehen zu haben. Es würde ihn treffen und verunsichern. Lisa wandte den Kopf und blickte dem Mann in die Augen, den sie geheiratet hatte. Da war nichts Dämonisches oder beängstigendes. Da sahen sie nur zwei Augen voll stummen Kummers an und versuchten zu begreifen wie das hatte passieren können, was passiert war. Sie wusste, dass er nur wegen ihr Tag um Tag in dem Labor verbrachte und an einer Idee arbeitete, die so sehr in ihm brannte, dass sie langsam seine Persönlichkeit in sich aufzuzehren schien.
Lisa spürte, dass Andrew davon nichts merkte und sich über sein eigenes Verhalten nicht klar war. Er war fixiert und brauchte alle Kraft, die er aufbringen konnte, um sich selbst zu genügen und seine Ansprüche nicht zu enttäuschen. Wie konnte gerade sie ihm Vorwürfe machen? Er würde sich erst wieder ändern, wenn die Idee verwirklicht oder verworfen worden sein würde.
Lisa senkte ihre Lider und versuchte ihre eigene Verzweiflung vor ihm zu verbergen, auch wenn sie wusste, dass es nutzlos war.
„Willst du mir nicht sagen, was genau heute passiert ist?“ fragte er leise und sie genoss jede Nuance seiner Stimme, die hell und unschuldig, aber auch dunkel und voller Zorn sein konnte. Jetzt jedoch hörte Lisa vor allem Kummer.
Ihre Augen glitzerten, als sie ihn ansah. „Ich weiß es nicht, Andrew. Ich kann es dir nicht sagen.“
Sie wusste wirklich nicht, was tatsächlich geschehen war und es ihm zu beschreiben war keine Option. Nicht nur, dass seine Sorge wachsen würde, sondern auch, dass sie ihn verletzte. Das wollte Lisa jedoch unter keinen Umständen. Lieber schwieg sie, auch wenn es einer unausgesprochenen Lüge glich.
Andrews Hand glitt über ihre Wange und nahm dann ihre kalten Finger zwischen seine. Vorsichtig hob er sie an seine Lippen und hauchte einen kaum spürbaren Kuss darauf. Seine Augen waren voll Trauer, während er ihre Hand wieder sinken ließ und sie ansah.
„Ich glaube dir, wenn du sagst, dass du dich nicht erinnern kannst.“ Erwiderte er fest. „Ich will dich nicht mit meinen Fragen belasten. Ich wünsche mir nur, dass dein Leiden den Keil nicht noch tiefer zwischen uns treibt, als es das bereits getan hat. Diese Krankheit trennt uns und es gibt Bereiche, in denen wir das noch hinnehmen müssen.“
Seine Hand glitt über ihre Stirn und strich vereinzelte Haarsträhnen zurück.
„Aber es gibt auch Bereiche, über die noch wir die Kontrolle haben. Lass nicht zu, dass falsche Scheu oder Ängste dich davon abhalten das wenige, was du an Leben noch hast, mit mir zu teilen.“
Obwohl seine Worte sie auf eine eigentümliche Weise verletzten, verstand Lisa, was er ihr sagen wollte. Sie nickte nur stumm als Bestätigung, dass sie ihn gehört hatte.
Andrew wurde gemeinhin als ein sehr rationaler Mensch beschrieben, doch sie wusste, dass selbst wenn es so war, das keinerlei Auswirkungen auf seine Aufmerksamkeit und Zuneigung ihr gegenüber hatte. Lisa hatte sich niemals unsicher darüber sein müssen, ob Andrew sie liebte, denn er hatte ihr nie das Gefühl gegeben, dass es nicht so sei.
Was war aus dem offenen, jungen Mann geworden, der vor Energie gesprüht und jede Herausforderung angenommen hatte? Was war aus seinem spritzigen Humor geworden? Was aus dem ewig wachen Verstand?
Jetzt war sie es, die die Hand hob, um seine Wange zu berühren. Sie sah in dieses ernste Gesicht, das nur noch selten von einem Lächeln erhellt wurde und studierte die fremdartig stumpfen Augen, in denen nichts mehr außer einem gefährlichen Feuer zu existieren schien. So wie sie starb, tat Andrew es ihr innerlich gleich und sie wusste, dass unabhängig davon wie sich ihr Schicksal entschied, ihr Ehemann nie wieder derselbe sein würde.
„Versuche ein wenig zu schlafen.“ Sagte er leise und erhob sich. Lisa sah ihn an und wünschte sich einen Augenblick lang, dass er bleiben würde, doch sie kannte die Unruhe, die ihn umher trieb.
Sie lächelte stattdessen und versuchte zuversichtlich auszusehen, wartete, bis er den Raum verlassen hatte und schloss dann die Augen, um zu schlafen.
„Die Hände überkreuzt sagst du?“ fragte Richard nach und Frederick nickte kraftlos.
„Kommt dir bekannt vor?“ entgegnete er kurz angebunden und wartete, bis der Okkultist mit enervierender Langsamkeit zu dem Sessel geschritten war und sich niedergelassen hatte. Der spöttische Zug um seinen Mund war zurückgekehrt und in der linken Hand hielt er ein Glas mit blutroter Flüssigkeit, welches er nun in einer ausladenden Bewegung schwenkte.
„Nein.“ Gab er schließlich zur Antwort und Frederick seufzte innerlich. Dafür hatte Richard ihn so lange auf die Folter spannen müssen? Wieso musste dieser Mann sich nur permanent selbst inszenieren?
„Du weißt selbst, dass es in London unzählige Verbindungen gibt, die meinen sich unter dem Deckmantel der Nacht einen Anstrich von geheimnisvollem Auftreten geben zu können.“ Führte Richard herablassend aus. „Was also lässt dich bei dieser so sicher sein, dass sie wichtig ist?“
„Intuition.“ Entgegnete Frederick erneut abgehackt.
„So.“ Richard fixierte ihn über sein Glas hinweg, nahm einen Schluck und ließ seine blassen, grünen Augen die Arbeit für sich tun. Frederick jedoch wandte auch dieses Mal den Blick nicht ab.
„Und… was hat dich in diese… verruchte Gegend getrieben?“ fragte Richard nach.
„Eine Mordfalluntersuchung.“
„Diejenige von der Vermieterin?“
„Exakt.“
Richard ließ sich erneut ein wenig Zeit. Die Flammen ließen Reflexionen über sein braunes Haar tanzen, welches daraufhin die Farbe von Blut annahm. Die Flüssigkeit in dem Glas bewegte sich träge, während er sie langsam schwenkte.
„Ist dieses Viertel… nicht ein wenig weit entfernt von dem Tatort, um interessant zu sein?“ fragte Richard weiter und fixierte den anderen. Sein Blick war gleichzeitig berechnend wie überzeugt davon eine Wahrheit zu kennen, die Frederick sich nicht eingestehen wollte. Das reizte den Inspektor maßlos. Er wusste, dass er über eine eiserne Disziplin verfügte, die sich durchaus mit der von Richard messen konnte, wenn nicht sogar ihr überlegen war. Das, was er im Moment bekämpfte lag außerhalb des Erfahrungsbereiches des Mannes. Dass er sich dennoch ein Urteil über sein Verhalten und seine Person erlaubte, schürte den Zorn in Frederick.
„Was willst du mir unterstellen?“ fragte er statt einer Antwort und lehnte sich zurück.
„Ich kann mich nicht daran erinnern etwas Derartiges getan zu haben.“ Erwiderte der Okkultist und beugte sich seinerseits vor. Seine Augen erinnerten Frederick an diejenigen einer Katze, die gerade erst begonnen hatte mit ihrer Beute zu spielen und er fragte sich entnervt, wieso er sich diesen Kampf jedes Mal wieder antat. „Aber wenn du glaubst eine Unterstellung aus meinen Worten heraushören zu können, solltest du dich fragen, ob die eine oder andere nicht eventuell angemessen wäre.“ Fuhr Richard fort.
„Ich glaube, dass du nicht das geringste Beurteilungsvermögen in Bezug auf meine Person hast, um auch nur Andeutungen in diese Richtung aussprechen zu können.“ Sagte Frederick kalt und in seinen Augen glitzerte es. Er spürte wie Richard sich dazu entschloss auf der Hut zu sein. Auch bei diesem Mann versagte seine Intuition nicht. Es gab kaum eine Person auf die anderes zutraf.
„Du solltest Andrew besuchen.“ Setzte er nun seinerseits deutlich vorsichtiger an, auf ein für ihn wichtiges Thema zu sprechen zu kommen.
Deutlich genervt ließ sich Richard wieder zurück in den hohen Sessel sinken.
„Wieso sollte ich das tun?“ fragte er enerviert und Frederick musste sich zusammenreißen, um nicht aufzuspringen und den anderen anzubrüllen.
„Weil es ihm gut täte, das eine oder andere Wort mit dir zu wechseln. Ich habe ihn in den letzten Wochen kaum mehr zu Gesicht bekommen. Er verschwindet in den frühen Morgenstunden im Labor und kommt erst spät in der Nacht wieder daraus hervor. Was immer er glaubt entdeckt zu haben, es wird ihn umbringen, wenn er so weitermacht.“
„Wie willst du das beurteilen, wenn du ihn die letzten Wochen nicht gesehen hast?“ fragte Richard glatt und stellte sein Glas ab, um sich zu erheben und zum Kamin zu treten.
„Ich schließe das aus dem Zustand, in welchem ich ihn zuletzt gesehen habe und die Tatsache, dass er nicht einmal den Versuch macht, den Kontakt zu mir, dir oder irgendjemand anderem zu suchen.“
„Der Mann ist kein kleines Kind mehr und weiß wohl auf sich aufzupassen.“ Gab Richard ihm zur Antwort.
„Nicht nur kleine Kinder brauchen hin und wieder Hilfe.“ Sagt Frederick ruhig und erreichte, dass der Okkultist den Kopf wandte und ihn spöttisch ansah.
„Ah ja, richtig. Das solltest gerade du ja bekanntlich am besten wissen, nicht wahr?“
Frederick spürte wie sich der ätzende Hohn langsam aber sicher einen unbarmherzigen Weg durch die Schichten seiner Persönlichkeit suchte, ließ aber nicht zu, dass Richard Genuss an seinem Triumph haben konnte.
Langsam faltete er die Hände und sagte leise: „Du bist ein Feigling, Richard und ich frage mich wann du das endlich ändern wirst. Es fällt dir so leicht, mir meine Schwächen vorzuwerfen, dass man meinen sollte, du hättest deine längst erkannt.“
„Du sprichst mir ab, dich beurteilen zu können und tust doch dasselbe mit mir? Wer von uns beiden ist arrogant, Frederick?“ Der spöttische Zug war geblieben und in den blassen Augen funkelte es belustigt.
„Dein Unvermögen ein wenig Wärme zu geben und die Arroganz zu glauben, dass du Andrew zu wichtig bist, als dass er dich… vergessen könnte, wird dich einen hohen Preis kosten, Richard.“ Die dunklen Augen wichen den hellen nicht aus. Fredericks Stimme hatte leise und ruhig geklungen. Es war keine Drohung gewesen, sondern stellte eine Tatsache für ihn dar, welche offensichtlich war.
„Der Mann kann auf sich selbst aufpassen! Ebenso wie ich! Wenn ich deine Aufmerksamkeit gewollt hätte, hätte ich darum gebeten, aber mir gefällt dein Gespür für Theatralik, Frederick. Es ist erheiternd.“
„Es freut mich immer, jemanden zu amüsieren.“ Erwiderte der Inspektor ernst und erhob sich aus dem Sessel.
„Wirst du nach ihm sehen?“ fragte er, während er bereits den Raum verließ.
„Ich werde es tun, wenn die Zeit es zulässt.“ Kam die Antwort schließlich widerwillig und Frederick nickte. Das genügte ihm vollkommen.
Der Inspektor schritt den Flur entlang und durchquerte schnell das Foyer, um in die Nacht hinaus zu gelangen.
Die Auseinandersetzungen mit Richard kosteten immer viel Kraft, aber der Inspektor gab die Hoffnung nicht auf, dass er den Mann irgendwann einmal erreichen und durch die Mauer aus Arroganz hindurch kommen würde. Die Geschichte, welche sie alle drei erst wirklich zusammengebracht hatte, war gleichsam tragisch wie ereignisreich gewesen. Frederick hatte mit Richard niemals darüber gesprochen, doch er wusste, dass der Mann erst nach dem, was passiert war, die Anstrengungen unternommen hatte Andrews Freundschaft ganz zu gewinnen, was ihm Beweis genug dafür war, dass es irgendwo in ihm Gefühle geben musste, die man erreichen konnte.
Der Inspektor tat zwei Schritte in Richtung der Kutsche, die auf ihn wartete, schritt die dunklen Stufen hinunter und ignorierte die Reflektionen der Öllampen auf dem schwarzen Stein. Da er an Finsternis und Sinnestäuschungen in Richards Reich gewöhnt war, bemerkte er zu spät, dass sich die Schatten widernatürlich bewegten. Entsetzt starrte er auf den Fangarm, der sich tastend in seine Richtung bewegte und wich zurück. Rings um ihn schienen unbewegte schwarze Flächen plötzlich zum Leben zu erwachen und die Witterung aufzunehmen.
Frederick stieß einen Schrei aus und setzte über den Fangarm in Richtung Kutsche hinweg, da sich an der dunklen Tür bereits weitere Monstrositäten gebildet hatten. Er strauchelte und fing sich gerade noch rechtzeitig ab, um nicht mit dem Gesicht in einer Lache aus Schwarz zu landen. Panisch richtete er sich auf und gewann sein Gleichgewicht zurück. Frederick sprintete über einen sich bewegenden Untergrund hinweg und riss die Tür der Kutsche auf. Eine Woge von Schwärze rollte ihm entgegen, schloss sich um seinen Arm und der Mann schrie auf, als unmenschliche Kälte das Leben aus ihm heraussaugen zu schien. Schmerz lähmte ihn und schon spürte Frederick wie seine Kräfte schwanden, während das Schwarz immer näher kam. Panisch starrte er es an, begriff, dass es ihn verschlingen würde und versuchte mit einer letzten Kraftanstrengung sich zu lösen. Als das Wesen- wenn man es denn so nennen konnte- ihn mit einem widerwillig klingenden Schmatzgeräusch freigab, stolperte Frederick nach hinten und wäre gestürzt, hätten nicht zwei Hände sch zuvor um seine Schultern geschlossen.
„Komm zu dir!“ zischte Richard und ließ ihn im Gegensatz zu seinen Worten sanft zu Boden gleiten.
„Schatten!“ brachte Frederick nur entsetzt vor, doch als er die Erde berührte, war dort nichts als Gras und festgetretener Lehm.
„Schatten.“ Wiederholte Richard trocken. Frederick konnte ihn nur undeutlich erkennen.
„Meine Hand…“ murmelte er, bevor er der Kälte nachgab und ihm die Sinne schwanden.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:15
Kapitel 8: Gillian Jenings
Sie hatte etwas Verruchtes an sich. Das rote Harr und die mandelförmigen, dunklen Augen gaben ihr nicht nur ein exotisches Aussehen, sondern erweckten schnell Fantastereien über Männer mordende Hexen, die ihre Opfer nachts heimsuchten, verführten und dann umbrachten.
Gillian bewegte sich mit der Eleganz einer Katze und fügte eine Prise unterschwellige Erotik hinzu, die ihren Eindruck von betörender Finsternis verstärkte. Richard betrachtete sie mit einem Lächeln auf den Lippen und nicht zu übersehender Zufriedenheit. Hätte nicht schon ihrer beider exotisches Aussehen dazu geführt, dass sie zusammenfinden mussten, so hätte ihr gemeinsames Interesse das Übrige getan.
Gillian war die Frau eines wohl habenden, aber leider sehr beschäftigen und abgelenkten Professors für alte Sprachen, der seine Zeit lieber in Hörsälen als zu Hause verbrachte, wo eine wunderschöne, sinnliche Frau sich schnell zu langweilen angefangen und daraufhin intensiv die Bibliothek zu erforschen begonnen hatte. Selbstverständlich studierten Frauen in diesen Tagen nicht, doch Gillian verfügte über eine derart hohe Intelligenz und die nötige Raffinesse, dass es ihr nicht schwer gefallen war, ihren Mann davon zu überzeugen sie zu unterweisen. Er hielt es für eine vorübergehende Laune und entwickelte eine naive und herablassende Begeisterung für seine exzentrische Frau. Erst nachdem sie durch ihr immenses Können unter Beweis gestellt hatte, wie ernst es ihr mit dem Anliegen war, hatte er langsam begriffen, welcher Ehrgeiz hinter der sinnlichen Fassade steckte. Inzwischen konnte der Mann sich aus dem Netz von Begeisterung, Ehrgeiz und Erotik nicht mehr befreien und tat, was Gillian von ihm verlangte.
Richard kannte die Geschichte gut und obwohl er sich im Klaren darüber war, dass Gillian ein intrigantes Miststück war, blieb sie ein gebildetes intrigantes Miststück und darüber hinaus eine höchst anregende Gesellschafterin.
„Deine Fledermausleiche ist in der Tat beeindruckend.“ Sagte Gillian in diesem Moment mit ihrer sinnlichen Stimme und Richard nickte langsam. „Es wird mich allerdings Wochen kosten, die Recherche danach durchzuführen. Ich hoffe, dass dir das klar ist.“
Der Okkultist nickte, erhob sich und reichte ihr ein Glas mit bereits bekannter roter Flüssigkeit. In einer eleganten Bewegung ergriff sie es, sah ihm in die blassen Augen ohne einen Moment lang Furcht zu empfinden und lehnte sich dann zurück, um in einer aufreizenden Bewegung die Beine übereinander zu schlagen.
„Ich dachte, dass ich dir einen kleinen Gefallen tue und dich wenigstens für ein paar Tage von deinem eintönigen Leben als Nur-Ehefrau befreie.“ Entgegnete er und lächelte spöttisch. „Ist es nicht tragisch, dass wir Männer euch Frauen nur durch unser Mannsein von Anfang an überlegen sind? Im Punkt der Bildung selbstverständlich.“
Gillian verzog den sinnlichen Mund zu einem Lächeln und ihre braunen Augen glitzerten ein wenig, während sie sich Zeit mit einer Antwort auf die Frage ließ, die eigentlich nach keiner Beantwortung verlangte.
„Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Die… Überlegenheit,“ Sie sagte es auf die für sie typische und wie Richard fand herrlich herablassende Art. „Des anderen Geschlechts auszugleichen, das ist die Kunst des richtigen Einsetzens seiner Stärken.“
„Wie du ja erfolgreich unter Beweis gestellt hast.“ Entgegnete er und erhob sein Glas. Sie tat es ihm gleich, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
„Neben Fledermäusen gibt es nun auch… sich bewegende Schatten?“ fragte sie nach, während sie das Glas sinken ließ und Richard lächelte ein wenig, während er ihrer Bewegung mit den Augen folgte.
„Das ist zumindest das, was mein Freund behauptet.“
„Wie wahrscheinlich ist das?“ fragte sie spöttisch und erhob sich mit fließenden Bewegungen. „Kann man seinen Worten auch nur einen Funken Glauben schenken?“
„Ich denke, das man es kann, ja.“ Entgegnete Richard ihr und stellte sein Glas ab. Gedankenverloren lauschte er dem klingenden Geräusch, als es das Holz des Tisches berührte. Gillian drehte sich zu ihm um und die Flammen des Kamins tauchten ihre Konturen in weiches Licht, ließ aufregende Flächen aus Schwarz entstehen, deren Spiel gemeinsam mit den erhellten Teilen ihres Körpers Erfreuliches verhieß. Eine Strähne ihres kupferroten Haares löste sich aus der Frisur und fiel auf ihre Schulter, die von einem Hauch schwarzer Seide verhüllt war.
Richard lächelte und fragte sich wie sie es wohl zustande gebracht hatte, dass das Haar sich gerade in diesem Augenblick gelöst hatte und den Moment dadurch perfektionierte. Nichts, was Gillian tat, überließ sie dem Zufall, nicht einmal das Lösen einer Haarsträhne. Sie war ein Geschöpf, das zum Beherrschen geboren worden war. Richard wusste, dass er ein gefährliches Spiel wagte, sie dermaßen nah an ihn heran zu lassen, sie an seinen Angelegenheiten teilnehmen zu lassen. Gillian war gefährlich und giftig wie eine Schlange, jedoch so schön wie die beginnende Nacht. Er fragte sich, ob er bereits unter ihrem Einfluss stand ohne es zu merken, verschloss sich aber vor der Frage, ob es ihn stören würde, wenn es so wäre.
„Was bedeutet das?“ fragte sie nach und schritt zu ihrem Sessel zurück, um sich hinter ihn zu stellen und die Arme auf die Rückenlehne zu legen.
„Das bedeutet, dass ich glaube, Frederick hat zumindest etwas gesehen. Ob dieses Etwas unnatürliche Schatten gewesen sind, will ich mit dieser Aussage nicht bejahen.“
Sie legte einen schlanken Finger auf ihre Lippen und schien über seine Antwort nachzudenken. „Also gut. Was hältst du von seiner Schilderung?“
Richard zuckte mit den Schultern, erhob sich und trat zum Servicewagen, um sein Glas nachzufüllen.
„Er war heute nur einen kurzen Moment lang wach und ob er dabei vollkommen klar war, kann ich nicht beurteilen. Daher lege ich seine Worte nicht auf die Goldwaage. Tatsache ist, dass er seltsame Verletzungen an dem Arm hat, von dem er behauptet, dass die Schwärze ihn eingeschlossen habe.“
„Er stand bei der Kutsche?“ fragte sie und Richard nickte, während er die Flasche wieder verschloss.
„Eingeklemmt?“
Richard lächelte spöttisch. „Nein, das kann ich mit einem Blick auf die Verletzung ausschließen, auch wenn ich kein Arzt bin.“
„Apropos Arzt… hast du einen konsultiert?“
Richard lächelte selbstzufrieden, während er sie ansah. „Sagen wir, dass er auf dem Weg hierher ist.“
Ihr Lächeln war berechnend. „Ach ja, ich vergaß, dass du dich der wertvollen Freundschaft von Dr. Simmons erfreust. Soll ja eine Korriphäe sein, dieser Mann.“
„Er ist genial, in dem was er tut.“ Beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.
„Ihr seid… also befreundet.“
„Sind wir.“
Richard fixierte sie. Der Zug um ihren Mund herum missfiel ihm plötzlich. Das Funkeln in ihren Augen warnte ihn.
Gillian lächelte weiterhin wissend, während ihre schlanke Hand zu ihrem Glas glitt und es an die Lippen führte. Die ganze Zeit über behielt sie ihn fest im Blick.
Der Kontakt brach erst ab, als das tiefe Läuten der Türglocke ihn dazu zwang sich abzuwenden. „Du entschuldigst mich? Ich lasse Freunde nicht von meinem Diener empfangen.“ Erklärte er sich kurz, stellte das Glas ab und verließ den Raum, während Gillian sich mit geschmeidigen Bewegungen wieder in Richtung Sessel bewegte und ein „Selbstverständlich“ von sich gab.
Richard schritt zielstrebig auf die schwere Haustür zu, um sie zu öffnen. Im ersten Moment glaubte er sich erneut einer Halluzination gegenüber zu sehen, doch dann wurde ihm klar, dass es nur das dämmrige Licht der Öllampen war, welches die tiefen Schatten auf Andrews Gesicht legte.
„Ich grüße dich.“ Sagte der Okkultist und ließ Andrew eintreten, der den Gruß erwiderte.
In der linken Hand trug er eine schwarze Tasche, von der Richard wusste, dass sie allerlei medizinisches Gerät beinhaltete. Er nahm seinen Freund flüchtig in Augenschein und stellte für sich fest, dass Andrew blasser war als sonst und unter all den Anzeichen litt, die Schlaflosigkeit verrieten, aber ansonsten nicht halb so besessen wirkte, wie Frederick ihn ihm geschildert hatte.
„Frederick ist oben. Er hat den ganzen Tag über geschlafen, bis auf die paar Minuten, in denen er glaubte mir zu erzählen, was geschehen war. Sein Freudenmädchen ist bei ihm.“
„Frau.“ Sagte Andrew ruhig, während sie gemeinsam in Richtung Treppe schritten. Richard machte eine wegwischende Bewegung. „Du bist, was du bist. Daran ändert auch eine Heirat nichts.“
„Selbst wenn du es so siehst, steht ihr dennoch eine Bezeichnung zu. Mrs. Resnick. Daran kann auch deine Geringschätzung nichts ändern.“
Richard lächelte und es war eines der seltenen, liebevollen Lächeln, die er ausschließlich für Andrew bereithielt. Der klare, messerscharfe Verstand versagte in keinem Bereich, den er zu betreten im Stande war. Richard genoss den sachlichen und nicht verletzenden Tadel, den sein Freund, sanftmütig wie er war und doch gleichzeitig besessen von dem Wunsch der Wahrheit und dem faktisch Richtigen, für ihn bereithielt. Während Frederick nicht genug Respekt besaß, um wirklichen Einfluss auf ihn nehmen zu können, gestattete er Andrew, der sich niemals um seinen Respekt bemüht hatte, es hin und wieder zu tun. Einen kurzen Moment lang hatte er Gillians Stimme in den Ohren, die ihn fragte, ob sie befreundet seien und es verwunderte ihn ein wenig. Das Glitzern in ihren Augen hatte ihm etwas sagen wollen, doch was es war, das vermochte er nicht genau zu sagen.
„Du findest den Weg“ fragte er, als sie an der Treppe stehen blieben. „Ich habe noch einen weiteren Gast und möchte sie nicht zu lange warten lassen.“ Sein zufriedenes Lächeln sprach Bände.
„Ich komme zurecht.“ Entgegnete Andrew und lächelte ebenfalls flüchtig, bevor er die Treppe hinauf und Richard zurück in den Salon ging.
Lara zuckte zusammen, als es verhalten an der Tür klopfte, nur um sich gleich eine Närrin zu schimpfen. Richard würde nicht auf diese Weise anklopfen und daher verwunderte es sie nur wenig Andrews Gesicht zu sehen. Der Mann wirkte anämisch und übermüdet, doch dafür hatte Lara nur einen flüchtigen Blick übrig. Sie erhob sich und wollte ihm so gefasst wie möglich entgegen treten, doch kaum hatte sie in seine Augen geblickt, wusste sie, dass in ihren Tränen schimmerten.
„Du kannst ihm doch helfen?“ fragte sie leise und verzweifelt. „Das kannst du doch, oder?“
„Ich werde es versuchen, Lara.“ Entgegnete er ruhig und aufrichtig, während er an ihr vorbei trat und sie wünschte sich einen Moment lang, dass er nicht so rational war wie er war. Sollte man als Arzt seinen Patienten und den Angehörigen nicht Hoffnung schenken? Warum fiel es ihm so schwer etwas Ähnliches zu tun?
Lara betrachtete Andrew gedankenversunken, während dieser sich um ihren Mann bemühte. Sie sah wohl das Stirnrunzeln auf seinem Gesicht, als er den Verband abnahm und die seltsam bläulich schwarz verfärbten, Verbrennungen ähnlichen Wunden sah, die Frederick aufwies, dann allerdings routiniert damit begann sie zu versorgen.
„Hast du… so etwas schon einmal gesehen?“ wagte Lara zu fragen, die natürlich bemerkte, dass Andrew nicht einmal in seinem Tun inne hielt.
„Nein.“ Entgegnete er leise. „Ich mache nur eine Erstwundversorgung, Lara. Ganz gleich, was es sein mag, es kann sich sicherlich entzünden und dagegen zumindest kann ich etwas tun.“
Lara nickte, beobachtete ihn aber weiterhin. Für ihren Geschmack dauerte die „Erstwundversorgung“ allerdings ein bisschen zu lang und sie fragte sich, was Andrew ihr verheimlichte und aus welchem Grund er es tat.
Im Gegensatz zu Richard hatte Andrew sie nach der Heirat voll und ganz als Fredericks Frau akzeptiert und den Umgang mit ihr weder gescheut noch sie verachtet. Lisa und sie waren gute Freundinnen geworden, auch wenn es am Anfang Schwierigkeiten mit der jungen Dame aus sehr gutem Hause gegeben hatte.
Dass Andrew jetzt nicht offen zu ihr war, verwirrte Lara und weckte die Forscherneugier in der jungen Frau.
„Wird er noch länger hier bleiben müssen?“ fragte sie und Andrew warf ihr sanft lächelnd einen Seitenblick zu. „Es ist nicht einfach für dich in Richards Haus zu sein, nicht wahr? Ich werde mein Möglichstes tun, ihn transportfähig zu bekommen.“
Lara lächelte erleichtert. Sie konnte Richards Herablassung und seine Arroganz nicht ausstehen, wusste auch nicht was ihren Mann dazu brachte sich immer wieder mit dem Okkultisten auseinander zu setzen, denn es war offensichtlich, dass auch zwischen diesen beiden Männern eine gewisse Antipathie herrschte. Was Andrew betraf, so war Lara sich nicht ganz sicher. Meistens erschien es ihr so, dass der Okkultist Andrew mit ein wenig mehr Respekt behandelte als seine übrigen Mitmenschen, dennoch auch bei ihm nur sehr selten offene Sympathie zeigte. Dieses Mehr an Respekt jedoch erweckte in ihr das Gefühl von tiefer Verbundenheit. Richard hütete sich davor bei Andrew Grenzen zu überschreiten, ganz so als ob er es einmal getan und dabei eine bittere Lektion hatte lernen müssen.
Die junge Frau wandte überrascht den Kopf, als sie ein leises Stöhnen vernahm und Frederick Sekunden später die Augen aufschlug. Gerade verschloss Andrew ein kleines Fläschchen, aus dem ein scharfer Geruch drang und legte dann seinem Freund lächelnd eine Hand auf die Schulter.
„Guten Abend, Dornröschen.“ Sagte er sanft. „Wie geht es dir?“
„Ich fühle mich… verwirrt.“ Entgegnete Frederick leise. Seine Stimme war belegt und kraftlos. Lara raffte ihre Röcke und trat an das Bett heran, was zur Folge hatte, dass die Augen des Inspektors zu leuchten begannen. Andrew lächelte ein wenig mehr und bot Lara dann seinen Platz an.
„Komm ein wenig zu dir und dann versuche aufzustehen und nach Hause zu fahren, wenn es möglich ist. Ich denke mir, dass Richard ein recht… interessanter Gastgeber sein könnte.“
„Ich bin… in Richards Haus?“ fragte Frederick verwirrt und Andrew nickte kurz. Lara verzog das Gesicht, während sie ihrem Mann eine Haarsträhne aus der Stirn wischte.
„Ja, das bist du und ich persönlich finde das gar nicht so gut.“ Erklärte sie, was ihrem Mann ein Lächeln abrang.
„Dann werde ich mir Mühe geben, wieder auf die Beine zu kommen.“ Versprach er und Andrew nickte. Zu Lara gewandt sagte er: „Ich werde morgen noch einmal nach ihm sehen, wenn es recht ist.“
Ihre Augen leuchteten und sie spürte wie Erleichterung sie durchfuhr. „Danke, Andrew. Ich weiß zwar nicht, was du gemacht hast.“ Ihre Augen blitzten vor Neugier auf. „Aber ich bin dir auf jeden Fall sehr dankbar dafür.“
„Keine Ursache.“ Entgegnete der Mediziner und Wissenschaftler, legte ihr kurz eine Hand auf die Schulter und verließ dann den Raum.
Richard spürte sofort wie Gillians Aufmerksamkeit zunahm, als sie das Foyer durchschritten und gleichzeitig Schritte auf der Treppe laut wurden. Er wusste nicht, warum es ihm nicht gefiel, aber er wusste, dass er nicht umhin kam Andrew seine Gefährtin vorzustellen. War es eine schleichende Angst, die ihn befiel? Oder einfach nur das Verlangen ein Stück Privatsphäre zu besitzen, von dem keiner seiner Freunde genauer Bescheid wusste? Richard konnte es nicht genauer sagen, glaubte aber, dass es ein bisschen von jedem war.
Zu allem Überfluss blieb Gillian stehen und wandte den Kopf, um in Richtung Treppe zu sehen. Richard gefiel das Glitzern in ihren Augen nicht, welches sich hineinmalte, während sie jede Bewegung des jungen Wissenschaftlers genauestens verfolgte. Richard war alarmiert.
Andrew hatte die letzte Stufe hinter sich gebracht, sah zu Richard, streifte die sinnliche Gillian nur mit einem mild neugierigen Blick und wandte sich dann wieder seinem Freund zu. Der Okkultist war wahrlich beeindruckt, dass Andrews Verstand auch bei einer so reizenden Frau wie Gillian ganz offensichtlich die Kontrolle über sein Handeln behielt.
„Frederick ist wach. Ich habe nicht genauer gefragt, was passiert ist, werde das aber morgen nachholen. Die Wunden sind sehr ungewöhnlich, Richard. Ich habe so etwas noch nie gesehen.“
„Dr. Simmons…“kam Gillian ihm mit einer Antwort zuvor. „Ich nehme an, um Sie handelt es sich doch? Ich hörte bereits Gerüchte über Ihren höchst analytisch denkenden Verstand, aber dass Ihre Analyse die Höflichkeit übertrumpft, das ist mir wahrlich neu.“
Richards Züge verhärteten sich, während Andrew die Fremde fixierte.
„Es hat nichts mit mangelnder Höflichkeit zu tun darauf zu warten, dass der Gastgeber seine Gäste einander vorstellt. Bevor er das jedoch tut, sollte er von den Sorgen, die ihn belasten durch einen Freund erlöst werden. Was meiner Meinung nach jedoch Anstand betrifft, so fehlt von diesem hier jede Spur, wenn eine Frau ungefragt eine Unterhaltung unterbricht und das Wort ergreift.“
Richard beobachtete das Funkeln in Andrews Augen und nickte innerlich anerkennend. Bei Gillian musste man sofort klar machen, dass man über Stärke verfügte, sonst hatte sie nur noch Verachtung für einen übrig.
„Andrew Simmons, das ist Mrs. Gillian Jenings“ griff Richard ein, als er Gillians raubtierhaftes Lächeln sah. Sie reichten sich kurz die Hände und der Blick der braunen Augen richtete sie zielsicher auf das feine, weiße Narbengeflecht, welches die ansonsten makellose Hand an einigen Stellen überzog.
„Ein schief gelaufenes Experiment, Mr. Simmons?“ fragte sie unverfroren und Richard spürte wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ihr Glitzern HÄTTE ihn wahrlich warnen sollen.
„Um erfolgreich zu sein muss man manchmal Misserfolge haben.“ Erwiderte Andrew ruhig und ließ die Hand langsam sinken.
„Es freut mich Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Mrs. Jenings.“ Fügte er hinzu und schenkte Richard ein weiteres zurückhaltendes Lächeln. „Auf wieder sehen.“
Mit diesen Worten schritt er an den beiden vorbei und verließ leise das Haus. Richard versuchte sich nichts anmerken zu lassen, doch er wusste, dass ihm das bei Gillian nicht helfen würde. Die Tatsache, dass sie scheinbar genauestens Bescheid wusste, machte ihn zornig und zugleich bewegungsunfähig. Es verlagerte das reizvolle und höchst fragile Gleichgewicht zwischen ihren beiden Persönlichkeiten und gab ihr ein Detail in Bezug auf seine Persönlichkeit in die Hand, das sie nicht besitzen sollte.
„Ich… melde mich bei dir,“ riss ihn ihre Stimme aus seinen Gedanken, während sein Butler ihr in den Mantel half. „Sobald ich etwas gefunden habe.“
„Danke.“ Sagte er kurz angebunden und verfluchte das selbstzufriedne Lächeln auf ihren Lippen, welches durch seine Antwort nur noch breiter wurde.
„Keine…“ Ihr Gesicht näherte sich seinem „Ursache, Richard.“
Der Duft ihres Parfüms faszinierte und ekelte ihn zugleich. Ihre betörende Schönheit hatte niemals erdrückender gewirkt als jetzt.
„Schlaf gut.“ Hauchte sie und die mandelförmigen, dunklen Augen glitzerten verheißungsvoll, bevor sie sich abwandten und Gillian ebenfalls das Haus verließ. Zumindest tat sie es körperlich, doch in Richards Gedanken hörten ihre Worte nicht auf zu spuken.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:16
Kapitel 9: Ernste Worte
„Frederick hat sich wieder vollkommen erholt?“ fragte Lisa und strich sich eine der blonden Strähnen aus dem bleichen Gesicht, während sie Lara ansah, die gerade ihre Teetasse hob.
„Ja.“ Entgegnete die junge Frau. „Es hat eine Weile gedauert und seine Kollegen haben den Mordfall Abberwind ohne ihn aufgeklärt, aber er ist wieder ganz der alte.“
Lisa lächelte. „Das freut mich zu hören.“
Sie betrachtete Lara eingehend und sah das Leben deutlicher in ihr sprühen, als zuvor. Jeder Zentimeter der jungen Frau zeugte davon, dass sie voller Elan und Energie steckte. Neben ihr kam sich Lisa vor wie ein verwelktes Blatt.
„Andrew war ziemlich besorgt. Du kennst ihn ja. Er zeigt es nur selten.“ Lisa lächelte sanft. „Aber er verschwand nicht mehr im Labor. Das sagte mir genug.“
Lara legte den Kopf ein wenig auf die Seite. „Frederick erzählte mir, dass er sehr viel Zeit dort verbringt. Vielleicht… zu viel?“
Lisa strich langsam über ihr Kleid bevor sie antwortete. „Jeder hat seine eigene Art mit Schmerz umzugehen.“
Laras blaue Augen fixierten sie. „Du glaubst also nicht an eine Rettung?“
„Ich glaube es nicht. Ich hoffe es nur.“ Entgegnete Lisa langsam und Laras Augen verloren ein wenig von ihrem Glanz.
„Ich wünschte, dass ich euch helfen könnte.“ Sagte sie leise und sah zu Boden.
„Es gibt nichts, was du tun könntest.“ Lisas Stimme hing sanft, aber endgültig in dem kleinen Salon.
Die Stille zwischen den beiden Frauen wurde durch andere Stimmen gestört und beide hoben die Köpfe.
„Was geht da vor?” fragte Lisa und stand langsam auf. Lara tat es ihr gleich und gemeinsam traten sie auf den Flur hinaus. Sie schritten in Richtung der Stimmen und schauten sich verwirrt an, als sie sowohl Fredericks als auch Andrews erkannten, sich aber noch eine dritte hinzu gesellte.
„Das klingt… nach meinem Vater.“ Sagte Lisa erstaunt und die beiden Frauen erreichten den Absatz der Treppe, die sie ins Foyer führen würde.
Unter sich sahen sie ihre Ehemänner und einen älteren Herren, der dichtes, aber ergrautes Haar hatte. Seine Züge waren asketisch und die grünen Augen glichen Lisas, blickten aber schärfer und strenger in die Welt hinaus, als ihre es taten.
„ Du solltest daran denken, wie viel Zeit euch noch bleibt.“ Sagte Sir LeCarrie in diesem Moment und fixierte Andrew, welcher ihm gegenüber stand.
„Ich arbeite daran, diese Zeit zu verlängern.“ Erwiderte der junge Mann und an der angespannten Tonlage erkannte Lisa die unterschwellige Verzweiflung, welche Andrew hegen mochte.
„Was ist, wenn du dich irrst?“ fragte Frederick deutlich sanfter, als der ältere Herr.
„Ich irre mich nicht.“
Andrew war einen Schritt zurückgewichen.
„Du…“ setzte Frederick an und hob in einer beschwichtigenden Geste die Hände. „Sieh, Andrew, wir wollen dich nicht angreifen… wir machen uns einfach Sorgen. Du bist so wenig du selbst. Du sagst, dass du an einer Lösung arbeitest. Ich glaube, dass du die einzige Lösung, die es gibt längst erkannt, aber noch nicht akzeptiert hast. Es gibt keine Heilung.“
Lisa konnte sehen wie Andrew ein paar Nuancen blasser wurde und einen weiteren Schritt zurückwich. Seine Hände zitterten geringfügig und die Verzweiflung in seinem Blick zerriss ihr fast das Herz. Er versuchte sich zu wehren, doch zwei Männer, die er sehr schätzte, standen gegen ihn. Natürlich musste Andrew sich betrogen fühlen.
Lisa begann langsam die Treppe hinab zu schreiten, durchquerte das Foyer und zog damit unweigerlich die Aufmerksamkeit aller auf sich. Ohne zu zögern glitt sie neben Andrew und sah die beiden Männer selbstsicher an.
„Es ist seine Entscheidung, was er tun will und was nicht.“ Sagte sie leise.
„Lisa…“ begann ihr Vater. Sie trat vor und ihre schlanken Hände legten sich auf seine Brust. „Das einzige, was ich mir von dir für ihn erbitte, ist Zeit, Vater. Andrew glaubt an etwas und solange das so ist, wird er diesen Weg weitergehen. Ich bin seine Frau. Ich werde nicht zurückbleiben.“
„Doch, mein Kind. Doch, das wirst du.“ Entgegnete der Mann mit seiner tiefen, warmen Stimme. „Und bevor es soweit ist, solltet ihr die Momente auskosten, die ihr noch habt.“
Lisa wandte sich zu Andrew um und der Schmerz in seinen Augen war unbeschreiblich. Sie sah den Kampf, erkannte, dass er die Stichhaltigkeit und Logik in den Worten seines Vaters wohl verstand, sie aber nicht mit seiner Vorstellung von Zukunft vereinbaren konnte.
„Hör auf ihn, Andrew. Ich bitte dich. Wenn du schon mir deine Aufmerksamkeit nicht schenken kannst, schenke sie ihm. Wir meinen es nicht schlecht mit dir, mein Freund.“ Drang Fredericks leise Stimme durch den Raum. „Ich kenne dich bereits seit einigen Jahren, aber niemals bist du mir so von… fremden Geistern verfolgt erschienen.“
„Ich bin nicht verfolgt.“ Sagte Andrew tonlos. „Ich jage einer Idee hinterher.“
„Rechne damit, dass du sie nicht erreichen wist und wenn du dich umdrehst, du feststellen musst dass das, was du hattest nicht länger ist.“ Sagte Sir LeCarrie leise und Andrews Züge wurden noch eine Spur gramvoller.
Lisa trat zu ihm zurück und ergriff seine Hand. Ihre grünen Augen glitzerten entschlossen. Andrew erwiderte nichts. Sie spürte wie er kurz den Druck auf ihre Finger verstärkte und sich dann abwandte, um in Richtung des Labors davon zu gehen. Sein Gang wirkte kraftlos und der Blick war zu Boden gerichtet. Lisa schmerzte es ihn so zu sehen.
„Ich wusste nicht, dass du da bist.“ Sagte sie zu ihrem Vater und er blickte ihr in die Augen, die seinen so ähnlich waren.
„Ich hatte eigentlich vorgehabt dieses Gespräch nach einem Treffen mit dir zu führen, doch ich fürchtete meinen Schwiegersohn nicht mehr zu Gesicht zu bekommen, sobald er diese Tür durchschritten hätte.“
„Es ist seine Arbeit.“ Sagte Lisa leise, aber scharf.
„Nein,“ erwiderte LeCarrie betrübt. „Es ist seine Obsession. Lisa, ich bitte dich… wenn du ihn nicht erreichen kannst, wird es ein schlimmes Ende für euch nehmen.“
„Ich liebe ihn.“ Sagte die Hausherrin leise, als könne diese Feststellung all seine Bitten abschmettern.
„Bei deiner Liebe, stell dich nicht auf seine Seite! Es wird dich umbringen und ihm eine Last aufbürden, die er nicht tragen kann!“
Frederick und Lara zogen sich unauffällig ein wenig zurück, doch das bemerkte Lisa kaum. Sie konzentrierte sich vollkommen auf ihren Vater.
„Es ist seine Entscheidung und ich unterstütze sie, ganz gleich wie sie aussehen mag!“
Sir LeCarrie seufzte leise und ließ die Hände sinken. „Du glaubst ihm einen Gefallen zu tun, doch ich sage dir, dass es das Gegenteil ist. Ihn in Schutz zu nehmen wird ihn nicht davor bewahren einzusehen, dass es für dich keine… Zukunft gibt.“
Schmerz spiegelte sich in seinen Augen, der ihr Herz rührte, als er eine Hand ausstreckte und ihr eine Strähne hinter das Ohr strich.
„Ich tue ihm keinen Gefallen, Vater. Ich tue das, was ich für richtig halte.“ Sagte sie sanft, aber entschlossen und sah wie ihr Vater schließlich kummervoll nickte. Seine Enttäuschung und Resignation schnitten tief in ihr Herz und sie hatte das unbestimmte Gefühl eine Entscheidung getroffen zu haben, von der sie gar nicht wusste, dass sie sie hatte treffen sollen. „Ich hatte nur das Beste für euch im Sinn.“ Murmelte Sir LeCarrie leise und Lisa nickte.
„Davon bin ich überzeugt, Vater, dennoch bleibt es unsere Entscheidung.“
Wieder nickte er und ließ seine Hand sinken.
„Ich liebe dich.“ Sagte er leise und ihre Lider senkten sich kurz, um die Tränen der Rührung zu verbergen. Plötzlich machte sich das Gefühl von Verlust in ihr breit und Lisa musste all ihre Kraft aufwenden, um nicht die Fassung zu verlieren, während sich ihr Vater zurückzog.
Andrews Idee war so unschuldig gewesen und sein Bestreben sie zu erfassen nichts anderes als der Beweis dafür, wozu Hoffnung Menschen befähigte, doch jetzt, in diesem Augenblick, hatte sie das Gefühl, dass alles, was diese Idee beinhaltete Zerstörung war.
Lisa spürte die Dunkelheit sich enger um sie legen und mit verlockender Stimme flüstern nachzugeben, doch sie wehrte sich dagegen. So einfach konnte sie es sich nicht machen, wo Andrew so sehr in eine gemeinsame Zukunft vertraute. Würde es etwas ändern, wenn sie ihm von ihren Ängsten erzählte? Würde es ihn zerstören, wenn sie ihm seine Idee nahm? Und wieso musste sie sich diese Frage stellen? Wie konnte es sein, dass eine Idee eine solche Macht über einen Menschen erhielt?
Lisa wusste es nicht. Sie begriff in diesem Moment nur, dass es zu spät war.
Im nächsten sank sie mit geschlossenen Augen zu Boden und blieb reglos liegen.
Re: Reign of evil
Andrew Simmons - 21.01.2007, 15:17
Kapitel 10: Der erste Meister
Gillians dunkle Augen glitzerten in der Kutsche, während sie die Auffahrt zu Richards Haus hinauf gefahren wurde. Ihre behandschuhten Hände hielten ein schweres Buch umschlossen, mit welchem sie den Okkultisten überzeugen würde müssen, wenn er ihr zuhören sollte. Das jedoch sollte Richard tatsächlich besser, wenn ihm das Leben seines Freundes lieb war. Gillians Lippen kräuselten sich zu einem zufriedenen Lächeln, während sie an Simmons dachte, dessen Kälte jede Schicht ihrer Persönlichkeit durchdrungen hatte. Nicht nur der Verstand des eigenwilligen Mannes war schneidend wie die Skalpelle, welche er benutzte. Es würde ihr eine Freude sein ihm zu beweisen, dass Hitze wesentlich angenehmer war als Kälte. Langsam kam die Kutsche zum Stehen und sie wartete einige Augenblicke, bevor die Tür von ihrem stillen Kutscher geöffnet wurde. Anthrazitfarbene Seide raschelte, als sie das Gefährt verließ und einen Moment lang blitzte der kostbare Stoff unter dem schwarzen Mantel hervor, den sie trug. Das rote Haar war zurückgenommen und hoch gesteckt, ihre mandelförmigen Augen dezent betont. Sie wirkte wie eine exotische Schönheit, war nur einen Hauch zu hell und trug die falsche Haarfarbe, um aus dem Orient stammen zu können.
Jeder Zentimeter an ihr war perfekt und sie wusste das. Ihre dezente Schminke hob nur hervor, was an Perfektion ohnehin vorhanden war. Das leichte Parfüm zog die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich, doch sie zu behalten war die wahre Kunst. Sie war im Begriff, diese zu vollenden.
Weil sie sich unter den Augen ihres Mannes aus dem Haus begeben hatte, hatte Gillian auf ihre normalerweise bevorzugten, engen, schwarzen Kleider verzichtet, die jede ihrer wohl platzierten Bewegungen sichtbar machten und stattdessen die unangenehmen weiten Kleider gewählt, welche Konvention waren. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, sich elegant und sich ihrer Ausstrahlung wohl bewusst auf die Tür zu zubewegen. Ein Besuch bei Richard mochte gut vorbereitet sein. Er kannte sie so gut, dass jeder Fehler auffallen würde. Oft schon hatte Gillian sich gefragt, weshalb sie ihm so viel Macht in die Hand gegeben hatte und die einzige Antwort, die sie bislang darauf erhalten hatte, war die gewesen, dass sie dem Reiz irgendwann einmal als fehlbar erkannt zu werden erlegen war.
Sie schritt die Stufen hinauf und spürte förmlich wie sich die Welt einzig und allein auf die nächste Bewegung ihrer Person zu konzentrieren begann. Ihre schlanke Hand schloss sich um die filigrane Kette, um daran zu ziehen und tief in dem Haus die Glocke erklingen zu lassen.
Gillian wartete einige Momente, nahm dann Schritte wahr und sah wie die Tür geöffnet wurde. Richards Butler sah sie aus gefühllosen, wässrig blauen Augen an und sie hob den Kopf ein wenig. Ihre Arroganz perlte an ihm ab. Er zog lediglich eine Augenbraue hoch und sagte dann: „Der gelehrte Herr befindet sich nicht im Haus, Mrs. Jenings.“
Gillian schürzte geringschätzig die Lippen. Da machte man sich die Mühe sich und alles andere perfekt in Szene zu setzen und der „gelehrte Herr“ war nicht da.
„Wo hält er sich denn auf?“ fragte sie mit ihrer rauchigen Stimme und der Butler fixierte sie ganz so als wolle er ihr klar machen, dass er keine Angst vor ihr hatte.
„Im Hause Simmons.“
„Ah.“ Auf Gillians Gesicht malte sich ein Lächeln. „Vielen Dank.“
Mit einiger Genugtuung wandte sie sich ab, das Buch unter dem Arm und gab ihrem Kutscher die Anweisung wo es hingehen sollte, bevor sie das Gefährt wieder bestieg.
Gillian lehnte sich zurück und das Glitzern in ihren Augen verstärkte sich.
Sie hatte schon immer einen Grund gesucht in dieses Haus zu kommen.
Nun hatte sie einen gefunden.
Lea sah auf die Frau, welche sie nun seit Monaten betreute und von der sie wusste, dass sie bald ihrer Hilfe nicht mehr bedürfen würde.
Lisa Simmons war selbst jetzt noch eine klassische, klare und gleichzeitig sehr unschuldig wirkende Schönheit. Die Krankheit hatte ihr zwar die Farbe aus den Wangen und das Schimmern aus den Augen genommen, doch ihre Ausstrahlung von Stärke und gleichzeitiger Zerbrechlichkeit war geblieben.
Leas schlanke Hand glitt über die weiße Bettdecke und sie schob sich eine der braunen Haarsträhnen hinter das Ohr, welche sich aus dem Knoten gelöst hatte. Ihre grünen Augen füllten sich mit Mitgefühl, als sie bemerkte wie schwach sie Atembewegungen der Patientin waren, für die sie Pflegerin gewesen war. Zweifelsohne war zu erkennen, dass Lisas Zeit gekommen war.
Lea schluckte und richtete sich schließlich wieder auf. Dr. Simmons musste wissen, dass es jetzt keine Hoffnung mehr gab. Ihr tat der Mann leid, welcher sich in den letzten Monaten selbst aufgezehrt hatte, um einen Traum zu verwirklichen, an den niemand außer ihm geglaubt hatte.
Lea schauderte kurz, als sie an die blassgrünen Augen dachte, die zu dem Mann gehörten, der gekommen war, um ihren Arbeitgeber in seinen dunklen Stunden zu unterstützen. Sie fragte sich, wie man es auch nur eine Sekunde lang ertragen konnte, diesen unsympathischen Menschen in seiner Nähe zu haben. Sie schüttelte sich und verließ dann mit geschmeidigen Bewegungen den Raum.
Selbstverständlich kannte Lea die Gerüchte um Richard Concord, doch sie glaubte nicht einmal die Hälfte davon. Lea hatte immer schon instinktiv gespürt, wenn etwas nicht der Wahrheit entsprach, auch wenn sie nicht sagen konnte, welches Detail nicht stimmte.
Gerade als Lea die Tür schloss, hörte sie ein dumpfes Geräusch, als ob ein Sessel umgefallen wäre und interessiert schaute sie in Richtung Salon. Was mochte da wohl vorgehen?
Lara und Frederick saßen schweigend in der Kutsche, welche sie zu Andrew zurückbringen würde. Sie selbst hatten den Vorfall am Vortag miterlebt und wussten, dass es zu Ende ging. Andrews Schmerz war nach Lisas Zusammenbruch in Agonie umgeschlagen und er erinnerte seinen Freund an ein verwundetes Tier, welches versuchte sich aus der Falle zu befreien, die sich mit jeder Bewegung tiefer in das Fleisch fraß, welches sie umschlossen hielt.
Der Inspektor wischte sich mit einer Hand über die blassen Züge und spürte wie sich Laras Finger um seine schlossen.
Die Züge seiner schönen Frau waren ebenso verhärmt wie seine eigenen. Sie wirkte älter und kraftlos. Frederick erinnerte sich daran, dass sie im Begriff war eine gute Freundin zu verlieren und er strich ihr vorsichtig über das Haar, während ihre Augen sich vor Trauer verdunkelten.
Urplötzlich rissen die dunklen Wolken am Himmel auf und entließen eine Flut von Regen in Richtung London. Die Luft war angefüllt von der bevorstehenden Spannung eines Gewitters und der Regen verstärkte das Gefühl sich in einer anderen Welt zu befinden, versperrte er doch die Sicht und verwandelte einstmals schöne Häuser in graue, unförmige Schatten.
Frederick fühlte Unruhe in sich aufkommen. Seine Intuition sagte ihm, dass etwas geschah, das zu begreifen er wahrscheinlich nicht im Stande war. Etwas ging vor sich, doch was es war, verschloss sich ihm.
Er runzelte irritiert die Stirn und spürte wie Lara zusammenzuckte, als das erste Donnern über sie hinwegrollte.
„Nicht einmal das Wetter hat Erbarmen mit uns.“ Flüsterte sie, doch Frederick gab ihr keine Antwort. Er fürchtete sich davor, seine Frau anlügen zu müssen, denn die Wahrheit in ihren Worten mochte größer sein, als sie selbst erfassen konnte.
Richard fragte sich, ob er verblendet oder einfach nur die Zeit zu lange gewesen war, in welcher er Andrew nicht mehr gesehen hatte. Dieser Mann vor ihm glich nicht mehr im Geringsten dem Freund, den er kannte und schätzte. Das Gesicht war aschgrau, unter den Augen lagen Ringe und sie selbst waren so stumpf, dass man sie für braun halten konnte. Andrews Haar klebte verschwitzt an seinen Schläfen und seine Bewegungen waren fahrig und unkoordiniert.
Wie hatte ihm das entgehen können?! Und wieso hatte er nicht ein einziges Mal auf den verdammten Inspektor gehört?!
„Andrew?“ fragte er, als er in den Salon eintrat und sein Freund sich zu ihm umwandte.
„Ich war mir so sicher…“ murmelte dieser. „Ich habe gewusst, dass… ich es schaffen würde.“
Richard runzelte kurz die Stirn, trat dann zu dem Wissenschaftler und dirigierte ihn zu einem Sessel.
„Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann, Andrew. Das solltest du am besten wissen.“ Sagte er harscher, als er beabsichtigte und verfluchte sich dafür diesem Mann nicht das Mitgefühl entgegen bringen zu können, welches er jetzt brauchte. Er fürchtete sich davor, seitdem er Andrews Innerstes gesehen und es mutwillig verletzt hatte. Richard kannte den Weg, der ihn zu seinem Freund zurückführen würde, doch er wusste nicht, wie er handeln, agieren, sprechen sollte, um die alten Wunden nicht wieder aufzureißen, die er dort hinterlassen hatte. Andrews Schmerz hatte ihm gezeigt, welche Macht er tatsächlich über Menschen haben konnte und dass sie nichts mit einem einschüchternden Blick seiner Augen zu tun hatte. Jetzt jedoch hatte sich diese Macht gewandelt und glich einem Dorn in seinem Fleisch, den er bei Simmons nicht mehr loswerden konnte. Er schätzte diesen Mann mehr, als jeden anderen Menschen in seinem Leben, zeigte ihm diese Tatsache jedoch von allen am wenigsten. Sein Glück war wohl, dass Andrew selbst zu rational war, um diesen Umstand zu bemerken, aber er selbst kannte ihn und er quälte Richard.
„Ich weiß, aber…“
Richard sah ihm in die Augen. „Das nennt man Hoffnung, mein Freund und sie ist ausschließlich uns Menschen zu Eigen.“
„Nein, das ist es nicht, Richard… nicht nur. Ich weiß, wie sich Hoffnung anfühlt und ich weiß wie weit sie mich bringen kann zu gehen… das war… ist… mehr.“
Wieder runzelte der Okkultist die Stirn und fixierte Andrew erneut. Ein seltsames Gefühl begann an seinen Nerven zu zerren, doch er vermochte nicht zu sagen, was für eins es war.
„Mehr, Andrew?” fragte er langsam.
Sein Freund rang sich zu einem Nicken durch, doch er konnte sehen wie schwer es ihm fiel.
„Ich…“ Die Stimme des Wissenschaftlers war brüchig. „Bin einfach nicht mehr ich selbst. Irgendetwas…“
Richards Stirnrunzeln vertiefte sich. „Nicht mehr du selbst? Du hast nur eins getan. In die Hoffnung vertraut. Dass das nicht ganz du selbst bist, stimmt, aber es ist nichts, was dir Sorgen bereiten sollte…“
Richard hatte das Gefühl, dass er irgendetwas nicht begriffen hatte, konnte jedoch nicht eruieren, was es war.
Andrew sah ihn an und es war Verzweiflung in seinem Blick.
„Richard.“ Hauchte er, seine Hand streckte sich nach dem Freund aus. Alarmiert sprang der Okkultist auf und im selben Moment überflutete ihn eine Welle von Energien, die „nicht passten“ wie er Frederick einmal erklärt hatte. Andrews Kopf wurde von einer unsichtbaren Hand nach hinten gezerrt und die Wirbel des Mannes knackten bedrohlich.
„Ich Narr!“ fluchte Richard, als die Fenster von einer heftigen Sturmböe aufgerissen wurden und ein Schwarm Fledermäuse in das Zimmer hinein gefegt kam. Von Andrews Lippen löste sich etwas, das kaum mehr nach einem menschlichen Laut klang. Zuerst leise entrang sich der gequälten Seele schließlich ein Schrei, der gequält und schließlich zornig und verzweifelt klang.
Richard spürte wie sein Blut zu Eis wurde und er hob die Arme, um die fliegenden Geschosse von seinem Gesicht fernzuhalten. Was auch immer hier am Werk war, es war mächtig. Kleine Krallen griffen nach seinen Haaren und der ungeschützten Haut und rissen daran. Richard knurrte wütend und schlug um sich, um die fliegenden Tiere auf Abstand zu halten. Andrew hatte sich mittlerweile wieder aufgerichtet, doch der Okkultist gab sich nicht der Illusion hin, seinen Freund vor sich zu haben. Langsam begann sich der Mensch vor ihm zu bewegen, ganz so, als ob er sich erst daran gewöhnen müsste, mit diesem Körper umzugehen. Wenn es nach Richard ging, brauchte sich das Wesen gar nicht erst darauf einzustellen! Das war sein Freund und keine gottverdammte Wirtshülle für… was auch immer!
Die Augen des Wissenschaftlers waren zwei Seen aus Schwärze. Sie hatten nichts Menschliches mehr an sich.
„Sie hat euch so geholfen.“ Sagte eine tiefe und weiche Stimme, deren Klang Richards Geist unter ihre Kontrolle zwingen wollte. Der Okkultist presste die Lippen aufeinander und starrte die Kreatur vor sich wütend an.
„Aber eure menschlichen Geister haben immer wieder Ausflüchte gefunden, um das Offensichtliche nicht zu akzeptieren. Drogen. Halluzinogene. Ihr seid so sehr von euch selbst überzeugt, dass ihr glaubt euch niemals irren zu können und dabei ist euer Verstand so… zerbrechlich.”
Während das Wesen noch lächelte, glaubte Richard Andrews verzweifelte Stimme zu hören. Fieberhaft versuchte er sich an all das zu erinnern, was er über Besessenheit wusste und zum ersten Mal in seinem Leben begriff er, was er sich zur Aufgabe gemacht hatte. Ein kleiner Teil seiner selbst hatte wohl doch Andrew recht gegeben und geglaubt, dass das, worüber er las, niemals wahr werden konnte. Nun, sie hatten sich beide getäuscht.
„Was willst du?“ knurrte er, doch das Wesen bedachte ihn nur mit einem arroganten Blick.
„Das wirst du gleich erleben.“ Erwiderte es. Richard machte einen Schritt auf ihn zu, doch der Fremde in Andrews Körper bewegte sich mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit aus seiner Reichweite. Richard blinzelte und brauchte einige Sekunden, bis ihm klar wurde, dass der Körper nicht mehr da stand, wo er zuvor gestanden hatte. Das war unmöglich!
„Das Spiel ist eröffnet.“ Sagte der Fremde süffisant lächelnd und bedachte Richard mit einem geradezu nachdenklichen Blick, der den Okkultisten schmerzlich an seinen Freund erinnerte. An den Freund, den er zurückhaben wollte!
„Oder sollte ich vielmehr sagen… es ist bereits verloren?“
„Für mich hat es noch nicht einmal begonnen!“ rief Richard, doch als er nach der Kreatur greifen wollte, war sie erneut aus seiner Reichweite gewichen, wirbelte herum, schleuderte ihm einen niedrigen Tisch entgegen und riss dann die Tür auf, um aus dem Raum zu fliehen.
Der Körper Lisa öffnete die Augen. Seine Sicht im Dunkeln war wesentlich besser, als sie es jemals zuvor gewesen war, doch für das, was er sah, hätte sie es nicht sein müssen. Die Dunkelheit vor ihm war schwärzer, als die der Nacht.
Dennoch malte sich ein Lächeln auf seine Züge. Es wirkte nahezu entspannt, auch wenn er wusste, was nun geschehen würde.
„Habt ihr mich also gefunden.“ Sagte der Körper, doch das Dunkel gab ihm keine Antwort. Der Körper Lisa war so geschwächt, dass er nicht einmal die Hand heben oder Schreien konnte, als er das Kissen sah, welches sich seinem Gesicht näherte.
„Es tut mir leid, Andrew.” Flüsterte er und schloss die Augen. Im nächsten Moment presste sich ihm der schwere, weiche, aber trügerische Stoff des Kissens in sein Gesicht und das Atmen wurde immer schwerer…
Richard wandte sich ab, so dass der Tisch ihn nicht frontal traf, aber dennoch ins Taumeln brachte, riss sich zusammen und rappelte sich erneut auf. Er hetzte auf den Flur hinaus und sah gerade noch wie das Wesen über das Galeriegeländer flankte und die Distanz zwischen Ober- und Erdgeschoss einfach mit einem Sprung überbrückte.
„Haltet ihn auf!“ schrie er, als er sowohl einen Butler, als auch Gillian in der Haustür entdeckte, doch er wusste, dass es sinnlos war. Sie hatten diesem Wesen nichts entgegen zu setzen und die Tatsache schürte Angst in ihm. Ein Blick nach links zeigte ihm eine leichenblasse Krankenschwester. Richard dachte kurz daran sie erneut zurück in Lisas Zimmer zu schicken, doch ihm blieb keine Zeit.
Andrew war auf dem Weg zu seinem Labor und wenn er es schaffte dort anzukommen, würde etwas passieren! Richard war sich zwar nicht sicher was, aber gut konnte es bestimmt nicht sein.
Der Okkultist schloss die Augen und rannte dann los. Die Stufenzahl schmolz unter seinen Füßen dahin und doch wusste er instinktiv, dass er zu spät sein würde. Richard wetzte durch das Foyer, ignorierte das fragende Rufen Gillians und das unkontrollierte Schreien des Butlers, bekam den Griff der Tür zu fassen, die ihn in den Keller führen wurde und prallte dank seines Schwunges gegen die Wand. Er spürte wie ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde, beeilte sich neue einzuatmen und hetzte dann die unbearbeitete Treppe hinunter, auf der das fremde Wesen längst verschwunden war.
„Andrew, ich bitte dich!“ wisperte er. „Du hast immer die eisernste Disziplin von uns allen gehabt! Bitte lass dich nicht für irgendetwas benutzen!“
Richard erreichte das Laboratorium und prallte zurück, als ihm plötzlich unerträglich grelles grünes Licht entgegenschlug. Er sank an der Wand zusammen und bedeckte die Augen so gut es ging. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie es im Zentrum dieses Lichtkegels aussehen mochte.
„Andrew!” schrie er in das Grün hinein, doch selbstverständlich erhielt er keine Antwort.
Keine Luft drang mehr in die Lungen des Körpers und das letzte Leben war ausgehaucht. Grüne Augen wurden starr und sahen nichts mehr außer Dunkelheit. Schlanke Finger entspannten sich nach dem Todeskampf.
Lisa Simmons Leben war verwirkt.
Richard blinzelte die Tränen weg und glaubte vor sich sechs Schemen zu sehen, doch seine Augen versagten ihn bei dieser Überanstrengung des Sehnervs den Dienst. Immer wieder musste er die Arme heben und sich vor dem Licht schützen, konnte sich nicht nähern und wünschte sich doch nichts sehnlicher als genau das zu tun.
Er erinnerte sich an Andrews Verzweiflung und den Klang seiner Stimme, begriff, dass sein Freund ihm etwas hatte sagen wollen, doch in Ermangelung der Fähigkeiten nicht die richtigen Worte gefunden hatte.
Richard schrie gleichsam wütend wie verzweifelt auf, als plötzlich eine Welle die Luft durchpflügte, auch ihn erfasste und etwas in ihm veränderte. Einen Augenblick lang nahm er die Welt um sich herum schärfer war, vermochte jede Kontur deutlich zu erkennen, jedes Geräusch zu identifizieren und fühlte seinen Geist sich erweitern. Dann presste ihn die Wucht einer Explosion erneut an die Wand und er musste verharren, bis das Licht schwächer wurde und schließlich ganz verschwand.
Richard blinzelte und kämpfte sich wieder auf die Beine. Seine Sinne waren noch immer geschärft und es kostete ihn einige Überwindung den neuen Eindrücken stand zu halten, die sich über ihn ergossen.
Das Labor war vollkommen zerstört. An den Wänden fanden sich Russspuren, die Gerätschaften waren vom Tisch gefallen und auf dem steinernen Boden zerbrochen.
Richard unterdrückte ein Schaudern, als er Andrews ganze Leidenschaft dermaßen vernichtet vorfand. Etwas Fürchterliches war geschehen und sein Freund als Katalysator dafür missbraucht worden.
Richard spürte wie die Wut in ihm hochkochte, doch sie verließ ihn sofort wieder, als er den zusammengesunkenen Körper erkannte, der hinter dem Tisch lag und nur darauf zu warten schien, dass ihn jemand fand, auflas und einem abgetragenen Kleidungsstück gleich auf den Müll beförderte.
Richard kniete sich zu dem Mann, den er unter den Namen Andrew kennen gelernt hatte und drehte ihn auf den Rücken. Ein schmaler Blutfaden rann seine rechte Schläfe hinab und die Augen waren weit geöffnet. Sie trugen nicht mehr das Schwarz in sich, welches Richard so entsetzt hatte, jedoch auch kein Leben mehr. Sie waren starr.
„Nein…“ flüsterte Richard und schlang seinen Arm unter dem Oberkörper seines Freundes hindurch, um den Kopf an seine Schulter lehnen zu können.
Zu schmerzlich erinnerte er sich an die leblosen Züge des Mannes, für die er damals selbst verantwortlich gewesen war. Zu tief griff die Qual nach ihm, Andrew verloren zu haben und mit ihm die Chance dem Mann ein wenig von dem zurückzugeben, was er einst für ihn übrig gehabt hatte.
Die Schönheit in den Dingen, welche Richard so liebte, die Schönheit in dem Schatten eines Blattes auf dem Weg im Wald hatte ihm Andrew gezeigt. Er, für den ein schlafender Mensch, ein Mensch blieb, hatte stets immer nur die Schönheit der schönen Dinge empfunden, die Trauer der traurigen Dinge und Neugier gehegt für die faszinierenden Dinge, jedoch niemals den Grund in ihnen allen gefunden, diese Welt, in der sie lebten nicht so zu lieben wie sie war.
„Richard?“ drang es von der Tür her zu ihm und erkannte Fredericks Stimme, doch der Okkultist wagte nicht sich zu bewegen. Er fürchtete dadurch das letzte Bisschen an Hoffnung, den Mann zurückgewinnen zu können, zu zerstören. Reglos verharrte er, wo er war, ignorierte den Inspektor und sein Freudenmädchen, die Krankenschwester und sogar Gillian, die alle langsam in den Raum geschritten kamen und das Chaos um sie herum zu begreifen versuchten.
Plötzlich spürte Richard wie Luft in Andrews Lungen drang und die hellen Augen blinzelten kurz, schienen aber noch immer seltsam entrückt zu sein.
„Andrew?“ fragte er leise und drängend, aber hoffnungsvoll. „Kannst du mich hören?“
Die Blicke der Anwesenden hatten sich gehoben und Richard glaubte zu spüren, wie sie sich auf sie richteten.
„Er ist hier.” Wisperte sein Freund.
“Was? Wer?” fragte Richard sanft, doch Andrew schien ihn nicht zu hören.
„Der Meister der Dunkelheit ist hier. Seine Regentschaft hat begonnen.“
Nach diesen Worten begannen Andrews Lider zu flattern und er sank in Richards Armen zusammen.
„Der erste Meister…“ wisperte er.
Dann legte sich ein Schweigen über die Anwesenden, das gleichsam endgültig wie verheißungsvoll war.
Ende „Reign Of Evil“
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