Der Studio Guide

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    Re: Der Studio Guide

    Moonroe - 07.01.2007, 01:15

    Der Studio Guide
    Bääm !


    Fangen wir an mit dem Aufnahmeweg von eurem Mund bis auf die fertige CD. In logischer Reihenfolge werde ich alle Komponenten beschreiben. Ich berichte hier über eine Art technische Mittelklasse: Darunter gibt es preisgünstige, semi-professionelle Gerätschaften und darüber ist der Preishorizont für den audiophilen Studio-Enthusiasten bis in fast unendliche Spähren offen…

    1. Das Mikrofon
    Man unterscheidet generell zwischen dynamischen Mikrofonen mit kleiner Kapsel (wie z.B. das Shure SM58, das klassische Bühnenmikrofon) und sogenannten Großmembran-Mikrofonen, die nur in Studios verwendet werden, fast nie Live. Dynamische Mikrofone hält man in der Hand, ihre kleine Kapsel ist für den Live-Gesang gut, aber sie können die Stimme oder akustische Signale überhaupt nicht so gut abbilden wie ein Großmembran-Mikrofon. Sie sind also in erster Linie etwas für die Bühne oder den Probenkeller.

    Bei den Großmembran-Mikrofonen gibt es wahnsinnige Qualitätsunterschiede und viele Dinge, die es zu beachten gilt. In der High-End-Dimension sind wirklich alle Mikrofone ab einer gewissen Preisklasse exzellent - hier spielt dann die persönliche Note eine Rolle. Folgende Features sind wichtig:

    Charakteristik: Die wichtiges Charakterisik ist die der Niere. Sie leitet sich von der Form des Körperteils her. Mikrofone mit Nierencharakteristik nehmen ein Signal dirkekt vor der Membran gut auf, dahinter, darüber und an den Seiten aber weniger. Für Sänger oder Rapper also genau das richtig. Andere Charakteristiken wie Kugel oder Acht sind fürs Rappen also uninteressant - sie kommen eher bei der Abnahme von Instrumenten zum Tragen. Deshalb ist eine umschaltbare Charakteristik egal, wenn man das das Mikrofon nur zum Rappen nutzen will. Aber keine Sorge: Niere ist die Grundcharakteristik aller Gesangsmikrofone.

    Röhre: Manche Mikrofone verfügen über eine eingebaute Röhre. Die Röhre ist ein labiles elektronisches Schaltteil, das mann noch aus alten Radios kennt. Wie eine Glühlampe, kann sie irgendwann kaputt gehen und muss dann ersetzt werden - das ist teuer. Die Röhre wurde vor Jahrzehnten in vielen akustischen Geräten als Bauteil eingesetzt, wurde aber dann überholt. Im Zuge einer Entwicklung, die den alten "Vintage" Sound, der wärmer, seidiger und nicht so elektronisch sein will, zurückzubringen, wollen viele diesen "Röhrensound". Eine Röhre KANN aber auch im PreAmp sitzen (nächster Absatz).

    Membran: Die Membran ist das zentrale Stück des Mikrofons, die den Schall auffängt und meist aus goldbedampfter Metallfolie. Je größer sie ist, desto sensibler. Sollte die Membran beschädigt werden, ist das Mikrofon absolut unbrauchbar und sie muss ersetzt werden. Darum ist die gut geschützt.

    Schaltung: In der Metallröhre des Mikrofonkörpers sitzt eine Schaltung, die das von der Membran aufgefangene Signal umwandelt und verstärkt. Hier kommt -wie oben gesagt- oft eine Röhre zum einsatz. Die Firma NEUMANN hat sich auf eine sog. "transformatorlose" Schaltung spezialisiert, die eine möglichst getreue Abbildung des Klanges bei absolut minimiertem Eigenrauschen ermöglichen soll.



    Audiotechnica AT-4035 (wird nicht mehr hergestellt. Heute aber vergleichbar und noch etwas besser: AT-4040SM. Noch besser das AT-4050, das mit umschaltbarer Charakteristik aufwartet und extrem hohe Schalldrücke verarbeiten kann.)
    Die Firma Audiotechnica bietet sehr vernünftige Qualität zum kleinen Preis und man kriegt für 350,- Euro ein Spitzenmikrofon. Der Klan ist nicht so schneidend und seidig wie bei einem Neumann, aber auch ohne großes Bearbeiten ist die Stimme präsent im Beat. Besonders gut an dem Mikrofon ist, dass es einen sehr großen Schalldruck verarbeiten kann. Also ruhig anschreien.

    Neumann U-87

    Die Firma Neumann aus Berlin ist DER klassische Hersteller für Mikrofone, wie Levi´s für Jeans, Technics für Plattenspieler etc.. Die Neumann Mikrofone sind über alle Maßen gut verarbeitet und seit Jahrzehnte "State of the Art". Das U-87 ist das klassische Gesangsmikrofon überhaupt und die Referenz per se. Ohne Röhre, jedoch ein seidiger, in den Höhen fein ausformulierter Klang. Bei Neumann werden Bauteile wie Kapseln, Schaltungen, und auch die Einfassungen immer in Variationen durcheinandergebaut: Die ganze Produktfamilie setzt sich aus wenigen Komponenten zusammen. Es ist eine Geschmacks-, Bedarfs- und mitunter auch Preisfrage, was man sich hier kauft.

    Neumann M-149

    Das dickere M-149 ist eine Neumann Röhre und nutzt die legendäre K-49 Kapsel aus den 50er Jahren. Sie ist warm wie ein Lagerfeuer an einem Winterabend und fürs Rappen eigentlich zu schade: Man nutzt das Volumen dieses Mikrofons eher mit einer wirklich guten Sängerin. Dennoch ist es auch bei Rappern sehr beliebt.

    AKG C-414B

    Das kantige AKG sieht ein bißchen aus wie der olle Braun-Sixtant Rasierer und ist harter Kult. Ich persönlich fand es nie so spektakulär, doch es gibt eine harte Fangemeinde die auf dieses und dann auch nur auf dieses Mikrofon schwört. Die Charakteristik ist umschaltbar.

    Brauner Valvet

    Brauner verhält sich zu Neumann etwa so wie Lamborghini zu Ferrari: Letzterer ist beliebter und es gibt mehr Modelle, aber ersterer gilt den Puristen als die stilsichere, eben weil unorthodoxere und kantigere Wahl. Handgefertigtes Edelmikrofon mit samtweichem Klang. Keine umschaltbare Charakteristik, aber das braucht man auch nicht zum rappen. Röhre am Start. Super-Super-Mikrofon. Damit haben wir fast das ganze Donnerwetter-Album aufgenommen. Brauner Mikrofone zählen zu den rauschärmsten der Welt.

    Brauner Phantom

    Dieses technisch exakt als "Druckgradientenempfänger" klassifizierte Mikrofon sieht dem Valvet sehr ähnlich - ist es auch. Nur die Röhre fehlt. Der Klang ist über alle Zweifel und Kritiken erhaben. Hiermit haben wir "Der Herr der Dinge" aufgenommen.

    RODE NTK

    Rode Mikrofone sind zunächsteinmal sehr günstig und bieten viel für wenig Geld. Das NTK ist eine Rode Röhre und sehr, sehr scharf im Klang: Natürlich eine gute Durchsetzungsfähigkeit im Mix. Mir jedoch zu höhenlastig.

    2. Der Vorverstärker

    Den Vorverstärker, zu Englisch Pre-Amp, kann man auch weglassen. Er kann aber den Klang verbessern. Zum Beispiel durch eine im Pre-Amp hinzugefügte Röhrensättigung, durch eine kleinen EQ, eine Low-Cut Schalter oder eine (meist nur ganz leichte) Kompression. Ich frage mich immer: Warum bauen die sowas nicht gleich in ein Audio-INterface ein bzw. warum kann man nicht gleich die Wandler da reinschmeißen und hinten ein Firewire-Kabel rausgehen lassen. Warum? Weil die Säcke Geld machen wollen.

    -SPL Goldmike

    Neuerdings auch als Goldmike Mark II in einer neueren Version mit vielen Verbesserungen. Ersteinmal ist dies ein Stereovorverstärker, man braucht in der Regel nur eine Seite. D.h., er die Hälfte dürfte auch nur die Hälfte kosten: Und eigentlich braucht man nur die. Dennoch ein gutes, einfach zu bedienendes Teil mit Röhren. Clou des Gerätes ist die sogennnate "Flair"-Schaltung, die der Stimme mehr Präsenz verleihen soll. Hört sich wirklich gut an. Zu denken gibt mir, dass man das Gerät mit teureren "Lundahl"-Wandler für Ein- und Ausgänge tunen kann, wo ich mich dann frage: "Wenn es dafür bessere Wandler gibt als die schon eingebauten, dann können die ja nicht sooo gut sein!"


    -AVALON "VT 737 SP"

    Dies ist nu nicht bloß ein Pre-Amp, sondern ein "Channelstrip", entspricht also EINEM Kanal auf einem großen, fetten Mischpult wie man sie von früher so kennt: Das heißt für den Nutzer, dass er auch einen EQ hat, einen Kompressor und einen Filter. Avalon ist eine absolute High-End Firma und mit einigen Wenigen anderen wie Manley das Maß aller Dinge in diesem Bereich. Wirklich, wirklich super das Teil. Auch mit Röhrensättigung. Hatte leider erst zwei Mal Gelegnheit, es zu nutzen, aber ich hätte auch sehr gerne einen.

    -Mindprint Envoice

    Röhren-Channelstrip (Vorsicht: Das ist nur eine Röhrensimulation) mit Filter und Kompressor. Das Ding hat viele Einstellmöglichkeiten und ist billig. Das ist das positive. Ich finde den Sound nicht sonderlich "warm" und irgendwie künstlich. Das ist das negative. Aber was wirklich Spitze ist: Mindprint hat meine Gedanken gelesen und ein optionales AD/DA Wandler Modul entwickelt, das über USB aus dem Ding raus und in den Computer reingeht. Bravo, das ist super.


    -SPL Track One

    "Kleiner" Channelstrip von SPL der schnell und einfach eine Stimm- oder Instrumentalaufnahme schon leich vorbeartbeitet einspeisen soll. Dafür ganz gut, aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Vor allem ist er günstig.

    -SPL Channel One

    "Großer" Channelsrip mit EQ und DeEsser. Kann man sehr, sehr streiten, wer das braucht. Zumal man das alles auch im Rechner machen kann. Aber das Gerät hat echt viele Möglichkeiten. Allerdings recht teuer. Macht dann Sinn, wenn man auch viele (schwierig einzustellende) Instrumente aufnehmen möchte.

    -Universal Audio LA-610

    Der LA-610 heißt so, weil er sich quasi aus dem LEGENDÄREN LA2A Kompressoer und dem nicht minder LEGENDÄREN 610 PreAmp zusammensetzt. Das Gerät ist ein "Voll-Röhrendesign", also fließt das Signal nur durch Röhrenwandler. Der Kompressor ist angeblich der beste jemals gebaute Vocal-Kompressor - allerdings sollte man ihn nur sparsam nutzen. Frank Sinatra oder die Doors haben das Teil ebenso benutzt wie wir zur Aufnahme des Donnerwetter! Albums. Das Gerät ist gegliedert in Röhren Pre-Amp und Compressor. Unglaublicher Sound zu sehr, sehr fairem Preis.

    -Universal Audio Solo 610

    Das gleiche wie vorher, nur dass man sich den Kompressor gespart hat und somit den "reinen" PreAmp bekommt.

    3. Das Audio Interface

    Hierdurch gelangen die Daten final in den Rechner. Es gibt eine Vielzahl an Audio-Karten und man findet für wenig Geld schon eine ganze Reihe, die mit vielen Anschlüssen, Kanälen und hohen Bit- und Sampleraten locken. Zunächsteinmal seien diese Erklärt: Samplerate ist gewissermaßen die Einheit, in wie viele Hertz das Signal zerlegt. Für gewöhnlich arbeite man mit einer höheren Rate als CDs haben (44.1 khz) und rechnet diese dann ganz am Ende runter. Die Bitrate ist die gewißermaßen die "Tiefe" des Signals und man kann sie ganz gut mit digatlen Bildern vergleichen: Umso höher dort die Bitrate, umso farbechter und genauer sind die Bilder. Dies ist beim Klang ähnlich. Umso besser eine Stimme oder überhaupt jedes Signal aufgenommen wird, umso mehr kann man es auch bearbeiten und umso lebendiger klingt es. Das Audio-Interface oder die Soundkarte stellt oftmals den "Flaschenhals", also die schlechteste Komponente im System dar. Ein gutes Mic und ein guter PreAmp nutzen wenig, geht das Signal am Ende durch eine schlechte Soundkarte.

    -Focusrite Saffire

    Das äußerst günstige Interface ist einfach aufgebaut, bietet aber alles was das Herz begehrt und hat sehr nützliche Features wie ein Crossfader, mit dem sich auf den Kopfhörern das Instrumental gegen das Mikrofon pegeln läßt. Hammeridee. Die Mikrofon PreAmps sind qualitativ denen der Focusrite Green Serie ähnlich, also wirklich gut.

    -M-Audio Zeug

    Ich möchte hier auf die ganze Firma eingehen, da ich mehrere Produkte davon kenne und benutzt habe. Die Wandler sind OK und die Sachen sind billig: Aber es gibt besseres, viel besseres. Vor allem sind die Treiber oft Mist. Das macht keinen Spaß. Das Firewire 1814 ist momentan eine sehr günstige Offerte und bietet einiges. Auch für mobile User gut geeignet.

    -MOTU 828 MK II Firewire

    Superteil, Hammerpreis, sofort kaufen, wenn man die Kohle hat. Jeder den ich kenne der es hat ist nur voll des Lobes. Also cool. MOTU Sachen sind -wie dieses Gerät auch- oft für den Live-Einsatz gedacht und dementsprechend robust.

    Quelle: Pi



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