Todesstrafe in Japan

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    Re: Todesstrafe in Japan

    Kyomi - 09.01.2007, 23:52

    Todesstrafe in Japan
    Zu diesem Thema hatten wir im alten Animani ja bereits einen Thread - also warum hier nicht nochmal.
    An das Thema erinnert wurde ich durch einen Artikel, welchen ich gestern gelesen habe.

    swr.de/ hat folgendes geschrieben: 31. Dezember 2006
    Todesurteile in Japan auf Rekordstand

    In Japan sind 2006 44 Menschen zum Tode verurteilt worden. Dies sei die höchste Zahl seit 26 Jahren, wie die Zeitung "Nihon Keizai"
    am Sonntag unter Berufung auf Justizdaten berichtete. 1980 waren die Todesurteile erstmals statistisch erfasst worden.Damit warteten
    in japanischen Gefängnissen nun insgesamt 94 Häftlinge auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile. Grund für die häufigere Verhängung
    von Todesstrafen sei offenbar ein härteres Vorgehen der Behörden gegen Gewaltverbrecher.
    Die Regierung in Tokio hatte 1993 nach einem vierjährigen Moratorium die Todesstrafe wieder eingeführt. (N24.de, nz)


    Generell, seid ihr für oder gegen die Todesstrafe?

    Denkt ihr die Zahl der zum Tode Verurteilten in Japan wird in den
    nächsten Jahren noch weiter steigen? Und ist die Abschaffung der
    Todesstrafe in Japan in nächster Zeit eurer Meinung nach realistisch?




    EDIT: Jetzt bin ich gerade auf einen Artikel zu diesem Thema gestoßen, den ich
    recht schockierend fand .... aber lest am besten selbst.

    Zitat: Japan und die Todesstrafe
    Japan: Die verheimlichte Todesstrafe

    Rund hundert Häftlinge sitzen derzeit in Japans Gefängnissen in der Todeszelle - ein trauriger Rekord. 2006 wurden 44 Menschen zum Tode verurteilt - so viel wie seit 1945 nicht mehr. Dennoch wird die Todesstrafe im Land kaum wahrgenommen, weil der Staat sich bemüht, dass alles im Geheimen stattfindet.

    Von Martin Fritz, ARD-Hörfunkstudio Tokio

    Der Anruf kam wenige Stunden nach der Hinrichtung. "Bitte holen Sie den Leichnam ab. Wollen Sie den Körper unversehrt oder sollen wir ihn schon verbrennen?" wurden die Angehörigen von Toshihiko Hasegawa aus heiterem Himmel aufgefordert. Ebenso plötzlich hatte Hasegawa selbst erfahren, dass er hingerichtet würde. Wegen dreifachen Mordes war er 1985 zum Tode verurteilt worden. 16 Jahre lang hatte er auf die Vollstreckung gewartet. Nach dem Wecken wurde ihm am 27. Dezember 2001 mitgeteilt, es sei soweit.

    Eine gängige Praxis in Japan: Verurteilte und Angehörige erfahren erst wenige Stunden vorher von der Exekution. Vor einem buddhistischen Altar ließ man Hasegawa, der im Gefängnis Christ geworden war, ein letztes Mal beten. Ohne Henkersmahlzeit führten ihn die Wärter dann in die Todeskammer des Gefängnisses von Nagoya, der viertgrößten Stadt von Japan. Sie verbanden ihm die Augen, fesselten seine Hände und legten ihm eine Seilschlinge um den Hals. Auf Kommando drückten fünf Gefängnisbeamte gleichzeitig jeweils einen Knopf.

    Kein Gefängniswärter soll sich als Henker fühlen
    Hasegawas Körper fiel in die Tiefe. Nur einer der fünf Knöpfe hatte die Falltür tatsächlich geöffnet. So wusste kein Wärter, wer den Gefangenen tatsächlich getötet hatte. Dieses System wurde vor mehr als 30 Jahren eingeführt, damit sich keiner der Wärter als Henker fühlen muss. Falls Hasegawa Glück hatte, war sein Genick sofort gebrochen. Sein Herz schlug aber möglicherweise noch bis zu 45 Minuten lang weiter. Wäre das Seil an seinem Kinn hängen geblieben, hätte man die Hinrichtung am gleichen Tag wiederholt.

    Aber wie die letzten Stunden von Hasegawa wirklich ausgesehen hatten, wurde bis heute nicht bekannt. Denn in Japan werden Hinrichtungen grundsätzlich verheimlicht. Das Justizministerium meldet die Vollstreckung nur mit einer kurzen Pressemitteilung. Der Ablauf einer Exekution durch den Strang wurde bislang nur durch Zeugenaussagen rekonstruiert, aber nie offiziell bestätigt.

    "Der Grund für die Verheimlichung ist, dass der Staat sich für seine Tat schämt", meint Journalistin Kimiko Otsuka, die zahlreiche Gefängnisangestellte befragt hat. "Er vermeidet dadurch, den Widerspruch aufzuklären, als Staat Mord zu verbieten, aber selbst Menschen zu töten. Für diesen Widerspruch gibt es keine Erklärung, deshalb versteckt Japan seine Todesstrafe."

    44 Todesurteile im letzten Jahr
    Diese Strategie war sehr erfolgreich. Denn es ist kaum bekannt, dass Japan als einzige entwickelte Industrienation außer den Vereinigten Staaten die Todesstrafe vollstreckt. Seit 1945 wurden 636 Menschen gehängt. Letztes Jahr wurde die Rekordzahl von 44 Menschen zum Tode verurteilt, die Zahl der Todeskandidaten stieg auf 94, ebenfalls ein Rekord. Gehängt wird stets, wenn das Parlament Sitzungspause hat. Die Namen der Gehängten werden nur bekannt, wenn die Angehörigen sie veröffentlichen. Dreißig Jahre lang durften Parlamentarier nicht einmal die leere Todeskammer des Gefängnisses von Tokio sehen. Mit solchen Methoden konnte das Justizministerium bisher jede Diskussion über die Todesstrafe vermeiden.

    "Die Todesstrafe in Japan dient weniger dazu, um andere Menschen von Kapitalverbrechen abzuschrecken, sondern die Regierung will dem Volk mit den Hinrichtungen demonstrieren, dass sie Recht und Ordnung aufrecht erhält", sagt der Generalsekretär von Amnesty International Japan, Makoto Teranaka.

    "Todeskandidaten leben nur noch körperlich als Mensch"
    Nach Ansicht von Menschenrechtlern werden die Todeskandidaten unnötig brutal behandelt. Die Verurteilten dürfen nicht mit anderen Insassen sprechen, nicht fernsehen und keinen Hobbys nachgehen. Nur direkte Angehörige dürfen die Gefangenen besuchen, jedes Gespräch wird überwacht, jeder Brief zensiert. Jeder vierte Todeszelleninsasse bekommt gar keine Besucher. Allein auf knapp sieben Quadratmeter eingepfercht, die Glühlampen niemals ausgeschaltet, fast die Hälfte der Zellen ohne Tageslicht, ertragen viele Gefangene ihre Isolation nur mit Hilfe von Schlaftabletten. Viele Verurteilte warten wegen der extrem langsamen Justiz in Japan teilweise mehr als vier Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung. Dennoch kann jeder Tag ihr letzter sein. Dieser Stress macht viele Todeskandidaten seelisch krank. Wer aufbegehrt, wird tagelang gefesselt und muss ohne Hände wie ein Hund aus dem Napf essen.

    "Wer in Japan zum Tode verurteilt wurde, lebt nur noch körperlich als Mensch. Aber sozial ist er tot, so sehr wird er isoliert. Ich bedaure sehr, dass man es einem Sünder verweigert, menschlich zu leben und sein Verbrechen zu sühnen", sagt Ordensschwester Takako Hasegawa.

    80 Prozent der Japaner für die Todesstrafe
    Zwar treten laut einer Umfrage 80 Prozent der Japaner für die Todesstrafe ein. Aber viele Kritiker führen dies auf die extreme Geheimhaltung zurück. Wüsste die Bevölkerung mehr über die Haftbedingungen und den Ablauf der Exekutionen, würden mehr Japaner die Täter als Menschen betrachten und sich gegen die Todesstrafe wenden. Dann würden auch mehr Japaner erfahren, wie absurd ihre eigenen Gesetze sind: Zum Tod verurteilt wird in Japan nur, wer mindestens drei Menschen getötet hat. Aber Familienangehörige zählen dabei nicht mit.


    EDIT: [07.12.07]

    Spiegel Online hat folgendes geschrieben: Drei verurteilte Mörder in Japan gehenkt

    Alle drei waren Mehrfachmörder, keiner wurde begnadigt: In Tokio und Osaka wurden heute drei Männer exekutiert. Während Menschenrechtsorganisationen die Hinrichtungen scharf verurteilen, drängt Japans Justizminister auf eine schnellere Umsetzung von Todesurteilen.

    Tokio - Die Strafen sind archaisch, die Informationspolitik neu: Erstmals teilte die japanische Regierung im Zusammenhang mit Exekutionen die Namen und das Verbrechen der Hingerichteten sowie den Ort der Exekution mit. Bislang war stets nur die Zahl der Hingerichteten genannt worden - und die ist mit bereits neun vollstreckten Todesurteilen im laufenden Jahr nicht eben klein.

    Wie Justizminister Kunio Hatoyama mitteilte, reagiere man mit der geänderten Informationspolitik auf Forderungen von Bürgern, darunter auch Verbrechensopfern. Es waren die ersten Hinrichtungen seit seinem Amtsantritt im August dieses Jahres.

    Bei den in Tokio Hingerichteten handelt es sich um den 47-jährigen Seiha F., der wegen fünffachen Mordes verurteilt worden war, und den 42-jährigen Räuber und zweifachen Mörder Hiroki F. In Osaka wurde der 74 Jahre alte Noboru I. gehängt, der drei Menschen getötet hatte.

    Menschenrechtsorganisationen haben Japan wiederholt für die Anwendung der Todesstrafe kritisiert. Amnesty International begrüßte es, dass Informationen über die Getöteten veröffentlicht wurden, kritisierte die Hinrichtungen aber scharf.

    Japan gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist. In den Gefängnissen des Landes warten derzeit noch 107 zum Tode Verurteilte auf die Vollstreckung ihrer Strafe. Bis Dezember vergangenen Jahres galt ein 15-monatiges Moratorium, das der damalige buddhistische Justizminister Seiken Sugiura angeordnet hatte.

    Im September dann hatte Justizminister Kunio Hatoyama die schnellere Vollstreckung von Todesurteilen verlangt. Bislang muss der Justizminister jede Hinrichtung abzeichnen. Hatoyama will eine "automatische" Vollstreckung ohne weitere Genehmigung durch seine Unterschrift durchsetzen.

    ala/AFP/dpa/AP

    Edit: 13.02.08

    Zitat: 46 Todesurteile im Jahr 2007
    So viele wie seit fast drei Jahrzehnten nicht

    Tokio - In Japan sind im vergangenen Jahr so viele Menschen zum Tod verurteilt worden wie seit fast drei Jahrzehnten nicht. Es seien 46 neue Todesurteile ergangen, zwei mehr als im Jahr zuvor, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag. Insgesamt saßen im Jahr 2007 mindestens 106 Verurteilte in der Todeszelle, mehr als jemals zuvor seit dem Beginn entsprechender Statistiken im Jahr 1980. Neun Verurteilte wurden hingerichtet, ebenfalls so viele wie seit 1980 nicht.

    Im Dezember wurden in Japan drei verurteilte Mörder hingerichtet, und das Justizministerium nannte erstmals die Namen der Getöteten. Wegen seiner Praxis, Einzelheiten zu Hinrichtungen geheim zu halten, ist Japan von Menschenrechtsaktivisten scharf kritisiert worden. (APA/AP)

    EDIT: 1.02.08

    Todesstrafe.de hat folgendes geschrieben: Wieder Hinrichtungen in Japan
    (ph) In Japan ist kein Ende der Todesstrafe in Sicht. Nachdem letztes Jahr 9 Menschen am Galgen starben, wurden heute Morgen erneut 3 Personen am Galgen gehängt. Bei den Delinquenten handelte es sich um den 65 jährigen Takashi Mochida, den 63 jährigen Masahiko Matsubara und den 37 jährigen Keishi Nago. Die Hinrichtungen fanden in Tokio, Osaka und Fukuoka statt. Alle drei wurden wegen Mordes zum Tode verurteilt.

    Takashi Mochida wurde wegen Mordes und Vergewaltigung im Jahre 1997 verurteilt. Masahiko Matsubara wegen Raub, Vergewaltigung und Mord im Jahre 1988 und Keishi Nago wegen Mordes an einer Mutter und deren Tochter.



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