Meine Geschichte

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    Re: Meine Geschichte

    Adaneth - 17.12.2006, 15:13

    Meine Geschichte
    Ich weiß ja nicht, ob es wen interessiert, aber ich schreibe seit ein paar Jahren an einer Fantasy-Geschichte, sie hat inzwischen 59 Seiten :D . Ich stell sie gerne rein, wenn ihr sie lesen wollt.



    Re: Meine Geschichte

    alfarin - 17.12.2006, 15:40


    Klar immer her damit :)



    Re: Meine Geschichte

    Adaneth - 17.12.2006, 18:47


    OK, ich poste sie...aber der Anfang gefällt mir selbst nicht so, hab im Moment leider wenig Zeit zum Überarbeiten. Es kommt irgendwann auch mal ein elbisches Zeichen vor, hier wird es nur mit dem Buchstaben "A" gezeigt.

    Teil I : Der König von Avangon
    Es war ein schöner Morgen im weißen Turm. Der Wind blies sanft und eine weiche Brise strich über das Land. Oben am Himmel tummelten sich die Vögel. Es war das 24. Sonnenjahr, 100 Meilen nördlich von Kiar im Lande Avangon, 5 % des Tages (in der Neuzeitrechnung am 24. März) im Jahre 1178. In der Herrschaftszeit von König Ingor ein glücklicher Morgen, heute war seine Hochzeit mit Iona, Prinzessin von Helem. Beide erwarteten mit Freude die 10 % des Tages, dann würden sie alle in das Kalandhar gehen. Dies war eine Kapelle, vorgesehen für Herrscher, die heiraten oder geweiht werden. In dieser wurde auch Ionor (1045 - 1117, Herrschaftszeit von 1056 - 1116), der wohl größte Herrscher des 24. Sonnenjahres, gekrönt und getraut. Der Legende nach hatte sich Iongor (etwa 7895 –7820 a.t. ), der Herrscher von Uldenau, hier angesiedelt. Dieser wurde, nach seiner 30-jähriger Herrschaft, verbannt, der Grund war niemals bekannt gewesen. Angeblich hatte er mit 3000 Mann den Weißen Turm erbaut.
    Die Festvorbereitungen liefen schon, als Ingor seine Feder niederlegte. Er las sich den Brief noch einmal durch:

    Ingor, Herrscher des Weißen Turmes, 24. Sonnenjahr 1178, 6 % des Tages

    Geliebte Iona,
    Heute werden wir heiraten. Ich kann es nicht mehr erwarten, es sind noch 4 lange % des Tages, bis wir endlich für immer und ewig vereint sind. Was will ich mit diesem Brief bezwecken? Ich werde ihn an meinen Großvater in Berk schicken, dort wird er seinen Platz finden. Oder lieber an Fijn hol Baar in Helsam . Dort wird er sicher sein, bis du ihn findest. Kein Wesen dort wird ihn öffnen. Wenn du in fernen Jahren diesen Ort findest, wirst du das größte Geheimnis, das ich in mir trage, erfahren. Lange sprach man von dem Ring der Unsterblichkeit, doch niemand vermochte zu sagen, wo er sich befindet. Es heißt, er sei mit dem ersten König begraben worden oder auch, dass er wird von Fijn hol Baar in Helsam bewacht. Aber, Iona, ich weiß, wo er sich wirklich befindet. In den Nebelgebirgen, dort, wo man sagt, dass der Große Meister in den Himmel aufstieg. Dort findest du die Höhle der ewigen Dunkelheit. Jedoch du, Iona, wirst Licht finden, denn du selbst strahlst wie die Sonne. An ihrem Ende befindet sich eine Tür, durch die seit ihrer Versiegelung niemand hindurch gekommen ist. Bedenke, der Schlüssel steckt bereits im Schloss. Der Name des Ringes ist ein großes Geheimnis. Iona, du darfst ihn niemandem preisgeben. Er lautet: Cuil Anann. Sprich ihn aus und die Tür wird sich öffnen. Darin wirst du den Ring finden. Ich kann dir nicht sagen, was dich erwarten wird. Ich wünschte, ich könnte dich auf deiner Reise begleiten. Mögest du durch diesen Ring der Unsterblichkeit erlangen.
    Ach Iona, niemals möchte ich diesen Brief beenden, so erinnert er mich doch jede Sekunde an Dich. An Dein Gesicht und Dein Lächeln, das Schönste auf Erden. Ich wünschte mir lange nichts mehr, als diesen Tag, an dem Du und ich für immer vereint sein werden. Nun ist er da, und doch ist unser Glück noch fern. Erst wenn wir gemeinsam das Tor der ewigen Glückseligkeit überschritten haben, wird uns der Große Meister gnädig sein. Doch das werden wir gewiss tun.
    Iona, all meine Gedanken gelten Dir. Nichts bewegt mich mehr, als die Schönheit Deines Gesichts. Es ist wie ein Traum, in dem alles in Erfüllung geht, was man sich je wünschte.
    Auf dieser Welt gibt es viele zweifelnde Menschen. Auch ich habe Zweifel daran, ob ich ein guter Herrscher bin. Doch an meiner Liebe zu Dir, liebste Iona, habe ich keinen Zweifel. Nicht einmal an Deiner Liebe zu mir. Iona, lass den Schatten aller Vergangenheiten hinter Dir. Denke nur an uns.
    O Iona, die Glocken läuten. Es ist bald soweit. Es dürstet mich, dich zu sehen und in all deiner Schönheit vor dem Altar zu erblicken.
    Sei mit mir auf ewig vereint! Möge der Große Meister uns erhören.
    In ewiger Liebe, Ingor


    Weithin erklang der Schall der Glocken. Er galt allen Menschen des Westens. Er sollte ihnen den Klang der Hochzeit bringen, damit sie das Glück mit dem König und der Prinzessin teilten.
    Iona, war die Tochter eines berühmten Herrschers, Zoan, der das Reich Helem beherrschte. Schon früh hatte dieser an eine Hochzeit seiner Tochter mit Ingor gedacht und hatte inständig gehofft, dass sie sich mögen, ja vielleicht sogar lieben würden. Aber er dachte nie, dass sie beide ohne einander gar nicht leben wollten und dass eine Hochzeit für sie das Höchste auf Erden ist.
    Iona stand in ihrem Zimmer vor dem Spiegel und betrachtete sich. Das Brautkleid, das sie dabei trug, war weiß mit lilanen langen Streifen an den Seiten. Ihre Brüste waren durch viel Stoff noch oben geschoben worden, so dass sie großer aussahen. Iona betrachtete sich zufrieden. Endlich sah sie wie eine Frau aus und nicht mehr, wie ein kleines hilfloses Mädchen. Die braunen Haare waren aufwendig zu zwei Zöpfen geflochten worden und dann beide an den Enden mit einer Spange am Kopf festgemacht. Iona seufzte zufrieden. Heute war der glücklichste Tag in ihrem Leben. Sie würde endlich ihren geliebten Ingor heiraten. „Schluss mit der Heimlichtuerei“, sagte sie zu sich selbst. „Jetzt müssen wir uns nicht mehr verstecken.“ Sie konnte sich noch genau erinnern, wie sie Ingor kennen gelernt hatte. Seitdem waren viele Sommer und Winter vergangen. Es war im Frühling gewesen.
    Lange hatte ihr Vater Iona auf diesen Tag vorbereitet. Der Tag, an dem sie zu dem Weißen Turm im Lande Avangon reiten sollte. Sie war erst 35 Jahre alt und somit eigentlich noch ein Kind. Aber ihr Vater hatte darauf bestanden. „Du wirst ihn mögen“, hatte er immer wieder gesagt. Wen er eigentlich mit „er“ meinte, hatte Iona lange nicht herausgefunden. Inzwischen wusste sie aber, dass es der Kronprinz von Avangon war. Sein Name lautete Ingor. Iona hatte sich bereits in den Klang des Namens verliebt, bevor sie ihn überhaupt gesehen hatte. Laut ihres Vaters war der Kronprinz 40 Jahre alt, hatte bernsteinfarbene Augen und blondes Haar. Er war tapfer und mutig, doch das hatte Iona fast über alle Männer gehört. Nun war der Tag gekommen, an dem sie nach Avangon zum Weißen Turm reiten sollte um Ingor kennen zu lernen. Ihre Mutter gab ihr Essen und Trinken mit und ihr Vater gab ihr 6 Soldaten als Schutz mit. Zum Abschied umarmte sie ihre Eltern und zerdrückte dabei eine kleine Träne. Noch niemals war Iona alleine unterwegs gewesen und schon gar nicht in ein fremdes Königreich. Trotzdem war in ihr auch ein Gefühl des Stolzes. Hoch auf ihrem weißen Pferd Akram, das sie besaß, seit sie 17 geworden war. Ihr ältester Bruder Iear, der inzwischen fast 80 Jahre alt war, hatte sie immer überallhin begleitet. Doch heute sollte sie ohne Verwandten in ein fremdes Land reisen. Schließlich gab ihr Vater den Befehl zum Losreiten. Iona winkte ihren Eltern und sieben Geschwistern, bis sie in den Nordwald gelangte. Dort verschwand ihre Familie hinter den Bäumen. Der Ritt nach Avangon dauerte nur 2 % des Tages, obwohl die Soldaten die ganze Zeit im Schritt ritten. Iona wäre viel lieber über das Land gallopiert. Seit sie aus dem Nordwald herausgekommen waren, lag ebenes Land vor ihnen. Etwas weiter in der Ferne lag ein hohes Gebirge, dessen Name sie nicht kannte. Da Iona aber schon den ganzen Ritt die Soldaten mit Fragen über die Namen von Flüssen genervt hatte, traute sie sich nicht, danach zu fragen. Am Rand der Gebirge machten sie Rast. Iona aß ein großes Stück Brot und Käse und trank frisches Wasser aus ihrem Beutel. Die Soldaten hatten ein kleines Feuer angemacht und hielten Kartoffeln an Stöcken darüber. Iona hatte von ihrem Bruder Iear, der viele Jahre als Soldat gearbeitet hatte, erfahren, dass dies ein typisches Armeeessen sei, aber nur, wenn gerade keine Gefahr droht. Sonst würden die Kartoffeln zu lange brauchen um durch zu sein. Iona sah auch, dass sie in einem kleinen Topf Käse schmelzten und diesen dann, wenn er ganz flüssig geworden war und über die Kartoffeln gossen. Schließlich brachen sie wieder auf und passierten einen kleinen Pfad am Rande des einen Gebirges. Dieser führte über kleine Hügel wieder in eine Ebene. Und jetzt konnte Iona ihn sehen: Den Weißen Turm von Avangon. Er strahlte über die ganze Ebene und die Sonne stand genau so, dass einige Strahlen das zackige Dach des Turms berührten. Zwei große Gebäude umgaben ihn. Dies musste das Schloss sein. Der Turm war umgeben von Gärten, von denen ihr Vater oft erzählt hatte. Es waren alte elbische Gärten aus dem 12. oder 11. Jahrtausend a.t. Dies würde wiederlegen, dass der Turm aus dem 8. Jahrtausend a.t. stammte. Doch niemand würde es jemals genau wissen. Es gab nur sehr wenig Schriftliches aus der Zeit vor der Zeitrechnung. Nur durch einige wenige Schriftrollen konnte man sicher wissen, dass die Erde noch viel viel älter war als 24 Sonnenjahre. Der Weiße Turm war riesengroß. Man meinte fast, er rage bis zum Himmel. Er war aus weißem Stein vermischt mit ein wenig Marmor und das Dach war umgeben von Zacken. Von oben bis nach unten warem dem Turm einige Zeichen miteingeritzt. Eines viel Iona besonders auf :
    A
    Es sah wie ein elbisches Schriftzeichen aus, doch Iona konnte die Schrift nicht lesen und sie hatte nur wenige Sätze sprechen gelernt. Inzwischen waren sie so nah gekommen, dass sie zahlreiche Balkone erkennen konnte. Die Geländer waren ebenfalls aus Stein und die Säulen waren dick und kräftig. Ein Horn wurde geblasen und aus den Zimmern hinter den Balkonen traten einige Menschen. Sie winkten Iona und ihren 6 Soldaten zu. Ganz oben am Turm stand ein einziger Mensch. Dies musste Ingor sein. Iona konnte sein Gesicht kaum erkennen, sah aber, dass er durchaus gut aussah. Das große weiße Tor, das den Hof abschloss, wurde geöffnet und König Ionor und Königin Iala traten gefolgt von einigen anderen Leuten heraus. Sie grüßten Iona herzlich und führten sie in die große Halle des Weißen Turmes. Sie war aus Marmor gebaut und an den Wänden waren aufwendige Verzierungen. Iona wurde einigen Damen und Herren des Hauses vorgestellt unter anderem Iada, eine Tochter des Königspaares und somit eine Schwester des Kronprinzen. Sie hieß Iada und war wie Iona zu Besuch. Iona fand bald heraus, dass Ingor eine mindestens genauso große Familie haben musste, wie sie selbst. In beiden Familien hatten die Eltern wohl niemals weniger als 8 Kinder bekommen. Plötzlich entdeckte Iona einen schönen Jungen Mann die Stufen einer Treppe, die zum Sall führte, hinunterkommen. Es hatte schöne blonde Haare und war von kräftiger Statur. Iona vergaß augenblicklich alles um sich herum. Sie bemerkte nicht einmal, dass zwei Damen, die sich als zwei Cousinen des Kronprinzen herausstellten, mit ihr sprachen. Erst als die Königin Iala zu ihr kam und ihren Sohn Ingor vorstellte, kam Iona wieder zu sich. Der schöne Junge Mann, den sie die ganze Zeit angesehen hatte, kam geradewegs auf sie zugelaufen. Die Königin Iala macht Ingor und Iona miteinander bekannt und ließ die beiden dann allein. Sie standen lange inmitten den anderen und sahen sich nur an. Iona bemerkte ein leichtes glitzern in den Augen des Kronprinzen und entdeckte ihre wirkliche Farbe. Die Pupille war bernsteinfarben mit kleinen grauen und grünen Pünktchen. Ingor setzte immer wieder zum Reden an, konnte aber keinen Satz vervollständigen. Iona war die Situation sehr peinlich. Sie suchte verzweifelt nach einer Lösung, doch die Königin nahm ihr diese Sorge ab, indem sie zu einer gemeinsamen Speise bat. Wie nicht anders zu erwarten wurde Iona neben Ingor gesetzt, doch beide waren recht zufrieden damit. Es wurde reichlich aufgetragen. Iona hatte selten so viel Essen auf einmal gesehen, und dabei war sie doch nur die Tochter eines Königs, die ein anderes Königshaus besuchte. Nach der gemeinsamen Speise wurde sie in eine kleine Kammer im Weißen Turm geführt. Doch sie konnte keine Ruhe finden. Der Kronprinz ging ihr nicht aus dem Kopf. Er war so anmutig gewesen, so schön, so freundlich, so verständnisvoll. Später am Tag wurde Iona zur Königin gerufen und diese zeigte ihr den Weißen Turm, das Schloss und die Gärten. Alles dies hatte eine lange Geschichte, doch niemand wusste genau, wer der Begründer dieser Bauwerke war. Vielleicht waren sie immer schon dagewesen, doch konnte etwas so ewig sein? Etwas aus Marmor und Stein? Jedenfalls hatte man hier und da etwas in die Mauer setzten müssen, damit der Turm nicht zusammenbrach. Iona war ganz erfüllt von der Schönheit dieser Gegend. Sie hoffte, dass einmal ihre Gärten auch so aussehen würden. Noch mehr aber hoffte sie, ein Gespräch mit Ingor führen zu können. Dieser Wunsch wurde sogleich erfüllt. Der Kronprinz erwartete Iona und die Königin am Tor vor dem Hof und führte jene in ein entlegenes Eck in einem der Gärten. Dort setzten sie sich auf eine hölzerne Bank und Ingor begann eine Konverstation. Danach wusste Iona einiges mehr über den jungen Kronprinzen. Er war erst 38 Jahre alt und in zwei Jahren sollte seine Krönung zum König von Avangon sein. Seine Lieblingsbeschäftigung war, mit seinem schwarzen Pferd Alahan einfach die Ebene entlangzureiten und den Wind in den Haaren zu spüren, die Natur in allen ihren Farben und Formen zu erleben. Iona musste dabei lächeln, denn genau das tat sie auch am liebsten. Nach diesem Gespräch konnte sie ihre Gedanken überhaupt nicht mehr ordnen. Sie dachte eigentlich nur noch an ihn. Mit niemandem konnte sie darüber sprechen, es gab auch keine Worte, die ihre Gefühle ausdrücken könnten.
    Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging Iona hinaus in die Ställe um ihr Pferd zu besuchen. Es war strahlend weiß und hieß El Alkan. Iona ging zu ihm in sein Stallabteil und streichelte ihn am ganzen Kopf. Dann hörte sie die Tür knarzen. Es war Ingor, der ihr gefolgt war. Er lächelte und sagte: „Wie ich sehe, habt ihr ein sehr schönes Pferd. Wollt Ihr mit mir einen Ritt über die Ebene machen?“ Iona traute zunächst ihren Ohren nicht. War es wirklich der Kronprinz Ingor, der sie das gefragt hatte, der hier vor ihr stand? Der Mann ihrer Träume, der schönste der Welt? Sie hörte sie „Ja, sehr gerne“ sagen und Ingor sattelte sein Pferd. Sie ritten weit nach draußen über die Ebene, an kleinen Dörfern vorbei bis zu einer Wasserstelle. Dort half Ingor Iona vom Pferd und reichte ihr einen kleinen Becher mit dem sie sich Wasser nehmen konnte. Das Wasser war klar, kühl und erfrischend. Iona hatte solchen Durst, denn die Sommersonne brannte vom Himmel herab. Zunächst sagten beide kein Wort. Dann fragte Iona: „Habt Ihr Euch schon immer gewünscht, König zu werden?“ Ingor antwortete: „Nein, durchaus nicht. Vor zehn Jahren etwa war ich kurz davor meinem Vater zu sagen, dass ich kein König werden wollte. Aber inzwischen freue ich mich, eine solch große Aufgabe übernehmen zu dürfen.“ „Ich verstehe Euch. Man kann so viel tun sowohl für das eigene Land als auch für die ganze Welt. Es ist eine sehr große Aufgabe. Ihr habt dann die Verantwortung für alle Menschen in Avangon. Und das Land ist groß.“ Ingor nickte zustimmend und sagte: „Nun, mein Vater hat mir immer wieder erklärt, wenn das Volk den König liebt, ist die Hälfte der Arbeit schon getan. Ich glaube nicht, dass es so ist.“ Er rückte etwas näher an Iona. Er seufzte. „Ich würde gerne einmal die andere Seite der Welt sehen. Seit Ihr mit der Geographie der Erde vertraut?“ Iona antwortete: „Uns wurde nicht viel darüber gelehrt. Wir haben mehr über den Teil der Erde gelernt, von dem wir sichere Dinge wissen. Also von Avangon, Gondor, Rohan, natürlich unser eigenes Land, Ithil, das Land der Elben und viele andere auch. Doch ich weiß nicht viel über den anderen Teil der Erde.“ Ingor war jetzt ganz nah an Iona herangerückt. „Seht, einmal segelten viele Menschen um die Erde. Sie hatten damals schon Messgeräte, mit denen sie ihre Standorte bestimmen konnten. Ihnen war es möglich, die Umrisse der Länder auf eine Karte zu übertragen. So war der erste Schritt, die Erde zu erkunden, getan. Später haben andere Forscher es gewagt, sich auf die verschiedenen Länder zu begeben. Sehr wenige sind zurückgekehrt. Niemand weiß, wo sich die anderen alle befinden. Manche sind vielleicht getötet worden oder dortgeblieben.“ Die Sonne stand schon tief und es war Zeit, zurückzukehren. Ingor half Iona auf ihr Pferd und sie ritten zurück zum Weißen Turm. Am dritten Tag von Ionas Besuch stahlen sie sich wieder mit den Pferden aus dem Turm. Diesmal ritten sie nicht so weit, nur ein Stück um unbeobachtet zu bleiben. Iona hatte in der vergangenen Nacht kaum schlafen können, so sehr hatte ihr Herz geschlagen und ihre Gedanken hatten ihr keine Ruhe gelassen. Ingor war es nicht anders gegangen. Er hatte sich in den letzten drei Tagen so sehr in Iona verliebt, dass sein Verstand ihm zu entschwinden drohte. Sie setzen sich – beide äußerst nervös – auf eine Holzbank und starrten in die Ferne. Nach einigen von Schweigen gefüllten Minuten fragte Iona: „Wart Ihr schon einmal in Hélem?“ Ingor schüttelte den Kopf. „Es gibt keine großen Unterschiede zwischen meiner Heimat und Avangon. Doch unser Schloss hat keinen so schönen Turm in der Mitte.“ Sie seufzte. „Ich habe sieben Geschwister, genau wie Ihr. Und meine Cousine Elena wohnt fast immer bei uns, wenn sie nicht ihre Eltern besucht. Sie ist meine beste Freundin.“ Sie lächelte ihn an, darauf sah er verlegen auf den Boden. Am nächsten Tag stahlen sie sich wieder aus dem Schloss und stiegen auf ihre Pferde. Ingor nahm Iona in die Berge. Dort lag eine verlassene Hütte zur der er sie führte. Ingor breitete eine Decke aus und sie setzten sich darauf. Iona dachte die ganze Zeit nach, warum er das tat, warum er sich schon zum zweiten Mal mit ihr aus dem Schloss geschlichen hatte. War es für ihn ein Spiel oder mochte er sie wirklich? Oder lief es letztendlich darauf hinaus, dass er sie ihrer Unschuld berauben wollte und dann kein Auge mehr auf sie warf? Es ließ sie nicht los, aber fragen, das traute sie sich überhaupt nicht. Ingor hatte Brot und Käse mitgebracht und holte ihnen Wasser von einer nahegelegenen Quelle. Iona hatte großen Hunger, denn sie hatte kein Frühstück gehabt. Es war ihr jedoch lieber gewesen, mit Ingor wegzureiten, als zu essen. Iona traute sich jedoch nicht zu sprechen. Sie wusste nicht, wie er reagieren würde, wenn ein für sie eigentlich normaler Schwall von Worten aus ihr herauskam. Mit ihrer Cousine konnte sie stundenlang reden und über die Welt diskutieren. Aber sie musste jetzt auch gar nicht reden, Ingor übernahm dies. „Fühlt ihr Euch wohl hier?“, fragte er.„Ja, sehr. Wisst Ihr, mein Vater erlaubte mir nie, so weit weg zu reiten, doch mein ältester Bruder Iear ließ mich. Er nahm mich mit, ich glaube sogar auf die andere Seite von diesen Gebirgen. Er sah nicht ein, warum ich nicht weitere Wege reiten sollte. Ich war ihm dafür immer sehr dankbar, denn jetzt macht mir diese Fähigkeit einiges leichter.“ Iona bemerkte, wie er wieder immer näher an sie heran rückte. „Ich hätte sonst wahrscheinlich auch nicht hierher kommen können.“ Sie lächelte ihn an. Er hörte nicht auf, näher an sie zu rücken. Iona wich ein wenig aus, als er ihre Hand nehmen wollte. Sie sah in seinem Gesicht, dass dies ihn ein wenig kränkte. Doch es war zu schnell für sie. Bisher war sie nur von ihren männlichen Verwandten berührt worden und dann auch nur an der Schulter oder an den Armen. Ihr ältester Bruder hatte sie einmal umarmt, aber das war auch alles. Doch plötzlich schämte sich Iona für ihre Schüchternheit und hoffte, dass Ingor ihr nicht böse sein würde. Er war inzwischen ganz nah an sie gerückt. So nah, dass sich ihre Beine berührten. Ingor streichelte mit seiner Hand über ihr Knie. Dann fuhr er nach oben und berührte ihren Hals. Iona schloss die Augen und versuchte seine Berührung zu intensiv wie möglich zu spüren. „Stört es Euch, wenn ich hier sitze?“, fragte er. Iona schüttelte, immer noch mit geschlossenen Augen, den Kopf. Ingor küsste ihren Hals und dann, beide wussten nie genau wie, auf den Mund. Iona spürte, dass seinen Lippen weich waren. Weicher als der Abendwind oft ihre Wangen berührte, wenn sie vor ihrem Zimmer auf dem Balkon stand. Iona hielt ihre Augen geschlossen und ließ den Kuss bis in ihre Glieder dringen. Sie wusste in diesem Moment, dass sie niemals in ihrem Leben einen anderen Mann küssen würde. Er war der einzige, der einmal ihre Unschuld nehmen durfte und dem sie Kinder gebären wollte. Sie ertappte sich dabei, sich schon die Hochzeit auszumalen. Aber auch Ingor hatte solche Gedanken. Er versuchte sie zu verdrängen, doch es gelang ihm nicht wirklich, seine Fantasien zu besiegen. Schließlich ließ er ab von ihr und Iona öffnete ihre Augen wieder. Beide konnten nicht glauben, dass sie sich wirklich gerade geküsst hatten. Es war für sie wie eine andere Welt. Die nächsten Minuten waren beiden sehr peinlich. Sie saßen mit rotem Gesicht nebeneinander und wussten nicht, was sie sagen sollten. Iona fragte sich, was man zu einem Mann sprechen könnte, nachdem man ihn geküsst hatte? Aber sie konnten nicht so sitzen bleiben und einfach nichts tun. So nahm Iona all ihren Mut zusammen und sagte: „Wenn ich jemals einem anderen Mann als dir (!) begegnen sollte, der mich begehrt, werde ich ihn niemals ansehen. Für mich gibt es nur dich.“ Iona war erstaunt über ihren eigenen Mut und fühlte sich so glücklich wie noch nie zuvor. Ingor sah ihr ungläubig ins Gesicht. „Das sagst du jetzt nur, weil nur ich hier bin.“ Iona schüttelte de Kopf. „Nein, so wahr ich hier sitze“, sagte sie und küsste ihn.
    Iona wurde durch ein klopfen an der Tür aus ihren Träumereien gerissen. Ihre Mutter kam herein und sagte: „Kind, es ist bald soweit. Sitzt alles gut?“ Iona betrachtete sich im Spiegel, zupfte ein wenig hier und da und sagte nachdenklich: „Mutter, bin ich das wirklich? Als ich zuletzt in einem solch schönen Kleid vor dem Spiegel stand, sah ich aus wie ein kleines Täubchen. Furchtbar kindlich und unbeholfen. Und nun sieh was aus mir geworden ist. Ich erkenne mich nicht wieder.“ Ihre Mutter kam herbei und drückte sie an sich. „Ja mein Kind, die Zeit vergeht so schnell, es ist kaum zu glauben. Ich weiß noch, wie du zurückkamst, als du das erste Mal hier warst und Ingor besucht hast. Das war eigentlich der Tag an dem ich wusste, dass du nicht mehr meine kleine Tochter warst, die nichts alleine konnte, sondern, dass du eine Frau warst. Eine junge Dame, die sich in den Prinzen verliebt hatte, den wir für sie bestimmt hatten.“ Iona lächelte und versuchte sich noch zu erinnern, was sie an diesem Tag gesagt hatte. Sie wusste aber nur noch, dass sie ihrem ältesten Bruder Iear alles erzählt hatte. Er hatte damals nicht mehr gesagt als „Ich freue mich für dich, kleine Schwester“ und sie war sehr wütend gewesen weil er sie so genannt hatte. So viele Erinnerungen trug Iona jetzt mit sich. Alle wollte sie mitnehmen, die guten wie die schlechten, denn erst durch beides wird das Gute zum Guten. Lebhaft entsinnte sie sich an den Tag, an dem Ingor ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte. Sie hatten sich oft heimlich in den Bergen getroffen und waren bis zum Abend nicht zurückgekehrt. An einem Tag saßen sie vor der kleinen Hütte und sahen in die weite Ebene hinaus. Ingor küsste Iona und sagte: „Ach Iona, meine Liebe für dich ist so groß, dass es mir fast das Herz zerspringen lässt. Dort ist kein Platz mehr für etwas anderes.“ Iona entgegnete: „Nun, mein Herz ist bereits zersprungen, weil wir nicht so zusammensein können, wie wir möchten.“ In diesem Moment erinnterte sich Ingor an die Worte seiner Mutter. Sie hatte mit einem breiten Lächeln gesagt: „Wenn du sie so sehr liebst, dann heirate sie, mein Sohn. Es ist keine Schande aus Liebe zu heiraten“ und zwinkerte ihm zu. Nun saß Ingor mit seiner über alles geliebten Iona da, aber er traute sich nicht, ihr das zu sagen, was er gerne sagen wollte. Auch wenn er sie so liebte, hatte er noch Skrupel. Schließlich nahm er all seinen Mut zusammen, kniete sich vor Iona hin, nahm ihre Hand un sagte mit zitternder Stimme: „Iona, Liebste. Wir kennen uns nun schon so lange, so lange. Ich war vom ersten Moment an in dich verliebt. Doch wir konnten nie so frei sein, wie wir wollten. Deshalb frage ich dich, Iona, dich Liebste, ob du mich heiraten möchtest.“ Er schnaufte kurz um sich von all der Anspannung zu erholen. Iona konnte es kaum glauben. Ihr Liebster hatte sie das gefragt, was sie sich so gewünscht hatte. Es war wahr geworden. Iona dachte nicht lange nach, sondern sagte „Ja, Ingor, ich möchte nichts lieber auf der Welt als dich heiraten.“ Beide strahlten vor Glück. Ingor stand auf und sie küssten sich leidenschaftlich und lange.
    Ihre Mutter führte Iona auf dem Zimmer und über die Gänge, hinunter über die Treppen. Unten angekommen wurde der Braut der dichte Schleier umgelegt. So konnte Iona fast nichts sehen. Aber das sollte sie auch nicht. Sie sollte so wenig wie möglich vor der Hochzeit sehen und der zukünftige Ehemann sollte sie auch nicht sehen. Iona wurde auf einem Pfad entlanggeführt. Sie spürte, dass einige Hände ihr halfen, den richtigen Weg zu finden, als wäre sie ein kleines Kind.
    Die Hochzeitsprozession war überwältigend. So viele Menschen waren gekommen, aus Ost und West, Süd und Nord. Ingor erkannte einige ihm bekannte Leute. Er sah Haldir, den König der Elben mit seiner Frau Lolóriel, Padal, den König von Valaron und seiner Gattin Paola. Sie hatte einen dicken Bauch und würde wohl ihr Kind bald erwarten. Ingor dachte sich, dass er vielleicht einmal seine Kinder an die Söhne oder Töchter von Valaron verheiraten würde. Diesen Gedanken verwarf er sofort. Es hätte ihm auch nicht gepasst, wenn man ihn mit einer unbekannten Frau verheiratet hätte, für die er nicht das Geringste empfand. Schweigend und mit gesenktem Kopf gingen die Leute zur Kapelle. Ingor war aufgeregt, er fühlte, wie sich in ihm alles regte. Die Prozessionr schritt langsam durch den Heiligen Wald, in dem die Kapelle lag. Auf einmal überkam Ingor eine Angst. Er sah Iona nirgends. Er wusste nicht, wann sie kommen würde, denn er hatte sich nicht mit allen Traditionen beschäftigt. Er wusste nur, dass sie verschleiert vor den Altar treten würde und er ihr Gesicht erst nach der Hochzeit sehen dürfte. Ingor sah unsicher um sich und die gesenkten Köpfe der Menschen sahen für ihn eher aus als gingen alle zu einer Beerdigung. In seinem Kopf spielten sich die wirrsten Dinge ab. Er stellte sich vor, Iona sei tot und niemand habe es ihm gesagt. Alle wären auf dem Weg in die Kapelle um ihr die letzte Ruhestätte zu gewähren. Aber nein, dann wären alle in Schwarz gekleidet, sprach seine Vernunft zu ihm und er dachte nicht mehr daran. Nun wurde Ingor zur Kapelle geführt und dort wurden vor ihm die Türen geöffnet. Es war ein großer Raum und es roch nach Rosenwasser und Weihrauch. Diese Kapelle war noch älter als der Weiße Turm. Man wusste nicht, wer sie gebaut hatte und wann, aber es war bekannt, dass der Weiße Turm erst viele Jahre später gebaut wurde. Langsam füllte sich die Kapelle und Ingor wurde zum Altar geführt. Hier war Iona auch nicht, aber er zweifelte nicht daran, dass sie bald kommen würde. Als alle Menschen saßen, wurden die Türen geschlossen und die Glocken begannen zu läuten. Indes begann der Priester zu sprechen: „Hiermit eröffne ich feierlich den Akt der Vermählung zwischen dem höchsten König Ingor und Iona, der Prinzessin von Helem. Vor vielen Jahren beschlossen beide Königreiche, sich zu vereinigen durch den Bund der Ehe der Kinder. Dass daraus das größte Glück für beide Beteiligten herauskommen sollte, dachte man noch nicht. Verehrte Anwesende, lasst uns gemeinsam ihnen Glück und Zufriedenheit und ein langes erfülltes Leben wünschen.“ In diesem Augenblick öffneten sich die Türen erneut und in einem Nebellicht kamen Frauen hinein, die hatten Körbe mit roten Rosenblättern. Sie schritten auf den Altar zu und blieben stehen. Hierauf stand die Menge auf. Ihre Reihe öffnete sich und in die Kapelle hinein kam die Braut. Sie hatte einen langen Schleier, der von Kindern getragen wurde. Die Frauen begannen, Rosenblätter vor sie zu werfen und die Frau bewegte sich langsamen Schritts immer näher. Schließlich war sie an den Stufen zum Altar angelangt. Ihr Gesicht war ganz verschleiert, aber doch wusste Ingor genau, dass es seine Iona war. Sie selbst konnte nur wenig sehen, gerade so viel, dass sie die Stufen hinaufsteigen konnte. Sie streckte Ingor ihre Hand hin und er nahm sie. Er hatte einmal gelesen, dass bei christlichen Hochzeiten der Priester beide Partner zunächst fragte, ob sie sich wirklich heiraten wollten. Dies fand er sehr seltsam. Wenn man sich nicht heiraten wollte, würde man doch gar nicht erst vor einem Priester stehen. Aber das hatte wohl noch niemand überlegt. Nun standen Iona und Ingor vor dem Priester, der mit der Vermählung begann. „Es ist mir eine Ehre, euch beide, Ingor, den höchsten König und Iona, die Prinzessin von Helem heute zu vermählen. Möge der Große Meister euch segnen.“ Er schwieg und trat einen Schritt zurück. Ein paar Minister trafen ein und stellten sich hinter den Altar. Im Chor sprachen sie in der alten Sprache von Avangon, die nur noch in Kapellen gesprochen wurde, die aber jeder sprechen konnte, ein Gebet: „Arám irám iró eshiem riar oar kalám balám essóla zu ka tu rei del ma so fréa uar deár táar ujuar fes dólar e mai.“ Dies bedeutet soviel wie: „Der Große Meister erhöre uns Diener, die wir ihr singen und um seinen Segen bitten. Wir versenken uns in ihn und seien ewig mit ihm verbunden.“ Hierauf mussten Ingor und Iona sich hinknien und der Priester trat wieder hervor. „Das Schicksal spricht durch meinen Mund. Es prophezeit Glück und Freude in diesem Land, denn unser König ist gut und reinen Herzens. Der Große Meister soll hören, was wir sprechen.“ Und mit diesen Worten verließ er hinter den Ministern den Raum. Zwei Gehilfen zeigten Ingor und Iona, dass sie ihnen folgen sollten. Sie kamen in einen Raum mit gedämpftem Licht und einem Feuer in der Mitte. Rauch stieg auf und die Luft war knapp. Der Priester forderte die beiden auf, sich gegenüber ans Feuer zu setzen. Er selbst warf zwei Schicksalsmurmeln in das Feuer und sprach: „Hört nun, was der Große Meister sagt. Er wird euch euren Segen geben, denn ihr seit gut. Es ist so bestimmt, dass ihr glücklich werdet.“ Es dauerte lange Zeit, bis sich etwas regte. Anscheinend hatte es der Große Meister nicht eilig. Immer wieder blickte Ingor unsicher zum Priester, der mit gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen vor dem Feuer saß. Manchmal spiegelten sich die Flammen in seinem Gesicht, dann wurde die sonst recht gemütliche und etwas rundliche Gestalt des Priesters unheimlich. Die Minister saßen in einer Reihe an der Wand des Raumes. Sie saßen ebenfalls mit gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen. Ingor bemerkte an der Hand von einem von ihnen einen silbernen Ring, der ab und zu vom Feuer angeschienen wurde. Er erkannte einen kleinen Schriftzug darauf, konnte jedoch nicht entziffern, was er besagte. Iona auf der anderen Seite, versuchte immer wieder etwas zu sehen. Doch die Schleier über ihrem Kopf waren viel zu dick und der Rauch des Feuers verdunkelte ihre Sicht noch mehr. Sie dachte viel nach, während alle so dasaßen.
    Das Feuer erinnerte sie an ein Erlebnis mit Ingor. Sie waren, verbotenerweise, zusammen auf den glân amon, den Weißen Berg, gegangen und hatten sich dort in einer Höhle in der Nacht aufgehalten. Dort hatten sie ein Feuer angezündet und sich gegenseitig und der Decke gewärmt. Gegen Morgen, bemerkte sie, dass Ingor die ganze Zeit geschlafen hatte, nur sie war wachgelegen und hatte auf die Funken gestarrt. Sie legte Holz nach und von dem Geräusch des Holzes war ihr Geliebter aufgewacht. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie erst, dass Ingor wach war. Er setzte sich auf und Iona setzte sich neben ihn. Sie sahen sich eine Zeit lang verliebt in die Augen dann sagte Ingor: „Heute Nacht habe ich geträumt, dass wir gemeinsam auf zwei weißen Pferden durch ein ödes Land reiten, doch überall, wo wir hinkommen, wächst grünes Gras und kleine Bäume entstehen. Du sagtest du mir: ‚Die Liebe kann solche Wunder vollbringen!’“ Iona antwortete: „Oh, Ingor, ich weiß, dass Liebe Wunder vollbringen kann. Sie ist selbst etwas wunderliches. Nicht wahr?“ „Ja, liebste Iona“, sagte Ingor und sie küssten sich leidenschaftlich.
    Auf einmal wurde das Feuer höher. Es war so hoch, dass man Angst haben musste, es durchbrenne die Decke. Aber es kam anders. Eine Gestalt wurde im Feuer sichtbar, die war weiß und sein Gesicht war nicht zu erkennen. Dies musste der Große Meister sein, dachte Ingor und Iona konnte ihren Augen kaum trauen, obwohl sie nicht viel sah mit ihrem dicken Schleier. Die Figur im Feuer sprach zu ihnen auf Alt-Avangon, was für Iona kein Problem war zu verstehen, denn sie hatte es vor langer Zeit von Ingor gelernt. Der Große Meister verhieß ihnen Glück und Freude und Ingor werde der beste König seiner Vorfahren sein. Nach einiger Zeit verschwand das Bild und das Feuer senkte sich wieder. Der Priester erhob sich und sagte: „Folgt mir zurück in die Kapelle!“ Als sie wieder eintrafen, standen alle auf und der Priester verkündete: „Der Große Meister hat seinen Segen gegeben. Er hat ein ihnen ein glückliches gemeinsames Leben vorausgesagt.“ Und er dreht sich zu Iona und Ingor. „Nun seit ihr Mann und Frau.“ Ingor fasste sein Glück kaum. Jetzt war Iona seine Frau und er wusste nicht, mit welchen Worten er das ausdrücken sollte. Und doch wurde von ihm eine kleine Rede verlangt. Also fasste er sich ein Herz und sagte: „Dieser Tag ist der glücklichste in meinem Leben. Es ist die Freude und das Glück, die mich keine Worte finden lassen. Ich bin stolz darauf, König zu sein und noch stolzer bin ich darauf, Ionas Mann zu sein.“ Die Menge jubelte und jetzt erst entdeckte Ingor seine Eltern und die Ionas. Sie standen in der ersten Reihe und sie freuten sich ebenso. Jetzt kam der Augenblick indem er Iona ihren Schleier vor dem Gesicht entfernen durfte. Also legte er ihn nach oben. Nun konnte er das Gesicht, das schönste Gesicht auf Erden wieder sehen, nach vier langen Tagen, in denen sie getrennt waren, wie es der Brauch gewollt hatte. Sie hatte ihre Wangen mit Gold verziert, trug goldene Ohrringe und einen rötlichen Lippenstift. Ihre Augen glänzten wieder so schön, dass er wie verzaubert sie anblickte. Aber er zügelte sich und machte nichts weiter. Der Priester aber lächelte und sagte: „Mein König, Ihr dürft die Braut jetzt küssen!“ und die Menge lachte. Daraufhin konnte das Paar nichts mehr aufhalten. Iona und Ingor nahmen sich in den Arm und küssten sich lange leidenschaftlich, während alle in der Kapelle fröhlich klatschten. Die Eltern der Braut und der Vater des Bräutigams hatten Tränen in den Augen und jener dachte sich: Warum konnte das meine arme Gattin nicht mehr erleben? Es war ihr Seelenswunsch Ingor heiraten zu sehen. Aber sie musste vorher von uns gehen. Oh Großer Meister, lass sie heute über uns sein. Er wischte sich eine Trauerträne vom Gesicht und versuchte die Erinnerung zu verdrängen. Ingors Mutter war vor einigen Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Der Arzt hatte nie wirklich herausgefunden, was ihr fehlte. Das einzige, das sicher war, war, dass sie diese Krankheit nicht überlebt hatte.
    Hernach versammelten sich alle in der großen Halle des Weißen Turms. Sie war in den prächtigsten Farben geschmückt und mit der aufwendigsten Dekoration, die man je gesehen hatte. Ein riesiger Tisch stand in der Mitte, an den sich alle Gäste setzten und an die Spitze das Brautpaar. Eine weiße Tischdecke lag darauf und bunte Kerzen schmückten die Tafel. Das Geschirr bestand aus Silber und war noch nie zuvor benutzt worden. Die Becher waren golden und glänzten im Licht der Kerzen. Das Besteck und die Teller des Brautpaares waren mit Blumen an den Seiten geschmückt. Schöne Rosen, Tulpen und Lilien standen in blauen Vasen als Dekoration auf dem Tisch. Von oben herab leuchtete ein großer Kronleuchter, dessen Kerzen die Diener alle 2 Stunden auswechseln mussten. An beiden Seiten des Brautpaares nahmen jeweils die Eltern Platz. Auf Ionas Seite folgte noch Haldir, daneben seine Frau Lolóriel, und zwei seiner besten Bogenschützen, Legolas aus dem Düsterwald und Erondel aus Ithil, der Hauptstadt des Elbenreichs Ithildin, in der auch ersterer seit langer Zeit lebte. Als alle Platz genommen hatten, begann der Vater Ingors, Altkönig Ionor, mit einer Rede: „Liebes Brautpaar, liebe Freunde, Menschen und Elben, von nah und fern, aus Ost und West, Süd und Nord, heute ist ein glücklicher Tag. Die Vermählung meines Sohns mit der Tochter des Königs des ruhmreichen Königreiches Helem ist für uns wahrlich Glück. Wir wünschten einst im Stillen, dass die beiden sich mögen würden, aber wir hätten es auch anders akzeptiert. Denn es soll nicht mehr Tradition sein, jemanden heiraten zu lassen ohne dass sie sich lieben. Aber diese Hochzeit wurde von diesem Brautpaar hier selbst, nun ja, gefordert. Ich will sagen, dass auch dies für die Eltern der beiden noch größeres Glück ist. Nein, ich will nicht weiter von uns sprechen. Ingor und Iona sind mir das liebste auf Erden.“ Eine leise Zustimmung in der Runde unterbrach die Rede kurz. „Freunde, es ist mir eine ganz große Ehre, eine Freude, heute die Hochzeit meines Sohns zu feiern und“, er machte eine kurze Pause, „ihnen alles Gute und viel Glück und Seligkeit wünschen. Hoch sei ihnen! Möge der Große Meister sie segnen.“ Die Menge jubelte und klatschte. Nun wurden Getränke ausgeschenkt, für die Menschen Wein, für die Elben klares gutes Wasser. Man stieß an und alle waren gerührt. Eine Menge von Bediensteten kam in die Halle und alle trugen große Töpfe oder Schalen mit Essen darin. Sie stellten sie auf die Tische an der Wand, so wie Geschirr und Karaffen mit Wein und Wasser. Ingor stand nun auf uns sagte: „Freunde, ich möchte nun..“ Nach einer kleinen Pause, fing er an zu lachen und sagte: „Ach, das Büffet ist eröffnet!“ Alle lachten mit und standen auf. Es war herrliches Essen zu finden. Das meiste war vegetarisch, denn zu dieser Zeit liebten auch die meisten Menschen alle Tiere, Elben aßen sowieso kein Fleisch. Einige wenige nahmen von der Platte mit Hühnchen. Es waren nicht nur der Elbenkönig Haldir, seine Frau und seine zwei Bogenschützen anwesend. An die 100 Elben waren gekommen, alle aus Ithil und damit Haldirs Gefolge.
    Beim Essen ging es lustig zu. Die Leute redeten untereinander und manchmal erhob einer der Gäste sein Glas und rief: „Einen Schluck auf den König und seine Braut!“ Und daraufhin erhob jeder sein Glas und trag einen Schluck daraus. Iona war sehr froh, dass sie in der Nähe von Haldir und seiner Frau saß. Denn so konnte sie ab und zu mit ihnen ein Wort auf Elbisch wechseln und damit ihre Künste unter Beweis stellen. Ihre Eltern waren sehr erstaunt darüber, dass ihre Tochter diese Sprache praktisch perfekt beherrschte.
    Später wurde der große Tisch aus der Halle getragen und einige Musikanten traten ein. Hinter ihnen kamen die Bediensteten wieder mit Sesseln und Stühlen. Diese wurden wie in einem Konzertsaal hintereinander aufgestellt und die Leute nahmen darauf Platz. Aus der Tür gegenüber des Publikums wurde ein Klavier in den Saal getragen und zum ersten Mal sprach Itonor, der Vater von Iona, König von Helem: „Verehrte Anwesende, mir ist es ebenfalls eine ganz große Freude, meine Tochter heute hier vermählt zu sehen mit der Liebe ihres Lebens. Mein Glück soll zukünftig auch das meiner Tochter und ihrem Gatten sein. Ich bin auch sehr glücklich darüber, so große Leute wie den Elbenkönig Haldir oder den König von Arbarath, Miolenos, kennen lernen zu dürfen. Denn dies waren die Ziele, die ich mir einst setzte: Deine Tochter werde glücklich und lerne die berühmtesten Menschen kennen. Damit wäre ich hier auf der Erde fertig.“ Die Menge lachte. „Es freut mich, nun anzukündigen, dass meine Tochter Iona uns ein Stück vortragen wird. Ich werde sie dazu auf dem Klavier begleiten.“ Iona trat hervor und stellte sich neben das Instrument. Ihr Vater begann mit einer kurzen Einleitung und sie fing an, zu singen:
    „Die Sonne scheint, die Blumen blüh’n,
    Der Himmel blau, die Wiesen grün.
    Die Menschen gehen froh umher,
    Alle lieben die Natur so sehr.

    Sie sprechen mit den Bäumen, fein,
    So können diese weise sein.
    Die Elben auf dem Wege sind
    Nach Valinor und so geschwind.

    Kaum hörbar ihre Schritt’ im Wald,
    Erreichen sie ihr Ziel sehr bald.
    Dort am Meeresufer dann
    Treten sie ihre Reise an.

    Viel Klagen in den Wäldern,
    noch mehr als auf den Feldern.
    Sie kehren niemals hier zurück,
    alle gehen Stück für Stück.

    Die Vögel singen fröhlich hin,
    deshalb ich nicht traurig bin.
    Auch wenn sie solche Wesen sind,
    die nicht verletzen Reh noch Rind.“

    Iona hatte mit einer solch klaren und deutlichen Stimme gesungen, mit so einer Leidenschaft und Kunst, dass zunächst allen der Mund offen stehen blieb. Doch dann klatschten alle und jubelten ihr zu. Ingor hatte sie schon oft singen hören, aber niemals so schön. Er hatte immer schon ihre Stimme bewundert, dies übertraf aber alles. Er war so verliebt und verzaubert, dass er erst merkte, dass die Musikanten zum Tanze aufriefen, als Iona ihn auf die Tanzfläche zog. Zunächst wurde ein schnelles lustiges Lied gespielt. Da tanzten alle in lustigen Schritten und ab und zu bildeten sie kleine Grüppchen von 6 Leuten um einmal im Kreis zusammen zu tanzen. Viele lustige Lieder erklangen und dann spielten die Musikanten mit einem Klavierspieler ein romantisches Liebeslied. Alle Paare, die anwesend waren, sollten auf die Tanzfläche kommen. Da dann aber immer noch ein paar übrig blieben, wurde gebeten, dass Männer noch übrig gebliebene Frauen auffordern sollten. So saßen nur noch ein paar dar, die aber genauso an der Musik teilnahmen. Ganz in der Mitte der Tanzfläche waren Ingor und Iona eng aneinandergeschmiegt. Verliebt blickten sie sich in die Augen und waren so glücklich wie nie zuvor. Nach ein paar Minuten Tanz blickte Iona dann neugierig um sich, denn sie wollte wissen, wer denn jetzt als „Paar“ auf der Tanzfläche war. Sie sah Haldir mit seiner Frau Lolóriel, die ebenfalls eng aneinander tanzten, den König Arbarath mit seiner Gattin Albalan und sie sah ihre Eltern und die Eltern Ingors. Dann blickte sie auf die Leute, die sitzen geblieben waren. Sie entdeckte nur Kialoth, einen Halbelben, der sehr schüchtern war, was erklären dürfte, warum er keine Partnerin hatte, drei ihrer insgesamt 10 Cousinen am Tisch, eine Cousine an die Wand gelehnt und eine in der Ecke sitzend. Aber dann entdeckte sie noch den Elben Legolas, der, an die Wand gelehnt, stand. Wie in einem Blitzgedanken kam ihr eine Idee: Die eine ihrer Cousinen, die in der Ecke saß, hatte seit langem geklagt, dass sie keinen Mann finden würde. Am liebsten wäre ihr ein Elb, nicht zu groß, tapfer, vielleicht ein Bogenschütze. Dann blickte Iona zu Legolas. Er war perfekt: Ein Elb, nicht zu groß, von ihm war bekannt, dass er einer der tapfersten war, und Bogenschütze noch dazu. Über ihn wusste Iona sonst nicht sehr viel, nicht, ob er bereits vergeben war oder ob er überhaupt jemanden lieben wollte. Dass er es konnte, davon war sie überzeugt. Und ihr Entschluss stand fest: Sie musste ihre Cousine Legolas vorstellen. Aber zunächst wollte sie in Ruhe ein bisschen auf Elbisch mit Legolas reden, um mehr über ihn herauszufinden. Als der Tanz zu Ende war, ging sie langsam zu ihm hin. Ingor unterhielt sich mit ein paar Freunden und zwei der Cousinen Ionas, ein paar Leute gingen zu den Sesseln um eine Pause einzulegen, andere tanzten weiter und die Bediensteten trugen Krüge mit frischem Wasser herein. Haldir und seine Frau setzten sich ebenfalls auf zwei Sessel. Iona entschied sich zunächst mit ihm zu reden, vielleicht konnte er auch etwas zu Legolas berichten. Sie setzte sich zu ihm. „Mae govannen, berethnin !“, sagte er, was soviel heißt wie „seit gegrüßt, meine Königin.“ Sie lächelte und antwortete ebenfalls mit „mae govannen, haldir, aran ithildin!“ Dies bedeutet: „Seit gegrüßt, Haldir, König von Ithildin !“ „Ich habe mit Euch zu reden“, sagte Iona auf der Elbensprache. „Gerne“, antwortete Haldir, der natürlich ebenfalls die Sprache der Elben benutzte. „Der Elbe, Legolas, ich weiß sehr wenig über ihn. Dass er Bogenschütze ist, sehr tapfer und so, das weiß inzwischen jeder. Aber wie ist er wirklich?“ „Warum interessiert Euch das so?“, fragte Haldir schnippisch. „Ihr werdet es noch erfahren. Aber damit Ihr es wirklich wissen könnt, muss ich mehr über ihn wissen.“ „Nun“, begann der Elbenkönig, „er ist einer meiner besten Bogenschützen, das wisst ihr. Aber nicht nur das, er kann auch mit allem sonst sehr gut umgehen. Also, nicht nur Waffen wie Schwerter, sondern auch mit Menschen. Seine innige Freundschaft zu vielen Elben, Menschen und Zwergen zeichnet ihn aus. Es mag Euch so vorkommen, dass er nicht viel spricht. Dies ist wahr, aber er spricht nur deshalb nicht viel, weil er keinen Unsinn sagt. Niemals zuvor habe ich ihn etwas sagen hören, was nicht wichtig gewesen wäre.“ „Aber man kann ihn in ein Gespräch ziehen?“, hackte Iona nach. „Oh ja, wenn es ein gutes Thema hat, spricht er sogar recht viel.“ „Über welche Themen spricht man denn am Besten mit ihm?“, fragte Iona weiter. „Oh, das ist schwierig zu sagen, meine Königin, denn es gibt nicht direkt Themen über die man sich mit ihm am Besten unterhalten kann. Das kann man nur an einem Beispiel sagen.“ „Wenn man mit ihm über Bogenschießen und Kämpfen redet, ist man da am richtigen Fleck?“, fragte Iona weiter. „Nun es ist so, wenn man ein wenig mit ihm darüber plaudert, dann ist das ein gutes Thema, aber sicherlich kein dauerhaftes“, antwortete Haldir. „Es wäre besser, sich mit ihm über die Natur zu unterhalten, über Tiere, über Menschen und verschiedene Völker. Das ist, was ihn wirklich interessiert.“ Iona nickte begeistert. Natur, Tiere, Menschen, Völker, dies alles waren ebenfalls die Interessen von ihrer Cousine. „Hannon Lei , König Haldir, Ihr habt mir sehr geholfen. Ihr werdet auch bald merken, was ich damit bezweckt habe.“ „Ich habe es gerne getan, denn ich ahne bereits Euer Vorhaben.“ Er nickte mit dem Kopf in Richtung ihrer Cousine. „Mein König, Ihr habt soeben das Geheimnis gelüftet“, sagte Iona und stolzierte in Richtung Wand. Der Elbenkönig schaute ihr noch kurz lächelnd nach und widmete sich dann seiner Frau, die ebenfalls mitbekommen hatte worum es ging. Auch sie hatte mitgelächelt und sagte nun zu ihrem Mann: „Ich fände es gut, wenn er einmal eine Frau bekäme. So ist er doch meistens alleine.“ „Aber selbst wenn sie sich finden würden, wo würden sie leben?“, fragte Haldir. „Der Liebe sind keine Wege zu groß, nimm doch mal uns!“, erwiderte seine Frau. Haldir lächelte und erinnerte sich genau. Seine Frau war eine Elbin aus dem imlad laegrim, dem Grünelbental. So nannte man die Elben, die nicht viel zum Leben brauchten. Sie hatten sich einige wunderschöne Brunnen gebaut und ein paar Plätze mit Unterstand, falls es regnen sollte, was dort sehr selten vorkam, sonst lebten sie in der freien Natur. Ihre Waffen fertigten sie aus Holz oder Stein an, ihr Essen bekamen sie durch bestimmte Pflanzen, deren Samen sie jedes Jahr von den Blüten nahmen und bis zum Frühling aufbewahrten und dann einpflanzten. Doch auch wenn es manchmal nicht einfach war, es widerstrebte ihnen, Jagen zu gehen und dann Fleisch zu Essen. Die beschädigten auch beim Durchgehen von Landschaften so wenig wie möglich Pflanzen, die sie ebenso liebten.
    Haldir dagegen war bereits in Ithil geboren worden. Sein Vater, der Altkönig Berethil, war mit ihm durch die Lande gereist und auch zu dem imlad laegrim. Dort wurden beide freundlich und ehrfürchtig empfangen. Es wurde ihnen Essen angeboten, doch sie hatten keine Hütte um ihnen eine Schlafstätte anzubieten. Doch obwohl weder der König noch sein Sohn jemals unter freiem Himmel geschlafen hatten, versuchten sie es. Berethil konnte gut schlafen, aber Haldir hatte kein Auge zugemacht. Er war in der näheren Umgebung herumgegangen und hatte sich bei einem Brunnen niedergelassen. Lolóriel hatte sich bereits bei der Ankunft Haldirs auf den ersten Blick unsterblich in ihn verliebt. In dieser Nacht konnte sie ebenfalls nicht schlafen. Sie hatten bereits ein paar Worte gewechselt. Aber es waren nicht sehr viele gewesen. Auch Lolóriel ging zu dem Brunnen, an dem Haldir bereits saß und ins Wasser blickte. Der Mond schien so hell und die Sterne waren so deutlich, dass er sogar sein Gesicht erkennen konnte. Als er es knacken hörte, blickte er auf. Es war Lolóriel. Als sie ihn da sitzen sah, bekam sie weiche Knie und konnte nur schwer weiter auf den Brunnen zugehen. Da sie es gewohnt war, im Dunkeln zu gehen, konnte sie sehr gut sehen, denn Elben haben sowieso ein viel besseres Sehvermögen als Menschen. Viele viele Kilometer können sie die kleinsten Dinge noch erkennen. Auch Haldir konnte gut sehen und als Lolóriel näher kam, verliebte auch er sich unsterblich in sie. Allein ihr Gang war unbeschreiblich. Er war kurz davor, zu schmelzen, als sie sich an den Brunnenrand setzte. Lange Zeit sagte niemand etwas. Dann nahm Lolóriel all ihren Mut zusammen und sagte: „Ich weiß, wer Ihr seid. Haldir, Prinz von Ithildin. Mein Name ist Lolóriel.“ Der Klang ihres Namens ließ sein Herz bis in den Kopf klopfen und er wünschte sich mehr Mut. Dann hörte er sich selbst sagen: „Nett, dich kennen zu lernen.“ Er kam sich dabei unglaublich töricht vor und wünschte, dass er das nie gesagt hätte. Aber Lolóriel schien das nichts auszumachen. Sie lächelte nur und sagte: „Wie ich höre, seit Ihr auf der Durchreise. Wo habt Ihr und euer Vater denn vor, hinzugehen?“ „Zu den falathrim “, antwortete Haldir, „dort lebt die Stiefmutter meines Vaters. Lange Zeit hat er keine Nachricht von ihr erhalten. Er wollte sehen, ob sie noch lebt. Ich sollte ihn begleiten, damit ich auch etwas von der Welt zu sehen bekomme.“ Sie lächelten sich an. „Darf ich fragen, wie alt Ihr seit, Haldir?“ Er lächelte, und dann schien es ihm wieder töricht irgendetwas zu sagen. Aber er versuchte so natürlich wie möglich zu antworten: „Ich bin noch sehr jung, 100 Jahre.“ Lolóriel lächelte mehr. Haldir aber kam sich wieder so töricht vor, dass er wegsehen musste. Doch gleich darauf blickte er wieder zu dieser wunderschönen Frau, denn er meinte, dass er sie wahrscheinlich nie mehr sehen würde. Gewiss war sie verheiratet. „Ich bin 98 Jahre alt“, sagte Lolóriel. „Wie alt ist denn Eure Frau?“ „Frau?“, fragte Haldir erstaunt. „Ich habe keine, noch nicht jedenfalls.“ Diese Nachricht ließ Lolóriels Augen glühen. „Und Ihr, habt Ihr einen Mann?“, fragte Haldir. „Nein“, antwortete Lolóriel schüchtern. Dies gab ihr ein Bild, welches Haldir noch nicht bemerkt hatte. Die Statur dieser Frau war eher kräftig und es fehlte nicht an Muskeln. Aber man konnte sich das nicht aus ihrer Figur wegdenken. Aber wenn sie schüchtern etwas sagte, dann sah sie so klein aus, das in Haldir ein Gefühl hochkam, das er noch nicht kannte. Er wollte sie beschützen. Er wollte sie in den Arm nehmen und festhalten, dass niemand sie anfassen, niemand ihr ein Leid zufügen könnte. In dem Rest dieser Nacht sprachen sie über ihre Leben und über sich selbst. Er erfuhr, dass ihre Eltern bereits gestorben seien, dass sie bei einem Angriff der galadhrim-dûr, dem dunklen Baumvolk, kurz nach ihrer Geburt erschlagen wurden. Dieses Volk war inzwischen von der Anzahl her sehr geschrumpft, aber ab und zu kamen noch Krieger ins imlad laegrim. Als der Tag anbrach, waren sie beide sehr traurig und hofften, dass sie irgendwie sich einmal wieder sehen könnten oder dass durch einen Zufall sein Vater und er noch bleiben könnte. Wie durch einen Zufall ereignete es sich, dass die Nachricht kam, die falathrim seien weggezogen. Die kleine Stadt, in der der Rest ihrer Rasse noch gelebt hatte, war verlassen, aber nicht zerstört. Haldirs Vater, Berethil, war sehr erschüttert darüber, aber er konnte nichts machen. Jetzt zu den Küsten zu gehen und nach ihnen zu suchen, war einmal viel zu gefährlich und wenn er sie tatsächlich finden würde und seine Stiefmutter nicht mehr leben würde, wer garantierte ihm, dass sie ihn freundlich aufnehmen würden? Er würde nicht nur sich, sondern auch seinen jungen Sohn in Gefahr bringen. So gedachte er, wenn es den Leuten aus imlad laegrim recht war, noch ein paar Tage zu verweilen und dann nach Ithildin zurückzukehren. Vielleicht konnte er mit ein paar Kriegern noch einmal zurückkommen und nach den falathrim suchen, so war es sicherer. Haldir war über die Nachricht, dass sie noch bleiben würden, so erfreut, dass er beinahe einen Freudenschrei ausgestoßen hätte. Er konnte dies im letzten Moment noch zu einem Husten wenden. Heimlich verabredete er sich mit Lolóriel bereits bei Einbruch der Dunkelheit, bei der die meisten der laegrim schlafen gingen, wieder bei demselben Brunnen.
    Dort fanden sie sich wieder und Lolóriel hatte diesmal etwas mitgebracht. Eine Kerze aus dunklem Wachs in einem kleinen Halter und ein Geschenk für Haldir. Es war ein Ring mit einem Smaragd darauf. Sie zündete die Kerze an, damit er den Ring besser sehen konnte. „Er gehörte meinem Vater“, sagte Lolóriel, „er bringt Kraft. Mein Vater hat ihn immer getragen, nun möchte ich, dass du ihn trägst.“ „Nichts lieber als das, ich danke dir“, antwortete Haldir. Ihm viel nach diesen Sätzen erst auf, dass sie eben „du“ zu sich gesagt hatten. Aber er war es Leid das ewige höfliche Gesülze mit „Ihr“ und „Euch“. So war es viel entspannter und vor allem, kam er damit Lolóriel ein wenig näher. Auch sie hatte erst später bemerkt, dass sie sich geduzt hatten.



    Re: Meine Geschichte

    Black - 17.12.2006, 19:37


    Uff, habs mal überflogen und werds demnächst ganz lesen!

    Hört sich interessant an ! Daumen hoch!



    Re: Meine Geschichte

    Adaneth - 17.12.2006, 20:05


    Danke *knuddel*



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